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Wie die Welt ihr Ende fand

Der gefährliche Nordwesten ist die trockene Heimat der Steppenreiter und der Elvoin, die in den Sümpfen des Nogorath leben. Die tödliche Eiswüste nördlich ist trotz allem Heimat von Menschen.
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Wie die Welt ihr Ende fand

Beitrag von Soraya » Di, 29. Apr 2014 22:05

"Du hast mich zu dem gemacht, was ich bin. Du musst nun auch damit klarkommen, was, und wer ich bin. Du hast mir versprochen, mich zu beschützen, mir zu helfen und mir beizustehen. Aber kannst du mich auch vor dir selbst beschützen? Wirst du mir helfen und mir beistehen? Wenn du nur einen Funken Anstand im Leib hast, und ich dir nicht völlig egal bin, dann hältst du zu mir, und nicht zu anderen Fremden, denn, wie du sagtest, ich bin nun ein Teil deiner Familie…“

Nein, er hatte keinen Funken Anstand im Leib. Azrael… Immer noch gärte in der Elvoin die Wut und der Zorn über diese unliebsame Begegnung, welche sie in der großen Hauptstadt erfahren hatte. Was hatte sie nur geritten, jemals den unsagbar weiten Weg in den Osten des Kontinents zu beschreiten? Was, bei Az’dara, hatte sie gehofft, dort zu finden? Antworten auf ihre Fragen? Sie war ausgezogen, um mehr über das Gesaltwandleramulett zu erfahren. Zuerst hatte sie in den wilden Landen ihre wertvolle Zeit mit einer stinkenden und widerlichen Orkfrau verschwendet, und dann war sie bis ans andere Ende der Welt gelaufen. Soraya verzog ihren Mund zu einem bitteren, dünnen Strich. Alles, was sie in Merridia erfahren hatte, waren Demütigungen, Schimpf und Schande, und Gewalt gewesen. Sie war fremd und naiv gewesen, als sie nach Azraels freundlichen Worten mit ihrem Misstrauen und ihren Argwohn gebrochen hatte. Er hatte sie mit gespielt freundlichen Absichten und Gesten in Fergus‘ Taverne gelockt, sie dort niedergeschlagen, in ein kaltes, schwarzes und feuchtes Kellerloch geschleppt, sie dort weiterhin geschlagen, und am Ende noch gebissen und ihr Blut getrunken. Sora war sich damals sicher gewesen, dass sie in diesem Kellerloch elendig verrecken würde. Sie war völlig wehrlos gewesen und hatte alles über sich ergehen lassen müssen. Er war einfach übermenschlich stark gewesen. Und kühl, und grausam, und der Funken Sympathie, welcher aufgeglommen war, als er ihr das Leben gerettet hatte, war wieder erloschen, als er verlangt hatte, dass sie sich gefälligst benehmen sollte, und dass es in der Gesellschaft Regeln und Erwartungen an die Elvoin gab. Dies hatte ihren rebellischen Geist wachgerüttelt, und so war sie schließlich heimlich, still und leise, gegangen. Das Gestaltwandleramulett war ihr Verbündeter gewesen. Nichts war leichter gewesen, als sich mit dessen Hilfe in den großen, schwarzen Raben zu verwandeln, sich in die Lüfte zu erheben, und der Hauptstadt für immer den Rücken zu kehren.

Sora hatte den Entschluss gefasst, zurück nach Nogorath zu laufen, zurück in ihre geliebte Heimat, der Platz, an welchen sie gehörte. Ihr Weg war lang und beschwerlich. Soraya hatte fest geglaubt, dass Azrael sie zu einem Vampir gemacht hatte. In Merridia hatte sie diesen unbarmherzigen Blutdurst verspürt, und sich auch mit Hilfe des Bergelfen am Blut einer Dirne gelabt. Das Sonnenlicht hatte ihre Haut verbrannt. Die Elvoin hatte die Reise, ihre Haut unter dem weiten Umhang versteckt, gänzlich nachts bewältigt. In der Tag lief sie, bedrückt und bekümmert, denn sie konnte in der Nacht kaum etwas von der Schönheit der Natur sehen, und es schien, als sollte sie nie wieder das Tageslicht erblicken, und vor dem Morgengrauen verkroch sie sich, wie ein Tier, unter Nadelbäumen, deren Äste weit bis an den Boden reichten, unter schattigen Felsvorsprüngen oder Höhlen oder sonstigen Orten, welche sich anboten. Ihre Rückkehr nach Gha’mor war vielleicht ein wenig unüberlegt. Wie konnte sie zurückkehren, zu ihrem Dorf, zu ihrer Familie, als das, was sie geworden war? Und wer würde jetzt ihren Fragen Rede und Antwort stehen? Sie war vor Azrael davongelaufen. Wenn er ihr nachstellen, und sie erwischen würde, er würde sie umbringen. Da war sie sich ganz sicher. Seine Brutalität, Rohheit und Kaltschnäuzigkeit bezeugten dies. Es machte ihr Angst. Und so schob sie diese unangenehmen Gedanken beiseite, wie lästige Fliegen. Zu essen hatte sie kaum etwas. Sie war, und das war bekannt, keine gute Jägerin, ja, nicht einmal überhaupt eine Jägerin. Jedes Tier war vor ihr sicher, da konnte sie nicht einmal auf ihre Schnelligkeit oder Stärke setzen, welche ihr das neue Vampirdasein bot. Und dann, eines Tages, nicht allzu lang seit dem Verlassen von Merridia, fiel sie einem Fieber anheim. Ähnlich wie damals, nachdem Azrael mit seinen scharfen Zähnen ihre Halsschlagader geöffnet, und ihr Blut getrunken hatte. Soraya war nicht mehr in der Lage, ihre Reise fortzusetzen. Mit letzter Kraft, welche ihr noch zur Verfügung stand, kroch sie in eine Höhle, und fiel dort in eine gnädige Bewusstlosigkeit. Soraya wusste später nicht mehr, wie lange sie bewusstlos gewesen war. Ob es Stunden oder Tage waren, sie hatte keinen Begriff davon. Doch als sie, Az’dara sei Dank, wieder erwachte, hatte sich etwas verändert. Sie wusste es nicht. Ihr Blutdurst war mit einem Mal verschwunden. Konnte dies möglich sein? Hatte ihr Körper das Vampirvirus bekämpfen können? Soraya wagte dies kaum zu hoffen. Und sie wagte es auch nicht, es zu überprüfen, und sich dem Sonnenlicht auszusetzen. So lief sie weiterhin in der Nacht, und schlief bei Tage. So erreichte sie nach vielen Monden schließlich das Waldland.

Während sie dieses durchlief, hob sich nach einiger Zeit am nächtlichen mondbeschienen Horizont das Sharzíkadgebirge ab. Und dies war ein Moment, in welchem sie zum ersten Mal wieder lächelte. Denn sie wusste, Nogorath war nicht mehr weit. In diesem Augenblick erschien ihr das Sharzíkadgebirge als das Schönste, das sie seit vielen Monden gesehen hatte. Die Elvoin war müde. Sie lehnte sich an einen Baum, und sank an diesem zu Boden, und starrte nur in den Sternenhimmel. Bis sie schließlich einschlief. Als Sora wieder erwachte, war es Taghell. Die Sonnenstrahlen kitzelten ihr in der Nase, und das erste, was sie tat, war niesen. Dann fuhr ihr der Schreck in die Glieder, und völlig geschockt sprang sie auf. Die Sonne! Warum war sie in der Sonne? Sie musste eingeschlafen sein, bei Az’dara! Noch während ihr Herz in unermesslichen Höhen raste, bemerkte sie, dass das Sonnenlicht ihr nichts anhaben konnte. Soraya hielt inne, und drehte ihre Hand im Sonnenlicht, untersuchte diese nach Verbrennungen, welche sie nicht fand. Und in ihren Verstand sickerte das Bewusstsein, dass das, was sie nicht zu hoffen gewagt hatte, in der Tat Wirklichkeit geworden war. Ihr Körper hatte das Vampirvirus besiegt! Und im nächsten Moment fand sie sich zusammengesunken auf dem Waldboden, und weinte und lachte gleichzeitig, obgleich sie noch nicht realisiert hatte, was wirklich passiert war. Die kleine Elvoin, obgleich sie sich nicht als besonders gläubig betrachtete, bestürmte in Gedanken die Göttin Az’dara mit zahlreichen und zahllosen Gebeten und Dankesbezeugungen…

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Re: Wie die Welt ihr Ende fand

Beitrag von Duiliath » Di, 29. Apr 2014 23:22

Geradeaus, einfach nur geradeaus. Ein wenig vermisste er die Gesellschaft der Frau. Wie war ihr Name noch gleich gewesen? Ah ja, Siyyin! Es war beinahe wieder wie zuhause gewesen, unter den anderen Wüstenelfen. Doch als sich ihre Wege wieder getrennt hatten, spürte Duiliath erst wieder die ihm von den Schultern genommene Last. Auch das war wie damals gewesen. „Benimm dich, oder trage die Konsequenzen! Gehe Kompromisse zum Wohle der Gemeinschaft ein! Sei rücksichtsvoll!“ Jetzt, ohne die Elfe und ihr stets ängstliches Pferd an seiner Seite... Es war als wäre ein Druck von seiner Brust genommen und er endlich wieder in der Lage freiheraus zu atmen. Auch das er geradeaus ging, wo sie ihm doch geraten hatte das Gebirge besser zu umrunden, weil das ... „vernünftiger“ sei, den das Gebirge zu umrunden... Nun gut, es wäre weiser gewesen einen Bogen zu schlagen und trotz seiner dämonischen Konstitution wie auch der ihm innewohnenden Magie, hätte ihn das Martyrium mehrmals beinahe das Leben gekostet. Aber er spürte sich nun, da die schroffen Steilhänge hinter den ersten die Waldgrenze bildenden wie dichtstehenden Baumstämmen in seinem Rücken verschwanden so frei wie kaum je zuvor. Das die letzten Kleidungsstücke, noch von den Toten in der Oase stammend, ihm in blutigen Fetzen am Leibe hing, ergänzt nur von einem ungegerbten Widderfell, dessen warmes Blut und Fleisch ihm nahe des Gipfels die zum Abstieg ihm bis dahin gefehlt habende Kraft verliehen hatte und das er ob des Felles die Aasfresser, Geier, Raben, Wölfe und einen Bären gar anlockte wie daraufhin aber auch gleich wieder abstieß, es war ihm einerlei. Er war ... frei!

Das erste was Duiliath daraufhin machte, war nahe eines Wildbaches zu rasten und bis zur Abenddämmerung alles Totholz in gut einer halben Meile Umkreis zusammenzutragen ein großes Feuer aufzuschichten, Steine darin zu erhitzen und schließlich in ein mit seiner Magie vertieften natürlichen Steinsenke am Rande des Baches zu legen, welches er mit dem Wasser des nahen Baches aufgefüllt hatte. Sich seiner Gewandung entledigend, ließ er sich in diese halb natürliche Wanne sinken und verließ diese die folgenden drei Tage nur um das Feuer mit nachgelegtem Holz am Lodern zu halten und die Steine zwischen der Steinsenke und dem nahen Feuer hin und her zu tragen. So belebend die Kälte dort droben im Gebirge zu Anfang noch gewesen war, erfrieren zählte partout nicht zu seinen Lieblingstodesarten, und obgleich die Wärme des heißen Wassers ihn regelrecht seiner Körperkraft zu berauben schien, das er außerhalb des Wassers kaum mehr die Kraft fand auch nur halbwegs aufrecht zu stehen, er genoss es von ganzem Herzen und wann immer die Hitze ihn zu sehr zu lähmen schien, stellte er sich unter den an dieser Stelle über einen natürlichen Wasserfall herabstürzenden Bachlauf, bis die widerstreitenden Temperaturen in ihm Rangen, die Kälte schließlich die Oberhand gewann und er sich aufs neue mit heißen Steinen in das angenehm heiße Wasser zurück wagte.

