Ríneth an Alagos

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Ríneth
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Ríneth an Alagos

Beitrag von Ríneth » Do, 11. Jul 2019 10:52

Hauptaccount: She'sejia

Name: Ríneth an Alagos
Unterwegs nennt sie oft Phardis als ihren Namen, ein Alias, das sie sich selbst ausgedacht hat. In der Wüste nannte sie sich Haerlaeth, was laut einer Wurzel des Coreonischen so viel wie Teufelskind heißt.
Ríneth bedeutet so viel wie tanzendes oder gespiegeltes Licht, Phardis glattes Kupfer oder Spiegel.

Alter: 35 (23)
Rasse: Halbelfe, doch es ist deutlich, dass das elfische Erbe in ihr deutlich stärker ist als das menschliche

Aussehen:

Ríneth ist weder besonders auffällig gekleidet noch hat sie eine für die Bewohner der Nordreiche ungewöhnliche Gestalt, und doch kann sie einem auch in einer größeren Menge ins Auge fallen. Vielleicht liegt es an ihrer kühlen, elfischen Schönheit oder an ihrer manchmal unnahbaren, aber dank ihrer Erziehung im merindarischen Adel irgendwie edlen, fast schon erhabenen Wirkung. Diese Wirkung ist wohl ihrem ruhigen Wesen geschuldet. Außerdem ist sie Teil des Gesichts oder der Maske, die sie bei zahlreichen gesellschaftlichen Anlässen und in ihrer Kindheit und Jugend als Teil der Aristokratie lernte, immer zu tragen, wenn sie unter Menschen ist und die sie kaum noch abzulegen vermag. Vielleicht lernt sie dies wieder, wenn sie gegenüber jemandem genug auftaut oder sogar einen Freund gewinnt.

Ihr Aussehen ist eigentlich nicht besonders ungewöhnlich. Ihr Gesicht, mit ihren schön geschwungenen Lippen, der geraden Nase, den feinen Augenbrauen, der glatten Haut und den ebenmäßigen Gesichtszügen scheint geradezu zu perfekt. Umrahmt ist es von langem schwarzem Haar mit leichtem Braunschimmer, das sie meistens in einem einfachen Zopf geflochten trägt, damit es ihr nicht im Weg ist. Oft lösen sich einige kürzere Strähnen aus dem Zopf und fallen ihr ins Gesicht, sodass sie sie immer wieder hinter die spitzen Ohren steckt, die ihr elfisches Erbe verraten. Der Blick aus Ríneths mandelförmigen und eindrucksvollen, tief dunkelblauen Augen ist wach und aufmerksam und kann fast unangenehm intensiv und bei entsprechender Gefühlslage schneidend kalt sein. Ihre unnahbare Ausstrahlung ist, neben ihrer stillen, ruhigen Art, ihrem normalerweise ausdruckslosen, fast schon kühlen Gesichtsausdruck geschuldet, der nur selten durch ein ehrliches Lächeln aufgewärmt wird.
Ihre Haut ist eigentlich blass, jedoch durch ihren längeren, noch nicht lange zurückliegenden Aufenthalt in Naradesh in der Wüste etwas gebräunt. Sie ist zudem schlank und hochgewachsen gebaut und ihrem gesunden Körper ist anzusehen, dass sie in ihrem Leben nie ernsthaft hungern musste.
Insgesamt scheint sie beinahe wie aus einer Geschichte oder Ballade gesprungen und wirkt dadurch schon edel oder erhaben und gar, auf ihre eigene Art, einschüchternd, sodass wenige sie als nur irgendwer abstempeln würden, was ihr dabei Probleme bereiten kann, unerkannt zu bleiben. Manchmal sorgt diese Schönheit sogar für einen Eindruck der Unantastbarkeit. Oder seltener sogar mitunter auch für Sprachlosigkeit und offene Münder. Doch dieses elfische Ideal, dem Ríneths Äußeres entspricht, ist natürlich nicht jedermanns Sache und vor allem in Arcanis oder den Wilden Landen würde sie weniger als besondere Schönheit auffallen und vielleicht sogar als abstoßend empfunden werden.

Ihre Kleidung, die sich eigentlich für eine Frau ihres Standes auf keinen Fall ziemen würde, ist zwar einfach und eigentlich Männerkleidung, besteht aber aus hochwertigen Stoffen, die darauf schließen lassen, dass sie nicht arm oder von niederstem Stande ist. Sie besteht aus einer Tunika aus blauer Seide mit silbernen Rändern und bis zum Ellenbogen reichenden Ärmeln, unter der sie bei kälteren Temperaturen eine einfache naturfarbene Bluse aus feiner Wolle mit langen Ärmeln trägt. Dazu trägt sie eine helle Hose aus festen, robusten Leinen, die in dunkelbraunen Schnürstiefeln aus imprägniertem Leder steckt. Um die Taille trägt sie einen breiten Gürtel der aus mit Seide und Fellrändern verziertem Leder besteht. Die Seide am Gürtel ist schwarz und das Fell der Fellränder grau. Ihre edle Tunika und den Gürtel versteckt sie meist unter einer langen und etwas zu großen dunkelbraunen Lederjacke, die ihr bis knapp übers Knie reicht. Für kaltes und unwirtliches Wetter, oder falls sie nicht erkannt werden will, besitzt sie zudem einen dunklen Wollumhang mit Kapuze und Schnallen aus geschwärztem Metall. Außerdem nennt sie noch ein langes, dunkelblaues, fein gewebtes Leinentuch ihr Eigen, das sie oft locker als Schal um den Hals geschlungen trägt.
Unter all der Kleidung versteckt sie ihr Amulett für Wassermagie, das erst kürzlich in ihren Besitz gelangte und ein Familienerbstück ihrer Mutter ist. Es ist ein in Silber gefasster Saphir in Tropfenform an einer langen, silbernen Kette und ist das Einzige an Schmuck, das Ríneth noch besitzt. Es ist möglich, in dem Amulett Magie zu speichern und es sozusagen aufzuladen, denn es wurde vor langer Zeit von Waldelfen gefertigt, bevor es in die Hände der Familie fiel. Doch die darin gespeicherte Magie ist die ihrer Mutter und so scheut sie sich davor, es zu verwenden, da dies das Einzige ist, dass ihr von ihrer Mutter geblieben ist.

Ihre Habseligkeiten trägt sie in einer großen Umhängetasche aus Segeltuch und zwei kleineren Beuteln, die sie übereinander an den äußeren Lederbändern ihres Gürtels befestigt hat, mit sich herum. In dem einen Beutel ist ihr Proviant, das im Moment aus etwas Brot, Käse und getrockneten Früchten besteht. In dem anderen Beutel ist etwas Geld.
In der Umhängetasche befindet sich eine weitere Tasche aus Leder, in der Ríneth ihre Heilsachen aufbewahrt. Diese sind etwas Verbandsmaterial, ein paar Nadeln und Faden aus Sehnen, ein Fläschchen Opium, eine Phiole mit Lirea-Blütenstaub, eine Holzschachtel mit etwas Heilsalbe und ein paar leere Phiolen und Fläschchen. In der Tasche sind noch ein Holzkamm und ein Trinkschlauch mit einem kleinen Bergkristall in Form einer Wasserrune, der mit einem Zauber belegt ist, damit er nie leer wird (Immervolles Gefäß, siehe Magie). Außerdem trägt sie darin auch Kohlestifte, Federkiel und Tinte sowie ihr Notizbuch herum, das nur noch wenige freie Seiten hat. Es ist mit einer Wasserrunentabelle und Skizzen und Notizen zu verschiedenen Pflanzen, der Anatomie des menschlichen Körpers und einfachen Operationsvorgängen gefüllt. Zuletzt bewahrt sie noch, sorgsam bei den Kohlestiften und dem Federkiel, damit er nicht bricht, einen Pinsel aus Wolfshaar und mit Griff aus poliertem Holz, in das Runen geschnitzt ist, auf. Dieser Pinsel ist wohl ihr wichtigstes Utensil zur Wassermagie.

Waffen:

Da Ríneth keine Kriegerin ist, besitzt sie auch keine Waffen, obwohl sie zwei Messer ihr Eigen nennt. Diese sind jedoch weder dazu gemacht zu kämpfen oder verletzen, noch hat sie vor sie jemals dafür zu benutzen.
Das Erste ist ein bronzenes Sichelmesser, das sie am Gürtel trägt und zum Abtrennen von Gräsern, Sträuchern und dergleichen verwendet. Es ist zwar recht scharf und noch in gutem Zustand, sonst aber nicht besonders auffällig oder wertvoll.
Das zweite Messer hingegen hat eine Klinge aus hochwertigem Stahl und einen Griff aus poliertem Horn. Es ist fein gearbeitet und, obwohl es ein Gebrauchsgegenstand ist, offensichtlich wertvoll. Da es jedem, der das Messer genauer sieht und seinen Wert erkennt, verrät, dass sie aus gutem Hause oder zumindest einer etwas wohlhabenderen Familie kommt, versteckt sie die Klinge in der dazugehörigen Scheide aus Leder in ihrer Umhängetasche.

Charakter:

Hat man Ríneth einmal getroffen, bleibt sie vielen noch lange in Erinnerung. Sie hat einfach eine Art, die viele fasziniert und die auch für Bewunderung sorgt. Denn obwohl sie unnahbar wirkt und generell eher ungern etwas von sich preisgibt, ist sie sehr einfühlsam und empathisch. Besonders deutlich wird dies, wenn sie als Heilerin agiert aber auch sonst fühlen sich Menschen, wenn sie einmal wirklich mit ihr sprechen, schnell verstanden und wahrgenommen, und beruhigt von der Ruhe die die stille Halbelfe oft auszustrahlen scheint erzählen sie ihr dann auch schnell von ihren Problemen und ihrem Leben, zumindest mehr und schneller als gewöhnlich. Dieses intuitive Verständnis anderer Personen und ihrer Gefühle lässt sie auch Manipulation leichter durchschauen. Es sorgt auch für ihre Fähigkeit andere zu inspirieren und überzeugen, weniger durch Manipulation, sondern mehr durch Ehrlichkeit, Leidenschaft und ihr bescheidenes, diszipliniertes und einfühlsames Wesen. Ihre Lehrer beispielsweise waren von der jungen Halbelfe und auch ihren Zielen schnell überzeugt und bereit sie in vielem zu unterstützen.
Was auch relativ schnell auffällt ist, dass sie bestimmt und entschlossen, ja regelrecht eigenwillig ist und viel Wert darauf legt, selbstüber ihr Leben zu entscheiden und es auch eigenständig zu führen. Diese Entschlossenheit und auch wie zielstrebig sie an vieles herangeht und wie leidenschaftlich sie sein kann mag wohl bei ihrem ruhigen Wesen für Überraschung sorgen, doch es ist für sie dennoch sehr bezeichnend und fügt sich nicht nur in ihre Persönlichkeit, sondern gibt ihr auch eine Art verstecktes, aber bestimmendes Feuer, das ihr Antrieb ist. Denn sie kann nur an Dingen, von denen sie wirklich überzeugt ist so diszipliniert, fleißig und unermüdlich arbeiten wie ihre Freunde und Lehrer es von ihr kennen. So zeichnet sie sich durch einen leidenschaftlichen Wissensdurst und viel Neugierde aus, die zu befriedigen sie aber auch Risiken eingeht und Dinge tut die anderen als waghalsig, unvernünftig oder gar fragwürdig erscheinen mögen und die, in Anbetracht ihrer sonst bedachten, unvoreiligen Art, für sie ungewöhnlich und uncharakteristisch wirken. Doch dieser unstillbare Wissensdurst und ihr kluger, schneller Verstand machen sie zu einer, zumindest was akademische Bereiche angeht, sehr guten Schülerin und schnellen Lernerin.
Doch ebenso wie in ihrem Streben nach Wissen zeigt sich ihr leidenschaftliches Wesen in ihrem Idealismus und deutlichem Bild von Recht und Unrecht. Sie ist generell sehr hilfsbereit, manche würden schon von Altruismus sprechen, und hält die Angehörigen aller Völker, unabhängig von Rasse, gesellschaftlichem Stand oder Vermögen, für des gleichen Respektes würdig, so zumindest ihre Ideologie. Nicht selten wurde die schon in Frage gestellt, sei es, wenn sich jemand grausam oder ignorant oder sonst für ihr Verständnis falsch verhielt oder wenn sie genauer über die Grenzen und das Ausmaß ihrer Ideologie nachdenkt – oder durch Fragen anderer dazu gebracht wird. Sie philosophiert aber gerne darüber (und über anderes) und verändert und entwickelt ihre Vorstellung von Richtig und Falsch. Dafür muss sie aber ehrlich davon überzeugt sein, dass diese Änderung wirklich richtig und wichtig ist.
Zudem sieht sie es als Heilerin als ihre Aufgabe an, jeden zu heilen der ihre Hilfe braucht und nicht, jemandem zu schaden, geschweige denn umzubringen. Doch sollte man sie angreifen, und die Möglichkeit der Flucht bietet sich ihr nicht, ist sie durchaus bereit sich zu verteidigen, obwohl sie es versucht zu vermeiden anderen das Leben zu nehmen. Außerdem ist sie immer noch ein Mensch, oder eine Halbelfe, wie jeder andere und kann im Zorn anderen den Tod wünschen und ihnen Schmerzen zufügen wollen. Letzteres würde sie in entsprechenden Fällen vielleicht sogar tun.

