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Asterion Delrynn

Verfasst: So, 03. Aug 2008 18:26
von Catigern
Die funkelnden Geschosse spiegelten die Feuer ringsum wieder, zischten auf den – nun verblüfft dreinschauenden - Meuchler zu und stoben gegen seine Brust. Das Geräusch von einem zerplatzten Spiegel erklang, gläserne Laute einer kristallenen Fläche die splitternd in sich zusammenstürzte. Dann ertönte ein schmervoller Schrei. Die sich ballenden Rotten der Feuerfliegen wichen auseinander, Asterion und der Gloreon Muratore hoben ihre Waffen – des Barons war eine Schmuckklinge, doch sie erfüllte ihren Zweck - und wischten ein paar der lohenden Insekten die ihnen und er Baroness zu nahe kamen aus der flirrenden Luft. Der Rest spritzte unbändig surrend von ihnen fort und etliche von ihnen trudelten weitschweifig einher, einige fielen sogar leblos hinab. Lyëssa hatte Erfolg gehabt, der magische Angriff war vereitelt worden, der elende Mörder wahrscheinlich sogar verletzt.

Dem Fürst aus Anderiendar gestattete es sich erleichtert aufzuatmen, dabei lief ihm sein eigener Schweiß in den Mund. Eiligst riss er sich die Maske vom Gesicht und legte sein von Überanstrengung und Hitze gezeichnetes ebenmäßiges Antlitz frei. Der Ball war schließlich längst vorüber.
„Rasch, wir müssen zur Türe, kommt werte Dona’era und Gloreon, sputet Euch, es geht nicht um weniger als um unser bestes Gut, das Leben!“ Er wies mit seinem Schwertarm in Richtung der Pforte und scheuchte sie förmlich los. Das Ehepaar erhob keinen Widerspruch und tat wie ihnen geheißen. Der schwarzhaarige Goldgewandete flankierte sie auf dem Weg nach draußen und entdeckte dann etwas unter dem Tisch kauern. Er machte einen weiten Ausfallschritt und griff danach. Er umfasste groben Stoff und zog eine mädchenhafte Gestalt unter der halb in Flammen stehenden Tafel hervor.
„Du schon wieder, du machst es dir offenbar zu einer Gewohnheit dich unter den Tischen fremder Leute zu verstecken oder von ihnen aufgelesen zu werden. Dummes Kind, wieso bist du noch nicht geflohen? Du hast doch junge Beine, ab jetzt mit dir!“ Fest umklammerte er ihre linke Hand und zog sie mit sich zur Errettung versprechenden Türe. Widerstand ließ er nicht zu.

Hinter ihnen, stemmte der Attentäter eine seiner Hände auf den erwärmten Marmor und mühte sich ab wieder auf die Beine zu kommen. Seine glyhpenverzierte Robe war unangetastet bis auf zwei Stellen. Mit den Fingern der anderen Hand betastete er sich, fühlte durch die beiden Durchschlüpfe seiner Kleidung und tunkte sie in rötliche Lebensessenz. Er hob die blutig verfärbten Fingerspitzen und starrte sie einem Augenblick lang glaubenslos an.
„Du jämmerliche Dilettantin hast mich verwundet!“ kreischte er Lyëssa an und konnte seinen Blick kaum von seiner erschreckenden Aufspürung abwenden.
„Du hast meinen arkanen Schild durchschlagen…du erbärmliche kleine Schlange hast… meinen Zauber überwunden, den ich von Meister Nimias persönlich erlernte… du hast mit deinem eisigen Speeren meine Haut und Organe durchbohrt… die ich von den Göttern geschenkt bekam… du widerliche Dirne der verabscheuungswürdigen Obrigkeit hast mich getötet…“ seine Stimme war nur noch ein greller Ton, der die Ohren der Elfe schmerzen musste. Mehr verzerrte Dissonanz als verständliche Wortbildung.

„Siehst du denn nicht was um dich herum geschieht? Bist du nicht als eine der Alten von dieser Welt geboren? Haben die Einflüsse der Dekadenz dich und dein Volk schon derart verdorben, das Ihr die Habsucht und das Verwelken der Harmonie nicht mehr erkennt? Die einfachen Menschen klagen in den Straßen, Unruhe greift um sich, jene die sich am Blut laben sollen des Nachts gesichtet worden sein, man fürchtet Krieg… und über all dem gipfelt das Geschwür der Korruption… und frisst sich an diesem Königreich satt… tue dagegen etwas Mädchen… flieh…oder stirb!“
Seine gellende letzte Ansprache trotze dem lautstarken Prasseln und Knistern des Feuers, welches bereits den gesamten Speisesaal umfangen hielt. Die Luft stank nach schmorendem Fleisch und schwelendem Holz. Keine Seele befand sich mehr in der großen Räumlichkeit. Die elfische Magiekünstlerin und der tödlich verwundete Assassine waren die letzten. Und bald sollte es gar niemand mehr sein, denn schon wirbelten die Arme des Mannes mit der Sonnenmaske in einem letzten Kraftakt durch die Luft und ein Glühen ging von seiner Gestalt aus. Es wirkte als erstrahle sein Innerstes, deutlich zeichnete sich sein feingliedriger Körper durch die Substanz seines Ornats, der sich im nächsten Moment entzündete und als flammender Fetzen von seinen Extremitäten fiel. Das höllische Lodern füllte seine Augen aus, dann den geöffneten Mund. Seine Haut begann zu schmelzen und wo sich Arterien durch den Leib schlängelten, glimmerten diese rot auf wie flüssiges Magma. Das Blut in ihm schien zu kochen und nur darauf zu warten aus dem Gefängnis aus Fleisch und Knochen hervorbrechen zu können um in einen infernalischen Wutbrand alles um sich herum zu verschlingen...

