2. Schreibwettbewerb - Inspiration durch Bilder

Antworten

Welche beiden Geschichten gefallen euch am besten?

Umfrage endete am Mo, 11. Apr 2011 8:01

Eine verhängnisvolle Entscheidung
2
9%
Die Legende von Elindaren
3
13%
Lebendig
6
26%
Fata Morgana
2
9%
Hunger
1
4%
Die Legende von Yukalté
4
17%
Der Verräter hinter den Mauern
2
9%
Gehetzt
3
13%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 23

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Schattenherz
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Abstimmung 2. Schreibwettbewerb - Inspiration durch Bilder

Beitrag von Schattenherz » Di, 01. Mär 2011 10:13

Wieder könnt ihr eure Kreativität und euren Einfallsreichtum unter Beweis stellen. In unserem 2. Schreibwettbewerb geben wir zwei Bilder vor, die euch zu einem Text inspirieren sollen. Schreibt eine Kurzgeschichte, eine Legende, berichtet über ein bestimmtes Ereignis oder etwas ganz anderes.

Zwischen folgenden Bildern könnt ihr wählen:
http://njoo.deviantart.com/art/Lost-Ruins-BW-68120844
http://northernbanshee.deviantart.com/a ... -189740548

Voraussetzungen
Euer Text sollte in die Welt von Sheehaza oder Drachenblut passen und muss dort integrierbar sein. Außerdem sollte er zwischen 500 und 2000 Wörtern lang sein. (Das entspricht ca. 0,5 - 2,5 A4-Seiten in Arial, 10pt.)

Der fertige Text muss bis zum 30. März 2011 an sheehaza@gmx.de geschickt werden, wobei jede Person nur einen Beitrag einsenden darf. Am 31. März werden alle Beiträge anonym in beiden Foren veröffentlicht. Danach habt ihr bis zum 10.4. Zeit, über den Gewinner abzustimmen und den Beitrag zu wählen, der euch am besten gefällt.

Der Gewinner darf sich in die ruhmreiche Liste der Gewinner von Wettbewerben einreihen und die entsprechende Medaille im Profil tragen:
Bild

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Shandira
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Re: 2. Schreibwettbewerb - Inspiration durch Bilder

Beitrag von Shandira » Do, 31. Mär 2011 7:52

Es ist soweit!
Acht Beiträge wurden uns zugesendet. Jetzt liegt es an euch, über den Gewinner zu entscheiden. Jeder User hat zwei Stimmen, um für den Titel der Geschichten zu stimmen, die ihm am meisten gefallen.
Die User, die in beiden Foren registriert sind oder zwei Charaktere haben, bitten wir, fair zu sein und nur mit einem Account abzustimmen. Die Stimmen beider Foren werden am Ende der Abstimmung, am 10.04. zusammen gezählt.

Manche Geschichten hatten keinen Titel, also habe ich mir selbst einen ausgedacht. Wenn ihr den unpassend findet, meldet euch bitte bei mir, damit ich ihn noch ändern kann :)

Und jetzt viel Spaß beim Lesen!
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Re: 2. Schreibwettbewerb - Inspiration durch Bilder

Beitrag von Shandira » Do, 31. Mär 2011 7:52

All locked and bolted
Eine verhängnisvolle Entscheidung

Fluchend trat Iben Izer gegen die geborstenen Speichen des Einspänners. Doch alles Fluchen würde nichts nutzen. Dieses Fuhrwerk würde nirgendwohin mehr fahren, ehe nicht ein Wagner sich dessen angenommen hätte. Also lenkte er, das Pferd an der Trense vom Weg herunter, und löste das Geschirr, als er sicher sein konnte, das das Fuhrwerk niemandem Anderem zum -hindernis werden konnte. Er befand sich auf einer menschenleeren Straße, die vom Nichts ins Nirgendwo zu führen schien. einzig ein grauer Findling an der Rechten Seite markierte jenen kaum sichtbaren schmalen Weg, und eben diesem Findling galt Iben Izers zweiter Tritt, hatte dieser seiner schnelle Fahrt doch gar zu abrupt besagtes Ende bereitet. Doch alles Fluchen half nichts. Also schickte sich der, in die Gewänder eines reichen Edelmannes gekleidete Reisende an, den Weg hinauf zu stapfen, nachdem er das Pferd nahe dem Stein an einem Dornenbusch festgemacht hatte. Den steilen Weg hinauf gehend, stets in der linken von zwei Spurrillen, wie sie durch die gelegentlich Nutzung eines Weges durch Wagen entstanden, stieg er höher und höher, ließ das Moor schließlich hinter sich zurück und erblickte, als die Sonne längst hinter ihm untergegangen war und einer fahlen Mondsichel Platz geschaffen hatte, vor sich das Ende des Weges. Kalt ragten am Rande eines Hochplateaus die abweisend grauen Mauern einer aus Naturstein gemauerten Feste in die Nacht. Das einzig Tröstliche an diesem Bild indes, war der flackernde Schein von Feuer in einem der im kalten Licht des Mondes abweisend schimmernden Fenster. Doch jeder Gedanke an Umkehr, der Iben Izer beschleichen mochte, wurde von dem eisigen Nachtwind im Keim erstickt.

Hohl klangen die Schritte Iben Izers, auf den Bohlen, als dieser dem Torhaus zu schritt. „Hallo?“ rief Iben Izer mit leiser Stimme ins Dunkel als weder Wachen noch Bedienstete auf sein Naher reagierten. „Allo - llo - ohhh!“ antwortete es ihm aus dem Dunkel. „Verdammtes Echo!“ murmelte er darauf nur, trat in das Wachhaus hinter dem Tor und kam wenig später mit einer an drei Seiten abgeblendeten Laterne wieder hinaus. Licht hatte er gefunden, doch keine Waffen, die in dieser bedrückenden, um nicht zu sagen beängstigenden Atmosphäre, sicherlich eine gewisse Beruhigung ihm bedeutet hätte. „Hallo, ist da Wer? Ich hatte einen Unfall?! ... Unfall - fall - all?!“ Keine Reaktion Iben Izer rief noch eine Weile, doch niemand antwortete. Also sah er sich derweil weiter um. Der Stall war leer, aber es war Stroh in den Boxen. Die Esse in der Schmiede war kalt, aber ein blanker und unfertiger Schürhaken lehnte neben dem Amboss. Als er wieder aus dem, nach drei Seiten hin offene, Unterstand der Schmiede in den von fahlem Mondlicht beschienenen Innenhof trat, quietschte das breite und gut drei Mann hohe Portal zum Haupthaus leise im Wind. „Verd-“ Iben Izer biss sich hastig auf die Zunge! Dies schien beileibe kein Ort, kein Moment zu sein, an dem man leichtfertig fluchen sollte. Und doch... „Ich hätte schwören mögen du warst vorhin noch zu!“, hatte er doch vergeblich mehrmals versucht die schweren eisenverstärkten Holzflügel aufzuzerren. Aber vielleicht war das Gebälk ja auch nur verzogen und erst durch sein Zerren soweit...

„Nicht reden, alter Zausel. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“, schien er sich selbst Mut machen zu wollen und ging, die Blendlaterne am vorgestreckten Arm von sich gestreckt, auf das nun ja offene Portal zu und in den steinernen Korridor dahinter. Er hatte erst ein paar Schritte getan, als ein eisiger Wind ihm in den Rücken fuhr und mit einem dermaßen lauten Knall die eben gerade durchschrittene Tür hinter ihm zuschlug, das der aus dem Stand beinahe einen halben Meter voraus sprang und die Laterne mit einem hässlichen Scheppern zu Boden ging. „Verd- Aiaiai!“ Hastig hob Iben Izer die Laterne wieder auf, die durch den Sturz keinen Schaden erlitten hatte und nach einer kurzen Regulierung des Dochtes auch wieder ruhig und beständig brannte. Das Tor war zu und, wie sein heftiges wie leider nichtsdestotrotz vergebliches Rütteln bewies, scheinbar tatsächlich reichlich verzogen. „Nu denn, ich habe Feuer gesehen, und wo Feuer ist, da ist auch Leben!“ Und nein, er mochte jetzt nicht an Irrlichter und Erscheinungen denken ... und tat es doch. „Hallo? - allo? - llo? ohhh?“ Keine Reaktion! Also schritt Iben Izer den hohen steinernen Korridor entlang. Beinahe ängstlich schien der Mensch die Blenden der Laterne zu öffnen und den Docht höher zu drehen. „Da ist doch wer!?“ Aber die Tür zu seiner Linken, sie war verschlossen! Die Tür zu seiner Rechten - zu! weiter ging es Vor ihm zwei weitere Türen und ein weiterer Durchgang voraus. Erschrocken drehte Iben Izer sich herum, hielt die Laterne hoch empor? War da nicht ein heimliches Schaben grad erklungen? Erschrocken wirbelte er erneut herum. Dieser Schatten im Durchgang voraus? Wohl nur ein Produkt der zuckenden Flamme, redete er sich ein. Und das ferne hämische Kichern? „Der Wind, nur der Wind!“ Dennoch drehte Iben Izer sich mehrfach im Kreis, die Laterne hoch erhoben. Doch da war nichts und die beiden nahen Türen verriegelt. Blieb also nur der Weg voraus, dorthin wo eben noch drohend der Schatten...

