Eine lange Reise

Der gefährliche Nordwesten ist die trockene Heimat der Steppenreiter und der Elvoin, die in den Sümpfen des Nogorath leben. Die tödliche Eiswüste nördlich ist trotz allem Heimat von Menschen.
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Eleah
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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Eleah » Mi, 02. Jan 2019 10:55

Im Gegensatz zu Dubh bemerkte Eleah sehr wohl den plötzlichen Stimmungswandel der Orks. Ein ihnen eben noch gemächlich entgegen kommender Ork beschleunigte plötzlich seine Schritte und als hätte dieses Volk eine stumme Geheimsprache, huschte bald eine Bogenschützin an ihr und wenig später an Dubh vorbei, hinein in den Wald. Was hatte er nur zu Oriktk'aar gesagt, dass dieser das halbe Dorf aufscheuchte? "Dubh!", rief sie warnend, Unheil ahnend, doch er schien wie in Gedanken versunken und nicht einmal ihre Anwesenheit mitzubekommen. Eben als sie zu einem weiteren Ruf ansetzen wollte, bohrten sich schmerzhaft orkische Finger in ihre Schulter, unter deren Griff sie sich krümmte und die ihr einen Moment die Luft zum Atmen und Rufen nahm. "Schnauze!", raunzte die bekannte Orkfrau und sah sie bedrohlich an, bloß den Mund zu halten. Und sie hielt sie davon ab, Dubh in den Wald zu folgen und blieb die gesamte Zeit neben ihr, während Eleah von neuer Angst erfasst nur am Waldrand stehen und warten konnte, dass Dubh unversehrt zurück kehrte - ein weiteres Mal. Und gleiches hoffte sie in diesem Moment seltsamerweise auch für die Orks, denn sie war sich nicht sicher, von wem die größere Gefahr ausging - von dem bewaffneten Volk oder dem Raéyun. Die Orks um sie herum machten keine Anstalten, sie über die Situation aufzuklären und ihre Wächterin gab allenfalls das ihr nur allzu vertraute "Schnauze!" von sich, wenn Eleah sie neuerlich mit Fragen nervte.

Das Ganze schien sich Stunden hinzuziehen, doch Eleah dachte nicht daran, ihren Platz zu verlassen. Vielmehr schien sie jederzeit bereit dazu, in den Wald zu laufen und nach Verletzten zu sehen. Ihre Wächterin hingegen schien bald genervt von dem Durchhaltevermögen der Taurrin zu sein. Immer wieder trat sie von einem Bein auf das andere und schnaufte genervt. Doch darüber verspürte Eleah nur Genugtuung statt so etwas wie Mitleid. Doch irgendwann bahnten sich endlich die Kinder einen Weg aus dem Wald und schlussendlich auch Dubh. Die Orkfrau wollte sie zurückhalten, doch diesmal riss sich Eleah aus ihrem halbherzigen Griff und rannte auf Dubh zu, deren Liebesbekundungen sie ebenso stürmisch erwiderte. "Was hast du nur getan, Dummkopf?", fragte sie, doch es klang nur halb so vorwurfsvoll wie es sollte, schließlich war das Wichtigste, dass er unverletzt aus dem Wald heraus gekommen war.

Bis zum Abend kam seine Geschichte zumindest häppchenweise auch ihr zu Ohren, die sich manche auf Coreonisch widergaben. Dubhs Erzählung ließ sie nachdenklich werden und Sorge um ihren Mann kam auf. Sie fragte sich, ob sie sich Sorgen darüber machen musste, wie stark die Bären in dem Raéyun miteinander kämpften und welcher siegen würde. Sie hatten bisher so viel zusammen erlebt und ihr Zusammensein hatte ihnen inzwischen einiges abverlangt. Die glücklichen Stunden überwogen stark, aber sie hatten auch fürchterliche Momente durchlebt, die sie nur weiter zusammen geschweißt, aber eben auch verändert hatten. Sie musste zugeben, dass sie tatsächlich Angst um die Kinder im Wald gehabt hatte, als Dubh so zielstrebig zu ihnen gegangen war, ohne die restliche Umgebung auch nur annähernd wahrzunehmen. Dabei konnte sie sich nicht vorstellen, dass er Kindern etwas antun würde. Sonst würde sie sich doch selbst nicht vorstellen können, irgendwann einmal selbst mit ihm.. Eleah bemerkte die Hitze in ihren Wangen und versuchte ihre Gedanken umzulenken.

