Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung und Ergebnis

Welche Halloween-Geschichte gefällt dir am besten?

Umfrage endete am Mo, 07. Nov 2016 10:54

Es war kalt und klamm
3
43%
Vampire
0
Keine Stimmen
Die Nebelgänger von Lúrean
0
Keine Stimmen
Eine schaurige Geschichte wollt ihr hören
1
14%
Die Geburtsstätte von Lanvarn
3
43%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 7

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Shandira
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Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung und Ergebnis

Beitrag von Shandira » Mo, 31. Okt 2016 10:54

Happy Halloween! :jack:


Wir freuen uns sehr über die fünf Beiträge, die ihr uns geschickt habt :aww: Nun seid ihr gefragt: Welche Geschichte gefällt euch am besten?

Bis zum 6. November könnt ihr abstimmen - jeder Benutzer hat 1 Stimme. Wie immer gilt: Stimmt bei mehreren Charakteren nur mit einem ab, ansonsten wird keine eurer Stimmen gezählt! Ihr könnt eure Stimmenabgabe nicht nachträglich ändern.

Am 7. November wird dann der, bzw. die Gewinner gekürt.

Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen und Gruseln!
PS: Den Geschichten, die ohne Titel eingeschickt wurden, habe ich einfach die ersten Worte als Wiedererkennung gegeben.
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Re: Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung

Beitrag von Shandira » Mo, 31. Okt 2016 10:55

Es war kalt und klamm

Es war kalt und klamm, es war dunkel und der Nebel ließ Mira kaum die Hand vor Augen erblicken. „Sch, Kleines!“ beruhigte sie ihr Neugeborenes. Mira musste sich mit dieser Kosebezeichnung begnügen, denn sie hatte schlicht noch keine Zeit gehabt ihrem Kleinen einen Namen zu geben. „Sch-sch, alles wird gut. Ich lasse nicht zu, das sie dir was tun, ich!“ Panisch legte sich Miras Hand über das Gesicht des Kleinen, jeden Laut des Kindes notfalls so zu ersticken. Doch der bedrohliche Schemen voraus erwies sich bloß als ein hölzerner Pfahl an einer Weggabelung voraus. Sacht löste sich Miras Hand vor dem Mund des Kleinen. Doch der hatte offenbar schon nach ihrem ersten beschwichtigenden “Sch!”, in ein weiches Tuch vor Miras Brust gebunden, befunden, dass es an der Zeit wäre ein Schläfchen zu wagen. „Links oder Rechts?“ wisperte Mira und hielt sich schwankend an Wegweiser fest. Frau sollte halt nicht unmittelbar nach der Geburt mit dem Neugeborenen auf den Armen durch einen als unquerbar geltenden Sumpf in die Nacht entfliehen. Aber wenn die Alternative hieß, das Kleine gleich nach dessen Geburt unter den Händen seines Vaters, des 11. Ruka von Hrikmóar-Chlarénn, zu Tode gebracht zu sehen...

„Links oder rechts? Den Pass zwischen Lunzar und Craegach meiden und die Passtrasse nahe dem Kahlfels suchen hatte die Amme gesagt! Doch was, wenn es rechts zur alten Passtrasse nördlich vom Lunzar-Gipfel wies? Dann hieße links zu gehen, den Tod zu suchen, während rechts zwar keine Rettung, aber Hoffnung doch zumindest wartet.“ Unsicher tasteten Miras Finger über die beiden nach links und nach rechts weisenden Holzbretter. Was darauf eingraviert war, war bei diesem Nebel und mitten in der Nacht nicht zu lesen. Aber Mira, die Küchenmagd hatte eh nie zu lesen gelernt. Sie versuchte nur anhand der Länge der gravierten Worte unter ihren Fingerkuppen zu erahnen was darauf geschrieben stand: Craegach-Pass, Kahlfels oder Lunzar? Verdammt, wieso hatte sie auch nie zu lesen gelernt? Mira hatte auch kaum je die Grenzen von Haus Chlerénn verlassen. Als Tochter einer Küchenmagd, war auch ihr das Schicksal einer Küchenmagd beschieden gewesen. Das und mehr Schönheit, denn ihr gut tat. Doch wenn ein junger und stolzer Ruka, von allen Frauen still angehimmelt, einer jungen und naiven Magd heimlich den Hof machte...

Und selbst Puka, die Katze ihrer Hebamme, einer unabhängigen und wilden Neskia, einer Kräuterfrau hatte sie verlassen. Die Neskia hatte ihr Leben gegeben, Mira und dem Neugeborenen zur Flucht zu verhelfen. Denn die weise Frau wusste, oder zumindest ahnte sie doch, warum der junge Ruka sie bei einer so einfachen Geburt einer unbedeutenden Magd dabei haben wollte. “Wenn es ein Junge wird, wird er es töten wollen, Kindchen!” hatte die Neskia sie wissen lassen. Zu auffällig hatte der Kindsvater die Heilerin nach Kenntnissen über die gängigsten Giften ausgefragt. Bis zuletzt hatte Mira darum auf eine Tochter gehofft. Kein illegitimer Sohn, kein Thronfolger, keine Gefahr! Doch Civá hatte anders entschieden und ihr einen Sohn beschert. “Folge Puka!” hatte die Neskia gewispert und Mira durch die nach hinten hinausgehende Tür der Speisekammer und in das Dunkel der Nacht geschoben. “Ich lenke sie ab und komme dann nach.” Doch der lange und anhaltende Schrei, der Mira am Waldrand erschauern ließ und Puka zurück durch den eigentlich als unpassierbar geltenden Sumpf zum Haus zurück hatte hetzen lassen, er sprach eine zu deutliche Sprache. und so hatte Mira ohne Puka die Flucht nach vorne angetreten. Doch zweifelte Mira in ihrem Inneren, dass Puka ihr auch hier ihr den Weg Weg hätte weisen können, wie er es im Sumpf hinter Haus Chlerénn doch getan hatte. Er war immerhin doch nur ein Kater, ein dummes Tier und mitnichten etwa der verstandesbegabte Familiaris einer Neskia, einer Hexe. Nein, für derlei Märchen war Mira wahrlich schon zu alt.

„Links oder rechts? Ich muss mich entscheiden!“ presste Mira tränenerstickt zwischen bebenden Lippen hervor! Einmal hatte der Sumpf ihr einen Vorsprung geschenkt, mussten der Ruka und seine Henkersknechte doch den weiten Weg über die Pliveska-Furt im Nordwesten nehmen. Dann hatte sie noch einem unheimlichen Müller, der ihr noch in der ersten Nacht auf der Nordstraße nach Hrikmóar entgegen kam, nach den Orks von Gharbh Lann ausgefragt, hoffend das der Ruka später gleichfalls auf diesen treffen und ihn entsprechend aushorchen würde. Das Mira und ihr Kleines indes noch lebten, bewies, das genau das wohl geschehen sein musste. Doch längst dürfte der Kindsvater seinen Irrtum bereits erkannt haben. „Links oder recht Mira, links oder rechts!“ Mira musste sich entscheiden und sie entschied sich! Sie wusste später selbst nicht mehr zu sagen, ob sie nun nach links oder aber nach rechts gegangen war. Klar war nur, das es wohl die falsche Wahl gewesen war. Auch wenn Mira nie zuvor das heimische Gut verlassen hatte, die Räuber von der Passtrasse zwischen Lunzar und Craegach kannte sie von deren gelegendlichen Besuchen im Chlerénn-Haus nur zu gut. Und anstelle des gestrigen dichten Nebels hingen die Wolken grau und Tief am Himmel, peitschte der Regen ihr kalt ins Gesicht. Ein typisches Wetter für die Zeit um Laubfall, aber eines, das eine gute Sicht nichtsdestotrotz bot und so sah Mira das gute Dutzend geharnischter Männer, knapp hinter der gerade passierten Wegbiegung einen Wagen voraus durchsuchen. Vier der Männer lösten sich vom Trupp und kamen ihr entgegen gelaufen und was sie wollten, stand außer Zweifel!

