Unter Dieben

Die einst mächtigen Reiche der Menschen und Elfen, die nach den Drachenkriegen gegründet wurden. Die unwegsame Heimat der Orks und Wilden Menschen und das Felsenreich der Bergelfen.
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Aenaeris
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Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Mi, 24. Apr 2019 11:40

“Jetzt ist es aber genug! Ich habe nicht gesagt, dass ich auch kein Bier mehr trinken darf, oder Wein! Ich habe von harten Alkohol gesprochen. Wie Schnaps, oder Branntwein!” Dann stand sie auf, ging langsam um den Tisch herum und machte es sich auf Caradans Schoß gemütlich. “Es ist meine Idee, also hab ich mir das hier auch verdient.” “Da kann ich dir nicht widersprechen” gab sich Caradan geschlagen und sie nickte und nahm ihm den Krug aus der Hand. Endlich war der Bann gebrochen, denn Caradan bestellte drei Biere und nicht nur zwei und ein Dünnbier. Und auch der Bann zwischen ihnen schien gebrochen, denn er zog sie nach einer Weile zu sich heran und flüsterte leise in ihr Ohr “Ich will dich.” Das Blut schoss ihr zwischen die Beine und ihr Herzschlag erhöhte sich. “Bei Idalia… Ich dich auch… und wie…!” raunte sie ihm zurück. Wie sehr hatte sie auf diese erlösenden Worte gewartet, denn nach der Sache mit Theo hatte sie schon befürchtet, er würde sie für sehr lange Zeit nicht mehr anrühren. Sie sprang von seinem Schoß und zog ihn hoch. “Entschuldige uns, Theo, es ist schon spät, und wir müssen morgen gut ausgeruht an unserem Plan feilen.” Dieser winkte grinsend ab “Jaja, macht nur…” Sie nickte und dann liefen die beiden die Treppe hinauf, in ihr Zimmer. Dort angekommen fielen sie übereinander her und küssten sich stürmisch. Dann jedoch hielt die Arcanierin inne und meinte fast geheimnisvoll “Warte… Wann haben wir das letzte Mal miteinander geschlafen ohne dass ich davor Starrkraut geraucht hatte?” Caradan zuckte die Schultern während er sich umständlich seiner Stiefel und der Hose entledigte. “Ja siehst du, ich weiß es auch nicht. Und darum ist das hier ein ganz besonderer Moment!” erklärte sie, als sie ihr Kleid achtlos auf den Boden warf. Dann gingen sie ins Bett und fielen übereinander her. Wild und leidenschaftlich, dann wieder zärtlich und liebevoll, als wäre dieser Moment zerbrechlich und alles nur allzu leicht zu zerstören. Später lag Aen glücklich in seinem Arm. Sie wusste, was sie beinahe verloren hatte und was sie letztendlich wiedergewonnen hatte. “Ich bin sehr glücklich in diesem Moment…” raunte sie in seinen Hals. “Könnte es doch immer so sein…” fügte sie hinzu. Aber das Glück war ein Vögelchen. Nur allzu schnell flog es davon… “Ich habe eine Idee, wie wir auf die Hochzeit kommen können.” begann sie nach einer Weile des Schweigens. “Wir könnten uns als Bedienstete ausgeben. Denn ich glaube nicht, dass wir als Adelige durchgehen. Die Avalés sind nicht zu einer der einflussreichsten und mächtigsten Familien dieses Landes aufgestiegen, weil sie Narren sind. Und deswegen müssen wir schlauer sein als sie.” Sie überlegte kurz. “Hat Lepos eigentlich eine Begleitung auf der Hochzeit? Wenn nicht, wäre das ja noch besser. Als Begleitung von Lepos hätte ich eher Zugang zu dem höchsten und engsten Kreisen als als niedere Diener. Wir müssen darüber mit Theo sprechen. Und eigentlich auch mit Lepos, verdammt. Ist er nun schon in Irukhan eingetroffen?” Aen verspürte Lust nach einer Pfeife. Nach einer bestimmten Pfeife. Und so erhob sie sich, holte das Lederetui des Arztes hervor und setzte sich an den Tisch um sich ein solches Blätterding zu rollen. Es mochte ihren zierlichen Finger geschuldet sein, oder einem gewissen Talent, jedenfalls sah ihre erste fertige Rolle besser aus als die von Caradan. Im Talglicht, welches auf dem Tisch stand, entzündete sie das Ding und blies den Rauch in die Stube. Dann betrachtete sie es. “Dieser Wardis war vielleicht ein komischer Vogel. Hysterie… Als ob ich hysterisch wäre…” meinte sie abfällig. “Aber diese Art zu rauchen gefällt mir. Das könnte sich durchsetzen in den Nordreichen, was meinst du? Eines Tages, wenn wir genug vom Vagabundenleben habe, fahren wir in die Elfenreiche und handeln mit diesen Blättern. Sowas muss man im großen Stil machen. Dann wirds billiger und zugänglich für das gesamte Volk. Damit kann man dann Geld verdienen.” Der Rauch waberte langsam aus Mund und Nase. Dieses Zeug in dem Blatt war wirklich hilfreich. Es stillte zwar das Starrkrautverlangen nicht, aber es war ein guter Ersatz. Es half, dass man nicht vollends durchdrehte, weil man gar nichts hatte, so wie sie. “Falls wir das hier überleben…” begann sie nachdenklich… “Dann könnten wir danach etwas tun, was du möchtest. Du hast am Schiff einen recht zufriedenen Eindruck gemacht. Und Gerrot, der Kapitän, hat mir erzählt, dass du für Schiffe und die See glühst… Vielleicht machen wir eine kleine Reise? Einfach so, hm? Auch, wenn Frauen auf See Unglück bringen sollen? Jedenfalls hab ich das mal gehört” Sie hatte den Stummel der Rolle auf der Tischplatte ausgedrückt und schlich wie eine rollige Katze zurück ins Bett in Caradans Arme. "Kannst du noch einmal?" schnurrte sie.

Am nächsten Tag erwachte sie früh. Sehr früh. Sie war hellwach, das kam in letzter Zeit häufiger vor, und es ärgerte sie immens. Was sie an diesem Morgen allerdings am meisten ärgerte, war die Tatsache, dass sie ihre Tage bekommen hatte. Wie sie das hasste! Erstens bedeutete es einige Tage Enthaltsamkeit, zweitens war es schmerzhaft, drittens äußerst unangenehm und lästig, weil die sich immer so schmutzig fühlte und viertens hatte sie dann immer eine enorme Scheiss Laune. Das waren dann immer jene Tage an welchen sie besonders ungnädig oder gemein zu Caradan. Jetzt konnte sie sich das überhaupt nicht erlauben, ihre miese Laune an Caradan auszulassen. Sie stand auf, ging sich waschen und war dabei nicht besonders leise, in der Hoffnung, Caradan aufzuwecken. Doch der schlief einfach weiter. Als sie fertig war, baute sie sich vor ihm auf und sagte “Ich gehe jetzt runter, ja?” Keine Reaktion. “Was ist mit dir? Hab ich dich gestern zu hart geritten?” Sie zuckte mit den Schultern, er schlief tief und fest. Sollte er doch. Sie ging in in die Schankstube. Dort entzündete sie sich eine Kräuterrolle, aber kaum, dass sie sich auf einen Stuhl gefläzt, und die Stiefel auf den Tisch gelegt hatte, kam auch schon die meckernde Wirtsfrau. “Füße runter vom Tisch, was sind denn das für Manieren? Ich hab die Tischplatte frisch gescheuert! Ich spüre noch jeden Handgriff in meinem Rücken!” “Tschuldigung…” murmelte Aen, doch dann nahm ihr die Wirtin die Kräuterrolle aus dem Mundwinkel. “Von abends bis in die frühen Morgenstunden wird hier geraucht. In der Früh muss das nicht sein, ja? Wenn du rauchen willst, dann geh vor die Türe damit!” Aen sprang der Wirtin hinterher und nahm ihr die Rolle aus der Hand. “Bei den Geschwistern! Die war sehr teuer!” “Reine Geldverschwendung, wenn du mich fragst. Stinkt, und die Geschwister…” Doch mehr hörte die Arcanierin schon nicht mehr, denn sie war vor die Türe gegangen. Da herrschte süße Stille. Das einzige Geräusch, das zu vernehmen war, war das Glosen der Glut, wenn sie einen Zug tat, und das ausatmen des Rauches. Es war die stillste Zeit des Jahres. Rauhnächte. Es war noch dunkel draußen und so rauchte Aen hier in aller Stille ihre Kräuterrolle gegen Hysterie und Schmerzen. Das Schlimmste, die Entzugserscheinungen, hatte sie wohl hinter sich. Das Schwerste lag noch vor ihr. Durchhalten und den Versuchungen widerstehen. Sie warf den Stummel in den Schnee und ging wieder in die warme Stube. Dort setzte sich die junge Frau an einen Tisch und wortlos stellte ihr die Wirtsfrau einen Becher heißer Milch hin. Aen bedankte sich und umfasste den Becher um sich daran die kalten Finger zu wärmen. Während sie so da saß, dachte sie an Caradan und drehte dabei den Ring an ihrem Finger herunter. Ein furchtbar hässliches Teil! Sie war so damit beschäftigt damit, ihren Gedanken nach zu hängen, dass sie weder Schritte hörte, noch etwas sah. Erst als sie Theo's Stimme hörte, kam sie wieder in der Realität an. “Oh! Nen Antrag bekommen?” “Schön wärs, aber… Nein…” erwiderte sie missmutig. Er nahm gegenüber von ihr Platz. “Wasn los? Hattet ihr Streit?” Aen schüttelte den Kopf. “Alles in Ordnung. Es ist nur…” Sie winkte mit der Hand ab “Ach, ist doch egal…” “Ist es dir nicht” hielt Theo dagegen. “Doch ist es, also lass mich.” “Nö, ich lass dich nicht. Rede.” “Es geht dich verdammt nochmal auch nichts an” Aen verschränkte die Arme vor der Brust. “Aber ich habe einen Schwur getan, vor den Geschwistern” erwiderte er geheimnisvoll. Jetzt wurde die Arcanierin ein wenig neugierig, löste ihre Verschränkung und beugte sich leicht vor. “Was für einen Schwur?” Jetzt war es an Theo, die Arme zu verschränken und sich zurück zu lehnen. Er grinste. “Einen Schwur, den ich Caradan gegeben habe.” Verdammt, er hatte sie! “Das sagst du jetzt nur so.” Er zuckte die Schultern. Wie beiläufig drehte er sich zur Seite und winkte die Wirtsfrau zu sich heran, bestellte sich Dünnbier und Gerstenbrei. “Du nichts?” Aen schüttelte den Kopf. Sie hatte ja ihre Milch. Mit dem Essen wollte sie auf Caradan warten. Dann schwiegen sie beide eine Weile, wohl, um darauf zu warten, dass der andere auspackte. Tat aber keiner. Die Wirtin brachte den Gerstenbrei und das Dünnbier. Dann resignierte Aen. “Na gut, na gut. Aber es ist nicht mal halb so interessant wie du jetzt vielleicht denkst.” “Das lass mich selbst beurteilen. Also?” Aen legte trotz dem Verbot der Wirtin ihre Beine auf den Tisch, aber so, dass die Stiefel den Tisch nicht berührten. “Also irgendwann, da kannten Caradan und ich uns noch nicht lange, da dachte jemand, wir wären ein Ehepaar. Und ich hab das korrigiert. Ich sagte, ‘Nein, das ist nicht mein Ehemann. Keine Ehe, keine Kinder.’ Und seitdem verfolgt mich dieser verdammte Satz wie ein Fluch! Bei jeder sich bietenden Gelegenheit erinnert er mich an diesen Satz. ‘Ich weiß, du hast gesagt ‘keine Ehe, keine Kinder’, und ich weiß, du gehörst mir nicht, aber…” säuselte sie Caradan nach. “Bei jedem Anlass, wenn er mal sentimental wird, kommt der selbe blöde Spruch, und ich schwöre bei den Geschwistern, wenn er das noch einmal sagt, ohne Taten folgen zu lassen, dann tret ich ihm gehörig in die Eier!” Theo linste zu Aens Stiefeln und räusperte sich “Autsch…” murmelte er trocken. “Und lass mich raten, du hast deine Meinung geändert. Stimmts? Hast du es ihm schon mal gesagt?” “Dinge ändern sich eben. Ich glaube, ich werde nie wieder einen Besseren finden. Und ja. Mindestens zweimal.” Aen kramte in ihrer Erinnerung. “Naja. Auf jeden Fall einmal. In aller Deutlichkeit. “Und was hat er gesagt?” “Nichts.” “Nichts?” “Nichts…” wiederholte Aen düster. “Ich fürchte, da hast du deine Antwort.” “Wahrscheinlich.” antwortete Aen noch düsterer und schwieg. Nach einer Weile meinte sie “Warum schenkt er mir dann einen Ring?” Theo zuckte die Schultern “Was hat er denn gesagt als er dir den geschenkt hat?” Aen dachte kurz nach. Dann sagte sie “‘Er passt nicht zu mir. Nimm du ihn. Und keine Sorge, ich erinnere mich noch gut an deine Worte. Keine Ehe, keine Kinder. Ich will nicht, dass du dich verpflichtet fühlst, wenn du ihn annimmst. Du weißt mein Herz gehört dir und ich weiß, deines gehört mir. Aber ich weiß auch, dass du nicht mir gehörst und ich will nicht, dass du glaubst, etwas müsse sich ändern, nur weil ich dir einen Ring schenke.’ Den Ring hatte er beim Glücksspiel gewonnen” “Hm. Deutliche Worte. Ich glaub der will einfach nicht. Wobei… Würde er dich heiraten, könnte er nach arcanischem Recht in Zukunft auf die Worte ‘du gehörst mir nicht’ verzichten, wie du sicher weisst, wenn du die Schriften kennst.” Aen sah ihn ausdruckslos an und zuckte die Schultern. “Muss man akzeptieren, nicht wahr?” “Scheint so” brummte Theo.”Oder soll ich mal mit ihm reden?” “Untersteh dich” fuhr sie ihn an. “Wehe dir, Theo! Untersteh dich! Du mischst dich da bloß nicht ein! Das Thema ist erledigt!” Mit diesen Worten erhob sie sich und ging brav vor die Türe, um zu rauchen. Theo folgte ihr nach draußen. “Beruhig dich. Ich misch mich da eh nicht ein.” “Und welchen Schwur hast du nun getan?” “Dass ich dich wie eine Schwester behandeln und beschützen werde. Und auch Caradan.” Das belustigte Aen. “Wie, du willst Caradan wie eine Schwester beschützen?” “Du weißt was ich meine” brummte Theo. “Und mich? Wie eine Schwester behandeln? Seine Schwestern fickt man aber nicht.” erwiderte sie provokant und blies ihm den Rauch ins Gesicht. “Ach, was du sagst. Darum habe ich den Schwur ja auch getan.” “Hättest du ihn besser mal vorher getan” meinte Aen. “Hinterher ist man meistens schlauer” entgegnete Theo. “Wohl wahr. Willst du mir damit etwas sagen? Wars so schlecht, dass du solche Schwüre tust?” “Nein, natürlich nicht. Hör auf, mich zu reizen. Auch dieses Thema ist erledigt. Ich will verdammt sein, wenn ich dich noch einmal anrühre oder begehre.” Auch wenn dieses Thema besser ruhte, so fand Aen es eigenartigerweise doch wieder brennend interessant. “Und? Begehrst du mich?” “Nein. Ich sagte, dieses Thema ist erledigt. Und jetzt halt verdammt nochmal die Klappe. Wenn Caradan hört, was wir hier reden, dann ist wieder der Elf los!” “War doch nur eine normale Frage…Nichts weiter, keine Hintergedanken, gar nichts. Ich liebe Caradan, und son Fehler wird mir nicht nochmal passieren…” beteuerte Aen. “Das war alles, aber keine normale Frage, und das weisst du. So etwas fragt man nicht. Und jetzt hör auf damit. Sonst schüttel ich Caradan aus den Laken und erzähl ihm brühwarm, wie du mich anjammerst, dass er dich nicht heiraten will.” Aen wurde blass. “Bloss nicht! Ich sag kein Wort mehr!” “Wenn ich mirs Recht überlege, ich kann es ihm nicht verübeln…” grinste er gemein. “Am liebsten würde ich dir eine scheuern” brummte Aen. “Tust du aber nicht. Weil ich sonst, du weißt schon. Ich geh rein, mir friert noch der Sack ab…”
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Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Mi, 24. Apr 2019 20:00

Wohlig erschöpft lag Caradan im Bett und hatte seinen Arm um Aen geschlungen. Er konnte nicht sagen woran es lag, aber wann immer er bei ihr gelegen hatte, war er danach todmüde. Eigentlich war er jedes Mal müde, wenn er bei einer Frau gelegen hatte, aber bei ihr fühlte es sich so viel besser an, als bei irgendeiner zuvor. Gedankenverloren streichelte er ihre nackten Schultern und hörte ihr nur mit halben Ohr zu. Er wollte jetzt keine Pläne schmieden, wollte sich keine Gedanken darüber machen, was sie noch zu erledigen hatten, bevor sie ihr Leben zurückgewonnen hätten. Und ganz sicher hatte er keine Lust, über Lepos nachzudenken, auch wenn Aens Vorschläge durchaus sinnvoll klangen. So begnügte er sich damit, ihr seine Zustimmung zu zu brummen. Als sie dann aufstand, um sich eine Tabakrolle zu drehen, guckte er ihr etwas beleidigt hinterher. Er wäre fast eingeschlafen. “Du hast am Schiff einen recht zufriedenen Eindruck gemacht. Und Gerrot, der Kapitän, hat mir erzählt, dass du für Schiffe und die See glühst… Vielleicht machen wir eine kleine Reise? Einfach so, hm? Auch, wenn Frauen auf See Unglück bringen sollen? Jedenfalls hab ich das mal gehört”, meinte sie und Caradan war sich nicht so recht sicher, was er davon halten sollte. “Ja stimmt.”, meinte er zögerlich. “Das Schiff bot Ablenkung, für die ich sehr dankbar war. Aber ich glaube nicht, dass ich ein geborener Seemann bin. Außerdem, wohin willst du mit dem Schiff reisen, wo wir nicht auch zu Pferd hinkommen? Ich wäre dafür, wir bleiben erstmal eine Weile hier, so wie wir eigentlich in Lanyamere bleiben wollten. Einfach mal ein wenig Ruhe finden.” Sie beendete ihre Raucherei und kam zu ihm ins Bett gekrochen. Sie schmiegte sich an ihn und fragte, ob er noch einmal könne. Das war eine Herausforderung, die er nur allzu gern annahm. Zur Antwort gab er ihr einen Kuss, während er seine Hände auf Wanderschaft schickte. Er schmeckte ihre Lippen, knabberte an ihnen und bedeckte dann ihren Hals und ihre Schultern mit hungrigen Küssen. Schließlich folgten seine Lippen seinen Händen und er glitt langsam an ihr herab, nahm sich Zeit und liebte sie so intensiv und innig, wie zuvor. Das zweite Mal, war fast noch besser als das Erste und umso kräftezehrender. Kaum dass sie sich voneinander gelöst hatten, schlang Caradan seinen Arm um sie, gab ihr noch einen Kuss und war nur wenig später, eingeschlafen.
Am nächsten Morgen erwachte Caradan allein. Er wusste nicht, wie er das finden sollte. Andererseits, wenn Aen schon mal vor ihm wach war, dann durfte sie auch aufstehen, so war es ja nun nicht. Er sprang aus dem Bett und war überraschend guter Laune. In einer kleinen Waschschüssel machte er sich flüchtig sauber, zog sich an und ging die Stufen hinab. Theo kam gerade zur Tür rein und machte ein verdrießliches Gesicht. “Guten Morgen?”, fragte Caradan unsicher und Theo blickte ihn an. “Deine Kleine hat schlechte Laune.” Der Dieb blickte überrascht und fragte zögerlich. “Warum?” “Keine Ahnung!”, rief Theo. “Vielleicht hat sie ihre Tage!” Wenig später saßen sie zu dritt am Frühstückstisch und aßen Gerstenbrei und tranken warme Milch. “Aen hatte gestern Abend noch eine Idee.”, eröffnete Caradan. “Sie meinte sie könne sich als Lepos’ Begleitung auf die Hochzeit stehlen. Weißt du ob er schon eine hat?” Theo zuckte mit den Schultern. “Was uns beide angeht.”, fuhr Caradan fort. “Wir beide müssen uns noch etwas einfallen lassen.” Theo nickte, sagte aber nichts. “Was ist denn los verdammt?”, fuhr Caradan ihn an. “Sonst kannst du auch nicht die Klappe halten und jetzt hockst du da, stumm wie ein Fisch.” Theo schnaubte wütend und knallte seinen Krug auf den Tisch. “Pass mal auf!”, donnerte er. “Ich hab keine Ahnung, kapiert? Du bist der Kerl der sich den Plan ausdenkt, ich derjenige der dafür sorgt, dass alles glatt geht. Ganz einfach. Also, wie lautet der Plan?” “Ist ja gut.”, wehrte Caradan ab. “Wir könnten als Diener durchgehen. Uns ins Gefolge eines Adeligen schleichen oder als Bedienstete des Hauses. Wie wär das?” The nickte zustimmend. “Sehr gut, meinte Caradan, das nimmt doch alles langsam Gestalt an. Wir haben ja noch ein paar Tage um unsere Idee einen glorreichen Plan zu verwandeln. Wisst ihr was wir jetzt machen?”, rief Caradan, schlug auf den Tisch und sprang auf. “Ich geh jetzt erstmal ordentlich scheißen und dann schnappen wir frische Luft, einverstanden?”

