Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Lebensfeindliches Land unter glühender Sonne am Tage und dem eisigen Mondlicht in der Nacht...
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Caiwen
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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Caiwen » So, 26. Feb 2017 17:29

Als sie gestern Nacht die Oase erreichten, konnte man nicht viel erkennen. Sie erinnerte sich an das glitzernde Wasser und dass sie aufgeregt von Nebelgeists Rücken sprang – was sie sogleich bereute, da es ihrem Bein zwar besser ging, aber sie diese Art von Belastung vorerst doch noch vermeiden sollte – um an das Ufer zu laufen und etwas von der frischen, kühlen Flüssigkeit zu trinken. Ihr fielen die Palmen ein, in deren Schutz sie geschlafen hatten. Umso aufgeregter war Caiwen, als sie am nächsten Morgen aufwachte. Sie befand sich umgeben von Pflanzen, so viele beieinander, wie sie es schon lange nicht mehr gesehen hatte. Im Mittelpunkt der ganzen ineinander verschwimmenden Grüntöne befand sich die Wasserstelle, die das Blau des wolkenlosen Himmels über sich reflektierte. Ein kurzer Blick zu ihrem Gefährten offenbarte, dass dieser immer noch fest schlief. Während sie den letzten Tag an Ort und Stelle sitzend verbracht hatte, war er ständig in Bewegung gewesen, auf der Suche nach dieser Wasserstelle; und musste den ganzen Weg sogar zwei Mal bewältigen. Deshalb beschloss Caiwen, ihn noch eine Weile schlafen zu lassen. Die dichte Vegetation schützte ihn vor möglichen Angreifern und sie würde außerdem in der Nähe sein, falls wider Erwarten etwas passieren sollte, denn das Wasserloch war nicht allzu groß. Also nahm sie ihr Schwert, ließ ihren Rucksack bei Nebelgeist und machte sich auf den Weg, die Oase etwas genauer zu erkunden.

Caiwen bahnte sich einen Weg durch die Pflanzen hindurch, sodass sie vom Ufer aus kaum zu erkennen war. Die Sonne stand hoch am Himmel und wäre nicht der gelegentliche Schatten, den die Palmen spendeten, hätte Caiwen wahrscheinlich längst einen Sonnenstich. So war es zwar sehr heiß, aber sie krempelte die Blusenärmel hoch und rollte die Hosenbeine auf, woraufhin es etwas angenehmer wurde. Sie war auf der Suche nach etwas Essbarem, auch wenn sie das Jagen lieber Nebelgeist überließ, der sich damit deutlich besser auskannte, so konnte sie wenigstens aus ihrem Wissensfundus über Pflanzen schöpfen. Außerdem wollte sie ein paar Äste finden, mit denen sie ihr Bein schienen konnte. Während sie die Wasserstelle umrundete, konnte sie die Tiere beobachten, die auf der anderen Seite tranken. Tiere, die sie sonst nur aus Erzählungen kannte. Ein paar sahen so ähnlich aus wie die Ziegen, die sie von Zuhause kannte, aber doch irgendwie auch ganz anders. Caiwen bewunderte diese kleinen – Antilopen, fiel es ihr ein. Sie nahm sich vor, später eine Skizze von ihnen anzufertigen.
Nach einer Weile fand sie einen Strauch, der ihr bekannt vorkam. Sie hatten bei der Legion Unterricht gehabt, wie sie in der Natur überleben konnten. Sie gab zu, als das Wüstengebiet behandelt wurde, hatte sie nicht richtig aufgepasst, da sie damals ja noch nicht ahnen konnte, dass es sie einmal in die Cala an Darh verschlägt. Aber an diesen Busch konnte sie sich erinnern, wenn ihr auch sein Name nicht einfallen wollte. Jedenfalls waren seine Samen essbar und auch die Blätter waren für Menschen nicht giftig. Zu ihrer Freude stellte Caiwen fest, dass die Äste des Gewächses sehr stabil waren, aber trotzdem ein wenig biegsam. Und einige hatten sogar den richtigen Durchmesser und die Länge für eine provisorische Schiene. Also machte sie sich an die Arbeit, schnitt mit ihrem Dolch einige Äste auf die richtige Länge, trennte ein paar Blätter ab und sammelte so viele Samen, wie in ihren kleinen Beutel passten. Die Äste und Blätter hinter sich her ziehend, begab sie sich zurück zum Lager.
Etwa nach zwei Dritteln der Strecke raschelte es neben ihr im Gebüsch. Sie dachte sich zuerst nichts dabei, schließlich gab es hier viele Vögel und andere Tiere, die wahrscheinlich vor ihr flüchteten. Doch als das Geräusch lauter statt leiser wurde, es also so schien, als würde etwas näher kommen, wurde sie misstrauisch. Caiwen ließ die Äste zu Boden fallen, die dort mit einem dumpfen Geräusch aufschlugen, und zog ihr Schwert aus der Schneide auf ihrem Rücken. Auch wenn ihr Bein protestierte, stellte sie sich in Angriffsposition und beobachtete die Pflanzen, von denen das Geräusch herzukommen schien. Ein paar angespannte Sekunden geschah nichts, dann schoss ein kleines rot-braunes Bündel zwischen den Blättern hervor und stupste Caiwen gegen das Bein. „Fiari!“, rief Caiwen überrascht, als sie erkannte, was sie da vor sich hatte. Nämlich einen kleinen Fuchs mit sandverkrusteten Augen und einer verschorften Bisswunde an der Seite. Caiwen verstaute ihr Schwert und kniete sich hin. „Nebelgeist hat dich bestimmt vermisst. Komm mit.“ Sie stand auf und ging weiter in Richtung des Lagers und als ob die Füchsin ihre Worte verstanden hatte, trottete sie hinter ihr her.