„Brrr, Kindchen! Bleibt einfach nur in meiner Nähe, dann passiert euch auch nichts!“ Mira fuhr herum und blickte erschrocken auf den nur gut 4 Fuß messenden stämmigen Menschen, der Pfeife rauchend gemütlich auf den kleinen Pony direkt neben ihr einher ritt. „Wie habt ihr – woher kommt ihr – wieso hab ich euch nicht nahen gehört?“ Doch der stämmige Reiter strich sich nur lachend über seinen glatten Bart und wandte sich den Reitern zu, als ein dichter Nebel von nirgendwo und überall zugleich herzukommen schien, sich regelrecht um sie legte. Wie durch Watte hörte Mira die Männer den Reiter nach einer flüchtigen Hure nebst neugeborenem Kind fragen. Der bärtige Reiter, der auf seinem Pony fest im Sattel sitzend nur wenige Handbreit mehr maß, denn die neben ihm stehende Mira und die Halunken voraus, lachte nur erneut sein warmes und einnehmendes Lachen und verneinte. Auch als die Männer daraufhin eine akkurate Beschreibung der doch direkt vor ihnen stehenden Mira abgaben, verneinte der zwergenhafte Reiter nur, woraufhin diese sie beide fluchend passierten. Die direkt zitternd und frierend vor den Unholden gestanden habende Mira indes verstand die Welt nicht mehr. So dicht, sie so gänzlich zu verbergen, war der plötzlich aufgekommen seiende Nebel, der indes nur sie zu erstaunen schien, nie und nimmer gewesen, das die Landsknechte sie nicht gesehen haben mussten. Zuerst hatte dieser plötzliche und unheimliche kalte Nebel, der selbst im nach wie vor strömenden Regen so beharrlich sich zu halten vermochte, Mira einen ausgesprochen Schrecken eingejagt. Doch hatte Svíarr, der überaus einnehmende wenn auch kleinwüchsige und in edelstes geprägtes Leder gekleidete Reiter, sie rasch in ein Gespräch verwickeln und so abzulenken vermocht.

Mira wusste gar nicht recht wie ihr geschah, als sie nur wenig nach dem Beinahezusammenstoß mit den Landsknechten neben Svíarr in einem angenehm nach Tannengrün duftendem Gasthaus neben der alten Passtrasse sich wieder fand. Zwar war der kalte Nebel draußen geblieben, doch schien der Raum im Inneren dafür vom Tabakrauch so geschwängert, das sie nun nicht minder dichte Schwaden von Rauch zu umwehen schienen. Doch schien keiner der anderen Gäste sich daran zu stören, noch an ihr Selbst. Der Junge war wieder erwacht und schrie so erbärmlich vor Hunger, das sie nicht anders konnte, denn ihn wo sie saß zu stillen. Das Svíarr, ganz Edelmann, den Blick fortan auf einen Punkt auf dem Tisch vor sich richtete, oder gedankenversunken zur Decke schaute, derweil er ein kräftiges Essen ein Zimmer und einen Stallplatz für sein Pony bestellte, erstaunte sie kaum mehr. Aber das auch niemand Anderes sie behelligt, seien es die Prostituierten, die um die Aufmerksamkeit ihrer Freier fürchten mussten? Oder dass die rauen Gesellen zweifelhaften Charakters und, den undeutlichen Schemen im dichten Tabakrauch hier drinnen nach zu urteilen, auch Gebarens, sie so gänzlich ignorierten? Die Bedienung stellte ein große Schüssel mit Gulasch vor dem bärtigen Gast ab, warf aber nur eine Löffel in die Schüssel. Als Mira gerade zu protestieren ansetzte, blickte Svíarr sich doch noch direkt an und erwiderte beschwichtigend leise, das er einen eigenen Löffel wohl habe.

Als Mira und Svíarr nach dem Essen noch bei einer Kanne kräftigen heißen Savusk schließlich beisammen saßen – dieses Mal brachte die Bedienung nur eine Tasse herbei, aber Svíarr hatte erfreulicherweise auch eine eigene kleine Tasse zur Hand – flog die Türe zum Gastraum auf und der Ruka daselbst und seine Halsabschneider drangen in den Raum. Wimmernd wollte Mira aufspringen und, so gering ihre Chancen auch immer waren, die Flucht ergreifen, doch Svíarrs raue und schwielige Hand ergriff sie mit einer solchen Kraft, an der Schulter und presste sie in ihren Sitz zurück, das sie – und hätte ihr Leben davon abgehangen – sich diesem Griff niemals zu entziehen vermocht hätte. War Svíarr also nur ein Häscher, ein Vasall des Kindsvaters? Warum hatte er dann aber nicht einfach den Wegelagerern am Pass die Arbeit überlassen? Oder war er ein Kopfgeldjäger, der lieber selbst den Lohn einstrich, statt ihn mit den Anderen zu teilen? Mira, nichts anderes tun könnend, kauerte schützend über ihrem Jungen. Eher würde sie sterben, als ihm ein Leid geschehen zu lassen. Aber dem wütenden Rufen ihres Geliebten nach zu urteilen, drohte ihr dieses Schicksal nun wohl so oder so. „Mira, wo bist du? Ich weiß, das du hier bist! Zeig dich du dreckige Hure, du...“ Als der Wirt, ein gut zwei Meter messender Hüne, sich den Neuankömmlingen entgegen stellte, konnte man gar nicht so schnell zusehen, wie der lederne Totschläger in des Rukas Hand auf den stämmigen Wirt niedersauste und diesen darauf wie einen schweren Sack Mehl zu Boden schickte.

Als wäre nichts gewesen stürmte der Ruka weiter und zwang jede Frau, gleich ob Hure Magd oder Gast ihr Gesicht und ihr Bündel zu zeigen und zwang jeden weiteren Gast ihm Rede und Antwort zu stehen. Die Frage war dabei stets die Gleiche und die scheinbare Leichtigkeit mit der er den Wirt so kompromisslos zu Boden geschickt hatte zwang alle Anwesenden gleichsam zu Parieren. Das heißt alle außer Mira und Svíarr selbst. Keiner der Halsabschneider, die sicherlich ihre eigene Familien aus weit geringerem Anlass verraten hätten, wiesen auf den einsamen Tisch in der Ecke nahe des Kamins. Was aber noch weit unglaublicher schien: Weder der Ruka noch seine Männer, die Mira ausnahmslos mit Namen kannte und die Mira wohl wiederum selbst im Dunkeln und mit verbundenen Augen noch erkannt hätten – nicht nur der Ruka hatte seine gierigen Finger nicht bei sich behalten können, obgleich Mira sich von allen Anderen derlei Handgreiflichkeiten stets verbeten hatte – kamen dem Tisch auch nur nahe, an dem Mira und Svíarr wie reglos ausharrten. Oder besser gesagt: Mira harrte. Svíarr indes, eine Hand schraubstockgleich auf ihrer Schulter ruhend, goss sich seelenruhig eine Weitere Tasse dampfenden Savusk ein und schlürfte ihn genüsslich, derweil ihr Kleiner Junge plötzlich laut zu schreien begann. Dem Geruch nach offensichtlich weil ihm nach einer sauberen Windel verlangte. Der Ruka aber, nachdem sie auch noch die oberen Räume samt Freier, Huren und einfachen Gästen durchsucht und die Weinvorräte im Keller geplündert hatten, ehe sie sich wieder aufmachten Mira nachzueilen sah sie einfach nicht.