Nachdem die Ideen langsam aber sicher in Form eines Planes Gestalt angenommen hatten, beschlossen die drei Arcanier es ihrem Auftraggeber lieber früher als später zu verraten. Wann genau Lepos eintraf, wusste keiner von ihnen. Vielleicht heute, vielleicht erst morgen oder noch später. Aus diesem Grund beschlossen sie, in der Nähe der Zitadelle Posten zu beziehen und zu warten. Eine scheiß Idee! Es war kalt und allein der Gedanke hier stundenlang, womöglich sogar vergebens, zu warten, ließ Caradan blau anlaufen. “Wir hätten uns abwechseln sollen.”, murrte er, blies warme Luft in seine Hände und versteckte sie eilig in den Tiefen seines Mantels. Sie waren noch keine Stunde hier draußen, aber er fror schon jetzt. Immerhin hatten sie ein halbwegs angenehmes Plätzchen gefunden. Sie standen unweit bei einem Hufschmied, das singen des Eisens, wenn der bärenartige Mann seinen Hammer schwang, das Zischen des Wassers, wenn er orange leuchtendes Eisen in ein Fass tauchte und nicht zuletzt die warmen Brisen die ab und an von der Esse zu ihnen hinüber wehten, machten das Warten, zwar nicht weniger langweilig, aber immerhin bis zu einem gewissen grad erträglich. Die Straßen waren gefüllt mit Menschen, die eilig zu ihren Bestimmungsorten huschten, um bloß nicht einen Herzschlag länger als nötig in der Kälte zu verbringen. Einmal kam ein Händler vorbei, der auf einem, von einem Maultier gezogenen, Karren einen dampfenden Kessel durch die Gegend kutschierte, der ein feines Aroma nach allerlei Gewürzen verströmte. Gegen ein unverschämtes Entgelt, dass aber nur allzu bereitwillig gezahlt wurde, konnten sich die drei wenig später die Finger an einem heißen Becher Wein wärmen. “Bist du dir sicher, dass Lepos direkt hier her kommt?”, fragte Caradan bestimmt schon zum zehnten Mal und Theo nickte verdrossen. “Wo soll er sonst hin?” Caradan zuckte mit den Schultern. “Hurenhaus?” Theo lachte leise. “Er ist nicht gerade ein echter Charmeur was Frauen angeht, aber Huren… von denen hält er sich fern, als hätten sie die Pest.” Unruhig trat Caradan von einem Fuß auf den anderen, tippelte hin und her, um die Wärme die sich in seinem Bauch breit machte, bis in die Zehenspitzen zu verteilen. “Halt doch mal still.”, zischte Aen ihn an und Caradan hielt inne. “Tut mir leid, ich wollte mich nur aufwärmen.” Sie hatte schon wieder eine dieser Tabakrollen im Mund. An sich störte ihn das nicht weiter, aber diese Dinger waren teuer und selten und er glaubte, vielleicht sollte sie etwas sparsamer mit ihnen umgehen. Doch er würde einen Elfen tun, ihr das zu sagen. Ihre schlechte Laune war mit Händen zu greifen und allmählich glaubte Caradan, dass Theo mit seiner Theorie recht haben könnte. Frauenprobleme, ein Glück dass der Dieb sich mit so etwas nicht herumschlagen musste.
“Heißer Apfelkuchen?”, hörten sie plötzlich eine zierliche Stimme hinter ihnen Fragen. Überrascht drehte sich Caradan um und sah ein junges Mädchen, vielleicht sieben oder acht Jahre alt, in schmuddelige Kleidung gehüllt und das Haar unter einer Haube versteckt, dass einen Korb umgehängt hatte, indem die von ihr angebotenen Apfelkuchen lagen. Ehe er es sich versah lächelte er die kleine an und nickte. “Gerne doch. Wie viel?”, fragte er, während er einen der Kuchen, die alles andere als heiß waren entgegen nahm. “Zwei Heller das Stück.” Caradan pfiff leise. “Pah. Wo hast du die her, Kleine? Aus der Küche des Königs gestohlen?” Das Mädchen sah ihn mit großen Augen an. “Ich habe sie nicht aus der Küche des Königs geklaut!”, meinte sie empört. Ein wenig zu empört, als dass Caradan ihr Glauben schenkte. “Aber gestohlen hast du sie?”, fragte er und grinste sie an. “Nein.”, japste sie. Der Dieb kicherte leise in sich hinein, da hörte er wutentbrannte Rufe die Straße runter. “Wenn ich dich erwische!”, brüllte eine untersetzter Kerl, mit Mehl an der Kleidung und einem großen weißen Schlapphut. “Ich zieh dir die Haut ab und verarbeite dich zur Pastete du dreckiges Gossenkind!” Caradan warf einen Blick auf die Kleine, stieß dann Theo mit dem Ellenbogen an und bedeutete ihm einen Schritt näher zu kommen. Schulter an Schulter, standen sie da, taten so als würden sie sich unterhalten, als der Bäcker vorbei gestampft kam. “Wo hast du den her?”, schnauzte er Caradan an und deutete auf den Apfelkuchen in seiner Hand. “Von einem kleinen Mädchen.”, gab er mit gespielter Irritation zurück. “Das sind meine!”, brüllte der Bäcker und feine Speichelfetzen landeten auf Theos Mantel. “Mein Kompliment.”, meinte der Dieb biss ein Stück ab und kramte in seinem Geldbeutel. “Sie schmecken vorzüglich.”, nuschelte er mit vollem Mund und schnickte dem Mann einen Heller zu. “Tja… danke.”, brummte er, unsicher, ob er ob so einer großzügigen Spende noch sauer sein sollte. “Und wo ist das Drecksbalg hin?” Theo und Caradan nickten gleichzeitig in die Richtung, die der Bäcker ohnehin schon eingeschlagen hatte. “Immer den Krümeln nach.”, lachte Caradan und winkte zum Abschied, dann drehte er sich um und hielt der Kleinen die offene Hand auffordernd entgegen. “Ich denke für unsere Hilfe, bekommen wir jeder einen Kuchen für Lau.” Die Kleine nickte eifrig, reichte Theo einen und Aen. “Ihr seht sehr schön aus Fräulein.”, lächelte sie Aen an und verschwand dann in die entgegengesetzte Richtung, wie der Bäcker.
“Alle Achtung.” Caradan blickte der Kleinen eine Weile anerkennend hinterher. “Die Kleine hat Mumm.” “Erinnert dich wohl an dich selbst, was?”, brummte Theo, während er einen Bissen nahm. Caradan zuckte mit den Schultern. “Mich hat man auch nie erwischt. Ich war gut und heute… bin ich noch besser. Ich bin vermutlich, der beste Dieb in der Stadt.”, protzte er und grinste die beiden frech an. “Ach was sage ich da, der beste Dieb in ganz Arcanis. Es gibt niemanden, den ich nicht um seine Habe erleichtern könnte.” “Jaja. Solange du deinen Worten bei der Hochzeit auch Taten folgen lässt. Eine Frau zu entführen ist was anderes, als einen Geldbeutel zu stehlen.” Theo sprach mit gedämpfter Stimme, damit niemand der umstehenden Leute etwas aufschnappen konnte, was er nicht hören durfte. “Stimmt wohl.”, pflichtete der Dieb ihm bei. “Aber dafür haben wir ja dich. Du hast bestimmt schon massig Frauen entführt.” Theo funkelte ihn böse an. “Ein oder zwei…” “Na also.” So standen sie da noch eine ganze Weile, aßen Kuchen und tranken heißen Gewürzwein, als sich nahe der Hauptstraße die Menge teilte, um einer schwarzen Kutsche, flankiert von einigen Reitern mit den Abzeichen der Inquisition, Platz zu machen. “Wollen wir unseren Plan noch schnell durchgehen?”, fragte Caradan, dem plötzlich mulmig zumute wurde. “Ich frage ihn, ob ich seine Begleitung sein kann, ihr sucht euch einen anderen Weg hinein.”, fasste Aen kurz ihre bisherige Errungenschaften zusammen. “Hast du schon eine Idee, wie wir reinkommen?”, fragte Theo an Caradan gewandt. “Selbstverständlich.”, log er. “Du lügst.” “Ja das tue ich, aber das ist nur eines meiner vielen Talente. Ich kann auch verdammt gut improvisieren.” Mit dem Mut der Verzweiflung machten sie sich auf, sich durch die Menge zu kämpfen und Lepos ab zu passen. Theo ging voraus, immerhin kannte Lepos ihn am Besten und würde ihn wieder erkennen. Der Hüne teilte die Menge vor sich mit spielender Leichtigkeit, winkte einem der Reiter zu, der abstieg und zu ihm kam. Sie wechselten ein paar Worte und der Reiter trat an die Kutsche heran. Kurz darauf nickte er seinen Kameraden zu und die Reiter geleiteten die drei Arcanier in die Zitadelle. So hatte sich Caradan das nicht vorgestellt, aber nun war es zu spät. “Drecksbalg!”, fluchte Theo plötzlich und tastete sich am ganzen Körper ab. “Die Kleine hat mir meinen Geldbeutel gestohlen!” Caradan musste lachen. “Vielleicht bin ich doch nicht der Beste.”

“Höchst enttäuschend.”, murmelte Lepos, als die drei Arcanier allein mit ihm waren. Sie hatten eine Stunde auf ihn warten müssen, in den nasskalten Fluren der Zitadelle, ehe er sich dazu herabgelassen hatte sie zu empfangen. Theo hatte ihm gerade schildern wollen, was geschehen war seit er und sie Lanyamere verlassen hatten, doch Lepos hob gebieterisch die Hand und hatte ihn so zum Schweigen gebracht. “Was glaubt ihr, wie verärgert ich war, als ich bei meiner Ankunft hier erfahren musste, dass Kollo Strumberg in den Verließen der Zitadelle schmachtet? Hatte ich mich nicht klar ausgedrückt?” “Doch habt Ihr, aber-”, wollte Caradan erklären, wurde aber vom Vollstrecker unterbrochen. “Wieso habt ihr dann entschlossen meinen Anweisungen nicht folge zu leisten?” Er blickte auffordernd von einem zum anderen. “Mal ehrlich.”, seufzte Caradan und deutete auf Aen und sich. “Wir beide gegen einen Trupp bewaffneter Reiter? Wie habt Ihr Euch das vorgestellt? Nach Euren Regeln hätten wir versagt, also haben wir beschlossen, die Regeln zu ändern.” “Und wer”, zischte Lepos scharf. “Hat euch dazu die Erlaubnis gegeben?” “Nun, wir uns selbst. Wir haben den Ermessensspielraum ausgeschöpft, den Ihr uns gegeben habt.” “Ich erinnere mich nicht, euch irgendeinen Ermessensspielraum gegeben zu haben. Aber gut. Vielleicht hätte ich mir von vornherein die richtigen aussuchen sollen.” Sein Hand wanderte zu einer Glocke auf seinem Pult, doch Aen kam ihm zuvor. “Habt Ihr schon eine Begleitung für die Hochzeit?”, fragte sie und Lepos hielt inne. Er hob eine Braue und sah sie fragend an. “Was interessiert euch die Hochzeit?” “Gar nicht.”, erklärte Caradan hastig. “Aber die Schwägerin der Braut.” Nun war Lepos’ Neugierde geweckt. Er lehnte sich zurück und legte die Fingerspitzen aneinander. “Was interessiert euch an Aelis von Avalé?” “Nun. Ihr könnt Kollo nicht frei lassen, aus verständlichen Gründen, also suchen wir uns einen anderen Vollstrecker der es für uns tun soll.” Lepos lächelte hinterhältig. “Und wie wollt ihr die Vollstreckerin Aelis von Avalé dazu bringen, Hochverrat zu begehen?” Caradan zuckte mit den Schultern. “Je weniger Ihr wisst…” “Nein.”, meinte Lepos plötzlich an Aen gewandt. “Ich habe noch keine Begleitung, um auf Eure Frage zurück zu kommen, werte Aenaeris.”Jetzt schon.”, antwortete Aen und Lepos nickte. “Und die Herren?” “Als Diener.”, platzte der bisher recht Stille Theo heraus. “Ich.”, säuselte Lepos. “Die Avalés haben mehr als genug Personal.” “Ja aber eine feine Dame, wie Eure hinreißende Begleitung hier, hat sicher Bedarf an einem Kutscher und einem persönlichen Mundschenk.”, lächelte Caradan und deutete auf Theo als Kutscher und sich selbst als Mundschenk. “Nein. Als meine Begleitung, werden sich selbstverständlich meine Bediensteten um ihr leibliches Wohl kümmern. Also?” “Dann die Küche.”, warf Caradan hastig ein, dessen Gedanken fieberhaft rasten um diesen aufgeblasenen Kerl zufrieden zustellen. “Auf einem großen Fest wird viel getrunken und gegessen. Ich bin sicher es werden Dutzende Karren mit Wein, Bier, Fleisch und Gemüse geliefert.” Er grinste Theo an. “Oder Apfelkuchen.” Lepos nickte nachdenklich, griff zur Glocke und läutete sie. “Nun gut. Ihr bekommt eure Chance, aber wenn ihr wieder versagt, werdet ihr neben Kollo Strumberg am Galgen baumeln. Das versichere ich euch.”
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

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Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Do, 25. Apr 2019 4:40

Entweder lag es daran, dass Lepos Caradan nicht mochte, oder dass Aen den richtigen Zugang zu ihm fand. Denn während er Caradans Worte barsch abschmetterte, stießen Aens Worte auf Gehör. Die Arcanierin musste sich aber sehr beherrschen, charmant und freundlich zu dem Vollstrecker zu sein. Zwar war seine Berufung Grund genug, dass es ihr spielend leicht gelang, doch bei den Geschwistern, was war er unsympathisch und widerwärtig! Aen hoffte jetzt schon, dass er sie als ihre Begleitung nicht kompromittieren würde, mit Annäherungen oder dergleichen. Sie würde nur ungerne einen Vollstrecker im Dienste des Priesterkönigs auf der Hochzeit des Bruders einer Vollstreckerin erschießen müssen! So aber lächelte sie, klug, frech und kokett, wie sie nun einmal war und gab ihm nicht den geringsten Anlass. Lepos läutete und kurz darauf steckte ein Wachmann den Kopf durch die Türe. “Begleite die beiden Herren nach draußen.” Aen hob fragend eine Augenbraue. “Ihr, Aenaeris, bleibt noch hier.” Sie nickte, hütete sich aber, Fragen zu stellen. Solche Menschen mochten es nicht, ihre Entscheidungen in Frage gestellt zu sehen. An die Wache gerichtet, ließ er verlauten, dass er zwei Zofen schicken sollte. Der Wachmann verschwand, und mit ihm Caradan und Theo. Aen blieb gerade da stehen, wo sie stand, als Lepos sich erhob und langsam auf sie zukam. “Ihr habt also beschlossen, dass ihr meine Begleitung auf der Hochzeit seid, ja?” Aen nickte langsam. “Wieso auch nicht?” “Weil die Entscheidung darüber mir obliegt.” “Und ihr habt entschieden, alleine auf die Hochzeit zu gehen, wenn ich fragen darf? Hat sich keine passende Frau gefunden...?” Er lächelte sie zum ersten Mal ein wenig säuerlich. “Eine, die euren Ansprüchen genügt? Eine, die geistreich genug ist? Eine, die stark im Glauben ist?” Sein säuerliches Grinsen verschwand und machte einer verwunderten Miene Platz. “Es ist nicht leicht, eine solche Frau zu finden, da habt ihr wohl Recht. Und ihr seid so eine Frau, Aenaeris?” Aen lächelte. “Möglich. Ich finde, ich sehe ganz gut aus. Ich halte mich auch für klug und belesen. Und ich habe eine vorzügliche theologische Ausbildung genossen.” Lepos näherte sich ihr in einer Distanz, die ihr ein wenig Unbehagen bereitete. Nämlich ganz nahe. Er nestelte seine Hände unter ihren Mantel, legte sie dann auf die Schultern und striff den Mantel ab, sodass er zu Boden glitt. Aen versuchte, sich nichts anmerken zu lassen, so, als wäre es das normalste auf der Welt. Seine Hände glitten prüfend über ihre Arme, von dort über die Taille, die Hüften und die Oberschenkel, dann ließ er ab. “Fürchtet ihr euch?” fragte er sie. Aen schüttelte den Kopf. “Aber euer Herz schlägt kräftig, meine Liebe.” “Nun…” lächelte Aen weiterhin tapfer. “Es ist wohl die Aufregung, das kann ich nicht leugnen…” “Ihr braucht nichts zu befürchten. Ich bin nicht so schlimm, wie mein Ruf, oder der Ruf der Vollstrecker ansich…” “Das ist doch meistens so, oder nicht?” “Manchmal wird der schlechte Ruf einem Manne nicht gerecht, denn manchmal ist es in Wahrheit sogar noch schlimmer. Aber ich versichere euch, ihr braucht nichts befürchten. Ich betatsche euch auch nicht, weil ich auf Fleischbeschau bin. Nicht in der Weise. ich möchte eher sehen, ob ihr euch als Begleitung eines hohen Vollstreckers eignet. Ob ihr gesund ausseht, und auch seid. Darf ich?” legte er seinen Zeigefinger auf ihr Kinn und drückte es leicht hinab, um in ihren Mund zu schauen. Das irritierte sie nun, und er schien es zu bemerken. Er lächelte “Verzeiht, ihr müsst euch fühlen wie auf dem Pferdemarkt…” “Ja, ein wenig schon…” grinste sie. “Ihr glaubt nicht, wieviele wunderschöne Frauen ich schon kennengelernt habe, die es nur solange waren, bis sie ihren Mund aufgemacht haben. Entweder hatten sie furchtbar hässliche Zähne, oder sie stanken grausam aus dem Mund, oder sie hatten eine schreckliche Stimme… Aber das alles trifft auf euch nicht zu, Aenaeris. Ihr seid ein recht appetitliches, gepflegtes Weib.” Er lächelte süffisant. “Wer seid ihr? Ihr seid schön, klug und wie sagtet ihr noch gleich… habt eine vorzügliche theologische Ausbildung genossen?” “Ich bin ein einfaches Mädchen vom Land. Meine Eltern sind gestorben.” “Ist das so? Wie kommt ein einfaches Mädchen vom Land in den Genuss einer so vorzüglichen Ausbildung, wie ihr sie genossen habt, Fräulein Ardere?” Aen wurde blass, und sie schwieg. Sie konnte nichts sagen! “Plötzlich so sprachlos, meine Liebe? Ihr müsst es mir nicht sagen, ich weiß es längst, Aenaeris Ardere. Tochter von Albon und Neheris Ardere aus Wynricéa….” Aen wurde noch blasser, und sie drohte zu schwanken. “Euer Exzellenz…” begann sie, doch Lepos winkte ab. “Ich wäre nicht in der Inquisition, wenn ich es nicht vermag, den anderen stets einen Schritt voraus zu sein. Wie ist es euch gelungen, als einzige Adeptin den verheerenden Brand des Tempels in Lanyamere zu überleben?” Aen presste die Lippen aufeinander. “Sagt mir die Wahrheit, Aenaeris.” “Die Wahrheit…” begann sie. “Euer Exzellenz, die Wahrheit ist so beschämend…” “Sagt es mir.” “Ich… Ich bin weggelaufen. Als ich bemerkte, dass es brannte, bin ich in Panik aus dem Tempel gelaufen. Ich bin weggelaufen, ohne meine Brüder und Schwestern zu warnen, oder ihnen zu helfen…Ich lief um mein nacktes Leben, ohne nachzudenken...” Er nickte. “Ich bete jeden Tag um Vergebung zu den Geschwistern, Euer Exzellenz” sagte sie, doch das glaubte sie ja nicht einmal selbst. Er grinste. “Und wie gefällt es Euch, das weltliche Leben, ehemalige Schwester Aenaeris?” “Nun… ich müsste lügen, wenn ich sagte, es gefiele mir nicht…” gab Aen zu. “Ich schätze eure Ehrlichkeit. Wir alle sind nur Werkzeuge in den Händen Janus’ und Idalias, und scheinbar hat es den Geschwistern gefallen, euer Schicksal genau so zu lenken, wie es geschehen ist. Und heute seid ihr ein Werkzeug in meinen Händen. Welch Glück!” Unsicher sah Aen vom Boden auf, in Lepos Gesicht. “Was wird nun mit mir geschehen, euer Exzellenz?” “Ihr begleitet mich auf die Hochzeit, wo ihr Euren Plan, Kollo Strumberg zu befreien, verwirklichen werdet, nicht wahr?” “Und nach dieser Sache?” “Nun, wenn ihr Erfolg habt, dann schenke ich Euch Freiheit, Absolution und eine großzügige Belohnung. Wenn ihr scheitert, findet ihr Euren Platz neben Eurem Geliebten und meinem Handlanger. Aber derweil gehen wir nicht davon aus, dass ihr scheitern werdet, nicht wahr? Ihr seid Talea von Wyricéa, die Nichte der Gräfin Ellaja von Wynricéa. Die schuldet mir noch einen Gefallen, und es kommt ihr sicherlich gelegen, dass ihr dem armen Mädchen ein Gesicht verleiht. Sie fristet ihr Dasein in den Gewölben des Anwesens ins Wynricéa. Dem Wahnsinn verfallen, das arme Ding, sehr unschöne Geschichte!” Es klopfte an der Türe, und zwei Zofen traten ein. “Ah! Gut, dass ihr da seid! Bitte nehmt Maß, und danach dieses reizende Geschöpf zum besten Schneider der uns zur Verfügung steht. Er soll ein passendes Kleid für meine Begleitung zur Hochzeit der Avalés schneidern!”

Aen war entlassen. Zuerst ging sie langsam den langen Korridor entlang, der aus der Silberzitadelle führte, dann immer schneller, bis sie beinahe lief. Sie lief, als ob die Möglichkeit bestünde, dass Lepos es sich anders überlegen könnte, was eigentlich Schwachsinn war, da sie ihm sowieso nicht auskommen könnte, wenn er es drauf anlegte. Bei der letzten Fackel, die den Korridor erhellte, blieb sie stehen. Mit nervösen, zitternden Händen fingerte sie eine bereits gedrehte Kräuterrolle aus dem Etui und entzündete sie an der Fackel und beschritt dann schleunigst den Weg durch das Tor auf die Straße vor der Silberzitadelle. Sie hatte es nicht anders erwartet, aber als sie Caradan und Theo sah, war sie heilfroh. Nervös rauchend kam sie zu den beiden, und winkte erst einmal ab, als Caradan sie fragte, was Lepos von ihr wollte. Nein, sie wollte jetzt nicht reden, sie wollte erst ihre sündhaft teure Kräuterrolle zu Ende rauchen. Dann, als sie den Rest davon in den Schnee trat und den Rauch in die Luft blies, war sie bereit, sich in Caradans Arme zu werfen. “Oh Caradan! Es war einfach schrecklich! Er war jetzt nicht unfreundlich, aber…” Sie grub sich in seinen Hals und flüsterte “Er weiß von meiner Vergangenheit…Wer ich einst war… Du liebe Güte, nicht, dass mir das noch zum Verhängnis wird!” Sie löste sich aus Caradans Armen. “Und zu allem Überfluss… Die Kräuterdinger gehen mir auch bald aus…” Caradan machte einen Vorschlag zur Güte. “Dann holen wir uns einfach noch mehr von diesen Kräutern, und du rauchst sie in deiner Pfeife.” Sie blickte ihn konsterniert an. “Wie war das? Wieso jetzt in der Pfeife, wo diese Blätter doch so unglaublich praktisch sind?” “Sie sind aber sehr teuer Aen. Du erinnerst Dich? Fünf Heller für ein Blatt. Zwei Dutzend habe ich gekauft.” “Ja, ich weiß. Und weiter?” Nun mischte sich Theo ein. “Wenn ich dir mal rechnerisch auf die Sprünge helfen dürfte, Aenchen… Alleine die Blätter, ohne die Kräuter darin, die eigentlich die Medizin sind, kosten über einen Coryn! Einen Coryn und drei Goldmünzen! Oder nur in Goldmünzen ausgedrückt, fünfzehn. Das sind einhundertundzwanzig Heller. Aen! Komm zur Vernunft!” Aen war überrascht. “Wirklich? So viel? Das war mir gar nicht so bewusst. Für einen Coryn bekomm ich mindestens drei Paar Stiefel! Oder ein Paar Stiefel und ein paar Kleider. Nun, sogar Starrkraut ist billiger als diese fermentierten Blätter! Und ja, weil ich gerade von Kleidern spreche. Ich werde Lepos’ Begleitung sein, und dazu gehört natürlich ein passendes Kleid, Theo soll es übermorgen holen, beim Gewandschneider Emsig… Noch was? Nein, ich glaube das wars. Jungs, mir ist kalt, lasst uns in eine Schenke gehen, wo wir uns aufwärmen können.

