Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Lebensfeindliches Land unter glühender Sonne am Tage und dem eisigen Mondlicht in der Nacht...
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Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Nebelgeist » Sa, 06. Feb 2016 19:41

Das Erwachen ist schon eine seltsame Angelegenheit. Es beginnt in jener seltsamen Phase irgendwo zwischen Wachzustand und Schlaf. Während der Körper noch schläft, beginnt sich der Geist langsam aber sicher der Tatsache bewusst zu werden das er sich im Vorgang des Erwachens befindet. Langsam beginnt die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit zu verschwimmen. Es ist an jedem Morgen unterschiedlich an welchem Punkt einem die endgültige Gewissheit ins Bewusstsein sickert das man nicht mehr schläft und das all jenes, was man um sich herum zu fühlen glaubt tatsächlich da und kein Nachhall eines halbvergessenen Traumes ist. Als nächstes beginnt Schritt für Schritt das Gefühl in die Gliedmaßen zurückzukehren. Manchmal begleitet von dem unangenehmen Gefühl den eigenen Körper zwar fühlen aber nicht bewegen zu können, ist es doch ein vollkommen natürlicher Vorgang. In nahezu jeder anderen Situation würde dieses Gefühl Furcht auslösen, doch während des Erwachens ist es so normal wie das Atmen. Etwas über das man nicht nachdenkt und wenn doch, dann nur zufällig. Es ist flüchtig, zumeist aus dem bewussten Gedächtnis verschwunden sobald man die Augen öffnet. Denn sind die Augen erst einmal geöffnet ist es schwer, bis zumeist sogar unmöglich, sich zurück in jene angenehme Zwischenwelt zu flüchten und der Traum, den man vielleicht bis vor wenigen Herzschlägen noch so detailreich im Gedächtnis hatte das man sich sicher war ihn nie vergessen zu können, ist so endgültig fort als hätte es ihn nie gegeben.
Dies ist die sanfte Art des Erwachens, natürlich gibt es auch andere… Jeder wird wissen wie es sich anfühlt mit einem gewaltsamen Ruck zu Bewusstsein zu kommen, wenn man etwa den kalten Stahl einer Klinge an der Kehle fühlt, ein alarmierend lautes Geräusch hört, durch eine Berührung aus der eigenen Traumwelt gerissen wird, oder einfach unangenehm schnell aus einem Albtraum in den Wachzustand überwechselt.

Doch darum soll es jetzt nicht gehen, schließlich ist es die erste Art des Erwachens die Nebelgeist soeben durchlebte. Er hatte tief und nahezu traumlos geschlafen. So war das, aus dem sein Geist sich nun ganz allmählich befreite, nicht viel mehr als ein warmes schwarzes Nichts. Es hatte ihn, einer schützenden dunklen Decke gleich, umfangen und ihm die Erholung gespendet, die er benötigt hatte. Die Glieder noch schwer und steif von der wohligen Wärme des Schlafes, begann der junge Kentaur sich langsam wieder seiner Umgebung bewusst zu werden. Um ihn herum war es warm und stickig. Ein Geruch nach abgestandener und verbrauchter Luft erreichte ihn und er rümpfte die Nase. Als nächstes fühlte er etwas warmes, atmendes das sich schwer gegen ihn lehnte. Noch immer benebelt von den Nachwirkungen des Schlafes ignorierte er die offensichtlichen Anzeichen, wie Größe und Gewicht, und streckte, in dem Gedanken es handele sich um Fiari, vorsichtig eine Hand aus um ihr das Kopffell zu kraulen. Mit dem anderen Arm stemmte er seinen Oberkörper in eine aufrechte Position hoch. Als er sich zurücklehnte stieß er mit dem Oberkörper gegen eine kühle unnachgiebige Fläche. Das brachte, zusammen mit der Erkenntnis das seine Hand auf einem Kopf lag der wesentlich größer war als Fiaris, Klarheit in seinen Geist. Plötzlich war Nebelgeist hellwach. Er warf einen kurzen Blick auf die junge Menschin, die noch immer selig schlief. Mit ihrem Anblick kehrten Stück für Stück auch die Erinnerungen an die Ereignisse des vergangenen Abends zurück. Die Wanderung durch die vormittägliche Hitze, die Frustration, das kurze Intemezzo mit dem Stein und zuletzt der Sturm. Wie auf Kommando begann nun auch sein rechter Arm schmerzhaft zu pochen.

Ganz langsam, um sie nicht zu wecken, nahm er die Hand von Caiwens Kopf und horchte. Abgesehen von den regelmäßigen tiefen Atemzügen seiner Gefährtin war es still. Der Sturm musste wohl vorüber sein. Aber im Zelt war es so dunkel das er nicht abschätzen konnte welche Tageszeit draußen vorherrschte, auch fehlte ihm jedes Zeitgefühl. Er fühlte sich gut ausgeruht, konnte aber nicht abschätzen wie lange er geschlafen hatte. Dazu kam der Sand. Es fühlte sich so an als wäre jeder Quadratzentimeter seines Körpers mit Sand bedeckt. Sein Fell kribbelte und die Kopfhaut juckte. Allein der Gedanke daran, wie viel Zeit es ihn kosten würde die kleinen gelbbraunem Körnchen wieder daraus zu entfernen, macht es ihm schwer die aufkommende Frustration zu unterdrücken.
Vorsichtig begann er seinen schmerzenden Arm zu bewegen. Er prüfte ob es sich lediglich um Muskelkater oder doch etwas Anderes handelte, das ihn möglicherweise einschränken konnte. Doch abgesehen von dem Brennen jedes einzelnen Muskels in diesem Arm und dem daraus resultierenden Gefühl, den Arm zum ersten Mal in seinem ganzen Leben wirklich genutzt zu haben, war nichts festzustellen. Er atmete erleichtert aus, dann sprach er die schlafende Caiwen leise an: „Caiwen?“ Als sie darauf nicht reagierte, versucht er es erneut mit etwas lauterer Stimme. Schließlich berührte er sie leicht mit der Hand am Oberarm und als auch das nichts half rüttelte er sie sanft an der Schulter und richtete ein weiteres Mal das Wort an sie: „Caiwen wach auf, der Sturm ist vorüber.
Sie schlug die Augen auf und er zog seine Hand zurück ohne jedoch den Blick von ihr zu wenden. Ihr schläfriger Blick glitt durch den provisorischen Unterstand und blieb schließlich an ihm hängen. Ein schwaches Lächeln zuckte um seine Mundwinkel als er fragte: „Gut geschlafen? Der Sturm ist vorbei und wenn du mich aufstehen lässt, könnten wir uns mal umsehen. Ich weiß ja nicht wie es dir geht, aber ich habe Hunger…

Eine gefühlte Ewigkeit später, nachdem sie den Unterstand gemeinsam abgebaut, in seine Einzelteile zerlegt, diese von Sand befreit und wieder an ihren angestammten Plätzen verstaut hatten, wurde dem jungen Kentauren erst richtig bewusst, das er nicht mehr wusste wo sie sich befanden. Um ihn herum erstreckte sich von Horizont zu Horizont nur eine wellige gelblich braune Ebene aus Sand. Darüber spannte sich ein azurblauer Himmel ohne das kleinste Anzeichen einer Wolke. Weit und breit gab es nichts außer dem Felsen hinter ihnen und der sengenden Sonne über ihren Köpfen. Anhand des Sonnenstandes ließ sich erahnen, das seit dem Mittag bereits einige Stunden vergangen sein mussten, doch es war noch immer quälend heiß. Also suchte er Schutz im Schatten des Monolithen.
Gedankenverloren fuhr er sich mit dem Kamm durchs Haar und schüttelte es immer wieder aus um den lästigen daraus zu entfernen. Sein Fell von den lästigen Körnchen zu reinigen versuchte erst gar nicht. Dazu bräuchte es wohl ein Bad in einem Fluss oder vergleichbares.
Cala an Darh… Das Meer ohne Wasser, ein sehr passender Name… Wenngleich ein wenig poetisch. Ich denke ein einfaches „Wüste“ war dem Namensgeber dieses Ortes wohl zu langweilig. Aber er beschreibt leider nicht im Ansatz was es bedeutet sich an diesem Ort zu befinden. Nichts von einem Boden, der so heiß ist das man Angst haben muss sich die Hufe daran zu verbrennen, oder von einer Sonne die unerbittlich vom Himmel herunter brennt… Selbst die Luft ist so heiß das mit der Horizont vor Augen verschwimmt und jeder Atemzug in der Kehle beißt. Warum also nicht „Flimmerwüste“ oder „Brandweite“., dachte er sarkastisch. Jetzt ergaben auch Geschichten seiner Mutter endlich einen Sinn. Nie hatte er verstanden warum die Bewohner dieses Gebietes von Kopf bis Fuß in Tücher gehüllt umherlaufen sollten.
Caiwens Stimme unterbrach seine wirren Gedanken. „… Und denke wir sollten uns sehr genau überlegen wo wir hin wollen. Was meinst du?“ Sie sah ihn fragend an. Einmal mehr ließ er den Blick schweifen bevor er antwortete. „Ich muss gestehen das ich nicht weiß wo wir sind. Ich habe zwar eine ungefähre Ahnung, aber ich denke nicht das wir uns darauf verlassen sollten.“ Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: „Es gibt trotzdem einige Dinge die ich sicher weiß. Der Ort an den ich gelangen muss liegt südwestlich der Lamasgar-Berge. Da wir die Steppengebiete ganz eindeutig verlassen haben“, sagte er mit einem bezeichnenden Blick auf die Sandwüste ringsherum: „und ich in den letzten Tagen nichts gesehen habe das auch nur entfernt an den Gebirgszug erinnert, der mir als Landmarke für den Weg in die Wüste genannt wurde, müssen wir uns viel weiter nördlich befinden als ich dachte. Damit würde ich vorschlagen das wir uns nach Westen wenden. Aber das wird uns zweifelsfrei tiefer in die Wüste hinein führen und ich weiß nicht ob das klug wäre.“ Mit gerunzelter Stirn wandte er sich wieder seiner Reisebegleitung zu.
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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Caiwen » Sa, 12. Mär 2016 15:34

Irgendwo zwischen Schlaf und Erwachen spürte Caiwen die sanfte Berührung auf ihrem Kopf. Normalerweise hätte sie das wecken müssen, schließlich war es recht ungewöhnlich, dass jemand ihr den Kopf kraulte. Und selbst im Schlaf müsste sie in Alarmbereitschaft sein, um bei Gefahr schnell reagieren zu können. Doch die Ereignisse des vergangenen Tages hatten an ihren Kräften gezehrt und nachdem ihr Körper sein ganzes Adrenalin bei der Flucht vor dem Sandsturm verbraucht hatte, war sie, sobald sie nicht mehr unmittelbar gefährdet gewesen war, in einen Zustand der Erschöpfung verfallen. Außerdem war das sachte Streicheln nicht unangenehm und so hielt Caiwen die Augen geschlossen und blieb in ihrem Dämmerzustand, der keine vernünftigen Gedanken zuließ. Doch allzu lange wurde ihr dieses friedliche Schlummern nicht gegönnt, denn schon bald spürte sie, wie sich etwas neben ihr bewegte. Sie war noch nicht fähig, sich zu bewegen, doch in ihren Geist kam langsam wieder Leben. Sie registrierte, dass der warme Körper, an den sie lehnte, zu Nebel gehörte. Sein weiches Fell strich an ihrer Wange entlang. Sie hörte, wie er ihren Namen sagte, doch noch immer war sie nicht in der Lage, die Augen zu öffnen. Schlafen war so viel schöner, so ruhig und sorglos... Schließlich holte sie ein sanftes Schütteln aus ihrer Trance und sie öffnete verschlafen die Augen. Blinzelnd versuchte sie sich an das plötzliche Licht zu gewöhnen und ließ dabei den Blick durch den Raum schweifen, ohne irgendetwas wirklich zu fokussieren. Schließlich sah sie Nebels Gesicht nicht allzu weit entfernt von ihrem eigenen. Er lächelte. "Unter den Umständen ganz gut. Und du?" Sie gähnte und streckte sich, so gut es eben in diesem engen Unterstand möglich war, um die Müdigkeit zu vertreiben. " Ohh, Entschuldigung. Warte ich stehe sofort auf." Sie erhob sich und der Schmerz, der beim ersten Auftreten durch ihr Bein fuhr, erinnerte sie an ihren Sturz. Die Sonne schien auf sie herab, als sie aus dem Unterstand krabbelte und sich schließlich ganz aufrichten konnte. Nach ein paar Schritten, um ihre - vom Schlafen in einer sehr verdrehten Position - schmerzenden Glieder zu strecken, tat es zwar immer noch weh, aber es war auszuhalten. Um sich die Verletzung genauer anzusehen, krempelte sie ihr Hosenbein hoch. Das Knie leuchtete in Blau- und Violetttönen und war leicht angeschwollen, es sah aber nicht so aus, als wäre es schlimm lädiert. Das beruhigte Caiwen. Jetzt, wo sie ganz bei Bewusstsein war, machten auch ihre menschlichen Bedürfnisse wieder auf sich aufmerksam und ihr Magen grummelte laut. Was hatte Nebelgeist noch mal von Hunger gesagt?

