Gott würfelt nicht

Lebensfeindliches Land unter glühender Sonne am Tage und dem eisigen Mondlicht in der Nacht...
Hilal
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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Do, 05. Mai 2011 19:27

Er floh nicht, nein, er floh nicht. Er glaubte seine Fähigkeiten und Erfahrung groß genug, um es mit Hilal aufzunehmen. Er...unterschätzte seinen Gegner, der größte Fehler, den man in einem Kampf machen konnte. Und Hilal würde es gegen ihn benutzen. Ohne Gnade, so wie die Wüste keine Gnade mit den Schwachen kannte. Schritt für Schritt kam sein Kontrahent näher, arbeitete sich an ihn heran. Um, ja, um was zu tun? Er würde angreifen, aber wie? Direkt oder eine Finte? Er war erfahren genug für letzteres, aber das musste nichts heißen. Hilal wurde ganz ruhig, die Schmerzen seiner Wunde rückten aus seinem Fokus, seine komplette Konzentration lag auf seinem Gegner und dem, was dieser als nächstes tun würde. Die Spitze seines Säbels rührte sich keinen Millimeter, zitterte nicht. Hilal wartete, wartete auf den Angriff seines Kontrahenten und da kam er schon! Schon wieder der Hals, nein, das war zu offensichtlich. Hilal sprang zur Seite, um dem Angriff zu entgehen und bekam so nicht die ganze Wucht des Trittes ab, knickte nur leicht in der Hüfte ein, als der Fuß der Wache diese streifte. Mit dieser Aktion war er im Rücken seines Kontrahenten und das nutzte Hilal zu einem mächtigen Hieb, dem die Wache aber auf die gleiche Art auswich, wie er vorher selber einmal. Durch einen Ausfallschritt. Dabei drehte sich der Mann um die eigene Achse und plötzlich hatte Hilal seine gute Position wieder verloren. Die Spitze der Klinge ritzte seinen Unterarm leicht an, nicht mehr als ein Kratzer. Aber der junge Sklavenjäger kam nicht umhin, seinem Gegner Respekt zu zollen. Dieser hatte ihm schon zwei Wunden zugefügt, er ihm noch gar keine. Und Luft zum Atmen gab er ihm auch keine. Den nächsten Hieben wich Hilal nur knapp aus, mit einem Säbel kam er so nicht weiter. Aus einer Ausweichdrehung heraus zog er den zweiten und wehrte mit beiden auf einmal den nächsten Hieb ab. Kurz hielten die beiden inne und sahen sich in die Augen. Es schien, als wenn die Wache langsam begriff, dass Hilal nicht ein einfacher Bandit oder so etwas war. Aber die Erkenntnis kam zu spät. Jetzt griff der junge Sklavenjäger an. Der Stil mit zwei Säbeln war schwer zu meistern und ein Meister war er bei weitem noch nicht, aber allein, dass sich sein Gegner jetzt zwei Klingen erwehren musste, stellte ihn vor ein Problem. So trieb Hilal ihn immer weiter zurück, aber immer noch ohne ihn zu treffen. Wie eine Verzweiflungstat mochte der letzte beidhändige Hieb der Wache anmuten, den Hilal mit nur einem Säbel abblockte, der andere schoss vor, schnell wie eine Schlange und bohrte sich tief in die Brust des Mannes. Noch bevor er zu Boden fiel, hatte seine Seele seinen Körper verlassen und seine Augen waren gebrochen. Hilal hielt schwer atmend inne und steckte dann seine Waffen weg. Noch einmal sah er die Wache über seine blutende Schulter hin an, bevor er sich dem Mädchen widmete. "Gott sei mit dir." sagte er ruhig, um seinem Respekt für die Fähigkeiten der Wache Ausdruck zu verleihen, dann kniete er schon über dem Mädchen und stopfte ihr wieder den Knebel zwischen die Zähne, den die bewusstlose Wache entfernt hatte. Dann zog er diese von ihr herunter. "Hoffnung trügt oder glaubst du, ich lasse mir meine Beute nehmen?" Ganz ruhig blickte er sie an, in seinen Worten war keine Bosheit, es war eine einfache Frage gewesen, auf die er aber keine Antwort erwartete. Stattdessen schulterte er das Mädchen und eilte die Gasse entlang. Das Blut seiner Schulterwunde tränkte seine Kleidung bereits ziemlich, daher trug er sie auch auf der anderen Schulter. Bevor er aber einfach so auf die Mauer stürmte, hielt er noch einmal kurz inne und folgte mit den Augen dem Verlauf der Wachgänge. Er sah niemanden, auch gut. Mit schnellen Schritten eilte er auf die Mauer hinauf und befestigte eines der Seile. An dem losen Ende band er das Mädchen fest und ließ sie über die Mauer hinab. Tragen konnte er sie nicht, nicht mit der Wunde. Erst danach ließ er sich selber vorsichtig hinab. Das Seil würden die Wachen zwar schnell finden, aber bis dahin war er weg. Und den Verlust konnte er verschmerzen. Leise pfiff Hilal und hoffte, dass sein Kamel nicht weggelaufen oder weggeholt worden war.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Do, 05. Mai 2011 20:18


Nur langsam legten sich die einzelnen Staubkörner, die verursacht durch den Kampf, durch die Luft schwirrten und leicht glitzernd die Sonne brachen. Verzweifelt kämpfte Noro gegen den bewusstlosen Man an, der schwer auf ihrem zierlichen Körper lag. „Verdammter Mist!“, murmelte sie leise und wand sich unter ihm wie ein elender Wurm. Doch es half rein gar nichts, sie steckte fest. „Hey!“, schrie sie niedergestreckte Wache an. „Wacht auf! Bitte…“ Nicht der kleinste Muskel des Gardisten regte sich. Währenddessen war die Sicht auf die Straße wieder vollkommen freigegeben, doch das, was ihre dunkelbraunen Augen erblickten, ließen sie vor Angst und Schrecken erstarren. „Nein…“, keuchte sie leise und in ihrer lieblichen Stimme hallte die Verzweiflung. Sie meinte den Schmerz beinahe selber spüren zu können, als sie mit ansehen musste, wie ihr Peiniger seinen Säbel aus dem leblosen Körper zog. Ihre Hoffnung zerplatzte wie eine dünne Seifenblase. Aus war der Traum von einer erfolgreichen Rettung. „Elender Mörder…“, schluchzte sie leise, als ihr Entführer zu ihr zurückkehrte. Mehr konnte sie nicht sagen, da er ihr schon wieder den Knebel in den Mund zwängte. Die Worte, die er anschließend zu ihr sprach, klangen kühl und distanziert. Hatte dieser Kerl überhaupt Gefühle? Als was betrachtete er sie? Nein – Sie wollte es eigentlich lieber gar nicht wissen. Sie hätte gern etwas erwidert doch mehr als ein paar gedämpfte Geräusche brachte sie nicht hervor. Wenigstens konnte sie nun wieder besser atmen, da er ihr die Last von der Brust genommen hatte. Doch es war keine Zeit, um mal richtig zu verschnaufen. Er hatte sie bereits wieder geschultert und ging weiter seines Weges. Diesmal stellte sich ihm niemand mehr in den Weg und auch ihre Versuche ihn irgendwie davon abzubringen, scheiterten auf ganzer Linie. Ohne weitere Zwischenfälle erklomm er über die schmale Treppe des Wehrganges die Stadtmauer. Hier oben herrschte ein kühler Wind, der wohl bald im laufe des Morgens für den Rest des Tages versiegen würde.

