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Drachenblut • Thema anzeigen - Unter Dieben

Unter Dieben

Die einst mächtigen Reiche der Menschen und Elfen, die nach den Drachenkriegen gegründet wurden. Die unwegsame Heimat der Orks und Wilden Menschen und das Felsenreich der Bergelfen.

Caradan
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Re: Unter Dieben

Beitragvon Caradan » Mi, 03. Okt 2018 19:37

Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.


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Re: Unter Dieben

Beitragvon Aenaeris » Do, 04. Okt 2018 15:56

Aen grinste erheitert, als sie den Gewandschneider verließen. “Dem hast du’s aber gegeben. Fast tut er mir leid…” meinte die Arcanierin und hielt ihre in Leinenstoff gewickelten Bündel wie einen Schatz in Händen, bevor sie ihre Pferde abholten, ihre Habseligkeiten verstauten und aufsaßen. Die Gegend in die sie ritten, war Aen noch unbekannt, hier war sie noch nie gewesen. Doch die Landschaft war wunderschön, so wie ganz Coralay ihr gut gefiel. Uralte knorrige Bäume dominierten die Gegend. Riesige einzelne Bäume, aber auch ganze Wälder davon. Zusammen mit den kargen Mooren und Sümpfen ergab dies eine ganz wunderbare Natur. Und Caradan hatte Recht. Sie war wirklich nicht für das Meer geschaffen. Viel besser gefiel es ihr im Landesinneren, und je grüner und bergiger, desto besser. Sie lauschte dem Rauschen des Thoran, atmete bewusst die kühle frische Luft ein und erfreute sich an den gelb und rot und orange werdenden Blättern der Bäume. Der Himmel war grau und wolkenverhangen, und dennoch fand die Arcanierin, dass heute ein sehr schöner Tag war. Dieser verging wie im Flug und als des dämmerte, und der Nebel aus den Ufern des Thorans kroch, hielten sie an, um sich ein Nachtlager zu bereiten. Eine riesige Trauerweide bot genau, was sie brauchten. Ihre weit ausladenden und tiefhängenden Äste boten Schutz vor Regen, Kälte und Wind. Hinter den Ästen war es beinahe wie in einer Höhle. Dort breiteten sie ihre Decken aus und vor der Trauerweide errichteten sie ein Lagerfeuer. Aen spießte Brotschnitten auf einen Ast und hielt diesen ans Feuer um sie zu rösten. Während sie dies tat, starrte sie gebannt in die Flammen. Sie konnte sich einfach nicht sattsehen am warmen Feuerschein. Es war einfach zu faszinierend! Als sie das Stöckchen drehte, um auch die andere Seite anzurösten, begann Caradan “Glaubst du, das klappt?” Aen warf ihm einen Blick zu und legte die Stockbrote beiseite. “Was meinst du?” fragte sie ihn. “Glaubst die Worte irgendeiner Frau kriegt ihn aus deinem Kopf raus?” Aen zog eine Brotschnitte vom Stock und stopfte sie sich in den Mund. Sie kaute, und mit vollen Backen nuschelte sie “Wieso denn auch nicht?” “Für ihn gilt das Band doch noch. Vielleicht liegt es nicht an dir sondern an ihm… vielleicht bist du verflucht, auf ewig an ihn zu denken.” Dann lachte er. “Und ich wäre verflucht, bei dir zu sein, auch wenn du nicht ganz bei mir wärst. Aber das wäre gar nicht so schlimm.” Sie schluckte den Brotbrei hinunter und sah ihn forschend an. Es beschäftigte ihn anscheinend sehr. Viel zu sehr. Sie seufzte schwer “Ach Caradan. Es tut mir leid, dass ich dir so viel Ungemach bereite. Es… es ist sehr schwierig und kompliziert. Er war mein erster Mann. In jeder Weise. Wir haben soviel zusammen erlebt und so viel miteinander durchgestanden. Gute wie auch schlechte Zeiten. Und am Ende haben die schlechten Zeiten überwogen. Ich bin ihm lange nach unserer Trennung, als ich ihn totgeglaubt habe, noch einmal begegnet. Und letzten Ende war er es, der mir den Rücken gekehrt hat und in die Wälder verschwunden ist. Ich glaube nicht, dass es an ihm liegt. Der Werwolf in ihm gewinnt Überhand. Er beherrscht seinen Körper, er beherrscht seinen Geist. Und er lässt es zu. Er genießt es, er sucht die Einsamkeit in den Wäldern. Er hasst Menschen und er hasst Städte. Er wird sie immer meiden, wenn es geht. Er lässt zu, dass er immer mehr Bestie wird und eines Tages wird sie auch den letzten Funken Menschlichkeit niederringen, bis nichts mehr übrig bleibt als ein übergroßer Wolf der mit sich und der Welt zufrieden ist. Um ehrlich zu sein, war ich damals ganz froh als er gegangen ist. Er ist mir sehr auf die Nerven gegangen. Ich konnte nicht mit ansehen wie er sein Essen verschlang, ich konnte nicht zusehen wie er sein Bier oder Wein heruntergestürzt hat und die Hälfte davon durch den Bart geronnen ist. Wirklich, es hat mich krank gemacht! Alles was er dann noch war, war Wut, Hass, Blut und Gewalt. Alles, woran ich heute vielleicht noch festhalte, ist die Erinnerung an die Zeit vor der Katastrophe in den wilden Landen. Ich weiß, dass diese Zeit längst vorbei ist und ich weiß dass er nicht mehr gut für mich ist. Ich weiß das alles, und es ärgert mich, dass ich damit nicht abschließen kann. Aber unterschätze nicht die Macht einer Naturmagierin. Ich habe es schon einmal erlebt. In Shuridron lebte vor Jahren eine solche Hexe. Sie hat….” Aen stockte und wurde blass. “Du liebe Güte, das habe ich vergessen. Sie hat damals einen Blutzauber gewirkt. Thero wollte wissen, wessen Kind es ist, das ich in mir trage. Sie hat einen Blutzauber gewirkt. Sein und mein Blut vermischt und… Ob es sein könnte, dass es daran liegt? Blutzauber sind sehr mächtig, wie man hört.” Sie entnahm dem Ast die letzte Brotschnitte und knabberte daran herum. “Mach dir keine Sorgen, Caradan. Wir finden eine Lösung. Alles wird gut. Daran glaube ich ganz fest. Mein Herz gehört dir, und längst nicht mehr Thero. Würde ich heute eine Wahl treffen müssen, würde ich mich nicht für ihn entscheiden, sondern nur für dich.” Sie legte ihre Hand auf die Seine und drückte sie tröstend. Warum nur war das Schicksal nur so grausam?