Es war schon seltsam zu dritt. Plötzlich hatte Aen das Gefühl, sich nicht mehr ungezwungen benehmen zu können. Theo war zwar derzeit unentbehrlich, aber dennoch wie das fünfte Rad am Wagen. So selbstverständlich wie es vor ihm war, sich Tändeleien in der Schenke hinzugeben, so selbstverständlich war es plötzlich, dergleichen nicht mehr zu tun. Und das nervte sie irgendwie. Zusammen mit ihrer menstruell bedingten Ausfall war das beinahe unerträglich. Immer wieder, wie beiläufig wanderte ihre Hand auf seinen Oberschenkel, begann ihn zu streicheln, rutschte zwischen seine Beine, streichelte auch hier, und warf ihm den einen oder anderen sehnsüchtigen Blick zu. Theo entging das nicht. “Soll ich euch eine Weile alleine lassen? Oder euch vielleicht ein Zimmer besorgen?” fragte er in einem Tonfall, der viel Spielraum für Interpretationen ließ, ob er das fürsorglich Ernst meinte, genervt Ernst meinte, oder ob er nur Spaß machte. Aen murrte. “Ach lass nur, das hat überhaupt keinen Sinn. Ich hab meine Tage” zog sie ein langes Gesicht. Dies zauberte Theo ein Grinsen aufs Gesicht und er deutete auf Caradan. “Ich habs dir gesagt. Nicht wahr? Ich hab gesagt, die Kleine hat ihre Tage… Darauf trink noch eins!” er hob die Hand und winkte den Wirt heran, bestellte zwei Bier und einen Gewürzwein für Aen. Letztere erhob sich, murmelte was von “Weibergeschäft” und trollte sich. Theo tat einen tiefen Schluck aus seinem Bierhumpen, bevor er sich räusperte. “Weißt du, es geht mich ja alles nichts an, und ich wünschte, ich würde da etwas weniger zwischen den Stühlen sitzen. Ich wünsche, ich müsste mich da nicht einmischen, doch es ist sie, die mich da einmischt, du verstehst? So ist das halt mit Wünschen. Man kriegt nicht immer was man will. Na klar hat sie schlechte Laune. Aber das ist nicht ihrem Unterleib geschuldet. Nicht nur. Sondern noch etwas anderem. Ich habe ja versprochen, nichts zu sagen. Ich habe es nicht geschworen, ich habe es nur versprochen, damit wir uns richtig verstehen.” grinste er. “Wenn ich dir einen Rat geben darf, versuche zu vermeiden, ihr jemals wieder zu sagen ‘Ich weiß du hast gesagt, keine Ehe, keine Kinder…’ Da reagiert sie offenbar sehr ungehalten. Also wenn dir deine Eier lieb sind, dann lass es.” Er nahm noch einen Schluck vom Bier und dann sagte er “Sie scheint ihre Meinung geändert zu haben. Sie will die Ehe, ist aber der festen Meinung du nicht. Sie sagte sie hätte dich schon mal gefragt, aber du hättest kein Wort dazu gesagt. Dass du ihr ausgerechnet einen Ring geschenkt hast, und gleichzeitig gesagt hast, es ändert sich nichts, hat die ganze Angelegenheit noch komplizierter gemacht. Ich sags nicht gern, aber du sitzt tief in der Tinte. Und von mir weisst nichts, verstanden? Ich glaub sie schneidet mir die Eier ab wenn sie erfährt dass ich geplaudert habe. Aber das musste jetzt einfach raus.” Theo versteckte seine Lippen hinter einem Bierkrug als die Türe sich öffnete und er zischte ihm zu “Ich glaub sie kommt. Lass dir nichts anmerken, tu so, als hätt ich nichts gesagt.” Doch es war nur eine kleine Reisegruppe, die die Stube betrat und sich den Schnee von den Stiefeln trat. Theo blies die Luft aus den Backen. “Nochmal Glück gehabt. Aber irgendwann kommt sie zurück. Und wehe dir, du plauderst aus. Ich glaube, ich verzieh mich für den restlichen Nachmittag ins Bordell…”
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Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Do, 25. Apr 2019 21:28

Als Aen verschwand, blickte Caradan ihr eine Weile nach. “Vielleicht solltest du sie damit nicht reizen.”, meinte er zu Theo und widmete sich seinem Bier. Theo antwortete nicht direkt, sondern nahm zuerst einen großen Schluck, ehe er mit etwas völlig anderem Anfing. “Weißt du, es geht mich ja alles nichts an, und ich wünschte, ich würde da etwas weniger zwischen den Stühlen sitzen. Ich wünschte, ich müsste mich da nicht einmischen, doch es ist sie, die mich da einmischt, du verstehst?” Caradan schüttelte den Kopf. Tatsächlich hatte er keinen Schimmer, was Theo damit mit meinte. “So ist das halt mit Wünschen. Man kriegt nicht immer was man will. Na klar hat sie schlechte Laune. Aber das ist nicht ihrem Unterleib geschuldet. Nicht nur. Sondern noch etwas anderem. Ich habe ja versprochen, nichts zu sagen. Ich habe es nicht geschworen, ich habe es nur versprochen, damit wir uns richtig verstehen.” Caradan hob eine Augenbraue. “Vielleicht solltest du dann lieber aufhören, bevor du was sagst, was du nicht solltest.”, warnte der Dieb ihn und griff nach seinem Bier. Theo grinste ihn an, aber schien seine Warnung in den Wind zu schlagen. “Wenn ich dir einen Rat geben darf, versuche zu vermeiden, ihr jemals wieder zu sagen ‘Ich weiß du hast gesagt, keine Ehe, keine Kinder…’ Da reagiert sie offenbar sehr ungehalten. Also wenn dir deine Eier lieb sind, dann lass es.” “Lass meine Eier, mal meine Sorge sein. Was meinst du?” Jetzt war Caradan neugierig. Offenbar hatte Aen ihm etwas anvertraut, was sie Caradan nicht sagen wollte, aber so wie Theo nunmal war, konnte er nicht die Klappe halten. “Sie scheint ihre Meinung geändert zu haben. Sie will die Ehe, ist aber der festen Meinung du nicht. Sie sagte sie hätte dich schon mal gefragt, aber du hättest kein Wort dazu gesagt. Dass du ihr ausgerechnet einen Ring geschenkt hast, und gleichzeitig gesagt hast, es ändert sich nichts, hat die ganze Angelegenheit noch komplizierter gemacht. Ich sags nicht gern, aber du sitzt tief in der Tinte. Und von mir weisst nichts, verstanden? Ich glaub sie schneidet mir die Eier ab wenn sie erfährt dass ich geplaudert habe. Aber das musste jetzt einfach raus.” Der Dieb legte den Kopf schief. “Ach ja? Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht ob sie damit vielleicht tatsächlich recht hat.” Caradan blickte niedergeschlagen zu Boden. Es ärgerte ihn, dass er nichts davon gemerkt hatte und es ärgerte ihn, dass Aen so etwas eher mit Theo besprach, als mit ihm. Und das sie es ihm schon einmal gesagt hatte, hielt er für Unsinn. Daran würde er sich ja wohl erinnern. “Sag ihr das bloß nicht.”, meinte Theo und Caradan schnaubte amüsiert. “Was soll sie mir schon antun, was ich nicht schon ertragen hab?” Seine Stimme troff nur so vor Bitterkeit. Ja, er war auch kein Heiliger, das wusste er selbst nur zu gut, aber Aen konnte ihm wohl kaum noch einen Schmerz zufügen, den er nicht schon durch sie erfahren hatte. Mal abgesehen von körperlichen Schmerzen. Sie hatte ihn verlassen, hatte ihn betrogen, ihn beleidigt, niedergemacht, ausgetauscht… die Liste war lang und er war trotzdem noch hier, bei ihr. Ein Narr war er, das wusste er selbst, aber er konnte sich ihrer einfach nicht erwehren und das wusste er ebenso. “Außerdem, was soll die Ehe schon bringen? Ich bezweifle, dass sie andere Menschen aus uns machen würde.”, meinte er traurig und sprach damit ungewollt einen wunden Punkt an. Die Wahrheit war, er hatte Angst davor. Hatte Angst, dass das Eheversprechen nur ein weiteres Versprechen war, dass einer von ihnen beiden früher oder später brechen würde. Und was wäre dann? Es hätte keine Konsequenzen, zumindest keine, die sie ein weiterer Vertrauensbruch nicht auch nach sich ziehen würde. Es verhagelte ihm gehörig die Stimmung, diesen Gedanken nachzuhängen. “Ich glaub sie kommt. Lass dir nichts anmerken, tu so, als hätt ich nichts gesagt.”, haspelte Theo eilig und Caradan blickte sich um, aber so bloß eine Gruppe Neuankömmlinge. “Nochmal Glück gehabt. Aber irgendwann kommt sie zurück. Und wehe dir, du plauderst aus. Ich glaube, ich verzieh mich für den restlichen Nachmittag ins Bordell…” Caradan winkte ab. “Geh nur. Meine Lippen sind versiegelt.” Als Aen zurückkam, sah sie verwundert aus, dass Theo nicht mehr da war und fragte Caradan nach seinem Verbleib. “Er ist ficken.”, seufzte Caradan und erklärte weiter. “Also er ist ins Bordell, ich geh mal davon aus, dass er ficken will.” Aen setzte sich zu ihm, tat sich an dem Gewürzwein gütlich und sie schwiegen eine Weile. Caradan war sich nicht sicher, wie er sich verhalten sollte, also versuchte er, so schnell wie möglich das Schweigen zu brechen. “Sag mal”, hob er an, “was genau wollte Lepos eigentlich? Hat er dir gedroht, wegen deiner Vorgeschichte?”

Am Nachmittag schlenderten sie durch die Straßen der Stadt. Es war ein schöner Tag und Irukhan war eine schöne Stadt. Eine wirklich schöne Stadt, wäre da nicht dieser beklemmende Makel, dass man von jeder großen Hauptstraße die Zitadelle sehen konnte, die am Horizont auf ragte wie der mahnende Finger eines Riesen, der einem immer wieder ins Gedächtnis rufen wollte, dass er einen im Auge behalten würde. Sie hatten noch zwei Tage die es zu vertrödeln galt, wobei das für Caradan nur so halb zählte, immerhin musste er noch einen Weg finden, wie er auf die Feier gelangen konnte. Vorzugsweise mit Theo im Schlepptau. Seine Idee mit dem Lieferanten hatte nämlich einen entscheidenden Haken: Er brauchte Ware die er liefern konnte, dazu noch einen Karren und eine Bestellung. Also hörte er sich um, fragte hier und da nach, wo man eine größere Bestellung an Wein, Fleisch oder Gebäck aufgeben könnte und landete schließlich bei einem alten Bekannten, sozusagen.
“Ihr schon wieder!”, rief der Bäcker, den sie heute Morgen auf eine falsche Fährte geführt hatten, als er die kleine Diebin seiner Apfelkuchen hatte verfolgen wollen. Der Dieb grinste ihn breit an. “Was soll ich sagen, mein Bester.”, flötete Caradan mit übertriebener Fröhlichkeit, die selbst ihm ein wenig zu aufgesetzt wirkte. Andererseits war es vielleicht gerade so perfekt, immerhin wollte er den Eindruck eines Adeligen erwecken, der eine Bestellung aufgeben wollte. Wenn er dabei etwas idiotischer wirkte, als er tat, konnte das ihm nur hilfreich sein. “Seit ich Euren Apfelkuchen heute morgen probiert habe, geht er mir nicht mehr aus dem Kopf.” Caradan verneigte sich vor dem Bäcker und führte Aen an einer Hand vor sich. “Meine liebe Schwester feiert übermorgen ihren Namenstag und da dachte ich mir, ich tue ihr und all unseren Gästen einen Gefallen und beauftrage Euch um der Nachspeise willen.” Der Bäcker blickte skeptisch zwischen den beiden Arcaniern hin und her. “Ihr beide seid Geschwister?” Caradan nickte eifrig. “Halbgeschwister. Mein Vater, also unser Vater, trieb sich gerne in fremden Gärten um, wenn Ihr versteht…” “Ah ja.”, brummte der Bäcker und holte sich ein Stück Kohle und einen Fetzen Papier. “Übermorgen ja? Wann?” “In aller Frühe.” “Mmhm… Und wie viel von was?” Caradan räusperte sich kurz. “Drei Dutzend Eurer feinsten Apfelkuchen.” “Drei Dutzend… mmhm… macht dann achtzehn Heller. Fünfundzwanzig, wenn ich liefern soll.” “Aber, aber guter Mann.”, flötete Caradan ihm dazwischen. “Was haltet ihr davon, ich gebe euch zwanzig Heller und hole sie selbst.” Der Bäcker hob die Augenbrauen. “Wenn Ihr drauf besteht.” “Den Karren leiht Ihr mir?”, fragte Caradan hoffnungsvoll. Der Bäcker überlegte einen Moment und nickte dann. “Zahlen im Voraus.” “Selbstverständlich werde ich eine Ahnzahlung machen. Aber, die volle Summe erhaltet Ihr erst nach vollbrachter Dienstleistung.” Caradan holte seinen Beutel hervor und zählte ein Dutzend Heller ab. “Den Rest, bekommt Ihr, wenn ich den Wagen wieder bringe.”, stellte er klar. Missmutig nickte der Bäcker und ließ die Münzen in seiner Tasche verschwinden. “Dann noch den Namen.”, forderte er. “Aber natürlich, wo sind nur meine Manieren. Ich bin Adolfus von Avalé. Und dies ist meine reizende Schwester… Gisela.” Der Dieb verbeugte sich vor dem Bäcker, der nun doch recht überrascht guckte. “Von Avalé?”, fragte er. “Etwa… die von Avalés?” Caradan nickte. “Zugegeben, der unbedeutende Zweig der Familie. Wir sind hier um die Hochzeit unseres Vetters zu feiern und wie als kleines Hochzeitsgeschenk und zur Feier von Giselas Namenstag, dachte ich an ein paar Leckereien aus Eurer Backstube.” Nun holte der Bäcker einen richtigen Bogen Papier, sowie Tinte und Feder. Er setzte eine richtige Bestellung auf, notierte die Anzahlung, die Abmachung bezüglich des Karrens und gab Caradan das Blatt, damit er es unterschreiben konnte. Der Dieb kritzelte irgendwas unleserliches mit einem großen A in der Mitte und nickte dankbar. Nachdem dieses Geschäft erfolgreich beschlossen war, gingen die Geschwister von Avalé wieder ihres Weges.

“Du hast was?”, fragte Theo entgeistert, als sie am Abend alle wieder beisammen saßen, jeder eine dampfende Schüssel Eintopf vor sich, eine Platte mit Brot und wenig Käse in der Mitte zwischen ihnen. “Ich hab uns den Zugang gesichert.”, erklärte Caradan unschuldig. “Du hast dich als einer der Avalés ausgegeben.” “Na und? Als ob der Bäcker weiß, wer alles zur Familie gehört.” Theo brummte etwas in seine Eintopfschale. “Mann!”, rief der Dieb missbilligend. “Für einen der den halben Tag im Bordell verbracht hat, bist du verdammt unentspannt.” “Ich war nicht drin. Also ich war schon drinnen, aber nicht drin… drin… klar?” Caradan nickte und trank einen Schluck Bier. “Haste ihn nicht hochgekriegt?” “Ja, so in etwa.”, murrte Theo. “Lepos hat mir einen Brief übermittelt.” “So? Was stand drin.” Theo winkte ab. “Nichts was dich interessieren muss. Er hat mir nur noch mal geschildert, was meine Aufgabe ist und mehr bildreich die Konsequenzen eures und somit meines Versagens geschildert. Danach hatte ich keine Lust mehr zu vögeln.” Caradan nickte. Sie hingen da alle zusammen drinne und ohne die anderen bestand nur eine geringe Chance den ganzen Scheiß unversehrt zu überstehen. “Gut.”, meinte der Dieb schließlich. “Dann wirst du Übermorgen den Karren holen.” “Was? Warum ich?” “Weil ich Adolfus von Avalé, natürlich meinen treuen Diener schicken werden.”, flötete Caradan und prostete in die Runde, sodass selbst Theo sich ein Lächeln abringen konnte.

Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

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Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Sa, 27. Apr 2019 1:59

Aen, Caradan und Theo saßen beisammen an einem Tisch in ihrem Gasthaus über eine Schüssel Gerstenbrei gebeugt. Anfangs war der Gerstenbrei eine willkommene Erinnerung an die gute alte Zeit in Arcanis gewesen;doch langsam sehnte sich Aen nach etwas anderem, wie etwa ein Stück Braten, etwas Wintergemüse oder am allerliebsten eine Süßspeise. Doch alles was es gab anstatt Eintopf, war Brot und Käse. Butter wäre fein gewesen. War aber nicht da. Die Kuh gab anscheinend nicht genug Milch im Winter, um aus dem abgeschöpften Süßrahm Butter zu stampen. Nun ja. Caradan hatte gerade seinen Plan eröffnet, und Theo fragte ihn entgeistert “Du hast was?” “Ich hab uns den Zugang gesichert.”, erklärte Caradan.“Du hast dich als einer der Avalés ausgegeben.” “Na und? Als ob der Bäcker weiß, wer alles zur Familie gehört.” Theo wandte seine Aufmerksamkeit seiner Schüssel zu und nuschelte etwas Unverständliches. “Mann! Für einen der den halben Tag im Bordell verbracht hat, bist du verdammt unentspannt.” “Ich war nicht drin. Also ich war schon drinnen, aber nicht drin… drin… klar?” Caradan nickte und trank einen Schluck Bier. “Haste ihn nicht hochgekriegt?” Jetzt nahm das Gespräch einen für Aen etwas unangenehme Wende an. Sie wollte weder hören wann wo und mit wem Theo gebumst hatte, und noch weniger wollte sie dazwischen sitzen, wenn es um seine Standfestigkeit ging. Sie schwieg, und starrte die Gerstenkörner in ihrem Eintopf an. “Ja, so in etwa.”, murrte Theo. “Lepos hat mir einen Brief übermittelt.” “So? Was stand drin.” Theo winkte ab. “Nichts was dich interessieren muss. Er hat mir nur noch mal geschildert, was meine Aufgabe ist und mehr bildreich die Konsequenzen eures und somit meines Versagens geschildert. Danach hatte ich keine Lust mehr zu vögeln.” Jetzt hob die Arcanierin den Kopf. Das klang gar nicht gut. Eigentlich hatte sie gedacht, Theo sei Lepos Handlanger, aber nicht einer der Art, derer man sich entledigte, wenn sie einen Fehler machten. Das war wahrscheinlich der Grund für Theos schlechte Laune. Wahrscheinlich hatte er Angst. Weil er kein Vertrauen in die beiden hatte. Er glaubte sehr wahrscheinlich nicht daran, dass ihr Plan funktionieren würde. Wenn Aen ehrlich war, dann war sie auch nicht so sicher. Es könnte funktionieren wenn sie hier nicht Fremde wären. Aen legte Theo ihre Hand auf den Arm und blickte ihn eindringlich an. “Wir schaffen das. Mach dir keine Sorgen. Und selbst wenn nicht, dann werden wir eben fliehen. Punkt. Und ich hoffe, du hast da nichts dagegen.” War Theo vor einer Woche doch noch völlig überzeugt gewesen, dass er auf sie aufpassen musste, dass sie nicht flohen. Jetzt wahrscheinlich, wo er diesen Brief von Lepos erhalten und erkannt hatte, dass es ihm nicht anders ergehen würde im Falle eines Versagens, hatte sich alles verändert. Sie saßen gemeinsam in einem Boot. Sie würde gemeinsam den sicheren Hafen erreichen, oder gemeinsam untergehen. “Wir schaffen das…” flüsterte Aen, und legte ihre Hand auf Caradans.

Am Tag der Hochzeit war Aen sehr aufgeregt. Bereits frühmorgens war Theo losgezogen um das Kleid für Aen vom Gewandschneider Emsig zu holen. Es war ein dickes weißpelziges Bündel, welches er der Arcanierin vor die Nase legte. “Was bringst du mir da? Soll ich mich als Eisbär kleiden?” Theo zuckte die Schultern. “Ich habe keine Ahnung, machs auf, dann weisst du es.” Aen trat an das Bündel heran, löste den Knoten und lüpfte das Fell. Darinnen eingewickelt war ein Kleid aus weinroter Wildseide, die im Tageslicht, welches durch das Fenster fiel, sanft schimmerte. Sie nahm das Kleid vorsichtig an den Schultern und hob es an, sodass es sich gänzlich entfaltete. Aen stockte der Atem. An den Schultern besaß es leichte Puffärmelchen, die geschlitzt und mit weißer Seide gefüttert waren, die neckisch durchschien. Die Ärmel selbst waren eng anliegend und bis zu den Ellbogen befanden sich zahlreiche Stoffknöpfe. Die Säume an Halsausschnitt und Rock waren mit einer goldfarbenen Borte eingefasst und die Borte alleine musste ein Vermögen gekostet haben, denn sie war aufwändig mit bunten Seidenfäden und Perlen bestickt. Im Pelz, der sich als weisser Nerzfellmantel entpuppt hatte, war noch ein Gürtel aus abgerundeten quadratischen Messingplatten, die aufwändig gestanzt und mit Mustern behämmert waren. “Sowas Schönes… Das hätte ich Lepos nicht zugetraut.” murmelte sie. “Hat wahrscheinlich der Schneider ausgesucht und nicht Lepos. Wahrscheinlich war das Kleid auch bereits da und wurde nur umgearbeitet.” “Wahrscheinlich” nickte Aen und raffte alles wieder zusammen. Es war der Zeitpunkt gekommen, zur Silberzitadelle zu Lepos zu gehen. Sie setzte sich zu Caradan ans Bett, wo er rumlümmelte und nahm seine Hände. “Wir sehen uns auf Burg Ehrenfels. Wir machen alles so, wie wir es besprochen haben. Sollte irgendetwas schiefgehen, was auch immer… wir treffen uns ins Aramad, wie du gesagt hast. Wir warten aufeinander dort. Egal wie lange es dauert.” Sie nahm seinen Kopf zwischen ihre Hände und schenkte ihm einen langen und leidenschaftlichen Kuss. Dann nahm sie ihr Bündel und machte sich auf den Weg. “Och, und ich bekomme keinen Kuss?” “Fick dich, Theo…” grinste sie und ging. Er hob abwehrend die Hände vor sich, als Caradan ihn finster anblickte. “Komm schon! War nur Spaß! Wir haben uns nie geküsst! Ich geh jetzt deine Scheiß Kuchen holen!”