Am vierten Tag indes war der letzte Rest des Widderfleisches aufgezehrt, respektive so faulig, das er es nicht länger zu essen wagte und auch kein Feuerholz mehr ohne allzu großen Aufwand herbeizuschaffen. Also begrub er das faulige Fleisch mit dem hier unterhalb der Gipfel gleichfalls bestialisch zu stinken begonnen habenden Fell und auch seinen kaputten Stiefeln, die er zuletzt mit Teilen des Widderfells hatte umwickeln müssen, die von dem schroffen Felsgestein vollkommen zerstörte Sohle notdürftig so zu flicken. Hemd und Hose waren zerrissen und nunmehr ehr lumpen, denn irgendetwas anderes. Doch sie waren am vierten Tag seiner Reise zumindest sauber und stanken auch nicht länger. Also ging es weiter geradeaus, immer weiter geradeaus. Dabei orientierte Duiliath sich am Nordstern, weswegen er des Nachts zumeist wanderte. Doch bereits am zweiten Tag, nachdem er sich des Morgens missmutig zur Ruhe gelegt hatte, da er außer Pilzen und einigen Beeren seit zwei Tagen nichts ordentliches gegessen hatte und die Einsamkeit an ihm nagte, ihn schwächte und nicht einmal ein noch so kleines Tier sich in seine Nähe wagte, das er sich an dessen Todesqualen etwa laben mochte, sollte er aus seinem Dämmerschlummer gerissen werden. Noch stand die Sonne hoch, doch hörte, und was weit wichtiger war –spürte – er ein fernes lachen, einen Ausbruch schierer Freude und er näherte sich, begierig jede Emotion aufzusaugen und wenn das nicht genug wäre, mehr Emotion zu wecken und ein diabolisches Grinsen wanderte kurz über seine Züge...
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Re: Wie die Welt ihr Ende fand

Beitrag von Soraya » Mi, 30. Apr 2014 9:38

Soraya konnte es immer noch nicht glauben. Da stand sie im Sonnenlicht, und es konnte ihr nichts anhaben! Sie vollführte wahre Freudentänze, begann mit ihrer tiefen und samtigen Stimme ausgelassen und lauthals zu lachen, und freute sich von Herzen, wie es wohl nur Kinder tun. Immer wieder strich sie sich über ihre grünlich schimmernde, weiche Haut, und schließlich warf sie ihre Arme zurück, so dass der Umhang ins Gras fiel. In diesem Moment verspürte sie wieder regelrechte Lebensfreude. Vergessen waren Azrael, seine Brutalität und seine Gemeinheit, die Entführung, die Folter, und alles, was er ihr angetan hatte. Sie fuhr sich unwillkürlich dabei über das Gesicht. Sie hatte ihr Spiegelbild nicht zu Gesicht bekommen, aber man konnte davon ausgehen, dass sie Blessuren davongetragen hatte. Es wurmte die Elvoin. Auch, wenn in dieser Einöde niemand war, so war sie immer schon auf ihr Äußeres sehr bedacht gewesen, um nicht zu sagen, eitel. Sora schien eine zweite Gelegenheit bekommen zu haben, und sie schwor sich, sie würde diese Gelegenheit am Schopf packen, und auf keinen Fall ungenutzt verstreichen! Nie wieder würde ihr jemand Vorschriften machen, und ihr sagen, was sie zu tun und zu lassen hatte! Sie würde wieder frei sein, und, wie es die Elvoin zu tun pflegten, in den Tag leben, ohne strenge Regeln und Konventionen. Oh, sie sah schon ihre geliebte Heimat vor ihrem geistigen Auge! Die Sümpfe, die Wassertümpel, die Behausungen der Elvoin, die dichten Wälder, sogar Rikshan, die sie so sehr fürchtete, erschienen ihr besser, als jeder bösartige Mensch, der ihr in den Nordreichen begegnet war! Sie blickte an sich herab. Immer noch trug sie diese unsägliche Menschenkleidung, diese knielange, aufgebauschte Hose, die aussah, wie ein Rock, jedoch keiner war… Außerdem war ihr die Hose in den letzten Monden viel zu groß geworden, da sie doch etliches an Gewicht verloren hatte, da sie sehr unregelmäßig und wenig gegessen hatte. Das erste, was sie tun würde, wenn sie in Nogorath angekommen war, wäre, sich neue Kleidung aus Schilf und Gräsern zu knüpfen. Sie vermisste den sanften, erdigen Geruch der Kleidung der Elvoin.

Plötzlich konnte es ihr nicht mehr schnell genug gehen, sie säße am liebsten jetzt schon wieder in ihrer Behausung in Gha’mor. Sie freute sich schon auf das Wiedersehen mit ihren Eltern, und ihrem Bruder Tamir. Sogar Tenuar, ihren Geliebten, der für sie doch nur ein Strohfeuer war, vermisste sie ein wenig, wenn sie ehrlich zu sich war… Nach ihrem Freudenausbruch beschloss sie, rasch weiter zu laufen. Sie reckte ihr Gesicht der Sonne entgegen und genoss die warmen Strahlen. Die Luft schien regelrecht zu flimmern, und überall zirpten Grillen, Schmetterlinge flatterten umher, Bienen und Hummeln flogen emsig von Blüte zu Blüte, und all diese Kleinigkeiten machten die ohnehin sehr naturverbundene Elvoin über alle Maßen glücklich.

Ihr Vorhaben, zielstrebig weiter zu laufen, wurde von einem kleinen Tümpel zunichte gemacht. Sie blieb stehen, und ging auf den Tümpel zu, und hockte sich schließlich hin. Mit Sicherheit war das Wasser nur halb so genießbar, wie das einer klaren stetig fließenden Quelle, doch Soraya hatte großen Durst, und so tauchte sie ihre Hände in das flache, kühle Nass, wühlte mit ihren Händen in dem weichen, schlammigen Grund, so dass sich das ohnehin etwas trübe Wasser in eine braune Brühe verwandelte. Ein wenig ärgerte sich Soraya, dass sie, durstig, wie sie war, nun warten musste, bis sich die feinen Schwebeteilchen des Schlammes wieder gesetzt hatten, wenn sie trinken wollte, aber sie erhob sich kurzerhand aus der Hocke, und lief einfach auf die andere Seite des Tümpels. Sie bildete mit ihren Händen eine kleine Kuhle, und schöpfte Wasser aus dem Teich und führte dieses an ihre Lippen. Wie zu erwarten schmeckte das Wasser nicht, aber sie war so unsagbar durstig, dass sie sogar ihre eigene Pisse getrunken hätte, nur, um ihre Kehle benetzen zu können. Nachdem sie ihren Durst gestillt hatte, ließ sie ihre Blicke über die dichten, langen Schilfgräser wandern. Vielleicht musste sie doch nicht bis Nogorath warten, bis sie sich wieder angemessene Kleidung knüpfen konnte. Und so nahm sie kurzerhand ihr stumpfes, schlechtes Messer, und begann, dicht über dem Boden die Gräser abzuschneiden, oder vielmehr abzusäbeln, da die Klinge wirklich unsagbar stumpf war. Sora breitete die Gräser großflächig aus, um diese ein wenig anzutrocknen, bevor sie mit ihrer Arbeit begann. Sie hatte im Grunde alle Zeit der Welt, und so setzte sie sich wieder an den Tümpel, streckte ihre Füße ins Wasser, und legte sich Rücklings hin. Ihren Kopf bettete sie unter ihre verschränkte Arme, und dann schloss die Elvoin die Augen, und tat nichts, außer der Natur zu lauschen, und dem Knurren ihres leeren Magens. Wenn sie sich ausgeruht hatte, so beschloss sie, würde sie sich auf die Suche nach Beeren, Pilzen, Wurzeln machen. Später, nicht jetzt... Sie genoss diese wohltuende Ruhe, bis sie nach einer Weile von einem Knacken, wie wenn ein Zweig unter den Füßen eines Wesens brach, aufgeschreckt wurde…

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Re: Wie die Welt ihr Ende fand

Beitrag von Duiliath » Do, 01. Mai 2014 0:31

Duiliath leckte sich hungrig die Lippen, derweil er das seltsam grünhäutige Menschenwesen aus dem Verborgenen heraus betrachtete. Offensichtlichst eine Frau begutachtete sie, nachdem sie das Lachen endlich beendet hatte, missmutig ihre Beinkleider, die im Vergleich zu den Seinen doch einen zumindest nicht ganz so schäbigen Eindruck machten und schickte sich darauf an Schilfrohre eines nahen Teiches zu schneiden, und eben als Duiliath begriff, dass diese Frau sich scheinbar neue Kleider machen wollte und dazu ja wohl der Alten sich vorab würde entledigen müssen und sich, ob der Ahnung wieder einmal ein nacktes Mädchen bald vor sich zu wissen, begierig die Lippen leckte... erklang ein verräterisch lautes Knacken hinter ihm auf. Vom Busch vor den Blicken der Frau verborgen, wirbelte der Halbdämon herum, nur um sich daraufhin beinahe Aug in Aug mit einer von gut einem halben Dutzend Frischlingen umstandenen stockstarren Bache zu finden, welche wohl ebenso von seinem Anblick überrascht schien, wie er von dem Ihren. Doch reagierte Duiliath einen Augenblick schneller denn das ob seines Anblickes aufgebrachte Wildschwein, welches nur Momente später die kaum drei Meter Entfernung zwischen ihnen in einem alles andere denn lachhaften Schweinsgalopp überwand, nur um in die plötzlich um den Halbdämon aufgewirbelte Wolke feinsten Erdreichs einzutauchen, das dahinter befindliche Gebüsch umzurennen und mit einem zornigen Grunzen weiter direkt auf die von der plötzlich aus einem Gebüsch hervor preschenden Bache überraschten wie einen Moment zu lange erstarrt verharrenden Elvoin angestarrt zu werden.

Noch von der aufgewirbelten Wolke aus Staub und feinstem Erdreich geblendet, eben das war Duiliaths Absicht gewesen, der so ungesehen schräg an der ihm entgegen stürmenden Bache sich mit einem waghalsigen Sprung hatte retten können, rannte das zornige Muttertier derweil weiter auf Soraya zu, welche zwar noch versuchte sich mit einem raschen Sprung in Sicherheit zu bringen, aber dennoch von der Flanke des Tieres getroffen, wie eine Gliederpuppe durch die Luft wirbelte und gut eineinhalb Meter entfernt auf den Boden schlug. Nach mehreren Metern bremste das zornige Tier indes abrupt ab, schüttelte den Kopf, bis auch der letzte Krumen Erde aus den kleinen, wie in dem Moment regelrecht bösartig funkelnden Augen geschüttelt ward, wandte sich um und erblickte das einzige andere Lebewesen in Sichtweite, Soraya. Dass der Gegner eben noch anders doch ausgesehen hatte und auch etwas das Tier weitaus Verstörenderes eben jenem doch angehaftet hatte, es zählte nichts mehr. Blanke Mordlust funkelte in der Bache Augen, als sie mit den Vorderläufen grunzend das Erdreich zu deren Füßen aufwirbelte und nur Augenblicke später erneut auf die noch immer halb benommene Soraya zustürmte.