Verfasst: Do, 14. Aug 2008 10:03
von Schattenherz
Das war’s dann wohl. Ihre plötzliche Anwandlung von Heldenmut ist schnell wieder vorbei, denn die Blaue Dame löst das Problem gekonnt, ohne auch nur ansatzweise Hilfe von einem Kind wie ihr zu benötigen. Wie konnte sie sich auch einbilden, einmal ganz selbstlos etwas Heroisches zu vollbringen? Das passiert nur in Geschichten, und selbst dort sind es nie die Bettler, die alles zum Guten wenden. Missmutig beginnt sie, unter dem Tisch hervorzukrabbeln, um sich wieder ihrem Diebesgut zuzuwenden, da wird sie unvermittelt angebrüllt, an der Hand gepackt und in Richtung Ausgang geschleift. Auch wenn sie es versucht – Gegenwehr ist völlig nutzlos gegen einen erwachsenen Mann.
„Jahrtausendhand und Krevetten!“, zetert das Mädchen, als sie halb durch die Halle geschleift wird. Verzweifelt, ein gieriges Glänzen in den Augen, versucht sie auch nur irgendetwas von den Kostbarkeiten auf den Tischen zu erreichen, während sie hinter dem Baron, der ihre Hand wie in einem Schraubstock festhält, her stolpert. Das Einzige was sie erreichen kann, ist eine silberne, feine Gabel… na immerhin. Ein letzter sehnsüchtiger Blick über die Schulter zu all dem, das sie vorhin zusammen gesammelt hatte, zeigt ihr nicht nur, was jetzt unerreichbar für sie ist. Mit plötzlichem Erschrecken erkennt sie auch, wovor der Baron sie bewahrt hat. Nicht nur die Tische brennen jetzt, auch an den Wandteppichen leckt das Feuer empor, an den Geländern, und das Feuer sucht sich dröhnend weitere Nahrung. Mit einem Mal muss Asterion sie nicht mehr hinter sich her ziehen – flink wie sie ist, hängt stattdessen nun der Baron an ihrer Hand und muss sich beeilen, mit ihr mitzuhalten. Hinter ihr ertönt das unartikulierte Kreischen des tödlich verwundeten Magiers, doch sie versucht nicht, ihn zu verstehen: Schnell weg hier!, ist der einzige Gedanke den sie fassen kann. Mit der Hand, in der sie die Gabel hält, packt sie ihren Hut und springt über die Schwelle der großen, zweiflügligen Tür, die hinaus auf den Gang führt, und rennt ohne zu zögern, ohne auch nur einen Gedanken an die anderen zu verschwenden, weiter. Nur weg! Erst an der nächsten Tür macht sie halt. Wo auch immer diese hinführen mag – dieser Palast ist ein verdammtes Labyrinth! – schon das Öffnen bereitet ihr Schwierigkeiten und dauert kurze Zeit, bis sie herausfindet, dass man an diesem Knauf drehen, und nicht ziehen muss…

*schnief* ;(

Verfasst: Sa, 16. Aug 2008 19:23
von Shandira
Auch wenn nicht ihr Körper selbst den des Assassinen berührte, spürte sie in den Fingern, dass sie auf Widerstand gestoßen und ihn sogar durchbrochen hatte. Lyëssa spürte den Triumph in sich aufsteigen und ahnte, dass sie auf das Geschehene stolz sein konnte.
Kurz darauf brach die Magie ab. Die letzten Strahlen aus Eis brachen in tausend Splitter auseinander und schlugen auf dem Marmorboden auf, wo sie alsbald vom Feuer verschlungen wurden.
Die Magierin atmete schwer, ihr war unendlich warm in ihrem Kostüm und sie hätte es sich am Liebsten vom Leibe gerissen. Die Haare klebten ihr in Strähnen auf der Stirn und im Nacken. Doch all das wurde in den Hintergrund geschoben, als sie ihren Erfolg sah.

Kurz noch warf sie einen Blick zu Asterion, der das Baronenpaar und das Kind in Sicherheit brachte. Sie lächelte leicht und drehte sich zu dem Assassinen um, deren Anschlag sie vergolten hatte.
Es folgte eine Welle von wütenden Worten, die aber nicht wirklich bis zu Lyëssa durchdrangen. Sie hatte nur Augen für das Blut, das dem Magier entzogen wurde und mit ihm sein Lebenssaft. Er würde sterben. Die Toten waren gerecht und das Baronenpaar gerettet.
Sie versuchte nicht, ihren Stolz zu verdrängen, sie kostete ihren Sieg aus.

Dann sprach auch ihr Opfer diese Tatsache aus. In solch hohen Tönen, dass sich die Elfe die Ohren zuhalten musste, weil sie dachte, sonst würde sie taub werden. Doch schnell redete der Mann weiter, versuchte ihr seine Ansichten deutlich zu machen oder auch vielleicht, sie umzustimmen. Doch all das prallte an einer Mauer aus Eis ab. Sie hörte ihm nicht zu, sie wartete nur noch auf seinen Tod.
Erst bei seinen letzten Worten wurde ihr erst wirklich wieder bewusst, wo sie war. Im Hintergrund sah sie Gemälde und Teppiche in Flammen stehen und auch der Tisch war kaum etwas anderes mehr als ein Flammenmeer. Ihre Arme fühlten sich schlaff an und ihr Kopf brummte leicht. Sie hatte all ihre Kraft genutzt, um dem Übel ein Ende zu setzen.

