Unter Dieben

Die einst mächtigen Reiche der Menschen und Elfen, die nach den Drachenkriegen gegründet wurden. Die unwegsame Heimat der Orks und Wilden Menschen und das Felsenreich der Bergelfen.
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Caradan
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Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Mo, 24. Apr 2017 16:08

„Wach auf du Bastard!“, pochte es laut an der Tür und riss Caradan aus einem tiefen Schlaf. Er riss die Augen auf, was sofort mit einem heißem Schmerz quittiert wurde, denn ein besonders schlüpfriger Sonnenstrahl hatte sich zwischen den Vorhängen hindurch geschummelt und war zielsicher in Caradans Auge gelangt. Schnell drehte er den Kopf zur Seite und stellte fest, er wusste gar nicht wo, wann und wer er war, wie das eben so ist, wenn man von Jetzt auf Gleich wach gemacht wurde. Erst recht, wenn es ein durch das Trinken von billigem Fusel in unbotmäßiger Menge herbeigeführter Todesschlaf war, wie in diesem Fall. Der Dieb kniff die Augen zusammen und gähnte herzhaft. Es pochte erneut. Caradan schlug die Augen auf und starrte auf die Tür. „Nimm die Hände vom Schwanz und steh auf!“, erklang es hinter der Tür. Langsam erwachte sein Verstand auch wieder. Er blickte an sich herunter und stellte fest, dass er nackt war, nur ein Laken aus Halbseide bedeckte den wichtigsten Teil. Schweiß glänzte auf seiner Haut und die Haare klebten ihm im Nacken. Im Zimmer war es, bis jenen einsamen Sonnenstrahl, düster, die Luft war staubig und schwer, es war schwül und stickig. Das Los des Sommers. Vorsichtig richtete er sich im Bett auf und rieb sich den Schlaf aus den Augen, während er tief ein und aus atmete. Er roch seinen eigenen Schweiß, billiges Parfum, Asche, Rauch und sauren Wein, also mit anderen Worten, die Spuren einer durchzechter Nacht waren noch deutlich erkennbar. Neben ihm, da musste er gar nicht hinsehen, lag eine nackte Frau. Eine Hure, die wohl aus – ach wen interessierte woher sie stammte. Sie hatte blasse Haut, Sommersprossen und rotes Haar. Sie gefiel dem Dieb außerordentlich gut. Das war auch der Grund, warum er die letzten drei Nächte mit und auch in ihr verbracht hatte. Was sollte er auch sonst hier machen? Brisangen... dieser Ort war der Arsch der Nordreiche. [18]Nein! Es war ein Ort, der sogar so weit im Arschloch lag, dass ihn selbst der längste Schwanz beim Arschfick nicht erreichen konnte.[/18] Hier konnte man nur den Verstand verlieren und damit das nicht geschah, musste sich Caradan ablenken. Entweder er trank bis zur Besinnungslosigkeit oder vögelte bis zur Erschöpfung oder dröhnte sich mit Schlafmohn oder ähnlichem Zeug zu. Oder eben alles auf einmal, wie letzte Nacht. Es pochte erneut und Caradan kam zu dem Schluss, dass der Kerl hinter der Tür nicht so leicht aufgeben würde. „Verpiss dich!“, rief er ihm zu und hoffte, sich damit noch ein paar Stunden Schlaf zu erkaufen. „Wenn du nicht raus kommst, kommen wir rein!“, kam es von der anderen Seite der Tür. Der Dieb seufzte genervt. Er legte der Hure seine Hand auf den hübschen nackten Arsch und stützte sich ab. Sie murrte etwas und zog sich das Laken über. Wann immer er neben einer Frau nun lag, fragte er sich, weshalb er solange gewartet hatte und wie jedes mal kam ihm der Gedanke, wie wohl eine Nacht mit Lesha gewesen wäre. Vermutlich unvergleichlich, denn kurz darauf wäre der Dieb wohl zu tot gewesen, um weiter herum zu probieren. Etwas schwankend lief Caradan zu den Vorhängen und schlug sie bei Seite. Er stand vor einem Fensterrahmen ohne Fenster. Im Prinzip war es ein geplantes, also vorgesehenes Loch, das im Winter verrammelt wurde und der Vorhang wurde zweckentfremdet und zum Ausstopfen der Ritzen missbraucht. Aber jetzt am Sommeranfang, da war da ein stets offenes Fenster mit Vorhängen und da die Vorhänge nun weg waren, hatte jeder einen wunderbaren Blick auf den nackten Dieb. „Oh.“, murmelte er, als unten ein paar Weiber, die Wasser aus einem Brunnen schöpften, anfingen zu kichern. Schnell entfernte er sich vom Fenster und suchte seine Hose, ein braunes Stück Wolle, das ihm bis zu den Knien reichte. Er fand es unter einem Berg fremder Kleidung, das safrangelbe Kleid der Hure und noch irgendeine fremde Untertunika. Aus Erfahrung wusste er, die Hure trug nur ein Kleid, das eben nur das Nötigste verbarg und er selbst trug eher andere Kleider. Er zog sich die Hose an und glaubte noch schnell sein Hemd auf, als unter lautem Ächzen, die Tür aus den Angeln gehoben wurde. Einen Moment war Caradan beeindruckt, dass sie auf die Idee gekommen waren, die Tür einfach heraus zu hebeln, statt sie aufzubrechen, seine Bewunderung wich aber ziemlich schnell simplem Ärger, als er halb nackt die Treppe nach unten in den Schankraum geschleift wurde. Er wurde vor eine Gruppe Frauen gezerrt und zu Boden gestoßen. „Da ist der Übeltäter!“, grunzte einer der Kerle hinter ihm. Caradan drehe sich zu dem Kerl um. Natürlich, der Büttel dieses beschissenen Dorfes und dann noch überraschenderweise zwei von diesen Glaubensbrüdern, die seit einiger Zeit hier herum streunten. „Das ist der Mann.“, hörte der Dieb eine kalte Frauenstimme über sich. Die Frau war ein altes Wrack und auch die Mannweiber neben ihr, wurden dich grausig schlichte Männerhosen und kurzgeschorenen Haaren entstellt. Eine Schande. „Ich bitte um Verzeihung.“, meinte Caradan mit freundlichem Lächeln. „Aber kennen wir uns?“ „Ich bin..“, hob die Matrone an. „Mutter So-und-so.“, unterbrach er sie. „Ich weiß, das war keine ernstgemeinte Frage.“ Sein loses Mundwerk wurde mit einem harten Schlag gegen den Hinterkopf belohnt. „Halt's Maul!“, donnerte der Dorfbüttel. „Ich“, zischte die Alte scharf, „bin Mutter Oberin und Ihr habt eine meiner Adeptinnen entweiht. Caradan runzelte die Stirn und blickte zu dem Dorftrottel. „Antworte gefälligst, wenn man dich was fragt!, herrschte er den Dieb an. „Aber ich wurde nichts gefragt.“, stellte Caradan fest und bekam eine Ohrfeige. Natürlich, wie auch immer er reagierte, es würde immer mit einem Schlag enden, wie üblich. „Ihr habt Euch meinem Mädchen aufgezwungen.“, behauptete Mutter Oberin. Caradan blickte sie ungläubig an. „Ich soll eine Eurer Gottesanbeterinnen vergewaltigt haben? Das meint Ihr nicht Ernst!“ Der Büttel packte ihn am Kragen. „Leugnest du es etwas?“ „Ja natürlich! Ich hab mir die letzten drei Tage[18]den Schwanz glatt lutschen lassen. Und zwar hab ich[/18]eine Hure dafür gekauft.“ Ein vierter Mann kam von Oben und brachte die fremde Tunika mit. „Das hab ich oben gefunden.“ Er reichte es einem der Mädchen und Caradan erkannte sie wieder. „Oh ich erinnere mich.“, murmelte er und bekam einen erneuten Schlag. „Also gibst du es zu!“, rief der Büttel triumphierend. „Nein verdammt!“, schrie der Dieb zurück. „Bei allen Göttern, ich schwöre ich hab ihr nichts getan!“ Der Kerl holte zu einem erneuten Schlag aus. „Halt.“, hielt Mutter Oberin ihn zurück. „Ihr schwört auf die Götter? Ich muss wohl nicht sagen, was passiert, wenn Ihr lügt.“ Caradan stand auf und stellte sich vor die Frau. Sie war großer als er und trug ihre Nase noch höher. „Es ist etwas anders als ihr glaubt.“ „Also behauptet Ihr meine Adeptin ist eine Lügnerin?“ Caradan schüttelte den Kopf. „Nein gnädige Mutter. Ich behaupte bloß, ihre Erinnerung trügt sie. Lasst mich es berichtigen. Ja, ich habe sie [18]gefickt[/18]. Aber,“, sagte er gedehnt, „ich war nicht der Erste.“ Das Mädchen wurde rot vor Scham. „Und ganz sicher bin ich nicht gewaltsam in sie eingedrungen! Da könnt ihr die Rothaarige in meinem Bett fragen. Ihr könnt sie noch mehr fragen, wie die Kleine hier sich angestellt hat.“ Caradan grinste den Büttel böse an. „Die Kleine hat Dinge mit mir angestellt, da hat selbst die Hure rote Ohren bekommen.“ Das war gelogen. Natürlich hatte er ihr nichts getan, denn sie war genauso willig wie er gewesen, wobei der billige Wein wohl geholfen hatte, aber sie war schon außer Atem vor Erregung gewesen, als sich Caradan unbeholfen aus seinen Stiefeln geschält hatte. Aber erst einmal begonnen, war sie unersättlich gewesen, bis sie dann soweit ausgenüchtert war, dass Scham und Reue wiederkehrten und sie Caradans Bett hastig verließ. Die Hure hatte Caradan schon bezahlt gehabt und ärgerte sich etwas, dass sie heute Nacht kaum hatte für ihr Geld arbeiten müssen. Das Mädchen stammelte etwas. „Aber, aber... glaubt Ihr mir denn nicht Mutter?“ Die Matrone antwortete nicht. „Ihr könnt gerne die Hure oben fragen.“, meinte der Dieb. Mit einem Wink machte sich einer der Glaubensbrüder nach Oben und kam nur wenig später wieder. „Sie sagt ziemlich das selbe wie der da.“, deutete er auf Caradan. Das Mädchen, welches ihn beschuldigt hatte wurde kreidebleich. Sie klappte den Mund auf und zu, unfähig ein Wort heraus zu kriegen. Wortlos wandte sich Mutter Oberin um und die ganze Prozession verließ schweigend, bis auf ein immer wieder gewispertes 'Schande', die Herberge. Der Büttel starrte mit offenem Mund ins Leere. Dann fixierte er Caradan. „Das du mir keinen Ärger machst.“, drohte er leise und marschierte dann hinaus. Der Andere, der das Beweisstück, also die Tunika gebracht hatte, lächelte Caradan freundlich an. „Bis später Caradan.“, meinte er und der Dieb erwiderte das Lächeln. „Ja Willem, bis später.“ Jetzt traute sich auch wieder der Wirt der Herberge hervor, offenbar hatten ihn Erfahrungen der Vergangenheit gelehrt, sich zu verstecken, wenn eine Meute sein Haus stürmt. „Man, man, man.“, murmelte er und nahm seine Arbeit wieder auf. Was im Prinzip bedeutete, dass er sich mit dem Rechnungsbuch wieder verdrückte. Der Dieb seufzte erschöpft. Ein leises Räuspern ließ ihn herum fahren. Die rothaarige Hure stand nur in ein Laken gehüllt auf der Treppe. „Du muss mich noch bezahlen.“, stellte sie fest. Caradan ging auf sie zu und zog ihr, als er sie erreichte, das Laken weg. „Erst einmal,“, grinste er, „musst du es dir verdienen.“ Dann bugsierte er die nackte Schönheit wieder nach Oben. Das er seine Tür nicht schließen konnte, war ihm ziemlich egal.

Etwa zwei Stunden später stand Caradan vor den Toren des Dorfes und lehnte sich an die Mauer. Wobei Mauer hier eher gönnerhaft war. Direkt an der Straße hatte man einen neun Fuß hohen Steinwall hochgezogen, mit Brustwehr und Tor. Der Rest des Dorfes war durch unwegsames Gelände geschützt und man hatte einen einfachen Palisadenwall als ausreichend empfunden. Immerhin musste man sich nur ab und zu gegen Plünderer aus den Wilden Landen erwehren oder, wenn man besonderes Glück hatte, gegen eine wagemutige Reiterhorde aus der Steppe. Da die Tore meist offenstanden, um den Verkehr nicht zu behindern, waren die Mauern sowieso eher demonstrativ. Innerhalb des Dorfes lebten vielleicht etwas mehr als hundertfünfzig Menschen. Die meisten hatten all ihr Tun auf den regen Warenaustausch gerichtet. Von den meisten Berufen gab es gar zwei in dem Dorf. Herbergen, Hufschmiede, Metzger, Kürschner, Gürtler, Barbiere, Sattler... kurz, alles was Reisende, die einen langen Weg hinter oder vor sich hatten, gebrauchen konnten. Und natürlich Huren. Eines der besonderen Gebäude allerdings war ein großen, zweistöckiges Haus, mit einem nachträglich erbauten Anbau, über dessen Eingang ein Schild hing. 'Brisangen Handelskontor' war darauf zu lesen, jedenfalls, wenn man lesen konnte. Jeder der irgendwie Geschäfte jenseits der Nordreiche hatte und durch Brisangen durch musste – was seit der Armaganenplage im Süden Cathrads beinahe jeder Händler war – hatte hier einen Mann stationiert, der in einer kleinen Kammer hauste und die Geschäfte seines Herren in dessen Namen regelte. Diese Männer schrieben Berichte, über Ein- und Auskommen, welche Waren von hier weitergeschickt wurden, schlossen Geschäfte untereinander ab, bespitzelten die Konkurrenz, bezahlten Karawanenführer und was man eben sonst noch so tat, wenn man dafür Sorge tragen musste, dass die Geschäfte des eigenen Brotherrn reibungslos verliefen.
Doch das wahre Leben spielte sich vor den Mauern ab. Vor allem jetzt im Sommer, da die Wege angenehm befahrbar waren und nicht ständig im Schlamm stecken blieben, herrschte hier ein reges Kommen und Gehen. Etwa das fünffache der Ansässigen hier, lagerte regelmäßig vor den Mauern in einer wahren Zeltstadt. Diejenigen die es sich leisten konnten, ihre Wagen ohne eigene Aufsicht zu lassen oder ihr Habe immer am Mann hatten, hausten in einer der Herbergen oder Tavernen. Dementsprechend rar waren die Zimmer. Jeden Tag kamen neue Karren an und nahmen den Platz von jenen ein, die wieder fuhren. Ein Oberaufseher mit einer Armee von Schergen, versuchte das Ganze zu organisieren, was nicht wirklich gelang, da sowohl er als auch seine Burschen, bestechlich waren, sodass die Platzbelegung mehr unter den einzelnen Händlern geregelt wurde, statt von oben delegiert. Eben gab es ein besonderes Spektakel, während Caradan im Schatten der Mauer seine Pfeife ausschabte. Eine Salzkarawane aus der Wüste war eben angekommen. Ein halbes Dutzend Karren mit dem weißen Gold beladen, bewacht von einer kleinen Streitmacht grimmiger, fremdländischer Soldaten. Diese Männer waren absolut tödlich, vermutete Caradan. Immerhin konnte man mit dem Wert dieser Karawane wohl ein ganzes Fürstentum kaufen, wenn man es schaffte, knapp hundert bis an die Zähne bewaffneter Söldner anzuheuern, um sie zu überfallen. Die Prozedur bekam widerspruchslos eine der besten Lagerplätze, weit ab vom Rest. Seit Tagen wurde dieser Platz frei gehalten, denn keiner hatte Lust, sich mit einem Karawanenführer anzulegen, der mit einem Wort, ein Blutbad anrichten konnte. Der Dieb überprüfte den Zug seiner Pfeife und war sichtlich unzufrieden. Das Problem wenn man Schlafmohn rauchte war, dass sich der getrocknete geronnene Saft, wenn er verbrannte, in alles hinein fraß. Man musste dann mühsam die klebrige schwarze Masse vom Holz schaben, was, wenn man es nicht nach jeder Pfeife tat, wirklich lange dauern konnte. Er war so mit seiner Pfeife beschäftigt, dass er nicht bemerkte wie sich ein Mann von der Seite näherte. Der Mann war etwa so groß wie Caradan, stammte aus Cathrad und versteckte unter seinem Mantel eine Armbrust. Er trat an Caradan heran. „Guten Tag Arcanier.“, flüsterte er ihm ins Ohr. Obwohl Caradan nach Außen ungerührt blieb, erschrak er sich furchtbar. „Guten Tag, Arschloch.“, antwortet er. Der Mann, ein offenkundiger Söldner, lehnte sich neben ihn an die Mauer. „Warum so mies gelaunt, he?“ Der Dieb blickte ihn an. „Weil ich es hasse, wenn jemand zu spät kommt.“ Der Kerl kratzte sich am Sack. „Besser als zu früh zu kommen.“ Caradan überprüfte nochmals den Zug seiner Pfeife und war einigermaßen zufrieden. Er zückte einen kleinen Beutel vom Gürtel und stopfte sich eine billige Kräutermischung in die Pfeife. Er bedeutete dem Mann ihm zu folgen und schlenderte gemütlich zwischen den Zelten hindurch, während er nach einem Feuer suchte. „Bist du nur hier, weil du mich vermisst hast oder hast du mir was zu sagen Rogan?“, nahm er das Gespräch wieder auf. Sie kamen an verschiedenen provisorischen Ständen vorbei, an denen einige Händler versuchten, ein paar ihrer Güter zu verkaufen, ein paar Bewohner von Brisangen liefen herum, begutachteten die Angebote, feilschten oder versuchten ihrerseits, die Reisenden in ihre eigenen Geschäfte zu locken. Hier brauchte ein Pferd neue Eisen, da war ein Gürtel gerissen. Dafür dass der Dieb große Städte gewohnt war, fühlte er sich hier zwischen den Zelten, inmitten dieses lebendigen Wesens, fast heimisch. „Natürlich habe ich mich nach dir verzehrt, mein Freund.“ „Freund? Seit wann sind wir Freunde?“ Rogan grinste. „Seit ich dir erzählt habe, dass in zwei Tagen ein Karren hier ankommt.“ Sie kamen an einer Kochstelle vorbei und Caradan borgte sich ein kleines Zündhölzchen und zündete seine Pfeife an. „So?“, fragte er. „Beladen mit Fellen und Hörnern aus der südlichen Steppe.“, meinte Rogan. „Und einer Kostbarkeit von weiter südlich. Aus dem Land der Tiermenschen.“ Caradan blieb stehen und wandte sich zu dem Söldner um. „Wie viel?“, flüsterte er. „Genug. Sechs Wachen, zwei oder drei davon könnten Probleme machen. Hab Itkkin ab selben Tag verlassen, bin geritten wie der Wind.“ Rogan war Caradans Mann in dem Handelsposten westlich von hier. Wann immer etwas besonders Interessantes auf dem Weg war, eilte er diesem Etwas voraus. Letztes Mal hatten sie eine Schatulle Bernstein im Auge gehabt, die wie durch Zauberhand vom Wagen des Tuchhändlers verschwunden war, was dem armen Mann aber erst irgendwann in den Nordreichen aufgefallen war. Der Dieb spürte freudige Erregung. „Machen wir's so wie letztes Mal?“, fragte Rogan. Caradan schüttelte den Kopf und schlenderte etwas Abseits, damit niemand ihnen zuhören konnte. „Es fällt auf, wenn zwei Mal etwas, von dem Niemand weiß, nach einem Aufenthalt hier fehlt. Mir schnappen uns den ganzen Karren, bevor er Brisangen erreicht. Ich hab auch schon eine Idee, wir brauchen nur noch die richtigen Leute. Einen kenne ich, der wird uns helfen. Wenn du noch zwei auftreibst, sind wir fünf. Das reicht an sich.“, überlegte Caradan. „Wir brauchen dann nur noch eine hübsche Frau, die sich die Hände schmutzig machen will.“

Am selben Abend war Caradan in einer der Tavernen. Obwohl es noch mindestens eine Alternative gab, war es brechend voll. Er lehnte an einem Balken und trank einen Krug dunkles Bier. Es wurde gegrölt, gesungen, getanzt und musiziert. Es stank nach Schweiß, verschüttetem Wein und Bier, fettigem oder verbranntem Essen, Pferd und Pferdescheiße, Menschenscheiße ebenso, rußigen Talglichter und dem billigen Parfum der Huren, eben so, wie es in einer Taverne eben roch. In einer Ecke hockten ein paar Würfelspieler, hier und da wurde machten sich Männer ganz schamlos über freizügige Frauen her und an einem Tisch wurde Karten gespielt. Natürlich weckte das Caradans Interesse. Er trat an den Tisch, warf einen Heller in die Mitte und grinste die Spieler frech an. „Noch Platz für mich?“, rief er über den Lärm hinweg. „Klar!“, rief ein junger Spieler zurück. Auch Rogan war mit von der Partie und warf dem Dieb einen misstrauischen Blick zu. Heimlich signalisierte er dem Söldner 'Vier Runden'. Rogan hatte verstanden. Die ersten vier Runden verlor Caradan. Die anderen Spieler johlten vor Freunde. Rogan verabschiedete sich aus dem Spiel und klopfte Caradan im vorbei gehen auf die Schulter. Sofort nahm ein anderer Interessent seinen Platz ein. Die nächsten Runden gewann Caradan mit regelmäßiger Unregelmäßigkeit. Drei von Fünfen gewann er, mal stieg er aus, mal verlor er um das Misstrauen zu zerstreuen. Nachdem er sich sicher war, dass er die Schmerzgrenzen seiner Mitspieler ausgereizt hatte, verabschiedete er sich. „Die nächste Runde auf mich Männer.“, beschwichtigte er sie und kämpfte sich zur Ausschank vor. Rogan stieß zu ihm. „Und? Gewonnen?“ Der Dieb grinste. „Fast schon zu oft.“ Rogan beugte sich zu ihm. „Ich hab da zwei aufgetrieben. Einen großen Wilden und so'n jungen Burschen. Aber mach dir wegen dem keine Sorgen, reicht ja wenn er nur einen der Kerle ablenkt.“ Caradan nickte. „Hattest du schon Glück bei den Damen?“ Der Dieb schüttelte den Kopf. „Hab mein Glück noch nicht versucht. Ich will keine Hure fragen, die sind nicht verschwiegen und alle anderen, tja, die scheinen mir nicht passend.“ Rogan ließ seinen Blick durch den Raum schweifen. „Was'n mit der?“ „Wem?“ Caradan drehte sich um und folgte Rogans Blick. „Ach nein, du willst ja keine Hure.“ Die junge Frau von der er sprach saß in einer, den Verhältnissen entsprechend, ruhigen Ecke. Sie hatte braunes Haar, das im Schein des Feuers, leicht rötlich aussah. Sie war hübsch, fand Caradan. Sogar ziemlich attraktiv, aber dennoch bezweifelte er, dass sie eine Hure war. „Ich glaube das ist keine. Aber ich kenne sie nicht. Bin mir nicht sicher ob sie die Richtige wäre.“ Rogan brummte zustimmend. „Drei Heller das du sie nicht ins Bett kriegst.“ Der Dieb starrte ihn verblüfft an. „Was? Wie kommst du denn jetzt da drauf.“ Der Söldner grinste. „Wenn du Zweifel hast, lassen wir's. Aber sie ist hübsch.“ „Und weil sie dich schon abgewiesen hat soll ich jetzt?“, grinste Caradan, der Rogan durchschaut hatte. Er musste auch gar nicht antworten, der Dieb wusste das er recht hatte. Caradan streckte ihm die Hand hin. „Sagen wir fünf Heller.“ Rogan schlug ein und Caradan bahnte sich einen Weg, schräg hinter die Fremde. Er wartete kurz, bis ein Mann gegenüber sich von seinem Stuhl erhob. „Nicht langweilig, so allein am Tisch?“, raunte er der Frau von hinten ins Ohr, huscht zu dem Stuhl und stellte ihn zu ihr an den Tisch. „Ich sehe vielleicht nicht so aus, aber ich verspreche ich bin eine angenehmere Gesellschaft als der blanke Tisch.“ Er setzte sich ihr gegenüber und musterte sie kurz. Ja sie war wirklich nicht zu verachten. „Ich kann auch den Mund halten und einfach zuhören, wenn jemand etwas interessantes zu erzählen hat. Du siehst aus wie jemand der was erzählen kann.“
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

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Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Do, 27. Apr 2017 13:05

Es war aber auch zu verhext! Da hatte Aenaeris Silvar versprochen, ihn nie wieder zu verlassen, und dann kam es doch wieder so. Allerdings war es dieses Mal nicht ihre Schuld gewesen. Die Reisetruppe, welche aus dem Wagen der Adeptinnen, der Oberin Mutter und zwei Ordensbrüder, sowie einigen berittenen Söldnern, eine bunt gemischte Truppe aus zwei Wilden, drei Veteranen aus Mérindar, sowie Silvar bestand, wurde im Grenzgebiet von Armaganen angeriffen. Somit war genau das eingetroffen, weswegen die Mutter Oberin in Shuridron diese Männer angeheuert hatte. Während die Söldnertruppe die Armaganen in Schach gehalten hatte, hatte der Kutscher des Wagens die Pferde hart angetrieben, sodass der Wagen über die schlechte Straße gepoltert war, dass die jungen Adeptinnen zuerst wild zu kreischen, danach jämmerlich zu weinen, und schlussendlich laut und inbrünstig zu beten begonnen hatten. Aenaeris war mitten unter ihnen, und wusste nicht, was sie zwischen all diesen jungen Dingern tun sollte. Kreischen? Nein… Weinen? Auf keinen Fall! Beten? Niemals! So begann sie sich schließlich nach einer Weile um den Wagen Sorgen zu machen. Wenn die Achse brach, oder ein Wagenrad, dann war guter Rat teuer. Doch es schien, als würden die Gebete der Adeptinnen erhört, und nichts von alledem geschah. Im Gegenteil, sie erreichten in einer wahren Rekordgeschwindigkeit Brisangen. Dort beschloss man, für die zurückgebliebenen Männer zu beten, und einstweilen Quartier zu beziehen in einer der Schenken. Wusste der Kuckuck, wie die Mutter Oberin das angestellt hatte, dass für zwölf Menschen Platz in einer der besseren Tavernen wurde. Aber so, wie die Mutter Oberin auftrat, konnte Aenaeris es sich vortrefflich vorstellen, dass nur der bloße Anblick, oder ein gestrenges Wort von ihr ausreichten, dass den Wirten wirklich und wahrhaftig das Gefühl beschlich, dass seine Eier in einem Schraubstock feststeckten. Anfänglich war Aenaeris sehr still gewesen. Natürlich machte sie sich Sorgen um Silvar. Aber je länger sie darüber nachdachte, desto mehr wurde sie zuversichtlich, dass ihm nichts passiert war. Immerhin hatte er sich und sie aus einem ausbruchsicheren Kerker befreit, und war auch ansonsten sehr erfinderisch und geistreich. Nein, ihm konnte nichts passiert sein. Wahrscheinlich war er längst am Weg nach Brisangen, und bis es so weit war, würde sie hier auf ihn warten. In der Zwischenzeit würde sie alleine durch dieses Dörfchen, Handelsstädtchen, oder was Brisangen auch immer war, flanieren, und zusehen, wie sie sich hier die Zeit vertreiben konnte. doch weit gefehlt! „Wo willst du hin, Aenaeris?“ spürte sie die Stimme der Mutter Oberin im Rücken. Die Arcanierin blieb stehen und wandte sich langsam um. „Ich möchte mir die Stadt ansehen…?“ fragte sie vorsichtig. „Dazu ist doch keine Zeit!“ tadelte die Alte sie, und Aen fühlte sich in die Zeit zurückversetzt, da sie selbst eine angehende Priesterin war, wo sie kein eigenständiges Leben, und ständig eine geistliche Autorität über sich hatte. „Wir sind eben erst angekommen. Wir werden uns jetzt frisch machen, danach wird es ein bescheidenes Abendbrot geben und den restlichen Abend verbringen die Adeptinnen, so wie stets, im stillen Gebet!“ mahnte sie. Die junge Frau hörte nur mit halbem Ohr zu. Die anderen eineinhalb Ohren hingen, ebenso wie ihre Blicke, sehnsüchtig in der Ferne, wo einige Spielleute zur Unterhaltung der Schaulustigen lustige Weisen spielten. Hier und da tanzten auch einige Frauen und Männer zu der Musik, und Aen hätte es ihnen zu gerne gleich getan. „Aenaeris! Hast du mir zugehört?“ Diese Frau besaß wirklich unglaublich große physische Macht. Andererseits wurde ihr rebellischer Geist auch angestachelt. Ihr hatte diese Alte überhaupt nichts zu sagen. Sie war nur die Reisebegleitung von Herrn von Goldsäck, und nur weil der gerade nicht da war, hieß das nicht, dass sie dadurch zu einer ihrer Adeptinnen geworden war die sie herumkommandieren konnte.

Nach einem sehr bescheidenen Mahl, Brotsuppe und Wasser, – so hatte die Mutter Oberin es geordert- hielten die Adeptinnen, die Oberin und gezwungenermaßen Aenaeris die Abendandacht. Natürlich betete Aen nicht. Sie hielt ihre Augen geschlossen, weil alle das taten, und ließ ihre Gedanken schweifen, ob, und wie sie dieser furchtbaren Truppe so bald als möglich entfliehen könnte. Am besten über Nacht, und sich dann irgendwo verkriechen! Nach der Abendandacht bezogen die Adeptinnen samt der Arcanierin ihre Zimmer. Unzufrieden musste sich Aen mit vier anderen jungen Frauen ein Zimmer teilen. So etwas war sie nun wirklich nicht gewöhnt, dementsprechend missfiel es ihr. Doch gegen die Mutter Oberin aufbegehren? Das wagte die sonst so unerschrockene Arcanierin nicht! So fügte sie sich in ihr Schicksal und bezog resignierend eines der Betten, welches sie ebenfalls mit einem der Mädchen teilen musste. Während sie sich völlig ungeniert ihr Überkleid auszog und im dünnen Unterkleid unter die einfache, grobe Wolldecke kroch, waren die Adeptinnen d deutlich verschämter und schlüpften in voller Montur in ihre Betten. Aen drehte sich an die Wand und schloss die Augen. Sie vermisste Silvar! Sehnsüchtig lauschte sie den fernen Klängen des Dörfchens, dem regen Treiben, dem Gelächter, dem Geschrei und der Musik. Wie gerne wäre sie jetzt da draußen, anstatt hier mit fremden Jungfrauen viel zu früh im Bett zu liegen und Trübsal zu blasen. Nach einer Weile drang ein Flüstern an ihr Ohr. „Du stammst aus der weltlichen Gesellschaft, nicht wahr? Erzähl mir etwas davon!“ „Ich habe keine Lust, ich möchte schlafen…“ murrte Aen, doch davon ließ sich die junge neugierige Frau abhalten, sie weiter zu bestürmen. „Herr von Geldsäck ist ein stattlicher Mann. Ich frage mich, ob ihr beiden mehr seid, als bloß Reisegefährten?“ hakte sie nach und Aenaeris begann zu schmunzeln. Die Adeptin war neugierig! Natürlich war sie neugierig! In ihrer Zeit als angehende Priesterin war sie nicht anders gewesen, doch sie hatte kaum, bis gar keine Gelegenheit gehabt, ihre Neugierde zu stillen. Einzig und allein eine Gelegenheit hatte es gegeben, wo Aen ein wenig von der sündigen Welt jenseits der Tempelmauern erfahren hatte. Zu dieser Zeit hatte sie in der Armenpfege geholfen, wo ihr die Versorgung einer Hure anvertraut worden war, der man übel mitgespielt hatte. Aenaeris ignorierte geflissentlich die Beleidigungen der sichtlich betrunkenen Dirne, dass sie nur eine keusche Priestern wäre, die nichts verstand von den weltlichen aber schönen Dingen, die ihr versagt blieben würden, bis sie als alte vertrocknete Jungfer hier verrotten würde. Während Aenaeris sie versorgte, erzählte die Dirne ihr allerlei Dinge, die Aenaeris die Schamesröte ins Gesicht trieben, doch dennoch hörte sie neugierig ihren Erzählungen zu, was sie so alles mit ihren Freiern anstellte, was ihnen gefiel und wie man sich einen Mann bis zu einem gewissen Grad sogar gefügig machen konnte. Im Nachhinein war sie der Hure sogar dankbar gewesen, dass sie zumindest in der Theorie nicht ganz unvorbereitet gewesen war, als Thero ihr die Unschuld genommen hatte.

