Der Speisesaal

Drachenblut lädt zum Maskenball am 15. März 2008! Jeder ist willkommen und eingeladen, einen Ausflug nach Alvarania zu unternehmen.
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Unvorhersehbares
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Der Speisesaal

Beitrag von Unvorhersehbares » Di, 17. Jun 2008 16:28

Die Bezeichnung des Raumes war nicht übertrieben. Speisesaal. Hier hatten unzählige Leute Platz. Der Marmorboden glänzte frisch poliert und war nur eines von vielen prächtigen Dingen, die den Raum so edel wirken ließen. Gegenüber des Eingangs ließen tagsüber etliche hohe Fenster, die vom Boden bis zur Decke reichten, Licht in diesen Raum. Nun allerdings konnte man nur den Schein der Laternen, die als Lichtquelle an dem Haus entlang führten, sehen.
Allerdings stach einem das Essen, das die klare Luft schnell mit den Gerüchen verschiedener Gerichte überlagert hatte, wohl am ehesten ins Auge oder doch eher in die Nase.
Kaum war man durch die Tür getreten, wurde man von zwei langen, übereck stehenden reich gedeckten Tafel empfangen. Auf der cremefarbenen edlen Tischdecke, die mit dunkleren Fäden bestickt war, sammelten sich unzählige Kerzenhalter, Blumen unterschiedlichster Farben und Formen und andere dekorative Stücke. Allerdings standen die weißen, angezündeten Kerzen in ihrer Anzahl nicht im Vergleich zu dem Essen, das für den Verzehr bereit auf dem Tisch stand.
Braten, Suppen, Brot, gefüllte Teigtaschen, Muscheln, Schnecken, Obst, Gemüse und allerlei Gewürze aus ferneren Ländern waren nur ein kleiner Teil der dargebotenen Speisen, nichts im Vergleich zu den kleinen Häppchen, die in dem Tanzsaal angeboten worden waren. Es war nicht auszuschließen, dass heute wirklich jeder satt werden würde. Auch wenn jeder den Hunger eines Riesen mit brächte, würde sicherlich etwas auf den Tellern zurück bleiben.
Das Gastgeberpaar, das voraus gegangen war, begab sich zu seinen Plätzen und wartete darauf, dass auch die Gäste einen ihnen genehmen Sitzplatz gefunden hatten. Erst dann ließen Dona'era und Gloreon sich nieder und bedeuteten den Anwesenden mit einer Geste, es ihnen gleich zu tun.
An der Stirnseite des Tisches, der der Tür am nächsten stand, hatte der Baron Platz genommen. Zu seiner Rechten an der Seite der Tafel saß eine Gattin Dona'era und links zu ihm ein anderer Mann, der offensichtlich eine hohe Stellung einnahm, wenn er zur Linken des Barons Platz nehmen dürfte.
Man nahm auf weich gepolsterte Stühle Platz, deren helle Kissen einen geschmackvollen Kontrast zu den Stühlen aus dunklem Kirschholz gaben. Nun war man eine der 150 Personen, die an den beiden Tafeln Platz fanden.
Hier schienen noch mehr Bedienstete herum zu eilen, die darum bemüht waren, den Teilnehmern des Maskenballs die Wünsche von den Augen abzulesen. Sie gingen mit Weinkaraffen, Bierkrügen und anderen gekühlten Getränken herum und schenkten, meist unaufgefordert, nach, um die Anwesenden zur Zufriedenheit zu stellen.

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Asterion Delrynn

Beitrag von Catigern » Mo, 23. Jun 2008 16:59

von -> Maskenball - der Tanzsaal

Einer weiteren Aufforderung bedurfte es wahrlich nicht und den Bericht seines Leibesschutzes ob dem Verbleib des Gossenkindes mit einer wegwischenden Gebärde abtuend reihte sich Asterion hinter dem Baronenpaar ein und betrat gemessenen Schrittes den Speisesaal, der an Pracht und Eleganz kaum zu überbieten und dem festlichen Abend mehr als angemessen war. Während die Vornehmsten der merridiansichen Gesellschaft nachströmten und wie die bunten Fliegen um die reichhaltig gedeckte Tafel ausschwirrten, hielt sich der Gratenfelser Spross dicht bei den Gastgebern und nahm bejahend zu Kenntnis das Gloreon Muratore den Sitz zu seiner Linken für ihn bestellt hatte.
Sich höflich für diese Geste bedankend in Form einer anständigen Andeutung einer Verbeugung ließ er sich den gepolsterten Stuhl von einem Diener zurückziehen auf das er Platz nehmen konnte. Natürlich wartete er zuvörderst noch darauf bis sich der werte Herr Baron und sein Eheweib gesetzt hatten, ehe er sich selbst danieder ließ, ganz wie es die Etikette verlangte. Schon kam ein Mundschenk herbei und erkundigte sich nach seinen Wünschen. Asterion war dies plötzlich gleichgültig geworden, er hatte nur vorgehabt mit einer Person an diesem Abend Wein zu trinken und diese war nun auf und davon. Er orderte einen starken Wein und scheuchte den schmächtigen Pagen dann fort. Mardir Kashnak bezog an der Wand hinter ihm zwischen Gemälden und zuckenden Feuerschalen Posten und verschränkte die Hände vor seinem Körper.

Verklärt starrte Asterion kurz in die funkelnde Röte des Weins in seinem Glas. Er wäre jetzt wirklich gerne bei ihr, aber das ging nicht. Sie hatte keine Macht über ihn, keine Frau hatte das, sie hatte sein Interesse nach ihr gespürt und umgekehrt war es genauso gewesen… aber er war kein tumber Köter der ihr nachlief. Wenn sie fühlte wie er, dann würde sie das nächste Mal zu ihm kommen…
Unverzüglich verdrängte er die Gedanken. Noch war der Abend jung. Und um nicht als schlechter Gast verrufen zu werden, hob er sich wie das Glas in seiner Hand und wandte sich zunächst den versammelten Adligen zu, anschließend Gloreon und seiner Gemahlin Dona'era.
„Meine werten und treuen Freunde, Erhalter und Erben Mérindars, lasst uns das Glas erheben um diesen beiden gutherzigen Menschen hier in unserer Mitte, die uns diesen großartigen Abend und eine noch wunderbarere Nacht ermöglichen, zu lobpreisen für ihr hingebungsvolles Werk das uns alle unter ein Dach und an dieselbe Tafel brachte. Auf den Baron und die Baroness von Muratore. Möge Va'ileska sie noch lange mit ihrer Gabe segnen und Hernýs die seine zumindest heute nicht zu ausgiebig verschenken."

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Beitrag von Shandira » Mi, 25. Jun 2008 16:08

von Maskenball - der Tanzsaal

Beeindruckt von der Gestaltung des Raumes, war es ihr zunächst kaum möglich die Augen von den Wänden zu nehmen. Sie hatte noch nie zuvor einen vergleichbaren Raum gesehen. Zwar war sie schon auf einigen Veranstaltungen gewesen, um sich sehen zu lassen und vor allem gesehen zu werden, aber dies hier übertraf alles.
Wenn es um Geld ging, schien es dem Baron jedenfalls an nichts zu fehlen. Unweigerlich musste sie zu dem Gastgeberpaar hinüber sehen, das am Ende der langen Tafel stand und auf seine Gäste wartete. Glücklich schienen sie trotz des Geldes wohl auch zu sein. Jedenfalls sahen die beiden entspannt aus und nicht so, als würden sie Eheprobleme verbergen wollen.
Bei dem Reichtum und dem Ausrichten so eines Festes könnte ich auch so ruhig sein, dachte sie und musste kurz schmunzeln.

