Gott würfelt nicht

Lebensfeindliches Land unter glühender Sonne am Tage und dem eisigen Mondlicht in der Nacht...
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Noro'elle
verlorene Seele
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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Sa, 29. Okt 2011 15:00


Sie hätte es in ihrem Stolz niemals zugegeben und schon gar nicht laut ausgesprochen, aber sie war Hilal dankbar. Sofern man überhaupt jemanden dankbar sein konnte, der einen gerade entführte. Sobald sie ihren Oberkörper wieder halbwegs gerade aufgerichtet hatte, ließen auch schon kurz darauf die quälenden Schmerzen im Kopf nach. Unbeholfen griff sie nach dem Wasserschlauch, öffnete ihn hektisch und setzte das Mundstück an die vollen Lippen. Gierig nach sie die lauwarme Brühe zu sich und trank sich satt, ehe sie sich wieder von ihm löste. „Danke…“, murmelte sie kleinlaut und blickte sich um. Mit den zusammengebundenen Fäusten rieb sie sich den Sand aus den Augen und seufzte dann leise. „Verrätst du mir denn nun endlich, wo genau wir eigentlich hin reiten und was zum Teufel ich dort soll?“, erhob sie ihre immer noch leicht kratzig klingende Stimme an ihren Entführer gewandt. Er war ein ohnehin ziemlich stiller Mensch, was man von Noro’elle wohl nicht gerade behaupten konnte. Sie redete wie ein Wasserfall, hatte ihr Lehrer mal gesagt. Wasser, ein schönes Bad, ja, das wäre jetzt wohl genau das Richtige für sie. Während sie auf eine Antwort wartete, schaute sie sich noch genauer um. Sand und nichts als Sand. Überall Sand und oben drüber der glasklare, blaue Himmel, gekrönt von der grellen Scheibe, die sich Sonne nannte. Dem jungen Mädchen entglitt ein frustrierter Seufzer. Dies war nun wirklich kein gescheiter Ort für sie. Ganz gewiss nicht! Nun viel ihr Blick auf ihre Mitreisenden oder sollte man lieber sagen auf ihre Mitentführer? Zwei der Männer ritten ganz nah beieinander und tuschelten miteinander. Immer wieder drehten sie sich um, sahen sie zu ihr zurück und nickten dann. Was sie wohl vor hatten? „Du verstehst dich nicht besonders gut mit deinen Freunden oder?“, fragte sie leichtfertig und streckte sich ein wenig im Sattel, wobei sie aus versehen gegen Hilals Oberkörper Stieß. „Oh tut mir Leid, war nicht mit Absicht. Mir tut nur alles weh…“, entschuldigte sie sich knapp und stützte sich dann mit den gefesselten Händen am Sattel ab, damit sie nicht seitlich hinunter rutschen konnte. Das wäre ja noch schöner. Sie allein mitten in der Wüste ohne Wasser und ohne Essen und vor allem ohne Orientierung. Da blieb sie schon doch lieber noch eine Weile bei Hilal.

Hilal
verschollen
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Inventar:Seil, Proviant, Wasserschlauch

Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Mi, 02. Nov 2011 11:15

Kurz überlegte Hilal, ob er ihr den Wasserschlauch wieder abnehmen sollte, sie trank viel zu viel auf einmal, aber dann ließ er es einfach. Sie hing jetzt schon seit Stunden am Sattel ohne etwas zu trinken und ihr Körper war es gewöhnt, soviel Wasser aufzunehmen, wie er wollte. Und dann würden sie bald noch die Oase erreichen, also warum sollte sie sich nicht satt trinken. Als sie sich dann aber leise bedankte, zuckten Hilals Augenbrauen vor Überraschung nach oben und einen Moment lang sah er ihren Hinterkopf mehr als verblüfft an. Hatte er gerade etwa richtig gehört? Hatte sie etwa 'Danke' gesagt?! Das hätte er ihr nun wirklich nicht zugetraut, dass sie überhaupt die Bedeutung dieses Wortes kannte. Die Überraschung wich wieder von seinen Zügen und er blickte gewohnt abwesend wirkend nach vorn. Nur schien sie jetzt in der Stimmung zum Reden zu sein. Hilal verdrehte ein wenig die Augen. "Du wirst schon sehen, wohin der Weg uns führt. Und ich denke, du bist schlau genug, um dir den zweiten Teil der Frage selber zu beantworten." Nach diesen Worten schwieg Hilal wieder, er hatte keine Lust, der Kleinen in aller Ausführlichkeit von ihrer Zukunft oder ihrem Ziel zu erzählen. So etwas konnte sich gegen einen wenden, also ließ er sie da lieber im Dunkel. Es erschien Hilal beinahe, als wenn sie sich mit ihrem Schicksal abgefunden hätte, aber wenn er da an ihre Aktion von der Rast dachte, schob er den Gedanken ganz schnell wieder von sich. Die würde so schnell nicht aufgeben, da war er sich sicher. Und ihre nächste Frage bewies ihm das auch. Sie war ganz schön kess, so eine Frage an ihn zu richten. "Die einzige Person, die sich deswegen sorgen sollte, bist du. Ich muss sie nicht fürchten. Ohne mich überleben sie in dieser Wüste nicht und ich kämpfe besser als sie. Und das wissen sie auch", bei diesen Worten warf er Nazir einen äußerst kühlen Blick zu, woraufhin er sich schnell wieder umwandte und nach vorne sah. Hilal hatte gerade gelogen, er musste sie durchaus fürchten. Sie waren dumm genug, ihn zu töten und sich dann an der kleinen Sklavin zu vergehen. Und auch wenn Hilal eigentlich nichts mehr zu verlieren hatte, an seinem Leben hing er dann doch noch ein wenig. Als sie gegen ihn stieß senkte er den Blick und sah wieder auf ihren Hinterkopf. Jetzt entschuldigte die sich auch noch. Seltsames Mädchen. Besser, er behielt sie genau im Auge. Vermutlich hatte sie einfach nur ihre Strategie geändert und versuchte jetzt, sich mit ihm zu arrangieren, um dann doch noch zu fliehen. Entsprechend schnaubte er nur leise und erwiderte sonst nichts. Mittlerweile sehnte er sich die Kühle der Nacht herbei. Sein Schädel pochte mehr als unangenehm, von seinen Verletzungen ganz zu schweigen. Langsam aber sicher näherten sie sich dann endlich der kleinen Oase. Erst tauchten die Umrisse von ein paar Palmen auf, die man erst für eine Fata Morgana halten mochte, aber je näher man ihnen kam, desto realistischer wurden sie. Weil sie einfach echt waren. Man konnte sogar das Rascheln des Windes in den Palmblättern hören. Die Kamele schritten fast etwas weiter aus, sie witterten das Wasser. Und endlich waren sie da. Die Sonne hing zwar schon dicht über dem Horizont, würde aber noch eine ganze Weile scheinen. Genug Zeit, um ein Nachtlager einzurichten und etwas zu essen. Nachdem Hilal sich von dem Rücken seines Kamels geschwungen hatte, hob er die kleine Sklavin ebenfalls herunter und überprüfte noch einmal den Sitz ihrer Fesseln, ehe er sie in den Schatten einer Palme zog und sie am Stamm von dieser festband. "Tu dir selber einen Gefallen und bleib hier", wies er sie an, in der Hoffnung, dass sie genau das tat. Er ging eigentlich nicht davon aus. Das Wasserloch war nicht sehr groß, aber es reichte aus. Hilal füllte seinen Wasserschlauch neu und brachte ihn dann zu dem Mädchen, damit sie trinken konnte. Nazir und Faruk hatten sich etwas abgesondert und Dscherid kam zu Hilal. "Ich fürchte, die haben etwas sehr unkluges vor", murmelte er an seinen Anführer gewandt. Hilal nickte nur. "Das haben sie. Leg deine Waffen heute nicht zu weit weg, Dscherid." Der junge Mann wurde ein wenig blass und nickte dann, ehe er der Sklavin einen Blick zuwarf. "Nur wegen einem Mädchen", murmelte er und ging dann kopfschüttelnd zu seinem Kamel, um es abzusatteln. Hilal tat das Gleiche, sah sich dabei aber immer wieder um. Einmal, um das Mädchen im Auge zu behalten und dann natürlich auch Faruk und Nazir.

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