Es war, als wäre sie nicht da, als wäre sie unsichtbar, seit sie neben Svíarr einher schritt. Was hatte er noch zu ihr gesagt? „Bleibt einfach nur in meiner Nähe, dann passiert euch auch nichts!“ Und hatten sie die Banditen daraufhin nicht ignoriert, ganz so, als sähen sie sie nicht? Und was war mit jenem plötzlichen Nebel draußen oder auch dem ungewöhnlichen Rauch hier drinnen, der indes niemanden außer ihr auch nur die leiseste Verwunderung zu entlocken schien. Und hatte die Bedienung vielleicht nur darum einen zweiten Löffel für das Gulasch vergessen und desgleichen später auch eine zweite Savusktasse, weil sie außer Svíarr niemanden gewahrte? Hatten die Halunken, Gäste und Bedienstete sie nur darum so ungestört ihr Kleines stillen lassen, weil, weil... weil sie sie nicht sahen?! Mira begann am ganzen Lein zu zittern, nachdem die Gasthaustüre schließlich hinter dem zornesbebendem 11. Ruka von Hrikmóar-Chlarénn krachend wieder ins Schloss gefallen war. Doch dieses Mal galt ihr Furcht nicht ihrem Geliebten, denn vielmehr dem zwergenhaften... nein! Dem »Zwergen« Svíarr! Alles drehte sich um sie her! Wie hatte sie nur so blind, so dumm sein können? Vier Fuß groß, stämmig, mit wallendem Bart! Und sagte man Zwergen nicht nach, Meister der Unsichtbarkeit zu sein, wenngleich Svíarr die legendenumwobene Tarnkappen hierfür offensichtlich nicht einmal brauchte? Doch, und hier wurde ihr vor Schrecken endgültig schwarz vor Augen, hieß es nicht auch, das wer sich von Zwergen zu Trunk und Mahl einladen ließ die Jahrhunderte verschlief? Und sagte man von Zwergen nicht weiters, das sie den Menschen deren Kinder raubten?

„Neiiiiiiiin!“ entrang sich ein grässlicher Schrei Miras Kehle, der erst endete, als kein Quäntchen Luft mehr in ihren Lungen verblieben zu sein schien. Sie wollte nicht ihrem Häscher entkommen sein, nur um ihren Jungen an das kleine Volk darauf zu verlieren. Selbst wenn letzteres für den Kleinen nichtsdestotrotz den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten mochte. Von ihrem Schreien offensichtlich gleichfalls aufgeschreckt fiel das Kind in Miras Armen nun aber lauthals in ihren soeben verklungenen Aufschrei ein und überglücklich presste Mira den da erst bemerkten Jungen an ihre Brust. „Kommt schnell, da war was – ja, in der Ruine vom alten Gasthaus, kommt schon!“ Doch anstelle der gar zu vertrauten Fratzen ihrer Häscher gewahrte Mira vielmehr die typische Aufmachung des fahrenden Volkes, als ein spitzoriges Gesicht mit ernster Besorgnis über die Reste eines zerbröckelnden alten Kamins blickte. „Schnell, helft, eine junge Menschenfrau mit Kind! Geht es euch gut Frau, seid ihr in Not?“ Es brauchte viel Geduld, eine Heilerin und zweier Mütter mit deren eigenen Säuglingen Mira aus ihrer Schockstarre zu lösen. Doch was diese in so altertümlicher zerrissener Tracht gekleidete Frau mit ihrem Neugeborenen in diesen bestimmt schon an die hundert Jahre verfallenen Ruinen eines einstigen Gasthauses nahe einer mindestens ebenso lange vergessenen Handelsstraße die vom Craegach-Pass hinab gen den Skerôingur-Ansiedlungen führte, verloren hatte, das vermochten die Zigeuner mit noch so viel Mühe nicht aus ihr heraus zu bringen.

Der Coryn-Münze, die die Heilerin in ihren seltsam altertümlich anmutenden Kleidern fand, nach zu urteilen konnte die Armut diese seltsame Frau nicht hierhin verschlagen haben. Oder hatte sie die Münze, die einen vor gut dreihundert Jahren abgedankt habenden Merindaischen Herrscher nebst dessen Wahlspruchs ‘erth Rynen Itheru – wir kämpfen gemeinsam’ – hier auch bloß gefunden, wie möglicherweise auch ihre restliche altertümliche Gewandung? Aber die Fahrenden Leute wären keine Fahrenden Leute, wenn sie manch dunkle Vergangenheit einer Neuen in ihren Reihen nicht fraglos hinzunehmen wüssten. Und die Bitte der jungen Mutter – in Verbindung mit dem dargebotenem Goldtaler – ließ Mira sehr schnell eine neue Familie in den Zigeunern finden. Ein Familie, wie sich herausstellen sollte, die ihr eine lang andauernde und glückliche Zukunft noch bescheren sollte. „Ach,“ fragte eine der anderen Mütter Mira Tage später, nachdem sowohl sie, als auch ihr Kind die zurückliegenden Strapazen halbwegs verdaut hatten und derweil der Wagenzug der Zigeuner in einem großen Bogen das Dorf Zynt umfuhr, in welchem dem Hörensagen nach ein unseliger Dämon sein Unwesen doch treiben sollte. Man wollte weiter gen Süden zu einem einsamen Handelsposten am Ende der Straße nach Schuridron ziehen. „Wie heißt denn eigentlich dein kleiner Spross, hm?“ Mira schaute erst versonnen auf ihren noch namenlosen Sohn, dann auf die den nahenden Mastmond ankündigenden von einzelnen braunen Sprenkeln gezierten Bäume in der lauen Sommerluft voraus an und lächelt ihr erstes dankbares Lächeln, seit sie ihren Sohn zur Welt gebracht hat. „Svíarr,“ antwortete Mira mit einem leisen Lächeln. „…sein Name ist Svíarr!“
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Re: Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung

Beitrag von Shandira » Mo, 31. Okt 2016 10:55

Vampire

Vampire, Vampire,
Sie kommen des Nachts,
zu quälen die Leben,
denn das bringt Ihnen Spaß.

Vampire, Vampire,
haben keinen Respekt
und nehmen anderen vielmehr
als nur Ihr Eigentum weg.

Vampire, Vampire,
Sie saugen uns aus,
damit verlängern Sie Ihr Leben
und löschen anderes aus.

Vampire, Vampire,
sind robust und agil,
doch fürchten Sie stärke
und davon haben wir viel.

Vampire, Vampire,
Sie töten voll Wonne
und wir grillen Sie gerne,
schreiend in der Mittagssonne.

Vampire, Vampire,
Ihre Rache ist brutal,
drum wachtet Ihr Eltern
über Eure Kinder Zahl.

Vampire, Vampire,
noch gibts Euch in Massen,
doch glaubet mir,
wir werden Euch fassen.
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Re: Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung

Beitrag von Shandira » Mo, 31. Okt 2016 10:56

Die Nebelgänger von Lúrean
Es gibt eine Zeit, spät im Jahr, die weit im Süden des Elfenreiches als Nebelzeit bekannt und gefürchtet ist. Während ganz Alvarania zur dieser Zeit Jahr für Jahr den Beginn des Winters erlebt, sieht man ihm wohl nirgendwo sonst mit einer vergleichbaren Mischung aus Furcht und Trotz entgegen wie im Süden von Lúrean.
Die Elfen von Danaqúil, mehrere Wegstunden südöstlich von Arcávian am Ufer des Sees Aiquendil gelegen, leben seit unzähligen Generationen mit diesem Phänomen. Wenn die ersten Nebelschwaden vom Meer hinaufgekrochen kommen, beeilen sie sich alles zu erledigen was noch getan werden muss, damit sie in der Nebelzeit nur noch so selten wie möglich ihre sichere Behausung verlassen müssen. Denn wenige Tage nachdem sie sich das erste Mal gezeigt haben, bleiben sie für mehrere Wochen. Tagein Tagaus wabern dichte Nebelschleier um die Bäume, hüllen die Häuser der Waldbewohner ein und senken sich bleiern auf ihre Gemüter hernieder. Doch ist es nicht der Nebel an sich, der die Elfen von Lúrean in ihren Häusern und dem Schutz eines warmen Herdfeuers hält, während es draußen nicht einmal während des Tages wirklich hell wird. Nein, es sind die Schatten im Nebel. Wie halb durchsichtige Geister bewegen sie sich durch das milchige Zwielicht. Sobald sie das erst Mal gesichtet werden, wagen sich nur noch die närrischsten oder tollkühnsten Elfen, je nachdem wem man zuhört, aus ihren Häusern, bis die verschlingenden Nebel, wie sie genannt werden, sich für ein weiteres Jahr verzogen haben.