Sie war froh als sich der Tag endlich dem Ende zuneigte. Der letzte Abend in diesem Dorf, das sie morgen verlassen mussten. Einer von Gragoshs nahen Gefolgsmännern brachte ihnen sogar etwas zu Essen und Trinken als sie abseits des Festes alleine an einem der entzündeten Feuer saßen. Als Dubh seine Absichten vom vergangenen Nachmittag erklärte, beruhigte es Eleah etwas und sie lächelte sacht und wirkte dennoch nachdenklich, wie so oft in letzter Zeit. "Du hättest tatsächlich sterben können.. hättest du wirklich", sagte sie mit Nachdruck in der Stimme und die eisblauen Augen funkelten traurig und verräterisch im Feuerschein. "Wie du sagst.. was ist ein Leben ohne die Liebe wert?!" Ärger mischte sich dabei in ihre Stimme und sie war selbst überrascht über die Wut, die sich nun ihren Weg an die Oberfläche bahnte. Sie würde es Dubh nicht verzeihen, wenn er starb, nicht wegen solch einer Torheit. Sein guter Wille in Ehren, aber wenn sie zwischen den Gedanken der Orks, die sie nie wiedersehen würden, und dem Leben Dubhs entscheiden müsste, wüsste sie ganz klar, was sie getan hätte. "Du kannst nicht alle retten, Dubh." Die Tränen waren verschwunden so schnell wie sie zuvor aufgestiegen waren. "Aber du kannst an uns und unsere Zukunft denken und sie nicht immer so leichtfertig aufs Spiel setzen." Damit griff sie zu dem Becher und nahm einen großzügigen Schluck in Erwartung eines wärmenden Weines. Doch statt eines süßlichen Weins erwartete sie ein Savusk, der es in sich hatte. Das Getränk, das die Wilden Menschen, aber auch Orks aus der Aresker-Beere zubereiteten, war so bitter, dass man es kaum schlucken konnte und brannte so sehr in der Kehle, dass sie sich verschluckte und das übel schmeckende Zeug wieder ausspucken musste. Offenbar hatte man darauf gewartet, dass sie endlich trinken würden, denn die Orks, die weiter weg standen, brachen in schallendes Gelächter aus und amüsierten sich sichtlich auf ihre Kosten.

Am nächsten Morgen hatte Eleah immer noch das Gefühl, den Savusk auf ihrer Zunge zu schmecken. Das Frühstück fiel bescheiden und schnell aus, jeder wollte die Katzenelfe und den Raéyun so schnell wie möglich los werden. Selbst Oriktk'aar, den man wohl am ehesten als so etwas wie einen Freund des Paares bezeichnen konnte. Zum Abschied gab er ihnen eine nicht gut gezeichnete, aber gut gemeinte Karte, auf der er die ungefährlichsten und gleichsam passierbarsten Routen zu dieser Jahreszeit eingezeichnet hatte. Mit einigen weiteren Tipps war es ihnen möglich, die Wilden Lande unbeschadet zu durchqueren. So gequält Casper am Abend ihrer Ankunft im Dorf ausgesehen hatte, so ausgeruht wirkte er nun. Offenbar hatte ihm die Ruhe und auch das kräftige Pferdefutter der Orks gut getan. Man hatte sich jedoch nicht die Mühe gemacht, die Einrichtung ihres Wagens wieder in Ordnung zu bringen und offenbar empfand auch niemand dabei Bedauern, dass ihr Wagen immer noch so aussah, als wäre eine Horde Orks hindurchgefegt und hätte ohne Rücksicht auf Verluste ihre Habseligkeiten durchsucht. Eleah schluckte ihren Ärger darüber hinunter, denn sie war mehr als froh, dass Dubh und sie noch lebten und wollte das auf keinen Fall mit einer weiteren Auseinandersetzung riskieren. Nachdem Oriktk'aar ihnen die Karte gegeben hatte, verabschiedete er sich mit einem Nicken von den beiden und das war es dann. Kein weiterer Ork war gezielt gekommen, um sie zu verabschieden. Sie gingen nun wieder ihrem normalen Leben nach und verspürten vermutlich die gleiche Erleichterung wie Eleah, als sie dem Dorf endlich den Rücken zukehrten und weiter gen Westen zogen.

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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » So, 06. Jan 2019 15:02

