Schreibwettbewerb 2010

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Schattenherz
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Schreibwettbewerb 2010

Beitrag von Schattenherz » So, 18. Apr 2010 20:04

Wir wollen euch dazu aufrufen, auch einmal einen Blick ins andere Forum zu werfen, sich ein wenig in der anderen Welt umzuschauen und vielleicht bekommt ihr ja Lust, auch dort mitzuwirken.
Dazu wollen wir, dass ihr in Worten eine Verbindung zwischen Sheehaza und Drachenblut herstellt. Wie würde euer Charakter wohl reagieren, wenn er plötzlich in die Welt Sheehazas gestoßen würde? Was würde er sagen, wenn er auf ganz neue, unbekannte Dinge trifft, die er zuvor noch nie gesehen hat? Findet es heraus und schreibt eine kleine Geschichte dazu.

Um die Chancen gleich zu halten, könnt ihr aus einer der drei Situationen wählen:

1. Deinem Charakter wird von einer alten Myrwen sein eigener Tod prophezeit.
Myrwen sind ein Volk, das in die Zukunft und in die Vergangenheit blicken kann. Sie haben meist Visionen, lesen Dinge aus den Sternen oder anderen Hilfsmitteln und verlassen deshalb nur selten ihr Heimatdorf, denn in die Zukunft zu sehen, heißt nicht immer, etwas Gutes zu sehen.
Zur Beschreibung der Myrwen

2. Dein Charakter nimmt an einem berauschenden Fest der Dunra teil.
Dunra nennt man all jene Frauen, die vor allem den Männern zur Unterhaltung dienen. Dies tun sie mit künstlerischem und musikalischem Geschick, manche aber auch mit ihrem Körper. Ihre Feste sind begehrt und viele sehnen sich nach einer Einladung zu solch einem.
Zur Beschreibung der Dunra

3. Dein Charakter betritt zum ersten Mal das Unterirdische Reich der Rhykanor.
Rhykanor sind finstere, geheimnisvolle Wesen, geschaffen dafür, im Dämmerlicht und Dunkeln zu agieren und die Magie der Schatten, die durch ihre Adern rinnt, zu nutzen. Sie leben in ihrem Unterirdischen Reich Rhykan. Kein Tageslicht dringt bis zu den Gefilden vor, wo sich niemand freiwillig hinbegeben würde.
Zur Beschreibung der Rhykanor, Zur Beschreibung Rhykan

Eure Geschichte sollte etwa 2000 - 6000 Zeichen lang sein. Schickt sie bis zum 30.06.2010 an sheehaza@gmx.de unter Angabe eures Nicknames. Die Ergebnisse werden dann in beiden Foren gesammelt präsentiert, bevor ihr über den Gewinner abstimmen könnt!

Wer schreibt die spannenste Geschichte? Wer wird der berühmteste Abenteurer?

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Laelay Len Shaya
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Re: Schreibwettbewerb