Dies ist die älteste Version der Geschichte wie der Schrecken der Nebelzeit seinen Anfang nahm, damals vor 1.400 Jahren. Es war spät im Jahr, als drei junge Waldläuferlehrlinge den Süden des Königreiches durchstreiften. Ihr Meister hatte sie nach Danaqúil entsandt um das merkwürdige Verschwinden einiger Elfen zu untersuchen. Danaqúil war damals eine der größeren Städte des Waldelfenreiches. Sie bestand aus drei Silyealen die dicht genug beieinander standen, das zwischen ihren Ästen Hängebrücken gespannt worden waren und man so bequem von einem Baum zum anderen wechseln konnte ohne jemals auf den Boden hinabsteigen zu müssen. Die Elfen von Danaqúil pflegten ihre Heimatbäume mit viel Sorgfalt und besaßen demnach auch ein großes Wissen über diese Pflanzen. Außerdem war es eine Stadt der Forscher, viele der großen Denker des Elfenreiches sollte sie hervorgebracht haben.
Es sollte die letzte Prüfung der Lehrlinge sein, bevor sie in die Reihen ihres Ordens aufgenommen wurden. Als die beiden Männer, Onveigh und Arelin, mit ihrer Gefährtin Xínwen, der Zwillingsschwester Arelins, die kleine Stadt erreichten, war die Zahl der Vermissten bereits auf einundzwanzig angestiegen. Ihre intensiven Nachforschungen zeichneten ein beunruhigendes Bild.
Die Nebel, die auch zur Zeit ihrer Ankunft durch die Stadt waberten, hatte es in dieser Gegend schon immer gegeben, wie ihnen die Einheimischen erzählten. Doch kamen und gingen sie stets in kurzen Abständen, selten blieben sie länger als drei Tage. Im Vorjahr waren sie dagegen in immer kürzeren Abständen gekommen und schließlich zwei ganze Monate nicht gewichen um dann ganz plötzlich eines Morgens fort zu sein. In diesen zwei Monaten hatten sich viele in den Nebeln verirrt und waren erst Tage später wieder aufgetaucht. Dies war nicht weiter ungewöhnlich, erklärten die Einheimischen schulterzuckend, wenn der Nebel dicht genug war, konnte sich selbst jemand in ihnen verirren der in dieser Gegend aufgewachsen war. Beunruhigend waren dagegen die Berichte der Angehörigen der Verschwundenen. Auch in diesem Jahr seien die Nebel zur gewohnten Zeit gekommen und gegangen, als habe es das Vorjahr gar nicht gegeben. Zumindest bis zu dem Tag als die Sonne feurig glühend über dem Horizont aufgegangen war. Einige hatten sich erinnert das dies auch im Vorjahr geschehen war und ihre Erinnerung trog sie nicht. Die Nebel hingen nun seit drei Wochen ungebrochen über den Wäldern im Südosten Lúreans.
Am Tag der Blutsonne, war eine junge Elfe, die sich dem Bericht ihres Vaters zufolge im Vorjahr in den Nebeln verirrt hatte, einfach aus ihrem Bett aufgestanden und in den Wald hinaus gegangen. Als er sie aufhalten wollte, sah er das ihre Augen jede Farbe verloren hatten, sie waren vom Selben milchigen Weiß wie der Nebel, der vom Meer hinaufgekrochen kam. Verstört ergriff er den Arm seiner Tochter. Es war, so erzählte er schaudernd, als bemerke sie ihn nicht, sie ging einfach weiter und zog ihn mit unmöglicher Kraft hinter sich her. Doch er ließ nicht locker, bis sie im Hauseingang scharf nach rechts abbog und sein Handgelenk dabei so stark überdehnt wurde das es mit einem hässlichen Knacken brach. Als er durch den Tränenschleier vor seinen Augen wieder etwas erkennen konnte sei sie spurlos verschwunden gewesen. Der Mann war vollkommen verstört. Auch die Geschichten der Übrigen verhießen nichts Gutes. Jeden Tag war eine Person mit dem ersten Morgenlicht auf annähernd dieselbe Weise in den Wald gegangen. Dabei hatten sie alle zwei Dinge gemeinsam: ein jeder hatte sich im Vorjahr in den Nebeln verirrt und besaß dieselben Nebelaugen als er ging. „Nebelaugen“, die Nennung dieses Wortes genügte um den drei Lehrlingen manche offene Tür oder freundliches Gesicht zu verschließen. Die Bewohner Danaqúils hatten ganz augenfällig Angst. Es bestürzte die Zwillinge, waren Arelin und Xínwen doch in eben diesem Ort aufgewachsen und kannten seine Bewohner als freundliche, lebenslustige und mutige Zeitgenossen, vor allem waren sie mit Sicherheit niemals furchtsam gewesen. Das sie sich nun nur noch selten vor die Tür wagten, weil gewöhnlicher Nebel die Stadt umwaberte und beim Klang eines Wortes zu zittern begannen, konnten sie nicht begreifen. Onveigh, der älteste der Lehrlinge riet dennoch zur Vorsicht, schließlich war keiner der Verschwundenen bisher wieder aufgetaucht, also musste wirklich etwas Merkwürdiges vorgehen. Drei Tage blieben sie in Danaqúil, drei Tage in den jeden Morgen ein weiterer Elf verschwand ohne das sie es verhindern konnten. Bis sie am Morgen des vierten Tages den Herbergsvater ihrer Unterkunft auf dieselbe Weise verschwinden sahen wie ihnen erzählt worden war. Auch sie erlebten das er sie nicht wahrzunehmen schien und durch nichts aufzuhalten war. Nicht einmal ihre vereinte Kraft konnten den betagten Mann aufhalten. Also folgten sie ihm. Während sie ihm den gewundenen Pfad am Stamm des größten Silyeal hinabfolgten, rieten die Bewohner Danaqúils, die sie auf ihrem Weg passierten, ihnen umzukehren und ihn ziehen zu lassen. Das ergrimmte die Zwillinge. Sie nannten die anderen Feiglinge und warfen ihnen vor einer Tragödie einfach tatenlos zuzusehen. Indes fühlte sich Onveigh immer unwohler je näher sie dem Erdboden kamen. Kaum hatte der Alte ihn erreicht, rannte er davon. Die drei überraschten Verfolger folgten ihm so gut sie konnten, doch schien er immer schneller zu werden. Bald schon hatten sie große Schwierigkeiten ihm auf der Fährte zu bleiben, sie achteten nicht mehr auf den Weg, sondern rannten ihm blindlings hinterher. Hinein in den dichten Nebel. Die Jagd dauerte lange an, sie zog sich den halben Tag hin und endete schließlich an einer Lichtung. Niemand hat sie seitdem jemals finden und davon berichten können, auch wenn es viele Versuche gab und bisweilen hunderte von Elfen in einem riesigen Suchaufgebot die Wälder Lúreans gezielt durchkämmten.
Auf der Lichtung verhielt der alte Besitzer des Gasthauses und drehe sich zu seinen drei Verfolgern um. Seine nebelverschleierten Augen richteten sich nacheinander auf jeden der drei, bevor er mit fremder Stimme zu sprechen begann: „Ihr seid nicht gerufen worden, doch wird euch ein kurzer Aufenthalt gestattet. Geht zur Mitte der Lichtung, damit ich persönlich mit euch sprechen kann.“ Fast sofort verdichtete sich der Nebel um den alten Mann. Die drei jungen Elfen glaubten ein Stöhnen zu hören, dann lichtete sich der Nebel ein Wenig und sie konnten die ganze Lichtung überblicken. Der Alte war jedoch verschwunden. Ein Blick nach oben bestätigte das der Nebel keineswegs zur Gänze gewichen war, vielmehr hatte er sich in alle Richtungen zurückgezogen, sodass sie weder den Boden auf dem sie gingen, noch den Himmel über sich oder den Wald ringsum erkennen konnten, wohl aber ein Schimmern vor sich. Sie näherten sich vorsichtig. Das Zentrum des Schimmerns war ein unirdisch schönes Wesen. Alles an diesem Mann besaß die Farbe frisch gefallenen Schnees. Einzig die Augen in dem Gesicht, dessen Schönheit den dreien Tränen in die Augen trieb, strahlte in den Farben des Feuers. Als sie in seiner Nähe stehen blieben, erhob er sich. Seine fließenden Gewänder schienen aus dem Nebel selbst zu bestehen, denn sie wiegten sich träge in einem nicht vorhandenen Wind. „Ich bin Akeela, Vater von Zeit und Musik, und Herr der Nebel und des Feuers. Wisset das ihr hier nicht willkommen seid Sterbliche. Ich bin geneigt mit euch zu sprechen, doch bedenkt das ihr mit eurem Eindringen mein Gesetz gebrochen habt, das es verbietet diese Lichtung und das innere Heiligtum das sie umschließt zu betreten, so wie all die anderen die ich in den letzten Tagen zu mir rief. Auch ihr werdet den Preis dafür zahlen.“ Seine Stimme war hell und klar wie Glas und zugleich so bedrohlich wie ein Feuersturm. Onveigh verschlug allein ihr Klang die Sprache. Er war wie erstarrt vor Furcht. Arelin zitterte unter dem Blick des Fremden, er war nicht besonders gläubig und doch felsenfest davon überzeugt einem Gott gegenüber zu stehen, so gelang es ihm ebenfalls nicht die Stimme zu erheben. Einzig Xínwen schien vollkommen unberührt. Sie stellte die Fragen die auch ihrem Bruder und Onveigh auf der Zunge brannten. Offen trat sie vor Akeela und verlangte zu wissen was hier vorginge, von welchem Gesetze und von welcher Strafe er sprach, vor allem anderen aber wollte sie wissen was es mit dem Nebel und dem Verschwinden der Bewohner Danaqúils auf sich hatte. Der Angesprochene brach ob ihres fordernden Tons in melodisches Gelächter aus, bevor er zur Seite trat und ihr die Antworten gab: „Im letzte Jahr hat es begonnen, das hat du schon richtig beobachtet kleine Elfe, denn im letzten Jahr erschlug ein vorwitziger junger Elf meine Tochter an genau diesem Ort. Er hatte ihr bereits längere Zeit nachgestellt, doch sie hatte ihn immer wieder abgewiesen. An diesem verhängnisvollen Tag war er über die erneute Zurückweisung so zornig das er sich nahm wonach es ihn gelüstete. Ich weiß nicht woher er von ihrer Schwäche an eben jenem Tag wusste, doch er nutzte es gnadenlos aus, klug von ihm, denn an jedem anderen Tag hätte sie ihn mit einem einzigen Wort vernichten können. Nach seiner Tat sah sie ihn nicht an, sie hob lediglich ihr Gesicht zum Himmel und schrie meinen Namen in den aufziehenden Nebel. Als ich ankam, hatte er sie bereits zum Schweigen gebracht und stand schwer atmend über ihrem leblosen Leib. In meinem Zorn versengte ich in mit einem einzigen Blick, hielt mich jedoch zurück bevor er zur Gänze ausradiert war. Der Tod war noch zu gut für ihn, also bat ich meinen guten Freund, den Herren der Wälder, um Hilfe und sperrte seine Seele in einen kleinen Keimling. Dort soll er bleiben, mit wachem Geist, unfähig den Blick abzuwenden und das bewachen was von meiner Tochter geblieben ist, bis sie dereinst erwacht. Um sie zu schützen schuf ich die Zeit der Nebel und dieses Heiligtum. Es zu finden ist nur in jener Zeit möglich und die Nebel merken sich wer es einmal betreten hat, um im folgenden Jahr die Nebelgänger loszuschicken ihn zu holen und zu einem der ihren zu machen. So soll es sein, bis dereinst eine Gruppe von Auserwählten all meine Prüfungen besteht, auf meine Weisung hierher vordringt und meine Tochter wieder erwachen kann.“
Während er sprach vollzogen sich die Geschehnisse wie Bilder vor den Augen der angehenden Waldläufer und als er verstummte sahen sie den winzigen Schössling einer Blume, bewacht von einem kleinen Bäumchen, mit einem sehr lebendig aussehenden Gesicht im Holz, dessen Augen unverwandt auf das zarte Pflänzchen gerichtet waren. Bevor einer von ihnen jedoch etwas sagen konnte, fuhr er fort: „Die Nebelgänger sind meine Diener, Sklaven für die Ewigkeit, weder tot noch lebendig, dazu verdammt die Nebel zu durchwandern und meinen Willen auszuführen bis ich ihre Schuld als getilgt ansehe und sie zuletzt wirklich sterben dürfen. Doch macht euch keine falschen Hoffnungen, ihr werdet eure Fähigkeit des bewussten Denkens nicht verlieren, im Gegenteil, solange ich euch keinen Befehl erteile könnt ihr die Nebel frei durchwandern und tun was euch beliebt, solange ihr kein weiteres meiner Gesetzte brecht. Und jetzt GEHT!“
Seine zuvor noch so angenehme Gegenwart wurde plötzlich unerträglich und seine Aura schlug so plötzlich um, dass nicht viel gefehlt hätte und Onveigh wäre vor Schreck gestorben. Sie rannten so schnell sie konnten, doch der Nebel trug seine letzten Worte deutlich an ihre Ohren: „… ihr werdet noch genug Zeit in diesen Wäldern verbringen… lauft so schnell und so weit ihr wollt, ihr könnt eurer Strafe nicht entkommen…“ Sein wunderschönes Lachen gellte ihnen in den Ohren bis sie die Tür des Gasthauses in Danaqúil hinter sich zuwarfen. Von unbeschreiblichen Grauen erfüllt gerieten die drei in einen handfesten Streit. Onveigh, auf den in der Hauptstadt eine Frau und eine kleine Tochter warteten wollte sofort zurückkehren. Xínwen schimpfte ihn einen Feigling, denn als sie die nackte Panik überwunden hatte, wollte sie nun gemeinsam mit ihren Gefährten einen Weg zurück finden um diesen Rachsüchtigen Gott, oder was immer dieses Wesen sein mochte, aufzuhalten. Arelin versuchte zu schlichten, doch die anderen Beiden waren nicht von ihren Vorhaben abzubringen.
Kurz vor der Morgendämmerung des nächsten Morgens versuchte er mit der Unterstützung Onveighs, der sich über Nacht etwas von den Schrecken des vergangenen Tages erholt hatte, erneut Xínwen aufzuhalten, die sich schon auf den Weg in den Nebel machen wollte. Er zog alle Register und appellierte an jedes bisschen Verstand in ihr, aber seine Schwester war wie von Sinnen. Erst schlug sie Onveigh nieder, dann spuckte sie in Arelins Richtung und riss die Tür auf. Mit dem Erglühen des ersten Morgenlichtes drangen die Nebel in den Hausflur ein. Sie umschlangen Arelin so schnell das ihm keine Zeit mehr blieb zu schreien, nur sein verzweifelter letzter Blick drang den beiden Freunden bis ins Herz, dann verschwand auch sein Gesicht in der wirbelnden milchigen Masse. Langsam sackte das Gebilde dem Boden entgegen, dann schienen die Schwaden in den Körper darunter einzudringen und Arelin wurde wieder sichtbar… Oder vielmehr das was einmal ein junger kräftiger Elf gewesen war. Es glich ihm in Größe und Form bis aufs Haar, sogar die Züge seines Gesichtes waren noch dieselben, nur das seine Augen nun vollständig weiß waren und sein Körper zur Gänze aus wabernden Nebelschwaden zu bestehen schien. Sie bildeten zwar weiterhin die Form seines Körpers nach und verflüchtigten sich nicht, doch viel mehr Festigkeit besaß er nicht, wie Xínwen feststellen musste, als sie zu ihrem Bruder stürzte und geradewegs durch ihn hindurchfasste. Arelin schlug die Hände vors Gesicht, kam taumelnd auf die Füße und floh ohne ein Wort des Abschiedes nach draußen. Die beiden Verbliebenen saßen wie betäubt auf dem Boden, dann rappelte Xínwen sich hoch. „Flieh nur du Feigling, es wird dir ja doch nicht nützen! Wenn er sich zuerst den Besten von uns holt, wird mit Sicherheit keiner von uns anderen verschont werden.“ Damit wandte sie sich zur Tür und rannte, den Namen ihres Bruders auf den Lippen, hinaus in den Nebel.
Den Ausdruck auf Arelins Gesicht als die Nebel ihn verschlangen und die letzten Worte Xínwens im Kopf, floh Onveigh. Er rannte wie er noch nie zuvor in seinem Leben gerannt war, machte nur Rast, wenn er kurz vor dem Umfallen stand oder nahe am Verdursten war. Als er Arcávian erreichte war er ein Getriebener. Er versuchte zwar in sein altes Leben, zu seiner Familie und seinem Meister zurückzukehren, doch ein Teil von ihm war in den nebligen Wäldern von Danaqúil verblieben und kam nie wieder zurück. Seine Familie und Freunde unternahmen zwar alles um ihn wieder zu sich selbst zurückzuführen, doch es half alles nichts. Er erzählte die Geschichte der Geschehnisse seiner Frau und seinem Meister, damit sie die Warnung vor der Nebelzeit weitertragen konnten. So gelangte sie in die Annalen der Waldläufer.
Ein Jahr später, als eine blutige Sonne den Beginn der Nebelzeit in Danaqúil markierte, verschwand Onveigh spurlos und niemand hat ihn seither gesehen noch je wieder etwas von ihm gehört…