D
er Blick gen Horizont war wunderschön und von hier oben hatte mein einen tolle Aussicht auf die angrenzende Wüste. Meilenweit erstreckten sich seichte Dünen, die im Licht der aufgehenden Sonne in roten Farben schimmerten. Einen kurzen Augenblick herrschte Stille, doch dann spürte sie erneut die dreckigen, groben Finger des Mannes an ihrem Körper. Er schnürte sie abermals mit einem Seil zusammen, an dem er sie anschließend die Mauer hinunter ließ. Das Gesicht gen Boden gerichtet, starrte Noro’elle nun ängstlich in die Tiefe. Hoffentlich würde er sie nicht fallen lassen, denn dabei würde sie sich wahrscheinlich sämtliche Knochen brechen. Derartiges geschah zum Glück nicht, dafür war er aber so unvorsichtig, dass sie dauernd an der rauen Wand entlang streifte und sich dabei wohl zahlreiche blaue Flecken und kleinere Schürfwunden zu zog. Am Erdboden angekommen landete sie mit einem kleinen Ruck im Dreck und der umliegende Sand stiebte kurz auf. Durch ihre jetzige Position bedingt konnte sie nichts mehr erkennen, sondern lediglich den Boden anstarren und sich überlegen, was wohl als nächstes mit ihr geschah. Es kam ihr wie eine unendlich lange Zeit vor, bis direkt neben ihr die Schuhe des Entführers in ihrem Blickfeld auftauchten. Erst jetzt wurde ihr schmerzlich bewusst, dass sie das erste Mal in ihrem jungen Leben ihre Heimatstadt verlassen hatte, wenn auch auf eine unfreiwillige Art und Weise. So lange Zeit hatte sie von diesem Moment geträumt, doch die Realität war ernüchternd, denn sie entsprach in keinster Weise ihren Wunschvorstellungen. Das Blöken eines herannahenden Kameles riss sie wieder aus ihren Gedanken. Nun würden sie wohl bald aufbrechen. Dass sie in der unendlichen Weite der Wüste jemanden finden würde, der sie rettete, war mehr als unwahrscheinlich. Von nun an lag ihr Schicksal in ihren eigenen Händen, alles hing von ihr ab. Sie brauchte einen Plan. Einen guten Plan, doch in ihrer momentanen Lage konnte sie leider nicht viel ausrichten. Doch sobald sich die Gelegenheit bot, würde sie sie zu nutzen wissen. Sie war bereit alles zu geben.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » So, 08. Mai 2011 16:03

Einen schrecklichen Augenblick lang dachte er, sein Kamel wäre fort. Wäre weggelaufen oder gestohlen worden. Aber dann hörte er das Blöken und das schwere Tappen der Schritte auf dem Sand. Doch etwas erleichtert atmete er aus. Langsam aber sicher machten sich durchwachte Nacht und Blutverlust bemerkbar. Er müde und erschöpft, am liebsten hätte er gerastet, aber das konnte er sich momentan nicht leisten. Auch die Versorgung seiner Wunden musste warten. Erst wenn sie in der Wüste waren, vorher nicht. Hilal griff die Zügel des Tieres und befahl ihm, sich hinzulegen. Seine Bewegungen wurde langsamer, aber waren doch immer noch zielstrebig. Das Mädchen wurde kurzerhand an den Sattel gebunden. So störte sie nicht und die Seile schnürten sie nicht zu stark ein, damit sie keine Verletzungen erlitt. Als angenehm würde sie diese Reiseart zwar bestimmt nicht empfinden, aber so bekam sie frische Luft und er konnte ihr während des Reitens etwas zu trinken geben. Das ersparte ihnen unnützes Anhalten. Hilal würde dem Mädchen zwar keinen Luxus bieten, aber es würde ihr um einiges besser gehen als anderen Sklaven. Auf so etwas legte Faramud Wert, er wollte keine halbtoten Diener, mit Narben oder Wunden. Nachdem er also das Mädchen an den Sattel gebunden hatte und die Fesseln noch einmal überprüft hatte, stieg er endlich selber in den Sattel und nahm die Zügel. Nun hieß es schnell von hier zu verschwinden. Und das in einigem Abstand, so konnte niemand von der Mauer das Bündel am Sattel als einen Menschen identifizieren. Hilal trieb sein Kamel an und noch etwas zögerlich galoppierte dieses endlich los, fort von der Mauer, fort von der Stadt. Und das schnell. Ihm saß jetzt erst recht die Zeit im Nacken. "Hoffentlich haben die drei sich nicht völlig betrunken und wir können sofort aufbrechen. Auch wenn hier eine Ausgangssperre herrscht, ich habe keineLust auszutesten, ob sie ein paar Sklavenhändler nicht doch verfolgen." Von der Mauer war nichts zu hören, was auf das Auffinden der toten Wache oder dergleichen hinwies, Hilal blickte sich trotzdem nicht um, sondern trieb sein Kamel weiter an, damit er endlich bei ihrem Lagerplatz ankam. Zu dieser Zeit würden gerade mal die ersten Männer der anderen Karawanen aufwachen, die mussten nicht unbedingt herausfinden, dass Hilal und seine Männer Sklavenjäger waren. Endlich konnte er die Lager sehen und wagte nun zum ersten Mal einen Blick über die Schulter. Auf der Mauer war Bewegung. Er konnte nichts hören, aber eines war sicher. Die bewusstlose Wache war aufgewacht oder entdeckt worden. Jetzt würde sich also entscheiden, ob Hilal und seine drei Gefährten ungeschoren davon kamen oder ob sie verfolgt wurden. Und endlich kam er an ihrem Lager an. Und genau wie erwartet. Alle drei schliefen und nichts war vorbereitet. Hilal knirschte mit den Zähnen und befahl seinem Kamel sich hinzulegen, noch bevor es den Boden berührte sprang er aber schon aus dem Sattel. Langsam wurde ihm schwindlig, auch wenn die Blutung mittlerweile aufgehört hatte. Mit einem kräftigen Fußtritt weckte er Nazir auf und zischte ihm wütend zu. "Los, auf die Beine! Wir müssen sofort verschwinden! Ich habe Beute gemacht, aber das ist nicht unbemerkt geblieben! Beweg dich!" Und tatsächlich, der Mann kam auf die Beine und weckte seine beiden Kameraden. Diese waren noch völlig verschlafen, aber fingen sofort an, das Lager abzubrechen. Hilal verstaute derweil sein eigenes Sonnensegel, war aber nicht so schnell wie die drei auf einmal, daher kam ihm Dscherid zu Hilfe, der besorgt seine Schulter musterte. "Das muss versorgt werden, Hilal." Der junge Mann schüttelte den Kopf. "Später. Jetzt haben wir keine Zeit. Wir müssen sofort weg hier. Seid ihr fertig?" fragte er an Nazir und Faruk gewandt. Diese hatten nicht nur die Sonnensegel verstaut, sondern sogar schon das Packkamel beladen. Fehlten nur noch die Sättel der Reitkamele. Hilal fasste so gut er konnte mit an und endlich waren sie aufbruchsbereit. Bevor Hilal aber auf sein Kamel stieg, warf er noch einen Blick auf die Stadt. Dort schien sich etwas zu tun und er wollte nicht herausfinden, was. Daher schwang er sich in den Sattel und schloss zu den drei anderen Sklavenjägern auf, die bereits ein Stück vorausgeritten waren. Nazir ritt neben ihm und musterte das Gesicht des Mädchens kurz interessiert, dann wandte er sich wieder ab, als er Hilals kühlen Blick auf sich spürte. So tauchten die vier Reiter in die Wüste ein, bei ihnen das junge Mädchen aus der Stadt, dessen Leben sich nun so rapide geändert hatte.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Sa, 21. Mai 2011 8:20