Doch da war nichts, nur ein weiterer Korridor, weitere - verschlossene - Türen ein weiterer Durchgang. Und diesmal bildete er sich das böse Kichern nicht ein! konnte es aber nicht dennoch der Wind sein? Egal es gab keinen anderen Weg mehr, also ging er voraus. Hinter dem zweiten Bogen fand sich ein weiterer Korridor, der dieses Mal jedoch von rechts nach links verlief. Zwei Türen nur, an dessen Enden. Die rechte Tür abweisend und dunkel. Unter dem Spalt der Linken allerdings... Vorsichtig schlich Iben Izer auf leisen Sohlen nach rechts - doch jene Tür war verschlossen. Also zurück. Wieder ein hämisches Kichern und Schaben, doch als er verharrte - nichts! Reglos verharrte Iben Izer auf der Stelle, bis die Flamme seiner Laterne kleiner wurde und er den Docht nachregulieren musste. Obgleich unter der nun vor ihm befindlichen Tür unzweifelhaft der Widerschein eines Feuer hervor drang, hatte er das empfinden eisiger Kälte auf seiner Haut. War das ... Angst?! Gerade als er den Arm, nach einer gefühlten Ewigkeit des Ausharrens, in Richtung der Klinke ausstreckte, schwang die Tür mit einem leisen Knarren auf. Dahinter ein Kaminzimmer. Vor dem, von kostbaren Gobelins eingerahmten Kamin, ein mit Wein und Geflügelbraten reich gedeckter Tisch. Ein leises Magenknurren, machte Iben Izer unmissverständlichem Nachdruck dessen brennenden Hunger deutlich. Dennoch leuchtete Iben Izer alle Winkel des Raumes aus, schaute auch hinter die Türe, trat prüfend an die von hohen Bücherregalen gesäumten Wände und schaute sogar hinter Sessel und Sofa der nahen Sitzecke. Doch außer einem alten und edlem Weinbrand entdeckte er nichts. Die hohe Decke allerdings gab die in ihr nistenden Schatten nicht preis, gleich wie hoch der Mensch die Laterne auch hielt.


„Hallo? Da ist doch wer! Hallo?“ Leise und zaghaft nur, kamen die Worte über Iben Izers Lippen. Angst und Unsicherheit schien in seiner Stimme mitzuschwingen. Doch eine Antwort erhielt er nicht, auch wenn es im Dunkel über ihm wieder das Echo eines Schabenden Geräusches gab und etwas, das wie ein leises Hecheln klang. Das aber erklang augenblicklich als Iben Izer erschrocken herum fuhr. Dann erklang ein gefährlich grollendes und lang anhaltendes Knurren. Doch dieses Geräusch stammte nur von seinem leeren Magen und hatte seinen Ursprung in dem überaus verlockendem Duft. Fasan? Ja, das musste Fasan sein! Wann hatte er zum letzten Mal Fasan gegessen! Das Wasser lief Iben Izer im Munde zusammen, schien jeden Rest von Vorsicht und Skepsis beiseite zu fegen. Hastig lief er zum Tisch, stellte die Laterne, auf das dunkle Holz und hatte schon eine halbe Keule gierig herunter geschlungen und mit kräftig rotem Wein nachgespült, ehe er sich schließlich auf dem schlanken gepolstertem Stuhl niederließ und mit einem bereitliegendem Tranchiermesser und bloßen Fingern das köstliche Mahl verschlang. Das leise wie gierige Schmatzen hoch über ihm, im Dunkel der Decke, er beachtete es eben sowenig wie das leise Schaben, mit dem die Kreatur sich gierig näher schob. Dunkel glosten die geschlitzten Pupillen im Dunkel und eine lange Zunge fuhr über zwei Reihen rasiermesserscharfer Zähne. Zähne wie dafür geschaffen, frisches Fleisch aus dampfend sich auftuenden Wunden zu reißen und mit dem Blut der Kreatur dort unten nachzuspülen, wie diese gerade den dürren Vogel mit dem vergorenen Beerensaft nachspülte. Als der Mann dort unten den letzten Bissen schließlich verschlungen hatte und genüsslich wie laut aufstieß, sah der Jäger seine Zeit für gekommen, spannte seine vor Erregung zitternden Muskeln an, und stieß sich lautlos, wie von der Feder geschnellt, von der Decke ab, raste dem Ahnungslosen dort unter entgegen und lud den Tod ein weiteres ungezähltes mal ein, Ernte zu halten, in diese verfluchten Hallen.

Doch statt das sich nun eherne Klauen tief in das Fleisch des vom Mahle noch lethargisch sich gebenden Opfers gruben, sah der plötzlich unerschrocken auf, als die Sonne mitten in der Nacht wie in diesen Hallen plötzlich aufzugehen schien. Iben Izer musste nicht einmal mehr ausweichen, als die im Flug zu Asche verbrannte Kreatur in Form kleinster Flocken auf ihn hinab regnete. „Dummkopf!“ war alles, was der Feuermagier für das alles hier übrig hatte, und es blieb offen, ob er damit den Erdmagier meinte, der aus Leichtsinnigkeit an einer seine Fähigkeiten bei weitem übersteigende Beschwörung sich versucht hatte, oder aber jene unersättlich hungrige Kreatur, deren erstes Opfer der Erdmagier geworden war, oder vielleicht auch sich selbst! Denn wäre er nicht so kurz vor seinem Ziel dermaßen dämlich mit dem Findling an der Weggabelung kollidiert, er hätte nun wohl kaum den endlos langen Fußmarsch vor sich, die nächste Stadt zu erreichen. Und das sattellose Pferd würde er dabei sogar noch zusätzlich mitschleppen müssen. „Dummkopf! - Aber der Fasan war nicht schlecht!“

Wörter: 1583
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Re: 2. Schreibwettbewerb - Inspiration durch Bilder