Sie suchte sich einen freien Platz, der zwar in der Nähe des Barons war, sie aber hoffentlich nicht allzu sehr in den größten Punkt der Aufmerksamkeit sitzen ließ. Sie wollte schon ansprechbar für die Herren sein, die etwas zu sagen hatten, aber nicht so nah am Baron sitzen, dass sie selbst von jedem ausgefragt werden konnte.
Als ihr Stuhl zurecht gerückt war, besah sie sich der Runde. Sofort fiel ihr der golden Kostümierte auf, mit dem sie vorhin gesprochen hatte. Kurz stockte ihr Herz und sie sog die Luft scharf ein. Hinter ihm entdeckte sie den Leibwächter, den sie vorhin wegen des Mädchens zurecht gewiesen hatte.
Gut, dass er mich ohne Maske nicht erkennen wird, war ihr erster Gedanke, als sie ihn erblickte. Sie schickte ein höfliches Kopfnicken in die Richtung des Baron Asterion, um sich wieder mit ihm gutzustellen. Hätte sie gewusst, wie hoch er bei dem Gastgeber angesehen war, hätte sie vorhin anders reagiert und ein längeres Gesräch mit ihm geführt (egal, wie sehr ihr sein Verhalten zuwider war). Sie wusste, dass solch Denken oberflächlich war, aber es half einem beim Aufsteigen weiter.
Nun fühlte sie sich nicht mehr allzu wohl auf diesem Platz, viel zu nah an diesem Baron. Doch es war zu spät, um den Platz zu wechseln und darüber hinaus wäre es zu albern. Wahrscheinlich war es so auch eine gute Gelegenheit, sich wieder mit ihm gutzustellen.
So einfach sollte man sich schließlich potenzielle, geschäftliche Beziehungen nicht entgehen lassen.

Mit einem Nicken bedankte sie sich bei einem der Diener, der ihr so eben Wein eingeschenkt hatte und griff nach ihrem Glas.
Im selben Augenblick erhob sich Asterion von seinem Platz und hielt eine Ansprache auf die Gastgeber. Viele der Gäste erhoben sich, manche wenigstens kurz, um ihr Glas zu heben und den beiden zuzuprosten. So auch Lyëssa, die sich kurz erhob und auf die beiden trank (wenn auch recht kompliziert, wenn man erst die Maske aus dem Weg halten muss).

Als sie wieder saß, begannen auch schon die einzelnen Diener herum zu laufen und den Damen und Herren gewünschtes Essen aufzutragen - vor allem was die fettigen Braten von Schwein, Rind und Enten oder anderen Geflügelten anging, die in ihren Soßen lagen.
Lyëssa entschied sich für Pute und einigen bekannten Beilagen. So wie sie das sah, würde sie einiges an Zeit brauchen, um erst einmal das zu essen, was sie gerne würde und dann noch mehr Zeit für die Speisen benötigen, die sie nicht kannte und gerne probieren würde.
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Beitrag von Unvorhersehbares » Do, 03. Jul 2008 18:31

Sâhrbir schloss sich dem allumfassenden Aufruf des Baronenpaares an und folgte den lostrottenden Massen der schwatzenden Edlen in den Speisesaal. Seine kohleschwarzen Augen spähten schneidig unter seinen dunklen Brauen hervor und maßen jeden einzelnen der blasierten und eingebildeten Fatzken die ihn auf dem Wege in den großen Tafelsaal anrempelten oder ihm einen abwertenden Blick schenkten.
Er wusste das seine Gewandung ihn nicht gerade in die Kreise der beliebtesten Bürger beförderte, dazu war zuviel geschehen und zu vieles davon ungerechterweise. Dennoch nährte es die lodernde Flamme des Hasses in ihm. Die Wesen sahen nur die mystischen Zeichen und verschlungene Symbole der Zauberei auf seinen Kleidern und bildeten sich sogleich ihre Meinung über ihn. Er war ein Magier – wie nicht allzu schwer zu erkennen war – und damit ein Gesetzesbrecher. Niemand sprach es laut aus, aber die meisten der hier Anwesenden dachten so. Der Berufsstand des Magisters war längst kein unbescholtener mehr, hinter vorgehaltener Hand warf man ihm List, Tücke und Machtunterwanderung bis Ergreifung vor.

König Bradelus, der Schwächling, der sich lieber mit Kurtisanen umgab und sich von einer Orgie in die nächste stürzte, blind für die Regentschaft und das Wohl des Volkes seines Reiches. Und wer war daran schuld? Fragte man den Gemeinen, die Gilde der Magier. Sie hatten die Gunst der Stunde genutzt, hatten nach Astrelans Tode seinen Sohn unter ihre Fittiche genommen um ihn anzuleiten ein guter Herrscher zu werden. Mittlerweile fand man sogar boshafterer Aussprachen darüber, der junge Monarch stünde unter einem Bann, der ihm zu nicht mehr als zu einer Marionette der Zauberer werden ließ.

Sâhrbir verachtete die Menschen und ihre Küche der Gerüchte, die brodelte und brodelte und doch nichts Sinnvolles hergab. Er war nie einer dieser schmählichen Magiewirker gewesen, die das eigene Königreich zu regieren trachteten wie es angeblich hieß. Er war fern der Intrigen am Hofe der Hauptstadt aufgewachsen und hatte die Künste des Arkanen erlernt. Die Magier seiner Akademie hatten nichts als Abscheu für ihre Brüdern und Schwestern aus dem Hoheitsgebiet übrig, die maßgeblich ihren Machtträumen hinterher jagten.
Fürst Devak Tyrellian von Marciamere hingegen war ein anständiger Mann, er hatte für ihn und seine in Mitleidenschaft gezogene Zunft ein offenes Ohr. Im Gegensatz zu anderen seines Standes hatte er sie nicht alle über einen Kamm geschert, sondern erkannt das es sich nur um gewisse potenziell gefährliche Magi handle die das Königreich an den Rand des Falls und Bürgerkriegs führten. Als weiser und umsichtiger Landesfürst hatte er ihnen, den Beherrschern der Elementarkräfte des Feuers und der Erde der Schule zu Halíndar den Vorschlag unterbreitet die Wurzeln des aufkeimenden Übels dort auszureißen wo sie wucherten und das war hier in Merridia. Hier auf diesem Festball. Hier wo sie alle Masken trugen um ihre heuchlerischen Gesichter nicht offenbaren zu müssen.

Das oberste Kollegium der Akademie war gegen einen offenkundigen Anschlag gewesen, obgleich sie lange um eine Entscheidung gerungen hatten. Immerhin ging es hier um die Zukunft des ganzen Königreichs. Letztlich aber waren sie feige geblieben, wollten weiter zusehen und Neutralität bewahren.
Sâhrbir aber hatte genug von den herabsetzenden Blicken und dem Rufmord seiner Profession. Er hatte in finsterster Nacht den Fürsten Tyrellian aufgesucht und sich ihm angeboten, ohne die Erlaubnis des Kollegiums dafür eingeholt zu haben. Das war es was ihn hierher gebracht hatte. Das war der Grund weswegen er sich ebenso kostümiert wie alle um ihn herum, ob Magier oder nicht, an die Tafel von Speis und Trank begab und kaum das er saß einen stillen unbemerkten Zauber wob. Einen der ihm die arkanen Auren der anwesenden Magi verriet damit er wusste wie viele er heute Nacht auslöschen müsse...

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Beitrag von Schattenherz » Di, 08. Jul 2008 15:00

... Éiras Ratte ist dort, im Speisesaal, schon lange. Dicht an die Wand gedrängt ist sie den Gästen gefolgt, fast als hätte sie die Ankündigung des Hofmeisters verstanden. Auch sie hat vor, sich an diesem Abend den Bauch weiter vollzuschlagen, und sich dabei nicht mit dem Büffet zu begnügen. Eine solche Gelegenheit würde sich ihr ganzes Leben lang nicht mehr bieten – das muss man ausnutzen! Noch während die meisten Gäste dabei sind, sich einen Platz auszusuchen, klettert sie geschickt und blitzschnell an Stuhlbeinen und der Tischdecke hoch, um sich dann zwischen den Speisen auf dem reich gedeckten Tisch zu verstecken. Tatsächlich ist die Tafel so überladen, dass sie wohl kaum zu sehen sein wird... Zwischen Schüsseln, Krügen und einem großen, gebratenen Federvieh verborgen genießt sie nun die Gerüche, die auf sie einströmen. Die Nase wackelt vor Vorfreude, und kleine blaue Funken zucken den gekringelten Rattenschwanz entlang.