Noro’elle hatte sich mit ihrem Schicksal abgefunden. Vorerst. Ihre Zeit würde schon noch kommen. Eine Zeit, in der sie mehr Glück und Möglichkeiten hatte, als in diesem Moment. Schweigend ließ sie sich auf dem Kamel verstauen, die dunkelbraunen Augen waren kalt, leer und voller Hass. Der Weg ihres Entführers war gen der Karawanen gerichtet, die vor der Stadt lagerten. Hier mussten hunderte Menschen darauf warten, in die Stadt eingelassen zu werden. Doch wo waren die Wachen? Sah denn niemand, was hier vor sich ging? Sah niemand, dass sie hier gegen ihren Willen festgehalten wurde? Irgendjemand musste sie doch sehen und ihr zu Hilfe eilen. Doch nichts dergleichen geschah. Die Sonne, die mittlerweile schon etwas höher am Himmelszelt stand, brannte unnachgiebig auf sie herab und kündete von der Hitze, die sie wie jeden Tag mit sich bringen würde. Nach einiger Zeit erreichten sie ein kleines Lager, ihr Entführer schien die dort herum lümmelnden Männer zu kennen. Beute – So hatte er sie genannt. Nun war sie also nicht mehr die Tochter eines reichen Mannes, kein junges, unberührtes Mädchen mehr, nein, wie es schien war sie es nicht einmal mehr würdig Mensch genannt zu werden. Doch die Antwort des anderen ließ sie aufhorchen. Hilal – So lautete also der Name ihres Peinigers. Hilal! Diesen Namen würde sie gewiss niemals mehr vergessen, selbst wenn sie es noch so sehr versuchen würde. Sie verfluchte ihn stumm für das, was er ihr gerade an tat. Dann spürte sie wieder seine Nähe und war in diesem Augenblick noch angewiderter als zuvor. Wenn er ihr zu Nahe kommen würde, würde er dies bereuen. Noro’elle war sich sicher, dass man ihr Verschwinden zu Hause mittlerweile bemerkt haben musste und schon bald würde die halbe Stadt nach ihr suchen. Doch würden sie auch in der Wüste suchen, auf die sie gerade zu hielten? Sie schluckte schwer und versuchte sich von diesem ernüchternden Gedanken abzubringen. Sicher würde man sie suchen und auch finden. Gewiss. Während sie nun wieder vom Schritt des Kameles seicht hin und her geschaukelt wurde, spürte sie den Blick eines anderen Mannes auf ihrer Haut. Sie entgegnete ihm hasserfüllt. Hätte sie es vermocht, so hätte sie ihm vor die Füße gespuckt. Ungehobelter Kerl!

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Di, 24. Mai 2011 0:35

Immer wieder drehte er sich um. Auf den Mauern war irgendwas im Gange gewesen und Hilals erster Impuls war die Vermutung, dass es mit ihm zu tun haben könnte. Oder dem Mädchen. Aber was dort auch los war. Niemand folgte ihnen. Trotzdem ließ er kein langsameres Tempo zu. Es war anstrengend und er hatte mittlerweile mit einem dauerhaften Schwindelgefühl zu kämpfen. Nur manchmal warf er einen Blick auf das Mädchen, festgebunden an seinem Sattel. Erst als es Mittag und damit einfach zu heiß wurde, ließ er seine Männer nach einem weiteren Schulterblick anhalten. Zu dem Schwindel war nun auch ein Gefühl der Kraftlosigkeit gekommen. Unangenehm. Fast fiel er vorne über, als das Kamel sich hinlegte und dabei zuerst mit den Vorderbeinen einknickte. Er musste sich mit der unverletzten Hand abstützen, um nicht zu fallen. Es dauerte einen Moment ehe der Schwindel aufhörte und Hilal sich umsehen konnte. Die drei Anderen waren bereits abgesessen und spannten ein Sonnensegel, als Schutz gegen die erbarmungslosen Sonnenstrahlen. Träge schwang er ein Bein über den Sattel und stand dann auf dem lockeren Sandboden, spürte ein paar der Sandkörner zwischen seinen Zehen. Dscherid unterbrach seine Arbeit und kam zu ihm. "Ich sollte mir das wirklich einmal ansehen, Hilal. Es mag zwar nicht mehr bluten, aber versorgt werden müssen die Wunden trotzdem." Hilal nickte nur und lehnte sich an den Sattel, neben dem Mädchen, was noch immer geknebelt festgebunden war. Dscherid bog vorsichtig seinen Kopf beiseite und tastete die Schulterwunde ab. Nur das Mundtuch verbarg das schmerzerfüllte Verziehen seiner Mundwinkel. "Das sollte wirklich besser genäht werden, Hilal. Es ist zwar nicht sehr tief, aber doch recht lang." Hilal blickte den anderen Mann einen Moment schweigend an, dann nickte er. "Dann näh es." Dscherid nickte und ging dann zu dem mittlerweile aufgespannten Sonnensegel, wohin ihm der junge Sklavenjäger folgte. Im Schatten von diesem ließ er sich nieder und löste die Tücher, die seinen Kopf verbargen, sowie den Stoff von seinen Schultern. So konnte Dscherid die Wunde besser versorgen und nach kurzer Zeit war die Wunde vernäht. Mehr Versorgung würde sie nicht bekommen. Jetzt entschied seine Zähigkeit, ob er weiterlebte oder nicht. Es brauchte einen Moment, ehe Hilal wieder aufstehen konnte. Dann striff er sich seine Oberbekleidung wieder über und ging zu seinem Kamel, an dem immer noch das Mädchen festgebunden war. Die Anderen hatten sich nicht darum gekümmert und genau das unterschied sie von Hilal. Er löste die Seile, mit denen sie am Sattel befestigt war und trug sie mit etwas Mühe in den Schatten, wo er sie vorsichtig ablegte. Dann setzte er sich neben ihr in den Sand und zog einen Wasserschlauch zu sich heran. Es war Zeit, die Grundregeln klar zu stellen. Verdursten würde sie kaum wollen. Und je nachdem wie kooperativ sie sich zeigte, würde er vielleicht sogar einen Teil der Fesseln lösen. "So, pass auf", Blick und Stimme wie immer fast emotionslos, vielleicht ein wenig müde, aber nichts deutete auf Freundlichkeit hin, "ich werde dir jetzt den Knebel abnehmen, damit du trinken kannst. Wenn du es schaffst, dich zu benehmen, bleibt er draußen. Das Gleiche gilt für die Fesseln. Benimmst du dich, werde ich sie reduzieren, wenn nicht, bleibst du an meinem Sattel hängen wie eine Satteltasche bis wir angekommen sind. Die Entscheidung liegt bei dir." Nach diesen Worten löste er den Knebel, um ihr danach etwas zu trinken zu geben. Vorausgesetzt, sie benahm sich. Ansonsten würde sie ohne Wasser auskommen müssen.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Fr, 27. Mai 2011 18:42


