Gott würfelt nicht

Lebensfeindliches Land unter glühender Sonne am Tage und dem eisigen Mondlicht in der Nacht...
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Noro'elle
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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Fr, 22. Apr 2011 20:38


Nur quälend langsam bahnten sich die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg über die Dächer der Stadt, doch brachten sie noch nicht die lang ersehnte Wärme mit sich. Vollkommen durchgefroren und ohne jegliche Orientierung stand sie dort an einer Kreuzung und wusste nicht, welchen Weg sie einschlagen sollte. Längst schon hatte das junge Mädchen es bereut sich keine wärmere Kleidung angelegt zu haben, bevor sie in die Nacht hinaus geflohen war. Wieso ließ dieser verdammte Sonnenaufgang auch so lange auf sich warten? Fröstelnd presste sie die leicht blau angelaufenen Lippen zu einem schmalen Schlitz aufeinander. Wie konnte sie nur so dämlich sein! Doch nun war es zu spät um umzukehren. Sie sollte sich lieber beeilen und ihren Weg fort führen, denn wenn die Wachen sie gleich finden würden, so würde die gewünschte Wirkung ihres Verschwindens aus bleiben. Sicher würde Manula sie bald wecken wollen und spätestens dann würde bemerkt werden, dass sie nicht mehr in ihrem Zimmer war. Ein leichtes Grinsen legte sich auf ihr Antlitz als sie sich die Angst in ihres Vaters Augen vorstellte. Das geschah ihm mehr als Recht! Das hatte er nun davon! Sollte er doch vor Kummer vergehen, ihr würde es gewiss nicht Leid tun. Noch einmal blickte sie nach links, dann nach rechts und entschloss sich kurzer Hand ihrem Gefühl zu folgen und weiter Richtung Norden zu laufen. „Dann also los…“, murmelte sie zu sich selbst um sich die Angst ein klein wenig zu nehmen und setzte sich wieder in Bewegung. Das wenige Licht in den engen Gassen, tauchte ihre Umgebung in ein unheimliches Zwielicht. Es war ein Spiel der Schatten, die sich immer wieder bedrohlich aufrichteten und sie zu verschlingen drohten. „Nun sei nicht so ein Weichei, Noro!“, sagte sie entschlossen und nahm ein wenig an Laufgeschwindigkeit zu. Je eher sie einen Ort erreichen würde, an dem mehr Leben herrschte, desto wohler würde sie sich wahrscheinlich fühlen.

D
ie kleine Straße, der sie immer weiter folgte, wurde zunehmend enger und dicht an dicht reihten sich die dunklen Häusermauern an den Seiten auf. Was die junge Darr’akur nicht wusste, war, dass ihr Weg sie direkt in Richtung Armenviertel der Stadt führen würde. Plötzlich erklang ein unheimliches Stöhnen aus einem der offenen Fenster, die sie passierte. Sie meinte förmlich den Schmerz, der in der zitternden Stimme lag, am eigenen Leib spüren zu können. Schauernd rieb sie sich über die Arme und unterdrückte ein Aufschreien. Sie sollte hier weg und zwar schnell. Vater hatte sicher gute Gründe sie von der Seuche fern halten zu wollen, doch nun war es eh zu spät. In ihren Augen war eine Heirat mit Kamal beinahe schon mit einer Infektion der herrschenden Sieche zu vergleichen. Wütend ballte sie ihre zierlichen Hände zu Fäusten, von der erneut aufkeimenden Wut angefacht und lief weiter. Die Gasse führte sie einen kleinen Hügel hinab, die Häuser wirkten zunehmend zerfallener, hier und dort erklangen ein paar unheimliche Geräusche, die sie zusammen zucken ließen. „Ich habe keine Angst…“, murmelte sie leise und vor allem wenig überzeugend, während sie ängstlich ihre dunklen Augen über die Schatten fliegen ließ. Halt! Da war doch was! Sie hielt inne und starrte angestrengt in die Dunkelheit. Hier in der Gegend schien die Sonne wahrlich später auf zu gehen, wenn sie denn überhaupt jemals Licht in die engen Gassen brachte. „Ha.. hallo?“, erklang nun ihre zittrige Stimme. „Hallo? Ist da wer?“, wiederholte sie ihre Frage beinahe schon flüsternd. Natürlich erhielt sie keine Antwort. Noro’elle schluckte schwer und hatte plötzlich einen dicken Kloß im Hals, der sie schwer atmen ließ. Da ist niemand, redete sie sich ein und ging zögernd weiter. Doch ihr Glück für diesen Tag war bereits aufgebraucht, denn schon bald erblickte sie nach einer kleinen Biegung eine Sackgasse. „Na prima! Das habe ich ja wirklich toll hinbekommen!“, meckerte sie los und trat gegen einen kleinen Kieselstein, der nun munter über den Weg prasselte.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Sa, 23. Apr 2011 15:24

Eine Frau, ganz eindeutig. So viel wusste Hilal nun. Er hatte einmal das Gewicht verlagert und war mit dem Rücken an der Wand entlang geschrappt, das hatte sie wohl gehört. Aber gesehen hatte sie ihn nicht. Es war, als wenn sie sich hier nicht auskannte. Die Stimme klang angenehm, wenn auch ziemlich ängstlich. Die Bewegungen waren geschmeidig, aber etwas unsicher. Wer immer das Mädchen war, denn sie schien noch eines zu sein, sie kam nicht aus diesem Viertel, sonst hätte sie sich nicht verlaufen, wie es schien. Hilal reichte schon fast, was er gesehen hatte. Faramud mochte auch Bewegungen und angenehme Stimmen und wenn sie nicht ganz so hübsch war...wofür gab es Schleier? Daher löste er sich lautlos von der Wand und trat an sie heran, warf einen dunklen Schatten auf ihren Körper, den sie auch zu bemerken schien und sich umdrehte. Hilal lächelte. "Das Glück hat mich doch nicht verlassen. Ein junges und recht hübsches Mädchen soweit ich sehen kann. Und auch wohl gesund. Mal sehen, ob sie was taugt." Er beugte sich etwas nach vorne. "Du scheinst dich verlaufen zu haben? Ein Auftrag für deine Herrin?" erkundigte er sich ruhig und recht freundlich. Erst einmal abtasten und dann feststellen, ob er sie sich schnappen konnte. Was er bisher sehen konnte passte schon einmal und entkommen würde für sie auch schwer werden, er versperrte den Weg. Ihrer hatte sie zu seinem Glück in eine Seitengasse geführt. Dass er aufgrund seiner Größe und Statur ziemlich furchteinflößend aussah, wusste er, daher versuchte er freundlich zu lächeln. Sollte sie versuchen wegzulaufen, würde er sie sich packen, dafür war er bei weitem schnell genug. Daher beobachtete er auch mit Adleraugen jeder ihrer Bewegung und blieb erst einmal auf Abstand, um ihr vielleicht ein Gefühl von Sicherheit zu geben. Erst einmal feststellen, ob sie wirklich taugte. Jetzt die Erstbeste nehmen wäre schon ein wenig dumm.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » So, 24. Apr 2011 1:26