Flieh…oder stirb!
Trotz der elenden Hitze breitete sich eine Gänsehaut unter ihrem Kostüm auf ihrer Haut aus, als sie diese Worte vernahm. Ein eisiger Schauer lief ihren Rücken hinunter und ließ sie sprachlos verharren. Einige Momente lang starrte sie den Assassinen nur an, der kurz darauf, direkt vor ihren Augen, förmlich in Flammen aufging.
All der Stolz und Triumph waren mit einem mal aus ihr gewichen.
Ich muss verschwinden! Er hatte Recht, entweder sie lief oder starb. Und sie lief. Mit einem Ruck löste sie sich und lief.
An ihre Ohren drang ein letzter Schrei, der alles andere als menschlich klang. Sie rannte so schnell sie konnte und dennoch spürte sie, dass es mit jeder Sekunde heißer um sie herum wurde. Egal, wie schnell sie lief, es war fast so, als würde sie vom Feuer verfolgt werden. Es dauerte nur Sekunden, da hatte es schon zu ihr aufgeholt.
Angstvoll sah sie zur Tür, sah das Lächeln in dem Gesicht des Barons Asterion vor sich und das Mädchen, das trotzig und selbstsicher zu ihr hinauf blickte. Sie sah die Wälder von Sieryan vor sich, wie die grünen Bäume an ihr vorüber rauschten, die Gesichter ihrer Eltern und kleine Szenen aus ihrem Leben, die sie sonst immer lächeln lassen hatten. Nun umklammerte nur pure Furcht ihr Herz und schien sie nicht mehr loslassen zu wollen.
Und kurz darauf spürte sie nichts mehr. Es folgten Sekunden von unvorstellbaren Schmerz, als die Flammen nach ihr griffen und sie umschlossen hielten, mit solcher Kraft, dass es unmöglich war, ihnen zu entfliehen.

Asterion Delrynn

Verfasst: So, 24. Aug 2008 19:50
von Catigern
Oh große Cirian, Hüterin des Weltenlichtes und Rechtssprecherin über Gut und Böse, halte deine schützende Hand über uns! betete Asterion Delrynn in der Stille und Unhörbarkeit seines Geistes. Er war nie ein besonders gläubiger Mensch gewesen, musste sich in jenem Augenblicke sogar eingestehen das es Monde her war das er zu einer der amtlichen Andachten oder Messefeierlichkeiten der Verehrung der sieben Götter erschienen war – wie es eigentlich recht und sittlich für einen Edelmann wie ihn gewesen wäre -, aber in just diesen Herzschlägen die verstrichen und in der sein lebensbedeutendes Organ seine Hatz wie Stakkatotrommeln begleitete, da wusste er es war ein ungeheureres Fehlverhalten seinerseits gewesen. Göttlicher Beistand wäre jetzt sehr wohl von Belangen gewesen, denn die Notlage in der er und seine Schutzbedürftigen sich nun befanden hätte kaum desolater sein können. Der dickliche Baron Gloreon hatte seine Gattin bei der Hand genommen und führte sie wie ein furchtstrotzender Heißsporn in den prächtig dekorierten Korridor, welcher den Speisesaal mit den hinteren Zimmerfluchten verband. Sein unnützes Schwert aus Pomp und Schmuckwerk in der anderen Faust haltend und mit der Bereitschaft in den Augen jeder neuen Gefahr mit Wagemut zu begegnen. Dona’era hingegen schien ähnlich gefasst wie ihr Gemahl, gab sich nicht dem vergeblichen Kreischen hin und vermied es gar in Ohnmacht zu sinken. Wacker nahm sie den Angriff auf Leib und Leben hin, verschloss ihren Verstand vor all dem Grauen das sie hatte erblicken müssen, der fürchterlichen Überraschung des feierlichen Abends, der alles in eine Katastrophe gewandelt hatte. Eine blutige Katastrophe. Doch sie stand ihre Frau und folgte ihrem Ehemann, dem Wahnsinn des tosenden Feuers zu entkommen, dessen Fressgier sich gewisslich nicht nur auf den Saal beschränken würde.

Den Adligen aus Gratenfels indes, stimmte es begünstigt das sich das fürstliche Gespann derart willensstark im Angesichte der tödlichen Bedrohung benahm, so galt seine Sorge vorerst nur dem Mädchen das er unter der Tafel hervor gefischt hatte. Nach soviel grausig erlittenen Toden, war es ihm zuwider auch nur noch ein Leben zugrunde gehen zu sehen. Nicht einmal ein armseliges Geschöpf des Rinnsteins hatte solch ein entsetzliches Ende verdient. Außerdem war er gar nicht der kaltherzige Baron für den ihn alle hielten, er besaß sehr wohl ein Herz. Und jenes blutete im nächsten Momente heftig, als er zwischen Tür und Angel erkannte das es für die tapfere Magierin des Wassers, die ihnen mit ihrer Zauberkraft die Flucht ermöglicht hatte, keinen Ausweg mehr gab. Der einstmals festliche Saal hatte sich zu einer Falle aus roten verschlingenden Flammen und atemstehlenden stinkendem Brodem verwandelt. Die Wände gleißten und zuckten in der unsteten Lichte des Infernals und das tragende Gebälk ächzte und knackte unter den verzerrenden Schmorbränden. Dutzende Leichen lagen verstreut umher, die meisten schwarz und zur Unkenntlichkeit verkohlt.