Noro tat so, als würde sie all die Gespräche gar nicht mitbekommen. In Wahrheit jedoch hörte sie angespannt zu und versuchte sich jedes noch so kleine Detail genau einzuprägen. Hilal, so hatten sie ihren Entführer genannt, schien schwerer verletzt als von ihr angenommen. Aus dem Augenwinkel heraus beobachtete sie die Beiden und bemühte sich darum, dies möglichst unauffällig zu tun. Sie regte sich nicht. Dann plötzlich verschwanden die Beiden aus ihrem Sichtfeld, ihre Stimmen drangen nur noch leise an ihr Ohr, zu weit weg, um verstehen zu können, was sie sagten. Die Sonne, die mittlerweile hoch am Himmel stand, schien unnachgiebig auf sie hinab. Es war heiß und feucht vom Schweiß klebten ihre Gewänder an ihrer Pfirsichhaut. Und dann war da noch dieser entsetzliche Durst. Durch ihre Position bedingt hatte sie während der gesamten Zeit den aufgewirbelten Sand ins Gesicht bekommen, den die Kamele beim Laufen aufgewirbelt hatten. Nicht gerade angenehm. Und wie konnte der Sand überhaupt an dem Knebel vorbei in ihren Mund kommen? Es war ihr wirklich ein Rätsel. Die Zeit, die sie dort alleine lag, kam ihr beinahe vor wie eine halbe Ewigkeit. Der Ritt in der prallen Sonne hatte sie wohl jedes Zeitgefühl verlieren lassen. Doch dann irgendwann spürte sie wieder seine Anwesenheit, seine Hände an ihrem Körper. Er trug sie in den Schatten und sie keuchte, immer noch gedämpft vom Knebel, erleichtert auf. Trinken! Er hatte gesagt, er würde ihr Wasser geben. Ihr Stolz wollte es ihr verbieten nachzugeben, doch was würde es bringen wenn sie verdurstete? Dann kam auch jede Hilfe ihres Vaters zu spät. Aus diesem Grund blickte sie ihm in die Augen und nickte kaum merklich. Sie würde sein Angebot annehmen. Vorerst. Was sie tun würde nachdem sie sich satt getrunken hatte, wusste sie noch nicht. Allerdings gehörte sie schon immer zu der eher spontanen Sorte der Menschen. Als der Knebel gelöst wurde, spuckte sie das staubige Tuch aus und begann zu erbärmlich zu husten. „Wasser bitte….“, krächzte sie leise und kaum hörbar.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » So, 29. Mai 2011 14:38

Sie schien zuzustimmen und so entfernte Hilal den Knebel. Augenscheinlich war Sand in die Falten gelangt, jedenfalls hustete sie heftig und krächzte nach Wasser. Hilal öffnete den Wasserschlauch und hob die Öffnung dann vorsichtig vor ihren Mund, leicht schräg gehalten, damit sie nicht zu viel auf einmal trank. Geduldig hielt er ihn fest, bis sie ihren Durst gestillt hatte. Sie war nicht sonderlich groß, also würde sie nicht so viel brauchen wie einer der Männer, da konnte sie sich ruhig satt trinken. Als sie nichts mehr trank nahm er den Schlauch wieder weg und verschloss ihn. Den Knebel ließ er liegen. Noch benahm sie sich ja und da konnte er ihr ruhig Zugeständnisse machen. "Ich muss Nazir und Faruk im Auge behalten. Die Kleine ist hübsch und die beiden gehören zu der Sorte, die ihre Beute nicht sonderlich gut behandeln. Sich eher an ihr vergreifen. Dscherid ist etwas ruhiger und zurückhaltender, aber er ist auch jünger als die Beiden. Die Wunde könnte echt problematisch werden, wenn ich den Beiden klar machen muss, wo ihr Platz ist. Also behalte ich die Kleine lieber im Auge und lasse keinen von ihnen in ihre Nähe. Das wird das Beste sein. Und wenn wir zurück sind, werde ich Faramud empfehlen, Nazir und Faruk aus seinen Diensten zu entlassen. Dscherid scheint ganz in Ordnung zu sein." Während er sich diese Gedanken machte, starrte er gedankenverloren auf den Sandboden und strich sich über sein stoppeliges Kinn. Wegen der Seuche hatte er sich länger nicht rasieren können und langsam wuchs ihm ein Bart. Jetzt sah er das Mädchen wieder an und löste kurzerhand das Seil, mit dem er sie verschnürt hatte. Das hatte die Kleidung fest an ihren Körper gepresst und so kam keine Luft an ihre Haut, mit anderen Worten die Hitze staute sich. Bei ihrer zierlichen Statur würde es reichen, wenn er ihr die Hände fesselte. Jedenfalls bekam sie dann keinen Hitzschlag oder so etwas. Und er bekam sein Lasso wieder.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Mi, 01. Jun 2011 16:53