Sie hatten den provisorischen Unterstand wieder abgebaut. Caiwens Schwert steckte sicher aufbewahrt in seiner Schneide und Nebel hatte seine Decke und seine lange Waffe wiederbekommen. Jetzt, wo der Sturm vorbei war, mussten sie sich wieder verteidigen können. Sie beschloss, es Nebel gleichzutun und versuchte, den lästigen Sand loszuwerden. Zuerst schüttelte ihre Kleidung aus und leerte dann ihren Rucksack, da sich auch in diesem Sand befand. Dann nahm sie ihre Bürste und kämmte die langen Haare über Kopf aus und hoffte, das unangenehme Jucken loszuwerden. Dabei überlegte sie, was die Beiden als nächstes tun sollten. Sie waren vom Kurs abgekommen und konnten sich nun nicht mehr nach ihrer Karte richten, weil sie nicht wusste wo sie sich befanden. Es wäre wohl am Besten, eine Stadt zu finden, um sich orientieren zu können und vielleicht auch die Vorräte aufzufüllen und sich auf den langen Marsch durch die Wüste vorzubereiten. Was Nebel wohl davon halten würde, eine Stadt zu betreten? Wahrscheinlich nicht sehr viel. Doch wenn er keine andere Lösung hatte... Sie beschloss, ihn einfach zu fragen. "Der Sturm hat unsere Pläne ganz schön durcheinander gebracht und ich denke wir sollten uns sehr genau überlegen, wo wir hin wollen. Was meinst du?" Er wusste auch nicht wo sie waren, aber das war zu erwarten gewesen. Dass sie in etwa in die gleiche Richtung mussten, sah Caiwen als gutes Zeichen. Er wollte nach Westen gehen, wenn sie wirklich weiter nördlich waren, als sie sollten, würden sie dann auf die Lamasgar - Berge treffen. "Ich denke, sürwestlich wäre eine gute Richtung. Und ich glaube, wir sollten eine kleine Stadt oder ein Dorf suchen, um uns orientieren zu können. Was hältst du davon?"
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Nebelgeist » Fr, 15. Apr 2016 12:37

Nebelgeist wartete bis Caiwen nicht mehr zu sehen war, dann erhob er sich vorsichtig. Genauer gesagt versuchte er sich zu erheben, was sich als schwierig herausstellte. Erst stieß er mit dem Kopf hat gegen den Felsen, nur um dann festzustellen, dass er sich in den niedrigen Unterstand nicht vollständig aufrichten konnte ohne ihn zum Einsturz zu bringen und sich letztendlich wieder auf den Boden fallen zu lassen. Also streckte er die Arme nach vorn, hob die Decke an und spähte ins Freie. Da Caiwen beschäftigt schien, rappelte er sich mühsam in eine gebückte Position hoch. Die Beine so weit gespreizt wie es ging, den Oberkörper nach vorn gelegt, stakste er langsam unter der Decke hervor. Dabei kam er sich ziemlich lächerlich vor… Ich bin so unbeholfen wie ein neugeborenes Fohlen. Mutter würde mir da wohl zustimmen, wenn sie mich sehen könnte. Warum muss dieser Unterstand auch so niedrig sein, fluchte er stumm vor sich hin. Sobald er den provisorischen Unterstand verlassen hatte, versicherte er sich mit einem schnellen Blick auf seine Reisegefährtin, dass sie nicht Zeuge dieser peinlichen Darbietung geworden war. Zu seiner großen Erleichterung stand sie ein paar Schritte entfernt und war offensichtlich mit sich selbst beschäftigt.
Beruhigt gestattete er sich ein paar ausgiebige Dehn-und Streckübungen. Dabei machten sich die Schmerzen in seinem rechten Arm erst richtig bemerkbar. Als eine ausgiebige Musterung kein Ergebnis brachte, betastete er ihn vorsichtig. Da er weder gebrochene Knochen, noch irgendwelche anderen Anzeichen gefährlicher Verletzungen ausmachen konnte, war es wohl doch nur eine Zerrung oder ein einfacher Muskelkater. Als er den Arm sinken ließ meldete sich sein Magen. Mit einem deutlichen Knurren forderte er die ungeteilte Aufmerksamkeit des jungen Kentauren.
Er schüttelte sich noch einmal ausgiebig, dann ging er steifbeinig zurück zu dem Unterstand, beugte sich hinein und zog seinen Reisebeutel hervor. Ein ausgiebiges Durchwühlen desselben brachte zunächst kein Ergebnis. Es dauerte eine Weile bis er auf das gesuchte stieß, doch dann förderte er vier mehr oder weniger lädiert aussehende Früchte zu Tage. Einen besonders ramponiert aussehenden Apfel schob er sich sofort zwischen die Lippen, die übrigen behielt er in der Hand als er sich nach Caiwen umdrehte. „Möchtest du auch etwas?“, er vollführte eine einladende Geste und lächelte schief: „Sie haben leider etwas unter der Reise gelitten, sind aber noch genießbar. Ich habe leider nur zwei für jeden von uns… Wenn ich ehrlich bin hatte ich nicht damit gerechnet die Wüste so schnell zu erreichen. Andernfalls hätte ich besser vorgesorgt.

Ich denke, südwestlich wäre eine gute Richtung. Und ich glaube, wir sollten eine kleine Stadt oder ein Dorf suchen um uns orientieren zu können. Was hältst du davon?“ Eine kleine Falte erschien über Nebelgeists Nasenwurzel während er nachdachte. „Nun ich möchte dir nicht zu nahe treten Caiwen, aber hast du mal darüber nachgedacht?“, er machte eine bezeichnende Geste, die seinen ganzen Pferdeleib einschloss. Während er weitersprach, begann er leicht mit dem Schweif zu zucken„Ich kann mir nicht im Mindesten vorstellen was du bei unserer ersten Begegnung gedacht hast, aber ich habe mich hauptsächlich darüber gewundert das du weder schreiend vor mir weggelaufen bist, noch versucht hast mich mit deinen Schwert in Scheiben zu schneiden. Beides sind laut meinen Informationen die üblichen Reaktionen auf Angehörige meines Volkes. Man hat mich seit meiner frühesten Kindheit davor gewarnt mich in die Nähe von Menschen zu begeben. Und auch wenn du das Gegenteil zu beweisen scheint, wage ich doch zu bezweifeln das all die Warnungen aus der Luft gegriffen waren. Ich denke nicht, dass ich mich gefahrlos in die Nähe eines solchen Ortes begeben kann, tut mir leid.“ Er hob in einer hilflosen Geste die Schultern und ließ sie wieder fallen. „Wäre es nicht vielleicht sinnvoller uns zunächst eine Wasserquelle zu suchen und uns zu überlegen was wir in den nächsten Tagen essen sollen? Ich meine, natürlich ist es auch wichtig herauszufinden wo wir sind, aber es gibt da noch eine andere Sache die ich vorher gerne klären würde…“ Er hielt inne und wandte sich zu ihr um. „Wo ist eigentlich Fiari? Ich schätze, dass sie die nächste erreichbare Wasser-oder Nahrungsquelle aufgesucht haben wird. Vielleicht wartet sie dort… Wäre nicht das erste Mal.

Nach einer ganzen Weile fiel ihm wieder ein was sie als Erstes gesagt hatte. Nach Südwesten… Im Grunde ist es egal, in irgendeine Richtung müssen wir schließlich gehen. Auch wenn sie mich nicht in die Nähe eines Dorfes oder einer größeren Ansiedlung bekommen wird, wäre es durchaus sinnvoll wenn wir uns einigermaßen orientieren könnten… Von daher, warum nicht? Inzwischen war die Sonne ein gutes Stück weiter gewandert, was darauf hoffen ließ das die Temperatur als erträglicher sein würde. „Trotz allem scheinen wir übereinzustimmen das der Westen, oder von mir aus auch der Südwesten die beste mögliche Marschrichtung ist. Also würde ich sagen, lass uns aufbrechen. Über alles weitere können wir uns auch unterwegs noch unterhalten oder?“ Da sie ihn zustimmte, schwang sich der junge Kentaur seinen Zionbogen über die Schulter, befestigte sein Beutel an dem Köcher und nahm seine Naginata auf. Ein kurzer Blick in den Himmel genügte um sich zu orientieren. So wandte er sich nach Westen, nickte der Menschin aufmunternd zu und setzte sich in Bewegung.
Sie wanderten einige Stunden schweigend nebeneinander her. Ein Umstand den Nebelgeist zunächst begrüßte. Er war es einfach nicht gewohnt so viel zu sprechen, nicht seit seine Schwester verschwunden war. Für eine Weile genoss er die Stille, zumindest bis ihm aufging, dass es nicht eben oft vorkam das seine Reisegefährtin stundenlang schwieg. Nicht das er das Gefühl gehabt hätte sie würde pausenlos auf ihn einreden. Nein, sie schien ihm einfach neugierig zu sein und sich überdies gern zu unterhalten. Beides Umstände die zwar nicht verwerflich waren, doch auf jemanden der aufgewachsen ist wie Nebelgeist, bisweilen etwas befremdlich wirkten. Je länger das Schweigen andauerte, desto mehr verwunderte es den jungen Kentauren. So sehr bis er schließlich den Kopf wandte um nach ihr zu schauen. Da sie seit einiger Zeit zusammen unterwegs waren, hatte er sich inzwischen auf ihre Geschwindigkeit eingestellt und trottete gemächlich voran. Schon lange musste sie nicht mehr laufen um mit ihm Schritt halten zu können… Umso mehr verwundert es ihn nun das er sie nicht sofort entdeckte. Er war eigentlich davon ausgegangen das sie schräg hinter ihm ging, doch dort sah er nur den ewig gleichen gelbbraunen Sand. Verwirrt blieb er stehen und drehte sich halb herum um seine eigene Spur sehen zu können. Dort, ein gutes Stück entfernt, ging Caiwen. Sie schien gar nicht zu bemerken das er stehen geblieben war, sondern setzte stoisch weiter einen Fuß vor den anderen, den Blick stur auf seine Hufabdrücke im Sand gerichtet. Stumm beobachtete er wie sie näher kam. Etwas an der Art wie sie ging gefiel ihm nicht. Sie setzt ihr linkes Bein so vorsichtig auf, als sei sie darauf bedacht bloß keine falsche Bewegung zu machen. Auch ihr steinerner Gesichtsausdruck, der wirkte als koste es sie alle Kraft etwas zu unterdrücken und sich auf das Laufen zu konzentrieren, trug nicht dazu bei seine Zweifel zu zerstreuen. Eine Sorgenfalte erschien auf seiner Stirn. Er stand still wie eine Statue, den Blick fest auf sie gerichtet. Je näher sie kam desto sicherer wurde er sich, dass sie tatsächlich humpelte.
Er wartete bis sie mit ihm auf einer Höhe war, bevor er sie ansprach: „Caiwen? Ist alles in Ordnung? Du siehst aus als hättest du Schmerzen.
Zuletzt geändert von Nebelgeist am Mi, 04. Mai 2016 20:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Caiwen » Mi, 04. Mai 2016 20:28

Es war, als hätte Nebel ihre Gedanken gelesen - oder, was wahrscheinlicher war, ihren Magen knurren gehört. Einen Augenblick später hielt er ihr einen Apfel hin, der seine besten Tage schon hinter sich hatte. Einige braune Flecken zierten die grüne Schale, doch trotzdem lief Caiwen bei diesem Anblick das Wasser im Mund zusammen. "Nebel, du bist ein Schatz." Dankend nahm sie das Obst an und biss in das saftige Fruchtfleisch. Es schmeckte sauer, ganz anders als die süßen Äpfel, die sie aus Merridia gewohnt war, aber war trotzdem nicht weniger köstlich. Den Apfel mit den Zähnen haltend, kramte sie ihn ihrem Rucksack und förderte ihre Bürste zu Tage. Sie schüttelte ihre langen Haare aus und kämmte sie dann ein paar Mal durch, um den lästigen Sand daraus zu entfernen, der unangenehm auf ihrer Kopfhaut juckte. Danach holte sie den Wasserschlauch hervor, goss sich etwas von der Flüssigkeit in die Hände und wusch damit ihr Gesicht, bevor sie einen großen Schluck von dem leicht abgestanden schmeckenden Wasser nahm. Sie schüttelte den Schlauch, um zu erahnen, wie viel Wasser sie noch hatte und blickte besorgt. Wenn sie wenig trank, was bei diesen Temperaturen gefährlich werden konnte, würde sie noch maximal zwei Tage auskommen. Sie mussten unbedingt eine Quelle suchen, wo sie ihren Vorrat wieder auffüllen konnte. Ansonsten würde sie bald nichts mehr zu trinken kann, was in der Wüste schnell zum Tod führen konnte.
Caiwen sah, wie Nebel die Augenbrauen zusammenzog, als sie ihm ihren Vorschlag unterbreitete. Und als er sich seine Worte zurechtgelegt hatte und ihre antwortete, wusste sie auch warum. Sofort schalt sie sich innerlich für ihre Idee. Wie hatte sie das vergessen können? Sie folgte seiner Geste, als er mit der Hand an sich herunter zeigte und nahm seinen Pferdekörper zum ersten Mal seit Tagen wieder richtig wahr. "Es tut mir leid. Ich habe mich in der letzten Zeit so sehr an dich gewöhnt, dass ich da gar nicht mehr drauf geachtet habe. Du bist einfach...normal für mich. Also nicht, dass du sonst nicht normal wärst, das bist du natürlich, aber....Verstehst du, was ich meine?" Sie schloss den Mund, bevor sie weiter nervös plapperte und sich damit immer mehr in eine Sache hineinzureden, aus der sie dann nicht mehr herauskam. Sie holte Luft, bevor sie weitersprach. "Ich war natürlich erschrocken, als ich dich zum ersten mal gesehen habe, aber das kannst du sicherlich verstehen. Außerdem hattest du eine Waffe, also wäre die zweite Idee gar nicht so abwegig, jedenfalls wenn du mich angegriffen hättest. Aber das hast du nicht getan, und als der erste Schock überwunden war, wurde ich neugierig." Sie hielt kurz inne. "Aber ich kann deine Bedenken natürlich verstehen. Es gibt sicher nicht viele Menschen, die sich nicht sofort auf dich stürzen und gefangen nehmen würden, um dich an einen Zirkus zu verkaufen...oder schlimmeres." Das wollte sie sich nicht vorstellen. Sein Vorschlag hingegen erschien ihr weitaus vernünftiger und durchdachter. Und das Fiari fehlte, fiel ihr auf einmal auch auf. "Ja, das klingt gut.", stimmte sie ihm deshalb zu, "Lass uns Fiari suchen."

Was Nebel gesagt hatte, ließ ihren Gedanken keine Ruhe. Was war, wenn sie auf ihrem Weg auf andere Reisende trafen? Würden sie die Beiden angreifen? Caiwen war natürlich auf Nebels Seite und wäre durchaus bereit für ihn zu kämpfen. Doch was, wenn das nicht reichte, wenn sie man sie überwältigen würde? Und könnte sie die Angreifer töten? So in ihre Gedanken versunken, bekam sie erst ein paar Moment später mit, dass Nebel ihrer ursprünglichen Idee, nach Südwesten zu gehen, befürwortete. Sie schaute zu ihm auf. "Gut, das machen wir." Sie schulterte ihren Rucksack und erwiderte sein Nicken. Und dann brachen sie auf.
Eine Weile herrschte Schweigen zwischen ihnen, weil beide eigenen Gedanken nachhingen. Caiwen malte sich immer noch im Kopf Situationen aus, in denen sie auf andere Menschen trafen und was dann passieren würde. Obwohl die Sonne ihren Zenit schon überschritten hatte, was es immer noch sehr heiß. Die junge Frau schwitzte in ihrer viel zu dicken Schicht Kleidung, obwohl sie die Ärmel und Hosenbein bereits hochgekrempelt und die Haare im Nacken zusammengebunden hatte. Sie wollte gar nicht wissen, wie nebel sich mit seinem Fell am Großteil seines Körpers fühlen musste. Nach etwa einer halben Stunde Fußmarsch meldete sich ihr Knie mit einem Pochen, dass sie aber, so gut es ging, ignorierte. Nach zwei Stunden war es zu einem Stechen herangewachsen, dass sich durch ihr ganzes Bein zog, wenn sie den linken Fuß aufsetzte. Caiwen unterdrückte die Schmerzen und versuchte, sich nichts anmerken zu lassen, doch bald stand ihr der Schweiß auf der Stirn, der nicht allein durch die Hitze hervorgerufen wurde, und sie biss die Zähne zusammen. Ihr Kiefer schmerzte durch die dauerhafte Anspannung und ihr Hals war trocken. Sie hielt den Blick starr auf den Boden gerichtet und setzte stur einen Fuß vor den anderen um mit nebel Schritt zu halten. Vor lauter Anstrengung konnte sie sich auf nichts anderes mehr konzentrieren. Aber sie musste weitergehen. Sie würden nicht lange ohne Wasser auskommen, sie musste eine Quelle finden. Sie konnten es sich nicht leisten, dass Caiwen schlappmachte. Irgendwann wurden die Schmerzen so unerträglich, dass ihr Kopf begann sich zu drehen und sie musste kurz innehalten, bis sie Nebels Spuren wieder klar vor sich im Sand sah. Hartnäckig ging sie Schritt um Schritt weiter, wobei sie darauf achtete, dass linke Bein so wenig wie möglich zu belasten, doch jedes Mal wenn sie auftrat, fühlte es sich an als ob ihr Bein in Flammen stünde.Bis sie auf einmal Nebel neben ihr auftauchte. Sie erschrak, als sie ihn sah und hielt an. So sehr auf sich achtend, hatte sie nicht mitbekommen, dass er angehalten hatte. Sie hatte gedacht, er würde irgendwo vor ihr gehen. Was er gesagt hatte, verstand sie nicht sofort, es braute eine Weile, bis ihr Gehirn alles verarbeitete und die Wörter zu sinnvollen Sätzen zusammenfügte. "Ich..." Ihr Hals war trocken und kratzte unangenehm beim Sprechen. Sie räusperte sich und startete einen erneuten Versuch. "Mein Bein...tut weh. Ist nicht schlimm. Vielleicht...eine Pause?" Während sie das sagte, wurde ihr erneut schwindlig und schwarze Punkte begannen vor ihren Augen zu tanzen. Das Letzte was sie sah war Nebels beunruhigter Blick, bevor sie die Augen verdrehte, in den Sand fiel und bewusstlos wurde.