Beitrag von Shandira » Do, 31. Mär 2011 7:53

Lost Ruins
Die Legende von Elindaren

„Dies ist die Legende der weißen Stadt Elindaren, geboren aus Frieden, bewohnt von den Sanftmütigsten der Sanftmütigen und gelegen weit verborgen in der Ferne.
Einst, zu jenen Zeiten, als die Menschen die Nordreiche gründeten und Fuß fassten, als sie in ihrer Habgier und Eroberungswut keinen Platz mehr ließen für die Drachen, jene erhabenen Geschöpfe, die diesen Landstrich bislang ihre Heimat genannt hatten, kam es zum Krieg, einem blutigen, brutalen, und ungewollten Krieg. Denn nicht alle der Neuankömmlinge waren schlecht, und nicht alle der Drachen kämpften blind, voller Bitterkeit im Herzen gegen die Zweibeiner. Es gab jene unter ihnen, die sich Frieden zwischen den Geschöpfen wünschten und voller Traurigkeit auf die Machenschaften der Menschen und die Gier ihrer Reiche blickten. Jene, die voller Neugier waren, und in Freundschaft zu den andersartigen Drachen leben wollten. Und als der Krieg verloren schien, und nur die Drachenerben in den Nordreichen zurückgelassen wurden, da sprach Elin, einer dieser Menschen, mit dem Ältesten der Drachen und bat, nicht zurückgelassen zu werden. Und der Älteste der Drachen sah in sein Herz, und sah, wie krank und traurig Elin durch die Drachenkriege war, und dass kein Groll und Hass in jenem Menschen zu finden war, nur die Sehnsucht nach Frieden. So nahm er Elin und seine Familie mit, und versprach, all jene, die ihm folgen würden, wären ebenfalls willkommen im neuen Heim der Drachen. Sie zogen sich zurück, hinter jenes Gebirge, welches seitdem als die Mauer der Drachen bekannt ist, doch oh weh! Die Berge waren hoch, so hoch, dass die Menschen nicht länger zu atmen vermochten, und Elin einsehen musste, dass er die Drachen nichtbegleiten konnte. Da beschloss der Älteste der Drachen mit den Menschen zurückzubleiben, in jenem Tal, in welchem sie Abschied nahmen von den übrigen seiner Rasse. Und er half dabei, eine Stadt zu errichten, wie sie die Menschenvölker noch nicht gesehen hatten, denn keine Missgunst, keine Habgier, kein Egoismus herrschte unter Elin und den Menschen, die nachgekommen waren. Es war eine Stadt des Friedens, und nachdem Elin nach einem erfüllten Leben voller Seligkeit einschlummerte, nannten sie ihre Stadt Elindaren. Und die weiße Stadt in den Bergen wuchs, und wuchs, Reichtümer wurden unter den Bergen gefunden und milde Winde brachten so viel Wärme in jenes Tal, dass sie in einem angenehmen Klima für sich wirtschaften konnten. Eine Weile achtete der alte Drache auf Elins Nachfahren, dann verließ auch ihn die Macht, und er starb in dem Wissen, allen Menschen, die jenseits von Krieg und Gewalt leben wollten, eine Heimat gegeben zu haben.
Einige jedoch der Nachfahren wurden geboren mit Unruhe im Herzen. Abenteuerlust drängte sie, das Gebirge zu verlassen und die Welt jenseits, aus der sie einst gekommen waren, zu erforschen. Elindaren ließ seine Kinder ziehen, und die Weisen der Stadt gaben jenen ersten Boten eine Karte mit. Nicht länger wollten sie sich verschließen vor den Unruhen Alvaranias. Jahrhunderte waren ins Land gegangen, und seit dem Tod des ältesten Drachens waren sie isoliert und abgeschnitten. In ihren Herzen schwebte die Sorge: was sollte mit den Menschen geschehen, die nicht ihren Frieden finden konnten? Was, wenn wieder Kriege die Welt außerhalb verwüsteten und Menschen wie sie darunter leiden mussten? Jene Karte, sie war dazu gedacht, Elins Erben gegeben zu werden. Menschen, welche so sanftmütig waren wie sie, Menschen, die ihren Frieden schätzen würden und zu ihnen ziehen wollten.
Und so kam die Karte, auf der verzeichnet war, wo Elindaren, die weiße Stadt in der Mauer der Drachen, zu finden war, das erste Mal nach Alvarania.
Die Legende schweigt dazu, wer sie das erste Mal in die Hände bekommen hat, oder was mit jenen Söhnen der Stadt geschah, die auf der Suche nach Abenteuern ihre Heimat verließen. Doch die Karte ging ihren eigenen Weg, und im geheimen wurden Kopien von ihr angefertigt. Es war nicht länger ein Ort des Friedens, der darauf verzeichnet sein sollte, sondern ein unglaublicher Schatz, Reichtümer, Gold, alles, was das gierige Herz sich wünschen konnte. Plötzlich suchten all jene einen Weg in die Berge, die nie dort ankommen sollten, und die ersten Plünderer fielen in Elindaren ein.
Elins Söhne erschraken. Sie hingen nicht an jenen Gütern, die sie erwirtschaftet hatten, das Gold ihrer Berge schätzten sie ob des Glanzes, aber sie hatten nie Handel getrieben und gierten nicht nach mehr, als sie besaßen. Sie gaben den Plünderern, was diese verlangten und sahen sie abziehen, froh, wieder allein zu sein. Doch jene kamen immer wieder, denn wer einmal die Reichtümer gesehen hatte, wollte fortan mehr, und mehr, und die Gerüchte von der reichen Stadt im Norden drohten sich immer weiter zu verbreiten.
Da beschlossen die Einwohner der Stadt, erneut Hilfe bei den Drachen zu erbitten. Sie zerstörten den Weg, der einst in ihr Tal geführt hatte, und fertigten eine letzte Karte an. Darauf verzeichnet war ein neuer Weg nach Elindaren, und eingezeichnet die Halle der Weisen, in der sie eine Rolle mit ihrer Geschichte zurückließen, bevor sie sich auf den Weg machten tiefer ins Gebirge hinein, auf der Suche nach ihren einstigen Rettern und Gefährten. Sie ließen alles zurück, Reichtümer, das Gold, die strahlenden Gebäude, um die sie sich einst so liebevoll gekümmert hatten und in denen sie ihre friedliche Existenz gelebt hatten. Sie versprachen, eine neue Stadt aufzubauen, jenseits der Mauer, und wenn sie es geschafft hatten, würden sie einen Boten zurückschicken, der Nachricht hinterlegen würde in Elindaren, wie diese neue Stadt zu finden sei. So verabschiedeten sie sich von ihrer einstigen Heimat, und von Elins Erbe Kilan, dem Auserwählten. Er war derjenige, der die Karte nach Alvarania trug, stets gut behütet, und darauf bedacht, sie niemals zu erwähnen. Und als er starb, da gab er die Karte und das Geheimnis an seinen Sohn weiter, der diese wiederum an seinen Sohn weitergab, denn er glaubte die Geschichten nicht, von jener fernen Heimat und liebte sein Leben in den Nordreichen der Menschen zu sehr.
Kilans Enkel aber betrachtete die Karte neugierig, und er wählte sich einige Reisegefährten, mit denen er aufbrach, um zu seinem Volk zurückzukehren. Er war ein abenteuerlustiger Bursche, mit den Zweifeln des Vaters im Herzen, aber der Zuversicht der Jugend, er würde schon irgendetwas finden. Und wirklich, er fand… eine Stadt in den Bergen, so schön, wie in den Geschichten, so erhaben wie in seinen kühnsten Träumen – und so leer, wie sein Großvater immer behauptet hatte. Kilans Enkel fand die Halle der Weisen, er nahm die Rolle, welche die Legende von Elindaren verzeichnete, an sich, aber er fand keinen Hinweis, keine Botschaft. Nichts deutete darauf hin, dass nach ihrem Aufbruch je wieder ein Mensch die Hallen und Häuser betreten hatte, die Straßen lagen verlassen, und die Natur hatte bereits wieder einiges von ihrem Territorium zurückerobert. Das Gold war noch da, an allen Ecken blinkte und glitzerte es, doch Kilans Enkel war ein wahrer Erbe Elins, und er ließ es nicht in sein Herz, welches von Trauer erfüllt war, darüber, dass sein Volk verschwunden blieb. Und so kehrte er zurück nach Alvarania, mit nichts als der Legende, und der Trauer über das verlorene Volk und die verlassene Stadt Elindaren.“
Resin schaffte es nicht länger, ruhig auf dem Boden zu sitzen und sprang aufgeregt auf. „Aber Opa, wohin sind sie gegangen? Sie sind bestimmt bei den Drachen, oder nicht? Warum hat Kilans Enkel nicht nach ihnen gesucht?“ Der alte Mann schaute lächelnd auf seine lebhafte Enkelin.
„Es ist ein sehr großes Gebirge, Liebes. Er hätte sich sicher verlaufen und hatte gar nicht so viele Vorräte mit, dass er noch weiter hätte gehen können.“
Resin überlegte kurz. „Aber… es ist doch nur eine Geschichte, da sollte er das können!“, rief das Mädchen schließlich empört. „Oder Opa? Oder, die Geschichte ist doch nicht wahr oder?“
„Nein, Liebes, es ist nur eine Legende“, sprach der alte Mann, und legte vorsichtig die alte Schriftrolle, die er auf seinem Schoß gehalten hatte, zur Seite auf die brüchige Karte, die dort auf dem Tisch lag. Dann strich er seiner Enkelin über den Haarschopf und lächelte: „Nur eine Legende.“

Wörter: 1319
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Re: 2. Schreibwettbewerb - Inspiration durch Bilder

Beitrag von Shandira » Do, 31. Mär 2011 7:54

All locked and bolted
Lebendig

Was macht dieser Mann da? Er rennt, ganz eindeutig. Er rennt durch einen dunklen Gang, voll mit hohen, geschlossenen Türen. Ich kann nicht erkennen, wie alt der Mann ist, von welchem Volk er stammt, oder wie er sich fühlt. Wahrscheinlich hat er Angst. Flüchtet er? Er hält eine Lampe in der rechten Hand, die seinen Schatten nach hinten wirft, man sieht nicht viel. Von meinem höher gelegenen Standpunkt aus habe ich zwar einen guten Blick auf ihn, aber ich weiß nicht, wo die Türen hinführen. Es scheint ein altes Gemäuer zu sein, Wände und Boden sind aus einfachen Steinen. Doch das Holz der großen Tore sieht noch recht gut erhalten aus. Von dem Gang, durch den der Mann läuft, zweigt ein weiterer ab, ich sehe nicht, was dort ist. Vor dem Mann, sozusagen in seiner Laufrichtung, geht der Gang weiter, verengt sich aber. Ich würde gern wissen, was dort ist. Und was ist hinter den Türen? Sie sehen alle gleich aus, nichts deutet auf irgendetwas hin. Vielleicht läuft der Mann auch gar nicht. Vielleicht sucht er etwas oder jemanden. Einen Schatz? Einen Gefangenen? Ist der Gefangene sein Freund oder sein Feind. Kennt er das Gebäude schon, oder ist es neu für ihn? Wohnt er womöglich da? Ist er ein exzentrischer Reicher, der ganz allein in einem Schloss lebt? Die Atmosphäre ist unheimlich, gespenstisch. Nicht unbedingt gefährlich, eher einsam. Gehetzt? Ich kann es nicht genau sagen. Ich versuche, in der Dunkelheit mehr zu erkennen, aber das ist gar nicht so einfach. Der Mann hat eine dunkle Weste an, an den Türen sind Griffe, doch sonst nichts Neues. Es könnte auch ein Prinz sein, der seine Prinzessin in dem Turm des bösen Drachen finden muss. Wobei ich das bezweifle, es passt irgendwie nicht zu der Stimmung. Es ist ernster. Das Licht ist anders, ich kann es nicht beschreiben… Irgendetwas ist seltsam an der Szene. Die Türen, sie sehen so… gut aus, so frisch, im Gegensatz zu den alten, grauen Wänden. Ich habe das Gefühl, als würde ich fallen. Auf diesen Mann, auf den Steinboden unter mir fallen. Doch glücklicherweise bewege ich mich nicht. Der Lichtschein der Lampe und die Kontur des Mannes mittendrin wirken seltsam anziehend, sie lenken meinen Blick auf sich. Um den Mann herum scheint es ebenfalls zu leuchten, obwohl das natürlich auch von der brennenden Lampe stammt.

