Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

"Die Stadt der Wasser" am Fuße der Ruwayd-Berge. Bekannt für ihren Wohlstand und der Akademie der Heiler.
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Gilldor
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Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

Beitrag von Gilldor » Mo, 16. Jul 2012 13:50

Der Tag auf dem Markt war anstrengend gewesen, aber auch eine willkommene Abwechslung als immer nur in der Schmiede auf dem Hof zu arbeiten. Vor allem waren ihm heute Menschen begegnet, die er an normalen Tagen nie zu Gesicht bekam. So wie die junge Tänzerin im Geleit der Sultansfrau. Auch nachdem die kleine Karawane schon lange weitergezogen war, hatte er sie nicht aus seinem Kopf bekommen und sich immer wieder dabei ertappt wie er an sie dachte. Diese Momente der Unaufmerksamkeiten hatte er mit Brandwunden an seinen Händen und einem blauen Daumen bezahlt, weil er statt auf seine Arbeit mehr auf das Getümmel auf dem Marktplatz geachtete hatte in der Hoffnung sie noch einmal zu sehen. Zu seinem Leidwesen waren sie auf dem Weg zurück in den Palast nicht noch einmal vorbeigekommen. Gilldor war ein bodenständiger Mann. Er glaubte nicht an Liebe auf den ersten Blick. Nicht mehr. Seit dem Verlust seiner Verlobten war er rationaler geworden und hatte sich in sich zurück gezogen. Die Geschichte mit dieser Söldnerin bereute er zutiefst und schämte sich noch heute für seine Naivität. Je länger er darüber nachdachte, desto mehr kam er zu dem Schluss, dass es sein Schmerz gewesen war, der ihn zu dieser Dummheit verleitet hatte.

Trotz allem ließ ihn die junge Tänzerin nicht los. So sehr er es sich das Gegenteil einzureden versuchte, sie hatte ihn tiefer berührt als es ihm lieb war. Es war kein Zufall gewesen, dass sich ihre Blicke begegnet waren. Auch wenn er nicht an das Schicksal glaubte, wusste er, dass es eine Art Bestimmung gewesen war. Zumindest versuchte sein Herz ihm das einzureden. Sein Kopf jedoch weigerte sich es auf diese Weise zu sehen.

Ohne Unterlass hatte er gegrübelt und war doch zu keiner Antwort gekommen. Länger als sonst hatte er für den Abbau des Standes und das Beladen des Karrens gebraucht als es sonst der Fall war. So war es schon lange dunkel und er der Letzte, der den Platz verlassen hatte um in Richtung Hof zu fahren. Murat sah seinem Lehrling sofort an, dass mit ihm Etwas nicht stimmte. Er war jedoch feinfühlig genug ihn nicht mit Fragen zu durchlöchern und stellte dem Shiín frei den nächsten Tag frei zu nehmen, wenn er es wollte. Gilldor jedoch hatte abgelehnt und hatte nachdem er sich umgezogen hatte sein Zimmer wieder verlassen. Er brauchte Luft um einen klaren Kopf zu bekommen.

Seit zwei Stunden nun schon lief er ziellos durch die Gassen und Straßen der Wüstenstadt. Kaum ein Mensch war ihm begegnet. Anders als am Tage war die Stadt wie leer gefegt und niemand blickte ihn schräg von der Seite her an. Die Ruhe tat gut. Aber auch die Kühle der Nacht war eine Erleichterung zu der unbarmherzigen Hitze des Tages. Er fröstelte sogar leicht und rieb sich wärmend über die Arme. An diese starken Gegensätze würde er sich nie gewöhnen. So etwas gab es in den Hügelländern nicht. Einzig im Winter wurde es kalt, ansonsten blieben die Temperaturen meist gleich. Aber er war nicht mehr in seiner Heimat. Einmal mehr wurde ihm das schmerzlich bewusst und er seufzte leise. Mit gesenktem Kopf und Schultern schlenderte er weiter ohne zu wissen wohin ihn seine Füße trugen.

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Re: Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

Beitrag von Elin » Do, 19. Jul 2012 0:10

Der Tag war anstrengend geworden...und eine richtige Herausforderung. Elin hatte ihre Arbeit aufgeholt, aber sich dabei mit einem der Messer verletzt. Banu hatte die häßliche Wunde in ihrer Handfläche versorgt. Da Nadim reichlich ungehalten schien, hatte Elin weiter gearbeitet. Natürlich konnte sie nicht jeder Arbeit nachgeben, aber sie traute sich kaum mit ihm darüber zu sprechen. Seine schlechte Laune machte ihr zu schaffen. Es wirkte sich auf ihre Motivation aus. Außerdem schmerzte die Hand bei jeder Bewegung. Die Finger wollten nicht ganz so wie sie, so dass sie ihr Werkzeug einmal sogar fallen ließ.

Elin kontrolliere den Verband an der rechten Hand. Durch den weißen Leinenstoff drang bereits wieder Blut durch. Mit der unverwundeten Hand strich sie sich durch die Haare, bevor sie wieder die Nadel in die Hand nahm. Dann begann sie mit kraftvollen Stichen eine Ledertasche zu reparieren. Die Naht war aufgerissen. Ein Stammkunde. Die Arbeit musste ordentlich, aber auch schnell gemacht werden. Dennoch schmerzte die Hand bei jeder Bewegung und ihre Finger hielten am Ende kaum noch die Nadel. Es tat einfach nur weh. Elin schloß für einen Moment die Augen. Während sie so da saß, bewegte sie langsam die Finger der rechten Hand. Erst als sie glaubte den Schmerz unter Kontrolle zu haben öffnete Elin wieder die Augen. Sie sah sich im Raum um und entdeckte Nadim, der sie wohl beobachtete. "Genug für heute", brummte der alte Mann. Ob er es ihr zu liebe tat oder ob er selbst bereits müde war, konnte Elin nicht sagen. Sie packte ihr weniges Hab und Gut in ihre einfache Leinentasche, ehe sie den Rest aus dem Wasserschlauch trank.

"Bis morgen", sagte Elin. Sie machte sich auf den Weg zurück zur Taverne. Zuhause hätte nun die kalte Nachtluft sie umgeben und der Duft des Waldes würde in ihr liegen. Der würzige Geruch nach Nadelbäumen. Das war einer der wenigen Momente in denen sie sich nach ihrer Heimat sehnte. Oder es lag an den Schmerzen in ihrer Hand. Sentimalitäten lagen ihr eigentlich überhaupt nicht.
Sie wanderte durch die Straßen in Richtung Taverne. Der Weg war ihr mittlerweile so vertraut, wie es einst der Hof ihrer Eltern gewesen war.