Aen hob nun also den Kopf, wandte sich um und stützte ihren Kopf in die Hand. Dann hauchte sie lüstern „Ja, ich habe ihn [18]gefickt[/18], den Herr von Goldsäck. Immer, und immer wieder. Und es war wundervoll…“ Sie seufzte, halb theatralisch, halb ehrlich. Wie gerne würde sie jetzt mit ihm zusammen sein. Aber er war ja nicht da… „Ich wusste es!“ wisperte das Mädchen, triumphierend, aber auch neugierig. „Gab es denn noch mehr Männer?“ tönte die Stimme einer anderen Adeptin vom gegenüberliegenden Bett herüber. „Natürlich…“ feixte Aen mit wichtiger Stimme. „Wisst ihr, ich war auch einmal eine Novizin, und eine Adeptin…“ Dann machte sie eine dramaturgische Redepause und hielt den Atem an. Wahrscheinlich bekamen die Adeptinnen in diesem Moment kugelrunde Augen. Wahrscheinlich hielten sie ebenso den Atem an, abwartend, was Aenaeris noch zu erzählen hatte. Die Arcanierin kostete diesen ihren Moment in vollen Zügen aus. „Wie kam es dazu, dass du nun keine mehr bist?“ brach eine das Schweigen. „Nun, mein Tempel ist abgebrannt…“ Dass sie selbst das Feuer gelegt hatte, musste ja niemand erfahren. „Und ich bin geflohen. Ich lernte diesen einen Mann kennen. Einer vom wilden Volk im hohen Norden. Ein stattlicher, und starker Mann. Weitaus mehr als Herr von Goldsäck. Nicht gegen ihn, aber…“ Wieder hörte sie anerkennendes Raunen und Aenaeris genoss diesen Moment, so dass sie davon förmlich beflügelt wurde. „Ihr verpasst etwas. Wirklich. Ihr alle seid blutjung, die meisten von euch hübsch anzusehen, von eurem Kahlkopf einmal abgesehen, das ganze Leben liegt euch noch zu Füßen. Wenn ihr nur diesen einengenden Pfad der Religion verlassen würdet, dann würdest ihr erkennen, dass ich Recht habe. Ich weiß ja, wovon ich spreche. Es gibt nichts wundervolleres, als in den Armen eines Mannes zu liegen… sich von ihm liebkosen zu lassen, unter ihm, auf ihm, vor ihm zu sein, wenn er einem seinen strammen [18]Schwanz[/18] hineinschiebt. Ich erschauere nur bei dem Gedanken daran… Einen nackten Mann neben sich liegen zu haben, ihn zu küssen, ist so süß wie sonst nichts auf der Welt… Ich wollte nicht mehr beten, bis ich grau und bitter bin. Die Flucht aus dem brennenden Tempel war ein Schicksalswink. Ich habe mich losgelöst von diesem starren, steifen Leben. Und jetzt lebe ich wirklich! Das Leben ist zu kostbar, um es zu vergeuden!“ Nach einem kurzen Schweigen seufzte Aenaeris Bettgefährtin „Wie gerne würde ich einmal solche Erfahrungen erleben…“ „Mariella! Wie kannst du nur! Hör nicht auf sie! Sie spricht götterlästerlich!“ schimpfte eine andere von ihnen. „Ich weiß… aber es war nie mein Wunsch, mein Leben in den Dienst der Götter zu stellen. Es war der alleinige Wunsch meiner Eltern…“ Aenaeris lächelte diebisch in der Dunkelheit. „Soll ich dir die Welt da draußen zeigen? Du musst nichts tun, was du nicht willst. Ich verspreche es dir, bei Ondara! Wir werden in der Taverne einen Becher Wein trinken und die Menschen beobachten. Ich schwöre bei allen Göttern, dass es ein harmloses Vergnügen sein wird!“ flüsterte Aenaeris dem Mädchen in ihrem Bett ins Ohr. „Aber, wie sollen wir an der Mutter Oberin vorbeikommen? Ich schwöre bei den Sieben, sie wird uns hören, wenn wir an ihrem Zimmer vorbeischleichen. Sie hat Ohren wie ein Luchs!“ flüsterte das Mädchen zurück. „Dann klettern wir aus dem Fenster wie es Luchse ebenso könnten…“ meinte Aen. „Ihr Zimmer liegt auf der anderen Seite, ihr Fenster ist waldseitig. Niemals wird sie etwas hören und bemerken!“

Als alle Adeptinnen schliefen, stahlen sich zwei Frauen, eine von ihnen verdorben, die anderen noch gänzlich unverdorben, aus dem Fenster aus der Schenke, und huschten aufgeregt und freudig erregt durch die nächtliche Hauptstraße Brisangens. Sie kehrten in jene Schenke ein, die Aen am passendsten erschien, und bestellten einen Wein. Und noch einen, und noch einen. Im Gegensatz zu Aenaeris war die Adeptin natürlich alles andere als trinkfest, und so nahm das Verhängnis seinen Lauf. Allerspätestens dann, als Aen ein kleines Beutelchen mit Pfeifenkraut hervorzog und nebst ihrer Pfeife noch ein kleines Döschen auf dem Tavernentisch platzierte, in welchem sich kleine getrocknete blassblaue Blüten befanden. Aen mischte eine Portion Pfeifenkraut mit einer zerkrümelten Starrkrautblüte und stopfte damit die Pfeife. Sie entzündete einen Kienspan an der Flamme des rußenden und stinkenden Talglichts und nach mehrmaligem Paffen und dem ersten richtigen Zug seufzte die Arcanierin genüsslich auf, als der Rauch ihre Lungen füllte. Wie hatte sie eine gute Pfeife vermisst! Aber als die Mutter Oberin sie dereinst tadelnd angeblickt hatte als sie die Pfeife aus ihrer Tasche gezogen hatte, da hatte Aenaeris sie wortlos aber widerwillig wieder eingepackt, und seitdem war ihr die Lust an der Pfeife gründlich vergangen. Doch nicht heute! Dies war ihre Stunde! Sie hatte es geschafft, eine der gläubigen Mädchen dazu zu bringen mit ihr eine Taverne aufzusuchen, und jetzt würde sie den Abend genießen. „Willst du auch einmal versuchen?“ blies sie dem Mädchen namens Mariella den Qualm ins Gesicht und hielt ihr die Pfeife hin. Zögerlich ergriff Mariella die Pfeife. „Ich hab noch nie…“ begann sie. Starrkraut geraucht? Das ganz bestimmt… „Du musst einfach dran ziehen, und langsam und tief einatmen. Und danach den Rauch wieder rausblasen, es ist ganz einfach… Sieh mir zu…“ Aen demonstrierte ihr die Vorgehensweise, danach reichte sie die Pfeife wieder dem Mädchen. „Gut so. Genauso. Mach ruhig ein paar Züge, ich hole uns noch etwas zu trinken…“ meinte die Arcanierin nickend, erhob sich und holte vom Ausschank noch zwei Becher Wein. Als sie zurückkam, saß ein junger Kerl bei Mariella bei Tisch. Ganz nahe. Er raunte in ihr Ohr und die Adeptin kicherte hinter vorgehaltener Hand. Aenaeris betrachtete ihn unter erhobenen Brauen. Ein Tageslöhner wohl, beinahe noch grün hinter den Ohren. Und nicht nur grün. Er hatte einen widerlichen schorfigen Ausschlag hinter den Ohren, der den Hals herabwanderte. Wer weiß, wie der Rest vom Körper aussah. Aenaeris spürte die Wirkung des Starrkrautes bereits, da musste es Mariella ebenso ergehen. Aber dieser Kerl da war nichts für sie, hatte sie bereits beschlossen. Schwungvoll ließ sie sich mit den zwei Weinbechern wieder am Tisch nieder und seufzte. „Was willst du denn mit dem da?“ zischte sie ihr ins Ohr. „Bist du blind?“ Mariella blickte sie aus großen Augen an „Aber er ist sehr nett…“ „Na und? Das ist doch nicht wichtig, sieh dir mal deinen schorfigen Hals an, willst du dir eine Krankheit einfangen?“ schnalzte sie tadelnd. Da schüttelte Mariella den Kopf „Na also…“ grinste Aen. Da beugte sich der Kerl zu ihr „Ist deine Freundin wirklich noch unberührt?“ fragte er. Da wurde es Aen zu bunt. Sie gab dem Kerl einen Stoß, dass dieser beinahe mitsamt dem Stuhl umkippte. „Hau ab, du gehst mir auf die Nerven!“ schimpfte sie, und der Kerl hob die abwehrend die Hände „Ist ja gut… ist ja gut…“ und erhob sich. Aen meinte, dass er noch „Schlampe“ gemurmelt hatte, doch da war sie sich nicht sicher. Dann knöpfte sie sich Mariella vor. „Hör mal zu. Niemals, aber auch wirklich niemals, niemals darfst du einem Kerl sagen, dass du unberührt bist. Wieso überhaupt redet ihr davon? Ich war keine fünf Minuten fort und schon hängt ein Kerl an dir, der über deine Jungfräulichkeit Bescheid weiß?“ „Oh ich weiß auch nicht, vielleicht liegt es am Wein… aber ich fühle mich so… so seltsam… mir ist ganz heiß und ich sehe die Männer plötzlich mit anderen Augen…“ stammelte die junge Frau verlegen. Das Starrkraut. Es war wirklich mächtig. Es hatte eine unglaubliche aphrodisierende Wirkung. Aen spürte, wie sehr sie sich nach einem Mann verzehrte. Aaber Silvr war ja nicht da… Aber dass Starrkraut sogar auf solche Mädchen eine derartige Wirkung hatte? Aenaeris lächelte sanft. Was wohl die Oberin dazu sagen würde, wenn sie davon erführe? Ein Bild für Götter… Aenaeris hob den Zeigefinger „Die Jungfräulichkeit einer Frau ist das, was die meisten wollen. Da kommen sie wie die Fliegen, die um Scheiße kreisen. Und du musst wirklich mehr auf das Äußerliche achten. Ja, es kommt aufs Aussehen an. Ich meine, willst du einen Kerl, der verfaulte Zähne hat und aus dem Mund stinkt wie ein Abort? Oder einen pockennarbigen, einen ungepflegten, von dem du dir, die Götter wissen was für Krankheiten holen kannst? Du liebe Güte, habt ihr nichts im Lazarett gelernt? Du musst schon aufpassen mit wem du dich abgibst.“ Sie wandte sich um und beobachte das Schenkentreiben. Dabei fiel ihr ein junger Mann auf, der sich gerade einer jungen Frau zuwandte. Soweit Aen das im Schenkenlicht erkennen konnte, sah er nicht so übel aus, gemessen an dieser Absteige hier. Aber offensichtlich hatte er schon ein wenig über den Durst getrunken und stellte sich nicht sonderlich geschickt bei dieser Frau an. Das zeigte ihre ablehnende Körperhaltung. Amüsiert beobachtete Aen die beiden, und es dauerte nicht lange, da wandte sich die Frau ab und ließ den Kerl stehen. Aen zog Mariella am Arm auf die Beine. „Komm mit. Der da ist auf der Suche. Mit dem könntest du mal ins Gespräch kommen, wenn du schon weltliche Erfahrungen sammeln willst. Aber verrat ihm bloß nichts über deine Jungfräulichkeit. Bloß nicht! Im Gegenteil, sag, du hast schon. Einmal, zweimal dreimal… zehnmal meinetwegen. Aber sag ihm nicht, du bist Jungfrau, verstanden?“ Dann gab sie ihr einen Stoß, dass sie vorwärts stolperte, und dem Kerl beinahe in die Arme fiel. Aen nickte zufrieden. Sie setzte sich wieder an den Tisch und rauchte ihre Pfeife zu Ende, abwartend, den Dingen, die da kommen könnten…

Dank dem Sommer konnte Aen, die schon sehr oft unter freiem Himmel übernachtet hatte, dies auch in dieser Nacht tun. An Brisangens Stadtgrenze lag gleich direkt ein Wald und es brauchte in Aens Starrkrautrausch sowieso nichts Besonderes, irgendein Plätzchen zu finden, wo sie schlafen konnte. Niemals wäre sie zurück zu den Adeptinnen in das Gasthaus zurückgegangen. Und andere freie Zimmer gab es derzeit nicht. Mehr oder weniger gut ausgeruht erwachte Aenaeris erst mittags und verbrachte den Tag hauptsächlich damit, in Brisangen nicht aufzufallen, damit die Mutter Oberin mit ihrer Adeptinnengruppe nicht auf sie aufmerksam wurde. Ach, wie gerne würde sie wissen, wie der gestrige Abend ausgegangen war und ob der persönliche kleine Rachefeldzug gegen die Alte erfolgreich gewesen war. So hielt sie sich stets dort auf, wo sie sich sicher war, dass gläubige Menschen dort nicht hingingen, und kaum, dass die Dämmerung aufzog, verzog sich die junge Frau auch schon in die nächste Schenke. Diese hier war eine der übleren, wie es schien. Unzählige Nuancen an Gestank vermischten sich zu einer wahren Gestanksuppe, Fäkalien, Schweiß, Urin, verschüttetes Bier, Wein oder Schnaps, billiges Parfüm der Huren… Nichtsdestotrotz… die Schenke war gut besucht, und alleine das zählte! Spielleute spielten Lieder, hier und da tanzten Männer oder Frauen, oder versuchten es zumindest im Gedränge… Hier fühlte sie sich wohl, also beschloss sie zu bleiben! Ein Becher Wein war leicht zu bekommen, einen Platz zu finden, hingegen schwer. So suchte sie sich eine Lücke und lehnte sich an die Wand, und beobachtete das Schenkentreiben. Es schien, als sei der Wirt mit der Abfertigung der Schenkengäste ein wenig überfordert, eine Schankmaid konnte sie nicht ausmachen. Aen überlegte, ob sie ihn fragen sollte, ob er denn eine Schankmaid suchte, dann könnte sie sich zumindest ein wenig Geld verdienen. Auch, wenn Silvar und die Söldner vermutlich bald eintreffen würden. Doch dann wurde auf einmal ein Tisch frei, und die Arcanierin drängte sich eilig durch die Menge und nahm mit ihrem Becher Wein dort Platz. Es dauerte nicht lange, als sich ein Mann zu ihr gesellte. „Guten Abend, schöne Frau. Mein Name ist Rogan. Und wie lautet deiner?“ Aen war froh, dass sich Gesellschaft gefunden hatte. „Ich heiße Aenaris.“ „Ein schöner Name. Dich habe ich hier noch nie gesehen, du stammst nicht aus Brisangen, nicht wahr?“ Da schüttelte sie den Kopf „Nein, ich bin gestern erst angekommen.“ Er nickte. „Kennst du dich hier aus?“ fragte sie ihn. „Klar, ich kenne Brisangen wie meine Hosentaschen.“ „Sucht der Wirt hier eine Schankhilfe?“ „Möglich wärs. Möchtest du hier arbeiten?“ Aen lächelte „Möglich wärs…“ Er legte ihr eine Hand auf den Oberschenkel „Eine so hübsche Schankmaid könnten wir hier gut gebrauchen…“ Aen spürte die warme Hand durch den roten Stoff ihres Kleides, doch es verursachte Unwohlsein bei ihr, und so nahm sie seine Hand und nahm sie unmissverständlich von ihrem Oberschenkel. „Lass das…“ brummte sie. „In Ordnung, war ja nicht so gemeint…“ Sie hielt den Kopf schief und verzog die Augenbrauen. „Ich denke ich lasse dich lieber alleine, hm?“ meinte Rogan und hatte es auf einmal sehr eilig. Er zwinkerte er ihr nur zu, erhob sich, und verschwand in der Menge der Schenkengäste. Das hatte keine sonderlich positive Auswirkung auf Aens Laune. Sie kam sich hier völlig überflüssig vor. Alleine in der Schenke zu sitzen, machte keinen wirklichen Spaß. Ohne Silvar war alles langweilig. So beschloss sie, den Becher auszutrinken, und danach die Schenke zu verlassen. Vielleicht würde sie noch eine Pfeife rauchen. Oder eine Prise Erythrium nehmen. Um die dunklen Wolken zu vertreiben, die sich über ihrem Kopf zusammenbrauten. Eben, als sie das Döschen auf den Tisch legte, raunte ihr jemand ins Ohr. „Nicht langweilig, so allein am Tisch?“ Irritiert wandte sie sich in die Richtung, aus welcher die Stimme gekommen war, doch da war niemand. Der Jemand hatte sich nämlich längst einen Stuhl geschnappt, ihn an den Tisch gesellt und seinen Hintern draufgepflanzt. „Ich sehe vielleicht nicht so aus, aber ich verspreche ich bin eine angenehmere Gesellschaft als der blanke Tisch.“ Aenaeris blickte ihn skeptisch an. Der hier war sicherlich auch nicht besser als dieser Rogan, der sich doch nur aus dem einen Grund zu ihr an den Tisch gesetzt hat. In der Hoffnung, er könne bei ihr landen. Oder mit ihr zusammen wo landen. „Ich kann auch den Mund halten und einfach zuhören, wenn jemand etwas Interessantes zu erzählen hat“ lenkte er ein. „Zumindest Du siehst aus wie jemand der was erzählen kann.“ Dies erheiterte die Arcanierin und ihr hübscher Mund verzog sich zu einem Grinsen. „Ich könnte dir Geschichten erzählen, die ich erlebt habe, die würdest du mir nicht glauben…“ Sie nahm einen Schluck von ihrem Wein. „Aber das sind keine Geschichten, die ich einem Fremden einfach so erzählen würde.“ Sie legte ihre Hand auf das Döschen Erythrium, und ließ es wieder in dem Beutel verschwinden. Sie blickte ihm unverwandt ins Gesicht. „Du kommst mir bekannt vor…“ und überlegte, wo sie sein Gesicht schon einmal gesehen hatte. Dann fiel es ihr ein, und sie begann zu lachen. „Jetzt weiß ich, wo ich dich gesehen habe. Gestern in dieser Taverne. Ich glaube, dir hat sich eine Adeptin an den Hals geworfen, kann das sein? Oh, ich würde zu gerne erfahren, wie diese Geschichte ausgegangen ist…“ Aens Laune war wieder hergestellt. Gut gelaunt holte sie ihre Pfeife hervor, sowie den Beutelchen mit dem Pfeifenkraut und das Beutelchen mit den wenigen noch verbliebenen Starrkrautblüten. Bald würde sie Nachschub brauchen, aber ob man das hier bekommen würde? Sie häufte eine kleine Menge Pfeifenkraut auf der Tischplatte auf und bröselte eine Starrkrautblüte darüber. Mit zarten Fingerbewegungen vermischte sie Starrkrautkrümel und das Pfeifenkraut miteinander, nahm es mit spitzen Fingern auf und stopfte es in den Pfeifenkopf. Sie war so vertieft in diese Angelegenheit, dass sie erst nach kurzer Zeit bemerkte, dass Caradan sie anstarrte. Sie hob verwundert den Blick von der Pfeife und hielt in ihrem Tun inne. „Was ist?“ fragte sie unbekümmert, während sie noch einen Kienspan aus ihrem Pfeifenkrautbeutel holte und schließlich den Pfeifenkopf damit ansteckte. Als der Rauch schließlich ihre Lungen erfüllte, füllte sie sich gleich bedeutsam besser. Genüsslich blies sie den Rauch aus ihrem Mund und schloss dabei kurz die Augen. „Also, eine Geschichte willst du hören? Wie wäre es, wenn du dich erst einmal vorstellen würdest? Wie lautet dein Name?“ fragte sie, und stützte ihren Kopf auf ihre linke Hand. Er stellte sich als Caradan vor. Sie nickte. „Ich heiße Aenaeris. Freut mich, dich kennenzulernen“ streckte sie ihm ihre Hand entgegen. Sie hob den Becher an die Lippen, und musste feststellen, dass dieser leer war. „Und was hältst du davon, wenn du mir vorher noch etwas zu trinken holst? So eine Geschichte erzählen macht ganz schön durstig…“ lächelte sie ihn frech an, und hielt ihm den Becher vor die Nase.
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Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Mo, 01. Mai 2017 23:11

Der Dieb fragte sich, was wohl in diesem Döschen war, dass die junge Frau da wieder in ihrem Beutel verschwinden ließ. Er hatte schon bei Huren gesehen, wie sie sich irgendwelches Puder ins Gesicht schmierten, entweder Unschönes zu verdecken oder ihren Wangen eine volle, gesunde Farbe zu verleihen. Aber die hier schien nicht so, als ob sie derart eitel war, ganz im Gegenteil, sie schien eher, als ob sie ganz genau wusste, dass sie so etwas nicht nötig hatte. Das sie ihm keine Geschichte erzählen wollte machte ihm nicht viel aus, immerhin hatte er geschafft was er wollte, nämlich mit ihr ins Gespräch zu kommen. Als sie ihn dann förmlich anstarrte, empfand er das als ein wenig unangenehm. „Du kommst mir bekannt vor...“, meinte sie. Caradan runzelte die Stirn. Er war fest davon überzeugt, dass er sich an sie erinnern würde, hätte er sie schon mal gesehen. Plötzlich begann sie zu lachen und offenbarte ihm, sie hatte ihn mit dieser verdammten Adeptin gesehen, diesem kleinen heuchlerischen, verlogenem Miststück. „Oh, ich würde zu gerne erfahren, wie diese Geschichte ausgegangen ist...“ Caradan grinste sie an. „Ich habe sie [18]gefickt[/18], was sonst?“ Selbstbewusst lehnte er sich zurück. „Ich war ausgesprochen freundlich zu ihr, aber war wohl... nicht gut genug, um sie auf den Pfad der Weltlichkeit zu führen. Stattdessen wurde ich heute Morgen aus dem Bett geschleift und Vergewaltiger genannt.“, knurrte er und machte ein wütendes Gesicht. „Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich mit ihr nur das gemacht habe, was sie wollte. Und das mehrmals“, lachte er. Er nahm einen Schluck Wein und beobachtete wie die junge Frau ihr Pfeifenkraut hervorholte. Mit Stauen sah er, wie sie eine Starrkrautblüte zerbröselte und die Mischung in ihre Pfeife stopfte. Diese Frau war wirklich nicht zu vergleichen. „Was ist?“, fragte sie und zündete ihre Pfeife an. Caradan lächelte und winkte ab. „Ach nichts.“ Als sie die Augen schloss und genüsslich den Rauch ausblies, roch Caradan die unverwechselbare Note des Starrkrauts. Wie immer wurde er neugierig, wie diese verbotene Blüte wohl war, doch er wusste um die Gefahr, die mit dem Genuss einherging. Außerdem, und er schämte sich deshalb nicht, war er zu feige. Er traute sich nicht.
„Also, eine Geschichte willst du hören? Wie wäre es, wenn du dich erst einmal vorstellen würdest? Wie lautet dein Name?“ fragte sie ihn. „Mein Name ist Caradan.“, antwortete er schlicht. Sie stellte sich als Aenaeris vor. „Die Freude ist ganz meinerseits Aenaeris.“, meinte er und gab ihr die Hand. Sie nahm einen Schluck Wein und lächelte in verschmitzt an. „Und was hältst du davon, wenn du mir vorher noch etwas zu trinken holst? So eine Geschichte erzählen macht ganz schön durstig…“ Mit einem Satz sprang Caradan auf, verbeugte sich schwungvoll. „Euer Wunsch sei mir Befehl, Gnädigste.“, sprach er mit der ernstesten Stimme, zu der er im Stande war. Geschickt schlängelte er sich zum Ausschank vor und bestellte zwei Becher Wein. Rogan gesellte sich zu ihm und warf ihm einen fragenden Blick zu. Caradan verpasste ihm einen leichten Hieb in die Seite. „Versauf ja mein Geld nicht.“ Der Wirt reichte ihm die beiden Becher und der Dieb huschte wieder zum Tisch zurück. Mit ernster Miene und so seriös wie er nur konnte, kredenzte er der edlen Dame den edlen Tropfen. „Nur das Feinste vom Feinsten, Gnädigste.“ Dann ließ er sich wieder auf seinen Stuhl fallen, ehe diesen jemand klaute. „Na dann, Aenaeris, jetzt wo deine Kehle wieder feucht ist, erzähl mal was eine Arcanierin so weit weg von zu Hause macht.“ Caradan lächelte selbstsicher. „Auch wenn man schon lange nicht mehr daheim war, erkennt man seinesgleichen, meine Hübsche.“ Während sie sprach, zückte Caradan nun seinerseits eine Pfeife und etwas, was in ein gewachstes Tuch eingehüllt war. Er wickelte den schwarzen, klebrigen Klumpen aus, kratze mit einem hölzernen Schaber etwas ab und vermengte es mit Pfeifenkraut. „Vheorin.“, erklärte er während er seine Pfeife stopfte. „Oder auch Mohnsaft. Eine nette Alternative zu der Kostbarkeit die du da in der Pfeife rauchst. Man kann es rauchen, roh essen oder in Wein aufgelöst trinken.“ Er lieh sich ihren Kienspan und zündete seine Pfeife an. Genüsslich zog er den Rauch ein und fühlte wie sein Kopf plötzlich angenehm leicht wurde. Aber er musste aufpassen, schließlich war er nicht zum bloßen Vergnügen hier. „Hör mal...“ begann er und kramte dann in seinem Geldbeutel herum. „Ich hab mit meinem Freund Rogan eine Wette laufen.“ Er hielt ihr eine Kupfermünze entgegen. Dann zeigte er ihr beiläufig seine andere, leere Hand und als die Kupfermünze die Hand wechselte, hatte er plötzlich zwei Heller in der Hand. „Vier Heller, dass ich dich ins Bett kriege. Du kriegst zwei, wenn du mit nach oben kommst.“ Er schob ihr die Münzen hin. „Muss ja nur so aussehen als ob. Abgesehen davon, würde ich gerne die Meinung einer Frau zu einer gewissen Sache hören, die nicht durch Geld bestochen wurde.“ Er erhob sich. „Außerdem hab ich oben noch eine Flasche Weinbrand, falls du es satt hast diese verwässerte Plörre hier zu saufen.“

„Nur herein.“ Caradan machte eine überschwänglich einladende Bewegung und ließ Aenaeris den Vortritt. Im Zimmer war es angenehm warm, da die Kühle der Nacht langsam auch die drückende Hitze im Zimmer milderte. Die Laken auf dem Bett waren noch vom Morgen zerwühlt, ein paar leere Weinbecher lagen verstreut und die immer noch aus den Angeln gehobene Tür, lehnte an einer Wand. Auf einem kleinen Tisch, also einem kleinen Fass mit einem Brett als Platte, lag ein zerschundenes Buch, eine todlangweilige Geschichte über einen Apotheker und in einer daneben, sozusagen als Hocker, eine Holztruhe. „Du siehst, ein wahrer Palast.“, seufzte der Dieb. Im Nachhinein meinte er zu wissen, welches seiner Argumente letztlich dazu geführt hatte, dass sie mit hinauf gekommen, also machte er sich gleich auf die Suche nach der Flasche Weinbrand. Vermutlich war sie in den Tiefen dieser Truhe. Er klappte den Deckel hoch und war wieder mal erstaunt, was da so alles drin war. Nach und nach holte er ein Schwert, das er im Leben wohl nie benutzen würde, einen abgewetzten Gehrock, alte, fleckige Spielkarten und ein ledernes Mäppchen, welches seine Dietriche enthielt, heraus und warf alles auf einen Haufen. Die Truhe enthielt noch ein paar schmutzige, stinkende Kleider, aber keinen Weinbrand. Das war verwunderlich, er war sich sicher gewesen, dass er noch eine hatte. Aus einer Laune heraus warf er einen prüfenden Blick in alle Ecken und unters Bett, wo er zu seiner Erleichterung die Flasche fand. Mit einem entschuldigenden Grinsen reichte die Flasche Aenaeris. „Da ist der edle Tropfen.“ Er stopfte seine Habseligkeiten wieder unordentlich in die Kiste, setzte sich auf sie und blickte aus dem Fenster. Eine kühle Brise umwehte sein Gesicht und er genoss es einen Moment. Vor den Toren des Handelspostens sah er die Dutzenden Feuer der Lagernden, hörte dumpf den Lärm der Gelage, ebenso wie den Lärm unter ihnen. Die Straßen waren leer, bis auf den ein oder anderen, der lallend und vermeintlich ungesehen an irgendein Haus pisste. Die junge Frau reichte ihm die Flasche und er nahm einen großzügigen Schluck. Sein Blick wanderte wieder nach draußen und er sah eine kleine, untersetzte Gestalt, wie sie sich im Schatten der Häuser zielstrebig auf ins nächstgelegene Hurenhaus machte. Caradan fing an zu lachen. Er winkte Aenaeris zu sich. „Schau mal der da unten. Der Kerl arbeitet drüben im Handelskontor, bewohnt da so ein kleines Kämmerchen, vielleicht halb so groß, wie mein Königreich hier. Der ist grade auf dem Weg ins Bordell, wo er sich wie jeden Monat, wenn er es wohl nicht länger aushält, eine junge Frau kaufen wird. Immer die selbe. Dunkelblondes Haar, braune Rehaugen, schlank, aber mit ordentlich Oberweite. Während er sie besteigt und grunzt und keucht, stellt er sich vor, er fickt seine eigene Schwester. Lianna oder so.“ Caradan seufzte und blickte wieder zu Aenaeris. „Was interessiert dich das? Nun eigentlich gar nicht, aber ich will damit was sagen. Ich will sagen, vertraue nie darauf, dass eine Hure ein Geheimnis für sich behält. Denn wie für jede Frau,“, er grinste sie an, „beinahe jede Frau, ist Klatsch wie der Honig in der Milch.“ Caradan breitete unschuldig die Arme aus. „Oder das Starrkraut in der Pfeife.“, zwinkerte er ihr zu. „Das ist auch der Grund, warum ich nicht unten darüber reden wollte.“ Der Dieb atmete noch einmal tief durch. Noch war er sich nicht absolut sicher, er musste sich erst noch ein wenig heran tasten. „Starrkraut wirst du hier draußen nur schwer bekommen und wenn, zu einem verdammt hohen Preis. Ich weiß das, weil ich vor nicht allzu langer Zeit ein nettes Sümmchen für eine Hand voll Blüten bekommen habe. Wie du spätestens jetzt gemerkt hast, bin ich nicht gerade das, was man einen aufrechten Menschen nennt. Ich bin ein Dieb und als solcher, ziemlich gut.“ Er grinste. „Bin eben mit den Fingern sehr geschickt. Aber manchmal hilft selbst Fingerfertigkeit nicht aus, sondern nur brachiale Gewalt.“ Er beobachtete sie ganz genau, während er vorsichtig seine Worte abwog. „Aber ich bin kein Verehrer von Gewalt. Sie ist nützlich, keine Frage, aber so schrecklich unkreativ. Klar könnte ich für mein Vorhaben ganz einfach ein Dutzend Idioten anheuern. Aber wieso Geld vergeuden, wenn doch eine einzelne Dame zehn von denen Wert ist? Jedenfalls wenn sie sich nicht davor scheut, sich ein wenig die Hände schmutzig zu machen und ganz wichtig, ihr Maul halten kann. Nicht wie die Huren, die jedem alles erzählen, wenn ihnen einer mal zu hört.“ Er stand auf und reichte ihr die Flasche wieder. „Und da hätte ich gerne deine Einschätzung. Kennst du so eine Dame? Eine Dame die genau so viel Eier hat, wie jeder Kerl da unter uns? Wenn ja, dann soll sie sich morgen Mittag mit mir genau hier in dieser Absteige treffen.“ Caradan stellte sich vor Aenaeris und verschränkte die Arme. „So ich denke wir waren lange genug hier, damit mein Freund denkt, er habe die Wette verloren.“ Er deutete auf die Tür. „Du darfst gehen, wenn du möchtest.“ Mit einem grinsen nahm er ihr die Flasche aus der Hand und ließ sich aufs Bett fallen. „Es sei denn ich besitze auf einmal eine unerklärliche Anziehungskraft auf dich und du willst mir unbedingt helfen, die Wette auf ehrliche Art zu gewinnen.“ Der Dieb nahm noch einen tiefen Schluck und schloss die Augen. „Oder du bleibst einfach nur, weil du einen Schlafplatz brauchst, mir egal. Aber ich werde dieses Bett nicht wieder verlassen.“
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

