Unter Dieben

Die einst mächtigen Reiche der Menschen und Elfen, die nach den Drachenkriegen gegründet wurden. Die unwegsame Heimat der Orks und Wilden Menschen und das Felsenreich der Bergelfen.
Antworten
Benutzeravatar
Aenaeris
Verrücktes Weibsbild
Beiträge:199
Avatar:Eva Widermann
Alter:25
Rasse:Mensch (Arcanier)
Heimat:Arcanis/Wynricéa
Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Sa, 24. Feb 2018 13:19

Aenaeris erwachte von einem kecken Sonnenstrahl, der ihr ins Gesicht schien und dieses wärmte. Unwillig drehte sie sich auf die Seite, bevor sie auch nur im Entferntesten daran dachte, die Augen zu öffnen, was sie mit dem Licht in ihrem Gesicht ohnehin nicht zuwege gebracht hätte. Sie blinzelte, und wandte sich um wo sie Caradan vermutete, doch das Bett war leer. Die Arcanierin rieb sich die Augen und murrte. Sie fühlte schwerfällig und antriebslos und hatte keine Lust, aufzustehen. Die Nebenwirkung des Starrkrautkonsums. Plötzlich durchfuhr sie ein ungutes Gefühl, das ihren Herzschlag in die Höhe schnellen ließ. Sie setzte sich im Bett auf, nestelte die Beine unter dem Laken hervor und setzte sich an den Bettrand, bevor sie aufstand und durch das Zimmer taumelte. Das ungute Gefühl verschwand erst, als sie das Feuerrohr auf dem Tisch liegen sah und sie blies erleichtert die Luft aus den Backen. Doch es lag nicht mehr so da, wie sie es hingelegt hatte, glaubte sie. Sie blickte sich verschlafen im Zimmer um, aber Caradan war nirgendwo zu erblicken. Ihr nächster Gedanke galt dem Starrkraut-Kästchen. Beinahe schon hatte sie die Vermutung, dass er ihren Tiefschlaf ausgenutzt hatte und mit der Kostbarkeit einfach verschwunden war. Doch das Kästchen stand noch genau an der Stelle wo er es gestern Abend platziert hatte, und als sie den Deckel der kleinen Truhe anhob, erblickte sie die kleinen getrockneten Blüten. Ein klein wenig meldete sich das schlechte Gewissen. Doch im Grunde gab es niemals einen Grund, unvorsichtig zu werden, auch, wenn sie besonders unvorsichtig gewesen war. Ein kurzer Augenschweif über den Raum ließ erkennen, dass Caradan nicht abgehauen war. Seine Habe war noch da, und zumindest seinen Gehrock hätte er doch wohl mitgenommen, wenn er gegangen wäre. Aen ließ sich wieder auf dem Bett nieder und atmete tief ein. Nun war es doch passiert, sie hatten miteinander geschlafen. Es war gut gewesen! Nun gut, sie hatte schon lange nicht mehr mit einem Mann das Lager geteilt. Vermutlich hätte sie es auch mit einem unerfahrenen Kerl wie Iardes gut gefunden, nach der langen Enthaltsamkeit, und über all dem war auch die Wirkung des Starrkrautes gehangen. Also ob es wirklich gut sei mit ihm, hätte man schon ohne jegliche äußere Einflüsse wie Alkohol oder Starrkraut bewerten müssen. Aber nun, da sie abreisen, und sich ihre Wege wieder trennen würden, war dies ohnehin egal und nicht mehr relevant. Sie erhob sich wieder, holte sich das Kleid und zog es sich über. Es war noch leicht feucht, was sich unangenehm am Körper anfühlte, außerdem war es zerknittert und viele leichte Schatten bezeugten, dass sich das Blut nicht hatte herausschwemmen lassen. Immerhin konnte man sie nicht mehr als Blutflecken identifizieren. Sie sah einfach aus wie eine Frau in einem dreckigen Kleid. Dieser Umstand ließ sie ihre spitze Nase rümpfen und ihr verging sogar die Lust, sich ihre Haare zurecht zu machen. Sie ließ sie einfach offen, fuhr sich nur ein paarmal mit gespreizten Fingern durch und ließ es damit gut sein. Vielleicht besorgte sie sich vor ihrer Abreise in Brisangen im Marktviertel noch ein neues Kleid, so sie eines fand, das ihr zusagte. Aus der Starrkrauttruhe nahm sie sich eine angemessene Menge irgendwelcher Blüten und tat sie in einen ihrer Lederbeutel. Dann gürtete sie ihren Gürtel, hing das Feuerrohr daran, schlüpfte in ihre Schuhe und klemmte sich ihren Umhang unter. Doch, wie würde sie weiterkommen? Nach Brisangen war sie ja mit dem Tross der Mutter Oberin gekommen. Für ein neues Kleid würde es noch reichen, für ein Pferd hingegen nicht. Mit dem Vorhaben, diese Problemlösung auf später zu verschieben, verließ sie das Zimmer und stieg die Treppe hinunter in den Schankraum.

An einem der Tische saß Caradan. Das hatte sie nicht erwartet, und sie spürte eine leichte Röte in ihrem Gesicht aufkeimen, aber dann steuerte sie direkt auf ihn zu. „Guten Morgen Sonnenschein“ sprach er sie an. Sie fühlte sich aber überhaupt nicht wie die Sonne an diesem Tag, eher wie eine hässliche, triste Nacht und so zog sie nur eine Grimasse, nuschelte ein „Morgen…“ und warf ihren Umhang über eine Stuhllehne, bevor sie an einem anderen Stuhl Caradan gegenüber Platz nahm. Es war seltsam, ihm so gegenüber zu sitzen. Sie konnte nicht sagen, wieso, aber so eine gemeinsame Nacht veränderte einiges. Erwartungsvoll faltete sie die Hände unter ihrem Kinn und blickte ihn einfach nur schweigend an, bis er beim Wirt ein zweites Frühstück, oder eher, Mittagessen, orderte. „Du solltest auf jeden Fall noch was essen, bevor du aufbrichst“ meinte er. Es war wohl gutgemeint, doch Aen blickte ihn weiterhin schweigend, aber ein wenig konsterniert an. Wer war er? Ihr Vater? Sie wusste selbst, was sie brauchte. Und vor einer Abreise gehörte eine Mahlzeit definitiv dazu. „Ja, ich werde abreisen…“ wiederholte sie beiläufig. „Weißt du wenigstens wie dieses Arbor Amulett aussieht? Oder in wessen Besitz es sich befindet?“ Jetzt erntete Caradan einen wirklich sehr konsternierten Blick. Verdammt! Sie hatte ihm davon erzählt, jetzt fiel es ihr wieder ein. Verfluchtes Starrkraut!“ Wie konnte sie sich da noch rauswinden? Sie seufzte und druckste herum. „Weißt du, im Starrkrautrausch sagt man manchmal Dinge die man eigentlich nicht sagen möchte.“ Doch das ließ er nicht gelten. „Ach komm, verplappert hast du dich schon, dann kannst du mich jetzt auch einweihen. Falls du schon was weißt.“ Erneut seufzte sie. „Na schön, na schön…“ erwiderte sie schließlich resigniert und senkte ihre Stimme. „Also zuerst einmal, es heißt ‚Ardor‘, nicht ‚Arbor‘. Hat nichts mit dem Wein zu tun“ begann sie schulmeisterhaft. „Die Legende dazu ist ganz hübsch. Es wurde geschmiedet von einem mächtigen Bergelf der Feuermagier war. Sein Name war Fewûr. Dieser wurde aus seiner Magiergilde verbannt, da er Unheil mit seinen magischen Fähigkeiten über die Elfen gebracht hatte. Er nutzte seine Fähigkeiten, um Zwietracht und Hass zu säen, und um anderen zu schaden. Nach seiner Verbannung zog er durch die Nordreiche und ließ sich schließlich in der Einsamkeit der wilden Lande nieder. Viele Jahre lebte er alleine, bis er schließlich eines Tages einen nicht weniger begabten Naturmagier namens Aestus kennenlernte. Bald verband die beiden Männer eine tiefe Freundschaft und Aestus wollte seinem Freund bei seinem Traum, ein Artefakt zu fertigen, zur Seite stehen. Gemeinsam beschlossen sie, dieses Kleinod zu fertigen. Es sollte die gegenständliche Macht Fewûrs darstellen und auch den niederen Feuermagiern dienlich sein, mächtigere Zauber wirken zu können. Beim Schmieden dieses Amulett legte Fewûr seine gesamte Macht in dieses Schmuckstück, und auch Aestus trug seinen Teil dazu bei, dass dieses Artefakt einzigartig würde. Ich finde das recht unterhaltsam. Und ich glaube nicht, dass es nur eine Legende ist. Ich könnte dir Geschichten erzählen, von Dingen, die beim gemeinen Pöbel nur als Legenden gelten… Naja ist ja auch egal. Jedenfalls bin ich auf der Suche danach und das letzte das ich gehört habe war, dass sich das Amulett im Besitz einer Sklavin befindet die hier in Brisangen sein soll.“ „Ich bezweifle, dass sie das Amulett noch hat. Wer Menschen verkauft...“ Aen unterbrach ihn. „Genau das habe ich mir auch gesagt. Wieso sollte eine Sklavin ein goldenes Amulett dieser Größe besitzen, hab‘ ich mir gesagt? Sagt einem doch der gesunde Menschenverstand, dass solch ein Amulett gleich einmal enteignet würde vom Sklavenhändler, nicht wahr? Eigentlich war es ja totaler Blödsinn, hierher zu kommen, wenn man es so betrachtet.“ Sie machte eine kurze Pause und blickte ihm direkt in die Augen. Sie glaubte nicht an Zufallsbekanntschaften, wenn diese eine solche Geschichte, wie sie sie mit Caradan in der kurzen Zeit erlebt hatte, nach sich zogen. Und er war ja auch eine nette Bekanntschaft, da konnte man gar nichts sagen. Sie sprach weiter. „Doch ich verfolge dennoch jeden Hinweis. Oft stimmen die irrsten Geschichten und Hinweise, und die Plausiblen verlaufen sich im Sand. Ich habe mich ja auch schon erkundigt. Es war ein Händler hier in Brisangen, der Gold und Schmuckhandel betreibt. Also sagte ich mir, der wäre wohl der erste, an den ein solches Teil verkauft wird. Doch der Händler ist zu meinem Ärger weitergezogen. Natürlich weiß niemand, wohin. Entweder er ist gen Steppe, oder gen Nordreiche. Ich werde noch Erkundigungen anstellen, ob jemand weiß in welche Richtung er gezogen ist. Ich muss mir heute sowieso noch ein neues Kleid kaufen, in diesem Fetzen da laufe ich sicherlich nicht umher. Ist ja zum Schämen.“ Endlich beendete die Arcanierin ihren Redefluss und bediente sich wie selbstverständlich an Caradans Dünnbier, da der Wirt das ihre immer noch nicht gebracht hatte. „Weißt du Aen...“, begann er. Sie mochte das irgendwie, dass er sie so nannte, und sie blickte ihn erwartungsvoll an, gespannt, was nun folgen würde. Die interessantesten Dialoge begannen mit ‚Weißt du…‘. „Damals in Lanyamere, da hab ich nie viel gehabt… ich hatte viel zu viel Angst am falschen Ende eines Spießes zu landen, also habe ich mir nur das nötigste ergaunert. Dann hab ich mein Heim verlassen und habe festgestellt: Es ist scheiß egal was ich mache oder nicht, was ich lasse oder nicht. Wenn das Schicksal mich in den Arsch ficken will, dann tut es das.“ Aen sah sich kurz nach dem Wirt um, denn sie wartete noch immer auf ihr Dünnbier, und begann mit den Fingern auf der Tischplatte zu trommeln. Was, zum Henker, wollte er ihr nun eigentlich sagen? Er beugte sich jetzt zu ihr hinüber und blickte ihr direkt in die Augen. „Jetzt mach ich was ich will. Ich greife nach mehr als ich fassen kann und will mehr als ich verdiene. Was ich sagen will, ich will dich begleiten. Ich habe genug von diesem Loch hier und sobald ich die Anderen ausbezahlt habe, bin ich frei dahin zu gehen, wo ich hinwill. Und alleine reisen ist mühsam.“ Ach, daher wehte also der Wind. Ihre Mundwinkel verzogen sich nach oben und ihre Augen begannen zu strahlen. Unwillkürlich griff sie nach seiner Hand, die auf dem Tisch ruhte. „Ich hatte gehofft, dass du mich das fragen würdest“ gestand sie ihm, und sie hielt einfach nur seinen Blick und seine Hand. Ein Schweigen entstand, welches aber nicht unangenehm war.

Das Donnern eines Bierkruges auf der Tischplatte entzauberte den Moment, und ihre Hand fuhr zurück, als hätte sie sich gehörig die Finger verbrannt. Der Wirt hatte ihr Dünnbier gebracht. Erschrocken blickte sie nach oben. „Da, biddesehr Mamsel. Essen kommt gleich.“ sagte er in einem furchtbar verwaschenen Dialekt. „Danke…“ entgegnete sie. Als der Wirt gegangen war, ergriff Aen ihren Krug und prostete Caradan zu. „Auf eine gemeinsame Reise!“ Dann löste sie die beiden Geldbeutel von ihrem Gürtel und legte diese auf den Tisch. Der eine Geldbeutel barg den Inhalt dessen, was sie beim Kronenspiel gewonnen hatten, das andere das Diebesgut aus dem Wagen. Während sie die beiden aufknüpfte und den Inhalt auf die Tischplatte leerte, erklärte sie „Weißt du Caradan… Jetzt, wo wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen werden, finde ich, sollte es auch gerecht zugehen.“ Sie senkte die Stimme „Wir waren Diebesgefährten, wir waren Bettgefährten… Übrigens, ich fand es sehr schön gestern Abend… Und nun sind wir auch Reisegefährten. Dir steht die Hälfte des Gewinnes zu…“ wühlte sie in den Münzhaufen und begann, in Summe zwei gleich große Häufchen aufzustapeln, „Und auch die Hälfte des Geldbeutels, den ich aus dem Wagen mitgenommen habe, gestern Abend“ grinste sie diebisch. Nach getanem Werk schob sie ihm die Hälfte der Münzen zu. „Dein Anteil. Und nach dem Essen lass uns auf den Markt gehen, ich brauch ein neues Kleid.“

„Ein rotes, bitte! Kein blaues! Blau ist nun wirklich nicht meine Farbe!“ moserte sie den Händler an und wandte sich schließlich an Caradan. „Was ist daran so schwer? Ist er farbenblind?“ Der Händler warf das blaue Kleid beiseite und ging nach hinten um ein anderes Kleid zu holen. Zurück kam er mit einem Wollkleid in einem satten Krapprot. Aen nahm es und verschwand damit nach hinten um es zu probieren. Als sie wieder kam, hatte sie erst wieder etwas auszusetzen. „Es ist viel zu weit und zu sackig!“ Der Händler stellte sich hinter sie und zog an zwei Schnüren. „Es ist in wunderbarer Fischgrattechnik gewebt. Und es lässt sich in der Taille auf Körpermaß schnüren. Normalerweise fertige ich die Kleider für die Kunden ja lieber auf exakte Körpermaße an. Aber in einer Händlerstadt muss man eben anpassungsfähig sein und auch für Durchreisende etwas an der Stange haben.“ Er trat nach vor und betrachtete zufrieden sein Werk. „Außerdem hat das Kleid den Vorteil, dass es sich an andere Umstände anpasst.“ Er deutete dabei auf Caradan und Aen verstand nicht. „Was meint ihr?“ fragte sie ihn irritiert. „Nun, ihr seid ja noch so jung. Wenn ihr guter Hoffnung seid, lasst ihr die Schnürung einfach aus und es lässt sich auch mit schwellendem Bauch tragen. Mein Weib hat ein ähnliches Modell getragen und sie hat es auch nach vier Kindern nicht bereut es zu besitzen.“ Er lächelte freundlich, als stände vor ihnen das perfekte Ehepaar. Aen schüttelte entrüstet den Kopf. „Nein! Das ist nicht mein Gemahl. Keine Ehe, keine Kinder! Nicht jede junge Frau ist dazu geeignet. So einfach ist das! Ich nehme es trotzdem. Und ich möchte es gleich anbehalten. Den alten Fetzen könnt ihr eurem Eheweib geben. Für Putzlappen. Oder näht Windeln daraus. Falls euch vier Bälger nicht reichen!“ gab sie frech zurück. Das Kleid kostete sie die Hälfte ihres Barvermögens, aber darüber zerbrach sie sich nicht den Kopf. Als sie den Händler verließen und sich die Arcanierin in ihrem neuen Kleid wieder wohlfühlte, schlenderten sie weiter. Es dauerte nicht lange, da liefen ihnen drei Männer über den Weg. Willem, sein Neffe Iardes, und Rogan. Es schien, als hätten sie sie bereits gesucht. „Da seid ihr ja“ brummte Rogan unwillig. „Dachte schon, ihr seid abgehauen. Also, was ist jetzt mit dem… na ihr wisst schon?“ Aen mochte Rogan nicht. Nicht im Geringsten. Er war einfach ein Arschloch. Nichts weiter. Sie überließ es Caradan, mit Rogan zu sprechen, denn im Moment musste sie sich mit anderen Problemen herumschlagen. Iardes. Dieser durchbohrte sie förmlich mit seinen Blicken. Natürlich, nachdem, was sie getan hatte, und was sie ihm noch versprochen hatte, war das nicht weiter verwunderlich. „Ich hab‘ dich überall gesucht, gestern Abend. Wo hast du denn nur gesteckt?“ Oh, wenn er wüsste, wo Aen gesteckt hatte… oder vielmehr wo Caradan gesteckt hatte… Dieser Gedanke ließ sie innerlich kichern, doch sie bemühte sich, die Fassung zu wahren. „Nun, gestern Abend hatten wir zu tun. Wie du dir sicherlich denken kannst. Ein solches Unterfangen ist ziemlich anstrengend“ erwiderte sie leicht gereizt. Willem schlug dem Burschen auf die Schulter und lachte. „Bei den Sieben, die hat dir aber ganz schön den Kopf verdreht! Von nichts anderem spricht er, als von dir“. Sie vereinbarten, dass sie sich später bei Caradan treffen würden, wo sie das Starrkraut aufteilen würden. Willem versprach, um die erfolgreiche Tat gebührend zu feiern, Schnaps und Wein mitzubringen. So, wie es aussah, würde ihre Abreise sich noch zumindest um einen Tag verzögern…
"Ihre Natur ist Feuer und Blut..."

Benutzeravatar
Caradan
Weltenbummler
Beiträge:104
Avatar:Caradan :D
Alter:20
Rasse:Mensch
Heimat:Arcanis
Waffen:Küchenmesser
Inventar:Kleines Messer, Dietriche, fremdes Geld

Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » So, 25. Feb 2018 1:21

„Keine Ehe, keine Kinder.“, pflichtete Caradan ihr inbrünstig bei. Vor allem keine Kinder, dessen war sich Caradan gewiss. Eher würde er sich die Eier abschneiden lassen, als so ein Balg in die Welt zu setzten, dass er weder wollte, noch für das er hätte sorgen können … nein würde er nicht, dafür hing er zu sehr an ihnen. Neben dem Zepter waren die Kronjuwelen sein wertvollster Besitz und sich davon zu trennen kam nicht in Frage. Sicher würde ihm Aenaeris da auch zustimmen, schließlich durfte sie sie nach Lust und Laune in Beschlag nehmen, wann immer ihr danach war. Und wenn sie ihn mitten in der Nacht weckte, solange sie es schaffte dass er stramm zu Diensten war und da machte der Dieb sich keine großen Sorgen, solange sie das also schaffte, konnte sie tun was sie wollte. Einen Moment versuchte er sich vorzustellen, wie Aenaeris mit geschwollenem Bauch in diesem Kleid vor ihm stand. Es gelang nicht, jedenfalls nicht ganz. Sie war einfach keine Ehefrau, keine Mutter, kein langweiliges Hausweib, das Kissen ausklopfte und Kleider nähte, kochte und wusch. Sie war das genaue Gegenteil zu allem Langweiligen, zu allem Gewöhnlichen. Sie war außergewöhnlich und Caradan war sich verdammt sicher, dass sie das wusste. „Sieht schön aus.“, tat er seine Meinung kund. Vermutlich könnte sie auch einen Hanfsack tragen ohne etwa von ihrem Charme einzubüßen. Eigentlich verhielt es sich so, je weniger sie trug, desto mehr Charme konnte man erkennen und da war es nun wirklich völlig egal aus welchem Stoff ein Kleid gefertigt war oder welchen Schnitt es hatte. Vielleicht spielte aber wirklich die Farbe eine Rolle. Rot. Rot wie das Feuer, dies passte, ohne das er sagen könnte weshalb. Obwohl, seinen ausgeblichenen blauen Gehrock hatte sie auch tragen können. Gut, sie hatte ja auch sonst nichts getragen, aber dennoch. Er beobachtete sie, wie sie die Münzen abzählte. Ein Ehrenmann hätte für sie bezahlt, hätte ihr dieses Kleid geschenkt, hätte das gewonnene Geld abgelehnt, das sie ihm vorhin überlassen hatte. Aber er war kein Ehrenmann. Er war ein Dieb und das wusste sie. Dennoch, es kratzte an seinem Stolz und er fasste den Entschluss, dass er diese Schuld ausgleichen würde. Als sie fertig war, offenbar doch ganz zufrieden mit ihrer Beute, schlenderten sie noch einen Moment über den Markt. Sie würden wohl einiges brauchen für die Reise – allem voran ein Ziel, aber auch Proviant und … ja was eigentlich? Caradan war bisher immer von Schenke zu Schenke, von Herberge zu Herberge gezogen, so er denn man die sicheren Grenzen einer Stadt verlassen hatte und falls er doch länger als nötig im Freien gewesen war, war stets jemand bei ihm gewesen, der sich mit derlei Dingen auskannte, mit Feuer machen, Kochen, Lager aufbauen, Wache halten und so fort. Noch dazu wären Pferde von Vorteil. Pferde. Diese durchtriebenen Viecher, die immer zwischen seinen Beinen bockten wie eine Hure, die man noch nicht bezahlt hatte. Wenigstens würden sie sich das Geld für eine zweite Schlafstätte sparen können. Während sie so daher liefen, legte Caradan einen Arm und Aens Schulter und beugte sich zu ihr hinab. „Wir sollten uns nochmal nach diesem Händler umhören. Ich glaub ja, er ist nach Osten, denn ganz ehrlich, was wollen wilde Pferdeficker denn mit goldenem Schmuck? Da macht der Kerl kein gutes Geschäft. Hier im Norden, da hängen sich die Leute alles um den Hals. Vielleicht hat er dein Schmuckstück ja auch hier verkauft?“
Urplötzlich wurde Caradan aus seinen Gedanken gerissen, als sie dem Trio ihrer Mitverschwörern in die Arme liefen. Er hatte ganz vergessen, dass er sich mit Rogan wegen des Starrkrauts hatte treffen wollen. „Dachte schon, ihr seid abgehauen. Also, was ist jetzt mit dem… na ihr wisst schon?“ Der Dieb rollte entnervt mit den Augen. „Was soll schon damit sein? Es ist in meinem Zimmer, in der Truhe. Glaubst du ich hab das ständig bei mir? Damit mich jeder Idiotenbüttel damit erwischen kann? Nichts für Ungut Willem.“ Der Büttel winkte ab und grinste ihn breit an. Und Iardes? Der starrte ein Loch in Aenaeris‘ neu erstandenes Kleid. Da war ja noch etwas, ein Versprechen das sie einlösen sollte. Den genauen Wortlaut hatte sie ihm nicht verraten, aber immerhin hatte sie ihm doch schon den Schwanz, den riesigen, trocken gelutscht, das durfte reichen. Ein Anflug von Übelkeit überkam ihn, als er daran dachte, dass er sie geküsst hatte nachdem sie … so was gemacht hatte. Wohin er wohl seine Ladung… nein, so genau wollte er es dann doch nicht wissen. „Gut, dann gehen wir jetzt und teilen es auf.“, forderte Rogan. „Immer mit der Ruhe, Rogan. Willst du etwa die Blüten so haben oder gibst du mir die Chance sie erst in bare Münze zu verwandeln.“ „Ich will es so, wie es ist. Ich weiß schon was ich damit anfange, danke.“, brummte der Söldner und verschränkte die Arme. „Und du Willem?“, fragte der Dieb missgelaunt. „Nimm es mir nicht übel mein Junge, aber du bist ein Schlitzohr. Ich hätte es lieber auch so auf die Hand. Und was meinen Neffen angeht, nun ja, der hat andere Dinge im Kopf.“ Offensichtlich. Und offensichtlich, wollte er wissen wann Aenaeris ihr Versprechen einlöste. Gleich nachdem du mich am Arsch geleckt hast, dachte sich der Dieb und bedachte den Jungen mit einem bösen Blick. Immerhin pochte er nicht darauf und man konnte sich wenigstens auf Später einigen. Rogan und Iardes wichen nicht von ihrer Seite, als sie zurück zur Schenke marschierten, bloß Willem verschwand und tauchte wenig später mit einer tönernen Flasche Gebranntem und einem Krug Wein auf. Die Abreise musste wohl doch noch warten.