Aen war die Fahrt über, vom Tempel zu den Feierlichkeiten, sehr schweigsam gewesen. Eine arcanische Hochzeit war schon etwas ganz anderes als der Bund, den sie mit Thero damals eingegangen war. Und sie musste zugeben, dass ihr letzteres besser gefallen hatte. Während man sich bei einem Bund durch die alten Götter lediglich versprach, seine Zeit als ungebundene Frau oder Mann aufzugeben um mit ihm oder ihr verbunden zu werden, gab es bei der arcanischen Hochzeit eine ganze Menge strenger Regeln die man versprechen musste. Treu musste man sein, loyal, Götterfürchtig und fest im Glauben, man musste sogar versprechen, fruchtbar zu sein. Wer konnte dies schon versprechen? Nach dem arcanischen Gesetz konnte also ein jeder Mann seine Frau verstoßen, wenn sie ihm keine Kinder gebären konnte. Wenn es nur danach ging, dann konnte sie beim besten Willen keine arcanischen Schwüre tun. Aber Estelle, die Braut, war das Sinnbild einer guten arcanischen Frau. Sie war wunderschön, sie wirkte bescheiden, demütig und klug, beherrscht, fruchtbar und gläubig. Sie würde eine perfekte Ehefrau abgeben. Aen hingegen war nichts von alledem. Sie war wild und unzähmbar, auf jeden Fall hochmütig denn demütig. Sie war leicht reizbar, wankelmütig und mit ihrem Glauben war es auch längst nicht mehr gut bestellt Sie war unfruchtbar und alles in allem keine gute Ehefrau. Nichts von alledem konnte sie versprechen, was der Glaube ihres Volks verlangte, und das war wohl der Grund, warum Caradan nichts dazu gesagt hatte. Weil er es nicht wagte, die Wahrheit zu sagen. Sie stieg aus der Kutsche aus, nachdem Lepos ausgestiegen war, und ein Diener half ihr galant dabei, dass sie nicht über das ausklappbare Treppchen in den Schnee fiel. Aen fand, er war nicht galant, nur steif, aber wahrscheinlich verstand sie von solchen Dingen nur nichts. Lepos war nicht die Sorte Mensch, die mit Komplimenten um sich warf, aber hatte bei ihrem Anblick kurz genickt, was Aen als Anerkennung erachtete. Lepos wäre der erste, der ganz klar ausgesprochen hätte, was ihm nicht gefiel, und die junge Frau besaß genug Selbstbewusstsein, um zu wissen dass sie in diesem Kleid und mit der Art, wie die Zofe ihr Haar frisiert, gesteckt und geflochten hatte, hinreißend aussah. Dass ihr Gesicht fein und weiblich genug war, um eher als Frau mit blauem Blute, denn wie eine Landpomeranze auszusehen. Sehr wahrscheinlich würde sie nicht die schönste Frau auf dem Fest sein, aber im Gegensatz zum spröden Charme vieler adeliger Frauen, besaß sie eine Ausstrahlung wie ein lebendiges Feuer, das faszinierend und aufregend war, und das so manchen Makel den sie besaß, verbarg. Ihr Elfenblut würde dafür sorgen, dass sie langsamer alterte, und länger jung und schön bleiben würde. Sie fand, dass Caradan zumindest in diesem Punkt eine gute Partie machen würde, und dass er eigentlich ein Narr wäre, sie nicht mit beiden Händen festzuhalten. Lepos hatte sich das Haar zurückgekämmt und trug einen dunkelvioletten Gehrock, dass er schon beinahe schwarz anmutete. Er bot ihr den Arm dar und Aen legte ihre Hand auf diesen. So betraten sie gemeinsam Burg Ehrenfels.

Alles, was Rang und Namen hatte in Arcanis war eingeladen. Man sah Generäle und deren Frauen, ranghohe und rangniedrigere Offiziere, Grafen und Gräfinnen, Herzog und Herzogin, nur der Priesterkönig war nicht anwesend, stellte Aen schmunzelnd fest. Lepos vermied es, sich in die Reihe der Gratulanten einzureihen. Er stolzierte mit Aen am Arm sogleich in den Festsaal, wo schon angeregt geschwatzt und getrunken wurde. Er blieb stehen und lauschte, dann grinste er und ging auf einen Mann zu. „Nach so einer eindeutig göttlichen Intervention, wäre wohl jeder Mann direkt in den Dienst der Zwei eingetreten. Erst recht der Knappe eines so bekannten Wahrheitsbringers. Schon seltsam, nicht wahr?“ Der Bärtige straffte seine Schultern und blickte Lepos finster an. Er ließ seine Blicke über sie beide wandern und fragte schließlich “Und wer seid Ihr? Nur ein unbedeutender Wahrheitsbringer oder ein großmäuliger Vollstrecker?“ Lepos grinste süffisant. „Das hier ist Vollstrecker Anginor Lepos.“ erklärte ein anderer, älterer Mann mit einem gewaltigen Schnauzbart „Ein Freund der Familie?“ Der Schnauzbärtige schüttelte den Kopf. „Was macht Ihr dann hier?“, fragte der Vollbärtige. „Ihr wisst doch wie Hochzeiten sind. Es wird geschmaust, gelacht, getratscht, getanzt, lamentiert, getrunken und geflüstert und die beiden letztgenannten Dinge kombiniert, wecken natürlich mein berufliches Interesse. Noch Wein?“ fragte er leichthin und hielt einen Diener der ein Tablett voll gefüllten Weingläsern balancierte auf. Lepos bediente sich selbst und reichte auch ein Glas an Aen. Diese betrachtete das zierliche Glas mit so großem Erstaunen, dass es ihr nur schwer fiel, das zu verstecken. Elfenglas! Und das in Arcanis! Noch nie hatte sie ein Trinkgefäß aus Glas in den Händen gehalten. Es war so leicht und so wunderschön. “Verzeiht. Darf ich Euch meine reizende Begleitung an diesem Abend vorstellen? Talea von Wynricéa, die Nichte der Gräfin Ellaja von Wynricéa. Ich habe das Vergnügen und die Ehre, diese junge Frau nach langer und schwerer Krankheit in die Gesellschaft einzuführen und wo könnte man dies besser tun, als auf einer Hochzeit?” Aen vollführte einen artigen Knicks. “Graf Darion Malistaer” stellte sich der Vollbärtige mit einem Kopfnicken vor, den Schnauzbärtigen stellte Lepos ihr vor, und als dieser den Namen ausgesprochen hatte, da wurde Aen auch klar, warum er es nicht selbst getan hatte. Acardo Elhan von Avalé. Der höchste Wahrheitsbringer von Arcanis. Aen sank vor Ehrfurcht tief zu Boden. “Euer Gnaden, es ist mir eine Ehre…” Der Wahrheitsbringer lächelte milde und bot ihr seine Hand dar um ihr wieder hoch zu helfen. “Die Ehre ist ganz auf meiner Seite” erwiderte er höflich. Wüsste er nur, wen er da vor sich hatte… “Mir kamen wunderliche Dinge über Euch zu Ohren. Wie ist Eure Meinung zu den Aschesängern doch gleich?“ fragte Lepos süffisant grinsend. „Jedermann weiß wie ich zu diesen Leuten stehe. Sie sind nichts weiter als ein Haufen fanatischer Selbstgeißler, die ihre Verbrechen rechtfertigen wollen, indem sie sich anmaßen im Namen der Zwei zu handeln.“ Lepos blickte überrascht, als hätte Darion ihm einen Fraß vorgeworfen, doch da hatte er die Rechnung ohne den Wahrheitsbringer gemacht. „Ihr erlaubt Euch zu viel Vollstrecker! Ich habe diesen Jungen so gut wie großgezogen, meine Nichte heißt ihn Freund, meine Neffen Kamerad! Glaubt Ihr ernsthaft er könnte sich ketzerische Gedanken leisten? Bei uns? Bei MIR? Verschwindet, ehe ich mich vergesse!“ Lepos verbeugte sich spöttisch, Aen warf ihnen eine entschuldigende Geste zu, dann gingen beide. “Wenn ihr vorhabt, dass wir rausgeworfen werden, dann macht nur so weiter!” schimpfte sie leise zischend. Dann besann sie sich auf das Weinglas in ihrer Hand, und trank einen Schluck. Der Wein war vorzüglich. Nicht nur, dass es ein edler Wein war, nein, dem Glas haftete keinerlei Beigeschmack von Holz, Zinn oder Horn an. Herrlich! Sie hätte gerne ein weiteres Glas getrunken, doch sie wusste, sie musste einen klaren Kopf behalten. Sie stellte das leere Glas einem Diener, der gerade vorbeilief, auf das Tablett, und wandte sich wieder an Lepos. “Ich werde mich hier nun etwas umsehen. Und meine Begleiter suchen.” Er nickte und Aen fühlte sich damit entlassen.

Die meiste Zeit verbrachte Aen damit, zu beobachten. Sie fiel nicht weiter auf in der Menge, und die meisten Menschen waren viel zu sehr mit sich beschäftigt als mit einer ‘niederen Adeligen aus Wynricéa’. Sie beobachtete, wie die Braut zusammen mit einer anderen rothaarigen Frau spazierte. Sie spazierten Richtung Burghof was Aen wunderte. Doch sie witterte ihre Chance, und lief, so schnell sie konnte, zur Burgküche. Als Caradan sie sah, kam er auf sie zu, gefolgt von Theo. Bisher hatte er sie in ihrem Aufzug so noch nicht gesehen. “Du siehst wunderschön aus, Aen” sagte er atemlos, doch ganz bestimmt war er nicht atemlos wegen dem Anblick, den seine Gefährtin ihm bot, sondern von der Anstrengung, die die Tarnung eines Küchengehilfen ihm bescherte. Aen errötete. Sie konnte nicht bestreiten, dass dieser ganze Hochzeitsfirlefanz ihre Gefühle mehr durcheinander gewirbelt hatte, als sie geahnt hatte. “Danke” hauchte sie, bevor sie sich wieder auf ihr eigentliches Ziel konzentrieren konnte. “Kommt mit, sie ist Richtung Burghof marschiert, es ist noch eine andere Frau bei ihr, ich hoffe, dass wird kein Problem. Solange die Weiber nicht kreischen, ist alles gut. So liefen sie zu dritt, und so unauffällig sie vermochten, aus der Burg, und gelangten in den dunklen Burghof. Einzig und allein der Mond und die Sterne spendeten Licht. Die beiden Frauen standen in der Kälte und unterhielten sich. Es war Aen, die auf die beiden zuschlenderte, und die beiden Männer in der Dunkelheit zurückließ. Die beiden Frauen unterhielten sich anscheinend über die Ehe, und trotz der Dunkelheit lächelte Aen. “Guten Abend..” begann sie. “Darf ich euch zu Eurer Vermählung beglückwünschen? Ihr müsst die glücklichste Frau in ganz Arcanis sein.” “Das bin ich…” hauchte Estelle selig. “Ich beneide Euch…” murmelte Aen. “Wie war doch gleich Euer Name?” “Talea von Wynricéa” gab Aen zurück. “Talea.” begann Estelle “Auch für Euch wird ein guter Ehemann gefunden werden, seid dessen zuversichtlich. Ein guter Mann mit allen arcanischen Vorzügen und Tugenden. Er wird groß sein, stattlich, stark, muskulös, mutig, stark im Glauben…” “Gut bestückt…” kicherte die andere Frau. “Nichts von alledem trifft auf ihn zu…” meinte Aen. “Und dennoch ist er der einzige, den ich will…” Sie tat einen schweren Seufzer, dann blitzte eine Klinge im Mondlicht auf. “Und jetzt passt mal auf, ihr Schlampen. Ein Mucks, und ich schneide Euch die Kehlen durch!” zischte Aen. Die beiden kamen gar nicht mehr auch nur in Versuchung, zu mucksen, denn jeweils eine Männerhand, hier eine relativ starke Hand, da eine weniger starke Hand, legte sich auf deren Münder. “Was machen wir mit der Rothaarigen?” wisperte Aen. “Ich könnte sie totbumsen…” grinste Theo. “Soviel Zeit haben wir nicht” schüttelte Aen den Kopf. “Andere Vorschläge?” Während Estelle sich wie ein Feldhase in Angststarre ihrem Schicksal ergab, fand sich die Rothaarige hingegen überhaupt nicht mit ihrem Schicksal ab. Sie biss Theo in die Hand um sich so aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Doch Aen schlug ihr mit dem Dolchknauf ins Gesicht, dass diese dumpf aufstöhnte. “Doch nicht so…. so!” zischte Theo, und schlug der Rothaarigen, Aen zur Demonstration, mit der Faust auf den Hinterkopf, dass diese wie leblos zusammensackte. “Hast du sie jetzt umgebracht?” fragte Aen. “Nein, sie wird jetzt nur für eine Zeit schlafen…” “Gut. Lasst sie hier. Ich bringe den Brief zur Vollstreckerin und ihr die Braut in die Kutsche. Und dann hauen wir ab!”

Wenig später wurde ein versiegelter Brief unter der Tür des Zimmers der Vollstreckerin durchgeschoben. Darauf stand, in Aens geschwungener Schrift:
Aelis von Avalé,

ich habe etwas, das zu euch gehört. In den Verließen der Silberzitadelle fristet ein Mann sein Dasein, den ich lieber in Freiheit sähe. Eure reizende Schwägerin bleibt in meinem Gewahrsam, bis ihr Kollo Strumberg unverzüglich habt laufen lassen. Führt ihn zur nächsten Mitternachtsstunde auf den Marktplatz in Irukhan, damit ist eure Pflicht getan. Treibt keine falschen Spiele, sonst wird Aduan von Avalé Witwer, noch bevor er seine Ehe vollziehen konnte.
"Ihre Natur ist Feuer und Blut..."

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Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » So, 28. Apr 2019 13:00

Wenig später holte Theo Caradan ab. “Hast den Kaufvertrag?”, fragte er. Theo nickte. “Wieso eigentlich?” “Wirst noch sehen.”, antwortete der Dieb, als er sich neben Theo auf den Karren schwang und sie sich gemeinsam zur Burg Ehrenfels auf machten. Der Weg war nicht allzu weit, nachdem sie erstmal die verstopften Straßen der Hauptstadt hinter sich gelassen hatten. Die Fahrt über war Theo recht schweigsam, was Caradan nicht weiter störte. Er hatte genug eigene Dinge die ihm im Kopf herum geisterten. Er fragte sich, wie Aen sich wohl in die Rolle einer Adeligen einfühlen würde, fragte sich, ob sie sich wohl fühlen würde und letzten Endes, ob ihre Anwesenheit bei einer Hochzeit, wohl ihr Schweigen ihm gegenüber diesbezüglich brechen würde. Es waren völlig unwichtige Kleinigkeiten wie er fand, in Anbetracht ihres mehr als heiklen Vorhabens, aber dennoch schaffte er es nicht, sich über etwas anderes als das Gedanken zu machen. Als sie sich der Burg näherten, reihten sie sich in eine Reihe bereits wartender Karren ein, die allesamt mit Lieferungen verschiedenster Art beladen waren. Köhler, Metzger, Bäcker und andere Berufsstände warteten in der Kälte darauf, von den Wachen eingelassen zu werden, um ihre Waren abzuladen und ihre Entlohnung entgegen zu nehmen. Der Dieb blies sich in die Hände und dann waren endlich sie an der Reihe. “Ja?”, fragte einer der Wachen ungeduldig. “Wir bringen Apfelkuchen.”, nuschelte Caradan, der sich alle Mühe gab, nicht wie er selbst zu klingen. Man konnte nicht vorsichtig genug sein, fand er, also verstellte er sich so gut er konnte. Er legte eine gebückte Körperhaltung an den Tag, vermied es jemanden direkt anzusehen und sprach in einem klassischen Bauerntrottelidiom. “Auf wessen Anweisung?”, herrschte die Wache ihn an und Caradan zuckte zusammen. “Keine Ahnung…”, gab er kleinlaut zurück und die Wache trat einen Schritt näher. “Was heißt hier keine Ahnung!” Der Dieb zuckte mit den Schultern. “Keine Ahnung eben. Hier, ich kann das nicht lesen.”, entschuldigte er sich und reichte dem Wachmann das Schriftstück, dass er vor zwei Tagen selbst unterzeichnet hatte. Der Mann überflog es und als er bei der Unterschrift ankam, runzelte er die Stirn. “Moment.” Er wandte sich an einen seiner Kameraden. “Kannst du das lesen?”, murmelte er leise und der andere Schüttelte den Kopf. “Irgendein Avalé… denk ich. Guck das A, wird schon stimmen.” Der erste Wachmann gab Caradan das Schriftstück zurück. “In Ordnung, fahrt den Wagen darüber.” Er deutete in eine Richtung, die in einen kleinen Seitenteil des Innenhofes führte. “Und die Bezahlung?”, fragte Caradan vorsichtig. “Was für ne Bezahlung?”, keifte der Wachmann. “Na der Bäcker meinte, er hat nur ne Anzahlung bekommen.”, erklärte Caradan. “Zwölf Heller, aber fünfundzwanzig solls kosten. Also fehlen noch…” Der Dieb zählte an den Fingern ab. “Dreizehn Heller.” “Seh ich etwa so aus, als könnte ich Geld scheißen?” “Nein… aber was ist mit -” “Du hältst den ganzen scheiß Betrieb auf. Verpiss dich, du kriegst dein Geld schon noch.” Caradan nickte eingeschüchtert und Theo trieb die Maultiere an, damit sie in die gewünschte Richtung antrabten. “Deswegen der Kaufvertrag…”, murmelte Theo und Caradan grinste ihn breit an. Sie stellten den Karren ab und sprangen hinab. “So fang du schon mal an, die Ladung zu löschen.” “Ich soll was machen?”, fragte Theo irritiert. “Das ist Seemannssprache.”, erklärte der Dieb. “Seh ich aus wie ein scheiß Seemann?” “Abladen. Du sollst die Kuchen abladen, ich geh derweil die Köchin suchen.” “Warum das denn?” “Na irgendwer muss uns ja bezahlen.”
Während Theo also den Karren entlud, schlendert Caradan augenscheinlich durch die Gänge der Burg. Tatsächlich versuchte er sich einen Überblick zu verschaffen und sich einige Wege einzuprägen, um im Notfall einen schnellen Fluchtweg parat zu haben. Burgen wie diese waren ein wahres Labyrinth, mit Dutzenden und Aberdutzenden Räumen und Gängen, Treppen und Abzweigungen. Je länger er umher lief, desto mehr beschlich ihn das Gefühl im Kreis zu gehen. “Was schnüffelst du hier rum?”, fuhr ihn eine Frauenstimme an. Erschrocken wirbelte er herum und sah eine junge Küchenmagd, die die Hände in die Hüften gestemmt hatte und ihn argwöhnisch an blickte. Sie war schlank, hatte kaum genug Brust um weiblich zu wirken, ein kantiges, aber hübsches Gesicht und das hellbraune Haar zu einem Knoten am Hinterkopf zusammengesteckt, damit es ihr bei der Arbeite nicht ins Gesicht fiel. “Ich such die Köchin… da dachte ich immer der Nase nach…”, erklärte Caradan mit einem entschuldigenden Lächeln. “Hilde hat alle Hände voll zu tun, kann ich vielleicht helfen?” Ihre Stimme klang genervt, aber ihr erleichterter Gesichtsausdruck verriet, dass sie froh über die, wenn auch nur kurze Ablenkung und Ausrede war, um für einen Moment der Küche fern zu bleiben. “Ich muss noch bezahlt werden.” “Das bezweifle ich.”, lachte die Magd. “Nein im Ernst.”, antwortete Caradan beleidigt. “Dreizehn Heller.” “Für was?” “Apfelkuchen.” “Bist du der Bäcker?” Der Dieb schüttelte mit dem Kopf. “Na dann wirst du auch nicht bezahlt.”, stellte sie klar und kam auf ihn zu. “Aber ich habe Anweisung, verstanden?” Langsam wurde Caradan ungehalten und das war nicht bloß Teil der Rolle, die er sich zurechtgelegt hatte. “Ohne Bezahlung, brauch ich nicht bei ihm aufkreuzen, also bleib ich wohl hier.” Die Magd lachte laut. “Das kannst du vergessen. Wenn Hilde, also die Köchin, dich hier herumlungern sieht, verarbeitete sie dich zu Pastete. Das wollen wir doch nicht.” Sie trat ganz dicht an ihn heran und tätschelte ihm die Wange. Ehrlich irritiert blickte er zur Seite, zu ihrer Hand und wieder zu ihr. “Aber…” Er lehnte sich zurück um etwas Abstand zu gewinnen. “Aber ich muss hier bleiben, wenn ich nicht bezahlt werden.” “Nein musst du nicht.” “Nun… also… aber ich würde wirklich gerne hier bleiben…” “Ah ja.”, lächelte die Magd und blickte ihn komisch an. “Und warum?” Caradan zuckte mit den Schultern. “Wann hat man mal die Gelegenheit, an einer Feier des Adels teilzunehmen? Wenn auch nur aus der Ferne.” “Ach darum geht es.” Caradan nickte. “Und würdest du dich auch… nützlich machen?” Caradan nickte erneut. “Und was würdest du alles tun?” “Oh, eine ganze Menge.”, meinte Caradan leicht hin und erntete einen Blick, den er nicht ganz einordnen konnte. Also, eigentlich konnte er ihn ganz genau einordnen, hoffte aber das er sich irrte.
“Komm mit.”, befahl die Magd und lief voraus. Caradan seufzte leise, aber schickte sich an, ihr zu folgen. Sie gingen durch die Gänge, wichen wo es ging anderen Dienern des Hauses aus und liefen eine Treppe hinab. Am Fuß der Treppe erblickte Caradan Theo und scheuchte ihn mit einer energischen Kopfbewegung davon. Theo nickte kaum merklich und schlenderte davon. Die Magd führte Caradan in eine kleine Vorratskammer und verriegelte die Tür. “Zieh deine Hose aus.”, befahl sie und Caradan legte den Kopf schief. “Das hatte ich nicht im Sinn.” Sie zuckte mit den Schultern. “Dann hol ich die Wachen und lass dich hinaus werfen.”, meinte sie leichthin und hatte schon die Hand am Riegel, als das Geräusch seiner sich öffnenden Gürtelschnalle sie innehalten ließ. Sie kam zu ihm und musterte ihn mit kritischem Blicke, ehe ein anzügliches Lächeln sich auf ihr Gesicht legte. “Na also.”, flüsterte sie und packte zu. Caradan sog scharf Luft ein. “Muss ja ein tolles Gefühl sein, als einfache Küchenmagd so viel Herrschaft über einen Mann auszuüben, was?” “Kommt öfter vor, als du vielleicht denkst.”, meinte sie und begann damit, ihre Hand vor und zurück zu bewegen. Caradan wich ihrem Blick aus, versuchte an etwas anderes zu denken, als an ihre Hand um seine Männlichkeit und beschwor Bilder von verbrannten Leichen, grausigen Wunden und verwesenden Kadavern vor seinem geistigen Auge herauf. Doch spätestens als sie vor ihm auf die Knie ging und begann an seinem nunmehr harten Gemächt zu saugen, wusste er, dass er kläglich versagt hatte. Er hatte das Gefühl das er etwas sagen sollte, sie an ihrem Treiben hindern sollte, aber er konnte nicht leugnen, dass es ihm gefiel. Es gefiel ihm sogar sehr, so sehr, dass er ihr sich mit der Hand in ihrem Haar festkrallte und schon nach kurzer Zeit mit einem unterdrückten Ächzen kam. Die Magd riss ihren Kopf zurück, spuckte aus und sah ihn tadelnd an. “Hups…”, entschuldigte er sich verlegen. “Das habe ich nicht erwartet.”, meinte sie säuerlich und wischte sich die Reste vom Kinn. “Ich ehrlich gesagt auch nicht.” Sie richtete sich auf und blickte ihn einen Moment unentschlossen an. “Du darfst bleiben. Aber später, will ich meine richtige Bezahlung und ich hoffe, du kommst dann nicht wieder so überraschend zum Ende.” Sie schob den Riegel zur Seite und verließ die Kammer, während Caradan sich die Hose hochzog. Gerade als er sich den Gürtel wieder zuzog, kam Theo hinein. “Ist das dein Ernst!”, fuhr er ihn an. Caradan blickte ihn finster an. “Ich… ich kann mit reinem Gewissen behaupten, dass ich nichts unangemessenes getan habe.” “Aber sie.”, stellte Theo klar und sah ihn missbilligend an. “Was wird Aen davon halten.” “Nichts!”, fauchte Caradan. “Und deshalb wird sie davon auch nichts erfahren.” “Du bist ein Heuchler, weißt du das?” Der Dieb blickte beschämt zur Seite. “Vielleicht… aber ich wollte ihr damit nicht weh tun.” Theo verschränkte die Arme. “Sie etwa schon?” “Das erste Mal, ja. Das zweite Mal wollte sie dich einfach mehr als mich.” “Und das ist nun deine Rache?”, fragte Theo. “Nein… ich… keine Ahnung. Aber sie darf davon nichts wissen. Verstanden?” Theo nickte bloß stumm. “Gut. Immerhin dürfen wir nun hier bleiben. Wir sollten uns unsichtbar machen, ich will der Magd nicht nochmal über den Weg laufen.”