„Das Bild kostet 1 Cyrna und 5 Alúns, willst du es kaufen? Habe ich selbst gemalt. Gefällt dir doch, oder?“

Erschrocken drehte ich mich um. Ein älterer Mann stand vor mir, langsam bemerkte ich auch andere Menschen, einen Marktplatz, Stände, Geräusche… Kurz fand ich mich gar nicht zurecht. Es war, als wachte ich aus einem Traum auf.

„Also, willst du es? Das Bild, meine ich.“

Dann verstand ich langsam. Das Bild. Die ganze Szene war nur ein Gemälde eines einfachen Straßenkünstlers.

„Ja, es… es ist sehr gut, ja. Aber ich möchte es nicht kaufen, danke! Tut mir leid, ich war in Gedanken.“, antwortete ich endlich. Schnell drehte ich mich um und ging zum Gemüsestand. Ich hatte eigentlich Datteln kaufen wollen.

Wörter: 508
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Re: 2. Schreibwettbewerb - Inspiration durch Bilder

Beitrag von Shandira » Do, 31. Mär 2011 7:56

Lost Ruins
Fata Morgana

Es war schon etwa zwanzig Jahre her, als Nasyd das erste Mal eine Fata Morgana gesehen hat. Damals konnte der junge Mann gerade Mal Laufen, geschweige denn in ganzen Sätzen sprechen. Trotz des jungen Alters hat er es bis heute nicht vergessen, wie sich aus dem Nichts eine große Stadt vor der Oase seines Vaters auftat. Vor Angst ergriffen rannte er in das große Haus seiner Familie und stürzte weinend vor die Füße seines Vaters Amnar hin, welcher seinen Jungen in die Arme hob. Amnar war der vom Sultan ernannte Verwalter dieser kleinen Oase mitten in der Wüste, welche seid über 300 Jahren noch nie ausgetrocknete. Mit seiner ruhigen und liebevollen Art erklärte er seinem Sohn, dass dieser sich nicht davor fürchten solle, da solche Fata Morganen ein Geschenk der Göttin Evona an die Bewohner der Oase ist, welche diesen Ort beschützen. Es lebten nicht viele Menschen in dieser Oase, doch die meisten blieben ihr gesamtes Leben dort. Somit waren diese Bilder von fernen Orten wahrlich ein Geschenk des Himmels. Die Stadt, die Nasyd an diesem Tage vor zwanzig Jahren sah, war Al-Aún gewesen, die Hauptstadt des Reiches. Sein Vater deutete auf den Palast, mit seiner großen Kuppel und erklärte ihm, dass von dort aus der Sultan über sie und allen anderen Einwohnern des Reiches wache. Jedesmal hörte der keine Nasyd seinem Vater gebannt zu, wenn eine neue Fata Morgana erschien, welche einen unbekannten Ort zeigte.

Die Jahre vergingen und Nasyd erfuhr viele Dinge über die unterschiedlichsten Städte und Gegenden von den Händlern und Pilgern, welche die Oase besuchten. Obwohl die Oase in der Mitte der gefährlichsten Handelsroute des ganzen Reiches lag, kamen viele Reisende um die Wunder der Göttin Evona mit erleben zu dürfen. An keinem Ort der Welt waren Fata Morganen so klar und deutlich zu sehen wie in Nasyds Heimat und zeigten die Städte des Reiches.
Heute jedoch war der junge Mann diesen sogenannten Wundern überdrüssig. Das Leben in der Oase war nicht sonderlich aufregend und das Repertoire der Orte, die Evona den Menschen dort zeigte, war für ihn auch schon erschöpft. Nasyd kannte schon jedes Bild in und auswendig. Er wollte weg und alles von Nahem mit eigenen Augen sehen und die Menschen treffen, die manifestiert wurden und ihrem täglichen Handwerk nachgingen. Seine Eltern waren dagegen. Zu gefährlich sei die Reise und viel mehr als ihm Evona zeigte würde er auch nicht sehen, waren ihre Argumente. Nasyd hatte sich schon mit seinem Leben in der Oase abgefunden, bis ein neues Bild erschien. An diesem Tag sollte er wieder nach Karawanen und Pilgern Ausschau halten als wieder eine Fata Morgana auftauchte. Diese war aber völlig anders, wesentlich verschwommener und sehr viel größer. Nasyd erkannte eine riesige Stadt in den Wolken, welche sehr hohe Türme besaß. Doch mehr erstaunte ihn, was zwischen den Türmen hin und her flog. Genau erkennen konnte er es nicht, doch es mussten gigantische Vögel sein. Bevor Nasyd seinem Vater dieses neue Wunder zeigen konnte, war die Fata Morgana auch wieder verschwunden, was sehr ungewöhnlich war. Die von Evona geschenkten Wunder blieben meist über mehrere Stunden. Die Menschen glaubten Nasyd nicht, als er es ihnen erzählte. So eine Stadt gäbe es im Reich des Sultans nicht und auch sonst nirgends. Zudem seien Vögel in der Wüste eher ungewöhnlich, schon gar nicht in der Größe. Sie alle taten es damit ab, dass der junge Mann zu lange in der heißen Sonne gelegen habe, auch sein Vater. Beruhigend sprach dieser auf seinen Sohn ein, welch schönen Traum er gehabt habe. Doch Nasyd war sich seiner sicher. Wenn dieser Ort, den er gesehen hat, den Bewohnern der Oase unbekannt war, vielleicht wusste einer der Reisenden, die alle paar Wochen vorbei kamen von dieser Stadt im Himmel. Monate mit teils schlaflosen Nächten vergingen und keiner der Händler oder Pilger wusste, von dem Ort mit den großen Vögeln. Seine Mutter wurde schon wütend, er solle die Gäste doch nicht mit solchen Unfug belästigen. Ein älterer Pilger, welcher auf das Wunder von Evona wartete, bekam dieses Streitgespräch mit und sprach Nasyd noch am selben Abend an. Nasyd erzählte dem Mann, was er an diesem besonderen Tag gesehen hat. Belustigt stellte der Pilger fest, dass es sich um eine normale Fata Morgana handelte, die nicht von einem Gott erschaffen wurde. Solche Fata Morganen seien viel seltener und könnten auch entferntere Orte zeigen. Das bekräftigte Nasyd in seinem Glauben über die Existenz dieser Stadt. Weiterhin erzählte der alte Mann, dass es sich um die geflügelten Wesen handeln könnte, welche jenseits des Reiches hoch oben im Tariq-Gebirge lebten. Die Stadt dieser Wesen hatte aufgrund dessen Lage jedoch noch kein Mensch zu Gesicht bekommen. Damit war Nasyds Entscheidung getroffen. Er wollte nicht nur der erste Mensch sein, der diese Stadt gesehen hat, wenn auch nur verschwommen, sondern auch der Erste, der diese besucht.