Nichts würde die Bache jetzt noch davon abhalten können die sich nur mühsam aufraffende wie kampfbereit machende Elvoin mit den kurzen Hauern über Kopf und Schulter zu wirbeln, sich umzuwenden, und die Bedrohung ihrer Jungen niederzutrampeln, zu zerreißen und erneut empor zu werfen, bis aus der Bedrohung ihrer Jungen nichts weiter denn Aas, für eben diese geworden wäre und nichts mochte Soraya vor diesem Schicksal noch bewahren – nichts! ... Außer vielleicht – „Quiiiiiiiiiiiek!“ Mitten im Lauf warf sich die Bache herum, was Soraya eine erneute unliebsame Begegnung mit der Flanke des Tieres bescherte und ihr aber erneut nur Prellungen, wie einen reichlich unangenehmen Flug durch die Luft bescherte, statt nun dieses Mal endlich den sicherlich weitaus brutaleren Schmerz durch eine Begegnung mit der Bache kurzen Hauern zu erfahren. Die indes würdigte die Elvoin keines weiteren Blickes. Nichts hatte die Bache noch von einem Angriff abhalten können, außer... Erneut quiekte der eine gefangene Frischling in des Drachenerben vor die Brust gepressten Armen erbärmlich auf, litt offensichtlichst große Qualen.

Nein, wahrlich nichts vermag eine zornige Mutter aufzuhalten, nichts außer die Bedrohung ihrer Jungen, und lachend in den aufgewühlten Emotionen badend stand Duiliath dort, machte nicht die geringsten Anstalten dem angreifenden Tier auszuweichen. Das Tier raste auf ihn zu, traf ihn, anders als die Elvoin indes direkt! Doch derweil Duiliath wie erwartet durch die Luft wirbelte, aber schon nach einem überraschend kurzen Flug gerade einmal einen Meter entfernt schwer und dumpf aufschlug, steigerte sich das Kreischen der Bache zu einem schmerzgetriebenen Crescendo, hatte die sich doch einen Zahn an der Steinhaut des Halbdämons ausgeschlagen. Doch anstatt aufzugeben, trieben der Schmerz und das nach wie vor panische Quieken des Jungtieres in Duiliaths Armen die Bache zu einem neuen Angriff, und noch einem, und noch einem, und noch einem und über all dem schwoll das Lachen des Halbdämons weiter an und nahm nun auch den Klang von im Sturmwind berstenden festen Holzes an und Duiliath lachte sich schier die Lunge aus dem Hals, weidete sich an den Qualen des Muttertieres, welches erst von ihm abließ, als das kleine Bündel in Duiliaths Armen keine Regung mehr von sich gab, derweil die restlichen Frischlinge von jenseits des niedergetrampelten Gebüsches klagend nach ihrer Mutter riefen.

Müde und erschöpft wie durch deren eigene Angriffe wider den steinernen Gegner verletzt, humpelte die Bache schließlich fort, ehe ihr eigener Tod auch noch der restlichen Frischlinge Ende besiegelte und Duiliath lag derweil weiter dort am Boden, wo der Bache letzter Angriff ihn hingeworfen hatte und lachte und lachte und lachte, bis... „Du hast nicht zufällig Appetit auf köstlichen Schweinebraten?“ Bei diesen in elfischer Sprache hervorgebrachten Worten auf den toten Frischling in seinem Arm, wie mit zusammengelegten Fingern und Daumen der freien Hand auf seinen Mund weisend, erhob Duiliath sich nun. Es mochte der Elvoin so scheinen als wenn dieser schmächtige kleine, wie gehörnte Junge, der nach den beobachteten Angriffen unmöglich noch am Leben sein konnte, am Hinterkopf schwarzes statt rotes Haar besaß, waberte es dort doch beinahe schon lichtlos düster. Aus dem Mundwinkel blutend, wie mit unzähligen blau verfärbten Prellungen und das rechte Auge zugeschwollen, humpelte Duiliath freundlich lächelnd zu der Frau hinüber, reichte ihr die Hand – gleich ob sie diese nun ignorierte oder aber sich aufhelfen ließe – und meinte wieder in wüstenelfischer Sprache frech grinsend: „Das, - das ... brauchte ich grad um zu spüren das ich noch am Leben bin – du verstehst?“
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Re: Wie die Welt ihr Ende fand

Beitrag von Soraya » Fr, 02. Mai 2014 21:10

Sora öffnete die Augen, hob den Kopf und löste die Verschränkung ihrer Arme. Sie blickte um sich, konnte aber nichts entdecken. Wahrscheinlich war es ein Hase, oder gar ein Vogel, welcher in einem der umliegenden Büsche saß. Zwar kannte sie diese Gegend kaum, doch ein Riskhan würde es wohl kaum sein, und die meisten anderen gefährlichen Wildtiere waren auch eher nachtaktiv, weswegen sich Soraya keine wirklichen Sorgen machte. Doch plötzlich brach aus den Gebüschen eine Wildsau hervor, und preschte mit einem bemerkenswerten Tempo auf die Elvoin zu, die sich nach der ersten Schrecksekunde gar nicht wirklich gewahr ward, was da eben geschah, sondern wie erstarrt ungläubig auf die Wildsau blickte, die immer näher auf sie zu rannte. In letzter Sekunde riss sich Soraya aus ihrer ungewollten Lethargie und versuchte sich mit einem gewagten Hechtsprung zu retten, doch dieser Selbstrettungsversuch kam zu spät. Die Sau traf sie mit voller Härte an der Schulter, und Soraya wurde durch die Luft gewirbelt und schlug hart rücklings auf den Boden auf, so dass ihr sämtliche Luft aus den Lungen gepresst wurde. Sie war auch ziemlich hart am Hinterkopf aufgeschlagen, und so lag sie zunächst ein wenig benommen da, und es vergingen einige Sekunden, die der Elvoin wie eine Ewigkeit vorkamen, bis sie beinahe panisch begann, um Luft zu ringen, was ihr sichtlich schwer fiel. Während sie gequält und schmerzhaft aufstöhnte, und kaum noch realisiert hatte, was ihr eben widerfahren war, vernahm sie erneut die trampelnden Hufe dieser wildgeworden Wildsau, und als sie ihren Kopf drehte, erblickte sie erneut dieses Ungetüm. Soraya wusste später nicht mehr, wie sie die Kraft mobilisiert hatte, sich überhaupt noch aufzurappeln und sich in eine verzagte Abwehrhaltung zu postieren, doch ihr Wahrnehmungsvermögen war durch den harten Aufprall, der ihr eine äußerst schmerzhafte Beule, und wenn nicht gar auch Platzwunde am Hinterkopf beschert hatte, deutlich getrübt worden, und so war ihre Reaktion viel zu langsam, als sie von der Wildsau erneut flankiert wurde, und sie erneut zu Boden stürzte. Doch hatte sie Glück, denn die Wildsau hatte sie nur versehentlich gestreift, denn sie hatte im Lauf kehrt gemacht. Was hatte das Tier nur von seinem Weg abgebracht? De Abwesenheit der Bache nutzte Sora, so gut es ihre Kräfte noch vermochten, laut zu fluchen und zu schimpfen, und ihr Leid bei Az’dara zu beklagen. Doch so gerne sie auch liegen geblieben wäre, sie musste fest damit rechnen, dass die Wildsau sie erneut angreifen würde, und so rappelte sie sich keuchend auf, und blickte sich wie ein gehetztes Tier um, um diese zweifellose Bestie ausfindig zu machen. Doch Sora konnte sie nicht mehr sehen, und so ließ sie sich auf den Boden sinken, erschöpft, von Schmerzen geplagt, und nun konnte sie sich auch nicht mehr zusammenreißen, schlug die Hände vor die Augen, und begann bitterlich, aber stumm, zu weinen. Als sie sich endlich wieder beruhigt hatte, drehte sie ihren Kopf ein wenig zur Seite und betastete den Hinterkopf. Einige ihrer spitz zugeschnitzten Hölzchen, welche sie sich stets in ihren Hinterkopf steckte, zur Zierde, waren gebrochen, und zwei davon hatten sich sogar in ihre Kopfhaut gebohrt und diese aufgerissen. Fluchend zog sich die Elvoin alle Hölzchen heraus, und pfefferte sie wütend von sich weg. Sora ertastete eine beachtliche, dicke Beule, und als sie ihre Hand zurückzog, konnte sie schon das warme Blut spüren, welches ihren Fingern anhaftete. Ihren sämtlichen Blessuren, Schürfungen und Kratzer, in welchen der erdige Staub brannte, schenkte sie kaum Beachtung, jedoch ihrer Schulter, die ganz sicherlich geprellt, doch Az’dara sei gepriesen, nicht gebrochen schien.

Plötzlich erscholl ein gar grausiges und unheimliches lautes Lachen, welches ihr tief in Mark und Bein fuhr, und ihr eine regelrechte Gänsehaut bescherte. Bei allen… da war doch jemand… jedenfalls glaubte Sora nicht, dass es die Wildsau war, die gelacht hatte. Die Elvoin bekam es jetzt wirklich mit der Angst zu tun, und war im Begriff, sich zu erheben, und weg zu humpeln, doch bevor sie dies tun konnte, fiel ihr Blick auf eine Gestalt, die auf sie zu humpelte. Eine äußerst sonderbare Gestalt… Eine Haut, so bleich wie… wie der Mond, Haare wie Feuer, und… bei Az’dara… Hörner, schwarz wie der morastige Sumpf, den die Elvoin mieden, da er ihren Tod bedeuten konnte… Hörner? Da brauchte er gar nicht so groß sein, und seine Gestalt war die eines Halbwüchsigen, noch nicht einmal zum Manne gereiften Jünglings, dass es Soraya aufgrund der Hörner nicht mit der Angst zu tun bekam. Wie schon bei der Wildsau kurz zuvor, blieb sie vor Schreck ruhig und starr sitzen, doch aus Fehlern lernte man bekanntlich, und so riss sie sich aus der Starre, und wich instinktiv mit dem Oberkörper zurück, während sie den Jungen… Mann… was auch immer er war, keine Sekunde lang aus den Augen ließ. Er richtete Worte an die Elvoin, welche diese nicht verstehen konnte, was sie noch mehr verunsicherte, und humpelte völlig unaufhaltsam auf die Frau aus dem Land der Sümpfen zu. Aus seinem Mundwinkel lief Blut, man konnte förmlich dabei zusehen, wie sich Blutergüsse auf seiner Haut bildeten, und ein Auge war sogar am zuschwellen. Du liebe Güte, was war ihm nur passiert? War er ebenso ein Opfer dieser Wildsau geworden?