Je näher der Abend rückte, desto hektischer wurde das Treiben in der Küche und den Gängen der Burg. Theo und Caradan lungerten irgendwo in den Gängen herum, wo es wenigstens halbwegs warm war. Hier und da gingen die Beiden mal einer der Küchenmägde, einem Diener oder Lieferer zur Hand, damit keiner dumme Fragen stellte, weshalb sie hier herumstanden. An sich war es ein recht ereignisloser Tag für die beiden. Theo strafte Caradan mit missbilligenden Schweigen, Caradan ignorierte es so gut es ging. Von daher kam es zwischen den beiden zu keinem tiefer gehenden Gespräch, kein Wiederholen des Planes oder sonst etwas in der Art. Der Dieb blickte ständig über die Schulter, um nicht unvermittelt der Frau vom Morgen zu begegnen. Als die Sonne dann alsbald unterging, machte sich in Caradan endlich die lange ersehnte Aufregung breit, er spürte wie ihm das Blut durch die Adern schoss und seine Sinne schärfer wurden. Er schlich sich durch die Gänge, bis er am Festsaal vorbei kam, rannte eine Treppe hinauf und suchte sich im Gebälk ein kleines Nest, von wo aus, er einen guten Überblick hatte. Gespannt beobachtete er das Kommen und Kommen der Gäste und erhaschte seinen ersten Blick auf die Braut. Das war sie also, die zukünftige Gräfin von Avalé und ihre hoffentlich baldige Geißel. Eigentlich wollte er noch warten, bis Aen auftauchte, doch plötzlich stand Theo neben ihm. “Komm runter, die wollen unsere Hilfe.”, murrte er. “Falls nicht, werfen sie uns raus, also mach schon.” Enttäuscht folgte Caradan und gemeinsam gingen sie der Köchin, eine dralle Frau mit einer Stimme wie ein Gewittersturm, zur Hand. Sie schleppten Tabletts mit Speisen die Treppen hoch und übergaben sie Dienern, die so fein angezogen waren, dass der Dieb sie auch für Gäste gehalten hätte, rannten hinab, zerrten Kessel von Feuerstellen, hackten Gemüse und so fort. Schon bald rann ihm der Schweiß in Strömen über den Rücken und er fragte sich ernsthaft, ob er nicht die passende Gelegenheit verpassen würde, sich davon zu stehlen und die Braut zu entführen. Nachdem aber schließlich das Groß des Festmahls erledigt war und die Gäste sich nun den politischen, religiösen und intriganten Gesprächen zuwandten, konnte Caradan sich eine kurze Verschnaufpause gönnen.
“Da bist du ja.”, hörte er eine bekannte Frauenstimme sagen. Ärgerlich biss der Dieb die Zähne zusammen. Verdammt, sie hatte ihn gefunden. “Wir hätten nun einen Moment Zeit, ich denke nun wäre die passende Gelegenheit.”, meinte sie und stellte sich vor ihn. “Ich denke nicht.”, erwiderte Caradan. “Ich… ich bin nicht ungebunden, weißt du.” Sie zuckte mit den Schultern. “Während ich hier schufte und Geld verdiene, treibt sich mein Mann vermutlich in irgendeinem Hurenhaus herum. Also, das ist keine Ausrede.” “Und wenn ich sage, dass ich so ein Mann nicht bin?” Sie blickte ihn ernst an, kam einen Schritt näher und beugte sich ganz dicht an sein Ohr. “Es hat dir doch gefallen, oder nicht?” Der Dieb schluckte, weil er wusste das sie recht hatte. “Ich hab die seichte Bewegung deiner Hüfte gespürt, du wolltest mich ficken und jetzt, jetzt will ich dich.” Sie nahm ihn am Arm und zog ihn mit sich. Er wehrte sich nicht, auch wenn er so gern wollte. Es war nicht zu leugnen, ja, er wollte diese Frau vögeln, aber gleichzeitig wollte er es nicht wollen, wollte sich dafür schämen. Doch er folgte ihr bereitwillig, zog ohne zu zögern seine Hose unter den Arsch, als sie ein ruhiges Plätzchen erreicht hatten und nahm sie. Es waren keine Gefühle im Spiel, das war ihm klar. Nur bloße Lust und das Verlangen nach einer Frau. Er drückte sie gegen die Wand des Flures, sie schlang ihre Beine um ihn und presste ihn in sich. Wohlig stöhnte sie bei jedem Stoß auf und Caradan erwiderte es mit erregtem Keuchen. Die Bewegungen seiner Hüften wurden kraftvoller und schneller und schließlich wirbelte er sie herum und nahm sie von hinten. Mit heftigen Stößen bearbeitete er ihre Arschbacken. “Caradan?”, rief eine Stimme nach ihm. Es war Theo, der durch die Gänge huschte und ihn suchte, doch der Dieb antwortete nicht, sondern bemühte sich bloß noch mehr. Mit einem lauten Stöhnen kam er schließlich zum Höhepunkt und sackte erschöpft auf ihr ein. Einen Moment blieb er so an ihr kleben, ehe er einen Schritt zurück trat und sich die Hose wieder hochzog, gerade als Theo um die Ecke bog. Die Magd atmete schwer, strich sich ihre Röcke glatt und lief mit einem “Auf bald.” in die andere Richtung davon. Caradan zog sich den Gürtel zu und machte ein Gesicht, dass nicht zu einem Mann gehören konnte, der gerade gevögelt hatte. “Was ist?”, fragte er leise. “Aen ist auf dem Weg in die Küche. Es geht los.”, murmelte Theo.
Sie eilten zurück zur Küche und als sie Aen sahen, lief Caradan auf sie zu. Ihr Anblick war beeindruckend und als er sie so sah, wurde ihm schlecht. Er hatte etwas furchtbares getan und wären seine Wangen nicht schon von der Hitze der Küche und des Liebesspiel gerötet, würde ihm wohl die Schamesröte ins Gesicht steigen und seine Ohren zum Glühen bringen. “Du siehst wunderschön aus, Aen.”, hauchte er. Sie bedankte sich verlegen und gemeinsam schlichen sie sich in den Burghof, wo Aen zur Folge die Braut mit einer weiteren Frau sein sollte. Während Theo und Caradan im Schatten verborgen blieben, ging Aen zu den beiden Frauen. “Ich nehm die Rothaarige.”, stellte Theo klar und sie machten sich daran, durch die Schatten zu schleichen, um sich in den Rücken der Frauen zu begeben. Sie warteten auf ein Signal und als Aens Klinge im Mondlicht aufblitzte, sprangen sie aus ihren Verstecken und legten den Frauen ihre Hand von hinten um Kehle und Mund. “Was machen wir mit der Rothaarigen?” wisperte Aen. “Ich könnte sie totbumsen…” grinste Theo und Caradan warf ihm einen mörderischen Blick zu. Doch die Frage, was sie mit ihr anstellen sollten, erübrigte sich alsbald. Estelle, die Braut, wagte es kaum zu atmen, doch die andere befreite sich aus Theos Gewalt und wurde von ihm niedergeschlagen. “Lasst sie hier.”, befahl Aen und eilte davon, um den Erpresserbrief der Vollstreckerin zukommen zu lassen. Als Theo und Caradan nun alleine waren, deutete er auf die Bewusstlose. “Nimm sie mit, wenn man sie ihr findet, schaffen wir es nie hier raus.” Theo nickte und warf sich die Rothaarige mit Leichtigkeit über die Schultern. Sie eilten aus dem Burghof und blieben etwas unschlüssig stehen. “Wo lang?” “Zum Küchentrakt.”, zischte Caradan. “Der Karren.” Sie verließen die Burg und schlichen außerhalb der Mauern herum. Plötzlich rutschte Theo aus und ließ die Rothaarige fallen. Sie kullerte einen kleinen Schneehügel hinab und blieb regungslos liegen. “Lass sie!”, zischte Theo Caradan an und widerwillig wandte sich der Dieb ab. “Warte.”, flüsterte er Theo zu, als sie sich dem Tor näherten. Er trat in den Lichtschein und wurde von einem der Wachmänner entdeckt. “Wer da?”, rief der Mann. “Ich… ich wollte den Karren holen.”, bibberte Caradan zwischen dem nur teilweise gespielten Klappern seiner Zähne hervor. “Den Karren des Bäckers.” “Warum so spät?” “Na er brauch in morgen Früh.” “Nagut, komm rein und hol ihn. Aber beeil dich, ich will nicht das du die Straße verstopfst.” Caradan nickte eilig, huschte hinein und holte den Wagen. Er schnappte sich ein paar herumliegende Leinensäcke und Tücher aller Art und trieb die Maultiere an. Als sie außer Sichtweite der Wachen waren, pfiff er nach Theo, der aus dem Schatten auftauchte, Estelle auf die Ladefläche warf und ebenfalls hinauf kletterte. Er bedeckte ihre Geißel mit den Tüchern, zischte ihr drohend zu und setzte sich neben sie. Dann ging es so schnell wie möglich, zurück in die Stadt.
Ihre neue Zuflucht, war in keiner Taverne, das wäre ja Wahnsinn gewesen. Theo hatte sich am vorangegangenen Tag nützlich gemacht und eine bleibe für sie gefunden. In den ärmeren Gegenden der Stadt, die aber noch weitestgehend verschont von Bettlern und Hausbesetzern waren, hatte er ein leerstehendes Haus gefunden, dass offenbar schon seit einigen Jahren nicht mehr bewohnt wurde, allerdings immer wieder mal als kurzfristige Bleibe für allerlei Gesindel herhalten musste. Es gab dort einen Tisch, eine Hand voll Stühle, sogar ein paar gammelige Strohmatratzen lagen hie und da in den Ecken. Aber das wichtigste war der Keller, den sie verriegeln konnten. Sie statteten Estelle mit genügend Decken aus, damit sie nicht erfror und machten es sich oben so gemütlich es nur ging. “Wir haben es geschafft.”, stellte Caradan fest, nachdem die Anspannung von ihnen allen abgefallen war. “Oder zumindest, den schwierigsten Teil…” Theo nickte. “Caradan. Wir sollten uns mal kurz unterhalten.” Der Dieb blickte fragend auf, doch noch ehe er etwas sagen konnte, klopfte es an der Tür. Theo sprang auf, zückte seinen Knüppel und ging an die Tür. Er entspannte sich sichtlich und öffnete Aen die Tür. Caradan stand auf und schloss sie erleichtert in die Arme, bevor er sie wieder losließ. Sentimentalität hin oder her, das schlechte Gewissen plagte ihn noch immer. “Caradan. Wir müssen den Karren noch wegbringen.”, meinte Theo nach einer Weile. “Mach das.”, erwiderte der Dieb unsicher. “Du musst dabei sein.” “Warum?” Theo zuckte mit den Schultern. “Ich bin nur der Handlanger. Der Kunde bist du, also komm.” “Hältst du es für klug Aen allein hier zu lassen?” Der Dieb warf Aen einen entschuldigenden Blick zu. Er war sich sicher, dass sie alles im Griff haben würde, aber er wollte nicht mit Theo alleine sein. Theo wollte mit ihm reden und gerade jetzt, war ihm nicht danach. “Aen kann schon auf sich aufpassen. Komm.”, befahl Theo, öffnete die Tür und blickte Caradan auffordernd an.

Ihr Atem stieg in weißen Wolken in die Luft, als Theo und Caradan den Karren durch die nunmehr fast menschenleeren Straßen von Irukhan lenkten. Warum Theo so darauf bestanden hatte, das Caradan mitkam, war ihm ein Rätsel, dessen Aufklärung selbst dann noch auf sich warten ließ, als der Bäcker kaum noch zwei Straßen entfernt war. Sie lenkten den Karren um eine Ecke und bogen in die Straße ein, an der sie das kleine Mädchen getroffen hatten. “Sonst kannst du auch nicht die Klappe halten…”, murrte Caradan und zog seinen Mantel enger um sich. “Was ist nun?” Theo brummte etwas unverständliches und zügelte das ohnehin schon gemächliche Tempo der Maultiere noch etwas. “Ich habe gelogen.”, offenbarte Theo und in seiner Stimme klang beinahe so etwas wie Scham mit. “Sag bloß.”, zog ihn Caradan auf. “Du musst schon etwas präziser werden.” Theo blickte ihn ernst an. “Was den Brief von Lepos angeht. Es ging darin nicht um Konsequenzen für mich, sondern um eine Änderung meines Auftrags.” Mit gerunzelter Stirn blickte Caradan ihn an. “So?”, fragte er. “Und das kannst du Aen nicht sagen, weil?” “Es nur um dich geht.” Theo steuerte den Wagen in die Straße des Bäckers und brachte ihn zum Stehen, als sie den Hinterhof der Bäckerei erreichten. “Er will das ich dich umbringe.”, gestand der Hüne. Caradan schnaubte, halb amüsiert, halb verunsichert. Er war sich nicht sicher ob Theo scherzte oder es ernst meinte. “Wenn das ein Scherz sein soll…” Theo schüttelte energisch den Kopf, kramte in seiner Manteltasche und reichte dem Dieb den Brief. Caradan überflog die Zeilen und es stand genau das drin, was Theo ihm so eben gestanden hatte. Im Falle eines Fehlschlags sollte Theo dafür sorgen, dass Aen und Caradan der Inquisition ausgeliefert werden sollten und im Falle eines Erfolges, sollte er sich Caradan heimlich entledigen. Mit einem verbitterten Lächeln reichte er den Brief zurück. “Warum nur mich? Nicht das ich will, dass Aen etwas passiert… aber warum nur mich?”, fragte Caradan und merkte, wie seine Stimme zu bröckeln begann. Theo zuckte mit den Schultern. “Ich weiß es nicht. Vielleicht hat er Gefallen an ihr gefunden. Vielleicht hat sie ihm einen geblasen. Vielleicht will er sie nur wie eine Ketzerin verbrennen. Ich weiß es nicht.” Ein langer Moment des Schweigens verging, ehe sich Caradan räusperte. “Und warum sagst du mir das? Willst du mir die Chance auf einen gerechten Zweikampf geben?” Dem Dieb wurde eiskalt und das lag nicht, an der bitteren Kälte der Nacht, sondern an der puren Todesangst, die ihn zu übermannen drohte. “Nein.”, erwiderte Theo. “Ich will dich nicht umbringen.” “Was dann!”, zischte Caradan. “Keine Ahnung, in Ordnung? Ich weiß es nicht.”, herrschte Theo ihn an. “Ihr beide habt gerade die Schwägerin einer Vollstreckerin, unter der Nase des bedeutsamsten Wahrheitsbringers der Inquisition und des halben Adels des Landes, entführt. Vielleicht dachte ich, dass euch schon etwas einfällt, wie wir das ganze regeln können.” “Wir?”, fragte Caradan zynisch. “Ja wir verdammt! Wenn ich dich umbringen wollte, dann hätte ich das schon gemacht, immerhin habe ich dich hier raus gelockt, wo uns keine Menschenseele stört.” Da musste der Dieb ihm Recht geben. Er war Theo in jeder Form des Kampfes um Welten unterlegen und dementsprechend kein Gegner für ihn, also wäre es völlig egal, ob Theo ihn vorwarnte oder eben nicht. “Also?”, verlangte Theo zu wissen. “Was nun.” “Keine Ahnung… aber wir werden Aen nichts davon erzählen.” “Warum?” Caradan funkelte Theo zornig an. “Weil wir es noch nicht geschafft haben und ich sie nicht unnötig von unserem Auftrag ablenken will, wenn der Lohn dafür zumindest ihr Leben nicht direkt gefährdet.” Theo nickte zustimmend. “Also sagen wir nicht.”, stellte er fest und Caradan bestätigte es. Sie ließen den Karren dort stehen, stiegen ab und machten sich auf den Rückweg. Sie gingen schweigend, denn es war kein Grund zum Reden.
Später in der Nacht lag Caradan im Bett, Aen an seiner Seite und hielt sie im Arm. Theos Worte beschäftigten ihn sehr und so war er ungewohnt wortkarg. Andererseits, war er in den vergangenen Tagen im Allgemeinen nicht sonderlich gesprächig gewesen, zu viel ging ihm im Kopf herum. Er war müde, erschöpft und doch fand er keinen Schlaf. Geistesabwesend strich er Aen übers Haar. Nicht bloß Theos Worte, sondern auch seine eigenen Taten des Tages, seine Fehltritte und der Vertrauensbruch der er willentlich und wissentlich begangen hatte, nagten an ihm. Er hatte das Gefühl, er müsse es Aen sagen, ihr erklären, aber er wusste auch, dass dies mit Abstand die dümmste Idee seines Lebens sein würde. Vielleicht sogar die letzte dumme Idee seines Lebens. Er hatte ihr versprochen ihr nicht wieder weh zu tun, doch genau das würde er, wenn er sie mit der Wahrheit belasten würde, so entschied er sich lieber ein wenig im Stillen zu leiden. Immerhin war er dieses Mal selbst schuld daran und hatte es somit auch verdient. “Aen? Bist du noch wach?” Zur Antwort hob sie ihren Kopf und blickte ihn an. Er lächelte und gab ihr einen Kuss. “Wie fandest du die Hochzeitszeremonie?” “Die Zeremonie war lang. Ein wenig zu lang, So lange, dass ich in Gedanken abgeschweift bin.”, erklärte sie. Sein Herz begann etwas schneller zu schlagen und ihm wurde kalt und heiß zugleich. Er hatte das Gefühl, als würde man ihm die Eingeweide mit einem glühenden Schürhaken aus dem Arsch ziehen. “Die Feier war da weitaus interessanter.” Sie erzählte davon, wie den Wahrheitsbringer Arcardo Elhan von Avalé getroffen hatten, wie Lepos mit einem Grafen gestritten hatte und sie hier in Arcanis aus echtem Elfenglas Wein getrunken hatte. Das klang bei Weitem interessanter als das, was Caradan von der Feier gesehen hatte. Nach einem Moment der Stille, zog er sie an sich und lehnte seinen Kopf gegen ihren. “Stell dir mal unsere Gästeliste vor.”, flüsterte er. “Statt Grafen und Gräfinnen, Baronen und Baronessen, Wahrheitsbringern und Vollstreckern wären es Huren und Diebe, Mörder und Matrosen, Nichtsnutze und Halsabschneider.” Er ließ seine Worte eine Weile im Raum stehen, ehe er den Mut aufbringen konnte, um weiter zu sprechen. “Wie würdest du dir… unsere Hochzeitsfeier vorstellen?”
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

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Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » So, 28. Apr 2019 22:00

Es war geglückt! Es war verdammt noch geglückt! Sie hatten die frisch angetraute Schwägerin der Vollstreckerin Aelis von Avalé, ihres Zeichens Mitglied einer der wichtigsten, einflussreichsten und mächtigsten Familien des Landes entführt und in ihre Gewalt gebracht. Es war geglückt, aber noch nicht vorbei. Und nun waren sie hier in einem heruntergekommenen leerstehenden Haus, in dem noch nicht mal der armseligste Bettler der Stadt Schutz vor der bitteren Kälte suchen würde, die Schwägerin sicher verwahrt in einem dunklen Kellerloch. Es war schon seltsam. Da war dieses waghalsige Wagnis geglückt, und dann waren die beiden Männer schweigsam und seltsam. Eigentlich, so fand Aen, müssten die drei jetzt, wenn schon nicht in einer Schenke, hier zusammensitzen und sich hemmungslos besinnungslos saufen. “Alles in Ordnung bei dir?” hatte Aen Theo forschend gefragt, der sich doch solche Sorgen gemacht hatte, weil sein Leben am seidenen Faden gehangen hatte. Und Theo hatte sie nicht einmal angesehen. “Tut mir leid Aen, aber mein Herz steckt mir immer noch in der Hose. Und ich bin verdammt müde, ich hab die letzte Nacht kaum ein Auge zugemacht. Jetzt will ich einfach nur schlafen, ja? Aber nett, dass du dir Gedanken um mich machst. Wirst sehen, übermorgen sieht die Welt schon anders aus.” Dann hatte er sich hingesetzt, an das Mauerwerk gelehnt und sich in seinen groben Wollmantel gehüllt und die Augen geschlossen. Aen zuckte ratlos die Schultern, und trollte sich dann zu Caradan. Erst zog sie sich den teuren Fummel aus und schlüpfte wieder in ihr rotes Wollkleid, in dem sie sich weitaus besser fühlte, löste die für sie so unpassende Flechtfrisur, und schüttelte ihr rotbraunes Haar aus. Dann legte sie sich zu Caradan, der es sich auf einer dreckstarren Matratze eines ebenso heruntergekommenen Bettes so gemütlich gemacht hatte, wie das eben möglich war, und schlüpfte unter den Wollmantel mit dem er sich zugedeckt hatte. Caradan schien es ähnlich zu ergehen, wie Theo, und darum flüsterte sie nur “Gute Nacht, Caradan…” kuschelte sich an ihn und ließ sich von ihm noch ein wenig enger an ihn heranziehen, wo sie schon bald seine Wärme genoss, die sie in dieser kalten Nacht wärmte. Aber sie fand keinen Schlaf. Zu viel ging ihr im Kopf herum, zu sehr pumpte ihr Herz Adrenalin durch ihren Körper, nach diesem Erlebnis. Eine quälende schier endlose Zeit versuchte sie sich, zum Schlaf zu zwingen, was freilich nicht gelang. Deswegen war es ihr sehr willkommen, als Caradan sie schließlich fragte, ob sie noch wach sei. Sie hob den Kopf und blickte ihn an, im kleinen schwachen Schein der mit Tierhaut bespannten Laterne, die sie entzündet hatten. Er lächelte sie an und gab ihr einen Kuss. “Wie fandest du die Hochzeitszeremonie?” Sie schürzte die Lippen und zuckte kurz die Schultern. “Nun... Sie war lange, ein wenig zu lange… so lange, dass ich schon mit meinen Gedanken abgeschweift bin… Ein Glück, dass ich nicht eingeschlafen bin” kicherte sie. “Die Feier war da weitaus interessanter. Stell dir das vor, sie hatten Weingläser, aus so klarem und dünnen Glas. Jedermann weiß, woher das stammt. Elfenglas. Du hättest das sehen sollen. Nein, ich hätte eines mitnehmen sollen. Eines Tages fahren wir zu den Elfen und holen uns Elfenglas ja? Hmm… was noch… Lepos hat mich dem höchsten Wahrheitsbringer vorgestellt. Acardo Elhan von Avalé. Und dann noch einem arcanischen Grafen.. aber ich habe mir seinen Namen nicht gemerkt, aber er schien sehr nett zu sein. Mit ihm hat Lepos dann einen Disput begonnen, so sehr, dass sogar Acardo ihn angeherrscht hat, er solle verschwinden. Wirklich, ich dachte, jetzt sei alles aus, jetzt schmeißen sie uns beide raus, und das wars…” gluckste Aen. “Ja, das waren so die Höhepunkte gewesen…” hauchte sie, und grub ihren Kopf in seinen Hals.” Dann schwiegen sie beide. Nach einer Weile begann Caradan “Stell dir mal unsere Gästeliste vor. Statt Grafen und Gräfinnen, Baronen und Baronessen, Wahrheitsbringern und Vollstreckern wären es Huren und Diebe, Mörder und Matrosen, Nichtsnutze und Halsabschneider.” Aen ließ diese Worte auf sich wirken. Dann überschlugen sich tausend Gefühle in ihrem Inneren. Ihr Magen zog sich ebenso zusammen wie ihre Kehle, ihr Herzschlag erhöhte sich von der einen Sekunde zur anderen ins unermessliche. Es klopfte hart gegen ihre Brust, und es fühlte sich an, als wolle es ihren Leib sprengen. Sie sagte kein Wort. Sie konnte nicht, sie wagte es nicht. Hatte er sie jetzt wirklich, nach Caradanmanier, gefragt, ob sie seine Frau werden wollte? Es konnte nur so sein, denn es gab keinen anderen Grund, so etwas ohne Hintergedanken zu fragen. Dennoch hatte sie das Gefühl, sie müsste jetzt etwas sagen, um den Moment nicht zu ruinieren. “Was?” fragte sie belustigt, und langgezogen, und sie konnte hinter diesem kleinen Wort nicht die Unsicherheit, die Angst und den Unglauben verstecken. “Wie würdest du dir… unsere Hochzeitsfeier vorstellen?” Sie rückte mit dem Kopf ein wenig von ihm ab und sah ihm ernst in die Augen “Hast du mich gerade um meine Hand gebeten?” sagte sie mit einem Frosch im Hals. “Ja, ich konnte an nichts anderes denken, als ich dich auf dem Fest gesehen habe.” “Ich… ich weiß nicht, was ich sagen soll…” stammelte Aen. “Ich gebe zu, ich habe mir das sehr gewünscht. Wenn ich dich ansehe, dann sehe ich einen Mann voller Liebe, Zärtlichkeit, Geduld, Anstand, Ehrlichkeit, Respekt… Du bist, und das kann ich ohne Übertreibung sagen, der beste Mann der mir je begegnet ist. Ich könnte es nicht besser treffen… Aber… Es ist so viel passiert, es ist so viel geschehen zwischen uns. Wie könntest du mich da heiraten wollen? Bist du dir denn so sicher?” Er blickte ihr tief in die Augen. “Ja, bin ich. Glaube mir, ich bin mir sicher.” Da lächelte sie ihn warm an. “Dann frag mich” flüsterte sie. Und er fragte sie leise “Willst du meine Frau werden?” “Ja, Caradan, das will ich.” Sie blickte ihn sehnsüchtig an, bereit, sich auf einen Kuss einzulassen. Doch dann hielt sie ein. “Aber nur, wenn du mir auch einen anständigen Ring schenkst. Dieses Ding da ist einfach nur hässlich…” kicherte sie. Dann, endlich, schenkten sie sich einen zärtlichen Kuss, der das gegenseitige Versprechen besiegelte.