Doch all diese Leidenschaft und ihr empathisches und idealistisches Wesen haben den Nachteil, dass sie sehr sensibel sein kann, vor allem wenn man sie und das was sie für richtig hält, kritisiert. Man muss es schon geschickt anstellen damit sie sich dabei nicht sofort persönlich angegriffen fühlt und vor allem von Freunden fühlt sie sich schnell verletzt. Denn wo sie bei Fremden arrogant, bissig oder abweisend reagiert, zieht sie sich, wenn sie sich von Freunden verletzt fühlt, schnell zurück, geht der Situation aus dem Weg oder versinkt in ihrer eigenen Gedankenwelt. Hat man sie dagegen wirklich wütend gemacht, kann sie ausgesprochen nachtragend sein, obwohl mit einer Entschuldigung und ehrlicher Reue – oder zumindest dem ehrlichen Bestreben die Dinge zu regeln – nicht alle Hoffnung vergebens ist.
Zudem kann sie, durch ihr eigensinniges Wesen und den Respekt, den sie von anderen ihr gegenüber erwartet – wie sie ihn auch anderen gegenüber bringen will – durchaus hochnäsig wirken, was nicht vollkommen falsch ist. Schließlich wuchs sie auch auf, ohne jemals wirklich Hunger, Kälte und andere Gefahren fürchten zu müssen und ist stark von ihren Ansichten überzeugt. Obwohl sie eigentlich jeder Person offen und mit Respekt begegnen will, ist sie keineswegs perfekt. So kann es ihr passieren, dass sie auf andere mehr oder weniger unbewusst herabsieht, wenn sie jemanden für faul, wenig intelligent oder ignorant hält. Denn während es ihr bewusst ist, dass bei weitem nicht jeder den Luxus einer Ausbildung wie ihrer hat, hat sie eine gewisse Abneigung gegen Personen, die damit zufrieden sind, Dinge nicht besser zu wissen und mag es nicht, wenn jemand keinerlei Bestrebungen hat, Neues zu lernen, sein Wissen zu erweitern oder Dinge zu erforschen und verstehen.
Außerdem ist sie, auch wenn sie so verständnisvoll und andere ihr gegenüber oft so offen sind, selbst sehr privat und gibt selten und ungern etwas von sich preis. Nur wenn sie sich selbst wirklich verstanden fühlt und wohl in Gesellschaft eines anderen, wird ihr ruhiges und stilles Wesen nicht durch so starke Verschlossenheit ergänzt. Da sie als sie aufwuchs lernte, in Gesellschaft im übertragenen Sinn eine Maske, ein zweites Gesicht, zu tragen, kommt sie oft damit auch durch und hat es sich beinahe schon antrainiert.
Diese Maske ist eine immer noch stille, freundliche aber distanzierte junge Frau, die sich mit einem sanften Lächeln immer perfekt der Situation, ihrem Stand und ihrem Gegenüber entsprechend verhält, doch letzteres hat sie mangels Übung in der letzten Zeit etwas verlernt. Dass sie sich diese Distanziertheit so antrainiert hat und sie so auch schon eher verschlossen ist fällt es ihr schwer Freunde zu finden und sich ihrerseits so verstanden zu fühlen wie andere bei ihr. Und doch sehnt sie sich genau danach, denn sie ist zwar jemand, der durchaus Ruhe und Zeit für sich braucht, dennoch sehnt sie sich nach Gesellschaft, in der sie sich wohl und mit all ihrem Wesen angenommen fühlt. Jemand, mit dem sie reden kann und der sie versteht. Da sie nur wenige Freunde hat und auch schon immer wenige Freunde hatte, kann sie, wenn sie ihre Maske ablegt, auch nahezu unbeholfen sein. Vor allem bei dem Versuch, Freunde zu finden kann sie sich äußerst ungelenk und unwohl fühlen und ist besorgt das ihre Art unter Freunden wenig Anklang findet. Denn unter Freunden legt sie durchaus auch sarkastischen und, wenn sie schlecht gelaunt ist, trockenen und schwarzen Humor an den Tag. Damit können manche umgehen, doch für viele kann sie schlecht gelaunt regelrecht unausstehlich sein. Sie kann, gerade in solchen Situationen, durchaus eine scharfe Zunge haben und Worte über die Lippen bringen, die sich für eine Frau ihres Standes eigentlich nicht ziemen.
Doch ihr ausgesprochener Perfektionismus macht ihr nicht nur die Suche nach so jemandem schwer. Sie hat hohe Ansprüche an sich selbst und auch an andere und auch wenn sie sich darüber bewusst ist, dass dieser nicht unbedingt hilfreich oder vorteilhaft ist, kann sie ihn nur schwer abstellen. Sie ist deshalb nur selten wirklich mit einer Leistung oder sich selbst zufrieden.

Ihr Idealismus bedeutet auch, dass sie in ihrem Leben und Tun Sinn und etwas wie Bestimmung braucht um zufrieden zu sein. Denn ohne ein Ziel das in ihren Augen auch Bedeutung hat, wird sie ruhelos, unzufrieden und schnell enttäuscht. Sie verliert an Antrieb und ist weniger Zielstrebig und Diszipliniert, zudem kann sie niedergeschlagen sein und selbst für einfachste Tätigkeiten kaum die Motivation finden. Doch auch wenn sie diesen Sinn hat und mit Leidenschaft und Disziplin an der Sache ist, fällt es ihr schwer eine passende Balance von Tätigkeit und Entspannung zu finden, sodass sie ohne Ruhe bis zur völligen Erschöpfung arbeitet, ähnlich einer Flamme die hell brennt bis nichts mehr zum Verbrennen da ist und sie erlischt.

Abgesehen davon, dass sie verstanden werden will und ihre Neugierde und ihren Wissensdurst befriedigen, war es schon seit ihrer Kindheit ihr Wunsch, Heilerin zu werden und obwohl sie schon viel gelernt hat, will sie sich darin immer weiter verbessern und bilden. Auch in der Wassermagie will sie sich weiterbilden und wenn sich ihr irgendwie die Möglichkeit bietet das Studium wieder aufnehmen und weitere Zauber lernen würde sie diese gerne ergreifen. Sie hat zudem, seit sie sich darüber bewusst ist, wie ähnlich sich Wasser und Blut sind, die Vorstellung, Wassermagie direkt mit Heilen zu verbinden, nicht loslassen können und schon ein paar Experimente durchgeführt. Sie träumt von einer Möglichkeit, diese Vorstellung zu verwirklichen.
Doch da sie gerade auf der Flucht vor ihrem Verlobten, dem Rest ihrer Familie und den Mördern ihrer Eltern ist, will sie vorrangig von diesen nicht gefunden werden und selbst über ihr Leben entscheiden, vor allem, wen sie heiratet. Sie plant zudem den letzten Verwandten, von dem sie sich Hilfe erhofft - ihren Großvater - zu finden, doch dieser gilt als verschollen.
Sie hat Angst davor, in einem Käfig zu leben und nicht selbst über ihr Leben oder ihr Schicksal entscheiden zu können. Generell mag sie es nicht, über ihr Leben oder eine Situation nicht die Kontrolle zu haben, oder nichts daran ändern zu können. Sie hat auch Angst davor, jemandem nicht helfen zu können, der leidet oder sogar im Sterben liegt und oft träumt sie von Situationen dieser Art, die sie schon durchlebt hat. In großen Menschenmassen fühlt sie sich auf Dauer unwohl und desto mehr Menschen um sie sind und desto lauter es um sie ist, desto schneller braucht sie wieder Ruhe und Zeit in der sie all den Menschen entkommen kann und für sich ist.

Ríneth ist mit dem elfischen Glauben, der in Mérindar vorherrschend ist, aufgewachsen und obwohl sie nicht ernsthaft daran glaubt und eigentlich nicht besonders religiös ist, kennt sie die Götter und sendet mehr aus Gewohnheit als ehrlichem Glauben manchmal Stoßgebete an einen der sieben Götter.

