Maskenball - der Tanzsaal

Drachenblut lädt zum Maskenball am 15. März 2008! Jeder ist willkommen und eingeladen, einen Ausflug nach Alvarania zu unternehmen.
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Shandira
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Lyëssa Charynal

Beitrag von Shandira » Mo, 07. Apr 2008 11:12

Lyëssas Stirn legte sich in Falten als sie Asterion so mit dem Mädchen reden hörte. Denn seine Worte klangen mehr nach einer Drohung, und sie bezweifelte nicht, dass sie durchaus auch so gemeint waren. Das gefiel ihr überhaupt nicht, war sie doch jemand, der einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit besaß. Zudem zählte für sie nichts mehr als Freundlichkeit, auch wenn das Mädchen ebenfalls nicht gerade viel davon zu besitzen schien. Sie blaffte den Herren mit dem goldenen Kostüm an, was Lyëssa kurz und schwach schmunzeln ließ. Sie war beeindruckt von dem Mut des Mädchens, das sich, umringt von Erwachsenen, die mit ihren Masken wohl nicht unbedingt freundlicher wirkten, gegen einen Mann stellte, in dem sie ihn so vor versammelter Mannschaft vor den Kopf stieß.
Dennoch blieben Lyëssa Asterions eigentliche Absichten verborgen. Einerseits wollte er das Mädchen dingfest machen, andererseits versuchte er, die anderen Anwesenden von dem Geschehen abzulenken, anstatt die Wachen des Hauses darauf aufmerksam zu machen.
Kurz nach ihm schaltete sich noch ein weiterer Mann ein. Der Blick der Elfe huschte zu ihm hinüber und sie sah einen Mann in roten und schwarzen Gewändern gehüllt. Eine Maske in selbigen Farbe vollendete das Bild. Sie musste sofort an einen Narren denken und musste zugeben, dass er gewisse Qualitäten von ihm beherrschte. Zum Beispiel die Ablenkungsmanöver und Redegewandtheit, die sich darin äußerten, dass er auf den Baron und seine Gattin trinken wollte.
Tatsächlich folgten fast alle seinem Beispiel und hoben ihre Gläser auf einen Toast. Davon abgesehen, dass sie im Moment keinen Wein zur Hand und sein Manöver durchschaut hatte, wurde sie viel zu schnell wieder von etwas anderem abgelenkt. Denn im nächsten Moment sah sie jemanden an sich vorbei flitzen. Bevor sie reagieren konnte war das Mädchen schon entwischt... und damit alle Ablenkung umsonst. Verstohlen sah die Magierin zu dem Narren hinüber und erst jetzt wurde ihr klar, dass er es eben so geplant hatte. Ganz schön gerissen schien er zu sein, und gerecht, überlegte sie im Stillen.

Sie sah dem fliehenden Mädchen hinter her, das sich ihren Weg durch die vielen Anwesenden suchte, denn in den letzten Minuten war es wirklich voll hier geworden. Sie machte keine Anstalten, dem Mädchen zu folgen, denn lächerlich wollte sie sich keineswegs machen. Sie sah ihr nur hinterher, gespannt ob sie es schaffen würde. Auch wenn sie sonst die Gesetze der Städte strikt befolgte, wünschte sie sich dieses Kind nicht gerade gerne auf dem kalten Boden im dreckigen Kerker zu sehen. Scheinbar ganz im Gegensatz zu dem goldkostümierten Mann, der jetzt auf sie zu trat.
"Vielleicht solltet Ihr die Sache den Männern des Hauses überlassen", platzte es dann ungewollt aus ihr heraus, während sie den Mann vor sich mit leicht zusammengekniffenen Augen musterte.
Dann fiel ihr erst auf, was sie gesagt hatte. Sie räusperte sich kurz, straffte ihre Haltung und ihre Stimme klang wieder so lieblich wie zuvor, als sie sich im Stillen dazu ermahnte, höflich wie gewohnt zu sein. Auch wenn es ihr bei diesem Herren nicht so leicht wie sonst von den Lippen ging: "Mein Name ist Lyëssa Charynal, es freut mich, Eure Bekanntschaft zu machen, Asterion Delrynn aus Andiriendar", sprach sie im höflichem Tonfall die üblichen Begrüßungsfloskeln, ohne dass es dabei wie einstudiert klang, was es im Prinzip war. Sie prägte sich seinen Namen ein, schließlich war es wichtig, überall Kontakte zu haben und Leute zu kennen, die irgendwann einmal nützlich sein könnten, um einen weiter zu bringen. Nicht zuletzt ein Grund dafür, wieso sie immer freundlich und höflich blieb – abgesehen von dem kleinen Fehler eben.

Jetzt erst fiel ihr die blauhäutige Frau auf, die Asterion ebenfalls angesprochen hatte. Sie war froh, dass sie eine Maske trug, denn so brauchte sie sich nicht darum zu bemühen, ihr Erstaunen zu verbergen. Eine Lyr! Es war unverkennbar, Lyëssa erkannte sie sofort als eine. Sie hatte schon so viel über diese Wesen gehört und wäre am Liebsten schon öfter einfach nach Rômachar gereist, um den Gerüchten auf die Spur zu gehen. Sie kannte etliche Geschichten, die sich um diese Wasserwesen rankten. Wasser, ihr Spezialgebiet.
Ihre überraschte Miene wandelte sich schnell in ein ehrlich gemeintes Lächeln. Sie hätte sie am Liebsten gefragt, was so jemand wie sie hier zu tun hatte, wie sie hier her kam. Am Liebsten hätte sie sie zur Seite genommen und ausgequetscht. In ihrer Euphorie gelang es ihr jedoch kaum, ein Wort über die Lippen zu bekommen. "Ich.. oh.. guten Abend." Obwohl sie sich bemühte, war nicht zu überhören, welche Gefühle der Anblick der Lyr in ihr auslöste. Sie war nicht einmal mehr wirklich fähig, auf Asterions Fragen einzugehen, geschweige denn den Fluchtversuch des Mädchens weiterhin zu verfolgen.
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Unvorhersehbares
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Beitrag von Unvorhersehbares » Di, 08. Apr 2008 18:47

Éira versetzte die Gäste in helle Aufruhr. Während einige noch vom Wein tranken, den sie auf den Baron und seine Gattin gehoben hatten, wirbelten andere schon herum. Entweder, um das Mädchen zu fassen, weil sie ihr auswichen oder weil sie von ihr weg gestoßen wurden.
Gerade krabbelte Éira die Treppe der Empore hinauf und just in diesem Moment erblickte sie oben auf dem Treppenabsatz zwei paar Schuhe. Feine, kunstvoll bestückte Schuhe, Schuhe von Edelleuten. Die Schuhe von Baron Gloreon Muratore und der Baronesse Dona'era.
Nein, es war keineswegs ein Zufall, dass sie gerade jetzt erschienen. Es war das Nächstliegendste überhaupt, war die Lautstärke in dem Saal doch urplötzlich gestiegen. Außerdem hatten die Diener ihre Augen und Ohren überall und erzählten dem Paar nicht nur von dem Toast, den einer der Gäste auf sie ausgesprochen hatte, sondern vor allem auch von der Aufregung, die plötzlich herrschte. Den Grund dafür hatten sie nicht schneller genug von sich geben können. Eigentlich war das Erscheinen der beiden Herrschaften später geplant. Aber sie konnten ja den Maskenball schlecht aus den Fugen laufen lassen.

Gloreon nahm seine Maske beiseite und schaute mit starrer Miene zu dem Mädchen hinab, das vor ihnen auf der Treppe saß... oder was auch immer es da tat. Zuerst war seine Miene überrascht und grimmig, dann fasste er sich, wenn es ihn auch alle Mühe kostete. Seine Diener hatten ihn ja schon vor gewarnt, was im Saal auf sie wartete... aber das.. es war.. dem Baron fiel nur der Begriff arm ein. Im selben Moment fragte er sich, wie so ein Kind hier herein gelangen konnte. Nicht, dass er etwas gegen Kinder hatte, aber Eltern, die Geld besaßen, sollten sie schon haben. Oder immerhin überhaupt welche. Bei Éiras Anblick bezweifelte er, dass sie überhaupt eins von beiden besaß.
Dona'era bemerkte durchaus die Anspannung, die ihr Gatte verspürte. Seine steife Haltung, der gerade Hals und letztendlich seine nichts sagende Miene, die Vorläufer für weniger schöne Worte war, waren genug Hinweise für die Baronesse. Beschwichtigend legte sie ihre Hand auf seinen Unterarm. Durch die Maske erkannte man zwar nicht ihr gesamtes Gesicht, wodurch es schwerer zu deuten war, wie sie über diesen sonderbaren Zwischenfall dachte, allerdings zeichnete sich auf ihren Lippen ein ganz leichtes Lächeln ab. Ihre Augen funkelten in einer Mischung aus Amüsement und Überraschung.

Die, die das Baronenpaar auf der Treppe entdeckten, verstummten schlagartig, was die Übrigen ebenfalls dazu veranlasste, ihre Aufmerksamkeit auf die Gastgeber zu lenken. Gloreon knurrte leise vor sich hin. Nur Éira verstand es, er fragte sich nur, wie dieses Mädchen hier her kam. Laut ergriff jedoch Dona'era das Wort:
"Werte Gäste! Es freut uns sehr und ehrt uns, dass Ihr an diesem wundervollen Abend den Weg hier her gewählt habt, um uns heute mit Eurer Anwesenheit zu erfreuen. Wie wir hörten vergnügt Ihr euch schon auf Eure ganz eigene Weise." Sie schmunzelte etwas und nahm mit ihrer beruhigenden Stimme vielen der Gäste die innerliche Anspannung. "Ich denke, wir sollten der Stimmung keinen Abbruch tun." Wirkte es bisher so, als würde sie Éira einfach so übergehen, ging sie jetzt darauf ein. Mit einem Nicken bedeutete Gloreon schon vor den Worten seiner Gattin den zwei herbei geeilten Wachen, die am Ende der Treppe standen, hinauf zu kommen und das Mädchen in Schacht zu halten.
"Allerdings stellt sich mir die Frage, ob es jemanden gibt, der verantwortlich für die kleine Dame hier ist?"
Einige verzogen unter den Masken ihr Gesicht, als die, von vielen für eine zu gütige Frau eingeschätzt, das Kind von der Straße Dame nannte. Das passte für den Großteil der Anwesenden nicht in ihre Vorstellung, was eine Dame betraf.
Auf Anhieb meldete sich niemand zu Wort. "Nun gut, schert Euch nicht weiter darum und vergnügt Euch weiter." Etwas anders als gedacht und im Vornherein geplant, beendete sie die Begrüßung der Gäste.
Gemeinsam mit dem Baron schritt sie dann Seite an Seite die Treppe hinunter, noch immer wartete sie, ob sich jemand für das Mädchen einsetzen würde. "Du hast dir ja ein wirklich hübsches Kostüm ausgedacht", meinte sie zu Éira und grinste nun vergnügt. Kurz glitt ihr Blick zu der Menge, von der sich der größte Teil wieder ihren Gesprächen zu wandte oder tanzte, jetzt, wo die Musikanten wieder in ihre Lieder einstimmten.