Nachdem sie noch einige Momente mit ihrem Schicksal gehadert hatte, drehte Noro’elle sich schwungvoll um, bereit sich einen neuen Weg zu suchen, sobald sie diese Sackgasse verlassen hatte. Eine dunkle Gestalt, die ihr beinahe vollkommen den Weg versperrte, ließ sie erschrocken inne halten. Ängstlich blickte sie auf und musterte den vermummten Kerl, dessen Anblick ihr wirklich alles andere als Geheuer war. Ohne es wirklich zu bemerken, wich sie ein kleines Stück vor ihm zurück, doch ein Entkommen würde es in diese Richtung ohnehin nicht geben. Abermals ballte sie unter ihrem Mantel die Hände zu Fäusten und versuchte sich auf alles gefasst zu machen. Als nun seine Stimme erklang, rau und tief, unterdrückte sie den Impuls einfach los zu laufen. Sie musste sich gut überlegen, was sie ihm erwidern sollte, denn egal wie sehr er auch versuchte einen netten, freundlichen Eindruck zu machen, so widersprüchlich war sein Aussehen. Hinzu kam, dass er sich angeschlichen hatte und sie nun aus dem Hinterhalt heraus womöglich in eine Falle locken wollte. Leise räusperte sich das junge Mädchen und versuchte mit möglichst selbstsicherer Stimme zu antworten, was ihr natürlich unter den gegebenen Umständen nicht sonderlich gut gelang. „Ich muss irgendwo falsch abgebogen sein, fürchte ich. Ich wollte eigentlich zum Markt, ehe dort zu viel Trubel herrscht. Könnt Ihr mir vielleicht sagen, welcher der richtige Weg dorthin ist? Das wäre wirklich furchtbar freundlich.“ Seine Frage nach ihrer
Herrin überging sie absichtlich. Je weniger er über sie in Erfahrung brachte, desto besser würde es wahrscheinlich sein. Was geschehen mochte, wenn er erst einmal erfuhr, dass sie aus gutem Hause stammte, wollte sie nämlich lieber nicht heraus finden. Ungeduldig verlagerte sie ihr Gewicht von ihrem rechten Fuß auf das linke Bein. Es war immer noch kalt. Während sie gesprochen hatte, war ihr sogar die kleine weiße Wolke vor ihrem Mund aufgefallen. Wenn doch bloß endlich diese verflixte Sonne richtig aufgehen würde.

Die Stille die rings um sie herum herrschte, war unheimlich und beinahe schon unerträglich. Würde sie jemand schreien hören, wenn irgendetwas Schreckliches passieren sollte? Oder noch viel wichtiger war eigentlich die Frage, ob ihr jemand zu Hilfe kommen würde, wenn er sie denn hörte. Das Atmen viel ihr zunehmen schwerer, als sich ihre Kehle ob der steigenden Angst zuschnürte. Nein! Sie sollte diesem bedrohlich wirkenden Fremden nicht vertrauen, sie sollte lieber zu sehen, dass sie hier schleunigst verschwand. „Ach wisst Ihr was? Ich werde den richtigen Weg sicher auch alleine finden. Verzeiht, dass ich Euch aufgehalten habe.“, sagte sie und lächelte gekünstelt. „Ich wünsche Euch noch einen angenehmen Tag.“, fügte sie rasch hinzu um die Fassade aufrecht zu erhalten und setzte sich anschließend zögerlich wieder in Bewegung. Natürlich versperrte der Hüne, der sie selbst um mehr als einen Kopf überragte, immer noch den Weg, doch sie war klein und zierlich und konnte sich gewiss irgendwie an ihm vorbei zwängen. „Na dann los…“, sagte sie in Gedanken zu sich selbst und machte sich bereits darauf gefasst im Fall der Fälle die Beine in die Hand zu nehmen und so schnell sie ihre Füße trugen fort zu laufen. Auf einen Versuch kam es schließlich an, denn hier bleiben konnte sie definitiv nicht. Langsam verschwand das Lächeln von ihren vollen Lippen und ein fest entschlossener Ausdruck legte sich in ihre dunkelbraunen Augen. Jetzt oder nie! Mit einer Geschicklichkeit, die sie sich nicht einmal selbst zugetraut hätte, machte sie einen Satz zur Seite, beugte sich leicht nach vorn, in der Hoffnung er würde sie so verfehlen, wenn er sie aufhalten wollte und begann zu laufen. Möge Gott eine schützende Hand über sie legen und sie vor allem Unheil bewahren. Es war wohl doch ein naiver Gedanke gewesen zu glauben, dass ihr allein in dieser Stadt nichts geschehen würde. Ja, vielleicht hatte ihr Vater sogar Recht gehabt und es war einfach zu gefährlich.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Di, 26. Apr 2011 17:37

Sie versuchte mutig zu sein, aber Hilal hörte das Zittern in der Stimme. Es passte alles nicht zusammen, um zum Markt zu gehen war es zu früh, dann hatte sie sich verlaufen, was so gar nicht zu einer Dienerin oder Sklavin passte und dann wollte sie sich doch selber den Weg suchen. Was sie mit noch unsicherer Stimme zum Besten gab. Hilal hatte genug gesehen und gehört. Das Mädchen war schon, während es noch sprach, in seinem Wertedenken zur Beute herabgesunken. Einem Ding, das man einfing und seinem Herrn brachte. Die Stimme war angenehm, sie war hübsch, jedenfalls was er bisher gesehen hatte, wusste sich zu bewegen und sie konnte sich ausdrücken. Hilal schätzte sie als Tochter eines besseren Haushaltes ein, wozu natürlich im krassen Gegensatz die Zeit, zu der sie sich herumtrieb und die Gegend stand, aber immerhin herrschte in der Stadt ein Ausnahmezustand. Also warum nicht so etwas ungewöhnliches? Sie wollte also gehen? Irgendwie glaubte Hilal nicht daran, dass sie ihn bitten würde, Platz zu machen. Er stellte sich eher auf eine Flucht ein, denn dumm schien sie ebenfalls nicht zu sein und er war immerhin alles andere als vertrauenerweckend. Und ihm lief die Zeit davon. Eine kurze Kopfbewegung seinerseits um festzustellen, wie weit der Sonnenaufgang bereits war, nutzte sie geschickt aus, um an ihm vorbeizuschlüpfen und davon zu laufen. Hilal drehte sich lächelnd auf dem Absatz um, schüttelte einmal ganz kurz den Kopf und sprintete ihr dann hinterher. Seine Kleidung stand ihm da weniger im Weg als ihr, dafür aber seine Größe und Statur, sie war flinker als er. Aber nicht schneller. Um nichts dem Zufall zu überlassen löste er das Lasso von seinem Gürtel, um es ihr blitzschnell über den Leib zu werfen, wenn er nah genug dran war. So würde er nicht stürzen, sollte sie ihm ausweichen oder so etwas. Werfen mochte er es allerdings nicht, immerhin musste er selber laufen und so gut war er mit der Seilschlaufe dann doch nicht. Zu ihrem Pech war die Straße, die sie nun entlang lief, gerade und es führten keine Abzweigungen in irgendwelche Seitenstraßen, das machte es ihr schwerer auszuweichen. Allerdings konnte Hilal schon die nächste Kreuzung sehen. Er musste sie sich greifen, bevor sie diese erreichte, sonst könnte sie sich einen Vorsprung aufbauen. So müde der junge Mann eigentlich schon war, er hatte noch genug Kraftreserven hierfür. Außerdem saßen ihm Zeit und Herr im Nacken, was einen zusätzlich Adrenalinstoß zur Folge hatte. Mit seinen langen Beinen hatte er die Distanz schnell verringert und warf dann aus nächster Nähe das Lasso nach ihr, hoch genug, damit es über ihren Kopf fiel und er es dann, sobald es die Hüfte erreicht hatte, fest zuziehen konnte. Dann musste er sie sich so schnell wie möglich greifen und fesseln und ganz besonders mundtot machen, ehe sie das ganze Viertel aufwecken konnte. Denn das traute er der Kleinen durchaus zu, dass sie Rabatz machte. "Bitte lass es nicht fehl gehen, bitte nicht. Mir rennt die Zeit davon!" flehte er kurz in Gedanken. Hoffentlich ging sein Wurf nicht fehl, das hier war die beste Gelegenheit.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Mi, 27. Apr 2011 10:12