Fähigkeiten:

Wie schon erwähnt ist Ríneth, zumindest im akademischen, eine schnelle Lernerin. Sie hat einen wachen, klugen Geist und eine gute und genaue Auffassungsgabe. Auch kann sie Gelerntes gut im Kopf behalten und man könnte meinen, sie erinnere sich an alles, was sie je gelesen hat. Doch das ist nicht der Fall. Denn wenn sie kein Interesse an einer Information hat oder diese ihr unbewusst unwichtig erscheint, fällt es ihr im Gegensatz sehr schwer sie sich zu merken und es kann passieren, dass sie sich ein und dieselbe Information mehrere Male einprägt und sie sich dennoch partout nicht merken kann. Doch ihr großer Wissensdurst lässt dies nur selten den Fall sein.
Zu ihrem Glück wurde sie, als einzige Tochter ihrer Eltern, umfassend von Hauslehrern ausgebildet und konnte ihr Potenzial so viel nutzen. Sie lernte lesen und schreiben sowie rechnen und etwas Mathematik wie beispielsweise Geometrie aber auch viel, das im Umgang mit Geld und Handel wichtig ist. Sie wurde auch in Grundlagen des Handels- und Wirtschaftswesens unterrichtet sodass sie fähig ist, die Bücher eines Kaufmanns zu lesen und zu verstehen und selbst über Ausgaben und Einnahmen Buch zu führen und dies zu interpretieren, obwohl sie nicht so viel lernte, dass sie selbst ein richtiges Handelsgeschäft führen könnte. Ihr Vater wollte lediglich sicherstellen, dass sie ihrem zukünftigen Mann, der sein Handelsgeschäft übernehmen würde, etwas zur Hand gehen konnte oder zumindest sicherstellen, dass alles mit rechten Dingen zuging. Zudem ist eine adelige Frau oft dafür zuständig, den Hof zu führen und dabei würden ihr diese Fähigkeiten wohl auch helfen. Auch in Geschichte und Politik wurde sie unterrichtet, sodass sie über die Machtverhältnisse der Nordreiche, insbesondere Mérindars, durchaus informiert ist und weiß, wie diese und die Reiche zustande kamen. Über die Nordreiche hinaus lernte sie nur wenig, das über wo welches Reich ist oder welches Volk lebt und wer sie führt kaum hinausgeht.
Natürlich darf bei der Ausbildung eines adeligen Mädchens gesellschaftlicher Tanz, Benehmen und etwas Nähen und Sticken nicht fehlen und auch Ríneth blieb davor nicht verschont, obgleich sie hier weitaus weniger Interesse und Talent hatte als beim Rest ihrer Ausbildung. Doch nach jahrelangem Unterricht lernte sie auch diese Dinge, obwohl sie niemals die geschickteste Tänzerin war oder das beste Benehmen hatte. Allein im Nähen und Sticken könnten sich ihre Fähigkeiten noch verbessert haben, da sie einer Heilerin sehr hilfreich sein können.

Denn das ist es, auf das Ríneth sich in besonderem Maße versteht: das Heilen. Schon früh beschäftigte sie sich mit Kräuterkunde und daher kennt sie einige in den Nordreichen heimische Pflanzen und weiß, wie sie anzuwenden sind, obwohl sich der Großteil ihrer Ausbildung in Naradesh an der Akademie der Heiler abspielte. Daher lässt sich ihr Wissen über die heilsamen Pflanzen der Nordreiche und deren Anwendung keinesfalls mit dem von Apothekern oder anderen Heilkundigen dieser Gegend vergleichen.
An der Akademie der Heiler lernte sie, wie man Wunden säubert, versorgt und näht, wie man welche Medikamente verwendet, von welchen Medikamenten man in der Wüste weiß und wo sie herkommen, teilweise sogar wie sie herzustellen sind und wie man auch Gifte entweder als Gegengifte oder zur Narkose oder ähnlichem nutzt. Sie lernte, wie man Krankheit vorbeugt und sich als Arzt möglichst nicht ansteckt. Sie wurde mit den Ursprüngen verschiedenster Krankheiten bekannt gemacht, oder was man zumindest für den Ursprung hielt. Zudem kennt sie die Anatomie des menschlichen Körpers, soweit sie in der Wüste bekannt ist. Sie kennt sich auch mit verschiedenen Vorstellungen von Energieflüssen aus, die es in der Wüste gibt und die, wie das andere Wissen, oft von den Menai stammen. All dieses Wissen hilft ihr dabei, Verstauchungen, Knochenbrüche oder ausgerenkte Gelenke zu erkennen und zu behandeln. Sie ist fähig Gelenke wieder einzurenken, einen zur entsprechenden Verletzung passenden Verband anzulegen und Brüche zu schienen. Auch kennt sie den Vorgang von ein paar wenigen komplizierteren Eingriffen, doch mangels Erfahrung sind ihre Fähigkeiten dies betreffend bei weitem nicht ausgereift. Dies zeigt auch, dass ihre Ausbildung nicht vollends (aber nahezu) abgeschlossen war und sie, so sieht sie selbst es zumindest, noch viel lernen kann.
Trotz ihres jungen Alters und vergleichsweise frischen Ausbildung hat sie im Krankenhaus in Naradesh und im von der geheimnisvollen Seuche gelähmten Avrabêth genug Erfahrung gesammelt, um sich ihrer Kompetenzen – und deren Grenzen – recht sicher zu sein und als Heilerin bestimmt und selbstsicher zu handeln.
Ein interessanter Aspekt ist, dass sie sich beim Heilen oft mit verschiedenen Wasserzaubern behilft, dies jedoch bisher nur indirekt beispielsweise zum Säubern von Wunden, beziehungsweise dem Wasser, mit dem sie die Wunden säuberte. Doch sie hat schon verschiedene Experimente durchgeführt, bei denen sie versuchte einen Weg zu finden, Wassermagie direkt zum Heilen zu verwenden und obwohl sie bisher nur mäßigen bis keinen Erfolg hatte, hat sie diese Idee keinesfalls aufgegeben.

Darüber hinaus kann sie reiten und – was mit ihrer Ausbildung in Wassermagie zusammenhängt – schwimmen. Insgesamt hat die Reise in die Wüste und zurück ihr eine gewisse Ausdauer antrainiert. Sie spricht insgesamt etwa fünf Sprachen. Davon beherrscht sie Elfisch (im Dialekt der Nordelfen) und Coreonisch (mit merridischem Akzent) am besten, dicht gefolgt vom Emenisch, das in der Wüste gesprochen wird. Menondiwe beherrscht sie allein wegen ihres Studiums der Heilkunst und höchstens brüchig, das Schriftliche bei weitem besser als das Gesprochene. Schließlich kann sie sich rudimentär in der Sprache der Steppenreiter, in einem Dialekt der weit verbreitet und an den Handelsposten der Steppe der Häufigste ist, verständigen.

Außer Sticken und Nähen hat sie niemals ein weiteres Handwerk erlernt und auch mit künstlerischen oder musikalischen Tätigkeiten und Fähigkeiten beschäftigte sie sich nie und beherrscht daher kein Instrument. Das einzige, das man in diesem Bereich vielleicht erwähnen könnte, ist ihre schöne Stimme und ein gewisses Gefühl dafür, sich schriftlich nicht ungeschickt auszudrücken, wobei sie beides niemals übte und man daher wohl nur von Potenzial sprechen kann.
Was man jedoch vergeblich bei ihr sucht sind Kampffähigkeiten, den Nah- wie auch den Fernkampf betreffend. Sie erlernte nie den Umgang mit irgendeiner Waffe und hat sich auch nie darum bemüht, sodass sie vor einem Angreifer eigentlich nur fliehen kann. Zwar könnte sie im Notfall vielleicht mit einem Messer nach jemandem stechen, doch obwohl sie aufgrund ihres medizinischen Wissens vielleicht sogar wüsste, auf welche Stellen des Körpers man theoretisch einstechen sollte, reichen ihre Fähigkeiten wohl kaum dazu aus das auch koordiniert und erfolgreich zu tun. Außerdem widerstrebt es ihr meist, anderen Schaden zuzufügen und das Zögern, das sie wohl hätte wenn sie es planen würde jemanden zu verletzen würde solch einen Plan wohl zunichtemachen. Zudem ist sie nicht besonders trainiert und höchstens eine ausdauernde Wanderin (und Reiterin). Kräftemäßig sowie in Schnelligkeit und Geschick wäre sie jedem Krieger weit unterlegen und wird sonst auch gegen keinen potenziellen Angreifer ankommen. Einzig ihre Wassermagie könnte ihr in einem Kampf einen Vorteil verschaffen, wenn sie lernte sie entsprechend einzusetzen oder entsprechende Zauber lernte. Da sie dies jedoch kaum kann, muss sie, sollte sie es mit Magie versuchen, auf Glück, das Überraschungsmoment oder unerwartete Geschicklichkeit, am besten alles zusammen, hoffen.
Abgesehen davon, dass sie ein paar Pflanzen bestimmen kann und über deren Nutzen oder Gefährlichkeit weiß, hat sie keine Fähigkeiten, die ihr beim Überleben in der Wildnis behilflich wären. Sie kann weder Jagen noch Spurenlesen oder richtig einen Unterschlupf finden und obwohl sie eine ungefähre Vorstellung vom Kochen hat, hat sie es nie selbst getan und würde wohl auch daran scheitern, ein Feuer zu entzünden. Genauso sieht es mit der Orientierung aus, denn über Kartenlesen, eine ungefähre Vorstellung der Nordreiche und des Kontinents – basierend auf Karten und ihren Reisen – und der groben Orientierung an der Sonne reichen ihre Fähigkeiten nicht hinaus.

Magie:

Da Ríneth als Halbelfe die magische Begabung ihrer Mutter erbte wurde sie von eben jener auch ausgebildet. Wie ihre Mutter und der gesamte Teil ihrer Familie mütterlicherseits hatte sie vor allem für die Wassermagie großes Talent und erlernte die Zauber sogar in derselben Geschwindigkeit wie reinblütige Elfen. Ihre Begeisterung und ihr Wissensdurst sorgten dafür, dass sie sogar Experimente durchführte um mehr über die Grenzen und Möglichkeiten der Wassermagie zu erfahren. So erfuhr sie, dass sie die Zauber auch an Blut durchführen kann, obwohl das schwerer ist als bei normalem Wasser (ihr also etwas mehr Kraft und Konzentration abverlangt). Zudem kann sie die Zauber nur an Blut außerhalb eines Körpers durchführen und hat noch keinen richtigen Weg gefunden, Blut, das durch den Körper eines Wesens fließt, durch Zauber zu beeinflussen. Sie weiß lediglich, dass es, unter unglaublichem Kraft- und Konzentrationsaufwand, theoretisch zumindest in kleinem Ausmaß möglich ist.

Neben magischer Kraft braucht sie zum Wirken von Zaubern Konzentration und Kraft. Wie viel davon hängt von der Komplexität des Zaubers ab und wie gut sie ihn beherrscht, ergo wie viel Übung sie mit ihm hat. Die Konzentration ist zur Kanalisierung und Steuerung sowie zur Aufrechterhaltung eines Zaubers vonnöten während der Kraftaufwand bei manchen Zaubern fast nur mit der Aufrechterhaltung der Konzentration zusammenhängt. Bei Zaubern, bei denen sie Wasser bewegt, muss sie etwa zwei Drittel der Energie, die zur Bewegung des Wassers nötig ist, selbst aufbringen, nutzt sie jedoch das aufgeladene Amulett als Hilfe (also verbraucht einen kleinen Teil der darin gespeicherten Magie), muss sie nur noch etwa die Hälfte der Energie selbst aufbringen. Das Amulett ist auch, ohne dass die darin gespeicherte Magie verbraucht wird, bei der Konzentration hilfreich, sodass Ríneth mehr Zauber wirken kann bevor sie erschöpft und ausgelaugt ist und ihr Zauber etwas leichter gelingen. Grundsätzlich muss eine Flüssigkeit zu mindestens etwa sieben Zehnteln aus Wasser bestehen, damit sie damit Zauber wirken kann. Je geringer der Anteil an Wasser, desto mehr Konzentration (und Kraft) benötigt ein Zauber.
Neben dem Amulett gehören der Pinsel, den sie zum Zeichnen von Runen verwendet, und ihre Runentabelle zu ihrer „Zauberausrüstung“. Zwar kann sie die Runen auch ohne Pinsel zeichnen, doch da der Pinsel extra für Wassermagie gefertigt ist, sind Runen in den Griff geschnitzt. Dadurch gelingen Zauber mit dem Pinsel besser und mächtiger als ohne. In der Runentabelle kann Ríneth Wasserrunen nachschlagen, die sie für ihre Zauber braucht, beziehungsweise die für verschiedenste Wasserzauber benötigt werden. Sie hat die Tabelle hauptsächlich für Zauber, die sie noch lernen will, da sie die Runen für die Zauber, die sie schon beherrscht, auswendig kennt.

