Am Ende des Weges

Lebensfeindliches Land unter glühender Sonne am Tage und dem eisigen Mondlicht in der Nacht...
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Oríta
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Am Ende des Weges

Beitrag von Oríta » Mi, 02. Feb 2011 3:20

Vor einem Monat erst war er mit guten Winden im Rücken in Izmaran angelandet. Als Leichtmatrose hatte er mit den anderen Männern in der Takelage gehangen, und danach in der Kombüse gemeinsam mit denen über die grauenvollen Kochkünste des Schiffszimmerers gelästert, der angeblich seit drei Fahrten schon die Aufgaben des Smutjes zusätzlich zu seinen eigentlichen Welchen ausübte. Der war nämlich eines Nachts sturzbetrunken über Bord gegangen. Der Zimmermann hatte die Küche also mit übernommen und der Kapitän, erfreut damit einen Mann nur für zwei Aufgaben entlohnen zu müssen, hatte sich im nächsten Hafen einfach geweigert einen neuen Schiffskoch zu bezahlen. Versonnen erinnerte Oríta sich, wie er gemeinsam mit der Besatzung - und dem Kapitän - als erstes in ein Wirtshaus am Hafen gestapft war um „mal wieder was Ordentliches zwischen die Zähne zu bekommen“. Der arme Zimmermann, der ja nichts für sein Schicksal konnte, musste allen eine Runde Bier ausgeben, was aber eher freundschaftliche Neckerei, denn etwa ernster Groll war. Oríta ließ den Halm trockenen Wüstengrases vom Linken in den rechten Mundwinkel wandern. Der Kapitän hatte mit wahren Engelszungen auf Oríta einzureden versucht, diesen Seemann nicht zu verlieren, der sich so virtuos in der Takelung zu bewegen wusste. Aber Oríta hatte einen Auftrag. So zog er also drum gleich am nächsten Morgen zur Karawanserei der Tihabs, einer namhaften Kauffahrer-Dynastie. Das Schreiben, das er vorlegte, hatte ihm alle Türen geöffnet, und nur wenige Stunden später saß er auf einem fahlweißen edlen Renndromedar, das ihm viele anerkennende Blicke einbrachte.

Oríta hatte sich wahrlich nicht aufgehalten, war die Botschaft doch von großer Dringlichkeit. Immer wieder vergegenwärtigte er sich des Knotens in der fingerlangen Lederschnur, welche sich unter seinem Gürtel hervor stahl. Jeden Abend las er die in seinen Tagebucheintragungen verschlüsselten Anweisungen. „Reise er zu Mustafah ibn Tihab, lasse er sich dort von ihm - und nur von ihm - zum Mahdi weitersenden und fordere von jenem das Pfand ein: Die Dose aus Bernstein! Er wird sie ihm für den Preis der auf den folgenden Seiten auch vor deinen Blicken verschlüsselten Worten hergeben. Diese Dose wiederum bringe er Uns unversehrt wie versiegelt her, und er möge sich sputen!“ Zähneknirschend hatte Oríta sich selbst jenem übellaunigem Wüstenschiff überantwortet um schließlich ... nun schon geschlagene zwei Wochen untätig um diese, von den Göttern verfluchte Stadt Avbareth zu kreisen, wie die Hofkatzen um den heißen Brei.

Alle Wege in und von der Stadt hatte er schon mehrfach beschritten, beritten wie zu Fuß. Immer war er schließlich an einen Punkt geraten, wo den Patrouillen nicht mehr auszuweichen war. Der Name auf dem Schreiben hatte Gewicht, sonst hätte man ihm für die Reise sicher nicht ein solch edles Renndromedar überlassen. Auch wäre Oríta mit Sicherheit sonst bereits über ein halbes Dutzend Mal in Gewahrsam genommen worden, wegen seiner Bestrebungen in diese Stadt dort hineinzugelangen. Es gab wohl niemanden derer die um die abgeriegelte Wüstenstadt herum lebten, den oder die Oríta noch nicht „vorgesprochen“ hatte. Die Variation der Antworten war groß und reichte von fassungslosem Unglauben über Bedauern, bis hin zu kaum verhohlener Ablehnung. Einzig in einem Punkt waren sämtliche Reaktionen bezüglich seiner Anfragen wie Gesuche, gleich! Nämlich in der Aussage, das man ihm nicht helfen könne - selbst wenn man denn wollte. Oríta vollführte eine ehrerbietige Handbewegung gen den fernen Bergen, ließ sich geschickt von dem Felsen zu Boden sinken und blickte dabei der vor der blutroten Abendsonne sich erhebenden Stadt entgegen. Wieder ging ein Tag nutzlos dem Ende entgegen, und wieder wurde das schwindende Abendrot alsbald von den Fanalen der innerhalb der Stadtgrenzen bald auflodernden Scheiterhaufen abgelösst.

Erst als die ersten Sterne funkelnd am Firmament prangten, ging Oríta zum Lager zurück. Der Kontakt, von dem es geheißen hatte, er könne - gegen entsprechende Bezahlung - den Menai sicher in die Stadt schmuggeln, wo der einzige Mann festsaß, der wusste wo der Mahdi zu finden war, der Kontakt war nicht gekommen! 'Eine Nacht noch, mein Freind, oder ich werde es doch noch einmal auf eigene Faust versuchen! Eine Nacht noch - höchstens...' Mit diesem Gedanken ließ der Menai den Felsen hinter sich. Er - m u s s t e - einfach in diese Stadt!
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Re: Am Ende des Weges

Beitrag von Cassim » Mi, 02. Feb 2011 14:21

Was für ein Trottel! Als Cassim die Nachricht erhalten hatte, dass Malik sich seinen Hintern nun auf einer Pritsche im Kerker des Sultans wund scheuerte, hatte er nur noch mit dem Kopf schütteln können. Idiot! Er hätte es eigentlich besser wissen sollen. Bei Anbruch der Dunkelheit wurden nicht nur die Wachen vor dem Palast des Sultans verstärkt, sondern auch die Patroullien. Was, bitteschön, war an seinen Worten misszuverstehen gewesen? Warte zumindest bis Mitternacht, wenn schon nicht bis Tagesanbruch. Dass hatte er ihm gesagt. Und für so einen Sohn eines Esels und einer Hündin hatte er am Abend ihres Gesprächs zwei Becher seines besten Weines vergeudet. Er lehnte sich auf seiner gepolsterten Liege ein wenig zurück und schlürfte ein Schlückchen des starken Tees in seinem Gläschen. Der Junge, der die Nachricht überbracht hatte, stand immer noch dort und wartete. Cassim zog einen Beutel hervor, kramte eine winzige Münze heraus und schnippte sie dem Kleinen zu. "Da. Das hast du gut gemacht. Und immer schön die Auge offen halten." Der Junge wuselte davon und ließ Cassim nachdenklich zurück.

"Vielleicht wäre es ganz günstig, wenn wir Aiman schicken?" schlug eine weitere Person vor, die sich im Raum aufhielt. Aiman... Cassim überlegt nur kurz, dann leerte er sein Teeglas und stellte es klackend zurück auf den runden Mosaiktisch. Wenn man nicht alles selbst tat! "Nein", sagte er und warf einen Blick durch das Fenster nach draußen. Die Sterne standen hell am wolkenlosen Firmament, ein halber Mond erleuchtete die Stadt. "Es ist eine herrliche Nacht, nicht? Ich denke, ich werde mir ein wenig die Füße vertreten." "Bist du sicher, dass das eine gute Idee ist?" kam sogleich die Gegenfrage. Cassim wandte sich um und grinste. "Na aber sicher doch!" Und damit war das Thema für ihn erledigt.

Es war weit nach Mitternacht, als eine Gestalt, die kaum als eine solche auszumachen war, von Schatten zu Schatten huschte. Bald verschwand sie in einem Haus, tauchte nur wenig später hundert Schritt weiter hinter einer Mauer wieder auf und verschwand dann komplett von der Bildfläche. Nur Sekunden später passierte ein Trupp Soldaten die Stelle, an der die Gestalt verschwunden war. Eine Weile später rieselte weit südlich vom östlichen Stadttor Sand in eine Art Viereck, das sich im nächsten Moment als Luke offenbarte und eine in dunkles Braun gekleidete Gestalt ausspie. Anmutig schlüpfte sie quasi direkt aus dem Sand, um mit der nächtlichen Umgebung zu verschmelzen. Die Wachen am Osttor bekamen davon rein gar nichts mit.