Als Caiwen Nebelgeist wiedertraf, war es schon fast dunkel. Sobald Fiari Nebelgeist sah, sprintete sie los und rannte an Caiwen vorbei auf ihn zu. Da sie selbst den ganzen Tag unterwegs gewesen war, hatte sich ich Hinken deutlich verstärkt, weshalb die junge Frau aufs Laufen verzichtete und etwas später bei ihrem Begleiter ankam. Sie grüßte ihn mit einem Lächeln und wies auf die Füchsin „Schau mal, wem ich zufällig begegnet bin. Hat mir ´nen ganz schönen Schrecken eingejagt.“ Sie sah, wie sehr Nebelgeist sich freute, dass Fiari wieder bei ihm war und ehrlich gesagt freute auch sie sich, die kleine Füchsin wieder zu haben, auch wenn der Sandsturm sie ganz schön zugerichtet hatte.
Erst jetzt bemerkte sie, dass Nebelgeists langes Haar offen war und sich wie ein Wasserfall über seinen Rücken ergoss. Sie hatte noch nie einen Menschen mit so langen und so hellen Haaren gesehen...aber, nun ja, genau genommen war Nebelgeist auch nicht menschlich. Die Frage nach den Ästen hörte sie nur halb, weswegen sie erst nach einer kurzen Pause antwortete: „Ähh ja, ich denke schon. Ich hoffe es.“ Dann setzte sie sich, das verletzte Bein ausgestreckt, auf den Boden und positionierte jeweils zwei Äste an den Seiten ihres Beines. Dann löste sie ihren Zopf, sodass ihre blonden Haare sich über ihre Schulter wellten und benutzte das Lederband, um die Stöcke zusammen zu binden. Schließlich nahm sie noch ein paar der Blätter, die sie zur Stabilisation um ihr Bein knotete. Währenddessen unterhielt sie sich mit Nebelgeist. „..., denn ich für meinen Teil würde gern ein paar Tage hier verbringen. ...“ Sie musste die Dokumente nach Ranurj bringen, das sollte oberste Priorität haben. Aber was schadeten schon ein paar Tage? Sie wollte hier bleiben, am liebsten ihre beschwerliche und anstrengende Reise niemals fortsetzen. Aber das konnte sie sich nicht erlauben. Sie durfte die Gilde nicht enttäuschen...
„Ja, lass uns hier bleiben. Nur ein paar Tage.“, stimmte sie Nebelgeist zu und redete sich gleichzeitig ein, dass sie kein schlechtes Gewissen haben musste. Dann stand sie – unter einigen Schwierigkeiten, da sie ihr eines Bein ja nicht mehr einknicken konnte – auf und schaute Nebel erwartungsvoll an. „Hast du auch so Hunger?“
Während Nebelgeist etwas zu Essen suchte, machte sie ein Feuer und röstete so gut es ging die Samen, indem sie sie am Rand der Feuerstelle auf die heißen Steine legte und mit einem Stock umherschob. Schon bald kam ihr Gefährte wieder und brachte einige Früchte mit. Sie zeigte die Samen und die übrigen Blätter, die sie am Tag gefunden hatte und versicherte, dass man diese essen konnte. Die Früchte studierte sie misstrauisch, schließlich ließ sie sich aber von Nebelgeist überzeugen. Während sie aßen, überlegte Caiwen, was sie wohl die nächsten Tage machen könnten. „Weißt du noch, an dem Abend, als wir uns getroffen haben, hast du ein Tier genau in das linke Auge getroffen. Und auch die letzten Wochen über habe ich gemerkt, wie gut du mit Pfeil und Bogen umgehen kannst. Meinst du, du könntest mir etwas davon beibringen?“