(Hier könnt ihr noch mal die Reihenfolge nachlesen. Also ist jetzt dran: Irea, Keaira, usw. Ich schalte mich dann ein, sobald es nötig ist ;)

Irea
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Arrdes

Beitrag von Irea » Mi, 09. Apr 2008 14:44

Die Hauptbewegung im Saal war ganz klar in der Nähe des Büfetts auszumachen. Dort sammelte sich eine Traube Menschen um ein Kind, wie Arrdes zwischen den Körpern erkennen konnte. Großer Skandal, ein armes Kind unter so wohlhabender Gesellschaft! Darüber konnte Arrdes nur verächtlich die Lippen verziehen und ebenso schnaufen. Im Gegensatz zu den meisten Maskierten, interessierte es sie nicht, was das Gör dort anstellte. Es hätte auch den Büfetttisch umwerfen können, davon würde sich Arrdes sowieso nicht bedienen. Was kurz ihren Blick fesselte, waren die neu eintreffenden Gäste. Die grau-blaue Hautfarbe war charakteristisch, ebenso waren alle Zughörigen der kleinen Gruppe ausgesprochen groß, im Durchschnitt. Es fand sich auch eine kleinere Gestalt unter ihnen, aber damit schien sie eher der Regelfall zu sein. Es waren unverkennbar Lyr, ein seltener Anblick. Selbst Arrdes hatte sie erst selten gesehen. Wie ihr Blut wohl schmeckt? Wahrscheinlich erfrischend und etwas salzig. Zumindest war das der imaginäre Geschmack, den sie sich auf ihrer Zunge vorstellte.
Kurz darauf erhob jemand lautstark das Wort und dankte dem Baron soundso und der Baroness soundso. Sie merkte sich schlecht Namen, denn sie interessierten sie auch nicht. Was waren schon Namen? Der applaudierenden Menge schloss sie sich natürlich auch nicht an, sondern bemerkte nur, wie sich das Gör losriss und eine Flucht startete. Weiter als bis zur Treppe kam sie auch schon nicht mehr, da legte sie sich der Länge nach hin. Schade... sie hätte von mir aus gerne noch mehr Unfug anstellen können. Chaos ist doch nicht selten der Weg zum Ziel.

Endlich wurde die Willkommensrede gehalten. Arrdes' Blick wanderte zu der Sprecherin. Das war also die Baronesse, auch ganz gut zu wissen, auch wenn es sie eigentlich nicht interessierte. Aber Wissen schadete bekanntlich nicht, so auch dieses nicht. Mit langsamen Schritten glitt Arrdes nun doch Richtung Büfett, aber nur, um sich von der 'Dekoration' -in diesem Fall Weintrauben- zu bedienen. Die Frucht wurde an den Flughund weitergereicht, der sie mit einem leisen Quiecken glücklich mit den klauenähnlichen Flügelenden entgegen nahm wurde und zwischen die spitzen Zähne schob. Schmatzend war wenigstens dieser zufrieden.
Arrdes aber nicht.
In all dem Gewühl fiel es ihr schwer jemanden auszumachen, an den sie sich 'vergreifen' konnte. Abgesehen davon verschleierten die Masken doch so viel von den Gesichtern, sodass man das Alter der Personen schlecht einschätzen konnte. Und das Alter war doch wichtig, denn es bestimmte neben vielen anderen Dingen, maßgeblich den Geschmack des Blutes. Ihr Blick fiel auf eine Gestalt, dessen ganzes Gesicht hinter einer lächelnden Maske versteckt war (Jaqueylé Ramondes). Das Kostum war in schwarzen und roten Farben gehalten und fiel mit den Glöckchen und spitzen Kragen in der Menge ziemlich auf. Arrdes stellte das nur wenig benutzte Glas nun achtlos auf den Büfetttisch und ging auf die soeben ausgemachte Person zu.
Im Gegensatz zu diesem war ihre Maske ja fast schon freizügig, da sie ja nur auf die Haut gemalt war und somit all ihre Züge erkennen ließ. Und diese sprachen gerade einfach nur von Interesse mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
"Wo erhält man denn solch ausgefallene Kostüme, mein Herr?" Ihre Stimme klang nunmehr lieblich und der kalte Hauch, der sonst immer mitschwang, blieb aus.

Keaira
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Beitrag von Keaira » Mi, 09. Apr 2008 17:10

Während sie am Buffet stand und sich ein paar Schlücke von dem Wasser genehmigte gelang es ihr auch einen Blick auf den vermeindlichen Küchenjungen zu werfen. Er oder vielmehr, wie sie schon bald bemerkte, sie, passte irgendwie so gar nicht zu den anderen Menschen hier. Obwohl ihr Aussehen, mit dem großen Hut, durchaus als Kostüm durchgehen könnte, so war es doch zu düster, dreckig und zu frech, als dass irgendein Blaublüter den Mut gehabt hätte, sich so zu kleiden - oder es einem seiner Kinder gestatten würde. Wobei sie beim zweiten Punkt angekommen wäre, der gegen die Behauptung, es handle sich um einen Küchenjungen, spricht. Obwohl sich Kaerzaa gerade noch einmal kurz umgesehen hat, konnte sie doch keine weiteren Kinder erkennen - zumindestens keine, die verkleidet waren. Aber das muss ja icht bedeuten, dass keine der Adligen ihren Nachwuchs mitgebracht haben. Immerhin konnte die Lyr nur den kleinsten Teil der Gäste von ihrer derzeitigen Position sehen. Da sollte sie weder das eine, noch das andere ausschließen.

Erst der Gast mit der grinsenden Maske und dem doch recht auffallendem Kostüm zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. Es war ein komischer Zeitpunkt eine solche Ansprache zu halten. Auch wenn sie nicht gesehen hatte wann er hier aufgetaucht war, so glaubte sie doch trotzdem nicht, dass er schon sehr lange hier verweilte - was sie im Übrigen von keinem der Anwesenden glaubte. Abgesehen natürlich von den Gastgebern und ihren Untergebenen. War es da nicht ein wenig verfrüht die Gläser schon zum Wohl der Veranstalter zu erheben? Aber anderer seits.. Adlige eben. Heras hatte sie ja schon vorgewarnt und ein bisschen erzählt, dass man diese Sorte Mensch für nicht allzu voll nehmen durfte. Auch wenn sie seine Meinung nicht ganz teilte, hatte sie seine Argumente doch schon nachvollziehen können. Aus genau diesem Grund hob sie auch nicht ihr Glas, sondern hielt es in beiden Händen vor ihrem Körper.
Dadurch allerdings war es ihr möglich, dem Mädchen wieder etwas mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Jedenfalls für den kurzen Moment, den es noch hier am Buffet-Tisch verweilte. Denn kurz nachdem die Gläser erhoben wurden riss sie sich los und entkam den Händen des Leibwächters indem sie in die Menge floh. Dass es dabei seinen Hut verlor schien das Mädchen nichteinmal wirklich zu bemerken. Verständlich. An ihrer Stelle hätte Kaerzaa wohl auch keinen Gedanken daran verschwendet, zumindestens wenn es nur ein ganz normales Kleidungsstück gewesen war.

Nachdem dann auch noch der Leibwächter des Goldenen die Verfolgung aufnahm entschied die Lyr, dass dies hier wohl kein normaler Maskenball war. Laut Heras war so einer nämlich weitaus langweiliger und voller adligem Unfug. Davon, so behauptete er, zeugte ja allein schon die schwachsinnige Idee sich zu maskieren, wenn man doch sowieso im Vorfeld versuchte herauszufinden, was die anderen tragen würden.
Zumindestens mit ersterem hatte er sich jedenfalls geirrt - der Lyr war hier nicht langweilig. Im Gegenteil. Neben den ganze interessanten Kostümen, Masken und Speisen, sorgten auch Éira und Asterion für so viel Abwechslung, dass die Lyr sich stellenweise sogar schon entscheiden musste, worauf sie sich nun konzentrieren wollte. Diesmal entschied sie sich für den golden gekleideten Adligen, obwohl Éiras Flucht natürlich auch eine gute Entscheidung gewesen wäre. Nur wurde sie halt angesprochen, jedenfalls hatte sie den Eindruck als sie zu Asterion sah und bemerkte, wie er auch kurz zu ihr gesehen hatte. Zu ihr, wie auch der anderen Frau, welche Kaerzaa nun erst wirklich wahrnahm. So bot sich ihr auch die Gelegenheit deren Kostümierung genauer in Augenschein zu nehmen, denn sie kam ihr ja auch mit der Antwort zuvor.

Was sie sah, gefiel ihr. Auch wenn sie es doch als etwas zu aufwendig empfand, was sie aber nicht als Minus anrechnete, so gefiel ihr die gewählte Farbe doch umso mehr. Verschiedene Blautöne, gepaart mit vielen weißen Stellen. Außerdem war nichts von ihrer Haut zu erkennen, was den größten Pluspunkt für das Kostüm darstellte. Sie selbst zeigte zwar auch relativ viel, allerdings hatte sie sich ursprünglich unter einem Kostüm für einen Maskenball genau so etwas vorstellt, wie es die Magierin nun trug. Es machte neugierig auf mehr. Vor allem aber war es nur schwer möglich irgendwelche Schlüsse zur Person zu ziehen, auch wenn das niemals ganz unmöglich sein würde. Aber selbst durch Narben entstellte Menschen konnten so frei sein und hoffen, dass sich jemand für etwas anderes als ihr Äußeres interessiert. Das war es doch, was einen Maskenball ausmachte, jedenfalls in den Augen der Lyr. Nur schade, dass sie mit dieser Auffassung anscheinend alleine war. Sowohl der Goldene, als auch Lyëssa Charynal nannten beide ihre vollen Name. Der Goldene war sogar ein Baron! Wollte er ihnen beiden damit imponieren? Zumindestens bei Lyëssa Charyna schien es nicht gewirkt zu haben, wie Kaerzaa mit einem kurzen Schmunzeln feststellen musste. Zuerst blaffte sie ihn so an, aber dann ließ sie bei der Antwort auf seine Frage auch noch den Titel vor seinem Namen weg! Galt das nicht als sehr unhöflich? So zumindestens hatte man es ihr vor längerer Zeit einmal gesagt.
"Jemand der einen Titel hat ist stolz darauf. Verwende ihn deshalb möglichst oft!" Ja, sie erinnerte sich. Schon mutig von Lyëssa den Baron so herauszufordern!

