Morgenrot und Abendhitze

Lebensfeindliches Land unter glühender Sonne am Tage und dem eisigen Mondlicht in der Nacht...
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Unvorhersehbares
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Beitrag von Unvorhersehbares » So, 07. Sep 2008 19:14

Die Augen ihres Vaters weiteten sich. Die breiten Augenbrauen zogen sich ein Stück nach oben. Erstaunt lauschte er den Worten seiner Tochter. Was hatte sie da eben gesagt? Sie würde Khalis die Gunst erweisen? Nadir war sich nicht sicher, ob sie wusste, was sie eben gesagt hatte. Schließlich hatte sie bisher nicht den Eindruck gemacht, sich über die Reise zu freuen oder hatte gar vor Begeisterung gesprüht. Doch ihre Worte mochten ihn vom Gegenteil überzeugen.

Doch der Anflug von Selbstsicherheit war schnell wieder verschwunden und sie wandte sich ins Zelt ab.
Nadir seufzte kurz und widmete sich dann seinen Dingen. Was sollte er auch tun? Egal, wie leid es ihm tat, sie brauchte einen Mann. Und er fand, Khalis war durchaus ein netter Bursche.

Als sie wieder aus dem Zelt hinaus trat und begann, es zusammen zu packen, saß Nadir vor seinem Zelt. Er war in einem Buch vertieft, so schien es jedenfalls, doch er blickte immer wieder auf, um zu Yeira zu sehen.
Als sie sich zu Yasha aufmachte, legte er sein Buch zur Seite und verschwand in seinem Zelt.

Er tauchte vor Khalis bei den Kamelen auf. Da saß sie schon auf Yasha. Sie wirkte abwesend, was es ihrem Vater nicht gerade leichter machte. Durch ein kleines Räuspern machte er sich bemerkbar und trat zu ihr heran. Er legte eine Hand auf ihr Bein, war es ihm doch nicht möglich, seine Tochter zum Abschied zu umarmen.
"Er wird gut auf dich aufpassen. Wenn du wieder kommst, hast du sicher viel zu erzählen." Ein Lächeln lag auf seinen Lippen, das seine Augen jedoch nicht erreichte.
"Pass dennoch auf dich auf, Avrabêth ist eine große Stadt. Hier...", er nahm ihre Hand und drückte ihr ein kleines, klimperndes Beutelchen in die Hand, "kauf dir ein schönes Andenken."

Er drehte kurz den Kopf und sah Khalis, der angeritten kam. Also trat er zurück und sagte erst etwas, als die beiden nebeneinander standen. Khalis' Blick wirkte so scheu wie am Abend zuvor und sein Lächeln ließ ihn noch immer verunsichert erscheinen.
"Ich wünsche euch eine gute Reise. Passt auf euch auf", meinte Nadir und sah erst Kahlis und dann seine Tochter an.
"Ich danke Euch. Ich werde sie wohlbehütet wieder zurück bringen", versicherte er ihrem Vater. "Können wir?" Diese Frage richtete er an die Frau, die womöglich bald seine Ehefrau werden würde.

Yeira Aaminah ad Mehtar
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Beitrag von Yeira Aaminah ad Mehtar » Mo, 08. Sep 2008 9:25

Yeira wartete mit hoch erhobenem Kopf und den Blick in die Ferne gerichtet. Irgendwo verlor er sich zwischen ihrem Gesicht und dem Horizont, blieb an einem imaginären Staubkorn hängen, das nur sie in diesem Moment sah. Erst als ihr Vater sie berührte, kehrte sie langsam ins Hier und Jetzt zurück. Zögernd nahm sie den kleinen Beutel in die Hand. Ihr Vater war zwar nicht der Ärmste und das wusste sie auch, aber was er ihr da vermachte, war doch ein großer Brocken seines Vermögens. Tat es ihm etwa leid, dass er seine Pflichten erfüllte? Oder wollte er ihr das ganze nur Verschönen? „Hab Dank“, antwortete sie leise, als Khalis schon beinahe neben ihr stand.

Die junge Frau sah ihn nicht an. Nachdem sie den Blick von ihrem Vater abgewandt hatte, verlor sich dieser wieder in der Luft. Abwesend nickte sie auf seine Frage hin. „Wann immer Ihr wollt“, war ihre Antwort und mit einem minimalen Zehendruck, den man kaum sah, setzte sich Yasha in Bewegung.

Am Ausgang der Koppel, dort, wo ihn bisher niemand gesehen hatte, stand Naji. Er lehnte lässig am Zaun und blickte zu Yeira auf. „Es ist also soweit“, murmelte er, doch sein Gesicht strahlte wie eh und je. Um nichts auf der Welt hätte er sich anmerken lassen, dass er es schade fand, dass Yeira ging. Und dass er seine Chance von dannen streichen sah, sie selbst zur Frau zu bekommen. Aber Naji hatte nichts und konnte nur wenig, daher hatte er nie den Mut aufgebracht, um die Hand des stillen Mädchens anzuhalten, das ihm bei den Kamelen half, dabei war er sich sicher, dass er sie glücklich machen konnte. So glücklich ein so seltsames Wesen eben sein konnte.

Yeira hielt ihre Stute neben dem Mann an und nickte leicht. „Ja, es ist soweit. Der Horizont erwartet mich“, antwortete sie und sah ihm dabei kurz in die Augen, etwas, das sie sonst nie tat. Aber Naji war ihr so seltsam vertraut, fast wie ihr Vater, dass sie es wagte, ihn direkt anzublicken. Doch was sie sah, verwirrte sie umso mehr: In seinem strahlenden, lachenden Gesicht schienen die Augen fehl am Platz. Voll Trauer wirkten sie, voll unterdrückter Gefühle, wie er sie ansah, hoch oben auf ihrem Kamel sitzend. Yasha war zwar eine kleine Kamelstute – aber auch kleine Kamele waren groß.
Die Nomadin schluckte schwer. Der kalte Schauer wollte ihren Rücken gar nicht mehr verlassen, das Leuchten – mal traurig, mal voll von etwas, das sie nicht kannte – wollte gar nicht mehr aus Najis Augen verschwinden. In ihrem ganzen Körper breitete sich ein Kribbeln aus, als wäre jede Faser in Aufruhr versetzt worden. Sie schüttelte sich leicht, um dieses Gefühl abzulegen, doch es half alles nichts, stattdessen löste sich nur eine Strähne ihres sorgfältig befestigten Haares und fiel ihr ins Gesicht. Somit war auch das Geheimnis um ihre Haarfarbe gelöst: Das in der Morgensonne flammend rot strahlende Strähnchen hob sich perfekt von ihrer blassen Haut ab und ließ sie in einem seltsamen Licht erstrahlen.

Noch einmal Schluckte Naji, ehe er sich vom Zaun abstieß und auf Yeira zukam. Sofort machte Yasha ein paar Schritte zur Seite, bis ihre Ziehmutter sie mit einem sanften Ton zum Stehen brachte. Die Blicke der beiden Kamelpfleger trafen sich und während aus Najis all seine Liebe zu sprechen schien, sah Yeira ihn unbeteiligt an, um nichts von dem zu verraten, was in ihr vorging. Naji löste eine Hand Yeiras vom Zügel und strich einen kleinen, dünnen Armreif darüber. Er war sehr fein gearbeitet, aus bestem Silber, und hatte an einer Stelle einen kleinen Stein eingearbeitet. Kein wertvoller Stein, aber ein sehr schöner. Für Najis Verhältnisse musste er ein Vermögen für diesen einen Armreif ausgegeben haben. „Das… das kann ich nicht annehmen“, murmelte Yeira. Warum überhäuften sie gerade alle mit Geschenken? Ihr Vater mit dem Geld, jetzt Naji mit dem Amreif.

„Ich will, dass du ihn trägst. Damit du mich nicht vergisst“, antwortete Naji mit seinem typischen Grinsen, doch aus seinen Augen sprach die Trauer, dass er sie scheinbar verloren hatte, die Frau, die ihn so begeistert hatte. Kurz noch sah er auf die Haarsträhne, dann trat er bis zum Zaun zurück und setzte sich darauf. Wenn die beiden Reisenden weg waren, am Horizont zu winzigen Punkten geworden und im Dunst des Morgens verschwunden, dann würde seine Arbeit hier anfangen.