"Der Menai?" flüsterte es eine gute Kerze später in ein verschlafenes Ohr, dessen Besitzer direkt im anschluss bemerkte, dass er aufgrund einer sehr deutlichen Hand nicht erschrocken Brüllen konnte. So rollte er nur mit den Augen und deutete auf ein weiteres Zelt. Als er sich im nächsten Augenblick umsah, entdeckte er nichts als Sand und einen verdorrten Dornbusch. Wenig später geschah dasselbe erneut, und diesmal traf es den Richtigen. "Der Menai?" Die Frage drang durch dunkelbraunen Stoff, der alles außer einem Paar wachsamer, fragend dreinblickender Augen verhüllte. Cassim kauerte neben der Zielperson, eine Hand auf deren Mund, die andere auf der Brust des Mannes. Er war stolz auf sich. Aus der Übung war er also nicht, obwohl er sich eigentlich lieber im Bett befunden hätte als mitten im Nirgendwo.
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Re: Am Ende des Weges

Beitrag von Oríta » Fr, 04. Feb 2011 1:19

Eine Hand legte sich ihm über den Mund, ihn a einem erschrockenem Schrei zu hindern. Das, und die Tatsache nicht als erstes den Schmerz blanken Stahles zwischen den Rippen verspürt zu haben, ließ Oríta indes dem sanftem aber bestimmten Druck nachgeben, lies in seine Linke ruhig auf dem Schaft des unter der Schlafdecke griffbereit neben ihm liegenden Speer verharren. Er blinzelte einmal wie bestätigend mit den Augen und betrachtete die Gestalt vor sich nachdenklich. Auch wenn er tief und fest geschlafen hatte, brauchte es doch einiges - so - nahe an ihn heranzukommen, ehe er etwas bemerkte. Auch fiel ihm sogleich auf, das der Fremde weder nach Alkohol noch nach tagelang getragener Kleidung roch.

Also vermutlich weder ein Soldat noch ein schlichter Bandit - hoffte er. Und auch der Sendbote eines alten Feindes hätte gewusst wie Oríta aussah und sich auch gespart diesem den Mund zuzuhalten. Also blieb quasi nur eins, hoffte Oríta inständig, und wies mit seinen Augen zu einer nahe ihm am Boden liegenden Schriftrolle. Sollte der Fremde sie aufrollen, er fände einen Text vor, der Oríta als einen Boten beschreibt, der unterwegs sei, Schwarzwalnusstinktur wider das Leiden des Seniors des Handelshauses zu beschaffen, der ohne dieses wohl an einem fortgeschrittenem Wurmleiden versterben dürfte.

Würde der Fremde soweit entgegenkommend reagieren, Oríta würde noch mit den Augen erst auf die Schriftrolle und dann zu der nurmehr spürbaren Glut des verloschenen kleinen Lagerfeuers weisen. Sollte der Fremde nicht von selbst verstehen, er würde versuchen dem Fremden die Schriftrolle abzunehmen und diese nahe an die Glut halten bis der Saft der Zitrusfrucht, die er einem Händler hier abgerungen hatte, einen weiteren Zusatz aufdeckte. Es war eine vorbereitete Schriftrolle für den Unterhändler der am vergangenen Abend nicht gekommen war. Das offensichtliche für Soldaten denen er möglicherweise begegnete, das Andere...
Ich muß in die Stadt und garantiere: Die Dankbarkeit des Handelshauses Tihab wird, innerhalb vernüftiger Grenzen, großzügig und bestimmt nicht zum Schaden jener gereichen, die mir diesen Weg eröffnen.
Sollte der Fremde nicht von selbst begriffen haben was es mit der Schriftrolle und der Feuerglut auf sich hatte, und darum Oríta die Schriftrolle wieder in eigenen Hand halten, er würde das verräterische Schriftstück nach dem der Fremde es gelesen hatte auf die Glut werfen, welche es sogleich entflammte. Sollte der Fremde sie indes noch in Händen halten, Oríta würde sie erbeten, dieses verräterisches Versprechen schnellstmöglich wieder zu tilgen. Auf das keine Spuren desselben zurück blieben. All dies indes würde er, vergleichsweise ungeschickt mit der Rechten vollbringen und die Linke unentwegt - unter der Decke - am darunter verborgenem Speer belassen.
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Re: Am Ende des Weges

Beitrag von Cassim » Fr, 11. Feb 2011 11:02

Zunächst überrascht, entspannte sich der Kerl doch recht schnell. Ein Wunder, bedachte man, dass Cassim nicht nur wahrlich wie einer jener Wüstenräuber aussah, die des Nachts Karawanen plünderten und die Reisenden erstachen, sondern genau genommen auch einer von ihnen war. Gut, bis auf das Meucheln vielleicht. Kollateralschäden gab es zwar hin und wieder, aber an der Tagesordnung stand das bei ihm definitiv nicht. Und bei ihm selbst sowieso nicht. Vielleicht sollte er also wieder etwas an seiner Außenwirkung arbeiten, damit man ihn gefährlicher einschätzte? Bei Piraten, hatte er gehört, sollte das schließlich auch ganz gut klappen. Doch zurück zur Situation! Da kauerte er nun, Cassim, neben dem Kerl, der vermutlich der Menai war. Die breite Nase deutete zumindest darauf hin. Die Augen allerdings...Moment, wo schaute er hin? Hah, den Trick kannte er schon! Und darauf reinfallen würde er nicht! Cassims Blick huschte also nicht zu dem Punkt, den der Fremde fixierte. Man wusste ja nie... Da war man einen winzigen Moment unaufmerksam - und hinterher lag man auf dem Rücken und hatte die Rollen getauscht. Der Blick des Menai kehrte zu ihm zurück (Cassim war sich inzwischen sicher, dass er derjenige war, den er suchte - oder der genau genommen ihn gesucht hatte), wanderte dann abermals fort. Cassim runzelte die Stirn. Wie lange wollte der Fremde das Spielchen wohl noch spielen? Cassim seufzte schwer, zog einen Rubindolch und legte ihn an die Kehle des Liegenden. "Also gut, lassen wir das." Dann nahm er die Hand fort, die den Kerl am Sprechen hinderte. "Ob du wohl die Güte hättest, mir zu sagen, warum du in die Stadt willst?" Cassim lächelte unter seinem Tuch, Fältchen entstanden um die Augen herum. Aber das Messer nahm er nicht fort. Sicher war sicher.
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Re: Am Ende des Weges

Beitrag von Oríta » Sa, 12. Feb 2011 16:24

Trotz der Klinge an seinem Hals konnte Oríta nur mit Mühe ein Verdrehen der Augen unterbinden. Der Mann vor ihm war gut, aber anscheinend nicht der hellste. Seit Tagen schon zog er seine Kreise um die unerreichbare Stadt und hatte eigentlich angenommen das hier draussen schon jeder Trottel von dem Stummen wußte, der der unermüdlich seine Fragen stellte. Was sollte er also von einem Boten halten, der noch nicht einmal das vernommen hatte. Andererseits war er leise und geschickt genug gewesen an ihn heranzukommen und weise genug das Messer trotz der scheinbaren Unvorbereitetheit seines Gegenübers zu keiner Zeit von dessen Kehle zu nehmen. Das Fremde war gut, zweifelsohne. Das er dazu, in Orítas Augen, allerding nicht der Hellste war - es machte ihn nicht gerade ungefährlicher. Also zwang sich der Menai zur Ruhe und konnte, bis auf ein leises Zucken der Augen, jede Regung zurückhalten. Hatte er doch keinesfalls das Bestreben eine noch engere Bekanntschaft mi der Klinge an seinem Hals zu schließen.