Caiwen spürte eine leichte Berührung an der Schulter und ein leichtes Kitzeln an der Wange. Sie öffnete verschlafen die Augen und begegnete Nebelgeists Blick, der auf sie herabschaute. Es waren seine weißen Haare, die ihre Wange zum Kribbeln brachten. Sie setzte sich auf und streckte sich. „Guten Morgen.“
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Nebelgeist » Sa, 15. Apr 2017 17:23

Die Früchte schmeckten… interessant. Nebelgeist durchforstete sein Gedächtnis auf der Suche nach etwas Ähnlichem, konnte sich jedoch an keinen vergleichbaren Geschmack erinnern. Er kaute nachdenklich und gab es schließlich auf. Sie aßen schweigend. Ein jeder in seinen eigenen Gedanken versunken.
Fiaris Rückkehr war für ihn eine Überraschung gewesen, auch wenn er inzwischen daran gewöhnt sein müsste. Immerhin kannte er sie bereits ihr ganzes Leben und sie war mit dem Ende ihrer Welpenzeit immer unabhängiger geworden. Ein Umstand der ihn weit weniger verwundert hatte als der, dass sie trotzdem stets zu ihm zurückkehrte. Seine Eltern hatten ihn gewarnt das Füchse nicht in Rudeln wanderten, lebten und jagten. Sie sagten ihm, dass sie ihn vermutlich eines Tages verlassen würde, denn das sei für ihre Art nur natürlich. Das gefiel ihm zwar nicht, doch im Laufe der Zeit fand er sich damit ab. Zunächst schien es als würden seine Eltern Recht behalten. Ihre Streifzüge dauerten immer länger an, manches Mal sah er sie tagelang nicht. Trotzdem saß sie stets eines Morgens wieder vor ihm. Sie gingen gemeinsam auf die Jagd. Er beobachtete wie sie eine Witterung aufnahm und einer für ihn nicht sichtbaren Fährte folgte, sie sah zu wie er Fallen legte und ein paar Tage später seine Beute daraus befreite. So lernten sie von einander. Seine Nase war nicht so fein wie die ihre und doch vermochte er nach einiger Zeit zumindest einen Teil dessen wahrzunehmen, was sie roch wenn sie etwas verfolgte. Dafür konnte er sehen. Seine Augen leisteten, was der Geruchssinn nicht vermochte. Es war eine seltsam Art Spuren zu lesen, die er sich auf diese Weise aneignete. Er vermengte das Wissen seiner Lehrmeister von den Ciel mit dem, was er sich von seiner rotpelzigen Freundin abschaute, verwandte sowohl seine Nase, als auch seine Augen. Fiari entwickelte indes einen überaus nützlichen Sinn. Sie erkannte instinktiv die Gefahr jener Fallen in denen Nebelgeists Beute Monat für Monat dahinschied. So begann sie ein gesundes Misstrauen gegen alles zu entwickeln das durch Geruch oder ihr vertraut gefahrvolles Aussehen, nicht in ihren Lebensraum zu passen schien.
Jetzt lag sie an seine Flanke geschmiegt. Das frisch gesäuberte Fell war noch etwas feucht, glücklicherweise hatte das kurze Bad dem Wundschorf kaum zugesetzt, sodass die Verletzung nicht erneut zu bluten begonnen hatte. Er nahm einen tiefen Atemzug, genoss die frische saubere Luft der anbrechenden Wüstennacht, frei von unangenehmen Gerüchen. Endlich konnte er sich wieder in Fiaris Gegenwart aufhalten, ohne das der Geruch ihres Blutes ihn in Panik versetzte.