Erspüren:
Ríneth brauchte wie die meisten Elfen zwei Jahre, um das Element Wasser zu erspüren um Zauber erlernen zu können.

Stufe 1:
Zum Erlernen dieser Zauber benötigte sie immer etwa ein Jahr, ihre Wirkung tritt in der Regel sofort ein.

Wasser vermehren
Der erste Zauber, den sie erlernte war 'Wasser vermehren'. Um ihn zu wirken muss sie die Rune für Wasser auf die Wasseroberfläche des Wassers zeichnen, das sie vermehren will, um eben diese Wassermenge zu verdoppeln. Braucht sie noch mehr Wasser, muss sie den Zauber erneut wirken. Sie hat diesen Zauber schon oft gewirkt und braucht daher relativ wenig Konzentration dazu, wobei gilt: je mehr Wasser sie vermehren will, desto mehr Konzentration ist vonnöten. Daher ist es für sie unsinnig, diesen Zauber an großen Seen, Flüssen oder gar dem Meer zu wirken, da sie so viel Konzentration und Kraft nur schwer oder gar nicht aufbringen könnte.

Fließrichtung ändern
Um diesen Zauber zu wirken muss Ríneth mit dem Wasser, dessen Fließrichtung geändert werden soll, die Rune für fließendes Wasser, bzw. (Wasser-)Strom dorthin zeichnen, wo das Wasser hinfließen soll. Kraftaufwand und Konzentration hängen hier von verschiedenen Aspekten ab: der Menge des Wassers, dessen Fließrichtung sie ändern will (je mehr, desto schwieriger), der Fließgeschwindigkeit des Wassers (je schneller, desto schwieriger) und wohin das Wasser fließen soll (je unwahrscheinlicher, desto schwieriger). Daher ist es schwerer, einen Fluss statt einem Bach oder einem Rinnsal zu verzaubern und schwerer Wasser bergauf statt auf einer Ebene oder bergab fließen zu lassen. Zudem müssen Konzentration und Kraft so lange aufrechterhalten werden, wie der Zauber wirken soll.

Wasserwand
Um eine Wand aus Wasser vor sich aufragen zu lassen muss sie lediglich „ennea a sianley“, also „Wasser schütze mich“ sagen. Diesen Zauber beherrscht sie sehr gut und benötigt dafür wenig Konzentration, obwohl ihr eine größere, höhere und dickere Wasserwand mehr abverlangt als eine eher kleine. Nur wenn auf die Wasserwand egal welcher Art eingewirkt wird, also beispielsweise durch starken Wind oder irgendwelche Objekte, muss sie zusätzlich Kraft aufwenden um die Wand aufrechtzuerhalten, wenn auch in abgeschwächtem Maße als die Einwirkung auf die Wasserwand.
Da sie diesen Zauber ungewöhnlich schnell erlernte, kann sie ihn mit viel zusätzlicher Konzentration und Kraft mit dem Zauber 'Fließrichtung ändern' verbinden. Das heißt, dass sie das Wasser dazu bringt, in der Wasserwand zu fließen und dadurch Objekte, wie zum Beispiel fliegende Pfeile, nicht nur verlangsamt, sondern auch abgelenkt werden können. Wie stark hängt natürlich von der Stromgeschwindigkeit des Wassers ab, die wiederum von Ríneths Konzentration und Kraft abhängt. Um dies zu wirken, muss sie in die Wasserwand die Rune für fließendes Wasser zeichnen.

Wasser säubern
Auch diesen Zauber, ihren vierten Zauber, beherrscht sie aufgrund von viel Übung recht gut. Um Wasser zu säubern muss sie die Rune auf die entsprechende Wasseroberfläche zeichnen, die so etwas wie Lebensquelle oder frisches Wasser bedeutet. Wie sauber das Wasser wird, hängt von der Konzentration ab, wobei die Säuberung von „unsichtbaren“ oder schwer ersichtlichen Verschmutzungen sehr viel Konzentration benötigt. Generell braucht sie für den Zauber mehr Konzentration, wenn es sich um eine große Wassermenge und/oder sehr stark verschmutztes Wasser handelt.

Stufe 2:
Zum Erlernen dieser Zauber brauchte Ríneth immer durchschnittlich zwei Jahre und die Wirkung tritt nach ein paar Sekunden oder Minuten ein.

Wasser verdunsten
Um Wasser zu verdunsten, zeichnet sie zwei Runen auf die Oberfläche des zu verdunstenden Wassers: Die Rune für Wasser und die für Dampf. Dazu sagt sie: „ennea a tanar kiruda“, was übersetzt so viel wie „Wasser wird Wind sein“ oder „Wasser du sollst Wind sein/werden“ bedeutet. Die Wirkung dieses Zaubers tritt je nach Wassermenge nach ein bis zwei Minuten ein und auch die Konzentration ist von der Wassermenge abhängig. Außerdem kühlt sich durch diesen Zauber die Umgebung des Wassers etwas ab, da ihr zur Änderung des Aggregatzustands des Wassers Wärmeenergie entzogen wurde. Auch Ríneths Körpertemperatur kann sich, bei großen Mengen an Wasser, abkühlen.

Immervolles Gefäß
Um ein Gefäß zu einem Immervollen Gefäß zu machen, muss sie die Rune für Wasser auf das entsprechende Gefäß schreiben, schnitzen oder die Rune aus Holz, Stein oder einem vergleichbaren Material in das Gefäß legen und „ennea a nyam dêd“ sagen, was so viel wie „Wasser bleibe tausendmal“ bedeutet. Dann vermehrt sich das Wasser in dem Gefäß immer, bis es voll ist. Dennoch entsteht das Wasser darin nicht, sondern das bestehende Wasser vermehrt sich lediglich. Das bedeutet, dass der Zauber erneut gewirkt werden muss, wenn das entsprechende Gefäß vollkommen geleert wurde. Desto voller das Gefäß ist, desto langsamer vermehrt es sich und um sich von einem Bodensatz wieder bis zur Fülle zu vermehren braucht das Wasser, je nach Größe des Gefäßes, etwa zwischen zwei und sieben Minuten. Der Zauber wirkt auch nur solange, wie die Rune, ob nun ein Stein oder Holzstück in Form der Rune oder die Schnitzerei oder Zeichnung auf dem Gefäß, intakt ist. Ist der Zauber einmal „gebrochen“ muss er wieder neu gewirkt werden. Es braucht sehr viel Konzentration um ein Gefäß mit diesem Zauber zu belegen.

Wasser sammeln
Um Wasser aus naher Umgebung an einer Stelle zu sammeln, muss Ríneth die Rune für Meer/See, bzw. 'großes Wasser'/'Wasseransammlung', mit Wasser auf die Stelle zeichnen, bei der sich das Wasser sammeln soll und „ennea a laracin“, also so viel wie „Wasser komme“ sagen. Der Zauber wirkt schon nach etwa ein bis zwei Minuten und der Radius, in dem der Zauber wirkt, das heißt aus dem das Wasser kommt, hängt von der Konzentration ab. Ab einem Radius von etwa drei Metern sind sehr viel Konzentration und Kraft vonnöten, wobei Wände, Erde und andere Gegenstände die Sache zusätzlich erschweren. Wasser in Gefäßen nimmt dann meistens das Gefäß mit, wenn es keinen anderen Weg findet. Hindernisse, die das Wasser durchdringen kann steigern die benötigte Konzentration und Kraft, sodass der Zauber praktisch nicht weiter als einen Meter ins Erdreich wirken kann, da dies einfach zu viel Konzentration bräuchte. Hindernisse wie Stein oder besonders feste Erde kann der Zauber nicht überwinden.

Wasser schweben lassen (und lenken)
Dieser Zauber eignet sich vor allem zum Bewegen kleiner Wassermengen ohne ein Gefäß oder Ähnliches, zum Bewegen von Wasser in Flaschen oder anderen Gefäßen und folglich den Gefäßen selbst und für Tricks um andere zu Unterhalten. Um diesen Zauber zu wirken muss sie die Runen für Wasser und für Tropfen mit Wasser auf ihre Handfläche zeichnen und „ley yas enneatun“, übersetzt etwas wie „Ich gebiete über das Wasser“, sagen. Dann muss sie mit der Handfläche auf die sie die Runen gezeichnet hat auf das entsprechende Wasser deuten und es durch Bewegungen der Hand (-fläche) bewegen. Konzentration und vor allem Kraftaufwand hängen von der Wassermenge ab, da sie den Großteil deren Gewichts quasi „tragen“ muss.

Stufe 3:
Um den Zauber der dritten Stufe zu erlernen brauchte Ríneth drei Jahre.

Wasser finden
Um diesen Zauber zu wirken ist ein Ritual nötig. Sie zeichnet die Rune für Quelle mit Wasser auf den Boden und zeichnet dann nördlich, östlich, südlich und westlich davon immer in gleichem Abstand zur Rune in der Mitte jeweils die Rune für Wasser ebenfalls mit Wasser auf den Boden. Beim Zeichnen jeder Rune wiederholt sie den Satz: „ley ráyanur enneatun“, übersetzt etwa: „Ich werde das Wasser sehen“. Dann wiederholt sie diesen Satz unter größtmöglicher Konzentration (die die ganze Zeit aufrechterhalten werden muss) immer wieder, ähnlich einem Mantra, bis der Zauber gelingt. Das dauert mindestens eine halbe Stunde, kann sich aber auch über eine Stunde ziehen. Während dieser Zeit kann das Wasser, mit dem die Runen gezeichnet sind, nicht versickern oder verdunsten, da es im Zauber gebunden ist. Gelingt der Zauber und findet sich Wasser, fließt das Wasser der Runen zum durch den Zauber gefundenen Wasser, sodass man ihm nur zu folgen braucht. Dieser Zauber benötigt sehr viel Konzentration, vor allem wenn es wenig oder kein Wasser in der Umgebung gibt, das man finden könnte und der Radius der Suche erhöht werden muss. Allerdings ist der maximale Radius mit sogar (unter hohem Konzentrations- und Zeitaufwand) ein Paar Kilometern recht groß, wobei der Zauber maximal fünf Meter durch Erde und Gestein reichen kann. Dafür ist er nur mit Wasser (oder einer Flüssigkeit, die aus mindestens sieben Zehnteln Wasser besteht) möglich und laugt den Magier körperlich und mental stark aus.