Auch am nächsten Morgen erwachte Aen früher als man es von ihr gewohnt war. Der Boden war hart und unbequem, dass man sich da nicht direkt noch einmal auf die andere Seite drehen und weiterschlafen wollte. Sie setzte sich auf und begann direkt in Gedanken zu jammern, als ihr Rücken schmerzte. Sie lauschte und hörte, dass es regnete. Sie erhob sich, tauchte den Vorhang aus Trauerweidenästen beiseite und sah sich um. Das Lagerfeuer war erkaltet nass und man konnte es vergessen, es noch einmal neu zu entfachen, so wie alles Holz ringsherum nass und unbrauchbar sein würde. Da half es auch nicht in der kalten nassen Asche herumzustochern. Aen stellte fest, dass sie für das Leben in der Wildnis denkbar schlecht ausgerüstet waren. Nicht mal einen dämlichen verbeulten Kochtopf besaßen sie, in welchem man Wasser heiß machen konnte. An diesem kalten Morgen hätte sie beinahe alles für einen heißen Becher Tee gegeben, oder einen erhitzten Wein. Aber nein, sie hatte sich ausgiebig um Tand wie Kleider gekümmert, Seife und Naschwerk, aber rudimentäre Dinge wie ein Kochtopf, daran hatten sie beide nicht gedacht. Sie wusste auch nicht wirklich, wie es um Caradans Fertigkeiten stand wenn es ums nackte Überleben ging, aber sie war sich fast sicher, dass er da nicht übermäßige Talente mit brachte. Nein nein nein, sie wollte nicht schon wieder an Thero denken, der in der Wildnis wunderbar überleben konnte. Nein! Aber auch Silvar hatte sich auf diese Dinge bestens verstanden. Was er wohl gerade machte? Ob er noch lebte? Ob er sie suchte? Ob er sie bereits verflucht und vergessen hatte? Das gab ihrem Herzen einen kleinen Stich und sie seufzte innerlich. Alle ihre Männer besaßen Vorzüge. In einem Manne alleine konnte man nicht alles finden. Sie grinste bei dem Gedanken daran, wie es wohl wäre, mit ihnen allen dreien leben zu können. Aber davon würde wohl keiner von ihnen etwas halten. Auch, wenn es ihr natürlich nicht schmecken würde, wäre es umgekehrt und Aen nur eine von drei Weibern. Aber Gedanken waren frei. Niemand konnte sie erahnen, und das war bisweilen auch ganz gut so! Sie kroch zu Caradan, der noch unter der Decke zusammen gemummelt schlief. “Wach auf du Langschläfer!” flötete sie in sein Ohr. “Wenn wir nicht rumtrödeln, erreichen wir heute Abend noch eins der Waldkäffer!” Als er sich nicht rührte, schob sie ihre kalte Hand unter sein Hemd und lachte diebisch, als er mit einem Mal wach war. “Wir können heute Abend noch Kolling erreichen. Da war ich schon mal.” Mit Thero. Und auch mit Silvar. Und nun mit Caradan. Aen grinste in sich hinein. “In Kolling gab es eine Hexe…” erklärte Aen. Dass Thero sie allerdings umgebracht hatte, weil er Hexen verabscheute, das verschwieg sie. Brachte ja auch nichts. Üblicherweise zog in das Haus einer Heilerin, einer Kräuterfrau, Hexe oder Magierin immer eine neue. Es gab immer fähige Frauen die eine solche Stelle nachbesetzten. Hoffte sie zumindest. Sicher war sie sich da nicht. Aber seitdem war ein Jahr vergangen. Es musste einfach eine neue Hexe dort wohnen. Wenn nicht, dann mussten sie sich woanders umsehen. In der Dorfschenke wusste man über dergleichen sicher Bescheid. Das erinnerte sie direkt an Kolling und Pethelfurt. In diesem Moment blickte sie stolz und bewundernd auf ihr Leben. Was ihr in ihrem kurzen Leben bereits alles widerfahren war, was sie alles erlebt hatte, damit konnte nicht jedermann aufwarten. Wenn es sich aber vermeiden ließ, würden sie Pethelfurt nicht aufsuchen. Wer weiß, vielleicht gab es den jungen Wirt noch, dem sie die Ehe versprochen hatte. Vielleicht erinnerte er sich an ihr Gesicht. Ja, ganz sicherlich würde er sich an sie erinnern. In dieser Gegend rundherum gab es, wenn man der Kollinger und Pethelfurter Menschen glauben durfte, nur Weiber, deren Arme und Beine stämmiger waren, als die der Männer. Wenn es stimmte, so gab es dort einige zu enge Familienbande… Oder besser gesagt Inzucht Weiber mit Namen wie Adelheid, Ursula oder Edeltraud. Sagte viel aus. Ja, Aenaeris war mit ihrem ansehnlichen Äußeren dort aufgefallen wie ein bunter Hund, und dies würde sie wieder tun, falls dort jüngst nicht eine Reisetruppe an jungen Mädchen eingefallen war, die auf der Durchreise zu einem Schönheitswettbewerb waren. Der junge Wirt würde sich an sie erinnern und wie sie Caradan das erklären sollte, dass sie ihm damals ein Heiratsversprechen gegeben hatte, um Informationen über Ardor zu erhalten, das wollte sie ihm in dieser ohnehin angespannten Situation rund um Thero ersparen. Also auf keinen Fall nach Pethelfurt. Kolling war in Ordnung, aber man musste sich um die Diebesbande die dort vielleicht noch hauste, Gedanken machen. Sebastiéns Truppe. Na, der würde sich vielleicht noch an sie erinnern. Und Ole. Und wie sie alle noch hießen. Nein, besser war es, der Diebesbande nicht zu begegnen. Die Schenke in Kolling war aber sehr nett gewesen. “Kommst du?” riss Caradan sie aus ihren Tagträumen. Er hatte indes bereits das provisorische Trauerweidenlager abgebaut und an den Pferden verstaut. “Ja” lächelte sie und folgte ihm zu den Pferden.