"Du kannst nicht alle retten, Dubh. Aber du kannst an uns und unsere Zukunft denken und sie nicht immer so leichtfertig aufs Spiel setzen." Das erste Mal überhaupt gelang dem Raéyun ein Blick in der Katzenelfe Herz und augenblicklich wünschte er sich, es wäre ihm nicht gelungen, wünschte er sich in brennende Flammen, auf klirrendes Eis geworfen, überall hin, nur um dieser Pein zu entgehen. Eine einfache Emotion nur und doch… die ganze Reise über hatte er sich gemüht Eleah von allen Gefahren fern zu halten, hatte sich er sich doch kein leben mehr ohne sie vorstellen können. Wie es ihr indes ergehen würde, wäre er nicht mehr hier… er hatte nicht einen einzigen Augenblick auch nur daran gedacht, was… Ein leises Schmunzeln stahl sich auf auch seine Züge, als Eleah, den Branntwein offenbar mit Wein verwechselt habend, einen mehr als großzügigen Schluck aus ihrem Becher nahm, ihren verständlichen Ärger ob seiner Leichtsinnigkeit damit herunterzuspülen. Doch die ihm darauf in die Augen tretenden Tränen waren weniger ihrem empörten heftigen Rippenstoßes, ob seines Grinsens geschuldet, denn vielmehr noch den Nachwirkungen seines nur für einen Augenblick ihm gewährten Blickes in ihr Innerstes. Nachdenklich lag Dubh an diesem Abend noch wach, als Eleah schon längst in seinen Armen eingeschlafen war. Der Abschied am kommenden Morgen war ein kurzer und ein Blick in die Augen Oriktk'aars verriet dem Raéyun, das er am gestrigen Tage mit seiner Tat einen möglichen Freund verloren hatte, auch wenn der Ork des Raéyuns Beweggründe wohl verstand. Und als sie beide sich mit einem Lebewohl verabschiedeten, hatte das etwas endgültigeres, denn selbst eine solche Reise, wie Eleah und er vor sich hatten, rechtfertigte. Sie alle wünschten einander alles Gute auch wenn Dubh ob der gestrigen Erfahrung kaum mehr wagte Eleah in die Augen zu blicken, aus Furcht einen erneuten so unerträglich intensiven Blick in ihr Innerstes zu werfen, Eleah mochte es indes als betroffene Einsicht ob ihrer Worte deuten, so würde er doch die Hand dafür ins Feuer legen, das Eleah, wie sie anderen auch, diese Wünsche in vollster Aufrichtigkeit äußerte. Hier gingen zwei Parteien in Frieden, aber nicht in Freundschaft, auseinander. Und wenn Dubh offen mit sich ins Gericht ging: Als Raéyun einer ihm zumindest in Teilen feindselig gesonnenen Gruppe entgegenzutreten um mit seiner Gabe deren Kinder seinem Willen zu unterwerfen… Nein, er ließ keinen weiteren Feind hinter sich, hatte zugleich aber auch eine mögliche weitere Freundschaft auf immerdar verraten.

Eleah, Casper Luzifer und Dubh brachen so gen Westen auf, doch zeigte sich Dubh die ersten Tage ausgesprochen nachdenklich und schweigsam und erst als Eleah ihm am dritten Tag ihrer Reise nicht länger abkaufte, das er aus reiner Betroffenheit ob ihrer Worte am Lagerfeuer ihren Blick mied und dermaßen insichgekehrt schien, obgleich er ihr immer noch jeden Wunsch von den Lippen abzulesen schien und ihn zornig anfuhr sie anzusehen wenn sie mit ihm redete, sie Kinn zu sich anhob und den augenblicklichen Schrecken in seinen Augen erblickte, mochte sie erahnen, was ihn so ängstigte und als Dubh ihr gestand, wie sehr ihn der kurze und überraschende Blick in ihr Herz geschmerzt hatte, als sie ihn ohne Worte vor die Frage gestellt hatte, wie sie sich wohl fühlen würde, wenn er nicht mehr wäre. Die schier unerträgliche Intensität dieses kurzen Einblicks in Eleahs Herz, hätte ihn innerlich beinahe verbrannt, zerrissen, sein Sein ausgelöscht. Doch was auch immer es war, es hatte sich nicht wiederholt und nach weiteren drei Tagen, sie waren gerade in einem, von einem hohen Wehrzaun umgebenen Hof wilder Menschen untergekommen, die laut Oriktk'aars Karte raue Gesellen, aber gastfreundlich und vertrauenswürdig doch auch waren. Eines der Kinder des Hofes, nachdem es für den Diebstahl eines Glases eingeweckter Äpfel ordentlich übers Knie gelegt worden war, fragte Dubh frech ob die Kriegerbarden ihre Kinder auch so barbarisch verprügelten, oder ob sie vielleicht einfach nur mit ihrer Bardenmagie dafür sorgten, das ihre Kinder entweder keine Äpfel stählen, oder sich ansonsten zumindest nicht dabei derlei Diebereien erwischen ließen. Sich dabei lachend einen weiteren der eingeweckten Äpfel aus dem stibitzten Glas klaubend, war das kleine um die Ecke des Hauses geflitzt und hatte damit aber einen Verdacht in dem Raéyun erweckt. „Warum so nachdenklich?“ fragte Eleah, von der anderen Seite des Hauses ums Eck kommend? Dubh grinste, sie nun wieder direkt anblicken könnend, an und erwiderte frech grinsend: „Ein kleiner Apfeldieb hat mir nur grad erklärt, wie wir Raéyun unsereinen erziehen.“ Der alte Meistersinger hatte wohl mehr gemacht, als Eleah und ihm nur seinen Segen mitzugeben und Dubh war sich noch nicht sicher, ob er darüber lachen oder weinen sollte. Er würde Eleah wohl nie wissentlich schaden können. Aber was, wenn auf ihrer weiteren Reise in einer Situation höchster Not, Dubh versehentlich oder unvermeitlich in Gefahr brächte und nichts als ein klarer Geist sie beide noch retten vermochte, derweil eine Eleah gegenüber wohl gutgemeinte „Sicherung“ Radagarns ihn in Höllenpein stürzend davon abhielt ihr und sich das Leben noch zu retten. Eleah meinte, das der alte Meistersinger vermutlich gewusst hatte was er tat und schien es fast zufrieden, das Dubh – ob nun aus eigenem Antrieb oder eben aber fremdbestimmt, vor weiteren Dummheiten nun zukünftig wohl zweimal drüber nachdenken dürfte.