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Re: Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

Beitrag von Gilldor » Fr, 20. Jul 2012 11:52

Eigentlich gehörte der junge Shiín nicht zu denen, die ihre Sorgen in Alkohol ertränkten, aber heute glaubte er seine Erinnerungen an die Heimat und allem was er damit verband nicht anders betäuben zu können. In seinem Kopf kreisten die Gedanken und er sah immer wieder die gleichen Gesichter vor seinem geistigen Auge. Wobei Zydieras Antlitz sich immer wieder in das der jungen Sklavin wandelte. War das ein Zeichen? Sollte dieses junge Menschenmädchen gesandt worden sein um seinen Schmerz zu stillen? Entschieden schüttelte er den Kopf. Das war töricht. Sie war ein Mensch, er ein Shiín und dazu kam, dass wenn er auch nur den Versuch unternahm sich ihr nähern zu wollen man ihm den Kopf schneller abschlug als dass er seinen Namen würde nennen können.

Wieder seufzte Gilldor leise und lenkte seine Schritte in eine Gasse, die direkt zu der Taverne führte in der er schon einige Tage zuvor gewesen war und auf Elin getroffen war. Sie war eine der wenigen Bewohner der Stadt, die ihm ohne jegliche Vorurteile begegnete und in ihm das war, was er war: Ein Mann fernab seiner Heimat. Schmerzvoll verzog er das Gesicht. Es wurde dringend Zeit, dass er sich Ablenkung verschaffte ehe er sich ganz in der Melancholie verlor. Viel war nicht mehr von dem lebenslustigen jungen Mann mehr übrig und er fürchtete, dass ihn die Trauer eines Tages zu einem letzten fatalen Schritt treiben würde. Dem wollte er unbedingt entgegen wirken. So sehr er seine Verlobte auch vermisste, wollte er dennoch weiterleben. Um ihretwillen allein schon.

Neuerlich versank er in Grübeleien und es mochte auch durch die Dunkelheit bedingt sein, dass er nicht sah, dass ihm jemand entgegen kam auf dem Weg, den er für sich gewählt hatte. Erst als er gegen die zierliche Gestalt stieß und sie instinktiv an den Armen festhielt, damit sie nicht hinfiel, erkannte er wen er vor sich hatte. „Elin!“, rief er erschrocken, aber auch erfreut. „Es tut mir Leid. Ich habe dich nicht gesehen. Ist alles in Ordnung bei dir? Hast du dir weh getan?“ Echte Besorgnis lag in seiner Stimme und er versuchte zu erkennen ob sie auch wirklich unversehrt war. Ihm war dieser Zusammenprall mehr als unangenehm und wenn jemand sie beide beobachtet hatte, würde es für neuen Gesprächsstoff sorgen.

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Re: Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

Beitrag von Elin » Sa, 21. Jul 2012 23:54

Elin erschrak als der andere in sie hereinrannte. Dann hielt der Fremde sie auch noch fest und die Soldatin in Elin wollte sich aus dem Griff befreien, aber als er sie ansprach fiel die Anspannung von ihrem Körper. Von Gilldor hatte sie keine Gefahr zu befürchten. "Sei gegrüßt", erwiderte Elin freundlich. Sie strich ihre Kleidung mit der unverletzen Hand glatt und machte einen Schritt nach hinten um etwas Abstand zwischen sich und Gilldor zu bringen. "Ich habe mir nichts getan...keine Sorge."

Sie hätte ihm erzählen können, dass sie in ihrem früheren Leben Soldatin war. So schnell konnte man sie nicht aus dem Gleichgewicht bringen und leichte Verletzungen war sie durchaus gewöhnt. Wie oft hatte man sie bei Übungskämpfen in den Boden geworfen? Für einen Augenblick gehörten ihre Gedanken wieder Finn und Ruven. Vielleicht hätte sie doch Ruven begleiten sollen? Dann würde sie sich jetzt nicht so alleine in der Fremde fühlen. Nadim, Banu, Amber, Aadil, Memnun und Sahar waren gute Freunde, aber doch fehlte ihr manchmal etwas. Vielleicht lag es auch daran, dass sie beim letzten Gespräch mit Gilldor so viel über ihre Vergangenheit nachgedacht hatte? Elin wusste es nicht sicher.

Ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen. "Hast du dir weh getan?" Eigentlich sollte sie schon lange in der Taverne sein. Sie hatte zu arbeiten. Ihr ganzes Leben bestand derzeit nur aus Arbeit, aber das störte Elin nicht. Sie selbst hatte sich dazu entschieden. Es war auch eigentlich garnicht so schlimm, aber vielleicht brauchte sie eine Aufgabe, die sie wirklich forderte? Die Arbeit in der Schmiede war immer gleich und viel Neues passierte in der Taverne auch nie. Ob sie Naradesh verlassen sollte um irgendwo das Abenteuer zu suchen?

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Re: Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

Beitrag von Gilldor » Fr, 27. Jul 2012 14:35

Der junge Shiín erschrak mindestens ebenso sehr wie Elin und es war ihm ausgesprochen unangenehm dass ihm das passiert war. Für gewöhnlich ging er mich wachem Blick und aufmersam durch die Straßen. Er wusste nicht wirklich zu sagen was ihn derart abgelenkt hatte und es war unverzeihlich.

Als er sich seiner Geste und ihrer Anspannung bewusst wurde, ließ er sie los und lächelte entschuldigend. „Entschuldige vielmals.“, wiederholte er noch einmal und fühlte sich zunehmend unwohler in seiner Haut. „Sei auch du mir gegrüßt, Elin. Ist auch wirklich alles in Ordnung bei dir? Hast du dir auch wirklich nichts getan?“ Voller Sorge musterte er sie um sicher zu gehen, dass ihr auch ja nichts fehlte. Auch wenn der Aufprall nicht allzu heftig gewesen war, konnte man nie wissen. Er war wesentlich größer und kräftiger als sie. Gegen ihn war sie klein und zierlich was einen Beschützerinstinkt in ihm auslöste. Dass sie einst selbst Soldatin gewesen war und auf sich Acht geben konnte, ahnte er nicht.