Am nächsten Morgen war sie einfach nur gut drauf. Diese Frage hatte sehr viel verändert, und plötzlich sah sie Caradan mit ganz anderen Augen. Wann immer sich die Gelegenheit ergab, berührte sie ihn, umarmte sie ihn, küsste ihn. Vielleicht hätte sie ihn längst mit diesen Augen sehen müssen, dann wäre ihnen wohl so manches Leid erspart gewesen. Doch aus Fehlern lernte man, und man wuchs an ihnen. Aen sagte sich, für die Zukunft wollte sie vieles anders machen, besser machen. Man würde sehen, was die Zukunft so bringen würde. Gut gelaunt setzte sie sich zu den Männern, und es fiel ihr schwer, das dumme Grinsen, das sie schon seit dem Aufstehen begleitete, zu vertreiben. Theo blickte sie schon mit hochgezogenen Augenbrauen ab, doch sie lächelte ihn nur an, und tippte verschwörerisch lächelnd auf den hässlichen Schlangenring an ihrem Finger. Theo nickte verstehendund erwiderte kurz ihr Lächeln. Dann räusperte sie sich. “Also. Ich sage Euch jetzt eins. Lepos ist eine falsche Schlange, da sind wir uns ganz bestimmt einig. Ein Mensch, wo man es ganz sicherlich bereuen wird, ihm geglaubt, oder vertraut zu haben. Lepos hat uns so viel versprochen. Er hat mir auch gestern so vieles versprochen, und in Erinnerung gerufen, was die Inquisition nicht alles für uns tun wird, wenn wir diesen Strumberg befreien. Einen Adelstitel und ein Landgut und Reichtum, und Absolution. Falsch! Absoluter Blödsinn! Wir sind diejenigen, die als Sündenböcke herhalten werden müssen, sobald es eng wird für Lepos. Er wird sich einen anderen Sündenbock suchen müssen. Es gibt für mich bis heute keinen Grund, warum wir das hätten tun müssen. Wahrscheinlich ist er auch einfach nur sadistisch, wahrscheinlich hat er nicht damit gerechnet, dass wir so weit kommen. Er ist ein gefährlicher, hinterhältiger Mensch, der zu jedem nur so lange gut ist, wie er ihm dienlich ist. Ich verspreche euch, er lässt uns alle am Strick baumeln, oder an den Scheiterhaufen binden. Wir drei wissen zuviel. Er kann es sich nicht leisten, ein Risiko einzugehen. Ich sage, raus aus Irukhan. Wir werden sofort nach der Übergabe heute Nacht die Hauptstadt verlassen. Und nicht nur die Hauptstadt, wir verlassen Arcanis.” Sie blickte Caradan an, dann Theo. “Wirst du uns begleiten, Theo? Warum nicht gemeinsam reisen? Wir geben aufeinander acht, wir helfen einander. Mérindar ist ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort ist nicht alles so streng und so übertrieben religiös. Die Geschwister wissen, ich bin gerne in meiner Heimat. Es war schön, einmal in der Hauptstadt gewesen zu sein, und es wäre auch schön gewesen, hier eine Zeit lang zu leben. Es war vieles wunderschön hier, aber auch vieles nicht. Ich will das hinter mir lassen, und nicht in der ständigen Sorge leben, dass uns eines Tages die Inquisition holt. Was sagst du, Theo?” Er räusperte sich “Nun, ich sehe das auch so. Ich bin schon so lange in den Diensten von Lepos, aber ausgezahlt hat es sich noch nicht so wirklich für mich. Wahrscheinlich wird der Lohn, den er mir versprochen hat, ganz anders sein, als ich mir das vorstelle. Vielleicht wird es mal an der Zeit, ein neues Kapitel aufschlagen. Ich steh schon so lang im Dienst der Inquisition, dass ich schon fast vergessen habe, was ich eigentlich will. Verdammt, ich bin dabei.” Aen nickte. “Gut. Caradan und ich wollten noch etwas erledigen. Aber du musst hier bleiben, macht es dir was aus?” Theo schüttelte den Kopf “Nee, ich bin nicht wirklich scharf drauf, in diese Arschkälte raus zu gehen.” “In Ordnung. Dann besorgen wir ein paar Dinge für die Reise, machen noch ein paar grobe Pläne und Vorbereitungen, und dann auf Nimmerwiedersehen, Irukhan.”

In der Nacht hatte es geschneit. Aen und Caradan stapften über frischen, knirschenden, aber auch bereits schmutzigen und festgetretenen Schnee. Ihr Weg führte sie in die besseren Bezirke der Stadt, geradewegs zur Aurumbrücke, die über den Nebenarm des Flusses gebaut, der die Stadt in Norden und Süden teilte. Die Aurumbrücke war eine Besonderheit. Sie war eine relativ breite, solide Brücke und beherbergte die hiesige Goldeschmiedezunft. Dicht an dicht waren dort Goldschmiede zu finden, die dort ihre Werkstatt hatten und ihre Werke auch anpriesen. Dementsprechend viele Wachen waren dort postiert und patrouillierten auch, um ein abschreckendes Mahnmal für Diebe, Gauner und Langfinger zu sein. Aen war glänzender Laune und hatte sich bei Caradan untergehakt und schwatzte beinahe ohne Pause. “Ich sage dir, ohne Ringe gehe ich hier nicht weg. Das machen wir heute, wer weiß, wo wir die nächste Gelegenheit dazu haben. Es müssen keine besonders teuren Ringe sein, ein kleiner schmaler Goldring ohne Schnickschnack oder Firlefanz reicht mir vollkommen aus.” Vor Aufregung waren ihre Wangen gerötet, und es war ihr bislang nicht einmal aufgefallen, dass sie heute noch keine Lust nach einer Kräuterrolle verspürt hatte. So schlenderten sie über die Brücke, besahen sich all die funkelnden teuren Kleinode, Caradan feilschte und handelte, sie zogen weiter, wenn ihnen der Preis zu unangemessen war, oder ihnen das Gesicht des Händlers doch nicht gefiel, und hatten sichtlich viel Vergnügen daran. Bei dem Händler, dessen Gesicht der Arcanierin doch gefiel, blieben sie stehen. Es war ein kleiner, untersetzter Mann mit Wohlstandsbauch und einem wunderbaren, dunkelblonden Schnurrbart, der, das konnte man auf den ersten Blick erkennen, sein ganzer Stolz war. er trug einen pelzverbrämten Umhang und hatte feiste rote Backen die die blausten Augen, die die Arcanierin je gesehen hatte. “Der gefällt mir! Da kaufen wir unsere Ringe, wenn er uns ein gutes Angebot macht…” stieß Aen Caradan an. Sie traten an seinen Stand heran und sahen sich sein Angebot an. “Wie kann ich behilflich sein?” fragte er freundlich, beinahe väterlich gütig, sodass Aen ihn sogleich ins Herz schloss.” “Wir sehen uns um, wir brauchen Eheringe” erklärte sie überschwenglich. “Ah, dann gratuliere ich herzlich…” sagte er. “Soll es etwas bestimmtes sein?” “Etwas schönes, aber ganz schlichtes, und auf keinen Fall zu teuer, trotzdem wäre eine höhere Legierung wünschenswert…” meinte Aen, denn viel Geld besaßen sie nicht mehr. Der Händler lächelte milde. “Da stellt ihr aber eine Menge Anforderungen. Ihr wisst genau was ihr wollt, nicht wahr? Das gefällt mir. Und ich habe eine Schwäche für junge Liebe. Es ist nicht selbstverständlich, dass zwei Menschen aus Liebe den Bund der Ehe eingehen, und so ist es doch bei euch beiden, hab ich Recht?” Aen nickte. “Nun, dann sucht euch etwas aus, und ich sehe, was sich machen lässt.” Gesagt, getan. Während sich Caradan einen Ring für sich besah, ließ Aen ihre Blicke schweifen, und blieb dann wie gebannt an einem Kleinod hängen. Ein Amulett, kleiner, als beschrieben, doch zweifelsohne war eine lodernde Flamme eingraviert. Das konnte nicht sein! War das Ardor? Aen hatte sich dieses Amulett größer, imposanter und wertvoller vorgestellt. “Darf ich mir das mal näher ansehen?” fragte Aen den Händler, und deutete auf das Schmuckstück, während sie Caradan einen aufgeregten, aber heimlichen Knuff in die Rippen. “Das Ding da? Aber natürlich.” In seinen Worten schwang keine wirkliche Begeisterung. Er löste das Amulett aus seiner Hakensicherung, und händigte es ihr aus. Es war ganz leicht, dünn gehämmert. Die Flamme nicht besonders kunstfertig gearbeitet, man musste kein Fachmann sein, um zu erkennen, dass hier kein Goldschmied am Werk gewesen war. “Es ist eine sehr niedrige Goldlegierung, die Arbeit stümperhaft, vermutlich von einem Lehrling gemacht. Es eignet sich nicht einmal zum Einschmelzen, was sollte man da schon draus machen? Sogar die Gravur ist eine Beleidigung für das Auge eines Goldschmiedes, der etwas von seinem Handwerk versteht…” “Aber ich finde es hübsch…” verteidigte die Arcanierin das zweifelhafte Kunstwerk. Der Händler hob eine Augenbraue “Euer Ernst? Nun gut, ich mache euch ein Angebot. Ihr sucht euch zwei Ringe aus, und das Amulett gibts von mir dazu, als Hochzeitsgeschenk. Aber dann kann ich euch keinen weiteren Rabatt geben. Was sagt ihr?” Aen blickte Caradan strahlend an “Nun, ich weiß nicht, wie mein lieber Ehemann in spe das sieht, aber ich finde, das ist ein Angebot, dass man nur schwer ausschlagen kann. Oder? Bitte entschuldigt uns einen Moment.” Sie zog ihn beiseite, denn sie wollte ihn ja nicht übergehen. Schlechte Angewohnheiten waren nur schwer abzulegen. “Ich bin nicht sicher, ob es das ist. Das kann doch eigentlich gar nicht sein. Wie sollte das Ding nach Irukhan, genau hierher kommen, wo wir uns schon so viele Stände angesehen haben? Aber hast du dir das Ding angesehen? Es ist nahezu stümperhaft gearbeitet. Das kann kein Goldschmied verbrochen haben. Aber wenn die Geschichten stimmen, dann könnte es von einem Elfenmagier angefertigt worden sein. Hältst du das für möglich? Vielleicht ist es auch nicht Ardor, sondern einfach nur ein Zufall, dass es ein möglicherweise ähnliches Schmuckstück ist. Aber wenn es wirklich Ardor wäre… Oh, das wäre großartig. Ich kann diese einmalige Gelegenheit nicht verstreichen. Ich muss es haben, ja?” blickte sie ihn zuckersüß an. Natürlich hatte Caradan nichts dagegen. Sie entschieden sich schließlich für ein schlichtes Paar Ringe, und Caradan gelang es sogar noch, den Preis doch ein wenig nach unten zu drücken. “Ihr seid ein zäher Hund…” schnaufte der Händler, als er die Ringe und das ungeliebte Amulett in ein kleines Samtbeutelchen gleiten ließ. Dann setzte er wieder ein strahlendes Lächeln auf. “Aber ich glaube, ich habe hier heute ein gutes Werk getan. Es gefällt mir, junge Leute glücklich zu machen.” Caradan bezahlte den Mann, dann verabschiedeten sie sich, und gingen von dannen. “Bei Idalia… wenn wir hier nicht von unzähligen Wachen umringt wären, würde ich dir auf der Stelle hier die Hosen herunter zerren und vor dir auf die Knie gehen” lachte Aen. “Ich bin so aufgeregt… wie findet man nur heraus, ob es wirklich Ardor ist? Na, wir werden sehen.” Die Sonne war bereits am sinken, und spiegelte sich rotgolden im Fluss, sodass dieser aussah, wie flüssiges Kupfer. Eine Weile standen sie am Ende der Brücke und sahen in den Fluss, der förmlich zu brennen schien. “Ich liebe dich über alles, Caradan…” hauchte Aen, und bot ihm ihre Lippen dar.

In der Nacht, als die Stadt im Schlaf, und der Marktplatz einsam und verlassen im Dunklen lag, rollte eine schwarze Kutsche in der Mitte desselbigen. Sie verschmolz förmlich mit der Finsternis des unbeleuchteten Marktplatzes, nur eine kleine Funzel in der Wagenlaterne leuchtete als winziger Punkt, wie ein Erkennungspunkt. Am Kutschbock saß ein pockennarbiger Mann, der einen verbeulten Schlapphut trug. Aen, Caradan und Theo standen da, ebenso mit der Dunkelheit verschmolzen, und warteten nervös auf die Vollstreckerin, die, wenn der Plan weiterhin so verlief, wie gewünscht, jeden Moment mit Kollo Strumberg kommen sollte. Aen knabberte nervös an ihren Lippen, als sich die Türe der Kutsche öffnete. Ein dicker Mann steckte seinen Kopf aus der Türe, ohne jedoch Anstalten zu machen, die Kutsche zu verlassen. “Ah, so sieht man sich also wieder. Mir ist zu Ohren gekommen, ihr wart erfolgreich? Wie wird Lepos sich freuen! Allerdings sehe ich keinen ehemaligen Gefangenen?” “Er sollte jeden Moment kommen, geduldet euch…” brummte Aen. Sie ließ sich von Magi nicht irritieren. “Kommt Lepos nicht?” Da lachte Magi. “Er ist doch kein Narr. Und um diese Zeit vermutlich längst im Bett. Nein, Lepos macht sich nicht die Hände schmutzig. Er wird..:” Aen unterbrach ihn. “Scht! Da kommt jemand!” Sie kniff die Augen zusammen und konnte nach und nach eine Gestalt erkennen, nein, es waren zwei Gestalten. Je näher sie kamen, desto mehr konnte man erkennen. Die eine Gestalt war klar und deutlich eine Frau, die andere eine gedrungene Gestalt, die leicht humpelte und stolperte, so als wäre sie gefesselt und würde von einer ungeduldigen, misslaunigen Hand geführt und vorwärtsgeschoben. “Leck mich doch am Arsch, da kommt sie wirklich…” murmelte Aen. Die Frau kam bei ungefähr zehn Metern vor der Kutsche zum stehen, und blieb unschlüssig Stehen. Aen stülpte ihre Kapuze über den Kopf. “Was habt ihr vor?” blaffte Magi. “Vertraut mir…” beschwichtigte ihn Aen. Dann ging sie auf die Gestalt zu. Es war vor vielen vielen jahren gewesen, da sie einander begegnet waren, und ganz sicherlich würde sich Aelis nicht an das Kind erinnern, das Aen damals gewesen war. Doch es war Aen ein Bedürfnis, einige Worte an sie zu richten. “Ich möchte mich in aller Form bei Euch entschuldigen, Eure Gnaden. Wie ihr sicher wisst, sind wir alle nur Werkzeuge der Geschwister. Es hat uns nicht gefallen, Eure Schwägerin zu entführen, aber ich kann euch versichern, es geht ihr gut. Ist er das?” Die Vollstreckerin wirkte über alle Maßen irritiert. Sie sagte kein Wort zu Aen, sondern blickte an ihr vorbei, als Magi aus der Kutsche blaffte. “Was ist nun?” Aen sagte mit fester Stimme “Ich bitte euch, jetzt zu gehen, geht, und schaut nicht mehr zurück. Wenn ihr um die Ecke seid, dann lauft, so schnell Euch Eure Beine nur tragen. Lauft, und vergesst diese Nacht.” Aen wartete im Schutz ihrer Hintermänner, dass die Vollstreckerin wirklich tat, wie ihr geheissen. Sie wandte sich um, und ging schnellen Schrittes davon, der Gefangene blieb stehen. Erneut blaffte Magi aus der Kutsche. “Wirds bald?” Aen zog dem Gefangenen den Sack vom Kopf und deutete mit einem Kopfnicken, dass er zur Kutsche gehen sollte, und lief neben ihm her. Bei der Kutsche angelangt, fragte sie Magi, “Ist er das?” Magi grinste. “Klar. Ich grüße dich, Kollo. Lange nicht gesehen, was? Der Gefangene sagte kein Wort, sprang aber auf Geheiss des Dicken in die Kutsche. “Und jetzt ihr drei, kommt.” “Ich dachte, Lepos schläft bereits?” mischte sich jetzt Caradan ein. “Dies ist ein Anlass, ihn wecken zu lassen, ohne seinen Zorn befürchten zu müssen.” grinste Magi. “Na los, Süße, steig ein.” “Ich erinnert euch bestimmt an unser allererstes Gespräch, nicht wahr?” Magi runzelte die Stirn. “Ich denke schon?” überlegte er langsam. “Nun, dann lasst mich die Formalia zuerst klären” begann Aen. “Mein Name ist Aenaeris, und nicht Süße, und wer mich, oder meine Begleiter übers Ohr hauen will, den bringe ich um.” Dann zog sie das Feuerrohr, hielt es Magi vor die Nase und drückte ab.” Ein ohrenbetäubender Knall durchbrach die Stille der Nacht, das Pferd, das vor die Kutsche gespannt war, bäumte sich mit einem angsterfüllten Gewieher auf, und preschte vor, dass sich die Kutsche mit einem bedrohlich wirkenden Satz in Bewegung setzte. Beinahe wäre der Kutscher vom Kutschbock gefallen. Theo glotzte Aen mit weit aufgerissenen Augen an. Sie steckte das Feuerrohr zurück in das Revers. “Zu den Pferden. Und raus aus dieser Stadt.”
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Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Di, 30. Apr 2019 16:11

Es fühlte sich so unwirklich an. Einfach alles an diesem Tag kam Caradan vor wie eine Illusion, ein Traum der jeden Moment enden könnte. Er sollte überglücklich sein, aber das einzige woran er denken konnte, war sein schlechtes Gewissen. Es nagte an ihm, bescherte ihm Übelkeit und ließ ihn reizbar werden. Das spürten vor allem die Goldschmiede, die versuchten ihn übers Ohr zu hauen. Er war ja kein Experte was die hohe Kunst des Goldschmiedens anging, aber er hatte schon genug geklaute Schmuckstücke bei Hehlern versetzt um eine grobe Vorstellung zu haben, was die Ringe, die sich Aen vorstellte, kosten durften und was nicht. Aber schließlich schienen sie den richtigen Händler gefunden zu haben. Er wirkte nett, selbst auf Caradan und er schien eine ehrliche Haut zu sein. Doch noch ehe sie um den Preis feilschen konnten, erregte ein anderes Schmuckstück Aens Aufmerksamkeit. Sie beschwatzte den Händler und zog Caradan zur Seite. “Ich bin nicht sicher, ob es das ist. Das kann doch eigentlich gar nicht sein. Wie sollte das Ding nach Irukhan, genau hierher kommen, wo wir uns schon so viele Stände angesehen haben? Aber hast du dir das Ding angesehen? Es ist nahezu stümperhaft gearbeitet. Das kann kein Goldschmied verbrochen haben. Aber wenn die Geschichten stimmen, dann könnte es von einem Elfenmagier angefertigt worden sein. Hältst du das für möglich? Vielleicht ist es auch nicht Ardor, sondern einfach nur ein Zufall, dass es ein möglicherweise ähnliches Schmuckstück ist. Aber wenn es wirklich Ardor wäre… Oh, das wäre großartig. Ich kann diese einmalige Gelegenheit nicht verstreichen. Ich muss es haben, ja?” Der Dieb kratzte sich am Bart. “Einem geschenkten Gaul…”, zuckte er mit den Schultern und grinste sie an. “Welch passendes Geschenk.” Sie gingen zurück zum Händler und Aen suchte sich zwei passende Ringe aus. “Das wären dann bitte sieben Goldmünzen, meine Lieben.” Caradan pfiff anerkennend. “Für die Beiden?” “Das ist feinste Handwerkskunst.” “Das ist kunstloses Handwerk, die beiden da. Vier Goldmünzen.” Der Händler japste nach Luft und fasste sich an die Brust, als ob er kontrollieren wollte, ob sein Herz noch schlug. “Bei den Geschwistern.”, keuschte er. “Weniger als sechs kommt nicht in Frage. Immerhin schenke ich euch das Amulett dazu.” Der Dieb lächelte ihn freundlich an. “Fünf Goldmünzen und vier Heller. Und der tiefe Dank zweier verliebter Menschen.” Der Mann überlegte kurz und seufzte dann. “Ihr seid ein zäher Hund…” schnaufte der Händler und packte die Ringe und das Amulett ein. “Aber ich glaube, ich habe hier heute ein gutes Werk getan. Es gefällt mir, junge Leute glücklich zu machen.” Caradan zahlte und sie machten sich auf den Rückweg. “Bei Idalia… wenn wir hier nicht von unzähligen Wachen umringt wären, würde ich dir auf der Stelle hier die Hosen herunter zerren und vor dir auf die Knie gehen” lachte Aen und Caradan grinste sie an. “Wir finden sicher irgendwo ein stilles Plätzchen, wo du dich gebührend, bedanken kannst.” Als er diese Worte sprach, sah er die Magd vor seinem inneren Auge und sein Lächeln gefror. Eilig wandte er den Blick ab und schaute sich den Sonnenuntergang an. Verdammt nochmal, hatte er sich nun jede Zärtlichkeit mit Aen selbst verbaut? Sie blieben stehen und starrten auf den Fluss, der einen atemberaubenden Anblick bot. “Ich liebe dich über alles, Caradan…”, flüsterte sie und sie küssten einandern, lang und innig. Er legte ihr die Hand an die Wange und presste sie fest an sich. Als sie sich voneinander lösten, lächelte er sie liebevoll und neckisch an. “Ich weiß.”, grinste er.