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Beitrag von Catigern » Fr, 11. Jul 2008 17:36

Lustlos pickte Asterion mit einer silbernen Gabel in seinem Essen herum. Immer wieder senkten sich die drei ranken Spitzen in die zarten Fleischstreifen, hoben sie kurzzeitig an um sie dann wieder unverrichteter Dinge zurück auf den kunstvollen Teller aus Tafelporzellan fallen zu lassen. Den pflanzlichen Beilagen seines Gerichtes ging es dabei nicht anders, auch sie wurden fortwährend zerstochen, ohne je ihrer Erfüllung näher zu rücken, die da war im Bauche des Adligen aus Andiriendar zu landen. Doch diesen war offenbar nicht nach Speis und Trank und dies verwunderte niemanden mehr als Asterion selbst. Er war frohgemut in den Saal geschritten nachdem die Ankündigung erklungen war dass das leidige Vorgeplänkel des Abends überstanden und man sich nun dem wirklichen Schmausen zuwenden könne. Die Eröffnung der Tafel war gleichzusetzen mit der Eröffnung der politischen Spiele. Zwischen knusprigen Eberfleisch und gesüßten Feigen, floss der schwere Wein in Strömen die Kehlen der Gutbetuchten hinunter, die vom sinnentleerten Geschwätz zuvor völlig ausgedorrt waren.
Die Herren redeten sich in Rage, renommierten von großen Händeln die ihren Familien noch mehr Wohlstand und Einfluss einbringen würden, prahlten von gefährlichen Reisen oder nicht minder wagemutigen Exkursionen die sie unternommen hatten um neue Weidegründe für ihre grenzenlose Habgier zu erschließen, die Damen schwatzten über die neuste Mode oder über einige der schillernden Diamanten, Rubine oder Smaragde mit denen sie sich behingen, tuschelten über ach so geheime Liebschaften und Affären an den verschiedensten Höfen und kicherten albern dabei. Der Baron beobachtete sie alle und er verfemte sie für ihre Borniertheit. Das Reich schwebte am Rande einer Katastrophe, regiert von einem Monarchen ohne eigenen Willen und erweicht von einem Konglomerat aus Magiern. Daneben gesellte sich das Mérindar von zahlreichen Feinden umgeben war, die es bedrohten, sowohl von außen wie auch von innen und jene feinen Pinkel dachten an nichts anderes, als an ihre kleinlichen Nebenbuhlerschaften. Es war zum wahnsinnig werden.

Obgleich er gehofft hatte in der Gesellschaft des Barons und seiner sittsamen Gemahlin die Ruhe zu finden, welche er die Länge des Abends seit seines Eintreffens gemisst hatte, musste er sich eingestehen dass er nach wie vor äußerst aufgebracht war. Nicht nur das ihm ein Straßenbalg vor die Füße gefallen war, ein frivoler Künstler ihm auf der Nase herumgetanzt war und ihm die Begleitung abspenstig gemacht hatte, nein, jetzt saß er auch noch einem Tisch mit lauter hohlköpfigen Banausen, die er eigentlich gar nicht leiden konnte. Er erblickte Lumant Cuive, einen Kaufmann aus der Altstadt Merridias der mit der Einfuhr von exotischen Gewürzen zu seinem Reichtum gekommen war, oder besser gesagt hatte er diesen Umstand seinen Vorfahren zu verdanken. Er suhlte sich nur noch in dem Bad der Goldmünzen die der Handel für ihn abwarf, wobei sich doch so mancher ehrlicher Bürger fragte, woher dieser stetige Überfluss an klingenden Taler herrührte, sicherlich Gewürze waren kostspielig und brachten gute Summen ein, doch Cuive war bei weitem nicht der einzigste der dieses Zweig des Gewerbes betrieb. Woher kam also das ganze Vermögen?
Asterion wusste es. Und es machte ihn krank das solche Kreaturen wie Lumant wegen ihrer Verbrechen nicht belangt werden konnten. Jeder der seinen Kopf für mehr gebrauchte als zum Haare stutzen vermochte zu ahnen dass der Kaufherr nicht mit legitimen Mitteln seinen Reichtum hielt, trotzdem störte es niemanden. Dafür wechselten Gefallen und weitere Summen die Besitzer. Das Reich starb an verdorbenen Wesen wie eben diesem aalglatten Händler. Sein Fürst, der Halbelf Chaenas an Meledôn war da bedauerlicherweise kaum anders. Auch er war zu mildtätig, genau wie der Rat der Stadt und die anderen Souveräne. Wäre er doch nur mehr nach dem Schlage von Jengizu, dem Fürsten der Provinz Jiandor, dem Nachfahren eines Kriegers. Ihm waren die Worte der Ehre noch nicht zu Fremdworten verkommen. In Wesen wie ihm sah Asterion noch eine Zukunft für den sinkenden Stern Mérindars.

Er entsann sich dem Blickkontakt und der knappen Ehrbezeugung der Lady mit der weißblauen Gewandung, die sich wohl ebenfalls nicht das herzstärkende Essen hatte entgehen lassen wollen und ihm gegenüber – einige Plätze zu seiner rechten entfernt – Platz genommen hatte. Ihr Nicken hatte er nur knapp erwidert, es erstaunte ihn beinahe ein wenig dass sie ihn noch wahrnahm nach ihrem ersten unterkühlten Aufeinandertreffen. Vielleicht tat sie es weil sie erkannt hatte dass er gut Freund mit dem Herrn Baron Muratore war und sich somit seiner vorangegangenen Aversion über sie entziehen wollte. Ihm war es gleich. Die grauen Augen des Edlen hefteten sich einen Lidschlag lang an die Frau und er machte keinen Hehl daraus ihr Gesicht zu ergründen, als sie einmal die Maske hochschob um einen Bissen von ihrer Pute zu nehmen. Was er sah, was zu deuten vermochte, gefiel ihm. Auch sonst gab er sich recht anzüglichen Gedanken hin, als er seinen Blick Freigang gestatte um sie einmal näher zu besichtigen und sich unter dem ausladenden Kleid mit all seinem Stoff und Ausschmückungen den wohlgeformten Körper einer Frau vorzustellen. Nach der langen Kutschenfahrt und dem weithin missglückten Abend wäre ein kleines Liebesabenteuer als Ausgleich für die Unannehmlichkeiten fürwahr das richtige zum heben seiner Stimmung. Wenn das Schicksal mit ihm war, ergab sich womöglich doch noch etwas.

Plötzlich schrie am hinteren Ende der Tafel eine schrille Stimme erschreckt auf und das Geklirre von weggeworfenen Besteck oder das Geklapper von umstürzenden Gläsern erklang und legierte sich mit dem scharfen Geräusch zurückschabender Stuhlbeine und dem überraschten Ausrufen etwaiger Adliger. Asterion vermeinte das Wort Ratte neben den ganzen Iiiieeehs und Aiiiiihhs zu vernehmen und fasste sich mit zwei Fingern der linken resignierend an die Schläfe.
Im selben Augenblicke sprang ein dürrer Mann von seinem Sitzplatz auf und seine Augen sprühten geradezu vor Zorn. Während die meisten den Tohuwabohu der entsetzten Schreie ihre Aufmerksamkeit widmeten, fuchtelte der mit einer Sonnenmaske Verschleierte mit seinen Händen durch die Luft und kurz darauf bildete sich wie aus dem Nichts eine lohende Flamme die zunächst zwischen seinen Handinnenflächen tanzte und welche er dann mit einer ausholenden Bewegung auf einen Besucher des Banketts schleuderte. Der Auserkorene, ein feister Mann in einer Tracht deren Farben sich unentwegt zu verändern schienen und ihn zweifelsfrei als Zauberer deklarierten, wurde von dem feurigen Geschoss mitten in der Brust getroffen, sodass es ihn von seinem Stuhl fegte und er tot war, noch bevor auf dem Teppichboden aufschlug.

Ihr Götter, ein Attentatsversuch! schoss es dem Gratenfelser durch den Kopf und er tastete nach seinem Schwertknauf unterdessen Mardir und die anwesenden Wachen von ihrer Statuenhaftigkeit in hektische Betriebsamkeit verfielen um die hohe Gesellschaft mit ihrem Leben vor dem Meuchler zu schützen. Jedoch war der Saal groß und sie noch nicht nah genug heran um dem Assassinen aufzuhalten und die Adligen waren alle viel zu verstört um ihn an seiner schmutzigen Arbeit hindern zu können. Und schon zuckten frische Energien aus seinen Fingerspitzen und eine neue lodernde Teufelei reifte heran. Dieses Mal auf die Gestalt der Dame Lyëssa Charynal gerichtet...