Blinzelnd öffnete sie die Augen und fand sich auf dem sandigen Boden liegend wieder. Ihr Kopf wurde von Nebels Decke gestützt und der junge Kentaur blickte besorgt auf sie herab. Sie setzte sich langsam auf und rieb sich die Schläfen, hinter denen es pochte, doch sie wusste nicht, ob das vom Sturz kam oder von der allgemeinen Situation herrührte. Wie lange war sie wohl weg gewesen? Plötzlich erschien der Frau ihr vorausgegangenes Verhalten als sehr dumm. Sie hätte etwas sagen sollen, als sie Schmerzen hatte, hätte nach einer Pause fragen können. Sicherlich hätte Nebelgeist Verständnis dafür gehabt. Damit wäre ihr dieser "Unfall" erspart geblieben. Gerade wollte sie sich für ihr unvernünftiges Handeln entschuldigen - oder rechtfertigen, sie wusste nicht, in welche Richtung das Gespräch gehen würde, da hielt Nebel ihr ihren Wasserschlauch entgegen. "Danke" sagte sie heiser und trank hastig ein paar Schlucke. Der Kopfschmerz wurde schwächer und ihre Sinne schienen klarer zu werden. "Tut mir leid. Es ist wohl alles ein bisschen zu viel für mich geworden. Ich hätte etwas sagen sollen. Aber ich dachte wirklich, dass ich das aushalten kann..." Sie verstummte und besah sich den Wasserschlauch in ihrer Hand. Er war leer. "Trotzdem müssen wir weiter. Ich habe nichts mehr zu trinken und wir müssen Fiari finden. Ich denke, ich kann aufstehen." Sie wollte die Beine anziehen, um sich dann aufzurichten, doch hatte sie nicht mehr mit so starken Schmerzen gerechnet. Schließlich stand sie leicht wackelnd vor Nebel und als sie ihn ansah, wussten sie beide, dass sie so nicht weit kommen würden. Schließlich seufzte Caiwen und gab es auf, ihre Situation herunter zu spielen. "Ich würde das jetzt nicht fragen, wenn die Umstände nicht die wären, die sie eben sind. Leider habe ich nicht wirklich eine Wahl." Sie pausierte kurz, wusste nicht, ob sie die Frage wirklich stellen sollte. Schließlich tat sie es doch: "Meinst du, du könntest mich ein Stück tragen? Aber nur, solange das für dich in Ordnung ist und auch nur bis ich wieder gehen kann.." Die Situation war ihr äußerst unangenehm, so auf Hilfe angewiesen zu sein, und deswegen schaute sie Nebel nicht direkt an, sondern richtete den Blick auf den Boden.
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Nebelgeist » Mi, 18. Mai 2016 23:31

Nebel ja? Ist das jetzt eine menschliche Eigenart jemand anderem einen neuen Namen zu geben?“, eine gewisse Belustigung schwang in Nebelgeists Stimme mit, doch seine Augen blieben dabei ernst. Irgendetwas an ihrer seltsamen Betonung des Wortes sagte ihm, dass sie dessen Bedeutung nicht erfasste. Jemandem einen Kosenamen zu geben war bei den Ciel nur den engsten Freunden und Familienmitgliedern erlaubt. Bei ihnen galt der Name als Identität. Es galt als eine der gröbsten Schmähungen den Clannamen eines andern zu verunglimpfen oder in einer anderen Weise zu verändern, sodass sich irgendwann die Regel etabliert hatte, Kosenamen als einen besondern Vertrauensbeweis zu betrachten. Während der Namenszusatz nur zur ersten Vorstellung und bei besonderen Anlässen Verwendung fand und sein Fehlen in der Anrede somit schon beinahe an der Tagesordnung war, hätte eine Namensstückelung, wie sie Caiwen soeben vorgenommen hatte, unter zwei Ciel schon jetzt zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung geführt.
Anstatt dem Drang nachzugeben der Menschin für ihre Unhöflichkeit etwas Vergleichbares an den Kopf zu werfen, beherrschte er sich, schließlich wusste der junge Kentaur nicht nach welchen Kriterien man bei ihr Volk seinen Namen erhielt, war sich aber ganz und gar nicht sicher ob ihnen dort dieselbe Bedeutung beigemessen wurde wie in seinem Clan. So beließ er es bei einem schrägen Blick.
Irritiert versuchte Nebelgeist in dem Wortschwall, den Caiwen von sich gab, den Kern ihrer Ausführungen auszumachen. Mit mäßigem Erfolg, wie er bei einer kurzen Nachfrage feststellte. Schließlich sagte er mit zuckenden Mundwinkeln: „Seit wann bist du denn so redselig Caiwen? Das kenne ich ja gar nicht.“ Anstatt jedoch weiter auf dem Thema zu beharren, beschloss er es zunächst auf sich beruhen zu lassen, schien es doch als habe Caiwen zumindest ihn verstanden. Seine Annahme erhärtete sich als sie ihm ausmalte was andere Menschen wohl mit ihm machen würden, sollten sie ihn zu Gesicht bekommen. Es deckte sich weitgehend mit dem was er ohnehin zu wissen glaubte.
Er verbot sich alle tiefer gehenden Gedanken, die das mögliche Schicksal seiner rotbepelzten Freundin betrafen. Zu leicht fiele es ihm sich in Sorgen um ihre Sicherheit zu verlieren. Sollte sich sein Verdacht, dass sie sich zur nächsten Wasserquelle aufgemacht hatte als falsch herausstellen, konnte er immer noch mit dem Sorgen beginnen. Jetzt galt es zunächst einen solchen Ort zu finden. Es wäre ihm wohl nicht schwer gefallen das im Flug zu erledigen, doch eine innere Stimme riet ihm davon ab dieses Geheimnis vor Caiwen zu offenbaren. Bevor ihnen das Wasser gänzlich ausging müsste er wohl fliegen, doch noch fühlte er sich einem längeren Fußmarsch gewachsen und sah keine Notwendigkeit dieses letzte Mittel zu nutzen.


Es dauerte ein paar Herzschläge bis Caiwen in wahrzunehmen schien. Sie musste mehrmals ansetzen bis sie mit ihrer heiseren Stimme einen halbwegs vernünftigen Satz hervorbringen konnte: „Mein Bein...tut weh. Ist nicht schlimm. Vielleicht...eine Pause?“ Nebelgeist kann nicht mal mehr dazu zu antworten. Noch während er sah wie sich ihre Augen nach hinten verdrehten und nur das Weiße übrig ließen, sackte sie in sich zusammen, als habe sie keine Knochen mehr im Leib. Zum Nachdenken blieb ihm keine Zeit. Er warf sich ruckartig nach vorn, griff nach ihr…. Ein schmerzerfülltes Zischen entrang sich seinen Lippen, als sein lädierter rechter Arm mit einem Mal Caiwens ganzes Gewicht auffangen musste. Seine Finger gruben sich in ihre Schulter. Schnell fasste er mit der linken Hand nach, knickte die Vorderbeine ein und versuchte sie einigermaßen sanft zu Boden gleiten zu lassen. Er legte sie auf die Seite und befreite sie von ihrem Rucksack, bevor er mit fliegenden Fingern das Deckenbündel von seinem Rücken zog. Angespannt beobachtete Nebelgeist ihren Bauch und stieß einen erleichterten Seufzer aus, als dieser sich langsam hob und senkte. Vorsichtig legte er ihr eine Hand auf die Stirn, zog sie jedoch rasch wieder weg als ihre Augenlieder flatterten. Sie stöhnte, doch ihre Augen blieben geschlossen. So schob er die zusammengerollten Decke unter ihrem Kopf und richtete sie so aus, dass sie wohl einigermaßen bequemen lag.
Der junge Kentauer warf einen prüfenden Blick auf den Boden. Sobald er gefunden hatte was er suchte, richtete er sich wieder auf und stellte sich so, das der Schatten seines Körpers seiner Reisegefährtin zumindest ein wenig Schutz vor der sinkenden Sonne bot. Dann blickte er einigermaßen ratlos auf die Liegende herab. Er verstand es nicht. Warum hat sie nichts gesagt? Wir hätten doch… Verärgert unterbrach er sich in seinem sinnlosen Überlegungen. Ein kurzer Blick in den Himmel verriet ihm das Nahen der Dämmerung. Sie waren noch nicht lange unterwegs, doch lange genug um der Sonne bereits den Großteil ihrer Kraft zu nehmen. Was sich jetzt als Glücksfall herausstellte, denn andernfalls hätte er hier nicht so ruhig stehen und ihr Schatten spenden können. Als eine leichte Brise aufkam schloss er die Augen und hob das Gesicht dem Himmel entgegen. Der Wind spielte mit seinem langen Haar und ließ Nebelgeist für einen Moment vergessen wo er sich befand. Jetzt wäre im Grunde genau der richtige Zeitpunkt um sich zu verwandeln und nach einer möglichen Wasserquelle zu suchen. Er schüttelte den Kopf. Es war eine Sache seine Reisegefährtin schlafend in Fiaris Obhut zu lassen, doch eine ganz andere fort zu fliegen während sie wie tot dalag.
Insgesamt dauert es vielleicht eine Viertelstunde bis sich ein schmerzumwölktes blaues Augenpaar auf ihn richtete. Unter seinen wachsamen Augen, stemmte sich die junge Frau in eine sitzende Position hoch. Doch sie sagte nichts. Sie starrte nur stumm vor sich hin und hielt sich den Kopf. Anstatt etwas zu sagen beugte er sich zu ihr herab und drückte ihr wortlos ihren Wasserschlauch in die Hand, welchen er zuvor aus ihrem Rucksack, der noch immer neben ihm stand, gezogen hatte. Während sie trank fragte er: „Geht es wieder? Was war denn los?
Mit gesenkten Liedern lauschte er ihrer Entschuldigung und nahm ihr dann den Wasserschlauch wieder ab. Mit leichter Besorgnis stellte er fest das sich nichts mehr darin befand, bevor er ihnen ihren Rucksack zurückstopfte. Durch diese Tätigkeit entging ihm wie sie versuchte aufzustehen, er hörte nur ihre Stimme: „Trotzdem müssen wir weiter. Ich habe nichts mehr zu trinken und wir müssen Fiari finden. Ich denke, ich kann aufstehen.“ „Nein, du bist noch viel zu… “, seine Stimme stockte als er sie schwankend vor sich stehen sah. Seine Verblüffung verwandelte sich jedoch rasch in etwas Anderes. Er verschränkte die Arme vor der Brust und warf ihr einen mehr als skeptischen Blick zu. Der Blick sprach wohl Bände, denn schließlich gab sie seufzend auf und bat ihn um das eine mit dem er nun so gar nicht gerechnet hatte. Im Nachhinein betrachtet war diese Haltung mit Sicherheit naiv… Er hätte mit so einer Frage rechnen müssen, doch er tat es nicht.
Meinst du, du könntest mich ein Stück tragen , die Frage halte in seinem Geist nach und bekam immer mehr Echos. Er begriff das dies aus ihrer Sicht wohl die einzig mögliche Lösung darstellte. So unsicher wie sie auf ihren zwei Beinen vor ihm stand, wunderte es ihn das sie nicht umgehend wieder umfiel. Die Erschöpfung sprach aus ihren Augen, ihrer Körperhaltung… Ja aus ihrem ganzen Auftreten. Er könnte das jetzt ablehnen, doch was sollte es nützen? Er gab sich keinen Illusionen hin was geschehen würde, sollte er jetzt nicht seinen Widerwillen bezwingen. Obgleich sich einiges in ihm dagegen sträubte, war ein Teil von ihm doch beeindruckt das sie sich traute diese Frage zu stellen. Er hatte in den letzten Tagen nicht den Eindruck kommen das sie sich besonders gern helfen ließ. Aber trotzdem… Nach einigen Minuten des stummen Kampfes mit sich selbst rammte Nebelgeist seinem Vorderhuf frustriert in den Boden. Selbst wenn er ihr jetzt von seinem Amulett erzählen, sich verwandeln und eine Wasserquelle finden sollte, müsste er sie doch dorthin tragen.

Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend richtete er seine dunklen Augen auf Caiwen und versuchte Entschlossenheit auszustrahlen. „Ich befürchte das du Recht hast“, er wies mit einer Kopfbewegung auf ihr verletztes Bein bevor er fortfuhr: „Aber nur unter einer Bedingung. Wenn wir anhalten um uns einen Unterschlupf für den Tag zu suchen oder zu bauen, nimmst du dir die Zeit deine Verletzung zu versorgen. Ich möchte sie mir auch ansehen, obgleich ich bezweifle das ich dabei eine große Hilfe sein kann. Ach ja… Das nächste Mal sag bitte rechtzeitig Bescheid, damit wir so eine unangenehme Situation in Zukunft vermeiden können.“ Mit scheinbarer Sicherheit, die er jedoch in keinster Weise empfand rammte er seine Naginata vor sich in den Boden, zog den gespannten Bogen von seiner Schulter und hakte die Sehne aus, bevor er sich daran machte die Waffe sorgsam in ihrer Hülle zu verstauen. Die aufgerollte Sehne stopfte er in seinem Beutel. Dann entrollt er seine Decke um anschließend Köcher, Bogen und Beutel darin einzurollen und sie wieder auf seinem Rücken festzuzurren. Mit den Schnüren des Beutels fixierte er die Pfeile im Köcher um ein Herausrutschen während des Laufens zu verhindern.
Als letztes wandte er Caiwen seine Flanke zu und forderte sie mit einer Geste auf, sich auf seinen Rücken zu schwingen.