Noro’elle hätte es selbst nicht erwartet, dass sie sich als so geschickt erweisen würde, dass sie es schaffen könnte dem Griff dieses Hünen zu entkommen. Doch es geschah tatsächlich. Sie hatte die Gunst des Momentes ergriffen und schlüpfte einfach unter seinen kräftigen Armen hindurch. Angestachelt von dem Augenblick des Erfolgs rannte sie los, den Blick entschlossen nach vorn gewandt. Sie durfte auf keinen Fall stehen bleiben, nicht langsamer werden und sich vor allem nicht umdrehen. Nein, sie musste weiter laufen, immer weiter und weiter. Ihre Bewegungen waren hektisch, aber dennoch sanft und elegant. Seine hingegen machten den Eindruck, als würde jeder seiner Schritte die Erde zum Beben bringen und so hörte sie ihn rasch näher kommen. Hilfe, sie brauchte unbedingt Hilfe! Dem jungen Mädchen war vollstens bewusst, dass wenn dieser grobe Kerl sie erst einmal greifen würde, gäbe es für sie kein einfaches Entkommen mehr. „Hilfeeeeeeeeeeeeeeeeeee!“, schrie sie aus vollem Leibe und mit aller ihr zur Verfügung stehenden Luft. „Hilfeee…. Bitte! So hilf mir doch jemand!“, versuchte sie es erneut, doch die Straßen blieben bis auf weiteres leer und verlassen. Keuchend rannte sie weiter und in der Ferne erblickte sie eine kleine Weggabelung. Es war jene Kreuzung an der sie vorhin falsch abgebogen sein musste. Wenn sie sie erreichen würde, so hatte sie vielleicht eine geringe Chance ihren Verfolger abzuhängen. Tapfer biss sie die Zähne zusammen und schaffte es noch ein wenig an Geschwindigkeit zu zulegen. Doch so sehr sie es auch wollte, ihr zierlicher Körper war eine solche Anstrengung einfach nicht gewohnt. Ihr Atem ging rasselnd und ein fieser stechender Schmerz in der Seite ließ sie wieder langsamer werden, bevor sie die rettende Kreuzung erreichte. „Nein…“, keuchte sie leise und gleichermaßen verzweifelt, als sich plötzlich ein dunkler Schatten über ihr auftat. Es ging zu schnell, viel zu schnell als dass sie hätte noch reagieren können.

Das Seil ihres Verfolgers schlang sich um ihren schlanken Leib, zog sich, verursacht durch ihre eigene Bewegung, rasch fest und hinderte sie am Weiterlaufen. „Nein! Bitte…. Hilfeeeee…“, versuchte sie noch einmal irgendjemandes Aufmerksamkeit zu erregen. Doch ihr Schrei war nicht mehr als ein heiseres Flüstern, das in einem kratzigen Husten unter ging. Mit einem Ruck wurde sie zurück gerissen, sodass es ihr auch noch die letzte Luft aus den Lungen drückte und sie beinahe zu Fall brachte. Erst jetzt wagte sie es sich langsam umzudrehen und der heran nahenden Gefahr ins Gesicht zu blicken. Nein, so einfach würde sie sich nicht geschlagen geben, ihr würde gewiss noch etwas einfallen. Der Kerl kam nun rasch näher und Noro meinte einen triumphierenden Ausdruck in seinen Augen zu erkennen, doch mit vollkommener Sicherheit, konnte sie dies nicht sagen. „Wer seid Ihr?“, fragte sie ängstlich und begann sich in der Schlinge zu winden, worauf sich das Seil nur noch fester um ihre zierlichen Rundungen zog. „Wer seid Ihr und was wollt Ihr von mir?“, fragte sie beinahe schon hysterisch vor Angst. „Lasst mich gehen oder ich werde die ganze Stadt zusammen schreien!“, versuchte sie ihm zu drohen und wich noch ein kleines Stück vor ihm zurück. Ihre braunen Augen funkelten ihn hilflos an und sie begann erbärmlich am ganzen Leib zu zittern. Die Sonne, sie stand schon ein gutes Stück höher am Horizont und schickte ein paar wärmende Lichtstrahlen durch die verlassenen Straßen der Stadt. Noro’elle hatte sich mittlerweile hoffnungslos in seinem Seil verfangen, das fest gezwirbelte Garn schnitt tief in ihre Haut, die allein noch von dem dicken Stoff ihres Umhanges geschützt wurde. Gleich würde er bei ihr sein und sie wusste immer noch nicht, wie sie sich gegen seine geballte Kraft wehren könnte. „Bitte…“, flüsterte sie kaum hörbar und blickte ihrem Peiniger in die Augen.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Mi, 27. Apr 2011 13:42

"Na also!" schoss es ihm durch den Kopf, "Jetzt hab ich sie! Hoffentlich hat niemand sie schreien gehört. Verdammt, ich muss mich wirklich beeilen." Das Lächeln war schon lange von seinem Gesicht verschwunden und der Blick seiner dunklen Augen war ruhig, aber genauso teilnahmslos. Sie flehte ihn an, nachdem sie ihm gedroht hatte. Normal. So reagierte jede, die gefangen wurde. Erst drohten sie und wenn sie merkten, dass das nichts half, flehten sie, auf ihr gutes Aussehen hoffend. Aber das interessierte Hilal nicht. Wie so ziemlich alles ihn nicht wirklich interessierte. Durch ihre Bewegungen hatte sie das Seil nur noch fester um sich geschlungen und er hielt es fest, damit sie nicht wieder davon kam. Er musste sich beeilen. Entsprechend knapp fiel auch seine Antwort aus. "Wer ich bin, kann dir egal sein. Solltest du schreien, schneide ich dir die Stimmbänder durch, schönes Aussehen reicht Faramud auch. Damit erhöhen sich auch deine Chancen zu überleben, er mag keine aufsässigen und frechen Sklaven." Damit wusste sie alles, was sie momentan wissen musste. Jetzt würde sie sich wahrscheinlich noch mehr wehren, aber sie war schon von der kurzen Strecke ziemlich außer Atem, da würde nicht viel kommen. Und schreien würde sie wohl auch nicht können. Mitleid empfand Hilal keines, für ihn war das Mädchen nicht mehr als Ware, für die er zuständig war. Nur dass diese Ware eben Nahrung und Wasser brauchte und nicht einfach an den Sattel eines Kamels gebunden werden konnte. Endlich war er nah genug, dass er sie packen konnte. Das Seil hatte sich nur um ihre Hüften geschlungen, ihre Arme waren also noch frei. Das würde sich allerdings sehr bald ändern. Das andere Ende fest um seinen Arm geschlungen arbeitete er sich immer näher an sie heran, bereit jederzeit nach vorne zu springen und sie zum Schweigen zu bringen. Hoffentlich war niemand auf ihre Schreie aufmerksam geworden, mehr Aufmerksamkeit konnte Hilal nicht gebrauchen. Die Kleine war schon aufsässig genug. Nun gut, das waren sie zwar alle, aber das hier war ein besonderes Exemplar. So ging er Schritt um Schritt auf sie zu, während er sie am Seil zu sich zog. Dieses lag mittlerweile fest um ihren Körper, losreißen konnte sie sich schon einmal nicht mehr, dafür hatte er zu viel Kraft. Herauswinden vielleicht noch, aber viel ging da nicht, dafür hatte sie sich schon zu sehr verheddert.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Mi, 27. Apr 2011 15:54