Während die Pferde gemächlich dahin trotteten, unterhielt sie sich angeregt mit Caradan. “In Kolling müssen wir uns vorsehen. Ich war da schon einmal und wie du dir denken kannst, wo auch immer ich auftauche, gibt es nichts als Probleme.” Sie grinste verschmitzt. “Aber sonst wäre das Leben ja langweilig… In Kolling bist du am besten dran, wenn du keine Probleme machst und dich unauffällig verhältst. Viele Männer, wenig Frauen, und die Frauen dort könnten glatt auch als Männer durchgehen. Es schüttelte sie bei der Vorstellung der untersetzten, kräftigen Weiber. Nicht einmal in den Wilden Landen gab es solche Weiber. Die Frauen in den Wilden Landen waren kräftiger als in den übrigen Nordreichen - vom Kollinger Niedermoor abgesehen- dennoch waren sie schön und weiblich. Es war ein echtes Rätsel warum die Frauen um Kolling so waren. Vielleicht doch ein Nebeneffekt von Inzucht? Vielleicht gab es dort etwas im Wasser? Stimmte etwas mit der Pethel nicht? “Vertrau mir, dort musst du mich mit beiden Händen festhalten, wenn ich dir lieb und teuer bin…” grinste sie.
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Re: Unter Dieben