Merkwürdig war wohl das beste Wort um zu beschreiben wie es sich anfühlte einen Fremdkörper auf seinem Rücken mit sich herumzutragen. Es war für ihn zwar kein völliges Neuland, doch angenehmer macht es die Sache auch nicht. Vor allem die ersten Schritte mit der neuen Last auf dem Rücken waren ihm schwergefallen. Caiwen mochte es gewöhnt sein ein Pferd zu reiten. Doch nun war sie erschöpft und hatte anfangs deutlich Mühe ihre Bewegungen den seinen anzupassen, die sich darüber hinaus wohl ein wenig von denen gewöhnlicher Pferde unterschieden. Indes musste er sich daran hindern, sich ständig nach ihr umzusehen, weil es so ungewohnt war jemanden auf seinem Rücken zu tragen. In der rechten Hand die Naginata hielt er sich die Linke frei um bei einer erneuten Ohnmacht notfalls schnell eingreifen zu können, konzentrierte er sich anfangs stur auf seine Schritte. So herrschte während der ersten Minuten peinliches Schweigen.
Schließlich räusperte er sich: „Hälst du dich bitte vernünftig fest? Ich würde das Tempo jetzt gern ein wenig anziehen um heute noch ein bisschen Strecke zu schaffen.
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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Caiwen » Fr, 27. Mai 2016 16:19

Caiwen wusste nicht recht, wie sie auf Nebelgeists Worte reagieren sollte. Sie hatte gedacht, dass Spitznamen überall gebraucht wurden, vor allem bei jemandem mit einem relativ langen Namen wie Nebelgeist. Und weshalb ihn das amüsierte, war ihr auch ein Rätsel. Obwohl, wenn sie ihn genau beobachtete, schien er es gar nicht so lustig zu finden. Hatte sie irgendetwas falsches gesagt? "Ich wollte dir keinen neuen Namen geben. Ich habe ihn lediglich abgekürzt, weil Nebelgeist so lang ist. Aber wenn du das nicht magst, dann lass ich es. Gebt ihr euch nicht gegenseitig Spitznamen?", fragte die Menschin. Und sie erwiderte den Blick, welchen Nebel ihr zuwarf und hob die Augenbrauen, um ihn zu einer Antwort oder einer Erklärung aufzufordern. Die Kentauren waren schon ein seltsames Volk, dachte sie, und das nicht nur wegen des äußeren Erscheinungsbilds. Aber sie fand diese Andersartigkeit, dieses Neue zugleich auch unglaublich interessant. Die Gilde hatte es ihr zwar möglich gemacht, Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kultur kennen zu lernen, aber ihr Begleiter übertraf das alles. Eben weil er kein Mensch war.
Sie sah, wie Nebelgeist anscheinend ein Lächeln unterdrückte, bevor er ihr antwortete, ohne auf ihre Aussagen einzugehen. "Lachst du etwa über mich?", fragte sie, musste aber selbst grinsen. "Ich hab zu schnell geredet oder?" Gespielt schuldbewusst schaute sie zu Boden, um dann wieder zu lächeln. "Entschuldigung." Sie vergaß außerdem ständig, dass der Kentaur gar nicht seine Muttersprache sprach, wenn er mit ihr redete. Da war es nur klar, dass er nicht mit ihr, die sowieso schon dazu neigte, schnell zu sprechen, mitkam. Sie musste einfach mal ihre Gedanken ordnen und nicht immer drauf los plappern.


Caiwen versuchte ihr Gleichgewicht zu halten und möglichst so auszusehen, als ob es ihr nichts ausmachte. Oder zumindest nicht allzu viel. Nachdem sich der anfängliche Schwindel gelegt hatte und sie sich nur noch auf das schmerzende Bein zu konzentrieren hatte, ging es auch einigermaßen mit dem Stehenbleiben. Und sie konnte ihren Begleiter klar erkennen, sodass sie seine Reaktion sehen konnte, als sie ihm die Frage stellte, die eigentlich keiner von ihnen hören wollte. Der innere Zwiespalt war Nebelgeist an Gesicht abzulesen. Nicht, dass sie selbst sonderlich begeistert von der Idee war, aber sie konnte ihn voll und ganz verstehen. Sie hätte in umgekehrter Situation auch nicht anders gehandelt. Nebel schwieg so lange, dass sie schon überlegte die Frage zurückzunehmen und zu laufen. Aber wem machte sie etwas vor. Ihr Bein tat so höllisch weh, dass sie keine fünfzig Meter weit kommen würde. Der Schreck, als Nebel mit dem Vorderhuf auf dem Boden aufstampfte, riss sie aus ihren Gedanken. Ja, so fühl ich mich auch gerade., dachte sie. Es war aber auch eine unangenehme Situation.
Und auch wenn es keinen anderen Weg gab, so überraschte sie die Antwort des jungen Mannes trotzdem. Auch wenn er sehr unsicher aussah, stimmte er ihr zu. "Ich befürchte, dass du Recht hast." Jedoch stellte er eine Bedingung, mit der Caiwen aber mehr als einverstanden war. "Das scheint wohl das Beste zu sein. Ich werde sehen, wie viel ich tun kann. Und nein, ich werde nicht den gleichen Fehler zwei Mal machen." Sie sah zu, wie Nebel sich bereit für die Abreise machte, während sie auf einem Bein balancierend versuchte, ihren Rucksack aufzuheben. Als Caiwen ihn schließlich auf den Rücken gesetzt hatte, war auch er soweit und stellte sich so hin, dass sie sich auf seinen Rücken schwingen konnte. Sie tauschten einen letzten, unbehaglichen Blick, bevor Caiwen sich mit dem gesunden Bein abstieß und dann wenig anmutig versuchte, auf Nebels Rücken zu kommen. Zum Glück klappte es beim ersten Versuch, wenn auch nicht schmerzfrei für sie, ansonsten wäre die ganze Sache wahrscheinlich noch unangenehmer als ohnehin schon geworden. Sie setzte sich einigermaßen bequem hin und legte die Hände auf ihre Oberschenkel, weil sie nicht so richtig wusste, wie und vor allem wo sie sich festhalten sollte. Es war einfach nur komisch. Von ihrem Standpunkt aus schien es, als würde sie hinter einem anderen Menschen auf einem Pferd sitzen. Doch sie wusste ja, dass dem nicht so ist. Sie fragte sich, wie es sich für Nebel anfühlen musste, der so etwas ja überhaupt nicht gewohnt war. Sie selbst war ja schon oft geritten, und es fühlte sich wirklich genau so an.
Die ersten paar Minuten erwiesen sich als die schwierigsten, weil die beiden versuchten, sich aufeinander einzustellen. Caiwen war ausgelaugt und brauchte daher eine Weile um sich an die Umstände anzupassen. Sie sagten nichts, vermutlich war peinlich berührte Stille besser als ein Gespräch selber Art. Doch dann erhob Nebelgeist die Stimme und forderte sie auf, sich festzuhalten. Nach kurzem Zögern streckte Caiwen die Arme aus und schloss sie um seinen Oberkörper, sodass sie dicht hinter ihm saß und ihn quasi von hinten umarmte. Sie hatte keine Zeit darüber nachzudenken, wie seltsam das doch alles war, weil Nebelgeist schon schneller wurde und sie sich ganz darauf konzentrieren musste, sich gut festzuhalten und ja nicht runter zu fallen.
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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Nebelgeist » Mi, 01. Jun 2016 0:20

Nein, das ist nicht üblich…“, er unterbrach sich kurz um nach den richtigen Worten zu suchen, welche ihr den Umstand erklären würden ohne zu einem Missverständnis zu führen: „Besser gesagt ist ein Kosename eine sehr persönliche Sache. Einen solchen Namen auszusprechen ist nur im Kreise der Familie, in einer Partnerschaft oder unter sehr engen Freunden üblich. Jemandem zu gestatten einen solchen Namen zu verwenden ist einer der höchsten Vertrauensbeweise die ich kenne… Verstehst du was das im Umkehrschluss bedeutet?“ Als er die Erkenntnis in ihren Augen aufblitzen sah und sie es schließlich aussprach, nickte er. „Ja, das ist richtig.
Sie wollte sich entschuldigen, doch er winkte ab. „Es ist nicht nötig sich dafür zu entschuldigen, mir genügt es das du es jetzt weißt. Woher hättest du es wissen sollen? Würde ich jedes Mal so reagieren wie ich es täte, wenn du ein Mitglied meines Clans wärest, hätte ich dich spätestens eben gefordert.“ Er sah ihr ernst in die Augen, wollte das sie auch wirklich verstand was er gesagt und, noch wichtiger, was er eben nicht gesagt hatte.


Als sich Caiwens Arme um seinen Oberkörper schlossen, sah sich Nebelgeist unversehens mit einer Erinnerung konfrontiert. Um sie nicht näher an sich heranzulassen beschleunigte er, bis er schließlich eine angenehme Geschwindigkeit erreicht hatte. Dabei konzentrierte er sich darauf einen gleichmäßigen Schrittrhythmus zu finden. Anstatt wie üblich in einen lockeren Trab zu fallen, wechselte er in der Beschleunigung zweimal die Gangart. Das Ergebnis waren schnelle kurze Schritte, ohne jedoch in den sprungartigen Rhythmus des Trabes zu fallen. Dabei zog er seine Vorderbeine sehr eng an den Körper um sie dann gerade nach unten abzusetzen, anstatt sie in einer raumgreifenden Bewegung nach vorne zu strecken, wie es für den Trab so typisch ist. Die Hinterbeine vollführten dagegen dieselbe Bewegung wie im Trab, was das ganze reichlich seltsam aussehen ließ. Seine Mutter hatte ihm erklärt, das diese Gangart für gewöhnlich als Zeltgang bezeichnet wurde.
Eine besondere Gangart die viele, wenngleich bei weitem nicht alle, Kentauroi und einige Pferde beherrschten. Sie erforderte jedoch weit mehr Konzentration als der Trab, weshalb es den jungen Kentauren einige Minuten lang wirkungsvoll ablenkte. Doch letztendlich kam die Erinnerung trotzdem…

Ein strahlend heller Mittagshimmel. Die Wärme der späten Herbstsonne. Eine sanfte Brise fuhr durch das hohe Gras und kräuselte die Oberfläche des kleinen Sees. Das Wasser war gerade tief genug das der Kopf des sechzehnjährige Ziin noch herausragte, während das hellhäutige Zweibeiner-Mädchen ausgelassen um ihn herumpaddelte und sie sich gegenseitig mit Wasser bespritzten. Das Training hatte an diesem Tag ein unerwartet frühes Ende gefunden und die beiden genossen nun ihre freie Zeit. Nach den Wasserspielen im See setzte das Mädchen sich in den Kopf ihren Bruder zu fangen, oder zumindest um den See herum zu jagen. Ein aussichtsloses Unterfangen, wie sie beide wussten, doch der Junge tat seiner Schwester den Gefallen und rannte pflichtschuldig gerade so langsam davon, dass sie ihn ein ums andere Mal beinahe zu fassen bekam.
Als die Sonne den Horizont berührte, beschlossen die beiden sich auf den Weg zurück zum Clan zu machen… Doch dieser war lang und Windspiel nach den fruchtlosen Versuchen unter Einsatz all ihrer Kräfte einen Kenauroi im Fangen-Spielen zu erwischen, völlig entkräftet. So war es eine Selbstverständlichkeit, dass ihr Bruder sie auf dem Rücken zum Lager zurücktrug. Eigentlich hatte das Mädchen den Rückweg für irgendeine Unterhaltung nutzen wollen, war dann aber nach wenigen Minuten eingeschlafen. Sie besaß die verblüffende Gabe überall und in den unmöglichsten Situationen einzuschlafen, wenn sich die Gelegenheit ergab. So auch auf dem Rücken eines galoppierenden Kentaurenjungen. Die Arme fest um seinen Oberkörper geschlungen, ruhte ihr Kopf auf seiner Schulter während sie in aller Seelenruhe vor sich hin murmelte und sich vertrauensvoll an ihn schmiegte.


Die Erinnerung an das Gefühl der Vertrautheit zwischen ihm und seiner Schwester, sowie das Vertrauen das sie ihm entgegen gebracht hatte und der Umstand das er sie verloren hatte, ließen seine Augen feucht werden. Es kostete ihn einiges an Überwindung um nicht den Arm schützend um die Gestalt auf seinem Rücken zu legen, wie er es an jenem Tag getan hatte. Er musste sich mehrmals in Erinnerung rufen wer da auf seinem Rücken saß.


Verbissen konzentrierte er sich auf seine Schritte, hüllte sich in eisernes Schweigen und versuchte sich mit der Gleichförmigkeit der Bewegung von den Erinnerungen abzulenken. Als es schließlich gelang war die Sonne vollständig verschwunden und er lief im fahlen Licht eines eindrucksvollen Halbmondes dahin. Das geisterhafte Licht ließ die Umgebung seltsam unwirklich erschienen. Alles schien seltsam gedämpft. Das völlige Fehlen jeglichen Geräusches, einmal abgesehen von Caiwens ruhigen Atemzügen und den Geräuschen die er selbst im Laufen verursachte, wirkte zunächst befremdlich auf ihn. Es dauerte bis er sich daran gewöhnte und es ihm nicht länger seltsam bedrohlich vorkam. Dort wo er aufgewachsen war, war eine nahezu vollkommene Stille selten ein gutes Zeichen, doch hier schien es normal zu sein.
Die Wärme des Abends war einer unerwarteten Kühle gewichen. Der Unterschied zur Hitze des vergangenen Tages war so groß, das Nebelgeist sich sicher war frieren zu müssen, wenn er verhielt. Im Moment wärmte ihn die Anstrengung des Laufens mit einem zusätzlichen Gewicht auf dem Rücken, doch lange würde dieser Umstand nicht mehr anhalten. Er spürte die Erschöpfung inzwischen deutlich genug um sich vor Augen zu führen, dass sie spätestens mit dem Heraufziehen der Morgendämmerung Rast machen mussten. Vermutlich sogar früher, stellte er mit einem säuerlichen Gedanken fest, als ein schmerzhafter Stich durch seinen rechten Arm zuckte. Die Menschin auf seinem Rücken war vor einigen Stunden eingeschlafen, was ihn veranlasst hatte das Tempo ein wenig zu drosseln. Ein Umstand dessen positive Auswirkungen er nun ganz konkret daran festmachen konnte, dass er noch immer in der Lage war einen Huf vor den anderen zu setzten.
Er sah in den funkelnden Himmel hinauf und lächelte schwach. Egal wie weit er von seiner Heimat entfernt war und sich noch entfernen würde. Die Sterne schenken ihm stets Trost und ein Gefühl der Sicherheit. Mit ihrer Hilfe konnte er auch bei Nacht die Richtung sicher bestimmen und lief nicht Gefahr sich zu verlaufen, solange er wusste in welche Himmelsrichtung er sich wenden musste. Nebelgeist korrigierte seine Laufrichtung ein wenig, da er zu weit nach Süden zu kommen drohte.