Panisch blickte das junge Mädchen an sich hinunter und musste anschließend mit ansehen, wie der Abstand zwischen ihr und ihrem Peiniger dahin schmolz wie glitzernder Schnee in der brennenden Sonne der Wüste. Seine Worte, die er ihr zur Antwort auf ihre vorhergehenden Fragen gegeben hatte, hallten in ihrem Kopf wieder. Seine Stimme klang bedrohlich und geheimnisvoll zugleich, der Inhalt des Gesagten sollte ihr gewiss nur Angst einflößen und sie zum Aufgeben bewegen. Auf jeden Fall versuchte die Schwarzhaarige sich dies ein zu reden, damit sie nicht vollends in Panik geraten würde. Es kostete Noro’elle viel Überwindung sich an diesem rettenden Gedanken fest zu klammern. Entschlossen sich nicht einfach alles gefallen zu lassen, blieb sie stehen und streckte das Kinn trotzig in die Höhe: „Ich bin keine Sklavin!“, erklang ihre Stimme, die zwar immer noch etwas kratzig war, aber dennoch schon viel überzeugender klang als zuvor. „Hört Ihr was ich sage? Ich bin keine Sklavin und werde auch keine sein! Ihr solltet mir besser kein Haar krümmen!“, fügte sie immer mutiger werdend hinzu. Der Kerl stand mittlerweile genau vor ihr und sie musste wegen seiner enormen Größe zu ihm auf blicken. Die Schwarzhaarige hatte währenddessen aufgehört sich gegen ihre Fesseln zu wehren, weil sie verstanden hatte, dass sie es so nur immer schlimmer machte. „Lasst mich gehen und vielleicht dürft ihr dann Euer erbärmliches Leben behalten.“, sagte sie ruhig und blickte in die dunklen Augen des Mannes, in denen sie jeden Funken von Mitgefühl vermisste. Was war dies für ein Mann? Seine Blicke waren so eiskalt, dass sie es vermochten dem Mädchen unangenehme Schauer den Rücken hinunter jagen zu lassen. Doch sie durfte nun keine Schwäche zeigen. Er wollte sie einschüchtern? Dafür bedurfte es etwas mehr als ein paar leere Drohungen…

E
in paar Augenblicke vergingen und der Schwarzhaarigen fiel es zunehmend schwerer die Ruhe auszustrahlen, die sie mit ihrem Auftreten zum Ausdruck bringen wollte. Innerlich tobte in ihr ein Sturm, der immer wieder neue panische Fragen aufbrachte und ihre Gedanken in ein blankes Chaos verwandelte. Doch gerade jetzt war es doch so wichtig, dass sie einen klaren Kopf behalten würde. Sicherlich war sie ihm körperlich weit unterlegen und deutlich im Nachteil. Dass ihr noch einmal eine Flucht aus seinen Fängen gelingen würde, glaubte sie zumindest in dieser Ausgangslage selbst nicht mehr. Sie musste ihm irgendwie anders entgegen treten. Doch wie? Würde es etwas bringen, wenn sie ihm weiter drohte? Vielleicht wäre das Geschäft für ihn ja lohnenswerter, wenn er von ihrer Familie Lösegeld verlangte. Vater würde gewiss alles in Bewegung setzen, um sie zu retten. Es war nur eine Frage der Zeit und diese galt es möglichst unbeschadet zu überstehen. Doch sie musste die Gelegenheit sofort nutzen, da der Kerl aussah als würde er ihr im nächsten Moment die Möglichkeit nehmen noch etwas zu sagen. Instinktiv riss das junge Mädchen ihre Arme hoch und hielt sie schützend vor ihren Kopf. „Bitte hört mir zu! Ich habe Euch ein Angebot zu machen! Bitte…“, begann sie erneut zu sprechen und betete zu Gott, dass er sie erhören möge. Es war ein kleiner Funken Hoffnung, der in ihr aufkeimte wie eine zierliche Pflanze, die zur Regenzeit endlich das lang ersehnte Wasser in sich auf sog und ihr neue Kraft gab. Sie würde es schaffen, dem war sie sich plötzlich ganz sicher. Niemand würde sie so einfach verschleppen und fern ab ihrer Heimat zu einer Sklavin machen. Nein, sie würde sich wie immer aus ihren Problemen heraus winden. Sie würde einen Weg finden.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Do, 28. Apr 2011 10:02

Die Kleine beherrschte wirklich die ganze Palette. Nachdem ihr Flehen nichts geholfen hatte, versuchte sie es mit Drohen, was Hilal allerdings in keinster Weise beeindruckte. Mittlerweile stand er fast vor ihr, das Seil mehrfach um seinen Arm geschlungen, damit sie sich nicht mehr losreißen konnte und sah sie von weit oben desinteressiert an. "Vielleicht warst du bisher keine, aber jetzt, bist du eine. Und ich glaube kaum, dass du Winzling eine Gefahr für mein 'erbärmliches Leben' bist. Sonst würdest du dich zu dieser frühen Stunde nicht hier herumtreiben." Aber das schien noch nicht alles zu sein. Dass sie mit ihren Drohungen nicht weiter kam, schien sie zu bemerken und verlegte sich darauf, ihm ein Angebot zu machen. Dabei versuchte sie ihren Kopf mit den Armen zu schützen, als wenn sie geahnt hätte, dass er ihr den Mund zuhalten wollte. "Ein Angebot? Pah, du hast absolut nichts. Und mein Preis ist unbezahlbar." Bei diesen Worten wurden seine bisher ruhigen Augen dunkler. Ja, er war nicht käuflich, einfach weil niemand diesen Preis zahlen konnte. Weil er nicht aus Geld oder Gütern bestand, sondern aus etwas ganz anderem. Damit hatte sie also auch die Angebotsphase durchlaufen, jetzt blieb ihr eigentlich nichts mehr, außer dass sie sich wehrte. Was Hilal herzlich egal war. Wer so dumm war und sich zu dieser Zeit auf den Straßen herumtrieb und das auch noch während einer Seuche...nun, für den hielt das Schicksal eben nicht mehr bereit. Als nächstes würde er sie mundtot machen und fesseln, damit er endlich von hier verschwinden konnte. "Am besten verschnüre ich sie und nehme ihren Mantel, um sie fest darin einzuwickeln, dann noch einen Knebel und fertig. Mal sehen, ob sie eine kleine Raubkatze ist und kratzt und beißt." Mit diesen Gedanken löste er das Seil von seinem Gürtel, um sie damit zu fesseln. Für den Knebel hatte er noch ein Tuch in der Tasche, ein bißchen staubig, aber egal. Jederzeit bereit Gegenwehr im Keim zu ersticken, machte er sich an seine Arbeit.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Do, 28. Apr 2011 18:36