Das sie hinterher allerdings so zu der Lyr hinüber sah gefiel dieser gar nicht. Auch ohne das Gesicht sehen zu müssen glaubte sie zu erkennen was ihr Gegenüber gerade dachte. Ihre Worte machten es auch nochmal deutlich. Sie wirkte.. aufgeregt und daher unsicher. Ganz anders als noch einen Augenblick zuvor, als sie Asterion angesprochen hatte. Deshalb und um den Baron nicht warten zu lassen, antwortete sie noch schnell darauf.
"Guten Abend." Das war ihre Antwort die sie der Magierin zusammen mit einem zaghaften Lächeln schenkte, bevor ihr Blick zu dem Baron fiel. Erst dann bemerkte sie, dass es vermutlich auch unhoflich war, ihm, der als erstes gesprochen hatte, als letztes zu antworten.
Fast als Entschuldigung konnte man dann ihr Verhalten gegenüber dem Baron verstehen. Neben den Worten schenkte sie ihm noch einen, wenn auch nur kurzen und mehr angedeuteten, Knicks. "Euch natrlich auch, Baron Asterion Delrynn aus Andiriendar." Spätestens jetzt dürften sowohl Asterion, als auch Lyëssa noch einen weiteren Unterschied zwischen den Lyr und den Menschen festgestellt haben. Ebenso wie vorhin die Wachen am Eingangstor.
Ihre Stimme war merklich weicher als die der Menschen und die Worte folgten schnell aufeinander. Trotzdem klang sie nicht gehetzt oder aufgeregt, sondern beherrscht und um Freundlichkeit bemüht. Was ihr nicht sonderlich schwer fiel, denn während Lyëssa das Verhalten des Barons gegenüber Éira vielleicht missbilligte, akzeptierte Kaerzaa es, da es zu einem Baron passte. Ansonsten war er außerdem ja ziemlich freundlich!
"Ich bin Kaerzaa und im Gefolge des Heras Jouhin und seiner Gemahlin hierher gereist. Wir kommen ursprünglich au.." Plötzlich unterbrach sie sich, als auch um sie herum die meisten Gäste verstummten und den Blick zur Treppe in's obere Stockwerk richteten. Was das zu bedeuten hatte war schnell klar, also schenkte sie dem Baron noch ein kurzes, entschuldigendes Lächeln und sah zu dem Gastgeber-Paar, das sich soeben zeigte. Natürlich sprach sie jetzt nicht weiter, sondern hörte, das die beiden zu sagen hatten und bemerkte damit dann natürlich auch Éira.

Armes Mädchen. Sie, die Lyr, wollte gar nicht wissen wie sich das Menschenkind nun fühlte. Wahrscheinlich war es doch eine Mischung aus Angst und Verlegenheit. Und dann fragte die Baroness' zum Abschluss auch noch ob jemand der Gäste für dieses Mädchen verantwortlich ist. Wie demütigend! Selbst - oder gerade - eine Angehörige des Hohen Adels sollte doch ein wenig mehr Feingefühl besitzen, denn wirklich gefährlich schien Éira ja wirklich nicht zu sein.
Aber vielleicht war Kaerzaa auch ein wenig blind, immerhin lebte sie in Rômachar, dort gab es kaum Diebe und wenig wirklich Arme. Das änderte am Ende aber nichts daran, dass sie Mitleid mit Éira hatte. Also tat sie das, was sie auch in ihrer neuen Heimatstadt getan hätte.
"Entschuldigt mich bitte." Lächelnd verabschiedete sie sich somit, vorerst, von dem Goldenen und der Magierin, auf dem Weg zur Treppe. Blieb zu hoffen, dass sie vor dem Leibwächter dort aufkreuzte. Auch wenn der Baron keinen schlechten Eindruck gemacht hatte, war er am Ende doch immer noch ein Baron, ein Adliger, ein Reicher. Sie konnte sich vermutlich besser um sie kümmern, beziehungsweise ihr eher zureden als es ein großer Mann tun könnte.
Außerdem würde sie den Hut mitbringen, das würde sicher noch ein paar Sympathiepunkte geben. Zumindestens bei der Diebin, während die Adlige, der sie den Hut freundlich, aber bestimmt weg nahm, von nun an wohl keine gute Meinung von der Lyr hatte.
Sei's drum. Den Hut vor sich haltend suchte sie sich, ohne an die wohlmöglichen Gedanken anderer zu denken, einen Weg durch die Menge, hin zu den Gastgebern.
[size=84][color=darkred]<div align=center><i>I'm looking now where I have been
I try to see where I will go
this are two ways shrouded in fog
What is my existence's sense?</i>[/color][/size]

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Jaqueylé Ramondes

Beitrag von Abujin Mu'ayyad al Ubayda » Do, 10. Apr 2008 17:49

Nach seiner kurzen Ansprache wollte sich Jaqueylé am liebsten so tief wie möglich eingraben. Oh je. Das war ja grotten schlecht. Das nächste Mal sollte ich mir was besseres ausdenken. Der Zeitpunkt für eine Rede war nicht nur zu früh, die Gastgeber waren ja nicht einmal anwesend. Zumindest haben einige Gäste zustimmend und fröhlich applaudiert. Ob nun die Höflichkeit der Leute oder nur der gute Wein der Grund dafür war, wollte der Künstler eigentlich gar nicht wissen. Wegen seinem überaus lustigen Kostüms, welches nicht so ernst wie die meisten anderen waren, hoffte er, dass man ihm verzieh. Aus der Ecke mit dem Büffet hörte Jaqueylé nur wenig Beifall, eher Tumult und Geschrei. Um nicht in Verdacht zu geraten, seine Rede wäre durch irgendeine Weise wegen dem Mädchen begründet, schaute er nicht dort hin, sondern verließ langsam seinen Platz und nickte freundlich (was durch seine Maske eh nicht anders geht) den Leuten zu, die ihm ihre Aufmerksamkeit geschenkt hatten. Aus dem Blickwinkel konnte Jaqueylé auch nicht erkennen, was am Büffet los war, da seine Maske das Blickfeld stark einschränkte. Er vermutete, dass der Kerl mit der goldenen Maske versuchte der Dame mit der wundervollen Stimme und dem blauen Kostüm etwas näher zu kommen. Jaqueylé konnte es egal sein. Es gab schließlich noch mehr Frauen hier. Mit einer würde er den Abend schon verlassen, so hoffte er.

Just in diesem Augenblick wanderte eine Gestalt, wie er sie noch nie gesehen hatte durch sein eingeschränktes Blickfeld. Sie war schlank, hatte eine perfekte Figur, das Kleid zeugte von Stil und ihre Haut war blau................ BLAU?! Jaqueylé schloss kurz seine Augen um sich zu versichern, dass er sich nicht verguckt hatte. Tatsächlich! Die Frau war tatsächlich blau, im wahrsten Sinne des Wortes. Dann entsann sich der Künstler, welch ein Wesen er vor sich hatte: eine Lyr. Er hatte noch nie einen von ihnen gesehen, geschweige denn Feste mit ihnen gefeiert. Vorerst war ihm das alles erstmal egal, denn er hatte immernoch etwas Hunger. Höchstwahrscheinlich nicht einmal ansatzweise solchen Hunger, wie das kleine Mädchen, doch es verlangte ihm noch nach ein wenig mehr, als nur zwei Pasteterollen. So ging er auf einem anderen Büffettisch zu, nahm sich wieder einen Teller und bediente sich fleißig. Während er so aß wurde wurde es mit einem Mal ungewöhnlich still in dem Saal und die Konzentration der Leute schien sich auf die Treppe zu konzentrieren. Nach dem er sich umgedreht hatte, sah er das Baronen Paar, die Frau sprach gerade zu Menge, aber was noch viel schlimmer war: das kleine Bettlermädchen befand sich regungslos direkt vor ihnen. Hätte sie sich keinen besseren Weg wählen können? Höchstwahrscheinlich hatte sie in Wirklichkeit keine große Auswahl an Fluchtmöglichkeiten. Was die Baronesse gesagt hatte, hatte Jaqueylé nicht mehr mitbekommen; er war viel zu sehr mit essen beschäftigt; aber sie schritten dann gemeinsam die Treppe hinab und Baronesse Dona'era hatte sogar ein Lächeln für das Mädchen übrig. Er fand es ziemlich erstaunlich in solch einer Situation noch Haltung zu bewahren.

An dem Büffet gegenüber sah er den Mann mit der goldenen Maske zusammen mit der Lyr und der Frau im blauen Kostüm. Jaqueylé staunte nicht schlecht, dass sich dieser Teufelskerlan zwei Frauen gleichzeitig versuchte. Der muss es ja haben. Als sich der Künstler wieder wegdrehte und somit nicht mehr mitbekam, dass Kaerzaa sich von der Gruppe am Büffet abgeseilt hatte, wurde er von einer lieblichen Stimme angesprochen, welche fragte, wo man ein solch ausgefallendes Kostüm finden konnte. Als er seine Maske endlich zu der Richtung der Stimme gedreht hatte, schlug sein Herz gleich dreimal höher. Der Abend konnte nicht besser laufen, umgeben von so vielen Schönheiten. Dieses Gesicht mit der aufgemalten Maske... hierbei konnte Jaqueylé einfach keinen Fehler machen, dachte er sich. Dass es sich in Wirklichkeit um einen Vampier handelte, würde er nicht mal im Traum erahnen können und wenn er schon verspeißt werden würde, dann sollte es diese hier sein. Ihr Gesicht war einfach makellos. Zum Glück hatte Jaqueylé eine Maske auf, sodass sie nicht sehen konnte, wie er sich freut. Als er ihr antwortete war seine Stimme dennoch soruhig wie eh und je: "Dieses Kostüm, meine werte Lady, wurde vom Schneidermeister Jair'ahas, welcher sein Geschäft am Fuße des Aras hat, höchstpersönlich angerfertigt. Er ist übrigens ein guter Freun d von mir. Meine Maske allerdings habe ich selbst angefertigt. Ich habe mir die Kunst zum Beruf gemacht, müssen Sie wissen." Er verbeugte sich leicht vor Arrdes, "Darf ich mich vorstellen: mein Name ist Jaqueylé Ramondes, Großmeister der Künste. Und mit welcher bezaubernen Dame hab ich hier das Vergnügen? Sie sehen übrigens hinreißend aus, wenn ich das bemerken darf." Jaqueylé war nun wieder voll in seinem Element. Nichts mochte er lieber, als ein wenig mit hübschen jungen Frauen zu flirten. Dabei konnte er seine gesamte Umwelt vergessen.
[size=75][color=#ffa500]Darkness flees the rising sun
The village lies ahead
It will wake to a new day soon
Soon they'll all be dead[/color][/size]

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Beitrag von Schattenherz » Fr, 11. Apr 2008 18:37