In wie weit irgendetwas davon der Wahrheit entspricht vermag heute niemand mehr mit Sicherheit zu sagen. Heute ist Danaqúil eine kleine Stadt auf einem uralten und zugegebenermaßen außergewöhnlich gut gepflegten Silyeal, deren Bewohner in dem Glauben leben das es die Nebelgänger wirklich gibt und sie zur Nebelzeit kommen um die Unvorsichtigen und die Tollkühnen zu holen. Auch ist dieser Ort von etwas Unbeschreiblichem umgeben und ich kann nicht verstehen, wie dort jemand freiwillig leben kann. Als ich dort war kam es mir vor als wolle der alte Baum mich nicht dort haben, ihn umgab eine Aura von Verbitterung und eiserner Entschlossenheit zugleich. Dieses Gefühl verschwand erst als ich eine Tagesreise zwischen mich und Danaqúil gebracht hatte.
Wahr ist jedoch das die in der Geschichte erwähnten Lehrlinge wirklich gab, in wie weit ihr Ende jedoch dem entspricht das diese Geschichte erzählt kann heute nicht mehr nachvollzogen werden. Fest steht jedoch das Onveigh, als er allein zurückkehrte ein vollkommen anderer war als zuvor. Er erzählte seinem Meister die zuvor erwähnten Begebenheiten, der sie wie oben nachzulesen aufschrieb und es ist ebenfalls wahr, dass er eines Morgens verschwand. Desselben Morgens an dem in Danaqúil die Nebelzeit beginnt…