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Beitrag von Shandira » So, 13. Jul 2008 15:44

Ein unwohles Gefühl beschlich sie. Unruhig bewegte sich ihr Bein unter dem Tisch auf und ab. Ihr Blick glitt auf der Suche nach der Ursache dieses beunruhigenden Gefühles nach links. Schnell wurde sie fündig. Deshalb also. Sie sah mitten in das Gesicht des Barons Asterions.
Nachdenklich runzelte sie die Stirn. Ihrem Gefühl nach zu urteilen musste er sie schon länger beobachten. In Angesicht dieser Tatsache spürte sie, wie ihr Gesicht heißer wurde und dem nach zu urteilen, eine leichte Röte annahm. Schnell, aber nicht zu eilig, wie sie hoffte, wandte sie den Bick wieder ab und konzentrierte sich darauf, weiter das Essen einzunehmen, auch wenn sie sich jetzt, auch wenn sie es sich noch so ungerne eingestehen wollte, verunsichert durch seine Blicke fühlte. Nicht zuletzt, da sie die Maske immer wieder anheben musste und glaubte, Asterions Blicke auf ihrer Haut haften zu spüren.
Zuerst irritiert und verunsichert, war sie nun verärgert, dass er sie einfach so über andere hinweg beobachtete, förmlich anstarrte. Andererseits, wenn sie so darüber nachdachte, dürfte sie sich doch eigentlich geschmeichelt davon fühlen, oder? Langsam begann also Interesse in ihr aufzukeimen. Darüber, was für ein Mann sich unter der goldenen Kostümierung wohl verbarg. Sicher, ein wenig hatte sie ihn schon kennen gelernt und wenn sie so darüber nachdachte, konnte sie auf ein weiteres Gespräch mit so einem arroganten Mann verzichten. Andererseits sollte sie vielleicht nicht allzu schnell Schlüsse ziehen und dem Baron noch eine Chance geben. Lächelnd nahm sie ein weiteres Stück des zarten Fleisches zwischen die Zähne.

Da erklangen plötzlich schrille und empörte Schreie, denen sich natürlich auch Lyëssa nicht entziehen konnte. Blitzschnell fixierten ihre Augen den angreifenden Magier. Alles geschah so schnell, dass sie kaum mitbekam, dass die meisten der Schreie wegen der Ratte her rührten. Sie sah nur, wie ein Feuerball sein Ziel tödlich traf. Sie spürte die Energie, die sich um dem Fremden sammelte und hielt erschrocken den Atem an, als ihr die Auswirkungen seiner Anwesenheit bewusst wurde. Sie sah zuckende Energien um seine Fingerspitzen herum blitzen. Was jedoch viel erschreckender war, war sein zorniger Blick, der sie traf und das sicher nicht zufällig. Viel zu zielgerichtet starrte er sie an, seine Augen hatten einen viel zu starken Ausdruck, als dass dieser Blickkontakt von Zufall zeugen konnte.

Eilig erhob sie sich von dem Stuhl, der daraufhin umkippte und auf den edlen Marmorboden aufschlug. Wie alle anderen Anwesenden war auch sie vollkommen überrascht von der Wendung des Abends. Sie hatte die gesamte Situation kaum erfasst und hatte kaum Zeit, sich zu sammeln, da sah sie schon den rötlich, unheilvollenden strahlenden Feuerball auf sich zu sausen. Sie hielt die Luft an und starrte angstvoll dem Erzeugnis reiner Magie entgegen. Es war eine Reaktion aus Schrecken, Angst und vor allem Furcht vor dem Tod, die sie instinktiv handeln ließ. Nein, sie stürzte sich nicht zur Seite, um dort Schutz zu suchen. Sie sah der Gefahr ins Auge. Sie würde sich nicht einfach umbringen lassen. So war jedenfalls der kurzfristig gefasste Plan der jungen Magierin.
Sie spürte die Magie durch ihre Adern fließen, aber sie kontrollierte nicht deren Fluss, daür war zu wenig Zeit. Alles geschah innerhalb weniger Sekunden.
Der Feuerball befand sich schon auf den Weg zu ihr, da brach es einfach aus ihr heraus. Ein kurzes, helles Leuchten, damit sammelte sich die Magie um sie herum. Wie aus dem Nichts formte sich blitzschnell eine Wand aus Wasser vor ihrer Gestalt. Sie war durchaus atemberaubend zu nennen, vor allem von denjenigen, die nicht tagtäglich mit Magie zu tun hatten. Fließendes Wasser breitete sich vor der Magierin aus, um sie zu schützen. Wer genauer hinsah, erkannte einzelne Splitter aus Eis zwischen den einzelnen Wogen. Dass sie sich dem Wasser verschrieben hatte, war in diesem Moment, da ein Feuerball auf sie zuschoss, vielleicht ein Umstand, der ihr Glück bringen würde.
Sie hoffte es jedenfalls. Konzentriert, durchaus aber auch aus Angst vor dem, was geschehen würde, kniff sie die Augen zusammen. Da sie schon zehn Jahre lang den Umgang mit Magie lernte, war ihre Verteidigung sicherlich nicht gänzlich unsinnig. Dennoch war fraglich, wieviel sie tatsächlich brachte, abhängig davon, wieviel Erfahrung ihr Angreifer hatte.
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Beitrag von Unvorhersehbares » Di, 15. Jul 2008 18:12

Glühendrot wie ein kleiner Komet fauchte der magische Feuerzauber auf die überrascht dreinschauende Magisterin zu, versengte dabei die Luft die er durchschnitt, ließ einen bissigen Geruch nach hitzigem Brand und eine Spur prickelnder Magie zurück, und schlug dann in das meerblauen Wassergefälle das sich förmlich aus dem Leere vor der leicht zurückzuckenden Dame materialisierte.
Das Geschoss prallte in den glitzernden fließenden Vorhang, doch kein Donner erfolgte und auch keine Implosion aus gelb, violett, orange und karmesinrot stob auf und riss den zierlichen Leib der Angegriffenen mit zerfetzten und verkohlten Kleidern auf den harten Boden, nichts dergleichen Schreckliches geschah. Stattdessen verschwand die glühende Kugel einfach in der Barriere des nassen Elements, woraufhin kurz darauf ein näselndes, erlischendes Geräusch leise an die Ohren der Umstehenden und nicht zuletzt erleichternd an das der sich Verteidigenden drang. Eine diffuse Rauchwolke war das einzigste was noch von der Existenz des totbringenden Zaubers übrig geblieben war und vor dem schillernden Abwehrbann in die Höhe stieg. Dies sehr zum Ärgernis Sâhrbirs.

Der Attentäter kniff die Lippen zusammen und rief sich eilends einen weiteren Spruch in Gedächtnis. Ihm war klar dass er rasch handeln musste wenn er nicht scheitern wollte. Er hatte keine Zeit zu verlieren, so oder so war er dem Tod geweiht, denn aus diesem Saal würde es für ihn kein Entkommen mehr geben. Aber dessen war er sich bereits bewusst gewesen, als er sich hierauf eingelassen hatte. Er hatte sich einem höheren Ziel verschrieben und notfalls würde er dafür sein Leben opfern und zum Märtyrer werden. Aus den Augenwinkeln sah er schon zwei der Wachen heranhetzen, sie hatten ihre schmuckvollen Hellenbarden zum Stich gesenkt und ihn aufzuspießen wie einen wilden Keiler. Die Gelegenheit würde er ihnen nicht bewilligen. Schnell förderte er aus einer seiner vielen in seinem weiten Gewand versteckten Taschen ein Pulver hervor und verstreute es in der Luft, sprach dabei die zurechtgelegten Worte und entfaltete einen weiteren tödlichen Zauber.

Die Körnchen des verteilten Pulvers tanzten eine Weile in der Luft, wie unnützer gefahrloser Staub, doch dann begann die spektakuläre Verwandlung. Ein jedes Partikel blähte sich bis auf Daumennagelgröße auf, kleinliche Leiber wuchsen heran, sirrende Flügelchen sprossen aus den winzigen Rückchen und ein jedes neu entstehendes Wesenlein starrte mit einen Paar boshafter hell leuchtender Äuglein, klein wie I-Tüpfelchen, auf die anstürmenden Gardisten der Hauswache und auf jeden der böse Absichten gegen ihrer Schöpfer hegte und ihm gedachte Schaden zuzufügen. Es war ein Beispiel hervorragender oder lang erprobter Zauberkunst, die Sâhrbir da vollzog und niemand war stolzer auf sich in dem Moment als die Feuerfliegen sich wie ein entflammter Schwarm auf seine Feinde stürzte als er selbst. Dieser Zauber würde sie aufhalten, würde für das Chaos sorgen das er zwingend benötigte um all jene das Lebenslicht auszublasen die es aufgrund ihrer Arroganz und Selbstsucht verdienten.