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Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Di, 02. Mai 2017 12:45

Aenaeris begann breit zu grinsen, als Caradan ihr erzählte, was aus der Adeptin geworden war. Dass er aus dem Bett geschleift und als Vergewaltiger bezichtig worden war, trug die Handschrift der Oberin Mutter, da war sie sich ganz sicher. Er sprang sofort auf, als Aen ihm vorschlug erst einmal Alkoholnachschub zu besorgen, und während er verschwand, lehnte sich die Arcanierin zurück, und genoss ihre Pfeife. Es tat gut, wieder das zu tun, was sie am liebsten tat: Süßes Nichtstun, bar jeglicher Verpflichtung, und wenn dies nur war, der gläubigen Truppe zumindest vorerst entkommen zu sein. Je länger sie hier saß, desto mehr fragte sie sich, warum sie sich in ihr Schicksal ergeben, und der Oberin nicht auch nur einmal die Stirn geboten hatte. So kannte sie sich schließlich nicht. Caradan kam zum Tisch zurück. „Nur das Feinste vom Feinsten, Gnädigste“ verlautete er mit ernster Miene. Aen nahm die Pfeife aus ihrem Mund und wedelte unwirsch mit der Hand. „Gnädigste klingt nach einer alten Frau in einem Kleid aus Seide oder Brokat. Es ist nicht nötig, mir Honig ums Maul zu schmieren, es reicht, wenn du mich Aenaeris nennst.“ Sie nahm einen Schluck von dem neuen Wein, er schmeckte überraschend angenehm. „Na dann, Aenaeris, jetzt wo deine Kehle wieder feucht ist, erzähl mal was eine Arcanierin so weit weg von zu Hause macht.“ Sie setzte den Becher ab und blickte ihn forschend an. „Auch wenn man schon lange nicht mehr daheim war, erkennt man seinesgleichen, meine Hübsche.“ Da nickte sie und nahm die Pfeife wieder auf. Nachdem sie einen Zug getan und den Rauch in die schneidend dicke Schenkenluft geblasen hatte, begann sie „Nun, da gibt es kaum etwas Interessantes zu berichten…“ Was natürlich nicht stimmte, aber das musste sie ihm ja nicht unbedingt auf die Nase binden. Im Gegenteil, es gab ziemlich interessante, oder unglaubwürdige Geschichten, die dennoch wahr waren. „Vor…mhm… ungefähr zwei Jahren ist der Tempel in den meine Eltern mich gesteckt haben, abgebrannt.“ Caradans Miene ließ sich entnehmen, dass er sehr erstaunt war über ihre Worte. Da lächelte sie und sprach weiter, bevor er zu einer eventuellen Frage ausholen konnte. „Ja, ich war auch eine Adeptin, die aufs Amt einer Tempelpriesterin vorbereitet wurde. Aber das war der Wunsch meiner Eltern, nicht der meinige. Sie haben mir eine harte, strenge und gläubige Ausbildung erteilt und eines Tages kam der Tag, da ich eintreten musste in den Orden. Naja jedenfalls ist der Tempel abgebrannt, und es gelang mir zu fliehen. In Lanyamere habe ich dann einen Mann kennengelernt, der ein Jahr lang mein Gefährte war. Wir sind bis in die wilden Lande gereist, seine Heimat… Aber ich bin nicht sesshaft und so sind wir nach einiger Zeit wieder losgezogen. Aber auf Dauer war das nichts mit uns und wir sind getrennter Wege gegangen. Manchmal vermisse ich ihn noch… man sagt, seinen ersten Mann, oder die erste Frau vergisst man nie im Leben, nicht wahr? Da scheint was Wahres dran zu sein, aber es war am Besten so, denke ich. Naja, das letzte Jahr bin ich einfach so quer durch die Nordreiche gezogen, ich sehe mir gerne die Welt an. Und jetzt dachte ich mir, ich schaue mir mal das berühmt berüchtigte Brisangen an. Das wars schon. Nicht allzu spannend, was?“ Nicht allzu spannend, wenn man all das Drumherum ausblendete. Die Tatsache, dass Thero ein Werwolf war, dass sie geflohen waren weil er einem Schenkengast mit einer Axt den Schädel gespaltet hatte, dass sie sein Kind verloren hatte, das ihr eigener fanatischer Bruder ihr aus dem Leib geprügelt hatte, dass sie ihn erst totgelaubt hatte und ihm wiederbegegnet war, wo sie dann schließlich getrennter Wege gegangen waren, weil Thero all das nicht hatte verarbeiten können… dass sie zweimal im Gefängnis gesessen hatte, unzählige Menschenleben auf dem Gewissen, die Begegnung mit Silvar, das Feuerrohr… Wenn sie auf ihr Leben zurückblickte, konnte sie von sich behaupten, dass sie kaum etwas ausgelassen hatte, kaum etwas nicht erlebt hatte, dass sie einen großen Erfahrungsschatz besaß, auch, wenn all dies immer wieder großes Leid bedeutet hatte… Sie war zufrieden. Sehr zufrieden. Sie war jung, sie war schön, sie war gesund, und sie hatte das Glück, stets auf der richtigen Seite des Lebens zu stehen, auch, wenn es gerade nicht einmal rosig aussah. Das Starrkraut hatte seine Wirkung entfaltetCaradan zückte ebenso eine Pfeife, aber was er da hineingab, das hatte sie noch nie gesehen. Ein dunkler zäher Klumpen, von dem er etwas abschabte und in das Pfeifenkraut mengte. Neugierig beugte sich Aenaeris leicht vor „Was hast du da?“ Vheorin“ erklärte er, ohne dabei von seiner Pfeife aufzusehen. „Oder auch Mohnsaft. Eine nette Alternative zu der Kostbarkeit die du da in der Pfeife rauchst. Man kann es rauchen, roh essen oder in Wein aufgelöst trinken.“ Aen schenkte ihm ein wissendes Lächeln. Er kannte also Starrkraut? Im Großen und Ganzen musste man kaum vorsichtig sein, die wenigsten Menschen kannten das. Die Bauern, die Handwerker, die Tagelöhner, die einfachen Leute, kannten kein Starrkraut. So musste man sich kaum drum scheren, das Zeug öffentlich zu rauchen. „Achso. Es sieht etwas anders aus im Schenkenlicht. So etwas hatten wir damals im Tempel auch, im Lazarett. Bekamen aber nur die Todgeweihten, Schwerverwundeten, die große Schmerzen hatten. Weil das Zeug so extrem abhängig macht. Wie auch das Starrkraut. Aber irgendein Laster braucht man, sag ich immer. Ich habe mehr als ein Laster. Starrkraut, Pfeifenkraut, Alkohol, und Männer.“ Sie grinste und trank ihren Wein aus. Geräuschvoll ließ sie ihren Becher auf die Tischplatte hernieder gehen, als Caradan tönte „Hör mal…“ Neugierig beugte sie sich vor und lauschte. „Ich hab mit meinem Freund Rogan eine Wette laufen.“ „Rogan? Kurzes, strubbeliges schwarzes Haar? Dreitagebart?“ Caradans bestätigendes Nicken entlockte ihr ein Lachen. „Der saß heute auch schon bei mir. Aber nur sehr kurz. Ich hab keine Ahnung, aber irgendwie war der gar nicht mein Fall. Obwohl er ja nicht so hässlich ist…“ Sie stützte ihren Kopf in die Hand. „Aber kennst du das, wenn du jemandem begegnest, mit dem du keine drei Sätze wechseln kannst, egal wie sehr du dich bemühst? Du bemühst dich geradezu krampfhaft, aber da steht einfach eine Mauer zwischen euch. Und dann gibt es wieder die, mit denen du aus dem Nichts die ganze Nacht und den ganzen Tag plaudern könntest, über die nichtigsten Dinge…“

Caradan hielt ihr eine Kupfermünze entgegen, welche sie fixierte. Dann zeigte er seine andere, leere Hand und sie folgte seinem Fingerzeig. Mit einem geschickten Trick hatte er plötzlich zwei Heller in der Hand., die Kupfermünze war verschwunden. Aenaeris war begeistert. Sie mochte kleine Kunststückchen und Taschenspielertricks. „Vier Heller, dass ich dich ins Bett kriege. Du kriegst zwei, wenn du mit nach oben kommst.“ Er schob ihr die Münzen hin und Aen musste lachen „Was? Du denkst, ich würde für zwei schäbige Heller mit dir ins Bett steigen? Wegen einer Wette?“ Das erheiterte sie. Sie konnte sich nicht entsinnen, dass jemand um sie gewettet hatte. Und ja, verdammt, es schmeichelte auch ein wenig. Vier Heller waren für einen gewöhnlichen Mann nicht unbedingt wenig Geld. Also konnte es sich bei Caradan nicht um einen gewöhnlichen Mann handeln. Das machte sie neugierig. „Muss ja nur so aussehen als ob. Abgesehen davon, würde ich gerne die Meinung einer Frau zu einer gewissen Sache hören, die nicht durch Geld bestochen wurde.“ Aen lehnte sich entspannt zurück, grinste und fragte „Wenn du mir zwei Heller anbietest, ist das nicht auch wie Bestechung?“ Er erhob sich. „Außerdem hab ich oben noch eine Flasche Weinbrand, falls du es satt hast diese verwässerte Plörre hier zu saufen.“ Dass er sich just jetzt, wo sie sich zurückgelehnt hatte, erhob, machte sie unentspannt. „Du gehst? Warte, ich habe überhaupt noch nicht zugesagt!“ hob sie zu einem Protest an. Aber er setzte sich trotzdem in Bewegung. Somit sprang sie vom Stuhl auf, schnappte sich ihre Habe und folgte ihm die Stufen hinauf.

„Nur herein“ überließ er ihr den Vortritt und Aen betrat das Zimmer und blickte sich um. Für ein Zimmer einer Schenke war es recht gut ausgestattet. Aber unordentlich. Weinbecher lagen herum, eine leere Weinflasche, das Bett war zerwühlt, das Bett, wo Caradan die Adeptin herangenommen haben musste. Irgendwie fühlte sie sich unwohl. Er hatte gewettet, sie ins Bett zu bekommen, hatte betont, dass er nicht soweit kommen musste, aber irgendwie fand sie, sie war unvorsichtig. Auf der anderen Seite war sie im Gefängnis in Onvorthad von den Wachen so oft gegen ihren Willen genommen worden, dass sie, was das betraf, vermutlich schon ziemlich abgestumpft war. Dass die Adeptin freiwillig mitgemacht hatte, konnte ebenso wahr wie frei erfunden sein. Abwartend blieb Aen stehen und beobachtete Caradan, wie er eine Truhe durchwühlte. Er förderte die seltsamsten Dinge zutage, schien aber nicht zu finden, was er suchte. Schließlich holte er, auf den Knien, unter dem Bett eine Flasche hervor, welche er ihr reichte. Eigentlich war ihr Ziel nicht gewesen sich hier zu betrinken, aber trotzdem zog sie den Stopfen der Flasche und trank daraus einen großen Schluck, der sich brennend seinen Weg in ihre Eingeweide bahnte. Schließlich trat sie an Caradan heran, welcher es sich auf der Holztruhe bequem gemacht hatte, und reichte ihm die Flasche. Er nahm ebenso einen großzügigen Schluck aus der Flasche und Aen fand den Umstand, dass sie sich eine Flasche Weinbrand teilten, irgendwie sympathisch. Dass er den Flaschenhals vorher nicht abwischte, irgendwie verbindend. Sich den Flaschenhals zu teilen ohne ihn vorher abzuwischen war irgendwie wie ein flüchtiger Kuss. Sich eine Flasche Weinbrand zu teilen war… Aen wischte die unsinnigen Gedankengänge, die doch nur dem Starrkraut geschuldet waren, beiseite. Caradan winkte Aen zu sich und erzählte etwas von einem Kerl, der eine Hure fickte und sich dabei vorstellte, er würde seine Schwester besteigen. Warum erzählte er ihr das? Aen war skeptisch. Aber sie sollte ihre Antwort gleich auf den Fuß erhalten. „Ich will damit was sagen. Ich will sagen, vertraue nie darauf, dass eine Hure ein Geheimnis für sich behält. Denn wie für jede Frau… beinahe jede Frau, ist Klatsch wie der Honig in der Milch.“ Aen schüttelte den Kopf. „Ich habe noch nie etwas auf Klatsch und Tratsch gegeben… Und Milch muss ich nicht unbedingt haben“ bemerkte sie ablehnend. „Oder das Starrkraut in der Pfeife…“ zwinkerte er ihr wissend zu. Nun kam die Wahrheit ans Licht. Er offenbarte sich ihr als ein Dieb. Er redete um den heißen Brei, bevor er zum Kern der Sache kam „Und da hätte ich gerne deine Einschätzung. Kennst du so eine Dame? Eine Dame die genau so viel Eier hat, wie jeder Kerl da unter uns? Wenn ja, dann soll sie sich morgen Mittag mit mir genau hier in dieser Absteige treffen.“ Er meinte sie… Er wollte sie nicht direkt fragen, vielleicht hielt er sie nicht für vertrauenswürdig, aber er wollte wissen, ob sie diejenige wäre, die sie suchten. Aen grinste. „So eine kenne ich. Die hat, für eine Frau, Eier in der Hose. Sie hat schon sehr viel erlebt, sie ist zweimal gesessen, und was man so munkelt hat sie auch schon das eine oder andere Menschenleben auf dem Gewissen. Sie kann ebenso liebenswürdig wie auch skrupellos sein. Aber sie kann entsetzlich anstrengend sein, ist sehr launisch, und braucht stets Unterhaltung, weil sie sich schnell zu langweilen beginnt. Ich werde sie suchen und dir bringen.“ So ich denke wir waren lange genug hier, damit mein Freund denkt, er habe die Wette verloren.“ „So schnell? Das zählt? Dein Freund und du, ihr müsst ja schlechte Liebhaber sein, wenn ihr mit so einer kurzen Leistung zufrieden seid…“ Er deutete auf die Tür. „Du darfst gehen, wenn du möchtest.“ „Du wirfst mich raus?“ fragte sie. Mit einem Grinsen nahm er ihr die Flasche aus der Hand und ließ sich aufs Bett fallen. „Es sei denn ich besitze auf einmal eine unerklärliche Anziehungskraft auf dich und du willst mir unbedingt helfen, die Wette auf ehrliche Art zu gewinnen.“ Seine offene Art war entwaffnend, aber Aen schüttelte sacht den Kopf. „Da, wo du erst gestern einer Adeptin die Unschuld genommen hast? Nicht sehr anziehend…“ „Oder du bleibst einfach nur, weil du einen Schlafplatz brauchst, mir egal. Aber ich werde dieses Bett nicht wieder verlassen.“ Aen rollte mit den Augen. Genauso hatte die Sache mit Silvar angefangen. Auch, wenn er so hochanständig gewesen war und die Sache nicht ausgenutzt hatte. Sie hatten zwar von Anfang an gemeinsam in einem Bett geschlafen, gelaufen war aber erst viel später etwas. Caradan hingegen hielt sie nicht für so hochanständig. Aber auch nicht für einen Drecksack. Aen stemmte die Hände in die Hüften und dachte nach. Es gab in Brisangen keine freien Zimmer, sie hatte sich schon umgesehen. Das hier war eine einmalige Gelegenheit. Gut. Sie würde bleiben. Doch sie nahm sich vor, nicht mit ihm zu schlafen. Egal, wie viel Starrkraut und Alkohol sie im Blut hatte. Aber wer wusste schon, was der Abend noch bringen würde? Sowas konnte man schließlich nicht planen. „Ich bleibe“ entschied sie. Aen löste das Band, das ihre Haare auftürmte, zog sich ihr Kleid aus, stieg in das Bett und legte sich neben Caradan ins Bett. Eins der Laken zog sie sich trotz der Wärme über. Man musste ja nicht wie am Präsentierteller neben einem Mann liegen.

Am nächsten Tag schlief Aenaeris gewohnheitsmäßig bis nach Mittag. Auch dauerte es eine Weile, bis sie die Augen endlich geöffnet hatte. Das bedeutete aber nicht, dass sie nicht schon längst wach war. Sie hörte Stimmengemurmel. Die eine Stimme gehörte Caradan, die andere, daran konnte sie sich auch noch irgendwie erinnern, Rogan. Was wollte der denn hier? Davon abgesehen… sie hatte wunderbar geschlafen! Hier könnte sie es durchaus länger aushalten, als nur eine Nacht. Die Arcanierin reckte, und streckte sich, und öffnete schließlich die Augen, bevor sie sich im Bett aufsetzte und sich umblickte. Die beiden Männer, deren Stimmen sie gehört hatte, ließen ihre Augen auf ihr ruhen. „Guten Morgen“ tönte Aen ausgeruht und gutgelaunt. Zuerst fixierte sie Rogan. Denn warum er sie anstarrte, wusste sie. Zum einen konnte sie sich denken, dass er über verlorene vier Heller nicht gerade begeistert war, zum anderen, dass sein Freund erfolgreicher gewesen war als er. Doch die eigentliche Frage stellte sich Aen, als ihr Blick schließlich auf Caradan fiel. Was war eigentlich die vergangene Nacht geschehen? Hatten sie, oder hatten sie nicht? Starrkraut, gepaart mit Alkohol, hinterließ immer schreckliche Gedächtnislücken bei ihr. Mit immer wacherem Blick fixierte sie die beiden stumm, bis sie sich schließlich mit beiden Händen durch ihr Haar fuhr. „So, da bin ich. Die Frau mit Eiern in der Hose. Ich würde jetzt zu gerne mehr erfahren!“
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Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Do, 04. Mai 2017 23:11

Caradan hatte die Augen geschlossen und hörte nur, wie sich Aenaeris bewegte. Erfreut stellte er fest, dass sie nicht den Raum verließ, sondern sich tatsächlich zu ihm legte. Schon fast gewohnheitsmäßig huschte seine Hand kurz zu ihr hinüber, aber er zog sie schnell wieder zurück. Doch er berührte sie und spürte weiche Haut, was ihn sehr überraschte, da er da eigentlich den Stoff ihres Kleides vermutet hätte. Heimlich spähte er zwischen zusammengekniffenen Augen zu hier und erhaschte zu spät einen Blick, denn sie hatte bereits das Laken hochgezogen, was er nicht ohne Bedauern feststellte, jetzt wo er sich sicher war, dass sie nackt neben ihm lag. Er musste grinsen. Jetzt würde Rogan, sollte er heimlich nachsehen definitiv denken, er hätte die Wette verloren. Allein bei dem Gedanken, wie sie da neben ihm lag, floss ihm auch der letzte Blutstropfen ferne Gefilde. Sein Kopf wurde langsam schwer, wie immer, wenn er Weinbrand trank. Seine Gedanken gingen zunehmend langsamer und blieben immer länger an gewissen Themen hängen. Zum Beispiel ihren Kommentar. Wie konnte sie behaupten er sein schlecht im Bett, jedenfalls bevor sie es versucht hatte. Das kratzte gehörig an seinem Stolz, immerhin hatte er bisher noch keine einzige abfällige Bemerkung gehört. Gut, die meisten Frauen waren Huren gewesen, die er bezahlt hatte, aber trotzdem ärgerte es ihn. „Die Wette zu gewinnen.“, begann er nach einer Weile, „wäre Arbeit gewesen. Arbeit bringe ich prinzipiell schnell hinter mich. So habe ich viel mehr Zeit für das Vergnügen.“ Er musste sich richtig anstrengen um nicht neugierig zu gucken, wie Aenaeris auf die Worte reagierte, wenn überhaupt. Vielleicht schlief sie schon und er hatte sich nur um seiner selbst Willen verteidigt. Das ärgerte ihn beinahe noch mehr. Er hörte ein leises Rascheln und plötzlich griff sie ihm, viel zu grob um irgendwie ein Annäherungsversuch jeglicher Art zu sein, zwischen die Beine. Er gab ein überraschtes Keuchen von sich, rührte sich aber nicht. Mit einem amüsierten Schnauben ließ sie wieder von ihm ab und dann war es wieder still. Es machte ihn wahnsinnig! Wie war das nun wieder gemeint? Er wurde nicht schlau daraus. War das ein verächtliches Schnauben? Ein anerkennendes? War es als Verachtung getarnte Anerkennung oder gespielt anerkennende Verachtung? Er wusste es nicht und er weigerte sich, sie danach zu fragen. Das kam nicht in Frage. Er fühlte sich ein wenig verarscht von ihr, aber es machte ihn geil – das musste er sich eingestehen.

Am nächsten Morgen erwachte Caradan mit gehörigen Kopfschmerzen. So kannte er das gar nicht. Klar, jedes Mal war sein Kopf schwer, aber dass ihm so die Schläfen pochten, hatte er noch nicht erlebt. Langsam wälzte er sich auf die Seite und setzte sich auf die Bettkante. Die Sonne hatte schon fast ihren Zenit erreicht. Der Dieb rieb sich den Schlaf aus den Augen und starrte aus dem Fenster. Irritiert stellte er fest, das er kein Hemd mehr trug oder das seine Hose jenseits der Knie herumhing. Hatten sie letzten Endes doch? Dafür sprach, dass ihm das Laken förmlich am Körper klebte. Das konnte zwar auch an der drückenden Hitze liegen, die sich jeden Morgen aufs neue ins Zimmer stahl. Aenaeris lag auch noch nackt da. Verdammt er wusste es nicht mehr. Was er aber wusste, war das er ganz schon pissen musste. Unter lautem ächzen erhob er sich, zog die Hose etwas höher und ging hinaus aus dem Zimmer. Hier oben waren noch etwa ein halbes Dutzend Zimmer und am Ende des Ganges war ein kleines Fenster. Wie immer wenn er keine Lust hatte den Abort draußen im Hof aufzusuchen, marschierte er schnurstracks auf das Fenster zu und pisste einfach hinaus auf die kleine Seitengasse. Ab und zu erwischte er einen schlafenden Säufer, so wie heute. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht, versuchte er auf die das Grölen unter ihm zu zielen, was zu noch mehr Gezeter führte. Er packte sein besten Stück wieder ein und schlich sich wieder ins Zimmer. Aenaeris schlief anscheinend noch, die perfekte Gelegenheit, sie im wachen Zustand mal näher zu begutachten. Ein Glück war das Laken verrutscht, so musste er sich nicht seiner Phantasie ergeben. Oh ja, er würde sich wirklich ärgern, wenn sie [18]gefickt[/18] hatten und nicht bald die Erinnerungen zurück kamen. Das durfte einfach nicht sein. Andererseits, würde er so eine Nacht vergessen? Während er die Schlafende so anstarrte, fiel sein Blick auf dieses Schmuckstück am Oberarm. Das sie das nicht störte, wunderte er sich. Andererseits, im Suff störte einen so ziemlich gar nichts, wieso dann so ein Ding, das man sowieso immer trug. Er erkannte auch, dass das Ding irgendwas verdeckte konnte es aber nicht wirklich erkennen. Vielleicht eine hässliche Narbe oder so. Er sah, dass sein Hemd vor dem Fenster lag und hob es auf. Sein Blick viel auf den geräumigen Platz mit dem Brunnen und er erkannte Rogan, wie er sich mit einem kleinen, zwielichtigen Kerl unterhielt. Caradan beobachtete die Szenerie eine Weile. Irgendwie wollte er Rogan Bescheid geben, dass er wach war, aber er wollte weder nach unten, noch laut herum schreien. Stattdessen wartete er, bis Rogan irgendwann von selbst einen Blick in seine Richtung warf. Er winkte ihm mit seinem Hemd und der Söldner kam auf ihn zu. „Gut geschlafen?“, rief er hinauf und der Dieb grinste. „Gut [18]gefickt[/18] auch. Bring einen Eimer Wasser mit, wenn du hochkommst.“ Caradan ging vom Fenster weg und sein Blick viel erneut auf Aenaeris. Hastig zupfte er das Laken zurecht um sie etwas besser zu verhüllen, immerhin wollte er nicht, dass sich Rogan sabbernd auf dem Boden wälzte und sich einen runterholte. Das mochte er sich nicht einmal vorstellen. Leise wie er trotz seiner Gestalt war, kam Rogan die Treppe nach oben und gesellte sich zu ihnen. Natürlich blieb sein Blick zuerst auf Aenaeris kleben, bevor er einen bösen Blick zu Caradan warf. Der hielt ihm die Hand entgegen. „Du schuldest mir was.“, sagte er leise, aber ohne zu flüstern. Widerwillig kramte der Söldner fünf Heller hervor und schnippte sie ihm nach und nach hin. Caradan fischte sie alle gekonnt aus der Luft. Der Dieb stand auf und lehnte sich neben Rogan gegen die Wand. Rogan wandte den Blick von Aenaeris ab und schaute Caradan an. Der Dieb blickte ihn fragend an. „Und?“, drängte er den Söldner, „hast du wen gefunden?“ Rogan nickte. „Zwei Kerle. Einen Wilden. Wigbold Irgendwas-son, keine Ahnung, die Namen klingen eh alle gleich. Der andere Kerl heißt Faegot Godders.“ „Godders?“, fragte Caradan besorgt. „Den Namen kenne ich.“ Rogan nickte. „Ganz genau der. Wenn wir Glück haben stirbt er während der Unternehmung, dann haben wir alle was davon.“ Faegot Godders, war ein gesuchter Mörder, auf dessen Kopf eine ansprechende Belohnung ausgesetzt war. Es war ein schieres Wunder, wie Rogan diesen Namen erfahren hatte, aber wenn man Sachen lieber nicht wissen sollte, fragte man besser nicht nach. „Und du? Wen hast du?“, fragte Rogan. Caradan grinste. „Einmal Willem Sargas, der nicht ganz so gesetzestreue Hüter des Gesetzes und jemanden den er noch mitbringen will. Ich mag ihn, also trau ich ihm. Und dann noch meine Gesellschaft von letzter Nacht.“ Rogan starrte erschrocken zu Aenaeris. „Was denn sie?“ Einen Herzschlag zu lange gestarrt und schon konnte der Söldner seinen Blick nicht mehr abwenden. „Natürlich.“, lächelte Caradan. „Ich weiß ja nicht.“, murrte Rogan. „Die macht mir nicht den Eindruck als ob -“ „Als ob was?“, schnitt der Dieb ihm das Wort ab. „Sie soll keine zehn Mann niedermetzeln. Sie soll sie ablenken, ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen. So wie bei dir.“ Um seine Worte zu untermauern hielt er Rogan dessen Geldbeutel unter die Nase. Wütend riss er sein Habe wieder an sich. Caradan lachte auf. „Du warst so damit beschäftigt, durch das Laken zu starren, dass du nicht gemerkt hast wie ich dich bestehle. Ich kanns dir nicht verdenken und jetzt überleg mal, wer würde nicht für sie anhalten?“ Er stieß dem Söldner in die Seite. „Komm schon, das wird.“ Der Söldner murrte seine Zustimmung. Dann erwachte Aenaeris und setzte sich auf. Dabei glitt das Laken in ihren Schoß und enthüllte sie in ganzer Pracht. Caradan musste sich ein lachen verkneifen, als er Rogans Blick sah. „So, da bin ich.“, meinte Aenaeris. „Die Frau mit Eiern in der Hose. Ich würde jetzt zu gerne mehr erfahren!“
Der Dieb grinste. „Aber natürlich, aber wenn ich jetzt weiter rede, gibt‘s kein Zurück, klar soweit?“ Er wartete einen Moment und fuhr dann fort. „Du bist das siebte Mitglied unserer Unternehmung. Brisangen ist ein Handelsknoten, ständig kommen und fahren Karren, mit ganzen Schiffsladungen voll Kostbarkeiten. Wir“, er deutete auf Rogan und sich, „wollen uns daran bereichern. Genauer gesagt wollen wir einen Karren überfallen. Morgen um diese Zeit liegen wir ein paar Wegstunden von hier auf der Lauer. Der Karren wird eine ganze Menge Felle und Pelze aus der Steppe geladen haben, die interessieren uns aber nicht. Der wahre Schatz ist eine kleine Holzkiste, voll mit blauem Honig. Das ist es, worauf wir aus sind. Die Felle sind nur Tarnung und nebensächlicher Gewinn. Dazu brauchen wir einen Haufen starker Männer, wie unseren Rogan hier, einen scharfen Verstand, wie den meiner bescheidenen Wenigkeit und, zu guter Letzt, eine hübsche Frau, für die jeder Mensch, ob jung, ob alt, anhalten würde. Wenn diese Frau noch hart im Nehmen ist, umso besser.“ Caradan grinste und stellte sich vor Aenaeris. „So und jetzt zieh dir bitte etwas an, bevor Rogan noch tot umkippt.“