Einzig ein leichter Schweißfilm auf seiner Stirn, zeugte von der Anspannung unter der er stehen mochte als er die Lippen zu einem stummen “Ich - kann - nicht - sprechen!” formulierte und anschließend nochmals in die Richtung der abgelegten Nachricht wies. Sollte er wirklich hier durch die Klinge eines begriffsstutzigen Laufburschen sein Ende finden? Anspannung zierte sein Antlitz als er immerfort die stummen Worte über seine Lippen bringend, mit der freien Hand Bewegungen vollführte, als schriebe er, und zeigte dabei in die Richtung der noch immer ungelesenen Nachricht. Seine dabei aber kaum mehr verhohlene Verärgerung galt nicht einzig dem Unverständnis des Gegenübers als vielmehr seiner eigenen Unachtsamkeit. Das er doch geschlafen hatte - er ließ es nicht gelten und suchte vergeblich einen Ausweg aus dieser durch die Messerklinge beherrschten Szene.

Nein, Unbeherrschtheit war die falsche Herangehensweise. Also schloß er kurz die Augen, bat still Efu darum ihn nicht hir und so seinen Weg beenden zu lassen und - als er die Augen wieder öffnete- schenkte dem Fremden ein freundliches Lächeln, die innere Wut dabei nur noch im eigenen kalten Blick erahnen lassend. Wieder bewegte er stumm die Lippen:. O - Rí - Ta ! Mit der freien Hand wies er erneut auf sich. Die Linke spannte sich dabei fest um den Schaft seines Speeres. Er würde der Klinge an seinem Hals keinesfalls entgehen können! Doch jedes Zustoßen des Fremden würde er diesen so teuer bezahlen lassen wie es die in einem solchen Fall seinen Leib dann rasend schnell entströmende Lebenskraft noch zuließe. Ein leises Gebet an an Efu richtend wartete er darauf ab ob nun der Tod oder doch noch die Verständigung zwischen ihnen beiden Einzug finden würden.
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Re: Am Ende des Weges

Beitrag von Cassim » Di, 22. Feb 2011 15:49

Vermutlich war es ganz gut so, dass Cassim in Dunkel des fast verloschenen Feuers nicht so recht erkennen konnte, wie unstet im Sinne von genervt der Blick des Menai unter ihm war. Er hätte sonst ganz sicher ein paar andere Töne angeschlagen, und wenn es nur zum Vergnügen gewesen wäre. So aber wartete er auf eine Antwort, die jedoch nicht kam. Yassim seufzte tief und ließ die Schultern resignierend ein wenig sinken. Die Götter allein mochten wissen, warum sie stets Cassim mit solchen Härtefällen konfrontierten. Derweil Cassim darauf wartete, dass der stumme Fisch seine Zunge wiederfand, bemerkte er den strengen Geruch des Fremden. Es war tagsüber warm, um nicht zu sagen heiß in der Wüste, während des des Nachts mitunter so kühl war, dass man ohne Feuer durchaus sehr frieren mochte; insofern war es wohl normal, dass der Menai roch, als wäre er durch Kamelpisse geschleift worden. Cassim indes haftete ein vager Duft nach Jasmin an. Kein Wunder: Er hielt sich am Tage auch meistens in luftigen Räumen mit halbnackten Straußenfederfächerwedlerinnen auf.

Dann teilten sich die Lippen des Liegenden und fingen Cassims irritierten Blick auf. Iiich..k....k.annn...ich...ah, Halt, nicht....spr..sprechen? Cassims Brauen hüpften empor, als er versuchte, sich an den knappen Bericht seines Handlangers zu erinnern. Hatte er ihm gesagt, dass der Kunde nicht sprechen kann? Cassim unterdrückte ein Seufzen. Er hatte ihm gesagt, dass der Kunde nicht sprechen kann. "Ja, ist klar." Wobei ihm das vor zwei Herzschlägen irgendwie entfallen gewesen war, aber man musste ja nicht unbedingt seine Fehler zugeben. Außerdem würde der Kerl ja doch sicher etwas vergleichswei...ah, ja. Eine Nachricht. Cassim war dem Blick gefolgt und bemerkte nun das zusammengerollte Pergament, neben dem auch eine tönerne Phiole lag. Cassim blickte den Menai wieder an, hob vielsagend die Brauen und verlagerte sein Gewicht dann dergestalt, dass er nach der Rolle angeln konnte, ohne die Klinge nennswert verrücken zu müssen.

Kurz darauf rollte er unter Zuhilfenahme seiner Zähne das Pergament auseinander und hielt es dann in eine angenehme Entfernung vor seine Augen, um es zu lesen. Seine Augen huschten von links nach rechts und wieder zurück, während sich eine kleine Falte auf seiner Stirn bildete. Das war das übliche Gewäsch, das ein Bote mit sich führte. Cassim ließ die Hand mit der Nachricht sinken und begegnete dem Blick des Fremden erneut. Sei eigener war fragend. Er legte fen Kopf schräg. "Freut mich auch, deine Bekanntschaft zu machen, Ohida", entgegnete er höflich. "Es mag dich wohl erfreue, zu wissen, dass du der erste Menai seit rund sieben Jahren bist, dem ich begegne." Cassim lächelte nachsichtig. "Aber wir sind nicht zum Plausch hier." Er hob die Hand mit der Nachricht und sah den Menai fest an. "Wenn ich dich lasse, wirst du mir dann erklären, was es damit auf sich hat?" fragte er und schickte sich an, das Messer fortzunehmen. "Ich muss dich allerdings warnen: Mach keine Dummheiten, oder du wirst es nicht überleben. Draußen gibt man acht, was hier geschieht." Das war eine unverblümte, aber ebenso glatte Lüge. Schließlich war Cassim allein gekommen - was der Fremde allerdings nicht wusste. Cassim bedachte den Menai noch mit einem nachdenklichen, kurzen Blick, dann nahm er den Dolch fort und steckte ihn an die schmale Scheide in einer Falte seiner Gewänder. "Also?" fragte er mit hoch gezogenen Brauen.
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Re: Am Ende des Weges

Beitrag von Oríta » Di, 22. Feb 2011 18:09

Als der Fremde, im Dunkeln die Nase leicht rümpfend einzuatmen schien, beschloss Oríta zu seiner, wohl hauptsächlich des ersten Schreckens wegen nur fallen gelassenen, Gleichmut nicht zurückzukehren. Es galt hier einen Auftrag auszuführen und nicht irgendwelchen Revierstreitigkeiten nachzugeben. Als der Fremde darum bald darauf auch noch seinen Namen falsch aussprach … nun ja, es musste ja nicht jeder wissen mit wem er es gerade zu tun gehabt hatte, hm? Oríta nahm dem Fremden mit ruhigen Bewegungen das Pergament ab und hielt es einige Augenblicke nahe an die fast erloschene Glut. Danach reichte er mit einem freundlichen Lächeln an diesen zurück und begann mit ruhigen langsamen Bewegungen damit, seine Ausrüstung zusammenzutrage, bis schließlich nur mehr die Schlafdecke, und noch immer darunter verborgen der Speer seiner harrten. Zu keiner Zeit hatte er dabei seine Hände aus dem Blickfeld des Fremden genommen und immer bedacht und langsam nur sich bewegt.

Der Fremde war ihm schließlich gleichgültig, sah man davon ab das der ihm möglicherweise den Weg in die Stadt bedeuten mochte. Wozu ihn also unnötig reizen? Mit seiner, ihm an sich gegebenen, Zuvorkommenheit befleißigte er sich fortan seines gewohnt freundlichen Gebarens. Das das Haus Tihab die von Oríta erbetene Gefälligkeit , den Umständen entsprechend, angemessen wie gebührend entlohnen würde sollte sein Führer ja nun hoffentlich erfasst haben. Also ließ Oríta sich schließlich wieder neben der Schafdecke nieder und schrieb einen weiteren Text in den sandigen Untergrund. „Wenn Eure Freunde und Ihr nichts weiter hier vorhabt, von mir aus könnten wir.“[/i Dabei wies er mit der freien Rechten fragend gen Avrabêth. Je früher sie schließlich aufbrächen, desto eher mochte er seinen Auftrag zu Ende führen und also auch die Stadt verlassen und solcherart einem möglicherweise qualvollen Sterben in den Fängen der darin grassierenden Krankheit entgehen.