Drei Tage später, sie hatten einen Teil ihrer für den Handel bestimmten Vorräte und Informationen über den Weg hinter ihnen gegen andere Vorräte, notdürftigste Reparaturen der von den Orks an Ihrem Wagen verursachten Schäden und einiger weiterer Informationen bezüglich des noch vor ihnen liegenden Weges eingetauscht und Dubh musste unumwunden zugeben, das Eleah die zweifelsfrei geschicktere Händlerin von ihnen beiden war und wohl mehr beim Tagesgeschäft im Gasthaus ihres Vaters gelernt hatte, als selbst ihr gewahr schien. Mit dem Versprechen Dubhs und Eleahs, allen ihnen zukünftig begegnenden, wie vertrauenswürdig scheinenden, Händler gerne diesen Hof als Rast- und Handelsstation anzuempfehlen und dem Versprechen der wilden Menschen, die Briefe Dubhs und Eleahs im Gegenzug den nächsten vertrauenswürdig scheinenden Reisenden gen Mérindar vice versa mitzugeben, trennte man sich schließlich wieder. Keine Woche später zeigten sich die hohen Gipfel der Ausläufer des fernen Zuhandal-Gebirges direkt im Süden und verkündete damit unzweifelhaft, das sie die wilden Lande nun endgültig hinter sich gelassen hatten. Hügelliges Grasland ging bald in die ebene Steppenlandschaft und mit dem nun ungehindert über das Land wehenden Winden kam indes aber auch der erste Schnee von der im hohen Norden zu erahnenden Mauer der Drachen zu ihnen hinab. In einer Senke lagernd, hatte Eleah einige Sträucher entdeckte, die ins Futter gemischt Casper die nun raueren Temperaturen besser zu überstehen helfen sollten. Doch mit dem nun hinter ihnen liegenden Hügelland, hatten sie nun nicht nur keine Karten und Warnungen von den Orks oder auch den wilden Leuten, sondern mit den Hügeln im Osten ließen sie nicht nur – wie Eleah ein wenig schwermütig feststellte – die ihr noch vertraute Pflanzenwelt langsam aber sicher hinter sich, sondern – wie Dubh eines Abends am Lagerfeuer lapidar erklärt hatte –die ihnen vertrauten Sprachfamilien. Denn wenn Eleah nicht das Idiom der Steppenvölker beherrschte, würden sie ihre nächste Gespräche womöglich mit Händen und Füßen nurmehr führen können. „Und zwischen hier und den Tundrawäldern nördlich Nii Talútas und der Staubseen sind wir dem winterlichem Nordwind schutzlos ausgeliefert. Ich erinnere mich“, hatte Dubh nachdenklich die vorhandenen Karten eine nach der Anderen ratlos prüfend, geäußert, „Eines Dorfes namens Tar, nein Tham… ja, Thamyrs. Ich weiß allerdings nicht mehr, ob das auf unserem Weg liegt, oder doch weiter im Süden. Dieses Dorf aber wird das ganze Jahr über bewohnt. Was meinst du? Sollten wir, das wäre wohl das Weiseste, den Winter dort oder sonstwo in Sicherheit verbringen um im Frühjahr dann weiterzureisen? Oder…?“ Hierzu sagte Dubh nichts mehr, doch sein Blick verriet, das eine Querung der Steppe ohne ortskundige Begleiter alles andere denn ungefährlich wohl war. „Andererseits sind die Böden zwischen Norr Bharrak und hier, insbesondere zwischen dem nördlichen Zufluss zum Nii Talútas und den Staubseen im Winter gefroren und gut befahrbar, wohingegen im Sommer…“

Wie sie es auch drehten und wendeten, es würde Schwernisse bedeuten, früher oder eben aber später.
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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Eleah » Di, 08. Dez 2020 8:42

Offenbar hatten ihre Worte ihre Wirkung nicht verfehlt. Das schloss Eleah jedenfalls aus Dubhs Verhalten in den nächsten Tagen ihrer Weiterreise. Auch wenn gefühlt eine große Last von ihr gefallen war, sobald sie das Orkdorf verlassen hatten, hing eine ungewohnt schweigsame und daher seltsame Stimmung in der Luft. Doch trotz dieser war Eleah froh darüber, offensichtlich den richtigen Nerv bei ihrem Mann getroffen zu haben und sie genoss die erste Zeit auch ein wenig, in der sie sah, wie er über ihre Worte nachdachte und sie sich zu Herzen nahm. Denn genau das hatte sie ja bezwecken wollen. Es gab kaum einen grausameren Gedanken für sie, als den, Dubh wegen seines falschen Stolzes zu überleben.