Ein scheues Lächeln zeigte sich auf seinen Lippen als sie ihn wiederum fragte ob er sich denn weh getan hätte und er schüttelte den Kopf. „Nein. Es geht mir gut. Ich habe mich nur erschrocken. Mehr nicht.“, erwiderte er und strich sich nervös mit einer Hand Strähnen seines leuchtend weißen Haares hinter die spitzen Ohren. „Wohin bist du eigentlich unterwegs so spät am Abend?“, fragte er und versuchte das Gespräch in eine andere, weniger unangenehme Richtung zu lenken. Unsicher sah er sich nach allen Seiten hin um ob sie denn wirklich niemand beobachtete um später darüber zu reden und falsche Gerüchte über sie beide zu verbreiten. Schon jetzt konnte sich Gilldor die Schlagzeilen vorstellen, die da lauteten, dass der Shiín wehrlose Frauen im Schutz der Dunkelheit in abgelegenen Gassen angriff. Dass dem nicht so war, würde ihm niemand glauben. Denn wer glaubte schon einem wie ihm?

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Re: Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

Beitrag von Elin » Di, 31. Jul 2012 23:25

Elin schüttelte leicht lächelnd den Kopf ob seiner nochmaligen Frage. "Du hast mich nicht verletzt", erwiderte Elin freundlich und dachte kurz daran, dass sie sich sehr wohl selbst verletzt hatte bei der Arbeit. Ob er dachte, dass sie sich derart leicht verletzen ließ? Elin schmunzelte. Es war irgendwie amüsant, dass sich jemand derart um sie sorgte. Waren Finn und Ruven nicht ähnlich gewesen und hatten sich ebenso um sie gesorgt? Ob er wohl gerne andere beschützte? "Ich brauche keinen Retter in der Not." Elin zwinkerte ihm zu und kam sich deshalb wirklich albern vor. Warum zwinkerte sie einem Fremden zu? Einem Mann mit dem sie in einer Gasse zusammengestoßen war und den sie zuvor nur in einer Taverne getroffen hatte.

Dass er sich nichts getan hatte, beruhigte sie irgendwie. Aber wie hätte sie ihm auch wehtun können? Er war viel größer und kräftiger als sie. "Ich kommte gerade aus der Schmiede." Elin deutete in die Richtung aus der sie kam. "Da ich so lange auf dem Markt war, habe ich noch einige Arbeit in der Schmiede erledigen müssen." Die junge Frau zuckte mit den Schultern. So war ihr Leben nunmal. Es bestand aus Arbeit und sie musste immerhin genug verdienen um... Naja - um irgendwann ihr Leben zu ändern. Vielleicht hätte sie eines Tages Lust Naradesh wieder zu verlassen und weiterzuziehen? Das wusste sie jetzt noch nicht, aber sie musste entsprechend planen. Außerdem wusste sie auch nicht wie lange Nadim noch Arbeit für sie hatte. Es wäre also schlecht ihn zu verärgern.

"Allerdings führt mein Weg mich zur Taverne um beim Ausschank zu helfen. Der Abend ist noch jung." Obwohl sie fröhlich klang, hoffte Elin, dass der Abend nicht mehr allzu lange dauern würde. Die Hand schmerzte und sie wollte sich etwas ausruhen. Ihr Leben war anstrengend. Außerdem hätte sie viel lieber mehr Zeit um sich Naradesh richtig anzuschauen. Aber nicht nur Naradesh. Sie wollte so viel mehr von der Welt sehen und noch mehr unterschiedliche Personen kennenlernen! Fremde Kulturen erleben. Aber noch nicht heute. Sie würde noch etwas verdienen und dann aufbrechen. Sobald sie genug hatte um eine Reise zu finanzieren. Immerhin würde sie nicht vor Ort direkt wieder arbeiten wollen. "Wohin führt es dich?" Elin versuchte die Gedanken an ihr Leben zu verdrängen. Ihr Leben war gut so wie es war und im Grunde liebte sie es. Wenn man von den Momenten absah in denen sie sich die Hand verletzte nur um dann zu viel nachdenken zu müssen. Elin lächelte freundlich. Mit der unverletzten Hand fuhr sie über den Handrücken der verletzten. Vielleicht sollte sie Nadim einfach fragen, ob sie einige Tage frei bekam. Dann würde sie vielleicht Naradesh richtig erkunden können. Aber sie durfte die Anstellung nicht verlieren...und schon wieder schweiften ihre Gedanken ab. Elin seufzte leise. "Und warum bist du so spät noch unterwegs?", fragte Elin neugierig. Vielleicht konte sie sich mit seinem Leben von ihrem Leben ablenken. Zumindest für eine Weile.

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Re: Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

Beitrag von Gilldor » Mi, 01. Aug 2012 13:21

Gilldor lächelte freundlich als Elin ihm abermals versicherte sie sei nicht verletzt. Das beruhigte und freute ihn. Er hätte es sich nicht verzeihen können, wenn ihr seinetwegen ein Leid zugestoßen wäre. Vor allem konnte er sich gut die Gerüchte und das Gerede der Leute vorstellen. Aber zum Glück mochte es nicht so weit kommen. Niemand hatte sie gesehen. Also gab es auch keinen Anlass zum Reden. Ihr Lächeln und ihr Zwinkern waren Balsam für seine Seele. Sacht nickte er. „Dann ist es ja gut.“, erwiderte er und ließ offen auf welche ihrer beiden Aussagen sich seine Worte bezogen. Es stand ihm fern sie gegen ihren Willen zu beschützen und behüten, wenn sie ihn nicht eindeutig darum bat.

„Aus der Schmiede?“, wiederholte er ein wenig überrascht und lächelte als sie ihm erklärte wieso sie erst so spät ihre Arbeit beendet hatte. Ihr Besuch auf dem Markt hatte ihn gefreut, auch wenn sie nicht wirklich viel Zeit füreinander gehabt hatten. Dennoch war es schön g ewesen ein bekanntes Gesicht gesehen zu haben. Es gab nur wenige Leute in der Stadt und noch viel weniger von ihnen meinten es gut mit dem Shiín. Die meisten wollten ihn am liebsten aus Naradesh jagen, sie trauten ihm nicht und ließen es ihn auch immer wieder aufs Neue spüren. Allein aus diesem Grund heraus wollte Gilldor eines Tages weiterziehen, denn er mochte nicht an einem Ort bleiben an dem man ihn nur duldete und das auch nur mit Widerwillen. Aber genau wie Elin fehlte ihm das nötige Geld für eine Reise. Er verdiente nur wenig, durfte dafür aber umsonst bei Murat leben und musste sein Essen nicht bezahlen. Allerdings packte er bei allen anfallenden Arbeiten auf dem Hof und in der Werkstatt mit an. Es war für ihn selbstverständlich mit anzupacken.