Yeira schluckte und murmelte kurze Dankesworte, ehe sie Yasha mit einem kurzen Befehl dazu brachte, loszulaufen. Bald schon ging die Stute in einem leichten Passgang, bei dem man das Gefühl hatte, über den heißen Wüstensand zu schweben.

Sie blickte sich nicht nach Khalis um, sah nicht voraus. Ihr Blick hing auf dem Armreif, der ihr Geschenkt wurde. Sie musste ihn sich einfach immer und immer wieder ansehen. Er war wirklich nichts Besonderes – eigentlich. Nur ein dünner Silberreif, in den feine Muster eingraviert waren. Und in der Mitte, dort, wo normalerweise die Enden zusammengeschweißt waren, da lag ein kleiner, blauer Kieselstein in Silber gebettet. Wenn die Sonne darauf schien, strahlte er ein eigenartig ruhiges Licht aus. Yeira schluckte, ehe sie ihren Ärmel über den Reif gleiten ließ. Sie liebte Schmuck. Natürlich tat sie das, immerhin war sie zur Hälfte auch eine Beraij. Aber sie hatte noch nie von einem jungen Mann Schmuck geschenkt bekommen. Sie fühlte sich irgendwie seltsam.

Die Zeit verging wie im Flug – oder flog sie nur durch die Zeit? Irgendwann merkte sie, dass Yasha langsamer wurde. Die Stute hatte eben noch keine Übung darin, längere Strecken zu bewältigen. Erst jetzt kehrte ihre Wahrnehmung in die Wirklichkeit zurück und ihre Augen suchten kurz Khalis, ehe sie ihn fand. „Meine Stute benötigt eine Pause“, erklärte sie, während sie auf seine Hände blickte, denn in sein Gesicht zu sehen wagte sie nicht. „Sie ist noch sehr jung“, fügte sie erklärend hinzu, ehe sie Yasha mit einem ganz bestimmten Pfiff zum Stehen brachte. Mit einem Druck ihrer Ferse ließ sich die Stute im Sand nieder, so dass Yeira bequem absteigen konnte, sobald sie ihre Sandalen angezogen hatte.
Schweigen ist das einzige Argument, das nicht widerlegt werden kann.

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Beitrag von Unvorhersehbares » Do, 11. Sep 2008 16:34

Die Sonne stieg über den Horizont und wandte sich langsam dem Himmel zu. Khalis schwieg die ganze Zeit über, wusste nicht, was er sagen sollte und ob sie das überhaupt wollte. Einige Male öffnete er den Mund, aber schloss ihn wieder, ohne etwas gesagt zu haben, da seine Zweifel zu groß waren. Er hatte schnell zu ihr aufgeholt und ritt nach einer Weile vor ihr, zum einen, weil er merkte, dass ihr nicht nach Reden war und zum anderen, um die Führung zu übernehmen.

Irgendwann erhob Yeira das Wort und Khalis nickte und gab einen zustimmenden Laut von sich. Er klang nicht verärgert oder Ähnliches, sondern ruhig und verständnisvoll. Auch sein Kamel ließ sich nieder, sodass er absteigen konnte.
"Eine gute Gelegenheit, um zu frühstücken", meinte er dann gut gelaunt, froh, dass ihm etwas eingefallen war, das er sagen konnte.

Es war noch angenehm warm und ein gutes Wetter, um zu essen. Außerdem hatte er langsam Hunger und hoffte, dass es seiner Begleiterin ebenfalls zusagen würde. Mit geübten Handgriffen nahm er einige Utensilien aus den Satteltaschen seines Kamels heraus, allen voran zwei Decken, die er aneinander legte und auf die er die anderen Dinge legte. Er nahm alles selbst in die Hand, sodass es für Yeira nichts zu tun gab. "Setz dich", forderte er sie dann auch gleich auf und getraute sich, sie offen anzulächeln. Jetzt, wo er selbst etwas zu tun hatte, fiel es ihm gleich viel leichter, gelassen zu bleiben.

Unter den Sachen, die er hervor gekramt hatte, befand sich auch etwas Reisig und sehr kleine Äste. Mit raschen Handgriffen hatte er auch gleich ein Feuer entzündet. Er erwies sich als ein geschickter und erfahrener Begleiter, der wohl wusste, wie man in der Wüste überlebte. Während er darauf wartete, dass der flache Stein, den er mit Hilfe eines kleinen Gestells etwas oberhalb des Feuers gelegt hatte, heiß wurde, hob er kurz den Blick und sah zu seiner Begleitern.
"Er heißt übrigens Laoum." Damit deutete er kurz zu seinem Kamel. "Du scheinst die Tiere sehr zu mögen", in seiner Stimme lag ein auffordernder Ton, weil er mehr darüber wissen wollte. Dann schwieg er kurz, ehe er rasch und schon wieder weit mehr verunsichert, so als wäre ihm gerade gewahr geworden, dass er so offen und mit fester Stimme gesprochen hatte, hinzufügte: "Ich meine... ich hab dich bei den Kamelen gesehen und du hast so.. zufrieden gewirkt."

Er lief etwas rot an und war froh, etwas zu tun zu haben, das erforderte, dass er auf seine Hände sehen musste. Er stellte zwei kleine Tassen, die eher die Form von Schüsseln hatten, vor sich und füllte sie mit einer leicht rötlich und dickflüssigen Substanz, die sich als Feigensaft heraus stellen sollte. Er hielt ihr eine der Tassen hin. "Der ist aus Izmaran." So etwas wie Stolz lag in seiner Stimme, denn nicht jeder bekam die Möglichkeit, so weit in den Süden zu reisen. Er nippte kurz an dem süßlichen Getränk und prüfte die Wärme des Steines, indem er die ausgestreckte Hand über den Stein hielt. Dabei beobachtete er Yeira aus den Augenwinkel, in der Hoffnung, dass sie nicht nur ihm das Reden überlassen würde.

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Beitrag von Yeira Aaminah ad Mehtar » Fr, 12. Sep 2008 8:14

Yeira sah verblüfft dabei zu, wie Khalis alles herrichtete. Von ihrem Vater hatte sie gelernt, das dies Aufgabe der Frau war – in eigentlich jeder Lebenslage. Für diesen jungen Mann schien es eine Selbstverständlichkeit zu sein, sich um ein heißes Getränk und etwas zu essen zu kümmern. Zögernd ließ sie sich auf der Decke nieder und sah Khalis aus halb geschlossenen Augen dabei zu, wie er den Feigensaft zubereitete. Ob er als Ehemann ebenso fürsorglich war? Und wie wäre Vater zu ihrer Mutter gewesen, wenn sie zusammen gelebt hätten?

Vorsichtig nippte sie an dem süßen Saft und freute sich darüber. Er schmeckte vorzüglich, auch wenn sie sich in Khalis’ Gegenwart nach wie vor nicht übermäßig wohl fühlte. Der kalte Schauer auf ihrem Rücken wollte einfach nicht verschwinden und sie war unsicher, woher es rührte. Das Wetter konnte es nicht sein. Auch wenn die Sonne noch nicht in ihrer vollen Stärke vom Himmel brannte, so spürte man doch deutlich ihre warmen Strahlen.

„Er ist sehr gut“, meinte sie nach einer Weile des Schweigens ruhig. Als Khalis auf seinen Hengst zu sprechen gekommen war, hatte sie diesen angeblickt. Es war ein sehr schönes, majestätisches Tier. Neben ihm wirkte Yasha eher verloren, klein und schmächtig – genau genommen war sie das für ein Kamel in ihrem Alter ja auch.