Beitrag von Laelay Len Shaya » Mo, 17. Mai 2010 15:58

Nach der letzten Nachtwache und der vorletzten durchzechten Nacht fiel es Laelay schwer, sich wach zu halten. Immer wieder war sie kurz davor einzunicken, und das einschläfernde Schaukeln ihres vor sich hin trottenden Pferdes tat seinen Teil dazu. Die Karawane, begleitet von Söldnern und Berufssoldaten, kam nur langsam voran, seit sie die guten Straßen Mérindars verlassen hatten. Wohin sie nun unterwegs waren, wusste Laelay nicht: Keine Fragen zu stellen war eine der Bedingungen für diesen Auftrag gewesen. Die Söldnerin hatte aufgehört, die Tage zu zählen, die sie schon unterwegs waren. Anfangs hatte sie noch versucht, sich an der Landschaft zu orientieren. Die Wilden Lande hatten sie durchquert, so viel war klar, hatten dann die flache und trockene Steppe erreicht… und waren seitdem weiter nach Westen unterwegs. Das Land wurde karger, bis sich kaum noch ein Pflänzchen fand, um die vor die Wagen gespannten Pferde zu ernähren. Langsam hatte Laelay das Gefühl, dass nicht nur sie die Orientierung verloren hatte…
Und tatsächlich hatte der Kerl, der diese Karawane führte, in der letzten Woche von Tag zu Tag besorgter ausgesehen – und von Tag zu Tag wurden auch die Wasservorräte knapper. Vor einigen Stunden war er vorausgeritten. Laelay hatte in ihrer Müdigkeit nicht mitbekommen, wie er zurückkehrte, doch nun sprach er weiter vorn wild gestikulierend mit dem Hauptmann. Und wenig später machte die Nachricht die Runde:
„Edvain hat eine Oase gefunden!“
Die in letzter Zeit immer stiller gewordenen Reisenden lebten sichtlich auf. Erwartungsvoll standen sie in ihren Sätteln und auf den Kutschböcken auf, spähten nach vorn – Laelay wurde aus ihren Beobachtungen gerissen, als eine raue, befehlgewohnte Stimme neben ihr ertönte.
„Es lagert dort schon jemand. Wir wissen nicht, was das für Leute sind. Ihr Söldner werdet also voraus reiten und herausfinden, ob wir unsere Wasservorräte dort gefahrlos auffüllen können.“
Kommentarlos nickte sie dem Hauptmann der Wache zu, und trieb ihr müdes Pferd zu schnellerer Gangart an. Vorne am Zug sammelten sich schon die anderen Söldner. Die Stille der Wüste schloss sich schnell um sie, als sie die Karawane hinter sich ließen.

Die Pferde scharrten nervös mit den Hufen, ihr Zaumzeug klirrte, als sie den Kopf hin und her warfen. Keiner der Söldner wagte es, ein Wort zu sprechen, als sie auf die scheinbar verlassenen dunklen Zelte starrten, die offensichtlich hastig verlassenen Feuerstellen und die seltsamen, bedrohlichen Monolithen im Hintergrund. Wer oder was verbarg sich dort? Keiner der Reiter schien den Wunsch zu verspüren, das herauszufinden, keiner hatte eine Ahnung, was ihn im Inneren des Zeltes erwarten würde. Es verstrichen Minuten, die Anspannung stieg, bis plötzlich ein Knirschen die Stille durchbrach.
Ein weiteres Knirschen, und allen wurde klar, dass es Laelays Stiefel waren, die Sand und kleine Steine aneinander drückten, als sie sich nun scheinbar furchtlos auf eines der Zelte zu bewegte.

Was auch immer sie dazu getrieben hatte – Laelay verfluchte sich schon nach wenigen Schritten dafür. Doch sie hatte die ständig steigende Spannung, die Erwartung von Gefahr nicht mehr ertragen, die in der Luft lag. So hoffte sie nun das Beste, als sie einen Augenblick vor dem Zelt stehen blieb, den Langdolch in der Linken. Noch einmal holte sie tief Luft, dann schlug sie den Türvorhang aus rötlichem Ziegenleder zur Seite.
Im ersten Augenblick sah sie - nichts. Doch immerhin – es stürzte sich auch niemand auf sie… Als sich ihre Augen an das Dämmerlicht im Inneren des Zeltes gewöhnt hatten, erkannte sie zwei Schritt entfernt eine auf dem Boden kauernde Gestalt. Ihr schmaler Körper war in matt glänzende weite Stoffe gehüllt, die sich neben ihr auf dem Boden ausbreiteten. Die dunkle Haarmähne ihres gesenkten Kopfes war zerzaust, und silberne Perlen fingen das wenige Licht, das durch den halb geschlossenen Eingang fiel.
Laelay senkte den Dolch. Hatte sie erst noch vermutet, dass diese Gestalt sich vor Angst zusammen gekauert hatte, ging ihr nun langsam auf, dass sie die Söldnerin gar nicht beachtete… sie versuchte ihre Verunsicherung auch für sich selbst durch Ärger zu überspielen. Für wen hielt sich dieses Weib? Schließlich war sie diejenige, die mit einer Waffe vor ihr stand! Gerade wollte sie noch einen Schritt auf die Gestalt zu machen und sie grob packen, als diese den Kopf hob. Leise raschelte ihre Kleidung, als sie sich die Haarsträhnen aus dem runden, exotisch geschnittenen Gesicht hinter die spitzen Ohren strich. Laelay hatte ein junges Mädchen erwartet, stattdessen sah sie nun eine erwachsene Frau an der Schwelle zum Alter vor sich. Ihre weit geöffneten, bernsteinfarbenen Augen schienen zu leuchten – oder war es nur der Lichtschein von draußen? – als sie Laelays Blick mit dem ihren fing und nicht mehr losließ. Der durchdringende Ausdruck ihrer Augen fesselte die Söldnerin, machte ihr jede Bewegung unmöglich. Dieser Blick… bedauernd und forschend zugleich, gnadenlos, abschließend, wie aus einer anderen Welt, raubte ihr jeden klaren Gedanken. Augenblicke vergingen wie Stunden, bis die Frau die Lider senkte.
„Du wirst scheitern.“
Alles Blut wich aus Laelays Gesicht. Sie wusste genau, wovon die Frau sprach, es war nicht nötig nachzufragen. Ihr kam nicht in den Sinn sich zu wundern, woher sie es wusste. Und binnen Augenblicken hatte sie den gleichen Schluss gezogen, den die Frau ihr nun mit ihrer düsteren, leisen Stimme bestätigte.
„Geh dorthin und du wirst sterben.“