Notiz des Waldläufers Carien, nach einem Besuch Danaqúils
Arcávian, 1366
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Re: Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung

Beitrag von Shandira » Mo, 31. Okt 2016 10:56

Eine schaurige Geschichte wollt ihr hören

Eine schaurige Geschichte wollt ihr hören. Na mal sehen, ob mir da eine einfällt. Eigentlich finde ich lustige Geschichten, spannende und faszinierende viel, viel angenehmer zu erzählen, aber ich will mal nicht so sein. Ausnahmsweise lass ich mich zu so etwas mal herab, aber nur weil ich nichts besseres zu tun habe.

Die Männer waren müde und hungrig, schmutzig und durchgefroren. Lumpen am Leib, kaum einer mit festem Schuhwerk oder Winterkleidung. Bald würde der Boden gefrieren und die Männer hätten es noch schwerer, denn so hoch im Norden ist es schwer genügend Brennholz aufzutreiben. Sie berieten ob sie nicht den Winter hier zwischen den Seen nordöstlich von Avalé verbringen wollte. Hier gab es immerhin genug Holz, auch wenn es für eine Bande Deserteure natürlich nicht klug war, in dem Land zu bleiben, das sie verraten hatten, noch dazu in der Nähe irgendwelcher großen Siedlungen, aber sie konnte erst einmal nicht wo anders hin. Sie mussten bleiben, auch wenn die Männer wegen den Geschichten oder vielmehr einer besonderen, die man über das Seenland hörte, beunruhigt waren.

Ihr kennt doch die Geschichte oder?
Nein?
Ungebildetes Pack...

Nun denn. Es geschah zur Zeit der Drachenkriege. Die letzten Tage, Wochen, Monate waren angebrochen, die fliegenden Bestien auf dem Rückzug und die letzten großen, verlustreichen Schlachten wurden geschlagen. Die Felder waren übersät mit zahllosen Toten, der Erdboden eine glitschige Mischung aus Blut und Dreck. Man konnte die Gefallen nicht so schnell bestatten, wie sie starben und erst recht nicht jeden Einzelnen. So hob man riesige Gruben aus und warf sie einfach hinein. Irgendwann waren es so viele Gruben, dass man gar nicht mehr unterscheiden konnte, wo die eine anfing und eine endete. Wahre Grabesschluchten entstanden. Nach dem Krieg, wusste niemand mehr wo die Toten ruhten, so sie denn Ruhe gefunden hatten. Mütter standen bald an den Schluchten und ihre Tränen wurden zu wahren Fluten, sie weinten ob der gebrochenen Versprechen, denn ihre Söhne würden nie wieder nach Hause zurückkehren. Die Gruben, nur mäßig mit Erde bedeckt, füllten sich, sodass jene Massengräber zu Seen wurden. Als alle Tränen vergossen waren, watenden die Frauen in die Seen. Sie sahen keinen Sinn mehr und ertränkten sich selbst, in der Hoffnung so wieder mit ihren Kindern vereint zu werden. Die Körper trieben Tage lang auf dem Wasser, waren Futter für die Krähen, doch die Seelen der Mütter versuchten verzweifelt, sich durch den Grund der Seen zu graben. Das tragische dabei ist aber, dass die Seelen ihrer Söhne nicht länger in ihrer Gräbern ruhen. Von den Stimmen, dem Flehen, dem Trauern angezogen, wanderten sie zu den Ufern, um ihre Mütter zu trösten. So suchen die einen am Grunde des kristallklaren Wassers, während die anderen suchend am Ufer entlang wandeln. Auf ewig.

So oder so ähnlich heißt es. Kann auch sein das es Ehefrauen waren, die sich die Augen aus dem Kopf geheult haben, oder beides. Ach was rede ich, als ob eine Ehefrau um ihren Mann weinen würde. Frisch verheiratete vielleicht, aber ich schweife ab.
So zurück zu unseren Deserteuren.