Denn mehr als eine angemessene Belohnung garantiert zu bekommen erwartete sein Gegenüber doch hoffentlich nicht wirklich. Soviel Professionalität wollte Oríta diesem dann nämlich doch schon gerne zusprechen, einen Boten der seit Tagen mit beinahe allen nur erdenklichen Mitteln versuchte in eine vom Tod heimgesuchte Stadt zu gelangen, nicht nach der tatsächlichen Natur seines Auftrages etwa zu fragen.
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Re: Am Ende des Weges

Beitrag von Cassim » Fr, 04. Mär 2011 10:20

Der Menai offenbarte mit wenigen Handgriffen die verborgene Nachricht. Chapeau, dachte sich Cassim respektvoll, der Auftraggeber des Mannes war umsichtig und schlau. Einem einflätigen Wächter wäre es gewiss nicht in den Sinn gekommen, eine pergamentene Nachricht mit Zitrone zu behandeln und sie dann ans Feuer zu halten. Einem Offizier vielleicht, doch bis eine solche Nachricht in die Hände eines solchen gelangt sein würde, wäre sie unterwegs wohl schon zigmal für belanglos abgestempelt und weggeworfen worden. Nun war Cassim zwar niemand, in dessen Augen die Münzreflexionen glitzerten, andererseits war er ein Geschäftsmann, der kein gutes Geschäft ausschlug - und dieses versprach genau ein solches zu werden. Er beschloss, seinen Dolch wegzustecken - jedoch nicht zu weit weg. Man wusste ja nie. Cassim erhob sich mit einer fließenden Bewegung und betrachtete den Menai aufmerksam bei jeder Bewegung, die er tat.

Als jener dann begann, den Sand zu bearbeiten, runzelte der Wüstenmann die Stirn sagte jedoch nichts. Naja, taub war der Kerl offenbar nicht. Immerhin etwas. Wenn er dann gleich noch tat, was Cassim ihm sagte, würde er ihn schon in die Stadt bekommen. Allerdings, wenn er sich als Draufgänger und Besserwisser erwies, dann konnte er sie beide in die Bredouille bringen. Cassim las die sich aneinanderreihenden Buchstaben im Sand und grinste ungesehen; seine Zähne hätten ohne den Schleier wohl weiß im Halbdunkel hervorgestochen. "Gradlinig, was?" bemerkte Cassim und hob amüsiert die Brauen. "Eins noch", sagte Cassim und trat vor, um mit dem rechten Fuß Sand auf die Glut zu schaufeln. Selbst erlöschende Feuer waren weithin zu sehen. Genau genommen wäre es zwar egal gewesen, da sie sich einerseits eh in einem Lager befanden, andererseits ohnehin weit genug von der Stadt entfernt waren, doch war die Sache schnell erledigt. Cassims Blick ruhte auf dem Speer des Menai. Er schmunzelte, deutete darauf und sagte: "Nettes Stöckchen!" Dann machte er eine auffordernde Geste. "Also gut. Komm. Ich rate dir, das zu tun, was ich dir sage. Und zwar gleich, nicht erst ein halbes Jahrhundert später. Sonst gehen wir beide drauf." Cassim verengte belustigt die Augen. "Schau nicht so! Natürlich bin ich allein hier. Zu viele Köche verderben den Brei, und außerdem muss man in Übung bleiben. Und jetzt komm." Cassim schlüpfte unter der Zeltbahn hervor und schlich geduckt aus dem Lager hinaus.

Als sie selbiges hinter sich gelassen hatten - zumindest ging Cassim davon aus, dass der Menai ihm folgte, denn zurück schaute er nur selten - entspannte sich Cassim. Bis zur Stadt und bis sie damit wieder acht geben mussten, dauerte es noch ein wenig. Er betrachtete den Dunkelhäutigen von im spärlichen Licht der Sterne von der Seite. "Warum willst du überhaupt in die Stadt? Nicht, dass es mich ewas anginge - aber sagen wir so: Die Lebensqualität hat in den vergangenen Wochen durchaus gelitten, insbesondere unter den Armen und was das Wasser betrifft. Du musst übergeschnappt sein, mein Freund. Oder einen verdammt guten Grund haben." Eine Antwort erwartete Cassim nicht wirklich, immerhin war Ohida offenbar stumm. In der Ferne ragten die undurchdringlichen Mauern der Wüstenstadt auf.
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Re: Am Ende des Weges

Beitrag von Oríta » Di, 08. Mär 2011 2:07

"Gradlinig, was?" Oríta lächelte ein schmales Lächeln, dass seine Augen jedoch nicht erreichte. Die anschließende Unterweisung des Mannes ließ er ebenso devot über sich ergehen, wie er die abfällige Herabwürdigung seiner Waffe unkommentiert stehen ließ. Er war das Naturell der Männer dieses Landes ja schon gewohnt. Das dieser sich so deutlich darum bemühte Oríta von oben herab zu behandeln - er mochte noch nicht zu erkennen, ob dieses aus Unsicherheit geboren war, einfach nur dessen Naturell entsprach oder aber der Andere ihm tatsächlich die Dummheit zutraute so eindringlich nach einem Führer zu suchen, nur um dann in den entscheidenden Momenten ' n i c h t ' auf selbigen zu hören. Die Nachricht war in der Glut gelandet ehe der Fremde den letzten Stoß Sand mit dem Stiefel darüber schob.

Das der Andere dann aber bekundete doch alleine zu sein, erstaunte den Menai gleichermaßen, es ihn auch erfreute. Sollte kein Netzwerk an Helfershelfern notwendig sein, die Stadtgrenze zu überschreiten, mochte er eventuell auf gleichem Weg auch wieder hinaus gehen. doch dazu musste er erst einmal in die Stadt hinein gelangen. Also nickte er scheinbar devot ob der Unterweisungen de Anderen und folgte diesen schließlich hinaus. Leise und scher setzte er seine Schritte, immer dorthin, wo Momente vorher noch des anderen Mannes Fuß aufgesetzt hatte und wieder weiter geschritten war. Als sie das Lager hinter sich gelassen hatten, setzte der Menai seine Schritte so, dass er nunmehr neben dem Anderen her schritt. Warum er in die Stadt wollte fragte der darauf nach einem kurzen Seitenblick plötzlich. Nicht das ihn das was anginge - an dieser Stelle mochte das breite strahlen großzügig entblößter makellos weißer Zähne in der Nacht sich zeigen, aber... Oríta legte die geschlossene Faust der Linken auf die Brust. Eine soldatische Geste der Ehrerbietung, zumindest in den Armeen Menainons. Ob der Andere diese Geste aber kannte? Der leise lächelnde Manai wusste es nicht zu sagen, doch spielte das hier ja grad auch keine Rolle. Wie also sollte er dem Anderen erklären das er schlicht und ergreifend seine Pflicht tat, und wieso überhaupt sollte er das? Es spielte schlicht keine Rolle!

Also wies Oríta statt dessen gleichermaßen fragend auf den Anderen, auf die noch ferne Stadt und danach in die hinter ihnen liegende Weite. 'Und Ihr? Warum verlasst Ihr dann nicht die Stadt, sondern kehrt mit mir dorthin zurück, hm?' So oder ähnlich waren die, mit fragender Miene vorgetragenen Gesten vermutlich wohl zu deuten. Sie hatten wohl beide ihre Gründe. Wozu also darüber reden? Das der Andere aber scheinbar, wie Oríta in dem Moment erkannte, sich gleichermaßen dem Übel stellte, obwohl er genauso gut doch auch anders gekonnt hätte, es brachte ihm den ersten unausgesprochenen Respekt des Menai ein. Orítas Sinne waren, hellwach und sondierten die Umgebung während er leichtfüßig neben dem Anderen her schritt. Einmal, sie waren nicht mehr allzu weit von der Stadt entfernt, konnten sie so gerade noch einer Patrouille ausweichen und abseits, hinter mehren Dornensträuchern ausharren, während die Soldaten die Umgebung, im Vorbeigehen, gründlich mit ihren Blendlaternen sondierten.