Sie schafft es die Treppe noch fast nach oben, bis sie mit schreckgeweiteten Augen innehält und auf die hübschen Schuhe vor ihrer Nase starrt. Langsam hebt sie den Blick, und Gloreons stirnrunzelnder Blick lässt sie für den Augenblick jeden Mut verlieren, den sie eben noch hatte. Das wars dann also. Außer Atem gibt sie ihre Flucht auf und bleibt zusammengesunken, mit gesenktem Kopf auf der Treppe zu Füßen des Barons und seiner Gemahlin hocken und betastet Unterarme und Kinn, die sie sich bei ihrem Sturz auf der Treppe schmerzhaft gestoßen hat. Die vom Fuß der Treppe hinaufeilenden Wachen bestärken sie noch in ihren Spekulationen über ihre düstere Zukunft. Sie hat schon mehr als einmal gesehen, wie Dieben auf dem Marktplatz zur Belustigung der Bürger eine Hand abgeschlagen wurde, wie sie im Pranger schmachten mussten oder fort in den Kerker geschleift wurden… und von dort in den seltensten Fällen wieder kamen. Aber eigentlich… eigentlich ist sie gar keine Diebin! Im Grunde ist sie sich keiner Schuld bewusst. Sie hat nichts anderes gemacht als die anderen Gäste, die sich am Buffet bedienten. Und dass sie sich durch den Hintereingang hinein geschlichen hat… nun, das kann zum Glück im Moment keiner bezeugen. Aus ihren düsteren Gedanken gerissen wird sie erst, als Dona’era zu sprechen beginnt. Die beruhigende, einnehmende Stimme der Baronesse verfehlt auch auf Éira ihre Wirkung nicht. Und als schließlich klar wird, dass sie nicht vorhat, das Bettelmädchen von den Wachen wegschleppen zu lassen, gewinnt sie ihre Courage zurück.
Bei der Frage, ob jemand für sie verantwortlich sei, dreht sie den Kopf und schaut hinunter in den Saal, und wenn es nur ist, um zu sehen, wie sich jene Gesichter, die man zumindest zur Hälfte sehen kann, verächtlich verziehen. Sie hätte nichts anderes erwartet, und schließlich kann sie die meiste Zeit gut für sich selbst sorgen. Dass sie ohne die Gnade der Baronesse in einer weitaus weniger schönen Situation wäre, übergeht sie geflissentlich. Vielleicht wird doch noch etwas aus ihrem eigentlichen Plan, sich hier den Bauch vollzuschlagen und so viel mitzunehmen wie sie tragen - oder zumindest unbemerkt zur Seite schaffen kann. Ihre Zuversicht erinnert sie wieder an ihren noch immer recht leeren Magen, an die Teigtasche – und an ihre Ratte. Verdammt, wo war die abgeblieben? Ohne ihre Ratte würde sie hier nicht rausgehen! Obwohl diese es im Moment wohl besser hatte als sie selbst. Schlau von ihr, rechtzeitig zu verschwinden…
Die Ratte hockt derweil tatsächlich in relativer Sicherheit in einer dunklen Ecke und tut sich an von den Gästen beim Essen fallen gelassenen Krümeln gütlich. Vor Zufriedenheit zucken hin und wieder kleine glitzernde Funken über ihr Fell.

Nach einem Blick hinauf zum leichten Lächeln der Baronesse beschließt Éira, dass sie vorerst in ihrer Nähe bleiben wird. Auch wenn sie das in der Reichweite des Barons belässt, der ihr nach wie vor nicht geheuer ist. Fast wie ein Hündchen folgt sie der Adligen die Treppe hinab, etwas trampelnd wegen ihrer zu großen Stiefel und definitiv nicht so elegant wie diese. Ebenso wenig elegant ist ihre Ausdrucksweise, als sie auf die an sie gerichtete Frage antwortet. „Nee, also so schön wie das von Euch isses ja nicht. Aber ich hatte ja auch schließlich niemanden, ders für mich näht. Und Ihr habt sicher tausend von solchen Kleidern wie das.“ Unverfroren, aber immerhin mit so etwas wie Bewunderung, fasst sie den Stoff des reich verzierten Rockes an, den die Baronesse trägt. „Aber sonen schönen Hut wie ich…“ Erschrocken hält sie inne. Ihr Hut! Wo ist der abgeblieben? Suchend schaut sie sich um. Jetzt sind sie sicher alle schon drauf herumgetrampelt! Blöde Schweine! Noch bevor sich die Aufmerksamkeit des Großteils der Gäste vom Baronenpaar und dem hinter diesem her dackelnden schmutzigen Mädchen abgewendet hat, und bevor sie den Fuß der Treppe erreicht haben, ruft Éira in die Menge, um einen würdevollen Tonfall bemüht (was in Verbindung mit ihrer äußerlichen Erscheinung natürlich völlig misslingt): „Mein Hut… gebe mir jemand meinen Hut zurück!“

Catigern
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Asterion Delrynn

Beitrag von Catigern » So, 13. Apr 2008 17:05

Scheinbar hatte sich das Schicksal gegen ihn verschworen, anders konnte Asterion diese Aufeinanderfolge launischer Missstände kaum deuten. Da war er von weit her angereist um sich mit gebildeten Geistern auszutauschen und neue Bekanntschaften zu schließen und was war daraus geworden: ein einziges Debakel! Und das alles nur wegen einem dreimalverfluchten Gossenbalg. Es war zum aus der Haut fahren. Ein Augenblick lang hing er dem traumhaften Gedanken nach wie schön doch alles gekommen wäre, wenn er sich nicht just in jenem Moment entschieden hätte zum Buffet zu gehen, sondern sich stattdessen einfach belanglos unter die Gegenwärtigen gemischt hätte. Dann wäre alles anderes abgelaufen, ihm wären keine tollpatschigen Finger aufgefallen, er hätte sich nicht erschrocken und Mardir wäre nicht hervorgestürmt und hätte sich das schnöselige Mädel gegriffen… was wäre wenn.
Frustriert seufzte der Adlige. Zusätzlich hatte das Gör ihm auch noch seine weibliche Gesellschaft vertrieben, was ihn erst recht fuchsig machte. Sowohl die achtbare Dame in weißblauer Garderobe mit der hübschen Singstimme, als auch seine flüchtige Bekanntschaft mit dem zierlichen blauhäutigen Fräulein war mehr als ungenügend gewesen. Während die erstere ihm etwas ruppig in ihrer Art dünkte und ihn mit den üblichen Plattitüden abspeiste, schien die liebreizende Exotin seiner Begrüßung deutlich zugetaner gewesen zu sein. Allerdings auch nur so lange, bis die befiederte Dame ihre Anwesenheit entdeckte, Asterion offensichtlich vergaß und ihr Interesse einzig auf das Mädchen mit dem schulterlangen hellblauen von Silberfäden durchzogenen Haaren richtete. Als wäre diese freie Ignoranz nicht Grund genug verdrießlich zu sein, entschuldigte sich das Wesen ihrer Aufmerksamkeit dann auch noch mir nichts dir nichts, um einem der Edlen den vermaledeiten Hut dieser Diebin aus der Hand zu klauben und in Richtung der Treppe zu entschwinden, wo soeben der Baron und seine werte Frau Gemahlin auftauchten.

Mit einiger Befriedigung stellte der Fürstensohn kurz darauf aber fest, dass das findige Gör sich direkt in die Arme des Herrscherpaares geflüchtet hatte und nun von zwei Wachen flankiert wurde. Recht so, stiftet sie endlich keinen Unfug mehr und verdirbt niemandem mehr den Abend . Nach allem was er über Gloreon Muratore gehört hatte, war der Mann im Pomp und Ruf seiner Familie aufgewachsen und hatte eine gute Bildung genossen. Bei dieser hatte gewiss nicht der Unterschied zwischen arm und reich gefehlt, drum wähnte er die Sache mit der kleinen Gaunerin bei ihm in den rechten Händen. Jemand wir Gloreon wäre bestimmt nicht zum Berater des Königs aufgestiegen wenn er nicht den Mut besäße strikte und klare Entscheidungen im Sinne der Jurisdiktion zu treffen. Fraglich blieb nur ob er nicht unter der Fittiche seiner Gattin stand, die sich der Sachlage mit dem forschen Kind offenbar annahm. Unzufrieden schüttelte Asterion den Kopf über soviel Zurückhaltung nachdem er der Entwicklung bei der Treppe ein wenig zugeschaut hatte. Bei solch mangelnder Durchsetzungsfähigkeit seitens der Herrschenden war es nicht verwunderlich wenn die Arcanier über die Mérindarer lachten. Es war nur noch eine Frage der Zeit, dann würde dieses Reich es den Nationen Córalay und Cathrad nachtun und an seiner Toleranz untergehen. Zuwider dem Treiben länger zuzusehen, drehte sich der Baron von Gratenfels fort und widmete sich wieder seiner vernachlässigten Speise zu dem ihm noch ein geeigneter Schluck Weins fehlte. Auf der Suche nach der richtigen Karaffe streifte sein Blick den Geck, der die vorzeitige Ansprache verbrochen hatte. Er scharwenzelte wie ein Welpe, Asterion fiel das Wort Schwanzwedelnd ein, um eine Lady, deren Äußeres man durchweg als mindestens ebenso becircend auslegen konnte wie seine bisherigen fliehenden Freundschaften.

In der Tat mochte man sie tatsächlich als Augenweide bezeichnen, wusste die Werteste doch vermeintlich um ihren ästhetischen Leib und in welche Stoffe sie ihn hüllen musste um die Gefälligkeit der Männer und vielleicht auch ebenso vieler Frauen auf sich zu ziehen. Betonender schwarzer Samt, der der Phantasie des geneigten Betrachters übrigens nicht allzu viel verwehrte das er sich hinzudichten musste, umschmeichelte ihre bleiche Gestalt und lockte gleichsam mit den grauen Augen, die von schwarzer Färbung eingerahmt und intensiviert wurden. Nicht weniger beeindruckend war die Wahl ihrer Maskierung, denn keine Maske verdeckte ihre Züge, sondern lediglich eine filigrane Zeichnung, ein Kunstwerk aus schwarzen Flammen das ihre Augenpartie umriss, gleich einer finsteren Korona. Gewöhnungsbedürftig, aber überaus originell und geschmackvoll. Insbesondere die Auslese ihrer… Begleitung. befand der Andiriendarer mit einem Blick auf ihren Flughund. Eine kurze Weil stand er einfach nur da und war wie gebannt von dieser Persönlichkeit, die eine so undeutbare wie betörende Ausstrahlung zu besitzen schien. Aber dann maßregelte er sich wieder und entschied sich etwas zu unternehmen. Er war schließlich nicht hergekommen und irgendwo verweist in einer Ecke zu stehen und den Abend an sich vorüberziehen zu lassen. Gemessenen Schrittes bewegte er sich zu dem keck grienenden Kobold und seinen reizendem Geleit und nahm hierbei Fetzen seines süßlich Vorgetragenen wahr.

Als er sie erreicht hatte, sagte er höflich: „Ich bitte um Verzeihung das ich mich in eure Geselligkeit dränge, aber ich vernahm das der Name des kundigen Schneidermeister Jair'ahas fiel. Der gute Mann hat auch eine nicht geringfügige Anzahl meiner eigenen Gewandung entworfen und geschaffen, wobei ich anmerken muss das dieses hier nicht von seiner kapablen Hand ist, dennoch bin ich ein Liebhaber von des Meisters Werke.“ Er musterte Jaqueylé Ramondes von Scheitel bis zur Sohle. „Jedoch das er sich seit neustem auf die Bahn der trivialen Possenhaftigkeit begibt… das war mir nicht geläufig. Das hat er für gewöhnlich nicht nötig und schadet eigentlich nur dem Rufe. Ihr müsst Meister Jair'ahas wahrhaftig gut kennen, das Ihr ihn überzeugen konntet, derartiges zu kreiren.“ Sein graugussern verdecktes Antlitz der fahlen Schönheit zuwendend und eine geziemende Verbeugung andeutend, fragte er sie um Rat: „Auch Euch scheint seine frappante Gewandung aufgefallen zu sein Erlauchteste, was meint Ihr? Stehen wir wieder einmal vor einem Umschwung der Novitäten und Zeitstile? Hält augenscheinlicher Spott und Klamauk Einzug in die Säle unserer Fürsten oder handelt es sich doch nur um einen harmlosen Spaß?“ Unter seiner Maske konnte sich Asterion ein zynisches Lächeln nicht verkneifen, der großspurige Künstler war ihm vorhin auf den Fuß getreten, dies würde er nun zurückerhalten. Er trug eine Teilschuld daran das ihm die Frauen abspenstig gemacht worden waren, es war nur recht gleiches mit gleichem zu vergelten. Hoffentlich war er nicht so dumm sich mit einem Baron messen zu wollen… andererseits, sollte er es nur versuchen.