Etwas mehr als eine Stunde später standen Aenaeris und Caradan in der nähe der Latrinen, draußen vor den Toren. Ein Übelkeit erregender Gestank lag in der Luft, noch durch die Hitze des Sommers gesteigert. Sie beobachteten einen Mann, der eifrig und fröhlich pfeifend damit beschäftigt war, die Pissbottiche, die er selbst dort deponiert hatte, in große Fässer umzufüllen und als ob das noch nicht schlimm genug war, hatte er bereits ein paar Fässer mit Taubendreck und Kuhfladen bereit stehen. Im Nachhinein, waren Caradans Worte, sie würden einen wahren Meister seines Faches, eine echte Legende unter Apothekern aufsuchen, vielleicht etwas übertrieben gewesen. Der Dieb schlug sich die Hand vor den Mund, als ihn ein leichter Brechreiz überkam. „Entschuldigt!“, rief er dem Mann zu. „Wisst Ihr, wo ich Gerrot von Mondaeley finde?“ „Kein von. Ich hab meinen Adelstitel abgegeben.“ Caradan schloss resigniert die Augen. „Oh scheiße, er ist es.“, hauchte er ungläubig. „Ihr seid Apotheker und Alchemist ja?“ „Das bin ich.“, kam es aus der Latrine zurück. „Kennt Ihr Euch mit fremdländischen Pflanzen aus? Aus der südlichen Steppe zum Beispiel.“ Der Mann, Gerrot Mondaeley, stieg aus der Latrine und kam auf sie zu. Der Gestank den er mitbrachte, raubte Caradan schier den Atem. „Ich habe sogar ein Manuskript darüber verfasst.“ Der Dieb nickte. „Gut. Wäre es möglich, dass Ihr mir morgen Abend Eure Einschätzung gewährt. Ich erwarte ein besonderes Geschenk und möchte um dessen Wert wissen.“ Gerrot musterte Caradan skeptisch, dann fiel sein Blick auf Aenaeris und er versuchte charmant zu lächeln. „Aber natürlich, wenn Ihr versprecht die junge Dame hier wieder mitzubringen. Ich denke ich kann dann meine Arbeit kurz ruhen lassen.“ Der Dieb grunzte belustigt. „Arbeit? Was genau macht Ihr denn?“ „Ich stelle Schwarzpulver her.“, gab er stolz von sich. „Kennt Ihr das?“ Caradan überlegte einen Moment. Er hatte schon davon gehört. Angeblich waren das kleine schwarze Körner, die viel Funken und Rauch ausstoben, wenn man sie ins Feuer warf. Mit einem Nicken zeigte er, dass Gerrot fortfahren konnte. „Katzengold, Holzkohle und Salpeter sind essentiell zur Herstellung. Nun Holzkohle bekommt man leicht, Katzengold ist teuer zu beschaffen und Salpeter, den kann ich selbst erstellen. Ich muss nur die Pisse einkochen und dann -“ „Morgen Abend dann?“, unterbrach ihn Caradan, denn er wollte nicht zwingend mehr über kochende Pisse hören. Gerrot nickte. „Morgen Abend.“
Nachdem der Alchemist wieder in die Latrine gestiegen war und sie ein paar hundert Meter weiter weg waren, atmete Caradan erst mal den Gestank aus seinen Lungen und seinem Rachen. Dieser Mann war verrückt. „Ich brauch was zu trinken, sonst kotze ich hier alles voll.“, meinte er. „Ich schwöre dir, wenn wir ihn nicht bräuchten, um den Wert des Starrkrauts zu schätzen...“ Der Dieb winkte abfällig ab. Leider kannte er sich selbst nicht aus und außerdem war er davon überzeugt, dass unabhängige Experten durchaus ihre Vorteile hatten. Sie schlugen den Weg zurück in die Herberge ein. „Heute Nacht lieber keinen Weinbrand.“, scherzte er. „Morgen müssen wir bei Sinnen sein. Außerdem, wäre es schade, wenn noch eine Nacht in Vergessenheit gerät meinst du nicht? So kannst du mir mehr über dein frommes Leben und deinen Sündenfall erzählen.“
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

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Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Fr, 05. Mai 2017 18:12

Caradan grinste, wies sie aber darauf hin, dass es danach keinen Rückzieher für Aen gab. „Natürlich nicht…“ beteuerte Aenaeris und zog die Beine an. Die Arme auf den Knien verschränkt, den Kopf darauf gestützt, meinte sie „Na dann, lass hören…“ Und Caradan erklärte ihr, was sie geplant hatten, was Aenaeris ein breites Grinsen entlockte. Kaum war sie hier in Brisangen angekommen, war sie schon in ein Abenteuer gestolpert. Das entschädigte sie für die letzten Monde, wo nicht wirklich viel passiert war außer mit einer bitterfotzigen Oberin und ihren Schäfchen umherzureisen. Sie wollten also ein Kistchen mit Starrkraut entwenden? „In Ordnung. Ich bin dabei. Wobei ich vermutlich sowieso keine andere Wahl mehr habe, jetzt, wo ich eingeweiht bin, was?“ schenkte sie ihm ein Lächeln. Unauffällig ließ sie ihre Hand unter der Decke verschwinden, die ihre Beine verbarg um heraus zu finden, ob sich bestätigen könnte, ob in der Nicht doch etwas vorgefallen war und betastete ihren Schoß. Es fanden sich keine Spuren, die belegen konnten, dass Caradan und sie miteinander das Lager geteilt hatten. Aber das Fehlen dieser Spur war noch lange kein Beweis. Er hätte sich auch rechtzeitig zurückziehen können, das durfte man auch nicht außer Acht lassen. „Und ich bin hart im Nehmen. Je härter desto besser…“ Aen grinste und zwinkerte Caradan zu. Sie dachte dabei an das Einzige, an das sie sich vom vergangenen Abend noch erinnerte. Nämlich als sie ihn an seinem Gemächt gepackt hatte. Warum sie das getan hatte, konnte sie beim besten Willen nicht mehr sagen. Aber sie hatte es getan. Und er war hart gewesen. Sehr hart. Dass der Rest der Erinnerung im Dunst des Starrkrautrauches aufgegangen war, das war jammerschade. Sie versuchte, etwas an seiner Miene zu erkennen, dass ihr verriet, ob und was passiert war. Aber sie erkannte in seinem Grinsen nichts. „So und jetzt zieh dir bitte etwas an, bevor Rogan noch tot umkippt.“ Aen schmunzelte und schlug die Decke zurück. „Dein Wunsch ist mir Befehl…“ Sie erhob sich, nackt wie sie war und trat in die Mitte des Raumes, wo ihr Kleid lag. Sie schüttelte es aus, streifte es über und angelte schließlich nach ihren Ziegenlederschühchen. Auch die zog sie an, zuletzt legte sie noch ihren Gürtel an, der ihre wenigen Habseligkeiten barg. Erneut ließ sie ihre Blicke über die beiden Männer schweifen. Dass Rogan mitmachte, war ärgerlich. Denn er selbst war ärgerlich. Auf sie, oder auf Caradan, oder auf beide? Nur wegen ihr, zumindest dachte sie das. Verschmähte Männer konnten einem das Leben schwer machen. In dem Punkt waren sie nicht besser als Frauen. Dabei war Rogan einfach nicht ihr Typ. Streng genommen war Caradan das auch nicht. Aber Caradan zumindest hatte sie nicht gegen ihren Willen angefasst, sofern sie sich erinnern konnte. Rogan hingegen gehörte zu einem Männerschlag, die von sich selbst überzeugt waren und sich einfach nahmen, was sie wollten. Es würde sie nicht wundern, wenn er noch einmal einen plumpen Versuch machte. „Ich brauche jetzt erst einmal etwas zu essen…“ beschloss sie.

Aenaeris ließ sich von Caradan zum Markt führen, wo sie sich eine Coralayschnecke kaufte und sich einen Becher Milch geben ließ. Als sie die Milch in einem Zug ausgetrunken hatte, wischte sie sich mit dem Handrücken den Milchbart von der Oberlippe und zupfte sich ein Stück des süßen Gebäcks herunter und steckte es sich in den Mund, während sie weiter, Richtung der Stadtgrenze schlenderten, wo Caradan etwas zu erledigen hatte. Ein unerträglicher Gestank wehte ihnen schon von weitem zu. Hier sammelte man ganz offenkundig den Unrat aus den städtischen Latrinen, sowie Tierexkremente. Aen ließ den Rest ihrer Coralayschnecke in ihrer Umhängetasche verschwinden, denn schon seit einiger Zeit hatte sie nicht mehr das Gefühl, eine Hefegebäck, sondern eher an einem Kuhfladen zu knabbern. Außerdem war ihr der Appetit ohnehin gründlich vergangen. Inmitten diesem überdimensionalen Pisspott stand ein Mann, der Bottiche geschäftig und vergnügt hin und her schüttete. Eine Weile beobachteten sie den Mann, dann fragte Caradan ihn nach einem gewissen Gerrot von Mondaeley, und, wie sich herausstellte, war es jener Mann, der in dem Pisspott herumstakste. Und wie sich des Weiteren herausstellte, brauchte Caradan jenen Mann, um den Wert von südländischen Pflanzen zu bestimmen, wobei es sich da nur um das Starrkraut handeln konnte. Was interessant war an Gerrot war nicht unbedingt der Umstand, dass er Apotheker und Alchemist war, sondern der Umstand, dass er ein Apotheker und Alchemist war, der anscheinend Schwarzpulver herstellen konnte. Ein Umstand, den Aenaeris nicht nur äußerst praktisch, sondern geradezu phänomenal fand. Zuerst war sie skeptisch gewesen, aber nun war sie Feuer und Flamme, diesen kerl wieder zu treffen, wer weiß, wofür er noch nützlich sein konnte! Sie verabredeten sich mit Gerrot für den nächsten Abend, wo Caradan das Starrkraut schon längst sein Eigen nennen würde können. Aenaeris schenkte dem Apotheker noch ihr süßestes Lächeln, das ihr gelingen konnte, dann machten sie kehrt und liefen wieder zurück in die Stadt, wo Aen wieder ihre Coralayschnecke hervorholte und unbekümmert weiter aß. „Ich brauch was zu trinken, sonst kotze ich hier alles voll.“, meinte er und Aen nickte kichernd. „Ich schwöre dir, wenn wir ihn nicht bräuchten, um den Wert des Starrkrauts zu schätzen...“ „Dafür brauchst du ihn?“ fragte die Arcanierin verwundert. „Um ehrlich zu sein, hatte ich schon an deinem von dir hochgelobten scharfen Verstand gezweifelt. Ich meine, man kann doch nicht einen Überfall planen, bei dem man kostbares Starrkraut stiehlt, um dann damit zu einem Apotheker oder Alchemisten zu laufen, ihm das Kästchen samt Inhalt zeigen und dann eine Schätzung erwarten. Was denkst du, passiert, wenn das irgendjemand erfährt, dass wir das Starrkraut geklaut haben? Die werden uns lynchen wollen.“

Die beiden betraten den Schankraum der Herberge und setzten sich an den Tisch. Aenaeris legte gewohnheitsmäßig ihr Beine überschlagen auf die Ecke des Tisches, und rutschte im Stuhl etwas tiefer um es sich bequem zu machen. Ebenso holte sie ihre Pfeife hervor, und das Pfeifenkraut und stopfte sich eine Pfeife, Allerdings ohne Starrkraut. Sie hatte kaum mehr etwas davon, und bevor nicht gesichert war, dass sie etwas davon erhalten würde, versuchte sie, so gut es eben ging, sparsamer damit umzugehen, was sich natürlich schwieriger gestaltete, als erhofft. „Heute Nacht lieber keinen Weinbrand“ meinte Caradan im Scherz. „Morgen müssen wir bei Sinnen sein. Außerdem, wäre es schade, wenn noch eine Nacht in Vergessenheit gerät meinst du nicht? So kannst du mir mehr über dein frommes Leben und deinen Sündenfall erzählen.“ Aenaeris legte den Kopf schief und sah ihn forschend an. „Du weißt also nicht, was heute Nacht passiert ist? Ich auch nicht, um ehrlich zu sein. Aber was nicht in Erinnerung bleibt, kann nicht so großartig gewesen sein“ lachte sie. Der Wirt brachte den bestellten Wein, und Aen entzündete sich die Pfeife mit einem Kienspan an der Talglampe. Als sie den Rauch aus ihrem Mund blies, musterte sie Caradan mit abschätzenden Blicken. Dann senkte sie ihre Stimme. „Vor zwei Jahren habe ich mit meinem Gefährten in den gefallenen Reichen gelebt, in einem verlassenen Bauernhaus. Er war Erfinder und ständig am Tüfteln. Er hatte mich aufgenommen, sagen wir, aus reiner Frömmigkeit. Es ging mir damals in jeglicher Weise sehr schlecht, als ich ihn kennengelernt hatte, und er hat sich selbstlos um mich gekümmert. Wir haben damals eher wie Bruder und Schwester zusammengelebt. Nach einiger Zeit begann ich mich zu langweilen und bin immer öfter den Weg in die nahe Stadt gelaufen, um dort eine Schenke zu besuchen. Dort widerum habe ich einen Mann kennengelernt, der mich beim Hütchenspielen über den Tisch gezogen hat. Lange Rede kurzer Sinn, wir sind miteinander im Bett gelandet und erst als ich wieder zuhause war, habe ich festgestellt dass der Drecksack meinen Geldbeutel geklaut hat. Wir sind dann zurück, haben uns wiedergeholt, was mir gehörte. Und falls du dich fragst, warum ich dir das erzähle, wir haben bei ihm auch ein Beutelchen mit getrockneten blauen Blüten gefunden. So hat das mit dem Starrkraut begonnen. Damals habe ich einiges über Starrkraut gelernt und erfahren. Es gibt bei Starrkraut die sogenannte ‚Eins, Zwei, Drei-Faustregel‘. Schon mal davon gehört? Nein? Hab ich mir fast gedacht…“ schmunzelte sie und zog erneut an ihrer Pfeife. „Also diese Faustregel bestimmt die Qualität und somit auch den Preis der Blüten. Kleine, fehlerhafte oder versehrte Blütenköpfe, also wenn ein Blütenblatt fehlt, oder es irgendwelche Macken hat, liegt der Preis dafür bei etwa einem Heller. Für eine normale Blüte, in Durchschnittsgröße, bezahlt man zwei Heller. Und drei Heller erzielt man für eine der größten, schönsten und perfekten Starrkrautblütenköpfe. Je größer und makelloser die Blüte, desto höher der Wirkstoffgehalt. Das ist schon alles. Also brauchen wir keine Expertenschätzung, die ich sowieso für absolut riskant und unnötig halte. Das einzige was wir tun müssen, ist die Blüten sortieren und bestimmen. Danach kennst du den Wert. Wenn man keiner geregelten Arbeit nachgeht, hat man sowieso Zeit für sowas…“ grinste sie. „Aber mal was anderes…“ begann sie. „Du wolltest mehr über mein Leben in Frömmigkeit und meinen Absturz erfahren, ja? Aber du hast mir noch überhaupt nichts über dich erzählt. Und ich gebe zu, ich bin neugierig. Woher aus Arcanis kommst du zum Beispiel? Und wie alt bist du? Was treibt dich hierher nach Brisangen, oder lebst du hier? Solche Dinge eben…“ Sie nahm einen Schluck Wein und blickte ihn abwartend an. Nach einer ganzen Weile, die sie sich mit Plaudern die Zeit vertrieben hatten, lehnte sich plötzlich ein ungewaschener Kerl mit seinem Stuhl zu ihnen herüber. „He Süße… hast du Lust ein bisschen mit uns zu spielen? Also ich würde ja gern mal an…mit dir spielen…“ grinste er. „Aber nur Bares ist Wahres. Wir spielen hier um Geld. Würfel oder Karten, das kannste dir aussuchen, na was sagst du?“ Die junge Frau warf Caradan einen fragenden und hilfesuchenden Blick zu „Hab ich noch nie gemacht…“ wisperte sie. „Hilfst du mir?“
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Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » So, 21. Mai 2017 23:14

„Ich wusste gar nicht, dass das Zeug so bekannt ist.“, gab der Dieb schnippisch auf ihren Einwand zurück. Klar war es riskant, aber er hatte ja nicht vor herum zu krakeln, dass er eine Kiste Starrkraut erbeutet hatte. Niemand würde sie lynchen, weil niemand wusste was sie da geklaut hatten. Jeder würde denken, eine Ladung Pelze und Felle sei verschwunden. Obwohl das auch nicht gerade ungefährlich war, dass musste er zugeben. Andererseits waren sie nun mal keine ehrenwerten Bürger der Nordreiche, jedenfalls was ihn anging. „Ich mag es nicht, wenn ich kritisiert werde.“, murrte er, hob aber schnell die Hand, bevor Aenaeris was sagen konnte. „Aber ich erkenne, wenn jemand anderes Recht hat.“ Caradan wandte sich ihr zu und sah sie an. „Muss dir wie eine gigantische Dummheit vorkommen, ich weiß, aber sieh dich mal um. Was siehst du? Ich sehe den Arsch der Welt, wo es kein Schwein gibt, dass überhaupt weiß, was Starrkraut oder blauer Honig oder wie auch immer man es nennen will ist. Ich hab ewig gebraucht, den Scheiß zu verkaufen, den ich letztes Mal erbeutet habe. Es gibt gerade mal eine Hand voll Leute ihr, denen ich es verkaufen konnte und die hatten nicht die Möglichkeiten mir größere Mengen abzunehmen.“ Er deutete in Richtung der Latrinen. „Ich weiß nicht was der Kerl da macht, aber ich wette er verwandelt diese Scheiße in Gold – im übertragenen Sinne, denke ich jedenfalls. Und noch viel wichtiger, er hat trotz oder gerade wegen seiner verschrobenen Art einen Zugang zu höheren Kreisen. Und seien wir ehrlich, diese blaublütigen [18]Schwanzlutscher[/18] würden alles kaufen, einfach weil sie es können. Die würden das dreifache ausgeben, weil sie sich nicht darum scheren. Deswegen, will und werde ich ihm meinen Anteil verkaufen und dadurch das ich untertänig seine Meinung erbitte, erschleiche ich mir hoffentlich sein Wohlwollen.“
Während Aenaeris es sich in einem Stuhl gemütlich machte, orderte Caradan mit einem Winken zwei Becher Wein. Oh ja, sie würden sich nicht hemmungslos besaufen, wobei Hemmungen immer so eine Sache waren. Je mehr man trank, desto leichter konnte man seine Hemmungen vor sich herschieben, bis sie schließlich soweit weg waren, dass sowieso alles zu spät war. Er war nicht weiter erstaunt, als sie offenbarte, dass sie ebenfalls nichts mehr wusste. „ Aber was nicht in Erinnerung bleibt, kann nicht so großartig gewesen sein“, meinte sie und lachte. Der Dieb schnaubte amüsiert. „Da liegst du wohl richtig.“, grinste er sie böse an, setzte sich vor sie auf die Kante des Tisches und beugte sich zu ihr hinab, dass sie niemand anderes verstehen konnte. „Hoffentlich enttäuschen wir uns bei der anderen Sache nicht genau so.“ Der Wirt brachte den Wein und Caradan prostete Aenaeris kurz zu und nahm dann einen großzügigen Schluck. Er hörte ihr zu, wie sie davon erzählte, wie sie in Kontakt mit Starrkraut gekommen war. „Damals habe ich einiges über Starrkraut gelernt und erfahren. Es gibt bei Starrkraut die sogenannte ‚Eins, Zwei, Drei-Faustregel‘. Schon mal davon gehört?“ Der Dieb schüttelte den Kopf. „Nein? Hab ich mir fast gedacht…“ „Wenn ich alles wüsste, wäre es ja langweilig.“, gab er zurück und sie fuhr fort, wie man die Blüten des blauen Honigs ordentlich einteilte, um sie dann nach gewissen Merkmalen zu verkaufen. „Das ist schon alles. Also brauchen wir keine Expertenschätzung, die ich sowieso für absolut riskant und unnötig halte.“ Der Dieb seufzte. „Dein Einwand wurde vermerkt.“, erwiderte er mit einem honigsüßen Lächeln.
„Aber mal was anderes…“ begann sie. „Du wolltest mehr über mein Leben in Frömmigkeit und meinen Absturz erfahren, ja? Aber du hast mir noch überhaupt nichts über dich erzählt. Und ich gebe zu, ich bin neugierig.“ Der Dieb zuckte mit den Schultern und sah sie schief an. „Über mich gibt‘s nicht so viel zu erzählen.“ „ Woher aus Arcanis kommst du zum Beispiel? Und wie alt bist du? Was treibt dich hierher nach Brisangen, oder lebst du hier? Solche Dinge eben…“ Caradan lachte leise auf. Na gut, solche Dinge konnte man immer erzählen. „Nagut.“, gab er sich geschlagen und zog sich einen Stuhl näher zu ihr. Er fläzte sich darauf und überlegte einen Moment. „Ich bin ein Hurensohn aus Lanyamere. Bin da in einem Bordell aufgewachsen. War ganz in Ordnung, ich hab gelernt immer das zu sein, was gerade nötig war. Ein Freier hatte Durst, ich hab ihm Wein gebracht. Eines der Mädchen musste sich waschen, ich hab Wasser gebracht. Ich sollte mich verpissen, ich habe mich unsichtbar gemacht. Wichtige Fähigkeiten, die mir auch heute noch helfen. Also was noch.?“, überlegte er weiter. „Ich hab einen Mann getötet und musste deshalb abhauen. Ich habe dann zwei Leute getroffen in der Nähe von Vamureon. Er war ein adeliger [18]Flachwichser[/18] und sie eine [18]Schlampe[/18]. Aber ich mochte die Frau. Ihn nicht, er hat mir die Nase gebrochen, das Arschloch. Na ja, jedenfalls hatte ich keine Lust mehr, dass mir ständig so ein blaublütiger Sack Gewalt androht, also hab ich mich verpisst.“ Caradan musste bei der Erinnerung, wie er Lesha dann wieder in Onvorthad getroffen hatte, grinsen. „In Onvorthad habe ich dann sie wieder getroffen. Hatte wohl auch keinen Bock mehr, auf den Kerl.“ Der Dieb wurde ernst. „Sie hat dann was in Gang gesetzt...“ Oh ja das hatte sie – unfreiwillig, mehr als unfreiwillig. „Na ja lange Geschichte auf den Punkt, ich habe eine ganze Bande ausradiert und mir alles unter den Nagel gerissen. Nicht alleine versteht sich, dazu bin ich offensichtlich nicht so wirklich in der Lage, aber wie ich schon sagte, ich hab den Verstand, die anderen die Muskeln.“ Er nahm noch einen großzügigen Schluck. „Jetzt gehört mir sogar ein Schiff. Gut, keine Sau weiß, dass es mir gehört und ich wüsste auch gar nicht, was ich damit machen soll. Deshalb darf irgendein Baron es benutzen, solange er mir jedes Jahr, ein kleines Vermögen zahlt. Für das Schiff und dafür, dass ich keinem verrate, dass er bei einer Orgie zwei Huren erwürgt hat. Hups...“, lachte er. „Das Dumme ist bloß, dass ganze Geld und es ist wirklich NICHT wenig, liegt in Aramad und mein Arsch ist hier. Und warum? Weil das ein Kerl so entschieden hat, mit dem ich mich zum damaligen Zeitpunkt nicht anlegen wollte, geschweige denn konnte. Deshalb, versuche ich mich hier durchzuschlagen. Ach und ich bin dreiundzwanzig.“ Caradan lächelte Aenaeris freundlich an, jetzt hatte sie auch einen kleinen Überblick, was ihn anging. „He Süße… hast du Lust ein bisschen mit uns zu spielen? Also ich würde ja gern mal an…mit dir spielen…“, wurden sie von einem schmierigen Kerl unterbrochen.  „Aber nur Bares ist Wahres. Wir spielen hier um Geld. Würfel oder Karten, das kannste dir aussuchen, na was sagst du?“ Aenaeris blickte zu Caradan. „Hab ich noch nie gemacht…“ wisperte sie ihm zu. „Hilfst du mir?“ Der Dieb tat einen Moment so, als ob er es sich überlegen würde. „Stets zu Diensten, edles Fräulein.“, verbeugte er sich vor ihr und wandte sich dann den Spielern zu. „Die Dame möchte mich als… Sekundanten. Ich hoffe ihr habt nichts dagegen?“ Der Kerl der Aenaeris angemacht hatte musterte den Dieb. „Solange ihr zahlt, von mir aus. Welches Spiel?“ Caradan überlegte, während er sich schräg hinter Aenaeris setzte, sodass er ihr über die Schulter schauen konnte. „Wie wäre es mit zwei Dutzend Kronen?“ „Einverstanden. Aber wir spielen nach den Lanvarn Regeln. Wer überreizt, der trinkt.“, brummte der Kerl und begann die Karten auszuteilen. „Kennst du das Spiel?“, flüsterte er Aenaeris ins Ohr. „Nein? Also pass auf, ist eigentlich ganz einfach. Jeder bekommt zwei Karten, zeig mal unsere… ah ja, Amphore zwei und Münze elf. Das macht dreizehn, wir brauchen aber vierundzwanzig, nicht mehr. Klar soweit?“ Während der ersten Runden, versuchte er die Regeln möglichst einfach zu halten.
Ziel des Spiels war es so nahe wie möglich an die vierundzwanzig zu kommen. Dazu musste man Karten sammeln, dabei waren die Farben egal. Man konnte frei wählen, nach Münze, Amphore, Säbel und Stab. Es gab auch noch Karten mit negativen Werten… alles in allem musste man ganz gut rechnen können, weshalb dieses Spiel eigentlich ziemlich unbeliebt, bei einfacheren Leuten war. Dafür waren die Gewinne meist, herausragend. Partien konnte ewig dauern, denn erst wenn man den Kronentopf bekam, endete das Spiel. Es gab den Rundentopf und den Kronentopf. In Beide wurde eingezahlt, aber nur den Rundentopf, bekam der Sieger einer Runde, derjenige der am nächsten an den zwei Dutzend Kronen, dran war. Den Kronentopf, bekam man nur, wenn man genau vierundzwanzig auf der Hand hatte, ganz egal ob positiv oder negativ und da der Kronentopf so selten gewonnen wurde, wurde er immer voller und voller.
So spielten sie dann und Caradan überließ Aenaeris hauptsächlich das Spielen. Der Nachteil an diesem Spiel war, es war beinahe unmöglich zu mogeln, es sei denn man selbst teilte die Karten aus und wusste wie man richtig zu mischen hatte. Aber das fiel auf. Nur dem regelmäßigen verlieren war es zu verdanken, dass es nicht weiter auffiel, dass Aenaeris öfter gewann, wenn Caradan austeilte, denn darauf bestand er. Sie spielte, aber er teilte aus. Und ließ ab und zu eine Karte im Ärmel verschwinden, die eventuell später nochmal nützlich sein konnte. Mittlerweile war ihm schon etwas schwummerig zumute, denn er und Aenaeris mussten immer im Duo trinken, denn zwei Spieler, zweimal Schnaps. Am Ende musste wohl der Kronentopf geschlachtet werden, um die Zeche zu zahlen. Ein Glück hatte der Dieb eine perfekte, unschlagbare vierundzwanzig im Ärmel, jetzt musste er sie Aenaeris nur noch in die Hand geben, aber leider war er nicht dran. Während einer der Spieler mischte, kam Caradan ihr ganz nahe, damit sie auch ja keiner hören konnte. „Nächste Runde gewinnen wir, nimm einfach zwei weitere Karten und egal was ist, lass dir nicht anmerken, ob du überreizt hast oder drunter bist. Ich mach dass schon.“ Er musste sich ganz schön konzentrieren um nicht zu lallen. Sie tat wie ihr geheißen und als Caradan so tat, als ob er ihre Karten ansehen wollte, ließ er die volle Hand auf den Tisch fallen, während Aenaeris sie sich schnell schnappte. Die anderen Karten, ließ er schnell wieder verschwinden und nun, hatten sie ein perfektes Blatt auf der Hand. Aber es kam wie es kam, sie gewannen und zur Feier des Sieges wurde Weinbrand bestellt und geleert. Und mehr wusste der Dieb am nächsten Tag nicht mehr.
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

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Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Mi, 13. Sep 2017 10:40

„So bekannt ist das Zeug auch nicht. Höchstens in den Kreisen der Zwielichtigen und nicht Rechtschaffenen“ erwiderte die Arcanierin mit einem subtilen Lächeln. Sie selbst sah sich natürlich weder als das eine, noch als das andere. Trotz ihrer recht wenig rechtschaffenen Vergangenheit, seit sie den Tempel in Lanyamere angezündet hatte. Sie sah sich vielmehr als eine Frau, der von der Kindheit an Unrecht getan wurde, der ein Leben aufgezwungen worden war, das sie selbst nie wollte, und die sich schließlich davon befreit hatte. Kostete es, was es wollte. In diesem Moment, da sie ihr Leben in wenigen Sekunden hatte Revue passieren lassen, blickte sie voll Bewunderung darauf zurück. Ihr Leben war ein aufregendes gewesen. Manchmal hart, manchmal grausam. Doch es hatte sie nicht umgebracht, es hatte sie nur stärker gemacht. Aenaeris hatte nun ihren Kopf in die Hand gestützt und rutschte schließlich mit dem Ellbogen ein Stück weit nach vorne, als Caradan ihr etwas von sich erzählte. Sie liebte es, Geschichten zuzuhören, und so konzentrierte sie sich auf den Mann der ihr gegenüber saß und erzählte. Als er erzählte, dass er aus Lanyamere stammte, tat ihr Herz einen kleinen Sprung. „Ich bin auch in Lanyamere geboren du aufgewachsen“ sagte sie beinahe aufgeregt, und beugte sich ein Stück weit nach vorne. Beinahe hätte sie in diesem kleinen Anflug von Heimat und Vertrautheit nach Caradans Händen gegriffen. Er war ein Sohn einer Hure aus dem Bordell Lanyameres? Sie hatte das Bordell nie wirklich zu Gesicht bekommen. Es lag im Armenviertel des kleinen Städtchens. Und auch wenn die Stadtväter immer Zucht und Ordnung predigten, so war niemals jemand vorgegangen gegen diesen Sündenpfuhl. Damals, als Kind, hatte Aen nie verstanden warum. Doch heute, mit den zahlreichen Erfahrungen die sie gemacht hatte, wusste sie, warum. Doch scheinbar waren sie nie einander begegnet in Lanyamere. Er hatte einen Mann umgebracht? Das war interessant. Interessant an so etwas waren stets die Umstände. Warum hatte er ihn umgebracht? Es war schließlich ein großer Unterschied, ob man jemanden aus Notwehr umbrachte, oder weil es ein Unfall war, oder ob man Freude am Töten empfand. Bei letzterem war man ein gefährlicher Mensch, denn wer es einfach so tat, würde es immer wieder tun. Aenaeris hatte viele Menschen umgebracht, auch Elfen waren darunter gewesen. An die meisten erinnerte sie sich nicht mehr, sie wusste nur, dass da selten bis gar nicht Notwehr vorgeherrscht hatte. Machte sie das gefährlich? Natürlich, doch sie selbst fand nicht, dass sie gefährlich war. Er erzählte ihr von weiteren Begegnungen, ein adeliger Flachwichser und eine Schlampe. Dass der Kerl ihm die Nase gebrochen hatte, und er schließlich abgehauen war, und dass er die Frau in Onvorthad wieder getroffen hatte. Als der Name ‚Onvorthad‘ fiel, seufzte Aenaeris kurz auf. Jene schicksalshafte Stadt, in welcher sie und ihr Gefährte Silvar gefangen und in den Kerker geworden wurden. Jene schicksalshafte Stadt, in der ihnen die Flucht aus dem Kerker tatsächlich gelungen war. Er erzählte, dass sie etwas in Gang gesetzt hatte. Da horchte Aen neugierig auf. „Was hat sie denn in Gang gesetzt?“ hakte sie nach. „Na ja lange Geschichte auf den Punkt, ich habe eine ganze Bande ausradiert und mir alles unter den Nagel gerissen. Nicht alleine versteht sich, dazu bin ich offensichtlich nicht so wirklich in der Lage, aber wie ich schon sagte, ich hab den Verstand, die anderen die Muskeln. Jetzt gehört mir sogar ein Schiff. Gut, keine Sau weiß, dass es mir gehört und ich wüsste auch gar nicht, was ich damit machen soll. Deshalb darf irgendein Baron es benutzen, solange er mir jedes Jahr, ein kleines Vermögen zahlt. Für das Schiff und dafür, dass ich keinem verrate, dass er bei einer Orgie zwei Huren erwürgt hat. Hups...“ Aen grinste.“ Das Dumme ist bloß, dass ganze Geld und es ist wirklich NICHT wenig, liegt in Aramad und mein Arsch ist hier. Und warum? Weil das ein Kerl so entschieden hat, mit dem ich mich zum damaligen Zeitpunkt nicht anlegen wollte, geschweige denn konnte. Deshalb, versuche ich mich hier durchzuschlagen“ Aenaeris blickte ihn leicht verwirrt an. Aus dem meisten, was er ihr erzählte, wurde sie nicht schlau. Er besaß anscheinend ein kleines Vermögen in Aramad, und schlug sich hier in Brisangen mehr schlecht als recht durch, weil ein anderer Kerl das so entschieden hatte? Sie war gerade im Begriff, den Mund zu öffnen um etwas zu entgegnen, da tippte ihr jemand auf die Schultern und sie wandte sich um.