Die Erkenntnis, dass sie dem Wohlwollen dieses Kerls ausgesetzt war, traf Noro’elle wie ein Schlag in die Magengrube. Er hatte gesagt, dass sein Preis unbezahlbar wäre, dass sie ihm nichts bieten konnte, was ihn von seinem Vorhaben sie zu verschleppen und als Sklavin zu verkaufen abbringen würde. Doch konnte das wahrhaftig der Realität entsprechen oder waren dies auch nur einstudierte Phrasen, die seine Opfer zum Schweigen bringen sollten? „So bitte… hört mir doch erst einmal zu!“, sagte sie laut und kräftig, als er nun ein weiteres Seil hervorholte, das höchst wahrscheinlich dazu gedacht war, ihr auch noch die letzten Bewegungsfreiheiten zu nehmen. „Ich habe vielleicht nichts womit ich Euch bezahlen könnte, aber mein Vater ist einer der reichsten Männer dieser Stadt! Er würde jeden Preis bezahlen, um seine Tochter wohlbehalten zurück zu bekommen. Also bitte… denkt darüber nach! Noch ist es nicht zu spät!“, lag sie ihm flehend in den Ohren. Sie war beim Sprechen immer schneller geworden, weil sie Angst hatte, jeden Moment daran gehindert zu werden. Die Gleichgültigkeit in den Augen des Mannes schienen Bände zu sprechen. Was war es bloß, was er sich durch sie erhoffte? So viel konnte sie doch unmöglich wert sein. Gewiss, sie war ein wunderschönes Mädchen doch ansonsten zu nicht viel zu gebrauchen. Ihre Worte schienen keinerlei Wirkung zu zeigen und an ihm abzuprallen. Seine starken Hände hielten sie, ein Entkommen war schier unmöglich. Schlaufe für Schlaufe legte er das dazu genommene Seil um ihren zierlichen Leib und zog es so fest, dass der Schwarzhaarigen das Atmen zunehmend schwerer wurde. „Nein! Hört auf! Lasst mich gehen!“, schrie sie nun wieder aus vollem Leib und begann wie wild zu zappeln. Die Ruhe und die Gelassenheit, die sie ihm bis eben noch vorzuspielen vermocht hatte, waren wie weggeblasen und die reine Panik hatte ihr Herz und ihren Verstand wieder in eiserner Umklammerung.

Natürlich hörte er nicht auf, egal wie sehr sie sich wehrte oder wie laut ihre Stimme durch die Straßen hallte. Ihre sonst so strahlenden Augen waren nun von einer dünnen, glitzernden Schicht aus Tränenflüssigkeit überzogen und ließen diese glasig und traurig wirken. „Bitte…“, schluchzte Noro’elle leise und hoffte so sein kaltes Herz in irgendeiner Weise doch noch berühren zu können. Er hatte ihr bereits die Fähigkeit sich bewegen zu können vollends genommen und das Mädchen begann zu wanken, weil ihr Gleichgewichtssinn durch die zusammen gebundenen Füße stark beeinträchtigt war. „Ah….“, erklang ein hilfloser Schrei als ihr Körper mit einem dumpfen Aufprall auf dem Boden zum Erliegen kam. Das Schöne Gesicht war dem Boden zugewandt und wurde nun von Staub und Dreck der Straße benetzt. Lautlos weinend haderte die Tochter des Hak’iim el Darr’akur mit ihrem Schicksal. Es gab viele schreckliche Dinge, die man ihr antun konnte und vor allem würde sie ihren geliebten Vater wohl niemals wieder sehen. In diesem Moment bereute sie ihr leichtsinniges Handeln zu tiefst und wünschte sich fest, dass dies alles nur ein bitter böser Traum war, der ihrer im Schlaf wirkenden Fantasie entsprungen ward. Als sie nun die verklebten Augen wieder aufschlug, stellte sie jedoch fest, dass es grausame Realität war. Sie lag dort völlig wehrlos und gefesselt im Dreck zu den Füßen dieses Mannes, der sie mit fort nehmen würde, um sie als Sklavin zu verkaufen. Noch ein letztes Mal rappelte Noro sich auf und versuchte sich windet und kriechend von ihrem Peiniger weg zu bewegen, doch die Hoffnung war längst der Erkenntnis gewichen. „Hilfeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee….“, ließ sie ihrer Verzweiflung noch ein letztes Mal verlauten, auch wenn sie tief im Herzen bereits wusste, dass niemand kommen würde.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Do, 28. Apr 2011 21:37