Doch irgendwann, fand sie, war es auch genug, denn schon bald vermisste sie die Unbefangenheit zwischen ihnen, weshalb sie ihn zur Rede stellte. Nicht nur der Schrecken in seinen Augen, sondern auch die Tatsache, dass er einen Blick in ihr Herz hatte werfen können, überraschte sie, war ihm dies bis jetzt in all der Zeit ihres Zusammenseins doch noch nie möglich gewesen, worüber sie immer ziemlich froh gewesen war. Sie hatte ohne Scheu in die goldenen Augen blicken können. Sie hatte nichts vor ihrem Göttergatten zu verbergen und doch war es etwas beunruhigend zu wissen, dass er in ihre Seele blicken könnte und dort etwas sah, dessen sie sich selbst nicht bewusst war.

Der Weg nach Thamyr war weit. Die Umgebung änderte sich mit jedem Tag ihrer Reise. Und damit kehrte eine Ruhe ein, die Eleah schon lange nicht mehr verspürt hatte. Ein ums andere Mal lief die Katzenelfe voraus oder hinter dem Wagen, oder suchte einen Platz etwas abseits von ihrem Lager. Es mochte ungewohnt auf Dubh wirken, dass auch Eleah nach etwas Ruhe in der weiten Ebene suchte, doch es hatte nichts Beunruhigendes zu bedeuten. Sie liebte den Trubel in der Stadt, aber eben auch die Ruhe der Natur um sich herum und die damit verbundene Einsamkeit. Und Trubel lag bei weitem genug hinter ihnen. Sie dachte viel darüber nach, wie ihr Leben in den letzten Monaten verlaufen war, an ihre erste Begegnung mit dem Raéyun und wie schnell alles seinen Lauf genommen hatte. Sie war fest in Fadrun verwurzelt gewesen, doch seit ihrem Aufeinandertreffen war alles aus den Fugen geraten. Noch niemals zuvor hatte sie in so kurzer Zeit so intensive Gefühle für jemanden entwickelt. Es war fast beängstigend, da es zu schön war, um wahr zu sein. Seit sie Dubh getroffen hatte, hatten sich die Ereignisse überschlagen und sie enger zusammen geschweißt, als sie es sowieso schon von Beginn an waren. Noch immer konnte sie nicht glauben, dass sie mit einem Raéyun durch die Welt zog und hätte es ihr jemand vor einem halben Jahr vorhergesagt, hätte sie nur ungläubig gelacht.

In den folgenden Wochen hatten sie wahrlich genug Zeit, um jeder für sich nachzudenken und miteinander zu reden. Eleah genoss seine Gesellschaft und die Reise. Irgendwann begann sie ihm eine Geschichte zu erzählen, die ihr Aravarn in der Vergangenheit oft hatte erzählen müssen. Sie handelte von Kalani, eine Kentauri und Wyrard, ein Werwolf. Zwei Gefährten, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich zusammen durch die verschiedensten Abenteuer kämpften. In der Goldenen Brücke begannen viele Leute diese Geschichte zu erzählen und ein jeder war dazu angehalten, sie mit den eigenen Abenteuern zu erweitern. Die Geschichte endete so immer ganz unterschiedlich oder ihr Ende blieb gar offen.
So taten es auch Dubh und Eleah, sie erweiterten die Geschichte und knüpften immer wieder dort an, wenn ihnen auf ihrer eigenen Reise ein weiteres Abenteuer für Kalani und Wyrard einfiel.

Je mehr Zeit verstrich, desto kälter wurde es. Eleah war nicht sehr kälteempfindlich, aber auch für sie wurde die Luft zunehmend feuchter und der Wind eisiger. Der Winter nahte deutlich und es war abzusehen, dass sie nicht rechtzeitig in Thamyr ankommen würden. Wahrscheinlicher war es, dass sie bis dahin erfroren in ihrem Wagen liegen würden. Wie es der Zufall wollte, trafen sie nur wenige Tage nach dieser Erkenntnis auf eine Gruppe von mehreren Familien, die durch die Lande zogen und aufgrund der kalten Jahreszeit ihr Lager in einer Talsenke errichtet hatten, die ganz in der Nähe der Taurrin und des Raéyun lag, um dort mit ihresgleichen und ihren Herden zu überwintern. Eleah und Dubh hinterließen wie so oft einen merkwürdigen ersten Eindruck. Sie mit den Haaren in der Farbe des sich ankündigenden Schnees und sonst eher farbigen Stoffen, schien ihr Begleiter das genaue Gegenteil zu sein, schwarz das Haar und Gewand, welche die Haut noch blasser wirken ließen. Dazu kamen die ungewöhnlichen verdunkelten Gläser, die wie so oft neugierige Blicke auf sich zogen. Doch das umherziehende Volk war sehr gastfreundlich und nahm die beiden freundlich bei sich auf. Ihre Gruppe bestand aus Menschen, die durch das Leben unter der Sonne gezeichnet waren und die ihre Fröhlichkeit trotz der widrigen Umstände zu dieser Jahreszeit bewahrt hatten. Sie lebten unter einfachsten Verhältnissen und waren dankbar für das, was die Natur ihnen zur Verfügung stellte. Ohne groß zu überlegen, nahmen sie die beiden Reisenden und ihre tierischen Begleiter bei sich auf. Nach ihrem unfreiwilligem Besuch bei den Orks war diese Gesellschaft viel mehr nach Eleahs Geschmack und sie war gleichsam erstaunt und froh, als ihnen die Menschen nach nur wenigen Tagen anboten, den nahenden Winter mit ihnen gemeinsam in ihrem Lager zu verbringen.