Oben angekommen kramte der Dieb das Kästchen, dass er kurz bevor sie auf den Markt aufgebrochen waren schnell unter einigen Habseligkeiten versteckt hatte, hervor und stellte es auf den Tisch. Die Männer versammelten sich um ihn und blickten erwartungsvoll und gespannt auf das geschlossene Kästchen. Caradan riss den Deckel auf und ließ einen Schrei los, dass Willem erschrocken einen Satz rückwärts machte und dabei seinen Neffen zu Boden warf, während Rogan seine Hand den verborgenen Dolch legte. Caradan, dem die vorangegangene Anspannung nicht entgangen war, fing schallend an zu lachen und musste sich am Tisch abstützen, um nicht atemlos umzukippen. Breit grinsend japste er nach Luft und fing sich einen nicht ganz unverdienten Klaps in den Nacken ein. Immer noch kichernd wischte er sich eine Träne aus dem Auge. „Tut mir leid, ich konnte nicht widerstehen.“, rechtfertigte er sich und hielt ihnen den Inhalt des Kästchens vor die Nase. Zu seinem Erstaunen fehlte ein Teil der getrockneten Blüten. Er bemühte sich nicht zu Aenaeris zu sehen, aber er war sich ziemlich sicher, dass sie sich bedient hatte. Vermutlich hatte sie sich bloß ihren Anteil genommen, weil sie umgehend aufbrechen wollte. Das war die Gelegenheit. „Das ist Alles?“, fragte Rogan gereizt und starrte Caradan vorwurfsvoll an. Der Dieb zuckte bloß mit den Schultern. „Ich war auch enttäuscht. Aber überleg mal, das erklärt zumindest den Toten.“ Rogan runzelte die Stirn. „Wenn sich einer der Wachen an der Ware bedient,“, erklärte Caradan, „und die dann auch noch gestohlen wird? Würdest du da ruhig bleiben?“ Der Söldner schüttelte langsam den Kopf. „Vermutlich nicht.“ „Ganz sicher nicht.“, brummte der Dieb. „Also, teilen wir auf, was wir haben.“ Sorgfältig häufte der Dieb fünf gleich große Haufen an und achtete dabei darauf, die Qualität der Blüten gleichmäßig zu verteilen, er wollte nicht dass hierüber noch ein Streit entbrannte. „Eins noch.“ Der Dieb nahm jeweils eine Blüte von seinem und Aenaeris‘ Haufen und fügte sie Willems und Rogans hinzu. „Wir ähm“, räusperte er sich, „haben gestern Abend die Qualität geprüft. Ist nur gerecht, wenn das nicht zu euren Lasten geht.“ Das hatte rein gar nichts mit gerechter Aufteilung zu tun, sondern war pure Strategie. Einerseits schaffte das Vertrauen, es besänftigte und unterband lästiges Nachfragen und andererseits war es ein kleiner Seiten hieb gegen den Burschen, der nach wie vor nur Augen für Aenaeris hatte. Ehrlich gesagt bezweifelte Caradan, dass Iardes überhaupt mitbekommen hatte, dass er nichts zum Ausgleich erhalten hatte. Immerhin hatte er ja schon eine andere Form der Entschädigung bekommen. „Bist wohl doch nicht so ein Schlitzohr.“, lächelte Willem und ließ sein Häufchen in einem Beutel verschwinden, ebenso wie Rogan. Iardes… nun der Maß dem Kraut nicht so viel Wert bei, sodass sich Willem seines Anteils bemächtigte. „Und jetzt danken wir den Göttern und dann wird gesoffen.“
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

Benutzeravatar
Aenaeris
Verrücktes Weibsbild
Beiträge:199
Avatar:Eva Widermann
Alter:25
Rasse:Mensch (Arcanier)
Heimat:Arcanis/Wynricéa

Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Mo, 26. Feb 2018 9:34

Nein, mit Göttern hatte Aenaeris nichts zu tun. Auch nicht, obwohl sie eine ansprechende religiöse Erziehung erhalten hatte und in einen Tempel der Geschwister in Lanyamere geschickt worden war. Der Tempel, der nicht mehr existierte, und an dessen Existenzschwund die ehemalige Priesteranwärtin Schuld war. Sie hatte mit den Lehren der Zwei nie etwas anfangen können. Alles war bloße Gehirnwäsche gewesen, und die Brandstiftung des Tempels war ebenso eine Befreiung von diesem Zwang wie die Ermordung ihrer Eltern. Aenaeris versank in Grübeln. Immer noch plagte sie ein schlechtes Gewissen. Doch man konnte die Vergangenheit nicht ändern und so vertrieb sie die unseligen Erinnerungen und holte sich zurück ins Hier und Jetzt. Dieses Lotterleben war beizeiten ganz schön anstrengend. Eigentlich hatte sie überhaupt keine Lust, jetzt etwas zu trinken. Schon gar nicht Schnaps. Ihre Gedanken kreisten eher um das Starrkraut. Sie war ihm verfallen, das wusste sie. Als die Becher gefüllt wurden hob sie die Hand und lehnte ab „Für mich nicht, danke…“ Stattdessen holte sie ihre Pfeife hervor, nebst Kräutertabak und eine kleine Starrkrautblüte aus ihrem privaten Vorrat. Die Blüten waren schon ein wenig ausgetrocknet, und würde beim Rauchen im Hals kratzen, und so tippte sie die Spitze ihres kleinen Fingers in Caradans Schnaps um die Starrkrautblüte minimalst zu befeuchten. Die Anwesenden Beobachten Aens Tun neugierig. Es war Willem, der schließlich aussprach, was alle zu denken schienen. „Du rauchst das Zeug selbst? Haste nicht Angst vor den Folgewirkungen? Man erzählt sich ja so einiges darüber. Soll total krank machen, das Zeug. Schwermut, Kältegefühl, und wenn man zu viel davon nimmt, kann man auch krepieren…“ Aen hob den Blick und zuckte mit den Schultern und blies den Rauch in die Luft „Und wenn schon…“ erwiderte sie. „Wir alle müssen sterben… Davor will ich wenigstens leben…“ Sie lehnte sich tief in den Stuhl hinein, stellte ein Bein auf die Sitzfläche und machte es sich gemütlich. „Is‘ eh dein Bier, Mädchen“ fiel Willem in das Schulterzucken ein. „So, und jetzt ein Trinkspruch!“ Willem erhob sich und hob seinen Becher. „Ich trinke auf den erfolgreichen Raub! Den Göttern seis gedankt, dass wir nun alle ‚n Stückchen weit reicher sind, als zuvor!“ Die Männer klirrten die Becher aneinander und kippten den Schnaps hinunter. Aen hob eine Augenbraue. „Den Göttern braucht ihr gar nicht zu danken…“ murmelte sie. „Ist ja schließlich nicht deren Verdienst. Sondern der von Caradan und mir…“ „Pah!“ entgegnete Rogan. „Ohne mich und mein Kundschaften hättet ihr gar nicht erst erfahren dass es das Zeug zu stehlen gibt!“ „Und ohne Willem und seinen Neffen hätte es das Feuer nicht gegeben“ fügte er hinzu. „Das Feuer war auch meine Idee… Und dass der Bursche überhaupt das Feuer gelegt hat, war auch mein Verdienst…“ gluckste sie, was Iardes rote Ohren bescherte. „Also eigentlich haben Caradan und ich die Drecksarbeit erledigt. Darin sind wir uns hoffentlich einig“ meinte sie. „Worauf willst du hinaus? Willst du etwa einen größeren Anteil an der Beute haben?“ erwiderte Rogan gereizt. Aen tat einen erneuten tiefen Zug und blies den Rauch gemächlich aus. „Nicht im Geringsten. Mir reicht die Anerkennung.“ Sie fühlte sich wunderbar, dank des Starrkrauts. Rogan grinste überheblich, erhob sich und deutete eine leichte Verbeugung an „Nun denn, auf den klugen und unentbehrlichen Kopf des Starrkraut-Beutezugs. Wie hätten wir es nur ohne dich zuwege gebracht? Ohne dich wären wir verloren gewesen.“ Aen verzog den Mund „Du bist ein Bastard. Nichts weiter.“ „Oh, wie kommt ihr zu dieser Einsicht, wertes Fräulein?“ grinste Rogan. Sie deutete auf Caradans blaues Auge „Ist das nicht Grund genug?“ „Ich bin vielleicht ein Arsch, das mag stimmen, aber ein Bastard bin ich nicht. Ich kenne meinen Vater. Im Gegensatz zu Caradan.“ Aen winkte mit der Hand ab. Es hatte keinen wirklichen Sinn mit ihm zu diskutieren. Und wenn sie jetzt so weiter machte, dann würde sich die wunderbare Stimmung durch das Starrkraut ins Gegenteil zu einer absoluten Katzenjammerstimmung schlagen. „Na kommt, jetzt fangt Euch nicht an zu zanken…Wir sind hier um zu feiern!“ lenkte Willem ein. „Da, trink auch was mit uns… äh.. wie war noch gleich dein Name?“ „Aenaeris…“ gab sie etwas ungehalten zurück. „Also Aenaeris, da, stoß mit uns an. Oder wie wärs mit einem Spiel? Ein einfaches Würfelspiel. Der Pechvogel, oder auch Glückspilz, je nachdem wie man es sehen will, mit der geringsten Augenzahl muss trinken!“

So begannen sie dieses wirklich simple Spiel, welches deutlich einfacher als das Kronenspiel war. Ein Spiel, bei dem man eigentlich gar nicht betrügen konnte, denn es war pure Glückssache. So war es auch recht ausgeglichen, dass jeder gleich oft trinken musste. Nur manchmal hatte man wirklich Pech und musste zwei, dreimal hintereinander trinken, was bei den Anderen schadenfrohes Gelächter hervorrief. Aen hatte eine fabelhafte Glückssträhne, denn sie musste kaum einen Schnaps kippen. Daher war sie guter Dinge, und stopfte sich während der recht ausgelassenen Stimmung eine zweite Starrkrautpfeife. Diese teilte sie schließlich dann mit Caradan, als er ihr vorangegangen einfach frech die Pfeife aus der Hand nahm und daran zog. Gespielt empört stieß sie ihn in die Seite und ließ dann, weil es sich so ergab, ihre Hand unter dem Tisch auf seinem Oberschenkel ruhen. Beiläufig begann sie, die Stelle zu streicheln, und von der Tatsache angestachelt, dass es aufregend war, vor allen Anwesenden doch Heimlichkeiten zu haben, verschwand ihre Hand dann in seiner Hose. Nur ab und zu warf sie ihm einen aufreizenden und schelmischen Blick zu, beachtete ihn aber ansonsten nur wenig. Bis sie die Idee hatte, dass sie die Glückssträhne ihm zu verdanken haben konnte, da sie die Würfel nach ihm in die Hand nahm. „Du bringst mir Glück Caradan…“ lachte sie. Die Hand in der Hose kraulte, packte zu, bewegte sich auf und ab, und je länger sie das tat desto erregter wurde sie. „Kein Wunder, ich habe ja mit der Glücksfee gevögelt“ kicherte sie. „Ja, ist schon gut, wir wissen es alle. Ihr habt miteinander gevögelt. Kein Grund das ständig zu erwähnen“ brummte Rogan. Iardes Gesicht hingegen war zu entnehmen, dass es nicht alle wussten. Zumindest nicht er. Das war in seiner Miene deutlich abzulesen. Beleidigt blickte er sie an „Machst du das mit jedem?“ Aen hob die Augenbraue „Was, bitte, mache ich?“ „Du weißt genau, was ich meine.“ „Nein, weiß ich nicht“ entgegnete sie. Ihr Blick fiel auf die ausgeklopfte Pfeife. Ob eine dritte Blüte ihre Stimmung wieder heben würde? Nein, entschied sie. Das wäre sogar für sie vermutlich zu viel. „Soll ich dir auf die Sprünge helfen? Du hast mir einen geblasen. Und du hast mir noch mehr versprochen. Und dann vögelst du Caradan?“ Aens Augen verengten sich leicht. Willems Augen quollen beinahe über, und Rogan begann zu lachen. Er lachte und lachte, heiser, musste husten, rang nach Atem, was die ganze Situation, das musste Aen zugeben, ein wenig auflockerte. Amüsiert blickte sie ihn an und kippte ihren Schnapsbecher aus, obwohl sie nicht die geringste Augenzahl gewürfelt hatte. „Und wenn schon. Ich wüsste nicht, dass ich dir zu irgendetwas verpflichtet wäre. Bist du mein Ehemann? Nein? Gut.“ Sie richtete den Zeigefinger auf ihn. „Das war nichts weiter als eine Art Belohnung, wenn du das Feuer legst. Das weißt du, und das habe ich dir gesagt. Ohne dieses beherzte Engreifen meinerseits säßen wir jetzt nicht alle hier und würden auf den erfolgreichen Beutezug anstoßen. Weil du so eine Memme warst und kein Feuer legen wolltest. Deinetwegen wäre die ganze Aktion beinahe gescheitert. Eigentlich hast du überhaupt keinen Anspruch an einem Anteil des Starrkrauts. Pure Verschwendung!“ „Das Starrkraut ist mir doch ganz egal“ maulte Iardes. Aen erhob sich. Sie hatte keine Lust auf Drama und Vorwürfe von einem solchen Hänfling. Sie hatte getan, was ihrer Meinung nach nötig war, und keiner, aber auch wirklich keiner durfte ihr da jetzt einen Strick draus drehen. Weder Iardes, noch Caradan, auch nicht Willem, und wenn er zehnmal Iardes‘ Onkel war und Rogan schon mal überhaupt nicht. „Ich geh mal an die frische Luft. Caradan? Auf ein Wort?“ forderte sie ihn auf, mitzukommen und rauschte dann aus dem Zimmer.

Aen wartete am Treppenabsatz, bis Caradan nachgekommen war. Doch sie machte keine Anstalten, die Treppe hinunter zu gehen. Stattdessen ging sie einige Schritte in den dunklen Nebengang der wohl zum Dachboden, oder sonst wohin führte. Ein kleines Tischchen stand da an der Wand, und darauf setzte sie sich. Caradan blickte sie fragend an, vermutlich fragte er sich, was es zu besprechen gab. Es gab nichts zu besprechen. Aen zog ihn stürmisch an sich und küsste ihn, ließ ihre Hände in seine Hose wandern und als sie sein immer noch strammes Gemächt spürte, zerrte sie ungeduldig an der Hose, am Gürtel, öffnete diesen mit ungeduldigen Fingern und zog die Hose ein Stück weit unter den Arsch. Es bedurfte keiner Worte. Trotzdem flehte sie „Nimm mich…“ Sie lüpfte ihre Röcke, rutschte auf dem Tischchen ein Stück weit nach vorne und wartete auf die Erlösung. Caradan ließ sie nicht lange warten. Du liebe Güte, war sie ihm verfallen! Auch, wenn es wohl nur am Starrkraut lag. Das machte in dem Moment nichts. Das machte eigentlich überhaupt nie etwas. Alles was zählte war der Augenblick. Sie stöhnte leise, und jauchzte, der Moment war vollkommen. Bis zu dem Moment, ls Iardes plötzlich dastand und ihnen zusah. Sein Kopf wurde rot vor Zorn. „Du Hure!“ schrie er sie an. „Du Bastard!“ schrie er Caradan an. Aen schloss ihre Beine, was Caradan spätestens jetzt zum aufhören zwang, falls das Iardes Auftreten nicht schon bewirkt hatte. Iardes holte aus und schlug Caradan seine Faust ins Gesicht. So, wie man es dem Bürschchen gar nicht zugetraut hätte. Caradan taumelte, Aen tat einen kleinen Schreckensschrei. Dann sprang sie auf und ging dazwischen. „Schluss! Aus!“ Sie wandte sich Iardes zu „Hör sofort auf! Hörst du? Du gehst zu weit!“ Iardes schob sie einfach beiseite. Er gebärdete sich wie ein wildgewordener Stier. „Ich fordere dich heraus, Caradan! Mann gegen Mann! Jetzt sofort! Auf der Ulmenwiese!“ er spuckte aus, und stampfte wütend die Treppe hinab.
"Ihre Natur ist Feuer und Blut..."

Benutzeravatar
Caradan
Weltenbummler
Beiträge:104
Avatar:Caradan :D
Alter:20
Rasse:Mensch
Heimat:Arcanis
Waffen:Küchenmesser
Inventar:Kleines Messer, Dietriche, fremdes Geld

Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Mo, 26. Feb 2018 17:06

„Trink Rogan!“, befahl Caradan als er sah, dass der Söldner die niedrigste Augenzahl gewürfelt hatte. Es freute ihn unsagbar, wenn dieser Arsch verlor, denn die Bemerkung über Caradans Vater nagte an dem Dieb und machte ihn wütend. Klar, er kannte seinen Vater nicht und wollte ihn auch gar nicht kennen, aber dennoch war es ein sensibles Thema, auch wenn die Chancen bestanden, dass der Dieb von königlichem Blut war. Aber sicher, Könige bumsten doch ständig irgendwelche Bürgerinnen und Bäuerinnen… oder Bauern. Wahrscheinlicher war, dass sein Vater Kaufmann oder sonst was gewesen war, aber damit konnte er keine Diskussion gewinnen, schon gar nicht gegen Rogan. Eigentlich konnte man gar keine Diskussion gegen Rogan gewinnen, was aber nichts mit dessen Argumenten zu tun hatte. Beim Würfeln konnte man nicht mogeln, nicht mal Caradan konnte den aus Knochen geschnitzten Würfeln seinen Willen aufzwingen, auch wenn er es nach Kräften versuchte. Immerhin hatte Aen das Glück auf ihrer Seite. Und er somit auch. Das Streicheln wurde intimer und er musste sich sehr konzentrieren, sich verdammt nochmal anstrengen, keine Regung, keine Reaktion oberhalb der Tischplatte zu zeigen, während Aen unablässig und gnadenlos zu Werke ging. Spätestens jetzt wusste er, es war eine gute Idee gewesen den Gehrock auszuziehen. Kaum das er an der Pfeife gezogen hatte, war ihm wieder so leicht und heiß geworden und er verwünschte die Anwesenden im Raum für ihre bloße Anwesenheit. Sollten sie doch ihren Anteil nehmen und zur Hölle fahren, damit er endlich in Aen fahren konnte, wie letzte Nacht. Seine Gedanken kreisten schon längst nicht mehr um das Würfelspiel und mit einem verlegenen Lächeln zu den Anderen, schob er sein Schnaufen auf den Schnaps und das Starrkraut. Schweiß perlte ihm auf der Stirn, zum Einen wegen der Mittagshitze die sich anschickte das gesamte Zimmer auszufüllen und zum Anderen ob der Hitze die von seinen Lenden nach oben stieg. Die beiden Arcanier tauschten einen glutvollen Blick. Sie hatte ihn in der Hand, buchstäblich. „Du bringst mir Glück Caradan.“ Sie lachte und er grinste. Wenn sie so weiter machte, würde er ihr gleich noch was ganz Anderes als Glück bringen. Sie wurde fordernder, begann langsam ihre Hand zu bewegen und ein Schauer lief ihm über den Rücken. Wollte sie ihn quälen, bereitete es ihr fiese Freude oder machte es sie nur genauso willig wie ihn. Langsam interessierte es Caradan nicht mehr, ob hier noch wer war, zur Not würde er sie gleich hier auf dem Tisch vor aller Augen nehmen. „Kein Wunder, ich habe ja mit der Glücksfee gevögelt.“ Und er hatte die Göttin der Lust gebumst. Rogan erwiderte etwas entnervt, aber der Dieb hörte ihm gar nicht zu, zu sehr haderte er mit seiner Selbstbeherrschung. Unvermittelt hörte Aen auf und Caradan erwachte wie aus einer Trance. Da waren Rogan, der hustete und Willem, der starrte… und Iardes, der Aenaeris anklagend ansah. Gereizt stand Aenaeris auf und wollte aus dem Zimmer stürmen. „Ich geh mal an die frische Luft. Caradan? Auf ein Wort?“ forderte sie und verschwand. Der Dieb blickte von einem zum Anderen, wobei er Iardes einen Moment länger zornig an funkelte als beabsichtigt. Wie sollte er ihr denn jetzt folgen, hart wie er war? „Entschuldigt mich.“, murmelte er, wandte sich auf dem Stuhl so weit er konnte um und stand auf, um Aenaeris vor die Tür zu folgen.
Er schloss die Tür hinter sich und erblickte Aenaeris am Treppenabsatz. Aen verschwand in einer dunklen Ecke des Flurs, setzte sich auf einen Tisch und zog ihn zu sich. Er erwiderte ihren stürmischen Kuss und nun wusste er, sie wollte was er wollte und sie wollte es genau so sehr wie er. „Nimm mich...“ Wie gut, dass sie die Vorarbeit schon erledigt hatte und ohne Umschweife drang er in sie ein. Dafür dass sie ihn solange hatte warten lassen, würden sie sich jetzt Zeit lassen. Langsam bewegte er sich vor und zurück. Mit einer Hand fasste er ihr unter den Rock und umfasste ihren Hintern, während er sich mit der Anderen an der Wand abstützte. Zärtlich küsste er sie, am Hals, am Dekolletee, überall wo er nur konnte. Sie füllte seine Gedanken aus und er gab sich ganz dem Liebesspiel hin… bis sie ihre Beine schloss und er von einer Faust im Gesicht getroffen wurde. Erschrocken taumelte er einen Schritt zurück, was sich mit halb heruntergelassener Hose gar nicht so leicht anstellen ließ. Bumsen ging, aber laufen nicht. Mit einem wilden Blick in den Augen starrte Caradan Iardes an, der ihn wie ein Spiegelbild ebenso anstarrte, der Aen einfach so bei Seite schob, als wäre sie nicht da.  „Ich fordere dich heraus, Caradan! Mann gegen Mann! Jetzt sofort! Auf der Ulmenwiese!“, schrie er und rannte die Treppe hinab. Einen Moment stand der Dieb einfach nur da, mit heruntergelassener Hose, ein unsicheres Lächeln auf den Lippen, bis er das Blut schmeckte, was aus seiner Nase lief. Jetzt meldete sich sein verletzter Stolz, sein Zorn über die Erniedrigung von so einem kleinen Scheißer geschlagen worden zu sein, die Enttäuschung über den abgebrochenen Fick. Caradan zog seine Hose hoch. „Na schön.“, knurrte er und stürmte ins Zimmer. „Wassen loos?“, fragte Willem, der leicht schwankend im Raum stand. „Dein Neffe hat den Verstand verloren!“, brüllte Caradan und kramte in seiner Truhe herum, bis er das gefunden hatte, was er suchte. „Ich werd ihm Verstand einprügeln!“ Die Scheide ließ er hier und eilte mit dem blanken Schwert, jenem Schwert, das er von einer gefühlten Ewigkeit einem königlichen Boten abgenommen hatte, mit eben diesem Schwert eilte er dem Burschen hinterher. Verdrängt war die Lust, verdrängt war der Rausch, in diesem Moment beherrschte heißer Zorn und kaltes Feuer sein Handeln.
Die Anderen versuchten mit ihm Schritt zu halten, doch Caradan rannte förmlich Richtung Wiese. Diesem kleinen Wichser würde er das Fell gerben. Jedenfalls hatte er das inständig vor, bis zu dem Moment, als er die Wiese erreichte. Vielleicht hätte er sich ja doch beherrschen sollen, aber jetzt war es zu spät, jetzt den Schwanz einziehen würde bedeuten, ihn nie wieder zum Einsatz kommen zu lassen. Mit gespielter Selbstsicherheit rammte er das Schwert in den Boden, eine Barriere die ihn und Iardes trennte. „So.“, rief er mit fester Stimme. „Hier bin ich.“ Offenbar war sich Iardes seiner Sache auch nicht mehr ganz so sicher, denn er machte den Eindruck, als müsse er sich gleich übergeben. Doch zu viel gesoffen. „Du hast meine Ehre verletzt, das muss gesühnt werden!“ Der Dieb schnaubte verächtlich. „Lass gut sein. Ich will dir nicht wehtun und ganz ehrlich, ich hab keine Lust das du mir wehtust.“ „Ist das deine Waffe?“, ignorierte er Caradans Beschwichtigungsversuch, klang aber etwas verunsichert, als er das Schwert sah. Der Dieb nickte. Iardes hatte nichts weiter als einen Knüppel, aber allein die Tatsache, das er bewaffnet war, war schon Grund zur Sorge. „Bist du sicher?“, fragte der Dieb und hatte noch die Hoffnung, auf eine friedliche Lösung, doch statt zu antworten, ließ der Bursche einen Kampfschrei los uns stürmte auf ihn zu, den Knüppel hoch über den Kopf erhoben. Caradan erstarrte und griff nicht mal nach dem Schwert. Er lachte, lachte leise vor sich hin, weil es so sinnlos war, was der Bursche hier veranstaltete. „Warte! Warte.“, brüllte Caradan als der Knabe nur noch ein paar Schritte entfernt war. In Schlagweite blieb Iardes stehen und schaute ihn verwirrt an. Caradan, hinterhältig wie er als Dieb nun mal war, nutzte die Gelegenheit um die größte Schwachstelle des Jungen anzugreifen, die größte Schwachstelle eines jeden Mannes, die Schwachstelle die von ihm aus auch größer war als seine. Mit aller Kraft die er aufbringen konnte, rammte er dem Knaben sein Knie zwischen die Beine. Der Knüppel viel zu Boden, ebenso wie Iardes, stumm die Hände zwischen die zusammengepressten Beine geklemmt, klappte er zusammen. Ein stöhnen ging durch jeden Mann, der Zeuge dieses Schauspiels wurde und auch Caradan durchzuckte eine Schmerz in der Leibesmitte, doch er schob jedes Bisschen Mitleid zur Seite, packte das Schwert und trat an Iardes‘ Seite. Er packte den Burschen an den Haaren und riss seinen Kopf in den Nacken, die blanke Klinge an die Kehle gelegt. „So Kleiner.“, zischte er ihm ins Ohr. „Wenn du mir noch EINMAL auf den Sack gehst, schlitze ich dich auf, von den Eiern bis zum Scheitel. Verstanden?“ Der Bursche ließ ein stöhnen hören, dass Caradan als Zustimmung deutete und ließ den armen Kerl wieder los, damit er sich in seinem Leid und seiner Schmach suhlen konnte. Mit einer Mischung aus Abscheu und Mitleid in den Augen, wandte sich Caradan von ihm ab und gesellte sich wieder zu Aenaeris und den anderen.
„Hinterhältiger Wichser.“, meinte Rogan, aber ein schadenfrohes Grinsen verriet, dass er sich von dem Kampf unterhalten gefühlt hatte. Willem konnte sich offenbar nicht entscheiden, auf wessen Seite er stehen mochte, denn in gewisser Weise hatte sich der Junge das selbst eingebrockt, aber er war immerhin Willems Neffe. Mit einem Kopfschütteln ging er zu Iardes. Und was Aen anging… da hatte Caradan nun wirklich keine Ahnung. Das sie jetzt einfach weiter vögeln könnten, stand wohl außer Frage, ein Blick auf seine erschlaffte Männlichkeit in seiner Hose war Antwort genug. Die Lust war verflogen und trotz des Starrkrautrauschs würde sie wohl nicht so bald wieder kommen. „Rogan? Tu mir einen Gefallen und bring das zurück.“ Er übergab dem Söldner das Schwert. „Nimm deinen Anteil und… nimm euren Anteil und macht was ihr wollt.“ Rogan nickte widerwillig, aber machte sich auf. Offenbar hatte er den Wink verstanden, dass Caradan mit Aen unter vier Augen sprechen wollte. „Und Rogan. Ich merke wenn bei uns was fehlt.“ Der Söldner blieb stehen und drehte sich um. „Denkste ich hab Angst vor dir.“ „Nein.“, schüttelte der Dieb den Kopf. „Aber ich weiß wo deine Schwestern leben.“ „Vorsicht...“, knurrte Rogan. „Ganz vorsichtig.“ Dann stampfte er davon, zurück zur Schenke. Endlich konnte er sich wieder Aen zuwenden. Nie war ihm eine Situation so unangenehm gewesen. Nicht wegen des unterbrochenen Ficks, sondern wegen des Grundes der Unterbrechung. Hätten sie Hals über Kopf aufbrechen müssen, wäre Gefahr im Verzug oder einfach nur ein wichtiger Grund gewesen, der sie lange beschäftigt hielt. Aber nein, es war ein kleiner Streit gewesen, der gerade mal so lange gedauert hatte um sein Gemächt wieder abschwellen zu lassen. „Wollen wir...“ Weiter machen, hatte er fragen wollen, doch ein Blick auf Aen reichte und er erkannte das dieses Zwischenspiel auch jede Lust aus ihr verbannt hatte und einen Moment bedauerte er, das Schwert bereits weg gegeben zu haben. Mit dem Handrücken wischte er sich das Blut unter der Nase weg. „… auf den Markt gehen?“, vollende er den Satz unelegant. „Ich hab so die Schnauze voll von diesem Drecksloch. Vielleicht finden wir etwas für dein Schmuckstück heraus.“ Er bot ihr seinen Arm an, das Höchstmaß an körperlicher Intimität, das im Moment möglich war. „Und seien es nur wilde Geschichten.“, zwinkerte er noch.
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

Benutzeravatar
Aenaeris
Verrücktes Weibsbild
Beiträge:199
Avatar:Eva Widermann
Alter:25
Rasse:Mensch (Arcanier)
Heimat:Arcanis/Wynricéa

Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Mo, 19. Mär 2018 13:09

Die Ulmenwiese war ein Ort von Brisangen, den Aen nicht kannte. Nur Ortskundige schienen diese zu kennen, was aber kein Problem für Aen darstellte. Zuerst hatte sie ja keine rechte Lust diesem kindischen Gehabe beizuwohnen, aber dann siegte doch die Neugierde und sie lief Willem und Rogan hinterher. Ersterer lief besorgt dreinblickend, letzterer vergnügt grinsend. Nicht weit von der Schenke, am Ortsrand, befand sich die Ulmenwiese. Eine malerische weitläufige Wiese, umsäumt vom Waldesrand, und hie und da standen auf diesem grünen Flecken einzeln verstreut, einige knorrige, uralte Ulmen, die, wenn sie sprechen könnten, sicher einiges zu erzählen hätten. So wie das heutige Schauspiel das sich ihnen bot. Aen, deren Starrkrautrausch plötzlich wie aus dem Nichts vollkommen verschwunden war, kam gerade an die Wiese, auf welcher Iardes, mit hocherhobenen Händen, und seinen primitiven Prügel weit hinter seinem Kopf in die Luft gestreckt, mit mörderischem Gebrüll auf Caradan zu preschte. Sie blieb stehen, und verschränkte die Arme vor der Brust um sich dieses Szenario einzuprägen. Zum einen musste sie kichernd feststellen, dass es zu ironisch war, dass Iardes einen Prügel als Waffe in diesem `Duell`gewählt hatte – oder vielleicht hatte er gar keine richtige Waffe -, und zum anderen musste man schon blind sein um nicht den schweren Fehler zu bemerken, den Iardes beging. Er bot sich ja regelrecht an, ihm das Schwert, das Caradan seinerseits mitgebracht hatte, in den Bauch zu rammen. Aen beobachtete Caradan mit Argwohn. „Er wird doch nicht etwa…“ murmelte sie. Doch Caradan tat nichts. Seelenruhig ließ er Iardes auf ihn zu preschen, dann aber schrie er ihm etwas zu. Iardes blieb stehen und im nächsten Moment riss Caradan sein Knie hoch und rammte des dem Burschen mit aller Gewalt in sein wunderbar großes Gemächt. Während die umstehenden Männer mitleidsbekundend „Uuhh…“ murmelten, betrachtete Aen diese Tat allerdings emotionslos. Wie könnte sie auch nur erahnen, welche Schmerzen dies sein mussten? Außerdem, fand sie, hatte Iardes das auch zurecht verdient. Nicht nur, weil er den Akt gestört hatte. Iardes ging zu Boden und krümmte sich dort, doch Caradan ergriff das Schwert und den Haarschopf des Burschen und riss seinen Kopf hoch. Sie konnte nur erahnen, was er ihm zu zischte. Aber es war sicher nichts Nettes gewesen. Danach ließ er ihn los und ging zu den Dreien zurück. Nach einem kurzen Wortwechsel trollte sich Rogan, während Willem seinem Neffen Beistand spendete. Caradan wandte sich Aen zu „Wollen wir… auf den Markt gehen? Ich hab‘ so die Schnauze voll von diesem Drecksloch. Vielleicht finden wir etwas für dein Schmuckstück heraus.“ Er bot ihr seinen Arm an und fügte hinzu „Und seien es nur wilde Geschichten.“ Aen überlegte, wandte den Kopf und sah, wie Willem Iardes vom ‚Schlachtfeld‘ half und mit ihm zur Schenke zurück ging. Aen und Caradan blieben zurück. Die Nachmittagssonne schien warm vom Himmel und wenige Wolken und Wölkchen zogen über den Himmel. Aenaeris betrachtete schweigend die Wolkengebilde. Manche Wolken sahen wie Schafe aus. Eine große Wolkenformation wie ein mächtiger fliegender Drache, und manche Wolken sahen nach gar nichts aus. Einfach nur wie Wolken. Eigentlich hatte sie keine Lust, zurück in die Stadt zu gehen. Aber er hatte Recht, das war jetzt wirklich das Beste, das sie noch tun könnten. Sie nahm den von Caradan dargebotenen Arm und hakte sich unter. Bevor ich nicht etwas über das Amulett erfahre, hat es keinen wirklichen Sinn, abzureisen… dachte sie, während sie die Ulmenwiese verließen und Richtung Markt schlenderten. Doch sie sagte während des ganzen Marsches kein Wort. Irgendwie war diese ganze Situation mehr als peinlich. Sie hatte schon genug von Eifersüchteleien. Das letzte Mal, als jemand eifersüchtig ihretwegen gewesen war, war es Thero gewesen. Nun gut, das war etwas anders gewesen. Aen hatte, stockbetrunken, wie sie gewesen war, mit Theros bestem Freund geschlafen, weil Thero zu betrunken gewesen war, ihn hochzubekommen um mit ihr zu schlafen. Was nach der äußert unklugen Beichte folgte, hatte den ganzen Clan Theros ins Unglück gestürzt. Und auch Caldric. Thero hatte Caldric dafür, dass er seine Frau angefasst hatte, als Werwolf die Brust aufgerissen, sein Herz herausgerissen und es gefressen. Natürlich konnte man das nicht mit dem kindischen Gehabe von Iardes vergleichen. Ganz sicher nicht. Aber gewisse Parallelen waren doch zu erkennen, und die Tatsache dass das ihre Erinnerungen an jene verhängnisvolle Nacht hochkommen hatte lassen, das genügte schon, dass es ihr ein für alle Mal reichte. Keine Männer mehr. Schon gar nicht zwei auf einmal. Und darum schwieg sie. Im Gegensatz zu den letzten Malen, wo sie den Eindruck hatte, dass man mit Caradan gemeinsam schweigen konnte, war es jetzt ganz anders. Vorhin noch hatte sie sich mit Caradan intimst gebärdet, und nun war dieses harmlose Unterhaken schon zu viel. Dabei hatte sie sich vorher noch gefreut, als er vorschlug, sie zu begleiten. Aber jetzt war irgendwie plötzlich alles anders geworden. Sie kam sich dumm vor. So saudumm! Und immer, wenn sie sich dumm vorkam, dann war Flucht das Mittel der Wahl. Vielleicht sollte sie doch alleine reisen? Ja, das wäre vermutlich besser. Aber das wollte sie ihm nicht sagen. Zumindest noch nicht jetzt.