Eine Spieleinladung also! Dumm war nur, dass sie weder das Würfelspiel, noch das Kartenspiel, welches ihr angeboten ward, kannte. Daher bat sie Caradan um Hilfe. Nach kurzem Nachdenken willigte er, eine Verneigung angedeutet, ein. „Kennst du das Spiel?“ flüsterte er ihr ins Ohr und Aenaeris schüttelte den Kopf. „Nein? Also pass auf, ist eigentlich ganz einfach. Jeder bekommt zwei Karten, zeig mal unsere… Ah ja, Amphore zwei und Münze elf. Das macht dreizehn, wir brauchen aber vierundzwanzig, nicht mehr. Klar soweit?“ Sie nickte, und so wie es stets war, dass das Verinnerlichen der Regeln mit dem Spielen kam, so geschah es auch hier. Doch geradeheraus auf vierundzwanzig zu kommen, war deutlich schwerer, als zunächst angenommen, oft kam Aenaeris darüber, was bedeutete, ein Gläschen Schnaps trinken zu müssen. Sie hatten sich eigentlich vorgenommen, an diesem Abend nichts mehr zu trinken denn sie mussten morgen frisch und munter und ausgeruht sein. Auf keinen Fall verkatert. Aber was sollte man machen? Das Spiel musste gespielt werden! Und wenn die Regeln es so vorsahen, dass getrunken werden musste, dann musste man das tun. Schließlich könnte Caradan ja auch einen Riegel vorschieben, denn er wusste ja schließlich auch, was sie morgen vorhatten. Der Dieb stellte sich geschickt an. Nicht einmal Aenaeris merkte, dass er beim Kartengeben betrog, was wohl zum einen an seiner Fingerfertigkeit lag und zum anderen an der Anzahl der Schnäpse, die sie immer wieder trinken mussten. Erst, als er sich zu ihr beugte und ihr ins Ohr raunte, wusste sie, dass es bei diesem Spiel nicht mit rechten Dingen zuging und er seine Finger im Spiel hatte, ohne dass irgendjemand etwas davon bemerkte. Wie sie letztendlich den Kronentopf gewannen, wusste am Ende wohl keiner von ihnen. Doch zur Feier des Tages wurde neben dem Gewinn der geteilt wurde, auch eine Flasche Weinbrand bestellt die ebenso geteilt wurde. Möglicherweise tat Caradan kräftigere Züge aus der Flasche als sie, doch das spielte heute Abend sowieso keine Rolle mehr. Als die Flasche geleert war, leerte sich auch allmählich die Schenke. Die Spielleute waren längst gegangen, die meisten Schenkengäste, sogar die Schankmaid war nicht mehr zu sehen, nur der Wirt der seinen Ausschank mit einem dreckigen Lappen polierte und wenige Schenkengäste die auf dem Tisch oder im Sitzen eingeschlafen war. Aen erhob sich, müde und auch schwerfällig. In irgendeinem hinteren Winkel ihres Bewusstseins wusste sie, dass sie heute wieder reichlich übertrieben hatte.

Wie selbstverständlich folgte sie Caradan hinauf in sein Zimmer, wo sie sein Bett als neuen, wenn auch wohl nur vorläufigen Schlafplatz auserkoren hatte. Dort angekommen, ließ sie sich auf das Bett fallen. „Wann treffen wir uns morgen mit Rogan und den anderen? Bei Sonnenaufgang?“ fragte sie ihn. Ihre Zunge fühlte sich schwer an und sie war nicht sicher ob sie lallte. „Das wird auf jeden Fall eine kurze Nacht“ seufzte sie, während sie sich das Band aus den Haaren löste und auf den Boden fallen ließ. Sie wühlte mit beiden Händen durch das Haar und entdeckte währenddessen die Flasche Brandwein, aus der sie letzten Abend getrunken hatten. So erhob sie sich und angelte nach der Flasche. Sie schüttelte sie und es befand sich noch ein Rest darin. Eigentlich wusste sie, dass es für heute mehr als genug gewesen war. Doch eigentlich war es auch schon egal, oder nicht? Aenaeris hielt Caradan die Flasche entgegen und schüttelte sie verführerisch. „Ist noch etwas drinnen…“ frohlockte sie. Doch es schien, als hätte Caradan ebenfalls genug für heute, denn er war für einen weiteren Umtrunk nicht zu haben, was die Arcanierin alles andere als begeisterte. „Es ist noch so früh.. ich möchte noch nicht schlafen, ich bin überhaupt nicht müde“ moserte sie. „Dann trinke ich eben alleine…“ verkündete sie und nahm einen Zug. Trotzdem wurmte es sie, denn alleine zu trinken machte selten rechten Spaß. Sie beobachtete Caradan aus dem Augenwinkel, und stellte dann die Flasche vor sich auf den Boden, bevor sie aufstand, sich ihr Kleid auszog und unter die Bettdecke kroch. Eine Weile tat sie gar nichts, außer Caradan zu beobachten, dann ergriff sie die Flasche wieder. „Kann ich denn gar nichts tun, um dir den letzten Rest des Branntweins zu versüßen?“ versuchte sie es weiter, bis sie schließlich einen Einfall hatte. Sie lüpfte die Decke dass sie bis zu ihrer Scham entblößt war, und goss dann in einem kleinen Rinnsal unbekümmert den Branntwein über ihr Dekolleté, den Bauch und die Scham, bis sich eine kleine Menge davon in ihrem Bauchnabel sammelte. „Caradan… sieh mal… nur ein winziges Schlückchen…?“ hauchte sie verführerisch und deutete dabei einladend auf ihren Bauchnabel. „Und du könntest ihn wohl auch von woanders weglecken…?“ Sie lachte aufreizend und nahm noch den kleinen letzten Zug aus der Flasche, und ließ diese mit einem dumpfen klirren zu Boden fallen. Es schien, als hätte dieses verführerische Spielchen nicht seine Wirkung verfehlt, denn nun näherte sich Caradan dem Bett. Doch während er sich über das Bett beugte, verspürte die Arcanierin eine rasch aufkeimende Übelkeit. Mit dem letzten Rest an Beherrschung, die sie noch aufbringen konnte, stieß sie Caradan von sich und sprang aus dem Bett. Wissend, dass sie wohl kaum nackt aus dem Zimmer laufen konnte, wie sich auch nicht einfach in dem Zimmer übergeben, lief sie sie in ihrer Not ans Fenster um sich dort hinaus zu übergeben. Geagt, getan. Als sie fertig war, stöhnte sie auf, murmelte ein verhaltenes ‚Tschuldigung‘ und trottete zurück zum Bett, auf welches sie sich fallen ließ und dann recht schnell einschlief.

Am nächsten Tag erwachte sie, geweckt von einem lauten Poltern an der Türe, und mit einem gewaltigen Brummschädel. Dem Sonnenschein, der ins Zimmer schien, war zu entnehmen, dass es wohl längst nach Mittag sein musste. Im ersten Augenblick kannte sie sich gar nicht aus, bis sie Caradan neben sich liegen sah und ihr, wenn auch mit vielen vielen Gedächtnislücken einfiel, wo sie eigentlich war, und was sie hier tat. „Heda, aufmachen!“ drang es durch die verschlossene Türe. Sie kannte diese Stimme, konnte sie aber nicht sofort zuordnen, bis ihr schließlich einfiel, dass die Stimme zu dem gehörte, der sie in der Schenke vorgestern Abend auf schmierige Art und Weise umgarnt hatte. Rogan. Da fiel ihr auch ein, dass sie etwas vorgehabt hatten. Heute, im Morgengrauen. „Scheiße…“ fluchte sie und stieß Caradan an, der sich in einem ähnlichen Tiefschlaf befinden musste, wie sie ihn stets hatte. Erneut polterte es an die Türe. „Verdammt! Macht die Türe auf! Ich weiß, dass ihr da seid, denn im Morgengrauen habe ich euch vermisst…“ „Caradan… wach auf…“ stieß sie ihn erneut unsanft an und rüttelte an ihm, bis er ein mißstimmiges Grunzen von sich gab. „Caradan, verdammt! Wir haben verschlafen! Rogan klopft… nein, er hämmert… nein, ich glaube er tritt gleich die Türe ein…!“ Mühselig schleppte sich die Arcanierin aus dem Bett, zog das Laken hoch und bedeckte damit ihre Blöße. Beinahe über die Branntweinflasche fallend, stolperte sie durch das unordentliche Zimmer an die Türe, legte den Türriegel um und öffnete. Rogan musterte sie kurz, schob sich dann an ihr vorbei und schnalzte missbilligend mit der Zunge, als er Caradan auf dem Bett liegen sah. Er schnaubte aus, und war dann mit wenigen Sätzen bei dem Bett. „Verdammt nocheins! Wir haben auf euch gewartet! Ich, der Wilde, Willem und sein Kumpan… wir haben gewartet und ihr seid nicht gekommen. Hast du eigentlich noch etwas anderes im Kopf als Saufen und Vögeln? Verdammt, ich könnte dich…“ schrie er. „Was heißt hier ich könnte… ich werde!“ rief er verärgert, ballte seine Faust und donnerte Caradan damit ins Gesicht. „Du nutzloser versoffener Bastard!“ schimpfte er. „Und was jetzt? Was jetzt, ha? Weg ist der Fellwagen! Weg das Starrkraut! Und das ist nur eure Schuld!“
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Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Mi, 06. Dez 2017 0:46

Caradan hockte weit hoch über den Dächern von Lanyamere, auf dem obersten First des Tempels, zu Füßen einer Idalia Statue, die streng und züchtig gekleidet war – ganz anders als Caradan sie sich immer vorgestellt hat. Für ihn war sie immer eine junge, hübsche Frau mit rotem Haar, deren Titten fröhlich auf und ab wippten. Er mochte Rothaarige, warum wusste er gar nicht so genau. Der Dieb hockte da oben, dort wohin er sich nie getraut hatte. Nicht aus religiösem Scham, einer Zurückhaltung wegen der Heiligkeit des Tempels, sondern weil es schlicht und ergreifend zu hoch war um einfach mal hinauf zu steigen. Aber nun saß er da und stellte sich vor, wie der vergangene Abend hätte anders verlaufen können, wenn sie nicht soviel gesoffen hätten. Allein bei dem Gedanken wie sie da gelegen hatte, den Wein auf ihrer nackten Haut. Oh, und wie er den Branntwein getrunken hätte, völlig egal wohin sie sich ihn gekippt hätte. Natürlich war er zu ihr gegangen, hatte sich über sie gebeugt, während das Blut langsam dorthin floss, wo es mehr Spaß haben würde, als in seinem Schädel. Dann hatte sie ihn fortgestoßen, um sich am Fenster die Seele aus dem Leib zu kotzen. Trotz der Übelkeit erregenden Geräusche, war Caradan weiterhin erregt, so wie sie da stand, vornübergebeugt ihren prachtvollen Arsch ihm zu gewandt. Hätte er sie von hinten genommen, wäre der Mundgeruch nach Kotze bestimmt zu ertragen gewesen. Schade das sie danach keine Lust mehr gehabt hatte. Vielleicht könnte er es jetzt hier auf dem Tempeldach nachholen, das würde dem Ganzen einen gefährlichen Reiz verleihen. Die Statue der Idalia beugte sich plötzlich zu ihm hinab, die Kleider vom Leib gerissen und flüsterte ihm verführerisch ins Ohr. „Caradan wach auf.“ Die Worte wurden beinahe von einem fernen Donnergrollen übertönt, das vom Meer heranrollte und ihn beinahe vom Dach fegte. Idalia wurde hinfort geschleudert, als die nächste Welle Zorn und Hass über ihn brandete. Und plötzlich erschien Janus höchstselbst, als wolle er Caradan für seine ketzerischen und sündigen Gedanken strafen und riss ihn hoch. Der Dieb blickte in Janus‘ Gesicht, das verblüffende Ähnlichkeit mit dem von Rogan hatte. Oh scheiße, schoss es dem Dieb durch seinen Nebel umwaberten Kopf. „Was heißt ich könnte… ich werde“, schrie der Janus Rogan und donnerte ihm die Faust ins Gesicht. Schlagartig wurde er wach und blickte sich im Zimmer um. Aenaeris stand neben der Tür, in ein Laken gehüllt und Rogan stand wutentbrannt über ihm. „Und was jetzt? Was jetzt, ha? Weg ist der Fellwagen! Weg das Starrkraut! Und das ist nur eure Schuld!“
Zu viele Eindrücke stürmten auf den Dieb ein, der nicht wusste wer, wie, wo oder wann er war. Zuerst bemerkte er seine Kopfschmerzen. Verdammte Sauferei! Sie könnten ja wenigstens so stark sein, um den Schmerz an seiner Wange zu betäuben. Rogan hatte ihn geschlagen, er hatte ihn tatsächlich geschlagen! Das hatte er noch nie getan und die Geschwister wissen, Caradan hätte es mehr als einmal verdient gehabt. Dieser Kontrollverlust sah ihm gar nicht ähnlich irgendwas musste wirklich schief gelaufen sein. Kotze! Es stank nach Kotze. Es roch so, als jemand direkt unter das Fenster gekotzt hätte und in der offenkundigen Mittagshitze, entfaltete sich nun das ganze Aroma, des sauren Mageninhaltes. Dem Dieb wurde schlecht und er unterdrückte mit Mühe seinen Würgereiz. Starrkraut…. Es war weg, hatte er gesagt. „Wieso ist es weg?“, nuschelte der Dieb und rieb sich die schmerzende Wange. „WIESO!“, schrie Rogan, „Weil ihr beide nicht da ward!“ Rogan packte ihn bei den Schultern und rüttelte ihn endgültig aus seinem Delirium. „Aber wieso?“, schnauzte Caradan nun seinerseits. „Ihr ward doch da! Wieso habt ihr ihn entkommen lassen?“ Da verpasste Rogan ihm noch eine. „Wag es nicht mir die Schuld zu zuschieben! Ich -“ „Du kanntest den Plan.“, unterbrach Caradan ihn ruhig und trat auf ihn zu. Die beiden Männer standen sich Auge in Auge, auch wenn Caradan etwas nach oben schauen musste. „DU wusstest am Besten wann der Karren wo sein würde. DU wusstest wie viele Wachen da sein würden. DU hast die Leute angeheuert. Also frage ich DICH. Wieso habt ihr ihn entkommen lassen?“ Rogan blickte ihn fassungslos an und schnaubte. „Wo ward ihr denn?“ „Hör auf abzulenken!“, fuhr ihn Caradan an. „Du kennst mich, ich wäre keine Hilfe gewesen,“, er deutete auf Aenaeris, „Und sie war gar nicht eingeplant. Ursprünglich… Wir waren nicht notwendig. Ihr aber schon!“ Rogan ließ die Schultern hängen. Vielleicht war sein Ärger verraucht, vielleicht wollte er Caradan auch nur in Sicherheit wiegen. Der Dieb atmete schwer und versuchte sich selbst zur Ruhe zu zwingen. Ihn störte es auch, dass der scheiß Karren weg war. „Wo ist er?“, fragte Caradan ruhig. „Wo ist wer?“, fragte Rogan argwöhnisch. Der Dieb rollte mit den Augen. „Der Karren, verdammt. Die Straße führt nur nach oder fort von Brisangen und ich bin mir ziemlich sicher, dass die nicht von hier aufgebrochen sind.“ Rogan schien zu überlegte. „Na ja, ich denke mal vor den Toren.“ Das war einerseits gut, andererseits schlecht. Schlecht, weil dass hieß, dass sie den Karren wirklich verpasst und sich nicht im Tag geirrt hatten. Ansonsten hätten sie ja einfach am nächsten Tag einen neuen Versuch unternehmen können. Gut war aber, dass der Karren hier gerastet hatte. Wahrscheinlich würde der Händler seinen Wachen einen Tag Rast gönnen. Hier könnten sie sich ausruhen, essen, trinken, vögeln – was man nach einer langen Reise eben so tat. Das würde ihnen eine gute Gelegenheit bieten, doch noch an die begehrte Ware zu gelangen. „Sag Willem Bescheid.“, befahl Caradan und erntete einen giftigen Blick von Rogan. „Sag ihm er soll den Karren finden. Dann überlegen wir uns was.“ „Wäre besser.“, knurrte Rogan und hob drohend den Finger. „Das nächste Mal, halt ich mich nicht zurück.“ Mit dieser Drohung stampfte er davon.
Der Dieb seufzte und ließ sich aufs Bett fallen. „Was ein scheiß!“, fluchte er. Einen Moment blieb er liegen und versuchte sich an seinen Traum zu erinnern. Wie viel war davon wirklich gestern Abend passiert? Dem Gestank nach zu urteilen, hatte sie sich auf jeden Fall übergeben. Also hatten sie wieder eine Gelegenheit verpasst. Das ärgerte ihn beinahe so sehr, wie die Tatsache, dass sie den Karren verpasst hatten. Beinahe. Der Dieb richtete sich langsam auf und begann seine Kleider aufzusammeln. Immer noch halb nackt stellte er sich vor Aenaeris und grinste sie an. „Hunger?“

Etwas lustlos stocherte Caradan in seinem Brei herum. Anfangs hatte er tierischen Hunger gehabt, aber nach ein paar Bissen hatte sich ein geradezu übelkeiteregender Schwindel eingestellt. Aenearis saß ihm gegenüber und aß ebenfalls etwas. „Wir kriegen das Kraut.“, meinte Caradan und wusste, dass er in erster Linie sich selbst davon überzeugen wollte. War ja schön und gut, dass sie den Scheiß nun direkt vor der Nase hatten, aber ran zu kommen, hier lag das Problem. Den beschissenen Karren außerhalb zu überfallen war der Plan gewesen, weil ein weiterer Diebstahl innerhalb der Grenzen von Brisangen zu viel Aufsehen erregen würde. Andererseits, lieber ungewollte Aufmerksamkeit auf sich ziehen, als ein gewolltes Gut davon ziehen zu lassen. Man musste eben Prioritäten setzten. Ein dumpfer Schlag riss Caradan aus seinen Gedanken. Der Wirt war wie aus dem Nichts aufgetaucht und hatte ihm einen Beutel klimpernder Münzen vor die Nase geworfen. „Habt ihr Gestern vergessen. Hab die Schulden schon abgezogen.“, murrte er und Caradan sah ihn überrascht an. „Danke für die Ehrlichkeit.“ Der Wirt schnaubte wie ein Bulle. „Pah! Ich lass mir nicht nachsagen, dass ich Gäste beklaue. Auch wenn die Schweine mir vor die Hintertür kotzen. Wisst ihr wer das war?“ Caradan deutete auf Aenaeris. „Das war es also!“ Er wandte sich wieder an den Wirt. „Wir beide haben uns schon gewundert, warum es auf dem Zimmer so stinkt. Wie wäre es, wenn du die Kotze mal weg machst. Die liegt genau unter unserem Fenster.“ „Mach es doch selbst.“, brummte der Wirt und ging zurück in die Küche. Der Dieb warf einen Blick auf den Geldbeutel und schob ihn dann Aenaeris zu. „Das hast du gewonnen. Aber wenn du mir was abgeben willst, würde ich nicht ablehnen.“, grinste er.
Nur wenig später schlenderte Willem in die Schenke und winkte ihnen freundlich zu. Mit einem schadenfrohen Grinsen, setzte er sich neben Caradan auf die Bank. „Wie ich sehe hat Rogan mit dir gesprochen?“ Caradan lachte künstlich auf und bedachte Willem mit einem giftigen Blick. „Ha ha. Wie lustig. Hat Rogan dich schon informiert.“ Willem schüttelte mit dem Kopf und der Dieb klärte ihn in knappen Worten auf. „Deshalb sollst du schauen, welchen Platz die Kerle gepachtet haben.“ Willem nickte langsam und erhob sich dann. „Ich verliere lieber keine Zeit, nicht das Rogan noch auf mich wütend wird.“ „Moment!“, wandte der Dieb nochmal ein. „Haben nur wir beide gefehlt.“ Er deutete auf sich und Aenaeris. „Rogan erwähnte diesen Godders nicht.“ Willem verzog das Gesicht, als er überlegte, wer diesen Morgen alles anwesend war. „Also da waren natürlich Rogan und ich, mein Neffe Iardes und so ein Wilder. Sonst keiner.“ Caradan nickte verstehend und scheuchte den Büttel davon. Dann war Faegot Godders also ebenfalls nicht da gewesen. Das fand der Dieb äußerst beunruhigend. Wie wahrscheinlich war es, dass ein gesuchter Mörder hier an den Arsch der Welt kam und der ersten Gelegenheit auf schnelles Geld nicht hinterher jagte. „Da müssen wir wohl selbst ran.“, murmelte Caradan eher zu sich selbst, denn zu Aenaeris. Er warf noch einen Blick auf seine Schüssel und mit einem angeekelten Kopfschütteln, schob er sie bei Seite. „Also!“, rief er fröhlich. „Kommst du? Oder hast du noch ein paar Verpflichtungen bei Mutter Oberin?“ Er grinste sie frech an und machte Anstalten, zu gehen.

Mürrisch beobachtete Caradan das Treiben vor den Toren von Brisangen. Es mag der Arsch der Welt sein, aber es wahr ein geschäftiger Arsch. Der Dieb kaute auf einer längst erkalteten Pfeife herum. Willem hatte sich noch nicht zurückgemeldet und Rogan war ebenso spurlos verschwunden. Wahrscheinlich war das nur gerecht so. Sollten die beiden Säufer doch nun die Drecksarbeit erledigen. Eine verlässliche Methode um Neuankömmlinge zu identifizieren, war den Huren zu folgen und zu schauen, wer nicht verhandelte um den Preis zu drücken, sondern es nicht erwarten konnte seinen Schwanz herauszuholen. „Na? Suchst du nach mir?“ Eine hübsche Blonde näherte sich Caradan und schmiegte sich an ihn. Er warf ihr bloß einen kurzen Blick zu. „Verpiss dich.“, knurrte er. Schließlich hatte er wichtigeres zu tun. Beleidigt stampfte die Hure wieder davon. Aenaeris war auf den Markt entschwunden und Caradan hatte sie aus den Augen verloren. Eben hielt er nach ihr Ausschau, als sie plötzlich neben ihm stand, eine köstlich aussehende Coralayschnecke in der Hand. Es war Caradan absolut unverständlich, wie sie nach so einem Abend überhaupt etwas essen konnte. „Und? Was entdeckt?“, fragte er eher rhetorisch. Plötzlich den Dieb ein kleiner Stein am Knie. „Psssst.“, ertönte es schräg hinter ihnen. Caradan sah sich irritiert um und sah einen jungen Mann, wie er halb hinter einem Zelt versteckt ihnen vermeintlich unauffällige Zeichen gab. „Ist was?“, knurrte Caradan entnervt. „Psst.“, kam es wieder von dem Jungen. Er war blond, schmal gebaut und vom Gesicht her würde Caradan jede Wette eingehen, dass das da Willems Neffe war. „Wenn du was willst, dann komm her!“, fuhr Caradan ihn an und der Junge kam geduckt, sich nach allen Seiten um guckend auf sie zu. „Ich will doch nicht, dass das so auffällig ist.“, zischte er und sah sich weiterhin hektisch um. „Dann hör auf dich so auffällig zu benehmen. Entspann dich.“ Caradan klopfte ihm auf die Schulter und Iardes entspannte sich kein bisschen. „Ich hab den Wagen gefunden.“, verhaspelte er sich beinahe. „Er steht zwei Zeltreihen weiter südlich, direkt an der Mauer. Die Hälfte der Wachen sind in … ähm...“ „Im Bordell.“, schloss Caradan und der Junge wurde rot, aber nickte. „Ich nehme an die eine Hälfte hat den Tag frei, die andere die Nacht. Dann sollte es heute Abend eine gute Gelegenheit sein.“ Der Dieb grinste böse. Na das war doch gar nicht so schlecht. Wenn sie sich jetzt noch eine Möglichkeit der Verschleierung einfielen ließen, damit es nicht so auffiel, dass das war fehlte oder vielmehr was genau das fehlte, dann könnte diese ganze Aktion doch noch ein gutes Ende nehmen.
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

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Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Di, 02. Jan 2018 19:10

Es gab keinen Zweifel, daran, dass sie beide es verbockt hatten, und es gab auch keinen Zweifel daran, dass Rogan darüber sehr wütend war. Der Faustschlag direkt in Caradans Gesicht bewies das. Und sein Gebrüll ebenso. Aenaeris nahm die Gelegenheit der kurzen Schweigepause zum Anlass einen kurzen Protest einzubringen „Wir haben gar nicht miteinander gevögelt…“ Doch ob ihr jemand zuhörte, vermochte sie nicht zu sagen, denn die beiden begannen lautstark miteinander zu diskutieren. Der Kopf der Arcanierin brummte. Sie ruhig war es bei der Mutter Oberin und den Novizinnen gewesen. Das mädchenhafte Kichern und Schwatzen der Jungen wurde stets mit einem strengen Blick der Alten beendet, und alles in allem war dies wohltuender als dieser Disput hier. Aber natürlich auc langweiliger. Sie linste zur offenen Türe und überlegte, ob sie schnell abhauen sollte. Aber ihre Kleider lagen genau am anderen Ende des Raumes fröhlich verstreut umher, und daher kam eine heimlich still und leise Flucht nicht in Frage. Plötzlich ward sie sich Caradans Zeigefinger gewahr, der auf sie gerichtet war. Sie hatte nicht zugehört! Was? Wieso? Doch sie sollte die Antwort sogleich erhalten. „Und sie war gar nicht eingeplant. Ursprünglich… Wir waren nicht notwendig. Ihr aber schon!“ Gut, sie waren nicht notwendig, sie und Caradan. Aber die anderen schon. Warum machten sie doch gleich noch mit, bei dieser Sache? Es fiel ihr partout nicht ein. Heute brauchte sie sich auch über nichts ihren hübschen Kopf zerbrechen, mit soviel Alkohol im Blut hatte das keinen Sinn. Heute galt es, gemütlich zu bleiben, keinen Stress und keinen Ärger und keine Anstrengung. Mehr Ziele hatte die junge Frau nicht. Stattdessen fragte sie sich, warum Rogan derart wütend war. Vielleicht war er auch sauer, weil er dachte, dass Caradan Aen vögelte, während er nicht bei ihr hatte landen können? Dabei hatten sie das gar nicht getan. Nicht ein einziges Mal. Nicht mal einen Kuss oder ein freundschaftliches Küsschen. Keine einzige Berührung, wenn man einmal davon absah, dass sie kurz sein Gemächt ergriffen hatte. Aber das war nur Spaß gewesen. Das konnte durchaus möglich sein, wer wusste schon, was Männern so durch den Kopf ging? Rogan war gegangen und hatte die beiden wieder alleine gelassen. Caradan ließ sich seufzend auf das Bett fallen und fluchte „Was ein Scheiß…“ Aenaeris beobachtete ihn und zuckte ungerührt mit den Schultern, und hangelte schließlich nach ihren Kleidern. „Passiert ist passiert“ meinte sie. Ihr Glück hing nicht davon ab, befand sie, während sie mit den Beinen in das Kleid und es über ihre Hüften zog. Sie hielt für einen kurzen Moment inne. Eher noch hing ihr Glück davon ab, dass Silvar endlich nach Brisangen kommen würde. Doch die Zeit verging und verging und niemand der Söldner war eingetroffen. Das fand sie äußert beunruhigend. Sie versuchte, diesen Gedanken zu vertreiben und friemelte an der Schnürung in ihrem Rücken herum, bis sich das Kleid schließlich wieder eng an den Oberkörper schmiegte. Sie strich ihre Röcke glatt und wandte sich schließlich zu Caradan um. Sie war fertig. Caradan hingegen nicht. Er baute sich halb nackt vor ihr auf und grinste sie an. „Hunger?“ fragte er. Die Arcanierin legte den Kopf schief. Eigentlich nicht. Ihr war eher flau im Magen. Aber vielleicht würde eine anständige Mahlzeit diese vertreiben. „Meinetwegen…“

So gingen sie hinunter in die Schankstube und nahmen Platz an einem der Tische. Während Caradan es mit einem Brei versuchte, bestellte sich die Arcanierin etwas Handfesteres. Sauerkraut von gestern in dessen Mitte kleine Leberwurststücke thronten, die auch schon bessere Tage gesehen hatten. Nun ja, sie hatte kaum noch Geld, da musste man schon Abstriche machen. Essen von gestern war nicht schlechter als von heute, nur hatte Aen Zweifel, dass es wirklich nur von gestern war. Ähnlich lustlos wie Caradan in seinem Brei stocherte sie nach den Leberwurststücken, was sich mit der zweizinkigen Gabel als schwierig gestaltete. Die Wurst wollte sich einfach nicht auf die Gabel spießen lassen. Immer wieder rutschte sie an der harten Haut ab. Sie hob den Kopf, als Caradan ihre Konzentration störte. „Wir kriegen das Kraut.“ Sie blickte ihn verwundert an, und ihr Blick glitt zuerst wieder in ihren Teller auf das schmierige Sauerkraut, bevor sie ihn wieder anschaute. Endlich begriff sie. Das Starrkraut. Sie nickte stumm, bevor sie ungeduldig die Gabel beiseite warf und ein Wurststück schließlich mit den Fingern aus der Schüssel holte und sich in den Mund steckte. Während sie kaute, warf jemand etwas auf den Tisch. Sie hielt im Kauen inne und erfasste die Situation. Es war der Wirt. Und der Gegenstand auf dem Tisch ein lederner Beutel. Dem Geräusch nach zu urteilen war es ein Geldbeutel. Sie hatten ihn gestern vergessen. Aen hatte ihn sogar bis zu diesem Augenblick vergessen. Nicht minder verwunderter als Caradan verfolgte sie das Gespräch zwischen den beiden. Ein ehrlicher Wirt? Eine wahre Rarität. Besonders in einer Stadt wie Brisangen. Das wäre dasselbe, als würde man annehmen, die Huren Lanvarns gingen jede feierliche Prozession mit die abgehalten wurde. Als der Wirt sich gerade bei ihnen erkundigte, ob sie wüssten, wer da vor das Wirtshaus gekotzt hatte, deutete Caradan auf Aenaeris und erneut wurde sie sich seinem Zeigefinger gewahr, der auf sie gerichtet war. Sie errötete, zum einen aus Scham, als sie sich erinnerte wie sie sich in ihrer Not aus dem Fenster gelehnt hatte, und zum anderen aus Wut. Dieser miese Bastard! Wie konnte er sie nur so heimtückisch verraten! Wild entschlossen, aufzuspringen und ihm den zweiten Faustschlag an diesem Tag zu verpassen, rettete den Dieb nur seine Worte „Das war es also! Wir beide haben uns schon gewundert, warum es auf dem Zimmer so stinkt. Wie wäre es, wenn du die Kotze mal wegmachst. Die liegt genau unter unserem Fenster.“ Aen gluckste versöhnlich auf nickte bekräftigend. Doch davon wollte der Wirt nichts wissen. Brummend schlurfte er wieder von dannen. Caradan schob Aen den Geldbeutel zu „Das hast du gewonnen. Aber wenn du mir was abgeben willst, würde ich nicht ablehnen.“ Grinste er. Aen legte ihre zierliche Hand auf den Beutel und zog ihn zu sich an. Ihre Geldprobleme hatten sich von einer Sekunde auf die andere in Luft aufgelöst. Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Wers gewinnt, dem gehörts.“ Sie knüpfte den Beutel an ihren Gürtel und widmete sich wieder ihrem Sauerkraut, welches sie sich in den Mund schaufelte. Am anderen Ende der Schenke stand eine junge Frau, auf den Armen ein kleines Kind wiegend. Aen verstand nichts von Kindern. Es mochte ein Jahr sein, vielleicht aber auch zwei Jahre. Die Frau, die da stand, hätte sie sein können, wenn nicht ihr Bruder ihr das ungeborene Kind aus dem Leib geprügelt hätte. Sie hatte schon viele Mütter mit ihren Kindern gesehen. Warum ihr dieser Gedanke jetzt in den Kopf geschossen war, vermochte sie nicht zu sagen, während sie die Frau weiterhin anstarrte. Ob Silvar sie mit schwellendem Bauch genommen hätte? Er hatte nichts für Kinder übrig. Trotz der Fürsorge der Mutter wandelte sich die Laune des Kindes und nach anfänglichem Quengeln fing es lauthals an zu weinen. Endlich schaffte es Aen, ihren Blick von den beiden abzuwenden. Nun, vermutlich war es besser so gewesen, wie es gekommen war. Kinder machten das Leben nur kompliziert, und die Geschwister wussten, sie würde eine katastrophale Mutter abgeben. Schließlich gesellte sich dieser Willem zu ihnen. Er lachte schadenfroh als er Rogan erwähnte, und Aen beäugte Caradans Jochbein, welches sich allmählich dunkel zu verfärben begann. Rogan hatte ihn wirklich übel erwischt, und man mochte sich seine Drohung nicht ausmalen, dass er sich das nächste Mal nicht zurückhalten würde. Rogan war ein Arschloch. Sie wollte nicht wissen, wie dann erwähnter Faegot Godders war, der sowohl den Beinamen ‚Mörder‘, aber auch jenen‚der Schänder‘ trug. Aen hatte schon einige üble Kerle kennengelernt. Aber dieser Faegot jagte ihr eine Gänsehaut über den Rücken, ohne ihn jemals zu Gesicht bekommen zu haben. Caradan schob seine Schüssel beiseite, erhob sich und rief vergnügt „Also! Kommst du? Oder hast du noch ein paar Verpflichtungen bei Mutter Oberin?“ Das entlockte Aen ein Lachen. Caradan war vielleicht ein Schlitzohr. Aber einer von den Guten.