Noch einmal nahm sie einen Schluck des köstlichen Feigensaftes, ehe sie sich dazu durchrang, ihm von ihrer Arbeit mit den Kamelen zu erzählen. „Ich bin mehr durch Zufall zu meiner Arbeit mit den Kamelen gekommen. Naji ist unser Kamelhüter. Er kann die Tiere von weitem sehen und weiß, ob ihnen etwas fehlt, ob sie gut gelaunt sind oder ob man sich nur mit größter Vorsicht nähert. Das hat mich fasziniert und ich wollte es auch können. Vater war davon wohl weniger begeistert. Arbeit mit Tieren bedeutet automatisch auch, dass man schmutzig wird. Das schickt sich für eine Frau nicht. Aber die Tiere sind alles, was ich habe. Sie lügen nicht und sie betrügen nicht. Sie sind von Grund auf ehrlich und zeigen uns das auch, sie machen uns nichts vor. Meine Stute würde beispielsweise niemals einen anderen auf ihrem Rücken akzeptieren. Vor etwas mehr als einem Jahr wurde Yasha geboren. Sie hat noch eine Zwillingsschwester. Aber Yasha war schwach. Sie konnte sich kaum auf den Beinen halten. Sie war eben der zweitgeborene, kleine Zwilling. Auch jetzt ist sie ein kleines, schmächtiges Kamel. Aber sie ist mein Kamel, ich habe sie aufgezogen“, endete sie ihren Bericht nicht mit dem gewissen Etwas an stolz. Gleichzeitig aber wurde sie rot und senkte den Blick. Was war ihr nur eingefallen, derart zu schwafeln? Natürlich hatte ihre Begeisterung für diese Tiere daraus gesprochen, aber es schickte sich einfach nicht, einem Mann Vorträge zu halten! Sicherlich würde Khalis gleich wütend werden und sie in ihre Schranken weisen. Warum hatte sie sich nur dazu hinreißen lassen?

Auch ihre Haltung änderte sich mit ihren Gedanken. Kleiner schien sie zu werden, die Schultern zog sei ein und den Blick senkte sie auf ihre Schüssel mit Feigensaft.

„Verzeih“, murmelte sie leise, wusste nicht, ob Khalis diese Entschuldigung hören oder gar akzeptieren würde. Aber immerhin musste sie ihn so nicht abweisen. Denn er war jetzt bestimmt davon geheilt, sie heiraten zu wollen. An die „Prophezeihung“, die sie ihrem Vater gegenüber gemacht hatte, konnte sie sich in diesem Moment nicht erinnern. Weit weg hatte sie diese verdrängt, in den letzten Flecken ihres Gehirns eingeschlossen auf dass sie nie wieder hervorkommen und sie quälen würde. Ein Versprechen, das unachtsam gegeben worden war und niemals eingelöst werden würde – das war es, nicht mehr.
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Beitrag von Unvorhersehbares » Sa, 13. Sep 2008 20:48

Khalis machte keinerlei Anzeichen, dass sie ihm irgendwie helfen sollte. Keine auffordernden Blicke, keine harschen Worte, die sie dazu treiben sollten. Er war sehr oft in der Wüste unterwegs und in der Gesellschaft, mit der er dann reiste, gab es meist keine Frauen. Von seinem Zuhause war er gleiche Sitten wie Yeira gewöhnt. In der Wüste herrschten für ihn aber andere Sitten.
Still machte er sich selbst ans Werk und noch während sie von den Kamelen und Yasha sprach, öffnete er eines der runden Gefäße und brachte einen weißen Teig zum Vorschein. Mit bloßen Händen trug er ihn auf den heißen Stein auf, sodass eine Millimeter dünne, runde Schicht entstand.

Ihre Entschuldigung ließ ihn aufblicken und für einen Moment starrte er sie einfach nur an. Dann wurde ihm seine Handlung bewusst und er senkte schnellstmöglich den Blick und seine Augen durchbohrten das dünne Fladenbrot, das auf dem Stein gebacken wurde.
"Dein Vater hat dich zu einer anständigen Frau erzogen." Es war eine Feststellung, die er da von sich gab und es war nicht recht zu deuten, ob er diesen Umstand anerkannte oder ob es ihn enttäuschte.

"Ich glaube, du hättest es gut gemacht. Mit den Kamelen." Er lächelte wieder scheu und stand dann auf, kramte aus den Satteltaschen einen kleinen Beutel hevor und kehrte damit zurück. Als er ihn öffnete, kamen Datteln zum Vorschein, von denen er ein paar in eine Schüssel rollen ließ, die er ihr entgegen schob.
"Magst du sie lieber mit Fleisch oder Gemüse?", fragte er nach und deutete dabei auf das Fladenbrot, das an manchen Stellen schon langsam braun wurde.

Dann griff er selbst nach einer der Datteln und biss genüßlich hinein. Zwar konnten diese Früchte eine Ewigkeit halten, aber diese hier waren saftig, sodass sie noch nicht allzu alt sein konnten, vermutlich stammten sie sogar noch vom gestrigen Tag. Es schien, als würde Khalis mit jeder Bewegung lockerer werden. Doch sobald sein Blick Yeira streifte, wurde er wieder zu dem unsicheren jungen Mann, der nicht wusste wohin mit Augen und Händen.

Als die Dattel aufgegessen war, sah er wieder zu dem Fladenbrot, legte es auf einen runden Teller, der genauso groß war wie das Brot, und verteilte eine neue Schicht auf dem Stein.
"Ich finde, man sollte Menschen lassen machen, was sie möchten. Was nutzen unglückliche Ehefrauen..." Abrupt hielt er in der Bewegung inne. Der festen Stimme nach zu urteilen, hätte man denken können, dass es gar nicht Khalis' Meinung war. Er hob den Kopf und sah Yeira, selbst von seinen Worten überrascht, verdutzt und verzeihend gleichzeitig an.
Wieso er das gesagt hatte, wusste er selbst nicht. Offensichtlich war es ihm so heraus gerutscht. "Ich meine..." Er verstummte, da er doch genau das meinte.

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Beitrag von Yeira Aaminah ad Mehtar » Di, 16. Sep 2008 9:40

Yeira saß nun nur noch schweigend neben Khalis und beobachtete ihn leicht durch die Wimpern hindurch. Sie konnte noch immer nicht glauben, dass er alles selbst machte, konnte es auch irgendwo nicht richtig akzeptieren, denn sie hatte sich noch nie von einem Mann bedienen lassen. Ihr Vater hatte ihr immer eingebläut, dass sie unter dem Mann stand, dass sie dem Mann zu Diensten sein musste. Aber das galt wohl nicht, wenn ihr Vater nicht in der Nähe war – oder wollte Khalis nur, dass sie sich in Sicherheit wiegte und glaubte, ein schönes, sorgen- und arbeitsfreies Leben führen zu können, wenn sie bei ihm war?

Und was war überhaupt mit seinem Gerede, sie wäre eine gute Frau? Warum redete er schon so, als wäre sie ihm versprochen, als wäre sie schon in wenigen Wochen seine Ehefrau? Sie hatte doch noch gar nicht zugesagt, hatte nur gesagt, sie würde mit ihm nach Avrabéth gehen. Aber sonst? Da war doch nichts. Nichts…

Yeira war verunsichert. Sie wusste nicht, wie sie sich zu verhalten hatte, ob sie reden oder schweigen sollte – nun, sie schwieg. Sie schwieg, wie sie es immer tat. Keiner hatte sie je viel reden gehört, manchmal munkelten die Leute, dass sie dessen gar nicht richtig mächtig war. Aber sie war es. Und sie behielt es beflissentlich für sich. Denn was sollte sie groß reden, wenn immer die anderen redeten?

So war es auch jetzt: Immer wieder begann Khalis damit, die Luft mit Worten zu füllen, anstatt dass er einmal die stille Schönheit der Wüste genoss, das Prasseln des Feuers, das Knistern des Teiges auf dem heißen Stein. Er war wie alle anderen, die die Stille nicht zu schätzen wussten.

„Mit Gemüse“, antwortete Yeira leise auf seine Frage, während sie sich scheu eine Dattel nahm. Sie war kein großer Fleischesser, auch wenn sie grundsätzlich das aß, was ihr Vater von ihr verlangte. Sie kochte schließlich für ihn und da kam es nicht auf ihre Wünsche an.