Inmitten dieses Schreckensszenarios mühte sich Lyëssa Charynal der Feuersbrunst zu entfliehen, das Gewand flatterte ihr zerfetzt und angesengt am filigranen Körper unterdessen hinter ihr der Leib des finsteren Attentäters sich aufblähte um dann in einem Glutball zu implodieren, nicht unähnlich einer Feuerblüte die sich in ihrer ganzen Pracht und vernichtenden Schönheit präsentiert. Asterion dachte nicht nach, sondern wollte sich in die tobende Hölle stürzen, obgleich dies wohl oder übel sein sicherer Untergang gewesen wäre. Er wollte die Maid des langlebigen Volkes erretten, ihre Aufopferung für die Sache nichtig machen, aber das Schicksal war nicht mit ihm. Ebenso wenig wie es mit der schönen Zauberin war. Ein siedend heißer Luftstoß schleuderte ihn aus dem Portal, weit hinein in den Flur und ließ ihn hart aufkommen. Das Mädchen war klüger gewesen, hatte sich ihm schon zuvor entwunden um sich seiner plötzlichen Torheit – am Eingang zum Saale inne zu halten - nicht aussetzen zu müssen. Nun war sie es die ihm an einem Handgelenk ergriff und mit sich zu zerren beabsichtigte. Doch Asterion war wie benommen. Er starrte in das zersprengte hochkantige Loch das einmal der Zugang zum Saal gewesen war und hinter dem nur noch die zerstörten und lichterloh brennenden Überreste und Trümmer dessen schwelten was vor einer knappen Zeitspanne noch ein Ort des Erlebnisses und der Belustigung gewesen war. Seine Augen suchten nach einer Gestalt… gaben die Hoffnung noch nicht auf das sie das schreckliche Machwerk des irrsinnigen Meuchlers womöglich überlebt hatte. Aber nichts geschah.

Die Flammen flackerten ungerührt weiter und niemand erschien aus ihnen. Erbost schlug der Mann aus Anderiendar mit seiner Faust auf die marmornen Steinplatten um seinem Kummer Ausdruck zu verleihen. Nur ein flüchtiger Blick, ein jämmerlich kurzer Kontakt der Augen war ihnen noch vergönnt gewesen. Zum wiederholten Male zerrte das Bettlermädchen an einem seiner zerschlissenen Ärmel ohne eine Reaktion seinerseits zu ernten. Irgendwann schien sie zu der Einsicht zu gelangen das dem erstarrtem Edlen nicht mehr beizukommen war und so brach sie ihre Anstrengungen ab und rannte stattdessen den Gang entlang, dem Baronenpaar hinterher. Mittlerweile musste das gesamte Schloss von dem Unglück wissen das über es gekommen war, denn wenn schon nicht der Kampf der Magier dies heraufbeschworen hatte, dann zumindest nun die gewaltige Erschütterung die selbst das Grundgemäuer hatte erbeben lassen. Es würde sicherlich nur noch eine Frage der Zeit sein, bis ein vollständiges Regiment der Stadtgarde vor den Toren des Anwesens stand um den Ursachen des Dramas auf den Grund zu gehen. Und wie diese mit einer Diebin umzugehen pflegten die in eine Attentatsgeschichte verwickelt war, wollte das fliehende Mädchen bestimmt nicht herausfinden.

So stürmte sie den schmucken Korridor entlang, krallte sich an unterschiedliche Türen – die ihr wie Hindernisse vorkamen - und werkelte sie auf. Aber gerade als sie die dritte Türe passieren und hinter sich lassen wollte, hallte ein spitzer Schrei von den mit Wappenschilden und Spiegeln verzierten Wänden des dahinterliegenden Flures wider. Und obwohl Geschrei und Gerufe nichts Absonderliches waren binnen dem was geschehen war, vermutlich herrschte großes Chaos in und um das Schloss herum, lugte das findige Mädel durch einen Spalt der hohen Flügeltür um zu sehen wer jenen furchtsamen Schrei ausgestoßen hatte. Was sie mit ihrem kühnen Blick erhaschte war das Bildnis des Baronenpaares Muratore, das auseinander gedrängt dastand, Gloreon mit blutendem Unterarm, seiner Waffe beraubt die vor seinen Füßen lag und seiner Gemahlin Dona’era, welche mit entweichenden Zügen regungslos einige Schritt von ihm entfernt stand mit der blitzenden Dolchklinge eines Mannes im Dienerlivree des Hauses an ihrem perlweißen Halse der seinen Rücken der Türe zugewandt hatte...