Und der Schwarm tat seinen Dienst, erfüllte seinen Zweck mehr als zufrieden stellend.
Stühle kippten zu Reih um, die Menschen und wenigen Absonderlinge andere Völker die an dem Tische diniert hatten schrieen ihr Entsetzen heraus und flüchteten sich in die Ecken des Saals oder stürzten in Richtung der Flügeltüren. Das alles übertönende Summen und Flirren der feurigen Fliegen erfüllte die Räumlichkeit und wo immer das Fluggetier einen Widerstand spürte griff es an und ihre Berührungen verursachten schmerzhafte Verbrennungen und wenn sie sich zumassen auf einen besonders Mutigen warfen, so fing dieser Flammen und ward zur torkelnden menschlichen Fackel.

Hämisch grinsend besah sich der ungewöhnliche Meuchelmörder sein Werk und genoss es die sonst so Hochtrabenden in ihrem Leid zu beobachten, er gönnte sich diesen einen Augenblick denn seine Untertanen beschützten ihn vortrefflich. Die Wachen wanden sich auf dem marmornen Untergrund und mühten sich die Flammen zu ersticken, welche an ihren Wämsern leckten unterdessen ein zusätzlicher Magier nichts gegen die Vielzahl der geflügelten Kontrahenten zu tun wusste, als mit den Händen umherzufächern. Mag es seine Furcht sein die ihn so unkonzentriert handeln ließ? Sâhrbir war es egal, einen Herzschlag darauf war der Erbärmliche zu einer Flammensäule geworden.

Dann erregte erneut etwas seine Aufmerksamkeit und er wandte den Blick dem Baronenpaar zu. Ein überlebender Gardist, ein Mann in einem goldenen Kostüm, das die vielen Brandherde des Saals auf wunderbare Weise reflektierte, ein stämmiger Kerl, dessen Gewandung ebenso schlicht wie sein kantiges Gesicht war, sowie die Zauberkünstlerin die seinem Feuerball getrotzt hatte, drängten sich um die Gutsbesitzer und suchten wohl ihr Heil und fortwährende Gesundheit zu sichern. Nun, eigentlich hatte er nur vorgehabt den anwesenden Magi eine Lektion zu erteilen, aber wer solche verlogenen Individuen in seinen Häusern bewirtschaftete, gar an seine Tafel lud, konnte wohl kaum tugendhafterer Art sein. Von dieser Nacht würde noch lange geredet werden, insbesondere wenn dergleich vielen Berühmten der gerechtfertigte Tod ereilte. Als Strafe für ihre Sünden. Und er, Sâhrbir, würde ihr Vollstrecker sein. Der Vorkämpfer einer neuen Revolte gegen das herrschende Unrecht das Merindár umschlungen hielt. Er hob den Zeigefinder seiner rechten Hand und tangierte ihn auf das noble Grüppchen ein, er schloss die Augen, konzentrierte seinen Geist, spreizte dann seine Hand und fünf hell lodernde Flammenzungen zuckten aus den Fingerspitzen hervor...

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Beitrag von Schattenherz » So, 20. Jul 2008 13:42

Chaos und Geschrei erwarten Éira, als sie den Speisesaal endlich erreicht. Erschrocken bleibt sie in der großen, zweiflügligen Tür stehen und versucht vergeblich, sich einen Überblick zu verschaffen. Was ist denn nun los? Belustigen sich die so die Reichen und die Adligen? Das Straßenmädchen kann sich das eigentlich nicht vorstellen, aber wer weiß… Doch als ihr Blick auf einen Magier fällt, dessen reich verzierte Robe in Flammen aufgeht, begreift sie, dass das Ganze todernst ist. Und gleich darauf schießt ihr durch den Kopf, wie sie das ausnutzen könnte… entschlossen presst sie die Lippen zusammen und macht einige Schritte in den Saal hinein – genau in die entgegen gesetzte Richtung, die die meisten anderen wählen. Geschickt arbeitet sie sich zu den Tischen vor. Wie durch ein Wunder entgeht sie den Feuerfliegen und kommt heil am Tisch an… doch was nun? Suchend blick sie sich um, duckt sich, als sie einen großen Funken auf sich zu fliegen sieht… kurz entschlossen nimmt sie den Rand der Tischdecke und zieht heftig daran. Nach hinten gelehnt versucht sie gegen das Gewicht all der Schüsseln, Teller und Platten anzukommen. Verdammter Mist, Mist, Mist! Verzweifelt sucht sie Halt auf dem Boden, lehnt sich nach hinten – und fällt prompt auf den Hintern, als das kostbare Geschirr und die Speisen scheppernd auf den Boden fallen und das allgemeine Chaos noch verstärken. Unbeirrt, doch hastig rafft Éira die Tischdecke zu einem unförmigen Sack zusammen und beginnt – wer hätte es gedacht! – sich am Tisch entlang zu arbeiten und wahllos die Gerichte einzusammeln. Was auch immer hier geschieht, es bietet Éira eine Gelegenheit, auf die sie nie gehofft hatte. Das ist Essen für eine Woche, oder zwei für die kleine Bande Straßenkinder deren Anführerin sie ist!
Ein paar feste rote Äpfel, ein gebratenes Ferkel mit Grünzeug im Maul, dampfendes, frisches Brot, Hirseküchlein in Pfefferminzsauce… ein haariges, quiekendes Etwas… alles fliegt ohne einen zweiten Blick in den improvisierten Sack.
Halt, Moment… das war aber nichts zu essen! Mit der einen Hand den Sack mühsam festhaltend, mit der anderen kramt sie zwischen all dem Essen rum – und zieht sie mit einem kleinen Aufschrei wieder zurück, gerade in dem Moment, als die Ratte ihren Arm hinauf klettert und beleidigt an ihrem gewohnten Platz in Éiras Manteltasche verschwindet. So glücklich ist das Mädchen über das wieder gefundene Tier, dass sie noch nicht einmal den Biss in den Finger übel nimmt.

Langsam aber sicher wird Éiras Diebesgut schwerer, und neben den Speisen landen nun auch silbernes Besteck und kostbare Kelche in der Tischdecke, so dass sie diese nun hinter sich her schleift… doch ohne es zu merken, hat sich das Mädchen in die falsche Richtung vorgearbeitet – dorthin, wo nicht nur das Baronenpaar, Asterion und die Blaue Dame stehen, sondern auch der irre grinsende Magier, der gerade seine Hand in die Richtung der kleinen Gruppe ausstreckt…
Erschrocken, doch auf eine seltsame Weise fasziniert, mit offenem Mund beobachtet Éira das Geschehen. Sie realisiert nicht, in welcher Gefahr sie selbst schwebt, in der Nähe des Barons und seines Ehrengastes…

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Beitrag von Shandira » So, 20. Jul 2008 23:12

Das Zischen und der leichte Rauch, der durch den kleinen Wasserfall zu ihr auf die andere Seite drang, ließ sie erleichtert ausatmen. Sie lebte noch! Lyëssa konnte es gar nicht fassen. Dennoch ließ die Angst, die sie weiterhin beherrschte, kein Lächeln zu, das sich im Inneren schon geformt hatte. Doch bald schon schwand es, als sie merkte, dass sie die Kräfte verließen. Sie hatte alles in ihrer Macht stehende getan, damit diese Wand hielt und sie beschützte. Von einen auf den anderen Moment brach die Wasserwand zusammen und gab die Magierin frei.
Glücklicherweise hatte der Mörder ihr den Rücken zugewandt. So konnte er die Chance nicht ergreifen, denn sie wusste nicht, ob sie so schnell einen weiteren Angriff standgehalten hätte und außerdem bekam er so nicht mit, dass er sie auch ohne Treffer geschwächt hatte. Sie war eben keine weise, alte Magierin, sondern jemand, der sich noch immer stark beim Zaubern konzentrieren musste.

Fassungslos und nicht fähig, etwas zu tun, starrte sie auf die Flammenfliegen, die ihren ganz eigenen Flug drehten und in Brand steckten, was ihnen entgegen kam. Das alles erschien ihr so unwirklich und unglaublich. Eben noch hatte sie darüber nachgedacht, ob der Abend nicht doch noch recht vergnüglich werden konnte und von einen auf den nächsten Moment musste sie alles tun, um dem Tod zu entkommen.
Es war schon recht leer in dem Saal geworden und auch sie wollte sich auf den Weg zur Tür machen. Gerade war sie bei dem Baronenpaar und noch einigen anderen angelangt - darunter auch Auslöser für die vergnüglichen Gedanken, nämlich Asterion, zu deren zweiten Chance er heute nun wohl keine Gelegenheit mehr haben würde -, da drehte sich der Mörder zu ihnen zu.