Vergangenheit:

Geboren wurde Ríneth als einziges Kind und Tochter des Bruders eines reichen Barons und der Schwester eines Grafen aus einem alten elfischen Adelsgeschlecht.
Ihr Vater, ein Mensch (dessen Großmutter eine Elfe war) mit Namen Gaovar Alyarîdh, stammte aus einer Familie, die durch den Handel und das kluge Bewirtschaften von erstandenem Land reich wurde und sich in den Adel einkaufte. Seitdem ist der Hauptsitz der Familie Alyarîdh ein Herrenhaus mitsamt großem Hof in Oshlon, einem etwas größeren Dorf auf ihren Ländereien. Die Ländereien der Familie befinden sich ein kleines Stück nördlich der Stadt Cadron im Fürstentum Nejun in Merindar.
Gaovar Alyarîdh war zwar, als jüngerer Bruder Travon Alyarîdhs, nicht der Erbe der Baronie, hatte aber die Verantwortung für die Führung vieler Geschäfte der Familie. Er beschäftigte sich vor allem mit dem Handel und gelangte so zu Reichtum, der selbst für andere seines Standes nicht gewöhnlich war. Um sein wachsendes Handelsunternehmen besser überwachen und führen zu können zog er, gerade frisch vermählt, in ein Stadthaus in Cadron.
Seine Frau (Ríneths Mutter) war eine Elfe namens Elyedue an Alagos. Sie war die Tochter des damaligen Grafen Súrelyon an Alagos. Diese Familie ist Teil des alten Adels im Fürstentum Nejun mit engen Beziehungen zur Familie des Fürsten Avándamar Velkyn. Ihre Grafschaft befindet sich an der Grenze zu Ariendar nördlich Cadrons am Aras und ist eine der größeren Grafschaften Nejuns.
Die Hochzeit ihrer Eltern sollte die beiden Familien enger aneinanderschweißen, denn während die Grafenfamilie über politischen und gesellschaftlichen Einfluss verfügte, war die Familie Alyarîdh reich und aufstrebend. Der Baron sah diese Vermählung wohl als Investition.

Ríneths Eltern liebten sich nicht. Es war eine arrangierte Ehe und sie verspürten weder bei der Hochzeit noch danach Liebe füreinander. Zwar waren da Achtung und Respekt, Verantwortung, Pflichtgefühl und auch eine gewisse Zuneigung, doch nichts Tiefgreifenderes. Mehr aus Pflichtgefühl bemühten sie sich um einen Erben, was lange jedoch erfolglos blieb.
Kurz nachdem Elyedues Bruder ein Sohn geboren wurde, brachte sie selbst Ríneth zur Welt, was die Familie, die ein Kind schon für unmöglich gehalten hatte, aufatmen lies. Ríneth war eine gesunde kleine Halbelfe, schnell wachsend und mit denselben tiefblauen Augen wie ihre Mutter. Doch während sie sich prächtig entwickelte, blieb ihr Cousin klein und kränklich. Als er schließlich starb, gab seine Mutter, die bisher all ihre Kinder schon als Säuglinge verloren hatte, Ríneth und ihrer Mutter die Schuld. Sie war der Meinung, dass Elyedue sich schwarzer Magie bedient habe, um ein Kind zu bekommen und dass ihr Sohn der Preis für Ríneths Leben gewesen sei. Obwohl niemand diesen Anschuldigungen ernsthaft Gehör schenkte, warfen sie doch einen Schatten auf Ríneths Kindheit und verstärkten ihr ruhiges und in sich gekehrtes Wesen. Sie bauten eine Distanz zum Rest der Familie auf, sodass ihr Verhältnis zu ihrem Onkel und ihrer Tante, väterlicher wie mütterlicher Seite, immer eher förmlich und künstlich war. Außerdem zeigt der etwas selbstironische Name, den sie in der Wüste verwendete, dass sie diese Anschuldigungen nie ganz vergessen konnte.

Auch sonst tat sie sich von früh auf mit Beziehungen etwas schwer. Sie hatte wenig Freunde und sah die anderen Mädchen ihres Standes, die sie bei gesellschaftlichen Anlässen traf, nie als etwas anderes als bloße Bekannte und Zweckfreundschaften an. Nur ein paar Kinder von Bediensteten am Hof ihres Onkels in Oshlon, wo sie einen großen Teil ihrer Kindheit und Jugend verbrachte, waren ihre Freunde und Spielkameraden. Sie verbrachte gerne Zeit draußen und keine Entdeckung schien ihre Neugierde befriedigen zu können, genauso wenig wie die Antworten auf ihre vielen Fragen das vermochten. Doch als mit sieben Jahren (äußerlich fünf) schon ihr Hausunterricht begann, hatte sie immer weniger Freizeit in der sie Spielen und Erkunden konnte.
Ríneths Eltern war eine umfassende Ausbildung wichtig. Umfassender als bei anderen Mädchen, selbst adeligen, da sie immer noch das einzige Kind ihrer Eltern war. Reiten wurde ihr von einem Bediensteten ihrer Eltern beigebracht, der in den Stallungen arbeitete, und sobald ihre Fähigkeiten (und ihr Alter) fortgeschritten genug waren, machte sie oft Ausritte in die Natur und bestaunte die Bäume, Sträucher und Blumen. Dabei nahm sie auch hin und wieder Blätter oder Blüten mit, um die Pflanzen Zuhause anhand von Zeichnungen in Büchern der Bibliothek zu identifizieren.
Mit ihrer Lehrerin in Tanzen, Geschichte, Benehmen sowie etwas Nähen und Sticken – also vor allem in Allem, das eine adelige Dame können musste – hatte sie sogar ein erstaunlich gutes Verhältnis. Die Lehrerin war eine eigenständige, strenge und unverheiratete Elfe und hieß Ilya Meranvell. Obwohl Ríneth für Tanzen, Benehmen, Nähen und Sticken nicht besonders viel Enthusiasmus zeigte und diesen Unterricht eher über sich ergehen ließ, machte sie dies für Ilya Meranvell mit umso mehr Wissbegierde in Geschichte und mit tiefem Respekt ihrer Lehrerin gegenüber wett. Von einem alten Herrn namens Laorn, der schon lange für ihren Vater und dessen Familie arbeitete, wurde sie in Lesen und Schreiben sowie in ein bisschen Politik und in ein paar Kenntnissen zum Handel und Wirtschaften unterrichtet. Mathematik schließlich brachte ihr ein junger Freund ihres Vaters, ein Beraji namens Hadir Ibn Marek bei. Dieser war an der Akademie der Heiler in Naradesh ausgebildet worden und war, neben ein paar Forschungen und dem Unterrichten Ríneths, Arzt in Gaovar Alyarîdhs Haus.
Ríneths Interesse für Heilkunst jeder Art, über die sie etwas herausfinden konnte, begann schon mit sieben Jahren, als Hadir einen ihrer Spielkameraden erfolgreich verarztete, der sich am Bein verletzt hatte. Angesichts der Wunde hatte sie sich selbst machtlos und nutzlos gefühlt und als Hadir die Wunde dann heilte während sie zusah, kam es ihr wie Magie vor. Magie, die ganz anders war als die Wassermagie, die ihre Mutter praktizierte. Von da an wollte sie Wunden auch einmal so behandeln können.
Diese Leidenschaft blieb Hadir auch nicht lange verborgen und weil er Ríneths Lerneifer und Disziplin bewunderte und ihr ohnehin kaum eine Bitte ausschlagen konnte, gab er schließlich ihren Bitten, ihr zumindest ein bisschen Heilkunst beizubringen, nach. Er brachte ihr vor allem etwas zu Heilkräutern der Nordreiche, zu Grundlagen und Grundsätzen der Heilkunst und zu Grundlagen der Naturwissenschaft, die für die Medizin wichtig waren, bei.

Der Unterricht prägte auch Ríneths Wesen und Wertvorstellungen. Da sie nun weniger Zeit hatte, mit ihren Freunden zu spielen, entfernte sie sich von ihnen und wurde noch ruhiger, als sie es ohnehin schon war. Sie fühlte sich einsam und wurde still und handelte weniger impulsiv aus ihrer Neugierde heraus, sondern mehr bedacht und überlegt. Sie war zurückhaltender und lernte mehr und mehr, welches Gesicht sie in Gesellschaft tragen musste.
Außerdem beeinflusste Ilya Meranvells eigenständige Art sie, sodass auch sie bald unabhängig und selbstbestimmt sein wollte. Sie lernte, andere Menschen grundsätzlich mit Respekt zu behandeln und sie als Individuen zu sehen, die einen positiv aber auch negativ Überraschen können. Ilya meinte immer, sie solle sich über die Realität keine falschen Vorstellungen machen, und Ríneth nahm alles, das Ilya sagte, sehr ernst.
Als sie dann mit zehn Jahren (äußerlich 7) das Studium der Wassermagie unter Führung ihrer Mutter begann und nun zwar weniger Unterricht, aber auch noch weniger Freizeit hatte, begann sie sich manchmal in ihrem streng durchgeplanten Tagesablauf und Leben eingeengt zu fühlen. Erst waren Momente, in denen es ihr so ging selten und nur sehr vage, denn sie genoss es dennoch, viel zu lernen, vor allem auch Wassermagie. Denn darin tat sie sich sehr gut und erlernte schnell die Zauber und ein Gespür für das Wasser und die Wassermagie.

Damit sie das Element Wasser zu erspüren lernte legte Ríneths Mutter auch teilweise fragwürdige Methoden an den Tag. Sie fuhr mit ihr beispielsweise in einem Boot auf einen Teich in Oshlon und stieß ihre Tochter in der Mitte über Bord. Dann ließ sie Ríneth nicht wieder aufs Boot bis diese vom verzweifelten Strampeln völlig entkräftet war und ermattet und nur halb an Bewusstsein begann hinunterzusinken. In den Sekunden, bevor ihre Mutter sie wieder nach oben ins Boot zog, erlebte sie die Stille des Wassers, sah die Fische, die stumm durchs Wasser glitten und spürte jede noch so kleine Bewegung im Wasser. Sie spürte einen tiefen Frieden und eine ruhende Kraft und dann wie ihre Mutter sie hoch und ins Boot zog. Danach war sie ein paar Tage erkältet, und musste sich erholen bevor sie weiterlernte.
Ihre Mutter brachte ihr dann bei, sich über Wasser zu halten und nicht mehr sofort in Panik zu verfallen, wenn sie keinen Boden unter den Füßen hatte. Nachdem sie mit elf Jahren (äußerlich acht) schließlich Wasser erspürt hatte und begann einzelne Zauber zu lernen, wurde ihr Unterricht wesentlich weniger spektakulärer, obwohl immer noch interessant.