Abergläubisch wie Soldaten nun mal sind, wollten die Wenigstens an den Ufern bleiben, aus Angst die Geister der Gefallenen anzutreffen, denn sie fürchteten deren Zorn, über ihre eigene Feigheit. Während sie vor so vielen Jahrhunderten gestorben waren, waren die Deserteure … desertiert. So beschlossen sie einen Mond lang, dort zu lagern und sollte nichts geschehen, dort ebenfalls zu überwintern. Die erste Nacht verging ohne Vorkommnisse. Keiner der Männer hatte irgendwelche Beschwerden, nur die allgemeine Nervosität hielt an. Die erste Woche verging, ohne das etwas geschah und die Männer verloren jede Besorgnis. In der neunten Nacht, wurden einige Männer von unruhigen Träumen geplagt. In der zehnten Nacht, fröstelten ein paar, obwohl sie doch direkt am Feuer saßen. In der elften Nacht, wachten einige schreiend auf, da sie einen bösen Alptraum hatten und dennoch, wollte keiner mehr glauben, dass der See der Grund sein mochte. In der zwölften Nacht, fand kaum einer der Männer Schlaf. Einige bildeten sich ein Schatten zwischen den Bäumen zu sehen, oder Gestalten im Wasser erkennen zu können. In der dreizehnte Nacht, nun ja...
Seht selbst...
Der Mann saß am Feuer und schnitzte mit einem alten, rostigen Messer an ein paar knöchernen Würfeln herum. Er fror erbärmlich und fühlte sich unwohl, beobachtet. Dauernd blickte er über die Schulter, doch sah nichts außer die Bäume des Waldes. Er hatte sich freiwillig zur Wache gemeldet, denn er konnte kein Auge zu tun. So hatte er wenigstens eine Aufgabe statt einfach nur so wach da zu liegen. Der Mond schien sehr hell in dieser Nacht, dieser verfluchten dreizehnten Nacht, die sie an diesem verfluchten See lagerten. Die Männer hätten auf ihn hören sollen und keinen Moment länger als nötig bleiben sollen. Morgen würde er erneut den Vorschlag machen weiterzuziehen, aber konnte sie schon wieder hören. 'Streuner', würden sie sagen, 'Streuner wir sind keine Feiglinge, nicht so wie du, der uns nicht mal sagen will wie er heißt.' Das ging sie auch gar nichts an. Er hatte das Heer nicht verlassen wollen, er hatte ihrem Offizier nicht das Messer in den Rücken gerammt. Nein das waren die, aber wer hätte ihm das schon geglaubt? Sie hatten ihn in diese Lage gebracht, da würde er ihnen ganz sicher nicht sagen wie er heißt.
Wieder stellten sich seine Nackenhaare auf und er blickte sich hektisch um. Nebel zog auf, trat zwischen den Stämmen hervor. Weil es auch noch nicht schaurig genug ist, dachte er sich. Er versuchte sich wieder auf seine Würfel zu konzentrieren. Der Wind blies ihm den Rauch ins Gesicht und pfiff leise in seinen Ohren. Er lauschte angestrengt ob er ihm ferne Geräusche zutrug. Nichts. Bloß Wind, bloß säuselnder Wind. Nochmals drehte er sich um. Der verdammte Nebel kam immer näher gekrochen. Näher zu ihm... gegen den Wind.
Entsetzt starrte er auf die weißen Schwaden die langsam über den Boden gekrochen kamen, sich allen Gesetzen der Natur widersetzten. Wie kann Nebel gegen den Wind ankommen, ganz gleich wie seicht die Brise war? Das war unnatürlich, das gehörte sich nicht! Das konnte nicht sein. Er weckte die Anderen und zeigte auf den Nebel. Einigen fiel sofort auf was er meinte und auch sie waren entgeistert und zur Tode geängstigt. Plötzlich erkannten sie auch mannhohe Schatten im Nebel. Bei den Geschwistern, sie waren verloren. Die Männer waren gelähmt vor Angst. Sprachlos standen, saßen, hockten sie da und konnten sich nicht bewegen, auch wenn jede Faser ihres Körpers zur Flucht aufforderte. Erst als der Nebel um ihre Beine waberte brach der Bann bei einigen. Sie rannten ins Wasser, in der Hoffnung der Nebel und die Wesen dahinter würden sich von dem eisigen Nass fernhalten, doch kaum dass sie das stille Wasser aufwühlten, brach der Nebel wie eine Welle über das Lager hinein. Die Männer schrien vor Angst, manch einer auch aus wahnwitzigem Todesmut, der sich plötzlich einstellte. Auch Streuner war einer von ihnen. Das rostige Messer in der Hand, rannte er durch den Nebel und stach auf jedes dieser schemenhaften Wesen ein, das vor ihm auftauchte. Gnadenlos metzelte er sie nieder. Er war kein Feigling. Er hatte vor diesen Gefallenen nichts zu befürchten. Zwischen dem Kampfeslärm glaubte er immer wieder Stimmen zu hören die hier nichts zu suchen hatten. Frauenstimmen. Doch darüber konnte er sich keine Gedanken machen, denn er warf eines der Wesen zu Boden und stach auf es ein. Immer und immer und immer wieder, bis die Klinge seines Messers abbrach. Als er außer Atem aufstand wurde im schwarz vor Augen. Für einen Moment fürchtete er, einer der Gefallenen hätte ihn erwischt, hätte ihn zu einem dieser schwarzen Wesen gemacht. Dann sah er wieder alles um ihn herum. Kein Nebel, keine schwarzen Schatten um ihn herum, bloß seine toten Kameraden um ihn herum. Der Tote direkt zu seinen Füßen hatte eine abgebrochene Klinge im Hals stecken. Seine Klinge. Auch bei den anderen Männern sah er deutliche Spuren, dass sie sich gegenseitig getötet hatten. Was für ein Hexenwerk ging hier vor sich? Wie konnte das sein? Verwirrt sah er zum See. Dort trieben drei Körper auf dem Wasser, keiner hatte eine Wunde und dennoch waren sie Tod. Langsam watete er ins Wasser und kaum das es ihm bis zur Hüfte stand, fiel alle Anspannung von ihm ab. Er verspürte tiefste Zufriedenheit. Ein Stimme in seinem Kopf sagte ihm, dass alles in Ordnung sei. Sie sprach ihn mit seinem wahren Namen an. Meinte, er solle sich treiben lassen, solle seine Sorgen, seine Ängste einfach fortspülen. Ohne lange darüber nachzudenken tauchte er unter, aber nicht wieder auf.

Zugegeben der Schluss ist nicht ganz so gut gelungen, aber ich habe mir das ja auch nicht ausgedacht. Es ist eine wahre Begebenheit. Und war auch nicht die einzige Begebenheit dieser Art. Immer wieder hört man von verschollenen Trupps, wenn sie zu lange an diesen Seen gelagert haben. Fischer berichten von seltsamen Reflexionen im Wasser, als ob bleiche Gesichter von unten zu ihnen aufblicken würden. Jäger berichten von Fußspuren die aus dem Nichts auftauchen und im Nichts verschwinden. Ertrunkene findet man nicht wieder. Wenn ihr meinen Rat hören wollt, halten euch von den Seen fern, erst recht, wenn ihr ein Feigling seid.
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Re: Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung

Beitrag von Shandira » Mo, 31. Okt 2016 10:56

Die Geburtsstätte von Lanvarn

Einst, vor vielen Jahren, als das Städtchen Lanvarn noch nicht urkundlich erwähnt wurde, gab es dort eine kleine Zusammenkunft von einigen Häusern. Rechtschaffene Familien, hauptsächlich Bauern und Handwerker lebten dort in Eintracht zusammen, wo sie tagein und tagaus ihrem Tagewerk nachgingen. Eines Tages erhielt das Dorf Zuwachs von einer Schäferfamilie, die sich an diesem Ort niederließ. Der verwitwete Schäfer Taman Lanvarn und seine sieben Kinder wurden herzlich in die Dorfgemeinschaft aufgenommen, und schienen wohl eine Bereicherung für diesen Flecken Erde zu sein, da durch die Schäferfamilie auch neue Handwerksberufe, wie Spinner und Weber ihren Platz fanden, und das Dörfchen größer wurde und aufblühte. Niemals störte etwas den Frieden. Erst, eine Verkettung von unglücklichen Ereignissen erschütterte diesen Frieden. Ein langer harter Winter ließ die Saat nicht aufgehen, Frostnächte im Spätfrühling ließen das, was dem langen Winter getrotzt hatte, erfrieren, durch eine Seuche verendeten zahlreiche Nutztiere der Bauern, und als schließlich eine Hungersnot Einzug hielt, der zumeist die Schwächsten, die Alten und Kinder zum Opfer fielen, war nichts mehr, wie es einst gewesen war. Auch vier der sieben Kinder von Taman Lanvarn starben. Und jener Schäfer, der bisher nur vom Verkauf der Wolle seiner Schafe gelebt hatte, erklärte sich schließlich schweren Herzens dazu bereit, einen Teil seiner Schafe zu schlachten, damit das Hungerleiden in dem Dörfchen ein Ende hatte. Freigiebig teilte er die Schlachterträge in dem Dörfchen auf, und da zumindest der Hunger ein vorläufiges Ende hatte, schöpfte die Bevölkerung neuen Mut. Die Dorfbewohner waren ihm dankbar, und er wurde sogar in den Stand des Dorfbüttels gehoben. Doch dieser Frohmut war nicht von langer Dauer. Gerüchte von Wegelagerern und gefährlichen Mörderbanden, die in dieser Gegen ihr Unwesen treiben sollten, ereilten das Dorf, und bald war es traurige Gewissheit, dass Kinder verschwanden und nicht mehr auftauchten. Der Frieden und das Glück des Dorfes waren nachhaltig gestört, und einige Familien, die hier nichts mehr hielt, zogen weg. Es mochte ein Wink der Götter sein, doch eines Tages ergriff der Dorfbüttel Lanvarn einen umherziehenden Barden mit goldenen Augen, den er dabei beobachtet hatte, wie er eine Schar von Kindern hinter sich herzog, die freudig zu seinen wunderbaren Melodien lachten und tanzten. Schnell war man sich einig, dass es dem Barden zuzuschreiben war, warum die Kinder des Dorfes verschwanden. Ganz sicherlich lockte er sie mit seinen Melodien davon und tat ihnen etwas Schreckliches an. Der Spielmann beteuerte seine Unschuld, schwor auf die Naturgeister, dass er damit nichts zu schaffen hatte. Doch in Notzeiten sucht man stets einen Schuldigen, dem man all das Unglück zuschieben kann. So ließ man nach einem Henker rufen, und in einer beinahe feierlichen Prozession wurde dem Barden auf dem Dorfplatz der Kopf abgeschlagen. Die Kinder von Taman Lanvarn waren bei der Hinrichtung ebenso anwesend, und man mag es als Schicksalswink betrachten, dass das jüngste der Kinder den Arm hob und mit dem Finger auf den Henker und den enthaupteten Barden zeigte. „Genauso hat’s der Vater heimlich nachts mit den Kindern auch gemacht!“ rief der Kleine aufgeregt. Entsetzten breitete sich in der Bevölkerung aus und sofort wurde der Dorfbüttel gefangen genommen.Als sie den Hof des Schäfers untersuchten, fand man in der Scheune in Fässern und Kisten versteckt kleine Kleidungsstücke. Man fackelte nicht lange. Der Henker war ja schließlich schon da, und so wurde an diesem Tag ein weiterer Mann exekutiert. Bis heute weiß niemand, ob der Schäfer seinerzeit wirklich Schaffleisch an die Dorfbewohner verteilt hat, oder…