Als die Beiden sich schließlich wieder erhoben, vermeinte Oríta erstmals die Silhouette der Stadt gegen den klaren Sternenhimmel sich abzeichnen zu sehen. Ab hier mochte dann der beschwerliche Teil des Weges beginnen. Der Teil, an dem er sich bisher vergeblich die Zähne ausgebissen hatte. 'Oh steh mir bei, Efu!' intonierte der Menai stumm, wie in Gedanken. Anschließend führte er Finger der geöffneten Linken zur Stirn, zu seinem Herzen und danach in einer fließenden, wie gleichermaßen ungradlinigen, ja beinahe ritualhaft anmutenden Geste gen den fernen Bergen Menainons, wo die Götter lebten. Mit geübten Bewegungen prüfte er den Sitz seiner usrüstung, wie auch des in ledernen Rückenschlaufen fest verzurrten Speeres. Er konnte ihn leicht mit einem kräftigen Ruck lösen, brauchte sich bis dahin aber auch keine weiteren Gedanken darum zu machen und hatte die Hände derweil für wichtiges frei. Nach dieser kurzen Überprüfung seiner Ausrüstung nickte er dem Anderen aufmunternd zu. Von im aus mochte nun der schwere Teil ruhig auch beginnen. Er auf jeden Fall war gewappnet und bereit
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Re: Am Ende des Weges

Beitrag von Cassim » Do, 10. Mär 2011 12:18

Das war knapp gewesen. Das leise Klappern des Spähtrupps verlor sich allmählich in der sandigen Weite. Diese Idioten dachten einfach nicht daran, ihre Rüstungen zu entbehren und damit unhörbar leise zu sein auf ihren Patrouillen. Sie hatten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können und hatten hinter einem kärglichen Dornengestrüpp ausgeharrt, bis das Klappern verklungen war. Erst dann erhoben sie sich wieder und Cassim erhielt die Gelegenheit, leise auf die zuvor getätigte Geste des anderen zu reagieren. Zunächst hatte er angenommen, die weit ausschweifende Gestik des anderen hätte die Frage darstellen sollen, weshalb er allein gekommen war, doch diese Frage hatte er schließlich vorab unaufgefordert beantwortet. Der Menai musste daher etwas anderes gemeint haben, und während er sich hinter dem Dornbusch in den Sand gedrückt hatte, war ihm eine mögliche Frage des anderen aufgefallen. Cassim klopfte sich mechanisch den Sand aus den Kleidern, als er wieder stand, und bemerkte: "Warum ich noch da bin? Tja, naja, dieser Sündenpfuhl ist eben meine Heimat, weißt du? Außerdem, es ist mit der Zeit wahrlich amüsant, den Wachen eins auszuwischen!" Cassim grinste und legte fragend den Kopf schief. "Dir ist bekannt, dass sie die Brunnen kontrollieren und man nicht mehr aus dem Haus gehen darf? Die Leute verrecken in ihren Hütten, weil sie nichts zu trinken haben! Eine Schande ist das", beschwerte sich der Schmuggler und schüttelte bedauernd den Kopf. Dass ihm durch die Ausgangssperre so manches Geschäft durch die Lappen ging, war leider auch so. Das piekte etwas, doch noch tat es nicht arg weh. "Und du hast sicher zu tun in der Stadt", fuhr Cassim fort, während sie nun weiter der Wüstenstadt entgegen schlichen. Die Geste des Menai musste bedeuten, dass er einen Auftrag hatte - das erschloss sich Cassim auch aus dem Zusammenhang des Schriftstückes. Ohne selbiges hätte es genauso gut eine Herzensangelegenheit sein können, doch der Kerl wirkte nicht sonderlich verliebt oder treudoof. Cassim hütete sich, näher nachzubohren. Wenn er sein Geld bekam, war das in Ordnung. Dann musste er nicht mehr wissen.

Sie taten gute zweihundert Schritt, bis Cassim sich abermals umwandte. Die unüberwindliche Stadtmauer war inzwischen deutlich als solche zu erkennen; gewiss hätte sie sogar manch einer Belagerung gut getrotzt. Im Osten war der schwache Schein von Laternen auszumachen: Dort befand sich ein Tor. "Leise jetzt", flüsterte Cassim, der inzwischen beim Laufen deutlich in den Knien federte und damit mehr geduckt schlich als normal ging. Als wäre es der Menai, der ständig plapperte oder besonders laut wäre in der Fortbewegung. Cassim fügte noch eine Geste an; er legte den Zeigefinger auf die verborgenen Lippen und bedachte Ohida mit einem bedeutsamen Blick. Gebückt schlichen sie weiter, bis sie hinter einer windschiefen, halb vertrockneten Dattelpalme in Deckung gingen. Die Mauer war nunmehr gute hindert Schritt entfernt. "Wir rennen das letzte Stück bis zur Mauer", sagte Cassim. "Fertig? Jetzt!" Er stieß sich aus dem Sand empor und flitzte flink voraus. Wenig später presste er sich mit dem Rücken gegen den lauwarmen Stein - er hatte die Sonnenglut in sich gespeichert. Sein Herz pochte wild in seinem Hals. Er liebte das Gefühl, beinahe erwischt zu werden. Der Menai würde gleich neben ihm bei der Mauer ankommen.
"Wenn du dich durch jeden Hund aufhalten lässt, der dich auf deinem Weg anbellt, wirst du nie ans Ziel kommen."

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Re: Am Ende des Weges

Beitrag von Oríta » So, 20. Mär 2011 21:18

Oríta nahm die Worte seines Führers, stumm hin. Einzig als der davon berichtete, das die Menschen in ihren Hütten verdursteten, weil die Brunnen bewacht und der Ausgang verboten waren, blähten sich Orítas Nasenflügel empört. Doch sagte er nichts weiter dazu und schüttelte nur den Kopf ob der frage. Nein, das hatte er nicht gewusst. Die Ausgangssperre war auch vor den Mauern der Stadt bekannt gewesen und damals, als er davon gehört hatte, sogar noch verteidigt worden. Die Menschen zu trennen und Menschenansammlungen zu unterbinden war weise. es auszusitzen statt in alle Winde zu fliehen und die Seuche so in die Welt zu tragen indes war vorausschauend. Doch irgendwie hatte Oríta einfach angenommen das die Stadtwachen das Wasser der Brunnen abgekocht von Haus zu Haus fahren würde - wie ja auch die Toten scheinbar eingesammelt und auf den Scheiterhaufen doch verbrannt wurden. Auf die Frage, respektive Feststellung, das er in der Stadt wohl zu tun hatte nickte der Bote stumm, entschloss sich dann aber noch zu einer weiteren Regung. Bedeutungsschwanger rieb er den Daumen an seinen zusammengelegten Zeige- und Mittelfingern. Diese Geste für Geld, respektive lukrative Geschäfte war bisher noch in jedem Landstrich den der Menai bisher durchquert hatte verstanden worden. Außerdem wies er noch auf eine kreisrunde kleine eiserne Spange deren Symbol ihn als einen Boten Menainons auswies. Der Andere würde das Symbol zweifelsohne nicht kennen, aber es sah wohl offiziell genug aus, klarzumachen, dass Orítas Weg in die Stadt eine gewisse Profession wohl zugrunde lag.

"Fertig? Jetzt!" Auf die erste Frage hin nickte Oríta noch doch als er wenige Augenblicke nach seinen Führer hinter der Palme hervorkommen wollte, sah er einen fahlgelben Reflex von der Mauerkrone herüber blinken. Zuerst war es nur die scheinbar von einer Laterne erhellte Spitze einer Glaive zu sehen. Der Mann der ihn wohl noch immer nicht seinen Namen verraten hatte war schon unterwegs und tat das einzig richtige - er lief weiter, bis zur Mauer. Die leisen Stimmen eines Mannes auf der Mauerkrone und mindestens eines Anderen von jenseits der Mauer wehten bis zu ihm herüber. Ein behelmter Kopf späte über die Krone hinweg. Oríta tauchte ganz hinter der spärlichen Tarnung der halb verdorrten Dattelpflanze unter, noch ehe er die Augenschlitze des Anderen über die Mauerkrone reichen sah. Der breitgefächerte warme Strahl einer Blendlaterne streifte die Mauer entlang und über das Areal davor. Auch an seiner spärlichen Deckung verharrte sie eine gefühlte Ewigkeit und des Menais Muskeln zitterten bereits ob der Anspannung, ihn in der unnatürlichen Pose zu halten, die der krumme Wuchs des Stammes vorgab. Noch immer nicht vermochte er die Worte zu verstehen derweil er sich mit einer Hand an der Rinde der Palme festklammerte und mit der Anderen den Speer auf seinem Rücken in einer Position hielt, das dieser von der Mauer auch nicht zu sehen sein würde.