Am Markt kauften sie reisetaugliche Lebensmittel wie Trockenfleisch, trockene dünne Brotscheiben und Trockenfrüchte. Kulinarisch nun keine besonderen Köstlichkeiten. Doch gerade auf Reisen in der Hitze es Sommers waren solche Lebensmittel die erste Wahl, wo frische nur allzu rasch verderben würden. Nachdem sie nur dumme und belanglose Gespräche über Trockenbrot, Trockenfleisch und Trockenobst geführt hatten, blickte Aen Caradan prüfend an. „Du siehst furchtbar aus“ stellte sie fest und beinahe überkam sie ein Anflug von Mitleid. Man konnte nicht sagen, ob es Glück oder Unglück war, dass sowohl Rogan als auch Iardes beinahe ein und die selbe Stelle getroffen hatten. Und irgendwie gab sie sich ein wenig Schuld daran, dass Caradan zweimal einen Fausthieb kassiert hatte. Sie rang in diesem Moment wirklich mit sich. Es konnte doch nicht angehen, dass eine solche Peinlichkeit nun alles verdarb! Unschlüssig blickte sie auf die Seite und strich sich eine Haarsträhne, die sich aus ihren Haarbändern gelöst hatte, aus dem Gesicht. „Verdammt, ich fühle mich unwohl“ gestand sie, für den Fall, dass er dies noch nicht bemerkt hatte. „Diese Sache… ich meine mir ist ja schon viel passiert im Leben. Aber so etwas wirklich noch nie… Ich komme mir so blöd vor, und ich weiß nicht was ich dagegen tun soll…“ Sie blickte ihn hilflos an. Wahrscheinlich war es Caradan noch weitaus unangenehmer. Aber das war nun wirklich nicht ihr Problem. Er erwiderte „Mir geht’s auch nicht anders“ und Aen nickte. Das war nicht die Antwort, die sie hatte hören wollen. Aber was sie hätte hören wollen wusste sie vermutlich selbst nicht. „Nun… Nimm es nicht persönlich. Aber vielleicht sollten wir doch nicht gemeinsam reisen. Wahrscheinlich ist es besser, wenn sich unsere Wege hier und jetzt trennen. Denn das wird ewig zwischen uns stehen und darauf hab ich keine Lust.“ Mit diesen Worten wandte sie sich ab und marschierte einfach davon.

Ein Gefühl der Erleichterung breitete sie sich in der Arcanierin aus. Wenn gleich es auch gemischt war mit Unzufriedenheit. Sie kannten sich erst kurz, aber dennoch hatte sie ihn eigentlich recht gerngehabt. Es war alles nur Iardes‘ Schuld! Eigentlich hätte er mehr verdient als nur einen Tritt ins Gemächt. Aen erinnerte sich zurück an die Sache, als der Hütchenspieler damals in Cadron ihren Geldbeutel geklaut hatte, nachdem er sie zuerst über den Tisch gezogen, dann abgefüllt, und dann nach einem kleinen Stelldichein mitsamt ihrem Geldbeutel verpisst hatte. Oh, ihre Rache war furchtbar gewesen! Sie hatte ihm sein Gemächt abgeschnitten und ihn danach bei lebendigem Leib verbrannt. Niemand verarschte sie ungeschoren! Niemand! Natürlich war diese Strafe angemessen gewesen bei einem derart dreisten Diebstahl. Was verdiente einer, der ein Schäferstündchen auf derart plumpe Art und Weise unterbrach? Zumindest musste man vorsichtig sein, denn Iardes war immerhin der Neffe eines Gesetzeshüters. Mochte Willem auch nicht ganz so gesetzestreu sein, aber die Unversehrtheit seines Neffens lag ihm ganz sicherlich am Herzen. Die Sonne hatte sich hinter dicken dunklen Quellwolken versteckt, dass der Tag mit einem Male deutlich finsterer war als noch vor wenigen Sekunden. Das war der Arcanierin während dem Einkaufen gar nicht so sehr aufgefallen. Doch nun hing die dicke Wolkendecke drückend über dem Land, dass die Luft beinahe wie in einem Bienenstock zu surren schien. Unweigerlich schlug die junge Frau den Weg ein, der sie zu Iardes führen sollte. Er war Stallknecht oder Stallbursche, oder irgendetwas in der Art, soweit sie wusste, und sein ‚Hoheitsgebiet‘ lag etwas abseits von Brisangen auf einem Gehöft eines wohlhabenden Bauern. Bevor sie die Stadt verließ, und weitere Erkundungen bezüglich des Amulettes anstellte, galt es für sie noch, die Angelegenheit mit Iardes zu klären. So konnte man sich schließlich nicht benehmen!

Auf dem Hof herrschte reges Treiben. Schnatternde Gänse liefen dort herum, neben Hühnern die im Mist kratzten auf der Suche nach Käfern, Körnchen oder anderem Fressbarem. Eine Katze saß auf einem Fass und döste, doch von Menschen war nichts zu sehen. Rinder muhten, und die Luft war erfüllt von dem Surren der tausenden und abertausenden Fliegen. Erst, als der Hofhund bellte, steckte eine Frau den Kopf aus dem Kuhstall. „Wer bist du, und was hast du hier zu suchen?“ fragte sie unfreundlich. „Nichts weiter, ich bin auf der Suche nach Iardes, Willems Neffe. Arbeitet er hier?“ gab Aen zur Antwort. „Ja, Iardes arbeitet hier. Bist du seine Flamme?“ erwiderte sie nun nicht mehr gar so patzig und Aen zuckte die Schultern. „Naja, geht mich auch nix an. Der Herr und seine Frau sind nicht da, du hast also Glück. Aber halte ihn nicht zu lange von seiner Arbeit ab, ja?“ zwinkerte sie. Aen schüttelte den Kopf und blickte in den Himmel. „Es wird nicht lange dauern, es wird ja bald regnen, wer weiß, was da runterkommt.“ Die Magd nickte bekräftigend. „Hoffentlich kein Sturm oder Unwetter. Das Korn wächst so gut dieses Jahr, und ein Unwetter, gar mit Hagel, könnte noch alles zunichtemachen. Die Sieben mögen uns behüten!“ Aen nickte. Sie interessierte sich nicht für die Probleme der Bauern. Auch wenn Missernten das gesamte Land betreffen konnten. Sie ging in jene Richtung, in welche die Magd mit dem Kopf genickt hatte. Der Pferdestall. Zwar stand nur ein Pferd darinnen, aber wer konnte sich schon neben Rindern, Gänsen, Hühnern und Schweinen auch noch einen ganzen Stall voll Pferden leisten? Sie erblickte Iardes sogleich. Er stand mit nacktem Oberkörper und schwitzend da, und mistete den Stall aus. Schwungvoll beförderte er das dreckstarre Stroh mit der Mistgabel in eine hölzerne Schubkarre, während das dunkelbraune Pferd im gegenüberliegenden Koben ihn aus seinen schwarzen Augen beobachtete und ab und an schnaubte. „Iardes…“ sprach die Arcanierin ihn von hinten an, und der Bursche hielt in seinem Tun inne und wandte sich abrupt ab. Sein Blick verdunkelte sich, als er sie erblickte und nahm seine Arbeit wieder auf. „Können wir kurz reden?“ packte Aen die Mistgabel mit einer Hand, um ihn von seiner Arbeit abzuhalten. Iardes zog die Nase hoch und spuckte aus. „Was hätten wir beide noch zu besprechen?“ Aen runzelte die Augenbrauen. „Du benimmst dich wie ein Kind“ „Du benimmst dich erwachsen? Wir hatten eine Abmachung, und du hieltst dich nicht daran.“ Aen rollte mit den Augen. „Geht’s dir darum? Ja? Einfach nur ums ficken? Ist es das, was du willst?“ Iardes brummte. „Darum geht’s nicht allein. Ich dachte, das mit uns sei etwas Besonderes. Aber scheinbar bist du nicht wählerisch. Caradan… Wer noch? Rogan? Der Wilde? Mein Onkel??“ Die Arcanierin schüttelte den Kopf. „Nein, nein, nein! Nur Caradan.“ „Wenn Caradan, und das mehrmals, warum dann nicht auch ich?“ Aen brummte. Sie hatte die Schnauze voll. Weswegen auch immer sie hierhergekommen war, es war ihr nun scheißegal. Sie wollte nur mehr gehen, und dieses Scheißkaff hinter sich lassen. Doch da hatte sie die Rechnung ohne Iardes gemacht. Er mochte ein Bürschchen sein in Jahren, aber er war groß und kräftig, die harte Arbeit hatte dafür gesorgt. Er packte die junge Frau am Arm und zerrte sie zu sich heran. „Ich könnte dich jetzt einfach so nehmen. Da du sowieso alles fickst, was sich zur Verfügung stellt, würde es nicht einmal eine Vergewaltigung sein, nicht wahr?“ Aen schüttelte den Kopf. „Das wagst du nicht!“ „Warum? Ich geb dir nachher ein paar Jestus, dann ist es nichts anderes als eine Angelegenheit zwischen Freier und Hure, oder siehst du das anders?“ „Ich bin keine Hure!“ schrie Aen. Sie konnte viel ertragen, aber wenn man sie Hure nannte, dann sah sie rot. Draußen donnerte es unheilvoll. Iardes, der sie immer noch am Arm gepackt hatte, schleuderte sie mit Wucht in das Eck des Stalls. Unsanft stieß sie mit dem Kopf gegen die Stallwand, sodass sie für einen Moment nur Lichtpunkte vor ihren Augen sah. Den Geschwistern wars gedankt, dass an dieser Seite des Stalles die frischen Strohballen standen, sodass sie sich zwar den Kopf gestoßen hatte, aber ihr neues Kleid nicht allzu schmutzig wurde. So dachte sie bei sich. Das löste aber nicht das Problem mit Iardes. Der hatte die Schiebetür der Pferdebox zugeschoben und näherte sich ihr mit zielgerichteten Schritten. Aen blickte ihn finster an. „Denk nicht mal daran, Iardes. Ich will dir nichts tun. Aber du zwingst mich dazu.“ Iardes begann zu lachen. Er lachte so sehr, dass er sich auf den Schenkel klopfte und nach Luft rang. „Weißt du was, du bist es nicht wert. Du bist eine dreckige kleine Hure und du bist es einfach nicht wert.“ Er öffnete die Schiebetür der Pferdebox und deutete mit einem Kopfnicken hinaus. „Hau einfach ab“ Doch in Aens Kopf funktionierte nichts mehr, wie es sollte, so sehr überrollten sie Wogen von unfassbarem Zorn und drohten sie zu übermannen. Noch während sie sich unbeholfen von den Strohballen aufrichtete, zog sie das Feuerrohr. Als sie es auf ihn richtete, blickte sie ihm in die Augen. Ein fragender Blick seinerseits, ein zorniger ihrerseits. Dann ein Klacken, ein Zischen, ein lauter Knall, Rauch und sein Körper, der im Bauch getroffen zu Boden fiel. Das Pferd in dem Koben gegenüber begann durchzudrehen, mit den Hufen gegen das Holz zu treten, und beunruhigt zu wiehern. Aen steckte das Feuerrohr zurück an den Gürtel und öffnete den Koben, auch, wenn ihr das Herz vor Furcht bis zum Hals schlug. Das Pferd, das sich vor ihr aufgebäumt hatte, kam wieder zum Stehen. Aen strich ihm beruhigend über den Kopf. „Schh! Beruhige dich! Ich tu dir nichts!“ Beruhigend tätschelte sie das Pferd und ergriff das Zaumzeug, das in dem Koben an der Wand hing. Das Pferd zu zäumen war nicht das Problem, das ging schnell. Doch von einem Sattel war keine Spur zu sehen. Und zu dem Sattelproblem kam noch ein weiteres Problem. Die Magd, die fluchend angerannt kam. „Was, bei den Sieben war das???“ schrie sie. Aen hatte keine Wahl. Sie stieg mit dem Fuss auf die Pferdetränke, und von dort aus schwang sie sich auf den Dunkelbraunen. Dann stieg sie dem Hengst hart in die Flanken, worauf dieser einen erschreckten Satz nach vorne machte. Die Magd, die im Stalleingang stand, wurde niedergeritten. Aen wandte sich mit dem Kopf um, und sah nur den zusammengekrümmten Leib der Frau. Dann wandte sie sich wieder um und preschte aus dem Stall, hinaus in den herabprasselnden Regen. Weg von dem Hof, kopflos weg, und den Geschwistern wars gedankt, gen Osten…
"Ihre Natur ist Feuer und Blut..."

Benutzeravatar
Caradan
Weltenbummler
Beiträge:104
Avatar:Caradan :D
Alter:20
Rasse:Mensch
Heimat:Arcanis
Waffen:Küchenmesser
Inventar:Kleines Messer, Dietriche, fremdes Geld

Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Di, 20. Mär 2018 0:20

Die Mittagssonne brannte im Nacken des Diebes, als er auf dem Marktplatz stand, verlassen und allein stehen gelassen. Er stand da. Er stand da und verstand nicht was eben passiert war. Die Situation war peinlich gewesen, ja das stimmte. Der Spaziergang hierher und das kaufen der wichtigsten Dinge war seltsam gewesen. Die angespannte Stille zwischen ihnen, das peinliche Schweigen war ihm nicht entgangen, aber deswegen gleich abzuhauen? Caradan verstand Aenaeris‘ Entscheidung nicht. Sie machte ihn wütend, verletzte ihn – nicht nur seinen Stolz, sondern ihn selbst. Und das alles nur, wegen eines unterbrochenen Ficks? Das durfte nicht wahr sein. „Dann geh halt.“, zischte er, als sie schon lange außer Sichtweite war. Was brauchte er sie? Sie hatte ihre Aufgabe erfüllt, sie hatte die Beine für ihn breit gemacht, was wollte er noch mit ihr? Er brauchte sie nicht. Seine Diebstähle konnte er allein begehen, konnte sein Ding durchziehen ganz auf sich gestellt und wenn er sein Ding irgendwo reich stecken wollte, war das auch ein einfach zu lösendes Problem. Jawohl, was kümmerte sie ihn schon? Sie sollte seine Gedanken nicht beherrschen und seinen Geist und seine Laune trüben. Sie sollte nicht schwer auf ihm lasten. Er musste einfach nur den Kopf frei kriegen und sich die Seele aus dem Leib vögeln.

Caradan lag auf dem Rücken, den Kopf ließ er über die Bettkante baumeln und starrte durch das geöffnete Fenster in den Himmel, der sich langsam aber sicher verdunkelte. In dem kleinen Kämmerchen war die Luft stickig, schwer von Duftwässern und Schweiß und den Gerüchen von unzähligen ungewaschen Kerlen die vor ihm sich in diesen Laken gewälzt hatten. Es war heiß in dem Kämmerchen und schon beim entkleiden trat ihm der Schweiß auf die Haut und während er so da lag, wurde es nicht besser. Während eine dunkelhaarige Hure, das Kleid unter die Brüste geschoben, schmatzend und schlürfend versuchte seine Lust zu entfachen, drehten sich seine Gedanken einzig und allein um Aen. Es ärgerte ihn, dass sie seine Gedanken beherrschte. Wohin sie wohl wollte? Sie hatten nicht mal nach dem Artefakt gefragt, sie konnte also nicht wissen wo es war. Oder doch? Vielleicht hatte sie ja Nachforschungen angestellt nachdem sie ihn verlassen hatte. Verlassen … als ob sie ein Paar gewesen wären. Sie hatte ihn stehen lassen, nicht verlassen. Sie waren Bettkumpane gewesen, die es eineinhalb Male miteinander getrieben hatten. Der Dieb schloss die Augen und sah ihr Gesicht vor sich, erinnerte sich an die Lust in ihren Augen als er sie auf dem Tisch genommen hatte, an ihre warme Haut und den feuchten Schoß und … „Also wenn du dir nicht ein bisschen Mühe gibst, kann ich auch nichts machen.“, riss die Hure ihn aus seinen Gedanken. Caradan blickte hoch und sah sie, wie sie schmollend vor seinem schlaffen Schwanz hockte, der zwar ein wenig angeschwollen war, aber sich nicht im Entferntesten der Sonne entgegen reckte. Der Dieb runzelte die Stirn und fragte sich, weshalb er keinen hoch bekam. Hatte diese verdammte arcanische Schlampe ihm jetzt auch noch das weg genommen? Hatte sie ihn mit irgendwelcher Elfenhexerei die Männlichkeit gestohlen? „Lass gut sein, das wird heute nichts.“, seufzte er enttäuscht und genervt. Sie zuckte einfach mit den Schultern und zog sich hier Kleid wieder über die Schultern. „Willst du noch was anderes probieren? Mich lecken oder so?“, fragte sie gerade heraus und lüpfte ihre Röcke, sodass Caradan auf ihre Scham blicken konnte. Eine Weile überlegte er, vielleicht würde das seine Lust wiedererwecken, aber das war unwahrscheinlich. Energisch schüttelte er den Kopf. „Nein, lass gut sein.“ Er erhob sich und kleidete sich wieder an. „Behalte das Geld.“ Mit diesen Worten verließ er die Kammer der Hure und machte sich auf zur Schenke.
In seinem Zimmer war es ebenso drückend warm, wie in der Kammer der Hure, aber hier stank es nicht nach fremden Männern und Duftwasser. Nur nach ihm und … Aen. Es machte ihn wahnsinnig! Er musste aus dieser beschissenen Stadt raus. Fort von hier, fort von allem Scheiß hier. Zornig begann er seine Habseligkeiten zu packen. Seinen Gehrock zog er an, das Schwert hing er sich über die Schulter und den ganzen anderen Mist, die Spielkarten, die Dietriche und das Starrkraut, packte er in seinen Rock oder band es an seinen Gürtel. Er wollte eben die sein Zimmer, die Schenke die Stadt verlassen, da hörte er wie jemand polternd die Treppe hoch gestürmt kam. Es waren mehrere Personen. Überrascht blieb er stehen und lauschte. Plötzlich kam Willem zu ihm ins Zimmer gerauscht, einen wilden Blick in den rötlich, geschwollenen Augen. „Du Hurensohn!“, schrie er mit heiserer Stimme und im nächsten Moment prallte sein Knüppel gegen Caradans erhobenes Handgelenk. Der Dieb wollte schreien, aber da traf ihn ein weiterer Schlag am Kinn, sodass seine Zähne derart aufeinander schlugen, dass er meinte sein Kiefer wäre gebrochen. Noch ein Schlag traf ihm hinterm Ohr und verschwommen sah er, wie weitere Männer herein kamen. Der Dieb spürte Schläge gegen die Schultern, Tritte in die Rippen und hörte wüste Beschimpfungen, bevor ihm schwarz vor Augen wurde.

Sein Atem ging röchelnd und seine Brust schmerzte bei jedem Atemzug. Caradan versuchte seine Augen zu öffnen, doch das war leichter gesagt als getan. Sein rechtes Auge war mit Blut verklebt und sein linkes beinahe zugeschwollen. Er lehnte in einer Zelle an der Wand und blickte durch die Gitterstäbe auf ein paar Wachmänner die sich leise unterhielten. Sein linkes Handgelenk schmerzte und er sah, dass es sich bereits dunkelviolett verfärbt hatte. Prüfend und bewegte er seine Hand hin und her und atmete scharf ein, als ihm die Schmerzen die Tränen in die Augen trieben. Aber immerhin konnte er es bewegen, es war also nicht gebrochen. Seine rechte Hand war gänzlich taub und hing über seinem Kopf in einer Handfessel die irgendwo tief in der hölzernen Wand verankert war. „He er is wach!“, rief einer der Wachmänner. Caradan hob den Blick und als ein großer Kerl zu den Gitterstäben gestampft kam, versuchte der Dieb sich noch weiter in die Ecke der Zelle zu verkriechen. „Elender Hurensohn!“, zischte der Kerl und Caradan erkannte Willems Stimme. „Ich bring dich um du Scheißkerl!“ „Wah-“, versuchte der Dieb zu sprechen, wurde aber von einem Hustenanfall unterbrochen. Er schmeckte Blut und leckte sich über die gesprungenen Lippen. „Warum?“, krächzte er außer Atem. „Warum? WARUM?!“, schrie der Büttel außer sich, presste sein Gesicht an die Stäbe und der Dieb konnte nun erkennen, dass sein Gesicht gerötet war, von Wein und Tränen. „Weil du meinen Iardes umgebracht hast du Wichser!“ Der Dieb keuchte und schnaubte. „Von nem Tritt in die Eier ist keiner Tod umgefallen.“ „Fick dich! Er hat ein Loch im Bauch, das ist Dicker als mein Arm! Du und deine Fotze! Ist sie nach Osten abgehauen? Ja?“ Er spuckte Caradan an und dieser zuckte zusammen, als wäre ein weiterer Hieb mit dem Knüppel gewesen. „Haste das gleiche wie mit dem Wachmann gemacht?“, zischte er gerade so laut, dass Caradan es hören konnte. „War... ich nich.“, keuchte der Dieb. „Weder das eine… noch das andere.“, beteuerte der Dieb, doch in Willems Gesicht konnte er keine Gnade erkennen, kein Mitleid, kein Verständnis – nur abgrundtiefen Hass. Hass und Trauer. „Jeder hat gesehen, dass du ihn nicht leiden konntest…“, flüsterte Willem. „Morgen knüpf ich dich höchstpersönlich auf.“ Willem wandte sich ab und verschwand aus Caradans Sichtfeld. Aenaeris hatte Iardes getötet? Wieso, weshalb … und warum wurde er verdächtigt? Der Dieb blieb allein in seiner Zelle zurück, bis ein anderer Wachmann zu ihm in die Zelle kam und ihm einen Eimer hinstellte. „Hier, wenn du scheißen musst. Und hier ein nasser Lappen, zum abwischen.“ Der Dieb nahm den Lappen und fühlte das dieser staubtrocken war. „Der ist trocken.“, stellte er nüchtern fest. „Da musste eben erst drauf pissen.“, lachte der Kerl dreckig und ließ den Dieb wieder allein.
Gegen Abend brach ein ausgewachsenes Sommergewitter über Brisangen herein. Dicke Tropfen prasselten gegen die Wand seiner Zelle. Caradan wusste nicht ob es noch Tag war, denn seine Zelle war ohne Fenster. Es war düster in seinem Loch und nur eine Lampe die neben seiner Zelle hing, spendete unzureichend Licht. Am Ende eines Flurs sah er die Wachstube, wo ein einzelner Mann Nachtdienst hatte und in seinem Stuhl an einem großen, schweren Tisch Wein trank und sich ab und du mal die Eier kraulte. Der Dieb war zwischenzeitlich aufgestanden. Jeden Bewegung schmerzte, aber er konnte einigermaßen atmen und laufen. Die Handfessel saß nicht allzu eng, aber jeder Versucht sich herauszuwinden schlug fehl. Er hatte sich bereits das Handgelenk wund gescheuert, aber ohne Erfolg. Vielleicht wenn er etwas Öl oder Fett hätte. Die zündende Idee war ihm vor einer Stunde gekommen, aber bisher hatte er keine Gelegenheit gehabt, es zu probieren, mal davon abgesehen, dass er keine Ahnung hatte, wie er hier raus kommen sollte. „He du!“, brüllte der Wachmann über den Flur. „Ich muss scheißen, mach ja keinen Ärger!“ Oh und ob Caradan Ärger machen würde. Darauf hatte er gewartet. Kaum das der Kerl die Wachstube verlassen hatte, schob sich Caradan soweit er konnte zu den Gitterstäben, streckte seine Hand aus und Griff nach der Lampe, die an einem Haken neben dem Gitter an der Wand hing. Das Metall war heiß und er zuckte mit den Fingern zurück. So konnte er das Ding nicht anfassen. Also tat er, was getan werden musste. Caradan holte seinen Schwanz hervor und pisste auf den Lappen der da in der Ecke lag. Etwas angeekelt nahm er das triefende Stück Stoff in die Hand und griff erneut nach der Lampe. Der Lappen zischte als die Pisse verdampfte, aber er konnte das Ding wenigstens anfassen. Vorsichtig tropfte er ein wenig Lampenöl auf seine Hand, das Zeug war heiß, aber es half. Mit zusammengebissenen Zähnen zog er seine Hand Stück für Stück aus dem Eisen hinaus. Mit einer letzten Kraftanstrengung befreite er seine Hand, doch durch des plötzlich fehlenden Widerstandes, verlor er das Gleichgewicht und schlug die Lampe gegen die Wand. Brennendes Lampenöl spritzte in alle Richtungen und der Dieb hob schützend die Hände vors Gesicht. Ein Tropfen der brennenden Flüssigkeit, entzündete das Öl auf seiner rechten Hand und mit einem Schrei wedelte Caradan mit seiner brennenden Hand herum. So schnell er konnte, schnappte er sich den nach Pisse stinkenden Lappen und erstickte die Flamme um seine Hand. Eigentlich hatte ja bloß das Lampenöl gebrannt, aber dennoch schmerzte seine Hand sehr, die Haut fühlte sich versengt an und es roch nach verbrannten Haaren. Mit zitterndem Atem versuchte er im Dunkeln etwas zu erkennen, aber er sah nichts, dennoch war der Schmerz nur schwer zu ertragen. Die Hand in einen bepissten Verband gewickelt, suhlte er sich einen Moment in Selbstmitleid und verfluchte alles und jeden. „He warum is das Licht aus?“, rief der zurückgekehrte Wachmann. Das riss Caradan aus seinen vom Schmerz vernebelten Gedanken und er konzentrierte sich auf da was vor ihm liegen würde. Die Flucht.
„Hab ich runtergeworfen.“, antwortete er. „Ich seh gerne meinen Schwanz, wenn ich mir einen runter hole, da brauchte ich Licht.“ „Elender Ziegenficker.“, fluchte der Kerl und kam an gestampft. Die Schlüssel klirrten als er sich in der Dunkelheit an der Zellentür zu schaffen machte. „An die Wand du Wichser.“ Gehorsam trat Caradan zur Seite und wartete nur darauf, dass der Wachmann sich nach der zerbrochenen Laterne bückte. Als er ihm den Arsch entgegen reckte, schnappte er sich den Schlüssel an dessen Gürtel und verpasste ihm einen Tritt, dass er mit dem Gesicht voran gegen die Wand knallte. Schnell huschte er nach draußen, zog die Zellentür zu und verriegelte sie. „Wer ist jetzt der Ziegenficker?“, spottete der Dieb und eilte zur Wachstube. Achtlos in die Ecke geworfen, so fand er sein Hab und Gut, aber das scherte zunächst nicht. Das wichtigste war auf dem Tisch. Ohne zu zögern trank er die Flasche Wein bis auf einen letzten Schluck aus, den er sich über seine versengte Hand schüttete. Der Alkohol brannte, aber er wollte unbedingt die Pisse abwaschen. In einer Waschschüssel fand er klares Wasser und einen sauberen Lappen, der sich um die Hand wickelte. „Du Hurensohn!“, schrie der Kerl und rüttelte heftig an den Gitterstäben. Caradan ignorierte ihn. Er sah sich um. In der Wachstube lagerte die Ausrüstung der Stadtwache, weil diese sich kein Waffenlager leisten konnten oder wollten. Er schnappte sich einen breiten Gürtel und hielt ihn mit der linken Hand fest. Ein Schmerz durchzuckte seine Finger, aber hielt ihn fest in der Hand, während er ihn um seinen Arm und sein Handgelenk wickelte. Irgendwie schob er das eine Ende unter das Gewickelte um es zu fixieren und schnitt die Schnalle mit einem Messer ab. Es sollte ja bloß sein Handgelenk stärken. Prüfend versuchte er dieses zu bewegen und stellte zufrieden fest, dass es starr war. Nun schlüpfte Caradan in seinen Gehrock, schulterte das Schwert, das er vielleicht doch bald gebrauchen musste und sammelte sein restliches Zeugs ein. Offenbar hatten sie ihm nur das Geld das er bei sich trug genommen, den Rest, also auch das Starrkraut, hatten sie einfach achtlos liegen gelassen. Welch Idioten. Aber das machte nichts, die Soldkiste, in der die Bezahlung der Wachen aufbewahrt wurde und zu der nur der Quartiermeister den Schlüssel hatte, stand in Sichtweite. Mit dem Schwert hatte er diese schnell aufgebrochen und steckte sich so viel ein, wie in seine Taschen und an seinen Gürtel passten. Wegen der Hektik und der Anstrengung wurde ihm schwindelig und er erbrach sind mitten im Raum. Zitternd fiel er auf die Knie und wurde sich erst wieder gewahr, wo er sich eigentlich befand. Er war aus seiner Zelle entkommen, aber war immer noch in der Stadt gefangen.
Bis an die Zähne bepackt, mit einer Kanne, einem Beil und ein kleines Fass vor sich her schiebend, stolperte er zurück zur Zelle. „Wie komm ich hier raus?“, fragte er offen heraus. „Fick dich doch, dir sag ich gar nichts!“ Der Mann beschimpfte ihn noch weiter, doch Caradan kippte ihm die Kanne ins Gesicht. Es war Lampenöl. „Wa-was?“, stammelte der Wachmann. „Sag mir wie ich hier raus komme.“, wiederholte er seine Frage in aller Ruhe. „ Oder ich zünd dich an.“ Um seine Worte zu untermalen hieb er mit dem Beil auf das Fass ein und stöhnte vor Schmerzen auf. Als der Deckel aufgebrochen war, stieß er es mit dem Fuß um und das Öl verteilte sich langsam in der Zelle und trotz des noch weit entfernten Scheins der Lampen in der Wachstube, konnte Caradan die panische Angst in den Augen des Mannes sehen. „Ich weiß nicht, bitte, ehrlich ich weiß es nicht.“ Der Dieb nickte und holte aus der Wachstube eine brennende Laterne. „Wie komm ich hier raus?“ „Bitte ich weiß es nicht!“, flehte der Mann. „Überdenke deine Antwort lieber.“ Der Mann blickte zwischen ihm und der Lampe hin und her. „Bei dem Wetter drücken sich die Männer vorm Wachdienst! Die lungern bestimmt in den Wachstuben am Tor herum, statt die Mauern zu patrouillieren. Kletter einfach drüber.“ „Und dann? Ich brauch ein Pferd.“ „Draußen bei Wagen. Da gibt‘s nen Unterstand für die Gäule der fahrenden Händler. Bitte Mann! Ich weiß doch auch nicht.“ Caradan spuckte aus. „Dein Leben ist mir einen Scheißdreck wert, vergiss das nicht.“ „Oh liebe Götter, bitte!“, flehte der Mann und sein Schreien und Klagen wurden immer lauter. „Halts Maul!“, schrie Caradan, doch der Mann war außer sich vor Angst. „Sei still!“ Er rüttelte an den Gittern, dass Caradan glaubte die Stangen würden heraus brechen. Ein ungekannter Zorn überkam den Dieb und er blickte auf die Lampe in seiner Hand. „Ich gen dir Grund zum schreien.“, wisperte er und das Flehen des Mannes erstarb, doch Caradan ließ die Lampe dennoch fallen. Kaum waren die Flammen ihrem Gefängnis entronnen leckten sie über den Boden und griffen nach den Beinen des Mannes, der wie am Spieß zu schreien begann. Der Dieb verfolgte das Schauspiel, halb erschrocken, halb fasziniert. Das war mit Abstand, der grausigste Tod, den er sich vorstellen konnte, aber die Macht die er spürte war… war… unbeschreiblich. Letzten Endes, als der Mann nur noch wimmernd verbrannte, löste sich Caradan vom Geschehen und floh aus der Wachstube.