Sein Blick glitt kurz zum Himmel als Elin meinte der Abend sei noch jung. Dem Stand des Mondes nach zu urteilen hatte sie Recht. Dennoch verwunderte es ihn, dass sie statt den Abend und die Nacht zu Hause zu verbringen noch in die Taverne ging um dort zu arbeiten. Wie schaffte es eine so zierliche Person so hart zu arbeiten? Sie musste müde und erschöpft sein. Er selbst spürte die Anstrengungen des Tages überdeutlich und wäre nicht fähig noch weiter zu arbeiten heute Nacht. „Wenn du magst, begleite ich dich. Ich wollte ohnehin einen Krug Wein trinken gehen um den Tag ausklingen zu lassen.“, sagte er und lächelte scheu. Dann fasste er sich kurz an die Stirn und reichte ihr seinen Arm, so wie es sich für einen Mann der Alten Schule gehörte. Wie hatte er das nur vergessen können?

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Re: Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

Beitrag von Elin » Do, 02. Aug 2012 15:46

Wieder musste Elin lächeln. Was war daran so außergewöhlich, dass sie noch so spät arbeitete? Viele anderen widmeten sich sicherlich auch noch ihrer Arbeit. Memnun arbeitete auch fast den ganzen Tag und beschwerte sich nie darüber. Aber für ihn war seine Taverne der Mittelpunkt seines Lebens. Es lag daran, dass die Menschen zu ihm kamen und mit ihm sprachen. Sie aßen und tranken, liebten die Gesellschaft und natürlich zahlten sie auch dafür, so dass Memnun sich seinen Traum verwirklichen konnte. Sahar teilte seinen Traum was das Ganze nahezu perfekt werden ließ. Hoffentlich würden sie weiterhin so viele Gäste haben. Vielleicht konnte Memnun dann auch anbauen um seine Taverne zu vergrößern? Elin hoffte es für ihn, aber vor allem hoffte sie, dass Sahar endlich schwanger werden würde. Ein anderer Traum, den die beiden hatten. Außerdem würde Memnun einen Erben für seinen Traum brauchen...

Er bot an sie zur Taverne begleiten und Elin schmunzelte leicht. „Ja, gerne.“ Sie hakte sich nicht bei ihm ein. Noch nie hatte sie sich bei irgendjemanden eingehakt und noch nie hatte ihr jemand den Arm angeboten. Das war etwas für feine Mädchen wie Amber oder Lenna, aber doch nicht für eine ausgebildete Kriegerin. Elin sah zu ihm auf. „Wenn das Schicksal auf unserer Seite steht, dann ist auch noch etwas zu Essen da.“ Im Grunde kochte Sahar nur einfache Gerichte, aber Elin hatte das Essen lieben gelernt. Vielleicht lag es aber auch an der Atmosphäre in der man aß? Wenn man mit den Stammgästen aß, dann war es fast so als würde sich Verwandtschaft treffen und über ihr Leben sprachen. Das war der Traum von Memnun. Eine große Familie an einem Tisch unter seinem eigenen Dach. Er hatte diese Taverne hier nahezu aus dem Nichts erbaut und das als junger Mann. Er war einer der Menschen zu denen man aufschauen konnte. Vor allem hatte er sich dabei nie verbogen.

Sie nahm die Umgebung in sich auf. In der Wüste wurde es nachts kalt, aber Elin fröstelte nicht. Sie hatte Winternächte Wache gehalten, da würde sie hier sicher nicht frieren. Die Gerüche am Abend waren auch ganz andere. Elin atmete mehrmals tiefdurch um alles in sich aufzunehmen. Als sie bei der Taverne ankamen, trat Elin allerdings nicht durch die Tür hinein, sondern führte Gilldor hinter die Taverne. „Ich muss noch an den Brunnen...sonst wird Sahar wütend.“ Elin machte sich daran einen Eimer mit Wasser hochzuziehen. Sie hob den Eimer auf den Rand und tauchte ihre Hände in das kühle Nass. Für einen Moment biss sie die Zähne aufeinander. Es schmerzte als das Wasser an die Wunde kam. Elin schloss die Augen um den Schmerz zu besiegen. Sie würde nicht darauf reagieren und vor allem würde sie keine Träne wegen der Wunde vergießen. Dann begann sie mit der unverletzten Hand ihre Arme zu säubern. Gilldors Anwesenheit störte sie nicht. Sie hatte zwischen Männern in einer Festung gelebt. War Soldatin gewesen. Außerdem würde sie sich nicht vor ihm entkleiden sondern nur die sichtbare Haut säubern.
Die nasse Haut kühlte sie auf angenehme Weise. Es half die Hitze des Tages zu besiegen. Einfach wunderbar. Sie liebte dieses kleine Ritual am Abend.

Beide Hände als Schale nutzend tauchte sie sie in den Eimer. Ein Schwall Schmerzen überkam sie, aber sie reagierte nicht darauf. Sie tauchte das Gesicht in das Nass und fühlte angenehme Kühle auch im Gesicht. Dann reinigte sie auch ihr Gesicht von den Spuren des langen Tages in der Schmiede.
Erst als sie ihre Katzenwäsche beendet hatte, sah sie wieder zu Gilldor. „Du auch?“

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Re: Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

Beitrag von Gilldor » Do, 02. Aug 2012 18:07

Gilldor war deswegen so verwundert, weil er es aus seiner eigenen Heimat so kannte, dass bis auf wenige Ausnahmen jeder Shiín sein Tagewerk bei Einbruch der Dunkelheit ruhen ließ. Es war müßig die Schmiede die ganze Nacht zu befeuern. Das kostete nur unnötig Kohlen und die waren kostbar. Auch auf dem Feld sah mit dem Schwinden des Lichts nicht mehr. Also war es nur natürlich, dass man nachts schlief und mit dem ersten Sonnenstrahl wieder seiner Arbeit nachging.