Verfasst: Di, 26. Aug 2008 16:21
von Schattenherz
Endlich springt die Tür auf, die der Baron Muratore auf der Flucht hinter sich zu warf. Noch einmal blickt Éira über die Schulter zurück zu dem am Boden kauernden Edelmann, bevor sie die Schultern zuckt und aus seinem Blickfeld verschwindet. Es war ja wirklich nett von ihm, sie zu retten, aber sie würde bestimmt nicht ewig auf ihn warten!
Schon sprintet sie weiter. Hinter der Tür am anderen Ende des länglichen Raumes kann sie noch die laute Stimme des Barons hören, der seine Gemahlin zur Eile mahnt, und so macht sie sich eilig auf den Weg, den beiden zu folgen. Wieder hält das Öffnen der Tür sie länger auf, als sie erhofft hatte, und so kann sie rein gar nichts mehr von dem Baronenpaar entdecken, als sie den Gang betritt. Links und rechts sind im Licht weniger Öllampen eine Menge Türen zu sehen. Irritiert und unentschlossen verlangsamt das Bettelmädchen ihr Tempo etwas. Wahllos öffnet sie eines der Portale, doch erkennt schnell, dass sie sich in einer Sackgasse wieder findet. Und noch nicht einmal ein Fenster, das ihr den Weg nach draußen eröffnet! Hastig dreht sie um, um sich an einer weiteren Tür zu versuchen. So groß ist ihre Sorge, dass sie noch nicht einmal den Zierrat anrührt, der auf den Beistelltischchen und in den Regalen liegt. Ein Zimmer scheint dem anderen zu gleichen, und auch wenn sie sich noch nie in dem Labyrinth der Gassen Merridias verlaufen hat, verliert sie hier doch langsam den Überblick.
Unachtsam öffnet sie die nächste Tür, glaubt nicht mehr daran, dahinter einen weiter führenden Gang oder sonstigen Ausweg zu finden, da erstarrt sie vor Schreck. Der Blick der aufgerissenen Augen huscht über den blutenden Arm des Barons, erhascht einen Blutstropfen, der auf den kostbaren Marmor des Fußbodens fällt, und folgt im nächsten Moment seinem Blick, der voller Schrecken auf dem Dolch an der Kehle seiner Frau liegt.
Die Baronesse! Innerhalb von zwei, drei Sekunden schießen ihr die Möglichkeiten, die sie hat, durch den Kopf.
Umdrehen und Weglaufen? Dieses übliche Vorgehen hätte hier wenig Sinn, denn wie soll sie allein rechtzeitig den Weg nach Draußen finden? Den Kerl in der Livree verdammen und verfluchen, damit er sich umdreht? Was soll das bringen? Die Zeit, einen raffinierten Plan zu schmieden, um zu verhindern, dass der gütigen Baronesse etwas passiert, hat sich nicht, und so entschließt sie sich ohne weiteres Zögern zu einer weniger eleganten Möglichkeit…
Mit aller Kraft stößt sie den schweren Türflügel auf, dann rennt sie los, irgendetwas zwischen einem Angstschrei und einem Kampfgebrüll auf den Lippen. Noch bevor der Livrierte sich ganz zu ihr umdrehen kann, ist sie bei ihm angelangt. Ein Teil ihres Selbst kann nicht glauben, was sie da gerade tut… da springt sie schon ab und rammt ihn seitlich wie eine kleine Kanonenkugel. So fest sie kann klammert sie sich an ihn, schlägt mit einer schwachen Faust auf ihn ein, während der andere Arm um seinen Hals liegt. Nicht um ihn zu ersticken – das auch nur zu versuchen wäre völlig sinnlos – sondern um sich an ihm festzuhalten und ihn mit etwas Glück aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Während der vorgebliche Diener mit seiner Waffe um sich schlägt, um das unerwartete, zappelnde, und definitiv störende Gewicht loszuwerden, verflucht das Bettelmädchen ihn in schriller, in sein Ohr gekreischter Tonlage.
„Du dreckiger Hurensohn, lass sie ihn Ruhe! Die Pest über dich! Mordbrenner! Elender Seuchenvogel!
Die Baronesse hingegen hat geistesgegenwärtig die erste Möglichkeit genutzt, hinüber zu ihrem Gemahl zu eilen, als der Mann sich zu der kleinen kreischenden Furie umwandte. Den Ärmel ihres Gewandes hält sie sich an den Hals gedrückt, denn die Klinge des Attentäters hat ihre Haut geritzt, als Éira gegen ihn sprang.

Asterion Delrynn

Verfasst: So, 31. Aug 2008 19:54
von Catigern
Vor Wimpernschlägen noch hatte sich der gedungene Meuchler aus den benachbarten Arcanischen Landen damit begnügt der feinen Baroness Obszönitäten und brutale Methoden der Tötung ins zuckende Ohr zu flüstern und sich an ihrer Furcht zu weiden, die sich in ihren starren, kaum blinzelnden Augen und der angespannten Haltung widerspiegelten. Er hatte vorgehabt ihrem wohlgenährten und gekleideten Ehegatten zu demonstrieren wie verletzbar und hilflos ihre noble Schicht doch war wenn sie einmal auf sich allein gestellt waren, gänzlich ohne den Schutz ihrer Leibgarden, Vorkoster oder sonstiger Speichellecker. Er wollte ihnen vorführen dass sie nicht einmal mehr in den eigenen Mauern vor den Dolchen der Schatten geschützt waren, das Mérindar mittlerweile zu schwach war um Feinde darin zu hindern, in die Herzen der Städte einzukehren und „ehrbare“ Bürger in ihren Häusern zu ermorden. Zu gern hätte er sich ausgiebig Zeit dafür genommen, den verschreckten Adligenpaar noch einige qualvolle Augenblicke zu bescheren, ehe er ihnen die Kehlen aufgeschlitzt hätte. Sie erlöst hätte von den grausigen Entfaltungen jenes entsetzlichen Abends.

Vithren Gallo hatte innerlich lachen müssen, als er die ersten angsterfüllten Schreie gehört und die anschließend folgenden unterschwelligen Stöße hemmungslos angewandter Magie gespürt hatte, die aus den Nordflügel des Schlosses drangen. Seine Amüsiertheit rührte von dem Gedanken her, dass ihm tatsächlich jemand zuvor gekommen war. Irgendein Narr war rastloser gewesen als er, irgendein Narr der zu allem Überfluss auch noch die Lehren des Arkanen beherrschte. In diesem Moment war er drauf und dran gewesen sein Unterfangen aufzugeben und sich wieder davonzustehlen, denn rasende Zauberer waren für gewöhnlich nicht aufzuhalten und herkömmliche Wachen boten keinen respektablen Schutz gegen die Gewalten der Magie. Das er seinen Auftrag somit nicht hatte erfüllen können, hatte ihn zunächst nicht erheitert, dennoch zeigten die Begebenheiten aufschlussreich auf wieviele Antagonisten scheinbar im Dunkeln lauerten um dem meridianschen Patriziertum zu schaden.

Dieser Maskenball würde gewisslich in die Geschichtsbücher eingehen als Nacht der Flammen und Messer hatte er sich gedacht, nachdem er es sich doch noch anders überlegt hatte und sich – wissbegierig wie er war – über die hinteren Korridore dem wütenden Spektakulum angenährt hatte um doch noch einen Blick auf das Desaster zu erhaschen das den Gastgebern des Festes widerfahren war. Und war diese Entscheidung nicht von göttlicher Eingebung herbeigeführt worden? Fast mutete es dergleichen an, denn als wäre es so vorgesehen worden, flohen just in jenem Augenblicke die edlen Herrschaften selbst aus den schwelenden Ruinen ihres einstigen Mästungssaales, ihm direkt in die Arme.
So war es zu ihrem überraschenden Aufeinandertreffen gekommen, das der Mordbube mit Begeisterung und der Baron und seine Gemahlin mit Schrecken zur Kenntnis genommen hatte. Ein rascher Schnitt unterband den ungelenken Versuch der Gegenwehr seitens des aufgedunsenen Fürsten und schon lag die Baroness in seinem männlichen Griff und ihre sündhaft teuren Duftwässerchen stiegen ihm in die Nase sowie der unverkennbare Geruch der Angst.