Caiwens Frage durchbrauch die Stille schließlich. Überrascht wandte der junge Kentaur ihr nun seine volle Aufmerksamkeit zu. Er musterte sie von oben bis unten, ehe er zu einer zögerlichen Antwort ansetzte: „Ja, ich erinnere mich daran. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich das kann. Ich habe noch nie versucht es jemandem beizubringen, bevor ich meinen Stamm verließ war ich ja selbst noch ein Schüler. Aber wenn du es gern möchtest, versuche ich es gerne, vielleicht wärst du ja bereit mir im Gegenzug mehr über die Lebensweise deines Volkes zu erzählen? Oder auch wie das Zusammenleben in diesen Städten funktioniert? Da du keinen Bogen dabeihast, müssten wir dir einen bauen der an deine körperlichen Möglichkeiten angepasst ist. Außerdem bin ich nicht sicher ob sich das Holz dieser Bäume zum Bogenbau eignet.“ Er schwieg nachdenklich, ließ seinen Blick erneut prüfend über sie wandern. „Meine Schwester ist mit einem Zion-Bogen ganz gut zurechtgekommen, daran sollte es also nicht scheitern. Zunächst würde ich gerne überprüfen wie viel Kraft du hast, das ist wichtig, weil…“, er verstummte erneut und schüttelte den Kopf um Ordnung in seine wirren Gedanken zu bringen. „Wie viel Erfahrung hast du denn im Bogenschießen?"

Ruhig sah er zu wie sie aufstand und sich streckte. Ihre verschlafene Begrüßung quittierte er mit einem schiefen Lächeln, ehe er zu dem Felsen hinüberwies, auf dem er ihre erste Mahlzeit abgelegt hatte: „Ich habe Frühstück mitgebracht.
Dann wandte er sich ab um ihr ein wenig Zeit zu geben, damit sie vollends erwachen konnte. Wie so oft nach einer Verwandlung, noch immer etwas unsicher auf den Beinen, stakste er zu seiner Schlafstatt und kramte seinen Kamm aus dem Beutel. Mit ihm ging zum Wasser hinunter. Dort angekommen spritzte er sich etwas Wasser ins Gesicht um die aufkommende Müdigkeit zu unterdrücken und kämmte sich die Knoten aus dem Haar, ehe er es zu einem strammen Zopf zusammenband. Anschließend widmete er sich seinem Schweif. Während er den Knochenkamm mit langsamen gleichmäßigen Bewegungen durch das Haar zog, entdeckte er etwas, das dort nicht sein sollte. In seinem Schweif hing eine Feder. Als er daran zog, stellte er fest, dass sie mit seiner Schweifwurzel verwachsen war. Für einen Moment hielt er inne, dann riss er sie kurzentschlossen mit einem kräftigen Ruck heraus. Ein kurzer Schmerz, dem ein leichter Blutgeruch folgte und er hielt sie in der Hand. Es war, wie er befürchtete hatte, eine seiner Federn. Sie sah zumindest exakt so aus. Er musterte sie nachdenklich, ehe er sie mit einem seltsamen Gefühl in der Magengegend ins Wasser warf und dann zu Caiwen zurückkehrte.