Er lächelte, während er weiter auf sie zusteuerte und schließlich vor ihr zu stehen kam. Er reichte ihr die Hand, eine durchaus nett gemeinte Geste, doch misstrauisch verharrte die Elvoin und fixierte ihn aus ihren raubtierhaften Augen, bis ihr ein totes Ferkel auffiel, welches er in seinem Arm hielt. Erneut sprach er sie an, und sie runzelte über die Worte, die sie nicht verstehen konnte, beinahe hilflos die Augenbrauen. Und dann zählte sie eins und eins zusammen. Es war ihr egal, ob er sie verstehen konnte, oder nicht, und da er eine ihr völlig unbekannte Sprache sprach, ging sie davon aus, dass er sie ebenso wenig verstand, jedoch brauste sie, mit ihrer tiefen, weiblichen Stimme, zu welcher ihr harter Nogorr Akzent hervorragend passte, auf; „Du… du hast ein Ferkel getotet? Nun wundert es mich nicht mehr, dass die Sau mich angegriffen hat… Das… das ist nur deine Schuld, du Bastard!“ und spuckte ihm vor die Füße. „Recht geschieht dir, dass du auch so ubel zugerichtet bist…“ Am liebsten wäre sie aufgestanden, und weggelaufen, doch sie war im Begriff, sämtliche Kräfte zu verlieren, welche sie eben noch besessen hatte, geschwundene Kräfte, welche es ihr unmöglich machten, von dem Gestaltwandleramulett Gebrauch zu machen. Das hätte sie tun sollen, bevor die Sau sie so übel zugerichtet hatte, wenn, ja, wenn sie die Geistesgegenwart besessen hätte. In diesem Moment konnte sie nicht umhin, Vergleiche zu ziehen, ob Azraels Mißhandlungen besser gewesen waren, als der Angriff der Wildsau. So oder so, seit vielen Monden hatte sie keine Begegnung mehr mit einem Wesen, das sprechen konnte, ob dieser nun ein Mensch war, oder nicht, was Sora aufgrund seiner Hörner ein wenig bezweifelte… Sie setzte den hochmütigsten Blick auf, über welchen sie nur verfügte, und fragte ihn „Und was nun? Willst du mich jetzt umbringen? Was willst du von mir?“ Dabei wanderten ihre Finger an ihre Taille, an welcher an dem ledernen Gurt das kleine, schlechte Messer in der Scheide steckte, aber dann ließ sie davon ab, während sie rau auflachte. Es hatte sowieso keinen Zweck, sie verfügte weder über die nötigen Fähigkeiten im Kampf, noch war sie Willens, geschweige denn, dass ihr ganzer Körper qualvoll schmerzte. „Ach, weißt du was, lass mich in Ruhe. Ich will nur meine Ruhe haben, und nach Hause gehen! Scheiß drauf, du verstehst mich ja doch nicht, und ich verstehe dich auch nicht…“

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Re: Wie die Welt ihr Ende fand

Beitrag von Duiliath » Sa, 03. Mai 2014 23:08

Zornig zogen sich die Augen des Halbdämons zusammen, oder besser gesagt, tat dies nur sein linkes, da das Andere bereits von sich aus immer mehr zu schwoll. Doch noch bevor er zu irgendeiner willentlichen Regung ansetzen konnte, ereignete sich Seltsames, begann mit einem dumpfen Grollen die Erde zu ihren Füßen zu beben, das sich die beiden Gestalten nur mühsam auf den Beinen zu halten vermochten. Kurz nachdem Duiliath ob der Erschütterungen des Erdreichs die, nach der Begegnung mit der zornigen Bache wieder aufgenommene, Tasche von den Schultern glitt, erklang plötzlich hinter ihm und Soraya ein Gurgeln und fassungslos an dieser vorüberstarrend, verfolgte er das von einem unüberhörbar lauten Gurgeln des in den Tiefen der sich unter diesem aufgetan habenden Erde verschwindende Wasser, welches schlussendlich nur noch einen etwa unterarmlangen fetten Fisch zappelnd auf dem Trockenen tanzen ließ. Offensichtlich hatte es das Tier versäumt den entschwindenden Wassermassen rechtzeitig zu entfleuchen.

Die Tasche zu seinen Füßen ebenso ignorieren, wie ob der Heftigkeit seiner Regung eben gar den Grund dafür vergessen habend, starrte er ungläubig auf den schlammig feuchten Flecken, an dem Momente zuvor noch ein kleiner Weiher geruht hatte. „Whow, hast du sowas schon mal gesehen?“ Ohne den Blick gen Boden zu wenden, stopfte er den aus dieser hervorgequollenen Inhalt wieder in die Tasche, legte den toten Frischling indes zu Boden und stapfte zu den Gestaden des ehemaligen Weihers, den Fisch zu greifen ehe der sich doch noch in den etwa eine Körperlänge messenden Spalt und mithin die relative Sicherheit würde flüchten können. Derweil aus des Anderen schattenhaftem Antlitz zwei in düsterem Grün glosende Augen die Elvoin zu betrachten schien, mochte deren Blick indes auf etwas zu ihren Füßen fallen, etwas, das er Duiliath übersehen hatte, als er seine Habe wieder in seine Tasche zurück gestopft hatte. Zu ihren Füßen lag eine etwa handtellergroße flache Steinplatte, darauf in Miruanischer Schrift eingravierte Worte und ebenfalls eingraviert: eine alchemistische Apparatur, und eine kleine Pflanze, die Soraya als Eisenhut identifizieren mochte, sollte ihr Blick darauf denn fallen. Auf der Rückseite der Tafel hatte Duiliath versucht die mit dem Mal versehene Hand und den mit den katzenhaft geschlitzten Pupillen bestückten Kopf eines Mannes wiederzugeben, den er in den Siyyin schlussendlich mitgegebenen Aufzeichnungen des – was er aber nicht wusste – Gestaltwandlers erschaut hatte.

Zufrieden mit dem zappelnden Fisch in der Rechten humpelte der Dämon, die so unverschämte Elvoin nun mit keiner weiteren Regung würdigend, zu dem von der Bache umgerissenen Strauch. Er würde das Holz klein zu machen versuchen, Fisch und Schwein ausnehmen und über den mittels seines Feuersteins rasch entfachten Feuers zu garen beginnen, dabei irgendwann bemerkend, das er nur mehr 4 der vormals 5 beschriebene Tafeln bei sich hatte und darob zu der Stelle, da ihm die Tasche von der Schulter geglitten war humpeln, um die dort vermutlich liegengelassene letzte Tafel wieder an sich zu nehmen.
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Re: Wie die Welt ihr Ende fand

Beitrag von Soraya » So, 18. Mai 2014 18:14

Soraya blickte diesen seltsamen, jungen Mann an, und überlegte, ob sie nun einfach kehrt machen, und gehen, oder ob sie sich offenbaren sollte, in dem sie von ihrem Gestaltwandleramulett Gebrauch machen sollte. Eigentlich hatte sie sich noch nie vor den Augen eines anderen in einen Raben verwandelt. Und bis auf Azrael wusste niemand um ihre Gabe. Nicht einmal ihre Familie, ihre Eltern, ihr Bruder Tamir wussten Bescheid, und auch nicht ihr ehemaliger Liebhaber Tenuar, nur dieser Vampir, der ihr dieses Wissen regelrecht hervormisshandelt hatte, wusste darum. Und das war mehr, als sie wollte. Doch sobald sie sich in einen Raben verwandelt hatte, würde sie bereits im nächsten Augenblick auf und davon geflogen sein. Kümmerte es sie da wirklich, dass er es wusste? Als der Junge sie mit einem nicht unbeträchtlichen Maß an Zorn anblickte, hatte sie sich entschieden. Gehen war der falsche Weg. Er würde ihr sicherlich hinterher laufen, und wer weiß, was er nicht noch alles tun würde. Ihre Hand wanderte entschlossen an ihre Brust, und berührte die sich unter ihrer Tunika befindliche Rabenklaue, glitt schließlich hoch an das lederne Band, um sie hervor zu ziehen. Doch in der nächsten Sekunde begann die Erde zu beben. Soraya erschrak und ließ ab von dem Gestaltwandleramulett, und ließ ihre Blicke hastig über den Erdboden schweifen. So etwas hatte sie noch nie erlebt. Zwar wusste sie, dass manches Mal, wenn auch selten, die Erde bebte, doch ein derartiges Naturphänomen hatte sie noch nie erlebt. Zürnte Az’dara ihr gar? War dies ein Zeichen, von dem Gestaltwandleramulett nicht Gebrauch zu machen? Noch während sie sich umschaute, hafteten sich ihre Augen ungläubig auf den kleinen Weiher, dessen Wasser deutlich sichtbar abnahm, als würde es von der Erde aufgesogen werden. Es dauerte nur wenige Momente, bis das Wasser gänzlich verschwunden war, und sich in dem schlammigen Untergrund ein großer Riss in der Erde offenbarte, der die Ursache für das verschwundene Wasser war. Die Elvoin blieb erstarrt stehen, und beobachtete einen dicken Fisch, welcher zappelnd und schmatzend in dem schlammigen Untergrund umhersprang. Der Junge rief etwas in seiner Sprache und Soraya sah ihn kurz an, bevor sie den Blick wieder abwendete und sich ärgerte, dass sie ihn nicht verstehen konnte. Er schien eine regelrechte Vorliebe für Fleisch zu haben, denn zu dem kleinen Wildschwein, welches er bereits vorher schon an sich genommen hatte, gesellte sich der dicke Fisch, welchen er kurzerhand zu seiner anderen Habe in die Tasche stopfte, als er in den Matsch gewatet war, um sich dem Fisch habhaft zu werden. Was war das nur ein verrückter Tag, dachte die Elvoin bei sich, als sie sich gewahr wurde, dass dem jungen Mann etwas aus der Tasche gefallen war, welches mit einem dumpfen Klatschen in den Schlamm gefallen war. Er schien es gar nicht bemerkt zu haben, denn er wandte sich ab, und nahm auch von der Elvoin keine Notiz mehr. Neugierig, wie Soraya nun einmal war, fixierte sie den jungen, gehörnten Mann, und stieg schließlich ebenso in den ehemaligen Weiher, und bückte sich nach dem Ding.

Es war eine Steinplatte, in welche Zeichen, die sie nicht kannte, da sie nicht lesen konnte, eingraviert waren. Soraya verlor schnell das Interesse an dem Ding, aber bevor sie es zurück in den Schlamm warf, fiel ihr Blick auf Bilder, und das Antlitz der Sumpfbewohnerin hellte sich auf. Mit Bildern konnte sie schon eher etwas anfangen. Eine Pflanze und ein Ding, welches Sora ebenso wenig kannte. Während sie mit erneut verlorenem Interesse die Platte betrachtete, fühlte sie auf der Rückseite der Platte ebensolche Unebenheiten. Sie drehte die Platte um, und auch hier fand sich ein eingraviertes Bild. Sie konnte es kaum erkennen, da es vom Schlamm verschmutzt war. Also wischte sie mit der Handfläche darüber und betrachtete es erneut. Sie erstarrte förmlich. Zweifelsohne war da ein Gestaltwandler abgebildet, das bezeugte das Mal in dessen Hand, wenngleich die Zeichnung auch recht primitiv war. Sie sah von der Steinplatte auf und suchte mit Blicken den jungen Mann, der aus ihrem Blickfeld verschwunden war. Sollte dieser seltsame Mensch etwa jener sein, welcher ihr mehr über das Gestaltwandleramulett erzählen würde? War er gar selbst ein Gestaltwandler? Im selben Moment, wie sie Az’dara dafür dankte, verfluchte sie ihre Göttin auch. Denn wie sollte sie etwas darüber erfahren, wenn sie ihn nicht verstehen konnte? Er sprach kein Nogorr, und vermutlich auch kein coreonisch. Mit seinem roten Haar, welches wie Feuer anmutete, sah er eher wie jemand aus, der aus der Wüste stammte, wenn gleich Soraya noch nie einen Wüstenbewohner gesehen hatte. So oder so, die Furcht, die Soraya vorher vielleicht noch im Griff hatte, verflüchtigte sich, und sie lief dem Mann hinterher. Dieser saß seelenruhig an zusammengehäufelten dürren Ästen, bereit, ein Feuer zu machen, und vermutlich, um diese Tiere darüber zu rösten. Soraya bemerkte, wie ihr Magen knurrte. Doch das war nun nebensächlich. Als sie vor ihm stand, hielt sie ihm die Steinplatte vor die Nase, doch bevor er danach greifen konnte, zog sie die Platte wieder weg. „Du weißt es über die Gestaltwandler, nicht wahr?“ fragte sie ihn, und fühlte sich zeitgleich hilflos, da er sie ohnehin nicht verstand. Sie musste diese Sprache lernen, die er sprach! Aber wie? Das hieße ja, viel Zeit mit diesem Menschen zu verbringen, diesem Komischen… Es schien ihr, als hätte sie keine andere Wahl. Soraya griff in ihre Tunika, und zog das Gestaltwandleramulett hervor. Sie brauchte nichts anderes, als an den Raben zu denken, um sich in diesen zu verwandeln. Die Rabenklaue in der Hand zu halten, half ihr dabei. Sora hockte sich hin, legte die Steinplatte vor den Mann auf den Boden, und die Verwandlung begann.