Sie hatten sich kurzfristig getrennt, und während Caradan vor den Toren herumlungerte, hatte es Aen auf den Markt gezogen. Jetzt, da sie wieder Geld in den Händen hatte, fuchste es sie, es sofort wieder auszugeben. Sie brauchte ein paar Dinge. Seife. Ein Duftwässerchen. Einige Süßigkeiten. Pfeifenkraut und eine Pfeife aus Wurzelholz. Sie kostete ein kleines Vermögen und war Schuld daran, dass die Münzen bis auf wenige Jestus, die noch für drei, vier Bier reichen würden, sich nahezu magisch in Luft aufgelöst hatten. An einem Stand erblickte die eitle Arcanierin wundervolle sündhaft teure Stoffe. Bunt gewebte Jaquards, feine Seidenstoffe in den verschiedensten Ausführungen, kostbare weiche Wollstoffe. Nicht diese kratzige grobe Bauernwolle, nein! Stoffe aus feinstgekämmter Wolle, sorgfältigst zu Garn gedreht und in meisterhaftem Können zu wunderbarem feinen Stoff gewebt. Der rote Diamantköper hatte es der Arcanierin besonders angetan. Dunkelrotes und hellrotes Garn war da zu einem Stoff gewebt worden, gut genug für eine Fürstin. Ebenso wie die rote Maulbeerseide, die im Sonnenlicht rot-gold changierte. Ein Stoff weit weit unter ihrem Stand. Hätte sie Geld, wie Silvar und sie sich es stets angeeignet hatten, dann würde sie jetzt nicht eine Sekunde zögern, sich einen Ballen davon kaufen und diesen zum nächsten Schneider zu tragen, damit er ihr ein wundervolles Kleid daraus zaubern würde. Würde sie das Starrkraut für sich alleine erbeuten und verkaufen, dann würde es vermutlich für solch frivolen Wünsche reichen. Und sie hatte so viele Wünsche! Teure Wünsche... Wie gerne hätte sie neue Schuhe, oder Stiefel. Am liebsten welche aus rotgefärbtem Leder... Und wie gut würde ihr ein schwungvoller Hut stehen, vielleicht aus Samt, mit einer langen exotischen Feder an der Krempe. Aber sie hatte vorerst kein Geld, und all das hing von der Menge des Starrkrautes ab und die Menge derer mit denen man teilen musste.

Wehmütig strich Aen noch einmal zum Abschied über die wunderbaren Stoffballen, und kaufte sich stattdessen beim hiesigen Bäcker eine Coralayschnecke für einen Jestu, was ein Bier weniger bedeuten würde. Aber das wars wert! Nun verließ sie den Markt und suchte Caradan vor den Toren. Sie fand ihn schließlich und noch bevor sie ihm auf seine Frage antworten konnte, was sie alles erstanden hatte, was sie liebend gerne getan hätte, wurde er durch einen langen blonden Hänfling abgelenkt, der Willem wie aus dem Gesicht geschnitten war. Von diesem erfuhren sie schließlich, dass er den Wagen mit den Fellen und dem Starrkraut gefunden hatte. In irgendeiner Reihe, irgendwo in der Nähe der Mauer. Aen besaß nicht das nötige Interesse, sich die Einzelheiten zu merken. Willems Neffe verdrückte sich, und Aen und Caradan beschlossen, zu dem besagten Wagen zu schlendern, um sich erst einmal einen Überblick zu bekommen. Um nicht allzusehr den Eindruck eines zwielichtigen Gesindels zu machen, hakte sich Aen bei Caradan unter, und schmiegte sich an ihn, während sie zwischen den Wagen der Händler schlenderten und sich dabei alles ganz genau einprägten und beobachteten. „Willems Neffe ist niedlich“ meinte sie beiläufig und grinste. „So wie er herumgedruckst hat, wegen dem Bordell, wirkt er mir noch sehr grün hinter den Ohren. Ganz offenkundig hat er noch nie bei einem Weib gelegen. Noch nicht einmal bei einer Hure. Wahrscheinlich ist er ein armseliger kleiner Romantiker, der an die große Liebe glaubt, und sich für sein künftiges Eheweib aufspart. Aber aus Eheweibern werden fette, alte und warzenübersäte Hausdrachen. Der arme Junge weiß noch nicht, was ihn erwartet. Jemand sollte ihm offenbaren, was er verpasst und was ihn erwartet. So wie ein Mann es als Erfüllung sieht, eine Jungfrau zu entweihen, so finde ich es ebenso reizvoll, einen Mann… gibt es eigentlich ein Wort für einen unberührten Mann? Jungmann…? Na egal, jedenfalls finde ich es reizvoll einem Mann den Zauber der körperlichen Liebe näher zu bringen.“ Sie lachte leise und wechselte beiläufig das Thema. „Vor ungefähr zwei oder drei Jahren, ich weiß es nicht mehr genau… Zeit ist so fliegend, und man erinnert sich kaum mehr. Nun, ich wollte sagen, vor zwei oder drei Jahren ist in Lanyamere im Tempel der Geschwister ein Feuer ausgebrochen und er ist abgebrannt. Bis auf die Grundmauern.“ Dass sie selbst das Feuer gelegt hatte, verschwieg sie Caradan dabei. Dafür vertraute sie ihm nicht genug. Sie kannte ihn ja kaum. Genausowenig wie sie ihm vertraute, um ihm von dem magischen Feuermedaillon zu erzählen, auf dessen Suche sie war. Sie vermochte nicht zu sagen, ob sie ihm vertrauen konnte. Wann konnte man einem Fremden schon vertrauen? Und wer wusste schon, ob sich ihre Wege nach der Angelegenheit mit dem Starrkraut nicht wieder gleich trennen würden? Es gab ja im Grunde nichts, was sie zusammenhielt. Höchstens, dass sie alleine war in dieser Stadt und auf Silvar wartete und sich über nette Gesellschaft freute. Sie und Caradan waren nur beiläufige Bekannte. „Damals ist jeder verfügbare Mann, jede verfügbare Frau, jedes verfügbare Kind, und jede verfügbare Wache herbeigeeilt um das Feuer zu löschen. In diesem Fall hat es nichts gebracht, denn das Feuer war schon zu weit fortgeschritten. Aber ein Feuer ist immer eine große Gefahr. Ein wenig Wind facht das Feuer an und sorgt für Funkenflug. Ein einziges Feuer hat die Macht, eine ganze Stadt in Schutt und Asche zu legen. Oder ein Lager. Daher herrscht hier ein großer Zusammenhalt, das Feuer in den Griff zu bekommen und zu löschen. Bei einer Wasserkette wird jedermann gebraucht.“ Aen blieb stehen und löste sich von Caradan. Sie blickte ihm tief in die Augen, als wolle sie ihm ihren Plan damit besser begreiflich machen. „Wir legen ein Feuer, hier im Lager. Alle werden in Panik ausbrechen und versuchen, das Feuer zu löschen. Niemand wird uns beachten, und wir holen uns in aller Ruhe das Starrkraut.“
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Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Fr, 05. Jan 2018 17:31

Der Dieb und seine Begleiterin schlenderten zwischen Zelten hindurch, wo Waren angepriesen, Kostproben angeboten und lautstark gefeilscht wurde. Er würde lügen, wenn er leugnen würde das ihm das gefiel. Wie sich an ihn geschmiegt hatte und sie wie wirklich echte gewöhnliche Leute umsahen, nach etwas bestimmten, aber dennoch neugierig auf alles. Klar, sie suchten eigentlich nur nach dem Karren des Fellhändlers und nach dem Kleinod, das er unter Bergen von Fellen und Pelz begraben hatte, aber dies bedeutete nicht, dass alles andere unbeachtet bleiben würde. Die Schmuckstücke hier, feine Schnitzereien aus Holz, Knochen und Horn da. Dort bot man dunklen oder hellen Honig an, dort Stoffe, dort dieses und dort jenes. Man musste sich keine große Mühe geben um in dem geschäftigen Treiben nicht aufzufallen, aber dennoch fand er es sehr angenehm. „Willems Neffe ist niedlich.“, begann sie und sinnierte über seine Unerfahrenheit. Wenn sie nur wüsste, dass Caradan bis vor einigen Monaten auch noch nie bei einer Frau gelegen hatte, würde sie wohl nicht so neckisch über Willems Neffen reden. „… gibt es eigentlich ein Wort für einen unberührten Mann? Jungmann?“ fragte sie. Caradan überlegte, schließlich war er ja in einem Bordell aufgewachsen, wo so einige Knaben zu Männern gemacht wurden. „Jüngling? Oder Idiot.“, lachte er, denn als das, würde er sich für sein Jahre langes Zögern durchaus betiteln. „Na egal, jedenfalls finde ich es reizvoll einem Mann den Zauber der körperlichen Liebe näher zu bringen.“, meinte sie und allein bei dem Gedanken juckte es ihn in den Fingern. „Das würde ich gern sehen.“, meinte er beiläufig und stockte dann etwas. „Ähm, das klang unheimlicher als beabsichtigt.“, stellte er fest, teils amüsiert, teils irritiert. „Andererseits...“ Er ließ es einfach mal offen, was er jetzt genau damit meinte. Er hatte schon oft Menschen dabei beobachtet, wie sie es miteinander trieben, teilweise war eine dieser Menschen seine eigene Mutter gewesen, was ihn Zeit seines Lebens irgendwie ein wenig anekelte.
Glücklicherweise ritt Aenaeris vorerst nicht weiter auf dem Thema herum, sondern erzählte ihm von einem Brand in Lanyamere, an den er sich selbst auch noch allzu gut erinnern konnte. An die endlose Schlange von Menschen die eilends Wassereimer herbei schafften um ihr heiligstes vor den alles verzehrenden Flammen zu retten, an die mit Rauch erfüllte Luft, an die Panik der Menschen und vor allem an die prallen und unbeaufsichtigten Börsen und Geldbeutel, an den Gürteln der Leute und in den Schenken der Stadt. „Ein einziges Feuer hat die Macht, eine ganze Stadt in Schutt und Asche zu legen. Oder ein Lager. Daher herrscht hier ein großer Zusammenhalt, das Feuer in den Griff zu bekommen und zu löschen. Bei einer Wasserkette wird jedermann gebraucht.“, erzählte sie weiter und der Dieb nickte zustimmend. „Ich erinnere mich daran. War ein richtiges Spektakel.“, meinte er nachdenklich, während er sich noch einmal das Bild des brennenden Tempels ins Gedächtnis rief, wie die Flammenpracht bis hinauf in den Himmel gelodert hatte. „Und war sehr ertragreich.“, fügte noch mit einem bösen Grinsen hinzu. Aenaeris ihrerseits löste sich von ihm und stellte sich ihm in den Weg. „Wir legen ein Feuer, hier im Lager. Alle werden in Panik ausbrechen und versuchen, das Feuer zu löschen. Niemand wird uns beachten, und wir holen uns in aller Ruhe das Starrkraut.“ Erschrocken blickte er sich um und vergewisserte sich das sie niemand gehört hatte außer ihm. Als er sich sicher war, dass niemand die Ohren gespitzt hatte wandte er sich wieder der Arcanierin zu. Eigentlich wollte er sie anfahren, ob sie noch bei Verstand wäre, dass das viel zu gefährlich sein würde und dergleichen. Doch er tat es nicht, denn in seinem Geist, nahm die Idee bereits Gestalt an und je mehr er darüber nachdachte, desto interessanter war es. An einem Ende des Lagers ein Feuer legen und am anderen Ende einen Diebstahl begehen. Simpel, aber effektiv. „Und wenn der Karren abbrennt, merkt keiner das was fehlt...“, murmelte er vor sich hin, während er schon im Geiste durchging, wen sie einweihen mussten, wer was besorgen würde und so fort. Der Dieb bedachte Aenaeris mit einem anerkennendem Blick und verspürte das Bedürfnis ihr zuzuprosten, hatte aber logischerweise keinen Becher dabei. Also machte er das, was wohl dem am nächsten kam. Er vollführte eine tiefe Verbeugung, ergriff ihre Hand und hauchte eine Kuss auf ihren Handrücken. „Teuerste, das ist eine wundervolle Idee.“

Als erstes machten sie sich auf die Suche nach Willem Neffen Iardes. Der Bursche war bereit gewesen einen Karren zu überfallen, da würde er zu einem kleinen Feuer kaum nein sagen. Dachte Caradan jedenfalls. Komischerweise war der Knabe ziemlich schwer zu finden. Sie suchten zwischen den Zelten vor den Toren der kleinen Stadt, aber nirgendwo war er, bis sie ihn schließlich, etwa eine Stunde später, gegenüber dem Bordell, an einer Hausecke herumlungern sahen. Jedes Mal, wenn ihm eine der Damen zuwinkte oder ihm einen aufreizenden Kuss zu warf, begannen seine Ohren zu glühen und er hatte es plötzlich eilig, hinter besagter Hausecke zu verschwinden, nur um ein paar Momente später, an der anderen Ecke wieder hervor zu kommen. Der Dieb schlich sich an ihn heran und legte ihm brüderlich den Arm um die Schultern. Der Knabe zuckte zusammen, als ob Caradan ihn grade im Bett mit der eigenen Ehefrau erwischt hätte, wenn Caradan eine Frau gehabt hätte. „Na?“, fragte er gedehnt. „Beobachtest du die Wachen?“ Der Dieb bemühte sich, nicht zu lachen, als er Iardes stotternd beteuerte, dass dies genau das war, was er tat. „J-ja. Die, die, die sind da schon den ganzen Tag. Ich pass auf, wenn sie raus kommen.“ Caradan schlug ihm auf die Schultern. „Brauchst du nicht. Mann kommt hier und geht wieder. Kein großes Ding.“ Mit einem Seitenblick zu Aenaeris, fingen nun auch seine Wangen an zu leuchten. Nun konnte Caradan nicht mehr an sich halten. „Entspann dich.“, lachte er. „Ich habe eine bessere Aufgabe für dich.“ So weihte Caradan den jungen Burschen in ihr Vorhaben ein, ein Feuer im Lager zu legen, das als Ablenkung dienen sollte. War der Knabe eben noch glühend Rot, war er im nächsten Moment leichenblass. Er riss sich von Caradan los und starrte ihn schockiert an. „Nein. Nein, nein, nein, nein – das mach ich nicht. Nein, vergiss es. Nein, nein, nein kein Feuer, nicht mit mir, nein.“ Caradan hob beschwichtigend die Arme. „Bleib ruhig, verdammt.“, zischte er ärgerlich. „Das ist gar nichts schlimmes. Heute ist doch Neumond, da ist der Wein in der Taverne immer ein wenig billiger, nicht wahr? Im Lager wird keiner sein, dem was passieren kann.“, redete der Dieb ruhig auf ihn ein. „Alle werden sich in der Taverne tummeln und wenn doch einer da ist, ist es auch gut. Der bemerkt das Feuer und schlägt Alarm und nichts passiert. Soll bloß eine Ablenkung sein.“ Caradan legte ihm die Hand auf die Schulter. „Außerdem, sobald du das Feuer gelegt hast, rennst du zu deinem Onkel und gibst ihm Bescheid, alles klar? Er kümmert sich dann um alles. Er trifft bereits Vorbereitungen, sagt seinen Männern er traut den Neuankömmlingen nicht, will in einer Nacht in der Wein fließt kein Risiko eingehen und so weiter und so weiter.“ Dass sein Onkel Willem noch gar nicht eingeweiht, geschweige denn überzeugt davon war, ließ der Dieb erst einmal außen vor. „Also? Was sagst du.“ "Und wenn die ganze Stadt abbrennt?" Caradan rollte mit den Augen. "Kein Grund gleich den Elfen an die Wand zu malen." Iardes schlug seine Hand bei Seite. „Vergiss es. Such dir einen anderen Idioten.“, maulte er ihn an und stampfte davon. Caradan warf die Arme in die Luft und wandte sich Aenaeris zu. „Willst du dein Glück versuchen?“, fragte er sie entnervt, aber musste dann zweideutig grinsen. „Vielleicht hört er ja auf dich. Ich bin dann mal bei Willem und gebe ihm Bescheid.“
Nachdem Caradan den Büttel von seinen Männern separiert hatte, begaben sich die Beiden abseits des Rathauses, gegenüber des Richtplatzes an ein ungestörtes Fleckchen Erde. „Wir legen ein Feuer.“, kam der Dieb ohne Umschweife auf den Punkt. „Genauer gesagt, dein Neffe macht das. Ich und Aenaeris nutzen die Gelegenheit und stehlen das Starrkraut und fackeln den Karren auch noch ab. DU musst nur dafür sorgen, dass nicht die ganze Stadt abbrennt.“ Willem musterte ihn einen Moment, als erwartete er, dass Caradan jeden Moment seine Worte zurück nahm und sie als bloßen, schlechten, geschmacklosen Scherz entlarvte. Als dies nicht geschah, schnupperte er prüfend an Caradans Atem und als er keinen Wein oder Schnaps roch, grunzte er nur missmutig. „Bist du bescheuert?“, fragte er mit einer Ruhe, die im krassen Gegensatz zu seinen Worten stand. „Ich glaube du bist es. Ein Feuer legen, weißt was da alles passieren kann?“ Der Dieb nickte langsam. „Ja, aber du weißt es noch besser. Deswegen sollst du ja auch parat stehen, ums in den Griff zu kriegen.“ „Und wie verdammt nochmal?“, brummte er nun doch ärgerlich. „Halt Wassereimer parat, schaff Säcke voll Erde herbei, bring das Lampenöl an einen sicheren Platz – keine Ahnung!“ Willem schnaubte zornig. „Und wie soll ich das meinen Männern weiß machen?“ Der Dieb zuckte mit den Achseln. „Sag ihnen du triffst Vorkehrungen. Heute Abend wird gesoffen, du vertraust den Neuankömmlingen nicht, denk dir was aus. Dein Neffe ist schon an Bord und wir ziehen das durch mit oder ohne dich.“ Willem kratzte sich nachdenklich am Kinn und schien ernsthaft über den Plan nachzudenken, wog das Risiko ab. „Na schön.“, murrte er und gemeinsam machten sie sich auf um zu Aenaeris und Iardes zurück zu gehen, die ihnen auf halben Weg entgegen kamen. Der Bursche wirkte… ausgelassen, keine Spur mehr von Zögerlichkeit. Mit einem Seitenblick zu der Arcanierin, baute er sich vor ihnen auf. „Wann geht es los? Wann fangen wir an.“ Willem unterbrach ihn mit einer harschen Geste. „Immer langsam. Ich muss mich auch erst mal vorbereiten. Das dauert seine Zeit. Frühestens zur Dämmerung.“ Der Dieb nickte. „Dann zum Sonnenuntergang, in Ordnung. Wer sagt Rogan was wir vorhaben?“, fragte Caradan unsicher und Willem fing an zu Lachen. „Ich mach das schon.“

Die Taverne war voll bis unter das Dachgebälk mit grölenden Menschen, die sich Wein, Weibern und Würfeln hingaben, die Karten spielten und Trinklieder summten. Die ersten Betrunkenen lagen auf Tischen und schnarchten lautstark, wurden von ihren sogenannten Freunden ausgenommen, um die Zeche zu zahlen oder als Kleiderständer und Teller missbraucht. Essensreste und halb leere Weinbecher wurden auf ihnen abgestellt, was zu johlendem Gelächter führte, was wiederum zu einem ohrenbetäubenden Gekreische wurde, wenn einer der armen Teufel sich im Schlaf bewegte und sich den restlichen Wein überkippte. Hier und da sammelten sich die verschütteten Tropfen zu wahren Pfützen und sickerten langsam zwischen den Bodendielen ins Erdreich. Talglichter brannten auf den Tischen und Luft stank nach ungewaschenen Leuten und Tieren, nach Pisse, Scheiße, saurem Wein und Bier, nach Fett und nach den schweren Duftwässern der Huren. Aenaeris und Caradan kämpften sich durch das Gewühl, bis sie in einer Ecke noch einen halbwegs freien Platz auf einer Bank fanden. Neben hockten zwei junge Kerle, die eher an dem Kartenspiel hinter ihn interessiert waren, als den beiden Arcaniern, was dem Dieb nur recht war. Auch wenn er es nicht zugeben mochte, er war nervös und freudig erregt. Dieses Mal würde es alles von statten gehen, er wäre dabei, denn mal ehrlich: Wie hoch standen die Chancen, dass er und Aenaeris gerade jetzt wieder zu beschäftigt mit Nichtvögeln waren, um den Raubzug zu vollführen. Die Kartenspieler ihnen gegenüber, waren die selben vom Vorabend, aber keiner von ihnen machte Anstalten, einen der Arcanier zum Spiel einzuladen. Offensichtlich hatten sie kein Interesse daran sich wieder von den Beiden ausnehmen zu lassen. Caradan grinste bei dem Gedanken und erneut überkam ihn ein bittersüßer Gedanke darüber, dass seine Begleiterin gestern zwar hinreißen ausgesehen hatte, aber leider nicht mehr in der Stimmung gewesen war, um ein wenig Spaß zu haben. Vielleicht, wenn alles heute glatt lief, wären sie beide vielleicht schon eher in der passenden Stimmung. Der Dieb winkte die Schankmaid heran und orderte zwei Becher, mit Wasser verdünntem, Wein. Immerhin wollte er sich nicht wieder bis zur Besinnungslosigkeit betrinken, noch wollte er den vollen Preis bezahlen, für einen Becher, den er wahrscheinlich nicht leeren würde. Wenn alles so verlief wie gedacht, würde jeden Moment Willem herein stürmen und einen Brand im Lager melden, wohin dann jedermann eilen würde. Caradan hatte sich sagen lassen, seit der letzten Feuersbrunst reagierte man mehr als empfindlich auf Brände. Seine Sitzposition war etwas unbequem, da er mit einer Arschbacke nur halb auf der Bank Platz gefunden hatte, also rutschte er ein Stück näher zu Aenaeris, lehnte sich zurück und befand seine neue Position als ausreichend gemütlich. Schon wuselte sich die Schankmaid durch das Gedränge und brachte ihnen die Weinbecher. Caradan schob einen davon seiner Partnerin hin und prostete ihr zu, bevor er nur ein mal nippte. Ungeduldig wartete er. Sein Blick huschte hin und her und Caradan bemühte sich, nicht zur Tür zu schauen. Er bemühte sich so sehr, dass er tatsächlich nicht einen einzigen Blick auch nur in die Richtung der Tür warf, sondern immer wieder am anderen Ende des Raumes irgendwas von Interesse fand. Gegenüber von der Tür saß Gerrot Mondaeley an einem Tisch, blätterte in einem Buch und machte sich auf ein paar Bögen Pergament Notizen. Komischerweise hatte er mehr als genug Platz um sich herum, obwohl die Taverne offenkundig zum Bersten voll war. Wahrscheinlich lag es an den Ausdünstungen, die ihn um waberten und die man schon beinahe sehen konnte. Er blickte auf und als er den Dieb bemerkte, prostete er ihm kurz zu und Caradan tat es ihm gleich, bevor er sich weiter umsah. Am Tresen hockte eine komischer, kleiner Kerl. Hoch wie breit, vielleicht ein Kopf kleiner als Caradan, kaum noch Haare auf dem Kopf, mit krummer Nase und unrasiertem Kinn. Mit seinen dunklen Augen starrte er in ihre Richtung und Caradan war sich nicht sicher ob sein Interesse ihm oder Aenaeris galt. Unwillkürlich legte er der Arcanierin eine Hand auf den Oberschenkel, während er heimlich weiter zum Tresen schielte. Er beugte sich zu ihr hinüber und flüsterte ihr lüstern grinsend etwas ins Ohr, während er sie mit der Hand seicht streichelte. Sollte ruhig jeder glauben, dass die Beiden ein Pärchen waren. „Der Kerl am Tresen bereitet mir Bauchschmerzen.“, flüsterte er. „Der starrt uns die ganze Zeit an.“ Der Dieb langte nach seinem Becher und nahm dieses Mal einen kräftigen Schluck, während er möglichst unauffällig den anderen Kerl über den Becherrand hinaus beobachtete. Vielleicht war er ja nur paranoid und der Mann hatte bloß ein Auge auf Aenaeris geworfen, aber langsam ging ihm der Kerl gehörig auf den Sack. Er versuchte ja nicht einmal sein Starren zu verstecken, sondern gaffte ganz offen zu ihnen herüber. Caradan versuchte es zu ignorieren und wandte sich wieder seiner Begleiterin zu. „Darf ich fragen, wie du Willems Neffen – Iardes hieß er oder? Wie du Iardes davon überzeugt hast uns zu helfen?“, fragte er neugierig und blickte ihr, beinahe wissend, ihn die Augen. „Er war ja plötzlich … Feuer und Flamme.“ Vergnügt gluckste Caradan über seinen eigenen Wortwitz und kicherte hier und da schadenfroh, als er ihr zuhörte. „Böses Mädchen.“, kommentierte er ihre Schilderung gegen Ende, mit anerkennendem Unterton.
Nach einer Weile blickte er wieder zu ihrem neuen Verehrer am Tresen hinüber, der sie immer noch mit diesen unheimlichen, dunklen Augen anstarrte. Ihre Blicke trafen sich und Caradan verzog das Gesicht zu einer ärgerlichen Grimasse, während er den Kopf gleichzeitig fragend zur Seite neigte. Der Fremde verengte die Augen, rümpfte die Nase und spuckte aus und der Dieb bedachte ihn mit einer unflätigen Geste. Er wandte sich wieder Aenaeris zu und beugte sich wieder zu ihr herüber. „Wenn Willem so lange braucht, könnten wir ja auch nach draußen gehen und...“ Da sprang der Kerl auf und kam stampfend zu ihrem Tisch, drängte und schob sich zwischen den Leuten durch, als währen sie gar nicht da und baute sich vor ihnen auf, was trotz seiner Größe zu einem flauen Gefühl in Caradans Magen führte. Der Kerl verschränkte die Arme und gerade als er Luft holte um den Dieb zu beschimpfen, flog die Türe der Taverne auf. „FEUER!“, donnerte Willem und der Bass seiner Stimme übertönte alles und jeden. „Das Lager steht in FLAMMEN!“ Die Wirkung seiner Worte war gelinde gesagt erstaunlich. Fluchtartig stürmte die Hälfte der Anwesenden aus der Taverne, vermutlich die Hälfte deren Lebensunterhalt oder Aussicht auf Entlohnung da eben vielleicht in Flammen aufgingen. Würfel flogen durch die Luft und sprangen über den Boden, Spielkarten landeten in Pfützen aus billigem Fusel, die überall dort entstanden, wo Becher zu Boden und Krüge zu Bruch gingen. Stühle wurden umgeworfen und ein Tisch der einem Betrunken als Liegestätte gedient hatte, kippte zur Seite und der Mann schlug auf dem Boden auf, wo er reglos liegen blieb. Denen die nicht sofort aufsprangen, denen machte Willem mit seinem Knüppel Beine, sodass die Taverne innerhalb von wenigen Herzschlägen völlig leer war. Aenaeris und Caradan wurden wohl oder übel von dem herdenartigen Aufbruch der Menschen mitgerissen und hatten Mühe einander nicht zu verlieren. Bei einer günstigen Gelegenheit, packte Caradan sie am Arm und zog sie zur Seite, weg von dem Storm der Leute die alle mehr oder weniger in die selbe Richtung eilten. Im Halbdunkel der Seitengasse sahen sie dem Menschenstrom zu, wie er in der jungen Nacht zu einem Feuer eilte. Sie hörten die panischen Schreie und gebellten Befehle. Wäre es nicht so laut und hätten sie nicht noch etwas wichtigeres zu tun, könnten sie es sich glatt hier in einer Nische gemütlich machen. Aber bei diesem Treiben, konnten sie es nicht treiben oder sollten es zumindest nicht. Eine völlig aufgelöste Frau kam zu ihnen gerannt und drückte ihm einen leeren Eimer in die Hand. In ihren Augen stand die blanke Angst. „Holt Wasser!“, flehte sie und eilte dann wieder hinfort. Caradan hielt den Eimer einen Moment prüfend ins vor sich hin, bevor er einem anderen Mann in den Weg sprang und ihm den Eimer nun seinerseits in die Hand drückte. „Hol Wasser!“, befahl Caradan. „Na los, mach schon!“ Er scheuchte den armen Kerl, der gar nicht wusste wie ihm geschah, in Richtung Brunnen, bevor er sich wieder zu Aenaeris in den Halbschatten eines Hauses stahl. Mit einer ausladenden Geste ließ er ihr den Vortritt. „Darf ich bitten?“, grinste er sie an und gemeinsam huschten die beiden Arcanier durch das Dunkel der Nacht, dorthin wo der Karren nun unbewacht stand.
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

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Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Do, 22. Feb 2018 17:30