Obwohl sie nun für ihre, vor ihren Eltern verheimlichte, Leidenschaft für Heilkunst sehr viel weniger bis gar keine Zeit hatte, blieb diese hartnäckig bestehen. Als ihre Eltern dann etwa ab ihrem zweiundzwanzigsten Lebensjahr mehr und mehr darauf bestanden, dass sie an immer mehr gesellschaftlichen Anlässen der Aristokratie Nejuns teilnehmen musste, um sie mit eben jenen bekannt zu machen, verstärkte sich das immer wieder auftauchende Gefühl, eingesperrt zu sein, immer mehr. Mehr und mehr wurde Ríneth klar, dass das Leben, das ihre Eltern für sie wollten, gar nicht das war, was sie war. Und obwohl sie sich bewusst war, dass sie ihren Eltern gegenüber auch gewissen Pflichten hatte, wollte sie doch ihr eigenes Leben leben und selbst über sich entscheiden. Dieses Dilemma hielt sie zwar davon ab, tatsächlich irgendetwas zu tun, aber nicht davon, wage Pläne davon zu machen, was sie tun könnte. Immer wieder dachte sie daran, wegzulaufen. Sie dachte auch an all das, was Hadir ihr von der Akademie der Heiler erzählte und wie sehr sie Heilerin werden wollte. Doch ihre Ausbildung in Wassermagie war noch bei weitem nicht abgeschlossen und sie hatte ihren Eltern und ihrer Familie gegenüber immer noch Pflichten.
Als ihr Hausunterricht zum größten Teil endete als sie 24 (äußerlich achtzehn) Jahre alt war, wurden diese gesellschaftlichen Anlässe, von kleinen Treffen über größere Feste bis hin zu rauschenden Bällen, immer häufiger. Denn nun begannen Ríneths Eltern nach einem geeigneten Ehemann zu suchen. Einem, der zur Familie passte, aus einer guten Familie war und die Geschäfte von Ríneths Vater übernehmen konnte, folglich also mindestens gescheit war, und der am besten noch selbst zumindest eine ordentliche Summe Geld erben würde. Lange konnten sich ihre Eltern nicht entscheiden, denn obwohl sie nicht die Tochter eines Barons oder Grafen war, war sie weithin für ihre Schönheit bekannt – und für den Reichtum ihres Vaters. Daher mussten ihre Eltern sich wohl keine Sorgen machen, letztendlich gar keinen zu finden.
Ríneth hingegen mochte den Gedanken daran nicht, zu heiraten. Und noch weniger, dass sie jemanden heiraten würde, den ihre Eltern für sie aussuchten und nicht sie. Es passte ihr gar nicht, so eine wichtige Entscheidung nicht selbst fällen zu dürfen. Doch als sie mit ihren Eltern darüber sprechen wollte und sie bitten wollte ihr noch Zeit zu geben, blockten diese ab. Sie wollten nur das Beste, sagte Elyedue und Gaovar meinte, dass es ihre Pflicht sei auf ihre Eltern zu hören und dass sie als ihre Eltern davon mehr Ahnung hätten. Dass jedes Gespräch, dass Ríneth danach darüber mit ihren Eltern führte, ähnlich verlief, lies sie immer öfter an ihre vagen Pläne, davonzulaufen, denken.

Ihre Eltern entschieden sich schließlich für den Halbelfen Amanian Neadún, den erstgeborenen Sohn eines Barons, der gut mit dem Baron Alyarîdh, Ríneths Onkel, befreundet war. Eben jener Onkel hatte den jungen Mann auch vorgeschlagen. Amanian schien perfekt. Er war charmant, gutaussehend, ein geschickter Fechter, beliebt, der Erbe seines Vaters und, wie Ríneths Onkel versicherte, sicherlich nicht dumm, sondern im Gegenteil sogar sehr klug. Auch ihre Eltern waren schnell überzeugt und beeilten sich, die Verlobung schnell mit der Familie Neadún zu beschließen. Einzig Ríneth war dagegen, denn ganz abgesehen von den Vorbehalten, die sie ohnehin schon gegen eine arrangierte Ehe hatte, konnte sie Amanian nicht ausstehen. Er war ihr gänzlich unsympathisch, mit seinem arroganten Grinsen, der überlegenen Miene und den herablassenden Äußerungen, an die sie sich von den wenigen Treffen, an denen sie sich gesehen hatten, erinnerte. Sie hatte das Gefühl, dass er einer jener Männer war, für die ihre Frau nur ein Preis war, und dass er sie nur wegen ihres Reichtums und ihrer Schönheit wollte.
Folglich nahm sie auch die Nachricht der Verlobung nicht gut auf. Sie bat ihre Eltern, ihre Entscheidung zu überdenken und als das nichts half flehte sie, sie nicht zu verheiraten. Aber ihre Eltern blieben standhaft und so schloss sie den Beschluss, ihre vagen Pläne in die Tat umzusetzen.

In den nächsten Monaten plante sie ihre Flucht. Sie tat so, als würde sie sich langsam beruhigen und widerwillig die Verlobung akzeptieren. Sie lernte weiterhin von ihrer Mutter und nickte nur abwesend zu den Plänen die schon jetzt für die Hochzeit gemacht wurden, obwohl die erst im nächsten Jahr geplant war. Sie sah sich Karten an und plante ihre Route nach Naradesh. Zudem vertraute sie ihre Pläne ihrer Lehrerin Ilya Meranvell an. Diese war erst dagegen und wies Ríneth an, diese Pläne abzublasen, doch schließlich begann sie sie zu unterstützen, wohl weil sie ahnte, wie sehr ihre Schülerin darunter leiden würde, so eingesperrt zu sein und wie sehr ihr Wissensdurst und Talent an einem solchen Leben kaputt gehen würden. Sie organisierte einen ihrer Bekannten, der Gelehrter war und ebenfalls plante für Forschungen nach Südwesten zu reisen. Er würde sie auf ihrer Reise begleiten.
Nach vielen weiteren Vorbereitungen packte Ríneth etwas Kleidung und ein Paar Habseligkeiten sowie Geld und Schmuck, den sie plante in der Wüste in Geld zu wechseln, und machte sich, etwa ein halbes Jahr seit der Bekanntgabe ihrer Verlobung, tief in der Nacht auf, um Ilyas Bekannten zu treffen.

Doch als sie ihn traf, konnte sie ihren Augen kaum glauben: Es handelte sich um niemand anderen als Hadir Ibn Marek! Die ersten Stunden, die sie unterwegs waren, kam es ihr noch wie ein Traum vor. Obwohl auch Hadir von ihrem Talent und ihrer Entschlossenheit immer wieder überrascht war und sie mit der Zeit sogar zu ihren Studien ermutigte, hätte sie nie erwartet, dass er bei solch einem Plan mitmachen und ihren Vater so hintergehen würde. Lange Zeit war sie noch misstrauisch, ob er vielleicht doch für ihren Vater arbeitete und seine Unterstützung nur heuchelte, denn obwohl er ihr mehrmals versicherte, wie sehr er von ihrem Potenzial überzeugt war und es nicht verschwendet sehen wollte, konnte sie ihm doch nicht glauben. Doch es geschah nichts, dass ihre Vermutungen bestätigte, nicht einmal im geringsten. Die Reise verlief schnell und schon nach einem halben Jahr, in dem sie stetig nach Südwesten reisten, gigantische Bergketten passierten, durch Wälder und über die endlose Steppe ritten, kamen sie in Naradesh an.

Auf der langen Reise und dem ersten Jahr in Naradesh wurde Hadir ihr engster Vertrauter. Obwohl sie ihn schon immer respektiert und sogar bewundert hatte, war er für sie jetzt nicht nur Lehrer und Vorbild, sondern ein Freund. Er war auch der Einzige, der sie noch mit ihrem echten Namen, Ríneth, ansprach und nicht mit dem Namen Phardis (den sie seit ihrer Flucht auf der Reise benutzte) oder Haerlaeth (den Namen, den sie in der Wüste verwendete). Dennoch blieb sie immer noch ein wenig misstrauisch, oder zumindest ratlos, warum er wie sie alles zurückgelassen hatte, ihren Vater – seinen Freund – nicht nur verlassen, sondern auch verraten hatte, nur um sie zu begleiten. Auf der Reise und in Naradesh half er ihr, wo er auch konnte, beschützte sie und war für sie da, und dennoch behandelte er sie noch immer mit viel Respekt. Es kam ihr etwas zu ehrfürchtig und überhaupt übertrieben vor, dass er sie stur immer als Dame ansprach und siezte. Doch er hielt daran fest, obwohl sie ihm sagte, dass es nicht nötig war, dass sie so viel Respekt nicht einmal verdiene und dass sie mit ihrer Flucht ihren Stand verloren habe.
Dann fiel ihr noch auf, dass die respektlosen und dreckigen Kommentare, die manche Männer in Gaststätten von sich gaben als sie sahen, dass Ríneth mit Hadir reiste und offensichtlich nicht mit ihm verwand war, ihn noch mehr störten und erzürnten als sie. Denn obwohl sie es noch nie erlebt hatte, so respektlos angesprochen zu werden, lernte sie schnell, die Äußerungen und Anspielungen auf eine Beziehung zwischen ihr und Hadir und dass sie wohl ein leichtes schönes Elfchen war zu ignorieren. Doch Hadir wurde jedes Mal wieder wütend und nicht selten kam es fast und manchmal tatsächlich zu Schlägereien. Diese sorgten natürlich nicht dafür, dass die Kommentare seltener wurden. Sie fragte ihn, warum er die oft betrunkenen Männer nicht ignorierte und er meinte, er könne es nicht ignorieren, wenn ihre Ehre so in Frage gestellt würde und sie respektlos behandelt würde.
Diese unangenehmen Situationen waren allerdings nicht so häufig, wie man jetzt annehmen mag. Tatsächlich war es Ríneths unnahbare Wirkung und vielleicht auch unwirkliche Schönheit, die gerade dies oft verhinderten, da sie so auf ihre eigene Weise einschüchternd war und vielen Männern unantastbar erschien.

In Naradesh hatte sie erst Probleme, an der Akademie der Heiler aufgenommen zu werden, da sie sowohl Frau als auch Ausländerin und Fremde war. Sie hatte zwar auf der Reise von Hadir Wüsten-Emenisch gelernt und konnte durchaus bezahlen, doch das genügte nicht. Schon glaubte sie, den weiten Weg praktisch umsonst gegangen zu sein. Doch als Hadir sich bereiterklärte, für sie zu bürgen, wurde tatsächlich für sie eine Ausnahme gemacht. Sie wurde erst nur akzeptiert und geduldet und hatte noch nicht die Rechte eines vollwertigen Schülers. Doch schnell überzeugte sie auch die Meister der Akademie wie ihre bisherigen Lehrer von ihrem Potenzial. Sie war klug und intelligent, lernte schnell, war diszipliniert und scheute sich nicht vor Arbeit. So wurde sie schon nach ein paar Monaten ganz aufgenommen.
Von nun an hatte sie mit der intensiven Ausbildung von früh bis spät alle Hände voll zu tun, und obwohl es anstrengend war und sie trotz ihrer bisherigen umfassenden Ausbildung nicht an so viel Arbeit gewöhnt war, liebte sie es. Sie war gefordert und beschäftigt. Und selbst als es Momente gab, in denen sie sich schwertat und ihr nicht alles wie sonst zuflog, schaffte sie es, auch diese Hürden zu meistern und noch wichtiger: mit solchen Situationen umzugehen. Sie lernte auch, wie das Leben ohne die Privilegien war, die ihr als Tochter adeliger Eltern in die Wiege gelegt worden waren, und die sie bisher teilweise kaum wahrgenommen hatte. Sie lernte, sich Respekt und Erfolg selbst zu erarbeiten.

Während dieser Zeit lebte sie bei einer alten Frau namens Adiba, deren Mann gestorben war und deren Tochter bereits geheiratet hatte und ausgezogen war. Sie half, sooft es ging, im Haushalt, um irgendetwas von der Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Frau zurückzugeben, die sie - eine Fremde - einfach so kostenlos bei sich aufnahm. Dennoch entwickelte sich zwar eine vertraute, aber keine familiäre Beziehung zwischen der Frau und Ríneth. Vielleicht lag es daran, dass sie auch mit ihren Eltern immer eine eher distanzierte oder zumindest keine lockere und warme Beziehung hatte, vielleicht daran, dass ihr wirklich nahe und vertraute Beziehungen insgesamt schwerfielen. So gewann sie auch keine wirklichen Freunde in der Wüste. Der einzige Freund, den sie zu dieser Zeit hatte, war Hadir, und der blieb nur ein paar Monate mit ihr in Naradesh. Dann begann er im Südwesten umherzureisen. Er schrieb ihr regelmäßig und war mal in Kamîrush, mal in Thasani, mal in Menainon und sogar zu einem Abstecher in der Steppe und in Khirundan. Um zu forschen und zu lernen, wie er sagte. Sie fühlte sich zwar etwas einsam, versuchte dieses Gefühl aber in Arbeit und Lernen zu ersticken.