Beitragvon Caradan » Do, 04. Okt 2018 22:16

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Re: Unter Dieben

Beitragvon Aenaeris » Fr, 05. Okt 2018 16:39

Als sie die Schenke “Die Kohlegrube” betraten, richteten sich schlagartig alle Blicke auf sie beide. Alle hielten sie inne in ihrem Tun, ob sie nun würfelten, Karten spielten, stritten, diskutierten oder lachten. Mit Ausnahme von einem Kerl, der selig auf seinen Armen auf der Tischplatte schlummerte, seines Zeichens wohl der Dorfpriester. Aen gab Caradan in Gedanken Recht Sie hätten ihre abgehalfterte Kleidung behalten und hier anziehen sollen, dann wären sie nicht so auffällig. Hier, in ihren einfachen, aber dennoch teuren Gewändern, wirkten sie völlig fehl am Platz. Wobei man sagen musste, dass hier in Kolling sowieso alles auffällig war. Sie waren Fremde, das bot schon genug Anlass zur hellen Aufregung. Und wenn durch ihr beider Zutun nun etwas geschah, dann war es mit dem Dorffrieden ganz vorbei. Und wenn Fremde in ein Dorf kamen, und hernach Unregelmäßigkeiten geschahen, dann würde man selbstredend ihnen die Schuld daran geben. So waren die Menschen, besonders die Abergläubischen. Aen und Caradan stolzierten durch den Schankraum und ließen sich an einem Tischende nieder, wo ihnen Abgeschiedenheit sicher war. Das wichtigste zuerst: Bier und eine warme Mahlzeit. Aen hatte heute noch nichts gegessen außer ein paar Äpfeln und sie hatte einen wahren Bärenhunger. Trotzdem fischte sie mit spitzen Fingern die Paar Fleischbrocken die in ihrem Eintopf schwammen, heraus und warf sie in Caradans Schüssel. Sie tat sich am restlichen Eintopf samt Brot und Käse gütlich. Als sie ihre Schüsseln geleert hatten, lehnte sich die Arcanierin zufrieden zurück, und hielt sich den Bauch. Vielleicht hätte sie sich die letzte Brotscheibe doch nicht einverleiben sollen. Sie tat es Caradan gleich und musterte die Anwesenden, die sich, den Geschwistern wars gedankt, wieder um ihre eigenen Angelegenheiten kümmerten. Der Dorfschulze hatte die Schenke betreten. Aen erkannte ihn, doch sie hatte damals nichts mit ihm zu tun gehabt, weswegen er sie vermutlich nicht wieder erkennen würde. Den Respekt, den er genoß, darauf war die Arcanierin direkt neidisch. Er musste kein Wort sagen, und bekam doch ehrfürchtig einen Becher Wein serviert, dann stellte er sich am Ausschank hin, und ließ seine Augen aufmerksam über die Menschen hier schweifen. Plötzlich benahmen sich alle, keiner schimpfte, fluchte oder stritt, ja selbst die Jäger waren verstummt. Nach einer Weile sagte Aen “Als ich vorhin sagte, du musst mich mit beiden Händen festhalten, war das nicht wortwörtlich gemeint. Ich meine, dass du dich nicht darüber aufregen darfst, wenn mich jemand anglotzt, anspricht oder antatscht.” Sie begann zu lachen. “Ich meine wir reden hier von Männern, die sind doch alle so!” Ihr Lachen wurde vom Wirten unterbrochen, der an den Tisch getreten war und sich erkundigte, ob alles in Ordnung war. Caradan nutzte die Gelegenheit, sich nach der Gesuchten zu erkundigen, wurde jedoch herb enttäuscht. Das Weib war in ihrer Hütte verbrannt, so war die Antwort von Lutz dem Wirten, und, ganz wie Aen befürchtet, aber in keinster Weise gehofft hatte, war weder die Hütte neu aufgebaut worden, noch überhaupt eine neue Dorfheilerin an ihre Stelle getreten. Es war Aen unbegreiflich, wie man auf solch wertvolle Dienste freiwillig verzichten konnte! Als Lutz gegangen war, wirkte Caradan sichtlich niedergeschlagen. “Und was machen wir jetzt?” fragte er Aen und diese zuckte die Schultern. “Mach dir keine Sorgen, Caradan, dann reisen wir morgen eben weiter. Hier in der Umgebung gibt es so viele Dörfer, irgendwo werden wir schon eine Hexe finden.” Sie rutschte näher an ihn heran, bis sie seine Körperwärme spüren konnte, und setzte sich nach einer Weile schließlich auf seinen Schoß und legte einen Arm um ihn. Ihr war nicht entgangen, dass die Kerle sie hier anstierten, etwas anderes hatte sie auch nicht erwartet. Umso wichtiger war es für Caradan, dass sie den Kerlen zeigte, dass sie zusammengehörten und nicht Bruder und Schwester waren. So drehte sie mit der Hand seinen Kopf zu sich und schenkte ihm einen innigen und kaum enden wollenden Kuss. “Was hälst du davon, wenn wir unser Zimmer aufsuchen, und genau das weitermachen wo wir eben aufgehört haben?” raunte sie ihm begehrlich ins Ohr und ihre Hände rutschten in seinen Schoß. Doch soweit kam es nicht, denn mit einem Mal waren sie nicht mehr alleine am Tisch…