Aber eben während er diese Weile der glücklichen Verkettung der Ereignisse und den Triumph des baldigen Sieges auf seiner Zunge schmeckte und seine Dolchhand über die weiche Haut der Kehle der Hochkarätigen strich, da ertönte mit einem Male ein Knall als eine Tür schwungvoll aufgestoßen wurde und ein Strudel aus wehendem Mantel auf in zugeschossen kam. Die schamlosen Worte verebbten ihm zwischen Ober und Unterlippe indessen er versuchte zu erkennen was da auf ihn zustürmte, doch bereits Lidschlags darauf sprang in etwas an, rempelte ihn von seinem Opfer fort und krallte sich mit hochgereckter Hand an seinem Schlund fest. Aufgebracht ob der Behinderung seiner Arbeit und des Gelingens ihn unbeschadet erreicht zu haben, ohne das er etwas davon bemerkt hatte, stolperte Vithren leicht zurück und wirbelte mit seiner Waffe, erwischte den Störenfried aber nur an einem Unterarm. Mit Verblüffung erfasste der Assassine plötzlich wem er diesen Patzer verdankte, zumal jener Plagegeist ihm im nächsten Moment Beleidigungen ins Ohr kreischte, das diese zu klingen begannen. Viel wütender stimmte ihn aber noch das die Baroness seinem Klammergriff entwichen und hinüber zu ihrem Gemahl geflüchtet war, der sie eifrig bei der Hand packte und mit sich fortzog, obgleich sie sich dagegen stemmte, den unerwarteten Retter wohl beistehen zu wollen.

Wütend ruckte der Meuchler herum: „Ein Kind? Ich soll mir meinen großen Auftritt von einem rotzigen Kind verderben lassen? Hah, das ich nicht lache, wirklich ein Tag der Spitzen.“ Sein bösartig schillernder Blick piekte nach Èira und spießte sie regelrecht auf.
„Hast du kleine Ratte überhaupt eine Ahnung wie unbesonnen du gerade gehandelt hast? Hast du eine Ahnung was du mit deiner dummen Tat angerichtet hast? Du hast mich zornig gemacht, immens zornig! So zornig, das ich dir dafür gerne deine Fingerlein einzeln abschneiden würde und danach deine süßen Zehlein und so weiter und so fort… bedauerlicherweise fehlt mir dazu die nötige Zeit…“ Grimmigen Gesichtsausdruckes stapfte auf das Bettlermädchen zu, drehte die Mörderklinge in seiner Hand, sodass sie mit der Spitze nach unten wies und stach nach Èiras Herzen.

„Sie widerlicher Schuft! Seien sie verdammt, mögen die Teufel der Hölle ihre Seele verschlingen für das was sie mir und meiner Familie antaten und nun diesem Kind!“ schrie Dona’era Muratore plötzlich aus vollem Halse und hatte auf einmal einen zierlichen, knapp zwei Fingerlängen messenden schmalen Dolch in der rechten Hand, wo sie diesen hergezaubert hatte, wusste selbst der geübte Meuchler nicht zu benennen, der sie verkniffen musterte nachdem sein Angriff nur den Stoff des Mantels entzwei geteilt hatte, statt das Ärgernis von flinker Göre in die neblige Nebenwelt zu schicken.
„Nicht Dona’era, er wird dich töten!“ klagte ihr Gatte Gloreon sofort drauflos und mühte sich erneut sie weiter in die Sicherheit des Flur zu zerren.
„Gut geschlussfolgert, in der Tat… das hatte ich vor und hole es nun nach. Zeit diesen Klamauk zu beenden!“ ergänzte Vithren Gallo mit erkalteter Stimme und eben so eisigen Zügen und schnellte zu der Baroness herüber, schmetterte ihr kurzerhand die filigrane Waffe aus der Hand, das jene über den Marmor schlitterte, ergriff sie bei den offen getragenen Haaren und setzte den Dolch zum endgültigen Schnitt an… Die fortgeschleuderte Klinge rutschte über den glatten Untergrund und stieß mit dem verzierten Heft gegen Èiras Stiefel.

Verfasst: Mo, 08. Sep 2008 22:22
von Schattenherz
So sehr sie auch versucht, sich an ihn zu klammern – der Attentäter schafft es ohne größere Anstrengung, sie von sich zu schleudern. Doch vorerst scheint ihre wahnwitzige Tat ihr Ziel erreicht zu haben, denn die Baronesse ist wieder in Sicherheit… nun, zumindest nicht mehr in unmittelbarer Todesgefahr. Die Verletzung an ihrem Arm bemerkt sie kaum, das penetrante Brennen der Wunde dringt kaum in ihr Unterbewusstsein vor.
Die Beleidigungen, die der Wütende ihr entgegen schleudert, beachtet das Mädchen gar nicht, diesen Tonfall ist sie von den Tavernen und Spelunken der Stadt gewöhnt. Auf seine Drohungen hin verzieht sie nur gespielt belustigt den Mund – tatsächlich jedoch hüpft ihr Herz vor Angst, und am liebsten würde sie sich umdrehen und davon rennen. Doch dem Mörder den Rücken zudrehen? Das wäre wahnwitzig! Schon stößt sein Dolch vor, doch das flinke Bettelmädchen kann ihm mit mehr Glück als Verstand entkommen. Panisch wirbelt sie herum, und der Dolch zerschneidet nur den Mantel, nicht die Haut…
Ihre Rettung hat sie aber nur der Baronesse zu verdanken, genau wie diese eben dem Mädchen. Auch sie beweist Mut, als sie sich mit ihrem kaum als Waffe zu gebrauchenden Dolch auf den Attentäter stürzt. Doch die Atempause währt nur kurz. Schon schwebt Dona’era wieder in Lebensgefahr, als sich der Attentäter zu ihr umwendet und nun offensichtlich gedenkt, das Theater zu beenden und seinen ursprünglichen Plan auszuführen.
Furchtsam, doch gleichzeitig mit einem zornigen Glitzern in den Augen, beobachtet Éira das binnen weniger Sekunden stattfindende Geschehen. Ihr Blick erhascht den über den Boden schlitternden Dolch, und als wollten die Götter nun endlich eine Entscheidung der Szene herbeiführen, kommt die Waffe genau vor den Füßen des Mädchens zum Stillstand. Sofort erfasst sie, dass dies ihre – und insbesondere die letzte Chance des Baronenpaars ist. Ungeschickt bückt sie sich, versucht gleichzeitig das Geschehen im Auge zu behalten und die Waffe zu greifen. Kaum hat ihre kleine Hand den schlanken Griff des Dolches mit der dreikantigen Klinge umfasst, visiert sie den Rücken des Attentäters an.