Lyëssa stöhnte kurz auf und sah ein Entkommen für vorerst gescheitert. Sie war sich sicher, dass die anderen keinerlei Magie bemächtigt waren und sah sich schon als nötige Helferin. Vielleicht würde sie es schaffen. Vielleicht war aber auch schon alle Magie aus ihr gewichen.
Der Attentäter gab ihnen keine Zeit zum Überlegen. Denn schon rasten fünf weitere Feuerbälle auf sie zu. Lyëssa hielt kurz die Luft an. Dann bemerkt sie eine Bewegung aus den Augenwinkel und die grünen Augen starrten für einen Moment das Bettlermädchen an, das irgendwo her urplötzlich aufgetaucht war. "Verschwinde!", rief sie, nachdem sie in Bruchteilen von Sekunden überlegt hatte, die Kleine umzuwerfen oder sie mit einem Schrei aus ihrer Starre zu wecken, sodass sie sich wieder verkriechen und selber außer Gefahr begeben konnte.
"Raus hier!", schrie sie dann auch, ungeachtet aller Förmlichkeiten, die Gastgeber neben sich an.
Das nächste was sie aus den Augenwinkeln sah, war etwas Rotes, das sehr schnell näher kam. Für Zaubersprüche war es jetzt zu spät, sie warf sich zur Seite und brachte so den Tisch zwischen den Angreifer und sich. Zuerst erklang ein Zischen nahe an ihrem Ohr und machte sie dessen sicher, dass er sie verfehlt hatte. Dann wirbelte alles an ihr vorbei, ehe sie sich auf dem Boden wiederfand, mit schmerzenden Ellenbogen und Knien ob des harten Bodens und ihrer Unsportlichkeit, die gemischt mit einem pompösen Kostüm kein Vorteil sein konnte.
Ihr Blick suchte erst nach dem Mädchen, dann nach dem Baronenpaar und des Rest der Gruppe. Sie hoffte inständig, dass sie sich retten konnten.
Doch ein Geruch ließ sie ersteinmal wieder auf sich selber aufmerksam werden. Es roch nach Rauch und verbrannt. Nach verbranntem Stoff. Unter der Maske wurde es immer wärmer. So ganz hatte er sie nicht verfehlt. Versucht in Panik zu geraten, riss sie sich die Maske und den Hut vom Kopf, ehe sie nach mehreren Versuchen von beidem befreit war.
Achtlos warf sie es davon und ließ es entfernt von ihr abbrennen. Dann versuchte sie, die derzeitige Lage zu erfassen und erhob sich langsam, noch auf Knien, um über den Tisch hinweg zu sehen.
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Beitrag von Catigern » Di, 22. Jul 2008 18:51

Das Atmen wurde zu einer schier unerträglichen Anstrengung. Beinahe hatte Mardir Kashnak das Gefühl das die Luft um ihn herum sich in substanzloses Feuer verwandeln würde um ihn, seinen Herrn und den ehrenwerte Baron und die Baroness zu verschlingen. Jeder kräftige Zug seiner Lungen brachte ihm nicht mehr als ein Quäntchen heißen Lebenshauches ein, wie ein erstickendes Tuch lag Gluthitze, Rauch und der Gestank nach entzündeten und verkohlenden Fleisch über der Räumlichkeit. Schlagartig kehrten Erinnerungen in seinen Geist zurück. Alte Nachgeschmäcke von längst vergangenen Erlebnissen seiner turbulenten Vergangenheit in denen er noch keine Adligen beschützt hatte und sich nicht einmal in seinen Träumen hätte vorzustellen gewagt je in solchen Kreisen verkehren zu dürfen.

Damals, als er sein Dasein noch in der Hafengegend der Hauptstadt gefristet hatte und als einer der zahllosen Almosenempfänger galt die man für niedere Arbeiten heranzog, etwa um die einlaufenden Schiffe zu entladen oder die Latrinen der Spelunken zu reinigen, damals hatte er etwas ähnliches erlebt. Eines der Lagergebäude hatte im Hochsommer Feuer gefangen – man hatte nie aufklären können, auch im Nachhinein nicht - ob dies mit Absicht geschürt oder aufgrund einer Laune der Natur heraus entfacht worden war, jedenfalls züngelte es plötzlich bis weit hinauf in den Himmel und breitete sich rasch aus. Da ein jeder um die einfache Beschaffenheit der Häuser im Hafen wusste und was eine Ausbreitung des Feuers alles anzurichten vermochte, wurde sogleich alles stehen und liegen gelassen und lange Reihen von Menschen bildeten sich um mit Eimer für Eimer gegen den verheerenden Brand anzufechten. Doch das gefährliche und stets nie zu unterschätzende Element trotzte ihnen und sprang auf weitere Obdächer über. Dies war der Augenblick wo Mardir das Geschrei einer Mutter vernahm die eines ihrer jüngsten Sprösslinge vermisste.

Mit Händen und Füßen wehrte sie sich gegen einige Männer der See die sie zurückhielten in ihr eigenes vom Feuer entflammtes Haus zu rennen um nach ihren Kind zu suchen. Seltsamerweise ging diese Szenerie dem Halbork einstens sehr nahe und so überschüttete er sich mit Wasser aus zwei Trogen und stürmte in das gefährdete Haus. Dort im Inneren des schwelenden Heims war es ihm gleichsam gegangen wie nun jetzt im Speisesaal. Der Geruch von brennendem Holz, das Knistern der schlangenartig rötlich zuckenden Flammen an der Westseite der Hütte und am Dachgebälk und die allgegenwärtige beißende Hitze. Was es von der Gegenwart unterschied war lediglich das er seiner Zeit verhindern konnte das Menschenfleisch ebenfalls ein Fraß des gierigen Raubtiers Feuer wurde, denn er fand den unauffindbaren Knaben bewusstlos im oberen Stockwerk und schaffte ihn aus dieser Hölle. Für die Rettung hatte es zwar keinerlei Begleichung gegeben, aber der Blick der Mutter war ihm Lohn genug gewesen. Fortan gab es nämlich eine Menschenfamilie die einem Mischblut wie ihn gerne einmal zu sich einlud um ihr dürftiges Essen mit ihm zu teilen und über den Rand ihrer Holzteller hinausschaute und in ihm, Mardir Kashnak, mehr als nur einen blutrünstigen Orken sahen.

Die Koronen von fünf auf sie zubrausenden feurigen Zungen lässt den Leibwächter diese Erinnerungen, aber wieder eiligst in sein Hinterstübchen verdrängen. Wichtigeres gilt es im Moment zu leisten. Sein Herr befindet sich in dringlicher Lebensgefahr und mit ihm seine gleichgestellten Bekannten, den dürren Baron mit dem weißen Kunsthaar und sein Weib mit der beengenden Krause um den Hals. Das Breitschwert unlängst in der Pranke wiegend, blickt er rasch zu dem für die Festlichkeiten herauspolierten Gardisten neben sich, der noch mehr zu schlotternd scheint als die kreischenden Damen die sich in den Ecken des Saales drängen, und zu der Gestalt in den bläulichweißen Tönen, die nach erfolgreicher magischer Gegenwehr zu ihnen gestoßen war. Auch seinen Herrn streift er mit den dunklen Augen, erkennt aber stolz – wie er es von ihm gewohnt ist – das dieser sich hoch erhobenen Hauptes der Todesgefahr stellt ohne auch nur den Anklang von Furcht in seinen zu allem entschlossenen Gesicht zu zeigen. Dann hört er die Magierin etwas rufen.