Seine Aufmerksamkeit verlagerte sich schlagartig, als die Menschin auf seinem Rücken Anstalten machte seitlich hinunter zu rutschen. Mit dem freien Arm rückte er sie wieder zurecht. Als sich der Griff ihre Arme, die noch immer um seinen Oberkörper geschlungen waren, mit einem Mal verstärkte, wusste er das sie wieder aufgewacht war. Er nahm es zum Anlass seine Geschwindigkeit weiter zu verlangsamen um sich ein wenig zu erholen. Nun trottete er im Schritt dahin und wartete darauf ob Caiwen einen erneuten Versuch unternehmen würde ein Gespräch in Gang zu bringen, nachdem sie damit in den Stunden vor ihrem Einschlafen mehrmals gescheitert war.
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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Caiwen » Do, 09. Jun 2016 17:15

Als Nebelgeist Caiwen erklärte, was es mit der Namensgebung seines Volkes auf sich hatte, wurde ihr bewusst, dass sie ihm damit unbewusst zu nahe getreten war. "Oh, heißt das ich habe dich damit irgendwie gedemütigt? Das wollte ich nicht...Es tut-", sie wollte sich entschuldigen, doch Nebel schnitt ihr mit einer Handbewegung das Wort ab. Er erklärte ihr, dass alles in Ordnung war solange sie jetzt es verstanden hätte. Seinen ernsten Blick erwidernd zeigte sie ihm mit einem leichten Nicken an, dass sie die Nachricht hinter seinen Worten verstanden hatte. Um ein hoffentlich unverfänglicheres Gesprächsthema zu finden, stellte sie Nebelgeist die erste Frage, die ihr einfiel. "Hat der Name Nebelgeist eigentlich eine Bedeutung?" Wenn die Kentauren so stolz auf ihre Namen waren, mussten sie doch irgendetwas besonderes an sich haben. Und wenn dem nicht so war, konnte sie immer noch von sich erzählen und so die Unterhaltung am Laufen halten.


Sie schloss die Arme etwas enger um Nebelgeists Oberkörper, um einen sicheren Halt zu haben und nicht von seinem Rücken zu rutschen und hoffte, dass es für ihn nicht allzu unangenehm war. Sie musste sich an seine Art, zu laufen, gewöhnen. Durch die Pferde der Gilde war sie mit den Standard-Gangarten Schritt, Trab und Galopp vertraut. Doch er schien irgendetwas dazwischen zu machen. Eine Zeit lang beobachtete Caiwen seine Beine und versuchte die Bewegungen nachzuvollziehen, doch schon bald gab sie auf. Was sie aber bemerkte, war, dass es ziemlich angenehm für sie war, dabei auf seinem Rücken zu sitzen und dass sie sich nicht, wie beim Trab, mit ihm mit bewegen musste. Sie fand die Stille bedrückend und wollte ein Gespräch anfangen, indem sie ihn nach seinem besonderen Gang fragte, aber entweder hörte ihr Begleiter sie nicht, weil mit dem Kopf fast seinen Rücken berührte und die Worte deshalb und durch den Wind gedämpft wurden oder er war zu sehr in Gedanken versunken, um überhaupt mitzubekommen, dass sie ihn angesprochen hatte. Jedenfalls bekam sie keine Antwort und beließ es dann auch dabei. Schweigend beobachtete Caiwen die Umgebung, die an ihnen vorüberzog und hielt nach Feinden oder Nahrung Ausschau. Zum Glück verlief der Ritt ohne Zwischenfälle, aber leider fand sie auch nichts Essbares. Soweit das Auge reichte sah man nichts weiter als Sand und vereinzelt ein paar kleine Sträucher, die in der Hitze überlebt hatten. Der Sonnenuntergang war wunderschön und hatte so intensive Farben, wie sie es noch nie gesehen hatte. Sie wies Nebelgeist darauf hin, in der Hoffnung, endlich ein Gespräch in Gange zu bringen, doch er murmelte nur etwas, das sie nicht verstand und dann legte sich wieder einmal Stille über die Beiden. Es wurde dunkel und langsam überkam Caiwen die Müdigkeit. Sie wollte wach bleiben, weil sie fürchtete, im Schlaf herunter zu fallen, doch die monotonen Bewegungen wirkten zusätzlich einschläfernd. Schließlich schlief sie ein, die Wange an Nebelgeists Rücken gedrückt und die Arme weiterhin um ihn geschlungen. Anfangs war Ihr Schlaf unruhig, sie wurde immer wieder wach, entweder, weil sie fror oder ihr Bein schmerzte. Doch irgendwann, als der Mond schon hoch am Himmel stand, war sie erschöpft genug, um tief und fest einzuschlafen. Und sie träumte.

Sie war wieder ein Kind und lief durch die Straßen des Armenviertels von Merridia. Vor ihr rannte Linus und sie versuchte ihn einzuholen. Eigentlich war sie immer die schnellere von ihnen gewesen. Eine Weile folgte sie ihrem Freund, was immer schwieriger wurde, als sie in die verwinkelten kleinen Gassen kamen. Warum sie liefen, wusste sie nicht. Aber sie hatte Angst. Ihr Herz schlug bis zum Hals und ihr Atem ging stoßweise. Sie wusste, lange würde sie nicht mehr durchhalten können, sie musste sich verstecken. Aber wovor? Sie schaute über die Schulter und erblickte zwei uniformierte Stadtwachen, die ihre Schwerter gezückt hatten und nur wenige Schritte von ihr entfernt waren. Hatten sie wieder etwas angestellt? Sie richtete ihren Blick wieder nach vorne, um sich auf die Straße zu konzentrieren. Doch auf einmal war nicht mehr Linus vor ihr, sondern Nebelgeist, der sich angstvoll nach ihr umsah. Was machte er denn in Merridia?! Nun ergab es einen Sinn, warum sie verfolgt wurden, was hatte er sich nur dabei gedacht, in eine so große Stadt zu gehen? Plötzlich blieb er stehen und sie rannte an ihm vorbei. Sie drehte sich um und rief ihn zu, er solle weiterlaufen, sonst würden sie ihn mitnehmen. Doch er schaute sie nur unverständlich an, während die Wachen an ihm vorbei liefen, ohne ihn zu beachten. Denn er hatte keinen Pferdekörper mehr, sondern ganz normal zwei Beine, wie jeder andere Mensch. Doch warum hörten die Wachen dann nicht auf, ihr hinterher zu laufen, sie hatte doch gar nichts gemacht? Sie bemerkte, dass die Leute, an denen sie vorüber lief, ihr komische Blicke zuwarfen. Viele tuschelten hinter vorgehaltener Hand und das verwirrte sie vollends. Als ihr dann jemand 'Monster' hinterher rief, schaute sie an sich herunter und blickte nicht auf ihre Füße, sondern auf Hufe. Ihr Unterkörper war durch den eines Pferdes ersetzt worden. Sie blieb stehen und ein Schrei löste sich aus ihrer Kehle...


Eine Berührung riss sie aus ihrem Traum und sie unterdrückte gerade noch einen erneuten Aufschrei, diesmal im wachen Zustand. Caiwen schloss die Arme fest um Nebelgeists Oberkörper, vielleicht etwas zu fest, während sie sich von dem leichten Schock erholte. Alles war gut, sie waren in der Wüste, nicht in ihrer Heimat und sie hatte auch keinen Pferdekörper, sondern ihr Begleiter. Nachdem sich ihr Atem beruhigt hatte, entspannte sie sich wieder etwas. Es war immer noch dunkel, sie konnte nicht sagen, wie viel Zeit seit ihrem Einschlafen vergangen war. Ob Nebelgeist die ganze Zeit gelaufen war? Er musste doch erschöpft sein? Ihr selbst tat alles weh vom Sitzen und der verdrehten Schlafposition. "Wie wäre es mit einer Pause?", fragte sie.
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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Nebelgeist » Sa, 11. Jun 2016 19:58

Hat der Name Nebelgeist eigentlich eine Bedeutung?" Er runzelte die Stirn. Es dauerte ein paar Herzschläge, bis ihm aufging was sie meinte. Sie sagte den Namen in seiner Muttersprache und verstand nicht was die Worte bedeuteten. Er fragte sich wie er das am besten erklären konnte. Schließlich versuchte er es mit einer direkten Übersetzung der Bestandteile seines Namens in die Sprache der Eismenschen: „Mein Name ist aus zwei Worten zusammengesetzt. Zum einen Nebel, wie die Naturerscheinung, die oft morgens in der Nähe von viel Wasser anzutreffen ist. Das zweite Wort ist Geist. Zusammengenommen heiße ich Nebelgeist, das ist dir nur bisher nicht aufgegangen weil du meine Sprache nicht verstehst.“ Er unterbrach sich um ein paar Bissen von seinem zweiten Apfel zu nehmen, ehe er fortfuhr: „Wie ich schon sagte spielen Namen in meinem Clan eine sehr wichtige Rolle. Wenn ein Kind geboren wird, erhält es seinen ersten Namen von seinen Eltern. Dieser Name besteht meist aus einem zusammengesetzten Wort, so wie mein Name auch. Wenn das Kind seine Ausbildung beginnt erhält es einen neuen Namen. Dieser Name symbolisiert seinen ersten Schritt auf dem Weg ins Erwachsenenalter. Er ist auch der Hauptgrund warum die meisten von uns so lange Namen tragen, denn eines der Worte aus denen der Geburtsname besteht, wird in der Regel in den Clannamen übernommen. Dieser Name wird von unseren Anführern ausgewählt und soll etwas über seinen Träger aussagen. Entweder über das Aussehen, charakterliche Eigenschaften, besondere körperliche Eigenschaften oder spezielle Leistungen, das hängt ganz davon ab was am meisten hervorsticht. Bei mir war es wohl das Aussehen.“ Er grinste breit. „Das kannst du aber wohl erst verstehen wenn du mich mal im Nebel erlebt hast. Hat denn dein Name eine Bedeutung?
Während er ihrer zuhörte, verspeiste er genüsslich seinen Apfel. Wenn wir uns weiterhin so viel unterhalten, spreche ich diese Menschensprache bald so gut wie meine Muttersprache

Caiwen rutschte auf seinem Rücken hin und her. Also war sie vermutlich endgültig aufgewacht. „Wie wäre es mit einer Pause?“, frage sie dann auch prompt. Er unterdrückte ein Gähnen, als er in den Himmel aufsah. Die Lichtverhältnisse ließen vermuten, dass die Morgendämmerung noch ein wenig auf sich warten lassen würde, so schüttelte er den Kopf: „Nein, ich denke wir sollten noch ein wenig weiterlaufen, zumindest bis wir eine geschützte Stelle gefunden haben wo wir den Tag verbringen können. Denn wenn ich einmal stehen bleibe, werde ich nicht mehr weitergehen können, zumindest nicht bevor ich ein paar Stunden geschlafen habe. Wie um seine Worte zu unterstreichen zog er das Tempo wieder an. Erneut fiel er in den raschen Zeltgang. Doch er spührte wie ihn die Kraft mit jedem Schritt ein wenig mehr verließ. Er war so müde, dass er nicht wusste ob er noch lange genug durchhalten würde um einen geeigneten Schlafplatz zu finden, der ihnen nach Möglichkeit auch eine Zeit lang ein wenig Sonnenschutz bieten konnte. „Aber du könntest mir einen Gefallen tun und mir sagen, ob du irgendeine Idee hat wie wir Wasser finden können? Ich habe nämlich nicht mehr viel dabei."

Zwei Stunden später war er so gründlich erschöpft, dass nicht mehr viel fehlte und er wäre im Laufen eingeschlafen. Die Landschaft hatte sich inzwischen verändert. Die flachen Sandberge hatten sich mit jeder Meile, die sie tiefer in die Wüste eindrangen, immer weiter aufgetürmt. Was er jetzt sah, spottete jeder Beschreibung. Soeben hatte er den Kamm einer bestimmt fünfzig Meter hohen Düne passiert und den beiden Reisenden bot sich ein eindrucksvolles Bild. Vor ihnen erstreckte sich eine sandige Dünenlandschaft bis zum Horizont. Das Mondlicht ließ die Konturen der Sandberge deutlich vor dem endlos scheinenden Sternenband am Himmel hervortreten. Es entstand ein eindrucksvolles Spiel aus Licht und Schatten, vor allem die Dünen in größerer Entfernung waren ein beeindruckender Anblick. Es schien als türmten sie sich immer höher auf, je weiter sie entfernt waren. Er zwang seinen müden Geist zu einer letzten Anstrengung. Die Düne auf der sie standen erstreckte sich von Nordwesen nach Südosten, also kam der Wind vermutlich meistens aus Nordosten, Osten oder Norden. Wenn sie über den Kamm gehen und auf der anderen Seite hinabwandern würde, sollte der Sandberg ihnen, bis die Sonne zur Mittagszeit ihr Zenit erreichte, Schatten spenden. Das teilte er Caiwen mit, während er sich bedächtig seinen Weg die Düne hinab suchte.