Sie schrumpfte, und auf ihren Armen breiteten sich schwarze Federn aus, ihr Mund und ihre Nase verformten sich zu einem großen, scharfen, leicht gebogene Schnabel, der an eine Sense erinnerte, ihre Beine schrumpften und ihre Füße formten sich zu Vogelklauen, und ihr nun mehr kleiner Körper war von einem dichten, schwarzen Federkleid bedeckt, welches im Tageslicht lila-bläulich schimmerte. Der Rabe flatterte zu Boden, und stand vor dem jungen Mann. Er neigte den Kopf, seitlich, und blickte den Mann aus klugen, scheinbar alles verstehenden, Augen an. Kroah! Kroah! krächzte der Rabe, und nur wenige Augenblicke später verwandelte sich Sora wieder in die Gestalt der Elvoin. Sie hockte immer noch am Boden, blickte ihn an und hauchte beinahe tonlos „Du weißt du die Gestaltwandler… Kannst du mir helfen?“

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Re: Wie die Welt ihr Ende fand

Beitrag von Duiliath » Di, 20. Mai 2014 18:50

Froh nun endlich wieder etwas zu essen zu haben, hockte Duiliath nunmehr am Boden und nahm mit einer scharfen Feuersteinklinge aus seinem Beutel in den blutigen Händen das junge Schwein aus, um daraufhin dann sich dem Fisch zuzuwenden. Doch noch ehe er mit dem ersten Kadaver fertig war, kam die Frau auch schon wieder auf ihn zu. Da der Drachenerbe in ihm zu lange alleine gewesen war, beschloss er sie nicht anzugreifen noch zu vertreiben. Zwar konnte er ihre Unverschämtheit nicht leiden, hatte sie ihm für seine Rettung doch nicht nur nicht einmal gedankt, sondern vielmehr gar noch verächtlich gar vor ihm ausgespien, aber selbst Verachtung war dem Drachenerben in ihm gerade teurer, denn jegliche Form von Einsamkeit – was die einzige Alternative hier in der Wildnis wohl wäre. Sie hielt ihm eine seiner alchemistischen Abschriften aus dem Buch Entgegen, welches er Siyyin mitgegeben hatte und gerade als er mit einem freundlichen „Danke!“ seinen ersten negativen Eindruck von ihr über den Haufen schmeißen wollte, zog sie ihm die hingehaltene Steinplatte wieder fort und stieß klackende abgehackte wie von Vogelgezwitscher durchdrungen scheinende Worte hervor. Gerade erwog er, sich ihrer Gegenwart ja auch durch ein langes wie qualvolles Folterspiel zu versichern – denn welcherlei die ihm zuströmenden Empfindungen Anderer waren scherte den Drachenerben in ihm schließlich nicht wirklich – als...

Im ersten Moment wollte er nur nach der klugerweise von ihr abgelegten Steinplatte greifen, doch dann... War sie eine Luftdämonin, die ihm ihre offensichtlich gefiederte wahre Natur zu offenbaren beliebte – in welchem fall es eine mehr als glückliche Fügung war, sie bis jetzt noch nicht attackiert zu haben? Doch statt größer und beeindruckender, um bedrohlicher zu werden – schrumpfte sie!? Nein, besser er griff das komische Ding noch nicht an, ehe er nicht sicher war, was es war. Er war zwar ein Dämon, aber darum noch lange nicht unsterblich und selbst wenn sie keine Dämonin – oder schlimmeres gar – war... hastig schloss er den Mund wieder, dessen Unterkiefer ob der eben beobachteten Prozedur beinahe bis zu seiner Brust hinab gesunken schien. „Hat, hat – Siyyin dich geschickt? Siy – yin ?“ Erst jetzt erahnte er was die Zeichnungen von jenem Katzenmenschen wohl bedeutete. Wenn diese Frau hier ein Rabendämon war, war die Andere, war Siyyin dann eine Katzendämonin?

Und das er, wenn es an dem denn war, nun gleich zwei Geschöpfen begegnete, von deren Existenz er bisher nicht einmal die leisesten Ahnung auch nur hatte – konnte das ein Zufall sein? „Wohl kaum!“ grollte der Andere auf diese seine unausgesprochene Frage und es klang, als berstete ein Bündel trockener Zweige nach und nach entzwei. Was aber dann? Standen diese Tierdämonen untereinander in Verbindung und hatte Siyyin ihm eine Gefährtin nachgesandt? Wenn ja, warum? Um ihn zu beschützen, um sicher zu gehen dass er auch ja nicht in das Meer ohne Wasser zurückkehrte? Oder, oder ... oder hatte sie erst nach seinem Verschwinden erkannt was für ein Buch er ihr übergeben hatte und jene Vogeldämonin vor ihm sollte ihm die abgeschriebenen Texte rauben, ihn als unwillkommenen Mittwisser eventuell gar töten, auf das verborgen bliebe was, was seit Unzeiten vielleicht schon vor den Augen der Welt verborgen ward?

„Na das soll sie mal schön versuchen!“ knurrte der Halbdämon, eher von der möglichen Herausforderung angetan, denn von den unbekannten Kräften seiner Gegnerin irgends eingeschüchtert. Er hielt ihr die eine Steinplatte, welche er nun endlich aufgenommen hatte entgegen, deutete auf die ihm unverständliche Schrift und entgegnete:. „Du kannst das lesen, du willst mehr darüber wissen?“ Der Zusatz war ihm wie von selbst über die Lippen gekommen, als sie –wie der Drachenerbe in ihm plötzlich überdeutlich erspürte – beinahe verzweifelt die Platte herumdrehte und auf die einfachen Zeichnungen der kaum mehr als Spielkartengroßen Platte deutete. Tief atmete der Halbdämon erst ein dann aus. Er wusste es nicht, aber er würde diese Frau weit weniger leicht ertragen können, als die Wüstenelfin. Irgendwie waren ihre Emotionen weniger vertraut, weniger – menschlich? Die Platte wegsteckend fuhr er – mit unnatürlich großem Erfolg – glättend über den leicht sandigen Untergrund und begann, von seinen erklärenden Worten begleitet, etwas in den nun vollkommen planen Untergrund zu zeichnen.

„Ich“, er deutete auf sich, „komme aus der Cala an Darh.“ Er zeichnete ein Gebirge in den Sand und deutete zusätzlich erklärend über das in seinem Rücken befindliche Sharzíkad-Gebirge. dann, von weiteren der Elvoin unverständlich bleibenden Worten, zeichnete er ein Grab in den Boden, welches er um das Symbol Rheluns und die Nennung des Namens des elfischen Totengottes ergänzte. Dann zeichnete er ein Buch neben das Grab und tat, als griffe er danach. Er zog die anderen Steinplatten und zeigte ihr die dort auf deren Rückseiten befindlichen Zeichnungen – ohne sie dabei aber aus der Hand zu geben und versucht mit pantomimischen Gesten gestützt ihr klarzumachen das er die Informationen aus besagtem Buch abgeschrieben hatte. Zuletzt versuchte er dann noch aus dem Gedächtnis weitere Zeichnungen aus dem an Siyyin weitergegebenem Buch in den Untergrund vor sich zu zeichnen. „Mehr“, er zuckte mit den Schultern, „weiß ich nicht.“ Immer noch nicht ganz sicher seiend, das sie nicht doch von der Wüstenelfe hergeschickt worden war ihn als unerwünschten Mittwisser mundtot zu machen, kümmerte er sich weiter um sein Essen, indem er rückwärts an diesem Vorüberging, sich dann niederkniete und nun den Fisch als erstes einmal entschuppte. Den Rücken würde er ihr so schnell erst einmal nicht zuwenden.
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Re: Wie die Welt ihr Ende fand

Beitrag von Soraya » Fr, 30. Mai 2014 12:46

Der junge Mann blickte Sora an und nahm die Steinplatte wieder an sich. Er drehte sie in seinen Händen, und deutete auf eines der Symbole, die darauf eingraviert waren, und hielt die Platte der Elvoin leicht hin. Da richtete er Worte an sie, doch Soraya konnte ihn natürlich nicht verstehen. Sie blickte ihn aufmerksam an, hing mit ihren Augen förmlich an seinen Lippen, welche die fremde Sprache formulierten. Unsicher und verlegen lächelte sie ihn an, und begann sich, in ihr wirres, krausiges Haar zu fahren und sich nervös zu kratzen. Sie hasste es, wenn sie von Unsicherheit übermannt wurde, doch war es nicht gerade beruhigend, ein Gegenüber vor sich zu haben, mit welchem man sich nicht verständigen konnte. Schließlich überwand sie ihr Mistrauen und ihre Zurückhaltung, kroch ein wenig näher an den jungen Mann mit dem flammend roten Haar heran, bis sie ihm zur Seite hockte, und blickte über die Schulter auf die Steinplatte. Als er bemerkte, dass es wohl keinen Sinn hatte, auf die Steinplatte zu deuten und ihr darüber zu erzählen, wenn sie es ohnehin nicht verstehen konnte, packte er das flache Stück Stein wieder in die Tasche zurück, aus welcher sie gefallen war.

Er wischte mit einer Hand großzügig über den sandigen Boden und schaffte somit eine ebene Fläche. Dann begann er mit dem Finger darin zu malen. Er sprach und deutete auf sich. Sora verstand nur Kauderwelsch, und sie war sich nicht sicher, ob er ihr eben seinen Namen verraten hatte. Kalandar, dies hatte sie herausgehört aus seinen Worten, als er auf sich gedeutet hatte. War das sein Name? Kalandar? Seine Worte begleiteten einige Zeichnungen in den Sand, welche Hügel, aber auch Berge sein konnten. Zusätzlich deutete er hinter sich auf das große Gebirge, dessen Namen Soraya nicht kannte. Wollte er dort hin, oder stammte er von dort? Sie wusste es nicht. Und sie konnte ihn auch nicht danach fragen. Er malte und zeichnete noch mehr in den Sand. Symbole, welche Sora noch nie gesehen hatte, oder zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht analysieren konnte. Wieder holte er die Steinplatte, aber auch andere hervor, erzählte etwas und sprach und Soraya versank immer tiefer in Verzweiflung aufgrund dem sprachlichen Unverständnis, das zwischen den beiden herrschte, und welches scheinbar unüberbrückbar war. Er schloss seine Erzählungen mit einem Schulterzucken, und Soraya war nach seinen Worten genauso schlau oder unwissend wie vorher. Nein, hier kam man nicht weiter. Nicht mit Worten.

In Ghamor, Soras Heimatdorf gab es die Dorfälteste Imnatu. Sie war eine sehr weise Frau, und sie sprach nicht nur die Ursprache Nogorr, und auch nicht nur coreonisch. Nein, sie sprach viele Sprachen, der Länder, welche weit rund um Nogorath lagen. Konnte sie ihn dazu bewegen, sie zu begleiten? Er wusste scheinbar etwas, und Soraya war begierig darauf, zu erfahren, was es war. Aber vielleicht missverstand sie auch alles. Vielleicht wusste er gar nichts, und es war eine reine Zeitverschwendung, sich mit ihm abzugeben. Und vielleicht sprach die Dorfälteste ja einige Sprachen, aber nicht [k]seine[/i]… Dann wäre sowieso alles umsonst. Aber sie würde es nie herausfinden, wenn sie kein Wagnis einging. Sie wollte sowieso zurück nach Hause. In ihre geliebte Heimat, die Sümpfe und das saftig grüne Land der Elvoin. Aber würde er mit ihr gehen, wenn sie ihm dies Verständig mache konnte? Soraya legte sich ihre Hand auf die Brust. Mit ihrer tiefen, samtigen und weiblichen Stimme, sprach sie „Soraya…“ und dann wiederholte sie ihre Geste, und wiederholte ihren Namen. „Soraya“. Dann deutete sie mit dem Zeigefinger auf ihn „Kalandar?“ und blickte ihn fragend an. „ Du verstehst mich nicht, ich weiß, aber willst du…“ damit deutete sie auf ihn… „...mit mir…“ und sie legte sich erneut die Hand auf die Brust… „...nach Nogorath kommen?“ Sie erhob sich aus der Hocke, und stellte sich auf die Beine. Sie deutete nach Westen, vorbei an dem gewaltigen, schroffen Gebirge, auf welches er zuvor gedeutet hatte, in jene Richtung, wo weit, weit hinter dem Horizont Nogorath lag. „Vielleicht kann Imnatu helfen…“ Sie winkte ihn an sich heran. "Komm mit mir... nach Nogorath..."