Aen lauschte Caradans Vorschlag und legte den Kopf schief. Hier war vollstes Können gefragt. Männer, beziehungsweise Buschen, die so stur und eigensinnig wie Iardes waren, waren oft eine harte Nuss. Man konnte an ihnen anrennen wie ein Schiff auf eine Sandbank. Hier war also nicht alleine plumpe weibliche List gefragt, sondern echtes Können und Manipulation. „Ich werds versuchen. Aber ich werde nichts versprechen. Dieser Bursche ist nicht wie alle anderen, das sieht ein Blinder! Ich weiß nicht… “ erklärte Aenaeris. „Wir treffen uns später wieder vor der Schenke“ entschied sie, und setzte sich schließlich in Bewegung, um Iardes, der beleidigt von dannen gezogen war, einzuholen. Als sie ihn erreicht hatte, legte sie ihm von hinten eine Hand auf die Schulter. Der Bursche zuckte zusammen bevor er sich umwandte. Er glotzte sie nur fragend an „He, warum läufst du denn weg?“ fragte sie ihn. „Ich will damit nichts zu tun haben. Ein Brand, das ist schon etwas ganz anderes.“ „Als was?“ hakte die Arcanierin nach. „Als einfach nur einen Karren auszurauben. Menschen können beim Brand zu Schaden kommen, wenn das Feuer nicht unter Kontrolle ist.“ Aen legte den Kopf schief. „Ach, du denkst, bei einem Raub kann niemand zu schaden kommen? Denkst du das? Dann bist du aber sehr naiv.“ Der Bursche zuckte trotzig die Schultern und war im Begriff sich abzuwenden, als die junge Frau einlenkte. „Ich wollte nicht naiv sagen, entschuldige.“ Sie hakte sich bei ihm unter, wie sie es zuvor bei Caradan getan hatte. „Komm, lass uns ein Stück gehen.“ Ein wenig widerborstig folgte Iardes Aen’s Aufforderung, und als sie das Lager westwärts langsam schlendernd verließen, begann die Arcanierin „Nicht naiv… aber unerfahren. Hab ich nicht recht? Ich habe dich beobachtet. Wie du rote Ohren bekommst, wenn du den Huren hinterher siehst. Du hast noch nie ein Mädchen gehabt, stimmts?“ Sie blieb stehen und blickte ihn unverwandt an. Er errötete. „Das ist doch nicht schlimm.“ Sie blickte ihm tief in die Augen, als sie folgende Worte sagte „Weißt du, ich finde dich süß. Sehr süß. Ich glaube, du könntest mir gefallen, und ich bin mir sicher, dass es jede Menge Frauen gibt, die an dir Gefallen finden würden.“ Er zuckte mit den Schultern „Wenn da so einfach wäre. Mir fehlt halt die Erfahrung. Viele in meinem Alter hatten schon zehn, fünfzehn Frauen…“ Die Arcanierin hob eine Augenbraue „Ach, das behaupten sie alle. Aber bei den wenigsten stimmt es. Wenn einer behauptet, er hatte zehn, dann kannst du davon ausgehen, es war nur eine, und wenn es fünfzehn waren, dann eine und eine die er beinahe rumgekriegt hätte.“ Sie lächelte. Er war wirklich süß. Noch kein richtiger Mann, aber das würde mit der Zeit schon kommen. „Und ich hatte nicht einmal eine“ rief er verärgert. „Hättest du denn gerne eine?“ raunte Aen ihm ins Ohr. „Wer, du etwa?“ Aen nickte langsam, und wieder wurden seine Ohren und seine Wangen dunkelrot. „Weißt du, ich wollte dir etwas vorschlagen. Du hilfst uns bei diesem Feuer, und dafür darfst du mich ficken.“ Sie sagte es unverblümt. So unverblümt, dass ihm der Mund aufklappte. „Und ich lege noch etwas drauf. Betrachte es als Anzahlung…“ meinte Aen und zog ihn hinter den Stall eines verlassenen Bauernhofes, dessen Außenfassade rußgeschwärzt war. Sie drückte ihn gegen die schiefe Stallwand und holte geschickt sein Gemächt aus der Hose und noch bevor er wusste, wie ihm geschah, ging sie vor ihm auf die Knie, nahm es in den Mund und begann daran zu saugen und zu lecken. „Was machst du da? Oh… ah…oh…“ verstummte er, und es schwoll zu einer recht beachtlichen Größe heran. Er war ungewaschen, und dementsprechend roch du schmeckte er. Aber was sollte man da machen? Sie hatte sich ja auch schon von einem froschäugigen fetten Wirten begatten lassen, in der Not. Aen schloss die Augen und sagte sich selbst, dass man, so wie bei diesem Wirten, so manches Mal ein Opfer bringen musste. Glücklicherweise dauerte es auch nicht allzu lange. Als sie fertig war, richtete sie sich wieder auf und blickte ihm erneut tief in die Augen. „Und? Möchtest du mehr? Hilfst du uns?“ fragte sie. Iardes keuchte immer noch. „Ja… alles, was ihr wollt…!“

Später, als Aen mit Caradan in der brechend vollen Taverne saß, hatten sie wieder einmal Alkohol vor der Nase, und die Arcanierin machte sich schon ernste Sorgen, dass das Vorhaben wieder einmal des Alkohol wegens scheitern würde. Doch als sie einen Schluck vom Wein nahm, stellte sie fest, dass dieser so stark verwässert war, dass sie wohl zehn davon trinken könnte, ohne eine Wirkung zu spüren. Caradan war angespannt, das merkte man deutlich. Und diese Anspannung übertrug sich auf Aenaeris. Plötzlich legte Caradan seine Hand auf ihren Oberschenkel und sie blickte ihn mit hochgezogener Braue an. „Was wird das?“ fragte sie schließlich. Er beugte sich ganz nahe an ihr Ohr und während er begann, sie zu streicheln, flüsterte er ihr ins Ohr „Der Kerl am Tresen bereitet mir Bauchschmerzen. Der starrt uns die ganze Zeit an.“ Aen ließ unauffällig ihre Augen zu dem Kerl wandern. „Nun, vielleicht gefalle ich ihm. Oder aber du gefällst ihm nicht, was mehr erklären würde, dass sein Blick so finster ist. Vielleicht ist er einfach nur neidisch, was deine Hand auf meinem Oberschenkel nicht besser macht…“ meinte sie und nippte gedankenverloren an ihrem Wein. „Darf ich fragen, wie du Willems Neffen, Iardes hieß er oder? Wie du Iardes davon überzeugt hast uns zu helfen? Er war ja plötzlich … Feuer und Flamme“ grinste er und Aen grinste ebenso. „Das würdest du jetzt gerne wissen, hm?“ Nun war es an ihr, sich nahe an sein Ohr zu beugen und zu flüstern. „Ich habe ihm ein Versprechen gegeben, wenn er es sich anders überlegt. Und ich habe ihn mit dem Mund verwöhnt. Und eines kann ich dir sagen, sein Schwanz ist bedeutend größer, als deiner. Aber vielleicht schmeckt deiner besser, wer kann das schon sagen“ lachte sie. Und unweigerlich begann sie nachzudenken, sie konnte gar nichts dagegen tun. Ob es wohl so wäre? Und wie er wohl im Bett wäre? Ein stürmischer Liehaber, der nur an sich dachte, oder gar ein zärtlicher? Sie konnte nicht einmal sagen, ob sie es herausfinden wollte. Immerhin teilte er mit Huren das Lager. Ein Mann, der das tat, der auf keinem normalen Weg eine Frau finden konnte, mit dem konnte etwas nicht stimmen. Nach einer Weile, die Aen schon mit wippenden Fuß unter dem Schenkentisch dasaß, und sie mit sich rang, ob sie ihn danach fragen sollte, warum er mit Huren verkehrte, meinte Caradan schließlich „Wenn Willem so lange braucht, könnten wir ja auch nach draußen gehen und…“ Doch weiter sprach er nicht, denn der Kerl stapfte mit einem Mal auf die beiden zu. Einfach so. Aen sah Caradan fragend an, ob er denn etwas gestikuliert hatte, was ihn provoziert hatte, doch noch bevor sie den Mund aufmachen konnte, polterte die Stimme Willems mit einem Mal durch die Schenke. „FEUER! Das Lager steht in FLAMMEN!“ Das war das Stichwort. Doch die Worte brachten eine derartig aufkeimende Panik mit sich, dass es Aen und Caradan nur mit Mühe gelang, einander nicht zu verlieren in der Menschenmasse, die panisch und schreiend aufsprang und zur Schenkentüre strömte. Aen langte nach Caradans Hand, doch sie konnte diese nicht erreichen, und so wurde sie von dem Menschenstrom einfach fortgetrieben auf der Straße, bis sie eine Hand spürte, welche sie am Arm packte. Glücklicherweise war es Caradans Hand, und er zog sie fort, bis sie in einer ruhigen Nische Platz fanden, und der Menschenmob an ihnen vorbeilief. Schweigend blickten sie sich an, während jeder wohl seinen Gedanken nachhing, welcher Art auch immer. Wenn man nicht wusste, dass ein Feuer ausgebrochen war, konnte es hier richtig gemütlich sein. Oder beinahe sogar romantisch… Aen hatte beinahe das Gefühl, dass da irgendetwas zwischen ihnen war. Eine Art Anziehung? Immerhin hatten sie es zweimal nicht miteinander getrieben, und das musste doch etwas zu bedeuten haben. Doch diese Ruhe wurde gestört von einer verstört kreischenden Frau die Caradan einen Eimer in die Hand drückte und ihn aufforderte, Wasser zu holen, bevor das Feuer vom Lager auf die Stadt überspringen würde. Doch Caradan, nicht faul, oder eben schon, stellte sich einem nahenden Mann in die Nähe und drückte nun ihm den Eimer in die Hand. „Hol Wasser!“ befahl er ihm und schon war der Mann fortgeeilt um dem Befehl Folge zu leisten. Mit einer ausladenden Geste grinste er und meinte „Darf ich bitten?“ Aen nickte lächelnd, und sie liefen von dannen.

Es war gar nicht einfach, sich in dem Lager fortzubewegen, ohne den Eindruck zu erwecken, dass man unlautere Vorhaben hatte, denn jeder Mensch der zu sehen war, holte Wasser, oder trug irgendeine Habe die er zu retten versuchte, vor sich her. Auch, wenn Aen zuerst dachte, der Plan wäre deppensicher, so ganz ohne Risiko war er nicht. Nach einer ganzen Weile fanden sie das Zelt und den Wagen der Begierde, welcher die kostbare Fracht enthielt. Aen und Caradan standen schließlich vor dem Wagen. „Du stellst dich dort rüber und hältst Wache“ entschied die Arcanierin. „Ich klettere in den Wagen und suche das Starrkraut. Wenn jemand zu sehen ist, dann warnst du mich. Mit einem Pfiff oder womit auch immer. Ja?“ Sie schubste ihn in die Richtung, wo sie gedachte, dass am besten Wache zu stehen sei und schließlich raffte sie ihre Röcke und stieg auf den Wagen, wo zwischen all dem Plunder das kostbare Starrkraut sich befinden musste. Die Zeit drängte, soviel stand fest, denn bei soviel emsigen Helfern würde es nicht lange dauern, bis das Feuer bekämpft war. Allerlei Rat und Unrat fand sich da. Nur kein Starrkraut. Beinahe verlor sie sich in dem Tand. Hier ein goldenes Kettchen mit einem nicht erkennbaren Anhänger, da ein Beutelchen mit Münzen, welchen sie sogleich an ihren Beutel knüpfte und entschied, dass er ihr zustand. Schließlich hieß es, dass sie das Starrkraut stehlen sollten. Von nichts anderem war die Rede. Die Arcanierin wühlte sich durch Kostbarkeiten und nutzlosem Plunder, doch sie fand das Starrkraut einfach nicht. Allmählich wurde sie nervös. Vielleicht war sie zu blöd dafür. Caradan würde sicherlich nicht begeistert sein, wenn sie es verbockte. Von den anderen, Willem, Rogan, Faegot der Mörder, so er noch mitmachte, einmal ganz abgesehen. „Verflucht, wo ist das verfickt verdammte Scheiss Starrkraut nur?“ schimpfte sie. „Meinst du das Starrkraut hier?“ hörte sie eine Stimme. Sie fuhr herum und sah einen Mann, der seelenruhig in einem dunklen Winkel des Wagens saß und ein Kästchen demonstrierend in Händen hielt. Aen erschrak fürchterlich. Was wollte der den hier? „Scheisse… wer bist du denn?“ entfuhr es ihr und der Mann der eine gemein grinsende Fratze aufgezogen hatte, erhob sich. „Denkst du wirklich, du diebische Schlampe, wir ließen den Wagen auch nur eine Minute alleine?“ „Aber… das Feuer…“ hörte Aen sich aus weiter Ferne sagen. „Na und? Der Pöbel kümmert sich schon darum. Was juckts mich? Jetzt pack den Pluder wieder aus den du eingesteckt hast. Na los, wird’s bald?!“ herrschte er sie an und sie sah ein Messer im Halbdunkel aufblitzen. Sie hatte keine Wahl. Auch, wenn Silvar ihr stets nahegelegt hatte, Vorsicht walten zu lassen… Sie griff nach ihrem Gürtel, wo das Feuerrohr sich befand. „Ah ah ah… Hände weg… kein Messer oder ich schlitz dich auf vom Arsch über deine Fotze bis zu deiner Kehle …“ zischte der Kerl ihr zu. „Hörst du schlecht, Weib?“ Doch als er das harmlos aussehende Feuerrohrauf sich gerichtet sah, begann er zu lachen. "Was willst du, Weib, willst du mich mit diesem Stöckchen totschlagen? Hahahaha!“ Sie richtete das Feuerrohr auf ihn. Direkt in sein Gesicht. Sie hatte wirklich keine andere Wahl. Auch auf die Gefahr hin, dass man das ohrenbetäubende Getöse hören würde. Gerade mal ein Meter trennte sie von dem Kerl, dessen Klinge aufblitzte, als er sich auf sie zubewegte und mit dem Messer nach ihr ausschlug. Er erwischte sie am Unterarm, nicht tief, aber dennoch ein schmerzhafter Schnitt. Ein Klacken, ein Zischen, der Geruch von brennendem Schwarzpulver. Ein kurzes Aufblitzen, ein ohrenbetäubender Knall und viel Rauch. Blut spritzte in alle Richtungen, als der Schädel barst. Knochensplitter, Gehirn, Blut, all das legte sich warm und feucht auf das Antlitz und ihre Kleidung. Sie hatte keine Zeit, um zu warten bis der Rauch sich verflüchtigte und sie wieder klarsehen konnte. Sie tastete sich durch den Rauch zu dem Kerl und seine Hand, die wenige Sekunden zuvor noch die kleine Truhe mit dem Starrkraut festgehalten hatte. Sie ertastete sie schließlich, packte sie und sprang aus dem Wagen. „Los, lauf!“ rief sie Caradan zu und rannte mit ihm aus dem Lager, in das Finster der Nacht…
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Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Do, 22. Feb 2018 22:02

Auf eine ganz seltsame und eigene Art war Feuer etwas wunderschönes. Die Magie hinter einem einfachen Kaminfeuer konnte Caradan schon einen Schauer über den Rücken jagen, aber der Anblick eines Lagerbrandes. Beinahe hatte er ein schlechtes Gewissen, weil er den Funkenflug in der Dunkelheit, dieses rötlich-goldne Lichtspiel am Nachthimmel so atemberaubend fand, so wunderschön und mächtig zu gleich. Feuer war schon eine Sache für sich und aus einem ihm unbegreiflichen Grund musste er beim Anblick der Funken an Aenaeris‘ Augen denken. Die sprühten auch Funken, hatte es manchmal den Anschein. Sie sah noch so jung aus, aber strahlte eine Erfahrung aus, die in dem Dieb ernsthaften Zweifel schürte ob sie wirklich so jung war. Andererseits, wer wusste schon wann sie ihren ersten Kerl... Caradan schollt sich einen Narren. Diese blöde Kuh hatte ihn einfach so zum Wachdienst abgestellt. Er war der Kopf hinter dem Ganzen! Er hatte sie dazu geholt und jetzt delegierte sie seine Aktionen. Was sie sich wohl alles einstecken würde, während sie so tat als müsse sie nach dem Starrkraut suchen. Vermutlich würde allerlei Tinnef und Tand im Dunkeln der Nacht den Besitzer wechseln und der Dieb würde seinen Anteil bestimmt nicht kriegen.

Und was die Schwanzlänge anging, war das letzte Wort noch nicht gesprochen! Mochte ja sein das Iardes einen Riesenprügel zwischen den Beinen baumeln hatte, aber wusste er wie er ihn zu nutzen hatte? Wusste er das Frauen auch ihren Spaß haben wollten? Und wusste er, dass wenn man ihnen diesen Spaß nach bestem Wissen und Gewissen verschaffte, sie es einem Mann doppelt und dreifach vergolten? Nein wusste er nicht, aber ER WUSSTE ES! Er, Caradan, er wusste wie man eine Frau glücklich machte oder glaubte es zumindest zu wissen. Er war in einem Hurenhaus aufgewachsen und wusste wie Mann es NICHT zu machen hatte. Der Weg war das Ziel, die Aktivität, die Tätigkeit, das Erlebnis, nicht das abspritzen in, auf oder neben die Frau! Da musste man sich als Mann schon mal zügeln und das wusste Caradan, auch wenn er nicht so eine gigantische Schlange in der Hose hatte.
In der Schenke hatte er es sich nicht anmerken lassen wollen, um ihr diesen Triumph nicht zu gönnen und weil dieser Kerl am Tresen so beunruhigend gewesen war. Aber jetzt, jetzt allein in der Dunkelheit, zum Wachdienst verdonnert, jetzt konnte er seinem Frust freien Lauf lassen.
Woher wollte sie eigentlich wissen, wie groß sein Schwanz war? Sie hatte ihn EINMAL in der Hand gehabt, für nicht mal einen Herzschlag und da war er nicht mal erregt gewesen. Woher sollte diese kleine … was auch immer wissen, wie groß seine aufgerichtete Lanze war? Ihr würden bestimmt die Augen aus dem Kopf fallen, wenn sie seine harte Männlichkeit sehen würde – erst recht wenn sie sie in den Mund nehmen würde. Und wie er schmeckte konnte sie ja dann SELBST entscheiden. Sie durfte sich jede Menge Zeit nehmen um von ihm zu kosten und er würde diesen Gefallen nur zu gern erwidern. Bei Idalias Arsch, wie gerne würde er diesen Gefallen erwidern. Wieder rief er sich das Bild vor Augen, wie sie nackt auf dem Bett lag, mit Wein begossen. Wie schamlos sie sich den Wein an Orte gegossen hatte die... Der Dieb spürte ein Jucken in der Hose und als er die wachsende Beule bemerkte, dachte er schnell an etwas anderes.

Das dauerte ganz schön lange, befand Caradan und wollte eigentlich nachsehen, aber er hatte Angst, dass gerade in dem Moment da er sich umdrehte irgendjemand angerannt kam. Nein, er würde stur hier bleiben und auf sie warten. Sie war schon ein großen und böses Mädchen, sie würde das schon schaffen. Und falls nicht… müsste der Dieb Brisangen wohl fluchtartig verlassen. Rogans Zorn wollte er sich nicht noch einmal aussetzen. Aber es würde schon alles gut gehen, da war er zuversichtlich. Dieses eine Mal gönnte er sich diese optimistische Sichtweise. Konnte ja nicht sein, dass er und Aenaeris es zwei Mal hintereinander versauten. Vielleicht sollten sie, sofern alles glatt lief, sofort miteinander ins Bett steigen und dann erst den Erfolg feiern. Dann hätten sie es auch endlich hinter sich. So wie es jetzt war, hatte Caradan das Gefühl, dass da was zwischen ihnen war und ob das gut oder schlecht war, konnte er nicht mit absoluter Gewissheit sagen. Im Geiste malte der Dieb sich den zu erwartenden Gewinn aus und fragte sich, wie Mondaelay wohl reagieren würde oder vielmehr, wie er noch mehr Geld aus diesen blaublütigen Flachwichsern herauspressen wollte. Adelige waren, trotz oder gerade wegen ihrer Bildung, meist genau so dumm, wenn nicht sogar weitaus dümmer als gewöhnliche Menschen, denn zu ihrer Inkompetenz kam noch ein unglaubliches Maß an Arroganz – eine tödliche Mischung. Es war überhaupt nicht schwer, einen Adeligen aufs Kreuz zu legen, jedenfalls diejenigen mit denen Caradan bisher zu tun gehabt hatte. Manche hatten durchaus Biss, aber mit solchen legte sich Caradan aus Prinzip nicht an. Aenaeris war ebenfalls schwer aufs Kreuz zu legen, überlegte er mit einem Schmunzeln.
Mit einem Mal lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken und er hatte das Gefühl, als wäre irgendwas schreckliches passiert. Ein leichter Schmerz machte sich in seiner Schläfe breit und schwoll so plötzlich an, dass Caradan erschrocken nach Luft schnappte. Er rieb sich die heftig schmerzende Schläfe und ging in die Knie. Beinahe sofort ließ der Schmerz nach und der Dieb blickte sich misstrauisch um. Irgendwas lief hier gar nicht so wie geplant. „Aenaeris?“, rief er leise in die Richtung, in der der Wagen stand.
Plötzlich ertönte ein ohrenbetäubender Donnerschlag, als hätte direkt neben Caradan ein Blitz eingeschlagen. Schräg über ihm hörte er ein Pfeifen und ein paar Schritte weiter schlug etwas ein Loch in die Seite eines Wagens. Der Dieb zuckte zusammen und blickte sich entgeistert um. Was bei den beschissenen Geschwistern war das gewesen? Ein Armbrustbolzen? Elfenwerk? Mit zitternden Knien richtete sich Caradan wieder auf und sah wie Aenaeris blutbesudelt und nach verbranntem stinkend auf ihn zu kam. „Los, lauf!“, rief sie ihm zu und schon hörte er die ersten Rufe jenseits der Wagen und Zelte. Erschrocken stellte er fest, dass der magische Anblick am Nachthimmel kaum noch zu sehen war, aber er hatte beinahe Angst sich vom Fleck zu bewegen. Zögernd folgte er ihr in die Nacht. Sie eilten gen Waldrand, was nicht schwer war, denn Brisangen war im Prinzip nur von Wald umgeben. Auf halbem Weg drehte sich Caradan um und sah Männer mit Fackel – was kurz nach einem Brand eine wunderbare Idee war – er sah also Männer mit Fackeln herum huschen, genau dort wo noch wenige Herzschläge zuvor die beiden Arcanier ihr Werk verrichtet hatten. Laute Rufe erschollen und der Dieb wandte sich wieder um und lief Aenaeris hinter her. In der Dunkelheit stolperte er mehr als er rannte, aber das machte nichts. Seine Gedanken kreisten um den Donnerschlag. Von so etwas hatte er noch nie zuvor gehört, geschweige denn, dass er es selbst gehört hätte. Wenn hier keine bösartige Magie im Spiel war, wusste er auch nicht weiter. Und was war mit Aenaeris passiert? War das ihr Blut? Und warum stank sie so nach Schwefel, wie er jetzt, da er schwer atmend neben ihr kauerte, jetzt da sie den Waldrand erreicht hatten und in der Dunkelheit der Bäume stehen geblieben waren. „Alles in Ordnung Aen?“, keuchte er atemlos. Er konnte kaum die Hand vor Augen sehen, geschweige denn Aenaeris, aber er konnte sie ebenso schwer atmen hören. Vorsichtig streckte er die Hand nach ihr aus und berührte sie an der Wange. Er spürte warmes und klebriges Blut, dennoch legte er ihr die Hand auf die Wange. „Ist das deines?“, fragte er und war ehrlich besorgt. In diesem Moment dachte er gar nicht daran sie nach dem Starrkraut zu fragen, viel wichtiger war ihm was da passiert war. „Was war das für ein… Donnern? So was habe ich noch nie…“, murmelte er. „Das hat bestimmt jeder in Brisangen gehört.“
Nachdem er sich zur Genüge versichert hatte, dass es Aenaeris so weit so gut ging, entlud sich seine ganze Anspannung, Sorge und Todesangst in einem unkontrollierbarem Lachanfall. Er lachte nicht laut, soweit konnte er sich noch beherrschen, aber seine Schultern fingen an zu beben und er biss sich in die Fingerknöchel, während ab und zu ein heiseres Keuchen zu hören war. Sie waren entkommen. „Was Mann nicht im Kopf hat, hat Mann zwischen den Beinen oder wie hieß das.“, lachte er leise. „Und wenn das stimmt, habe ich eben einen Kleineren als Iardes.“ Dieses Mal musste er laut lachen und schlug sich schnell die Hand vor den Mund. Das war nicht der beste Ort um Aufmerksamkeit zu erregen. Sie warteten noch eine Weile, bis sich der größte Trubel gelegt hatte. „Komm,“, der Dieb nahm sie bei der Hand, „wir schleichen uns zurück.“ Geduckt über die Felder huschend, schlichen die Beiden wieder in Richtung Brisangen. Als sie gerade nahe genug an der Stadt waren, damit hielten sie inne, denn nun reichten die Lichter bis zu ihnen und sie konnten sich wenigstens einen Augenblick gegenseitig begutachten. Aenaeris sah schlimm aus, denn nicht nur ihr Gesicht war blutverschmiert und komische Klumpen und weiße Splitter klebten in ihren Haaren, sondern auch ihr Kleid war mehr als schmutzig. Würden sie so in der Schenke auftauchen, könnte sie nicht einmal Janus höchstselbst retten. Jetzt fiel ihm auch das Kästchen auf, das sie an sich drückte. „Ist es das was ich glaube?“, fragte er erstaunt und seine Augen blitzten freudig auf und er strahlte übers ganze Gesicht, als sie nickte. „Perfekt… Warte hier!“ Caradan beeilte sich und huschte von Schatten zu Schatten bis er beim Brunnen war. Geduldig sah er sich um und vergewisserte sich, dass niemand da war. Mehrere Eimer lagen über den halben Platz verstreut, offenbar achtlos liegen gelassen, nachdem das Feuer besiegt worden war. Hastig schnappte er sich zwei der Eimer und holte Wasser. Den einen stellte er abseits in der Nähe der Schenke ab und eilte mit dem anderen zurück zu Aenaeris. „Hier.“, flüsterte er. „Wasch dir das Gesicht ab.“ Während sie sich das Blut abwusch, begutachtete Caradan das Kästchen. Es war verschlossen, natürlich war es verschlossen, aber dies sollte kein Problem darstellen. Der Dieb hatte schon so manches Schloss gegen dessen erklärten und beglaubigten Willen geknackt. „Da bist du ja wieder.“, grinste er, nachdem Aenaeris‘ Gesicht wieder erkennbar war. Jetzt nur noch das Kleid. „Zieh dein Kleid aus… bitte.“ Der Dieb legte das Kästchen bei Seite und entledigte sich seinerseits seinem Gehrock und hockte so nur noch im Hemd da. Er reichte der Arcanierin den Rock. „Hier, ich will dich ja nicht in Verlegenheit bringen.“, zwinkerte er ihr zu und gemeinsam machten sie sich auf. Geradewegs zurück in die Schenke.

Nachdem sie sich erfolgreich nach oben geschlichen und unterwegs den Eimer eingesammelt hatten, schloss Caradan erschöpft die Tür. Sie hatten es geschafft, sie hatten es doch tatsächlich geschafft. Die Erleichterung war unbeschreiblich, wenn da nicht dieses nagende Gefühl des Zweifels wäre. Der Arcanier wollte immer noch wissen, was das für ein Geräusch gewesen war und außerdem mussten sie das Kästchen noch öffnen. Aber die Frage konnte und das verdammte Kästchen könnten auch bis morgen warten, wenn Aenaeris vielleicht eine bessere Idee hätte. Leider hatte Caradan keinen Wein mehr hier oben in seinem Zimmer, mit dem sie gebührend feiern könnten. Andererseits … theoretisch hatten sie hier etwas ähnlich Gutes oder etwa nicht? Eigentlich hatte Caradan nie von dem blauen Honig probieren wollen, aber eigentlich müsste er ja die Qualität der Ware prüfen. Einen Moment zögerte er, doch dann kramte er seine Dietriche hervor. Es dauerte keine zwanzig Herzschläge, da kapitulierte das Schloss und das Kästchen gab seinen Inhalt preis. Der Dieb warf einen interessierten Blick auf die Blüten und spürte, wie ihm jemand über die Schulter blickte. „Und was meinst du? Sollen wir mal probieren?“
Dies ließ sich die Arcanierin nicht zweimal sagen. Schon holte sie ihre Pfeife hervor und wählte sorgfältig eine der Blüten aus und stopfte sie in die Pfeife. Der Dieb zog sich derweil die Stiefel aus und warf sie achtlos in die Ecke des Zimmers. So war es viel besser. Er setzte sich neben Aenaeris aufs Bett und wartete geduldig und auch ein wenig nervös darauf, dass sie ihr Werk vollendete. Schließlich entzündete sie die Pfeife und ein süßlicher Geruch stieg dem Dieb in die Nase. Waren das die Kräuter oder das Starrkraut? Sie hielt ihm die Pfeife hin und er nahm sie zögerlich entgegen. Einen Moment atmete er tief ein und aus. „Scheiß drauf.“, brummte er und nahm einen tiefen Zug. Langsam ließ er den Rauch aus der Nase entweichen. Die Wirkung setzte umgehend ein und er fühlte sich, als hätte ihn jemand in einen Badezuber angenehm heißem Wasser getaucht. Er spürte ein Kribbeln in den Fingern und fühlte sich so wach und so lebendig wie noch nie zuvor. Das wohlige Gefühl breitete sich vom Kopf bis zu den Zehen aus. „Oh heilige...“, hauchte er begeistert und sank in die Matratze. Er sank so tief ein, wie er es noch nie getan hatte, ehrlich gesagt, tiefer als er es für möglich gehalten hätte. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er die Arcanierin an und er spürte förmlich wie ihm das Blut dorthin schoss, wo es mehr Spaß haben würde. „Sag mal Aen… war das ernst gemeint? Hat der Knabe wirklich so 'nen Riesenschwanz?“
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

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Re: Unter Dieben

Beitrag von Aenaeris » Fr, 23. Feb 2018 13:43

Sie rannten durch die Flur, vorbei an ein paar Feldern, bis zum Waldrand, vom Waldrand in den Wald, und dort immer tiefer in den Wald. Sie rannten und stolperten tief in den dichten dunklen Wald, der nur von der schmalen Sichel des aufgegangenen Mondes nur stellenweise und schemenhaft erhellt wurde. Ihre Lungen brannten, ihre Seite stach, in ihren Ohren summte es, das Herz schlug wild in ihrer Brust und auch der Schreck saß ihr gehörig in den Gliedern. Aen hatte das Feuerrohr schon sehr lange nicht mehr benutzt, und so hatte sie regelrecht vergessen, welch ohrenbetäubenden Lärm das Ding produzierte. Sie hatte vergessen, welch mächtige zerstörerische Kraft das Feuerrohr besaß. Sie wusste, dass es gefährlich war, es zu benutzen wenn viele Menschen in unmittelbarer Nähe waren. Das letzte Mal als sie dies so getan hatte, in Onvorthad, waren sie von der Stadtwache aufgegriffen und ins Zuchthaus der Stadt geworfen worden. Der Beginn einer langen und leidvollen Zeit, für Aen aber auch für Silvar. Wie es schien, war es gut ausgegangen. Niemand schien ihnen gefolgt zu sein, im Schutz der Dunkelheit hatte sie niemand erkennen können. Der einzige der sie, Aen gesehen hatte, musste nun für immer schweigen. Als sie endlich wagten, ihre Laufschritte zu verlangsamen, und schließlich stehen blieben, rang Aen schwer nach Luft. Immer noch war sie tief erschrocken und wusste nicht, was Priorität hatte. Zu Atem kommen, zu hoffen, dass das schmerzhafte Seitenstechen verging, ihre Gedanken zu ordnen…? Sie beschloss sich zuerst auf ihre Atmung zu konzentrieren. Ihr Herz schlug hart in ihrer Brust und sie rang nach Atem, das Kästchen mit dem Starrkraut an ihre Brust gepresst, wie eine Mutter ihren Säugling an sich drückte um es zu beschützen. So verharrte sie eine kurze Weile und war froh, dass Caradan mit sich selbst beschäftigt schien. Ihre Nase umwaberte der metallische Geruch von Blut und Schwefel. „Alles in Ordnung, Aen?“ keuchte Caradan und Aen nickte nur schweigend. Er trat an sie heran und musterte sie im schwachen Mondenschein. Aen spürte seine Hand an ihrem Gesicht, und wie er sie auf ihre Wange legte. Sie war groß, so groß, dass er mit einer Hand die Hälfte ihres Gesichtes aufnehmen konnte, und sie war angenehm warm. Diese Geste hatte beinahe etwas Beschützendes, etwas Sanftes, Fürsorgliches. „Ist das deines?“ stellte er die berechtigte Frage als er das klebrige Blut spürte. „Nein…“ hauchte sie knapp, und ihr Herzschlag, der sich gerade erst beruhigt hatte, erhöhte sich nun wieder. Irgendwie machte er sie nervös, doch sie vermochte nicht zu sagen, warum. „Was war das für ein… Donnern? So was habe ich noch nie…“, murmelte er. „Das hat bestimmt jeder in Brisangen gehört.“ Aenaeris entzog sich seiner Berührung und wandte sich ab. Was sollte sie darauf erwidern? Ohne es zu wollen, hatte sie ihr größtes, mächtigstes aber auch gefährlichstes Geheimnis offenbart. Caradan war nicht Silvar, dem sie blind vertraute, der über das Feuerrohr Bescheid wusste, weil er es schließlich auch gebaut hatte. Aen und Silvar verbanden eindeutig die Feuerrohre. Das fußte auf gegenseitigem blinden Vertrauen. Aber Aen und Caradan, das war etwas ganz anderes. Ihm konnte sie nicht so vertrauen, dass sie ihm davon erzählen würde. „Das ist nichts, worüber ich sprechen werde“ erwiderte sie dürftig, auch wenn das bedeutete, dass das seine Neugierde vermutlich nur noch mehr anstacheln würde. Aen wurde klar, dass es nun an der Zeit war, weiter zu ziehen. Caradan war eine Zufallsbekanntschaft. Er hatte ein Weib gebraucht, das die Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. Das hatte sie mehr oder weniger getan, eben auf eine andere Art und Weise wie es geplant war, und die Vereinbarung war gewesen, dass sie half, das Starrkraut zu besorgen. Nun, das hatte sie getan, ihre Vereinbarung war erfüllt. Jetzt, da das Feuerrohr ins Spiel gekommen war, war es besser, wenn ihre Wege sich trennen würden. Sie hatte keine Lust, dass das zwischen ihnen stand, und das würde es nun aber immer. Irgendwie schwang bei dem Gedanken daran auch ein klein wenig Wehmut mit. Am Anfang fand sie Caradan einfach nur seltsam. Aber jetzt war es anders. In gefährlichen Situationen konnte man die wahre Größe eines Menschen erkennen, und Caradan hatte sich sehr großmütig verhalten. Seine Besorgnis ihretwegen schien echt gewesen zu sein, und das rührte an Aens Herz.