Unten angekommen, blieb er stehen. Wie selbstverständlich ließ sich Caiwen von seinem Rücken gleiten ohne das er etwas sagen musste. Sie schwankte kurz als sie auf dem Boden aufkam, fing sich jedoch wieder. Mit fahrigen Fingen löste Nebelgeist sein Gepäck und seine Waffen. Seine Naginata rammte er mit dem Stiel voran in den Boden und ließ den Rest in den Sand fallen. Er schüttelte sich einmal ausgiebig, bevor er begann sich sein Nachtlager zu bereiten.
Er nahm ein paar ausgiebige Schlucke aus seinem Wasserschlauch, bevor er sich gähnend zu Boden sinken ließ. Jetzt wo er nicht mehr in Bewegung war, drang die Kälte langsam zu ihm vor. Er rollte sich auf die Seite, alle vier Beine von sich gestreckt und den menschlichen Oberkörper bequem seitlich auf den kühlen Sand gebettet. Die Decke zog er über den Oberkörper, bevor er seinen Kopf auf einen Unterarm bettete. Der Schlaf kam so schnell, dass er nicht mehr dazu kam Caiwen darauf anzusprechen, dass sie in dieser verlassenen Gegend wohl beruhigt schlafen konnten ohne abwechselnd Wache zu halten.
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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Caiwen » Sa, 25. Jun 2016 14:35

"Nebelgeist", wiederholte sie seinen Namen, doch diesmal in der übersetzten Version in das Coreonische. Es war eine merkwürdige Kombination von Wörtern für einen Namen, doch Caiwen verstand, warum man diese gewählt hatte. Der junge Mann hatte schneeweiße Haare und ebenso helles Fell, sie konnte gut nachvollziehen, dass er mit einem Geist verglichen wurde.
Sie fand die Art der Namensgebung sehr interessant und gleichzeitig war es eine lustige Vorstellung, wie es sein würde, wenn sie in Merridia auch nach diesen Kriterien benannt worden wären. Sein Lächeln erwidernd, stellte sie sich den Kentauren im Nebel vor, der manchmal morgens über dem Fluss im Tal hinter ihrer Kaserne in Nemáncan hing. Die junge Frau wunderte sich, ob man ihn überhaupt sehen würde. Dann wurde sie von Nebelgeist gefragt, ob ihr Name auch eine Bedeutung hätte. "Caiwen heißt übersetzt so viel wie Die Kämpferische, hat mir meine Tante erklärt. Ich weiß aber nicht, aus welcher Sprache mein Name eigentlich kommt. Ich wurde in einen kalten und harten Winter hineingeboren und wir hatten kaum Geld. Meine Mutter hat es nicht geschafft. Rhelun wacht jetzt über sie. Nachdem ich die ersten, schweren Tage ohne Mutter und in der Eiseskälte überlebt hatte, gab meine Tante mir diesen Namen. Und, nun ja, ich habe jenen Winter und neunzehn andere überstanden, und noch viel schlimmeres, also scheint er zu passen." Die Erinnerung an Tante Variànn schmerzte, doch machte es sie auch glücklich, sich das Bild der alten Frau vorzustellen, die sie großgezogen und die sie so lange nicht gesehen hatte. Dann fiel ihr wieder ein, was sie vorhin schon hatte fragen wollen: "Was meinst du, hätte man mir für einen Namen gegeben, wenn ich Teil eures Clans wäre?" Es interessierte sie ehrlich, was ihre hervorstechendsten Merkmale waren und wie daraus ein Name zustande kommen würde. Mal sehen, was Nebelgeist für einen Einfall hatte.


Obwohl Nebelgeist eindeutig erschöpft war - was sein unterdrücktes Gähnen, welches Caiwen nicht entging, bewies - wollte er keine Pause machen. Sein Grund war vernünftig, vor allem weil Caiwen in ihrer jetzigen Situation nicht in der Lage war, einen ungeschützten Lagerplatz gegen Feinde zu verteidigen. Sie konnte ja nicht mal richtig laufen. Er erhöhte seine Geschwindigkeit, nur um bald darauf wieder langsamer zu werden, vermutlich wegen der Müdigkeit. Er war die ganze Nacht hindurch mit ihr auf dem Rücken durch die Wüste getrabt. "Wie wir Wasser finden?", wiederholte die Söldnerin seine Frage. Darüber mussten sie sich wirklich Gedanken machen. Caiwen selbst hatte nichts mehr zu trinken, ihr Wasserschlauch war leer. "Lass mich kurz überlegen.", sagte sie. Im Kopf wiederholte sie alles, was sie noch vom Unterricht bei der Gilde behalten hatte. Es war nicht viel, aber schließlich erinnterte sie sich an eine Stunde, in der sie über die Wüste geredet hatten. "Also, entweder suchen wir Lebewesen, denn Tiere halten sich immer in der Nähe von Wasser auf und Pflanzen können nicht ohne selbiges leben, oder wir versuchen uns einen Überblick zu verschaffen, indem wir auf einen Hügel steigen. Das sind zumindest die Sachen, die uns beigebracht wurden."


Caiwen döste noch eine Weile auf Nebelgeists Rücken, sodass sie nicht allzu viel von der Landschaft um sie herum mitbekam. Ihr Blick war auf die Sterne über ihr gerichtet. Sie hatte noch nie so viele Sterne auf einmal gesehen, die so hell leuchteten. Fasziniert versuchte sie, die Sternbilder zu finden, von denen sie gehört hatte. Aber nichts, was sie sah, ähnelte einem Bären oder sonstigen Tieren. Sie wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als Nebel sie wieder ansprach und über den Rastplatz informierte, den er für geeignet hielt. Am Fuße einer Düne, sagte er, sollten sie bis Mittag Schatten haben. Sie stimmte seinem Plan zu und er begann den Abstieg von der Düne. Als er unten angekommen stehen blieb, rutschte sie von seinem Rücken herunter, froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Ihre Freude wurde etwas vom Schmerz gemindert, der durch ihr Bein fuhr, als sie auf dem Sand aufkam, was sie kurz taumeln ließ. Als sie ihren sicheren Stand zurückerlangt hatte, lagen die Sachen ihres Begleiters bereits auf dem Boden und er war damit beschäftigt, sich sein Lager für die Nacht zu bereiten. Sie setzte sich in den Sand und legte ihr Schwert griffbereit neben sich. Ihre Verletzung konnte sie erst bei Tageslicht begutachten, aber schlafen konnte sie auch nicht mehr, deshalb beschloss sie, Wache zu halten. Sie drehte sich zu Nebelgeist, um ihm Bescheid zu geben. Doch er war schon eingeschlafen. Eine Weile saß sie einfach nur da und beobachtete die Umgebung, doch schließlich wurde es sehr kühl und sie begann zu frieren. Caiwen hoffte, dass Nebel nichts dagegen hatte, als sie sich neben ihn setzte und an ihn lehnte, um sich etwas zu wärmen. Sie waren sich die ganze Zeit nah gewesen, als sie auf seinem Rücken saß, was sollte daran jetzt schlimm sein? Und so wartete sie auf den Morgen.
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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Nebelgeist » Fr, 01. Jul 2016 14:27

Während der junge Kentaur seinen Apfel verspeiste, kam ihm der Gedanke das sich ihre Völker doch nicht so sehr unterschieden. Zumindest ganze vier Sätze lang, bis zu dem Moment in dem sie wieder ein Wort fallen ließ, das wichtig zu sein schien, mit dem er aber absolut nichts anfangen konnte. Wer ist denn jetzt Rhelun?, fragte sich Nebelgeist im Stillen. Laut sagte er: „Das kann ich dir nicht sagen Caiwen. Die Namensgebung obliegt den Eltern und unseren Anführern. Ich bin gerade einmal alt genug um mich auf die Reise zu begeben und habe in dem Bereich keine Erfahrung. Außerdem kenne ich dich noch nicht gut genug um dich in diesem Punkt richtig einschätzen zu können.“ Er hoffte das sie seinen Versuch ihre Frage mit freundlichen Worten zu umgehen so stehen lassen würde, anstatt zu versuchen weiter darauf zu beharren. Das Thema behagte ihm nicht. Es war etwas mit dem man sich erst beschäftigte wenn die Zeit gekommen war und nicht vorher. Zumindest nicht als männlicher Kentauroi bevor man eine Partnerin gefunden hat.

Der Schlaf umfing ihn wie eine schützende Decke. Nebelgeist träumte nicht an diesem Tag, er schlief tief und absolut traumlos. Es war der Schlaf des Erschöpften, denn das war er. Bis an die Grenze seiner Belastbarkeit erschöpft. Er mochte ja lange Wanderungen und endloses Laufen gewohnt sein, doch das zusätzliche Gewicht auf seinem Rücken war etwas anderes. Noch niemals zuvor war ihm seine geringe Körperkraft so deutlich vor Augen geführt worden wie in der vergangenen Nacht.
Als er kurz vor Mittag erwachte, zeigte sich wie stark er seinen Körper überanstrengt hatte. Die Schmerzen in Beinen und Rücken meldeten sich, noch ehe er ganz aufgewacht war. Er stöhnte unwillkürlich auf während er seinen Oberkörper hochstemmte. Sein ganzer Pferdeleib fühlte sich an als wäre er unter eine Büffelherde geraten. Er schüttelte den Kopf, versuchte den letzten Nebel des Schlafes zu vertreiben, als ihm aufging das Caiwen sich wieder an seine Flanke gelehnt hatte. Dort saß sie, in sich zusammengesunken, und sah aus als hielte sie sich nur noch mit allergrößter Willensanstrengung wach. Dunkle Ringe zierten ihre halb geschlossenen Augen. Hat sie etwa den ganzen Morgen Wache gehalten? Er griff nach seinem Wasserschlauch um seine ausgedörrte Kehle zu befeuchten, bevor er sich vorsichtig auf den Bauch rollte um sie nicht versehentlich zu treten. Caiwens Kopf ruckte hoch. Er legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter und fasste sich mit der anderen an den Kopf. Eine reichlich sinnlose Gesten um den aufflackernden Kopfschmerz zu bekämpfen, doch unterdrücken konnte er sie nicht. „Nicht erschrecken, ich bin es nur Caiwen.“ Er wartete bis sie ihn ansah, ehe er fortfuhr: „Hast du den ganzen Vormittag Wache gehalten? Dann bist du vermutlich jetzt müde genug, dass ich alleine nach einer Wasserstelle Ausschau halten muss, oder?“ Er gab sich Mühe die Verärgerung die er darüber empfand nicht zu deutlich mitschwingen zu lassen, doch es gelang ihm nicht vollständig. Einerseits sagte er sich, dass sie wohl weniger an das Leben im Freien gewöhnt war als er und sich wohl nicht sicher fühlte wenn nicht jemand Wache hielt oder sie sich in einem der steinernen Häuser befand, die ihr Volk bewohnte, doch auf der anderen Seite war es seiner Ansicht nach nur logisch, dass Wache halten in einer verlassenen Gegend wie dieser nicht notwendig war.
Die Wüste sah im hellen Licht des Tages vollkommen anders aus als in der Nacht. Der gelbbraune Sand bildete einen starken Kontrast zum azurblauen, wolkenlosen Himmel. Was ihm in der Nacht noch geisterhaft und mysteriös erschienen war, wirkte jetzt geradezu einschüchternd in seinen Dimensionen. Ein Blick hinauf zum Grat des Sandberges hinter ihnen ließ in ihm bei dem Gedanken daran, dass er dort gestern volkommen erschöft erst hinauf und dann hinuntergelaufen war, einen heftigen Wiederwillen aufsteigen. Heute würde er das noch viele Male tun müssen. Nicht besonders ermutigend, wenn er die erschöpfte Nachtwächterin, auf die es aufzupassen galt, und seinen ausgeprägten Muskelkater bedachte.

Sie brachen auf bevor die Sonne ihre sengend heißen Strahlen über den Kamm der Düne hinwegschickte. Erstaunlicherweise ließen Nebelgeists Schmerzen im Laufen etwas nach, doch über die Geschwindigkeit eines flotten Schritttempos hinaus zu gehen erschien ihm nicht ratsam, schließlich brach die Sonne nun, wo sie den Schatten der Düne verlassen hatten, mit ganzer Kraft über die beiden ungleichen Reisegefährten herein. Die Hitze war mörderisch. Er vermisste bereits nach wenigen Schritten den kühlenden Schatten seines Schlafplatzes und hätte sich am liebsten die lederne Kleidung und das Fell gleich mit ausgezogen. Die Gefahr eines Sonnenbrandes war alles was ihn an Ersterem hinterte und der zweite Teil blieb ohnehin Wunschdenken. Wie er vermutet hatte begann Caiwen, kaum aufgesessen, bereits nach wenigen Schritten wegzudämmern. Er grummelte noch immer stumm vor sich hin, zumindest half ihm der schwelende Ärger sich in Bewegung zu halten. Was er auch problemlos zu einem Gewaltmarsch wie dem des vorangegangene Tages hätte ausbauen können, gäbe es da nicht noch einige andere Faktoren zu berücksichtigen. Wie etwa das Caiwen kein Wasser mehr besaß und er, nachdem er ihr am Morgen etwas aus seinem Schlauch angeboten hatte, nunmehr nur noch einen halbvollen Wasserschlauch besaß, der noch für maximal anderthalb Tage reichen würde. Er stimmte ihr zu das es wohl am sinnvollsten wäre sich einen Überblick zu verschaffen, doch hatte er einfach nicht die Kraft mit ihr auf dem Rücken ziellos einige Dünen zu erklimmen, bis sie möglicherweise eine Wasserstelle zu sehen bekamen und dann auch noch die Nacht hindurch zu wandern. Also marschierte er zur gegenüberliegenden Düne.

Bis er ihren Fuß erreicht hatte vergingen gut zwei Stunden. Doch das Manöver hatte seinen Zweck erfüllt. Die Sonne war weiter gewandert und nun begann sich ein breiter werdender Streifen Schatten abzuzeichnen.
Zufrieden blieb er stehen und rüttelte Caiwen mit einer Hand an ihrem unverletzten Bein wach. „Ich möchte mich jetzt auf die Suche nach einer Wasserstelle machen und da du ja, verständlicherweise, zu müde bist um die Augen offen zu halten, möchte ich dich bitten hier im Schatten zu warten bis ich zurück bin. Denn ohne dein zusätzliches Gewicht kann ich mich viel schneller umsehen und nachher auch noch wesentlich weiter laufen als wenn ich jetzt mit dir auf dem Rücken die Dünen rauf und runterlaufe. Ist das in Ordnung für dich?“ Er warf einen prüfenden Blick auf ihre Umgebung. „Außerdem denke ich nicht das du hier irgendetwas zu befürchten hast. Und ich werde nicht lange weg sein, versprochen.
Im Stillen fügte er hinzu: Vor allem dann nicht, wenn ich ungestört ein paar Runden fliegen kann. Bei der Gelegenheit kann ich mir auch endlich ein umfassendes Bild der Umgebung machen und muss nicht länger blind herumtappen.
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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Caiwen » Fr, 19. Aug 2016 16:56

Caiwen fand es schade, dass Nebelgeist ihre Frage nicht beantwortete, sondern ihr eher auswich. Doch sie sah, dass es dem jungen Kentaur unangenehm war, mit ihr darüber zu reden, also hakte sie nicht nach und biss sich dabei unbewusst auf die Unterlippe, um nicht doch noch etwas zu sagen. Diese Namensgebung schien bei den Kentauroi eine große Sache zu sein, natürlich trug man seinen Namen sein Leben lang, deshalb war es schon wichtig, gut darüber nachzudenken. Aber hatte Nebelgeist nicht vorhin erwähnt, dass sein Clan den Jüngeren nach einer bestimmten Zeit einen neuen Namen gab? Und darüber entschieden nicht mal die eigenen Eltern, sofern Caiwen das richtig in Erinnerung hatte. Die ganze Sache war so verwirrend, dass die junge Frau nicht länger versuchte, einen Sinn dahinter zu sehen.