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Re: Schreibwettbewerb

Beitrag von Shandira » Sa, 05. Jun 2010 12:48

von Idhân Urb aus Sheehaza

„Ich fürchte, mehr kann ich dir hier draußen nicht bieten. Lass uns morgen weiter reden.“ Mit dieser Entschuldigung hatte Suheilah ihm den Trinkschlauch gereicht. Als wäre Wasser plötzlich nichts mehr wert, nur weil die beginnende Regenzeit ihrem Namen gerade alle Ehre bereitete. Seine im Kampf verletzte Schulter schmerzte ihn, und das er hier draußen in einer nasskalten Wüstennacht lagerte, ließ es nicht gerade besser um seine Gesundheit stehen. Er sehnte sich nach Taharan zurück, der Heimat der Tar’Nelin, dem Ort an dem er erst wieder willkommen war, wenn er zurückkehrte eine Familie zu gründen. Darum hatte er sich entschlossen nach Dschann Dahal zu gehen, der einzigen anderen Siedlung, direkt am Meer. Denn auch wenn das Salzwasser zu trinken den sicheren Tod bedeutete, er brauchte die stete Nähe zum Ozean, das Rauschen der Brandung. Doch nun schien es, dass er den Sklavenjägern nur entkommen war, um hier, in einer nasskalten Wüstennacht, seiner Verletzung zu erliegen. „Ich fürchte, mehr kann ich dir hier draußen nicht bieten.“ Die mitfühlenden Worte Suheilahs begleiteten ihn in das über ihn hereinbrechende Delirium. Der Regen würde seine Schulterwunde reinigen, das Fieber und der Schüttelfrost die Krankheit aus seinem Körper brennen. Doch erst einmal … war da das Geräusch beständig heran rollender sich sacht am nahen Strand brecheder Wellen. So viel ruhiger als die stets hart um die Stadt Taharan tosenden Wogen. Soviel sanfter als die gegen die in die Klippen schlagenden Wellen vor Dschann Dahal. So - Idhân Urb öffnete die Augen und blickte hinauf in eine sternenerleuchtete Nacht. Nie zuvor hatte er so viele Sterne am Firmament erblickt und der der volle Mond, er … Mühsam nur stand Idhân auf, blickte dem Mond entgegen, als sähe er ihn zum ersten Mal, betrachtete die Sterne als – Laute Rufe schallten durch die Nacht und rissen ihn aus seiner Lethargie. Taumelnd schleppte er sich um einen Busch herum, nur um drei Gestalten zu erblicken die, vom vollen Mond in seltsam blaues Licht gehüllt, gemeinsam auf eine vierte, am Boden liegende Gestalt eintraten. Kalte Wut kroch in Idhân hoch, als er dieser Ungerechtigkeit gewahr wurde, und entfesselte schattendunkel in ihm ruhende magische Ströme. Eine der Gestalten fuhr herum als, nur für sie sichtbar, ein Rudel ausgemergelter Hunde grollend aus dem Dunkel auf ihn zu schlich. Idhân verstand nicht was der plötzlich die Flucht Ergreifende in seiner Panik schrie, konnte es nicht verstehen da die Sprache ihm so fremd war wie – alles Andere auch gerade. Doch es genügte ihm zu sehen, dass wenig später auch die anderen Schläger davon stürmten, kaum dass sie Seiner in der Nacht gewahrten. Er wusste nicht was sie riefen, kannte diese Reaktionen aber nur zur gut aus seiner Kindheit, als er die Dunkelheit in sich noch nicht beherrschen gelernt hatte. Ob Dämon, Hexer oder Verfluchter – es war ihm gleich. Nicht gleich hingegen war ihm die Erkenntnis, dass die Szenerie scheinbar weniger vom Mond erhellt worden war, als vielmehr von der vor ihm liegenden Gestalt daselbst. Wimmernd und durch Tritte und Schläge in einen erbärmlichen Zustand versetzt, kroch sie von ihm fort. „Sss ganz ruhig, hm?