Die verbrannte Hand an den Körper gepresst, schlich der Dieb durch die Schatten von Brisangen. Bei diesem Regen, war niemand auf den Straßen anzutreffen, was seine Flucht begünstigte. Den Wehrgang konnte man nur über eine Leiter beim Tor betreten und diese Leiter, war in Sichtweite der Wachposten, die sich vor dem Regen in dem kleinen Zollhüttchen oder was auch immer verschanzten. Langsam pirschte er sich an, der Regen wusch ihm das Blut aus Gesicht und Haar und verklebte seinen Kragen. Er würde es Aenaeris heimzahlen, wenn er sie je wieder finden würde. Das war alles ihre Schuld! Sie hatte Iardes mit ihrer Hexenmagie umgebracht und ihn allein gelassen. Hätte sie die doch einfach auch für Iardes die Beine breit gemacht… bei dem Gedanken versetzte es dem Dieb einen Stich. Nein, das hätte er nie im Leben gewollt. In einem günstigen Moment, die Wachen stritten sich laut über die gefallenen Würfel, huschte Caradan die Leiter hinauf, lief so leise er konnte einige Meter den Wehrgang entlang und hüpfte an geeigneter Stelle über die Mauer. Seinen Sturz federte er mit den Beinen ab, blieb einen Moment hocken und lauschte, ob Rufe oder sonst was erschallten. Wahrscheinlich würden sie jeden Moment die brennende Wachstube entdecken. Er schlich an der Mauer entlang, bis er das Wiehern und den Gestank von Pferden vernahm. Die Pferde standen einzeln oder paarweise in überdachten Koppeln und schienen unbewacht. Der Dieb machte sich gleich daran im Dunkeln nach Zaumzeug und Sattel zu suchen, als er hinter sich Schritte hörte. „Ist da wer?“, hörte er eine piepsige Stimme. Caradan wirbelte herum und sah eine Gestalt. Er packte die Gestalt am Kragen, zerrte sie zu einer Wand und hielt ihr das Beil an die Kehle. „Keinen Mucks klar?“, zischte er und der Junge, den er gepackt hatte nickte verängstigt. „DU tust was ICH dir sage, klar soweit?“ Der Junge nickte. „Du sattelst jetzt das schnellste Pferd hier und gibst keinen Laut von dir.“ Der Junge nickte. „Kanntest du Iardes? Ich bin der Kerl der ihn aufgerissen hat, also wenn du nicht so enden willst wie er, beeil dich. Und keinen Mucks!“ Der Junge nickte ein letztes Mal und beeilte sich Caradans Anweisungen auszuführen. Er legte einer wunderschönen braunen Stute Zaumzeug und Sattel an und wagte es nicht mal schwer zu atmen. Der Dieb hielt Wache, da ertönten Glocken und Rufe aus dem Innern der Mauern. Der Junge hielt erschrocken inne, aber als der Dieb das Beil erhob, machte er rasch weiter. Als das Tier vorbereitet war, saß Caradan unbeholfen auf. „Mach das Tor auf.“ Der Junge gehorchte und Caradan entfloh in die Nacht, die Rufe und Glocken im Rücken preschte er nach Westen, bevor er einen Schlenker nach Süden und schließlich in weitem Bogen um Brisangen nach Osten ritt. Er wollte ja Aen hinterher.

Caradan war die Nacht durchgeritten, bis das arme Tier sich schnaubend weigerte weiter zu laufen. Auch er war todmüde, sein ganzer Körper schmerzte und er hatte einen tierischen Hunger. Nach ein paar weiteren Meilen kam er an einer kleinen Ansammlung Hütten vorbei, die wohl müden Reisenden ein Bett für eine Nacht anboten, wenn sich diese auf dem Weg von oder nach Brisangen befanden. Erschöpft ritt er dorthin, band das Pferd fest und betrat das, was er für die Taverne hielt. „Ouh, wassen mit dir passiert?“, begrüßte ihn der vermeintliche Wirt. „Wurdste überfalln?“ Caradan wusste nicht wie er aussah, aber er hatte ein grobe Vorstellung. Die Lippen rissig und aufgeschlagen, zwei Platzwunden, sowie etliche Blessuren, ein blutverschmiertes Hemd, ein geschientes Handgelenk und eine verbundene Hand, allgemein den Eindruck erweckend, als wäre er ein wandelnder Toter. „Ja.“, antwortete er nüchtern. „Aber ich hab sie verjagt.“ Caradans Oberschenkel waren vom harten Galopp verkrampft und ihm taten die Arschbacken höllisch weh. Seltsam anmutend watschelte er zu einer Bank und ließ sich dort nieder. „Biste lang geritten?“ „Ja.“ „Dann biste schon der Zweete in zwee Tagen.“ Caradan wurde hellhörig. „Wer war die Erste?“ Der Wirt verschränkte die Arme vor der Brust und starrte ihn von oben herab an. „Woher weißte denn, dass es ne sie war?“ Der Dieb antwortete nicht, sondern starrte den Kerl einfach nur an. „Die blöde Schlampe hat gesoffen, gefressen un ein paar Stunden hier gepennt un is dann in der Nacht abgehaun ohne zu zahln.“ Ja, jetzt war sich Caradan ziemlich sicher das Aen vor kurzem hier gewesen sein musste. „Wann war das?“ „Gestern Abend. Suchste nach der oder was?“ Caradan antwortete wieder nicht, sondern ließ ein paar Münzen auf den Tisch fallen. „Für Essen und Trinken, für mich und mein Pferd und dafür, dass ich eine Weile hier ruhen darf. Und für einen sauberen Verband.“
Ein paar Stunden später machte sich Caradan wieder auf. So schnell er sich traute, denn jetzt da er wieder klar im Kopf war, war die Gefahr sich den Hals zu brechen doch zu hoch, als dass er sie ignorieren konnte. Schon nach kurzer Zeit tat ihm der Arsch wieder derart weh, dass es ihn eigentlich nach einer Pause verlangte, doch er gönnte sich keine. Der Tag ging schon dem Ende entgegen, als er sich entschloss eine Rast einzulegen. Er hatte die Ausläufer eines Baches erreicht und hielt es für den besten Ort, seinen Verband zu wechseln. Er ritt noch eine halbe Meile, während er eine geeignete Stelle suchte, die genügend Schutz bot, als er plötzlich ein Pferd nahe des Unterholzes bemerkte. Es hatte keinen Sattel aber Zaumzeug. Misstrauisch stieg er ab und ließ das Pferd zurück, in der Hoffnung, dass es nicht einfach durchgehen, sondern einen Moment wenigstens auf ihn warten würde. Mit leisen Sohlen schlich er voran, penibel die Umgebung beobachtend. Geduckt pirschte er sich an den Gaul heran und hörte, wie sich jemand im Wasser etwas weiter vorne bewegte. Vorsichtig spähte er zwischen dem Unterholz hindurch und traute seinen Augen nicht. Dort vor ihm im Wasser, einfach so, badete Aenaeris. Was ein Zufall, was ein … göttlicher Zufall. Einen Moment war er versucht den Geschwistern zu danken, aber dann verfluchte er sie. Dieses Weibsbild, dass dort badete war Schuld an seinem Zustand, war Schuld das er als Mörder eine Stadt verlassen musste, sie war es die ihn verletzt hatte, schlimmer als die erlittene Prügel. Eigentlich sollte er aus dem Unterholz hervor preschen und sie zur Rede stellen, aber was würde das bringen? Sie hatte zwei Männer getötet, wieso nicht drei daraus machen? Nein, solange er nicht wusste, wie sie das anstellte und noch viel wichtiger, wie er sich davor schützen könnte, würde er nicht ihren Unmut erregen. Aber er würde ihre einen Denkzettel verpassen.
Als er sich sicher war, dass sie voll auf mit sich und dem Wasser beschäftigt war, schlich er zur ihrer Raststätte und schnappte sich hastig den Haufen Kleider der dort im Gras lag, samt dieser komischen Stockpfeife aus Metall und den Beuteln voll Starrkraut und Münzen. Dabei achtete er darauf, dass das Geld nicht verräterisch klimperte und versteckte alles im Unterholz, bevor er sich so positionierte, dass sie ihn vom Wasser aus nicht sehen konnte. Er wartete. Er wartete, bis er einen hysterischen Aufschrei hörte und eine wütende Aen aus dem Wasser gelaufen kam um am Ufer nach ihrem Hab und Gut zu suchen. Ohne sich zu beeilen, schlenderte er zu ihr und blieb mit verschränkten Armen vor ihr stehen. „Na, hast du was verloren?“, grinste er sie dreckig an, vergessen war vorerst der Zorn, vergessen der verletzte Stolz. Als er sie so ohne Kleid vor sich stehen sah, kamen ihm ganz andere Sachen in den Sinn.
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

Benutzeravatar
Aenaeris
Verrücktes Weibsbild
Beiträge:199
Avatar:Eva Widermann
Alter:25
Rasse:Mensch (Arcanier)
Heimat:Arcanis/Wynricéa

Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Di, 20. Mär 2018 10:39

Grassoden wurden aufgeworfen von den Hufen des galoppierenden Pferdes, welches die Arcanierin hart antrieb. Schlamm und Dreck spritzte auf, verdreckte das schöne neue Kleid. Von der rasanten Geschwindigkeit und dem Gegenwind hatte sich das rote Haarband, welches ihr Haar stets aufgetürmt zusammenhielt, gelöst und war schon vor geraumer Zeit davongeflogen und hatte sich irgendwo niedergelassen. Vielleicht auf dem Boden, der sich schon bald in ein aufgeweichtes Gras-Erd-Gemisch verwandeln würde, vielleicht in eine Hecke, vielleicht war es vom Wind sogar bis in einen Baum geweht worden, man wusste es nicht. Und dann entlud sich die schwüle, drücke Luft in ein gewaltiges Gewitter und Unwetter. Das konnte man nicht mehr Sommergewitter nennen. Es war, als öffnete der Himmel seine Schleusen, um all das Wasser auf die Erde zu schicken, welches er nur in sich trug. Die Arcanierin musste ihre Schenkel fest gegen das Pferd pressen, bis es schmerzte, um ohne Sattel genügend Halt auf dem Rücken des Tieres zu finden, und ihre Hände brannten, weil sie so fest die Lederriemen der Zügel umklammerte, die durch den Regen immer rutschiger wurden. Das Pferd schnaufte und ächzte. Ganz offensichtlich hatte es keine Lust mehr, von seiner unbarmherzigen Reiterin so hart angetrieben zu werden, doch noch gehorchte es, weil es dazu erzogen worden war, dies zu tun. Die Kleidung und ihr Haar klebten klatschnass am Körper von Aen, und obgleich es Hochsommer war, hatte es merkbar abgekühlt, was dem Regen und dem Gegenwind durch die Geschwindigkeit geschuldet war. In ihrem Kopf drehten sich die Gedanken wild. Obwohl sie überhaupt keine Lust hatte, über irgendetwas nachzudenken, es gelang einfach nicht. Viel zu viel war schon wieder einmal passiert. Dennoch, das Reiten, das Unwetter, lenkten sie genug ab um die Gedanken die sich aufdrängten, nicht zuzulassen. Irgendwann, nach gefühlten Stunden, hörte es auf zu regnen. Lag es am Ortswechsel, oder hatte der Himmel sein Regenwasser aufgebraucht? ‚Himmelstränen‘ schoss es der Arcanierin in den Kopf. ‚Tränen der Götter‘. War es so? Weinten die Götter? Die Zwei? Weinten sie über ihre gefallene Priesternovizin? Aen schüttelte unmerklich den Kopf. Nein, ganz bestimmt nicht ihretwegen. Denn sonst würde es wohl überhaupt nicht mehr zum regnen aufhören. Soviel Wasser gab es nicht auf der ganzen Welt. Das Pferd begann unruhig mit dem Pferd auf die Seite zu rucken, Aenaeris arbeitete mit den Zügeln dagegen. Unwillig brummte und wieherte das Pferd, schnaufte. Aen tätschelte ihm den Hals. „Nicht mehr lange…“ raunte sie ihm zu, den Blick nach vorne gerichtet, das Ende des lichten Wäldchens vor Augen, durch das sie eben galoppierten. Doch sie hatte die Rechnung ohne die Stute gemacht. Diese blieb abrupt stehen, scheute, bäumte sich ein wenig auf und warf seine schreiende Reiterin ab, die auf den aufgeweichten, aber dennoch harten Boden knallte. Für eine Weile kurz benommen blieb sie sitzen und fluchte leise. „Schöne Scheiße, das gibt ein paar hübsche blaue Flecken…“ murmelte sie, dann rappelte sie sich auf, und ging ein paar Schritte vor, um zu sehen, ob es etwas zu entdecken gab. Eine Blindschleiche wand sich auf der Stelle um sich selbst. Vielleicht war sie von einem Tier angefallen worden, vielleicht versuchte sie sich zu häuten, vielleicht war dies Paarungsgebaren, vielleicht… Verdammt, was auch immer! Sie verstand nichts von dreimal verfickten Blindschleichen! Ungläubig blickte sie das Pferd an. „Eine Blindschleiche? Dein Ernst? Wegen einer Blindschleiche machst du so ein Theater?“ Das Pferd schien sie entrüstet anzublicken, schnaubte leise, und weißer Schaum troff von seinem weichen Maul ins Gras. Aen hielt sich ihre Hüfte, fuhr sich über den Hintern. „Scheiße, tut das weh! Wegen einer Blindschleiche… einer BLINDSCHLEICHE… hättest du mich nicht abwerfen müssen. Ja, dass ich dich so hart angetrieben habe, deswegen würd ichs vielleicht noch verstehen. Aber wegen einer Blindschleiche… auf deine Größe gemünzt ist das nicht einmal ein Regenwurm! Du Feigling!“ Sie schüttelte den Kopf und musste über die Blicke des Tieres, die nur allzu menschlich anmutenden, in diesem Augenblick, lachen. Sie lachte und lachte, bis sich das ausgelassene Lachen in verzweifeltes Lachen wandelte. „Seht mich an… ich rede mit diesem Tier… Aber mir scheint, du verstehst mich, hm?“ wandte sie sich schließlich wieder an das Pferd und trat an es heran. Vorsichtig legte sie ihm ihre Hand auf die Backe, fuhr der Rundung nach, streichelte das nasse Fell und zog den Kopf schließlich an den ihren heran. Sie schloss die Augen und sog den Duft des Pferdes ein. Es roch nach nassem Pferd, nicht unangenehm, und das Pferd nahm die Nähe gelassen hin. „Du bist ein freundliches Tier. Du erinnerst mich an mein erstes und liebstes Pferd.“ Abari. Ein Geschenk Theros an Aen. Treuer Begleiter in allen Lebenslagen, letztendlich erfroren in der unerbittlichen Kälte der wilden Lande. Niemals wieder war ihr ein Pferd begegnet, das so eine Herzensgüte, Geduld, Freundlichkeit und Friedfertigkeit ausstrahlte. Kein Tier das einen Namen verdient hätte. Bis zu diesem Tage. Sie nahm sich vor, sich einen Namen für das Tier auszudenken, wenn die Zeit dafür richtig war. Jetzt war es ein äußerst ungünstiger Zeitpunkt, wo ihr der Kopf voll Gedanken schwer war. Und die Reitunterbrechung zwang sie förmlich dazu, nachzudenken. Zu allererst dachte sie an ihren schmerzenden Körper. Ihre Oberschenkel zitterten förmlich vor Überanstrengung, sodass sie sich kaum auf den Beinen halten konnte. Ihre Handinnenflächen waren rotgescheuert und brannten. Ihre rechte Hüfte und ihr Hintern schmerzten von dem harten Aufprall. Nicht zu vergessen, die Beule, die sich in dem Pferdekoben bei dem Aufprall gegen die Wand mit dem Kopf zugezogen hatte. „Na gut, wir machen eine Pause“ gestand Aen ihrem Hengst zu und führte sie an den Zügeln gemächlich auf die Lichtung zu.

Nach der Lichtung kam eine endlos große Wiese zutage. Hier und da lagen massive abgerundete Felsen, als hätte sie ein Riese, oder eben die Götter da einfach wahllos hingeworfen. Am Horizont zeichneten sich vereinzelt Häuser ab. Ein Dörfchen! Aen frohlockte. Aber nun konnten sie keine zehn Pferde dazu bewegen, auch nur einen weiteren Schritt zu tun. Sie war völlig erschöpft und ließ sich auf einem der Steine, der eine Kuhle geformt hatte, nieder. Er war noch ganz warm von der Mittagshitze, und wärmte die junge Frau, die klatschnass war, und fror, ein wenig auf. Erst jetzt gestattete sie sich die tausenden Gedanken, die sich in ihrem Kopf aufdrängten, zuzulassen. Es war gar nicht gut gelaufen! Sie wollte mit Iardes nur reden! Sie wollte ihn vielleicht einen dämlichen Idioten schimpfen, ihm vielleicht eine Ohrfeige verpassen. Aber das hatte sie wirklich nicht gewollt! Warum hatte er sich auch nur so benommen? Sie hatte schon so viele Menschen ohne mit der Wimper zu zucken umgebracht, aber dieser Tod schmerzte sie. Iardes war noch so jung, er hatte sein ganzes elendes Leben in diesem Scheißkaff noch vor sich gehabt. Und sie hatte es ihm einfach genommen. Er wollte sie gegen seinen Willen nehmen, ja. Aber dann hatte er es sich anders überlegt und wollte dass sie ging. Aen versuchte, sich einzureden, dass der bloße Gedanke, der Vorsatz, das nur Aussprechen, und darüber reden, Grund genug war, in Notwehr zu handeln. Ein Mensch, der den Entschluss fasste, eine Frau gegen ihren Willen zu nehmen, besaß die Affinität dazu, es auch wirklich zu machen, eiens Tages. So gesehen, vielleicht hatte sie den Frauen in Brisangen auch einen Dienst erwiesen. Man würde es nie erfahren. Wie beiläufig dachte sie daran, dass Caradan dies gewiss nicht tun würde. Caradan besaß ein gutes freundliches Herz. Und da war er, der schmerzhafte Gedanke, jener, den sie nicht hatte aufkommen lassen wollen. Aber das war ihr nicht gelungen, und es wäre ihr auch in zwei Stunden oder zwei Tagen nicht gelungen, den Gedanken an ihn zu verdrängen. Manchmal war sie auch eine selten dämliche Ziege. War ein Entschluss erst einmal gefasst, gab es für sie kein zurück. Diese Disziplin war zwar eine durchaus bewundernswerte Eigenschaft, denn, was sie ankündigte, das geschah auch, doch es war beizeiten besser, zuerst zu denken und dann zu handeln, was sie oftmals nicht tat. Der veränderte Blick, der sie traf als sie Caradan kalt gesagt hatte, dass sich ihre Wege hier und jetzt trennen würden, der hatte sich in ihr Herz eingebrannt. Aens Hand ballte sich zur Faust und sie presste sie gegen den Mund, um nicht aufzuschreien. Sie fühlte sich elend. Und daran war sie selbst Schuld. Selbst wenn sie dem Impuls, zurückzugeben, nachgeben hatte wollen, nach der Sache mit Iardes war das nicht mehr gegangen. Sie hätte nicht zurückgehen können und Caradan holen, nicht, wenn sie nicht am Strick hätte baumeln wollen. Und das wollte sie nicht. Sie seufzte schwer auf und erhob sich. Ihr Blick fiel auf den Horizont zu der kleinen Häuserzeile. Wenn sie es vor Sonnenuntergang noch schaffen wollte, musste sie sich beeilen. Das noch namenlose Pferd würde heute keinen Schritt mehr galoppieren. Man musste dieses prächtige Tier ja auch nicht zu Schanden reiten. So führte sie es am Zügel über den breitgetretenen Weg der Heide. Als es dämmerte, erreichte sie das Dörfchen.

Einen Dorfwirt gab es anscheinend in jedem Kaff am Arsch der Welt, und so auch hier. Aen band das Pferd vor der Schenke an einen Balken, der wohl dafür errichtet worden war und betrat die Schankstube. Niemand war da, außer dem Wirten, welcher sie mit neugierigen Augen musterte. Sie grüßte und fragte nach Speis und Trank und einem Bett für die Nacht. Der Wirt stemmte die Hände in die Hüften. „Kannst du bezahlen?“ Aen ließ ihren Geldbeutel klingeln und nickte, dann nickte auch der Wirt. „Eintopf kannste haben. Dauert aber noch.“ Aen nickte erneut. „Heu und Wasser für mein Pferd bräuchte ich auch.“ „Du kannst das Pferd in die Scheune hinter der Schenke stellen. Wasser ist dort, nicht das frischste, aber immerhin. Heu sollte auch da sein. Dafür kostets nix extra.“ Das klang gut. „Ein Badezuber?“ fragte die junge Frau hoffnungsvoll, doch der Wirt schüttelte den Kopf. „Das hier ist ein einfaches Gasthaus, Frollein.“ Aen zuckte die Schultern und verließ die Stube um den Hengst in den Stall zu führen. Danach betrat sie die Schankstube wieder und ließ sich erschöpft auf einer langen Bank nieder. Das Bier, das er ihr hinstellte, war stark, trotzdem stürzte sie es, durstig und ausgedörrt, wie sie war, hinunter. Der Eintopf den er ihr später kredenzte schmeckte fad. Das fehlende Salz war mit einer Vielzahl an Wildkräutern ergänzt worden. Fleisch befand sich keines darin, was wahrscheinlich auch besser so war. Nach dem Essen ging sie in das Zimmer. Eine dreckige Behausung, wahrscheinlich verwanzt, verfloht oder was auch immer. Trotzdem ließ sie sich auf den Strohsack fallen, deckte sich mit der groben Wolldecke zu und schloss die Augen. Immer wieder drängte sich Caradan in ihre Gedanken. Nicht Iardes, dessen Lebenslicht sie ausgelöscht hatte, nein, stets Caradan. Der Dieb mit dem freundlichen Gemüt. Der ihr hätte ein guter Freund werden können, vielleicht auch mehr. Sie war selbst Schuld an ihrem Elend, das wusste sie, und das schmerzte tief. In der Nacht wurde sie wach, als sie einen schmerzhaften Stich verspürte. Sie fuhr hoch und rieb sich fluchend den Oberschenkel. Wanzen, Flöhe… Sie wollte es gar nicht so genau wissen. Scheiß auf den Wirt, dachte sie bei sich, erhob sich vorsichtig und verließ das Zimmer. Bedächtig, keinen Mucks zu machen, schlich sie aus der Schenke, in den Stall, führte das Pferd hinaus, schwang sich umständlich darauf, und ließ es in gemächlichem Schritt davontraben. Erst, als sie weit genug weg war, und sich sicher war, dass niemand sie mehr hören würde, gab sie ihrem Pferd einen aufmunternden Tritt in die Seite, das Tier beschleunigte sein Tempo, und dann ritten die zwei in die finstere Nacht. Erst einige Stunden später, als es bereits dämmerte, hielt sie an. Sie war sich sicher, nun weit genug entfernt zu sein, dass niemand sie einholen konnte. In der Dämmerung zeichnete sich ein Weiher ab, eingerahmt von dichten Hecken und Bäumen. Da ließ sie sich nieder, band das Pferd an, legte sich in das feuchte Gras und holte den so dringend benötigten Schlaf nach.