Auch der Baron hat währenddessen seinen Mut wieder gewonnen – doch angesichts der lebensbedrohlichen Umstände, in denen seine Gemahlin nun schwebt, kommt es ihm kaum in den Sinn, seine wieder gewonnene, nur wenig kampftaugliche Waffe zu benutzen. Eine andere Waffe setzt er jedoch ein, wenn auch mit zitternder Stimme:
„Haltet ein, Verruchter! Was bringt Euch ihr Tod, wenn ich Euch viel mehr versprechen kann? Ich habe nicht nur Gold und Vermögen, nein… ich habe Landbesitz, Ansehen und Einfluss auf Adel und König! Wählt was Ihr wollt, doch vergießt nicht das Blut der werten Dona’era! Ich flehe Euch an!“
Er meint seine Worte ernst, das sieht man ihm sofort an, doch wer weiß ob diese Versprechungen bei einem solchen mordlustigen Attentäter wie dem Arcanier Anklang finden würden?

Vielleicht denkt der Mörder tatsächlich einen Augenblick über dieses Angebot nach, das Arcanis den entscheidenden Einfluss über Mérindar hätte liefern können, vielleicht belustigt ihn auch das Ausmaß des Verrates, das der Adlige für das Leben seiner Gemahlin zu begehen bereit ist –
Éira weiß dieses kurze Zögern zu nutzen. Es sind nur wenige Schritte, die sie von dem breiten Rücken des Mannes trennen, und diese überwindet sie selbst in ihren zu großen Stiefeln in wenigen Sekunden. Beinahe wäre sie gestolpert, kann sich im letzten Moment noch fangen, hebt dann den Dolch und stößt ihn mit aller Kraft und ohne jedes Zaudern in den unteren Rücken des Mannes.

Asterion Delrynn

Verfasst: So, 21. Sep 2008 19:11
von Catigern
Vithren Gallo grunzte höhnisch ob des bejammernswerten Versuches seitens des Barons das Unvermeidliche noch weiter hinauszögern zu wollen. Die Klinge seines Dolches aus feinstem Hûzathstahl fuhr lautlos durch das substanzlose Element des Atmens und ritzte die Haut an der Kehle der Adligen Muratore auf. Ein dünner, rötlicher Strich erschien und entließ ein Rinnsal der unentbehrlichsten Flüssigkeit überhaupt. Dona’era erstarrte vor Schreck, ihre weit aufgerissenen Augen verrieten das sie dem Tod entgegensah, der bereits an den Rändern ihres Sichtfeldes ihrer harrte. Nur darauf wartend, dass diese Farce um ihr Leben endlich beendet werden würde, auf das er sich endlich ihrer Seele annehmen könnte. Ihr Mut floss dahin wie Eis das unter einer heißen Flamme zu schmelzen begann und ein leises Wimmern drang über ihre bebenden Lippen. Ein gemurmeltes Gebet an die Götter sich ihrer zu Erbarmen sollte sie nun wirklich das Ende ereilen. Doch dann strich die Schneide auch schon wieder an ihrem Halse vorbei ohne dass er ihr jenen vollends geöffnet hatte und sie das Leben aus sich heraussprudeln bemerkte.

Stattdessen verstärkte der Meuchler den Druck seines sie umfassenden Griffes, presste sie dicht an seinen nach Blut und Durchtriebenheit stinkenden Körper und rief ihren Gatten zu: „Landbesitz? Ansehen und Einfluss auf Adel und König? Pah, ich spucke auf eure lächerliche Offerte Baron! Wenn ich euere dekadente Frau Gemahlin und Euch zum Seelenmeer geschickt habe, erwarten mich daheim mehr Wohlstand, Geltung und Macht als Euer kümmerliches Königreich mir dies je gewähren könnte! Zudem werde ich den Segen des „Einzigartigen Tuns“ erhalten der es mir erlauben wird meine begrenzte Lebensspanne auf dieser schönen Welt zu duplettieren. So großzügig ist mein Herr und Meister und als Gegenleistung für dies große Geschenk erwünscht er lediglich das ich Euch zwei Schädlinge zerquetsche, ein anständiger Handel wie ich finde. Ihr, weist nichts auf was mich in irgendeiner Weise umstimmen könnte werter Herr Baron!“ Im Anschluss lachte er widerlich und aalte sich in der Angst, die die zitternde Frau in seinen Armen ausstand indes er seine Klinge zum zweiten Male unter ihr Kinn legte.