“ Beruhigend sprach Idhân den am Boden Liegenden ein und schlug die Kapuze zurück, sein von einem kahlen Haupt gekröntes, schlankes wie blasses Gesicht mit einem freundlichem Lächeln zu präsentierte. Je näher er kam, desto deutlicher wurde aber sein Irrtum. Nicht der Fremde leuchtete, als vielmehr das knöchelhoch in einer Vertiefung des Strandes sich gesammelt habende Wasser, in welchem der Fremde lag. Ungewöhnlich schnell legte sein Gegenüber die Angst ab und schaute Idhân aus großen dunklen Augen ruhig an. Als Idhân beinahe direkt vor ihm stand, hielt dieser ihm auffordernd eine Hand entgegen. Idhân half ihm auf, und überlegte gerade was weiter geschehen mochte, als er plötzlich das Verblassen des schwachen blauen Schimmers, zu seinen Füßen, gewahrte. Doch nein, nicht ganz, um die beiden nackten Füße des Fremden, die noch immer knöcheltief im Wasser standen, hatte sich der blassblaue Hauch gehalten. Er musste den Fremden zum Wasser in Sicherheit bringen ehe die Schläger mit Verstärkung zurückkehrten. So spontan ihm der Gedanke kam, so sehr verwirrte ihn dieser auch. Wieso, in Yrins Namen, sollte das Wasser Sicherheit bieten? Doch erstaunlicherweise wies auch der Fremde nun bittend zum nahen Meer, vermochte den Weg dahin aber aus eigener Kraft nicht zu bewältigen. Zu heftig waren die Schläge und Tritte die dieser eingesteckt hatte. Idhân zuckte darauf fatalistisch mit den Schultern und beschloss diesen Fiebertraum, denn für genau das hielt er dieses gerade, klaglos über sich ergehen zu lassen. Wenn Yrin ihn auf diesem Wege prüfen wollte, dann sollte es wohl so sein. „Nur,“ bemerkte Idhân mit einem Seitenblick auf den, nur spärlich von Tang verhüllten Körper in seinem Griff, „Wenn du mir schon diesen Traum als Prüfung auferlegst, großer Yrin, hätte es dann nicht wenigsten eine Dunra, oder einfach nur ein schönes Mädchen sein können, das gerettet werden will? “ Ein sardonisches Lachen, das wenig später nur in ein schmerzverzerrtes Keuchen überging, ließ die Aufmerksamkeit Idhâns kurz abschweifen. Eine Ablenkung, die den angeschlagenen Tar’Nelin nicht nur straucheln wie niedergehen ließ, sondern ihn auch noch zwang den Sturz mit seinem verletzten Arm abzufangen. Ein Fehler der ihn vor Schmerz laut aufschreien und warmes Blutes aus der aufgeplatzten Schulterwunde in das, die Wunde brennend umspülende, kalte Meerwasser strömen ließ. Der Schmerz betäubte seine Sinne und ließ ihn davon treiben. Weder registrierte er wie die an den Strand rollenden Wellen ihn mit sich zogen, noch etwa das plötzlich aus der Tiefe steigende, ihn von allen Seiten umgebende fahlblaue Leuchten. Auch gewahrte er erst am Morgen, als er erwachend Suheilah erblickte, der ungewöhnlich angenehmen Kühle, die von Schulter und Schläfe in seinen Körper hinein strahlte.