Erst als in der Nacht plötzlich das kehlige Lachen eine Hyäne erklang, ruckte der Laternenstrahl nach links und von ihm fort. Es waren nur wenige Momente die der Lichtstrahl brauchte das Tier, keine dreihundert Schritt von der Dattelpalme entfernt schwach aus der Dunkelheit zu zerren. Die Worte des Mannes auf der Mauer verstand Oríta dieses Mal problemlos, befand er sich doch beinahe schon an der Selben. Als der Strahl indes wieder zur Dattelpalme zurück ruckte, drückte Oríta sich schon neben seinem Führer gegen die warme Mauer. Der Lichtstrahl indes fand die Palme unverändert vor. Keiner der verdorrten Wedel bewegte sich in der lauen Luft, kein Staub wallte über den trockenen Boden und als der Strahl etwa dreißig ruhige Atemzüge unbeirrt die Dattelpalme im Fokus hielt ohne was zu entdecken, erklang eine genervte Stimme von jenseits der Mauerkrone, die leise etwas von einem wartenden kalten Bier in der warmen Wachstube rief. „Du hast eben selbst gesagt das da mindestens eine Hyäne rumstreift! Kein Wunder bei all den Leichenfeuern hier. Also komm endlich - oder muss ich erst rauf kommen und dich holen? Glaub ja nicht das dir 'das' gefallen würde!“ Ein Schnauben erklang von oben, der Lichtstrahl wanderte ein letztes Mal über die Fläche vor die Mauer hinweg. Dann endlich hörte er das Geräusch schwerer Stiefel auf dem Wehrgang oben sich entfernen. Orítas Atmung war nach wie vor unverändert ruhig wie gleichmäßig, als er sich dem Mann an seiner Seite zu wandte und nickte. Von ihm aus mochte es jetzt ruhig weiter gehen. Er hatte ja schließlich nicht alle Zeit der Welt.
Einst betete ich zu den Göttern: »Gebt mir Stärke!«
Doch sie antworteten nur: »Gib Dir Mühe!«

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Re: Am Ende des Weges

Beitrag von Cassim » Do, 07. Apr 2011 11:41

Gut. Cassim bohrte nicht weiter nach. Im Grunde genommen ging es ihn auch nichts an. Zumindest so lange nicht, wie er sein Geld für die Einschleusung bekam... Cassim lief also los, lautlos und geduckt, und schon nach den ersten paar Schritten bemerkte er das flüchtige Aufblitzen eines Lichts. Er duckte sich noch tiefer - unterdrückte ein Ächzen ob seiner protestierenden Knie - und erreichte kurz darauf die Mauer. Mit dem Rücken presste er sich gegen den noch warmen Stein und blickte zu dem Menai hin, der den Lichtreflex den Göttern sei Dank ebenfalls gesehen hatte und stehen geblieben war. Cassims Herz pochte laut von dem raschen, geduckten Lauf. Es blieb nun nicht viel anderes, als zu warten, denn aus diesem Winkel konnte er nicht sehen, was über ihm auf der Mauerkrone passierte. Im Gegensatz zu Orita konnte er zuwenigst einige Wortfetzen verstehen, da er sich näher an den Sprechenden befand. Es ging ganz offensichtlich um eine Frau, und die beiden neckten sich gegenseitig mit derben Scherzen. Das Lachen eines der Männer schien gar von weit außerhalb erwidert zu werden; Hyänen balgten sich wohl um ein Stück stinkendes Aas, ihr Lachen klang wie ein verzerrtes Echo in der Nacht. Die Wachen schwiegen und bewegten sich dann weiter den Wehrgang entlang. Cassim lauschte in die Dunkelheit, doch schon bald war nichts weiter zu hören als das irre Kichern entfernter Hyänen.

Cassim wandte seine Aufmerksamkeit nun wieder dem Menai zu. Der Mann verschmolz recht passabel mit den Schatten, das musste er ihm lassen. Er kam immer weiter heran und prallte schließlich mit einem warmen, dumpfen Laut neben ihm an die Stadtmauer. Cassim nickte ihm bedeutungsschwanger zu, das Nicken sollte Anerkennung transportieren. Offenbar hatten es sich die Wachen allerdings soeben anders überlegt und umgedreht. Sie standen nun erneut nicht weit von der Stelle der Mauer, an der Cassim und sein Auftrag sich gegen den Standstein pressten und so taten, als seien sie nichts anderes als zwei weitere Sandhaufen voller Sandflöhe. Eine kleine Ewigkeit schien zu vergehen - was zum Geier erwarteten die Kerle da oben zu sehen?! Kurz darauf gab es einen verzerrten Ruf, und abermals kam Bewegung in die Männer. Cassims Blick war finster, als die Männer sich zum zweiten Mal entfernten. Zur Sicherheit wartete er auch nach dem auffordernden Nicken seines temporären Kumpanen noch einige Herzschläge, ehe er sich umwandte und den Menai bedeutungsvoll anschaute. Dann ruckte er mit dem Kopf nach links; eine unmissverständliche Geste. Cassim schlich sich räuberisch weiter an der Mauer entlang, gute zwanzig Schritt, dann wurde er langsamer und ließ die Finger der Linken suchend an der Mauer entlangfahren. Schließlich schien er zu finden, was er gesucht hatte, denn er blieb stehen und trat einige Schritte fort von der Mauer. Verstohlen blickte er nach allen Seiten, dann griff er direkt vor sich in den Sand. Er förderte einen Haken zu Tage, an dem er zog. Unter einigem Sandrieseln öffnete sich eine sandige Falltür, in die Cassim mit einem schiefen Grinsen einladend hinein deutete. Er wartete, bis der Menai voran gegangen war, dann schlüpfte auch Cassim in die entstandene Öffnung und schloss die Falltür hinter sich wieder sorgfältig. Unter ihren Füßen befand sich Sand, und darunter war stellenweise - und je weiter sie sich von der Öffnung entfernten - dunkler Stein sichtbar. Stehen konnte man hier nicht; sie mussten auf sich allen Vieren fortbewegen, doch immerhin war dies ein Weg hinaus aus der Stadt - oder hinein. Und dass dieser Weg öfter genutzt wurde, verrieten die glatt geschmirgelten Steine am Boden. "Etwa achtzig Schritt", informierte Cassim den Menai, der vor ihm kroch. "Dann nach rechts, zweihundert Schritt. Dann lass mich voran gehen." Dort vergrößerte sich der Gang nämlich, sodass man bequemer darin stehen und gehen konnte. Von dort wären es noch vier Abzweigungen, bis sie unter einem Haus angelangt waren, das einem seiner Männer gehörte.

Eine ganze Weile später, sie hatten inzwischen ihre Positionen gewechselt, klopfte Cassim in einem besonderen Rhythmus von unten an eine weitere Falltür, die allerdings durchaus massiver wirkte. Etwas wurde verschoben. Dann... "Wer da?" knurrte eine Stimme. "Cassim ibn Fadi ibn Ibrahim Al-Ishbili el-akbar", erwiderte genau der. "Losung?" "Ein Weiser nutzt seine Feinde besser aus denn der Narr seine Freunde." Erneut wurde etwas verschoben, dann öffnete sich die Luke mit einem leisen Quietschen und ihnen wurde hinauf geholfen. "Sand und Wind", fluchte der Bärtige, als er Orita aus dem Loch half. "Wieso hat denn das so lange gedauert? Wir haben schon überlegt, wie wir euch befreien könnten." Die Luke wurde geschlossen, und Cassim, der sich den Sand aus den Kleidern klopfte, schnaubte. "Gut Ding will eben Weile haben, Amos. Ich bezahl dich nicht dafür, mir Moralpredigten zu halten. Wein?" Cassim streckte die Hand aus und musste nicht lange warten, bis ihm jemand hastig einen Becher reichte. Ein wenig verzögert wurde auch Orita ein Becher hingehalten. "Gut. Dann hätten wir das", bemerkte Cassim und sah kurz in die Runde, die aus insgesamt fünf Männern bestand. "Ich nehme an, ich muss dich nun zum Handelshaus Tihab begleiten?"
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Re: Am Ende des Weges