Plötzlich fing Caradan an zu lachen. Erst ein heiseres leises Lachen, dann immer lauter und ausgelassener. Aen starrte ihn nur verständnislos an. Sie verstand nicht, was in dieser Situation jetzt so komisch war. Ihr jedenfalls war nicht nach Lachen zumute. „Was Mann nicht im Kopf hat, hat Mann zwischen den Beinen oder wie hieß das. Und wenn das stimmt, habe ich eben einen Kleineren als Iardes.“ Aen verstand, und sie musste grinsen. Sie hatte gedacht, dass Caradan das egal war. Doch das war es allen Anscheins nach überhaupt nicht. Dass der schmächtige, schüchterne und blutjunge Iardes ein großes und größeres Gemächt als er, Caradan, zu haben schien, nagte wohl sehr an dem Dieb. Und dass ihn das jetzt wurmte, weil sie es gesagt hatte, das gefiel ihr natürlich besonders.

Sie verließen den Wald nach einer beträchtlichen Weile wieder, schlichen sich an den Feldern vorbei, zu den Ausläufern der Stadt, und am Stadtrand blieben sie stehen. Nachdem Caradan sie eingehend gemustert hatte, im Schein der Lichter der Kleinstadt, besorgte er einen Eimer Wasser beim nächstgelegenen Brunnen und verordnete er ihr, sich gründlich zu waschen. Das tat sie dann auch, und wusch sich auch die Haare in dem Wassereimer, um zumindest die groben Verunreinigungen zu entfernen. Den Rest musste sie im Badehaus loswerden. Schließlich forderte er sie noch auf, ihr Kleid auszuziehen, da sich auch hier beträchtlich Blutflecken befanden. Im Ausgleich dafür bekam sie seinen Gehrock, und so schlichen sie sich schließlich in die Schenke wo Caradan sein Zimmer bezogen hatte. Erst, als die Türe sich hinter ihnen geschlossen hatte, fiel auch die letzte Anspannung von der Arcanierin. Aen wusch sich erneut im Licht der Talglichter die hier brannten. Besonders jenes von ihrem Arm, wo der Bastard sie mit dem Messer erwischt hatte. Das Blut war bereits verkrustet, der Schnitt klaffte, war aber an sich keine großartige Angelegenheit. Caradan, der das Kästchen mit dem Starrkraut an sich genommen hatte, setzte sich hin und kramte sein Diebeswerkzeug hervor und machte sich an dem Schloss des Kästchens zu schaffen. Interessiert blickte sie ihm über die Schulter und hie und da tropften kleine Wassertropfen aus ihrem offenen, nassen Haar herunter. Es dauerte nicht lange, da sprang das Schloss auf und sie konnten den Inhalt der sich darin befand, betrachten. Kleine, blaue getrocknete Starrkrautblüten. Vor ihnen befand sich ein kleines Vermögen. Aenaeris mochte die Farbe der kleinen getrockneten Blüten. Kornblumenblau, wie die Kornblumen, die in den Gerstenfeldern in Arcanis wuchsen, und so wunderbar mit den blassroten Klatschmohnblüten und den weißen Margeriten harmonierten, die dort ebenfalls wuchsen. Sie vermisste Arcanis schmerzlich. War sie schon in vielen Teilen der Nordreiche gewesen, doch nirgendwo war es so schön wie in ihrer Heimat Arcanis. „Und was meinst du? Sollen wir mal probieren?“ riss Caradan sie aus ihren heimwehschweren Gedanken. Aen war sofort Feuer und Flamme. „Auf jeden Fall. Wir müssen doch wissen, was wir da verkaufen…“

Sofort lief sie um ihre Pfeife hervorzukramen samt Kräutertabak. Als sie die Pfeife vorbereitet hatte, suchte sie eine möglichst schöne große Starrkrautblüte aus dem Schatzkästchen heraus, legte sie behutsam auf das Kräuterbett und schob die Blüte mit ihrem kleinen Finger tief in den Pfeifenkopf hinein. An einem der Talglichter entzündete sie einen Kienspan und damit schließlich die Pfeife. Als sie den ersten tiefen Zug tat, seufzte sie erleichtert auf. Das war jetzt genau, was sie brauchte, nach diesem anstrengenden Unterfangen. Dann reichte sie die Pfeife an Caradan weiter. Etwas zögerlich nahm er sie entgegen und als er tief ein und ausatmete, begann die Arcanierin zu lachen „Na komm schon, hast du etwa Angst? Da ist nur Starrkraut… Wenn du dich nicht durchringen kannst, dann gib mir wieder die Pfeife bevor sie erlischt. Wäre doch schade um das Starrkraut. Diese Blüte hatte sicher einen Wert von zwei Silbermünzen.“ Sie blickte ihn von der Seite an und setzte noch eins nach: „Du Feigling!“ „Scheiß drauf“ meinte er schließlich und tat einen tiefen Zug. Aenaeris beobachtete sein Tun mit wachsendem Interesse und Neugierde. Ganz genau beobachtete sie ihn, besonders, weil bei ihr die wohltuende Wirkung schon einsetzte und sie das Gefühl hatte, den Blick eines Raubvogels zu besitzen dessen wachen Blick nichts entging. „Gut, oder?“ strahlte sie ihn an und nahm ihm sanft die Pfeife aus der Hand um einen weiteren Zug zu nehmen. Dabei berührten sich ihre Finger und Aen kam es vor, als hätte diese Berührung etwas Magisches. Sie konnte sich nicht entsinnen, dass sie seine beiläufige Berührung schon einmal so intensiv wahrgenommen hatte, und sie sah ihn mit großen Augen an als er seufzte „Oh heilige…“ Aen musste kichern bei seinen Worten. Ein prüfender Blick in die Pfeife verriet, dass sie noch ein, zwei Züge bereithielt und so ließ sie Caradan noch einmal daran ziehen, bevor sie den letzten Zug tat und die Pfeife schließlich beiseitelegte. Der Dieb hatte es sich inzwischen gemütlich gemacht auf dem Bett und auch bei Aen stellte sich dieses wohlige Kribbeln ein, von den Haarwurzeln bis zu den Zehen. Warm war es, so warm, beinahe heiß, an diesem lauen Sommerabend. Und die Wärme durchströmte ihren Körper. Besonders in der Leibesmitte breitete es sich aus, und am stärksten war es zwischen ihren Beinen. „Ist dir auch so heiß wie mir?“ ächzte die Arcanierin und warf einen Blick zurück auf den Dieb. Als sie ihn ansah und seinen Blick auffing, da stellten sich ihr all die feinen Körperhärchen auf, als eine Gänsehaut über ihren Körper wanderte, und das warme wohlige Gefühl zwischen ihren Beinen verstärkte sich. Es fühlte sich an, als wäre ihr Schoß aus Watte, so weich und sanft fühlte sich ihr ganzer Körper an. „Sag mal Aen… war das ernst gemeint? Hat der Knabe wirklich so 'nen Riesenschwanz?“ fragte Caradan sie plötzlich und völlig unerwartet. Nur das Wort allein war ausreichend, dass ihr erneut Schauder über den Rücken jagten, und ihr Schoß fühlte sich so heiß an wie eine Esse. Ihr gefiel das Wort. Es ließ sie, zusammen mit dem Starrkraut, dümmlich grinsen. „Mein voller Ernst… Caradan… Der Bursche hat…“ begann sie schwerfällig, Wort für Wort über ihre schwere Zunge zu bringen, „…einen Riesenschwanz…“ stieß sie hervor. „Oh…wie schade, dass Caradan nicht da ist, um ihn mir reinzuschieben, diesen Riesenschwanz… Stück für Stück.. immer tiefer… gaaaanz tief rein…“ Sie dachte für einen Moment nach. „Habe ich jetzt Caradan gesagt?“ begann sie zu grübeln und schließlich zu kichern „Ich meinte natürlich… wie hieß der Kerl doch gleich? Ah, Iardes…Oh Iardes… Iardes… Warum bist du nicht da? Ich könnte dir so viel beibringen, was du mit deinem Riesenschwanz anstellen könntest…“ „Kannst ihn ja besuchen, morgen“ brummte Caradan. Aenaeris fasste einen Entschluss. „Nein. Sofort. Ich suche ihn. Ich gehe zu ihm. Ich muss mein Versprechen sowieso noch einlösen…“ Sie erhob sich vom Bett, doch weit kam sie nicht. Ihre Beine wollten nicht gehorchen, und so fiel sie um. Auf Caradan. „Hoppla… verzeih mir…“ hauchte Aen und kicherte. „Es tut mir leid, Caradan, so leid… Ich mach es wieder gut, ja?“ Ihr Gesicht war ganz nahe an dem seinen, und so drückte sie ihm einen sanften Kuss auf die Lippe. „Entschuldige“ sagte sie, als sie sich wieder von seinen Lippen löste. „Entschuldige…“ hauchte sie und legte erneut die Lippen auf die seinen. Es fühlte sich gut an. Es fühlte sich sogar sehr gut ein. Ihr Magen zog sich zusammen vor Erregung, und als sie auf ihm lag, spürte sie seine harte Männlichkeit die gegen ihren Schoß drückte. Ihr gefiel, was sie da taten. Ihr gefielen seine weichen Lippen. Ihr gefiel, wie sein Bart kratzte. Ihr gefiel, wie sich seine Hand auf ihren Po legte, der da nackt unter dem Gehrock hervorlugte, welchen sie immer noch trug. „Ich bin so einsam, Caradan…“ flüsterte sie, und drückte erneut ihre Lippen auf die seinen. Solange, bis er darauf reagierte, und ihrer beiden Lippen zu einem Kuss verschmolzen, der sich rasch intensivierte. Sie schmeckte seine Zunge, sie knabberte an seiner Unterlippe, und löste sich nur von ihm, um ihn und sich von der unseligen Kleidung zu befreien, die da störend zwischen ihnen lag. Kaum, dass sie beide nackt waren, betrachtete sie sein Gemächt. Verzückt lächelte sie. „Es ist schön… sehr schön…“ meinte sie, bevor sie ihn wieder stürmisch zu küssen begann. Plötzlich klopfte es an der Türe. „Caradan?“ hob eine Stimme fragend an. „Bist du da?“ Die Stimme schien Rogan zu gehören. Oder Willem? Die Arcanierin schüttelte den Kopf und legte ihre Finger an die Lippen. „Nein wir sind nicht da, Caradan!“ wisperte sie und sah ihn flehend an. Und als ob sie ihre Felle bereits davonschwimmen sah, hob sie ihren Schoß ein Stück weit an, und ließ ihn tief in sich hineingleiten. Egal, wer da draußen jetzt klopfen mochte. Sie starre Caradan dabei tief in die Augen, den in diesem Moment konnte man immer so viel sehen in den Augen des Gegenübers. Genussvoll schloss Aen die Augen und ein leises Seufzen entfuhr ihr. Ihr Schoss fühlte sich auch jetzt noch watteweich an im inneren, und gleichzeitig ein hartes Gemächt in sich zu spüren, fühlte sich einfach großartig an. Erst recht, als sie begann, sich vor und zurück zu bewegen. Erst langsam, dann immer schneller. Vergessen war die Stimme da draußen, und ob sich ihr Besitzer noch die Beine in den Bauch stand…

Als sie später halb nebeneinander, halb aufeinanderlagen, da stützte Aen ihren Kopf auf ihre Hand und betrachtete Caradan eine Weile schweigend. Das Starrkraut zeigte noch seine Wirkung, wenn auch bereits ein wenig abgeschwächt. „Ich verlasse morgen Brisangen.“ Er blickte sie fragend an. „Wieso, wenn man fragen darf?“ „Ich habe etwas zu erledigen“ begann sie. Und da meldete sich ihr Redeschwall zu Wort. „Weißt du, ich bin auf der Suche nach einem Amulett. Ein magisches Amulett, namens Ardor. Es ist nämlich so. Auch wenn ich Arcanierin bin, so habe ich ein wenig Elfenblut in meinen Adern. Alte Familienschande, ich weiß, aber ich kann nichts dafür. Und ich besitze ein wenig feuermagische Begabung, allerdings nur verschwindend gering. Ardor gibt dem Träger die Macht, Feuer aus dem Nichts zu erschaffen, eine Gabe, die sonst nur mächtigen und langjährig übenden Feuermagiern vorbehalten ist. Und das will ich haben. Ich muss es haben! Leider ist es so schwer, darüber etwas herauszufinden. Ich glaube nicht an eine Legende. Irgendwo gibt es dieses Amulett! Und seit ich darüber weiß, bin ich auf der Suche danach. Deswegen bin ich in Brisangen. Und morgen reise ich weiter.“ Aen legte ihren Kopf auf seine Brust und sprach leiser weiter. „Ich habe meine Schuldigkeit erfüllt. Ich habe euch geholfen das Starrkraut zu besorgen. Ich werde mir ein paar der Blüten nehmen, für mich, und was du mit dem Rest machst, ist deine Sache. Da mische ich mich nicht ein.“ Ihre Augen wurden immer schwerer, ebenso wie ihre Zunge. Die Müdigkeit legte sich in alle Glieder der jungen Frau. Und plötzlich fielen ihr die Augen zu und sie schlief, noch bevor sie weitergesprochen hatte, was sie sicherlich gerne getan hätte, redselig, wie sie war…
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Re: Unter Dieben

Beitrag von Caradan » Fr, 23. Feb 2018 20:06

Und ob ihm heiß war. Er glühte förmlich und dass sie sich nackt auf ihm rekelte sorgte nicht nur nicht dafür, dass er sich abkühlte, sondern dafür, dass ihm die Hitze den Schweiß auf die Haut trieb. Überall wollte er sie berühren, überall zeitgleich, mit jeder Faser verzehrte er sich nach ihr und konnte es kaum ertragen wie lange sie es hinaus zögerte. Seine Hände huschten an ihr hinab und strichen über ihren Rücken und ihren hinreißenden Arsch. Er wollte sie jetzt sofort und als hätte er seine Gedanken laut ausgesprochen, pochte es an der Tür. Das war Willem, wenn er sich nicht täuschte. Was wollte der denn hier? Ob der Raub geglückt war konnte er doch noch morgen fragen und außerdem wie bescheuert musste man als Büttel sein, direkt nach solch einem Chaos augenscheinlich wildfremden Leuten einen Besuch abzustatten. Oder hatte es etwas mit dem lauten Donnern zu tun und dem Blut mit dem Aenaeris beschmiert gewesen war? Beinahe wollte er schon nachgeben und den Mann herein lassen, doch Aenaeris hatte entschieden was dagegen. Flehend sah sie ihn an und Caradan wusste, dass er ihr in diesem Moment nichts abschlagen konnte oder wollte. Willem sollte morgen wieder kommen oder gar nicht, ihm sollte es egal sein. Für ihn zählte im Moment nur Aenaeris.
Der Dieb konnte gar nicht sagen wie lange es gedauert hatte, nur das es gut gewesen war, kräftezehrend, nötig. Wohlige Erschöpfung machte sich in ihm breit und er genoss einfach nur da zu liegen, in der stickigen Luft des Zimmers und sie an seiner Seite zu haben. Sein Kopf, nein sein ganzer Körper war immer noch wie taub und er fragte sich, wann diese Wirkung wohl nachlassen würde … und wann er sie wieder haben wollte. Angst keimte in ihm auf, doch seine Gedankengänge waren zu schwergängig, als dass sie in solch ferne Gefilde abdriften könnten. Schlaff und ermattet lag er auf einem schweißnassen Bettlaken und war einfach zufrieden. Zufrieden mit sich, mit Aen, mit dem Raub – einfach mit der ganzen Situation. So traf es ihn beinahe wie einen Schlag, als sie ihm aus dem nichts eröffnete, dass sie morgen abreisen wollte.
„Wieso, wenn man fragen darf?“, fragte er irritiert und zog sie unwillkürlich etwas näher an sich. Er wollte nicht das sie ging, wieso wusste er selbst nicht so genau, aber er wollte es eben nicht. Nicht jetzt zumindest. „Ich habe etwas zu erledigen.“; hob sie an und schilderte ihm die Gründe, weshalb sie überhaupt nach Brisangen gekommen war. Sie suchte also ein Amulett das magische Kräfte besaß… Beinahe hätte der Dieb laut aufgelacht, aber merkte, dass sie das, das alles, todernst meinte. Nicht schon wieder sowas, schoss es ihm durch den Kopf. Zuerst eine Brosche, die die Leute in den Wahnsinn trieb und jetzt ein Feueramulett das Magie erzeugte … Nein, ein Magieramulett das Feuer erzeugte. Konnte es sein, dass er derlei Abnormalitäten anzog, wie Käse eine Maus … oder wie eine Maus die Katze. „War das das Donnern? Elfenzauber?“, fragte er neugierig und änderte seine Position ein wenig, um sie besser ansehen zu können.
Kurz darauf legte sie ihren Kopf auf seine Brust und sprach leise weiter, während er ihr beinahe zärtlich durchs Haar strich. Er mochte diesen rötlichen Ton, den ihr Haar hatte im richtigen Licht. Ja, sie hatte ihren Teil der Abmachung erfüllt und von ihm aus konnte sie sich die besten Blüten herauspicken, ihm war es gleich, solange sie nicht sofort abhaute. „Wie wär‘s wenn ich mitkomme?“, fragte er leichthin, aber bekam keine Antwort. Ein Blick verriet ihm, dass Aenaeris eingeschlafen war. Vorsichtig strich er ihn Haare aus dem Gesicht und vergewisserte sich, ob er nicht doch ihre Spitzohren übersehen hatte. Familienschande hin oder her, aber Elfen waren von einem ganz besonderen Schlag. Gerissen und hinterhältig – ein bisschen so wie Caradan selbst, stellte mit einem Schmunzeln fest. Er war nicht mehr in Arcanis, hier konnten Elfen und Menschen vögeln so oft sie wollten und so viele Halbblüter zeugen wie sie konnten. Das störte ihn nicht mehr ganz so sehr wie früher, aber immerhin erklärte es ihr junges Aussehen… vielleicht war sie ja schon über vierzig und er wusste es nicht. Ihre Brüste saßen jedenfalls da, wo sie hingehörten also interessierte es ihn erst mal nicht. Nun wurde ihm klar was er eigentlich geschafft hatte: Er war mit ihr im Bett gelandet! Dieses Mal echt, mit allem was dazu gehörte. Sollte ihn Iardes mit seinem Prügel doch am Arsch lecken, letzten Endes war es Caradans Ding gewesen, das ihr heute Nacht Freude bereitet hatte.

Die Sonne hatte gerade den Kampf gegen den Mond gewonnen und der Tag brach heran, vertrieb einerseits den Schrecken und andererseits die Schönheit der Nacht, als Caradan erwachte. Sein Kopf fühlte sich nicht so schwer an, wie wenn er etwas gesoffen hatte und das Gefühl war ziemlich angenehm. Müde blinzelte er den Schlaf hinfort und sah sich um. Er lächelte freudig überrascht und auch ein wenig selbstsicher, als er Aen neben sich liegen sah. Vorsichtig schälte er seinen Arm unter ihr heraus und erhob sich langsam. Zwar war sein Kopf nicht schwer, aber dafür war am ganzen Körper steif und hundemüde und er fragte sich, warum er schon wach war. Zuerst zog er sich seine Hose an, damit seine Männlichkeit in der noch kühlen Morgenluft nicht fror. Leise schlich er zum Fenster und stieß die Läden gerade soweit auf, dass die Sonne nicht hinein fiel, aber immerhin die frische Morgenluft ins Zimmer kam und die verbrauchte Luft, die nach ein wenig Blut, Schweiß und Rauch roch. Und nach der vergangenen Nacht. Etwas mürrisch reagierte der Dieb, als er das schmutzige Wasser im Eimer sah, denn darin wollte er sich ganz sicher nicht frisch machen. Aber es war bitter nötig gewesen, dass Aenaeris ihr Kleid weites gehend säuberte und das noch feuchte Kleid hing über der Lehne des Stuhls. Caradans blick fiel auf etwas, was definitiv nicht ihm gehörte. Eine Art dicker Stock oder Knüppel. Der Dieb hob das seltsam anmutende Etwas auf und begutachtete es. Es war aus Holz, jedenfalls zum Teil und zum anderen Teil aus Metall, einem metallenen Stab der innen hohl war. Prüfend schob er seinen kleinen Finger in die Öffnung und als er ihn wieder hervor zog, war er voll Ruß. Achtlos säuberte er seine Hand an der eigenen Hose und wog das Etwas in der Hand. Vielleicht war es eine Pfeife, die man mit Pfeifenkraut vollstopfte und dann irgendwo dran zog. Prüfend blies er in das eine Ende, aber konnte nicht feststellen an welcher Stelle sein Atem entwich. Er packte es am langen Ende und ließ es etwas durch die Luft kreisen. Vielleicht ein Knüppel oder dergleichen, sicherlich konnte man damit einem Mann den Schädel einschlagen. Aber warum war es dann hohl? Caradan erinnerte sich einmal gehört zu haben, dass manche wandernden Priester hölzerne Gürtelschnallen trugen in denen sie manch Kleinod und Schatz verbargen, damit sie von Räubern nicht gestohlen wurden. Möglicherweise war dies hier etwas ähnliches, ein Versteck in Form eines seltsamen Knüppels. Was sie wohl darin verstecken mochte. Vorsichtig, er wollte es schließlich nicht beschädigen, legte er es auf den Tisch und verließ so leise er konnte mit dem Wassereimer das Zimmer.
Unten schüttete er das rotbraune Wasser auf die Straße und spülte beinahe nebenbei die restliche Kotze von vorletzter Nacht fort. Am Brunnen holte er frisches Wasser und wusch sich Gesicht, Arme, Oberkörper und Unterleib – kurz, er kippte sich den Eimer über dem Kopf aus, die Hose würde schon noch trocknen im Laufe des Morgens. Sobald er sich frisch gemacht hatte, würde er wieder zu Aenaeris ins Bett kriechen und weiter schlafen. „Da bist du ja endlich.“, rief ihm jemand zu und der Dieb erkannte Rogan, der über den Platz auf ihn zu kam. „Es ist unhöflich einfach weiter zu bumsen, wenn jemand klopft.“ Also war es doch Rogan und nicht Willem gewesen. Die beiden Männer klangen aber auch zum Verwechseln ähnlich. „So unhöflich wie Andere beim Bumsen zu belauschen?“, konterte Caradan und Rogan zuckte die Achseln. „Habt ihr es?“ Also gleich zur Sache. „Wenn es nicht so wäre,“, begann der Dieb, „wäre ich wohl kaum noch hier. Da wäre ich noch in der Nacht abgehauen, damit das hier nicht nochmal passiert.“ Er zeigte auf sein blaues Auge. „Wo ist es?“, fragte Rogan ohne auch nur eine Spur der Reue. „Oben.“ „Bei ihr?“, fragte er skeptisch. „Ja?“ Caradan hob fragend die Brauen. „Hältst du das für klug? Sie allein mit dem Starrkraut zu lassen.“ Den letzten Teil des Satzes flüsterte Rogan, sodass Caradan ihn kaum verstehen konnte. „Natürlich.“, erwiderte der Dieb ärgerlich. „Erstens hat sie uns geholfen es zu kriegen und zweitens schläft sie noch tief und fest.“ Rogan verschränkte die Arme und sah nicht so aus, als ob der Dieb ihn mit seinen Worten überzeugen konnte. Sollte der Arsch doch denken was er wollte. „Und dieser Lärm? Ward ihr das?“ „Welcher Lärm?“, fragte Caradan unschuldig. „Verarsch mich nicht Caradan.“, zischte Rogan und bohrte ihm den Finger in die Brust. „Den Krach hat jeder in der Stadt gehört. Ich hab die arme Sau gesehen oder zumindest was von ihm übrig ist. Das ganze scheiß Gesicht – weg! So was hab ich noch nie gesehen.“ Caradan zuckte mit den Schultern. „Aenaeris hatte das Kästchen schon und wir waren auf dem Rückweg, als wir dieses Geräusch gehört haben.“, log er. „Dann sind wir abgehauen, ab in den Wald. Mehr weiß ich nicht.“ Rogan kratzte sich am Kinn und musterte Caradan eine ganze Zeit lang, bevor er langsam nickte. „Die Leute haben Angst, dass schon wieder das gleiche passiert ist wie letztes Mal. Da gab‘s auch einen großen Brand und schlimm aussehende Leichen. Die sind richtig panisch. Aber egal, ich will das Zeug sehen.“ Caradan winkte ab. „Nicht jetzt, später. Ich bin müde und leg mich nochmal hin.“ „Wer‘s glaubt. Aber gut, dann später.“

Gegen Mittag hatte der Dieb ausgeschlafen und sich bereits hinab in den Schankraum begeben. Kurze Zeit später stieß auch Aenaeris zu ihm. Sie sah noch sehr verschlafen aus und ihr Kleid, war wenigstens halbwegs sauber. Wer konnte schon sagen, welcher Fleck von was herrührte. „Guten Morgen Sonnenschein.“, begrüßte er sie neckisch und orderte noch ein Frühstück. Ein kräftiger Eintopf, mit Erbsen, Karotten, weiteren Rüben und sogar ein paar Stückchen gedörrten Fleisches. Dazu ein gutes dunkles Brot gab Kraft nach einer anstrengenden Nacht. „Du solltest auf jeden Fall noch was essen, bevor du aufbrichst.“, kam Caradan direkt auf das zu sprechen, was ihm auf dem Herzen lag. Er hatte nicht vergessen, was sie ihm vor dem Einschlafen erzählt hatte und er hatte sich heute morgen, als er versuchte wieder einzuschlafen, so seine Gedanken darüber gemacht. „Weißt du wenigstens wie dieses Arbor Amulett aussieht?“, fragte er so unbeschwert wie es nur möglich war, wenn man über etwas sprach, was streng genommen gar nicht existieren durfte. „Oder in wessen Besitz es sich befindet? Ach komm, verplappert hast du dich schon, dann kannst du mich jetzt auch einweihen. Falls du schon was weißt.“ Sie wusste schon was und sie sagte ihm auch etwas. Zögerlich, verhalten zunächst, aber immerhin erfuhr er, dass ein Sklavenmädchen im Besitz dieser Kostbarkeit war, die wohl hier sein sollte. „Ich bezweifle, dass sie das Amulett noch hat. Wer Menschen verkauft...“ Ihm schauderte bei diesem Gedanken. Wie konnte man nur Menschen verkaufen? Tiere ja, Elfen … vielleicht, aber Menschen? Das war so ziemlich das schlimmste Schicksal, dass sich Caradan ausmalen konnte. Offenbar hatte sich Aenaeris das gleiche gedacht, denn sie hatte sich umgehört, ob in den letzten Wochen ein Sklavenhändler ein kostbares Schmuckstück verscherbelt hatte. Caradan versuchte sich dran zu erinnern, ob er in den letzten Wochen etwas dergleichen erlebt hatte, immerhin war er nun auch schon eine ganze Weile hier und seit er hier war, wollte er eigentlich nur weg. Spontan viel ihm ein Würfelspiel ein bei dem es heiß her ging und das beinahe blutig geendet hätte. Irgendein Kerl hatte gegen einen Zigeuner verloren und dem Kerl vorgeworfen er habe gemogelt, was aber niemand beweisen konnte. Aber der Dieb konnte sich beim Besten willen nicht an den Einsatz erinnern.
„Weißt du Aen.“, begann er etwas umständlich, denn eigentlich wollte er sie nur darum bitten, sie begleiten zu dürfen, aber das wäre ja zu einfach, zu direkt, zu … anhänglich. „Damals in Lanyamere, da hab ich nie viel gehabt… ich hatte viel zu viel Angst am falschen Ende eines Spießes zu landen, also habe ich mir nur das nötigste ergaunert.“ Er rutschte auf der Bank hin und her. „Dann hab ich mein Heim verlassen und habe festgestellt: Es ist scheiß egal was ich mache oder nicht, was ich lasse oder nicht. Wenn das Schicksal mich in den Arsch ficken will, dann tut es das.“ Er beugte sich zu ihr hinüber und blickte sie fest an, er wollte ihr begreiflich machen, dass er meinte was er sagte. „Jetzt mach ich was ich will. Ich greife nach mehr als ich fassen kann und will mehr als ich verdiene. Was ich sagen will, ich will dich begleiten. Ich habe genug von diesem Loch hier und sobald ich die Anderen ausbezahlt habe, bin ich frei dahin zu gehen, wo ich hin will. Und alleine reisen ist mühsam.“
Moral ist für diejenigen unter uns, die nicht dauernd mit ihr konfrontiert werden.

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