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Re: Schreibwettbewerb

Beitrag von Shandira » So, 06. Jun 2010 17:28

von Seydin aus Sheehaza

Den Körper nach vorne gebeugt, den Kopf nach unten gedrückt, stemmte er sich gegen den Sturm, der plötzlich losgebrochen war. Shaitan lief, wenn auch widerwillig, hinter ihm. Zuerst hatte sich der Hengst einfach umgedreht, Sturm und unbekannten Schnee den Rücken zugekehrt, um sich zu schützen. Doch Seydin legte nicht viel Wert darauf hier im Freien den Sturm abzuwarten und hatte sein Pferd dann irgendwie doch dazu bekommen, in seinem Schatten zu folgen.
Er wusste nicht, wo er war. Er hätte nicht sagen können, wo diese Einöde auf der Karte verzeichnet war. Und das hatte etwas zu bedeuten, war der Réra doch schon an vielen Orten gewesen, hatte sich durchs Land bewegt, frei und ungezwungen, wie der Wind, der nun an seinen Kleidern zerrte und ihm einiges an Kraft abverlangte, als er sich dagegen stemmend seinen Weg beschrieb.

In der Ferne hörte er plötzlich ein Brüllen. Irrte er sich oder war es näher gekommen? Es war nicht das erste an diesem Tag und schon lange fragte er sich, ob es tatsächlich nur das Tosen des Sturmes war, das an diesem Tag immer wieder erklang und ob er den richtigen Weg gewählt hatte – auch wohin dieser führte, wusste er nicht. Aber eine ganze Weile schon hoffte er, dass er bald einen Unterschlupf finden würde. Was immer es sein mochte, mit dem Sturm waren auch die unbekannten Geräusche gekommen und ob er deren Ursprung heraus finden wollte, wusste er nicht genau. Doch Staub und Sand, die hilflos herumgewirbelt wurden, nahmen ihm die Sicht und fast hätte er das kleine Häuschen übersehen.

Der Sturm zerrte an dem Holz, scheinbar nicht der erste, denn das kleine Häuschen stand schon ganz windschief in der Einöde. Zwischen dem Nebel aus Dreck erkannte er, dass Licht in der Hütte brannte. Erleichtert, endlich einen ruhigeren Platz gefunden zu haben, klopfte er. Just in diesem Moment erklang ein Brüllen, laut und nah, sodass er zusammen zuckte und einen Wimpernschlag lang verdunkelte sich der Himmel über ihn, sodass er glaubte im Schatten eines riesigen Etwas zu stehen. Als er nach oben schaute, war dort jedoch nichts, auch wenn er fast mit Sicherheit sagen konnte, dass er einen starken Windschlag gespürt hatte; stärker noch als der des Sturmes.
Seydin bemühte sich, das was er eben gesehen und gehört hatte, als Einbildung abzutun, gleichzeitig musste er sich um Shaitan kümmern, der sich aufstellte und an den Zügeln riss.

Wieder erklang ein Brüllen, laut und gefährlich, und diesmal ging alles ganz schnell. Die Tür wurde vor ihm aufgerissen und er erkannte einen alten Mann, der ihn mit Schreck geweiteten Augen anstarrte, die so golden wie Bernstein waren. Er rief irgendetwas, hob die Arme, doch Seydin verstand nicht, denn das Tosen des Sturms - für das hatte er es gehalten, frohgemut und naiv wie er heute Morgen noch gewesen war -, wurde mit einem Mal lauter, schwoll an und dröhnte schmerzhaft in seinen Ohren. Gleichzeitig riss sich Shaitan los, ergriff die Flucht und vielleicht gelang sie ihm auch.
Seydin jedoch.. ein plötzlicher Schmerz ergriff ihn, wie scharfe Klingen drang er in ihn ein, zog sich rasend durch seine Glieder und ergriff erbarmungslos jede Faser seines Körpers. Was mit Shaitan geschah, wusste er nicht, er hoffte, er fand einen Weg. Ebenso wenig konnte er sagen, was aus dem alten Mann und seiner kleinen Hütte wurde. Vielleicht schaffte er es noch, Seydins Welt jedoch verschwamm und wurde schwarz.