Währenddessen schritt ihre Ausbildung rasch voran. Sie lernte viel zur Anatomie des Menschen und zu verschiedenen Ideen von Energieflüssen. Sie lernte die Symptome, Behandlung und Heilmittel vieler Krankheiten, ebenso wie ihren Ursprung, zumindest was als Ursprung vermutet wurde. Sie lernte Wunden richtig zu behandeln, sie zu säubern, desinfizieren und zu verbinden. Sie lernte, wann welche Art von Verband anzulegen war. Sie lernte wann ein Knochen gebrochen, und wann verstaucht war und wie damit umzugehen war. Sie lernte, Gelenke wieder einzurenken. Sie lernte um die Wichtigkeit der Hygiene und wie sie ihr Gerät säuberte und desinfizierte.
Um ein paar Bücher zu verstehen, eignete sie sich sogar etwas Menondiwe an und schon früh durfte sie auch im Krankenhaus ausgebildeten Heilern helfen und sammelte Erfahrung.
Nachdem sie so viele Verletzungen und so viel Blut sah, fiel ihr auf, wie ähnlich sich Wasser und Blut waren. Ja, eigentlich war Blut fast nur Wasser. Und wenn sie über Wasser gebieten konnte, funktionierte das dann auch bei Blut? Erst waren diese Fragen und Vermutungen nichts als flüchtige Gedanken. Doch ihre Neugier ließ sie sie nicht loslassen. Sie verwendete bereits Wassermagie beim Heilen, um Wasser zu säubern, es zu vermehren, zum Reinigen von Wunden, Verbandsmaterial und Werkzeug. Aber konnte sie noch weiter gehen? Konnte sie Wassermagie direkt zum Heilen benutzen und nicht so indirekt wie bisher?
Schließlich begann sie mit Wasser, das zum Reinigen einer Wunde verwendet worden war, und in dem somit viel Blut war, Zauber zu üben. Es funktionierte. Dann versuchte sie es mit unverdünntem Blut eines Patienten, bei dem die Adern gelassen worden waren. Obwohl es schwerer war als bei reinem Wasser und mehr Konzentration erforderte, gelangen die Zauber. Sie wusste also, dass Blut sich ähnlich verhielt wie Wasser und sie es durch Zauber kontrollieren konnte. Doch wie war das mit Blut im menschlichen Körper? Es durchströmte ihn, die ganze Zeit, wie ein langer Fluss. Das hatte sie gelernt. Konnte sie also diesen Fluss durch Zauber beeinflussen? Wie auch alle bisherigen Experimente, hielt sie ihre Versuche, durch die sie diesen Fragen auf den Grund kommen wollte, vollkommen geheim.
An einem bewusstlosen Patienten, der seit einer Kopfverletzung nicht mehr bei Bewusstsein war, versuchte sie den Zauber, mit dem Sie Wasser lenken und bewegen konnte. Erst schlug der Zauber fehl und es tat sich nichts. Dann versuchte sie es erneut und konzentrierte sich auf die Hand des Patienten, auf das Blut, das den Arm und jeden Finger durchfloss. Sie konzentrierte sich immer stärker und versuchte mit aller Kraft, das Blut und damit den Arm zu bewegen. Und tatsächlich: Als ihr schon Schweißperlen auf der Stirn standen, rutschte die Hand ein kleines Stückchen zur Seite. Doch nur diese kleine Bewegung hatte sie völlig entkräftet: sie zitterte und schwitzte. Am nächsten Morgen erst wachte sie immer noch völlig erschöpft, mit Kopfschmerzen und keiner Erinnerung ab dem Experiment neben dem Patienten auf. Zu ihrem Glück vor allen anderen.
Obwohl dieses Experiment kein richtiger Misserfolg war, versuchte sie es nicht erneut. Sie wusste nicht, was es ihr bringen sollte, dass sie den Körper, oder zumindest einen kleinen Teil von ihm, um ein paar Zentimeter bewegen konnte, vor allem wenn es sie so erschöpfte. Außerdem war die Bewegung, die sie erzwingen konnte (allerdings nur ohne Gegenwehr) völlig unpräzise.
Sie war danach etwas entmutigt und hatte ohnehin auch kaum Zeit für weitere Experimente, obwohl sie irgendwie noch andere Zauber am lebendigen Körper versuchen wollte.

Denn seit einiger Zeit fühlte sie sich immer unwohler und einsamer in Naradesh und so fremd, wie sie sich lange nicht mehr gefühlt hatte. Grund dafür waren die Worte einer Wahrsagerin, die Ríneth behandelt hatte. Die Wahrsagerin würde ihr, wie sie sagte, als Dank für die Heilung ihr Schicksal verraten und obwohl Ríneth sich nicht sicher war, ob die Frau glaubwürdig war, war sie doch zu neugierig, um abzulehnen. Die Frau sagte dann, dann sie weit von dort entfernt war, wo ihr Schicksal lag und dass sie schon lange davor geflohen sei. Sie solle gehen und sich ihm stellen. Doch als Ríneth fragte, wo denn ihr Schicksal läge, lächelte die Wahrsagerin nur und sagte, ihr Herz würde sie führen.
Sie versuchte die Worte der Wahrsagerin abzutun, war sie doch eigentlich nicht abergläubisch. Aber tief im Inneren war sie immer davon überzeugt gewesen, dass es ihre Bestimmung war, Heilerin zu sein. Dass ihr Schicksal in Naradesh an der Akademie lag und danach wer weiß wo bei anderen, weiseren Meistern. Sie wusste, dass sie talentiert war und fühlte sich, als sei das, was sie lernte auch das, was sie bestimmt war zu tun. Doch nun begannen sie Zweifel zu plagen. Sie hatte hier zwar oberflächliche, aber keine wirklich vertrauten Freundschaften. Sie war, obwohl sie schon seit ein paar Jahren in Naradesh war, immer noch eine Fremde und würde es auch immer bleiben. Es kamen auch Gedanken an ihr altes Leben in den Nordreichen hoch, die sie bisher gründlich unterdrückt hatte. Sie fragte sich, wie es ihren Eltern wohl ging, oder Ilya. Was wohl mit der Verlobung war. Ob ihre Eltern stark unter der Schande gelitten hatten, dass ihre Tochter kurz vor ihrer Hochzeit geflohen war. Warum niemand sie gefunden hatte, wo sie sich doch sicher war, dass ihre Eltern nach ihr suchen lassen würden. Hieß das, dass Ilya nicht verdächtigt wurde? Oder dass sie zumindest nichts verraten und vom Verdacht abgelenkt hatte?

So war ihr Hadirs nächster Brief, in dem er berichtete, wieder in der Wüste zu sein, mehr als nur willkommen. Doch der Brief enthielt eigentlich keine guten Botschaften. Hadir erzählte von einer geheimnisvollen Seuche, die in Avrabêth ausgebrochen sei und dass er dort war, um zu helfen wo es ihm möglich war. Er schrieb, dass niemand wusste, wie die Seuche zu behandeln war und dass er nicht wusste, ob er sie jemals wiedersehen würde, denn er würde die Menschen, die ihn bräuchten nicht verlassen.
Kurzentschlossen schloss sie sich einer kleinen Gruppe freiwilliger Heiler an, die nach Avrabêth gingen, um ihr Möglichstes zu tun. Auf der Reise jedoch erfuhr sie, dass keiner der anderen Heiler besonders zuversichtlich war und sie vor allem gingen, weil sie es als ihre Pflicht als Heiler ansahen, den Menschen zu helfen. Sie empfand diese Pflicht auch, doch da ihre Ausbildung noch nicht vollständig abgeschlossen war, wäre dies normalerweise nicht genug gewesen. Aber Hadir war in Naradesh und sie sehnte sich danach, einen Vertrauten um sich zu haben. Außerdem hoffte sie so, dem unwohlen Gefühl zu entkommen, das sie die letzten Wochen geplagt hatte.

Als sie in Avrabêth ankam, knapp bevor die Ausgangssperre verhängt wurde, und Hadir fand, war dieser erst außer sich. Sie hätte nicht herkommen sollen, meinte er, das sei viel zu gefährlich und sie habe ihr ganzes Leben noch vor sich. Doch stur beharrte sie zu bleiben, bis es sowieso zu spät war und niemand die Stadt mehr verlassen durfte. Zusammen mit Hadir behandelte sie die Erkrankten so gut es ging und achtete dabei so gut es ging darauf, sich nicht anzustecken. Doch dann begann Hadir unter Durst zu leiden und wurde immer schwächer, dann bekam er Fieber und als Ríneth bei ihm den Ausschlag erkannte, den sie bei ihren Patienten so oft gesehen hatte, war es nicht mehr zu leugnen. Hadir hatte sich angesteckt.
Nun kümmerte sie sich auch um Hadir und das Gefühl der Einsamkeit, das zuletzt gewichen war, kam zurück. Er war immer seltener ansprechbar und oft saß sie neben ihm, seinen Körper nach allen Kräften kühlend und lauschte dem Gemurmel seines Fieberwahns. So merkte sie kaum, dass auch sie immer durstiger und erschöpfter wurde, und wie ihre Temperatur langsam stieg.
Eines Abends, als sie Hadirs Stirn, auf der sich das schuppenartige Mal der Seuche abbildete, mit einem feuchten Tuch kühlte, schlug er unerwartet die Augen auf. Obwohl er auch sonst manchmal erwachte, war er selbst in diesen Momenten kaum bei Bewusstsein, schwach und noch immer von den Gestalten seiner Fieberträume geplagt. Doch nun war sein Blick klar und er erkannte sie, sagte sogar ihren Namen. Aufgeregt antwortete sie ihm und fragte, ob es ihm besser ginge. Doch er sagte, dass er einen Traum gehabt habe, einer, der klarer war als die übrigen Fieberträume und ungewöhnlich real. Er habe ihre Eltern gesehen, von Flammen umgeben. Sie müsse zurückkehren in die Nordreiche zu ihrer Familie. Sie hingegen sagte, dass das sicher nur ein Traum war und dass sie nirgends hingehen konnte oder wollte. Er solle sich ausruhen.
Doch eindringlich wiederholte er, dass sie zu ihren Eltern gehen müsse, dass irgendetwas passiert sei.
„Wenn du gesund bist, werden wir zusammen zurückgehen“, gab sie schließlich nach, doch Hadir schüttelte den Kopf. „Ich werde nicht mehr gesund und die Freundschaft Eures Vaters habe ich vertan.“, sagte er nur.
Ihr kamen die Tränen. „Es ist alles meine Schuld, warum hast du mich nur begleitet? Du wärest jetzt nicht hier, wenn du mich allein hättest gehen lassen!“, schluchzte sie, doch er griff ruhig und beschwichtigend nach ihrer Hand. „Meine Dame“, sagte er, „Ríneth, es war meine Entscheidung und ich würde mich auch erneut so entscheiden. Es hätte Euch zerstört, wenn Ihr nicht gegangen wärt. Das hätte ich nicht zulassen können. Ich bereue nichts. Denn so sterbe ich hier, an Eurer Seite.“
Sie wagte es nicht zu sprechen, und als er ein letztes Mal den Mund öffnete, hauchte er nur: „Ich liebe Euch“.