Die Dattel schmeckte unglaublich süß und war noch so saftig, dass sie überrascht nach Luft schnappte. Khalis wusste, wie man andere verwöhnte, aber warum tat er das alles? Er kannte sie doch kaum, er wusste nichts von ihr.

„Warum interessiert Ihr Euch für mich?“, fragte sie ihn daher gerade heraus, ohne ihn dabei aber anzublicken. Sie war doch nur ein seltsames Mädchen, das nichts taugte. Sie hatte gelernt, sich hübsch zu machen, hatte gelernt, zu kochen und einen Haushalt zu führen. Aber das, was ein Mann brauchte, das hatte sie nicht. Sie war nur eine verkorkste Drachenerbin, die damit nichts anzufangen wusste, die nichts damit anfangen KONNTE, weil sie selbst nicht wusste, woher das alles kam.

Eine Träne stieg in ihrem Auge hoch. Sie hatte noch nie geweint. Nicht aus Trauer oder Wut. Aber jetzt war sie traurig. Traurig darüber, dass sie nicht einfach normal sein konnte. Nicht einfach eine ganz normale Nomadin, die ganz normale Gedanken und Gefühle hatte. Die sich in der Nähe anderer Nomaden und Beraij wohl fühlte. Jetzt spürte sie zum ersten Mal, WIE anders sie wirklich war.

Rasch blinzelte sie die Träne weg. Um nichts auf der Welt wollte sie Khalis zeigen, was in ihr vorging. Nicht einmal Naji war jemals in die tieferen Gefilde ihres Geistes eingedrungen, auch wenn er derjenige war, dem sie wohl am ehesten vertraute. Das, was in ihr vorging, das, was sie sich selbst nicht erklären konnte, das durfte auch niemals nach außen gelangen. Niemals sollte jemand versuchen, ihr zu erklären, was sie fühlte, niemals sollte ihr jemand sagen wollen, was sie zu fühlen hatte, wie sie damit umzugehen hatte.
Unmerklich straffte sie ihre Schultern, als sie auf seine Antwort wartete.
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Beitrag von Unvorhersehbares » Do, 18. Sep 2008 16:18

Khalis bekam das Gefühl, das sie immer stiller wurde und mehr und mehr in sich selbst versank, egal wie sehr er sich bemühte, es so angenehm wie möglich zu machen. Für sie beide. Er selbst fühlte sich in Gegenwart von Frauen, besonders dieser schönen, völlig eingeschüchtert. Dennoch gab er sich alle Mühe und ging all die Möglichkeiten durch, wie er ein angenehmeres Verhältnis zwischen ihnen schaffen konnte.

Eine weitere Schüssel wurde von dem Beraij geöffnet und grünes, zartes zusammen gewürfeltes Gemüse kam zum Vorschein. Darunter waren Zwiebeln, Paprika, kleine Salatblätter, Kartoffelstückchen, Zucchini und anderes. Alles war mit exotischen Kräutern gewürzt und dem Anschein nach auch gegart worden.
Er schob ihr die Schüssel mit einem kleinen Löffel hinüber und reichte ihr den Teller, auf dem das frische, braun gebrannte und gut duftende Brot lag.
Dann nahm er das andere vom heißen Stein, breitete es auf seinem Teller aus und löffelte sich verschiedene Stückchen Fleisch und ebenfalls Gemüse darauf. Er wollte es gerade zu einer Tasche zusammen falten, da vernahm er ihre Worte.

"Warum interessiert Ihr Euch für mich?"

Augenblicklich stieg im die Röte ins Gesicht und ihm wurde heiß. Dass sie überhaupt so direkt fragte, war eine Sache, die ihn überraschte, aber eher zweitrangig. Viel mehr machte ihn der Inhalt der Frage sprachlos.
Langsam besann er sich und seine Hände bewegten sich wieder. Für einige Momente war er regelrecht in eine Starre verfallen. Zuerst wirkte es so, als hätte er diese Frage gar nicht vernommen, machte er doch so weiter, wie vorher. Nur die körperlichen Merkmale - die fahrigen Bewegungen, der streng gesenkte Blick und der Schweiß auf der roten Stirn - waren sichtbare Zeichen für seine momentane Gefühlslage.

"Ich... ich.." Dass er vor sich hin stammelte, verunsicherte ihn nur noch mehr. Er schloss kurz die Augen und atmete tief durch. Seltsam in dieser Situation und nicht gerade würdevoll, aber es schien ihm tatsächlich zu helfen, denn als er die Augen wieder öffnete, schien er sich gefangen zu haben.
"Ich kenne Euch ja kaum, aber unsere Väter wollten es so. Ich meine, nicht, dass ich etwas dagegen habe", bemühte er sich schnell, hinzuzufügen. "Und ich denke, mein Vater hat eine gute Wahl getroffen. Ihr seid nett und eine interessante Frau."
Jetzt sah er wieder offen zu ihr hinauf: "Findet Ihr das Interesse denn so unbegründet?"

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Beitrag von Yeira Aaminah ad Mehtar » Fr, 19. Sep 2008 9:15

Yeira nahm vorsichtig die Schüssel sowie den Teller entgegen und belegte ihren Fladen damit. Die Gewürze, die dem Gemüse beigemischt waren, erinnerten sie an ihre Zeit in Avrabéth, als sie noch bei ihrer Mutter gelebt hatte. Es war nur eine sehr entfernte Erinnerung, die kurz aufflackerte, doch sie wusste noch zu genau, wie Sabra Abia die Gewürze in ihrem kleinen Gärtchen angebaut hatte und Yeira immer daran hatte riechen dürfen. Das waren schöne Momente gewesen.

Aus der Vergangenheit zurückgekehrt, rollte sie ihr Fladenbrot zu einem handlichen Stück und ließ es auf dem Teller liegen. Warm schmeckte es am besten, natürlich, aber vor ihrem männlichen Begleiter essen? Nein, das brachte sie nicht fertig, vor allem, da sie auf eine Antwort wartete. Aus den Augenwinkeln schielte sie zu ihm und vermeinte, einen roten Schimmer in seinem Gesicht wahrzunehmen, doch sicher war sie sich nicht. Und dass er schwitzte war ja ohnehin normal, in der Wüste am Feuer, das konnte sie schon gleich zweimal nicht mit ihrer Frage in Verbindung bringen. Doch er schien ihr nicht antworten zu wollen, sondern beschäftigte sich weiter mit seinem Frühstück.

Yeira senkte den Blick auf ihren Teller, darauf wartend, dass er aß – und damit fertig wurde. Denn langsam verspürte auch die junge Nomadin Hunger, etwas, was selten vorkam. Doch war es heute schon sehr spät mit dem Frühstück, was sie absolut nicht gewohnt war. Plötzlich sprach er doch. Mit zittriger Stimme, stammelnd.

In diesem Augenblick wünschte sich Yeira, sie könnte im Erdboden versinken, aber das war ja leider nicht möglich. Vorwürfe machte sie sich, wie sie so ungezogen hatte sein können, eine direkte Frage an ihn zu richten. Noch dazu SO eine. Es hätte sie doch froh stimmen müssen, dass er sich für sie interessierte. Er war nett und zuvorkommend, was sollte sie da mehr erwarten?

“Unsere Väter wollten es so.“ Dieser Satz traf wie ein Pfeil bei Yeira. Sie wusste, dass ihr Vater auf der Suche nach einem Mann für sie war, den sie akzeptieren konnte. Er konnte nicht ewig warten, das war auch ihr bewusst, auch wenn sie nicht viel von diesen Dingen verstand. Aber dass sich Khalis nur mit ihr beschäftigte, weil die Väter es so wollten, das schockierte sie mehr, als sie erwartet hatte.