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Re: Schreibwettbewerb

Beitrag von Shandira » So, 06. Jun 2010 19:19

von Luanave aus Sheehaza

Luanave fächerte ihre Finger. Den Wind wollte sie fangen. Mit dem Segel ihrer Hand. Sie wusste, er würde sich kalt anfühlen, denn er war mit blitzenden Schneeflocken besetzt. Ihre nackten Zehen bogen sich nach der Eisdecke, die Nägel wollten eine Wunde hinein schlagen, damit die Kälte blutend hinaussickerte - hinein in ihren Körper. Sie warf den Kopf in den Nacken, die Haare peitschten in ihr Gesicht, auf die Schultern, die Brust, blieben ihr im Mund kleben. Sie spuckte die weißen Strähnen aus, lachte gehässig. Über sich selbst. „Du kannst es nicht spüren… nicht das Eis und nicht den Schnee… unser bist du, uns wirst du spüren und nichts weiter“, säuselten die Schatten in ihr.
Die weißhaarige Frau begann zu rennen. Die Schatten nahmen ihre Füße in die Hand, flößten ihnen Geschwindigkeit und Hast ein. Aber auch die Leichtigkeit und den Fluch der Unberührung. Wie der fliehende Schnee die Landschaft verwischte - das Massiv der Klippen hinter ihr drohte - die Schatten an ihr zerrten - das Weiß sich in sich selbst auflöste - ihre Haare selbst ein Schneeschauer wurden - die Schatten sie trieben - immer noch schneller.
Plötzlich lief sie gegen irgendetwas gegen. Sie wurde zurückgeworfen, stürzte, die Knie eingeknickt, der Körper um die Hüfte verrenkt, der Kopf seitlich im Schnee. Bewegte sich nicht.
„Was war das?“ Die raue Stimme beugte sich herunter zu dem seltsamen Wesen, berührte dessen Schulter. „He, du - alles in Ordnung?“, raunzte er. Die anderen fünf aus der Händlergruppe, die vor erst zwei Tagen die Grenze passiert und nun mehr auf dem Weg zu ihren Familien waren, kamen näher, beäugten die Frau, die eben mit Tjeoran zusammen geprallt war. Niemand hatte sie kommen sehen. Dabei war die Frage ihrer Herkunft sehr aufdringlich. Sie konnte nicht von hier sein, trug nur ein locker gewebtes Leinenhemd, nicht mal Schuhe. Wer in der Eiswüste wohnte oder sie kannte, hüllte sich schutzsuchend in dicke Felle.
Luanave stöhnte, zuckte zusammen, richtete ihren Oberkörper auf, die Drehung in einem menschenunmöglichen Winkel. „Was zum…?“, murmelte sie als sei ihr Mund eingetrocknet, kaute die Worte mühsam.
„Na, du stellst Fragen. Du hast mich gerade fast umgerannt.“ Tjeoran schmunzelte. Er war breitschultrig und kräftig gebaut, wenn auch von kleinem Wuchs; die Fremde überragte ihn zwar, war aber so dürr, dass ihr Gewicht und dementsprechend ihr Aufprall den Menschen der Eiswüste kaum ins Wanken gebracht hatte.
Die Fremde antwortete nicht, blieb im Schnee sitzen. „Woher kommst du? Hast du einen Namen?“ Luanave war offensichtlich überfordert von den Fragen, sie schwieg. Ihre farblosen Augen starrten empor zu dem schwarzhaarigen Mann. „Verlaufen, hä?“, mischte sich jetzt Nuashd ein. „So siehst du auch aus.“
„Ja … verlaufen…“, klang das ferne Echo aus ihrem hohlen Körper.
Die Männer der Eiswüste schauten sich untereinander an, die hellen Augen das fremde Wesen taxierend, trafen die Entscheidung im selben Augenblick. „Willst du mitkommen? Wir laden dich gerne in unser Dorf ein“, Tjeoran wirkte freundlich, er reichte ihr die Hand, um ihr aufzuhelfen. Luanave nickte nur, ihre Augenbrauen zuckten, sie griff nach Tjeorans Hand. Dem Händler schien die kühle, pergamentartige Haut, die unheilvolle Präsenz dahinter nicht zu beeindrucken, war nicht einmal überrascht.
In einer für ihren knöchernen Körper seltsam anmutigen, fließend Bewegung richtete sie sich auf, nickte noch einmal, lächelte.