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Re: Wie die Welt ihr Ende fand

Beitrag von Duiliath » Sa, 14. Jun 2014 21:07

„Sora Jah... „Kalandar?“ Duiliath sah sie irritiert an. Was in aller Welt bedeutete Kalandar“ Aber dann kam ihm die Erleuchtung, Sora Jah musste ihr Name sein und Kalandar meinte wohl soviel wie „Und wie heißt du?“ War also gar nicht so schwer sie zu verstahen, wie er befürchtet hatte und wies nickend auf sich und sagte etwas, das in etwa wie „Dul Jeth, Dul Jeth!“ klang. Als sie dann gen Osten wies, wo sie wohl hin wollte und irgendwas ihm Unverständliches sagte, nickte er erneut und deutete dabei aber nach Norden. „PFCHRZZZZZZZZZ-TSCH-CHAU-BADABUMM!“ sprach er und zog mit der Hand eine von Süden nach Norden verlaufende Linie über den Himmel, derweil er beim lauten „Badabumm“ die nahe zusammengelegten Handflächen auseinander riss, wie um eine Explosion nachzubilden. Dann deutete er nach Norden, beschattete die Augen, als wenn er in die Ferne schaute und ließ dann Zeige- und Mittelfinger seiner Linken einen Lauf gen Norden nachahmen. Nebenbei kümmerte er sich darum, die Lebensmittel weiter zuzubereiten und sie dabei mittels Gesten zu einer Teilhabe daran einlud. Die nächsten Minuten war er ganz mit dem Zubereiten des Fleisches befasst und mochte Soraya nur einmal noch überraschen, als er wie mit einer fließenden Bewegung die Wandung einer irdenen Ofenwandung um Feuer und das kleine Wildschweinjunges zog, nachdem der Fisch fertig gegart und vom Feuer genommen worden war. Duiliath kümmerte sich gerade darum, den Kamin und die Luftzufuhr des numehr knapp zwei Fuß hohen irdenen Ofen noch zu perfektionieren, das der ausgenommene Frischling in den kommenden Stunden möglichst genussvoll garte.

Sie beide waren gerade halb durch den etwas übergarten aber nichtsdestotrotz schmackhaften Fisch durch, als der Trommelwirbel galoppierender Pferdehufe die inzwischen nachmittägliche Stille durchdrang. Doch noch ehe sie beide irgends zu reagieren vermochten, war ihr Lager von gut einem halben Dutzend recht wild ausschauender Reiter umzingelt. Ein Bogen, zwei Armbrüste, mehrere Messer und gar zwei mit Nägeln gespickte Dreschflegel wurden geschwungen oder auf sie gerichtet, derweil einer der Männer in Coreonischer forderte die Bernsteine oder das Gold auszuhändigen, wenn sie überleben wollten. „Und du hast doch sicher nichts dagegen, wenn wir uns deine Mutter kurz ausleihen?“, fügte der Sprecher, an Duiliath gerichtet, in der Sprache der Steppenreiter noch hinzu, die Altersdifferenz zwischen den beiden am Feuer hockenden damit scheinbar gänzlich überschätzend. Obgleich Duiliath kein Wort verstand, war der Ton und das Auftreten deutlich genug, den Ärger erkennen zu lassen. Das dreckige Lachen der Anderen hätte es da kaum mehr gebraucht. Und wie das nach Ärger gerade stank. „Fragt sich nur für wen?“ murmelte Duiliath versonnen in wüstenelfischer Sprache und grinste dabei leise vor sich hin.

„Ah!“ dann irgendetwas Unverständliches, dann „... elfischer Bastard, eh?“ dann wieder etwas Unverständliches, dann etwas das ganz nach „ Bernsteinstraße“ und „Alles was ihr habt!“ klang. Den Sprecher deutlich weniger beeindruckt anstarrend, als man in einer solchen Situation annehmen mochte, zuckte Duiliath die Schultern, dabei seine Haut in Erwartung einer weiteren Auseinandersetzung härtend, erwiderte er nichts von einer Straße aus Bernstein zu wissen, aber die Männer sofort zu informierten, sollte er zufällig über eine solcherart gepflasterte Straße stolpern. Diese leicht amüsiert – um nicht zu sagen spöttisch klingenden Worte, brachten den Sprecher dazu zornesrot anzulaufen und mit einem Grollen schwang er sich aus dem Sattel.
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Re: Wie die Welt ihr Ende fand

Beitrag von Soraya » So, 22. Jun 2014 23:27

Aufmerksam beobachtete die Elvoin den jungen Mann, als er ihren Namen wiederholte, und sie nickte bekräftigend dabei. Soraya. Aus seinem Mund klang dieser Name anders, beinahe fremd, und erneut wiederholte er seinen Namen. Kalandar… Und dann noch Duljet, Duljet[/i… ]Als sie ihm schließlich erklärte, wohin sie wollte, und ob er sie nicht begleiten wollte, blickte er sie wieder unverständlich an, und Sora zuckte innerlich ergeben mit den Schultern. Aber dann deutete er nach Norden, weit über die Berge, und Sorayas Augen wurden größer, als sie glaubte, zu verstehen, was er ihr mit seinen, mit beinahe animalischen Wortlauten, weitaus primitiver, als sogar die Elvoin sie manchmal benutzten, untermalten, wilden Gestikulationen zu sagen versuchte. Sie glaubte, dass er ihr von dem roten Stern erzählte, der dort hernieder gegangen war. Ein feuriger Stern, der lange Zeit am Himmel zu sehen gewesen war, und irgendwann weit hinter dem Horizont verschwunden war. Nur Aszdara wusste, was mit dem Stern passiert war, und was dies überhaupt zu bedeuten hatte. Für Soraya war er allerdings nicht von Belang. Es kümmerte sie nicht, so, wie die meisten Elvoin Anteil an Geschehnissen nahmen, die sie nicht betrafen. Soraya beobachtete den Jungen, wie er sich den Fischen und dem toten Frischlings annahm, um diese über dem Feuer zu rösten. Er schien eine Vorliebe für gutes Essen zu besitzen, denn er gab sich alle erdenkliche Mühe dabei. Er hatte sogar eine Lehmwand aufgezogen, als Soraya eben nicht hingesehen hatte. Beinahe hielt sie ihn für einen Hexer, denn wie er dies in so kurzer Zeit bewerkstelligt hatte, blieb ihr ein Rätsel. Und fragen konnte sie ihn ja nicht danach…

Soraya beobachtete ihn so eine Weile, und begann sich langsam wieder zu entspannen. Sie hockte sich, in gebührendem Abstand von ihm hin, sah ihm zu, und widmete sich schließlich ihren Blessuren, welche die verrückte Wildsau verursacht hatte. Ihre Hüfte schmerzte sie ein wenig, und so verlagerte sie ihr Gewicht schließlich auf die andere Seite, um den Schmerz zu vertreiben.

Gerade, als sie begann, die Ruhe zu genießen, wurde die Erde von Getrappel erschüttert. Ihre Finger, die sie auf dem trockenen Erdreich ruhen ließ, begannen ganz fein zu vibrieren unter der Erschütterung, und als sie angestrengt lauschte, konnte sie Hufschläge vernehmen. Pferde, Reiter… Unweigerlich verspannte sich die Elvoin, denn in Merridia hatte sie die Erfahrung gemacht, dass die wenigsten Menschen ihr freundlich gesinnt, und mit Vorsicht zu genießen waren. Ihre Gedanken wurden unterbrochen, von guten Dutzend Männern, die zu Pferd direkt auf die zutrabten, und ehe sie es sich versah, verlangsamten diese ihre Geschwindigkeit, umkreisten sie, und schon waren sie umzingelt. Pferde schnaubten, scharrten mit dem Huf auf der Stelle, oder rissen ungeduldig am Halfter. Dreckige, ungewaschene und staubige Männer, unterschiedlichsten Alters saßen zu Pferde. Einige musterten die beiden argwöhnisch, andere wiederum warfen eher begehrliche Blicke auf das Fleisch, welches über dem Feuer briet, und allen war eines gemeinsam: Sie waren bewaffnet. So sehr bewaffnet, dass Soraya nervös wurde. Wild und brutal anmutende Waffen, welche die Elvoin noch nie in ihrem Leben gesehen hatte…

Als Soraya sich des Pfeiles in der gespannten Sehne des Bogens gewahr wurde, der auf sie gerichtet war, hob sie langsam und vorsichtig die Hände, zum Zeichen, dass sie unbewaffnet war, und nichts Böses im Sinne hatte. „Wer seid ihr beiden, ha? Missgeburten auf jeden Fall!“ blaffte einer von ihnen, und bleckte dabei seine Zähne. Soraya horchte auf. Denn die Sprache, die ihr da entgegen scholl, war coreonisch. Coreonisch war nun nicht ihre Muttersprache, aber die fahrenden Händler, die ab und an den Weg in die Sümpfe wagten, um mit den Elvoin Bernsteinhandel zu betreiben, hatten ihr die Sprache näher gebracht. „Ich will nichts Boses…“ erwiderte Soraya kläglich, und in gebrochenem coreonisch. „Wer bist du?“ hakte er nach. „So was wie dich hab ich in meinem Leben noch nie gesehen...“ „Ich bin eine Elvoin. Ich lebe in den Sumpfen von Nogorath…“ antwortete die Elvoin artig, und wagte sich dabei nicht zu rühren. „Soso, eine Elvoin…“ wiederholte er und seine Augen schienen für einen kurzen Moment aufzuflammen. „Und der da?“ nickte er dem Kopf zu dem Jungen, und Sora wandte kurz den Kopf zu ihm, und sah dann wieder den berittenen Rädelsführer an. „Ich kenne ihn nicht…“ zuckte sie die Schultern. „Ich bin ihm zufallig begegnet… Wir sprechen nicht einmal dieselbe Sprache…“ Der Mann kniff die Augen zusammen, als ob er ihr keine Silbe glaubte. „Eine Elvoin also… Dein Volk handelt mit Bernstein“ stellte er fest. „Gib uns davon! Gib uns alles, was ihr habt! Bernstein, und auch Gold, wenn euch euer Leben lieb ist!“ richtete er scharf das Wort an sie. „Bernstein habe ich hier nicht…“ erwiderte die Elvoin ruhig. „Und was ist das da?“ richtete er seinen Finger auf Soras Fessel, an welcher an einem Lederband ein Stück Bernstein, ein Stück Heimat, hing. Sora blickte an sich herab, und ihr Blick streifte den Anhänger und sie verstand. „Her damit!“ herrschte er. Es war nur ein kleines Stück Bernstein, klein, dunkel und mit zahlreichen Inklusen. Er war weder rein, noch besonders groß, noch besonders wertvoll. Für Soraya. Doch in den Nordreichen, bei Heilern, Magiern, Schamanen war er sicher begehrt. Und wenn man dafür nur eine Münze bekam, oder eine Mahlzeit… „Na, wird’s bald?“ blaffte der Reiter, und als Soraya sich nicht bewegte, schwang er sich vom Pferd herab und trat an die junge Frau heran. Ganz nahe stand er bei ihr und blickte in ihre wilden, dunklen Augen, die ihn zornig, gepaart mit Angst, anblickten. Er umkreiste sie mit schweren Schritten, als musterte er ein Pferd, um zu beurteilen, ob es ein gutes Pferd war. „Mach keine Dummheiten, Mädchen, klar?“ warnte er sie, und sah ihr mahnend in die Augen. Soraya verstand erst, als er sich zu ihren Füßen kniete, ein Messer zog, kurzerhand das dünne Lederband durchtrennte, und es mitsamt dem Bernstein an sich nahm. Soraya wagte, nun, da er so nah an ihr stand, nicht zu protestieren. Danach erhob er sich, und nahm sie erneut in Augenschein. Er zupfte das Gestaltwandleramulett am Lederband hervor. „Was ist das?“ erkundigte er sich, und ließ das Band sogleich hastig und angewidert los, als er in dem Amulett nur eine vertrocknete Rabenklaue erkannte. „Wo ist die Bernsteinstraße, Mädchen?“ Soraya konnte es ihm beim besten Willen nicht sagen. Sie war fern der Heimat, und sie kannte die verborgenen Wage nicht, die die Händler benutzten, um die für sie so wertvollen Bernsteine sicher in die Nordreiche zu bringen. Selbst wenn die Bernsteinstraßen nicht geheim wären, so hätte Soraya es dennoch nicht gewusst. Sie zuckte die Schultern. „Das weiß ich nicht…“ „Das weißt du also nicht…“ wiederholte er, und wandte sich zu seinen Männern um. Einige ungläubige und auch hämische Blicke folgten, und dann wandte sich ein anderer Mann schließlich an den Jungen, der bis jetzt unbeachtet an seinem Feuerchen gesessen, und die Spieße gedreht hatte. „Und du hast doch sicher nichts dagegen, wenn wir uns deine Mutter kurz ausleihen?“ Soraya verstand seine Worte nicht, aber sie klangen spöttisch, und dies stieß ihr sauer auf. Der Junge antwortete in seiner Sprache, und der Mann schien diese zu verstehen, denn er antwortete ebenso.