Während Caradan sichtlich entsetzt war von diesem ‘Götterweib’, wie sie sich nannte, war Aen ein wenig entspannter. Selbst Hexen waren nur aus Fleisch und Blut, und man konnte sie ebenso töten wie jeden anderen Menschen. Das hatte sie schon zweimal miterlebt. Aen hatte nicht das Gefühl, dass von diesem Weib eine Gefahr ausging, aber trotzdem schmeckte ihr nicht, wie das Weib sprach, besonders über sie. Mörderin hatte sie sie genannt. Das mochte zwar stimmen, aber trotzdem wollte Aen davon nichts hören. Was Caradan betraf, so war dieser wirklich süß, als er seine Hand ergriff und sich auf ihre Seite stellte. “Mir gefällt es nicht, wie du über mich sprichst, Weib…” erwiderte Aen. Da lächelte Dorothea und begann geheimnisvoll “Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.” Spätestens jetzt lief der Arcanierin ebenso die Gänsehaut auf. Die Worte der Frau waren wohl gewählt und wahr. “Und wenn du nicht als Mörderin bezeichnet werden willst, dann darfst du nicht derselben handeln.” Sie winkte mit der Hand ab “Aber seis drum. Mein Name ist Dorothea und ich kann Euch helfen!” Dann blickte sie die Arcanierin fest an und fügte hinzu “Aber alles hat seinen Preis.” “Das ist mir bewusst” brummte die Arcanierin. “Nun, folgt mir.” erwiderte die Frau. “Und wohin?” erkundigte sich Aen. “In mein Haus. Es ist da hinten, hinter dem Wald auf einer kleinen Lichtung. Aber bleibt dicht hinter mir, und verlasst unter keinen Umständen den Weg. Ignoriert Irrlichter, und lasst euch von nichts und niemanden abbringen, verstanden?” warnte sie die beiden. Sie nickten, und als Dorothea sich in Bewegung setzte, folgten die beiden ihr. Der Weg führte auf verschlungenen Pfaden in das Dickicht des Waldes. Das Licht des Mondes drang nur schwach durch die dichten Baumkronen und man konnte den festgetrampelten Weg nur erahnen. Und es war, wie Dorothea prophezeit hatte. Nach einiger Zeit blitzen hier und da kleine Lichter auf. Oft nur für den Bruchteil einer Sekunde. Aen erinnerte sich an die Irrlichter in den Sümpfen Coralays. Sie war ihnen wie eine Motte hinterhergelaufen und es war nur dem Wilden zu verdanken gewesen, der sie aus dem Moor gezogen hatte, sonst wäre sie wohl in dem schlickigen schlammigen Wasser versunken. Nein, sie hatte ihre Lektion gelernt und würde sich an die Wege halten, ganz gleich wie faszinierend oder Neugierde erregend die Lichter auch waren. Hin und wieder war es der Arcanierin, als würde an bestimmten Orte, wo ihr Blick hinfiel, eine Gestalt stehen und so sehr sich sich auch bemühte, sie konnte nicht sagen, ob ihre Phantasie ihr einen Streich spielte, oder ob da wirklich jemand stand. Unweigerlich griff Aen in der Dunkelheit nach Caradans Hand. Sie war sich nicht sicher, ob sie damit Caradan dazu zwingen wollte, dicht bei ihr zu bleiben, dass er der Verlockung der Irrlichter nicht erlag, oder ob es aufkeimende Furcht war die sich ihrer bemächtigte. In jedem Fall war es tröstlich und gab ihr ein gewisses Gefühl der Sicherheit, seine warme Hand in der ihren zu spüren. Der düstere Wald lichtete sich nach einiger Zeit und nach wenigen weiteren Momenten tat sich eine kleine Lichtung auf, wo der Mondschein eine kleine windschiefe Hütte beschien. “Wir sind da” erklärte die Alte und nun ließ Aen Caradans Hand wieder los.