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Re: Schreibwettbewerb

Beitrag von Laurina » Do, 24. Jun 2010 15:11

Sie wusste kaum noch genau wie sie hier gelandet war, aber was Laurina mit Sicherheit wusste war, das sie hier weg wollte. Es war nun mehrere Wochen her seit die Kopfgeldjäger sie erwischt hatten, und seitdem hatte sie eine riesige Strecke zurückgelegt und unzählige Male den Besitzer gewechselt, wie ein Stück Vieh. Zuerst hatte man sie in Dunklen Hinterzimmern an andere Männer weitergegeben. Dann, erst vor kurzem, hatte man sie an einem Ort von dem sie noch nie gehört hatte auf einem Markt inmitten von anderen erbärmlichen Gestalten an den Höchst-bietenden verschachert, erst da hatte sie Begriffen das sie Tatsächlich in die Sklaverei geraten war. Zumindest war ihr neuer 'Besitzer' dieser Meinung, denn wenn es nach ihr ging war hier noch gar nichts Entschieden. Von Freiheit und Heimat trennten sie nur ein paar Gitterstäbe (und einige hundert Meilen in irgendeine Richtung und über einen Ozean), und daran würde sie sicher nicht scheitern. Oh nein, so leicht lies sie sich nicht unterkriegen. Das hatten schon einige der Diener Begriffen die sich vor diesem Ereignis hier an ihr zu schaffen gemacht hatten, genauer an ihrer Kleidung, ihrem Haar und ihrem Allgemeinen Erscheinungsbild, den einer der besagten Diener hätte um ein Haar seinen Finger verloren bei dem Versuch ihr Gesicht zu waschen. Anderen war es schlimmer ergangen. Doch nachdem man Verstärkung geholt hatte und ihre Kraft langsam geschwunden war hatten die verfluchten Hundesöhne es tatsächlich geschafft sie in ein verdammtes Kleid zu zwängen. Ein Kleid. Mit Rüschen! Auch wenn sie es geschafft hatte einige Fetzen daraus zu entfernen sobald sie sich wieder einigermaßen frei bewegen konnte, ganz entledigen konnte sie sich diesem himmelblauen Monstrum dann doch nicht, denn die Alternative wäre gewesen Nackt in diesem Käfig zu sitzen, und sie starrten ohnehin schon genug Anwesende an.
Also starrte sie eine Weile zurück. Wo war sie hier rein geraten? Irgendein Fest wie es schien, viele Menschen in bunter Kleidung, die Fraßen, Rum-hopsten und Lachten, das ganze untermalt von einer Musik die ihrer Meinung nach eher zu einer Beerdigung gepasst hätte. Aber sie hatte ohnehin kaum Ahnung was Musik anging. Und Mode. Und überhaupt allem was die Menschen unter 'Kultur' verstanden. Für Laurina sah das ganze nur wie die harmlose Vorstufe einer Orgie aus. Ihr entwich ein spöttisches Schnaufen, dann wurde ihr das Starren langweilig und sie bemerkte das sich vor ihrem Käfig eine Traube von Menschen gesammelt hatte. „...und das ist also das neue Schmuckstück das Deglan sich angeschafft hat?“ Deglan schien der Gewürzhändler zu sein der sie auf dem Sklavenmarkt 'erworben' hatte, irgendein Fetter Kerl dessen Schmuck wahrscheinlich mehr wog als sein eigenes Gehirn. „Ja eine echte Elfe aus dem Ausland. Auch wenn sie wenig von der Anmut aus den alten Geschichten hat...“ Hätte Laurina etwas zum werfen gehabt, dann wäre es spätestens jetzt durch die Luft geflogen, doch in ihrem Käfig war nur sie, und so musste sie sich damit Begnügen mit Worten um sich zu werfen; „Glotzt nicht so bescheuert ihr verblödeten Hundesöhne!“ Dabei warf sie sich mit gebleckten Zähnen ans Gitter und die Menschen wichen zurück. „Auch wenn er sie in ein Kleid steckt... für meinen Geschmack hätte er sich eine Aussuchen können die etwas weniger... wild ist.“ - „Ja, zum Glück sitzt sie in diesem Käfig.“ Laurina lehnte sich so weit nach vorn wie es die Gitterstäbe zuließen. „Ja seit nur froh darüber, denn wenn diese verfluchten Eisenstäbe nicht wären würde ich euch..“ Der Rest der Drohung ging im Geraschel der Kleidung unter, das die Leute verursachten als sie sich halb erschrocken, halb angewidert abwandten und verschwanden. Sollten sie doch, nun war sie erstmal wieder ungestört.