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Shandira
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Lyëssa Charynal

Beitrag von Shandira » Mo, 14. Apr 2008 15:49

Zu Lyëssas Enttäuschung ging die Lyr nicht auf ihr Gespräch ein. Ihre Miene verzog sich unter der Maske. Zum größten Teil war natürlich das Auftauchen des Barons und seiner Gattin daran Schuld. Aber auch so sah die Elfe, dass die Blauhäutige scheinbar keine Lust auf eine Konversation mit ihr hatte. Geknickt nahm sie es hin und nickte nur, als sie sich nach der Ansprache der beiden Gastgeber entschuldigte und Richtung Treppe ging. Lyëssa fragte sich, was sie vorhatte, bekam aber auch gleich eine Antwort. Die Lyr nahm eine der Herrschaften den Hut des Mädchens ab und steuerte geradewegs auf Éira zu. Die blau kostümierte Elfe sah der Frau bewundernd hinterher und verfolgte das Geschehen um das Mädchen interessiert. Das war in der Zwischenzeit direkt in die Arme der Gastgeber gelaufen, von denen die Baronesse versucht hatte, ihre Gäste milde zu stimmen. Was ihr auch gut gelungen war, wie Lyëssa meinte.
Als sie kurz den Blick wandte, sah sie, dass sich auch dieser Asterion Delrynn von ihr abgewandt hatte. Noch mehr geknickt schloss sie den Mund. Welch ein Vergnügen, dachte sie im Stillen sarkastisch, jetzt laufen nicht nur Frauen, sondern auch schon Männer vor dir weg. Ihre Stirn legte sich in Falten und sie überlegte, was sie tun sollte. Jetzt stand dieser andere Baron in vergnüglicher Runde mit dem „Narren“ und einer anderen Dame, die sich, ganz in schwarz gekleidet, dazu gesellt hatte. Sie musterte die Dame mit dem Flughund auf der Schulter eingehend, allerdings nicht zu auffällig. Dabei fiel ihr wieder einmal auf, wie unterschiedlich die Gäste hier herum liefen, und wie sich jeder auf andere Weise kostümiert darstellte. So wie den Mann mit der rot-schwarzen Narrenmaske. Ganz zufällig hörte sie, wie sich dieser Asterion in sein Gespräch mit der hübschen Dame einmischte, nicht zuletzt, da es sie interessierte, wieso er sie so einfach stehen gelassen hatte. Mit einer in Falten gelegten Stirn hörte sie dem Beginn des Gesprächs zu, wandte sich dann jedoch ab. Auf solche arrogante Gesellschaft wie diesen Baron konnte sie getrost verzichten. Zwar hätte sie noch sehr gerne mit dem “Narren“ gesprochen, allerdings gehörte es sich nicht, sich einfach so einzumischen. Vielleicht ergab sich ja später noch eine Gelegenheit. Also wandte sie sich von den Redenden ab und lief ziellos durch den Saal, während sie die anderen aufmerksam musterte, wobei immer möglichst ein Auge auf Éira lag, die sich gerade an die Versammelten wandte und nach ihren Hut bat. Lyëssa lachte kurz und leise auf und blieb stehen, um die Szene zu beobachten.
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Beitrag von Unvorhersehbares » Mo, 14. Apr 2008 15:51

Einige atmeten hörbar laut ein, als das Mädchen einfach so die Kleider der Baronesse berührte. Das Gewand der Baronesse, das musste man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen! Wer besaß schon solch eine Dreistigkeit, sie auch noch mit diesen Worten, wie das Kind sie sagte, an zufassen?! Gespannt schauten die Gäste wie Gaffer zu der Treppe hinauf – wobei sich ein Großteil, jetzt wo die Ansprache vollendet war, wieder ihren Dingen zugewandt hatte. Dennoch blieb der Vorfall natürlich nicht ohne weiteres Interesse und es war natürlich klar gewesen, dass sich längst nicht alle mit den beruhigenden Worten abspeisen lassen würden.
Während Dona'era noch ganz überrascht auf die Hand sah, die da ihren Rock zwischen den Fingern hielt, fasste sich der Baron weitaus schneller als seine Gattin und packte selbst zu. Mit verzerrtem Gesicht packte er ungehobelt die Hand des Mädchens und nahm sie unsanft von seiner Gemahlin. Sein Gesicht wies eine Spur von leichtem Rosa auf, denn solch ein Benehmen konnte er nicht dulden. Er wettete sogar schon selbst mit sich, dass er sich, wäre seine Frau nicht anwesend, schon längst vergessen hätte.
Vielleicht hätte er noch mehr gemacht oder Befehle gegeben, hätte sich Éira in diesem Moment nicht umgedreht und in höflicher Manier nach ihrem Hut gefragt. Und allein durch diesen Tonfall brachte sie wenigstens ein paar Maskierte zum amüsierten Lächeln und zog sie ein Stückchen näher auf ihre Seite.
Während sie vor sich getrennte Meinungen in den Gesichtern ablesen konnte – Lächeln und grimmige Mienen reichten aus, um zu zeigen, was sie über sie dachten – erschallte hinter ihr ein Lachen. Wieder wandelten sich die Blicke der Anwesenden ins Erstaunte.

Das helle Lachen verklang so schnell wie es gekommen war, auf den Lippen der Baronesse spiegelte sich aber immer noch ein breites Grinsen wider. "Ich wusste gar nicht, dass man auf den Straßen noch so gute Manieren lernt." So ganz ernst waren ihre Worte wohl nicht gemeint, doch sie war sichtlich amüsiert über das Kind und sein Benehmen. Eine Eigenschaft, die viele daran zweifeln ließ, ob ihr Platz an der Seite des Barons wirklich der richtige war.
Gleichzeitig hob sie den Blick in die Menge und hielt, wie das Mädchen vor ihr, Ausschau nach ihren Hut. Schnell erblickte sie ihn in der Hand einer Frau, die ein blaues, enges Kleid trug. Es war genauso blau wie ihre Haut. Kurz hob sich erstaunt Dona'eras Augenbraue, dann winkte sie die Lyr mit dem Hut in der Hand zu sich nach oben. Es war unverkennbar, dass das der Hut der Kleinen war. Zu einem anderen Kostüm passte dieses dreckige Accessoire überhaupt nicht. Nicht schön, aber selten, schoss es der Frau durch den Kopf. "Ich schätze, den hätten wir gefunden", meinte sie relativ leise zu Éira und legte ihr schützend eine Hand auf die Schulter. Mit dieser zwang sie sie sanft, aber bestimmt, sich zu ihr herum zudrehen. "Wie heißt du, Kind? Jemand wie du hat hier eigentlich nichts verloren, wie du sicher weißt." Ein fragender Unterton schwang in ihren dennoch belehrenden Worten mit. Wie sie schon gedacht hatte, setzte sich niemand der hohen Gesellschaft für das Kind ein. Bis auf die Lyr hatte niemand auch nur einen Schritt auf das Kind zugemacht.

Als die Lyr heran war, richteten sich die Augen der Baronesse auf die Blauhäutige. "Schön Euch zu sehen. Ich hoffe, Eurem Herrn Heras Jouhin erging es gut? Und Euch ebenso?", begrüßte sie freundlich die Frau. "Gut seht Ihr aus." Sanft lächelte sie sie an. Natürlich kannte sie Heras und war über alles im Bilde was bei den Adligen vor sich ging. Außer Heras kannte sie niemanden, der eine Lyr zur Dienerin hatte. Deshalb war es nicht schwer, sich bei ihr ein zu schmeicheln, da sie genau wusste, zu wem sie gehörte und wo sie sie einzuordnen hatte. Ein guter Trumpf.
"Schön, Euch zu sehen", bestätigte auch Gloreon. "Und wie schön, dass Ihr den Hut habt." Er lächelte dünn und es war nicht zu überhören, wie schön er diesen Umstand fand. "Wenn sie vollständig ist, können wir sie endlich abführen lassen." Er machte keinen Hehl aus seinen Gedanken, auch wenn er nicht lauter als nötig sprach. Er wollte nicht zu viel Aufsehen erregen, sondern die Sache schnell und leise erledigen. Mit einer Handbewegung deutete er der Lyr Éira den Hut zu geben. Dieses Stück wollte er nicht selber anfassen, wer wusste schon, was er sich dann für Krankheiten einfangen würde.

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Beitrag von Irea » Di, 15. Apr 2008 17:26