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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Mi, 16. Dez 2020 19:03

Es brauchte lange, wieder entspannt in Eleahs Augen blicken zu können, doch als sich das Fenster zu ihrer Seele sich ihm nicht erneut auf solch beängstigende Weise öffnete, da entspannte sich der Kriegerbarde wieder und als Eleah dann auch noch begann, ihm ihre Geschichten von Kalani und Wyrard zu erzählen, da war es dann wieder einmal um ihn geschehen, waren die Ängste vergessen und die Tage erneut voller Freude und Sonnenschein. Und das Eleah aber auch noch immer einmal voraus eilte oder zurück fiel ohne das es gezwungen wirkte, als wolle Sie ihm irgend einen Freiraum lassen, sondern sie vielmehr sich diese Zeiten um ihrer Willen gönnte, mochte mit dazu beitragen, das sich Dubh seinerseits dafür in den Zeiten, da sie beisammen waren, daran umso mehr nur erfreute. Doch mit jeder zurückgelegten Meile kroch die Kälte ihnen tiefer in die Glieder, wurde es klarer, dass sie das anvisierte Dorf nicht würden rechtzeitig vor Wintereinbruch würden erreichen können. Als sie darum bald nach dieser Erkenntnis auf Menschen trafen, die sie freundlich bei sich aufnahmen, Dubh verstand ihre Sprache nicht, doch die Meisten von ihnen dafür doch recht gut das Coreonische Idiom.

Die ersten zwei Tage, war Dubh mit den Jägern unterwegs, brachte aber – außer reichlich Brennholz für den bevorstehenden Winter aus einem nahen, vereinzelt in der Ebene stehenden kleinen Hain – zurück. Am dritten Tage aber, waren Sie einen südwärts ziehenden Herde wilder Rentiere begegnet. „Das bedeutet einen schneereichen Winter.“ hatte einer der Jäger gemutmaßt, diese Tiere so fern der Drachenmauer schon so früh zu erblicken, aber dann grinsend weiter eines der Tiere in handlichere Teile zerlegt, dass die Jäger und mit Ihnen der Sqeulaiche diese halbwegs würden schultern und somit zum lager also zurück schaffen können. Und die Worte des Jägers sollten sich bewahrheiten. Nachdem die Jäger die fünf erlegten Rentiere erfolgreich zurück zum Lager geschafft und sich dann zur Ruhe gelegt hatte, wurden diese, von der Jagd (und dem anschließenden Trinkgelage, das Jagdglück entsprechend zu begießen) erschöpft gewesen seiend, am nächsten Morgen von lautem Kindergeschrei geweckt, das manch einer der Jäger, spärlichst bekleidet aber mit Speer oder Bogen bewaffnet aus einem der großen Rundzelte gestürmt war, sicher einen Überfall oder Schlimmeres noch vereiteln zu müssen, nur in eine regelrechte Wand aus frisch gefallenem Schnee zu rennen.

Die Kinder johlten nur ob der sie mit dem Morgen begrüßt habenden verzaubert wirkenden Winterlandschaft – und umso mehr, als die vermeintlichen Verteidiger der Gemeinschaft sich prustend aus den Schneewehen wieder frei kämpften. Doch zum Mittag war der Schnee im Lager bereits soweit herunter getreten, dass man sich frei zwischen den Zelten, der Pferdekoppel und dem Wagen von Eleah und Dubh bewegen konnte und selbst einige weitere Wege, wie etwa zu den Latrinen durch Pfade niedergetrampelten Schnees nun zugänglich waren. Es war ein beinahe milder Tag, beinahe als dränge der Schnee die zuvor schneidend gewesen seiende Kälte ein wenig zurück und wären ein Teil des Lagers noch immer mit der Verarbeitung und Haltbarmachung des Rentierfleisches beschäftigt waren, half Dubh den Kindern dabei ein kleines rundes Schneehaus zu bauen und allen erklären, das die Menschen der nördlichen Eiswüste in solchen (natürlich sehr viel professioneller errichteten) Schneehäusern lebten. Der Winter war gekommen und es gab nichts weiter zu tun, als ihn auszusitzen. Doch hatten sie alle genug Brennmaterial um sich warm und Nahrung um sich satt zu halten und Gesellschaft, sich die Zeit zu vertreiben.