Im Geheimen bereitete Nasyd seine lange und gefährliche Reise vor, denn niemand in der kleinen Gemeinschaft der Oase würde dieses Unterfangen gutheißen. Und dann kam die Nacht seines Verschwindens. Gemeinsam mit einer Karawane, dessen Führer er von seinem Traum beeindrucken konnte, verließ er ohne Abschied nachts die Oase in Richtung Je’sahar. Die Reise in der Nacht war wesentlich angenehmer und seine Familie würde erst am darauf folgenden Morgen sein Verschwinden bemerken. Die Reise durch diesen heißesten Teil der Wüste dauerte mehrere Wochen und es starben neben vier Kamelen noch zwei der Kamelführer. Als die Karawane Je’sahar endlich erreicht hatten, fiel Nasyd vor Erleichterung auch die Knie. Die Stadt sah genauso auch, wie Evona ihm gezeigt hatte und endlich konnte er durch die prächtigen Straßen Je’sahars spazieren, doch wurde schwer enttäuscht. Nur Priviligierten und dessen Diener durften die Stadt betreten und Nasyd gehörte nicht dazu. Sein Vater hatte wohl recht, als er behauptete mehr als dem, was Evona ihnen zeigte, würde er nicht sehen. Nasyd verdrängte seinen Ärger, denn er hatte ein anderes Ziel, das viel ferner lag. Um zum Tariq-Gebirge zu gelangen musste er nur von Je’sahar aus der Lebensader Sheehazas folgen gen Osten folgen, dem Fluss Cyrn. Auf seiner monatelangen Reise zu Fuß traf er die verschiedensten Wesen, bis er auf das Dorf der Giobin traf, ein kleinwüchsiges und freundliches Volk. Bei Erreichen ihres Dorfes wusste Nasyd, dass er das Reich des Sultans verlassen hatte. Ab hier gäbe es keine schützenden Patrolien und Dörfer mehr, nur noch die Wüste und den Fluss. Doch die sympathische Art der Giobin stimmte ihn zuversichtlich. Auch kannten sie die geflügelten Wesen, welche sie Findra nannten. Diese zeigten sich aber selten in ihrem Dorf. Das letzte Mal sei mindestens zwei Generationen her. Ob es sie überhaupt noch gab? Nasyd kannte nun jedoch den Namen dieses Volkes und zog weiter.

Die Reise wurde immer einsamer, denn nach dem Dorf Giob traf er einen Monat niemanden mehr. Er ernährte sich von den Fischen im Fluss und dem, was dort wuchs. Nasyd hatte sich schon fast an die Einsamkeit gewöhnt, als er eines unverhofften Tages auf einen verletzten Mann traf, der unter einer Palme saß. Dieser hatte rote Augen und trug viele unterschiedliche Waffen bei sich, ein Ashta’ih, ein Feind des Reiches. Man hatte den jungen Mann vor diesen Wesen gewarnt, denn sie seien durch und durch bösartig. Jedoch klaffte eine große Bisswunde an dessen Bein und Nasyd zögerte nicht lange. Er riss sich einen langen Fetzen Stoff aus seiner Kleidung und verband den Mann. Vier Tage lang versorgte er den Ashta’ih, doch dieser würdigte ihm keines Wortes. In der vierten Nacht stand dieser über Nasyd mit dessen restlichem Geld in der Hand.
„Dafür, dass du mich gerettet hast, lasse ich dich am Leben, aber wenn wir uns noch mal sehen, bin ich nicht so gnädig.“
Die Worte fuhren Nasyd durch Mark und Bein und der Fremde verschwand ohne ein weiteres Wort in der Dunkelheit. In dieser und den nächsten Nächten konnte er kein Auge zu machen, aus Angst, der Ashta’ih käme wieder. Die Angst verflog in den folgenden Wochen und sein Herz machte einen Sprung, als er am Himmel drei Punkte ausmachen konnte, die ihm entgegen kamen. Es gab sie also wirklich, die Findra. Heftigstes Winken half jedoch nicht, auf sich aufmerksam zu machen. Sie flogen einfach zu hoch.
Am Gebirge angekommen begann der schwierigste Teil seiner Reise. Die ersten Berge erklomm er noch ohne Schwierigkeiten, doch nach jedem Berg kam ein weiteres unbewohntes Tal und er musste einen weiteren Berg besteigen, welche immer höher wurden. Viel Essbares fand er hier auch nicht. Erschöpft und von Hunger geplagt erkletterte er einen weiteren Berg, als sich ein Stein unter seinen Füßen löste und er in die Tiefe stürzte. Er wusste nicht, wie tief er fiel, doch seine Schreie waren ohrenbetäubend. Benebelt vor Schmerzen vernahm er Stimmen und verschwommen sah er einige Silhouetten, die er nicht deuten konnte, dann wurde es schwarz.

Als er wieder aufwachte, lag er mit einem bandagierten Bein in einem weichen Bett. Der Raum war hell, hatte eine sehr hohe Decke und war mit für ihn fremdartigen Möbel ausgestattet. Wo war er? Nasyd konnte sich nicht erinnern wie er hier hergekommen war, doch schon bald betrat das schönste Wesen, was er je gesehen hatte durch eine überdimensionale Tür seinen Raum. Sie hatte lange schwarze Haare und besaß weiße Flügel auf dem Rücken mit roten Federn an den Flügelspitzen.
„Wo bin ich?“, fragte er sie.
„In Findrus natürlich. Du hast einen eigenartigen Weg in unsere Stadt gewählt. Aber schön, dass du noch lebst.“
„Darf ich raus? Ich will deine Stadt mit eigenen Augen sehen.“
Die Findra führte aus dem Raum auf eine Art großen Balkon ohne Geländer. Nasyd konnte kaum fassen was er dort sah und es kamen ihm die Tränen. Er hatte sein Ziel endlich erreicht, genau ein Jahr, nachdem er die Fata Morgana gesehen hatte. Vor ihm breitete sich eine riesige Stadt aus, welche ausschließlich aus hohen Türmen bestand. Es mussten Tausende Türme sein, die unterschiedlich hoch, breit und ganz verschieden verziert waren. Zwischen ihnen flogen unzählige Findra nach einem scheinbar streng geordneten System. Die Stadt war einfach wunder schön und an den Füßen der Türme sammelten sich Wolken, sodass es tatsächlich so aussah, als ob Findrus in den Wolken erbaut worden war.
„Du sagtest es gibt einen anderen weg in eure Stadt?“
„Ja, über Dschann Dahal, der einzigen freien Menschen Stadt auf der Welt. Wenn du geheilt bist, kann ich sie dir zeigen. Einige Freunde würden sicherlich aufnehmen.“

Nasyd lebte viele Jahre in Dschann Dahal und hatte viele Freunde unter den Menschen und Findra, bis er den Heimweg antrat. Er war nun doch nicht der erste Mensch in Findrus, aber das war ihm egal, denn er war glücklich. In seiner Heimat, der kleinen Oase angekommen, traf er auf seinen Vater der alt und blind geworden war. Die Wiedersehensfreude der beiden war unermäßlich und er erzählte Amnar von all den Wundern außerhalb des Reiches, die er erlebt hat.

Wörter: 1797
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Re: 2. Schreibwettbewerb - Inspiration durch Bilder

Beitrag von Shandira » Do, 31. Mär 2011 7:57

All locked and bolted
Hunger

Die frische, kühle Luft umfing ihn schlagartig, als er aus dem Gasthaus auf die Straße trat. Er musste den Impuls unterdrücken, sich erleichtert mit dem Rücken an die raue Tür zu lehnen, nachdem er sie hinter sich geschlossen hatte. Der Lärm verklang zu einem dumpfen Murmeln und verschwand schließlich ganz, als er sich eilig in Richtung der Marktbrücke entfernte.
Immer wieder taumelte Worryn leicht und musste sein Tempo verlangsamen. Zynisch und ohne jeden Beiklang von Belustigung lachte er leise auf. Die Gedanken hatte der Alkohol keine Sekunde vertreiben können, seine Bewegungen jedoch fahrig und unsicher gemacht. Am südlichen Brückenkopf blieb er kurz stehen. Wohin nun? In die dunklen Zimmer seines Hauses, wo ihn nichts mehr ablenken würde? In die nächste Taverne, wo die Gerüche der warmen, ungewaschenen Zecher über ihn hereinbrechen würden wie eine quälende Flut? Unschlüssig ging er los und hatte noch keinen Entschluss gefasst, als er das nördliche Ufer erreichte. Ein vager Gedanken an die exotische Ablenkung in der Goldenen Blüte, die er schon häufig genossen hatte, bewog ihn dazu, nicht der Steintûr-Straße in Richtung seines Heims zu folgen, sondern seine Schritte nach Nordosten in Richtung Hafen zu lenken.
Hundert Meter entfernt sah er das schwankende, flackernde Licht einer Laterne. Vielleicht ein Händler, der noch einmal nach seinen Waren schauen wollte – doch jeder klare Gedanke wurde aus seinem Bewusstsein gewischt, als der salzige Seewind den warmen Geruch des Mannes zu ihm hinüber trug, intensiver, als er es früher für möglich gehalten hätte. Sein von zwei Flaschen Wein benebelter gesunder Menschenverstand versagte den Dienst, und ohne eine Sekunde zu zögern beschleunigte er seine Schritte und hielt auf den Fremden zu. Dieser hatte ihn wohl zuerst für einen Nachtwächter gehalten, denn arglos und ruhig wartete er auf sein Näherkommen, bereit, ihm einen schönen Abend zu wünschen… und wich erschrocken zurück, kaum dass der Schein seiner Laterne Worryns Gesicht, das Lechzen darauf, die Gier und die Verzweiflung beleuchtet hatte. Sein Instinkt ließ ihn richtig handeln, als er sich umdrehte und lief.