Nach einigen wenigen Worten lief der Mann rot vor Wut an, dass Soraya beinahe ängstlich in sich zusammen sank, rutschte ebenfalls aus dem Sattel vom Pferd, und gesellte sich zu dem Rädelsführer. „Was machen wir jetzt mit ihnen?“ brummte der eine zu dem anderen, welcher die Schultern zuckte. „Wir könnten die Elvoin mitnehmen, und sie kann uns dann in die Sümpfe führen, wo es Haufenweise Bernstein gibt. Über Nacht würden wir alle zu reichen Männern…“ Sora schwieg als sie diese Worte vernahm. Es stimmte nämlich nicht, dass man nur die Hand in den Sumpf strecken musste, um Bernstein zutage zu fördern. Auch wenn die Vorkommen reichlich waren, so war es nicht immer ungefährlich, Bernstein zu sammeln, oder überhaupt zu finden. Und Männer die sich in den Sümpfen bewegten, auf den falschen Wegen, liefen sowieso in den sicheren Tod. Sollten diese Idioten nur in ihr Verderben laufen. Aber nicht mit ihr! Aber wie sollte sie sich gegen einen bewaffneten Mob behaupten? Der Junge da sah auch nicht aus, als wäre er ihr dienlich… Eher wie ein Klotz am Bein… Es durfte überhaupt nicht so weit kommen, dass sie diese Kerle in die Sümpfe führen würde. Würden sie es dennoch an ihr Ziel schaffen, so bedeutete dies sicherlich einen Kleinkrieg gegen die Elvoin. Sora sponn sich tausende schlechte Eindrücke zusammen. Sie warf dem Jungen einen stummen Blick zu, und dann fiel ihr erst ein, dass diese zwei Männer, die von den Pferden gestiegen waren, das sprachliche Bindeglied zwischen ihr und dem Rotschopf waren. Aber sie vertraute diesen Kerlen nicht, wie konnte sie da diese bitten, zwischen ihnen zu vermitteln und zu übersetzen? Zumal die Männer auch nicht so aussahen, als wären sie dazu bereit. Der Mann, der nicht nur coreonisch sprach, trat an den jungen Mann heran. „Meine Männer sind hungrig. Ihr beide seht nicht so aus, als würdet ihr einen ganzen Frischling und die paar Fische da vertilgen können. Gebt uns etwas davon ab…“ meinte er. Doch es klang nicht wie eine Bitte…

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Re: Wie die Welt ihr Ende fand

Beitrag von Duiliath » Mo, 30. Jun 2014 23:07

Teilnahmslos verfolgte Duiliath das Gebaren der Männer wie auch der Frau an seiner Seite. Wie es schien konnten diese besser miteinander kommunizieren. Vielleicht ging sie dann ja sogar mit diesen Kerlen überlegte Duiliath stumm, sich derweil weiter um die Befeuerung des Ofens kümmernd. Das das Gespräch zwischen jenen einen eher aggressiven Ton angenommen hatte, er bemerkte es nicht, oder vielleicht beachtete er es auch nicht weiter. Denn als halber Drachenerbe, konnten ihm die aufbrausenden Emotionen kaum entgangen sein. Doch tat er nichts weiter, als gelegentlich kleine Zweige von oben in den Kamin zu werfen, die untere Luftöffnung gelegentlich wieder frei zu stochern und ansonsten zu tun, als wäre keine Bande unflätiger Wiederlinge um ihn her angetreten, die Luft mit ihre schierer Anwesenheit zu verpesten. – „Und du hast doch sicher nichts dagegen, wenn wir uns deine Mutter kurz ausleihen?“ Duiliath schaute irritiert auf. Seine Mutter? Seine Mutter war tot! auch läge sie sicherlich nicht ausgerechnet hier unter der Erde, auch wenn er offen gestanden nicht den leisesten Schimmer hatte, wo sie denn eigentlich begraben läge. ‘Interessante Frage, nebenbei!’, dachte er sich im Stillen, zuckte auf die Bemerkung des Mannes mit den Schultern und nahm sich – da der Ofen gerade bereits vorzüglich feuerte – nunmehr den Kopf des ansonsten bereits gänzlich abgenagten Fisches an und puhlte mit den Fingern die Augen lose und sog sie schlürfend auf „Meine Männer sind hungrig. Ihr beide seht nicht so aus, als würdet ihr einen ganzen Frischling und die paar Fische da vertilgen können. Gebt uns etwas davon ab…“

Duiliath knackte den Fischkopf mit den Zähnen und erneut erklang ein sattes Schlürfen, ehe er die übriggebliebenen Gräten in hohem Bogen hinter sich warf. Dem lauten Fluchen nach, hatte er „versehentlich“ wohl einen der hinter ihm befindlichen Männer dabei damit getroffen. Doch dem keinerlei weitere Beachtung schenkend, nickte Duiliath nur. „Der Braten braucht aber noch bis zur Abenddämmerung. Das Fleisch muss langsam garen, um vollkommen Zart zu werden. Wenn ihr so lange bleiben wollt: Ich teile gerne, was ich an Fleisch habe.“, sprach‘s und lächelte sein Gegenüber dermaßen treuherzig an, dass der fassungslos um Worte rang. War dieser, dieser – Ziegenbock wirklich zu hohl zu kapieren was hier grad passierte, oder war er wirklich so naiv? Die Wegelagerer hatten Mutige, Ängstliche, Verräterische, feige Bettelnde und in die Ecke gedrängt tapfer Kämpfende schon erlebt, aber niemand – n i e m a n d – hatte bisher so gänzlich jegliche Spur von Angst oder zumindest doch beunruhigter Anspannung je vermissen lassen.

Doch schnell hatte der Mann seine Fassung zurück gewonnen und verkündete spöttisch, das man erfreulicherweise so frei wäre, sie zum Essen einzuladen. Das spöttische Lachen, wie auch eine ihm verständliche Spitze bezüglich „des Nachtisches“ beachtete Duiliath indes nicht, kümmerte sich weiter um das Essen. Die Männer ließen sich indes nieder. In einer Duiliath wiederum unverständlichen Sprache, hatten diese sich geeinigt zuerst einmal abzuwarten, bis der Ziegenbock dass Essen fertig hätte, ehe sie weiter entschieden. „Und wenn das zu wenig für uns alle ist, ich hab schon lange kein Ziegenfleisch mehr gegessen!“, verkündete einer der Männer versucht bedrohlich. Die Anderen lachten und obgleich Duiliath den direkten Wortsinn nicht verstand, schenkte er dem Mann doch einen nur kurzen Seitenblick, der den Sprecher, von den Anderen ungesehen, leise erschauern ließ. Was auch immer der Mann in Duiliaths Augen gesehen haben mochte, er lieferte sich wenig später einen hitzigen Streit mit seinem Anführer, weil er schon einmal den Weg zurück zu ihrem eigenen Lager auf sich nehmen wollte.

Mit einem blauen Auge und vor Zorn bebend, ritt jener Mann in Richtung ihres vorherigen Lagers, es abzubauen und alles hierher zu schaffen. Doch stattdessen, bog der Mann nach wenigen Meilen gen Nordosten, gen der Steppe, gen den Wilden Landen. Er hatte schon seit Jahren mit dem Gedanken gespielt irgendwann einmal zu Skylla, einer Wilden Frau vom Faernach-Clan zu gehen, hatte er ihr Angebot doch niemals vergessen, ihren Hof und ihr Bett mit ihr zu teilen, wenn er sein bisheriges Leben irgendwann einmal müde würde. Es sollte zwei Monde dauern, bis er bei ihr eintraf und tatsächlich mit ihr gemeinsam den Hof auf Vordermann brachte, mit ihr gemeinsam alt wurde und das Gehöft schließlich an ihren gemeinsamen Sohn vererbte. Auf die Frage was ihn an jenem Tag so mir nichts dir nichts seine Kumpane dermaßen fluchtartig hatte verlassen lassen, bekam sein Blick immer etwas Ängstliches, derweil er sich an den ziegenköpfigen Bastard erinnerte und wie der sich damals umgewandt hatte, ihn undeutbar kurz betrachtet und dann den Kopf wieder dem Essen zugewandt hatte. „Seine Augen, seine Augen...“ murmelte er dann stets auf die Frage und schauderte leise zusammen. Sie hatten etwas so unbeschreiblich ... Hungriges an sich gehabt! Aber wie sollte man das Jemandem vermitteln, der diesen Blick nie selbst erfahren hatten? Was damals weiter in jenem Lager geschehen war? Er sollte es nie erfahren, doch wann immer er sich in den Armen seiner Frau wiederfand, dankte ein stillerer Teil seiner Selbst dem Ziegenköpfigen, ohne dessen damaligen Seitenblick er wohl niemals die Kraft gefunden hätte, das Leben eines Wegelagerer jemals so gänzlich und absolut hinter sich zu lassen...
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Re: Wie die Welt ihr Ende fand

Beitrag von Soraya » Do, 16. Okt 2014 8:53

Soraya und der Anführer, aber auch die anderen Männer der Reitertruppe hatten in diesem Augenblick eines gemeinsam; denselben Ausdruck an Ekel, als Duiliath den Kopf des Fisches mit seinen Zähnen knackte, und diesen dann geräuschvoll ausschlürfte. Der Anführer schüttelte angewidert und verständnislos den Kopf. „Du scheinst mir ja noch einigermaßen normal zu sein, als Elvoin, Mädchen, was pflegst du nur für einen Umgang?“ Soraya zuckte mit den Schultern und ereiferte sich „Ich weiß auch nicht, ich kenne diesen Kerl uberhaupt nicht. Seit er bei mir ist, geht plotzlich alles schief! Eine Wildsau hat mich angegriffen, ich kann kaum stehen! Die Erde hat gezittert und sich aufgetan und da, wo der kleine Tumpel war, ist nur mehr Schlamm, und alle Fische verendet! Das ist doch nicht normal!“ Sie wandte sich kurz Duiliath zu, um sich dann wieder dem Anführer zu widmen. „Ich habe schon viel gesehen, das kannst du mir glauben, aber noch nie habe ich eine Kreatur mit Hornern gesehen…“ flüsterte sie, als könne der Gehörnte sie verstehen, was er aber nicht tat. Dieser hatte zwischenzeitlich das Wort an den anderen Mann gerichtet, dessen Wort in dieser Truppe wohl Gewicht hatte. „Was sagt er?“ mischte sich der Anführer ein, und der zwiete übersetzte ihm „Er sagt, der Braten würde wohl noch bis zur Abenddämmerung brauchen, bis er zart, und saftig wäre. Wenn wir solange warten wollen, wäre er bereit, mit uns zu teilen.“ „Soso, sagt er das…“ brummte der Anführer. „Also dann, dann sage ihm, wir akzeptieren seine bedingungen…“ grinste der Kerl und wandte sich wieder Sora zu. Er hielt ihr seine Hand hin und sprach „Ich bin Venam. Der da, der sich so gut mit dem Ziegenbock versteht, ist Redor.“ Zögerlich ergriff Soraya seine Hand, und ließ sich ihre schütteln. Dann wandte er sich seinen Männern zu. „Alle Mann absitzen und Lager aufschlagen! Wir werden heute Nacht hier bleiben!“ „Joh, und wenn das zu wenig für uns alle ist, ich hab schon lange kein Ziegenfleisch mehr gegessen!“ Die Männer fielen in allgemeines Gelächter.