Erst als es Abend geworden war und alle sich in ihre Zelte (oder in Eleahs und seinem Fall, den Wagen) zurückzogen, sah Dubh die Katzenelfe wieder, die er mit einem erfreuten „Kleiner Geist!“ lachend umfing und einmal, noch vor dem Wagen ihr begegnet seiend, im Kreis umher wirbelte. „Du siehst gut aus, Eleah, erzähl, wie war dein Tag denn so?“
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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Eleah » Mo, 28. Dez 2020 22:38

Als sie aufwachte, war Dubh schon nicht mehr in ihrem Wagen. Verschlafen öffnete sie die Tür und der Wind ließ für einen Moment die weißen Strähnen tanzen. Sie blinzelte geblendet und blickte überrascht über den Schnee, der sich auf das Lager gelegt hatte. Auch wenn das Weiß zuerst in den Katzenaugen schmerzte, strahlte das Gesicht der Taurrin sogleich. Der Winter hatte einfach seine eigene Schönheit und der Schnee ließ die Welt so friedlich erscheinen und täuschte über das Unheil darauf hinweg. Mit einem dumpfen Knall zerschellte ein Schneeball am Türrahmen, gefährlich nah neben ihrem Gesicht. Schadenfrohes Kinderlachen ertönte und Eleah musste nicht lange nach dem frechen Übeltäter Ausschau halten. Sie ließ sich nicht zweimal bitten und lieferte sich eine kurze Schneeballschlacht mit den Kindern, ehe der Neuschnee auch schon bald in den Fingern verrann.

Draußen war es merklich kühler geworden und so war sie froh über das stärkende Frühstück und den warmen Tee, den ihr einer der Mütter der tobenden Kinder in ihrer Jurte anbot. Wieder wurde klar, wie offen der kleine Stamm war. Sie nahmen sie ohne Scheu bei sich auf, erzählten von ihrem Leben und ließen die Taurrin ungefragt daran teilhaben. Doch bevor Eleah auf die Idee kam, sich hier die Zeit zu verplaudern, trat langsam Geschäftigkeit ein. Am nächsten Abend sollte ein Fest gefeiert werden. Das Jahr neigte sich dem Ende zu und das neue wurde schon freudig erwartet. Der Winter sollte bald enden, die Tage würden wieder länger und wärmer werden und das wandernde Volk konnte dann weiterziehen. Mit dem Fest sollte nicht nur das alte Jahr, das hinter ihnen lag, gefeiert werden, sondern auch das kommende Jahr gepriesen werden, auf dass es gut verlaufen würde. Die Männer waren bereits auf der Jagd gewesen und die Frauen bereiteten schon das Festessen vor. Es wurden kleine Brote und Küchlein gebacken und Eintöpfe vorbereitet, die mit dem Rentierfleisch verfeinert wurden. Dazu kamen allerlei kleinere Leckereien, die hoffentlich noch bis morgen halten und bis dahin nicht den naschenden Kindern zum Opfer fallen würden.

Die gelassene und fröhliche Stimmung, mit der alle emsig das Fest vorbereiteten, sorgte auch bei Eleah für wachsende Vorfreude. Bereits an diesem Abend leuchtete nicht nur ein Feuer in der Mitte des Lagers, sondern es brannten auch einzelne Kerzen und Lichter vor den Jurten und funkelten mit den Sternen über ihnen um die Wette. Der Tag war schnell vergangen, Eleah hatte den Frauen tatkräftig geholfen. Kichernd wirbelte sie in Dubhs Armen herum und genoss seine warme Umarmung in der kalten Abendluft. Sie hatte viel zu erzählen und bald mochte Dubh es bereuen, sie nach ihrem Tag gefragt zu haben, über den sie ausführlich berichtete.