Während des gemeinsamen Frühstücks berichtete er von den Wildpfaden und seinem Plan dort am Abend Fallen zu legen. Die Mittagssonne hatte die Luft inzwischen wieder derart aufgeheizt, dass sie es beide vorzogen den kühlen Schatten vorerst nicht zu verlassen, doch bot sie auch ausreichend Licht um ihren Plan vom Vorabend in die Tat umzusetzen.
Nebelgeist war jetzt seit annähernd einem vollen Tag wach und langsam begann sein Körper ihn an den nötigen Schlaf zu erinnern, doch noch gestattete er es sich nicht. Zuerst wollte er noch sehen was Caiwen für Fähigkeiten mitbrachte und wie sie mit seinem Bogen zurechtkam, damit er sich beim Einschlafen einen sinnvollen Plan über ihr weiteres Vorgehen zurechtlegen konnte.
Also gut, fangen wir an.“ Sie standen sich im Schatten einer Baumgruppe gegenüber. Er hielt in einer Hand seinen unbespannten Bogen und in der anderen die Sehne. Seinen Köcher trug er nun ebenfalls wieder. „Dies ist ein Zion-Bogen. Die Kunst diese Waffen zu fertigen und mit ihnen umzugehen wird innerhalb meines Clans seit Generationen verbessert und weitergegeben. Es ist ein nicht unwesentlicher Teil unserer Ausbildung, beides zu erlernen. Da du mit dieser Art von Bogen nicht vertraut bist, werde ich ihn selbst bespannen. Du kannst es dir gerne ansehen wenn du möchtest, aber ich werde es dich nicht selbst versuchen lassen ehe ich mir nicht sicher bin, dass du weißt wie es geht.“ Er wandte sich von ihr ab und begann. Zunächst hakte er die Sehne am unteren Ende des kleineren Wurfarmes fest, dann stemmte er diese Spitze gegen den Stamm eines Baumes und bog den längeren oberen Arm durch, ehe er auch dort die Sehne einhaken konnte. Als er sich mit dem Bogen in der Hand wieder aufrichtete, sah er das Caiwen ihn aufmerksam betrachtete und schenkte ihr ein schnelles Lächeln, ehe er mit seinen Erläuterungen fortfuhr: „Jetzt ist der Bogen einsatzbereit. Ich weiß nicht genau ob sich die Arten des Schießens, die man dir und mir beigebracht hat, unterscheiden, daher zeige ich dir jetzt wie ich es gelernt habe.“ Er stellte sich so, dass sie gut sehen konnte was er genau tat. Zunächst zog er einen Pfeil aus seinem Köcher und nockte ihn an die Sehne des entspannten Bogens, wobei er den Pfeil mit Zeige-, Mittelfinger und Daumen seiner rechten Hand in Position hielt. Wobei die beiden erstgenannten über den Daumen legte und die restlichen Finger einrollte. Dann nahm er den Bogen richtig in die linke Hand. Dazu