Das Wasser, welches er ihr zu trinken gab, war warm und wahrscheinlich auch nicht sonderlich sauber. Unter normalen Umständen hätte sie es nicht einmal mit einem schrägen Blick angesehen. Doch sie hatte Durst und so trank sie. Mit gierigen Schlucken würgte sie das Nass hinunter und spülte mit ihm auch all den Staub weg, der sich in ihrem Mund angesammelt hatte. Während des Trinkens wichen ihre Gedanken ab. Sie dachte an ihren geliebten Brunnen, den Vater ihr zu liebe hatte im Garten errichten lassen. Sie dachte an die vielen unbeschwerten Stunden, in denen sie dem munteren Plätschern gelauscht hatte. Doch diese Zeiten waren vorbei und der Glaube daran, dass sie bald wieder kehrten, schmolz dahin wie Schnee in der brennenden Sonne der Wüste. Als Hilal den Wasserschlauch von ihren Lippen nahm, wollte sie vorerst protestieren. Doch dieser Kerl hatte vermutlich Recht. Sie durfte auch nicht zu viel auf einmal trinken. Neugierig musterte das Mädchen ihren Entführer. Er wirkte zunehmend nachdenklich, vielleicht hatte er auch Mühe die Schmerzen, die er ganz offensichtlich haben musste, vor ihr zu verstecken. Musternd glitt der Blick ihrer tiefbraunen Augen über sein Gesicht, damit sie sich auch jede noch zu kleine Kleinigkeit merken konnte. Unter tausenden Männern würde sie diesen einen wieder erkennen, dem war sie sich sicher. Dann endlich löste er weitere Fesseln und der Wind streichelte über ihre vom Schweiß benetzte Haut. Zwar war der Wind alles andere als angenehm, doch durch das Zusammenspiel der beiden Komponenten, gab es einen leicht kühlenden Effekt. Der dünne Stoff ihrer Kleidung klebte jedoch an ihrer Haut und auch zahlreiche kleine Staubkörper schienen nicht so einfach von ihr weichen zu wollen. Was würde sie an dieser Stelle nur für ein erfrischendes Bad geben. Nachdem einige weitere Augenblicke vergangen waren und Noro realisierte, dass er ihr wohl die Handfesseln nicht abnehmen würde, seufzte sie leise auf. Es gab so viele gemeine und beleidigende Sachen, die sie diesem Kerl am liebsten an den Kopf werfen wollte. „Sie werden mich finden…“, murmelte sie stattdessen leise. „Sie werden mich finden und Euch zur Rechenschaft ziehen…“ Sie blickte Hilal genau ins Gesicht und versuchte Blickkontakt herzustellen. „Und wenn sie Euch haben, dann sperrt man Euch in das dunkelste Verlies der ganzen Stadt, wo niemand Eure Schreie hört. Sie werden Euch foltern, selbst wenn Ihr schon längst gestanden habt und dann wird man euch am Galgen aufknüpfen. Das ist das Schicksal, dass Ihr Euch heute auferlegt habt.“ Sie zuckte leicht mit den Schultern und versuchte sich in eine bequeme Sitzposition zu bringen. „Wo bringt Ihr mich eigentlich hin?“, fragte sie dann gerade heraus und ohne große Umschweife.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Fr, 03. Jun 2011 16:31

Den Mund zu halten fiel der Kleinen wirklich schwer. Extrem schwer. Obwohl, die Drohungen, die sie gegen ihn ausstieß, hörte er ständig von seiner Beute. Erst versuchten sie einen zu bedrohen, zu verführen, zu bestechen und wenn das alles nicht half, kam der Fluchtversuch und wenn der scheiterte brachen ihre Augen. Zwar nicht bei allen, aber bei vielen. Hilal vermutete, dass die Kleine zu denen mit ungebrochenen Augen gehören würde. Sie hatte einfach etwas an sich, was ihn das vermuten ließ. Ihre Drohungen ließen ihn jedenfalls ziemlich kalt, er hatte schon oft welche gehört und noch nie waren sie wahr geworden. Und wenn es doch eines Tages einmal so weit war, nun, das war ihm egal. Dann hatte sein Leben einfach ein schmerzhaftes Ende genommen. Das wars. Entsprechend desinteressiert und fast gelangweilt sah er sie an. "Na und?", fragte er ruhig. "Falls du gehofft hast, mir damit Angst zu machen, muss ich dich enttäuschen. Es ist mir egal. Sollte ich so enden wäre es eben mein Schicksal." Er zuckte mit den Schultern und zog dann den Wasserschlauch heran, um selber etwas zu trinken. Er hatte Blut verloren, jetzt brauchte er Flüssigkeit. Besonders weil er merkte, wie der Schwindel zunahm. "Das wird die nächsten Tage wirklich unangenehm. Eigentlich müssten wir rasten, damit ich mich erholen kann, aber dafür haben wir keine Zeit. Faramud erwartet uns bald zurück und falls es doch Verfolger gibt, will ich ihnen nicht in die Hände spielen. Und dann ist da noch die Sache mit Nazir und Faruk. Desto länger wir uns in der Wüste aufhalten, desto schwerer wird es wohl mit ihnen. Also Zähne zusammen beißen und weiter. Die Arbeit können die drei ruhig machen, immerhin haben sie sich ja nicht wirklich nützlich gemacht die letzte Zeit." So in Gedanken versunken registrierte er die Frage des Mädchens beinahe erst nicht und sah sie erst einen Moment an, als wenn er überlegen musste. Dabei versuchte er nur zu rekonstruieren, was sie gerade gesagt hatte. "Das wirst du erfahren, wenn wir da sind." Mehr sagte er dazu nicht. Dann band er ein Seil zusätzlich um ihre Handfesseln und das andere Ende befestigte er an seinem eigenen Handgelenk. Er hatte das Mädchen quasi an die Leine gelegt, damit sie nicht auf dumme Ideen kam. Danach legte er sich hin, als Barriere zwischen ihr und den anderen drei Männern. Dabei achtete er darauf, dass sie nicht an seine Waffen gelangen konnte, indem er sie durch seinen eigenen Körper blockierte. Den Arm mit dem Seil darum legte er unter seinen Kopf, den anderen über seinen Bauch, in die Nähe der Waffen. Er war zu sehr Krieger, um das nicht zu tun. Allzeit bereit. "Ich würde dir empfehlen, dass du dich etwas ausruhst und keinen Ärger machst. Bei dieser Hitze reisen nur Dummköpfe oder halten sich in der Sonne auf." Seine Augen waren bereits geschlossen, als er das leise sagte. Ob sie seinen Rat annahm oder nicht, war ihm egal. Weit würde sie nicht kommen, sollte sie versuchen zu fliehen. Entweder, weil das Seil an ihrem Handgelenk sie an ihn band oder weil sie sie schnell einholen würden. "Hoffentlich ist sie jetzt endlich still..." Hilal schlief zwar nicht ein, aber er döste vor sich hin.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Do, 16. Jun 2011 18:17


Seine Antworten waren ernüchternd und doch vermochten sie wohl nicht seine erwünschte Wirkung zeigen. Anstatt sich einschüchtern zu lassen oder gar zuzugeben, dass sie die Hoffnung eigentlich selbst beinahe aufgeben hatte, antwortete Noro patzig: „Wahrlich dumm sein Schicksal auf diese Art und Weise heraus zu fordern. Aber wieso solltet Ihr auch auf den Rat eines jungen Mädchens hören. Ich für meinen Teil weiß ja bereits, dass es früher oder später so kommen wird. Ich muss einfach nur warten. Ihr werdet schon noch sehen. Mein Vater wird kommen… Ganz gewiss sogar. Und sein Zorn wird unendlich groß sein.“ Sie presste die Lippen zusammen und beobachtete mit vor Zorn funkelnden Augen Hilal, der die Seinen bereits geschlossen hatte. Nachdem eine Weile Ruhe herrschte, erklang irgendwann ein monotones Schnarchen. Von welchem der Männer dies kam, konnte das junge Mädchen jedoch nicht ausmachen. Ihre Entführer wollten sich also ausruhen. „Hmm…“, machte sie leise und versuchte sich bequemer hinzulegen. Es war an diesem Ort viel zu heiß, als dass sie hätte einschlafen können. Prüfend, aber durchaus sehr sanft und vorsichtig, zog sie an dem Seil, dass ihre Fesseln mit dem Handgelenk Hilals verband. Wenn sie aufstehen würde, müsste er es also zwangsläufig mitbekommen. Er hielt sich wohl für besonders klug. Doch wieso dachte er, dass sie so dumm sei, einfach samt dem Seil zu fliehen? Dummer Narr, schimpfte sie ihn in Gedanken und begann lautlos ihre Hände hin und her zu rucken, sodass sich das Seil ganz, ganz langsam lockerte. Es würde gewiss einige Zeit dauern, doch irgendwann wäre es ausgeleiert genug und sie könnte ohne größere Probleme hinaus schlüpfen. Und dann? Wo sollte sie hin? Zurück durch die Wüste? Ganz allein? Zu Fuß jeden Falls war dies unmöglich. Mit einem Kamel jedoch… Sie drehte sich vorsichtig um und ließ den Blick zu den Tieren hinüber wandern. Noro’elle war noch nie allein auf einem Kamel geritten, doch so groß konnte doch er Unterschied zu einem Pferd nicht sein, oder?