Ob ihrer Gedanken, die augenblicklich auf sie einstürzten, bekam sie seinen Zusatz überhaupt nicht mehr mit. Vielleicht war das aber auch ganz gut, denn wenn es auch von seiner Seite aus eine Zweckehe war, dann konnte er immerhin keine tiefen Gefühle von ihr erwarten. So dachte sie zumindest…

Seine Komplimente hörte er am Rande und verstand sie nicht. Denn selbst ihre Mutter hatte sie immer nur als langweilig und dumm empfunden. Warum sollte sie da für einen Mann plötzlich interessant sein?

Unbegründet? Ja, das fand sie. Sie war doch nur eine junge Nomadin, die ein bisschen Drachenerbe hatte, von dem kaum jemand wusste. Wieso sollte sie da interessant sein?

Yeira starrte auf ihren Teller, ohne ihn wirklich zu sehen. Sie bemerkte nicht, wie der Fladen immer weiter auskühlte und sie ihre Finger um den Tellerrand verkrampfte. Sollte sie es wagen, ihm ihre ganze „Schönheit“ zu offenbaren? Die roten Haare und die Male im Nacken? Noch nie hatte sie einem Mann dies gezeigt, der sich für sie interessiert hatte, noch nie gewagt, jemandem zu beichten, dass sie eine Drachenerbin war, die keine war!

Langsam und zögernd schob sie das Essen von sich. Nicht, um es nicht zu essen, im Gegenteil, am liebsten hätte sie es sofort verschlungen, aber immer noch hatte Khalis seines nicht angerührt und ihre Erziehung saß zu tief, um selbst bereits damit zu beginnen. Stattdessen hob sie die Arme – der Armreif, den sie kurz zuvor von Naij umgelegt bekommen hatte, blinkte im Sonnenlicht und erinnerte sie an die Heimat, als sie mit den Kamelen gearbeitet hatte. Doch ungeachtet dieser Tatsache wickelte sie langsam und Stoffbahn um Stoffbahn ihre Kopfbedeckung und ihren Schleier ab, bis sie in ihrem einfachen Übergewand dasaß, die Flut der roten Haare, die sich auf ihren Rücken ergossen, im Lichte schimmerte und sie den Stoff sauber gefaltet auf ihrem Schoß liegen hatte, es aber nicht wagte, Khalis anzusehen. Sicherlich würde er sie gleich nach Hause schicken. Sicherlich würde er gleich nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen. Sie war eine Drachenerbin. Aber sie war es irgendwo auch nicht.
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Beitrag von Unvorhersehbares » So, 21. Sep 2008 14:07

Yeira antwortete ihm nicht und zum ersten Mal seit ihrer Begegnung verspürte er Wut. Er war es nicht gewohnt, mit still schweigenden Frauen zu tun zu haben. Wenn sie ihm mit Schweigen Respekt zollten, gut. Doch wenn er etwas fragte und das Gesagte einfach übergangen wurde... irgendwo war er doch ein Mann, wie er in der Wüste erzogen wurde. Und die waren meist dazu erzogen, dass die Frauen nun einmal unter ihnen standen und zu tun hatten, was sie wollten und ihnen befehligten. Von solch harten Methoden hatte Khalis zwar noch nie viel gehalten, aber in der jetzigen Situation erlangte seine beraijsche Seite doch die Oberhand.

Doch er schwieg und versuchte sich zu beruhigen. Mit vollem Magen würde ihm das vielleicht besser gelingen, also begann er endlich zu essen. Doch kaum hatte er den ersten Bissen getan, da enthüllte sie plötzlich ihre Haare. Er sah auf, denn natürlich war er neugierig, wieso sie dies einfach so tat (und er vermutete, dass es irgendetwas mit seiner Frage zu tun haben könnte, wenn dann auch sicherlich auf eine verquere Weise). Doch kaum sah er die erste rote Strähne des langen Haares, raubte es ihm dem Atem. Er verschluckte sich an dem Brot und begann zu husten. Glücklicherweise hatte er den Anfall jedoch schnell überwunden.
Seine dunklen Augen hatten sich ein Stück geweitet und einige Momente lang konnte er nicht anders, als die Frau vor ihm zu mustern.

Er wusste um ihre Herkunft - der erste Punkt, wieso ihn diese seltsame Haarfarbe stutzig machte. Der zweite war, weil er natürlich um die Erzählungen wusste. Wie im Schnelldurchlauf hörte er die Worte, die von den Erben der Drachen berichteten, wieder durch seine Ohren rauschen.
Was hatte dies zu bedeuten? Und wie sollte er reagieren? Legte sie es vielleicht darauf an, dass er sie zurück schickte? War sie ihm so abgeneigt, dass sie dies als Abschreckung nutzte?
Doch dann fiel ihm seine Frage wieder ein. Vielleicht wollte sie zeigen, dass sein Interesse wirklich unbegründet war. Ja, wahrscheinlich lag ihr nur daran, ihn abzuschrecken und endlich von ihm weg zu kommen.

Als er glaubte, ihre Beweggründe enttarnt zu haben, verengten sich die Augen des Wüstenmenschen. Allein, weil sie anders war, hatte sie keine Ablehnung von ihm zu erwarten – diesen Gefallen würde er ihr nicht tun. Jetzt schon allein aus Trotz nicht. Außerdem hatten ihn die Geschichten über die Erben immer fasziniert und die Erzähler der Geschichten hatten nicht mit wundervollen Ausschmückungen gespart. Er kannte nicht die Geschichten, die aus den Nordreichen voll mit Hass und Angst überliefert worden waren.
"Verdeck es wieder." Seine vibrierende Stimme verriet seine Wut. "Ich habe Eurem Vater versprochen, dass ich Euch wohlbehalten zurück bringe und ich habe nicht vor, dieses Versprechen zu brechen. Genauso wenig, wie ich den Wunsch meines Vaters einfach so ignorieren werde."
Jetzt hatte sie ihn tatsächlich erzürnt und keine einzige Silbe zeugte von Unsicherheit, sondern von fester Überzeugung.

Er schnaufte kurz und konnte noch immer nicht fassen, was sie getan hatte. Er beeilte sich und verspeiste auch das zweite Fladenbrot, so dass sie ebenfalls essen konnte. Am Liebsten wäre er aufgestanden und hätte sich anderweitig beschäftigt. Doch im Grunde wollte er keinen Zwist mit ihr und blieb sitzen, aß noch ein paar Datteln und trank von dem Saft, während er überlegte, wie sich das Verhältnis zwischen ihnen bessern und er sie vielleicht doch noch von sich überzeugen konnte.

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Beitrag von Yeira Aaminah ad Mehtar » Mo, 22. Sep 2008 9:07

Das unangenehme Gefühl, das Yeira den Rücken hinablief und ihr Magenkrämpfe verursachte, wurde immer stärker, je länger sie neben Khalis saß. Sie zog ihre Schultern ein, wollte einfach nur verschwinden. Sie verspürte oft dieses Gefühl, wenn etwas von ihr Besitz ergriff, was sie nicht zuordnen konnte, was sie nicht verarbeiten konnte, aber nur selten war es so stark. Sie biss sich auf die Lippe und schlang die Arme um ihren Körper, wiegte sich leicht hin und her. Es war unangenehm, es war so furchtbar, wenn dieses etwas, das nicht greifbar und nicht benennbar war, in sie fuhr.

Tränen stiegen in ihren Augen auf, doch sie tat ihr bestes, dass sie diese nicht verließen. Vor Khalis zu weinen, das wollte sie nicht riskieren. Was musste er dann von ihr denken? Sie ahnte, dass sie ihn verärgert hatte, doch konnte sie ihre körperlichen Veränderungen, ja beinahe Schmerzen, nicht damit in Verbindung bringen.

Und noch dazu zeigte Khalis nicht von sich aus Interesse. Wären ihre beiden Väter nicht, wäre es nie zu diesem Treffen gekommen, hätte er nie versucht, sie zu beeindrucken. Warum nur hatte er in ihr Leben treten müssen? Warum nur hatte er sich nicht für ein normales Mädchen entscheiden können?