Eine Flammenzunge flackerte auf, begleitet von einem ohrenbetäubenden Knall, der die Pferde durchdrehen ließ und das was einst ein Gesicht gewesen war, verteilte sich über Kutsche, Kutscher und schneebedecktem Boden. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Caradan Aen an. Was hatte sie sich nur dabei gedacht, das Feuerrohr in der Hauptstadt zu benutzen? Was hatte sie sich nur dabei gedacht, es überhaupt zu benutzen? Theo ging es ähnlich, bloß das er nicht wissen konnte, was gerade geschehen war. Man konnte die Verwirrung, Unsicherheit und ja die Angst in seinem Blick selbst in der Dunkelheit deutlich sehen. “Zu den Pferden. Und raus aus dieser Stadt.”, befahl Aen und setzte sich in Bewegung. Caradan rührte sich nicht, zu tief saß der Schock ob des Verlaufs, den der heutige Abend genommen hatte. “Geh…”, keuchte er. “Hol du die Pferde. Theo? Theo!” Der Hüne zuckte zusammen, als ob Caradan ihm eine verpasst hätte. “Hol unsere Sachen aus der Taverne. Wir treffen uns in spätestens einer Stunde vor dem Südtor.” Caradan wandte sich zum Gehen um, doch Theo packte ihn am Arm. “Und wo willst du hin?” Der Dieb riss sich los. “Unsere Gefangene frei lassen. Ich lasse die Frau nicht in irgendeinem Kellerloch verrotten. Los jetzt!” Caradan lief los. Er rannte, bis er außer Atem war, dann lehnte er sich an eine Hauswand und glitt langsam an ihr herab. Nur einen Moment würde er verschnaufen, sich beruhigen und seine Gedanken in Ordnung bringen. Verdammt nochmal, jedes Mal wenn sie das Ding benutzte brach Chaos aus. Sein Herz hämmerte immer noch wie wild, doch langsam beruhigte sich sein Atem. Vorsichtig richtete er sich auf und lief eilig, aber nicht auffällig durch die Straßen der Stadt, bis er zu jenem Kellerloch kam, in dem sie Estelle gefangen hielten. Er trat ein und begab sich in den Keller, nachdem er eine Kerze mit zittrigen Händen entzündet hatte. Die Frau saß zusammengekauert wie ein Häufchen Elend in einer Ecke, das Gesicht zur Mauer gewandt und weinte stumm. Als er näher kam, blickte sie auf und schlug die Hände vors Gesicht. Sie fing an zu jammern und zu betteln, aber Caradan reagierte nicht darauf. Er packte sie bei den Schultern und stellte sie auf die Füße, zückte seinen Dolch und schnitt ihr die gefesselten Hände frei. “Hau ab.”, flüsterte er, doch sie blickte ihn nur entsetzt an. Mit einer wirren Handbewegung scheuchte er sie davon, doch sie trat bloß einen Schritt zurück, schlang die Decken fest um sich und starrte ihn angsterfüllt ab. “Los!”, fuhr er sie an. “Hau ab! Geh, los!” Er schubste sie zur Treppe, drängte sie die Stufen hinauf zu gehen. Als sie endlich begriff, dass sie nunmehr frei war, schluchzte sie auf und rannte davon. Der Dieb blieb im Keller, wartete bis er die Tür oben hörte und stieg dann ebenfalls die Treppe hinauf. Eine Weile stand er reglos in der Dunkelheit, dann kamen die Emotionen in ihm hoch. Er packte den klapprigen Tisch und warf ihn um, ehe er sein Gesicht in Händen vergrub. Er fuhr sich durchs Haar und krallte sich fest, während ihn nur eine Frage beschäftigte: Warum? Warum hatte sie es getan? Sie hätten hier bleiben können, eine ganze Weile hier bleiben können. Sie hätten den Winter hier verbringen können, ehe sie sich im Frühjahr aufgemacht hätten. Nun konnten sie es nicht mehr, sie mussten flüchten und so wie er Aen kannte, wäre es eine endlose Flucht, eine Flucht die sie zu jedem Ort führte den es in den Nordreichen gab, nur um sie von dort wieder zu vertreiben bis es keine Zuflucht mehr gab, die sie aufsuchen konnten. Und was dann? Waren sie dann gezwungen die Nordreiche zu verlassen? Mussten sie in die Wälder der verhassten Elfen flüchten oder in das weit entfernte Thasani oder gar in eine der Wüsten, entweder jene aus Sand oder jene aus Eis? Caradan wusste nicht ob er die Kraft hatte, das alles mit zu machen, aber gleichzeitig wusste er, dass er es tun würde. Wegen ihr. Weil er nicht anders konnte, als bei ihr zu bleiben.
Das Geräusch der Türangeln ließ in herumfahren. Kampfbereit hob er den Dolch, als ihn der fahle Schein einer Laterne blendete. Caradan kniff die Augen zusammen und versuchte den Eindringling zu erkennen. Es war Theo. “Was willst du hier?”, fuhr ihn der Dieb an, aber Theo stellte bloß schweigend die Laterne ab und trat auf ihn zu. “Hast du es dir anders überlegt?” Eine seltsame Trägheit hatte sich auf den Dieb gelegt. “Willst du meinen Kopf, um wieder Lepos’ Gunst zu gewinnen?” Als Theo noch einen Schritt näher kam, hob Caradan mit bleischweren Armen den Dolch und setzte ihn Theo auf die Brust. “Was war das?”, hauchte Theo tonlos. Der Dieb ließ den Dolch sinken. “Das fragst du besser sie.”, gab er zurück und blitzschnell packte Theo ihn an der Gurgel. “Ich frag aber dich!” Mit vor Angst weit aufgerissenen Augen starrte Caradan den größeren Mann an, dann spuckte er ihm ins Gesicht und wandt sich aus seinem Griff. “Vielleicht hätte ich dich ja warnen sollen?”, brüllte er. “Du hättest sie nicht unterschätzen sollen. Seinen Feind zu unterschätzen, ist immer ein großer Fehler!” Theo wischte sich die Spucke aus dem Gesicht und blickte Caradan wild an. “Dann ist sie also mein Feind?” Der Dieb atmete schwer. “Seine Freunde zu unterschätzen… kann auch ein großer Fehler sein.” “Du wirst mir jetzt sagen was das war!” “Oder was?”, lachte Caradan spöttisch auf. “Bringst du mich um? Worauf wartest du. Oder willst du uns dann nicht begleiten? Ist mir recht!” Theo schüttelte den Kopf. “Nein… ich komm mit. Wenn du nicht reden willst, gut, ich werde der Sache schon auf den Grund gehen.” Der Dieb schnaufte höhnisch. “Na dann viel Glück.” Er trat einen Schritt auf Theo zu. “Aber bevor du mitkommen darfst, will ich wissen, ob du dich an dein Versprechen hältst.” Theo legte den Kopf schief. “Wirst du sie beschützen?”, fragte Caradan ernst. “Hast du etwa Angst ich erzähle ihr, von deinen kleinen Fehltritten?” “Nein.”, schüttelte Caradan den Kopf. “Weil ich es merken werde, wenn du es ihr erzählen willst. Und dann ich werde dir die Kehle aufschneiden und die Zunge herausreißen, bevor du auch nur ihren Namen sagen kannst.” Theo baute sich bedrohlich vor ihm auf. “Drohst du mir?” “Nein, das war keine Drohung.”, zischte Caradan und stieß ihn von sich. “Sondern ein Versprechen. Also frage ich dich nochmal: Wirst du sie vor Leid bewahren, auch wenn es heißt ihr die verdiente Wahrheit vorzuenthalten?” Die beiden Männer starrten sich einen langen Augenblick an, dann nickte Theo. “Aber nicht für dich. Für sie.” “Gut… das glaube ich dir. Dann gehen wir.” Caradan wollte sich an Theo vorbei zur Tür schieben, doch der Hüne packte ihn nochmal am Arm. “Du wirst dafür noch büßen, das weißt du?” Der Dieb nickte, dann verließen sie das Haus.

“Da seid ihr ja endlich.” Aen wartete ungeduldig bei den Pferden, unweit des südlichen Tores. Wortlos befestigte Theo die Taschen an den Sätteln, Caradan schloss Aen kurz in die Arme, dann saßen sie auf und preschten davon. Sie trieben die Pferde hart an, bis das Leuchten der Fackeln am Stadttor, kaum noch mehr als das entfernte Funkeln eines trüben Sterns war. Es war bitterkalt und der Wind peitschte schmerzhaft ins Gesicht. Als sie sich sicher sein konnten, dass ihnen niemand folgte, was natürlich sein konnte, immerhin hatten sie gerade die Schwägerin einer Vollstreckerin entführt und kurz darauf einen Handlanger eines Vollstreckers auf offener Straße umgebracht, auf eine der auffälligsten Arten, die sich Caradan nur vorstellen konnte, als sie sich also sicher waren, zügelten sie die Pferde und hielten an. “Wohin?”, rief Caradan über das Schnauben der Pferde und seines eigenen Herzrasens hinweg. “Fort von Irukhan, dann sehen wir weiter.”, war die Antwort. “Wir brauchen einen Unterschlupf! Die Pferde halten das nicht aus.” Seine Begleiter gaben ihm Recht. Sie trabten an, denn die Bewegung würde die Pferde eine Weile warm halten. “Im Umland gibt es alte Wachtürme.”, rief Theo, der das Schlusslicht bildete. “Haltet die Augen offen!” Sie ritten eine unbestimmbare Zeit durch die Finsternis, ehe sie auf einen Pfad stießen, der vor sehr langer Zeit mal befestigt, nunmehr aber verwittert und verfallen war. Auf ihr Glück hoffend, folgten sie ihm eine kleine Anhöhe hinauf. Wenig später konnten sie entfernt die Umrisse einer alten Ruine erkennen. Theo hatte Recht behalten, es war ein alter Wachturm, eingestürzt und verlassen. Sie stiegen von den Pferden und führten sie durch das Tor, das aus den Angeln gerissen worden war. Einer der Torflügel lag im innern, überall lag Schutt aus Steinen, Mörtel und Dachziegeln herum, das Dachgebälk war geborsten und vermodert. Es war eisig im Innern, aber immerhin war es windgeschützt. “Hilf mir mal.”, meinte Theo und schickte sich an, den heraus gestürzten Torflügel aufzurichten. Caradan ging in die Knie und unter Stöhnen und Ächzen stemmten sie das massive Stück Holz auf und mit einem lauten Krachen, knallte es gegen den Eingang. Abrupt ließ auch das letzte Bisschen Wind nach. Zuerst kümmert sie sich um die Pferde, rieben sie mit alten Fetzen von Bannern oder Wandbehängen ab, damit sie sich nicht den Tod in der Kälte holten. Theo machte sich daran aus den Überresten des Gebälks und zwischen Felsspalten hervor wucherndes Gestrüpps ein Feuer zu machen. Es war kein großes, wärmendes Feuer, aber es trieb ihnen zumindest die Kälte aus den Knochen. Doch allein die Tatsache, dass sie auf solch begrenzten Raum zu dritt mit den Pferden saßen, sollte wohl ausreichen, dass sie heute nacht nicht erfroren.
Später saßen sie da, zusammengekauert, unter Mäntel und Decken und reckten ihre Finger dem kleinen Feuer entgegen, das sie immer wieder mit ein wenig morschen Holzes anfeuerten. Aen saß etwas abseits und hatte das Amulett hervor geholt, dessen Erwerb sie Caradan mit einem so wundervollen Kuss auf der Brücke vergolten hatte, ein Zeichen der Zuneigung, dass er gar nicht verdient hatte. Sie schien die Gravur oder Verätzung zu bewundern, die eine kleine Flamme auf dem Anhänger zeigte. Caradan gesellte sich zu ihr. Er kniete sich hinter sie, schmiegte sich an sie, umschlang sie mit den Armen um sie zu wärmen und küsste ihren Hals. “Und?”, fragte er neugierig und neigte seinen Kopf an ihren. “Glaubst du es ist Ardor.” Es war das erste Mal, dass er es richtig aussprach, wenn das kein Zeichen sein sollte, wusste er es auch nicht. Doch noch ehe Aen antworten konnte, räusperte sich Theo lautstark und sie drehten sich gemeinsam zu ihm um. “Also ich habe lange genug geschwiegen.”, meinte er. Der Dieb blickte ihn finster an und seine Hand wanderte an seinem Gürtel herab. “Ich will wissen was das für eine Scheiße da auf dem Marktplatz war. Caradan wollte es mir nicht erzählen. Also? Ich höre?”
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Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Mi, 01. Mai 2019 15:15

Aen lehnte mit dem Rücken gegen das Mauerwerk des Wachturms. In den Rücken strahlte die Kälte der Steine aus, und gegen Gesicht und Brust und Knie die Wärme des Feuers. In ihren klammen Händen hielt sie das kleine Amulett und betrachtete es im Schein des Feuers, fuhr mit der Fingerspitze ihres Zeigesfingers über die Gravur, nahm es in die Hand, schloss die Finger darum zur Faust, schloss die Augen und versuchte, etwas zu fühlen, etwas zu spüren. Im Feuer begann es plötzlich zu knacken. Die Arcanierin riss die Augen auf und starrte prüfend auf das Feuer. Doch das alleine war kein Beweis dass es wirklich jenes magische Amulett war. Wie oft knackte es im Feuer, ohne irgendein Zutun? Wahrscheinlich war es ein Harzbrocken im Inneren des Balkens, der sich durch die Hitze ausgedehnt hatte, oder es war der Temperaturunterschied von Kälte zu Hitze… Caradan robbte sich zu ihr, setzte sich hinter sie und zog sie an sich heran. Schlang die Arme um sie, und als sie ihren Kopf nach hinten lehnte, küsste er ihren Hals und sie schloss genüsslich die Augen. “Glaubst du, es ist Ardor?” hörte sie ihn in ihr Ohr flüstern, sodass sie Gänsehaut bekam. Sie öffnete die Augen wieder und wollte zu einer Antwort ansetzen, da begann Theo “Also ich habe lange genug geschwiegen…” Da wandte Aen ihren Kopf zu ihm herüber und blickte ihn an. Er sah sie verärgert an. Sie hingegen warf ihm nur einen ausdruckslosen Blick zu. “Ich will wissen was das für eine Scheiße da auf dem Marktplatz war. Caradan wollte es mir nicht erzählen. Also? Ich höre?” “Nichts, was dich in irgendeiner Weise etwas angehen würde, Theo…” dabei betonte sie seinen Namen besonders provokant. Sie löste sich aus Caradans Umarmung, erhob sich und ging zu einem der Pferde. Sie besaßen noch eine Flasche Wein, einen besonders guten Wein, und sie fand, es war längstens an der Zeit, auf das geglückte Unterfangen anzustoßen. Oder sich einfach nur den Stress weg zu saufen. Oder das ganze Elend schön zu saufen. Als sie aus der Satteltasche des Pferdes die Flasche Wein geholt hatte, wandte sie sich strahlend um und meinte “Ich finde, wir haben uns jetzt alle einen ordentlichen Wein verdient oder?” Da sprang Theo auf und war in zwei Sätzen bei ihr. “Aen! Ich verlange eine Antwort. Ich habe nicht alles gesehen, aber ich habe gesehen was mit Magis Kopf passiert ist, verdammte Scheisse!” Er fuhr sich durch seine Haarlängen und wirkte ein wenig aufgebracht. Da runzelte sie die Augenbrauen. “Was ich gemacht habe? Was willst du jetzt hören, Theo? Vielleicht Hexenmagie, hm? Oder Elfenzauberei? Wer kann das schon sagen?” Ihre Stimme klang gereizt. Da gab er ihr einen Stoß, dass sie zwei Schritte nach hinten trat. “Verarsch mich nicht!” rief er aufgebracht. Aen funkelte ihn wütend an, und gab ihm ebenso einen Stoß. Doch der Hüne schwankte nicht einmal. Stattdessen packte er sie am Arm. “Ich hab dir gesagt, unterschätze mich nicht!” zischte sie giftig, und als sie sich losgerissen hatte, stand Caradan mit einem Male dazwischen. “Lass sie in Ruhe” sagte er leise und ruhig, doch niemand konnte den gefährlichen Unterton leugnen, der in diesem Satz mitschwang. “Ich lasse sie doch in Ruhe, Caradan, ganz so wie ich es versprochen habe…” spie er ihm entgegen. “Gut, dann setz dich wieder.” Theo brummte etwas unverständliches, tat dann aber, wie geheißen.

Aen blieb stumm stehen, während die beiden Rivalen sich wieder setzten. Das konnte niemals gut gehen. Sie waren wie Hund und Katz, und das war Aens Schuld. Wie es aussah, machte Theo keinen Hehl daraus, dass er Aen begehrte, und das nicht nur rein körperlich, und Caradan stand am Rande des Wahnsinns, weil Aen Theo zweimal gegeben hatte, was er nicht hätte bekommen dürfen. “Manchmal macht man Fehler, die einen eine Ewigkeit lang zu verfolgen scheinen…” sagte sie bitter. Dann ging sie mit der Flasche Wein zurück zu den beiden, setzte sich aber zu Theo und entkorkte die Flasche mit ihrem Dolch. “Da, komm mal wieder runter…” meinte sie leise und hielt ihm die Flasche Wein hin. Er nahm sie entgegen und tat einen tiefen Zug daraus. Aen kramte in ihrem Beutel. Er wollte Antworten? Er sollte Antworten bekommen. “Ich habe gesagt, unterschätze mich nicht. Hab ich, oder?” “Joh…” brummte Theo. “Aber ich wusste nicht, dass…” Er sprach nicht weiter. Aen holte einen glitzernden Flussstein heraus, den sie mal eingesammelt hatte, weil er ihr gefallen hatte. “Da drin sitzt die Macht. Aber nur ich kann sie nutzen. So, jetzt weisst du Bescheid.” Ungläubig starrte Theo auf den Stein. “Es sind oft die unscheinbarsten Dinge, die zählen, oder nicht?” meinte sie und ließ den Stein dann wieder in ihrem Beutel verschwinden. “Theo… es tut mir leid. Es tut mir leid was ich getan habe. Was zwischen uns vorgefallen ist, hätte nie passieren dürfen. Ich habe einen großen Fehler gemacht. Ich kann dir nicht geben, was du willst. Und ich weiß, was du willst. Mehr als das, was du bekommen hast, ist es nicht so?” flüsterte sie. Theo nickte wortlos und sie berührte ihn an der Schulter. “Es tut mir so leid…” “Joh, schon gut, man bekommt nicht immer, was man will” Aen nickte. Dann klopfte sie ihm auf die Schulter, und winkte Caradan zu sich. “Komm her…” sprach sie verführerisch… “Wir leeren jetzt diese verdammte Flasche und beruhigen uns alle wieder, verstanden?” Caradan tat wie ihm geheißen und ergriff dann die Flasche Wein und tat ebenso einen Schluck daraus. Die nächsten Stunden brachten sie damit sich die verschiedensten Geschichten und Erlebnisse zu erzählen. Schöne, wie weniger schöne, lustige, wie weniger lustige, unheimliche, und weniger unheimliche. Sie leerten die Flasche, und dann noch eine Flasche. Es herrschte regelrecht ausgelassene Stimmung, und als Aen Caradan anstieß und kicherte “Weisst du noch? Diese olle fromme Wirtin?” da bemerkte sie, dass er die Augen geschlossen hatte und tief und regelmäßig atmete. “Caradan?” sagte sie laut und schüttelte ihn, aber er reagierte nicht. “He... Caradan, du wolltest doch, dass ihr dir einen blase…” gackerte sie, und fasste ihm auch frech in die Hose, aber da herrschte tote Hose. “Schläft wie ein Toter…” zuckte sie die Schultern. Sie zog seinen Wollmantel sorgfältig bis an sein Kinn. “War alles zuviel die letzten Tage…” meinte sie, und erhob sich, als sie sich eine Kräuterrolle an einem Kienspan entzündete. “Ich geh mal raus damit… sonst können wir hier nicht schlafen, die entwickelt schon sehr viel Rauch…” sagte die Arcanierin zu Theo und schob sich zwischen Mauerwerk und Holztüre hinaus in die Arschkälte.