Niemand mehr wollte an diesem schauerlichen Ort wohnen, und so zogen die Dorfangehörigen fort. Das Dorf wurde als abschreckendes Mahnmal Lanvarn getauft und verfiel bald zunehmend zu einem unbewohnten Geisterdorf. Erst als ein Jahrhundert vergangen war, wurde Lanvarn wieder aufgebaut, doch niemals wieder wurde es ein solch schöner Ort wie es einst einmal gewesen war. Schlachthofe, Wirtshäuser und Hurenhäuser prägten das Bild künftig. Noch heute hat sich dort ein Brauch durchgesetzt; in der dunklen Zeit des Jahres, höhlt man Rüben aus, schnitzt ein Gesicht hinein und stellt darin ein kleines Kerzlein, die dann in der Dunkelheit leuchten. Man sagt, die kleinen Gesichter sollen an die ermordeten Kinder erinnern, andere wissen aber darüber zu berichten, dass die leuchtenden Augen ein Gedenken an jenen unschuldig gehenkten Barden sein sollen…
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Re: Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung

Beitrag von Shandira » Mo, 07. Nov 2016 20:07

Herzlichen Glückwunsch an die beiden Gewinner, die Autoren der Geschichten Es war kalt und klamm und Die Geburtsstätte von Lanvarn :confetti:
Ihr dürft euch über die Schreibwettbewerb-Medaille freuen und bekommt 60 Ruhm. Auch der Autor der Geschichte Eine schaurige Geschichte wollt ihr hören darf sich über 20 Ruhm freuen!

Jetzt bin ich auf euer Autoren-Outing gespannt und ob ich mit meinen Tipps richtig lag :hehe:

Danke an alle, die mitgemacht haben, indem sie etwas geschrieben oder abgestimmt haben :aww:
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Re: Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung

Beitrag von Caradan » Mo, 07. Nov 2016 20:12

Die etwas lustlos aus dem "Off" kommentierte Geschichte, 'Eine schaurige Geschichte wollt ihr hören' stammt von mir.
Erstmal :confetti: und ich bin sehr froh, dass die eine Stimme, nicht meine eigene war :D
Und ich bin auch gespannt wer was geschrieben hat, wobei ich einen Autor zuordnen konnte
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

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Re: Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung

Beitrag von Qimmiq » Mo, 07. Nov 2016 20:37

Shandira hat geschrieben:Jetzt bin ich auf euer Autoren-Outing gespannt und ob ich mit meinen Tipps richtig lag :hehe:
Ich auch, lag ich bezüglich des Geschlechts deines Kindes doch immerhin falsch, als mir nach der Lektüre eines ausführlichen Babytalk zwischen dir und Rahela in der Shoutbox hier, die Idee zu eben der Geschichte mit Svíarr und Mira kam. :-P

Ach so, ja: Eine der Stimmen für meine Geschichte war tatsächlich meine eigene. Bild Ist eigentlich nicht meine Art, für mich zu stimmen, aber diesmal fand ich die tatsächlich selbst auch am besten. :aww:
(Sonst wäre es, wie gesagt, die Nebelgängerstory von Lúrean wohl geworden.)
‘Grandson,’ she said, ‘look upon me. I am patient. I watch and I wait. Then all things come to me. If your people learn this, they will be strong indeed.’

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Re: Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung

Beitrag von Rahela » Mo, 07. Nov 2016 21:00

Ich hab für die "Eine schaurige Geschichte wollt ihr hören" gestimmt :thumb:

Und das Lanvarndings ist von mir
Sie ist eine Frau! Und alle Frauen sind böse...!

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Re: Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung

Beitrag von Yasha » Di, 08. Nov 2016 6:43

Danke für die netten Worte im allgemeinen Wettbewerbs-Post Qimmiq. Als Autor der besagten Nebelgänger-Geschichte hab ich mich natürlich darüber gefreut :-) aber was solls, Geschmäcker sind eben verschieden.

So habe ich mich in dieser Abstimmung tatsächlich mal rausgehalten. Jede der drei Gewinnergeschichten besaß etwas das mir sehr gut gefiel, aber leider hat mich keine von ihnen wirklich überzeugt meine Stimme herauszurücken (Ich bin leider nicht unbedingt das was in Rollenspiel-Kreisen als Menschen-Fan bezeichnen kann und Zwerge, brr... :hehe: )
Legende: „Yasha spricht“ / Yasha denkt /Chione/ Niak/ Beowan/Lapis/Fianna/„Andere sprechen“

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Re: Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung

Beitrag von Shandira » Di, 08. Nov 2016 15:12

Qimmiqs Wettbewerbsmedaille, die schon im Profil war, hab ich noch mal poliert und Rahela hat nun eine mehr! Außerdem habe ich euch dreien euren verdienten Ruhm eingetragen :aww:

Dann lag ich mit meinen Tipps bezüglich Caradan, Yasha und Qimmiq ja richtig :mrgreen: Bei den anderen beidenGeschichten tapp(t)e ich im Dunkeln.

Ich finde es übrigens nicht nett, dass du so berechnend meine Muttergefühle ausnutzt, Qim. Ich hab tatsächlich für deine Geschichte gestimmt :hehe: Das Ende von Rahelas Geschichte fand ich übrigens ziemlich eklig :XD:
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Re: Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung und Ergebnis

Beitrag von Rahela » Di, 08. Nov 2016 15:33

Das Thema war ja auch gruselig und nicht "Wir sammeln Babies erste Gute Nacht Geschichten für Dira" :P
Sie ist eine Frau! Und alle Frauen sind böse...!

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Re: Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung und Ergebnis

Beitrag von Qimmiq » Di, 08. Nov 2016 16:08

So bin ich halt Shandira, Bild so bin ich halt. :aww:
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Re: Schreibwettbewerb 2016 - Abstimmung und Ergebnis

Beitrag von Thomas » Mi, 09. Nov 2016 13:57

Tja Vampire stammt von mir... fiel mir im wahrsten sinne des Wortes im schlafe ein und ist daher auch nichts besonderes geworden!^^ Was mir schwerer fiel war da schon die Entscheidung wem ich meine Stimme geben sollte... ahh die Qual der Wahl, nun ich bin bei so etwas ja der Meinung man sollte wenn möglich drei Punkte vergeben können. Da kann man dann selbst entscheiden ob man dreimal einen, einmal eins und woanders zwei oder gleich einer Story alle drei gibt.

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