Beitrag von Oríta » So, 10. Apr 2011 15:04

Oríta eilte auf Händen und Füßen den stockdunklen Gang entlang, befand der Führer es doch für unnötig – oder auch vielleicht zu riskant – ein Licht zu entzünden. Vorsichtig tasteten seine Finger dabei den Boden ab. Was wäre schließlich leichter als den irren Fremden in einen senkrechten Schacht am Ende eines vermeintlichen Zugangstunnels stürzen lassen, diesen dann ausrauben um dann zu schauen welchen Narren man als nächstes seiner Habe berauben könnte? Doch tatsächlich, nach etwa zweihundertvierzigmaligem vorsichtigen aber doch noch vergleichsweise schnellen Vorwärtstasten fand sich die Abzweigung nach rechts. Oríta versuchte sich die Wehrmauer der Stadt zurück ins Gedächtnis zu rufen. Wenn sie achtzig Schritt nach vorne und danach 200 weitere nach rechts gelangten… wären sie dann eventuell doch wieder außerhalb der Stadt? War dieses also doch nur eine gemeine Falle? Oríta war sich unsicher und umso vertrauenserweckender verspürte er den leichten Druck des Speeres auf seinem Rücken. Auch wenn er sich eben dessentwegen noch etwas tiefer ducken musste um die Spitze nicht beständig an der Decke entlang schaben zu lassen. Wenn es in diesem engen Gang zu einer Auseinandersetzung käme, wäre der Speer wirklich selten unnütz, ging es dem Menai durch den Kopf. Wenn ich einen Speerkämpfer überwältigen wollte, ich würde es wohl genauso anstellen wollen!, dachte Oríta sich im Geiste, derweil er mit all seinen Sinnen nach Fallen oder anderweitigen Bedrohungen horchten. Nicht das er sie denn hätte entdecken können, wären sie ihm denn untergekommen und scharf, hatte er schließlich auch das letzte niedrige Wegstück hinter sich gebracht.

Als er Cassim klopfen hörte und das beinahe schon belustigende Frage- und Antwortspiel vernahm, ging eine Hoffnung indes schon mal den Weg alles Vergänglichen. Den Weg sich zu merken und einfach wieder zurück zu gehen, wenn er hier alles erledigt hätte – das konnte er sich abschminken. Und wenn er sich der Geschichten über den Wachhund am Eingang zur Höhlenwelt unter den von den Göttern bewohnten Bergen recht entsann, dann mochte der Preis den ein wieder verlassen dürfen dieser Stadt verlangte, vermutlich ungleich höher wohl sein. Wenn Oríta seine Auftraggeber zu viel kostete, würde sich das auch auf seinen eigenen Lohn und etwaige Folgeaufträge wohl auswirken – Verdammt auch! Als der Fremde jenseits der letzten Luke Oríta dann hilfreich eine Hand entgegenstreckte, wurde dem zum ersten Mal klar, was er hier eigentlich wagte. Noch ehe er sich klar zu machen vermochte, wie unklug es war gerade diese Männer hier zu vergällen, stemmte der Menai sich schon geschmeidig aus dem finstren Schacht, die dargebotene Hand, wie auch den Fluch ignorierend, den der Mann darauf ausstieß. Woran erkannte man eigentlich diese ominöse Seuche, wie verbreitete sie sich? Die Wächter die er vor den Mauern auszuhorchen versucht hatte, hatten beharrlich auf diese Fragen geschwiegen. Ein halb entschuldigendes, wahrte er doch etwas zu deutlich Distanz zu den Anderen, ein halb dankbares Lächeln, spendete er den Anderen.

Zögernd, wie um sein Distanzbedürfnis zu wertschätzen, bot ihm einer der Männer gleichfalls von dem Getränk an. Erst da, denn zu Essen und vor allen Dingen auch, zu trinken – das würde sich während seines Aufenthaltes wohl kaum vermeiden lassen. Der Wein indes war alt und gewiss nicht hier in dieser Wüstenei gekeltert. Folglich war die Krankheit, wenn das Gesöff nicht nachträglich noch verwässert worden ist, vermutlich sicherer als jeder Schluck aus den hiesigen Brunnen. Einzig vergiftet könnte der Wein sein, aber dagegen… Mit einem dankbaren Lächeln nahm er den dargebotenen Becher an und stieß dermaßen überschwänglich mit seinem Führer an, das etwas von der Flüssigkeit aus seinem Becher ‚rein versehentlich‘ natürlich überschwappte und des Anderen Bechers etwas anreicherte. Als der dennoch trank, setzte auch Oríta schließlich das kühle Nass an die Lippen. "Gut. Dann hätten wir das". Oríta nickte und setzte den geleerten Becher ab. "Ich nehme an, ich muss dich nun zum Handelshaus Tihab begleiten?" Oríta nickte, schlug sich den Staub aus seinen schmutzigen wie staubigen Sachen und war in Gedanken schon bei einem kalten Bad, neuen und sauberen Gewändern und einer hoffentlich baldigen Wiederabreise. Oríta schnappte sich einen schmutzigen Zettel, klaubte einen schmalen Kohlestift von irgendwo her und kritzelte schnell die genaue Anschrift darauf, bei welcher er vorstellig werden sollte. Er hielt sie seinem Führer so hin, dass nur der sie lesen konnte. Anschließend wanderte das Papier zu einer nahen Kerzenflamme und die übrig gebliebene Asche verrieben zwischen seinen Händen. Eine kurze Bewegung, die die Anderen als Geste des Abschiedes missdeuten mochten, galt indes den fernen Gipfeln, darauf die Götter wohnten. Ihnen und Efu, der ihm das überschreiten der Stadtgrenze so problemlos gewährt hatte.

Ein letztes Mal richtet Oríta Kleidung und Waffe, lockerte die Gelenke und Muskeln und nickte Cassim auffordernd zu.
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Re: Am Ende des Weges

Beitrag von Cassim » Fr, 15. Apr 2011 13:09

Ein wenig zu forsch prostete der andere ihm zu, vergeudete gar etwas von dem guten Tropfen - Wein war nun einmal ebenso rar geworden wie viele andere Konsumgüter, seitdem die Ausgangssperre verhängt worden war - und rang Cassim damit ein Stirnrunzeln ab. Den Becher zügig geleert, drückte er das leere Gefäß einem der Umherstehenden in die Hand und sah fragend in die Runde. "Beim Bart des Kalifen, habt ihr nichts zu tun? Steht nicht so dumm herum!" fuhr er die anderen an, doch das breite Grinsen, das er selbst verteilte und auch als Erwiderung erhielt, machte deutlich, dass hier nur halb so heiß gegessen wurde, wie man kochte. Dennoch kam Bewegung in die Männer, die eben noch gestanden und gewartet hatten - worauf auch immer. Cassim betrachtete den Menai, wie er sich den Staub aus den Kleidern klopfte und sah dann forschend an sich selbst hinunter. Er sah nicht minder schlimm aus, entschied sich jedoch dafür, den Staub dort zu lassen, wo er war. Er gab seinen Kleidern eine natürliche Färbung, und zum anderen genügte es vollkommen, dass der Menai vor ihm eine Staubwolke mittleren Ausmaßes erzeugte.