legte er die Waffe fest zwischen Daumen und Zeigefinger, schob die Hand dicht am Bogen ein Stück nach oben, wobei sich die Haut zwischen diesen beiden Fingern nach unten rollte, ehe er die anderen Finger beginnend mit dem kleinen Finger dicht beieinander anlegte. Den Daumen legte er zuletzt ein wenig nach unten zeigend über den Mittelfinger, den Zeigefinger streckte er gerade nach vorne.
Das ist die Haltung von Pfeil und Bogen, wie man es mich lehrte. Ich werde jetzt einmal langsam auf diesen kleinen Sandhügel dort hinten schießen.“ Nach diesen Worten wandte er den Kopf in Richtung seines Ziels, visierte es an und hob den Bogen gerade vor seinem menschlichen Oberkörper, während er die Hufe beinahe unmerklich umsetzte um einen besseren Stand zu bekommen, sodass sich der Pfeil ein Stück über seinem Kopf befand. Dann senkte er den Bogen wieder ab, während er die Sehne zurückzog. Als er den vollen Auszug erreichte hielt er seine linke Hand gerade, der linke Arm zeigte leicht nach oben, der Pfeil bildete eine parallele Linie zur Linie seiner Schultern und lag an seiner Wange an. Das Ganze war jedoch vom Beginn des Auszuges an eine einzige fließende Bewegung, die erst nach dem Loslassen des Pfeils zu einem abrupten Ende kam. Er stand kurz nun mit ausgedrehtem Bogen und ausgebreiteten Armen da, ehe er sie sinken ließ und sich wieder Caiwen zuwandte.
Der Pfeil steckte bis zur Befiederung in jenem Sandhügel. „Das wäre das technisch korrekte langsame Schießen.“ In einer raschen Bewegungsabfolge zog er einen zweiten Pfeil aus seinem Köcher, zielte und schoss. Dieser zweite Pfeil traf den Sandhügel etwas höher, drang aber genau so tief ein. „Das wäre die Geschwindigkeit, die du für die Jagd beherrschen müsstest. Doch um das gut hinzubekommen, musst du erst einmal die grundlegenden Bewegungen beherrschen.“ Mit diesen Worten ging er seine Pfeile holen. Als er wieder neben ihr zum Stehen kam, hielt er ihr die Waffe hin. „Ich möchte zuerst einmal sehen ob du ihn spannen kannst. Wenn du merken solltest das deine Kraft nicht ausreicht, lass die Sehne nicht plötzlich los, sondern entspann ihn langsam. Beherzige das, sonst kannst du dich verletzen!
Er ließ sie eine ganze Reihe von Bewegungen ausführen die er ihr zuvor gezeigt hatte, ehe er ihn ihr wieder abnahm. Einen Pfeil gab er ihr nicht.
Legende: „Nebelgeist spricht“ / Nebelgeist denkt / „Andere sprechen“
Geh Wege die noch niemand ging damit du Spuren hinterlässt.