Wiederum überraschte es ihn, dass sie sich nicht bei ihm einhakte. Hatte er sie damit beleidigt? War es falsch gewesen ihr seinen Arm anzubieten, weil sie fürchtete man könnte sie zusammen sehen und tuscheln? Der junge Mann wusste keine Antwort und das machte ihm in gewisser Weise zu schaffen. Er bemühte sich die Menschen zu verstehen. Ihre Art zu leben und zu denken. Nur so konnte man erste Brücken bauen zwischen ihrem und seinem Volk. Das zumindest war sein Traum. Die Realität sah ganz anders aus. Viele der Menschen, die ihm tagtäglich begegneten, wollten keinen Frieden. Zu tief saß ihr Hass. Auch wenn sie nicht mehr wirklich den Anlass für den Konflikt kannten, wurde diese Abscheu von Generation zu Generation weiter getragen. Doch nicht nur bei den Menschen verhielt es sich so...

Er lächelte auf ihre Worte hin und nickte bekräftigend. Hunger hatte er keinen, aber nun da sie vom Essen sprach, machte sich sein leerer Magen bemerkbar. Während des gesamten Tages hatte er nur wenig essen können. Er hatte einfach viel zu viel zu tun gehabt um seinen Stand für mehr als eine halbe Stunde verlassen zu können. Daher folgte er ihr nicht nur aufgrund der Aussicht auf einen Krug Wein, sondern auch wegen eines deftigen Mahls.

Auch wenn sie sich nicht bei ihm eingehakt hatte, ging er neben ihr her und sah sich aufmerksam zu allen Seiten hin um. Es weder sein Interesse an seiner Umgebung als Achtsamkeit. Man hatte ihn schon mehr als einmal angegriffen und er war seitdem wachsamer. Schon allein weil er heute Nacht nicht allein unterwegs war.

Der junge Shiín musste sich selbst eingestehen, dass er erleichtert war als sie die Taverne und den Hof mit dem Brunnen erreichten. Er half ihr dabei den schweren Eimer nach oben zu ziehen und lehnte sich dann mit dem Rücken gegen die hintere Fassade des Wirtshauses um auf sie zu warten. Schweigend sah er ihr dabei zu wie sie sich wusch. Lächelnd schüttelte er den Kopf als sie ihm anbot sich auch zu waschen. „Danke, aber ich habe mich in meinem Zimmer gewaschen ehe ich los gegangen bin.“, sagte er und lächelte freundlich. Dann stieß er sich ab und umrundete das Haus um zum vorderen Eingang zu gelangen. Er öffnete die Tür und hielt sie für Elin auf. „Nach dir.“, sagte er und machte eine einladende Bewegung.

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Re: Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

Beitrag von Elin » Do, 02. Aug 2012 20:49

Die junge Menschenfrau seufzte leise als sie den Wassereimer ausleerte. Die Wunde brannte, aber daran konnte sie jetzt nichts ändern. Es würde wohl auch noch eine Weile dauern bis die Wunde verheilt war. Vor allem da sie die Hand den ganzen Tag über benutzte. Vielleicht konnte sie Sahar um ein Stück Tuch bitten um die Wunde zu versorgen?
Sie folgte Gilldor und lachte fröhlich als er ihr die Tür aufhielt. "Danke", sagte sie freundlich und tänzelte an ihm vorbei. Dann sah sie sich im Schankraum um. Einige Gesichter waren ihr bekannt, andere nur flüchtig. Freundlich lächelnd hob sie die Hand um einige der Stammgäste zu grüßen. Schmunzelnd sah sie zu Gilldor, bevor sie sich zu Sahar umdrehte, die eine Kerze in einer Hand hielt. "Da seid Ihr ja!", rief Sahar fröhlich aus ehe sie Elin mit dem freien Arm umarmte. "Wir hatten uns bereits gesorgt! Normalerweise kommt Ihr nie zu solch später Stunde!" "Verzeiht...aber es gab etwas mehr Arbeit." Sahar nickte leicht lächelnd und zog Elin etwas mit sich, obwohl sie den Shiín neugierig ansah. "Bis gleich!", sagte Elin noch an Gilldor gewandt ehe sie sich von Sahar entführen ließ.

"Wir haben ein Geschenk für Euch!" Sahar öffnete bereits die Tür zum Wohnbereich und wollte Elin durchschieben. Die junge Frau sah nochmals kurz zu Gilldor, aber dann verschwand sie schon in dem engen Flur. Sahar schob sie weiterhin vor sich her bis sie an der kleinen Kammer ankamen, die Elin ihr eigen nannte. Elin öffnete die Tür. Die Luft in dem Raum war etwas stickig, aber Elin hatte sich daran gewöhnt. So war es eben in der Wüste. Es war hier heiß und kaum ein Wind kam auf. Groß war der Raum nicht. Es gab ein Bett und eine Kommode. Mehr nicht. Auf der Kommode lagen ihre Waffen, ihr Schild sowie ihr Instrument. Ihre sonstigen Habseligkeiten waren in den Schubladen, aber viel war es nicht. Sahar stellte die Kerze auf die Kommode, dann trat sie an das Bett.
Sahar nahm ein Bündel vom Bett auf. Sie hob es hoch und es entfaltete sich zu einem Kleid. Elin betrachtete den braunen Stoff argwöhnisch. Aber es würde sicherlich einen Abend in der Schenke besser verkraften und einfacher zu pflegen sein. "Aber..." Sahar hob abwehrend eine Hand. Sie hielt der jungen Frau das Kleid entgegen, die es dann auch annehmen wollte. Sahar allerdings zog das Kleid zurück und hielt dann die Hand von Elin fest. "Was ist passiert?", fragte die Ältere besorgt. "Es ist in der Schmiede passiert." Sahar nickte leicht. "Wartet, ich hole etwas um die Wunde zu versorgen." Elin beobachtete Sahar, die das Kleid zurück auf das Bett legte und dann den Raum verließ.