Suchend irrte der Blick des Menai durch den Raum. Cassim betrachtete ihn kurz irritiert und wollte schon spöttisch erwähnen, dass sie hier im Keller selbstredend keinen Abort hatten, als der Fremde sich einen Fetzen Papyrus unter einer verstaubten Öllampe hervorzog und aus einer Ecke ein Bröckchen Kohle stahl. Cassim nickte wissend und wartete, dann wollte er dem Fremden das Zettelchen aus der Hand nehmen, doch der hielt es fest. Also beugte sich Cassim vor und las...
Bild
"Kenn ich", bemerkte er, da hielt der Menai das Zettelchen auch schon über eine Kerze und verschmurgelte zu grauen Ascheflöckchen. Cassim rümpfte die Nase. "Wär nicht nötig gewesen..." murmelte er. Offenbar litt der Kerl unter einem massiveren Verfolgungswahn als eine Kalifentochter. Nun, ihm sollte es gleich sein, solange er sein Geld erhielt. Er zuckte also mit den Schultern und bekam die Geste des anderen nur aus den Augenwinkeln mit. Komischer Kauz. Die anderen winkten ihm brav zurück. Cassim seufzte leise und rollte mit den Augen. "Also gut, dann lass uns das durchziehen, bevor es wieder hell wird. Bei Sonnenaufgang will ich in meinem Bett liegen", bemerkte er und deutete auf eine schmale Stiege, zu der er augenblicklich voran ging. Die anderen starrten ihnen hinterher und es war offenkundig, dass ihr geschäftiges Herumgewusel augenblicklich stoppen würde, sobald ihr Anführer den Keller verlassen hatte.
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Re: Am Ende des Weges

Beitrag von Oríta » Fr, 15. Apr 2011 17:02

Oríta vertraute sich der Führung des anderen Mannes an. Das er diesen mehrfach vor den Kopf gestoßen zu haben schien, mit dem Abklopfen seiner Kleidung, der sorgfältigen Vernichtung der Notiz und vielleicht gar noch dem Einen oder Anderen was er selbst nicht bemerkt haben mochte, er nahm es mit einer leisen Zufriedenheit hin. Ein Zeichen, das er sich immer noch übel nahm, von dem Anderen zuvor so leicht im Schlaf sich hat übertölpeln lassen. Ein schweres Ausatmen kündete anschließend von seinem Unmut über diese nachtragende Eitelkeit, mit welcher er des Anderen Missfallen überging. Aber das gehörte hier gerade nicht her. Also folgte er dem Menschen, der bewies, wie vertraut die scheinbar menschenleere Stadt ihm war. Durch enge Gassen, über manche Mauern und Verlassene Hinterhöfe ging es. Das eine oder Andere Häuserdach querten sie ebenfalls. Nur einmal, als sie unter einer Brücke hindurch mussten, sperrte sich Oríta dagegen das schmutzige Wasser zu queren. Nicht in dieser Stadt, von Toten und Seuchenkranken. Doch ehe er sich noch groß weigern konnte, vernahmen sie auch schon schnelle Laufschritte herannahender Stadtwachen, wie es schien. Also ignorierte er sein kurzes zögern und folgt dem Anderen unter die Brücke und erkannte dort dann, das seine Sorge überflüssig war. Sein Führer betrat ein schwankendes Holzbrett welches auch unter der Brücke eine trockene Querung des stinkenden Rinnsales unter ihnen ermöglichte. Nichtsdestotrotz atmete Oríta – im wörtlichen Sinne – erst auf, als die Wachen weitergezogen und auch sie die Brücke hinter sich gelassen hatten.

Schließlich wies der Andere ihm eine schmale Holztür am Ende einer leeren Gasse. Das sei der Hintereingang. Also, nachdem sie sicher waren alleine hier draußen herumzulungern, schlichen sie beide zum Hintereingang. Das Klopfzeichen hatte er sich kurz zuvor noch einmal aus seinem Tagebuch zurück ins Gedächtnis geholt, und tatsächlich folgte auf das leise Klopfen beinahe augenblicklich eine Reaktion. Einzig: „Verschwindet, wir machen keine Geschäfte! Es sei denn, ihr habt das Heilmittel gegen die Seuche anzubieten, also…“ Ein leiser melodiöser Pfiff entwich Orítas Lippen und unterbrach den Wächter auf der anderen Seite beinahe augenblicklich. Statt weiterzureden erwiderte der den Pfiff ebenso leise wie Oríta. Nachdem dieser mit einer weiteren leisen Klangfolge antwortete, die dazu taugte Cassim besorgt sich umschauen zu lassen, öffnete sich die Tür einen Spalt breit. Hinter einer schweren Sperrkette blickte ein vermummter Junge von allenfalls vierzehn Sommern ängstlich hervor. „ Habt ihr euch angesteckt? “ Oríta schüttelte den Kopf, aber erst als der Türposten ihre Hälse, die Sichtbaren Hautpartien und sogar die geöffneten Münder über die Sperrkette hinweg einer schnellen Erstkontrolle unterzogen hatte, schloss sich die Tür um wenig später ganz aufzuschwingen und beide einzulassen.

Oríta trat, die Linke von der Brust zur Stirn und weiter gen des Dachfirsten weisend, ein und erbat sich umgehend wie gestenreich etwas zu schreiben und schickte einen weiteren –gleichfalls bewaffneten – Jungen mit besagter kurzen Botschaft anschließend fort. Dann, wenig später kam ein junger Mann zurück, zu jung um Mustafah ibn Tihab daselbst zu sein, und doch dem Portrait in Orítas Tagebuch verblüffend ähnlich. Er streckte den beiden Männern die behandschuhte Hand auffordernd entgegen. Irgendwas bei der kurzen Begrüßung mit Handschlag ließ ihn die Stirn runzeln. Er bot beiden ein weiteres Mal die Hand an. Beide schüttelten sie und der Mann anschließend den Kopf. Das leise Schaben aus ledernen Scheiden gleitenden Waffenstahls erfüllte die Stille und etwas im Blick des Anderen ließ Oríta innehalten. Eifrig blätterte der daraufhin in seinen verschlüsselten Anweisungen im mitgeführten Tagebuch. Es standen inzwischen drei bewaffnete Schwertträger um sie her und angespannt war die Stimmung derweil Oríta eifrig in seinem Buch hin und her blätterte.

Schließlich schlug der Bote sich tadelnd gegen die Stirn und hielt dem Mann vor sich ein weiteres Mal die Hand entgegen. Nichts schien anders an diesem Handschlag denn an jenen zuvor. Dennoch entspannte der Mann sichtlich und die Schwerter verschwanden, nach einem Nicken, wieder in ihren Scheiden. Der Mann entschuldigte seinen Vater, „Er hat die Seuche und ist darum für niemanden zu sprechen.“ Die anschließende Diskussion, bei der Oríta auf einem Blatt mit Kohle schrieb und der Mann immer verärgerter klingend darauf mit leisem Wispern reagierte, dauerte lange genug, Cassim in der Zwischenzeit einen Becher Wein genüsslich leeren zu lassen. Schließlich gab Der Sohn des gesuchten Händlers nach. „Gut, wir lassen euch zu meinem Vater vor. Aber die Seuche hat ihn bereits dermaßen geschwächt, dass Mardukšar uns riet uns ihn mit einem Kraut in einen kräfteschonenden Heilschlaf zu versetzen, bis ein Heilmittel gefunden ist. Die Tinktur ihn daraus wieder zu erwecken reicht nur für eine Dosis und auch fehlt uns das Kraut, den Kranken anschließend wieder in seinen Genesungsschlaf zurückzuschicken. – » W e n n « Ihr also mit ihm reden müsst, müsst ihr erst noch Mardukšar aufsuchen!“

Der Sohn des alten Händlers und scheinbar gegenwärtiges Oberhaupt von dessen Handelsunternehmen reichte Cassim einen Beutel hinüber in den er eben gerade eine angemessen großzügige Zahl Münzen drapiert hatte. „Das für Eure Dienste.“ Ein paar weitere Münzen glitzerten in des Händlers behandschuhter Rechten. „Ihr hätten nicht zufällig Gefallen daran, diesen Mann auch noch zu Mardukšar dem Alchimisten und eventuell zurück zu schaffen? Soll der ihm ruhig sagen, auch ich dem Boten hier gut genug sein sollte!“ Orítas gerümpfte Nase, als dieser auffällig an einem Zipfel seiner Kleidung roch, wies der Mann harsch beiseite. „Dazu bleibt keine Zeit, wollt ihr noch vor Tagesanbruch den Weg wagen!“ Der Junge an der Tür spähte, hinter vorgehaltener Sperrkette, in die Gase nach draußen, schloss die Tür wieder, löste die Sperrkette, öffnete die Tür und entließ Oríta und Cassim wieder nach draußen. Knirschend schloss sich die Türe wieder hinter den beiden. Zwar hatte der Menai nun eine handgezeichnete Skizze, die ihm den Weg zu Mardukšar wies, alleine – er hoffte doch auf den stadtkundigen Führer auch weiterhin noch sich verlassen zu können.
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