Der Angesprochene mit der Narrenmaske wandte sich bei ihren Worten ihr zu. Angelockt von einer süßen Stimme, die doch nur in solchen Momenten so klang. In Momenten, in denen sie auf etwas aus ist und von der Aufmerksamkeit anderer abhängig war. Ansonsten klang Arrdes niemals so gutmütig. Ständig begleitete ein kalter Hauch oder eine Priese Sarkasmus ihre Worte, manchmal war ihre Zunge wie ein scharfes Messer, welches Menschen verletzen oder demütigen konnte. Aber jetzt, ja jetzt war Arrdes die reizende, höfliche Dame, die sich augenscheinlich für ein Kostüm interessierte.
Morgen würde sie es nicht mehr tun.
Wieder versuchte sie anhand der offenherzigen Worte ihres Gegenübers das Alter zu schätzen. Die Maske verhüllte ja nun einmal die Gesichtszüge und verbarg einen Großteil dessen, worauf man sich in einer Kommunikation verließ. Mimik, Blickkontakt, Lippenbewegungen. Gut, die Augen konnte man erkennen, aber selbst über diese legte sich ein schwacher Schatten.
Schade.
Und die Stimme? Nun, sie klang weder wie Schmirgelpapier noch wie brüchiges Pergament. Gute Vorraussetzungen für junges Blut und Gesundheit. Nichts schmeckte scheußlicher als ein von Krankheit oder Drogen verseuchter Menschenleib! Es war, als nehme mal selbst einen Teil dieser menschlichen Laster auf sich und darauf konnte Arrdes sehr wohl verzichten.
Um wieder auf die Worte des Künstlers –denn nichts anderes schien er zu sein- zu kommen, denn diesen widmete sie sich nun. „Ah, handgearbeitet. So darf ich mich also nicht nur an der Maske, sondern auch an dem Talent erfreuen, welches hinter der Arbeit steckt.“ Ein sachtes Lächeln lag auf ihren Lippen, welches von den Augen weiter getragen wurde und sich in einem kleinen Funkeln äußerte. Dann stellte er sich als Jaqueylé Ramondes vor. Sie wiederholte ihn nochmals in Gedanken und fand, dass in diesen Lauten schon ein Hauch Kunst steckte, es weckte das Bild eines lebendigen Geistes. Und vielleicht auch lebendigen Blutes?
Das ließ sich noch entdecken.
Arrdes wollte soeben ansetzen sich selbst vorzustellen, als sich ihnen jemand näherte. Sie wandte sich der kommenden Gestalt schon zu, ehe sie überhaupt bei ihr und dem Künstler gänzlich angekommen war. Ihr besonderes Gespür hatte ihr den Besuch verraten. Was ihr zuerst auffiel, waren die dunklen Handschuhe. Sie gefielen ihr. Dann erst sah sie auf in das Gesicht, von einer ebenso dunklen Maske verborgen, welche einen nicht gerade geringen Kontrast zu den ansonsten goldenen Kleidungsstücken darstellte. Na, wenn das kein Adliger war, wie er im Bilderbuch steht!
Auch wenn er sich höflichst entschuldigte, sich dem Gespräch zwischen Arrdes und dem Künstler beizumischen, waren die folgenden Worte doch von einer gewissen Arroganz geprägt, die zwei Gründe haben mochte: Entweder war es seine Art so einer Dame zu imponieren, oder aber er hegte gegen Jaqueylé einen persönlichen Groll. Letzteres schien enger in Arrdes Bild zu passen, da man gut und gerne behaupten konnte, dass der Künstler Opfer einer –zwar ziemlich formell und schicklich ausgedrückten- Beleidigung wurde.
Was der Grund dieser war, blieb Arrdes im Verborgenen.
Als sie selbst schließlich einbezogen wurde, sah sie mit dem gleichen Lächeln auf und wandte ihre grauen Augen an den Goldenen. „Ja, sie fiel auch mir ins Auge. Allerdings muss ich eingestehen, dass ein gewisser Schalk in solch hohen Wänden sicherlich nicht für allgemeinen Spott führen wird. Sondern eher für…. Abwechslung?“ Aus dem zarten Lächeln wurde ein beinahe schon wehmütiger Ausdruck, als sie mit einem leisen Seufzen hinzufügte: „Der Alltag ist ein manches Mal so anstrengend, vielleicht kann man ihn wenigstens für die Stunden hier auf dem Ball vergessen und sich mit weniger Ernsthaften Themen und Wein den Abend versüßen.“
Ja, versüßen war das Wort, welches ihr bei dem heutigen Anlass einfiel. Sie sah von den Goldenen, an den sie hauptsächlich ihr Wort gewandt hatte, wie zu den Künstler, abwartend, welch Reaktion folgte.

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Beitrag von Keaira » Do, 17. Apr 2008 20:43

Je näher sie den Gastgebern kam, desto unwohler fühlte sie sich in ihrer sonderbaren Haut. Zweifel befielen sie wie ein Rudel hungriger Wölfe.
Wie sollte sie dem Bettlermädchen überhaupt helfen? Der Baron würde es wohl kaum weiter unter seinen Gästen dulden. Außerdem war sie keine Adlige, sie hatte keinerlei Macht und war für die allermeisten hier doch nur eine Dienerin Heras'. Auch wenn sie insgeheim gehofft hatte das diese Tatsache für zumindestens diesen Abend vergessen sein würde. Immerhin.. welche Dienerin begleitete ihren Herrn auf einen Ball und entfernte sich dann auch noch von ihm? Der Goldene und die Magierin hatten zumindestens nicht den Eindruck gemacht als würden sie die Lyr nicht für voll nehmen. Wobei das auch schwer zu sagen war, wenn sie genauer drüber nachdachte. Immerhin war er ein Adliger und sie allein von der Tatsache geblendet, dass dort eine Lyr vor ihr gestanden hatte.
Außerdem wusste sie doch gar nicht mehr so recht was sie denn nun sagen sollte. Zwar hatte sie sich schon Gedanken gemacht und auch ein paar Worte zurecht gelegt, aber wie ihre gesamte Unternehmung so schienen auch sie falsch zu sein. Am liebsten hätte sie den Hut einfach wieder in die Menge geworfen, auch wenn sie mittlerweile schon ziemlich nah bei der Treppe war.

Dort blieb sie stehen, bekam die Worte Éiras mit, reagierte aber nicht sofort darauf. Sie war zu überrascht von dem Mut - oder der Dreistigkeit - des Mädchens. Im Gegensatz zu den Adligen um sie herum. Das Getuschel bekam sie, mitten unter ihnen, selbstverständlich mit. Auch hörte sie, wie manch einer über sie sprach und sah aus dem Augenwinkel, wie man auf sie deutete. Ihr Blick senkte sich, sie betrachtete den Hut. Ja, es war wirklich unverkennbar der Hut der Diebin. Sollte sie diesen denn jetzt wirklich nach vorne bringen? Das würde bedeuten, dass sie, wenn auch nur kurz, im Mittelpunkt stehen würde. Das gefiel ihr aber so gar nicht, auch wenn sie Éira gerne helfen würde.
Unschlüssig was nun also zu tun sei blieb sie wie angewurzelt stehen und betrachtete das Geschehen auf der Treppe, wie so einige Adlige um sie herum ebenfalls. Sie bemerkte wie sich auch Dona'era umsah, vermutlich ebenfalls nach dem Hut. Also stand sie auf Éiras Seite, zumindestens mehr als es ihr Gemahl tat. Sein Missfallen war ihm nur zu leicht anzusehen. Überhaupt empfand es selbst die Lyr, die den Baron heute zum ersten Mal sah und auch nicht wirklich viel über ihn gehört hatte, sein Verhalten merkwürdig. Das hier war doch eine von Männern dominierte Gesellschaft, oder nicht? Warum führte dann seine Frau das Wort, warum duldete er die Diebin noch, obwohl sie ihn doch so offensichtlich nervte? Es war auf jedenfall interessant zu beobachten was weiter passieren würde, mehr plante sie für den Moment also auch nicht. Dabei vergass sie sogar, dass sowohl das Mädchen, als auch die Baroness' sich nach dem Hut umsahen und sie, weit vorne, ziemlich leicht zu sehen war. So kam, was kommen musste.

Sie bemerkte, dass Dona'era sie heran winkte, als sie nochmal zum Gastgeberpaar sah, nachdem ihr Blick zuvor den Adligen in ihrer Umgebung gegolten hatte. Nun also blieb ihr kaum mehr was anderes übrig als den Hut zu seiner Besitzerin zu bringen. Alles andere wäre einfach unmöglich, beziehungsweise hätte ein unangenehmes Nachspiel. Es gab keinen Weg zurück! Wobei, es war ja nicht so, dass sie gerade wegs auf die Wüste zu marschierte.
Trotzdem stand sie noch einen Moment still, bevor sie sich einen Ruck gab und zur Treppe vor ging. Einige Adlige standen ihr dabei im Weg, sie musste sich mit freundlichen Worten einen Weg erbitten. Das dauerte, nicht so lang, aber lang genug, so dass Éira antworten konnte, ohne Gefahr zu laufen, zu verpassen wie die Lyr vor dem Paar stehen bleibt. Das Blau ihrer Haut ist nun weit weniger stark, als es noch vorhin war, als Dona'era sie herbei gewunken hatte.
Bevor sie aber irgendwas sagen kann, geschweige denn eine Geste vollführen kann, die ihren Respekt gegenüber dem Baron und seiner Gemahlin ausdrückt, fängt selbige an zu reden und begrüßt sie. Auf eine sehr persönliche Art, wie Kaerzaa findet. Nachdem sie zuvor aus Respekt den Blick gesenkt hatte, sieht sie der Baroness' nun in die Augen. Einen Moment war sie überrascht, dass Heras' erwähnt wurde. Dann aber konnte sie das abschüttelt und schenkte Dona'era ein freundliches Lächeln bevor sie sich höflich, aber nicht zu tief, verbeugte.

"Einen guten Abend. Ja, danke, sowohl ihm, als auch mir ergeht es prächtig! Vor allem heute Abend. Es ist wirklich ein sehr .. aufregendes und spezielles Ereingiss. Euch geht es doch hoffentlich ebenso gut?" Sie klang sehr gut gelaunt, ließ es aber selbstverständlich nicht an Freundlichkeit mangeln. Deshalb sprach sie auch erst als sie sich wieder aufgerichtet hatte. Außerdem hatte sie sowohl den Baron, als auch dessen Gemahlin angesehen, bemüht, keinem von beiden den Eindruck zu vermitteln, sie würde denjenigen wesentlich weniger Beachtung schenken als dem anderen. Sie war halt auch nicht sonderlich geübt im höfischem Umgang.
Den Hut allerdings hielt sie weiterhin fest. Erst auf des Barons Geste hin setzte sie sich wieder in Bewegung. Im Übrigen missfiel ihr dessen Verhalten sehr. Selbst als Dienerin Heras' hatte er keine Befehlsgewalt über sie. Einen Adligen hätte er sicher nicht mit einer einfachen Geste gebeten den Hut zu übergeben! Wohlmöglich hätte er ihn dann sogar selbst genommen und der Diebin aufgesetzt, oder was auch immer getan.
So allerdings war es an der Lyr, die sich ihren Ärger nicht anmerken ließ, den Hut zu übergeben. Sie machte einen Schritt auf Éira zu und gab ihr lächelnd ihr Eigentum zurück. Anschließend machte sie den kleinen Schritt den sie nach vorne gemacht hatte wieder zurück und betrachtete die beiden Adligen.
"Ihr habt vorhin gefragt ob für sie jemand Verantwortung trägt. Nun, mit eurer Erlaubnis würde ich selbiges von nun an gerne übernehmen." Die Worte kamen zwar zügig über ihre Lippen, klangen auch relativ sicher, aber sie war es nicht. Im Gegenteil. Denn durch ein falsch gesetztes Wort, so glaubte sie, konnte sie selbst des Ball's verwiesen werden, oder sogar auch Heras! Beides wäre eine Katastrophe.
Ihre Stimme war allerdings nicht der einzige Hinweis auf ihre Unsicherheit, aber mit Sicherheit der unzuverlässigste. Denn nachdem sie ihre Bitte formuliert hatte kreuzte sie die Hände vor dem Körper um so zu verhindern, dass diese sie durch nervöses Zittern verraten. Außerdem verlor das Blau ihrer Hautfarbe noch einmal ein wenig an Stärke.
[size=84][color=darkred]<div align=center><i>I'm looking now where I have been
I try to see where I will go
this are two ways shrouded in fog
What is my existence's sense?</i>[/color][/size]

Darkseed - Every Day</div>

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Jaqueylé Ramondes

Beitrag von Abujin Mu'ayyad al Ubayda » Fr, 18. Apr 2008 20:43

Diese faszinierende Dame mit der Fledermaus und der aufgemalten Maske schien Jaqueylé auf eine gewisse Weise, die er nicht zu deuten vermag, zu mustern. Doch er konnte in ihren Blicken nichts negatives erkennen. Diese Augen. Sie hatten eine Tiefe an sich, die den Künstler fast magisch anzogen. Es lag etwas unergründbares und unbekanntes in ihnen. Die Verzierungen um diese Augen gaben Jaqueylé den Rest. Er musste sie einfach auf ein Gläschen Wein nach draußen in den Park einladen um seines Erhoffens mit ihr ein romantischs Gespräch unter dem klaren, funkelnden Sternenhimmel zu führen. Oh ja, dachte er sich, dann wäre dieser Abend wieder einmal perfekt. Dass er auf diese Weise schon dutzende andere Frauen verführt hat musste sie ja nicht wissen. Dass es aber möglicherweise sein letztes Mal war, konnte er widerum nicht wissen. Jaqueylé konnte ja nicht ahnen, dass sein Gegenüber ein Vampier war. Er fand diese Frau einfach wunderbar, da sie auch seine Kunst zu würdigen wusste und ihr die Maske anscheinend gefiel. Mit der Maske und seiner offenen fröhlichen Art musste er einfach Erfolg bei den Frauen haben. Jetzt konnte weiß Gott nichts mehr schief gehen.