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Asterion Delrynn

Beitrag von Catigern » Di, 22. Jul 2008 18:52

Über das Summen des Schwarms und das Geschrei der in Not geratenen ist ihre Stimme jedoch nur äußerst beschwerlich zu vernehmen. Doch ihr Ruf war anscheinend nicht für sie bestimmt gewesen, denn einen Lidschlag später erhascht der Halbork am Tische die sich abplagende Figur eines seit langem nicht mehr unbekannten Görs. Und sein Verstand möchte kaum glauben was er da sieht, in all dem lebensbedrohlichen Chaos rafft und stiehlt die Kleine was ihr zwischen die Finger kommt, ungeachtet das sie jeden Augenblick ein Opfer der Feuerfliegen werden könnte. Dieser Leichtsinn der Jugend raubt ihm fast klaren Gedanken, doch er besinnt sich, positioniert sich vor seinen Fürsten und das Ehepaar und dirigiert sie nach rechterhand um die wuchtige Tafel zwischen ihnen und den Meuchler zu bringen. Eben jenes könnte auch die Zauberin vorgeschlagen oder im Sinn gehabt haben, aber einer der magischen Feuerstöße reißt sie schließlich zu Boden und mit ihr den verängstigten Wächter.

„Elender, feiger Mörder! Du wirst deiner gerechten Strafe nicht entfliehen, hierfür wirst du in mehrfachem Tode bezahlen, in dieser Welt und jenen des Diesseits! Ehrlose Seelen wie die deine finden nämlich nirgendwo Ruhe, du bist mit jener Tat auf ewig verdammt!“ schrie an seiner Seite Asterion mit vollendeter Wut aus heiserer Kehle den Assassinen entgegen.
„Nein, dies ist die Zeit der Abrechnung für euer eins die unser Königreich wissentlich zugrunde richten und trotzdem in Saus und Braus leben und sich keinen Gedanken um das Morgen scheren! Ihr habt dies herausgefordert und mein Feuer wird dieses Schloss aus Blindheit und Borniertheit bis auf die Grundmauern reinigen!“ erfolgte die dogmatische Antwort des feindlichen Magus.
Mardir sah wie Asterion der gestürzten Magierin aufhalf, deren prächtiger Hut lichterloh brannte und welchen sie unweigerlich von sich warf. Die Flammenlanze hatte sie zu ihrem Glück nicht in die Brust getroffen wie den armen Wachmann. Der Andiriendar starrte ihr für einen Moment ins entblößte Antlitz und seine Augen hinter der gusseisernen Maske wirkten erstaunt oder bewundernd ob das was er erblickte. Doch dann schien er sich wieder ins Gedächtnis zu rufen wo sie gerade waren und was hier geschah.

„Geschätzte Lyëssa, ein Segen dass seine Zauber Euch nicht aus dem Leben rissen! Ihr seid die einzigste die uns vor diesen Mordgesellen zu schützen vermag, ich bitte Euch zaubert wie Ihr noch nie zuvor in Eurem Leben Magie gewirkt habt, Ihr müsst diese unberechenbaren kleinen Feuerdämonen von uns fernhalten, sonst sind wir verloren!“ rief er ihr eindringlich ins Ohr und berührte dabei nicht zufällig ihre spitze Gehörmuschel.
„Tuschelt soviel ihr wollt, aber retten wird es Euch mitnichten!“ verhöhnte sie der Attentäter und lachte laut unterdessen seine Hände wieder begannen Gesten zu vollführen, was zur Folge hatte das sich eine Rotte von Feuerfliegen zusammenraufte um sich auf sie zu stürzen.

Mardir hatte genug. Er wollte niemanden mehr sterben sehen. Erst recht nicht das Mädchen das diesem höllischen Inferno unmöglich entkommen konnte. „Herr, ich beende das nun.“ War das einzige was er noch sagte, sich abwandte und dann zähnefletschend in die Richtung des Mannes mit der Sonnenmaske stürmte. Er hastete auf den Tisch, sprang von der Kante ab und holte im Fluge noch mit dem Schwerte aus um dem Abscheulichen den Kopf vom Halse zu trennen. Den Ruf seines Herrn vermochte er nicht mehr zu verstehen und beinahe wäre es ihm geglückt den zaubernden Meuchler zu überraschen… aber leider eben nur beinahe.
Baron Gloreon Muratore, Baroness Dona’era, Lyëssa Charynal, Èira sowie Asterion Delrynn wurden nur noch Zeuge wie eine Wand aus dichtem Feuer die Handfläche des Widersachers verließ und den treuen Halbork noch in der Luft mit Haut und Haaren verbrannte, sodass nichts weiter von ihm übrig blieb als seine geschwärzten Überreste, die vor dem grinsenden Kontrahenten auf den Marmor krachten...

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Beitrag von Schattenherz » Mo, 28. Jul 2008 12:09

Voller Entsetzen verfolgt Éira den Ausbruch der Magie – so etwas hat sie noch nie gesehen. Die kleinen Funken und den menschlichen Blick ihrer magisch verseuchten Ratte ist sie gewohnt, doch von jemandem, der Feuer aus seinen Händen hervorschießen lassen kann, hat sie noch nie im Leben gehört. Plötzlich hört sie ein Kreischen dicht neben sich, und mit einem Mal erwacht sie aus ihrer Starre – das Feuer rast auch in ihre Richtung! Ihr kostbares Diebesgut im Stich lassend schafft sie es innerhalb von wenigen Sekunden, mit Anlauf unter den Tisch zu schlittern. Umsonst, wie es scheint, denn die Feuerbälle waren ohnehin auf die Blaue Dame gezielt, die sich nun verzweifelt abmüht, ihren brennenden Kopfputz loszuwerden. Schließlich wirft sie ihn hastig und achtlos fort. Stoff und Maske rutschen einige Meter über den Boden und kommen nahe den Tischen zum Halt, wo das feine Gewebe von den Flammen schnell verzehrt wird. Doch eine dieser auflodernden Zungen findet weitere Nahrung am Stoff der Tischdecke, an einem Stuhlbein... langsam, noch schwach und unsicher, setzt sich das Feuer fort.
Doch wer achtet in diesem Augenblick schon darauf, wo doch eine weit größere, unmittelbare Gefahr von dem Magier ausgeht? Éira wirft einen Blick aus ihrem Versteck, gerade als sie Mardirs schwere Schritte über sich auf dem Tisch hört, das Dröhnen des Feuers und den schrecklichen Aufprall der verbrannten Leiche des Halborks auf den Fliesen... dem Bettelmädchen entweicht ein entgeisterter Aufschrei. Doch der Tod Mardirs bewirkt noch etwas anderes...
Hatte sie bis jetzt an nichts anderes gedacht, als unbeschadet und mit möglichst wertvollem Diebesgut von hier zu verschwinden, kreisen ihre Gedanken nun darum, was sie dazu beitragen könnte, diesen bösartigen Meuchler zu bezwingen – und damit sich selbst, die gütige Dona’era, die freundliche Blaue Dame und ihretwegen auch die beiden herrischen Barone vor einem Schicksal wie dem Mardirs zu bewahren. Sie weiß, dass sie nur ein Zünglein an der Waage wäre, doch selbst das mag ausreichen...

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Beitrag von Shandira » Mi, 30. Jul 2008 22:59

Bevor sie richtig zu Atem kam - ihr Kopfschmuck verbrannte indessen in einer der Ecken und verursachte eine neue Gefahr, von der Lyëssa jedoch noch nichts mitbekam - wurde ihr auch schon auf die Beine geholfen. Ihre Augen streiften eine gusseiserne Maske und sie erkannte Augen, in denen sie schon vorhin gesehen hatte. Ein flüchtiges Lächeln überzog ihre Lippen, angesichts der Situation in der sie sich befanden und der Worte, die im nächsten Moment an ihre Ohren drangen, verweilte es jedoch nur wenige Sekunden darauf.
Der Baron bat sie eindringlich, ihre Magie wirken zu lassen, woraufhin Lyëssas Herz schneller und energischer schlug. Zum einen wegen der Berührung Asterions - auch wenn dieser Moment alles andere als der richtige Zeitpunkt war, um die Gedanken auf schönere Dinge zu lenken -, vor allem jedoch, weil er ihr klar machte, welche wichtige Rolle sie in dieser Situation spielte. Als ihr klar wurde, dass er ihr gerade die Verantwortung über das Leben der Menschen in ihrem Umkreis übertragen hatte, wurde ihr Herz für einen Moment schwerer und sie spürte förmlich das Gewicht, das er ihr aufgelastet hatte.

Im selben Moment sah sie den Halbork auf den Tisch springen und hörte seine Worte, die von den Wänden widerhallten.
Die grünen Augen, die an die Wälder der Elfen erinnerten in denen sie aufgewachsen war, hafteten sich an die Gestalt des Leibwächters und weiteten sich, gefüllt mit neuerem Entsetzen, als er in Flammen aufging. Einfach so.