D
ie Zeit strich langsam vor sich hin, doch ihre hartnäckige Arbeit sollte schon bald belohnt werden. Das Seil, das ihre beiden Handgelenke zusammen hielt, hatte sich ein gutes Stück gelockert. Währenddessen waren weitere Schnarchgeräusche erklungen, die nun im Duett mit den vorhergehenden um die Wette eiferten. Etwas genervt wanderte der Blick wieder zu Hilals Antlitz. Auch er hatte die Augen immer noch geschlossen, doch wie lange würde das anhalten? Sie hatte erlebt, zu welchen Taten dieser Mann fähig war und dachte an den Toten Stadtgardisten, den er kaltherzig erstochen hatte, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Was würde er ihr wohl antun, wenn sie versuchte sein Kamel zu klauen? Noro’elle schluckte schwer und spürte plötzlich einen dicken Kloß im Halse stecken. Vielleicht sollte sie ihre Grenzen erstmal austesten, so wie sie es bei Vater immer versucht hatte? Inzwischen hatte sich das Seil etwas weiter gelockert und das junge Mädchen startete den ersten Versuch ihre zierlichen Hände zu befreien. Zwecklos. Die Fesseln saßen immer noch zu fest. „Verdammter Mist!“, murmelte sie kaum hörbar und ließ enttäuscht die Hände sinken. Bis sie sich befreit hatte, war die Mittagsruhe mit Sicherheit längst vorüber und sobald die Männer wieder auf den Beinen waren, wäre ihr Plan sowieso zu Nichte gemacht. Sie sollte sich etwas anderes ausdenken. Nun… Wenn sie schon nicht zu ihrer geplanten Flucht kam, so wäre es vielleicht eine Möglichkeit sie zu schwächen, indem sie ihre Ruhezeit etwas verkürzte. „DA SIND SIE! PAPA, HIER BIN ICH!“, rief sie aus voller Kraft und so schrill, dass es sie beinahe selber in den Ohren schmerzte. Dann grinste sie schelmisch und wartete gespannt, was passierte.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Di, 21. Jun 2011 11:27

Die Ruhe tat ihm bitter not. Endlich konnte er die Augen schließen und ein wenig dösen, immerhin hatte er sich die ganze letzte Nacht um die Ohren geschlagen und dann auch noch die Verletzung. Aber er schlief nicht ein, auch wenn er längst nicht mehr alles um sich herum mitbekam. Es gab Instinkte, die wurde man einfach nicht los. Und als einer der anderen drei anfing zu schnarchen, konnte er eh nicht einschlafen. In Gedanken schüttelte er den Kopf. "Wie kann man nur in der Mittagszeit bei einer Rast einschlafen? Die sollten Wachen halten oder sowas. Wirklich nutzlos diese drei in der Wüste. Viel kann hier vielleicht nicht passieren, aber sie passen einfach nicht genug auf. Was wäre, wenn nun eine Schlange ins Lager gekrochen kommt und einen von uns beißt? Merkt doch keiner. Verdammt, um alles muss man sich selber kümmern." Wie lange er mit diesen Gedanken so dagelegen hatte, konnte er nicht einschätzen, vermutlich war er zwischendurch sogar selber kurz eingeschlafen, was dann ja besonders peinlich gewesen wäre. Stattdessen hörte er, wie das Mädchen ganz leise fluchte. Und dann plötzlich los schrie. Schnell setzte er sich auf. Ein Blick zur Seite und dann einer in die Wüste verrieten ihm schnell, dass das nicht mehr als eine Finte gewesen war. Bei seinen drei Begleitern breitete sich aber fast Panik aus. Hilal schüttelte nur den Kopf darüber und stand dann ganz ruhig auf. Sie hatte die Regeln gebrochen und wenn sie meinte, ungeschoren davon zu kommen, nun, dann hatte sie sich geschnitten. Nichts an seiner Haltung deutete darauf hin, was nun folgen würde. Mit ruhigen Bewegungen ging er näher zu ihr hin, beugte sich etwas nach vorne und dann landete plötzlich mit voller Wucht seine Hand auf ihrer Wange. Die Ohrfeige war so heftig, dass es sie zur Seite warf, aber das war ihm egal. Sie hatte keine Wunde davon getragen, nur den Schmerz. Und an den konnte sie sich gleich mal gewöhnen. Ohne mit der Wimper zu zucken fesselte er ihre Fußgelenke zusammen, fest, sodass sie die Fesseln mehr als spürte und dann ihre Handgelenke an den Fußfesseln. Dabei fiel ihm auf, wie locker diese schon saßen und er zog sie wieder ordentlich fest. Als letztes stopfte er ihr den sandigen Knebel zwischen die Zähne. Als er fertig war, blieb er kurz hocken und sah sie ruhig, fast gelangweilt an. "Vielleicht geb ich dir heute abend noch was zu trinken und zu essen, aber drauf wetten würd ich nicht." Dann stand er auf und wandte sich an seine Männer, die sich hektisch umblickten. "Kriegt euch wieder ein, ihr Feiglinge. Das war nicht mehr als eine Finte der Sklavin. Und ihr fallt darauf herein." In seiner Stimme schwangen Wut und Verachtung mit, die die drei sehr wohl heraushörten. Entsprechend feindselig wurden Nazirs und Faruks Blicke, Dscherid hingegen senkte fast betroffen den Kopf. Was Hilal wieder darin bestätigte, ihn Faramud zu empfehlen, während er die anderen beiden gerne rauswerfen konnte. Der Blick des Sklavenjägers glitt über Himmel und Wüste, er prüfte den Sonnenstand. "In einer halben Stunde brechen wir auf, dann ist die größte Hitze vorbei. Wir müssen immer noch Weg gutmachen." Kein Murren, aber auch keine Antwort. Still setzten die drei sich wieder in den Schatten und packte schon die ersten Sachen zusammen. Hilal setzte sich wieder nah der Sklavin hin und zog den Wasserschlauch zu sich hin, trank ein paar Schlucke, dann legte er ihn wieder beiseite. Danach lehnte er sich wieder zurück, behielt allerdings die Augen offen und sah in den strahlend blauen Himmel.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Do, 21. Jul 2011 15:57