Aen lehnte sich an das kalte rauhe Mauerwerk und blies den dichten Rauch in den Wind. Sie fröstelte jetzt schon. Dann kam Theo zu ihr und lehnte sich neben ihr ebenso an die Wand. Aen drehte ihm den Kopf zu, sagte aber nichts. Stattdessen musterte sie ihn, und es gefiel ihr nicht, wie er sie anblickte. Deswegen sagte sie “Weißt du, Caradan und ich, wir haben eine Menge miteinander durchgemacht. Wir hatten viel Streit, Kummer und Ärger. Ich habe viel Blödsinn gemacht, ich war gemein zu ihm, und unfair, aber er war trotzdem immer für mich da. Er ist gut für mich. Er lässt mir jede Freiheit, er sperrt mich nicht ein. Er ist der beste Mann, der mir je begegnet ist. Er ist aufmerksam, liebevoll, zärtlich, ehrlich, treu…” “So treu is’ er auch nicht…” nuschelte Theo in seinen Bart. Dann blickte Aen ihn an “Was?” “Ich hab nichts gesagt…” hob Theo die Hände. “Doch, hast du. Was hast du gesagt?” “Nichts Aen, vergiss es, ja? Es ist der Wein…” “Theo… ich bin nicht blöd, ich habe schon gehört was du gesagt hast.” “Was hab ich denn gesagt?” “Du hast gesagt, ‘So treu is’ er auch nicht’. Das hast du gesagt!” Sie blickte ihn eindringlich an. “Was immer du weisst, sag es mir” forderte sie. “Ich kann nicht. Ich habs Caradan versprochen.” “Was, bei Janus und Idalia, hast du ihm versprochen?” “Dass ich Euch beschützen werde. Dass ich dich wie eine Schwester behandeln und beschützen werde. Und dazu gehört selbstverständlich auch, dass du verletzt wirst.” Aens Herz wurde von einer unsagbaren Kälte erfasst. “Oh Theo…” flüsterte sie. Alles hatte mit einer frechen Tändelei im Suff und unter Starrkraut begonnen, und war zu etwas Herangewachsen, was sie nicht mehr im Griff hatte. Sie tat den letzten Zug der Kräuterrolle und warf den Rest davon weit von sich in den Schnee. “Also war was?” Es war keine Frage, es war vielmehr eine Feststellung. Theo brummte, aber er sagte nichts. “Theo. Du hast Caradan etwas versprochen. Mich zu beschützen, ja?” “Joh” “Und dazu gehört, dass du Caradan schützt.” “Im Prinzip...joh…” “Ich verstehe. Aber wenn ich jetzt frech fragen darf… wenn du loyal wärest. Wem gälte diese Loyalität in erster Linie? Caradan oder mir?” “Du bist eine gemeine, manipulative Hexe, weißt du das?” grinste Theo. “Ich weiß… Bitte sags mir… Er wird nichts erfahren von mir…” “Warum kann ich auch nie mein verdammtes Maul halten?” “Theo…” “Na schön. Du schwörst, du sagst kein Wort. Du lässt dir nichts anmerken. Er darf nicht den leisesten Verdacht schöpfen, klar?” “Ja… ich verspreche es…” “Ich weiß nicht ob du das versprechen kannst…” “Ich tu es. Ich kann das. Wenn jemand mir etwas nicht anmerken soll, dann kann er es auch nicht. Theo. Sag es mir.” “Was krieg ich denn dafür? “Was willst du denn?” Er grinste “Was kannst du mir schon geben, was ich wollte, wenn es nicht über den schwesterlichen Anstand gehen darf? Vergiss es Aen, das war nur so blöd daher gesagt. Mir reicht dein Versprechen dass du es ihm nicht gleich an den Kopf knallst, wenn wir da jetzt wieder reingehen… Wortwörtlich…” Ihm kroch der Schauer über den Rücken und musste an Magi denken. “Also es war auf Burg Ehrenfels. Ich hab mich so umgesehen und als ich Caradan suchen ging, da hing er in so ner Kammer mit ner Küchenmagd ab, zog sich grad die Hose übern Arsch, und sie hat sich den Mund abgewischt. Noch Fragen?” Aens Augen weiteten sich. “Was?” “Aen. Reg dich nicht auf. Ich hab ihn zur Rede gestellt. Er wollte dich nicht damit verletzen. Und scheinbar hatten die so eine Abmachung.” “Was für eine Abmachung?” wollte Aen wissen. Ihr wurde übel. “Naja so wie ich es verstanden habe, war das die Bedingung, dass wir, unseres Zeichens nur Lieferanten, auf der Burg bleiben dürfen.” Aen zog eine Augenbraue hoch “Was für ein selbstloses Opfer… Wer soll denn das bitte glauben? In was für einer Welt leben wir? In einer, wo die Weiber nichts anderes im Sinne haben, als Männern Vergnügen zu bereiten? Sie bläst ihm einen und dafür dürft ihr bleiben? Was für ein Unsinn…” Theo musste grinsen “Aen, das ist alles was ich darüber weiß…” “Hm…” meinte Aen. “Das war aber noch nicht alles.” “Wie bitte? Was denn noch?” “Ich denke sie hat ihn später noch mal aufgestöbert und hat sich von ihm ficken lassen.” “Was????” rief Aen und Theo hielt ihr den Mund zu. “Scht! Du wolltest es wissen, ich habs dir gesagt. Und du wirst darüber schweigen!” “Dieser verdammte Hurensohn!” zischte sie. “Aen, beruhig dich. Ich wollte es dir nicht sagen. Ich wollte dir dieses Leid ersparen. Aber du musst zugeben, du warst ja jetzt auch nicht unschuldig.” “Was deine Schuld war. Du hast gesagt, du bringst ihn um wenn ich nicht mit dir vögle” “Was deine Schuld war. Du warst es doch, die mich in die Scheune gezerrt hat…” “Bei den Geschwistern… Normal is das alles nicht… Wenn man das so hört, wenn man das so vor Augen geführt bekommt… Aber ich kann sagen, das erste Mal hat Caradan gesagt ‘Geh doch zu deinem Theo, fick ihn doch…’ Also streng genommen hab ich nur getan, was er mir befohlen hat…” grinste sie. “Bei den Geschwistern, ich schäme mich… Und ich kann Caradan irgendwie verstehen. Ich bin nicht glücklich darüber, was er getan hat, ich bin beleidigt, dass er nicht den Schneid hat, es mir zu sagen. Ich dachte, wir wären darüber hinaus, nach dem er mich verlassen hatte. Ich dachte, jetzt fangen wir neu an, aber es scheint nicht aufzuhören… Dieses eine Mal lasse ich es ihm durchgehen. Ich habe zwei Fehltritte gemacht und auch er. Ich würde sagen, wir sind quitt.” “Würd ich auch sagen…” “Danke, dass du es mir gesagt hast” sagte sie leise. Ein Kälteschauer erfasste sie, und es schüttelte sie. “Scheisse ist es kalt…” sagte sie. Da zog er sie an sich heran “Ich kann dich wärmen” grinste er. “Besser nicht… wir sollten wieder reingehen.” Sie entwand sich seiner Umarmung, doch er zog sie wieder an sich heran und drückte seine Lippen auf die ihren. Zuerst wollte sich Aen dessen erwehren, doch dann ließ sie es zu. Sie schmeckte den Wein, von dem er reichlich getrunken getrunken hatte und verspürte schlechtes Gewissen wie auch Genugtuung gleichzeitig. Noch bevor seine Hände auf Wanderschaft gehen konnten, löste sich von ihm “Was sollte das denn jetzt?” keuchte sie. Er grinste “Ich habs mir anders anders überlegt. Das war dafür, dass ich es dir erzählt habe. Nur Recht und billig. Und ich wollte es einfach.” zuckte er die Schultern. “Und? Macht es jetzt alles leichter?” “Nee, gar nicht, im Gegenteil. Ich wünschte wir wären uns unter anderen Umständen begegnet. Aber so ist das mit Wünschen. Man bekommt nicht immer, was man sich wünscht.” “So siehts aus.” “Du hast mitgemacht…” frohlockte er. “Na und? Bilde dir bloß nichts drauf ein.” “Und es hat dir gefallen, als wir gefickt haben…” “Na und?” “Ich gefall dir, gibs zu. Du sitzt zwischen den Stühlen, is es nicht so?” “Kann sein… aber ich liebe Caradan. Und dich nicht. Ich werde seine Frau… Und nicht die deine. Caradan und ich waren quitt und du hast alles wieder ins Ungleichgewicht gebracht. Immerhin kann ich mit reinem Gewissen behaupten, dass ich nichts getan habe!” murmelte sie. “Ihr seid wirklich füreinander geschaffen, genauso etwas hat auch er in der Burg auch gesagt…” “Mir gefällt das alles gar nicht, Theo. Das wird nicht schön enden. Du solltest nicht mehr bei uns sein. Du machst alles reichlich kompliziert. Ich kann jetzt nicht mal mit ihm vögeln, ohne dass du dabei bist. So geht das nicht!” “Mach doch” meinte er leichthin. “Ich seh nur zu. Außer, ich soll mitmachen…” “Du bist ein Drecksack…” lachte sie. “Dein Caradan auch. Und du bist ein Miststück…” “Ich geh jetzt rein.” “Eins noch, Aen…” “Ja?” “Du sagtest, du bringst mich um, wenn ich dich noch einmal anfasse, ich habs gewagt, und was nun?” Sie verdrehte die Augen. “Das eine mal lass ich es noch durchgehen… Aber kein weiteres Mal… Schluss jetzt, ich geh jetzt rein.” Sie schob sich in den Wachturm rein. Caradan schlief, wie sie ihn zurückgelassen hatte. In ihr tobte eine Hitze, am liebsten wollte sie ihn wecken, in dem sie sich auf seinen Schwanz setzte. Aber sie wollte nicht, dass Theo zusah…
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Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Mi, 01. Mai 2019 22:59

Der Wein war ihm wohl schneller zu Kopf als er gedacht hatte und die Anstrengungen der letzten paar Tage hatten ihren Tribut gefordert. Den Geschichten die Theo und Aen zum Besten gaben, hatte er schon eine ganze Weile nur noch mit halbem Ohr gelauscht und war schließlich in einen tiefen, traumlosen Schlaf gefallen, aus dem er erst am nächsten Morgen erwachte. Caradan war steif gefroren als er die Augen aufschlug. Er suchte mit seinem Blick das Innere des Wachturm ab. Das Feuer war erloschen, rauchte nicht einmal mehr und Aen lag nicht bei ihm. Sie lag bei den Pferden, wo es abgesehen von der Feuerstelle am wärmsten war. Theo hatte sich wohl nicht vom Feuer entfernt und war auch irgendwann eingeschlafen. Der Dieb streckte sich, hörte wie seine Gelenke und sein Rücken ungesund laut knackten und knirschten. Obwohl der Turm eingestürzt war, konnte man noch die Überreste einer steinernen Treppe unter dem Schutt erkennen. Die Treppe führte hinauf und Caradan folgte ihr so gut es ging, kletterte über Geröll und Trümmer und kam schließlich gut zehn Fuß über den anderen zum Stehen. Es hatte aufgeklart, die Sonne stand am Horizont und der Dieb konnte weit sehen. Arcanis konnte einen wunderschönen Anblick bieten, wenn das glühende Orange der aufgehenden Sonne auf unberührten Schnee fiel und sich im morgendlichen Nebel verlor. Doch es hatte einen anderen Grund gehabt, weshalb er nach hier oben gekommen war. Caradan nestelte an seinem Gürtel herum, holte seinen Schwanz hervor und pisste vom Rand des Turms. Es verschaffte ihm eine seltsame Genugtuung. Er blieb noch dort oben hocken und beobachtete den Sonnenaufgang solange, bis er Geräusche von unten hörte. Theo und Aen erwachten und blickten sich suchend nach ihm um. Ein leiser Pfiff zog ihre Aufmerksamkeit auf sich und als sie hoch sahen, winkte Caradan ihnen zu. Doch statt oben zu bleiben und zu warten, ob sich einer von ihnen zu ihm gesellte, machte er sich an den Abstieg. Unten angekommen, spürte er eine seltsame Stimmung die die Vorherrschaft an sich gerissen hatte. Ob es Theos gestrigen impulsiven Taten geschuldet war oder er etwas nicht mitbekommen hatte, als er geschlafen hatte, wusste er nicht. Aber es lag etwas in der Luft. Sie machten sich daran ihr Lager abzubrechen und ritten an diesem herrlichen Morgen weiter. Sie fielen im nächsten Gasthaus ein, dass sie auf dem Weg fanden, eine wahrlich ranzige Taverne an einer Wegkreuzung, aber immerhin besaß sie ein wärmendes Feuer und einen gehaltvollen, wenn auch geschmacklosen Eintopf. Caradan entgingen die Blicke nicht, die Theo Aen immer wieder mal heimlich zuwarf und die sie, ab und an sogar erwiderte. Die Eifersucht kroch langsam aus dem letzten Winkel seines Gehirns und begann an ihm zu nagen. Auch die nächsten Reisetage versprachen diesbezüglich keine Besserung. Geflüsterte Worte hier, eine flüchtige Berührung da und immer wieder diese Blicke, die die beiden einander zu warfen. Caradan war weder blind noch blöd, doch er sprach sie beide nicht darauf an, zu groß war die Sorge davor, dass Theo ihn verraten würde. Immer noch haderte er mit sich, ob er es Aen beichten sollte oder nicht. Immerhin hatte sie es auch vor ihm geheim halten wollen und das obwohl sie ihm hatte wehtun wollen. Aber er wollte sie nicht verletzen, das wollte er wirklich nicht und dennoch, er hatte ihr einen Antrag gemacht und wenn das kein Grund war, vor ihr keine Geheimnisse zu haben, dann wusste er auch nicht. Vielleicht sollte er es ihr sagen, noch ehe Theo die Gelegenheit bekäme. Doch er konnte sich nicht durchringen. Zumindest jetzt noch nicht. Er würde noch ein paar Tage brauchen, ehe er den Mut und die Kraft gesammelt hatte, um es ihr zu beichten und ihrem Zorn standzuhalten. So litt er also still weiter, ertrug sein schlechtes Gewissen, ertrug die Beobachtungen die er machte. Da war etwas zwischen den Beiden, was er nicht einordnen konnte und das beunruhigte ihn. Worte waren das eine, aber taten etwas anderes. Er sprach mit den Worten, dass er sie liebte, aber dann fickte er eine andere und es gefiel ihm. Sie sagte, dass sie ihn liebte, aber gab sich so vertraut genau mit dem Mann, von dem sie wusste, dass es Caradan missfiel. Es schien ihr egal zu sein und das schmerzte ihn mehr, als eine offene Anfeindung. Sie waren seit vier Tagen auf der Flucht und Aen und Caradan hatten kaum Zeit gehabt, einmal ungestört miteinander zu reden. Theo war dauert um sie herum schlawenzelt, immer in Hörweite, immer im Blickfeld, wenn man sich mal kurz davon stehlen wollte, machte er auf sich aufmerksam. Jede Zuneigung, Zärtlichkeit oder Liebesbezeugung, wurde allein von seiner Anwesenheit im Keim erstickt und langsam ertrug es der Dieb nicht mehr. Es zerrte an seinem Nervenkostüm, diese stetige Beobachtung, dieses ausgeliefert sein und nicht zuletzt die Flucht selbst. Seine Nerven lagen blank und daran konnten weder Wein, Wärme oder ein voller Magen etwas ändern. Etwas fehlte ihm und er wusste nicht genau was. Vielleicht war es die Wärme zwischen ihm und Aen, vielleicht waren es ihre Berührungen die Theo ihm da stahl, vielleicht war es auch einfach nur eine wohltuende Portion Schlaf. Am Abend des vierten Tages, sie hatten ihr Lager in einem trockenen Flussbett aufgeschlagen, kam Aen zu ihm gekrochen, schmiegte sich an ihn, rieb ihren Schoß an seinem und wollte allem Anschein nach die verschenkten Gelegenheiten, die verlorene Zärtlichkeit der letzten Tage nachholen. Doch dazu kam es nicht, denn unter den heimlichen Blicken von Theo, bekam Caradan keinen hoch. So sehr sich Aen auch bemühte, seine Männlichkeit weigerte sich anzuschwellen und auch sein Angebot, sie ein wenig zu verwöhnen, stieß dann plötzlich auf taube Ohren.

Gegen Mittag des fünften Tages, rückte die arcanische Grenze bereits in greifbare Nähe, doch je näher ihre vermeintliche Freiheit kam, desto weiter rückte Aen von ihm ab, so kam es ihm jedenfalls vor. Sie rasteten in einem kleinen Waldstück, wenige Meilen von der Grenze entfernt und gönnten den Pferden einen Augenblick der Ruhe. Theo hatte gerade seine Mühe mit einer seiner Satteltaschen, als Caradan an ihn herantrat. “Wie lange willst du uns noch begleiten?”, verlangte er barsch zu wissen. Theo blickte über die Schulter. “Wie meinst du das?” “Ich will wissen ob du uns nach Aramad begleitest?” “Ja? Was dachtest du denn?”, fragte Theo mit gerunzelter Stirn. Der Dieb zuckte mit den Schultern. “Ich hatte gehofft das du uns sicher außer Landes bringst und dich dann verpisst.” Nun wandte sich Theo doch um. “Ihr habt mich eingeladen mit zu kommen.” “Nein.”, schüttelte Caradan den Kopf und nickte dann über die Schulter. “Sie war das.” “Und du hattest keine Einwände.” “Oh doch. Nur weil ich nichts gesagt habe, bin ich damit nicht einverstanden.” Theo zuckte mit den Schultern. “Ich begleite euch jedenfalls.”, meinte er beiläufig und wollte sich wieder umdrehen, doch Caradan packte ihn an der Schulter und riss ihn herum. “Ich weiß was du da machst!”, fauchte er. “Du treibst einen Keil zwischen uns. Du lässt uns keinen Moment allein, lässt keine Annäherung zwischen uns zu. Warum?” Theo legte den Kopf schief. “Ich weiß nicht wovon du redest.” “Doch tust du! Du erträgst es nicht, dass sie sich für mich entschieden hat. Also sag ich es dir jetzt ein für alle mal. Lass uns in Ruhe und hau ab!” Theo verschränkte die Arme. “Und wenn ich nicht gehe?” “Dann gehen wir.”, zischte Caradan und Theo grinste ihn an. “Bist du dir da sicher?” Der Dieb trat einen Schritt zurück. “Wieso sollte ich nicht?” “Ich weiß nicht.”, zuckte er mit den Schultern. “Du schläfst ziemlich fest, in letzter Zeit. Da bekommst du einige Gespräche nicht so mit.” Caradan riss die Augen auf. “Nein…”, hauchte er tonlos, doch er konnte sehen, dass Theo es genau so meinte, wie er es gesagt hatte. Mit weichen Knien stolperte er zurück und lief zu Aen. Er packte sie bei den Schultern. “Was habt ihr getan?”, fragte er atemlos und Aen blickte ihn fragend und verunsichert an. “Im Wachturm!”, rief er verzweifelt. “Habt ihr gefickt? Habt ihr es getrieben, während ich geschlafen habe?” Sie riss sich von ihm los. “Nein, soweit ist es nicht gekommen.” Ihm blieb die Luft weg. “Aber wäre es… wenn ich nicht…” Er konnte den Satz nicht zu Ende sprechen. Er schwankte, taumelte zurück und raufte sich die Haare. So stand er da, Aen zu seiner Rechten, Theo auf der anderen Seite. Er konnte es alles nicht fassen. “Er hat’s dir gesagt…”, hauchte er, ohne sie anzusehen. “Es tut mir leid… es tut mir so leid…”, murmelte er. “Ich wollte dir nicht wehtun…” Plötzlich blickte er auf, ein Blick in den Augen, als hätte er die Erleuchtung seines Lebens erfahren. “Ich bin dir nicht böse Aen… nein, nein, nein… ich liebe dich… und ich weiß jetzt wie ich es dir beweisen kann.” Er wandte sich an Theo. “Komm. Ich gebe euch meinen Segen.” Er blickte wieder zu Aen. “Du willst ihn, du begehrst ihn, aber du liebst mich. Das weiß ich. Bitte, tut euch keinen Zwang an. Ich werde zusehen… als Beweis das ich dich liebe. Wir könnten es zu dritt tun. Dann müsste keiner eifersüchtig sein. Jeder bekommt was er will ohne den anderen zu verletzen.” Aen sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren, doch er ging auf sie zu und nahm ihr Gesicht in seine Hände. “Was redest du da?”, flüsterte sie und er gab ihr einen langen, innigen feurigen Kuss. “Lass dich von ihm verwöhnen.”, flüsterte er. “Allein der Gedanke an dich, wie du zum Höhepunkt kommst, lässt mich geil werden.” Caradan machte sich daran, ihr den Gürtel abzunehmen. Er wollte sie nicht ausziehen, dafür war es zu kalt. Er gab ihr noch einen Kuss, ließ seine Hand unter ihre Röcke wandern und begann damit, sie zwischen den Beinen zu streichen. “Komm Theo. Du sagtest ich kann von dir lernen. Also lehre mich.” Theo war die Situation ebenso unwirklich wie Aen, doch er kam. Er ging vor Aen auf die Knie und Caradan trat mit Aens Habseligkeiten zurück. Er brachte ihr Hab und Gut zu den Pferden und legte es über den Sattel. Theo begann damit, ihre Schenkel mit Küssen zu bedecken und der Anblick und der Gedanke an das was nun folgen würde, ließ die Erregung in Caradan hochkommen. Seine Schritte knirschten kaum hörbar, auf dem jungfräulichen Schnee, er hörte wie Aens Atem schneller wurde, als sich Theo allmählich dem Kleinod zwischen ihren Beinen näherte. “Theo, sieh mich an.”, bat Caradan mit einer silbernen Zunge und Theo blickte auf. Sie beide blickten sich in die Augen, als Caradan, ganz so wie Aen es ihm vor all der Zeit gezeigt hatte, das Feuerrohr hob und abdrückte.
Der Knall war laut, das Feuer heiß, der Rückstoß heftig. Theos Gesicht verwandelte sich in einen blutigen Brei, Knochensplitter, Blut und Hirn entweihten den unschuldigen Schnee. Blut spritzte Caradan ins Gesicht und ebenso auf Aen, die ihr Entsetzen heraus schrie. Sie kauerte sich zusammen, schlug die Hände vors Gesicht und wimmerte. Unbeeindruckt ließ der Dieb das Feuerrohr in den Schnee fallen. Er fühlte sich befreit, ein hervorragendes Gefühl. Und er war erregt. Seine Männlichkeit wuchs in seiner Hose und sein Blick fiel auf Aen. Er trat an sie heran und sie schrie ihn an. “Was hast du getan!”, kreischte sie. Er antwortete nicht, sondern presste seine Lippen auf ihre. Er schlang seine Arme um sie, während er sie nach hinten drückte. Er küsste sie stürmisch, leckte ihr das Blut von den Lippen und vom Hals, verschmierte Theos Blut an seiner Hand über ihr Kleid. Mit einem Stoß schubste er sie von sich, öffnete seinen Gürtel und hob sie hoch. Er schob seine Arme unter ihren Arsch, riss ihre Röcke beiseite und führte seinen Schwanz in sie ein. Erfüllt stöhnte er auf und nahm sie. Er bewegte seine Hüfte auf und ab, während er sie an sich presste. Sie tat nichts, erwiderte seine heftigen Stöße nicht, blickte ihn aus leeren Augen an und gab keinen Mucks von sich. Ihm war es egal, er wollte sie. Er machte ein paar Schritte zurück und ließ sich mit ihr in den Schnee fallen. Stöhnend wälzte er sich auf sie, während sie auf dem Bauch lag und nahm sie von hinten. Er nahm sie, während ihrer beider Blick auf den Leichnam vor ihnen gerichtet war. Seine Stöße wurden heftiger und schneller und er kam, lautstark und befreiend. Außer Atem, sackte er auf ihr zusammen. Er beugte sich ganz dicht an ihr Ohr. “Jetzt weißt du auch, wie das ist.” Er stand auf, zog sich die Hose wieder hoch und zurrte seinen Gürtel fest. “Und jetzt beerdigst du ihn.”, forderte Aen mit brüchiger Stimme. Caradan wandte sich um und schüttelte den Kopf. “Mach du das. Dir hat er etwas bedeutet, nicht mir.” Aen starrte ihn entgeistert an. “Ich liebe dich, wie ich noch nie einen Mann geliebt habe. Aber ich kann dir nicht mehr in die Augen sehen.” Mit traurigem Lächeln trat er auf sie zu. “Wieso sind wir so blind, Aen? So blind, das wir nicht erkennen, dass die Menschen denen wir am meisten wehtun, wir selbst sind.” Er griff nach ihrer Hand und drückte ihr einen Kuss auf den Handrücken. “Dann ist das wohl ein Abschied.” Sein Herz schlug schneller, als er sich abwandte und sich in den Sattel seines Pferdes schwang. “Wenn du wissen willst, was er für ein Mensch war, durchsuche seinen Mantel, nach dem Brief von Lepos. Leb wohl Aen.”
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

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