Bedacht schnitt er wieder, hielt dann aber erneut inne und wandte sein Gesicht dem entsetzten Gloreon zu. „Ihr würdet wirklich euer eigenes Reich, euer liebes Mérindar verraten um eure Herzensdame vor mir und meinem blutdurstigen Dolche zu erretten?“ hakte er plötzlich nach. Ein argwöhnisches Ausdruck prangte auf seinen markanten, kalten Zügen, eine Spur Spötterei funkelte in den schwarzen Augen. „Das ist köstlich…wahrlich, so weit ist es bereits gekommen. Ihr würdet euren König und eure Landsleute verraten nur um das Leben einer Frau zu retten, die Ihr per Zweckheirat kennen und liebengerlernt habt? Wunderbar, wo ist ein Barde wen man einen braucht! Eine reizende Geschichte, welch Tragödie, welch Brust und Herzschmerz… wisst Ihr Baron, ich glaube Euch sogar das Ihr dies tun würdet, aber ich gehe der Berufung des Todeshändlers nach und nicht der des Usurpators, wendet Euch an jemand anderen, ich bin sicher Umstürzler gibt es in eurem bezaubernden Merridia bereits zuhauf! Und nun, lasst mich meine Arbeit zu Ende führen…“

Bei jenen Worten brach er jählings ab, sein Mund sperrte sich auf und seine bisher geordneten Gesichtszüge entglitten ihm und verzerrten sich zu einer Fratze der vollkommenen Überraschung und tiefem Schmerzempfinden. Der Blick seiner dunklen Augenkreise schielte für einen Moment in die Leere, fand sich dann wieder und er zwang ihn samt seinem Haupt sich umzuwenden. Die Baroness befand sich noch immer wie festgewachsen in seiner Gewalt, doch bespitzelte sie die nachlassende Kraft des sie festhaltenden Armes und wagte ebenfalls zu spähen. Der zweite, angesetzte Schnitt an ihrer Kehle blutete zwar stärker als der erste angespielte, dennoch waren beide noch nicht lebensbedrohlich. Der Attentäter erkannte als er sich halb umgewandt hatte, das lästige Gör hinter sich, das ihm trotzig entgegen schaute, die Hände leer, jedoch deren Rücken besprenkelt mit roten Tropfen. Er blickte mit sich verdrehenden Halse an sich herunter, erfasste den verzierten, mit kleinen Edelsteinen besetzten Knauf des Dolches der Baroness in seinem Rücken, spürte wie warme Feuchte aus ihm floss wie aus einer Quelle und seine Beinkleider tränkte. „Du…?!“

Ihm wurde dunkel vor Augen. Er stolperte ohne ersichtlichen Grund. Dona’era riss sich los. Die Waffenhand des Arcaniers ruckte in ihre Richtung, war aber zu langsam, verfehlte sie. „Nein...“ krächzte Vithren und brach dann auf ein Knie. Er war noch nicht tot. In der Ferne hörte er das Rauschen von irgendwas. Wind in Baumkronen? Wellen eines Meeres? Gleichgültig, er raffte seine letzten Kräfte zusammen und fixierte Èira mit seinen mörderischen, flackernden Augen. „Du hast mich um meine Belohnung und… um meinen Lebensabend gebracht…“ Er keuchte wie ein Untier aus einer Fabel und mühte sich auf die Beine, taumelte auf das Mädchen zu, eine Blutspur hinter sich herziehend. Èira wich zurück, doch er stürzte plötzlich vor und packte sie am Kragen, zog sie zu sich heran. Sein Antlitz schwebte dicht vor ihrem. Sie vermochte in seine teils zornigen, teils traurigen, teils lachenden Augen zu lesen wie er in den ihren. Eine ganze Bandbreite von Gefühlen spielte sich ihn ihnen ab. Blut lief dem Assassinen über die Lippen, als er diese klebrig öffnete und flüsterte: „Du würdest eine exzellente Schnitterin der Todeskaste abgeben.“ Dann lächelte er sie an, der Glanz entschwand aus seinen Augen, die Glieder erschlafften und er sank zu Boden. Erst eine Weile später, als die schweren metallenen Schritte durch den Flur widerhallten und eine nahende Truppe der Leibgarde ankündeten, fiel dem Bettlermädchen das Gewicht in ihrer rechten Hand auf. Der fremde Attentäter hatte ihr seine schmale Klinge mit dem feinziselierten Griff zwischen die Finger gedrückt. Seine Waffe in ihre Obhut gegeben.

„Edelster Herr, edelste Dame, bei meiner Treu, seid Ihr wohlauf? Wir wussten nicht welchen Fluchtweg Ihr nehmen würdet, einige behauptetet gar Ihr wäret Opfer der Flammen geworden. Aber die Götter mögen gepriesen sein, da seid Ihr!“ rief der Hauptmann der Wache aus und ließ seine Männer sogleich ausschwärmen und den Korridor absichern. Sein behelmter Schädel entdeckte den leblosen Meuchler, dann das bewaffnete Mädchen, sein verwirrter Blick flog zu dem sich in den Armen liegenden Baronenpaar. Ehe er fragen konnte, winkte Dona’era ab, verkniff sich ein Schluchzen und erklärte mit gefasster Stimme das man sich um jenes Fräulein wie eine Heldin kümmern solle, denn nichts anderes wäre diese gewesen bei der Verteidigung der Leben der Muratores. Gleichsam sollte eine Gruppe schleunigst in Richtung Speisesaal aufbrechen wo noch Verwundete, insbesondere ein verletzter Baron Delrynn aufzufinden seien, als letztes gab sie Befehl das der Leib des daniederliegenden Mannes verbrannt werden müsse, denn derart Widerwärtiges müsse zu Asche verwandelt werden. Dann nahm sie Gloreon bei der Hand und er sie, und gemeinsam schritten sie, umringt von blitzenden Harnischen und gezückten Schwertern der Garde aus dem Chaos ihres Heims.