Der Schmerz setzte noch ein, bevor Noro überhaupt verstanden hatte, was passierte. Mit aller Wucht hatte sie seine Ohrfeige auf der Wange getroffen und sie zur Seite geschleudert. Ein deutlich erkennbarer, roter Abdruck bildete sich darauf hin auf ihrer gebräunten Haut. Es dauerte einige Augenblicke, ehe sich das junge Mädchen wieder aufrappeln konnte. Mit düsteren Blicken musterte sie Hilal dabei, wie er ihre Fesseln erneuerte. Aus der Traum von einer perfekten Flucht. Tränen der Wut sammelten sich in ihren Augenwinkeln, ihr Blick wurde für kurze Zeit glasig. Es fehlte nicht mehr viel, doch diesmal konnte sie es gerade noch unterdrücken los zu weinen. Sie schluckte ein Schluchzen runter und versuchte sich, soweit wie möglich wieder aufzurichten. Der erneute Knebel gab der Schwarzhaarigen den Rest. Hilflos. Nicht mal in der Lage sich bemerkbar zu machen, geschweige denn, sich zu wehren, beobachtete sie das weitere Geschehen und lauschte den Gesprächen. Sie würden bald wieder aufbrechen. Auch die anderen Männer hatten sich inzwischen wieder beruhigt, doch die Blicke die sie ihr zu warfen, schienen noch finsterer als zuvor. Hoffentlich bildete sie sich dies alles nur ein. Hilal würde nicht zu lassen, dass sie ihr etwas antaten. Oder würde er doch? Immerhin hatte auch er sie geschlagen. Ihre Wange brannte immer noch. Schmerzen. Sie, als Tochter eines wohlhabenden Mannes, kannte weder Schmerz noch ernsthaftes Leid. Wie konnte er nur. Wie konnte er ohne mit der Wimper zu zucken ein wehrloses Mädchen schlagen? Wahrscheinlich genau so, wie er eiskalt den Stadtgardisten erdolcht hatte. Er war ein Biest, ein schreckliches Ungeheuer, dass sie nicht unterschätzen sollte. Ihre braunen, stechenden Augen beobachteten ihn beim Trinken. Wollte er sie damit foltern? Sie drehte den Kopf beiseite und blickte in die flirrende Wüste hinaus, dort hin, wo leuchtender Sand auf den strahlend blauen Himmel traf. Sie kniff die Augen zusammen, denn der Anblick brannte fürchterlich. Doch alles war ihr lieber als diesen widerlichen Hilal anzusehen.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Sa, 23. Jul 2011 17:37

Die kleine Sklavin war ziemlich zäh, das musste er ihr lassen. Er meinte zwar, die Tränen in den Augenwinkeln schimmern gesehen zu haben, aber noch flossen sie nicht. Eine Kämpferin also. Das bedeutete für ihn, dass er noch mehr Acht geben musste als sonst. Andere Mädchen ergaben sich in ihr Schicksal, mit denen war es einfach und die bekamen auch die größten Freiheiten, aber die Kleine hier schien zu den Zäheren zu gehören, das bedeutete, er musste sie genau im Auge behalten und konnte ihr keinerlei Vergünstigungen zukommen lassen. Und er musste das tun, was er sonst tunlichst vermied, weil er es hasste. Er musste ihren Willen brechen. Zumindest so weit, dass sie ihnen keinen Ärger mehr machte. Wenn sie dann später im Hause Faramuds gezüchtigt werden musste, nun, das fiel nicht mehr in seine Zuständigkeit. Dafür hatten dann andere zu sorgen. Hilal konnte fast regelrecht spüren, wie es ein kleines bißchen kühler wurde. Viele mochten das für Unsinn halten, aber er hatte es als Sohn der Wüste im Gefühl, wann die größte Hitze zu Ende war und war nicht darauf angewiesen, den Sonnenstand zu prüfen. Langsam setzte er sich auf und bewegte den Kopf vorsichtig. Die Schulter schmerzte und ihm war immer noch leicht schwummrig, von den langsam aufkeimenden Kopfschmerzen mal ganz zu schweigen. Und sie mussten heute noch einen ganz Teil Weg hinter sich bringen. Normalerweise störten sich die Wüstenbewohner nicht so sehr an dem Faktor Zeit, aber ihnen saß sie jetzt im Nacken. Hilal warf einen Blick zu Dscherid und nickte ihm zu, es war Zeit. Dieser trieb Faruk und Nazir an, damit sie das Sonnensegel einholten und die Kamele beluden. Es dauerte einen Moment ehe Hilal selber auf die Beine kam. Das war kein gutes Zeichen. Vorsichtig tastete er über die Wunde. Sie fühlte sich geschwollen an, etwas, was ihm gar nicht gefiel. Eine entzündete Wunde war wirklich das letzte auf seiner Liste, was er jetzt gebrauchen konnte. Nichtsdestotrotz packte er die kleine Sklavin und zerrte sie halb über den Sand zu seinem Kamel. Normalerweise, hätte sie sich gut benommen, dann hätte sie jetzt laufen können, ohne Knebel, nur die Hände zusammen gebunden und er hätte sie vielleicht auf das Lastenkamel gesetzt, aber damit brauchte dieser kleine Teufelsbraten nicht zu rechnen. Sie würde den restlichen Tag auf genau die selbe Weise reisen, wie den Vormittag auch. Verschnürt und geknebelt an seinem Sattel. Es dauerte einen Moment, ehe er sie festgebunden hatte. Ohne sie weiter zu beachten sah er zu den drei Männern. Dscherid trieb die beiden anderen ein wenig an, das schadete nicht, absolut nicht. Die schienen nämlich den Aufstand proben zu wollen und beschwerten sich, dass es jetzt schon weiter ging. Hilal schnaubte verächtlich. Wenn er gekonnt hätte, er hätte die beiden weggejagt, aber endlich waren sie fertig. Dscherid kam zu ihm, sprach ihn leise an. "Nimm es mir bitte nicht übel, Hilal, aber ich glaube, mit den beiden wird es noch Ärger geben, wenn du sie weiter so behandelst. Sie sind älter als du und pochen auch darauf." Er warf ihnen aus dem Augenwinkel einen Blick zu. "Außerdem haben sie keinerlei Verständnis dafür, dass die Sklavin für sie tabu sein soll." Hilal sah den anderen jungen Mann ruhig an, dann blickte er zu Nazir und Faruk, ehe er antwortete. "So wie sie sich aufführen, haben sie keine andere Behandlung verdient. In der Wüste kenne ich mich aus, nicht sie. Außerdem ist das nicht meine Anordnung, sondern die von Faramud. Seine Sklaven werden nicht berührt und das werde ich durchsetzen. Sollten sie es versuchen, werde ich sie töten." Völlig emotionslos sprach er mit Dscherid darüber. Im Grunde hätte er sich der Beiden am liebsten jetzt schon entledigt, aber das würde nur etwaige Verfolger auf ihre Spur lenken. Er zeigte mit dem Kopf auf Dscherids Kamel. "Sitz auf, wir werden bis zur Dämmerung reiten und dann erst das Lager aufschlagen. Wir sind schon viel zu lange fort." Ganz zufrieden schien Dscherid mit Hilals Ausführung nicht zu sein, aber er nickte und saß dann selber auf. Bevor Hilal als letzter aufschloss, prüfte er noch einmal den Sitz der Seile, dann flüsterte er der jungen Sklavin zu. "Ich weiß, dass du mitgehört hast. Mein Herr wünscht dich unberührt, also werde ich dich ihm unberührt bringen. Das zählt allerdings nicht für blaue Flecke oder sowas. Also glaub nicht, dass du damit aus allem raus bist." Nach diesen etwas mahnenden Worten saß er auf und weiter ging die Reise, unter der sengenden Sonne der Wüste, durch den schier endlosen Sand, in Richtung Küste. Zumindest bis zur Abenddämmerung. Die Reise an sich würde noch mehrere Tage in Anspruch nehmen.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » So, 16. Okt 2011 19:49