Den Bruchteil eines Augenblicks zögerte Hilal, als sie erwähnte, dass ihr Vater einer der reichsten Männer der Stadt war. Er musste an die Männer denken, die die Stadt hatten verlassen dürfen, um irgendeinen Händlerssohn abzuholen. Aber mehr als diesen Bruchteil zögerte er nicht. Schon so oft hatte er genau das gehört, die Versprechungen auf Reichtum, wenn er sie nur laufen ließ. Was sollte er mit Reichtum? Der nützte ihm nichts, machte ihn nicht zufrieden. Sein einziger Freund war der Weinschlauch, mehr nicht. Und was er wollte, konnte selbst der reichste Mann der Welt nicht bezahlen. Daher interessierte es ihn nicht mehr und er tat ihre Behauptung als Lüge ab, um ihre Freiheit zu erhalten. Daher legte er immer mehr Seil um ihren kleinen Körper und zog es fest, nahm ihr die Bewegungsfreiheit und auch etwas die Luft zum Atmen. Augenscheinlich hatte sie nun endgültig begriffen, dass ihr Schicksal besiegelt war, denn sie schrie noch einmal. Langsam aber sicher ging das Hilal gehörig auf die Nerven. Bisher war zwar noch niemand gekommen, aber das lag eher an der Gegend. Nur würden die Menschen bald sowieso aufstehen, wenn einige das nicht schon getan hatten und Zeugen konnte er nicht gebrauchen. Weil dann konnte er in diese Stadt nicht zurück kehren und das wäre doch eine ziemliche Beschneidung seiner Aktivitäten. Das Zappeln nutzte dem Mädchen auch nichts mehr, dadurch half sie ihm eher, das Seil fester um sie zu schlingen. Als sie dann allerdings umfiel, legte er den Kopf etwas schräg. Sie schien keinen guten Gleichgewichtssinn zu haben. Das war zwar nicht so gut, aber auch egal. Faramud wollte hübsche Sklaven, um sich an ihrem Äußeren zu erfreuen. Über so etwas lachte er dann manchmal sogar, sie würde ihm also bestimmt gefallen. Hilal zog gerade den Knebel aus seiner Tasche, als sie versuchte wegzurobben und noch einmal um Hilfe rief. Mit einem kräftigen Griff packte er das Seil und zog sie zurück, dann knebelte er sie. Endlich Ruhe. Auf ihrem Gesicht waren Tränen zu sehen, aber diese berührten Hilal nicht im Geringste. Durften sie auch nicht, sonst war er für diese Arbeit ungeeignet und etwas anderes konnte er nicht. Endlich war er fertig und hob das verschnürte Bündel Mädchen hoch und legte es sich über die Schulter. Sie war leicht und ihre Bewegungen konnte er recht gut unterbinden und sollte sie sich zu heftig bewegen konnte er sie auch einfach festhalten. Dafür war er kräftig genug. Hilal drehte sich einmal um seine Achse, um sich zu orientieren und umzusehen. Es gefiel ihm nicht, wie hoch die Sonne bereits stand, er hätte schon längst von hier verschwunden sein müssen. Als er wieder wusste, in welche Richtung er ungefähr musste, trabte er los. Dabei lauschte er aufs genaueste auf seine Umgebung. Die Sandalen gaben ein leicht klatschendes Geräusch von sich, aber mehr war nicht zu hören. Noch nicht. Trotzdem hatte Hilal das Gefühl, dass die Stadt langsam aber sicher aufwachte. Und nicht nur das, die Wachen wurden aktiver. Letzte Nacht hatte er ihnen noch gut ausweichen können, jetzt wurde das schwieriger und oft genug war er gezwungen, anzuhalten und sich zu verstecken oder sogar Umwege zu gehen. Und die Zeit zerrann ihm unter den Händen. Bis er in eine Straße einbog, die ihm bekannt vorkam. Noch einmal merkte er auf und beeilte sich und tatsächlich. Die Mauer. Nur war sie jetzt besser bewacht als in der Nacht. Hilal knirschte mit den Zähnen. Das war nicht gut. Augenscheinlich war das hier die Tagwache, die doppelt so stark wie die Nachtwache war und wesentlich aufmerksamer. "Verdammt!" knurrte Hilal. Sein Kamel hatten sie augenscheinlich noch nicht entdeckt, dafür hatte er es zu nah an der Mauer angebunden, aber über genau diese musste er hinüber. Und das war schon so nicht wirklich einfach. Irgendwie musste er die Wachen ablenken, nur wie?! Um besser nachdenken zu können, schloss Hilal die Augen. Seine Gedanken rasten. Er musste die Wachen von den Mauern bekommen, damit er genug Zeit hatte, um darüber zu klettern und das alles mit dem Gewicht der jungen Frau auf den Schultern. "Denk nach, Mann, denk nach! Wie bekommst du diese verdammten Wachen da weg?!"

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Fr, 29. Apr 2011 17:44


Sie wollte weiter schreien, wollte ihrer Verzweiflung Ausdruck verleihen, doch die starken Arme ihres Peinigers rissen sie herum und stopften ihr etwas in den Mund, was jeden Laut zu ersticken vermochte. Die feinen Sandkörner der Wüste, die sich wohl in dem Tuch verfangen haben mussten, rieselten auf ihre Zunge und in ihren Hals. Sie begann zu husten und aufgebracht den Kopf zu schütteln, doch dies schien dieser Kerl nicht zu merken. Wahrscheinlich war es ihm auch einfach nur gleichgültig, wie sie sich seine Gefangene fühlte. Dicke Tränen liefen nun in Strömen aus Noro’s Augenwinkeln ihre sonst so rosigen Wangen hinab und fielen letzten Endes hinunter auf den staubigen Straßenboden. Ein verzweifelter Blick die Gassen entlang, auf denen immer noch gähnende Leere herrschte, dann wurde sie unsanft empor gehoben und über die Schulter geworfen. Sie wollte es ihm immer noch nicht einfach machen und probierte immer wieder ihm irgendwie Schmerzen zu zufügen, indem sie die Knie plötzlich anzog oder aber ihren eigenen Kopf mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, gegen seinen Körper zu stoßen. Zwecklos. Entweder schien er es durch seinen durchtrainierten Körper gar nicht erst zu spüren oder auch das war ihm schlichtweg einfach egal. Er hatte ja gefunden, was er gesucht hatte. Während er sich nun auf den Weg machte, wohin auch immer, stieg die Sonne immer weiter und schon bald wich die eisige Kälte der Morgendämmerung einer angenehmeren Wärme. Es würde nicht mehr lange dauern, bis die ersten Menschen wieder ihren Geschäften nachgehen würden. Die Zeit floss langsam vor sich hin und Noro’elle hatte die Hoffnung gerettet zu werden längst verloren. Leise wimmernd ergab sie sich ihrem Schicksal, als ihr Entführer plötzlich inne hielt und stehen blieb. Irgendetwas schien nicht nach Plan zu verlaufen und diese Tatsache ließ die Schwarzhaarige aufblicken. Die Stadtmauer bäumte sich gefährlich und dunkel nicht weit vor ihnen auf. Sie hatten den Rand der Stadt erreicht und es schien als wären ihre Gebete doch noch erhört worden, denn auf dem Wall patrouillierten die Gardisten der Stadtwache. „Grmghhhh….“, schrie das junge Mädchen gedämpft durch ihren Knebel und hoffte, dass die Soldaten ihre Aufmerksamkeit auf sie richten würden.


Auf der Stadtmauer…

Es war noch nicht lange her, dass Arwin seinen Platz auf seinem Posten eingenommen hatte, doch bereits jetzt schien die Zeit nur langsam zu vergehen. In diesem Teil der Stadt, so fern ab vom großen Tor, war es ruhig, beinahe für einen Gardisten schon zu langweilig. Niemand ließ sich in der Nähe der Mauer blicken. Der junge Mann schaute starr in die Wüste, dort wo sich an der Grenze zum Horizont langsam die Sonne ihren Weg bahnte und den Himmel in ein warmes, rotes Licht tauchte. Früher fand er diesen Anblick stets beeindruckend, doch mittlerweile war er zur Normalität geworden. Ein leises Seufzen kam über seine Lippen, gefolgt von einem offenen Gähnen und einem ausgedehnten Strecken. Bis zur erneuten Ablösung würde es noch Stunden dauern und bereits jetzt wurde ihm unter seiner Uniform warm. Kleine, glitzernde Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn, die er mit dem Handrücken wegwischte, ehe er sich den Helm von Kopf nahm. Ein Seitenblick zu seinem Kameraden verriet ihm, dass es dem älteren Mann nicht anders erging. „Und noch ein langer, heißer Tag, an dem wir hier dumm rum stehen. Ich hoffe die Ausgangssperre wird bald aufgehoben.“, sagte er mit tiefer, wohlklingender Stimme. Ramal nickte knapp, ohne ihn auch nur anzusehen. So ein verdammter Mist. Nun war er schon verdonnert, hier den ganzen Tag zu verweilen und dann wurde ihm auch noch der schweigsamste Kerl der ganzen Stadt als Partner zugeteilt. Verfluchte Seuche! Verfluchter Hauptmann, der ihn an diesen entlegenen Ort versetzt hatte. Die Stadt erwachte nur langsam und die vertrauten Geräusche des Morgens drangen an sein Ohr. Nichts geschah. Arwin lehnte sich an die Brüstung und zog ein dreckiges Tuch hervor, mit dem er anschließend die Klinge seines Kurzschwertes polierte. Doch ein plötzliches Quieken riss ihn aus den Gedanken und den Blick Richtung Straße richten. „Hast du das auch gehört?“, fragte er Ramal, der immer noch in die Wüste blickte.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Sa, 30. Apr 2011 22:02