Als Sahar zurückkam, setzte sich Elin auf das Bett und Sahar begann damit die Wunde zu verbinden. Elin beobachtete die Frau dabei. Als Sahar damit fertig war, legte sie Elin das Kleid auf den Schoß. "Memnun würde sich freuen..." Die Frau legte Elin kurz eine Hand auf den Kopf und ging dann. "Danke", murmelte sie vor sich her. Elin sah der Frau nach bevor sie sich umzog. Das einfache Trägerkleid war etwas zu weit, aber dank der Schnürung konnte Elin es etwas anpassen. Darüber zog sie noch die beigefarbene Schürze, die wohl auch neu war. Sie griff nach ihrer Laute und bereute es direkt. Vielleicht würde sie es bereuen das Instrument mitzunehmen, da ihre Hand dem Spielen nicht gewachsen war. Aber das würde sie dann ja noch sehen...

Sie hängte sich das Instrument um und blies dann die Kerze aus. Lächelnd machte sie sich im Halbdunkel auf den Weg zurück zum Schankraum. Sie kannte den Weg auswendig. Im Schankraum angekommen, sah sie sich nach Gilldor um obgleich sie sich erst nochmals bei Sahar bedanken solle. Sie entdeckte Gilldor, aber machte sich dann auf die Suche nach Sahar. Auf einem Tablett wartete bereits eine Schale mit dampfendem Essen sowie einem Becher Wasser und Elin sah Sahar einfach nur dankbar an. "Danke..." "Wir haben das gerne getan", erwiderte Sahar freundlich. Elin nahm das Tablett und machte sich auf den Weg zu Gilldor. Während sie zu ihm ging, wechselten einige der Gäste ein paar Worte mit ihr.
Das Tablette stellte sie auf den Tisch von Gilldor, die Laute legte sie auf die Bank und dann setzte sie sich.

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Re: Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

Beitrag von Gilldor » Fr, 10. Aug 2012 20:44

Auch wenn Elin mit dem Rücken zu Gilldor gestanden hatte, war ihm nicht entgangen, dass ihr das Waschen Schmerzen bereitete. Er konnte nicht erkennen was sie genau hatte, aber er machte sich trotzdem Sorgen. Mochte es auch nur ein kleiner Kratzer sein, es fiel ihm schwer nicht auf sie zuzugehen und ihr seine Hilfe anzubieten. Nach ihrem Zusammenstoß in der Gasse wusste er nur allzu gut, dass sie kein Mitleid wollte. Daher beobachtete er sie nur und schwieg. Vermutlich sah man es seinem Gesicht an wie sehr er sich um sie sorgte. Anders als andere seines Volkes konnte man seine Gefühle und Gedanken anhand seiner Mimik deutlich erkennen. Wie sehr er auch sich immer bemühte, er schaffte es nicht eiskalt und emotionslos zu sein. Deswegen war er auch nur ein Schmied geworden und kein Krieger. Zwar wusste er mit den Katana, die er stets bei sich trug, umzugehen, aber er hatte sich geschworen sie nur dazu zu nutzen sich selbst oder andere zu verteidigen.

Ohne weiter auf ihre Wunde einzugehen oder sie darauf anzusprechen, folgte er ihr durch die Tür in den Schankraum der Taverne. In einigem Abstand zu ihr blieb er nahe des Eingangs stehen und wartete darauf, dass sie einen Tisch für sie beide vorschlug. Doch soweit kam es nicht. Sahar, die Frau des Wirts kam auf sie beide zu und fing sie beide ab. Er brachte nur ein scheues Lächeln zustande als sie Elin mehr oder weniger entführte.

Ein wenig hilflos blieb er zurück und sah sich zu allen Seiten hin um. Sein Kommen war nicht unbemerkt geblieben und viele der anwesenden Gäste hatten sich zu ihm umgedreht. Man mochte meinen er sei erst sei gestern in der Stadt und nicht schon seit mehreren Monaten. Vielen der Männer, die ihm feindselige Blicke zuwarfen, hatte er schon die ein oder andere Klinge geschärft oder deren Pferd beschlagen. Aber das schienen sie in ihrem Argwohn und Misstrauen allen Shiín gegenüber vergessen zu haben.

Schweigend, mit hoch erhobenem Kopf und gestraffter Gestalt ging er durch den Raum. Er versuchte die Anfeindungen zu negieren, schluckte seine Wut herunter, die sich in ihm aufbaute und von Mal zu Mal schwerer zu bändigen war. Gilldor war es leid sich immerzu seines Daseins wegen rechtfertigen zu müssen. Noch immer sah man nur den verhassten Feind in ihm und nicht den Schmied. Das ärgerte ihn.

Aus diesem Grund bestellte er sich einen großen Krug Met und einen Braten um seinen Ärger hinunter zu spülen. Seine knappe Geldbörse ließ ein solches Mahl gerade noch so zu. Wartend starrte er die gegenüberliegende Wand an und versuchte die Stimmen um sich herum auszublenden.

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Re: Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

Beitrag von Elin » Mi, 22. Aug 2012 0:05

Elin lächelte als sie seinen Blick sah. Zum Glück konnte man mit einem solchen Blick niemandem schaden, da die Wand sicherlich schon zerbröckelt wäre. "So schlimm ist es hier doch garnicht", sagte die junge Frau schmunzelnd. Woran lag wohl sein Blick? Ob etwas vorgefallen war als sie nicht da war? Elin sah sich vorsichtig um. Die Gäste tuschelten und sahen manchmal zu ihrem Begleiter. Vielleicht war es doch keine gute Idee gewesen hierher zu kommen. Mit einem leisen Seufzen schob Elin das Tablett etwas von sich und rückte die Bank etwas nach hinten. Vorsichtig nahm sie die Laute in die Hand. Die junge Menschenfrau bewegte die verletzte Hand um abzuschätzen wie beweglich sie war ohne zu schmerzen. Vermutlich wäre es keine gute Idee, aber mit viel Glück konnte sie Gilldor etwas aufmuntern.

"Ich bin keine Meisterin, aber Cail war immer der Ansicht, dass es ausreichen würde." Sie legte den Kopf leicht auf die Seite und betrachtete die Laute. Sanft strichen ihre Finger über das Instrument. "Es ist ein Teil meines Erbes...auf seltsame Art und es ist etwas besonderes für mich, aber meine Hand schmerzt und ich bin erschöpft von dem langen Tag." Sie zwinkerte Gilldor zu und begann sanft einige Töne anzuschlagen. Reine Töne. All ihr Sein spürte die sanften Vibrationen dieses wunderbaren Instruments. Sie erinnerte sich an die Stunden mit ihrem Großvater. Diesem wunderbaren und ebenso geheimnisvollen Menschen, der ihr so gerne Balladen vorsang. "Es ist eine...Geschichte. Auf eine gewisse Weise, aber sie ist nicht unbedingt die Beste."