Doch das Tier, das in Worryn erwacht war, war nicht bereit, sich seine Beute so schnell entgehen zu lassen. Nur einen Augenblick schaffte er es, seine Bewegungen zu stoppen, verwundert und entsetzt darüber, was er da eigentlich tat, dann nahm er die Verfolgung auf, zu keinem klaren Gedanken mehr fähig. Worryns kurzes Zögern hatte dem Mann einen kleinen Vorsprung verschafft, als er auf die Lagerhäuser zu hielt.
Schon nach kurzer Zeit hämmerte Worryns Puls, seine Verwirrung brachte ihn immer wieder dazu, kurz langsamer zu werden, bevor sein Instinkt ihn wieder zu schnellerem Tempo antrieb. Das schwankende Licht des Verfolgten tauchte den schmalen Gang zwischen den Lagerhäusern und die hohen Flügeltüren in fahles Licht… von Alkohol und Blutdurst angetrieben, beschleunigte Worryn sein Tempo nochmals. Die Schritte von Verfolger und Verfolgtem hallten zwischen den Wänden wider und stoppten plötzlich, als Worryn sein Opfer mit einem triumphierenden Schrei nieder riss. Die Laterne zerschellte auf dem Boden, mit einem entsetzten Keuchen wurde dem zum Boden Gerissenen die Luft aus der Lunge gepresst, als Worryn sich auf seinen Brustkorb kniete.
Den Blick wie hypnotisiert auf die hastig pulsierende Schlagader des freigelegten Halses geheftet, rang er mit dem Mann, drückte ihn zu Boden und zerrte seinen Kopf in den Nacken. Der Angstschweiß, die Wärme, der gehetzte Atem trieben ihn zu hungriger Raserei und verursachten eine Übelkeit und ein Grauen, die ihn beinahe außer Gefecht gesetzt hätten. Doch nur beinahe… als hätte er es schon tausendmal getan, beugte sich Worryn über den Hals des sich mit allen Kräften wehrenden Opfers und biss zu.

Erst als die Bewegungen des Mannes langsamer wurden und schließlich ganz aufhörten, kam Worryn wieder zur Besinnung. Sein Gesicht und seine Hände waren blutverschmiert, der Blutdurst, dieses widerwärtige, unbekannte Verlangen, das ihn schon seit Tagen immer stärker gequält hatte, war gestillt. Eisiges Entsetzen erfüllte ihn, als ihm klar wurde, was er gerade getan hatte. Er schmeckte noch das Blut des Mannes auf seinen Lippen, und was ihn eben noch berauscht hatte, erfüllte ihn nun mit Übelkeit. Keuchend wich er zurück, krümmte sich und erbrach sich mehrfach, bevor er sich mit zitternden Händen an der Wand des Lagerhauses abstützte, sich taumelnd aufrichtete und nach einem letzten verstörten Blick auf die blutleere Leiche lief, fort vor sich selbst, bis ihn seine Beine nicht mehr trugen und er in der Gosse zusammen brach…

Wörter: 716
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Re: 2. Schreibwettbewerb - Inspiration durch Bilder

Beitrag von Shandira » Do, 31. Mär 2011 7:57

Lost Ruins
Die Legende von Yukalté

Es war ein kalter und regnerischer Herbsttag. Das kleine Mädchen saß am knisternden Feuer in der kleinen Hütte und schmiegte sich in die Baumwolldecke. Ihre Großmutter reichte ihr einen dampfenden Becher Tee. Wie gut die warme Flüssigkeit tat. Der Wind pfiff und fuhr unter die klapprigen Bretter der Behausung. Der Tag war bis jetzt recht langweilig gewesen, immerhin durfte das Mädchen bei diesem Wetter nicht vor die Tür gehen. Doch jetzt ergriff eine gemütliche Stimmung den Raum. Auch die alte Frau setzte sich nun zu ihr ans Feuer, mahlte Kräuter und schaute summend in die Flammen. “Sag einmal, mein Kind. Habe ich Dir eigentlich schon die Legende von Yukalté erzählt?”, erhob sie schließlich ihre brüchige Stimme. Die Kleine mochte den Klang der Stimme ihrer Großmutter. Sie klang wie dünnes Pergament, aber gleichzeitig auch seidig, wie Honig.“Nein, aber ich würde sie gerne hören.”, kam zur Antwort. Das Mädchen mochte die Legenden, Sagen und Geschichten, welche die Alte zu erzählen wusste. Lächelnd schaute die Frau sie über das Feuer hinweg an und in ihren Augen schien sich das Feuer der Sonne selbst zu spiegeln.
“Nun, dann wird es Zeit, dass ich sie Dir erzähle. Ich habe Dir schon von den Drachenkriegen und der Mauer der Drachen im Norden Alvaranias erzählt. Dort, in den Bergen soll irgendwo die Stadt Yukalté gelegen sein. Eine Stadt, voller Magie und Gold. Eine Stadt, so begehrenswert, dass es viele Expeditionen gab, die nach ihr suchten. Doch niemand konnte sie je finden. Es war weit vor der Zeit der Drachenkriege. Wer die Yukalté einst erschuf, weiß niemand. Vielleicht waren es Menschen, vielleicht Elfen, vielleicht eines der anderen Völker Alvaranias oder vielleicht auch ein Volk, welches wir heute gar nicht mehr kennen, weil es ausgestorben ist. Da niemand diese Stadt je gefunden hat, konnte auch niemand nach den Anzeichen eines unserer bekannten Völker suchen. Ich weiß, was Du jetzt fragen willst. Wenn Yukalté niemals gefunden wurde, woher stammt dann die Legende? Nun, dies ist die Frage, die man sich bei jeder Legende stellt. Ich kann es Dir nicht sagen.
Also, tief in den Bergen verborgen und an einem reißenden Fluss gelegen, umgeben von einem wilden Wald liegt also die Stadt Yukalté. Eine Stadt, die schützende Mauern nicht nötig hat. Angeblich sind alle Gebäude aus rotem Sandstein erbaut. Ein Rot das bei Sonnenauf- und untergang leuchtet, wie ein Flammenmeer. Manche behaupten alle Gebäude zentrieren sich um eine gigantische Tempelanlage. Ohne Zweifel geht eine gewisse Magie von diesem Ort aus. Vielleicht kann die Stadt deswegen auch nicht gefunden werden. Die Bewohner von Yukalté sollen über die Jahre großen Reichtum angehäuft haben. Ob aus Geiz oder Gier, wer weiß das schon? Die Legende erzählt, dass einer der Priester der Stadt diesen Reichtum für sich haben wollte. Als sich die Einwohner gegen ihn aufgelehnt haben, verfluchte er die Stadt und verschwand spurlos. Da man nichts von seinen magischen Kräften wusste, lachte man ihn aus und verschwendete keinen Gedanken mehr an den Fluch. Doch kaum ein Jahr nach dem Verschwinden des Priesters, begann der Fluch zu wirken. Die Bewohner starben, wenn man es so nennen wollte. Sie verfielen allmählich in einen zombieähnlichen Zustand. Es war, als würden sich die Seelen von den Körpern trennen. Irgendwann starben die Körper. Was blieb war eine Armee ruheloser Seelen und mumifizierter Körper, denn es war Teil des Fluchs, dass die Bewohner niemals ihre Ruhe finden sollten. Und so wacht nun diese Armee über den Schatz in den Katakomben unter den Ruinen von Yukalté. Denn, wenn der Priester ihn nicht haben konnte, sollte niemand diesen Schatz haben. Du kannst Dir sicher denken, dass die Vorstellung einer großen Menge Gold und Edelsteine viele dazu veranlasst hat, die Ruinen zu suchen. Ein Fluch schreckt kaum jemanden ab. Und so haben sich schon viele gestandene Männer und auch ein paar mutige Frauen auf den Weg gemacht, um die Ruine zu finden und den Schatz zu bergen. Was soll ich sagen? Es kam nie jemand zurück. Entweder wurden sie Opfer der Berge oder sie fanden tatsächlich ihr Ziel, wurden aber ein Opfer der Fluchs.”
Die leise Stimme der alten Frau brach ab. Leise räusperte sie sich und nahm einen Schluck von ihrem Tee. Lächelnd blickte sie wieder hinüber zu ihrer Enkeltochter. “Es ist schon spät. Du solltest zu Bett gehen.”