Still schweigend und reglos wie ein nasser Sack Mehl, ließ Noro’elle sich wieder auf das Tier verfrachten. Sie hatte einmal gehört, dass es in diesem Zustand, also wenn man keinerlei Muskeln im Körper anspannte, am schwersten sei, jemanden zu heben oder gar zu tragen. Sie hatte sich geschworen diesen Kerlen das Leben so schwer wie möglich zu machen und auch wenn es momentan nur kleine Dinge waren, so würde sie diese Stur in die Tat umsetzen. Der brennende Schmerz auf ihrer Wange hatte schon längst nachgelassen, die Erniedrigung, die sie dadurch jedoch erfuhr, würde sie niemals vergessen können. Sie würde ihre Rache früher und später bekommen, dieser Kerl konnte nicht immer so achtsam sein. Sie hatte noch reichlich Zeit, bis sie ihr Ziel erreichen sollten. Die Worte, welche Hilal ihr zuflüsterte ignorierte sie. Zumindest versuchte sie einen unbeeindruckten Eindruck zu erwecken. Innerlich jedoch machte sich das junge Mädchen natürlich Gedanken über das Gesagte. Immerhin, würde er darauf achten, dass sie die anderen Männer nicht schänden würden. Aber was war, wenn sie das Ziel ihrer Reise erst erreichten? Wieso sollte ihr neuer „Herr“ sie unberührt haben? Ein schwerer Kloß bildete sich in ihrer Kehle, als sie sich die schrecklichsten Gründe dafür erdachte. Wackelnd setzte sie sich wieder in Bewegung, die Seile rieben unangenehm auf ihrer Haut und die sengende Sonne, möge sie nun auch langsam wieder sinken heizte ihr mehr als ein. Eine Zeit lang beobachtete die junge Sklavin noch die vorüber ziehenden Felsen, die sie in der Ferne erkannte. Doch als sie erkannte, dass es ansonsten nicht viel zu sehen gab, schloss sie die Augen. In ihrem Kopf pochte es unangenehm, weil das Blut durch ihre hängende Position direkt in ihren Kopf zu laufen schien. Kopfschmerzen der fiesesten Art plagten sie den Rest des Rittes und auch ihre Füße wurden langsam taub und kribbelten, so als seien sie nach langem Liegen eingeschlafen. Immer mal wieder hatte sie durch Zappeln versucht sich in eine bequemere Position zu bringen, hatte es jedoch bis jetzt noch nicht geschafft. Sie musste wohl warten, bis sie ein erneutes Lager errichteten, wenn sie bis dorthin nicht längst verdurstet war. Der Fade Geschmack des Strickes trocknete ihre Zunge aus, der Sand tat den Rest dazu. Sie würde elendig zu Grunde gehen. Sie hatte mal einen Händler hören sagen, dass verdursten der schlimmste Tod sei, noch schlimmer als ertrinken oder verbrennen. Ganz einfach weil es der langsamste Tod war, den man im vollen Bewusstsein erleben konnte. So wollte sie nicht. Nein, so durfte sie nicht enden. „Hmmm…“, keuchte sie schwächelnd und versuchte einen Blick Hilals einzufangen.

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Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Do, 20. Okt 2011 17:33

Die kleine Sklavin reagierte nicht auf seine Worte, gut, das sollte ihm egal sein. Gehört hatte sie ihn, da war er sich sicher. Immerhin sprachen sie die selber Sprache. Die folgenden Stunden zerrten gewaltig an Hilals Ausdauer. Immer noch hatte er Schmerzen, auch wenn der wiegende Gang seines Kamels diese nicht verstärkte, abschwächende Wirkung hatte er auch nicht. Hinzu kam die Erschöpfung, in der letzten Nacht kein Auge zugemacht zu haben und dann der Umstand, dass eine Reise durch die Wüste einfach eine anstrengende Angelegenheit war. Die ganze Zeit über behielt er entweder seine Begleiter im Auge oder sah sich um, ob ihnen Verfolger auf den Fersen waren. Im Grunde war die Abriegelung der Stadt das Beste, was ihnen passieren konnte. Die waren so sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, dass sie sich für ein entführtes Mädchen nicht so sehr interessieren wie sonst. Mit der Zeit fiel es ihm immer schwerer, seiner Umgebung die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Sein Atem ging etwas schwerer als sonst und häufig schloss er für einen Moment die Augen, nur um dann erschrocken wieder aufzumerken, weil er beinahe beim Reiten eingeschlafen war. Ganz langsam sank die Sonne tiefer, aber noch gab er das Zeichen für die Rast nicht. Wenn ihn seine Erinnerung nicht ganz trog, dann war hier in der Nähe eine Oase und die wollte er noch erreichen. Zu klein und zu abseits für eine Karawane, aber für eine kleine Gruppe wie sie mehr als ausreichend. Immerhin hatten sie noch Vorräte. Als die kleine Sklavin zappelte und versuchte, ihn auf sich aufmerksam zu machen, sah er sie müde an. Die Hitze machte ihr wohl gewaltig zu schaffen, also streckte er eine Hand aus und legte sie an ihren Hals. Ihr Herz pochte ziemlich schnell und ihre Haut brannte regelrecht. Unter seinem Mundtuch schürzte er die Lippen und befestigte dann den Zügel am Sattelknauf, damit er beide Hände frei hatte. Kurzerhand löste er die Seile, die sie an den Sattel banden und hob sie hoch, sodass sie vor ihm zu sitzen kam. Ganz löste er die Seile nicht, aber so hatte sie nun mehr Bewegungsfreiheit als vorher und der Wind konnte wieder unter die Kleidung dringen. Dann nahm er ihr den Knebel aus dem Mund und stopfte ihn achtlos hinter seinen Gürtel, während er mit der anderen Hand schon den Wasserschlauch löste und ihn ihr dann in die Hände drückte. Diese waren zwar noch gefesselt, aber den Verschluss öffnen und sich diesen dann an die Lippen setzen, das sollte sie trotz der Fesseln noch hinbekommen. Hilal war einfach zu müde, um auch nur eine dieser Sachen für sie zu tun und außerdem waren sie hier mitten in der Wüste, wohin sollte sie schon fliehen können? Außerdem war er ihr Schutzschild gegen die beiden anderen Sklavenjäger, die sich nur zu gerne mit ihr vergnügt hätten. Den Zügel ließ er um den Sattelknauf gebunden, sein Kamel folgte von selbst den anderen Tieren und diese hatten schon den richtigen Weg eingeschlagen. Gen Oase. Wenn es nach Hilal ging, dann konnte die Kleine ruhig dort sitzen bleiben, wo sie saß. Solange sie sich benahm, natürlich vorausgesetzt.

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