„Ich…“, begann sie, endete dann aber wieder und nahm den Stoff auf, den sie zuvor losgeworden war. Langsam ließ sie die Bahn durch ihre Hände gleiten. Für einen Außenstehenden mochte das wirken, als glätte sie das Gewebe und suche den Anfang, doch eigentlich versuchte sie nur, sich zu beruhigen und einen klaren Kopf zu gewinnen. Wie sollte sie Khalis ihre Aktion erklären? Wie sollte sie ihm erklären, was gerade in ihr vorging? Sie wusste ja nicht einmal, WARUM es passierte. Dass es damit zusammenhing, dass Drachenerben Emotionen spürten, das wusste sie nicht. Sie fand es weder selbst heraus noch hatte ihr ihre Mutter jemals etwas Entsprechendes gesagt. Ihre Mutter… die hatte ja stets eine richtige Drachenerbin gewollt. Eine, die schlau war, die wusste, mit ihrem Erbe umzugehen.

Mit einer geschmeidigen Bewegung erhob sich Yeira. Nicht, um wegzugehen oder Khalis zu verärgern, sondern einfach nur, weil es leichter war, die lange Stoffbahn im Stehen zu wickeln, wenn sie nach unten aushängen konnte. In diesen Dingen war sie wirklich geschickt und nach einer halben Minute saß sie wieder auf dem Teppich, ihr Gesicht und ihre Haarpracht unter dem Stoff verhüllt und ein leises Klirren bei jeder Bewegung von sich gebend.

Langsam nahm sie ihren Teller wieder auf. Khalis schien mit seinem Mahl fertig, so dass sie zaghaft begann, ihre Portion zu essen. Ihre Kehle war zwar zugeschnürt und sie hatte immer noch Bauchschmerzen, doch sie zwang sich dazu, alles aufzuessen. Es wäre unhöflich gewesen, liegen zu lassen, was ein Mann gekocht hatte. Ihren Satz, den sie begonnen hatte, hatte sie noch immer nicht beendet. Sie wusste nicht, warum sie ihn überhaupt begonnen hatte. Aber irgendetwas musste sie noch sagen, ihm irgendwie erklären, warum sie ihm die Schmach einer Ehe mit ihr ersparen wollte.

„Ich…“, begann sie noch einmal, brach aber wieder ab und starrte auf ihre Hände, die in ihrem Schoß gefaltet waren. Normale Frauen hoben nun wohl den Blick und sahen den Mann an, sie aber konnte es nicht. Wenn sie ihn auch noch ansehen musste, was würde dann passieren? Ihre Hände verkrampften sich im Stoff und sie kaute auf ihrer Lippe. Gut, dass man es Dank des Schleiers nicht sehen konnte. Ihr Vater wusste um ihr Problem damit, Gefühle zu zeigen – oder überhaupt zu haben, warum nur wollte er sie trotzdem vermählen? Wieso wollte er einem Mann das antun?

„Du bist noch jung, Khalis“, begann sie zögernd und mit leiser, zitternder Stimme. „Du solltest dir eine Frau suchen, die…“ Ja, die was? Was wollte sie sagen? Die ihn lieben konnte? Was hieß es schon zu lieben? Die ihm treu sein würde? Nun, das wäre sie wohl auch. Sie wurde schließlich so erzogen. Die für ihn da sein würde? Soweit es in ihrer Macht stünde, wäre sie dies auch. Was eigentlich wollte sie sagen? Das Wort „Liebe“ bedeutete nichts für sie. Konnte sie es dennoch aussprechen?

Sie holte noch einmal Luft, dann wagte sie es: „die dich lieben kann.“ Sie schloss die Augen, wagte kaum zu atmen. Sicherlich würde Khalis jetzt aufspringen, die Sachen packen und sie zurück ins Lager bringen, sich bei ihrem Vater beschweren, dass sie völlig verzogen war und mit ihr nichts anzufangen war. Und ihr Vater würde stillschweigend zuhören und sie später fragen, was vorgefallen war. Und sie würde ihm sagen, dass sie ehrlich war. Nur diese eine Sache, die manchmal so fehl am Platz war: Ehrlichkeit.

Das unangenehme Gefühl war langsam weniger geworden, während sie gegrübelt, sich verdeckt und gegessen hatte. Aber es war nach wie vor präsent. Was würde Khalis sagen, wenn er sie nicht zurück brachte? Würde er eine Frau wollen, die ihn nicht lieben konnte? Nicht, weil er nicht liebenswert war, er war wirklich ein guter Mann, sondern einfach, weil sie nicht in der Lage war zu lieben? Und wenn er sie dennoch wollte, sollte sie dann darauf eingehen?

Yeira öffnete die Augen nicht wieder, die Hände entspannten sich nicht. Wieder stiegen Tränen auf und diesmal konnte sie sie nicht zurückhalten. Das Auge, das weiter von Khalis entfernt war, zierte kurz darauf eine dünne, nasse, salzige Spur. Die Nomadin war verzweifelt. Sie wollte doch nichts anderes, als normal sein. Einfach nur normal. Sich einfach normal verlieben, einfach normal eine Ehe eingehen. Aber das konnte sie nicht. Niemals konnte sie einem Mann diese Schmach antun eine Frau zu haben, die ihn niemals lieben konnte.
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Beitrag von Unvorhersehbares » Mi, 24. Sep 2008 17:43

"Ich..." Er rechnete mit einer Entschuldigung. Eine temperamentvolle Antwort wäre ihr kaum zuzutrauen, dann eher eine gemurmelte Entschuldigung, nach der sie sich so benahm, wie es sich in ihrem Lager zu ziemen schien.

Doch mit dem, was sie dann sagte, hätte er überhaupt nicht gerechnet. Erstaunt über ihre offenen Worte (die genau genommen mehr als dreist waren, aber darüber dachte er zunächst nicht nach), sah er sie zum ersten Mal nach seinen letzten Worten wieder an.
Er musste ihre Sätze erst einmal sacken lassen und brachte für einige Momente keine einzige Silbe hervor. Vorher musste er sich ihre Worte aber durch den Kopf gehen lassen.

So dauerte es eine Weile, bis er ihr antwortete. Sein Gesichtsausdruck war noch immer mehr erstaunt, als noch wütend. "Nicht nur ich bin hier jung...", meinte er sie dann zu erinnern, ehe er kurz schwieg und dann fortfuhr. "Wir haben Zeit und sollten uns erst einmal kennenlernen."
Was nicht ist, kann ja noch werden, dachte er etwas verbittert bei sich, hütete sich jedoch noch davor, das auch auszusprechen. Er hatte keine Lust mehr, darüber zu reden. Sie kannten sich nicht einmal einen halben Tag und sie versuchte schon, von ihm loszukommen. Doch den Wunsch seines Vaters würde er nicht ignorieren, genauso wenig, wie er gedemütigt in Yeiras Lager zurück kehren würde.

Er war froh für sie, dass er nicht so streng wie andere erzogen worden war. Andere hätten diese Worte nicht einfach nur so mit Gegenworten abgetan.
Vielleicht sollte er seine Stimme auch einmal erheben, überlegte er. Er wusste natürlich von seiner sonstigen Unsicherheit, demütigen und sich beleidigen lassen, wollte er sich allerdings auch nicht einfach so.

Genau! Er stand pötzlich auf, schüttete Sand über das Feuer, damit es erlosch und begann dann augenblicklich damit, die Sachen wieder einzuräumen.
"Du solltest deine Zeit nicht damit verschwenden, dir auszudenken, wie du mich sonst noch los werden könntest", begann er dann wieder, hielt in seiner Bewegung inne und sah sie geradewegs an. "Das Leben besteht nicht immer aus Liebe, Glück und Sonnenschein. Mit ist es schöner, aber selten."
Er war schlecht gelaunt und machte auch keinen Hehl daraus. Er war mehr enttäuscht als wütend, dass sie gleich alles so ehrlich ansprach und nicht einmal ein wenig Freude über seine Gesellschaft zeigte.
Andererseits war er nicht skupellos genug, um sie einfach wegzuschicken und nicht mutig genug, zusammen mit ihr zurück zu kehren. Nicht einfach kampflos, sozusagen. Vielleicht war sie ja doch noch zu überzeugen. Er hoffte es...