Dieses kleine verdammte Biest! Hilals Hand schloss sich fest um ihren Kiefer und er drückte zu, nicht zu fest, aber fest genug, damit sie still war. Sie hatte ihre Chance gewittert und sie genutzt, dumm war sie jedenfalls nicht. Aber jetzt waren diese Wachen natürlich noch aufmerksamer. Hilal seufzte, das Mädchen an seine Brust gepresst. Er hatte einfach keine Zeit mehr, jetzt musste eine Entscheidung her. Aber wenn sie so gerne schrie, warum sollte er das nicht für sich verwenden? Es war riskant, sehr riskant, vielleicht würde es nicht mal klappen. Nun, zur Not würde er die Wachen eben töten, zwei Männer mehr oder weniger auf seiner Liste...was machte das schon? Es gab nichts, mit dem sie ihm drohen konnten. Er hatte schon alles verloren, was ihm wichtig war. Er stieß sich von der Mauer ab und schlich wieder ein Stück zurück, dort lagen ein paar Kisten und ein Fass, etwas im Weg. Optimal. Er musste zwar ein paar Meter zurück, um wieder zu dem Haus zu kommen und drum herum zu laufen, aber alles war möglich. Die Kleine immer noch an seine Brust gepresst, stemmte er einen Fuß gegen eine der Kisten und löste dann den Knebel. Das nutzte sie aus, aber wie, Hilal verzog leicht das Gesicht und trat dann die Kiste um, presste ihr wieder den Mund zu und hastete zurück, sprang mehr in die Seitenstraße, als dass er ging. Nur lose befestigte er den Knebel wieder, sodass sie Geräusche von sich geben konnte, aber keine lauten. Dann zückte er einen Säbel und legte das Mädchen am Ende der Gasse ab, sich selber versteckte er in einem Hausaufgang. Kalt lag sein Blick auf der neuen Sklavin seines Herrn und absolut kaltblütig wartete er darauf, dass eine der Wachen kam oder sogar beide. Desto weniger Zeugen es gab, umso besser. Die Wachen mochten zwar gut ausgebildet sein, aber Hilal hatte schon mehr als einmal um sein Leben gekämpft. Und mehr hatte er auch nicht. Entsprechend war sein Beiname recht gut gewählt, auch wenn er eher Kämpfen aus dem Weg ging.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » So, 01. Mai 2011 11:43


Irgendetwas verlief plötzlich seltsam, denn aus irgendeinem Grund nahm der namenlose Entführer ihr den Knebel aus dem Mund. Noro’elle waren seine Beweggründe dabei mehr als egal und sie schrie aus vollen Leibe um Hilfe. Sie wurde noch einmal lauter, als sie sah, dass die Wachen nun in ihre Richtung blickten. „Hilfeeee…. Bitte! So helft mir doch!“, rief sie ihnen zu und versuchte sich gegen ihren Peiniger zu wehren. Dieser jedoch steckte ihr das dreckige Tuch erneut zwischen die Lippen, sodass sie nun wieder nur noch gedämpfte Laute von sich geben konnte. Wie einen nassen Sack Mehl legte er sie mitten auf die Straße. Sie war gut gefesselt und selbst das ausgelassene Zappeln half ihr nicht dabei, sich zu befreien. Was hat dieser irrsinnige Kerl nur vor? Lauter Fragen schossen ihr durch den hübschen Kopf. Sie durfte nun nicht aufgeben. Die Rettung war so nah, die Hilfe würde kommen. Ihr Herz machte einen kleinen Sprung, als sie sah, wie die Gardisten auf der Stadtmauer sich bewegten. Einen kurzen Moment verschwanden sie aus ihrem Sichtfeld, doch sie war sich sicher, dass sie kommen würden, um sie zu retten. Ein selbstgefälliges Gefühl machte sich in ihr breit, als sie sich vorstellte, wie die Männer ihrem Peiniger in Sicherheitsgewahrsam nahmen, ihn in ein dunkles, dreckiges Verlies sperrten, ihn folterten, bis er seine Absichten gestand und ihn dann die Hände abhackten, sodass er nie wieder etwas nehmen konnte, dass ihm nicht gehörte. Ja, so wurde hier in der Wüste mit Gesetzlosen umgegangen, ganz besonders, wenn sie sich wagten, die Tochter des Hak’iim el Darr’akur zu entführen. Dann endlich rissen sie die Umrisse zweier Männer aus ihren Rachegedanken und stachelten sie noch einmal dazu an lauter zu quieken.

Arwin hatte sich die Schreie nicht eingebildet. Nein! Dort schrie eine Frau um Hilfe und auch Ramal war es diesmal nicht entgangen. Die zwei Männer tauschten ein paar Blicke, doch dann griffen beide zu ihren Waffen und eilten zur nahe gelegenen Treppe, die einen Abstieg von der Stadtmauer ermöglichte. „Es war dort hinten! Ich habe mir die Stelle ganz genau gemerkt!“, sagte der jüngere Mann und lief eiligen Schrittes voran, während der ältere sich bemühte ihm zu folgen. An der Straßenecke angekommen, erblickten Arwins hellbraune Augen das Mädchen, das verzweifelt gegen seine Fesseln ankämpfte. Ohne sich weiter umzusehen rannte er noch etwas schneller und eilte ihr zu Hilfe. „Was zum…“, gab er knurrend von sich und war drauf und dran ihre Fesseln zu durchtrennen. Ramal hingegen war reifer und hatte schon wesentlich mehr Erfahrungen, als sein jüngerer Gefährte. Er blickte sich aufmerksam um, erforschte jede Ecke, jeden Schatten nach einer herannahenden Gefahr. Irgendetwas roch hier nach einer Falle. Wieso sollte ein Entführer seine Beute einfach so auf der Straße liegen lassen? Er glaubte kaum, dass der Kerl allein beim Anblick der Stadtwache Angst bekommen und die Flucht ergriffen hatte. „Nun komm schon her und hilf mir!“, rief Atwin ihm zu. Anschließend nahm er ihr behutsam den Knebel aus dem Mund und strich dem jungen Mädchen beruhigend über die von Tränen feuchte Wange. „Es wird alles gut. Ihr seid in Sicherheit.“, flüsterte er leise. Die Schwarzhaarige blickte dankbar in das Gesicht ihres Retters. Sie hatte aufgehört zu schreien und war einfach nur froh, dass der ganze Spuk nun ein Ende nehmen würde. „Danke..“, murmelte sie leise.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Di, 03. Mai 2011 14:38