Als sie wiedererwachte, war es taghell. Die Sonne schien wieder freundlich vom Himmel und keine Wolke befand sich am Himmel. Kein Lüftchen regte sich, und die Arcanierin, die nichts bBsseres zu tun hatte, beschloss, ein längst fälliges Bad in dem Weiher zu nehmen. Wie gut, dass sie Seife gekauft hatte! Flugs zog sie sich aus, legte ihre Kleidung und ihre Habseligkeiten säuberlich zusammen und legte sie in das Gras, nur wenige Schritte von dem Weiher entfernt, sicher unter eine Hecke. Sie schrubbte sich mit der Seife gründlich, und noch gründlicher jene Stellen, die es bitter nötig hatten. Zuletzt seifte sie sich das Haar ein, und tauchte unter um den Seifenschaum auszuspülen. Als sie fertig war, suchte sie mit den Augen nach ihrem Kleid. Doch sie fand es nicht. Verdammt, hatte sie schon jegliche Orientierung verloren triefend nass, aber sauber, verließ sie den Weiher, auf der Suche nach ihrem Kleid. Doch es war wie vom Erdboden verschwunden. Ungläubig lief sie auf und ab. Sie war sich so sicher, dass sie alles genau HIER hingelegt hatte. Unter DIESER Hecke! Doch es war weg. Ihre Anspannung der letzten Tage entlud sich in einem wilden und wütenden Geschrei. Sie verwünschte sie Geschwister, sie verwünschte die dreckigen Diebe, die offensichtlich ihre Habe gestohlen hatten. Das Feuerrohr! Das Starrrkaut! Das Geld! Und wie konnte sie nackt ohne Kleid weiterreiten? Reiten! Das Pferd war noch da! Wieso stahl man nicht das wertvollste, das Pferd? Sie verstand die Welt nicht mehr. Da, plötzlich, schob sich eine dreckige Gestalt voll von Blessuren in ihr Blickfeld. Verschränkte die Arme, grinste sie süffisant an. Zuerst hatte sie ihn gar nicht erkannt. Aber dieses Grinsen, und diese Stimme… „Caradan!“ entfuhr es ihr ungläubig. Erschrocken musterte sie ihn, tief in ihrem Inneren fiel ein wahres Gebirge von ihrem Herzen. Er war da! Aber... er hatte ihr Zeug versteckt! „Na, hast du was verloren?“ grinste er gemein und musterte ihren nackten Körper von oben bis unten. Aen machte sich gar nicht erst die Mühe, ihre Nacktheit zu verbergen. Schließlich kannte er ihren Körper. Inwendig und auswendig. „Was soll der Scheiß? Gib mir meine Sachen zurück! Das ist nicht lustig!“ moserte sie empört. Dass er nur grinste, machte sie wütend. Am liebsten hätte sie sich auf ihn gestürzt und ihn geohrfeigt, geschüttelt und umarmt gleichzeitig. Aber nicht so nackt. Nein. Wahrscheinlich war es auch nicht die beste Idee, ihn anzuschnauzen. Damit kam man nicht weit. Lange starrte sie ihn schweigend an und ihr Herz wurde von Wehmut und Mitleid gleichzeitig erfasst. „Wie siehst du nur aus? Was ist passiert? Hast du dich geprügelt? Oder Wegelagerer? Sag doch was…“ Doch er formte nur ein Wort mit seinen Lippen. „Warum?“ „Warum? Was Warum? Warum ich gegangen bin? Das hab ich dir doch gesagt.“ Doch er schüttelte den Kopf, und sein Blick sprach Bände. Oh, bei den Geschwistern, er wusste es… „Iardes?“ fragte sie vorsichtig und er nickte sachte. Aen strich sich die Haare aus dem Gesicht und setzte sich in das warme Gras. „Oh Caradan… lass dir erklären… Es ist nicht so wie du vielleicht denkst… Ich bin, nachdem unsere Wege sich getrennt haben, zu Iardes gegangen. Ich weiß auch nicht. Ich wollte ihn zur Rede stellen. Wegen uns, wegen allem einfach. Dass er sich nicht so benehmen kann. Aber es ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Er beschimpfte mich als Hure die es mit jedem außer ihm treibt, und meinte, wenn er mich jetzt einfach so nähme und mir dann ein paar Jestus hinwerfe, wäre es nicht einmal eine Vergewaltigung, sondern einfach eine Angelegenheit zwischen Freier und Hure. Er hat mich gepackt und auf den Boden geworfen und weiterhin beschimpft. Nun ja, und dann habe ich mich gewehrt.“ Sie blickte ins Gras. „Ich wollte nicht, dass es so kommt. Das musst du mir glauben. Aber es ist dennoch geschehen und ich kann es nicht rückgängig machen.“ Sie hob den Blick und sah in sein zerschundenes Gesicht. „Ich kann auch nicht rückgängig machen, was zwischen uns passiert ist, Caradan. Ich habe sehr bald gemerkt, dass ich einen großen Fehler gemacht habe. Aber da war es bereits zu spät und ich konnte nicht mehr zurück. Du hast mir gefehlt, Caradan. Ich lag wach in der Nacht und konnte an nichts anderes denken, als an dich. Ich habe einen großen Fehler gemacht, und ich bitte dich um Verzeihung.“ Die Sonne stach vom Himmel herunter. „Gibst du mir jetzt bitte wieder mein Kleid und meine Habe? Ich fühle mich so nackt…“ grinste sie. „Außerdem bekomme ich sonst noch einen Sonnenbrand…“ jammerte sie. Während sie sich ankleidete, denn Caradan hatte letztlich doch noch Einsicht gezeigt, fragte sie ihn. „Was machst du eigentlich hier? Warum bist du hier? Und, bei den Geschwistern, wie siehst du aus, was ist passiert?“
"Ihre Natur ist Feuer und Blut..."

Benutzeravatar
Caradan
Weltenbummler
Beiträge:104
Avatar:Caradan :D
Alter:20
Rasse:Mensch
Heimat:Arcanis
Waffen:Küchenmesser
Inventar:Kleines Messer, Dietriche, fremdes Geld

Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Mi, 21. Mär 2018 0:06

Caradan war nicht Aens Meinung. Sie hatte einfach keine Ahnung, von manchen Dingen und sprach ohne ein tieferes Verständnis davon, wo sie lieber schweigen sollte. Er wagte sogar, das exakte Gegenteil von dem zu behaupten, was sie da sagte, denn das hier, war eindeutig sehr lustig. Wie sie da stand, so schamlos da stand vor ihm und schmollte. Er konnte ihr deutlich ansehen, dass sie sich eigentlich ärgern wollte, sich eigentlich aufregen wollte, aber es nicht tat. Vielleicht aus Freude ihn wieder zu sehen oder weil sie Angst hatte, dass er ihr sonst gar nicht mehr die Kleider zurück gab. Sein Grinsen verschwand erst, als sie ihn fragte, was mit ihm geschehen sei. Da fiel ihm erst wieder ein, weshalb er sie eigentlich gesucht hatte und er versuchte die Wut wieder zu finden, die er bei seiner Flucht auf sie empfunden hatte. Erfolglos, aber er konnte auch ohne wütend zu sein, die alles entscheidende Frage stellen. „Warum?“ Und sie wusste was gemeint war. Warum hatte sie den Jungen getötet, warum hatte sie Iardes mit ihrem Zauber oder was das war aufgerissen und warum… hatte sie ihn zurück gelassen. Sie setzte sich vor ihn, aber er blieb stehen, schaute mit verschränkten Armen auf sie herab, dass einzige Mittel das ihm geblieben war, um seine verrauchte Wut zum Ausdruck zu bringen. Doch als sie erzählte was passiert war, ihre Gründe für ihre Tat nannte, schämte er sich. Es machte ihn traurig zu hören, welchem Schicksal sie da entronnen war und es machte ihn wütend, dass er diesen kleinen Wichser nicht in ihrem ach so ehrwürdigen Duell verschont hatte. Hätte er ihn einfach abgestochen, wäre Willem genauso wütend gewesen, hätte ihn vielleicht sogar zusammengeschlagen, aber dann wäre Aen vielleicht nicht gegangen. Unwillkürlich fragte er sich, ob sie ihn vielleicht gar nicht als echten Mann sah, weil einen richtigen Kampf so einfach umgangen hatte. Und als sie ihm eröffnete, dass sie ihn vermisst hatte und ihn um Verzeihung bat, huschte eine Lächeln über sein Gesicht. „Gut.“, meinte er und reckte ihr seine verletzten Hände entgegen. „Du verdienst ein schlechtes Gewissen dafür.“ Er grinste, hoffte, dass sie seine Worte nicht verletzten. „Und du verdienst, dass ich dir dein Zeug weggenommen habe.“ Sie bat ihn darum, dass er ihr ihr Hab und Gut wiedergab. „Na wir wollen ja nicht, dass du verbrennst.“, kommentierte er zynisch, aber holte ihr Kleid und den Rest aus dem Versteck und ging anschließend sein Pferd holen. Während sie sich ankleidete, wusch er sich seine verbrannte Hand im kühlen Nass des Weihers und wechselte den Verband. „Was machst du eigentlich hier?“, hörte er sie fragen. „Wie meinst du das?“ „Warum bist du hier? Und, bei den Geschwistern, wie siehst du aus, was ist passiert?“ Der Dieb ließ sich vorsichtig am Wasser nieder. „Komm her.“, forderte er sie auf und zog sie neben sich auf die Wiese. „Musst du ernsthaft fragen, warum ich hier bin?“ Er tippte ihr gegen die Stirn. „Natürlich wegen dir, du dumme Nuss.“ Er streckte ihr die Zunge raus. „Warum auch immer!“, rief er mit erhobenen Armen dem Himmel zu und ließt sich rücklings ins Gras fallen.
„Warum auch immer.“, wiederholte er grinsend und merkte, wie er kaum das er auf dem Rücken lag, müde wurde. „Warum auch immer ich der Frau hinterher reite, die mir fast den Tod gebracht hat.“ Er drehte ihr den Kopf zu. „Die haben gedacht ich hätte, den Burschen umgebracht. Und so verfährt man mit Mördern, wenn man sie in eine Zelle wirft.“ Einen Moment hielt er inne, bevor er sich entschloss das zu erzählen was danach kam. Zögernd hielt er ihr seine rechte Hand vors Gesicht. „Und das passiert, wenn man versucht zu fliehen. Man verbrennt sich … und andere. Ich -“, er stockte kurz. Es laut auszusprechen bedeutete, es wahr werden zu lassen. „Ich hab einen Mann verbrannt. Ich hab den Mann der mich bewachen sollte in meine Zelle gesperrt und ihn … angezündet. Einfach so.“ Seine Stimme hatte einen überraschend nüchternen Klang, so als würde er einfach eine langweilige Geschichte erzählen. „Ich hätte es gar nicht tun müssen, aber ich habs getan, Ohne Grund, einfach weil … keine Ahnung, einfach so eben. Nun sind wir beide gesuchte Mörder und Pferdediebe... Wenigstens haben die braven Leute von Brisangen nun einen guten Grund uns zu hassen. “ Einen Moment schwieg er und sah sie nur an, versuchte zu erkennen, was sie davon hielt, ob sie abstoßend oder gleichgültig aufnahm, aber er konnte kaum die Augen offen halten. „Dann bin dir hinterher. Du bist nicht gerade unauffällig.“, lachte er und legte seine Hand auf ihre. „ Wir sind schlechte Menschen Aen... oder die Besten. Hauptsache nicht allein." Er gähnte laut. "Ich bin todmüde… Hab seit gestern Abend keine Ruhe gefunden. Aber jetzt bist du ja da… dann kann… ich...“ Und da schlief er ein. Mitten im Satz, mitten auf der Wiese, einfach so.

Die Sonne tauchte den Himmel in ein orangenes Licht, ein wunderschöner Sonnenuntergang, als Aen Caradan aufweckte. „Was ist los?“, fragte der Dieb erschrocken und blickte sich hektisch um, darauf gefasst bewaffnete Männer zu sehen, die auf sie zu kamen. Doch sie waren allein, immer noch ganz allein. Auffordernd nickte Aen Richtung Sonnenuntergang und der war es wirklich wert dafür auf den Schlaf zu verzichten. Jetzt bemerkte er erst, dass seine Kleider feucht waren. Das kam davon, wenn man sich ins nasse Gras legte und einschlief. Eine Weile beobachtete er wie sich die rote Sonnenscheibe im Wasser spiegelte. „Ich stinke.“, stellte er nüchtern fest bevor er sich erhob und sich seiner Kleider entledigte. Er legte sie ordentlich auf einen Haufen und grinste Aen frech an. „Wehe du vergreifst dich an meinen Sachen.“ Das Wasser war angenehm kühl und Caradan stürzte sich hinein. DAS war längst überfällig gewesen. Er schrubbte sich mit den Händen, genoss die Linderung an den Armen und den Blessuren, wusch sich das Blut von Haut und Haar. Der Dieb genoss es sich von dem Wasser umspülen zu lassen. Er warf Aen einen misstrauischen Blick zu, ob seine Kleider noch da waren, da fiel ihm etwas auf. „Wo ist dein Haarband?“, rief er ihr zu. „Sieht schön aus. Gefällt mir.“ Er ließ sich ein wenig im Wasser treiben und spähte immer wieder unauffällig zu ihr hinüber. Ob sie wohl jetzt in der Stimmung wäre, dass nachzuholen, wobei sie gestört wurden? Bei dem Gedanken wurde ihm warm. Er trieb zurück zum Ufer und stieg aus dem Wasser. Er schüttelte sich wie ein Hund und grinste Aen an, die kurz von einem Regen bedeckt wurde, dann ließ er sich neben ihr nieder. Es war warm genug, dass er keine Erkältung fürchtete und seine Kleider nun nass zu machen hatte auch keinen Zweck. Außerdem fand er es kribbelnd, einfach so neben Aen zu liegen. Er wälzte sich auf die Seite und stützte sich auf den Ellenbogen. „Sag mal,“, begann er, während er anfing ihr über den Oberschenkel zu streicheln. „Hast du noch was über dein Endor Amulett herausgefunden?“ Seine Hand wanderte unter ihre Röcke und strich seicht über die Innenseite ihrer Schenkel. „Die meisten Sklavenhändler ziehen von Ost nach West um ihre Ware zu verkaufen.“ Mit den Fingern ertastete er sein Ziel und grinste sie anzüglich an, während er sie dort ein wenig massierte. „Aber wenn er der Frau das Amulett abgenommen hat, wird er es wohl eher im Osten verkaufen,“, er drang mit den Fingern in sie ein und bewegte sie rhythmisch hin und her, „wenn er es denn überhaupt verkauft.“ Der Dieb beugte sich zu ihr und gab ihr einen Kuss, dann für er mit seinen Lippen an ihrem Hals herab, biss leicht zu und blieb bei ihrem Dekolletee hängen. Seine Finger verrichteten unbeirrt ihr Werk und beinahe vergaß er völlig was er eigentlich noch hatte sagen wollen. „Aramad.“, keuchte er, „dort finden wir bestimmt was.“ Weiter konnte er sich nicht konzentrieren und gab sich ganz dem Liebesspiel hin.
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

Benutzeravatar
Aenaeris
Verrücktes Weibsbild
Beiträge:199
Avatar:Eva Widermann
Alter:25
Rasse:Mensch (Arcanier)
Heimat:Arcanis/Wynricéa

Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Mi, 21. Mär 2018 16:05

Die Idylle und die allgemeine Freude traten ein wenig in den Hintergrund, als Caradan Aen erzählte, was denn eigentlich passiert war, und weswegen er so übel zugerichtet aussah. „Die haben gedacht, ich hätte den Burschen umgebracht. Und so verfährt man mit Mördern, wenn man sie in eine Zelle wirft” erklärte Caradan und Aen hörte ihm mit ernster Miene zu. Unweigerlich kam die Erinnerung hoch, als sie im Kerker in Onvorthad gewesen war. Während Silvar schlimmer noch als Caradan gemartert worden war, hatte man sie diesbezüglich unversehrt gelassen. Doch mit ihr hatte man andere Pläne. Hatte sie sich auch zuerst heftig gegen die Zudringlichkeiten gewehrt, war sie bereits nach kurzer Zeit resigniert und gebrochen gewesen, und hatte wehrlos alles über sich ergehen lassen. Und dass Caradan so zugerichtet wurde, war ihre Schuld! Weil sie mit ihm verkehrt hatte, hatten sie angenommen, dass er Iardes umgebracht hatte. Aen fühlte sich nun ein klein wenig schlechter als noch vor wenigen Augenblicken. Dann gestand er ihr, dass er den Kerl, der ihn in der Gefängniszelle bewacht hatte, bei lebendigem Leib verbrannt hatte. Die Arcanierin lauschte aufmerksam seiner Erzählung. “Mir ist es es völlig egal, wer mich hasst und wer nicht” zuckte sie mit den Schultern und ließ sich schließlich rücklings neben Caradan ins weiche Gras nieder. „Dann bin dir hinterher. Du bist nicht gerade unauffällig” meinte er lachend und Aen pflichtete ihm stumm nickend und leicht grinsend bei. “Da ist was wahres dran. Aber ich kann nicht anders sein als ich nun einmal bin. Das war schon immer so.” „Wir sind schlechte Menschen Aen... oder die Besten. Hauptsache nicht allein.” “Da hast du Recht. Aber schlecht sind wir nicht. Wir lassen uns einfach nicht in unsere vorbestimmten Schicksale zwängen, sondern bestimmen unser Leben selbst. Und wenn sich andere Menschen da in den Weg stellen… Nun, dann räume ich diese Hindernisse aus dem Weg. Ich habe viel durchgemacht in den letzten zwei Jahren. Und ich bin nicht bereit das einfach aufs Spiel zu setzen.” Caradan murmelte noch einige Worte, dann war er plötzlich eingeschlafen. Die Arcanierin beobachtete ihn eine Weile beim schlafen, dann verschränkte sie die Arme unter ihrem Kopf, blickte in den Himmel und hing ihren Gedanken nach. Er war ihretwegen gekommen, hatte er ihr gesagt. “Selber dumme Nuss…” hatte sie gebrummt und gegen sein Ohr geschnipst. Warum auch immer… Warum auch immer er der Frau hinterher geritten war die ihm fast den Tod gebracht hatte. Das waren seine Worte gewesen. Und dennoch war er hier.

Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde ihr furchtbar langweilig. Die Sonne stand als riesige rote Scheibe über dem Horizont und der Himmel war in rosaroten, lilafarbenen und orangenen Bahnen gefärbt. Fast sah es so aus als würde der Himmel brennen. Aenaeris konnte sich am Sonnenuntergang niemals sattsehen. Ob Caradan dies auch so sah? Sie stupste ihn an, bis er wach geworden war und sich beinahe hektisch umsah. “Was ist los?” fragte er, doch Aen schüttelte nur schweigend und lächelnd den Kopf und deutete mit einem Nicken zum Horizont. So betrachteten sie beide schweigend den Sonnenuntergang, bis Caradan diese Idylle unterbrach. “Ich stinke” meinte er recht trocken und Aen deutete erneut schweigend auf den Weiher, in dem sie heute bereits gebadet hatte. Er erhob sich und Aen beobachtete ihn, wie er sich Stück für Stück entkleidete und seine Sachen feinsäuberlich auf einen Haufen legte. „Wehe du vergreifst dich an meinen Sachen” grinste er, doch Aen rümpfte nur die Nase. “Deine dreckstarren Fummel würde ich nicht einmal mit der Kneifzange anfassen, sei ganz unbesorgt.” Caradan wusch sich in dem Weiher mit einer nahezu beruhigenden Leichtigkeit und Aen tat nichts anderes, als ihm dabei zuzusehen, bis er sie fragte “Wo ist dein Haarband?” Aen griff sich ins offene Haar “Ach das… Das habe ich auf der Flucht verloren, der Sturm hat sichs geholt… Schrecklich, diese offenen Haare bei dieser Hitze” klagte sie. “Sieht schön aus” erwiderte er, bevor er aus dem Weiher stieg und sich wie ein nasser Hund beutelte, was Aen dazu zwang, abwehrend ihre Hände zu heben um sich vor dem Spritzwasser zu schützen. Dann legte er sich einfach nackt neben Aen und wartete bis die Wärme des warmen Sommerabends ihn trocknen würde. Sie tat es ihm gleich und stützte ihren Kopf in die Hand. “Sag mal…” begann er, und seine Hand begann spielerisch und sacht über ihren Oberschenkel zu streichen. Sie lauschte neugierig, und ließ ihn gewähren. „Hast du noch was über dein Endor Amulett herausgefunden?“ Aen seufzte. “Es heisst Ardor, verdammt. Wieso kannst du dir das nicht…” Sie unterbrach sich, und hielt unmerkbar den Atem an, als die Hand unter ihren Röcken verschwand und ihre nackte Haut, die weiche zarte Innenseite der Schenkel, streichelte. Aen schüttelte schließlich den Kopf und sprach weiter. “Leider nicht. Ich wollte, aber dann ging alles so furchtbar schnell, wie du dir vielleicht denken kannst. Jetzt sitze ich hier und habe keinen einzigen Anhaltspunkt.” „Die meisten Sklavenhändler ziehen von Ost nach West um ihre Ware zu verkaufen.“ Aen dachte nach. Osten war ja nun nicht so genau zu definieren, das konnte, die Geschwister wussten dies, überall sein. “Also sollten wir irgendwo, an irgendeinem Punkt, beginnen...” Sie stockte, als Caradan einen ganz bestimmten Punkt begann, zu massieren, und sie dabei anzüglich an grinste. Sie errötete, erwiderte sein Lächeln schelmisch und ließ ihn gewähren. “Machen wir uns nichts vor, das Ding kann überall sein!” seufzte Aen schwer auf. „Aber wenn er der Frau das Amulett abgenommen hat, wird er es wohl eher im Osten verkaufen,“ “Meinst du?” fragte sie nachdenklich. “... wenn er es überhaupt verkauft…” “Du meinst… huh!” entfuhr es ihr, als sein Finger in ihrem Unheiligsten verschwand, und ihr ein unwillkürliches Stöhnen entlockte. “Hör auf… ich kann überhaupt nicht mehr klar denken…!” protestierte sie. Davon scheinbar beflügelt, beugte er sich zu ihr und küsste sie, ließ seine Lippen über ihren Hals gleiten, versank danach in ihrem Dekolleté, ohne dabei von seinem Tun mit den Fingern in ihrem Schoß abzulassen. Aen seufzte wohlig auf, und sie spürte die aufkommende Feuchte zwischen den Beinen. “Und wo sollten wir unsere Suche beginnen, was meinst du? Ich habe schon soviel Zeit verschissen mit warten…” Sie packte sein Gemächt, welches ohnehin schon stramm stand und er keuchte auf. “Aramad!” “Aramad? Bist du sicher?” raunte sie skeptisch und massierte sein Gemächt. “Dort finden wir bestimmt etwas…” Aen seufzte erneut und ließ sich ergeben rücklings ins Gras rollen, nestelte hastig ihre Röcke hoch, zog sich das Kleid über den Oberkörper und zog ihn stürmisch auf sich, bevor sie innehielt. “Warte….” meinte sie und hielt bedächtig inne. “Kein Alkohol und kein Starrkraut ist im Spiel…” Sie kicherte belustigt, als sei dies etwas ganz besonderes. “Ich werde mich auf jeden Fall an jede Einzelheit erinnern, also gib dir Mühe…” Dann zog sie ihn an sich, küsste ihn und gewährte sie ihm endlich den erlösenden Einlass in ihren Schoss…

Später, als die Sonne längst untergegangen, und die Dämmerung schon weit fortgeschritten war, hatte die Arcanierin ihre Zunderbüchse hervorgeholt und mit zusammengetragenen Ästen ein kleines Lagerfeuer entfacht. Am Weiher war es wirklich malerisch schön, und wenn sie nicht auf der Suche nach dem Feueramulett gewesen wäre, hätte sie es durchaus in Betracht gezogen, hier noch länger zu verweilen. Inzwischen wieder angekleidet, kramte sie in ihrer Tasche nach den gekauften Lebensmitteln. Trockenbrot, Trockenfleisch und Trockenfrüchte. Wenige Frühäpfel hatte sie erwerben können, doch sonst nichts frisches. Während Aen an einem Streifen Trockenfleisch knabberte, ließ sie ihre Blicke über die Pferde wandern, die auf der Wiese noch da eine oder andere Wildkräutlein zu erhaschen suchten, bevor es vollständig dunkel wurde. “Ich suche noch einen Namen für das Pferd. Ich finde, besondere Pferde sollten einen Namen besitzen” begann Aen. Ich hatte vor zwei Jahren mal ein Pferd. Abari. Dieses Pferd war einzigartig unter tausenden, so glaube ich. Das treueste, klügste und liebevollste Tier das mir je begegnet ist. Mein… mein…” Aen stockte. Ja was denn nun? Ehemaliger Liebhaber, ehemaliger Reisegefährte, ehemaliger Ehemann? Streng genommen war er letzteres. Sie hatten sich vor den Göttern, vor den Alten, in den Wilden Landen, einander versprochen, und nichts und niemand konnte diesen Bund auflösen. Nur der Tod. Doch der totgeglaubte Theró war nicht tot, und auch wenn ihre Wege sich getrennt hatten, bedeutete das nicht, dass der Bund damit aufgehoben war. “... ach weisst Du, Caradan… Wir kennen uns jetzt erst sehr kurz. Ich habe dir bisher sehr Weniges und eher Unwichtiges aus meinem erzählt. Aber ich möchte unsere gemeinsame Reise nicht auf Lügen oder Verschweigen aufbauen. Darum möchte ich dir dieses und jenes erzählen. Das meiste wirst du mir vermutlich nicht glauben. Und dennoch ist es wahr. Also Abari… war ein Geschenk von meinem… meinem… Ach… bei Janus’ Arsch… Theró war… nein, ist… mein Mann. Ich habe ihn damals, als ich aus dem Tempel in Lanyamere geflohen bin, in einer Schenke kennengelernt, in der ich Arbeit gefunden hatte. Nun, er hatte einem Kerl der übergriffig geworden war, mit seiner Axt in den Schädel gehackt, und als er dann fliehen musste, hat er mich kurzerhand mitgenommen. Eine etwas eigentümliche Weise, jemanden kennenzulernen” schmunzelte sie. Es fiel ihr auch heute noch nicht leicht, über Theró zu sprechen. Sie hatte ihn über alles geliebt, sie waren so eng miteinander verbunden gewesen, und dann hatte das Schicksal seinen Lauf genommen. Es war ihnen nicht bestimmt gewesen, mehr als ein Jahr ihres Lebens miteinander zu verbringen. “Nun ja, er war vom Volk der Wilden Menschen, und wir sind dann gemeinsam in die wilden Lande gegangen. Ich war jung, jünger noch als heutzutage, bekanntermaßen… und mir war nicht bewusst dass der Ring den er mir schenkte, für ihn mehr bedeutete, als für mich. Ich wollte ihn nicht verletzen, und da ich annahm, dass wir ohnehin füreinander bestimmt waren, habe ich natürlich eingewilligt, ihm vor den Alten den Schwur zu geben. Das Schicksal hat uns auf grausame Art und Weise getrennt. Aber um das zu verstehen, musst du mir gut zuhören, und darfst mich nicht unterbrechen, ja?” Sie legte das Stück Trockenfleisch in ihren Schoß, da sie wusste, nun eh nicht mehr zum Essen zu kommen. “Also Thero hatte einen Fluch auf sich lasten. In den Nächten, in denen der Mond scheint, verwandelt er sich. In einen… einen… Werwolf.” So jetzt war es raus! Caradans Blick war zu entnehmen, dass er sie nicht für ganz voll nahm. Sie hob beschwörend die Hände. “Aber ich schwöre, es ist wahr! Ich weiß, es klingt verrückt und ich hätte es selbst nicht geglaubt. Alle denken dies seien nur Volksmärchen und Geschichten mit denen man Kinder erschrecken will. Aber ich habe es so viele Male mit eigenen Augen gesehen und erlebt, es ist wahr. Werwölfe sind keine Märchen. Wir waren in Shuridron. Ich war guter Hoffnung von ihm, und ich weiß nicht, wie sie uns gefunden haben… Die verdammten Arcanier. Verdammte arcanische Inquisition. Sie haben unser Zimmer gestürmt, haben Thero mit Silberpfeilen gespickt und mich mitgenommen, und in den Kerker geworfen. Ich wusste nicht, dass Thero erlebt hat, aber er hat es, und er lebt heute noch.” Ihr Blick fiel gen Norden, weit an den Horizont, wo in weiter weiter Ferne die Wilden Lande lagen. “Er ist irgendwo da draußen… Jenseits der Wälder, in den unwegsamen Gebirgen der wilden Lande. Ich weiß es. Mein Bruder höchstselbst, der beim arcanischen Militär war, wollte mich, seine Schwester, da rausholen, läutern, was weiß ich… Aber als er erfuhr, dass ich ein Kind unter dem Herzen trug, sein Kind… da hat er es mir förmlich aus dem Leib geprügelt. Ich konnte fliehen, aber das Kind habe ich noch in derselben Nacht verloren. Darum. Keine Ehe, keine Kinder…” sagte Aen bitter. “Zum einen, weil ich eigentlich immer noch einen Ehemann habe, und zum anderen, weil ich keine Kinder mehr bekommen kann.” Sie versuchte sich in einem Scherz “Aber, den Geschwistern seis gedankt, ich wäre ganz sicherlich eine furchtbare Mutter! Und Kinder sind schrecklich… auch wenn man sagt, bei den eigenen wärs anders… Nun ja. Das war die Geschichte rund um den Mann, der mir Abari, dieses wundervolle Pferd, geschenkt hat. Abari ist übrigens im Winter in den wilden Landen, erfroren. Seitdem habe ich nie wieder ein Pferd getroffen, das so war, wie er. Aber dieses Pferd da, besitzt Charakter. Es könnte ein zweiter Abari sein…” Aen holte ihre Pfeife aus der Tasche und dazu den Kräutertabak. “Heute kein Starrkraut” grinste sie. Sie entzündete die Pfeife, nachdem sie sie gestopft hatte, mit einem Kienspan am Lagerfeuer und blies den Rauch in die Luft. “Tja, das war eine von vielen unzähligen Geschichten. Ich könnte dir glaube ich jeden Abend eine verrückte Lagerfeuergeschichte erzählen…” lachte sie und reichte die Pfeife an Caradan weiter.
"Ihre Natur ist Feuer und Blut..."