Elin begann vorsichtig die Töne anzuschlagen, die sie für dieses Stück benötigen würde. Melancholisch mit einem Funken Hoffnung. So wie sie es liebte. Die Töne waren bereits Geschichte genug, aber doch verstanden die meisten es nicht. Sie benötigten Worte um es zu verstehen. Für sie war die Musik nur die Begleitung. Sanft und vorsichtig begann sie diese Geschichte, getragen von den Tonen, die sie selbst der Laute abverlangte. Die Stimme sanfter und klarer als sonst, vollkommen konzentriert auf die Symbiose mit der Laute.

“In einem Meer aus Rosen habe ich sie einst geseh'n,
wollt immer nur an ihrer Steite steh'n und geh'n.
Ich wollt, ich könnt sie schützen vor des Hagels Zorn,
könnt behüten diesen kleinen Sproß ohne Dorn.

Die roten Rosen sind wie eine feindliche Armee,
nehmen ihr Sonne und den Platz am stillen See.
Sehen sie doch so friedlich und harmlos aus
und dennoch machen sie ihrem Feind den garaus.

Schatten werden von der Rosen Blätter geworfen,
mach ich mir doch um mein kleines Blümlein Sorgen.
Was soll sie nur tun ganz ohne der Sonne Licht
Leben im Schatten - das geht doch nicht.

Niemals aber gibt sie ihr Schicksal einfach verloren,
die Stimme wispert: "Warum machst du dir Sorgen?"
Zur Antwort selbst reckt sie sich mit einem Mal.
Und da - berührt sie ein kleiner Sonnenstrahl.

In einem Meer aus Rosen habe ich sie einst geseh'n,
dort wird sie immer und auf Ewigkeit steh'n.
Denkt ein mancher vielleicht sie wäre dort Schmutz
so kann sie sich behaupten ganz ohne Schutz.“


Elin hielt die Laute noch eine Weile fest und spürte die letzten Vibrationen des Instruments. Langsam verlor sich der Klang in der Weite des Raums. Die junge Kämpferin seufzte leise bevor sie das Instrument weglegte. Das war die andere Seite ihres Seins. Eine der anderen Seite...und doch war sie stolz darauf was sie war.
Aber die Hand schmerzte, auch wenn sie es während des Spielens kaum gespürt hatte. Nun aber zog sie das Tablett zu sich um endlich zu essen. Wollte sie wissen wie Gilldor darauf reagierte? Sie war sich nicht sicher. Im Grunde hatte sie ihm mehr über sich offenbart als sie wollte. Aber damit hatte sie noch nie ein Problem gehabt. Schon immer hatte sie das Leben so genommen wie es war. Nur ertrug sie es nicht, wenn er über sie lachen würde. Nicht er.

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Re: Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

Beitrag von Gilldor » Mo, 03. Sep 2012 22:20

Elins Stimme drang wie durch einen dichten Nebel zu Gilldor hindurch und er wandte den Kopf in ihre Richtung als sie sich zu ihm setzte. „Mhm.“, gab er nur als Antwort und starrte auf den Teller, der vor ihm stand. Das Essen dampfte und roch verführerisch deftig. Aber mit einem Mal war ihm der Hunger vergangen und er schob das Mahl von sich um den Krug mit Met zu sich heranzuziehen. Er nahm einen tiefen Schluck und wischte sich mit dem Ärmel den Schaum von den Lippen. Stumm folgte er ihrem Blick um ihn dann rasch wieder zu senken als das Getuschel wieder lauter wurde und sich einige der Männer zu ihm herumdrehten. Sorgenvoll sah er auf ihre Hand, schwieg aber um sie nicht zu bedrängen. Stattdessen hob er fragend eine Augenbraue als sie merkwürdige Andeutungen machte bezüglich der Tatsache sie sei keine Meisterin. „Du musst nicht...“, hob er müde an und wollte sie davon abhalten zu ihrer Laute zu greifen und unter Schmerzen zu spielen, aber er war wohl zu leise als dass sie ihn über den Lärm in der Taverne hören konnte.

Aufmerksam legte er den Kopf leicht auf die Seite und lehnte sich nach hinten um ihrem Spiel zuzuhören. Kaum waren die ersten Töne und Worte erklungen, straffte er seine Gestalt und spürte einen schmerzhaften Stich in seinem Herzen. Vor seinem geistigen Auge erschien Zhieryans Gesicht und er spürte von Neuem die tiefe Sehnsucht in sich nach ihr. Sie fehlte ihm so sehr und er fühlte sich schuldig an ihrem Tod auch wenn er wusste, dass er ihn nicht hätte verhindern können. Der Brand war ein tragischer Zufall gewesen, ein Schicksalsschlag für alle Beteiligten.

Verstohlen wischte er sich mit den Daumen die Tränen aus den Augenwinkeln und versuchte sich nichts von seinem Gefühlsausbruch anmerken zu lassen. Das Lied und die Melodie rührten ihn, das Bild der Rose wurde zu seiner Liebsten, die er zu beschützen suchte und es doch nicht vermochte. Sie war zu Beginn ihrer gemeinsamen Zeit widerspenstig und wild gewesen. Mehr als einmal hatte er sich an ihr die Finger verbrannt gehabt und war ihr in den zahllosen Kämpfen, die sie sich geliefert hatten, unterlegen gewesen. Dennoch hatte er es nicht mit ihr aufgegeben und hatte ihr so lange den Hof gemacht gehabt, bis sie ihn erhört hatte. Für ihn war sie seine Königin gewesen, die Frau, der er der Welt zu Füßen hatte legen wollen. Ihrer beider Liebe war so innig gewesen, dass nichts und niemand sie hätte zerstören können. Doch dann kam das Feuer und mit einem Schlag hatte er alles verloren.

Ein leises Schluchzen kam über seine Lippen und wurde durch die letzten Töne der Laute verschluckt. Mit einem einzigen Satz sprang er auf und eilte am Tisch vorbei in Richtung Tür. Er musste hinaus an die Luft. Er glaubte zu ersticken, wenn er noch länger in der Taverne blieb. Es tat ihm um Elin leid und ihre Mühen, die sie in das Lied gelegt hatte, doch sein eigener Schmerz überwog in diesem Moment.