Während alle absaßen und das Lager aufschlugen, beobachtete Soraya stumm das geschäftige Treiben. Doch die Ruhe hielt nicht allzu lange an, denn die beiden Anführer, Venam und Redor hockten sich zu Soraya und Duiliath und… taten nichts. Die vier saßen nur da und starrten sich an an, wobei der rothaarige Junge sich, so hatte es den Eindruck, mehr dem Braten widmete, denn den anderen. Es war Venam, welcher sich an die junge Elvoin wandte. „Also Mädchen. Wie ich schon vorher gesagt habe, wir suchen die Bernsteinwege.“ Soraya blickte ihn unverwandt an und erwiderte „Und wie ich dir schon vorher gesagt habe, ich weiß es nicht…“ Venam blickte sie verschlagen an. „Ich weiß nicht, ob ich dir das glauben kann. Ist es nicht vielmehr so, dass du keine Lust hast, dieses Geheimnis Preiszugeben, weil die Elvoin den Bernstein lieber für sich selbst behalten?“ Soraya funkelte ihn wütend an „Das ist Blodsinn! Wir Elvoin kennen die Wege alle nicht, denn wir beschreiten sie nicht. Jeder Narr weiß, dass die Elvoin in den Sumpfen im Nogorath bleiben, und nur die Handler die Bernsteinwege beschreiten!“ „Du strafst deine Worte Lügen, Mädchen. Denn du als Elvoin hast den Nogorath verlassen.“ „Ja, aber das ist etwas anderes. Ich bin gegangen, weil… weil…“ Sie konnte es nicht. Sie durfte es nicht. Es ging ihn nichts an! „Weil…?“ hakte er nach. „Weil ich anders bin als die anderen Elvoin…“ log Soraya. „Und… es geht dich verdammt noch mal nichts an!“ Venam blickte sie ungläubig an. Dann verfiel er in schallendes Gelächter „Du bist dreist, Kleine weißt du das?“ Soraya lächelte milde. Sie konnte es sich erlauben, dreist zu sein. Solange sie die Rabenklaue bei sich trug. Eine Berührung genügte, und sie würde sich in einen Raben verwandeln, und sich einfach in die Lüfte erheben. Der Überraschungsmoment war auf jeden Fall auf ihrer Seite, und dies konnte sie selbst im wildesten Handgemenge noch bewerkstelligen. Soraya musterte den gehörnten Jungen. Hier saß sie mit zwei Männern, die das sprachliche Bindeglied zwischen ihnen waren, und sie konnte ihnen doch nicht vertrauen. Vielleicht genügte ein wenig oberflächliches Gerede. Und so fasste Soraya einen Entschluss. „Ich werde euch helfen, die Bernsteinwege zu finden. Wenn…“ Venam unterbrach sie „Wenn was? Glaubst du ernsthaft, du bist in der Lage, Forderungen zu stellen? Wenn du nicht spurst, schlitzen wir dir die Kehle auf, so einfach is das!“ erwiderte Redor, der andere von ihnen. Soraya blieb ruhig und gelassen „Dann werdet ihr die Wege nie finden…“ Venam und Redor blickten sich vielsagend an. „Sie weiß doch was…“ murmelte Venam. „Und ihr sollt es erfahren. Also tut, worum ich euch bitte. Vermittelt zwischen uns, ich will wissen, was er mir die ganze Zeit sagen wollte.“ Sprach sie zu den beiden Männern, ohne den Blick dabei von Duiliath zu nehmen. „Na schön, na schön!“ sprach einer von ihnen. Soraya blickte den Jungen immer noch an und sprach, während Redor ins wüstenelfische übersetzte. „Ich bin Soraya.“ – „Sie sagt, ihr Name ist Soraya.“ „Ich bin eine Elvoin, und meine Wege haben mich aus den Sümpfen geführt. Eigentlich wollte ich zurück nach Hause, aber wie es scheint, haben diese Manner etwas dagegen…“

Am Abend, der Braten und die Fische waren längst verspeist, es hatte natürlich nicht für alle gereicht, doch keiner hatte auch nur in Erwähnung gezogen, den ‚Ziegenbock‘ zu verspeisen, hatten die beiden beinahe schon keine Lust mehr, zu übersetzen, und zu lehren, doch Soraya war längst im Begriff, Ränke zu schmieden. Sie prägte sich Wort für Wort die wichtigsten Wörter und Reden ein. Ihr Plan war, in kurzer Zeit möglichst viel aufzuschnappen, um sich mit diesem Jungen irgendwann, vielleicht, wenn alles schlief, im Vertrauen und ohne diese beiden Bastarde zu unterhalten. Irgendetwas war Besonders an ihm, das spürte sie, und das wollte sie herausfinden…

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Re: Wie die Welt ihr Ende fand

Beitrag von Duiliath » Sa, 01. Nov 2014 9:09

„Sie sagt, ihr Name ist Soraya. – Sie ist eine Elvoin. – Als wenn das nicht offensichtlich ist, du dumme Pute. Ihre Wege haben sie auf der Bernsteinstraße aus den Sümpfen geführt. Eigentlich will sie ja wieder zu Mami nach Hause, aber weil sie nun so freundliche Gesellschaft in uns gefunden hat...“ Duiliath hatte schon genug erlebt um recht schnell hinter die Absichten der Männer zu kommen. »Ihre Wege haben sie auf der Bernsteinstraße ... aus den Sümpfen geführt.« Oder auch: » weil sie nun so freundliche Gesellschaft in uns gefunden hat...« Die Männer waren dem jungen Dämon offen gestanden egal. Was konnten schon zerlumpte Menschen einem aus dem Erz dieser Welt geformten Halbdämon anhaben. Und die Frau, diese Elvoin, wie sie sich scheinbar nannte? Sie hatte ihn nicht viel anders behandelt, denn Andere Frauen, die abfällig vor ihm ausgespien hatten, ob dessen, was er war. Sollte sie selbst mit den Männern klar kommen, deren Absichten mehr als deutlich waren. Andererseits versuchte sie schon die ganze Zeit mit ihm ins Gespräch zu kommen. Irgend etwas wollte sie von ihm, irgend etwas hatte sie ihm zu sagen. Irgend etwas, das sie scheinbar dazu zwang seine, wie die Gesellschaft all der anderen Männer zu erdulden und das sie sich weder in seiner, noch in der Nähe der anderen sonderlich wohl fühlte – auch das schien ihm offensichtlich. Und so bezwang er seine eigene Abneigung und das langsam in ihm wachsende Bedürfnis nach Rückzug. Die Männer mit ihren Gelüsten nach Gewalt, Sexualität und schierer gegenstandsloser Grausamkeit, mit ihrer unerfüllten Gier und der Erkenntnis ihrer an sich doch hoffnungslos gescheiterten Existenz, sie überschwemmten ihn schier mit ihren Emotionen.

Neugier zwang Duiliath, nicht mit seiner dämonischen Natur hausieren zu gehen – was aller Wahrscheinlichkeit eine augenblickliche Eskalation oder aber Flucht bedingt hätte. Statt dessen log er, in der gleichen einschläfernd gelangweilt klingenden wie merklich unbeeindruckten Stimme wie schon zuvor, das seine Mutter kürzlich gestorben wäre und ihre Familie – Elfen – ihn darob verstoßen hätte und das er nun in den Norden aufgebrochen sei, seinen Vater – einen Drachenerben zu suchen, wobei er auf dem Weg wohl auch noch den kürzlich vom Himmel gefallenen Stern aufsuchen wolle, da er mal gehört habe, das die Sterne im Himmel in Wirklichkeit wunderschöne Prinzessinnen wären, die einem Jedem, der ihnen hülfe, einen Wunsch erfüllten. „Willst wohl dein Geweih loswerden, was? Mach dir keine falschen Hoffnungen, Jungchen. So verräterische Bastarde wie deinesgleichen erkennen wir auch ohne so verräterische Verkrüpplungen noch.“ Die Männer entspannten sich merklich, nun da sie wussten – oder besser gesagt: zu wissen glaubten – wo Duiliaths Abnormitäten her rührten. Die Elvoin reagierte gleichfalls in der erhofften Art, insofern der Übersetzer zumindest halbwegs bei der Wahrheit doch blieb. Gleich Soraya bemühte auch Duiliath sich darum einzelne Worte sich zu merken, irrigerweise davon ausgehen, dem Idiom jener Frau im Norden häufiger nun begegnen zu dürfen. Elvoin? Davon hatte er noch nie etwas gehört...

Nach Stunden schließlich, der Abend war heran gedämmert, der Braten war fertig und Duiliath hatte des weiteren von dem Menai berichtet, mit welchem er zuletzt gereist war und der ihm jene hübsch gravierte Steinplatte zum Abschied geschenkt habe. „Soll ein Teil seiner Lebensgeschichte sein und auch seiner Suche, wie er sich ausdrückte.“ log Duiliath – glaubte er in den vergangenen Stunden doch erahnt zu haben, was Sorayas Aufmerksamkeit weckte. So log er also einerseits die Männer an, wollte er doch nicht solche Schweine auf Siyyins Spur bringen, und log andererseits aber auch wieder an für Soraya offensichtlichen Stellen – etwa als er behauptete nur eine einzige der gravierten steinernen Platten erhalten zu haben. So mochte sie erahnen, das er ihr eher, als den Männern berichten mochte, was sie denn wissen wollte. Zwar wurde sein Übersetzer mit der Zeit immer misstrauischer, doch da der mit seinen Kumpanen eh schon einer Meinung war den verdammten Drachenerben nach dem Abendessen, spätestens aber bei deren Aufbruch morgen Früh, zu meucheln und so die Welt zumindest ein klein wenig sicherer zu machen, machte das eh nichts mehr aus. Was der Bastard freiwillig nicht verriet, mochten die Klingen der Banditen nach dem Essen aus ihm wohl auch noch herausgekitzelt kriegen. Was die Frau indes betraf, wussten die Männer – auch ohne sich untereinander absprechen zu müssen – bessere, spaßigere Methoden, sie zum Sprechen – oder sollte man besser schreien dazu sagen? – zu bekommen...
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