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Re: Falkentochter, Geistersohn - Unter fremden Himmeln

Beitrag von Caiwen » Fr, 29. Dez 2017 17:38

Caiwen sah, dass ihre Frage Nebelgeist überraschte. Auch an der Art, wie er antwortete, merkte die junge Frau, dass sie ihn vermutlich überrumpelt hatte, als sie nach Bogenunterricht fragte. Sie wartete, bis er seine Gedanken geordnet hatte, und begann dann zu sprechen. „Ich hatte ein wenig Unterricht während meiner Ausbildungszeit, doch ehrlich gesagt war ich nicht sonderlich gut und habe daher nur die Grundlagen gelernt, bis ich dann in eine andere Übungsgruppe versetzt wurde.“, antwortete sie auf die Frage des Kentauren. „Wie willst du überprüfen, wie viel Kraft ich besitze?“, fragte sie und stand bereitwillig auf. „Und was genau ist das Besondere an einem Zion-Bogen?“

Immer noch nicht ganz wach rieb sie sich die Augen und schaute in die Richtung, in die Nebelgeist wies. Mhm…das sieht lecker aus, dachte sie und ihr leerer Magen knurrte zustimmend. Doch bevor sie frühstückte machte sie sich etwas frisch, oder versuchte es den Umständen entsprechend. Sie löste das Band aus ihren Haaren, die sie die Nacht zuvor zu einem Zopf geflochten hatte und bürstete sie ein paar Mal durch, um die verfilzten Stellen zu entwirren. Dann band sie ihre Haare in einem unordentlichen Dutt auf ihrem Kopf zusammen, wobei einige widerspenstige Wellen sich lösten und um ihr Gesicht kringelten. Danach nahm sie ihren Wasserschlauch und trank einen großen Schluck, bevor sie sich etwas Wasser in die Hand goss und ihr Gesicht wusch. Schließlich stand sie auf und klopfte sich den Staub von ihrer Kleidung. Besser wird’s nicht… Sie ging auf Nebel zu, der gerade vom Wasserloch zurückkehrte und sie setzten sich zum Essen auf den sandigen Boden. Sie unterhielten sich über die Pläne des Kentauren und Caiwen hielt das Fallen-Legen für eine gute Idee.
Als sie fertig gegessen hatten, begann Nebelgeist mit dem Bogenunterricht, worauf sie sich sehr freute, vor allem, weil er sein Wort so schnell in die Tat umsetzte. Sie hörte seiner Erklärung aufmerksam zu und schaute genau hin, wie er den Bogen spannte. Bei ihm sah es leicht aus, wie er den Bogen gegen einen Baum stemmte um ihn so zu verbiegen, dass er die Sehne einhaken konnte. Doch sie wusste, dass es für sie sehr viel kraftaufwendiger sein würde. Sie erwiderte sein kurzes Lächeln, bevor sich beide wieder auf ihre Aufgaben konzentrierten – was in Nebelgeists Fall war, ihr jetzt zu zeigen, wie man schoss. Caiwen beobachtete, wie er seine Finger hielt um den Pfeil zu stabilisieren und ahmte die Haltung unbewusst nach. Sie versuchte, sich jedes Detail einzuprägen, aber vermutlich würde der Kentaur es ihr noch ein paar Mal zeigen beziehungsweise sie verbessern müssen, bis sie den Dreh raushatte. Bei ihm sah der Schuss perfekt aus – soweit sie das beurteilen konnte – jede Bewegung war genau durchdacht und fließend ausgeführt. Sosehr Caiwen es auch versucht hatte, sie hatte sich die vielen einzelnen Bewegungen nicht alle merken können. Der zweite Schuss war sogar noch beeindruckender, da Nebelgeist sich jetzt in voller Geschwindigkeit bewegte. Während er lostrabte, um die Pfeile zu holen, schaute sie ihm bewundernd hinterher. „Wow“, flüsterte sie. Nebelgeist war hoffentlich ein geduldiger Lehrer, ansonsten würden sie nicht viel Spaß miteinander haben.
Schon in der Ausbildung hatte sie ihre Schwierigkeiten mit dem Bogen gehabt. Aber auch wegen fehlendem Interesse lernte sie nie richtig, wie man schoss. Sie war einfach durch und durch ein Nahkämpfer, mochte es, ihrem Gegner nah gegenüber zu sein, seine Mimik und Gestik zu analysieren. Sie betrachtete das Schwert inzwischen als ein Teil ihrer selbst, wenn sie kämpfte, wie eine Verlängerung ihres Arms. Und sie war gut. Aus ihrer Gruppe eine der Besten. Natürlich waren das alles nur Jugendliche, fast noch Kinder gewesen.
Sie bemerkte, dass Nebelgeistneben ihr stand und ihr den Bogen hinhielt. Schnell nahm sie ihn und stellte sich breitbeinig hin. Sie versuchte, sich an seine Bewegungen zu erinnern, was ihr beim ersten Mal – natürlich – misslang. Nebelgeist erklärte es ihr nochmal, schob ihre Hand etwas runter, hob den Ellenbogen etwas an, … - So übte sie eine ganze Weile, spannte den Bogen und ließ ihn vor sichtig wieder los. Einen Pfeil durfte sie nicht haben.
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

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