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Re: Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

Beitrag von Elin » Mo, 10. Sep 2012 12:10

Verwirrt oder gar fassungslos sah Elin dem Flüchtenden nach. Sie war sich nicht sicher was er nun erwarten würde. Sollte sie ihm etwa nacheilen? Aber doch war sie niemand, der gut darin war, anderen Trost zu spenden. Sie war ein hartes Leben gewohnt und ihre weibliche Seite erst vor einigen Jahren gefunden. Zwar konnte sie sanft sein, aber sie verstand nicht, warum dieses Lied ihn derart...verstört hatte. Oder lag es garnicht an dem Lied sondern an etwas anderem? Vorsichtig sah sie sich im Raum um. Auch die anderen hatten seine Flucht bemerkt. Einige warfen ihr seltsame Blicke zu. Vielleicht mochten Shiín keine Musik? Oder war ihre Stimme vielleicht doch eine Beleidigung für die Ohren anderer? Aber vielleicht lag es auch an seiner Andersartigkeit, dass er sich an ihrer Musik störte.

Sie entschied sich zu bleiben. Nicht etwas weil sie die Gerüchte der anderen fürchtete, sondern weil sie nicht wusste, was sie für ihn tun konnte. Er hatte seine Gründe, die ihn dazu verleitet hatten hinaus in die Nacht zu flüchten und es war nicht an ihr ihn zu halten. Was waren sie schon? Flüchtige Bekannte, die sich im Strudel der Zeit für einen kurzen Moment getroffen hatten.

Die junge Frau schob das Tablett von sich fort. Ihr war der Hunger vergangen. In ihrer alten Manier begann sie den Tisch abzuräumen. Sahar stand bereits an der Theke und in ihrem Blick konnte Elin so etwas wie Besorgnis ausmachen. Lag es daran, dass sie sich mit dem Shiín angefreundet hatte obgleich ein unergründlicher Hass zwischen ihren Völkern herrschte? Oder weil sich Sahar Sorgen um die junge Frau machte? Da Sahar das Tablett entgegen nahm und ihr keine neue Aufträge gab, kehrte Elin schweigend an ihren Tisch zurück. Sie setzte sich auf die Tischplatte, die Füße auf einen Stuhl und sah lächelnd zu Memnun, dem das nie so wirklich gefiel.

Mit der unverletzten Hand angelete sie sich ihre Laute und begann zu spielen. Für sich und alle, die ihr zuhören wollten. Sie sang in der Sprache ihres Großvaters, dem Wanderer. Es war ihr gleich ob sie jemand verstand, aber die meisten nahmen ihre Balladen als Unterhaltung und weniger als Botschaft. Sie waren ein einfaches Volk, aber sie freuten sich über ihre Darbietungen. Elin musste leicht lächeln, während ihre Finger noch immer über die Seiten strichen und ihre Lippen die Worte formten.

Es war ein Lied über ein weites Land, dessen Schönheit einmalig auf der Welt war. Saftige grüne Wiesen und ein blauer Himmel. Von der Sonne, die über den Bergen aufging, und dem sanften Wind. Sie sang von den Liedern der Vögel und dem Rauschen der Blätter. Es war das Lied von der Heimat ihres Großvaters, dessen Herz immer für dieses Land geschlagen hatte und auch wenn er an der Seite ihrer Großmutter Glück gefunden hatte, so hatte sich ein Teil von ihm doch immer nach diesem Ort gesehnt. Elin wusste nicht einmal ob er wirklich existierte, aber auch ihr Herz schlug schneller, wenn sie an ihn dachte und all die Gefühle in das Lied legte.

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Re: Mit der Nacht kommt die Einsamkeit

Beitrag von Gilldor » Mo, 10. Sep 2012 18:25

In Gilldors Innerem tobte das Chaos. Er litt unglaubliche Qualen. Das Lied, so schön es auch gewesen war, hatte alte Wunden aufgerissen und diese bluteten heftig. Der junge Mann hatte das Gesicht vor Schmerzen verzogen und sich tief in die Schatten des kleinen Hofes versteckt, der an die Taverne grenzte und in dessen Mitte der Brunnen stand. Kein einziger Laut kam über seine Lippen und schluchzte ohne eine Träne dabei zu vergießen. Weinen konnte er schon lange nicht mehr.

Zitternd sank er in die Knie und starrte auf seine Hände. Kleine Narben überzogen seine Handinnenflächen und die Finger. Nicht alle waren Folgen seines täglichen Umgangs mit dem Schmiedefeuers. Die meisten hatte er sich zugezogen als er versucht hatte seine Verlobte aus ihrem brennenden Elternhaus zu retten. Aber nicht nur seine Hände waren gezeichnet. Er hatte am ganzen Körper schwere Verbrennungen erlitten und hatte selbst über Wochen hinweg mit dem Tod gerungen gehabt. Sein Einsatz war jedoch vergebens gewesen. Zhieryan hatte zu viel des giftigen Qualms eingeatmet gehabt. Die Heiler hatten nichts mehr für sie und ihr ungeborenes Kind tun können.

Eine einzelne Träne rann ihm über die Wange und er sah hinauf zum nachtschwarzen Himmel. Hier in der Wüste zeigten sich unglaublich viele Sterne und Bilder, die er in seiner Heimat nie gesehen hatte. Alten Legenden zufolge blickten die Verstorbenen von oben herab auf die Lebenden und beschützten auf diese Weise diejenigen, die sie hatten zurücklassen müssen. Ob auch seine Liebste irgendwo dort war? Gilldor wollte nur zu gerne an daran glauben. Doch sein Verstand ließ es nicht zu. Er war ein rationaler Mann und glaubte für gewöhnlich nur an das, was er sah. Alles andere tat er als Märchen ab.

Seufzend wischte er sich übers Gesicht und er blickte zurück zu der Tür durch die er vor wenigen Augenblicken gestürmt war. Sie blieb zu. Elin war ihm nicht gefolgt. Er hatte es auch nicht wirklich von ihr erwartet. Sie kannten sich noch nicht lange genug und er hatte ihr nicht gesagt was mit ihm los sei. Alles war viel zu schnell gegangen um irgendwelche langen Erklärungen abgeben zu können. Aber er hatte einfach raus gemusst um wieder freier atmen zu können. Das war ihm gelungen, nur besser fühlte er sich nicht wirklich.

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