Was genau er eigentlich plante, wusste er selbst nicht. Es war mehr eine Eingebung gewesen, der er gefolgt war. Ob es funktionierte...das stand wohl in den Sternen. Jedenfalls machte das Mädchen ordentlich auf sich aufmerksam. Dass sie ihm damit genau in die Hände spielte, wahrscheinlich wusste sie es nicht einmal, sah einfach nur ihre Gelegenheit gekommen, sich zu befreien. Still stand Hilal in dem Hauseingang, den Säbel fest in der Hand. Er wartete, lauerte. Und schon schnappte die Falle zu. Eine der Wachen kam in die Straße, sah das Mädchen und kam sofort angelaufen. "Was für ein Dummkopf. Aber er scheint nicht alleine. Vermutlich ist der Andere schlauer als der hier." Was er aber vorhatte, gefiel Hilal überhaupt nicht. Er wollte das Mädchen befreien und entfernte schon den Knebel. Noch zögerte Hilal. Er konnte die andere Wache nicht sehen, das war ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor. Wenn er jetzt losschlug...und es schief ging, war er tot, gefangen oder sonstwas. Aber der nicht zu Ende gedachte Plan fing an, sich gegen ihn zu wenden. Ihm blieb keine Wahl. Mit zwei langen Schritten war er bei der Wache, der Griff sauste nieder und traf. Hatte er dem Mädchen gerade noch Hoffnung gemacht, brach er jetzt bewusstlos über ihr zusammen. Vor einem ähnlichen Schicksal retteten Hilal nur seine Reflexe. Er machte einen Ausfallschritt nach vorne und spürte quasi, wie die Klinge der anderen Wache nur Millimeter an seinem Nacken vorbeizischte. Wäre er stehen geblieben, hätte er den Kopf verloren. Aus dem Schritt heraus, drehte Hilal sich und, wie sollte es heute anders sein, er stolperte über die bewusstlose Wache und das Mädchen, ging zu Boden. Nun lag er seitlich neben beiden, den Säbel in der rechten Hand, der linke Arm nutzlos, weil er sich mit ihm abstützen musste. Schon sauste die Klinge der Wache wieder auf ihn nieder. Hilal konnte nicht schnell genug reagieren, daher war seine Parade ziemlich mies. Aber anstatt ihm die Kehle zu zerfetzen schnitt die Spitze über seine Schulter. Nur mit Mühe unterdrückte er einen Schmerzenslaut. Vielleicht nicht tief oder gar tödlich, aber es blutete ziemlich stark. Aber jetzt war es an Hilal. Die Wache war nah genug und Hilal nutzte das aus, trat ihm gegen die Brust. Dadurch bekam er etwas Luft, um auf die Beine zu kommen. Jetzt standen sich die beiden Männer gegenüber. Die Wache ein erfahrener Kämpfer, gekleidet in die Rüstung der Stadt, auf der anderen Seite Hilal, ein begabter Kämpfer mit zwei Säbeln, ein einfacher Sohn der Wüste und zu allem entschlossen. Gefangen lassen würde er sich nicht nehmen, entweder blieb er hier tot liegen oder verließ die Stadt mit dem Mädchen, alles andere war nicht akzeptabel. Die Wunde blutete zwar nicht heftig, trotzdem durchtränkte es bereits seine Kleidung."Der Mann ist gefährlich. Er ist ein guter Kämpfer, erfahren. Sehr gefährlich. Ich muss aufpassen, verletzt hat er mich schon." Hilal blieb stehen, direkt neben der bewusstlosen Wache und dem Mädchen. Mit den Augen folgte er jeder Bewegung seines Gegenübers. Wie würde er jetzt reagieren? Würde er wieder angreifen? Oder um Hilfe rufen? Bei ersterem würde Hilal sich verteidigen und versuchen, ihn zu töten oder bewusstlos zu schlagen, bei zweiterem das Gleiche. Eine andere Lösung gab es für den jungen Mann nicht.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Di, 03. Mai 2011 23:48


Kaum war der kleine Funken der Hoffnung, dass alles noch einmal gut werden würde, zu einem kleinen, aber stetig brennenden Feuer geworden, so wurde er bereits durch die kommenden Geschehnisse erstickt. Der Gardist, der sich beinahe schon rührend um sie gekümmert hatte und sie durch seine Zusprüche ein klein wenig beruhigt hatte, lag nun reglos auf ihrem zierlichen Leib. Sie hatte noch schreien wollen, als sie ihren Entführer im Augenwinkel erspäht hatte, doch da war es bereits zu spät gewesen. Der junge Mann war schwerer als er auf den ersten Blick wirkte, doch das lag wahrscheinlich an seiner Bewusstlosigkeit, die ihm jegliche Körperspannung genommen hatte. Hilflos und unfähig sich zu bewegen, musste Noro’elle den weiteren Kampf mit ansehen. Bei jedem Schlag und jeder Parade zuckte sie kaum merklich zusammen aus Angst, dass das Gute dem Bösen unterlegen sein könnte. Nach einem weiteren kurzen Schlagabtausch standen die zwei Männer sich gegenüber, die Waffen fest in der Hand, die Blicke entschlossen. Was soll ich bloß tun? Ihr Blick wanderte zwischen den Beiden hin und her, während sie darüber nachdachte, wie sie sich vielleicht irgendwie nützlich machen könnte. Ihr Peiniger stand direkt neben ihr, schenkte den am Boden Liegenden jedoch keinerlei Beachtung. Erst jetzt bemerkte die junge Frau, dass er verletzt war und dunkles Blut seine Kleidung durchtränkte. Ein befriedigendes Grinsen legte sich auf ihre Lippen, dass war eben die Strafe für das, was er ihr antun wollte.

Plötzlich regte sich etwas, die Luft war bis zum Zerbersten angespannt. Der ältere Gardist schien nicht mehr länger warten zu wollen und kam langsam und Schritt für Schritt näher heran. Er sagte kein Wort, doch seine Blicke sprachen Bände, sodass sie sogar Noro einen kalten Schauer den Rücken runter laufen ließen. Das letzte Stück brachte der Mann mit einem gewaltigen Satz hinter sich und richtete seine Klinge auf den Hals seines Widersachers. Allerdings war dies nur ein geschicktes Ablenkungsmanöver, das von seinem Fuß ablenken sollte. Noro’elle, die immer noch im Dreck lag, den bewusstlosen Gardisten auf ihrer Brust, konnte von dort genau beobachten, wie er den Entführer von den Beinen reißen wollte. Er schien wirklich viel Erfahrung zu haben und nicht auf den Kopf gefallen zu sein, doch dass dieser kleine Trick funktionieren würde, glaube die junge Frau kaum. Und wenn doch? Dann umso besser! Eine Staubwolke stiebte plötzlich auf und schränkte ihre Sicht ein. Wer oder was genau sie nun verursacht hatte, konnte sie leider nicht mehr erkennen. Die feinen, durch die Luft wehenden Sandkörner ließen sie husten und zwangen sie ebenso die Augen zu schließen. Die Kampfgeräusche wurden fortgesetzt und dann war plötzlich Stille, gefolgt von einem dumpfen Aufprall. „Bitte lass es den leblosen Körper dieses vermummten Mannes sein.“, dachte die Schwarzhaarige und öffnete zögerlich die Lider. Sie blinzelte gegen das Licht der Sonnenstrahlen, die sich mittlerweile ihren Weg durch die enge Gasse suchten und langsam aber sicher die unheimlichen Schatten vertrieben.

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