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Beitrag von Yeira Aaminah ad Mehtar » Mo, 29. Sep 2008 10:01

Yeira schwieg. Was hätte sie auch anderes tun sollen? Egal, was sie sagen würde, es würde Khalis nicht davon überzeugen. Er bezog es auf sich, so viel war ihr klar. Dass sie nur ihn nicht lieben konnte. Aber so war es ja nicht. Sie war überhaupt nicht in der Lage, tiefe Gefühle zu empfinden. Aber wie sollte sie das jemandem erklären, was sie nicht einmal geschafft hatte, ihrem Vater zu verdeutlichen?
Irgendwie konnte sie seine Reaktion ja verstehen. Es hätte ihr auch nichts ausgemacht, wenn er sie geschlagen hätte. Auch das wäre normal gewesen. Doch dass er so gefasst blieb, sie nur anmaulte, das machte ihr irgendwo doch zu schaffen.

Er war wütend und enttäuscht. Das konnte sie nachvollziehen – irgendwie… Und sie spürte es, ohne zu wissen, dass sie genau das spürte. Als er begann, die Sachen zusammen zu räumen, erhob sie sich, schüttelte die Decke leicht aus und rollte sie zusammen, ehe sie sie ihm reichte, denn die Sachen waren in seinem Sattel verstaut. Langsam ging Yeira auf ihre Stute zu, versuchte, nicht zu unsicher zu wirken. Sie schritt aufrecht dahin, doch in ihr war sie nur ein kleines Häufchen Elend.

Er bemühte sich so sehr um sie, er warb um sie und sie wies ihn ab. Sie hatte bisher ohnehin jeden abgewiesen. Viele hatten ihr nicht gefallen, sie hatte das Gefühl, dass ihr ihr Vater vorgestellt wurde. Bei einigen war sie sich sicher gewesen, dass sie nur eine Frau wollten, über die sie befehlen konnten. Und bei wenigen hatte sie genau das Problem, das sie auch bei Khalis hatte: Sie fühlte sich in deren Nähe unwohl, es kribbelte und kalte Schauer liefen ihr über den Rücken hinab. Wie sollte sie ihr Leben mit diesem Mann dann verbringen?

Vielleicht sollte sie einfach darüber hinweg sehen, vielleicht sollte sie einfach sagen: Was soll’s, besser ihn als einen alten Mann! Aber das konnte sie nicht.

Sie stieg auf Yasha auf und zog ihre Sandalen aus. Noch war der Wüstensand kühl, bald würde er unerträglich heiß werden. Auf ihrer Stute sitzend wartete sie, bis Khalis den Rest verpackt und die Glut völlig abgedeckt hatte. Sie sah ihn nicht an. Hätte sie das getan, wäre ihr sicherlich aufgefallen, dass er ein doch sehr hübscher Mann war, ein junger noch dazu. Und so, wie er sich bisher verhalten hatte, wäre er auch sicherlich gut zu ihr. Aber wie sollte sie dieses Gefühl, diese Kälte in sich erklären? Wie sollte sie ihm sagen, was er empfand? Er, der noch weniger über die Drachenerben wusste als sie?

In Avrabêth wollte sie ihre Mutter aufsuchen. Die war zwar selbst keine Drachenerbin, aber vielleicht konnte sie ihr weiterhelfen. Denn deren Mutter hatte die Intelligenz und das Wissen eines solchen Wesens. Vielleicht wusste auch ihre Mutter mehr darüber und konnte Yeira erklären, woher dieses Kribbeln, das in den Zeichnungen auf ihrem Nacken begann und sich über den ganzen Körper ausbreitete, kam. Vielleicht konnte sie ihr helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Erst, als Khalis vor ihr war, ließ sie Yasha mit einem leichten Fersendruck aufstehen und hinter dessen Kamel hertrotten. Der Frau gebührte der Platz neben dem Manne nicht – und vor ihm schon gleich zweimal nicht. Doch irgendwann musste sie es ihm erklären. Irgendwie. Vielleicht würde er dann verstehen, was sie empfand. Auch wenn das schon wieder zu viel des guten war. Sie empfand ja einfach nichts – außer Angst vor dem, was er in ihr auslöste, was so viele in ihr auslösten. Am liebsten würde sie alleine in einer kleinen Oase leben. Weit weg von allen anderen, nur mit ihrer Stute und vielleicht noch einem Hengst, so dass sie Kamele züchten und an vorbeiziehende Nomaden verkaufen konnte. Sie konnte nicht mit den Menschen, aber wie sollte sie Khalis das erklären, der ihr so zugetan war? Ganz wage konnte sie sich auch an die Prophezeiung erinnern, die sie ihrem Vater vor ihrer Abreise gemacht hatte. Sie hatte nur von „dem jungen Mann“ gesprochen, da war sie sich sicher. Oft kamen diese Momente nicht vor und wenn, dann sprach sie in Rätseln – sowohl für sich selbst als auch für ihre Umgebung. Musste der junge Mann denn Khalis sein?

Sie hob die Hand, um ihren Schleier zurecht zu rücken und dabei fiel ihr Blick auf den blauen Stein, in dem sich das Sonnenlicht des Morgens brach, so dass er hell strahlte. Auch das Silber des Reifes spiegelte das Sonnenlicht wieder. Auch Naji war ein junger Mann, einer, der stets an ihrer Seite gewesen war. Könnte sie nicht auch ihn gemeint haben? Sie mochte ihn – irgendwie. Wenn auch nicht so, wie er es gerne hätte. Aber er würde gut zu ihr sein, sehr gut sogar. Aber es war nicht an ihr, um seine Hand anzuhalten. Wenn, musste er zu ihrem Vater gehen und um die ihre bitten. Und dann würde ihr Vater sie wahrscheinlich nicht einmal fragen. Naji war nur ein einfacher Kamelhirte. Ihr Vater Nadir war ein angesehener Händler. Warum sollte er seine Tochter in die Hände eines armen Schluckers geben?

Yeira trieb Yasha leicht an, so dass sie fast gleichauf mit Khalis war, aber eben nur fast. Sie konnte nicht riskieren, ihn noch weiter zu verärgern und das mochte geschehen, wenn Yasha vor Laoum war, wenn auch nur mit der Nasenspitze…
Sie schluckte leicht, ehe sie ihn aus den Augenwinkeln ansah. „Ich… ich würde in Avrabêth gerne meine Mutter aufsuchen und… wollte fragen… ob das in Ordnung ist“, fragte sie ihn stockend. Er war der Leiter der Reise und er war der Mann. Es lag an ihm, ob er es ihr erlaubte oder nicht. Sie hoffte es…
Schweigen ist das einzige Argument, das nicht widerlegt werden kann.

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Beitrag von Unvorhersehbares » Di, 30. Sep 2008 21:10

So räumten sie langsam alles wieder ab und Khalis verstaute all die Utensilien, die sie für das kleine, aber sättigende Frühstück verwendet hatten, in den Satteltaschen seines Kamels. Er schwieg weiterhin und sah Yeira ebenso wenig an, wie sie ihn. Dabei kreisten seine Gedanken um die Weiterreise. Hätte er ihr vorhin nicht versichert, dass er diese Reise ganz bestimmt nicht abbrechen würde, so hätte er es nun vielleicht sogar doch getan. Im Moment verspürte er wenig Lust, mit dieser dickköpfigen Frau, die nichts an sich heran ließ, weiter durch die Wüste zu reiten.
Doch zu spät. Er hatte ihr gesagt, er würde nicht zurück reisen, also würde er es allein schon deshalb nicht tun, um sich nicht lächerlich zu machen. Außerdem wären ihre Väter wohl alles andere als zufrieden damit, sie wiederzusehen, wo noch nicht einmal der halbe Tage vergangen war.