Zu früh gefreut. Die Dame, welche er gerade ausführen wollte, konnte sich nicht einmal mit Namen vorstellen, da hörte Jaqueylé von der Seite eine Stimme näher kommen. Als der Künstler sein eingeschränktes Sichtfeld in die entsprechende Richtung drehte konnte er seinen Augen kaum trauen. Da war er wieder, der Mann mit der goldenen Maske. Was wollte er hier? Er hatte sich doch zuvor mit zwei Damen vergnügt unterhalten oder hatte Jaqueylé da etwas nicht mitbekommen. Kurz schaute er sich in dem Saal um, um etwas über den Verbleib der beiden Damen herauszufinden. Die Lyr stand bei dem Baronenpaar und dem Kind... und die Frau in blau?.... Wo war sie?.... Ah! Dahinten. Ganz einsam lief sie den Saal entlang. Was für ein Kavallier, dachte sich der Künstler. Vielleicht konnte dieser Graf oder Fürst, was er auch immer war, mit seiner Arroganz die Frauen nicht recht verzaubern. Und dieser Kerl war arrogant. Jaqueylé konnte kaum glauben was er da hören musste. Das schlimmste an der Sache war, dass Asterion ihm seine ganze Vorstellung um Arrdes kaputt gemacht hatte. Dennoch lachte Jaqueylé ihn innerlich aus. Anscheinend wusste dieser Asterion nicht, dass Meister Jair'ahas ein Freigeist war, der Freude an kreative Auslagerungen hatte. Beschuldigt dieser Mann mich tatsächlich Spaß und Spott zu verbreiten? Wie lächerlich. Eigentlich kann mir dieser Mann mir nur leid tun. Was hat er nur gegen mich? Das ganze veranstaltete Spektakel schien nur auf eins aus zu sein: Jaqueylé vor aller Welt unbeliebt zu machen. Arrdes schien nicht nur auf der Seite des Künstlers zu stehen, sie interpretierte auch den Sinn seines Kostüm richtig. Doch Jaqueylé wollte sich nicht auf solch ein Niveau herab lassen und seinerseits auch haltlose Beschuldigungen und Beschimpfungen hageln lassen. Er hatte da noch ein Ass im Ärmel, im warsten Sinne des Wortes. "Moment.", seine Stimme war sehr bedächtig. Langsam und verschwörerisch näherte er sich dem Baron und betrachtete ihn mit ausschweifend von unten und allen Seiten. "Hier stimmt etwas nicht." Dann griff er mit der linken Hand in Richtung dem Ohr von Asterion, ohne es zu berühren, und zog aus seinem Ärmel ein langes schwarzes Tuch heraus, sodass es aussah, also ob es aus dem Ohr des Betreffenden kam. Dies erregte natürlich die Aufmerksamkeit der Leute um ihnen herum. Nach einer kurzen Weile hatte der das ganze Band herausgezogen. "Kein Wunder, dass Eure Durchlauchtschaft so verklemmt ist. Mit solch einem Schleier im Kopf würde wohl jeder die Freuden und die Späße des Lebens nicht mehr sehen können. Ich hoffe ich konnte Ihnen helfen, denn Lachen und Freude halten Geist und Körper jung und das Blut frisch." Dann verbeugte er sich mit einer großzügigen Geste gegenüber Asterion, sodass die Glöckchen auf seiner Maske anfingen zu klingeln. Ringsherum hörte man leises Gelächter, welches sich offensichtlich gegen den Grafen wendete. Jaqueylé hatte Asterion wieder einmal in eine unschöne Situation gebracht, ohne dass ihm das erste Mal wirklich bewusst war.
[size=75][color=#ffa500]Darkness flees the rising sun
The village lies ahead
It will wake to a new day soon
Soon they'll all be dead[/color][/size]

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Beitrag von Schattenherz » Sa, 19. Apr 2008 12:10

Erschrocken zuckt sie zusammen, als der Baron ihr Handgelenk packt. Verdammt, er stand viel näher als sie dachte! Und das Lachen der Baronesse und ihre Worte verwirren sie nur. Manieren? Irgendwie kann sich Éira darunter nichts richtiges Vorstellen. Und warum lacht sie denn jetzt? Sie meinte das mit dem Hut jedenfalls nicht scherzhaft… Doch ihre Verwirrung und ihr schmerzendes Handgelenk ist vergessen, als sie an der Baronesse vorbei späht und ihren Hut in der Hand einer Frau… einer blauen Frau! entdeckt. Einen Moment starrt sie die Blauhäutige mit offenem Mund an. Gehört das zu ihrem Kostüm? Vielleicht ist es ja nur Farbe? Durch ihr Kleid schafft sie es ja bestimmt nicht, aufzufallen, und das scheint schließlich Sinn und Zweck dieses Abends zu sein. Zumindest wenn sie die Kostüme der anderen Gäste so anschaut. Also statt einem ausgefallenen Kostüm blaue Haut? Verwundert schüttelt sie den Kopf, dann fällt ihr Blick wieder auf ihren Hut. Ihr erstaunter Gesichtsausdruck wandelt sich zu einem Strahlen, mit dem sie die Blauhäutige bedenkt. Kurz wirft sie über die Schulter einen Blick zum Baron, als sie dankbar registriert, dass die Baronesse ihr die Hand um die Schulter legt. Nur zu gern macht sie zwei kleine Schritte vom Baron fort, auf die andere Seite seiner Gemahlin. Beinahe wäre sie dem Impuls gefolgt, sich an sie zu schmiegen. „Éira heiß ich.“
Doch durch die belehrenden Worte wird ihr widerspenstiger Geist schnell wieder geweckt. So zieht sie den letzten Trumpf aus dem Ärmel:
„Aber… warum denn nicht? Ich habs ganz genau gehört. Sie ham darüber geredet, in der Stadtratsstraße. Jeder ist willkommen, haben sie gesagt. Und ich dachte mir, damit ich nicht störe, setz ich mich eben untern Tisch. Aber dann hat mich der da ja drunter vorgezogen.“
Mit dem Finger deutet sie anklagend auf Mardir, der am Fuße der Treppe steht. Unzufrieden verzieht Éira den Mund. Ja, wäre der nicht gewesen, dann würde sie immer noch dort sitzen, und hätte inzwischen weniger Hunger. Wie zur Antwort knurrt ihr Magen, zumindest für die nächst stehenden vernehmbar.
Aber immerhin einen Lichtblick gibt es – ihr Hut ist wieder aufgetaucht! Die blaue Frau hat einige nichts sagende Worte mit der Baronesse gewechselt, den Blick ständig nervös zwischen dieser und ihrem Gemahl hin und her schweifen lassen (hat sie etwas auch ein bisschen Angst vor dem Baron?), und ihr dann den Hut überreicht.
Ein „Dankeschön“ murmelnd setzt das Bettelmädchen diesen auf, rückt ihn etwas zurecht, und fühlt sich wieder vollständig. Gerade überlegt sie, was sie sagen könnte, um auf den adligen Gesichtern unten den gleichen Effekt wie bei der Bitte um den Hut hervor zu rufen – sie hat gemerkt, dass jene Worte die Stimmung zumindest ein klein wenig zu ihren Gunsten gewendet hat.
Die folgenden Worte wären ihr so beinahe entgangen, doch dann starrt sie die Blauhäutige wieder einen Augenblick mit offenem Mund an. Damit hat sie ganz und gar nicht gerechnet. Mit einem hastigen Blick hinauf zur Baronesse, dann zu der Fremden, wiegt sie ab, in wessen Nähe sie wohl sicherer ist. Und kommt zu dem Schluss, dass sie zwar eigentlich lieber bei der Baronesse bleiben würde, sich so aber auch in der Reichweite des Barons befindet… nicht gut. Allerdings macht ihr die Wortwahl der Blauen etwas Sorge. Von nun an? Éira hofft, dass damit nur dieser Abend gemeint ist. Bevor sie jedoch noch weitere Überlegungen anstellt, wird ihr klar, dass sie in dieser Angelegenheit wahrscheinlich ohnehin kein Mitspracherecht hat. Also belässt sie es dabei, die blaue Frau etwas skeptisch anzulächeln.

Catigern
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Asterion Delrynn

Beitrag von Catigern » So, 20. Apr 2008 17:16

Das war er also. Der Preis des zu spät Kommens. Der Baron würde über seinen Misserfolg nicht zufrieden sein. Zu einem nicht unerheblichen Teil vermochte es sich Mardir Kashnak selbst nicht verzeihen das er nicht einmal ein Kind hatte wieder einfangen können. Das war eine beschämende Zurschaustellung der Dienerschaft des Fürstenssohnes und ihrer Fähigkeiten gewesen. Aber dieses Mädel war einfach zu flink gewesen, geschwind wie ein kleiner Luftgeist hatte sie ihre Schultern irgendwie so gedreht das sein Griff sie nicht mit voller Stärke hatte umfassen können und dann als sich die Gelegenheit zum türmen bot, hatte sie diese unverwandt beim Schopfe gepackt. Von einem Moment zum anderen waren seine Hände leer gewesen und sie, das Objekt das er hätte bewachen und für das er die Verantwortung getragen hatte, war urplötzlich fort gewesen. Er hatte Asterions Blick gesehen, er hatte wahrgenommen dass ihm dieser leidliche Zwischenfall mehr als nur abträglich gewesen war. Zuhause in Andiriendar wäre man mit dem Mädchen anders umgesprungen, denn dort wusste jeder, sogar jeder gemeine Bauer um seinen Platz. Mardir grollte innerlich, Platz, ein bedeutsames Wort. Eines das ihn und sein Unterfangen hatte scheitern lassen. Er bewunderte und verehrte seinen Herrn, den Baron von Gratenfels für seinen Verstand und die Macht die er inne hatte und kundig bewältigte auszubauen. Noch mehr mochte er ihn für seine Güte, auch wenn viele der Personen in jenem Saal diese Tugend an ihm offenbar nicht erkannten und oder ihm nur schwerlich andichten konnten. Es handelte sich um kein Geheimnis das Asterion nicht leicht zu durchschauen war, selbst sein eigenes Gesinde war sich stets im Unklaren über sein Verhalten und seine Reaktionen, dennoch war Mardir überzeugt davon das sie alle nur die „Maske“ erblickten die der Baron bereit war ihnen zu präsentieren. Hinter dieser Fassade vermutete der Halbork ungleich mehr, ein Wesen das zu einer unglaublichen Breite an Gefühlen fähig war, jene aber derart unter eigener Beherrschung hatte das nur sehr wenige je einen Blick auf diese Vielfalt würden erhaschen können, wenn sie sich ihrer nicht als würdig erweisen konnten.

Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als das vorlaute Straßenkind beschuldigend mit dem Finger auf ihn zeigte und so sein natürliches orkisches Blut in Wallung brachte. Nur mit äußerster Mühe unterdrückte der Leibwächter eine knurrende Drohgebärde. Die kehligen Laute hätten womöglich die Hälfte aller feinen Damen in der Nähe der Ohnmacht überantwortet und eine beträchtliche Anzahl ihrer Gatten noch hinzu. Ganz zu schweigen von den Konsequenzen die ihm ein erschrockenes Baronpaar auferlegt hätte. Folglich neigte er bloß fügsam das Haupt und trat um Entschuldigung bittend einen höfischen Schritt zurück. Gewiss erstaunte diese Tat so manche der Adligen, erwarteten sie doch nicht von solch einer Missgeburt wie ihm, einen Halbwesen, das er sich auf Etikette verstand. Immer wenn er ihre verblüfften Gesichter sah, schmunzelte Mardirs Herz. Sein Rückzieher ergab was er sich erhofft hatte, die Aufmerksamkeit die kurzzeitig auf ihn gefallen war, verendete wieder abrupt und wandte sich erneut dem Baron, der Baroness und dem Kind zu, das jetzt seinen Hut zurückerhielt. Übergeben von einer Edelfrau im blauen Kleide… nein, nicht nur das Kleid war von der Farbe des Ozeans, sie selbst war es auch. Eine Lyr. Eine Bewohnerin der Tiefsee. Mardir staunte nicht schlecht. Solch einem Wesen war er schon lange nicht mehr ansichtig geworden. Vor allem nicht lebend oder in so gutem und noblen… Zustand. Aus seiner Zeit als Schläger in der Hafengegend Merridias hatte er einige Exemplare dieses Volkes gesehen, doch zumeist hatten sich die Unglückseligen in die Netze der Fischer verheddert und wurden oftmals für Wasserdämonen gehalten was ihnen einen raschen Tod einbrachte. Wenn es dann aber mal einen klugen oder habgierigen Kopf an Bord gegeben hatte, so hatte er die schönen und rätselhaften Kreaturen in die Sklaverei oder an Kunstliebhaber verkauft. Tragische Geschichten voller Leid und Tränen. Wieso gab es nur soviel Ungerechtigkeit auf der Welt? Dann schüttelte er entschlossen den Schädel um die Gespinste zu verscheuchen. Wer war er denn? Ein tattriger alter Greis? Gemächlich verließ er seine Position bei der Treppe und begab sich in den Rücken der Lyr.

Die vollen, violett schimmernden Lippen der anmutigen wie eleusinischen Dame zogen Asterion in seinen Bann. Als sie sich teilten um zu einer Erwiderung anzusetzen, welche Lidschläge darauf in einem Fluss formgewandten Worte mit verführerischen Unterton erfolgte, fühlte er wie ihm ein undefinierbarer Schauer über den Rücken lief. Ihre Stimme war angefüllt mit Lockung und Verheißung, besaß Tiefsinn und versprach Süße und jene geheimnisvolle Unterschwelligkeit die Frauen für ihn besonders interessant und begehrenswert machten. Er war sich ganz sicher, das diese bleiche Edeldame keine der naiven Puten war die sich zuhauf auf derlei Festen antreffen ließen und deren Horizont dermaßen begrenzt war, das sie nicht über den Rocksaum ihrer Garderobe hinwegzuschauen mochten. Auf jenen wundervoll gerundeten Schultern dieser zu Fleisch gewordenen Geschmacksvollendung saß ein klaräugiges Köpfchen, das die Begebenheiten um sich in dem Lichte wahrnahm wie es ihr am dienlichsten dünkte. Dass sie sich ihrer sicher und selbstbewusst war, zeigte allein schon ihre Maske, die eigentlich keine war, sondern ihrem Umfeld deutlich dartat das sie sich nicht hinter falscher Maskerade zu verstecken brauchte. Der Glanz ihrer dunklen Augen, die feinen Züge unter der sorgfältigen Linien der Gesichtbemalung, sowie der hinreißend lächelnde Mund versprühten einen geradezu magischen Zauber. Und eben dieser Zauber, ließ ihn auch ihre Verteidigung des Künstlers ignorieren.

Asterion gedachte soeben eine schickliche Antwort zu formulieren, als die fröhliche Zwitscherstimme des Gecken erklang und dieser begann um ihn herumzutänzeln. Im Anflug leichter Überraschung verfolgte der Baron das Wirken des albernen Paradiesvogels. Was hat er nun schon wieder im Sinn? Wieder einen seiner verbohrten Schabernacke? Er hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht, da jauchzte der Harlekin auch schon auf und zwar in der Weise als hätte er die Lösung eines Rätsels herbeigeführt und zog just in diesem Augenblicke ein schwarzes Tuch hinter Asterions Kopf hervor. Die umstehende Menge der hoffähigen Pomaden brach hieraufhin in Kichern und auch in schnatterndes Gelächter aus, das dem Erben des gratenfelseners Wohlstands das Blut ins Gesicht schießen ließ. Was wagt sich dieser kleine Wurm von einem Charmeur eigentlich? Einen Adligen des Reiches als Opfer seiner Streiche und Possen zu wählen? In zum Gespött des Abends zu deklarieren? Ein zorniges Funkeln bemächtigte sich der blauen Pupillen hinter der eisernen Maske und für den Bruchteil eines Herzschlages wollte Asterion den Kunstjünger den Handschuh durchs Gesicht ziehen um ihn daran zu erinnern welchen Stand er bekleidete und welche Strafe auf solch „unüberlegter“ Klamauk an der Obrigkeit wartete. Aber dann besann er sich und beruhigte sich. Kühlte die Hitze seines Gemüts mit einem Blick auf die schwarzhaarige Schönheit, deren Name er noch immer nicht in Erfahrung gebracht hatte.
Unerwartete klopfte er dem Narren auf die Schulter und sagte laut: „Ihr Götter, der Mann hat Recht! Ich hörte die Welt und jene um mich herum wie durch einen Schleier und aufs grauenhafteste gedämpft, aber nun… es ist wie ein Wunder, hat dieser hochbegabte Mann des Frohsinns mich geheilt. Ich bin wieder empfänglich für die Erheiterungen des Lebens.“ Überschwänglich klang seine Stimme, ähnlich wie bei einem Bühnenstück sodass ein jeder denken musste, dies wäre nur ein geplanter Spaß unter Freunden gewesen. Verwirrt starrte er den Stoff in der Hand des Künstlers an. „Wie habe ich mir dies bloß eingefangen… ein halbes Gewand lässt sich daraus schneidern.“ Erneut ernteten sie noch ein wenig des Gelächters, aber schließlich kümmerten sich die Leute wieder um ihre eigenen Gespräche und überließen sie wieder sich selbst. Beinahe so, als wäre nichts zuvor gewesen, neigte Asterion betulich das Haupt und eröffnete: „Asterion Delyrnn aus Andiriendar, Baron von Gratenfels, es freut mich außerordentlich eure Bekanntschaft machen zu dürfen, sowohl die Eure“ Er beugte sich in Richtung der Dame, dann zu dem Schelm „wie die Eure“.

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Beitrag von Unvorhersehbares » Di, 22. Apr 2008 14:02

Nicht nur, dass sie diesem unerfreulichem Ding ihren Hut zurück gab, nein, sie setzte sich auch noch für dieses dreckige Kind ein! Eine Dienerin, die sich für ein Betllersmädchen verantwortlich machte! Was war das nur für ein verquertes Bild. Gloreon hätte am Liebsten laut los gelacht, sein Gesicht, das jedoch immer dunkler geworden war, zeugte auch ohne Worte und Gesten von seiner Empörung.
Und dennoch sah er sich gezwungen, es so hinzunehmen.
Besser so, als würde er mit den Wachen, der Festnahme und Dinge, die derer folgen würden, einen großen Aufstand machen und so den Maskenball platzen lassen, auf den sich seine Gattin immer so freute.

Genau zu jener sah er nun. Diese jedoch bedachte Mardir mit einem ungewohnt scharfen Blick. In dieser Villa hier war es nicht Sache irgendeines anderen Adligen, über unerwünschte Eindringlinge zu richten. Zu Hause dürften sie tun, was sie wollten. Hier konnte Dona'era allerdings niemanden gebrauchen, der nach seinem Sinne handelte und das ganze Fest durcheinander brachte.
"Nun, dann mach dir mal keine Sorge, er wird dir nichts mehr anhaben." Ein, wie einstudiertes, Lächeln legte sich auf die Lippen der Baronin, als sie sich wieder an Éira wandte.
Dann bedachte sie die Lyr, die sich für das Kind einsetzte, mit einem Nicken. Sie war überrascht, dass gerade sie auf das Mädchen acht geben wollte. Gleichzeitig war Dona'era froh, dass diese Sache endlich geklärt war, ohne weiteres Tara.
"Gut, dann wird es so sein. Ihr tragt von nun an Verantwortung über dieses Kind. Haltet Eure Hand über sie, denn was sie anstellt, wird heute Abend auf Euch zurück fallen." Sie wartete kurz, um sich sicher zu sein, dass Kaerzaa ihre Worte verstanden hatte, ehe sie sagte: "So wünsche ich Euch noch einen schönen Abend in unserem Haus und hoffe, Ihr vergnügt Euch. In absehbarer Zeit wird auch das Essen aufgetragen, aber lass noch etwas für die anderen übrig." Letzter Satz galt Éira. Sie frgate sich, ob sie richtig handelte, wusste aber genauso gut, dass sie dieses Mädchen ein weiteres Mal nicht verschonen konnte. Deshalb hoffte sie, dass dieses Mädchen gescheit genug war, die Toleranz, die ihr über ihren Aufenthalt entgegen gebracht wurde zu schätzen und nicht noch einmal unnötig aufzufallen.

Dann hakte sich Dona'era wieder bei ihrem Gatten ein und gemeinsam schritten sie die Treppen hinunter. Kaerzaa und Éira wurden einfach stehen gelassen, die Wachen, die jedoch immer noch in der Nähe des Mädchens standen, bedeuteten ihnen mit Blicken und leichten Gesten, ebenfalls von der Treppe zu verschwinden.
Die Baronesse und ihr mies gelaunter Mann neben ihr verschwanden derweil unter den Maskierten, die sich nun sichtlich gelockert hatten und einen amüsierten Abend entgegen sah. Die Anspannung schien wie weg geblasen.

(und weiter gehts, Irea ;)

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