Die Türe quietschte in den Angeln, als die Frau die Türe öffnete, und eine einladende Geste vollführte. “Tretet nur ein!” sagte sie, und Aen folgte dieser Aufforderung, denn sie war sehr neugierig. An einigen Stellen brannten Talglichter und auch einige Kerzen, die nicht sehr viel Licht spendeten, doch genug, um einigermaßen gut zu erkennen, wie es in dem Häuschen aussah. Aen blickte sich neugierig um. Von der Decke hingen unzählige Kräuterbündel, sie war sich nicht sicher, glaubte aber, dass sich am Ende des Dachbalkens im Eck etwas bewegt hatte. Vielleicht eine Eule, oder ein Rabe? Am Tisch stand ein großer Steinmörser und einige kleine Schälchen und Becher, Döschen und Schachteln und Leinenbeutel. Die seltsamen, unheimlich aussehenden Gebilde in einer Schüssel entpuppten sich schließlich als harmlose, dicke, noch mit Erde bedeckten Wurzeln und alles in allem wirkte hier gar nichts bedrohlich. Aen blickte sich um und sah neben der Feuerstelle einen kleinen Tisch mit vier Stühlen. Auf einem der Stühlen döste eine Katze, die sich maunzend trollte, als Dorothea sie mit einer unwirschen Bewegung weg scheuchte. “Bitte, setzt euch” sagte sie leise und holte einer der herumstehenden Kerzen und stellte diese an den Tisch bevor sie sich ebenfalls setzte. “Nun…” faltete sie ihre Hände am Tisch und blickte die beiden erwartungsvoll an, während das Kerzenlicht tanzende Licht und Schattenspiele in ihr Gesicht malte. “Was also kann ich für euch tun?” “Ich denke, du weißt es längst?” fragte die Arcanierin misstrauisch. Da begann die Frau zu lachen. “Ich weiß längst nicht alles. Ich kann in Menschen lesen, das stimmt, wer sie sind, was sie tun oder getan haben. Aber ich kann keine Gedanken lesen. Das ist eine ganz andere Kunst, und das kann niemand. Jedenfalls ist mir noch keine begegnet, die das vollbringen konnte.” Aen nickte verstehend und sie räusperte sich, nachdem sie Caradan einen flüchtigen Blick zugeworfen hatte. “Es ist so… ich möchte mich von einem Mann lösen. Wir haben uns vor Jahren vor den alten Göttern einander versprochen. Aber wir haben uns auseinander gelebt und sind längst getrennter Wege gegangen und ich möchte diesen Bund, dieses möglicherweise unsichtbare Band lösen. Ich war guter Hoffnung von ihm, aber… ach es ist kompliziert. Es war nicht sicher, dass es sein Kind war, und so gingen wir zu einer weisen Frau die weissagen sollte, ob es sein Kind sei. Sie hat dazu sein und mein Blut verwendet und möglicherweise liegt es daran. Ich liebe ihn nicht mehr aber ich kann ihn nicht vergessen. Es quält mich. Meine Gedanken kreisen stets um ihn und es macht mich allmählich schon wütend und rasend. Sie warf einen kurzen Blick auf Caradan. Ich habe einen neuen Mann an meiner Seite, und alles was ich will, ist frei zu sein. Meine Gedanken sollen frei sein, mein Herz soll frei sein. Deswegen sind wir hier.” Die Alte nickte verstehend, aber sie blickte ernst drein. Sie atme tief ein und wieder aus und dann begann sie. “ Wenn du nur einen Bund eingegangen wärest, dann wäre es kein Problem, diesen zu lösen. Aber Blutzauber sind eine ernste Angelegenheit. Ich halte Abstand von Blutzaubern, weil man nie weiß, wie sie sich entwickeln.” “Also kannst du nichts machen?” fragte Aen und in ihrem Gesicht zeichneten sich wachsende Sorge und Entsetzen ab. Da schüttelte die Frau ihren Kopf. “Nur der Tod kann einen Blutzauber auflösen.” “Das… das ist nicht gut. Das ist gar nicht gut…” entfuhr es ihr und sie starrte auf die Tischplatte. Sie wagte es nicht Caradan anzusehen. Die Alte erhob sich und trat an die Feuerstelle, wo ein kleiner Kessel hing. Sie goss sich einen Becher ein und brachte auch Aen und Caradan einen Becher Tee. “Es muss doch irgendetwas geben, was man tun könnte…” meinte Aen. “Lass mich nachdenken… murmelte die Alte, über ihrem Tee brütend. Sie schloss die Augen und schwieg, und auch Aen und Caradan schwiegen. nach einer Weile öffnete sie die Augen wieder. “Ich habe eine Idee. Das könnte funktionieren.” “Und was wäre das?” fragte jetzt Caradan nach. Wer wusste schon, was in seinem Kopf vor sich ging, was er befürchtete, was nun geschehen würde? “Ich kann versuchen, diesen Mann aus ihrem Kopf zu bannen. Sie davon zu heilen. Ich beherrsche die Gabe des Bannens und Geistheilens. Es käme auf einen Versuch an.” Aen nickte “Dann mach das” bat sie. “Aber, was ist der Preis? Du sagtest, alle Dinge haben ihren Preis!” “Eine Silbermünze” “Eine Silbermünze? Das ist alles?” fragte Aen verblüfft, das hatte sie nun wirklich nicht erwartet, was für ein geringer Preis! Die Alte grinste und zuckte die Schultern. “Nun, auch ich muss essen, nicht immer kann ich meine Dienste gegen Naturalien tauschen. So ist nun einmal das Leben.” Aen nickte und wies Caradan mit einem Kopfnicken an, die Alte zu bezahlen. Nachdem sie die Münze eingestrichen hatte, fragte sie Aen “Besitzt du etwas, das diesem Mann einst gehört hatte? Was ein Geschenk von ihm an dich war?” Da schüttelte Aen den Kopf. Nein. Nichts besaß sie mehr von ihm. Der Ring war ihr im Gefängnis enteignet worden, und selbst wenn sie ihn zurückbekommen hätte, würde er sich nun sicher schon am Grund des Aras befinden. “Nun gut, es wird auch so gehen.” Sie schritt hinter die Arcanierin, die auf dem Stuhl saß und wühlte durch ihr Haar und legte eine Hand an ihren Kopf, die andere legte sie an ihre Brust. “Schließ deine Augen. Du musst jetzt ganz intensiv an diesen Mann denken. Streng dich an, denk an frühere Erlebnisse, Gespräche, meinetwegen wie ihr Euch geliebt habt. Das ist sehr wichtig.” Aen schloss die Augen und dachte an Thero, wie schon lange nicht mehr. Es strengte sie richtig an. Da begann die Alte zu murmeln. Erst leise und langsam, dann immer lauter und schneller, bis es einem unheilvollen Singsang glich, der schließlich in einem ohrenbetäubenden schrillen Schrei endete. An diesem Punkt sackte die Arcanierin ohnmächtig an dem Tisch zusammen. Die Alte wandte sich an Caradan “Sei unbesorgt, das ist völlig normal. Sie sollte jetzt schlafen. Und sie sollte diesen Mann vergessen haben. Doch den Blutzauber kann ich nicht rückgängig machen das sollte euch klar sein. Es kann sein, dass durch den Blutzauber nicht alles vergessen wird. Erinnerungen an die man sich nicht erinnert. Unbewusste Erinnerungen. Wie sich das äußert, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht wird sie von einer Traurigkeit übermannt, deren Ursache sie nicht kennt. Oder anders. Das weiß ich nicht. Aber dagegen kann ich auch nichts tun. Damit muss sie leben. Ihr könnt noch hier bleiben. Oder du bringst sie nach Hause, deine Entscheidung.”
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Re: Unter Dieben