Der pipsige Angstschrei erinnerte sie wieder an das Mädchen, das den entsetzlichen Tod mit ansehen musste und vor deren Augen nun die Leiche des Halborks lag. Sie musste an Asterion denken, der einen getreuen Gefolgsmann oder gar einen Freund verloren hatte. Und an die Baronesse und ihren Gemahl, die ebenfalls sterben würden, würde sie nichts tun. Diese Erkenntnis drohte sie einmal mehr zu erdrücken.
Sie konnte es nicht länger mit ansehen, sie konnte nicht mehr daran denken, dass heute noch weitere Menschen sterben würden.
"Genügend sind heute gestorben", sprach sie ihre Gedanken murmelnd aus und berührte kurz Asterions Arm und sah ihm fest in die Augen. Er konnte sehen, wie ernst es ihr war und mit wie viel Willen sie folgendes ausführen würde.

Dann wandte sie sich an den Assassinen: "Ihr seid ein verfluchter Mörder und bringt nichts als Schande über uns! Ihr habt nicht das Recht, zu wüten wie ein Feuersturm und all die Unschuldigen zu töten!"
Ihr Gesicht verzog sich vor Wut, als sie dem Magier die Worte an den Kopf warf. Sie wollte diesen Mann sterben sehen. Das konnte nun auch dieser deutlich in ihren Augen sehen.
Wut und Magie flossen durch ihren Körper und vermischten sich miteinander auf dem Weg in ihre Hände, deren Taten über das Leben der anderen entscheiden würden. Kurz machten ihre Hände den Eindruck von Klauen, so sehr verkrampfte sie sie; aus ihren Augen loderte Zorn und Hass. Ihre Finger begannen leicht zu glühen, während sie sich ganz allein auf die Magie in sich konzentrierte. Sie nahm nichs anderes mehr wahr. Sie sah nur noch diesen Mörder vor sich, ansonsten nichts. Ansprechbar war sie überhaupt nicht und vermutlich war es auch besser, nun nicht direkt neben ihr stehen zu bleiben.

Zwischen ihren Fingern blitzte es kurz, es sah so aus, als würden sich sogar kleine Eiskristalle zwischen ihren Fingern bilden. Und dann spürte sie die gebündelte Magie und die mit sich bringende Macht in sich. Ruckartig schossen ihre Arme vor und sie zielte auf den Assassinen. Helle blaue Strahlen formten sich vor ihren Händen. Zunächst noch etwas wässrig, wurden sie, je mehr Distanz zwischen Lyëssa und ihnen und je näher sie ihrem Ziel kamen, mehr und mehr zu Eis. Immer mehr vereiste das Wasser, um in mehreren zuckenden Strahlen den Körper des Mannes zu treffen, den Lyëssa nur noch tot sehen wollte. Kein weiterer Gedanke kreiste in diesem Moment durch ihren Kopf.
Tanze, tanze über Tiefen, denn wer tanzen kann der lebt!

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Asterion Delrynn

Beitrag von Catigern » Do, 31. Jul 2008 19:03

Asterion Delrynn, Fürst von Gratenfels, wollte seinen Augen nicht trauen. Was sie ihm vorzeigten, was sie ihm drakonisch und unbarmherzig in die Sinne seiner Sehkraft einbrannten, war so markerschütternd das er von einem Lidschlag auf den nächsten zur Statue erstarrte und zu keiner weiteren Bewegung mehr fähig war. Seine vor Entsetzten und Unglauben aufgerissenen Augen glotzten über die breite Tafel hinweg in die Luft wo sich soeben noch sein treuster Schutz und Freund befunden hatte. Nun, zeugte nichts mehr von seiner Existenz außer verkohlten Partikeln die sich dort sündenlos in der stickigen Luft drehten, schwirrten und zur sich schwärzenden Decke aufstiegen. Schmutzige Fetzchen, Überreste von Haaren, Haut und Kleidung lockerten sich noch immer vom verglimmenden Leib seines Leibwächters und trieben empor. Mehr war nicht von seinem langjährigen Angetrauten übrig verblieben, nicht mehr als ein sich auflösender Körper der nun von den vorherrschenden Winden der gewirkten Magie und des Flammengangs langsam auf ewiglich getilgt werden würde. Niemals mehr würde er Mardirs unfassbare Kraftakte bewundern können, niemals wieder würde er seinen wachsamen Blick um sich spüren der ihm immer ein Gefühl der Sicherheit eingeflößt hatte, niemals wieder würde er sein kehliges Gelächter vernehmen wenn er sie ein solches einmal erlaubte. Es würde nie mehr vorkommen, dass sie gemeinsam hinausgehen würden, zu zweit, gewandet in die schlichte Kleidung des gewöhnlichen Volkes um das Leben an sich zu genießen, ohne die Formelle eines Titels oder Hofes.

In diesem Moment der Bestürzung wurde Asterion all das schlagartig klar. Die sich überstürzenden Umstände hatten ihm einen Freund geraubt. Mitunter wahrscheinlich seinen einzigsten Freund in einer Welt, welche für einen Adligen wie ihn bloß Feinde bereithielt. Die plötzliche Einsicht brandete wie ein Feuerstoß über seine Seele und verwundete sie schwer. Es hätte nicht viel gefehlt und er wäre für unentschuldbare Herzschläge in sich zusammengesunken, da die Trauer zu überwältigend schien. Aber dann kroch ein schriller Schrei in seine Wahrnehmungsorgane und zusätzlich drückte etwas seinen Arm und rief seine abschweifenden bekümmerten Gedanken in die Gegenwart zurück. Woher der aufrüttelnde Aufschrei erschollen war, mochte der Baron nicht so rasch bestimmen, jedoch war es die Magierin Charynal gewesen, die ihn mit ihrer Berührung aus seiner Starre befreit hatte und ihm entschiedene Worte hieß, die von mutiger Tat kündeten.

Und sie beließ es nicht bei dem Gesagten. Erzürnten Gesichtsausdruckes fuhr sie zu dem Attentäter herum und ihre grünen Augen leuchteten auf, als gedachten diese Blitze zu verschießen. Ihre fein geschwungenen Lippen verschmähten den heimtückischen Gegner, der dies zum erneuten Male nur mit einem höhnischen Lächeln abtat und sich stattdessen an seinem Vernichtungswerk ergötzte, das rund um sie herum tobte. Die Schwärme seiner Feuerfliegen summten ein Lied des lichterlohen Untergangs, ihre ungezählten schlierenartigen Schweife zogen ein Spinnennetz aus Rot und Orange über den Saal und wo immer sie mit ihren winzigen Insektenleibern einen Wandteppich oder eine Gemälde streiften, ging dieses oder jenes binnen weniger Augenblicke darauf in hell züngelnden Flammen auf. Auch der Tisch hatte Feuer gefangen, mit immenser siedender Wut leckte es an dem starken Holz und schaffte es doch es zu entfachen. Die kostbaren Stoffe der Tischbedeckung waren eine schneller Beute für die unersättliche Brunst, sodass es sich mühelos auszubreiten vermochte.

Zwischenzeitlich waren auch die meisten der Gäste des Banketts entweder tot, lagen frei von ihren Bewusstsein am Boden und drohten alsbald der Erstickung anheim zu fallen oder ihnen war die Flucht durch die weiten Portaltüren geglückt. Interessant hieran war allerdings, dass die feuergefährlichen Fliegen den Fliehenden nicht gefolgt waren, wer die Schwelle des Raumes übertrat schien vor ihren Angriffen in Geborgenheit.
Asterion sah wie sich Lyëssas Finger zu Fängen bogen während ihr das dunkle Haar nass und verschwitzt am Schädel haftete oder von dem einen oder anderen heißen Sturmwind kurz aufgepeitscht wurde. Sie mutete vollends von ihrer Magiewirkerei eingenommen. Ihr einstmals weißes Kleid aus Samt war verrußt und angenähte Perlen oder Stickereien waren von dem Aufschlag des Feuerballs verschmort oder zerfetzt worden. Wie sie so dastand und es todesmutig mit ihrem Kontrahenten aufnahm, musste der Edle ihr Anerkennung zollen. Noch ein wenig mehr als ihren zarten Fingerspitzen dann ein geteilter Strom von zugespitztem Wasser entspross, der sich noch im Fluge verfestigte und zu hart glitzerndem Eis wurde.

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