Er schwieg beständig und es war schließlich Yeira, die das Wort hob. Bei ihrer Frage wölbten sich die Augenbrauen des jungen Mannes kurzzeitig überrascht in die Höhe. Doch dann erinnerte er sich, was ihm sein Vater über Nadir und seine Frau erzählt hatte.
Natürlich würde er ihr nicht verweigern, ihre Mutter zu besuchen und der hoffnungsvolle Ton in ihren Worten ließ ihn auch die geplante Pause unterlassen, die er eigentlich hatte machen wollen, da er sich immer noch verletzt und zurückgewiesen fühlte.
"Wenn das dein Wille ist." Eigentlich hatte er sich um einen freundlichen Ton bemühen wollen, doch es gelang ihm nicht.
Danach schwieg er wieder geflissentlich. Die Lust zum Reden war ihm scheinbar vergangen. Doch eigentlich würde er sich sogar darüber freuen, mal mehr von seiner Begleiterin zu hören. Vielleicht war sein Schweigen zur Hälfte aus der schlechten Laune heraus geboren. Die andere Hälfte machte vielleicht die Hoffnung aus, sie dadurch zum Reden bringen zu können.

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Beitrag von Yeira Aaminah ad Mehtar » Mi, 01. Okt 2008 9:03

Yeira schluckte schwer. Ihr Wille? Was war schon ihr Wille gegen den seinen? Es war doch die Reise, die er leitete, also war ihr Wille doch völlig unwichtig…

„Ich… entschuldige. Es war anmaßend von mir“, antwortete sie leise, stockend, ehe sie Yasha wieder zurückfallen ließ. Es war wirklich nur eine Bitte gewesen. Dass er so abweisend reagierte, ließ sie wieder in ihre Rolle als braves Mädchen zurückverfallen. War das nun sein wahres Gesicht? War er etwa gar nicht der nette, junge Mann, der galante Helfer, den er bisher gezeigt hatte? War alles nur ein Spiel gewesen, um sie zu testen?

Nach Reden war ihr nun auch nicht zumute. Gut, das war es nie, aber nachdem er ihre Frage so barsch beantwortet hatte, traute sie sich auch gar nicht mehr, überhaupt etwas zu sagen. Wenn es ihr Wille war. Was sollte diese Antwort? Er verwirrte sie doch nur! Hatte ihm denn keiner gesagt, wer sie war? Wie sie war? Sie war doch nur ein einfaches Mädchen, nicht mehr. Ein einfaches Mädchen, dessen Drachenerbe verdammt war.

Sie seufzte leicht. Ohne das Drachenerbe wäre alles viel einfacher gewesen. Dann wäre sie vielleicht zu Gefühlen fähig gewesen, dann hätte sie einem Mann ihre Gunst erweisen können. Aber wie sollte sie das so? Sie konnte nur zwischen verschiedenen Übeln wählen. Einen reichen Mann. Einen lieben Mann. Einen alten Mann. Einen jungen Mann. Einen Beraij, einen Nomaden. Es gab für sie nicht DEN Mann. Aber wenn sie selbst wählen durfte – und das durfte sie sicherlich nicht – dann würde sie wahrscheinlich Naij wählen. Denjenigen, den sie von kleinauf kannte. Derjenige, der ihr ihre Arbeit mit den Kamelen sicherlich lassen würde, auch wenn andere dies ebenso sagten. Wie oft waren es nur leere Worte, die die Männer ihren künftigen Frauen gegenüber machten?

Sie war versucht, zu seufzen. Doch das durfte sie nicht, sie durfte nicht zeigen, wie es in ihrem Inneren aussah. Langsam wünschte sie sich, sie hätte dieser Reise niemals zugestimmt. Aber die Schande für ihren Vater wäre zu groß gewesen – und sie hätte die Chance vertan, ihre Mutter wieder zu sehen. Zwar hatte sie von dieser zumeist nur Ablehnung erfahren, aber immerhin war sie ihre Mutter. Und sie war die einzige, die ihr etwas über ihr verfluchtes Drachenerbe sagen konnte.

Sie musste wohl oder übel gute Miene zum bösen Spiel machen und die Reise durchstehen. Aber eigentlich musste sie überhaupt keine Miene machen. Die Glöckchen an ihrem Schleier erfüllten die Luft mit einem feinen Klang und der Schleier selbst verdeckte jede Gefühlsregung in ihrem Gesicht, die sie ohnehin nur selten zeigte. Immer wieder sah sie den Armreif aufblitzen, den Naji ihr zum Abschied geschenkt hatte. Nie hatte er irgendwie groß Interesse an ihr gezeigt – oder besser: Sie hatte es nie bemerkt – aber jetzt war es ihr klar geworden. Er hatte sich stets um sie gekümmert, war immer im Hintergrund tätig gewesen, damit sie ihrer Arbeit bei den Kamelen nachgehen konnte, was für eine Frau ja nicht üblich war. Er hatte sie gelobt und mit ihr geschimpft, wenn sie etwas falsch gemacht hatte. Er war wohl der einzige, der ihre Art vollends akzeptieren konnte… Vielleicht… Sie wusste es nicht. Und mit ihm darüber reden? Das konnte sie nicht.
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Beitrag von Unvorhersehbares » Mo, 06. Okt 2008 17:34

Wieder setzte Stille ein. Khalis schwieg vor sich hin und gab keinen Laut mehr von sich. Er war enttäuscht, dass Yeira so streng erzogen worden war. Sicher, sie hatte ihr Vorzüge (auch wenn sie ihr selbst wohl nicht bewusst waren), doch Khalis war es nicht gewohnt, so schweigend durch die Wüste zu reiten. Auch nicht, wenn es nur Frauen waren, die neben ihm her ritten.
Normalerweise saß er plaudernd im Sattel oder befand sich selbst in der Rolle des Zuhörers, um mehr zu erfahren und zu lernen – Reisen durch die Wüsten waren meist lang und man hatte viel Zeit zum Reden und sogar Lernen.

In den folgenden Minuten hob sich seine Laune dennoch. Die Sonne strahlte auf die beiden Reitenden hinab und die Luft erfüllte sich mit (noch) wohltuender Wärme. Auch er liebte die Stille der Wüste, doch eigentlich genoss er diese sonst lieber alleine. Denn in Begleitung Yeiras machte ihn die herrschende Stille nur nervös. Ruhelos spielten seine Finger mit den Zügeln seines Kamels, machten kleine Schlaufen und Knoten, und seine Gedanken begannen wieder darum zu kreisen, was er erzählen könnte. Doch ihm fiel nichts ein, so sehr er sich auch anstrengte.

Doch bald wurden auch diese Gedanken unterbrochen. Auf ein kaum sichtbares Zeichen von Khalis hin blieb Laoum abrupt stehen. Der Wüstenmensch hob die rechte Hand ein wenig in die Höhe – ein Zeichen für Yeira, ebenfalls anzuhalten. Er reckte das Kinn ein Stück nach vorne und starrte mit verengten Augen angestrengt in die Richtung, in die sie reiten wollten. Doch es dauerte nicht sehr lange, bis er sein Urteil gefällt hatte.
"Wir gehen zu Fuß weiter. Bleibt dicht hinter mehr." Da war er auch schon abgestiegen und die braunen Augen suchten die Frau, die er hinter sich erwartete, um ihr zu erklären, was los war. "Vor uns ist Treibsand. Wir umlaufen ihn großflächig. Das dauert zwar, aber immerhin kommen wir auf allen zwei", er sah zu den Kamelen, "oder vier Beinen rüber." Er lächelte kurz und seine Lippen deuteten ein Grinsen an.

In der Rolle des Wüstenführers wirkte er viel selbstsicherer. In dem Bereich wusste er wenigstens, was zu tun war. Im Gegensatz zu anderen Bereichen... Noch ein kurzer Blick zu seiner Begleiterin, dann ergriff er die Zügel Laoums und ging leicht links vom eigentlich Weg abweichend, vor.

"Wart Ihr schon oft draußen in der Wüste? Ich meine so weit weg?" Mit einem Blick über die Schulter zurück, versuchte er an ihrer Haltung zu erkennen, wie sehr der Treibsand sie beeindruckte. Hatte sie so etwas schon einmal gesehen? Aber was ihm vor allem interessierte: Hatte sie Angst davor und würde sie ihm jeden Moment schreiend davon laufen?

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