Benutzeravatar
Caradan
Weltenbummler
Beiträge:104
Avatar:Caradan :D
Alter:20
Rasse:Mensch
Heimat:Arcanis
Waffen:Küchenmesser
Inventar:Kleines Messer, Dietriche, fremdes Geld

Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Mi, 21. Mär 2018 23:09

Caradan fühlte sich gut, müde, aber gut, als sie fertig waren. Es war kräftezehrend gewesen, aber nie hatte sich Erschöpfung so wohlig rein angefühlt. Er blieb noch einen Moment in der Sonne liegen, bevor er sich Hemd und Hose wieder anzog und Aens Beispiel folgend begann sich nützlich zu machen. Der Dieb führte sein Pferd an den Weiher, damit das Tier trinken konnte und schämte sich, ein bisschen wenigstens, dass er das vernachlässigt hatte. Als das Tier genügend gesoffen hatte, schnappte er sich das Beil aus einer Satteltasche und ging durchs Unterholz um ein wenig Feuerholz zu schlagen. Sein Ziel war ein junger Baum mit dünnen Ästen. Die ersten bekam er noch ganz einfach abgetrennt, doch beim fünften oder sechsten, musste er sich verdammt anstrengen. Das durfte doch nicht wahr sein! Er würde doch wohl in der scheiß Lage sein ein wenig Feuerholz zu hacken! Was war für ein Mann? Ficken konnte er, aber alles was sonst körperliche Anstrengung forderte, abgesehen von weglaufen, war ihm zu viel oder was? Das konnte und durfte nicht war sein. Weg war die selige Euphorie nach dem Vögeln, weg gefegt von heißem Zorn über das eigene Versagen. Wäre er ein ganzer Kerl, hätte er sich auch nicht so einfach von Willem überwältigen lassen, hätte Iardes noch im Flur der Schenke in die Fresse gedroschen und Aen einfach weiter gebumst. Dann wäre dieser ganze Scheiß nicht passiert. Sie beide hätten ein kleines Vermögen mit dem Starrkraut gemacht und … ja und? Was dann? Auf eine romantische Abenteuerreise aufgebrochen, auf der Jagd nach einem magischen Amulett? Was ein Schwachsinn! Wie alt war er? Dreizehn? Heldengeschichten waren für naive Kinder, aber das hier war die Wirklichkeit. Er hatte eine Mann bei lebendigem Leibe verbrannt und dabei zugesehen, er war ein nichtsnutziger Hurensohn, der jeden Kampf entweder aus dem Weg ging, ihn verlor oder mit hinterhältigen Mitteln gewann. Während er sich selbst verfluchte hieb er wie ein besessener auf den unschuldigen Baum ein, ignorierte die Schmerzen in den Händen und die heißen Tränen des Zorns auf seinen Wangen. Nachdem er sich zur genüge verausgabt hatte, ging er zurück zu Aen, damit sie ein Feuer machen konnte. Kaum dass die Flammen die aufkommende Dunkelheit besiegten, verschwand auch Caradans düstere Stimmung und er nannte sich selbst einen Narren dafür, wie er im Wald wegen solch einem eitlen Selbstmitleid die Beherrschung verloren hatte.
Sie Beide saßen am Feuer und starrten schweigend in die Flammen. Die Stille zwischen ihnen war nicht so unangenehm wie das letzte Mal, als sie einander anschwiegen. Dieses Mal stand nichts zwischen ihnen, sonder da war wieder etwas, etwas angenehmes, etwas schönes. Mit einem Mal fing Aenaeris davon an, dass sie ihrem Pferd einen Namen geben wolle. Sollte sie ruhig. Caradan hatte sich nie Gedanken darüber gemacht, ob man Tieren einen Namen geben sollte. Er mochte Tiere, so war es nicht, aber er maß ihnen keinen außergewöhnlichen Stellenwert bei. Plötzlich stockte sie in ihrer Erzählung über ihr altes Pferd. „Dein?“, fragte der Dieb neckisch. „Ach weißt du, Caradan… wir kennen uns jetzt erst sehr kurz.“, fuhr sie fort und eröffnete ihm, dass ihn nicht anlügen wollte, wenn sie gemeinsam reisten. Der Dieb lächelte über dieses Geständnis und nickte ihr aufmunternd zu. Sie sollte ihm alles erzählen, was ihr auf dem Herzen lag, doch als sie ihm sagte, dass sie einen Ehemann hatte, glaubte er, sie wollte ihn verarschen. „Ich dachte keine Ehe…“ „Ich habe ihn damals, als ich aus dem Tempel in Lanyamere geflohen bin, in einer Schenke kennengelernt, in der ich Arbeit gefunden hatte. Nun, er hatte einem Kerl der über griffig geworden war, mit seiner Axt in den Schädel gehackt, und als er dann fliehen musste, hat er mich kurzerhand mitgenommen. Eine etwas eigentümliche Weise, jemanden kennenzulernen.“ Und was war das mit ihnen gewesen? Eine Einladung zu einem Diebstahl Starrkraut war auch nicht selbstverständlich, aber Caradan wollte sich nicht mit irgendwelchen anderen Männern vergleichen, solche Duelle konnten böse nach hinten los gehen. „Scheinst ein Talent für eigentümliche Kennenlernen zu haben.“, sagte er mit einem matten Lächeln stattdessen. Dann schilderte sie, wie es zu der Ehe kam, eine Ehe geschlossen von einem naiven Mädchen aus blinder Vernarrtheit oder eben echter Liebe. Als sie ihn beschwor ruhig zuzuhören nickte er stumm und war nun äußerst gespannt darauf was sie ihm wohl zu erzählen hatte. „Also Thero hatte einen Fluch auf sich lasten. In den Nächten, in denen der Mond scheint, verwandelt er sich. In einen… einen… Werwolf.” Einen was? Hatte sich Caradan gerade verhört? Werwölfe waren Kindermärchen, Legenden die man sich am Lagerfeuer erzählte oder in der Kneipe zu Besten gab. Geschichten nichts weiter. Offenbar sprach sein Gesicht seine Gedanken überdeutlich aus, denn Aenaeris beteuerte eindringlich, das sie die Wahrheit sagte und sich der wahnwitzigen Abenteuerlichkeit ihrer Geschichte bewusst war. Sie schilderte, wie sie das Kind dieses Monsters empfangen hatte und dass dieses beinahe erlegt worden wäre, doch in die wilden Lande fliehen konnte, wo es immer noch lebte… Unruhig folgte sein Blick dem von Aen gen Norden. Unvorstellbar… auch was ihr danach geschah. „Darum. Keine Ehe, keine Kinder.“ Mitfühlend ergriff er ihre Hand, aber hielt weiterhin den Mund, denn solange sie noch nicht zu Ende erzählt hatte, galt Mund halten und zu hören. Sie beendete ihre Geschichte damit, womit sie begonnen hatte, dem Schicksal ihres schönen Pferdes. Sie zündete ihre Pfeife an und machte einen Witz über Starrkraut, der den Dieb zum Grinsen brachte. Prinzipiell sprach für ihn nichts gegen eine zweite Runde, aber er verstand schon wie es gemeint war. „Tja, das war eine von vielen unzähligen Geschichten. Ich könnte dir glaube ich jeden Abend eine verrückkte Lagerfeuergeschichte erzählen.“ Sie reichte ihm die Pfeife und der Dieb nahm sie mit einem Lächeln entgegen. „Dann mach das.“, meinte er und nahm einen Zug. „Ich höre dir gerne zu. Und außerdem, vielleicht erfahre ich noch was von den anderen Männern in deinem Leben. Ich hoffe es sind keine Vampire oder Hexenmeister darunter.“ Er grinste sie frech an, aber sein Grinsen erfror, als er ihren Blick sah. Beschwichtigend hob er die Hand und blickte sie entschuldigend an. „War nur ein Scherz… Wenn du mir sagt, dass es die Wahrheit war, die du erzählt hast… dann glaube ich dir natürlich.“ Er reichte ihr die Pfeife zurück und setzte eine ernste Miene auf. „Aber Aen, bitte sei ehrlich: Sollte ich was von Vampire und Hexenmeister wissen?“ Zur Antwort trat sie ihm vor die Brust und er lachte freundlich und hustete. „So du bist.“, brummte sie in, hoffentlich gespielter, schlechter Laune. Was sollte er schon erzählen? Er konnte schlecht mit Werwolfgatten und mystischen, magischen Amuletten aufwarten, bloß mit den gewöhnlichen Abgründen der menschlichen Seele.

„Als ich siebzehn war, bin ich mal in ein Haus eingebrochen.", begann er. "Nichts besonderes, hab ein paar Münzen und was zu Essen mitgehen lassen. Als ich gerade abhauen wollte, hab ich was im Haus gegenüber gesehen. Es war das Haus des Köhlers. Und dort sah ich, wie sich die dessen Frau mit dem Bäcker die Straße runter die Seele aus dem Leib vögelte. Der Köhler war weg, belieferte den Palast der Stadtherren und den Tempel, glaube ich und sie fickte den Bäcker. Jedes Mal wenn ihr Mann das Haus verließ, fickte sie den Bäcker. Und jedes Mal, hockte ich auf dem gegenüberliegenden Dach und schaute zu. Und Tag für Tag für Tag fragte ich mich, ob ich den Verstand verloren hatte. Ich fragte mich, warum schaue ich mir dieses … halbstündige Gegrunze und Gekeuche an.“ Der Dieb blickte Aen an, so als ob sie ihm darauf eine Antwort hätte geben können. „Irgendwann ist es mir aufgegangen. Ich war neugierig, neugierig darauf was passieren würde, wenn der Köhler sie dabei erwischte und als es nach ein paar Wochen soweit war, war ich richtig aufgeregt. Er kam gerade zur Tür rein, als der Bäcker lautstark abgespritzt hatte. Der Köhler war außer sich vor Zorn, hat den Bäcker mit einem Nachttopf den Schädel zertrümmert. Er hat immer und immer wieder auf ihn eingeschlagen bis das ganze Zimmer mit Blut besudelt war. Und weißt du was er dann gemacht?“, fragte Caradan, eher rhetorisch, denn er fuhr fort ehe Aenaeris ihm antworten konnte. „Er riss seiner Frau die Kleider vom Leib und fickte sie neben der Leiche ihres Liebhabers in den Arsch. Woher ich weiß das er sie in den Arsch gefickt hat? Weil er laut geschrien hat, dass er ihre Fotze nicht noch einmal nehmen wolle. Als er fertig war, hat er sie nackt wie sie war auf die Straße geworfen.“ Er hielt kurz inne. „Ich hab alles beobachtet und hab keinen Laut von mir gegeben. Einen Monat später sah ich die Frau des Köhlers in einem Bordell wieder.“ Er warf Aen ein beschämtes Lächeln zu. „Ich hab mich oft gefragt, was wäre, wenn... Was wäre, wenn ich die Beiden gewarnt hätte. Dann wäre der Bäcker nicht tot und die Frau hätte noch ihr altes Leben gehabt. Aber andererseits, jede Entscheidung birgt eine Konsequenz und wenn man nicht bereit ist diese zu tragen, sollte man von dieser Entscheidung absehen. Nimm mich zum Beispiel.“, lachte Caradan und schnappte sich Aens Pfeife. „Ich hab mit dir gevögelt und die Konsequenzen getragen.“ Er reichte ihr die Pfeife zurück und rutschte etwas näher zu ihr. „Und wenn das der Preis dafür ist… hab ich halt Pech.“ Mit einem wohligen Seufzer ließ er sich rücklings ins Gras sinken. Obwohl er schon beinahe den Sonnenuntergang verschlafen hatte, hatte ihn der vergangene Tag und die körperliche Verausgabung mit Aen vorhin doch ganz schön ausgelaugt. Gen Himmel starrend lag er da, lauschte den Geräuschen der Natur und dem Knistern des Feuers, roch die warme, schwüle Luft des Weihers, den Rauch und Aen. Sie roch nach Seife, fiel ihm eben erst auf und er roch ebenso danach, ohne auch nur in der Nähe davon gewesen zu sein. Er grinste bei dem Gedanken, wie sinnlos es war vor dem Vögeln zu baden, war man doch danach dennoch wieder gleich schweißnass. Er strich ihr gedankenverloren über den Rücken, während sie ihre Pfeife zu ende rauchte. Oh ja, wenn er für jede Nacht mit ihr einen Schlag erdulden müsste, wäre sein Körper im Nu vom Feuer des Kampfes gehärtet und er müsste sich keine Gedanken mehr um seine Wehrlosigkeit machen oder darum, was Aen wohl von ihm halten würde, wenn er in einer ernsten Situation versagte. Nun, vielleicht würde er auch unter den Schlägen zu Grunde gehen, statt gestärkt von ihnen aufzustehen. Wenn es so wäre, könnte er es auch nicht ändern.

Am nächsten Morgen erwachte Caradan mit Aen im Arm. Es war ein schöner Morgen, nach einer mehr als beschissenen Nacht. Trotz Müdigkeit hatte sich kein Schlaf einstellen wollen, denn stets wurde er von bösen Träumen überschattet. Kaum war er eingeschlafen träumte er von Aen und ihrer Berührung und kaum das er im Traum ihre Berührung erwiderte, fiel ein gigantischer Wolf über ihn her und er erwachte, atemlos und verängstigt. Und einschlafen ging danach nur noch schwer. Jedes Geräusch aus dem Unterholz war ein potentieller Vorbote des Todes, der ihn verhöhnte und davor warnte sich dem süßen Schlafe hinzugeben. Und jetzt war es Morgen, wo er doch gerade wieder so weit gewesen war und geschlafen hatte. „Wach auf Aen.“, raunte er ihr ins Ohr und begann sich langsam unter ihr hervor zu winden. „Wach auf, wir sollten weiter.“ Wer konnte schon sagen, ob ihnen jemand auf den Fersen war, immerhin hatten sie beide einen Mord begannen und zumindest Caradan war für alle offensichtlich schuldig. Aen weniger, aber der Dieb war sich sicher, da würde man keinen Unterschied machen, man würde sie alle beide am nächsten Baum aufknüpfen, sollte man sie so nahe an Brisangen schnappen. „Na komm schon.“ Er gab ihr einen Klaps auf den Po und mürrisch wälzte sie sich zur Seite. „Lass mich.“, murrte sie und scheuchte ihn mit schlaffen Handbewegungen davon. Caradan grummelte etwas in seinen Bart und ging zum Weiher. Er entblätterte seine Hand und begutachtete sie ihm Schein der Morgensonne. Die Haut war über dem Handballen und Handrücken stark gerötet, warf Blasen und hatte an den Fingern schon begonnen sich vom Fleisch zu schälen, aber so wie er es als Laie in der Lage war einzuschätzen, war es eigentlich gar nicht so schlimm. Keine schwarzen Flecke die darauf schließen ließen, dass das Fleisch verkohlt war oder eiternde Wundränder die sich entzündet hatten. Vielleicht wäre das alles in ein paar Wochen schon verheilt, solange er die Verbrennung immer schon sauber hielt. Zischend ließ er die angehaltene Luft entweichen, als er seine Hand ins kühle Wasser tauchte und den Verband so gut es ging auswusch. Er warf auch einen prüfenden Blick auf sein geprelltes Handgelenk. Der Bluterguss zog sich bis hinauf zu seinen Fingerknöcheln. „Schöne Scheiße.“, fluchte er leise und warf einen Blick über die Schulter zu der schlafenden Schönheit, dich schon wieder tief ins Reich der Träume abgedriftet war. Es sprach wohl nichts dagegen, wenn er sie noch eine Weile schlafen ließ und sie dabei beobachtete, auch wenn das irgendwie komisch war. Seine Gedanken kehrten zum vergangenen Abend zurück und zu dem was er gehört hatte. Schon seltsam, dass er die Geschichten von magischen Amuletten und Werwolfehemännern einfach so hinnahm, ohne es großartig in Frage zu stellen. Natürlich war es einfach absurd was Aen ihm erzählt hatte, aber er wagte zu behaupten, dass er sie mittlerweile so gut einschätzen konnte um zu wissen, dass sie nicht gelogen hatte. Ein Verrückter sieht was er sieht, hatte mal jemand zu ihm gesagt, aber Aen kam ihm nicht verrückt vor. Durcheinander, sprunghaft, verletzlich und vielleicht ein wenig besessen von dem Amulett, aber nicht verrückt.
So wie es aussah, schlief Aen tief und fest und so beschloss Caradan die Gelegenheit zu ergreifen ungesehen etwas auszuprobieren. Seine Gedanken vom Vorabend gingen ihm nicht aus dem Kopf. Sollten sie verfolgt werden, konnte er keinem etwas entgegensetzen. Man würde sie einfach überwältigen und töten, ohne dass Aen oder er etwas dagegen tun könnten. Das wollte er nicht so einfach hinnehmen, aber konnte ja schlecht einfach so anfangen das Töten zu üben. Er war ja froh das ihm die Diebe von Aramad seiner Zeit gezeigt hatten, wie man einen Mann rücklings niederstach oder jemandem fachmännisch die Kehle aufschlitzte. In dunklen Gassen ein nicht zu unterschätzendes Können, aber in einem offenen Kampf absolut nutzlos. Aber konnte versuchen seine unpräzisen Hiebe etwas mehr Wucht zu verleihen. So schnappte er sich das Beil und stampfte entschlossen ein paar Meter ins Unterholz. Er machte ein Ziel aus, krummen Baum mit tiefen Ästen und begann auf den Baum einzudreschen, aber ohne diesen wirklich zu berühren. Hier und da flogen ein paar Splitter umher, als er es nicht rechtzeitig schaffte abzustoppen. Immer und immer wieder hieb er durch die Luft und schon nach kurzer Zeit begann er zu keuschen und es wurde immer schwerer das Beil in die Höhe zu heben um es auf den imaginären Feind nieder gehen zu lassen. Aens irgendwie immer noch Ehemann hatte einem Mann eine Axt in den Schädel getrieben, nun das konnte Caradan auch. Vielleicht, wenn er sich anstrengte und sich ins Zeug legte. Mit einem angestrengten Grunzen trieb er das Beil in den Stamm und gönnte sich eine Verschnaufpause. „Was machst du da?“, hörte er Aen hinter sich irritiert fragen. Erschrocken wirbelte er herum und starrte Aenaeris überrascht an. „Ähm...“, begann er, kratzte sich am Kinn und blickte zwischen Aen und dem Beil im Baum hin und her. „Ich … ähm.“, fuhr er fort und deutete unschlüssig auf das Beil. „Ich hab nur was ausprobiert.“ Er zog das Beil wieder aus dem Holz, schlenderte zu Aen hinüber und lächelte sie peinlich berührt an. „Ich… wollte sehen,“, hob er gedehnt an, „wie tief… es eindringt. Das Beil.“ Er schnaubte amüsiert und schüttelte über sich selbst den Kopf. „Ich fühl mich, als hättest du mich beim Wichsen erwischt.“ Nach einem Moment des Schweigens nickte der Dieb zu den Pferden. „Vielleicht sollten wir uns auf machen. Wer weiß wie weit die nächste Siedlung noch ist. Ein richtiges Bett wäre doch was.“, zwinkerte er ihr zu und begab sich zu den Pferden, um alles für die Weiterreise vorzubereiten.
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

Benutzeravatar
Aenaeris
Verrücktes Weibsbild
Beiträge:199
Avatar:Eva Widermann
Alter:25
Rasse:Mensch (Arcanier)
Heimat:Arcanis/Wynricéa

Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Fr, 23. Mär 2018 11:26

Aen hatte schon so einen Verdacht, dass es Caradan ein wenig an Ernsthaftigkeit fehlte. Dennoch wurde sie ein wenig ungehalten, als er sie aufzog, und damit bewies, dass er ihr keinen Glauben schenkte. “Ich höre dir gerne zu. Und außerdem, vielleicht erfahre ich noch was von den anderen Männern in deinem Leben. Ich hoffe es sind keine Vampire oder Hexenmeister darunter.” Ihr Blick wurde kühl und er beteuerte, dass er ihr glaubte, dennoch dauerte es nur wenige Momente, bis er sie deswegen erneut aufzog. Beleidigt gab sie ihm einen Stoß gegen die Brust. “Ich hätte es dir nicht erzählen sollen. So, du bist dran mit erzählen.” Und so erzählte Caradan die Geschichte von der Köhlersfrau und dem Bäcker. Abschließend meinte er “Ich hab mich oft gefragt, was wäre, wenn... Was wäre, wenn ich die Beiden gewarnt hätte. Dann wäre der Bäcker nicht tot und die Frau hätte noch ihr altes Leben gehabt. Aber andererseits, jede Entscheidung birgt eine Konsequenz und wenn man nicht bereit ist diese zu tragen, sollte man von dieser Entscheidung absehen.” “Das sehe ich auch so” meinte Aen und überließ Caradan die Pfeife. “Nimm mich zum Beispiel” fügte er hinzu und Aen blickte ihn neugierig an. “Ich hab mit dir gevögelt und die Konsequenzen getragen. Und wenn das der Preis dafür ist… hab ich halt Pech.” Er ließ sich ins Gras sinken. “Nun, das war wirklich Pech. Ist ja nicht so, dass irgendwer einen Anspruch auf mich hätte. Iardes am allerwenigsten. Theró am allermeisten. Aber am allermeisten Pech wäre, wenn er plötzlich auftauchte und seine Ansprüche geltend machte.” kicherte sie. “Theró und ich hatten auch sehr schwere Zeiten. In den wilden Landen lebten wir in einem halb verfallenen Kastell. Eines Tages ritt ich mit Abari aus, keine Ahnung mehr, warum. Ein Unwetter zog auf und ich suchte Unterschlupf. Ich dachte mir nichts dabei, als ich ein Feuer machte, um mich daran aufzuwärmen. Aber dieses Feuer zog zwei Kerle an, die zufälligerweise aus Therós Heimatclan waren. Er hatte seinem Clan den Rücken gekehrt weil er ihn nicht in Gefahr bringen wollte, als er von dem Fluch befallen wurde. Die Kerle haben mich mitgenommen, wohl um mich als Sklavin zu halten. Thero hat mich gefunden. Auch wenn du jetzt vielleicht wieder lachst, was mir scheißegal ist, weil ich weiß dass alles so geschehen und wahr ist wie ich es erzähle… Menschen mit dem Werwesenfluch haben ausgezeichnete Instinkte und Gaben. Thero konnte die Spur bis zu seinem Clan zurückverfolgen. Jedenfalls hat er mich gefunden, und da diese Kerle mich auch gevögelt haben… nun… er konnte das alles schwer ertragen. Ich glaube, er hätte zu diesem Zeitpunkt lieber gesehen dass ich tot bin, als mit einer solchen Schande zu leben. Wilde Menschen halt… Und so hatte er seinem besten Freund Caldric aufgetragen, sich um mich zu kümmern, ich weiß nicht warum. Als ich Thero am meisten gebraucht hätte, hat er mich auf Armlänge Abstand gehalten. Und es kam wie es kommen musste. Caldric und ich kamen uns näher. Das Unglück nahm seinen Lauf in der Nacht der Wintersonnenwende, als es ein großes Fest gab und ich total betrunken war. Caldric hatte Wachdienst, Thero war ebenso besoffen. Wir wollten miteinander schlafen aber… nun… er war so besoffen dass er keinen hochgekriegt hat. Ich bin direkt zu Caldric gegangen, und dann ist es eben passiert. ich hatte ein furchtbar schlechtes Gewissen und habe es Thero gebeichtet. Thero ist ausgeflippt, hat die Kontrolle über sich und seinen Körper verloren und hat als Bestie den Clan aufgerieben. Caldric hat er das Herz aus der Brust gerissen und es gefressen. Danach wurde es mit Thero und mir nie wieder so wie früher. Er konnte mir nicht vergeben und ich konnte ihm nicht vergeben. Es war wohl Schicksal, dass wir getrennt wurden. Und es war gut so. Ende der Geschichte.” Aen klopfte den Pfeifenkopf aus und wandte sich zu Caradan um. Sie zwinkerte ihm zu und grinste. “Was ich dir damit sagen wollte: Wer mit mir vögelt, dem kann es passieren, dass er sein Herz verliert…”

Am nächsten Tag erwachte Aen durch Caradan, der wie wild geworden mit einem Beil auf ein Bäumchen einschlug. Eine Weile beobachtete sie ihn, dann erhob sie sich und trat auf ihn zu. “Was machst du da?” fragte sie ihn mit kugelrunden Augen. “Ich … ähm...Ich hab nur was ausprobiert. Ich… wollte sehen, wie tief… es eindringt. Das Beil.” Aen hob fragend eine Augenbraue. Es war noch zu früh, sie war eben erst aufgestanden, sie hatte keine Lust auf komische Gespräche, so nickte sie nur verstehend, ohne zu verstehen. Sie gingen schweigend zu den Pferde zurück. “Vielleicht sollten wir uns aufmachen. Wer weiß wie weit die nächste Siedlung noch ist. Ein richtiges Bett wäre doch was.” “Ein Bett wäre großartig…” meinte Aen und streckte die Arme von sich als sie herzhaft gähnte. “Ich bin noch so müde… dabei ist es fast Mittag” jammerte sie als sie den Sonnenstand betrachtete. Sie packten schließlich alles zusammen, verwischten ihre Spuren, so gut es eben ging “Wir sollten durch die Wälder reiten, und nicht auf den Straßen” meinte die Arcanierin schließlich. “Kaum, dass wir nach Cathrad kämen, landen wir, wenn wir uns auf der Straße bewegen, in einem Einzugsgebiet der Armaganen… Und denen willst du nicht begegnen. Glaub mir, die lassen sich nicht einfach durch einen Tritt zwischen die Beine erledigen…” kicherte Aen.