Wörter: 708
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Re: 2. Schreibwettbewerb - Inspiration durch Bilder

Beitrag von Shandira » Do, 31. Mär 2011 7:58

All locked and bolted
Der Verräter hinter den Mauern

Erfolgreich hatte sich die Gestalt hinaus geschlichen. Wie wild schlug ihr Herz gegen den Brustkorb, sodass sie befürchtete, er würde jeden Moment zerspringen. Das Adrenalin schoss durch ihre Adern, während sie sich einen Weg durch die nächtliche Stadt bahnte. Es war kühl, aber ihre Wangen glühten ob der Furcht, es könne sie jemand gesehen haben und der Hast, die sie aus diesem Grund voran trieb. Ihr Weg war gefährlich und es würde ihr Ende bedeuten, würde auch nur eine Menschenseele erfahren, was sie heute Nacht tat.
Der schlanke Körper der Gestalt war in dunkle Kleidung gehüllt. Der schwarze Umhang verwischte die Konturen in der Nacht und die Kapuze verbarg die bekannten Züge.
Als sie endlich angekommen war, atmete sie erleichtert aus. Die behandschuhten Hände drückten die Türklinke des unscheinbaren Hauses hinunter und die Gestalt schob sich in die im inneren herrschende Dunkelheit. Sie atmete auf und hatte sich noch immer nicht beruhigt, obwohl sie sich sicher war, dass niemand ihr gefolgt war.
Sie schritt die verfallene Treppe des Hauses hinab, kannte den Weg in und auswendig, auch wenn sie nicht viele Gelegenheiten hatte, hier her zu kommen und Informationen weiter zu geben. Doch diese Nacht war es ihr geglückt und es war wichtig, dass sie gekommen war.

Die Kellergewölbe durchschritt die verhüllte Gestalt mit langen Schritten, kletterte die Leiter, die sich unter der Falltür im Boden befand, hinunter und trat auf die kalten Steine des großen Gewölbes. Kaum ein Bewohner der Stadt wusste von den riesigen Gewölben unter der Stadt, von den steinernen, in die Höhe ragenden Wänden, die einst unterirdisch angelegt worden waren und den Weg in die Kanalisation bildeten.

Der Spion kannte diesen Weg und noch andere zu seinem Ziel. Er entzündete eine Öllampe, um die hohen Gänge zu erhellen und schlich diese entlang, als würden hinter den Türen links und rechte ihre Gegenspieler lauern und jeden Moment hervor springen, obwohl sie genau wusste, dass sich hinter ihnen nur Lagerräume befanden.
Wie eine Maus schlich sie voran und erst nach vielen Minuten und der Durchquerung mehrerer verzweigter Gänge, in denen sich ein Fremder schon längst hoffnungslos verirrt hätte, stand die Gestalt vor der großen Tür. Hinter dieser Tür verbargen sich dunkle Geheimnisse, wichtige Informationen, Herzen voll Hass und Mut. Hinter dieser Tür verbargen sich Menschen, die sich ein anderes Leben herbei sehnten, die ein Leben ohne Armut und Unterdrückung anstrebten. Menschen, die den Tod des Sultans planten, schon viele Jahre lang. Und sie war eine von ihnen.

Das Gespräch mit den vertrauten Personen dauerte nicht lange. Die Gestalt dürfte nicht zu lange hier verweilen und damit riskieren, dass jemand ihr Verschwinden bemerkte.
"Dieses Mal wird er den Cyrn meiden, er führt zu viel Wasser zu dieser Jahreszeit. Die Regenfälle machen ihn gefährlich. Sie reisen hier über das Gebirge und kehren dann zurück zum Fluss, in dessen Nähe sie bis zur Stadt weiter reisen. Die Nächte verbringen sie hier, hier und hier."
Die Stimme der Gestalt war fest und angenehm, fast unschuldig, während sie die geheimen und nützlichen Informationen einfach so den Feind preisgab. Am Tage würde man ihr solches wohl kaum zutrauen. Schnell zeigte sie die entsprechenden Stellen, die sie beschrieb, auf der Karte, die vor ihr ausgerollt lag. Auch wenn sie davon nicht viel verstand, gab sie Ratschläge, wann und wo ein Angriff ihrer Meinung nach am Erfolgversprechendsten sein würde. Sie mussten so viel wie möglich im Voraus planen. Und wo der mächtigste Mann der Wüste lagerte, war ein unbestrittener Vorteil für diese Menschen hier, die einen Hinterhalt planten, wie es ihn bisher noch nie gegeben hatte.

Schließlich waren diese und andere wichtige Sachen besprochen und die Gestalt konnte nicht mehr mitteilen und beitragen. Alles weitere lag bei diesen Menschen, die unter der Hauptstadt des Reiches ihr geheimes Quartier bewohnten. Zum Abschied wünschte sie ihnen viel Erfolg und ging, um ihren Platz unter den ahnungslosen Menschen, die sie täglich umgaben, wieder einzunehmen.
~*~*~*~
Am nächsten Morgen herrschte große Aufruhr in der Stadt. Lange schon war bekannt, dass der Sultan und seine Gefolgsleute die Hauptstadt verlassen und nach Je'sahar reisen würden. Dort, in der Stadt der Reichen, wie sie auch genannt wurde, verbrachte er seine Stunden viel lieber, abseits der armen Bevölkerung, deren Begehren ihm nur ein Dorn im Auge war. Und trotzdem besaß er noch viele Anhänger in der Stadt und so herrschte reges Treiben in den Straßen, wie auch im Palast.

Die Frauen und Kinder des Sultans hatten sich versammelt, um ihren Ehemann und Vater feierlich zu verabschieden. Dabei trauerten ihm nicht alle nach. Wie es auch unter Bevölkerung war, standen sogar die Familienmitglieder dem Sultan ganz unterschiedlich gegenüber. Doch die Verabschiedung gehörte zum Ablauf dazu und die Dinge, die man tatsächlich dachte, sprach man besser niemals in den Palastmauern aus, wenn einem das Leben lieb war.

So erging es auch dem Verräter der Nacht unter ihnen, während sie die Lippen auf die Wangen des Vaters drückte. Sie lächelte, innerlich in freudiger Erwartung und nervös, äußerlich untergeben und zuversichtlich wie es sich gehörte.
"Ich wünsche dir eine gute Reise und bete, dass du wohlbehalten ankommst."
"Ich danke dir, meine Tochter."
Sie trat einen Schritt zurück und spürte die schweren Hände des Herrschers auf ihren Schultern, als würden sie ihr Gewissen verkörpern. Dann trat sie zurück in die Reihen ihrer Familie und einen Moment traf ihr Blick den ihrer älteren Schwester, die sie mit ihren Augen zu durchbohren schien, als wüsste sie, was sie getan hatte.

Später saß sie in ihrem Gemach. Sie stand an den hohen Fenstern und schaute auf den Hof hinaus, auf dem sich die Truppen bereits gesammelt hatten. Ein großer festlicher Zug hatte sich in Bewegung gesetzt, durchquerte bereits das Reichenviertel und bewegte sich langsam auf die Tore der Stadt zu, die nach Osten führten.
Die Frau am Fenster, in farbenfrohe Gewänder gekleidet, die wie immer farblich auf ihre braunen Haare und grünen Augen abgestimmt waren, schaute auf die Menschen herab, die auf den Straßen ein Spalier bildeten, um den mächtigsten Mann der Wüste vorbei reiten zu sehen. Sie hoffte inständig, dass ihre Freunde Erfolg haben würden, dass sie die Bevölkerung Al-Aúns und die anderer Städte befreien würden, dass sie das Leben aller ändern würden.

Es klopfte und sie wandte sich um. Ihr Blick fiel auf die schwarzen Handschuhe auf ihrem Tisch und sie ließ sie in der Schublade verschwinden, ehe sie sich würdevoll und mit einem sanften Lächeln, hinter dem kaum jemand ahnen würde, zu was sie fähig war, zur Tür begab und sie öffnete.

Wörter: 1075
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Re: 2. Schreibwettbewerb - Inspiration durch Bilder