Egal, was Caiwen auch versuchte, ihre Augen wollten nicht offen bleiben. Sie wusste nicht, weshalb sie so erschöpft war, schließlich hatte sie den ganzen Weg über auf Nebelgeists Rücken gesessen und noch dazu die Hälfte der Zeit geschlafen. Es hätte ihr eigentlich nichts ausmachen sollen, die restliche Nacht und den Morgen über Wache zu halten, während Nebelgeist schlief. Und die ersten Stunden gab es keine Probleme. Nebels Körperwärme sorgte dafür, dass sie die eisige Kälte der nächtlichen Wüste zwar noch spürte, aber es leicht auszuhalten war. Sie hatte den Sonnenaufgang beobachtet, etwas vergleichbar Schönes hatte sie noch nie zuvor gesehen. Man konnte der Sonnenscheibe zusehen, wie sie sich langsam über den Rand des Horizonts schob und dann weiter in Richtung Himmel stieg. Die Farben waren ein Vielfaches von denen, die die Sonnenaufgänge in ihrer Heimat Mérindar gehabt hatten. Sie hätte am liebsten Nebelgeist geweckt, um es ihm zu zeigen, aber sie wusste, dass er wenig begeistert gewesen wäre, hätte sie ihn aus seinem Schlaf gerissen. Ihr wäre es in umgekehrter Situation ähnlich ergangen.
Dann, als die Sonne höher am Himmel stand und es langsam wieder wärmer wurde, hatte sie sich ihr Bein angesehen. Das Knie war an der Innenseite von einem Bluterguss bedeckt, der ungefähr so groß wie ihre Handfläche war. Es war immer noch etwas geschwollen, aber das würde sich in den nächsten Tagen geben. Gebrochen war nichts, da war sich Caiwen sicher, und auch sonst gab es keine Hinweise auf größere Verletzungen. Sie kam zu dem Schluss, dass es vermutlich verstaucht war. Das bedeutete einerseits Schmerzen - es würde sicher noch eine Weile weh tun - und andererseits eigentlich die Schonung des Beines, also minimale Bewegung. Das konnte sie sich jedoch nicht leisten, nicht hier, nicht jetzt. Sie könnte versuchen, eine improvisierte Schiene herzustellen, aber dazu bräuchte sie Pflanzen und die waren in der Wüste ziemlich selten. Sie musste einfach probieren, so wenig Druck wie möglich auf das Bein auszuüben und es dabei noch irgendwie schaffen, zu laufen. So viel zu dem Plan...

Schließlich aber waren die Beschäftigungsmöglichkeiten nach und nach weniger geworden und ungefähr vor einer Stunde war die Müdigkeit zurückgekommen. Inzwischen kämpfte sie schon eine Weile damit, nicht einzuschlafen, und ihr Körper stellte sich dabei als mieser Verräter gegen ihren Willen heraus. Schließlich war es jetzt zu dem Zeitpunkt gekommen, an dem sie sich selbst einredete, dass sie ruhig für zehn Minuten schlafen konnte, es würde schon nichts passieren. Doch gerade, als sie die Augen schloss, spürte sie eine Bewegung, die von Nebelgeist ausging. Sie versuchte, sich gerade aufzusetzen und ihr Gewicht so von Nebels Körper zu nehmen, jedoch mit mäßigem Erfolg. Genervt rieb sie sich die Augen und fuhr mit den Fingern durch ihre Haare, in der Hoffnung, irgendwie der Müdigkeit entkommen zu können. Als Nebel sich drehte - was sie nicht mitbekommen hatte, da ihre Augen in dem Moment geschlossen waren und sie ihr Gesicht abgewandt hatte - zuckte sie überrascht zusammen. Nebel legte ihr eine Hand auf die Schulter und beruhigte sie. "Nein, alles gut. Wenn ich etwas zu tun habe, vergeht die Müdigkeit bestimmt.", sagte sie, während sie ein Gähnen unterdrückte, was den Worten ihre Glaubwürdigkeit nahm. Sie wusste nicht, warum er sauer auf sie war, weil sie Wache gehalten hatte. Doch sie fragte besser nicht nach. Nachdem sie wieder ihren Platz auf Nebelgeists Rücken eingenommen hatte - sie hatte vor, selbst zu laufen, doch sie war recht schnell davon überzeugt worden, dass sie nur an Geschwindigkeit und somit Zeit einbüßen würden, was sie sich unter den Umständen nicht leisten konnten. Der gleichmäßige Rhythmus, in dem der Kentaur sich bewegte, wirkte einschläfernd und nach kurzer Zeit war Caiwen weggedämmert.

Doch allzu bald wurde sie wieder aufgeweckt und über den neuen Plan in Kenntnis gesetzt, dass Nebel sich allein weiter auf die Suche machen wollte und sie hier bleiben sollte. Sie wusste, dass das der vernünftigste Weg war, doch etwas in ihr sträubte sich dagegen, allein und verletzt in der Wüste zu sein. Dennoch stimmte sie zu. "In Ordnung, ich warte hier auf dich. So lange du mich wieder findest.", fügte sie scherzhaft hinzu, bevor sie bemerkte, dass es eigentlich gar nicht lustig war. Was wäre, wenn er sie wirklich nicht wieder finden würde? Hoffen wir mal das Beste..., dachte sie sich.
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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Nebelgeist » Mo, 24. Okt 2016 6:11

Er sah sie ernst an. „Da mach dir mal keine Sorgen, so leicht verlaufe ich mich nicht, wenn ich einmal die Zeit habe mir ein vernünftiges Bild von der Umgebung zu machen.“ Im Stillen fügte er hinzu: Vor allem wenn ich dabei nicht die ganze Zeit auf darauf achten muss das du nicht im Halbschlaf von meinem Rücken fällst… Er half ihr von seinem Rücken zu steigen und legte sein Gepäck ab. Nach kurzem Zögern legte er seine Waffen daneben. Wenn er flog würde er sie ohnehin nicht benötigen. „Kommst du zurecht? Ich werde versuchen mich zu beeilen, damit wir vielleicht heute Nacht noch weiter laufen können. Ich kann diese Hitze nicht schnell genug hinter mir lassen.
Nachdem sie zugestimmt hatte reichte er ihr seinen Wasserschlauch mit der Aufforderung so viel zu trinken wie möglich. „Ich werde versuchen eine Wasserstelle zu finden, gibst du mir deinen Trinkschlauch bitte auch mit?

Hoch oben am wolkenlosen Wüstenhimmel zog ein Vogel seine Kreise. Ein recht großer Vogel, ziemlich ungewöhnlich für diesen Landstrich, dessen nahezu reinweißes Gefieder durch die wenigen schwarzen Federn an den Rändern seiner Flügel nur noch heller leuchtete und ihn deutlich vom intensiven Indigoblau des Himmels abhob. Mit langsamen gleichmäßigen Flügelschlägen segelte der Vogel gemächlich über die aufgeworfenen Wogen des wasserlosen Meeres. Die Sonne setzte dem Vogeln bei Weitem nicht so stark zu wie dem Kentauren, der er vor weniger als einer Stunde noch gewesen war. Trotzdem brannte sie mit geradezu mörderischer Kraft auf ihn herunter. Ihre Energie ließ die Luft über dem Boden vor Hitze flimmern. Er wusste, dass er sich ihr nicht einmal in dieser Gestalt lange ungeschützt aussetzen sollte. Das Tageslicht offenbarte einige Details die ihm im Schutze der vergangenen Nacht verborgen geblieben waren. So vermochten seine scharfen Vogelaugen Leben in dieser auf den ersten Blick so trostlosen toten Einöde auszumachen. Er sah eine Schlange mit seltsam seitlichen Kriechbewegungen eine Düne erklimmen, drei kleine Echsen jagten selbst für ihn nur als schwarze Punkte sichtbare Tierchen über den Sand und am äußersten Rand seines Gesichtsfeldes sah er kurz ein sandfarbenes pelziges Etwas auf den Hinterbeinen stehen, bevor es blitzartig unter die Erde entschwand. Wann immer eine von den Echsen verhielt um ihre Beute zu verspeisen, hob sie abwechselnd zwei Beine aus dem heißen Sand und balancierte ziemlich geschickt auf den anderen beiden. Er sah auch vereinzelte dornige Pflanzen und flache braun-gelbe Gräser. Er wunderte sich das so viele verschieden Lebewesen in diesem kargen Landstrich überleben konnten und fragte sich wie das möglich war. Es bestärkte ihn in seiner Annahme dass es hier in der Nähe irgendwo Wasser geben musste.

Bereits hinter der nächsten Düne präsentierte ihm Cala an Darh die Antwort auf diese Frage. In einem breiten Tal zwischen zwei gewaltigen Sandbergen fesselte ein blaues Aufblitzen seine Aufmerksamkeit. Er beschleunigte seinen Flügelschlag und flog einige Kreise über der Wasserstelle. Sie maß vielleicht etwas mehr als 100 m in der Länge, war an ihrer breitesten Stelle vielleicht 30 m breit und besaß eine annähernd halbmondförmige Gestalt. Umstanden von verschiedenen Palmen und halbhohen saftig grünen Büschen, ließen die auf dem Wasser gebrochenen Sonnenstrahlen sie wie ein Juwel schimmern. Ein Juwel das dem fliegenden Gestaltwandler mit seiner Pracht zunächst wie eine Halluzination erschien. Als er sich jedoch hinabsinken ließ, entdeckte er eine kleine Herde antilopenartiger Tiere. Ausgestattet mit hellem, beinahe weißem Fell, einer auffälligen schwarz-weißen Gesichtszeichnung und schwarzen Beinen, boten diese Tiere mit ihren langen schmalen Hörnern einen eigentümlichen Anblick. Interessiert ließ er sich zu Boden sinken. Er landete im seichten Wasser am Rand, nahe einem dieser interessanten Tiere. Es ließ sich von dem schlanken Vogel nicht stören, der nun in aller Sorgfalt seine Flügel an den Körper faltete, sondern fuhr unbeirrt mit dem Trinken fort. Aus der Nähe wurde Nebelgeist nun klar wie klein diese Tiere waren. Mit Sicherheit maßen sie mindestens einen halben Meter in der Höhe ihrer Schultern weniger als er. Das Wasser, welches seine Beine umschloss überzeugte ihn indes von der Wahrheit dessen was seine Augen ihm zeigten. Mit dieser Erkenntnis war es, als seine eine schwere Last von seinen Schultern genommen worden.
Seine Rückverwandlung ließ das Tier dann doch aufmerken. Es stob mit einem guten Dutzend seiner Artgenpossen in wilder Hast davon, während Nebelgeist sich fluchend mehrmals um seine eigene Achse drehte und die Beine ausschüttelte um den Schmerz der Wandlung zu vertreiben. Als der Schmerz auf ein erträgliches Maß zurückgegangen war, begann er seine Umgebung zu erkunden. Diese grüne Insel inmitten der Wüste kam ihm wie ein Wunder vor. Das Wasser war herrlich klar und schmeckte gut, einige der Palmen trugen eiförmige gelbliche Früchte und spendeten ihm den so ersehnten Schatten. Während seiner Wanderung durch das begrünte Fleckchen Wüste ließen ihn die seltsamen Tiere nicht aus den Augen, machten jedoch auch keine Anstalten vor ihm zu fliehen. Als er die Wasserstelle zweimal umrundet hatte und sich schließlich im Schatten einer Palme für eine kleine Rast niederlegte, wagten sie sich nach kurzer Zeit sogar in seine Nähe. Obgleich ihre Körperhaltung weiterhin deutliche Zeichen von Anspannung zeigte, wagten sie sich im Schutze der Gruppe näher an ihn heran, bis eines schlussendlich sogar an ihm zu schnuppern wagte.
Sie hatten sich gerade wieder dem Wasser zugewandt als Nebelgeit sich erhob und sie aufs Neue verscheuchte indem er zum Wasser hinüberschritt um die Trinkschläuche aufzufüllen.

Er hatte einige weitere Stunden an der Wasserstelle verbracht, bis die Sonne merklich zu sinken begann und die Temperaturen sich auf ein erträgliches Maß verringert hatten, ehe er sich auf den Rückweg zu Caiwen machte. Die lange Wartezeit lag hierbei nicht nur in der Hitze begründet, sie sollte auch den Umstand verschleiern das er die Strecke auf dem Hinweg keinesfalls zu Fuß zurückgelegt hatte. Der Rückweg über die Dünen dauerte etwas mehr als zwei Stunden, so dämmerte es bereits als er das Lager und seine Reisegefährtin erreichte.
Caiwen war wach und blickte ihm entgegen. Nach einer knappen Begrüßung erkundigte sie sich über den Erfolg oder Misserfolg seiner Suche. Als Antwort warf er ihr nur ihren frisch aufgefüllten Wasserschlauch in den Schoß. Der ungläubige Ausdruck auf ihrem Gesicht entlockte ihm ein schmales Lächeln. Das sieht fast so aus als hätte sie nicht damit gerechnet das ich Wasser oder den Weg zu ihr zurück finden würde. Doch anstatt diesen Gesichtsausdruck zu kommentieren, sagte er: „Was meinst du Caiwen, bist du ausgeruht genug um den Weg zu dieser Wasserstelle zu bewältigen? Ich kann dich tragen, aber ich habe nicht mehr die Energie dich abzusichern oder aufzufangen wenn du einschläfst und hinunterfällst.“ Diese Worte kamen weit schärfer heraus als beabsichtigt, doch nach zwei Verwandlungen, einem ganzen Tag des Umherfliegens und -wanderns und der Aussicht die zweistündige Strecke nun noch einmal mit dem Gewicht der Menschin auf seinem Rücken zurücklegen zu müssen, stand es mit seinem Taktgefühl nicht mehr zum Besten.
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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Caiwen » So, 04. Dez 2016 16:26

Caiwen stieg von Nebelgeists Rücken während sie darauf achtete, ihr Bein nicht zu sehr zu belasten. Als er neben seinem Gepäck auch seine Naginata und den Bogen auf den Boden neben sie legte, zog sie verwundert die Augenbrauen zusammen. Wollte er ohne Waffen die Gegend erkunden? War das nicht zu gefährlich, was wenn er sich verteidigen müsste? „Bist du sicher, dass du die nicht brauchst?“, fragte sie und wies auf die Waffen, „Ich meine, was ist, wenn irgendetwas passiert?“
Nebel klang ernsthaft besorgt, als er sie fragte, ob sie ohne ihn klar kommen würde und aus irgendeinem, ihr unerklärlichen Grund musste sie innerlich lächeln. Sie hatte zwar ein verletztes Bein, war jedoch nicht hilflos. Sollte ihr hier in dieser Einöde irgendetwas begegnen, wäre sie in der Lage, sich zu verteidigen. „Alles gut, ich bin ja nicht schutzlos.“, sagte sie und legte grinsend eine Hand an ihr Schwert. „Außerdem hab ich ja jetzt noch zusätzliche Möglichkeiten mich zu verteidigen.“ Sie fand die Vorstellung, wie sie versuchte, Nebels über zwei Meter lange Waffe überhaupt anzuheben und auf einen möglichen Angreifer zu richten, sehr erheiternd. Außerdem glaubte sie, dass auch Nebel den Witz hinter ihrer Aussage verstanden hatte und dass diese keinesfalls ernst gemeint gewesen war. Nachdem sie einen ordentlichen Schluck aus Nebelgeists Wasserschlauch getrunken hatte, holte sie ihren aus dem Rucksack und reichte ihm dankend beide.
„Bis dann, Nebelgeist.“