Beitragvon Caradan » Sa, 06. Okt 2018 19:31

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Re: Unter Dieben

Beitragvon Aenaeris » Fr, 12. Okt 2018 9:50

“Verarsch mich nicht!” keuchte Caradan. “Ich? Niemals!” grinste Aen und konnte schließlich nicht mehr an sich halten. Sie begann glockenhell zu lachen, sie lachte und lachte, bis ihr der Bauch schmerzte. “Du solltest dein Gesicht sehen, Caradan!” japste sie und als Caradan den Mund auf und zu, auf und zu klappte, um offenkundig etwas zu sagen das er nicht hervor brachte, da lachte die Arcanierin weiter. “Du siehst aus wie ein Fisch. Wie ein dümmlicher Karpfen!” Übermütig ahmte sie seine Mundbewegungen nach, bis er sich setzte, ihre Beine auf seinem Schoß ruhten und er sie unterbrach. “Im Ernst Aen, wie geht's dir? Sie blickte ihn verständnislos an. “Wie soll es mir denn gehen?” fragte sie ihn, während sie sich umsah. Dann fiel ihr Blick auf die Alte, die mit ihrem Teebecher auf einer kleinen Bank nahe der Feuerstelle saß und sie beide beobachtete. “Ach so… jetzt weiß ich es wieder. Wir sind dieser Alten hier gefolgt. Wir sind hierher gekommen um…” Sie unterbrach sich und ihre Miene wandelte sich zu einer seltsamen. Sie schien angestrengt nachzudenken, unter Caradans wachsamen Blicken. “... um zu vergessen…” flüsterte sie mit Grabesstimme. “Zu vergessen… Aber ich…” Erneut unterbrach sich. “Du liebe Güte, ich fühle mich wie besoffen” hob sie nach einer gefühlten Ewigkeit an. “Und ich hab furchtbare Kopfschmerzen!” stöhnte sie und legte ihre Hand auf die Stirn. “Also wie es aussieht, hat es funktioniert. Wir sind hierhergekommen um zu vergessen. Aber bei den Geschwistern… was denn bloss? Ich weiß schon, das ist der Sinn des Ganzen. Aber es macht mich jetzt schon rasend, nicht zu wissen, warum. Wie wird es in Zukunft sein?” Sie dachte nach. Sie war schon immer ein furchtbar neugieriger Mensch gewesen. Und nun war sie scheinbar einen Schritt gegangen und das Endresultat entzog sich ihrer Kontrolle. Zu wissen, dass man sich an etwas nicht mehr erinnern konnte, machte sie rasend. "Mach dir keinen Kopf Aen, sonst wirst du noch wahnsinnig" erwiderte Caradan schließlich. “Ich weiß. Ich tue es aber trotzdem. Du weißt es ganz bestimmt. Also sag es mir.” Caradan schien zu überlegen. Er überlegte sehr lange, und nach einiger Zeit seufzte er und sagte schließlich “"Du wolltest jemanden vergessen, der dir Kummer bereitet hat."Und damit hatte er bei Aen einen empfindlichen Nerv getroffen. Sie beugte sich leicht vor zu ihm und fragte “Wirklich? Wer ist es?” Und auch damit schien sie bei Caradan einen empfindlichen Nerv getroffen zu haben, denn er wurde ein wenig ungehalten. “Ist doch egal! Der Zauber hat gewirkt, das zählt doch!” Aen lehnte sich wieder zurück und verschränkte die Arme. “Du hast Recht…” meinte sie dann. Trotzdem blieb ein ungutes Gefühl zurück und gedankenverloren knabberte sie an ihrer Unterlippe. Da war schon wieder etwas, das zwischen ihnen stand, und das schmeckte ihr gar nicht. Vielleicht hätten sie diese Hexe gar nicht aufsuchen dürfen. Vielleicht wäre es besser gewesen, mit der Gewissheit zu leben, zu wissen, wer ihr da Kummer bereitet hatte, als mit der Tatsache, dass es da jemanden gegeben hatte, und von dem sie jetzt nichts mehr wusste, aber wusste, dass es ihn gab. Sie versuchte diese Gedanken aus ihrem Kopf zu vertreiben und winkte mit der Hand ab “Es war ein langer Tag. Ich bin müde, ich bin erschöpft und ich habe Kopfschmerzen. Lass uns nach Hause…” Sie unterbrach sich. Es gab kein Zuhause. Es gab eine Schenke, und es gab eine andere Schenke, und es gab immer nur Schenken, in denen sie einen oder mehrere Tage verweilten, aber nicht länger. Sie hatte kein Zuhause, keinen Ort an dem sie sich wohl fühlte, der ihr Heimat und Rückzugsort war, und an dem sie sich sicher fühlte. “Lass uns zurück in die Schenke gehen…” verbesserte sie sich. Doch Caradan erhob Einwände. “Wir können heute abend nicht zurück gehen. Wir kennen die Wege nicht, und du hast bestimmt keine Lust, im Moor zu versinken…” “Das stimmt wohl…” erwiderte die Arcanierin und schielte zu der Alten die immer noch auf ihrer Bank saß und ihren Tee schlürfte. “Dürfen wir denn verweilen?” fragte sie Caradan, und dieser nickte.