Beitrag von Shandira » Do, 31. Mär 2011 7:58

All locked and bolted
Gehetzt

Erst waren bloß einzelne Tropfen, die über den Rand des Kruges der Schwerkraft nach unten folgten um sich mit dem Dreck der Gasse zu vermischen. Das Gefäß folgte. Zugleich steife wie zitternde Finger waren nicht mehr fähig es an dem weitlichtigen Henkel, der so und so nur noch in einer leichten Beugung der Fingergelenke hing, zu halten und es zerschellte am harten Pflasterstein. Tagsüber wäre das helle Klirren in der Hauptstadt kaum aufgefallen. In den letzten Stunden der Nacht war es allerdings das einzige Geräusch, das die Luft durchschnitt und die wage zu erkennende Gestalt am Gemäuer wie einen geschlagenen Hund zusammenzucken ließ.
Scheiße... Ein Wort, welches vor allem seine Gemütslage verdeutlichte. Über seine Situation konnte er sich nie im Klaren sein. Abgesehen davon, dass er dem penetrante Geruch nach Fäkalien und dem matschige Gefühl unter den dünnen Sohlen seines Schuhwerks zufolge, tatsächlich darin zu stehen schien, war die Grenze zwischen Einbildung und Realität bereits viel zu verschwommen. Und er wusste, dass es nicht am Alkohol lag. Trotzdem wagte er es nicht die Augen zu schließen. Im Gegenteil. Unruhig huschten sie ständig umher in dem Bemühen ihr gesamtes Umfeld im Blickfeld zu haben, an dem sich doch nichts änderte. Es blieb immer die gleiche leere Gasse. Verfluchte Paranoia. Einzig und allein deswegen war er überhaupt hier draußen. Alles war besser als die ganze Nacht lang am Bettende zu sitzen und auf die Tür des kleinen, schmuddeligen Raumes zu starren, nur weil man fest überzeugt war, im nächsten Moment würde sie sich öffnen. Jener, der dazu bestimmt war seinem Leben ein Ende zu setzen würde durch sie treten, den Dolch bereits in den Händen. So wie er es selbst viel zu oft getan hatte... schlicht und einfach durch die Kehle. Dort wo der Lebenssaft am meisten floss.
Bevor ihn die allzu deutlichen Erinnerungen einholten, stieß er sich von der Hauswand ab und schlurfte weiter seinem unbekannten Ziel entgegen. Erzählte man sich zu diesen Zeiten nicht von blutsaugenden Wesen, die nächtens ihr Unwesen trieben? Ihm wurde wieder ein wenig mulmig als er daran dachte. Angeblich war es eine Art Krankheit, durch die sie sich vermehrten, wenn sie jemanden das Blut aus den Adern saugten. Grausame Wesen mit übermenschlichen Kräften, die noch dazu jedes Menschenleben überdauern würden. Ein sarkastisches Lächeln stahl sich auf die brüchigen und dehydrierten Lippen. Wie kam man eigentlich dazu es eine Krankheit zu nennen, wo es sich doch eigentlich positiv auf die Lebensspanne auswirkte? Aber letztlich war es doch egal. Die meisten Opfer wurden sowieso tot aus der Kanalisation gezogen. Wieso sollten sie ausgerechnet ihn zu einen von ihnen machen?
Eine plötzliche Bewegung seitlich von ihm ließ ihn alle seine Gedanken mit einem Schlag vergessen. Ließ ihn reflexartig zurückweichen. Bereit sich umzudrehen und um sein Leben zu laufen, sollte es notwendig sein.
Vorher jedoch erkannte er das ihm entgegen lächelnde Gesicht, jung und bartlos wie es war. Sicher ob er deswegen erleichtert sein sollte, war er allerdings nicht.
„Ich bringe niemanden mehr um.“ Selbst in seinen Ohren klang es viel zu kleinlaut. Eher einem trotzigem Kind gleich, als einem erwachsenen Mann. Nicht gut. Allein durch das immer breitere Lächeln, sah er, wie wenig er ernst genommen wurde.
„Was hast du gesagt?“
„Ich arbeite nicht für Euch.“ Schon besser. Viel bestimmter. Der gewünschte Effekt schien dennoch auszubleiben. Nicht einmal Überraschung. Bloß eine grinsende Fratze, die bereits alles über ihn wusste. Mehr als er selbst. Langsam kam die Erkenntnis.
„Dazu ist es doch längst zu spät.“ Damit wich der Mann zurück ohne ihn aus den Augen zu lassen. Hinein in eine der Seitengassen aus der er vermutlich auch gekommen war. Ohne sich umzudrehen. Schwebte er nicht viel eher?
Er hingegen blieb stehen. Lauschend den immer schneller schlagenden Takt seines Herzens. Dem Pochen und Rauschen. Schweiß bildete sich auf seiner Stirn, kühlte ihn aus, während er von innen heraus zu brennen schien. Was war das? Schritte hinter ihm? Ohne weiter nachzudenken hetzte er los, kam zwei Straßen weiter ins Straucheln als er um die Ecke bog. Aber er fiel nicht hin. Gerade so rettete er sich selbst, auch wenn es nicht hieß, er wäre in Sicherheit. Noch nicht. Er durfte sich nicht erwischen lassen. Am besten verließ er die Stadt. Jetzt. Sofort. Er musste irgendwie durch die geschlossenen Tore. Oder oben drüber, wenn es nötig war. Ja, er kannte jemanden, der ihm helfen konnte... Würde er ihm auch helfen und ihn nicht verraten? Wer weiß, vielleicht wussten sie, dass er ihn aufsuchen würde. Vielleicht lebte er gar nicht mehr. Egal, es war gleich in der Nähe. Nach den nächsten zwei Häusern noch einmal rechts und dann... Keuchend blieb er stehen. Hier war nicht, wo er sein sollte. Nicht, wo er hin wollte. Genaugenommen kam ihn dieser Ort überhaupt nicht bekannt vor. Unsicher blickte er zurück. Niemand zu sehen. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt um sich zu verlaufen! Der Gedanke daran, trieb in die Verzweiflung nur noch weiter in die Seele, so dass es ihm schwer fiel überhaupt noch klar zu denken. Zurück zur der breiten Straße. Irgendwie, nur nicht auf dem selben Weg. Einfach weiter gerade aus. Weiter. Schneller.
Aber er fand keinen Anhaltspunkt, geschweigedenn das Haus des Schmugglers. Es gab nichts, dass ihm bekannt vor kam. Besonders diese Tore! Verdammte Tore! Sonst gab es sie in der Art in ganzen Stadt nicht. Und sie wurden immer größer, immer dominanter. Ganz klein kam er sich neben ihnen vor. Er wollte raus, einfach abbiegen. Natürlich ging es nicht. Es war ja nichts anderes da außer dieser Straße. Vor und hinter ihm, als wollte sie nie enden.
Schließlich wurde er wütend, trat gegen die verschlossenen Türen. Schrie, sie mögen ihn reinlassen. Oder rauslassen. Hauptsache weg von hier. Tatsächlich ließ ihn ein Knarzen hinter sich verstummen. Gerade einmal ein Spalt stand offen. dennoch wirkte das fahle Licht, das er dahinter so einladend auf ihn, wie es die schönste Frau nicht vermocht hätte. Langsam wandte er sich vollends um mit sanften Druck aufzustoßen und konnte seinen Augen nicht trauen. Vor ihm eröffnete sich strahlend blauer Himmel. Kein düsterer Raum wie er es eher erwartet hätte, sondern hohe Gräser mit ähren in voller Blüte, die sich im Wind wogen. Keine schmutzigen Gassen, keine hohen Gemäuer, die ihn umgaben. Freiheit. Friede. Er sah sich durch die Felder streifen, sich umdrehen, sich selbst in die Augen blicken. In Augen, die noch immer von einem grauen Schleier bedeckt waren. Gefühllos und ohne Regung, während ihn ein plötzlicher Schmerz durchfuhr. Röchelnd wanderten sein Blick nach unten, wo das Messer nur allzu tief in seinem Magen steckte. Mit zur Ungläubigkeit geweiteten Augen versuchte er Halt an seinem Gegenüber zu finden, doch griff er nur ins Leere. War das wirklich er? Die Sicht war bereits viel zu verschwommen. Schlussendlich wurde es schwarz um ihn und der leblose Körper kippte vorne über, bevor er am harten, wohlbekannten Pflaster aufschlug.
Der lächelnde Beobachter trat nun wieder aus seinem Platz im Schatten, näherte sich mit bedrohlicher Leichtigkeit.
"Siehst du, Thares?" Seine Worte waren offensichtlich an einen Dritten gewandt, der die Straße zu ihm hinauf geschritten kam und in einiger Entfernung stehen blieb. "Das passiert mit jenen, die uns im Stich lassen." Daraufhin beugte er hinunter zu der Leiche des Mannes und packte sie an der Schulter, um sie auf den Rücken zu drehen. Bei dem Anblick des zu Entsetzen geformten Gesichtes, gefror sein Lächeln jedoch ein wenig.
"Ich wüsste zugern, was das Gift ihm gezeigt hat."

Wörter: 1235
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Schattenherz
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Re: Abstimmung 2. Schreibwettbewerb - Inspiration durch Bilder

Beitrag von Schattenherz » Mo, 11. Apr 2011 23:04

Eine spannende Abstimmung, viele Umentscheidungen und letztendlich doch ein klares Ergebnis: Herzlichen Glückwunsch Leia - deine einfache, doch umso interessantere Geschichte wurde von den Mitgliedern von Sheehaza und Drachenblut als beste ausgewählt. Du kannst deine Medaille nun im Profil bewundern, viel Spaß dabei ;)

Hier nochmal die Übersicht, wie das Ergebnis in beiden Foren zusammen aussieht (klicken zum Vergrößern):
schreibwettbewerb2.jpg
Unser Dank geht an alle, die sich die Zeit genommen haben, einen Text zu schreiben oder unter den acht Einsendungen für ihre Favoriten abzustimmen. Wir freuen uns über die rege Teilnahme und hoffen, ihr hattet genauso viel Spaß dabei wie wir. Zwar hat nicht alles auf Anhieb geklappt (das Regeln lesen beispielsweise ;) ), aber letztendlich hat sich ja alles geklärt 8)

Und an alle, die es diesmal nicht geschafft haben: Ich bin mir ziemlich sicher, dass es früher oder später ein "nächstes Mal" geben wird :)

Eure Admins
Shandira & Schattenherz

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