Die Stunden vergingen und Caiwen versuchte mehr oder weniger erfolgreich, ihre Langeweile zu vertreiben. Sie nahm ihr altes Notizbuch und ein Kohlestück und begann einen Käfer zu zeichnen, der in ihrer Nähe im Sand umherlief. Dann skizzierte sie die Dünen auf die sie blickte, doch das Zeichnen wurde recht bald langweilig, weil es nicht viel gab, was man zeichnen könnte. Caiwen war nicht sonderlich kreativ, sie brauchte eine Vorlage, an der sie sich orientieren konnte, doch dann war sie gar keine so üble Zeichnerin. Sie überlegte, ein Bild von Nebelgeist anzufertigen. Das könnte sie ihren Freunden zeigen, wenn sie wieder Zuhause in Mérindar war. Die würden ihr bestimmt nicht glauben, dass sie einen echten Kentauren getroffen hatte. Sie selbst würde es ja auch nicht glauben, wenn sie Nebel nicht selbst gesehen hätte. Oder sie behielt diese Zeichnung für sich, als Erinnerung an diese Zeit. Konzentriert zeichnete sie für eine Weile. Mit dem Pferdekörper war sie ganz zufrieden und auch der Oberkörper war gelungen...jedenfalls so weit, als dass man erkennen konnte, was es darstellen sollte. Nur sein Gesicht wollte ihr nicht gelingen. Es waren immer die Gesichter, an denen sie scheiterte. Frustriert legte sie das Notizbuch zurück in den Rucksack.
Dann begann sie, kleine Zöpfe in ihre Haare zu flechten, wie sie es früher manchmal getan hatte, um Jungs zu beeindrucken. Wie lange das inzwischen schon her war. Aber es kam ihr vor wie gestern, als sich für ein Treffen mit Leander zurecht machte und dabei genau die gleichen Flechtbewegungen machte, während sie in Gedanken so aufgeregt war. Das kam ihr im Nachhinein so unwirklich vor. Herzrasen wegen eines Jungen. Was war sie vor ein paar Monaten noch für ein anderer Mensch gewesen.
Zu guter Letzt legte sie sich einfach auf den sandigen Boden und schaute in den Himmel, darauf bedacht, nicht in die Sonne zu schauen. Sie betrachtete die wenigen, kleinen Wölkchen und überlegte, was für Tiere sie darstellen könnten. Das hatten Linus und sie damals gemacht, als sie noch eines der vielen Kinder aus dem Armenviertel Merridias gewesen war. Sie waren auf eines der maroden Hausdächer geklettert und hatten gehofft, dass es nicht unter ihnen einstürzen würde. Sie fragte sich wieder einmal, wie das Leben von Linus wohl inzwischen verlief. Hatte er Arbeit und verdiente Geld? Vielleicht hatte er sogar eine Frau gefunden, das würde Caiwen freuen. Er war ein sehr niedlicher Junge gewesen, aber wie sah er wohl als Mann aus?
Das Spiel wollte ihr nicht so recht gelingen, dafür waren es einfach nicht genug Wolken und die paar am Himmel waren sehr klein und fast oval, da blieb nicht viel Platz für Fantasie.

Noch eine Weile schaute Caiwen in die Leere und erinnerte sich an ihre Kindheit, bis sie durch den Sand gedämpfte Schritte vernahm und sich aufsetzte. Als sie Nebelgeist erblickte, entspannte sich ihre Körperhaltung und sie legte die Hand auf ihr Bein, welche reflexartig nach dem Schwert gegriffen hatte. Die Sonne ging schon unter, Nebel war den halben Tag unterwegs gewesen. Das heißt, sie würden wohl die ganze Nacht fast hindurch laufen. „Da bist du ja wieder“, begrüßte sie ihn und stand auf. „War deine Suche erfolgreich?“ Anstatt ihr eine Antwort darauf zu geben, warf er ihr etwas zu, dass sie überrascht auffing. Es entpuppte sich als ihr Wasserschlauch, der seinem Gewicht nach voll war. Ungläubig öffnete sie ihn und trank ein paar Schlucke, welche das Kratzen in ihrem Hals linderten. Dann fragte er, ob sie bereit zum Aufbruch war. Probeweise verlagerte sie einen Teil des Gewichts auf das verletzte Bein. Es zog etwas, doch war aushaltbar. „Ich würde gern laufen, so lange es geht. Mein Körper soll sich nicht an die fehlende Bewegung gewöhnen. Ich sage Bescheid, wenn ich nicht mehr kann, in Ordnung?“ Sie ignorierte den Unterton in Nebels Worten, denn sie konnte gut nachvollziehen, dass er erschöpft sein musste. Sie setzte ihren Rucksack auf und wartete, bis er seine Waffen wieder verstaut hatte, dann machten sie sich auf den Weg.

Als die Sonne untergegangen war, kühlte sich die Luft langsam wieder ab und das Laufen wurde erträglicher. Caiwen versuchte, eine Unterhaltung anzuregen, da sie beide ja den ganzen Tag getrennt verbracht hatten, außerdem war sie neugierig auf die Wasserstelle, die Nebel gefunden hatte. „Wie sieht es dort aus?“, fragte sie. „Gibt es da zufällig größere Pflanzen? Dann könnte ich mir vielleicht eine Schiene bauen...“, sagte sie nachdenklich. Ihr Bein hielt sich wirklich gut. Sie war froh, wieder selbstständig laufen zu können und nicht mehr auf Nebelgeist angewiesen zu sein, jedenfalls vorerst. Außerdem war es auch für ihn deutlich entspannter, da er sie nicht mehr als zusätzliches Gewicht auf dem Rücken tragen musste. In ihrer Umgebung sah im Dunkel der Nacht alles gleich aus. Es verschmolz zu einem Bild aus Dünen mit Sand, viel Sand. Kaum hatten sie eine Düne hinter sich gelassen, standen sie am Fuße der nächsten. Es war schrecklich eintönig. Das Einzige, was diesem Anblick den Abbruch tat, war der Himmel. Tausende Sterne leuchteten dort, einer heller als der andere und inmitten von ihnen der große, sichelförmige Mond.
Als Caiwen irgendwann nicht mehr konnte, sagte sie Nebelgeist Bescheid und stieg wieder auf seinen Rücken. Sie umschlang seinen Oberkörper mit ihren Armen und schaute über seine Schulter hinweg nach vorn. Sie schloss die Augen und entspannte sich, schlief jedoch nicht ein. Irgendwann, vielleicht eine Stunde später, berührte Nebelgeist sie an der Schulter und bedeutete ihr, nach vorne zu sehen. Ungläubig starrte sie auf die Kulisse, die sich vor ihr abspielte. Sie standen am höchsten Punkt einer Düne und blickten über ein weites Tal. Viel konnte sie nicht sehen, aber wohl eine sich kräuselnde Stelle, die die Sterne und den Mond reflektierte und dadurch zu glitzern schien – die Wasserstelle.
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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Nebelgeist » Do, 26. Jan 2017 19:57

Die Wasserstelle war ein wahrer Segen für die beiden ungleichen Reisegefährten. Nach einer ausgiebigen Rast im Schutze einiger eng beisammenstehender Palmen, erwachte Nebelgeist am frühen Nachmittag mit der Befürchtung sich diesen Ort nur eingebildet zu haben. Doch als er die Augen öffnete und sich inmitten von Grün wiederfand, war er so glücklich wie schon lange nicht mehr. Er rappelte sich hoch und streckte seine Glieder. Dabei fielen ihm sandverkrustete Haarsträhnen vor das Gesicht. Ein prüfender Blick zu seinen Habseligkeiten und auch zu Caiwens Gepäck in einiger Entfernung versicherten ihm, dass soweit alles in Ordnung war. Ohne weitere Umschweife entkleidete er sich und watete in das klare Wasser. Am Rand war es noch seicht, doch je weiter er hineinging, desto tiefer wurde es. Schließlich reichte es ihm bis an die Schultern und er begann sich zu waschen.
Es war ein Hochgenuss endlich wieder sauber zu sein. Sein Fell glänzte und das lange Haar umsäumte nass und schwer seinen Oberkörper. Mit einem wohligen Gefühl stieg er aus dem See und warf einen Blick zur Sonne hinauf. Sie stand bereits merklich tiefer, doch der Tag würde noch einige Stunden andauern bevor die Dämmerung einsetzte, also entschloss er sich das Licht zu nutzen. Trotz der Erfrischung durch das Bad schmerzte sein ganzer Körper, also nahm er sich die Zeit seine Kleidung und Ausrüstung gründlich zu reinigen. Selbst diese wenig kraftraubende Tätigkeit verstärkte den Muskelkater. So beschloss er sich mit Caiwen zu besprechen, sobald sie zurückkehrte. Er hielt es für eine gute Idee erst einmal etwas an diesem Ort zu verweilen um neue Kraft zu schöpfen und vielleicht einen Plan auszuarbeiten wie sie weiter vorgehen wollten.

Als er sie das nächste Mal sah, war die Sonne beinahe vollständig hinter dem Horizont verschwunden. Er hatte seinen nun sauberen und auch wieder trockenen Überwurf angelegt, nur das lange Haar fiel ihm noch immer offen auf den Rücken. Als sie langsam, noch immer deutlich hinkend und einige Hölzer hinter sich herziehend, in seine Richtung getrottet kam, hob er grüßend die Hand. „Und, meinst du die sind stark genug um dein Bein zu schienen?“, fragte er und wies mit dem Kopf auf die Äste. Dann legte er seinen Bogen zur Seite, den er soeben auf Beschädigungen untersucht hatte und ließ sich zu Boden sinken, ehe er wieder das Wort ergriff: „Ich wollte dich fragen was du nun vorhast, denn ich für meinen Teil würde gern ein paar Tage hier verbringen. Schließlich gibt es hier sauberes Wasser, Früchte von den Bäumen und diese eleganten vierbeinigen Tiere, die vor ein paar Stunden zum Trinken hierher kamen. Ich denke eine Rast könnte uns beiden guttun. Du könntest dein Bein schonen, dann heilt es schneller und wir könnten beide wieder zu Kräften kommen, bevor wir uns erneut in die Wüste hinauswagen.“ Er sah sie abwartend an. In ihrem Gesicht vermochte er nicht zu lesen welche Überlegungen sie anstellte, doch zu seiner Erleichterung, neigte sie schließlich zustimmend den Kopf. Er lächelte sie an, zu gleichen Teilen dankbar wie erleichtert.
Irgendwann im Verlaufe der letzten Wochen war aus der kurzfristig entstandenen Zweckgemeinschaft, da ihre Wege sie zufällig in dieselbe Richtung geführt hatten, etwas Anderes geworden. Es gefiel ihm gelegentlich jemanden zum Reden zu haben. Ein Umstand der ihn überraschte, störte er sich doch für gewöhnlich nicht daran einige Tage allein zu sein. Doch er war auch noch nie für einen so lange Zeit auf sich gestellt gewesen. Dieses angenehme Gefühl der Gesellschaft eines anderen vermittelte ihm eine Ahnung davon weshalb seine Eltern ihre alten Freunde so gern wiedersehen wollten. Inzwischen war es ihm auch nicht mehr gleichgültig das sich ihre Wege unweigerlich trennen würden und er hoffte, dass dieser Tag noch etwas auf sich warten ließ.

Mit dem Einsetzen der Dämmerung hatte Nebelgeist ihr kleines Lager verlassen. Sie waren übereingekommen, dass er sich weiterhin um die Nahrungsbeschaffung kümmern sollte solange sie verletzt war. Da sie beschlossen hatten einige Tage an diesem Ort zu verweilen, wollte er sich nun nach ein paar geeigneten Stellen zum Auslegen von Fallen umsehen und sich das notwendige Material zusammensammeln um sie auch herzustellen. Zunächst folgte er den Hufspuren, die vom Wasser weg und in die Wüste hinausführten. Es gab insgesamt vier Wildpfade die auf häufige Benutzung durch größere Huftiere hinwiesen. Zwei von ihnen boten genau jene Gegebenheiten, die er gesucht hatte. Er lief sie mehrmals ab, ehe er sich zufrieden auf die Suche nach etwas Essbarem begab. Er fand schnell einige herabgefallene Früchte und kehrte zu seiner Reisegefährtin zurück. Einzig die Frage ob man diese nun auch gefahrlos verspeisen konnte, verzögerte das Essen etwas, zumindest bis er Caiwen erzählte das er die großen Huftiere am Tag zuvor beim Verzehr dieser Früchte beobachtet hatte und selbst eine zu verspeisen begann.

In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages, nachdem er Caiwen versichert hatte, dass er noch einige Stunden wach bleiben würde um die Oase zu erkunden und sie wecken käme, wenn er selbst schlafen wolle, machte er sich auf den Weg zu einem dieser Pfade. Sobald er sich sicher war, dass sie ihn nicht sehen konnte, ob sie nun schlief oder nicht, verwandelte er sich. Als die ersten Tiere, Oryx-Antilopen wie er sich nun an eine Erzählung seiner Mutter erinnerte, den Pfad zum Wasser hinunterkamen, nahmen sie keinerlei Notiz von dem großen Vogel, der sie aus einiger Entfernung aufmerksam studierte.
Er nahm sich viel Zeit mit der Beobachtung, flog oft zwischen beiden Pfaden hin und her, besah sich die Tiere manches Mal auch nur aus der Luft. Geduldig spähte er sie aus, stundenlang, bis auch das letzte von ihnen sie die Oase verlassen hatte. Er landete nach einem letzten prüfenden Überflug und wollte sich soeben zurückverwandeln als ihm ein Gedanke kam. Er stakste zu einer Palme herüber, an der viele von jenen seltsamen Früchten hingen, die sie zuvor verspeist hatten. Dort angekommen schwang er sich in die Luft und versuchte sich mit wilden Flügelschlägen in eine halbwegs günstige Position zu bringen um sie mit dem Schnabel erreichen zu können, was ihm aber nicht gelang. Er konnte sich nicht gut genug an einer Stelle halten, sondern hüpfte wild auf und ab. Als nächstes versuchte er auf den Laubblättern zu landen, was ihm auch gelang. Von dort aus konnte er dank seines langen Halses einige Früchte erreichen, die er mit dem Schnabel abtrennte und zu Boden fallen ließ. Ein gutes Dutzend fanden auf diese Weise ihren Weg zum Erdboden, ehe er zufrieden selbst hinabflatterte und sich zurückverwandelte.
Mit einem kaum unterdrückten Gähnen ging er langsam zu Caiwen zurück. Sorgsam drapierte er die Früchte auf einem kleinen Felsen bei ihrem Gepäck, ehe er sich über seine Reisegefährtin beugte und sie leicht an der Schulter berührte. Sein Haar fiel nach vorne, während er auf sie hinunterblickte und darauf wartete das sie aufwachte. Es war inzwischen fast Mittag und die Sonne stand hoch am Himmel. Das Licht sprenkelte den Boden im Schatten der Palmen, während Nebelgeist darauf wartetet das Caiwen aufwachte.
Legende: „Nebelgeist spricht“ / Nebelgeist denkt / „Andere sprechen“
Geh Wege die noch niemand ging damit du Spuren hinterlässt.

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