Kurz nach Hadirs Tod wurde das Heilmittel gefunden, das Ríneth davor bewahrte, wie so viele an der Seuche zu sterben. Denn obwohl die Seuche bei ihr noch in den frühesten Stadien war, war ihr Zustand deutlich geworden. Hadirs Tod hatte sie tief getroffen, und fast noch mehr seine letzten Worte, die sie noch immer nicht vollständig verstand. Sie hätte seine Gefühle nicht erwidern können – hatte er es ihr deshalb erst im Sterben gesagt? Sie fühlte sich taub und leer und einsamer denn je, als sie nach Naradesh zurückkehrte, da Avrabêth sie nur noch an Leid und Verlust erinnerte.
Doch ihr blieb kaum Zeit, denn in Naradesh wurde sie schon erwartet. Baraj, der zum Zeitpunkt ihrer Flucht noch ein Küchenbursche im Haus ihrer Eltern gewesen war, kam aus den Nordreichen und hatte sie in Naradesh gefunden, um ihr eine schreckliche Nachricht zu überbringen: Ihre Eltern waren tot. Als sie genauer nachfragte, erzählte er ihr seine Geschichte:

Obwohl sie sich wenig an ihn erinnerte, konnte er sich sehr gut an sie erinnern, wie er sie für ihre Schönheit und ihren respektvollen Umgang sogar mit Untergebenen bewundert hatte, und wie das Haus nach ihrer Flucht in heller Aufregung war und jahrelang nach ihr gesucht wurde, doch darin erfolglos blieb. Wie ihre Eltern immer weniger Hoffnung hatten, sie zu finden und oft so taten, als habe es sie nie gegeben. Nur ihr Onkel und ihr Verlobter Amanian mit seiner Familie drängten weiterhin, sie zu finden.
Dann, vor etwa einem halben Jahr, gab es immer mehr Streitereien mit dem Rest der Familie Alyarîdh, was Ríneths Mutter dazu veranlasste, wieder eine vertrautere Beziehung ihrem Bruder, dem Grafen an Alagos, zu unterhalten. Eines Abends, als ihre Eltern, Gaovar und Elyedue, den Grafen an Alagos und seine Familie in seiner Burg besuchten und mit ihm speisten, fielen Baraj verdächtige Gestalten auf, die seines Wissens nicht zum Gefolge des Grafen gehörten. Kurz darauf brach um Speisesaal Feuer aus, das sich rasch verbreitete. Doch als Baraj mit den anderen Bediensteten vor dem Feuer fliehen oder sich die Lage ansehen und das Feuer löschen wollten, wurden sie von eben diesen verdächtigen, vermummten Gestalten niedergemetzelt. Allein Baraj gelang es, sich zu verstecken. Er sah, wie die Gestalten die Leichen der Bediensteten verbrannten und das Feuer davon abhielten, sich weiter auszubreiten. Dann verschwanden sie und Baraj stolperte, als er sich einigermaßen sicher fühlte in Richtung der Flammen, die aus den Fenstern und dem einbrechenden Dach loderten. Niemand dort drin konnte überlebt haben. So beschloss er unterzutauchen, am besten weit weg. Doch im Stall traf er auf einen weiteren Überlebenden: eine junge, verschreckte Küchenmagd, die in ihrem Versteck den Brandstiftern – das die Gestalten das waren bezweifelte Baraj nämlich nicht – entkommen war. Zusammen flohen sie und wurden zufällig von Ilya Meranvell gefunden, die bereits von dem Feuer gehört hatte.
Ilya riet Baraj, nach Ríneth zu suchen und sie zu beschützen und verriet ihm, dass sie wahrscheinlich in der Wüste zu finden sei. Und als sie von seinen Beobachtungen hörte, beschloss sie, nachzuforschen. Sie entlockte der jungen Magd sogar eine weitere verdächtige Information: dass sie gesehen hatte wie einer der Köche etwas zerkleinerte und in die Suppe mischte, das sie noch nie gesehen hatte. Sie meinte, dass es eine Art Kraut mit dünnen Stängeln und vielen kleinen spitzen Blättchen war.
Mit all diesen Informationen machte sich Baraj so schnell es ging auf in die Wüste und war nur ein paar Tage vor Ríneth in Naradesh eingetroffen.

Was sie hörte lies Ríneth sofort an den Traum denken, den Hadir kurz vor seinem Tod hatte und erneut fühlte sie sich schuldig. Er hatte also Recht gehabt, der Traum war zwar keine Prophezeiung, sondern ein Bild der Vergangenheit gewesen, aber er hatte die Wahrheit gezeigt. Und dann waren da die Worte der Wahrsagerin, ihr Schicksal betreffend, und wie Hadir darauf beharrt hatte, dass sie zurückkehrte. Sie konnte ihre Augen vor all dem nicht verschließen. Ihre Eltern, nein, die gesamte Familie an Alagos wurde allem Anschein nach ermordet. Es musste so sein. Ihr Schicksal lag in den Nordreichen.
Baraj war von der Idee, sofort zurück in die Nordreiche zu reisen nicht sehr angetan. „Warum?“, fragte er „Ihr seid doch hier in Sicherheit. Man hat euch hier bisher nicht gefunden, warum also weggehen? Sie haben Eure Eltern umgebracht, glaubt ihr, dass sie vor Euch halt machen?“
Doch er konnte sie nicht umstimmen. Sie wollte herausfinden, was mit ihren Eltern geschehen war, ob es sich tatsächlich um Mord handelte und wenn ja, wer dahintersteckte. Sie hatte länger als fünf Jahre lang ihre Pflichten als Tochter ignoriert, war sie ihren Eltern dann nicht mindestens das schuldig?

Diesmal war die Reise quer über den Kontinent kürzer, denn Ríneth hatte es eilig. Baraj, der sich ihrer Entscheidung schließlich gebeugt hatte, begleitete sie und gerade als Ríneth 35 Jahre alt geworden war (äußerlich 23), kamen sie im Fürstentum Nejun in Mérindar an. In Aymân traf sie sich mit Ilya Meranvell. Nachdem sie die alte Freundin gegrüßt und sich kurz von der Reise erholt hatte, wollte sie mehr über den Tod ihrer Eltern erfahren, doch Ilya hatte fast nichts herausgefunden, vor allem weil der nun schon fast ein Jahr zurückliegende Vorfall offiziell als Unfall galt.
Die Grafschaft wurde nun zwar vom Fürsten verwaltet, gehörte aber immer noch der Familie an Alagos. Dem „Unglück“ waren nämlich zwei Familienmitglieder entkommen und beide galten seit ein paar Jahren als verschollen. Eines davon war Ríneth und das andere Súrelyon an Alagos, Ríneths Großvater. Sie erinnerte sich dunkel an den Elfen, der ein begnadeter Nebelmagier war und somit Wasser- und Luftmagie beherrschte, aber sie konnte sich nicht daran erinnern, dass er verschwunden wäre.
„Du warst lange weg“, sagte Ilya nur sanft „er ist vor ein paar Jahren auf einer Forschungsreise verschwunden. Niemand weiß wo er hin ist. Wie du. Und wie bei dir bin ich mir nicht sicher, ob das nicht beabsichtigt war.“
Und noch etwas hatte ihre alte Lehrerin ihr zu erzählen: Da Súrelyon an Alagos seinen Titel bereits an seinen Sohn abgetreten hatte, war sie nun die Erbin der Grafschaft und wer immer sie heiraten würde würde Graf werden. Weshalb Amanian Neadún nun intensiver den je nach ihr auf der Suche war. Genauso wie ihr Onkel. Der würde nämlich aus so einer engen Beziehung zu einem Grafen große Vorteile ziehen. Ríneth wusste, dass er sie, sollte er sie finden, durchaus zur Hochzeit zwingen würde, zumindest traute sie es ihm zu. Andererseits war sie nun von beachtlich höherem Stand als er. Konnte er ihr überhaupt etwas an? Wie auch immer, eines hatte sich bedauerlicherweise seit ihrer Flucht nicht geändert: Die Verlobung.
Wenn sie jetzt gefunden wurde, würde all das geschehen, das sie nie gewollt hatte. Sie müsste das Leben leben, vor dem sie geflohen war. Und dann waren da noch die Mörder ihrer Eltern die vielleicht auch ihr auflauerten. Jetzt, da sie da war, erschien ihr die Idee, herzukommen nicht mehr so klug. Sie würde in Nejun, vielleicht sogar ganz Mérindar, nicht lange bleiben dürfen, so direkt unter der Nase aller, die sie suchten.
Sie plante wieder unterzutauchen, irgendwo etwas weiter weg am besten, aber nicht zu weit. Denn es gab noch viele Fragen, die es zu beantworten galt. So packte sie, kaum einen Monat seit sie angekommen war wieder ihre Sachen. Doch eines wollte sie in den ersten Schritten ihrer erneuten Flucht noch tun: Das Haus ihrer Eltern besuchen.

Sie verabschiedete sich von Ilya und versprach, sie irgendwann einmal wiederzusehen und machte sich mit Baraj, der sie ein Stück begleiten wollte, auf nach Cadron zum Stadthaus ihrer Eltern. Dieses war natürlich bewacht, wenn auch nicht besonders stark, und so schlichen sie sich nachts durch das Fenster, bei dem sie sich an einen losen Verschluss erinnerte, ins Haus. Innen sah es fast noch genauso aus, wie in Ríneths Erinnerung, doch Kälte, Staub und eine tiefsitzende Stille sorgten für ein gespenstisches Gefühl der Unbewohntheit. Vorsichtiger, als vielleicht nötig war, durchlief Ríneth von Baraj gefolgt das Haus. Im Studierzimmer ihrer Eltern hielt sie inne. Der Raum war nicht chaotisch, aber auch nicht aufgeräumt und die Papiere und Bücher auf dem Schreibtisch ließen ihn wirken, als hätte ihr Vater oder ihre Mutter ihn gerade erst verlassen. Sie riss sich los und zog die Schubladen heraus, bis sie das Versteck fand, in dem ihr Vater immer ein paar Münzen aufbewahrte. Sie steckte alle ein, die da waren. Dann fiel noch etwas ins Auge: Das Amulett ihrer Mutter, das diese bei schwereren Zaubern zur Hilfe genommen hatte. Als sie es einstecken wollte, fiel es zu Boden. Sie wollte es schon aufheben, doch Baraj hatte der Ton so erschreckt, dass er rückwärts gegen einen niedrigen Tisch stieß und mitsamt dem Tisch umfiel. Erst folgte auf das Rumpeln nur Stille, dann waren Rufe zu hören.
Sie griff nach dem Amulett und zusammen rannten sie zurück zum Fenster. Gerade so schafften sie es heraus und wähnten sich schon in Sicherheit, als Rufe kamen, die Gegend nach Dieben zu durchsuchen. „Lauf!“, rief Baraj und das ließ sie sich nicht zweimal sagen. Sie rannte Los ins Labyrinth der Gassen. Erst als sie in der Ferne „Da ist er! Haltet den Dieb!“ hörte, bemerkte sie, dass Baraj nicht bei ihr war. Sie wollte umdrehen, doch sie wusste, dass das nichts bringen würde. Außerdem hatte sie Angst. Ein Teil in ihr wusste, dass er nicht einfach verloren gegangen war.
Sie drehte sich um und rannte, bis sie nicht mehr konnte und Cadron verlassen hatte.

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