“Nun… in einem Hexenhaus habe ich auch noch nie übernachtet…” kicherte sie und erhob sich schließlich. Unsicher, was sie nun tun sollte, begann sie, sich in dem Häuschen umzusehen. Skeptisch ließ sie ihre Augen über die zahlreichen Töpfchen, Schälchen und Beutel schweifen die da unordentlich herumstanden, und sich dennoch zusammen in eine gewisse Grundordnung zusammen fügten. Sie konnte nichts entdecken, was irgendwie schlecht oder unheimlich war. Immer wieder warf sie der Alten einige argwöhnische Blicke zu, bis sie schließlich zu ihr herüber schlenderte und sich neben ihr auf die Bank setzte. Eine Weile schwieg sie, dann hob sie an “Was hast du mit mir gemacht?” Die Alte zuckte die Schultern “Ich habe getan was ihr von mir verlangt habt.” Aen nickte. “Und was?” fragte sie nach einer Weile. Da stieß die Alte einen leisen Pfiff durch die Zähne aus “Warum willst du das jetzt wissen? Was hast du davon?” Diesmal war es an Aaen, die Schultern zu zucken. “Ich weiß nicht… es ist seltsam, zu wissen, und gleichzeitig nicht zu wissen. Es ist mir, als fehle mir plötzlich ein Teil meines Lebens, und das ist beunruhigend” “Ist es nicht beunruhigender, von Dingen zu wissen, die einem das Leben schwer machen?” Aen nickte mit dem Kopf “Das schon aber…” “Und ist es nicht so, dass die Menschen sich stets erinnern und wieder vergessen? Unwissenheit ist manchmal ein Segen. Du hast dich dazu entschlossen, einen Teil deines Lebens vergessen zu wollen, das ist geschehen, und nun musst du damit leben, Punkt!” unterbrach sie sie. Aen beobachtete die schwarze Katze die lautlos durch die Hütte trottete, vor ihr stehen blieb und schließlich einen Satz auf die Bank zu den beiden Frauen tat. Nach einer kurzen Weile kletterte sie auf Aens Schoß, ließ sich darauf nieder und machte es sich darauf gemütlich. Vorsichtig legte Aen ihre Hand auf den Rücken der Katze und begann diese zu streicheln. Sie spürte das Vibrieren, als die Katze zu schnurren begann, und sich verstärkte, als sie sie ein wenig fester streichelte. Die Katze wirkte beruhigend auf die Arcanierin und so saß sie einfach nur schweigend da und gab dem Tier, wonach es verlangte. Nach einer Weile erhob sich die Alte. “Es war ein langer Tag, ich begebe mich nun zur Ruhe. Ihr könnt wie gesagt da bleiben. Im Kessel ist heißes Wasser daneben hängt ein beutel mit Teekräutern. Da drüben sind Winteräpfel. Bedient euch, wenn ihr wollt, aber ansonsten fasst nichts an! Ich merke, wenn ihr es tut!” “Jaja, wir fassen ja nichts an…” brummte die Arcanierin. “Bevor ihr schlafen geht, legt noch Feuerholz nach.” “Und wo sollen wir schlafen?” fragte Aen. “Was weiß ich. Dies ist nur eine einfache Hütte. Meine Hütte, und ich habe nur einen Schlafplatz.Ihr müsst selbst sehen, wo ihr die Nacht verbringen könnt.” Aen brummte erneut, und folgte der Alten mit den Augen. Sie verzog sich in eine dunkle Ecke in der Hütte, die Aen vorhin noch nicht aufgefallen war. Dort legte sie sich auf einen raschelnden Strohsack und deckte sich mit einer groben Wolldecke zu.

Aen warf einen Blick zu Caradan, und klopfte mit ihrer freien Hand neben sich, bedeutete ihm, zu ihr zu kommen. “Und bring Tee mit!" wisperte sie. Die Katze schlief immer noch schnurrend auf ihrem Schoß, als Caradan schließlich mit zwei dampfenden Bechern kam und sich neben sie setzte. “Herzallerliebst, diese Katze!” meinte Aen verzückt. “Am liebsten würde ich sie mitnehmen!” “Das habe ich gehört, und die Katze bleibt hier!” drang es vom Schlafplatz der Alten zu ihnen herüber. Aen begann zu kichern. “Ich nehme sie schon nicht mit, keine Sorge!” rief Aen zu ihr herüber und widmete sich dann schließlich Caradan. “Ohren wie ein Luchs…” meinte sie. “Schade, ich wollte schon zu dir sagen ‘In einem Hexenhaus hab ich es auch noch nie getrieben’, aber das können wir wohl vergessen!” gluckste sie. Aen trank schluckweise von dem heißen Tee. “Weisst du, ich habe nachgedacht, Caradan. Über das, was du gestern gesagt hast. Dass du nach Lanyamere möchtest. Dass du dort einige Zeit bleiben möchtest. Warum auch nicht? Ich bin müde, so müde. Immerzu bin ich auf Reisen, rastlos und ruhelos. Vielleicht wird es an der Zeit, einmal zur Ruhe zu kommen. An einem Ort zu verweilen. Vielleicht ein rechtschaffenes Leben führen… Ein Zuhause zu finden, in der Heimat. Ein kleines gemütliches Haus…” Sie sah auf die Katze herunter, die immer noch auf ihrem Schoß döste. “Und eine Katze…” lachte sie. “Ich weiß nicht, ob ich Ruhe finden kann, ob ich an einem Ort verweilen kann. aber ich möchte es gerne einmal versuchen. Was meinst du dazu?”
Well, they say that we are tragic, and they say we're born to lose
You're the misfit, i'm the sinner, you're the heathen, i'm the fool
But today you'll be the master or the slave, it's up to you,
Oh my beautiful disaster take me anywhere you choose...

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