Die Reise gestaltete sich als anstrengend. Von Brisangen, das Tor des Westens, in die Nordreiche zu kommen, war ein schönes weites Stück. Was besonders ärgerlich war, war die Tatsache, dass Aen erst vor drei Tagen in Brisangen angekommen war. Und nun ritt sie auf demselben Weg wieder zurück in die Nordreiche. Sie waren nun schon mehrere Tage unterwegs, doch von Dörfern und Schenken war hier keine Spur und keine Rede. Sie waren hier am absoluten Arsch der Welt und im Niemandsland. Die Gegend um Brisangen gehörte weder zur Steppe, noch zu den Nordreichen, nicht zum Waldelfenreich, noch zu den wilden Landen. Vielleicht lag es daran, dass es hier so dünn besiedelt war. Jedenfalls schliefen sie hinter Hecken, unter Bäumen, auf Wiesen, nur nicht in einem richtigen Bett. zwar war es Hochsommer, doch man merkte, dass die Sonne täglich früher unterging, und dass die Nächte nicht mehr so warm waren und der Boden nächstens deutlich abkühlte. Erst jetzt zeigte sich, dass Aen in den Jahren des steten Reisen mehr Fertigkeiten erworben hatte, als sie gedacht hatte. Feuermachen gehörte da zu den einfachsten Fertigkeiten, aber auch Kräuter, Beeren und Pilze zu erkennen gehörte da dazu, und davon gab es zu dieser Jahreszeit reichlich. Am siebenten Tag ihrer Reise fanden sie endlich ein kleines Dorf, an der Grenze zu den Nordreichen. Beim Dorfwirt herrschte reger Betrieb, gemessen an der Winzigkeit des Dorfes, und es schien, als würden sich hier alle Dorfbewohner einfinden, weil es hier in der Einöde sonst nichts zu tun und erleben gab. So wurden Aen und Caradan, die sich hier einfanden, wie bunte Hunde betrachtet. Besonders Aen, da Frauen, und ganz besonders junge oder hübsche, hier offenkundig Mangelware darstellten. Die Arcanierin fühlte sich hier nicht besonders wohl und runzelte die Stirn. Auf Caradan brauchte sie hier nicht setzen. Er war zwar ein Mann, aber seine Qualitäten lagen definitiv nicht darin, einer Frau das Gefühl zu geben, sie könne sich in seiner Anwesenheit in Sicherheit wähnen. Zwar fühlte sie sich durch das Feuerrohr sicher, aber es zu benutzen, besonders hier, war keine wirklich gute Idee. Sie bestellten, neben einem Zimmer, erst einmal Bier und eine warme Mahlzeit, und Aen machte es sich bequem auf dem Stuhl und rutschte etwas tiefer. Die Beine legte sie auf Caradans Schoß, während sie sich eine Pfeife stopfte. “Jetzt habe ich dir von Thero erzählt. Was hältst du davon, wenn du mir zum Ausgleich einmal von den Frauen in deinem Lebe erzählen würdest? Darauf wäre ich wirklich neugierig…” meinte Aen und blies den Rauch in die Luft.
"Ihre Natur ist Feuer und Blut..."

Benutzeravatar
Caradan
Weltenbummler
Beiträge:104
Avatar:Caradan :D
Alter:20
Rasse:Mensch
Heimat:Arcanis
Waffen:Küchenmesser
Inventar:Kleines Messer, Dietriche, fremdes Geld

Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Mi, 18. Apr 2018 19:37

Armaganen. Von denen hatte der Dieb noch nicht wirklich was gehört. In Aramad hörte man von ihnen, als einen Haufen Bauern, die sich gegen den örtlichen Adel erhoben, Banden von Söldnern, Dieben und Wegelagerern die plündernd durch Land zogen und sich nicht um den Stand ihrer Opfer scherten. Sie mordeten auf Burgen und in Dörfern, völlig gleich, wem sie dabei schadeten. Gewalttätige Männer die sich unter dem Deckmantel einer gerechten Sache das Recht heraus nahmen, in unverfrorener und bigotter Weise Selbstjustiz zu üben, egal ob gegen Unschuldige oder Sünder. Denen wollte Caradan auf keinen Fall begegnen. Erst recht nicht nach einer Woche in den Busch scheißen und Beeren fressen. Nicht das er etwas dagegen gehabt hätte, sich abseits der Straße zu bewegen, Aenaeris‘ Argument war unanfechtbar gewesen, aber er war sich verdammt sicher, sie hätten sich mindestens einen Tag, wenn nicht mehr sparen können, hätten sie die Straße genommen. Aber besser dreckig, zerschunden, völlig fertig und später am Ziel, als tot. Andererseits, was hieß hier Ziel? Ein Dorf, nein, ein Dörfchen passierten sie. Offensichtlich waren sie hier das Einzige, was hier seit langer Zeit passierte, denn sie wurden angestarrt. Angeglotzt, völlig schamlos mit Blicken durchbohrt. Da wünschte man sich geradewegs den Busch zurück, in den man scheißen konnte. Immerhin winkte ein Bett und eine warme Mahlzeit. Lagerfeuer und Beeren schön und gut, aber ohne Topf konnte man auch nichts kochen! Mal davon abgesehen, dass der Dieb nicht kochen konnte. Und ob Aen kochen konnte, stand zur Debatte. Pilze und Beeren sammeln war schon hilfreich, aber richtig kochen? Aber den Zwei sei Dank, waren sie ja nun in einem Dörfchen, mit einer Schenke. Offenbar gab es an jedem Ort solch ein Gebäude. Wo mehr als drei Hütten standen, musste es einen Ort geben, an dem gesoffen wurde, selbst wenn immer nur das gleiche Inzuchtpack Einzug hielt. Aber heute, heute würde immerhin mal was passieren. Nämlich Aen und Caradan, die sich anschickten ein richtiges Bett in Anspruch zu nehmen. Sie banden die Pferde an und traten in die Schenke ein. Der Gestank war atemberaubend. Schenken rochen immer streng, nach saurem Wein, alten Bier, Talglichtern, ranzigem Fett und ungewaschenen Menschen. Aber dies hier, war eine völlig neue Ebene! Ihr roch es nicht nach dreckigen Leuten, es stank nach Pisse und Scheiße und ein einziger Blick auf das, oftmals allzu schäbige Schuhwerk, ließ erkennen weshalb. Offenbar gab es hier niemanden der sich berufen fühlte die Exkremente der versammelten Dorftrottel aus dem Dorf hinaus zu karren und so dümpelte man in Pisse und Scheiße herum, wenn nur über den Dorfplatz lief. Und der warme Sommer tat sein übriges! Widerwillig schob sich Caradan hinter Aen her, als jemand mit dem Finger auf sie zeigte. „Heda! So welche wie dich wollen wir hier nicht!“ Der Dieb runzelte die Stirn. Was konnte die Kerle gegen Aens Gesellschaft haben? Waren hier etwa nur hässliche Frauen, alte Schnepfen und vertrocknete Fotzen gestattet. Todesmutig wollte er sich vor Aen stellen, da fiel ihm auf, der Kerl deutete auf ihn. Auf Caradan. Der Dieb hob fragend die Brauen. „Ich?“, fragte er stutzig. „Söldner oder Armagane?“, lautete die einfache Gegenfrage. Caradan blickte an sich hinab und stellte fest, dass er noch das verdammte Schwert umgegürtet hatte. „Weder noch.“, winkte er ab. „Bloß nicht dumm genug unbewaffnet rumzulaufen.“ Der Kerl, anscheinend der Schankwirt, musterte ihn einen Moment, entschied wohl das Caradan keine Gefahr darstellte und nickte dann. „Gib‘s ab und hockt euch hin, bin gleich bei euch.“

Der Eintopf sah aus, als hätte jemand ihn schon einmal, vielleicht auch zweimal gegessen, schmeckte etwas fade, das Brot war trocken, aber das Bier in Ordnung. Immerhin etwas. Dennoch langte Caradan ordentlich zu, immerhin war dies hier das erste Essen seit sieben Tagen, das nicht aus Zweigen, Blättern und Wurzeln gemacht worden war. Nichts gegen Aens Kochkünste, aber es hatte mehr mit Kunst, denn mit Kochen zu tun gehabt. Gesättigt und einigermaßen zufrieden, lümmelte er sich neben Aen und sah ihr dabei zu, wie sie ihre Pfeife stopfte.”Was hältst du davon, wenn du mir zum Ausgleich einmal von den Frauen in deinem Lebe erzählen würdest?”, fragte sie unvermittelt. Der Dieb blickte sie schief an. “Soll ich dir von meiner ersten erzählen oder was?” “Darauf wäre ich wirklich neugierig.” Er lachte. “Mach dir keine großen Hoffnungen. Ich habe bisher weder mit Vampiren, Hexen oder Meerjungfrauen gevögelt. Nichts weiter als gewöhnliche Sterbliche.” Offenbar wurde der Witz nicht besser, je öfter Caradan darauf herum ritt. Seufzend rutschte er auf dem Stuhl herum und überlegte, was er ihr erzählen sollte. Sollte er ihr wirklich von seinem ersten Mal erzählen? Sie würde ihn auslachen! “Also zum ersten Mal habe ich vor etwas weniger als zwei Jahren bei einer Frau gelegen und…” Er musste sich unterbrechen, da Aen in einem Anfall spontaner Ausgelassenheit den Pfeifenrauch verschluckt hatte und hustet neben ihm drohte zu ersticken. Sollte sie verrecken! Der Dieb wartete geduldig und mit missgelaunter Miene darauf, dass Aen sich beruhigt hatte und trommelte ungeduldig mit den Fingern. „Fertig?“, brummte er und nahm zwischenzeitlich einen Schluck Bier. Er betrachtete seine Hand. Sie juckte fürchterlich, aber als er das letzte Mal nachgesehen hatte, hatte er keine Anzeichen für eine Entzündung erkennen können. Nichtsdestoweniger sollte er so schnell wie mögliche einen Bader, Medikus oder Apotheker aufsuchen, um jemand Fachkundigen ein Urteil sprechen zu lassen.
„Wie dem auch sei, ich war gerade erst in Aramad angekommen und hatte noch nicht so den Überblick gewonnen. Du weißt schon, wer hat auf welchen Straßen das sagen, wo konnte man sein Zeug verkaufen und wer würde einem die Eier abschneiden, wenn man in seinem Revier wilderte. Solche Sachen eben. Irgendwann bin ich ein … puh … wenn soll man das nennen … Bühnentheater gegangen, weißt du was ich meine? Viele Bänke auf einem Hof, eine Bühne, Schausteller und so fort. Dort konnte man wunderbar die Leute um ihre Münzen erleichtern, aber mir gefielen auch die Aufführungen. Sag ich ganz ehrlich.“ Er nahm einen weiteren Schluck Bier und musste unwillkürlich lächeln, als er an die Aufführungen dachte. „Eines Tages – bei Idalias Arsch, das klingt so abgedroschen – jedenfalls ich hab einen Kerl bestohlen, der … nun … eine Wache dabei hatte. Ich … würde erwischt. Fast! Also ich bin abgehauen, der Wachmann hinter her, ich hab mich versteckt und ja… Ich versteckte mich in den Gewänderräumen einer Schaustellerin. Andaira.“ Caradan ließ den Namen kurz im Raum stehen, während ihn die Erinnerung, stellenweise sehr wohlige Erinnerung überkam. „Sie stammte aus dem Südwesten, weit, weit im Südwesten. Sie war glaube ich um die zehn Jahre älter als ich. Sie hatte dunkle Haut und dunkles Haar und Brüste die… also“, er tätschelte Aens Knie und grinste sie an. „Du hast wunderschöne Brüste, aber mit ihren Titten konntest du Bullen erschlagen. Also… die waren gewaltig.“ er versuchte mit den Händen die Ausmaße darzustellen, aber er glaubte, dass es ihm nicht so recht gelang. „Nun, bei ihr kam ich herein, als sie sich gerade entkleidet hatte. Nackt stand sie da und komischerweise, ich hatte bis dahin schon einige nackte Frauen gesehen, aber bei ihr stand ich stramm. Ich bat sie mir zu helfen und sie zögerte keinen Moment, schob mich in eine Ecke, hängte Kleider über mich und als der Wachmann herein platzte, bei den Geschwistern… Andaira hat ihn runter gemacht, bis der Kerl beinahe vor Scham gestorben wäre. Als ich dann wieder hervor kam und gehen wollte, hielt sie mich am Arm und verlangte einen Dank. Einen ziemlich expliziten Dank. Sie öffnete mir die Hose und, um der Wahrheit die Ehre zu geben, kurze Zeit später war ich ein Mann, wie man so schön sagt.“ Caradan lehnte sich zurück und ein leises Lächeln umspielte seine Lippen. „Sie hat dann noch zwei Male überprüft, ob ich tatsächlich ein Mann war. Und in der Folgezeit immer und immer wieder, bis ich gehen musste.“ Über seine Krug hinweg schielte er zu Aen hinüber. „Da hast dus.“, meinte er zwischen zwei Schlücken. „Unspektakulär, gewöhnlich, nicht konkurrenzfähig mit deinen Geschichten.“

Je weiter der Abend fortschritt desto ausgelassener wurde die Stimmung und obgleich die beiden Arcanier von Anfang an misstrauisch beäugt worden waren oder in Aens Falle offen angegafft, wurden sie immer wieder mal ins Geschehen mit einbezogen. Ein paar Leute wollten wissen was in der Außenwelt so vorging, wollten wissen woher sie kamen und solche Bagatellen. Nichts was ein paar Lügen nicht abspeisen konnten. Einige Männer bestanden hartnäckig darauf Aen immer wieder Bier oder auch mal einen billigen Wein auszugeben, während Caradan an seinem eigens bezahlten Bier versuchte Geschmack zu finden. Aen rieb es ihm stetig unter die Nase. Sollte sie ruhig, immerhin würde er morgen keinen schweren Kopf haben und dann würde er über sie lachen. Doch je mehr Bier und Wein floss, desto aufdringlicher wurden die Herren. Ungefragt setzte sich ein Duo zu ihnen an den Tisch, rückten nahe an Aen heran und fingen an mit ihr über die idiotischsten Dinge zu reden. „Wir haben Sommer.“, knurrte Caradan entnervt und massierte sich den Nasenrücken, als ein besonderes Genie feststellte, dass es heute ganz schön heiß gewesen war. „Natürlich ist es heiß!“ Der Kerl schaute auf und runzelte die Stirn. „Trotzdem trägst du nen Rock.“ „Ja und ein Strumpfband, willste sehen?“, fauchte der Dieb und der Kerl schüttelte verwirrt den Kopf. „Ich bevorzuge anderes ...“, meinte er und grinste Aen dümmlich an. Eben machte er Anstalten ihr die Hand auf den Schenkel zu legen, als die Tür zur Schenke aufgestoßen wurde und er mit der Hand zurück zuckte, als hätte er sich verbrannt. Herein kamen drei Männer, die allesamt grimmig drein blickten. Der erste von ihnen trug einen Hammer am Gürtel, der auf der einen Seite flach war und auf anderen einen gebogenen Dorn hatte und der Mann trug doch tatsächlich ein Kettenhemd unter seinem Waffenrock. Die anderen Beiden waren nicht so gut gerüstet, aber sahen nicht minder bedrohlich aus. Alle drei hatten ein weißes Tuch um den Arm gebunden und der Dieb fragte sich, ob der Wirt die drei auch zur Tür hinaus bitten würde, so wie ihn vorhin. Neugierig warf er dem Wirt einen Blick zu, doch der stand bloß da und starrte die Neuankömmlinge an. So wie die ganze Schenke. Unaufgefordert machte man den Männern Platz und sie ließen sich an einem Tisch nieder. „Bier!“, forderte der im Kettenhemd und der Wirt beeilte sich ihnen einen Krug zu bringen. Der Dieb blickte zu dem Kerl neben Aen. „Wer sind die denn?“, fragte er leise. „Armaganen, Mann! Bist du völlig bescheuert!“, zischte er seine Antwort. „Oh.“
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

Benutzeravatar
Aenaeris
Verrücktes Weibsbild
Beiträge:199
Avatar:Eva Widermann
Alter:25
Rasse:Mensch (Arcanier)
Heimat:Arcanis/Wynricéa

Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Do, 19. Apr 2018 9:22

Caradan erntete einen finsteren Blick, als dieser erneut seinen Witz zum Besten gab den Aen nicht im Geringsten lustig fand. Sie bereute es bereits, ihm von Thero erzählt zu haben und wünschte sich sehnlichst er würde in diesem Moment zur Tür hereinkommen und Caradan zeigen was er in Mondnächten war. Bei ihrem Glück allerdings wäre dann aber noch eine mondlose Nacht und Caradan würde sie beide Lügen strafen. Doch die Götter waren manches Mal gnädig und als Caradan begann “Also zum ersten Mal habe ich vor etwas weniger als zwei Jahren bei einer Frau gelegen und…” begann Aen zu prusten, und schließlich zu husten, weil sie sich an dem Rauch, den sie in diesem Augenblick gerade inhalierte, verschluckt hatte. Sie japste und ächzte und rang nach Luft, und die Tränen stiegen ihr in die Augen. “Heilige Scheisse…” stieß sie heiser hervor, bevor sie in schallendes Gelächter ausbrach, als sie Caradan wieder ansah. Dieser seinerseits mass sie mit einem gehörig mißgelaunten Gesichtsausdruck und trommelte ungeduldig mit den Fingern auf der Tischplatte bevor er “Fertig?” brummte. Aen wischte sich die Lachtränen vom Gesicht und schnappte nach Luft. Als sie sich wieder gefangen hatte, ergriff sie ihren Bierkrug, trank einen Schluck davon und atmete schließlich durch. “Ja… jetzt bin ich fertig. Tut mir leid! Ich meine, ich habe meine Unschuld auch erst vor zwei Jahren verloren. Aber, immerhin war ich eine Novizin, das ist ja nun wirklich etwas ganz anderes. Aber du… Na, egal… erzähl!” Und er erzählte. Die Arcanierin hörte sich seine Geschichte an, nur hin und wieder warf sie etwas ein. Zum Beispiel als Caradan über Brüste sprach. “Du hast wunderschöne Brüste, aber mit ihren Titten konntest du Bullen erschlagen. Also… die waren gewaltig.” Aen verzog das Gesicht. “Eine furchtbare Vorstellung. Sowas gefällt dir also? Hab ich nie verstanden, warum Männern solche Kuheuter gefallen…” “Nein, gefallen mir nicht” Aen zog eine Augenbraue hoch. “Ach… so klang das aber nicht. Es klang mehr nach ‘Du hast zwar wunderschöne Brüste, aber DIE… die waren noch viel besser. Die waren so groß, damit kann man Bullen erschlagen!” “Gegenfrage” begann Caradan “Was findest du an großen Schwänzen so toll?” Sie legte eine Hand auf eine ihrer Brüste und wog sie. “Genau richtig, finde ich. Wie bitte? Wann hab ich, im Gegensatz zu dir je gesagt, dass ich große Schwänze toll finde? Nur weil ich sagte, dass Iardes einen großen…nein Riesenschwanz hatte?” Aen beugte sich zu Caradan nach vorne “Warum denkst du, habe ich ihm nur einen geblasen, aber nicht mit ihm gevögelt? Da hast du deine Antwort!” Sie schüttelte den Kopf und ließ ihn weitererzählen, um ihm am Schluß schließlich beizupflichten. “Das klingt in der Tat abgedroschen” grinste sie. “Und meine Geschichten dienen nicht dazu, um irgendjemanden zu übertreffen, sie sind einfach nur wahr. Die unglaublichsten Geschichten schreibt immer das Leben.” Ihre Pfeife war verglommen, und so klopfte sie diese am Tischbein aus und zertrat die Glut mit ihrer Stiefelspitze.

Nach und nach gesellten sich an ihren Tisch Männer dazu, die einerseits neugierig waren, ob sie Geschichten oder Erzählungen aus anderen Teilen der Nordreiche aufschnappen konnten, aber andererseits ganz eindeutige Absichten hatten, was Aen betraf. Sie nahm das Bier oder den verwässerten Wein gerne, hielt sich die ungewaschenen Kerle aber vom Hals. Nicht, ohne Caradan öfters darauf hinzuweisen, dass sie heute sehr viele Münzen sparte. Am Höhepunkt dieser illustren Gesellschaft, schwang die Türe der Schenke auf und drei finstere Spießgesellen betraten die Schenke. Sofort war es mucksmäuschenstill in der Schenke, der Wirt begann zu katzbuckeln, ein besetzter Tisch geräumt obwohl es noch ein, zwei andere freie Tische gab, sodass Aen neugierig wurde. Es mussten sich hier um wichtige Männer handeln. Aber so sahen sie eigentlich nicht aus. Eher noch waren es gefährliche Kerle, vor denen alle kuschten. Ein Blick über die weißen Armbinden verriet Aen, wen sie hier vor sich haben konnte. Ihre Mutmaßung wurde dann auch bestätigt, als Caradan einen der Kerle an ihrem Tisch fragte, wer das sei. “Armaganen, Mann! Bist du völlig bescheuert?!” zischte dieser. “Nun” rief Aen fröhlich, um die unbehagliche Stimmung zu vertreiben “Wir wollten doch würfeln, nicht wahr?” Sie ergriff die abgegriffenen Würfel, die einer der Kerle auf den Tisch gelegt hatte, und als hätte sie damit ein Stichwort genannt, erhob sich einer der Armaganen und trat langsam an ihren Tisch heran.

Alle am Tisch taten nichts anderes, als den Kerl anzustarren, der langsam näher kam. Als er schließlich an ihrem Tisch stand, ergriff er die Hand der Arcanierin, löste die Würfel aus ihrer Faust und nahm sie an sich. Dann musterte er sie, zwinkerte ihr zu, was ein zu einem strahlenden Lächeln verleitete. “Sowas hübsches wie dich hab ich hier schon lange nicht mehr gesehen, Püppchen. Du bist nich’ von hier, wa?” meinte er und Aen schüttelte den Kopf “Nur auf der Durchreise…” meinte sie. “Verstehe. Also…” begann er und musterte die Männer die am Tisch saßen abschätzig, fast so, als seien sie Gewürm, das es galt, zu zertreten. “Willst du dich nicht zu uns setzen, und dich mit richtigen Männern abgeben?” Es klang eigentlich nicht wie eine Bitte. Aen warf Caradan einen entschuldigenden Blick zu, dann erhob sie sich. “Klar, warum nicht?” Am Tisch angekommen stellte er fest, dass es nur drei Stühle gab. Er setzte sich und zog Aen auf seinen Schoß. “Dann sitzte eben bei mir” meinte er zufrieden und hob dem Wirt vier Finger entgegen. Dieser nickte und kurze Zeit später standen vier Schnapsbecher am Tisch. Aen seufzte innerlich. Eigentlich hatte sie schon genug, mehr als genug getrunken und so lehnte sie ab, als er ihr einen Becher zuschob. Davon wollte er allerdings nichts wissen. “Du bist eingeladen, also trinkst du. Ganz klare Sache, Püppchen.” Aen ärgerte sich innerlich. Diese Kerle wussten, dass sich alle vor ihnen fürchteten. Weil sie schwer bewaffnet waren, weil sie Armaganen waren, weil sie vermutlich brutal grob und gemein waren, und all dieses Wissen sie beflügelte, sich wie Arschlöcher zu benehmen, ohne dass sich ihnen einer in den Weg stellte. Und weil er annahm, sie sei ein wehrloses Weibchen, dem er seinen Willen aufzwingen konnte. Was leider irgendwie auch stimmte. Natürlich könnte sie dem Kerl mit ihrem Feuerrohr den Kopf wegschießen. Aber das führte in so einer Schenke mit so vielen Zeugen zu Problemen, die sie momentan nicht gebrauchen konnten. So blieb ihr nichts anderes übrig, als zu tun, was der Kerl wollte und so griff sie beherzt nach dem Becherchen. “Nun dann, Allvoll…” meinte Aen, doch er unterbrach sie. “Wie heißtn du überhaupt?” Grete, Lisbeth, Elisa… nichts davon gefiel ihr. “Magda…” sagte sie schließlich schnell, auch, wenn ihr der Name auch nicht gefiel. “Und ich bin Ulf. Das da ist Knut, und der da mit der Kartoffelnase ist Arco. Nun denn, süße Magda, zum Wohl…” hob er den Becher und die anderen taten es ihm gleich, so auch Aen. Der Schnaps brannte sich seinen Weg durch die Speiseröhre in die Eingeweide. Wenn man schon soviel getrunken hatte, wie Aen, schmeckte Schnaps in keiner Weise mehr und sie versuchte sich nicht anmerken zu lassen dass sie den Würgereiz unterdrückte. Sie hoffte sehr, dass es bei diesem einen Schnaps blieb, doch da täuschte sie sich gewaltig. Kaum waren vier Finger in der Höhe, standen schon die nächsten Becher am Tisch. “Also, Püppchen. Gehört einer von denen zu dir?” deutete Ulf mit einem Kopfnicken an den Tisch daneben. “Ja, er” deutete Aen mit dem Finger auf Caradan. “Dein Kerl?” Aen zuckte die Schultern “Keine Ahnung. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Eher nicht, wir teilen nur manchmal das Lager miteinander, und wir reisen zusammen.” Er nickte und griff zum nächsten Becher der schon gefüllt wartete.

Es gab kein Entrinnen. Aen musste trinken. Versuche, sich dezent von seinem Schoß zu verkrümeln, scheiterten an seinem Arm welchen er ihr um die Taille gelegt hatte, mit dem er sie jedes Mal zu sich heran zog, wenn sie ein Stück weit vor rutschte. Nach dem vierten Schnaps hatte Aen das Gefühl, nicht mehr gerade ausblicken zu können. Jetzt war es weit mehr als genug. “Wolltest du nicht Würfel spielen?” fragte Aen ihn mit dem letzten Rest an klaren Verstands, den sie noch aufbringen konnte. “Hmm… neee… es ist gerade so nett. Ich will lieber trinken, Püppchen” meinte er und hob erneut die vier Finger in die Höhe, was direkte Panik in der Arcanierin auslöste. Panik und Wut. Sie löste sich mit einem Sprung aus seiner Umklammerung und rief laut “Ich habe jetzt keine Lust mehr auf Schnaps!” Die Schenkenstimmung verstummte, und alle Anwesenden erstarrten regelrecht. Da erhob sich der Armagane und baute sich vor ihr auf. “Wie war das?” Ich sagte, ich habe keine Lust mehr auf Trinken” gab sie laut und bestimmt zurück. Seine Miene wurde finster. Verdammt. Warum musste sie sich immer in Schwierigkeiten manövrieren? “Ich möchte lieber ficken!” fügte die Arcanierin hinzu und griff ihm in den Schritt. “Komm, lass uns nach oben gehen, ich hab da ein Zimmer…” schlug sie vor und mit einem breiten Grinse packte er sie und nahm sie auf den Arm. “Und dein Kerl?” Aen winkte ab “Ach, den vergiss. Ich sagte doch, vielleicht, vielleicht auch nicht.” Ulf machte auf dem Absatz und trug sie nach oben, wofür sie ihm sehr dankbar war, denn die Treppe hätte sie wohl nicht mehr nach oben geschafft. Aen streckte den Arm aus “Da ist unser Zimmer. Da hinein!” dirigierte sie ihn hin. Er stellte sie ihm Zimmer auf dem Boden ab, zog ihr das Kleid aus und warf sie auf das Bett. Während er sie anerkennend musterte, zog er sich seine Hose aus und gesellte sich zu ihr. Er roch ungewaschen und nach Schnaps, aber der Arcanierin war nun schon alles egal. Hauptsache, er verzog sich baldigst. Sie war müde, ihr war übel und sie wollte nur noch schlafen. “ ‘N toller Abend!” meinte er grinsend, als er fertig war und sich die Hose wieder hochzog. Die Arcanierin blieb liegen und winkte ihm mehr im Halbschlaf hinterher, als er das Zimmer verließ. Unten in der Schenke trat er an Caradans Tisch. “Wasn Weib! Die würd ich glatt mitnehmen! So eine ist viel zu gut für dich. Die braucht nen richtigen Kerl, und nicht so einen Versager wie dich. Die Götter wissen, was die an dir findet.” Dann wandte er sich an seine Kumpanen “Knut, Arco, kommt, wir verpissen uns.”
"Ihre Natur ist Feuer und Blut..."