Sie rüttelte eine Weile an den Gitterstäben, doch es gab keinen Lockeren. Zum aufgeben bewegte sie das noch lange nicht, Notfalls würde sie versuchen diese vermaledeiten Eisenstangen durch zu beißen. Dann hörte sie plötzlich ein klimpern und erstarrte. Nicht das Geräusch das Eisenstangen machten wenn sie aus den Halterungen fielen, etwas leichteres. Sie sah sich verstohlen um. Jemand hatte eine Gabel in der Nähe ihres Käfigs fallen gelassen und sie schien bisher die einzige zu sein die das bemerkte. Was sie mit einer Gabel sollte? Notfalls würde sie jemandem damit ein Auge ausstechen. Erstmal galt es ran zu kommen. Sie lag nicht weit entfernt, doch Laurina war auch nicht besonders lang. Vorsichtig zwängte sie einen Arm zwischen den Gitterstäben durch. Eine Handbreit fehlte. Sie legte sich auf den Käfigboden und presste das Gesicht seitlich gegen die Stäbe. Sei konnte das Drecksstück-Metall immer noch nicht ertasten. Nur noch ein Fingerbreit... Mit einem lauten Reißen öffneten sich einige Nähte am Rücken ihres Kleides, und damit ruckte sie die fehlenden Zentimeter nach vorn und bekam das Ding zu fassen. Schnell zog sie sich zurück und sah sich um, offenbar hatte niemand sie bemerkt. Alle Konzentration galt einer tanzenden Frau die um ein Haar selbst eine Elfe hätte sein können, doch sie war keine. Zwar grazil und schön, aber ihre Ohren waren so rund wie alle Menschenohren. Laurina betastete derweil ihren Rücken. Ein Paar Nähte waren offen, doch an sich hielt das Kleid noch zusammen. Doch gegen etwas frische Luft im Nacken hatte sie ohnehin nichts, hier war es unerträglich warm, schon die ganze Zeit. Dann wanderte ihr Blick zu der Gabel in ihrer Hand. Silber wie es schien, auch wenn ihr im Moment eigentlich vollkommen egal war wie viel das Besteck wert war. Sie stach einmal Probeweise in die Luft, kam aber zu dem Schluss das ihr das beim raus kommen nicht helfen würde. Dann kam ihr eine Idee. Das Schloss zum Käfig war ein einfaches, auch wenn sie vielleicht eine teure Anschaffung war galt es nicht sie vor der Außenwelt zu beschützen, sondern die Außenwelt vor ihr zu beschützen, sonst hätte sie auch angeleint unter den Gästen herumlaufen können. Sie bog zwei Zinnen der Gabel nach hinten und begann mit den anderen im Schloss rum zu stochern. Bald ertönte ein Klacken. Ab in die Freiheit! Doch zuerst vorbei an Gästen, Wachen, und dann? Das würde sie sehen wenn es so weit wäre...

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