Benutzeravatar
Caradan
Weltenbummler
Beiträge:104
Avatar:Caradan :D
Alter:20
Rasse:Mensch
Heimat:Arcanis
Waffen:Küchenmesser
Inventar:Kleines Messer, Dietriche, fremdes Geld

Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Mo, 30. Apr 2018 0:51

Es war eine verfahrene Situation. Auf der einen Seite traute sich keiner etwas zu unternehmen um die ausgelassene Stimmung wieder herzustellen, weil diese Armaganenarschlöcher noch hier herum lungerten, andererseits störte es ihn gar nicht so sehr, wie bedrückt die Stimmung in der Schenke doch nun tatsächlich war. Ja, es war ihm sogar ganz recht so, dann musste er wenigstens keine gute Miene zum bösen Spiel machen, sondern konnte frei und unbeschwert zornig drein blicken, während sich Aenearis oben durchnehmen ließ. Warum hatte sie auch nicht einfach ihr Maul halten können. Beschissene Würfel! Als ob sie es hatte provozieren wollen. Nun war es eben so und da konnte er am allerwenigsten etwas dran ändern. Er war nun einmal kein athletischer Schwertschwinger. Er war ein Dieb, ein findiger, flinker und fickender Dieb. Mehr nicht und das würde auch niemand in der Welt ändern können. „Ist was?“, rief einer der Armaganen, Knut oder so, zornig zu Caradan hinüber. Offenbar hatte der Dieb ihn fixiert mit seinem zornigen Blick und der Mann fühlte sich dadurch provoziert. Das war natürlich das Letzte, was Caradan hatte beabsichtigt. Eigentlich wollte er mit diesen Kerlen so wenig wie möglich zu tun haben, wollte dass sie so schnell als möglich diese scheiß Schenke verließen, wollte ihnen allen die Hälse umdrehen. Doch wer war er schon? „Braucht ihr die Würfel noch?“, fragte der Dieb und der Armagane nahm den Becher und warf ihn nach Caradan, der ihn wiederum halbwegs geschickt auffing, wobei einige Würfel zu Boden fielen und sich mit einem stummen Nicken bedankte. Er war sich ziemlich sicher, dass Knut ihn hatte am Kopf treffen wollen. „Willste würfeln?“, fragte ihn der Kerl, der noch immer bei ihm am Tisch saß. „Nein?“, presste Caradan zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Ich will nicht würfeln.“ Der Kerl runzelte die Stirn und nickte zu dem Becher. „Warum wolltste dann die Würfel?“ „Halts Maul.“ Der Kerl ging ihm auf die Nerven. Caradan wollte keine Gesellschaft, er wollte seinen missmutigen Gedanken nachhängen und sich ein wenig in seiner Wut und ja, vielleicht auch etwas Selbstmitleid, suhlen, wollte sich darüber den Kopf zermartern, wieso Aenaeris ausgerechnet mir diesem Kerl nach oben gegangen war. “Wasn Weib! Die würd ich glatt mitnehmen! So eine ist viel zu gut für dich. Die braucht nen richtigen Kerl, und nicht so einen Versager wie dich. Die Götter wissen, was die an dir findet.”, hörte der Dieb eine Stimme über sich sagen. Er hatte gar nicht bemerkt wie der Armagane wieder hinunter gekommen war. „Nur die Götter allein.“, erwiderte er mit einem matten Lächeln und der Kerl schüttelte den Kopf und wandte sich mit seinen Freunden zum Gehen um. Sollten sie verrecken, allesamt.
„Hat die mit dem jetzt wirklich gevögelt?“, fragte der Mann an Caradans Tisch erstaunt. „Nein sie hat ihm eine Geschichte erzählt. Natürlich hat er sie gefickt!“, zischte Caradan zornig. „Aber ich dachte ihr beiden wärd...“ Ein Blick von Caradan genügte ausnahmsweise um den Kerl zum Schweigen zu bringen. „Ich denke es wäre der rechte Zeitpunkt.“, begann der Dieb, „sich zu verpissen. Also, verpiss dich!“ Etwas in sich hinein grummelnd verließ der Mann den Tisch und gesellte sich zu ein paar anderen, nicht ohne vorher den Würfelbecher an sich zu nehmen und die heruntergefallenen Würfel aufzuklauben. Sie sollten ihm alle mal die Ruhe lassen. Allen voran Aenaeris, aber die befand sich vermutlich schon im Reich des Schlafes, erschöpft vom Saufen und Ficken. Und er, Caradan, saß hier unten und hatte beim besten Willen nicht die Absicht, eine der anwesenden Grazien aufs Kreuz zu legen. „Mach dir nichts draus.“ Der Wirt kam stellte ihm einen Krug Bier hin und blieb einen Moment schweigend stehen. Machte Caradan so einen jämmerlichen Eindruck, dass man ihm ein Bier spendierte? So tief war er schon gesunken? „Die nehmen sich was sie wollen, Kleiner. War klug von deiner kleinen freiwillig mitzumachen. Die hätten sie sonst gezwungen, wenn du verstehst.“ Caradan nickte. Da war etwas wahres dran, aber wenn er ehrlich zu sich selbst war, störte ihn das Vögeln gar nicht so sehr. Er war ja weder ihr Mann oder sonst etwas. Nur weil sie ab und an das Lager teilten und er sie begleitete, hatte er keinerlei Anrecht auf sie oder Vorrecht auf ihren Schoß. Nein, es waren ihre Worte gewesen, wie unwichtig sie ihn da stehen ließ, wie ein kleines Hündchen, das ihr hinterher trottete und sie nicht los wurde. Das war es was an ihm nagte. Klar, vielleicht war es reine Selbstüberschätzung gewesen, anzunehmen er wäre jemand für sie und sei es nur so etwas wie ein Freund. Aber so eiskalt von ihr verleumdet zu werden, das schmerzte, schmerzte noch mehr als einfach auf dem Marktplatz stehen gelassen zu werden. „Trotzdem.“, antwortete Caradan mit einem Seufzer. „Ich hab keine Lust in dem Bett zu schlafen, durch das sie sich eben mit so einem Kerl gewälzt hat.“ Der Wirt kratzte sich am Kinn. „Dann bleibste eben hier unten. Du räumst mir doch die Schenke nicht aus oder?“ Der Dieb lächelte. „Seh ich aus wie ein Verbrecher?“ „Na du siehst aus wie einer der ein Bier braucht.“ Caradan langte nach dem Krug. „Eben.“

Am nächsten Morgen war Caradan recht früh wach, es mochte vielleicht die neunte Morgenstunde sein, als er sich von der Bank erhob, die ihm als Nachtlager gedient hatte. Sein Nacken und seine Schultern schmerzten ein wenig, da er sich hatte zusammenkauern müssen und nur war er verspannt. Er ließ die Schultern ein wenig kreisen um sie aufzulockern und drehte den Kopf soweit nach links und rechts, bis es kurz knackte und er sich wieder etwas geschmeidiger fühlte. Der Schankraum war leer, der Wirt war nirgendwo zu sehen. Vielleicht döste er ebenso wie Aenaeris. Aenaeris… Caradan grinste böse ins Halbdunkel der Schenke. Er sprang auf die Füße und eilte hinaus. Kurz darauf stampfte er die Stufen zu ihrem, eigentlich, gemeinsamen Zimmer hinauf. Mit einem Eimer Wasser und einem nassen Lappen bewaffnet stürmte er das Zimmer. „Guten Morgen!“, rief er gut gelaunt und wohl so laut, dass ihn sogar die wenigen Leute vor der Schenke hören mussten. Mit ein paar Schritten durchschritt er den Raum und stieß die Fensterläden schwungvoll auf. Aenaeris lag auf dem Bauch und grummelte etwas vor sich hin, das Laken halb über ihren nackten Körper gelegt. Mit bösartig freudigem Elan zog er ihr das Laken weg und warf ihr den nassen Lappen auf das Zentrum ihres gestrigen Bemühens. „Aufstehen Aenaeris! Und wasch dich, ich will hier weg, je früher desto besser.“ Caradan sprach lauter als nötig, zwar schrie er nicht herum, aber es war definitiv mehr Energie in seinen Worten, als es für morgens normal war. Der Dieb schritt zurück zur Tür. „Ich habe gute Laune, die wirst nicht mal DU mir vermiesen. Und jetzt steh auf oder ich kipp dir den Eimer über.“ Wie um seine Worte zu unterstreichen, ließ er den Eimer zu Boden fallen, damit Aenaeris hören konnte, dass er keine halben Sachen machte. Beinahe wünschte er sich, sie würde liegen bleiben um ihn zu testen.

Am Nachmittag ritten sie bereits weiter gen Osten. Der Dieb war ungewöhnlich schweigsam, andererseits, war dies vielleicht gerade jetzt nicht weiter tragisch. Aenaeris war nicht begeistert darüber gewesen, in aller Frühe von ihm geweckt worden zu sein. Eher im Gegenteil. So war es reinste Überlebenstaktik, beim Reiten das Maul zu halten, bis sie sich an ihn wandte oder ein Gespräch unabdingbar wäre. Zum Beispiel, wenn er sie vor einer tieffliegenden Taube warnen musste, die die Arcanierin sonst vom Pferd holen würde. Nein! So viel Ehrenmann war Caradan dann doch noch, um sie nicht solch ein Schicksal auszusetzen. Sie passierten nicht sehr viele Menschen oder Orte auf ihrem Weg. Mittlerweile hatten sie zwar die Ausläufe eines Seitenarms des Chaburs erreicht, aber bis auf eine einsame Mühle samt Müller hatten sie keine Menschenseele gesehen. Sie folgten der Straße, die entlang des Flussufers verlief, vermieden es jedoch direkt auf ihr zu reiten. Etwas abseits, versteckt zwischen Bäumen und Unterholz kamen sie ebenso mühsam voran, wie die vergangenen Tage. Laut Aenearis‘ Schilderungen, müssten sie mittlerweile in Armaganengebiet sein, was sich aber erstaunlich wenig auf die Umgebung auswirkte. Offensichtlich war es der Natur scheiß egal ob das Banner der Freiheit über ihr wehte oder sie einem blaublütigen Hosenscheißer als Besitz geschenkt wurde. Die Natur blieb unverändert, gedieh nicht besser oder schlechter. Nur die Menschen veränderten sich. Aber da wiederum auch nicht alle. So einem Müller war es scheiß egal, wem er das Mehl verkaufte oder wem er die Abgaben zahlen musste – denn mal ehrlich, Freiheit hin oder her, eine Armee wollte ernährt werden und Caradan wagte stark zu bezweifeln, dass die Armaganen ihr Brot ehrlich kauften. Nicht nach dem Gebärden der drei Paradebeispiele von letzter Nacht. Es waren Wichser allesamt. Und was für welche…
Das erste was sie wahrnahmen, war der Geruch nach Rauch. Es roch zu stark danach, um auf ein Lagerfeuer oder einen warmen Herd hinzudeuten. Schon kurz darauf verdichtete der Geruch sich zu tatsächlichem Qualm. Irgendetwas brannte und das ganz in der Nähe. Eigentlich wäre es klug gewesen kehrt zu machen und das Weite zu suchen. Eigentlich waren Aenaeris und Caradan kluge Leute. Eigentlich konnte man sich die Klugheit in den Arsch schieben, wenn die Neugierde überhand nahm. So ritten sie in die Richtung in der sie das Feuer vermuteten und erreichten ein Gestüt. Beinahe wünschte sich Caradan, der Qualm sei so dick, sodass man nicht hindurch sehen könnte. Einer der Ställe stand in Flammen, doch man hörte keine schreienden Pferde, die bei lebendigem Leib verbrannten, denn entweder waren sie schon erstickt, von Artgenossen totgetrampelt oder bereits verbrannt. Man sah kaum noch lodernde Flammen, nurmehr glimmende Glut und verkohlte Holzbretter. Die Pferde dich nicht in den Ställen waren, lagen aufgeschlitzt und erschlagen im Hof des Gestüts, neben den Leichen von Stallknechten, die nicht minder grausig zugerichtet waren. Nun mischte sich eine neue Note in das Gemisch aus Sinneseindrücken. Es stank nach Blut und Tod und inmitten dieses Anblicks, stand eine junge Frau und starrte auf den verkohlten Stall. Sie hatte etwas in der Hand, was der Dieb nicht genau erkennen konnte. Caradan wurde der Mund lief das Wasser im Maul zusammen, für gewöhnlich ein untrügliches Zeichen, dass er sich jeden Moment würde übergeben müssen. Er versuchte den Brechreiz durch mehrmaliges Schlucken hinunter zu würgen. Caradans Pferd wieherte nervös und trat hin und her. Die junge Frau drehte sich langsam zu ihnen, als sie sie bemerkt hatte. Jetzt erkannte man, dass sie ein blutiges Bündel in den Händen hielt und Caradan wollte gar nicht wissen, was in diesen Bündel eingewickelt war. Keinen Ton brachte er hervor, dabei wollte er die Frau fragen, was hier geschehen war. Wer das war… was das war und ob es ihr gut ging, aber spätestens diese Frage wäre der blanke Hohn gewesen. So schwieg er in atemlosen Schrecken und wagte es nicht einmal sich zu Aenaeris umzudrehen, aus Angst, wenn er den Blick abwenden würde, würde etwas fürchterliches geschehen, als würden sie beide hinein gezogen werden in dieses grausige Schauspiel. Ein abergläubischer Gedanke, aber er dachte ihn und dieser absurde Gedanke füllte ihn aus. Er konnte sich nicht mal fragen, ob dies das Werk jener Männer gewesen sein mag, die sich selbst Armaganen nannten, weil er zu viel Angst hatte einen Gedanken zuzulassen, der so ein Werk auch nur im entferntesten einem Menschen zuschrieb. „Sie haben nichts genommen.“ Es klang wie das Wispern einer Toten, wie eine Stimme die aus einem kalten, feuchten Grab empor stieg. „Sie haben nichts genommen.“, wiederholte die junge Frau und starrte direkt durch Aenaeris hindurch. „Sie haben nur ...“ Sie sprach nicht weiter und das musste sie auch nicht. Die beiden Arcanier sahen mit eigenen Augen, was sie nur getan hatten. Sie hatten nur gewütet, getötet, zerstört – nicht geplündert. Es war bloße Mordlust gewesen der sie angetrieben hatte, wer auch immer sie waren.
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

Benutzeravatar
Aenaeris
Verrücktes Weibsbild
Beiträge:199
Avatar:Eva Widermann
Alter:25
Rasse:Mensch (Arcanier)
Heimat:Arcanis/Wynricéa

Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Do, 03. Mai 2018 13:01

Aenaeris war schlagartig wach, als sie Caradans lautes Gebrüll weckte. Vielleicht war es für Caradan kein Gebrüll, aber für Aen und ihren dröhnenden verkaterten Kopf würde sich selbst das Fallen einer Stecknadel in diesem Moment wie ein Donnergrollen anhören. „Aufstehen Aenaeris! Und wasch dich, ich will hier weg, je früher desto besser!“ Gute Götter, wie spät, nein, wie früh mochte es sein? Die Arcanierin schaffte es nicht, ihren Kopf aus den zerwühlten Laken zu heben, geschweige denn irgendein Körperteil zu bewegen. Es fühlte sich an, als sei sie gerade erst eingeschlafen, und es fühlte sich verdammt schlecht an. Er zog ihr das Laken vom Körper, und im nächsten Moment fühlte sie, wie ein nasser kalter Lappen auf ihren Arsch klatschte. Zum Glück für Caradan konnte sie sich nicht wirklich rühren. „Bist du von allen guten Geistern verlassen?“ nuschelte sie unwillig, und wusste im selben Moment, es würde ein Scheißtag werden. Wenn sie so früh und brutal geweckt wurde, konnte der Tag einfach nicht besser werden! Und außerdem… Hatte er ihr gerade befohlen, sie solle sich waschen? Wann, bei den Geschwistern, hatte sie sich jemals nicht gewaschen, dass er das extra betonen musste? Sie hangelte mühsam mit ihrer Hand nach dem nassen Lappen, riss ihn von ihrem Hinterteil und beschloss, ihn einfach zu ignorieren und sich einfach wieder auf Schlafen einzustellen, das funktionierte eigentlich immer. Doch da hatte sie die Rechnung leider ohne Caradan gemacht. „Ich habe gute Laune, die wirst nicht mal DU mir vermiesen. Und jetzt steh auf oder ich kipp dir den Eimer über.“ Ein ohrenbetäubendes Donnergrollen verriet, dass er einen Holzeimer auf die Bodendielen hatte schwungvoll abgestellt hatte, zusammen mit dem furchteinflößenden Geräusch von Wasser, welches über den Eimerrand auf den Boden schwappte, und obgleich es grausam war, half es der Arcanierin, zusammen mit der Furcht, er könnte seine Drohung wahrmachen, sich aufzusetzen und an den Bettrand zu setzen. Mit einer genervten Handbewegung strich sie sich das zerwühlte Haar aus dem Gesicht und löste erst einmal das Haarband aus ihren Haaren. Ihr Haar fiel ihr über den Rücken und die Schultern und wenn sie so aussah, wie sie sich fühlte, dann wäre es wohl besser, den Tag mit einem Kartoffelsack über den Kopf zu verbringen, bis der Katzenjammer vorbei war. Aen stieß hemmungslos einen tiefen Seufzer aus und blickte Caradan anschließend finster an. „Was soll das denn jetzt? Was bitte habe ich dir getan, dass du jetzt so Scheiße bist?“ Caradan stand immer noch an der Türe. „Nichts, absolut rein gar nichts hast du mir getan“ war seine ruhige Antwort. Aen verstand die Welt nicht mehr. „Und was soll das dann?“ fragte sie, und warf die Hände die Luft. „Weil das Spaß macht“ war seine Antwort. Und das war zu viel für die Arcanierin. Mit einem wütenden Schrei sprang sie auf, war mit zwei Sätzen bei Caradan und verpasste ihm eine schallende Ohrfeige. „Spaß? Mich frühmorgens aus dem Schlaf zu reißen macht Dir Spaß? Hast du jetzt immer noch gute Laune, ha?“ kreischte sie. „Fick dich doch!“ keifte sie, riss die Türe auf, stieß ihn aus dem Zimmer und schlug die Türe hinter ihm zu.

„Fick dich doch, du Arschloch…“ murmelte sie, und trottete nach diesem Gewaltakt an erforderlichen Kräften wieder zu dem Bett und ließ sich wieder in die Laken fallen. Eine Weile blieb sie regungslos liegen und versuchte, wieder einzuschlafen. Doch nun war es vorbei mit Schlafen. Im Zimmer war es taghell und das Adrenalin pumpte durch ihren Körper und ließ sie nicht mehr zur Ruhe kommen. Fluchend erhob sie sich schließlich wieder, und beschloss, sich jetzt erst Recht nicht zu waschen. Wer war er, dass er ihr befahl, wann sie aufstand und wann sie sich wusch? Sie würde sich noch drei Tage nicht waschen, wenn es nur half, sich gegen diesen Idioten aufzulehnen! Und sie würde sich auch nicht die Haare hochbinden, ja, sie nicht einmal kämmen! Sie sammelte ihr Kleid auf, zog es an, suchte ihre Stiefel und ihre Habseligkeiten zusammen, ließ sich erneut auf das Bett fallen und zog ihre Stiefel an. „Wenn er das noch einmal macht, erschieße ich ihn wie einen räudigen Köter…“ brummte sie, erhob sich und schlurfte schließlich aus dem Zimmer. Langsam, Stufe für Stufe trat sie ihren Weg nach unten in die Schankstube. Dort saß Caradan, und löffelte in aller Seelenruhe einen Gerstenbrei zum Frühstück. Nur der Gedanke an Essen ließ Übelkeit in der Arcanierin aufkommen und so beließ sie es dabei sich nichts zu bestellen, sondern zog sich einen Stuhl heran, ließ sich darauf nieder und beobachtete ihn mit finsterer Miene, wie er weiterhin seelenruhig dasaß, so, als wäre nicht das Geringste vorgefallen. Das machte Aen erst Recht wütend. „Ich habe mich übrigens nicht gewaschen. Ist schließlich meine Sache, und nicht die Deine“ meinte sie schließlich. Schweigen erfolgte und Aen wurde noch wütender als noch eben zuvor. „Anstatt dir hier den Wanst vollzuschlagen, hättest du längst die Pferde zügeln und Reisefertig machen können, wenn du es ach so eilig hast, hier wegzukommen“ sagte sie schließlich nach einer Weile. Doch auch hier keine Reaktion, und das machte Aen noch viel mehr wütender. „Ist ja gut, ich mach es selbst!“ schimpfte sie, sprang auf und lief aus der Schenke in die Stallungen. Während sie die Pferde zügelte, und Caradans Pferd den Sattel auflegte, dachte sie angestrengt darüber nach, was eigentlich gestern vorgefallen sein konnte, dass Caradan sich so benahm, wie er es jetzt tat. Doch das meiste fiel ihr nicht mehr ein. Sie konnte sich nur noch daran erinnern, dass der Armagane, keine Ahnung, wie der nochmal hieß, mit ihr nach oben gegangen war und dass er sie gebumst hatte. Grob war er gewesen. Grobschlächtig und egoistisch. Es hatte auch glücklicherweise nicht so lange gedauert, er hatte nicht auf kuscheln bestanden, sondern war danach gleich wieder abgezogen. Und mehr war da nicht gewesen. Was also hatte ihm so die Laune verhagelt? Und dass er den gutgelaunten Caradan nur mimte, das lag für sie klar auf der Hand. Außer natürlich es war noch etwas vorgefallen, was ihm wirklich glänzende Laune beschert hatte. Aber was? Sie hatte keine Ahnung. Und im Moment war ihr sowieso alles scheißegal.

Sie ritten bereits einige Stunden und es war ein heißer, wolkenloser Spätsommertag. Aen hatte ihren Trotz, mit ungekämmtem und offenen Haar weiterzureiten, längst aufgegeben. Die Sonne brannte vom Himmel und es blieb ihr nichts anderes übrig, als das Haar wieder hochzubinden, da die Hitze, die sich in ihrem Nacken staute, unerträglich war. Doch sonst blieb alles, wie gehabt. Aen schwieg eisern und gab sich ihrem Groll hin. Ab und an warf sie einen flüchtigen Blick auf Caradan und fragte sich, warum zum alles in der Welt sie ihn weiterhin mit ihrer Anwesenheit beehrte, anstatt ihn einfach zum Teufel zu jagen. Natürlich wusste sie warum. Sie mochte ihn. Sie mochte ihn sogar sehr. Er war ein guter Ersatz für Silvar. Wenn gleich man das nicht wirklich miteinander vergleichen konnte. Oder ob man überhaupt ihre Liebhaber und Gefährten miteinander vergleichen konnte. Silvar war definitiv klüger und nützlicher als Caradan gewesen. Beiden war gemein, dass sie sich zumindest körperlich nicht im Entferntesten mit Thero messen konnten. Thero war ein Hüne gewesen, groß und stark wie ein Bär. Er hatte, als sei es ein Scheit Holz, einem Kerl die Axt im Kopf versenkt. Und er hatte noch ganz andere Dinge getan. Bei niemandem hatte sie sich so sicher gefühlt wie an seiner Seite. Aber er war Besitzergreifend und rasend eifersüchtig gewesen. Silvar war körperlich kein Bär gewesen, doch sein kluger Kopf hatte das mit dem Feuerrohr wettmachen können. Das Feuerrohr hatte Aen auch ein gewaltiges Stück Sicherheitsgefühl gegeben. Aber Caradan… Der war weder so klug wie Silvar noch so stark wie Thero. Er war ein Dieb und Hurensohn. Mehr als gewöhnlich. Aber vielleicht war es genau das? Caradan war ein Schlitzohr und brachte sie zum Lachen. Was brauchte sie denn mehr? Ob sie einander eines Tages auch mehr sein würden, als einfach nur Reisegefährten? Und was, bei den Geschwistern war es, was Caradan an diesem Tag so gut gelaunt sein ließ? Die Unwissenheit darüber nervte die Arcanierin. Aber lieber würde sie sich die Zunge abbeißen, als ihn danach zu fragen, oder überhaupt das Wort an ich zu richten.

Nach einiger Zeit nahm Aen den beißenden Geruch von Rauch war. Aens erster Gedanke war ein Lagerfeuer, und in dem Zusammenhang Armaganen. Aber der Rauch verdichtete sich rasch, sodass ein Lagerfeuer gänzlich ausgeschlossen war. Feuer bedeutete auf jeden Fall Ärger. Doch ein Blick mit Caradan ausgetauscht, und sie wussten beide, dass sie dem Ursprung des Rauches auf die Spur gehen wollten. So erreichten sie einen Hof, oder das, was davon übrig geblieben war. Man fand dafür keine Worte, oder Beschreibungen, die dem gerecht wurden, was sie vorfanden. Nur Blut, Tod und Zerstörung, doch nicht alleine durch eine Feuersbrunst. Dies hier war durch Menschenhand geschehen und Aen wandte sich nach allen Seiten um, um alles zu erfassen, was hier geschehen war. Inmitten dieses grausigen Schauspiels des Todes entdeckten sie eine junge Frau, die verschreckt und verstört ins Nichts blickte, und erst den Kopf hob, als Aen das Pferd zu ihr gelenkt hatte und abgesprungen war. „Sie haben nichts genommen“ flüsterte die junge Frau tonlos. Ihre Hände verkrampften sich in ein blutiges Fetzenbündel. „Sie haben nichts genommen. Sie haben nur ...“ Ihre Stimme erstarb und Aen blickte fassungslos auf sie, bevor ihr Blick über die Zerstörung schweifte, die sie/i] hinterlassen hatten. Das Kleid, der Schoß der Frau war über und über mit Blut besudelt und Aen blieb unschlüssig vor ihr stehen, bevor sie Caradan ebenso unschlüssig anblickte. „Geh ins Haus, und sieh nach, ob dort noch jemand ist. Vielleicht jemand, der Hilfe braucht“ wies sie Caradan an und er tat wie ihm geheißen. Als er weg war, hockte sich die Arcanierin zu der Frau. „Wer hat das getan?“ fragte sie sie, doch sie erhielt keine Antwort. Wortlos nahm die Arcanierin der jungen Frau, die leichenblass war, den blutigen Fetzen aus der Hand und legte ihn ins Gras. „Kannst du aufstehen?“ fragte Aen und als die junge Frau wieder nicht antwortete, nahm sie kurzerhand ihre Hände und zog sie einfach auf die Beine um sie sich näher zu besehen. Die Röcke ihres Kleides schienen wie in Blut getaucht zu sein und Aen fragte sich, ob das das Blut der Frau war, oder das eines Pferdes, eines der Stallkechte, oder eines anderen. Die junge Frau wackelte, strauchelte und ließ sich dann einfach ins Gras zurückfallen. Aen zog ungerührt die Röcke des Mädchens hoch und prallte entsetzt zurück. Mehrere Stichwunden klafften in ihrem schwammigen Unterleib, und zwischen den Beinen lief das rote Blut herab. Wieviel Blut konnte ein Mensch verlieren, wieviel Blut mochte sie verloren haben? Dann wandte Aen den Kopf zu dem blutigen Fetzen und besah ihn sich näher. Ab und zu warf sie der jungen Frau fragende Blicke zu, und als ihr eine Ahnung einschoss, wickelte sie das Bündel auseinander. Es war nicht nur ein zusammengeknüllter, blutgetränkter Fetzen Stoff. Es verbarg sich mehr darin. Ein dunkler, blutiger Klumpen, der, wenn man genauer hinsah, wie ein gehäutetes Kaninchen aussah. Aen wusste, dass es kein Kaninchen war. Aen wusste, was es wirklich war. Es war, wie bei ihr, als ihr Bruder ihr das Kind aus dem Leib geprügelt hatte. Nur, dass es bei Aen nicht so groß und entwickelt war, wie hier. Doch sonst war alles gleich. Die Leichenblässe über den noch viel größeren Blutverlust, das Blut das in unaufhörlichen Strömen zwischen den Beinen herablief, und ein fleischiger Klumpen. Übelkeit über das Wissen stieg in der Arcanierin auf, Übelkeit über ihre eigene Erinnerung, Übelkeit über den Gestank von verbranntem Fleisch der über dem Hof lag, Übelkeit über den süßlichen metallischen Geruch des Blutes… Sie schluckte schwer, als sie an ihren Gürtel griff und das Feuerrohr hervorzog. Wahrscheinlich würde die junge Frau sowieso nicht überleben. Und wenn doch, würde sie ihres Lebens noch froh sein, nach dem, was sie durchgemacht hatte? Aen redete sich ein, dass es besser so war, wie es sein würde. Sie hob das Feuerrohr an und hielt es an den Kopf der jungen Frau, die am ganzen Leib zu zittern begann. Zittern, hervorgerufen durch den hohen Blutverlust. Ein Klacken, hervorgerufen von Aens Finger, der den Abzug spannte. Ein ohrenbetäubender Knall, dann fiel die junge Frau ins Gras. Aen blieb schweigend stehen und starrte nur auf die Tote, bis sie sich der Hände gewahr wurde, die sie an den Schultern packten. „Was hast du getan?“ fragte Caradan sie, doch Aen antwortete nicht, ihre Stimme gehorchte ihr nicht in diesem Augenblick. Stattdessen warf sie sich nur gegen ihn und schlang ihre Arme um ihn.
"Ihre Natur ist Feuer und Blut..."

Antworten