An diesem Abend schlief sie vor Müdigkeit fast augenblicklich ein, als sie an Dubh gekuschelt in ihrem warmen Bett lag. Der nächste Tag war geprägt von den restlichen Vorbereitungen für das abendliche Fest. Es war nicht mehr allzu viel zu tun und so lag eine entsprechende Ruhe über dem Lager. Heute ließen es alle langsam angehen und genossen einfach den Tag mit ihren Familien. Am Abend wurden erneut die Lichter entzündet, in denen sich die strahlenden Kinderaugen spiegelten. Der Vollmond strahlte hell am Himmel. Als sich alle am großen Lagerfeuer in der Mitte der Jurten versammelt und es sich gemütlich gemacht hatten, begann es weiße Flocken vom Himmel zu rieseln. Eleah schmiegte sich an Dubh und blickte dem regen Treiben zu. Trommeln wurden erst leise und dann immer lauter geschlagen, und Lieder gesungen in einer Sprache, die Eleah noch nie gehört hatte. Die Kinder tobten um das Feuer herum, das knisterte und Funken warf, wenn die Kleinen nasse Zweige hinein schmissen. Die Taurrin lächelte versonnen und befühlte kurz die Innentasche ihres Mantels, um sich zu vergewissern, dass das kleine Päckchen noch darin lag. Bald würden sie sich die Geschenke überreichen, wie es für diese Leute Brauch war. Ein Geschenk, und wenn es nur ein kleines war, um ihre Wertschätzung auszudrücken oder seinen Kindern eine Freude zu bereiten. Eleah hatte sich viel Mühe mit dem Armband gegeben, das sie Dubh schenken wollte. In der Mitte zwischen zwei schmalen Ringen aus Holz befand sich eine helle Perle. Die restlichen Perlen, die sie auf das Band gefädelt hatte, bestanden aus Horn. Jedoch musste sie zugeben, dass sie sie nicht selbst geschnitzt hatte. Schnell hatte sie nämlich feststellen müssen, dass sie dafür kein Talent besaß. Und so hatte sie in den letzten Tagen vielen Menschen mit ihrem Wissen über die Behandlung verschiedenster körperlicher Beschwerden und Krankheiten geholfen und so ihr Wissen gewissermaßen gegen die Einzelteile eingetauscht, die sie für das Armband benötigte.

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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Di, 29. Dez 2020 18:24

Dubh konnte mitnichten genug von Eleah hören, weswegen er mitnichten bereute seine Frage gestellt zu haben, sondern vielmehr alles ganz genau wissen wollte – von dem Schneeball, der sie am Morgen beinahe endgültig geweckt hätte und der anschließenden Schlacht, dem, die Kälte der Balgereien vertrieben habenden Tee, die Geschichten vom bald enden sollenden Winter, „Wunschdenken, Eleah, die Nächte werden nur zwar langsam wieder kürzer, aber die Kälte ist erst noch im Kommen begriffen, glaub es mir!“, die Planungen der Familien, wie es denn bald weitergehen sollte, auch wer mit wem und überhaupt alles… Vielfach war es dem Raéyun nur möglich, das Idyll der Anderen von außen zu betrachten, da bei zu viel Vertrautheit stets auch die Gefahr bestand seine Natur den Anderen gegenüber zu enttarnen und aus vormals liebenswürdigen Menschen… Doch hier, durch Eleah diese Einblicke in die Leben der Anderen zu erlangen… Als Eleah schon lange eingeschlafen war und er nicht wagte sich zu bewegen oder den Arm unter ihrem Körper fortzuziehen, lag er nachdenklich, aber seltsam mit sich und der Welt im Reinen, im warmen Inneren des Wagens, dessen in einer Ecke bullernde Ofen, die eisige Kälte der Nacht draußen hielt. Nur an einer Stelle hatte Eleah plötzlich zu Reden inne gehalten und plötzlich das Thema gewechselt – und zwar, als das Gespräch auf die anstehende Jahreswendtfeier zu ruhen kam und – unausgesprochen zwischen ihnen beiden – die Gewohnheit einander an diesen Tagen gegenseitig zu beschenken. Einem der letzten Briefe hatte zweiter Umschlag beigelegen, mit der Aufforderung, diesen dem Speulaiche nur in Abwesenheit der Katzenelfe zu übergeben. Ein überaus kunstvoll, wie realitätsnah gemaltes Ölgemälde von Aravarn und Tamika, sowie zwischen ihnen, von beiden liebevoll umfasst, Eleah. In dem Schreiben wurde Dubh gebeten, es Eleah zu ihrem Geburtstag doch zu schenken, damit sie wisse, das ihre Eltern sie vermissten und trotz der Entfernung noch so sehr liebten, wie seit ehedem.

Aber wäre es nicht besser, dich das jetzt schon wissen zu lassen, nicht das daran der leiseste Zweifel bestehen könnte, und es jetzt schon, dort neben dem Fenster vielleicht, aufzuhängen, das du es jeden Tag sehen und erkennen kannst? Ja, Dubh wollte nicht bis zu Eleahs Geburtstag warten, insbesondere da die Nomaden hier jetzt schon vor Neugierde schier platzten, ob der Frage, wie das Leben jenseits der an der Zuhandal-Kette endenden Steppe war, wo die Menschen ganzjährig und ohne je die Weidegründe zu wechseln in steinernen Zelten leben sollten. Eleah, hatte Dubh den Eindruck, hatte irgendetwas geplant – so wie sie vorhin das Thema gewechselt hatte. Was also, wenn er… Ja, mach es einfach! Sanft zog er den Arm unter Eleah hervor, die darob leise murmelnd dich zu ihm umwandte und das von seinem eben noch darauf geruht habenden Haupt warme Kissen umfasste und an sich zog. Schnurrend sprang Luzifer von irgendwoher aus dem Dunkel heran, die frei gewordene warme Kuhle für sich zu beanspruchen und bald zufrieden schnurrend neben Eleahs schlafendem Haupt sich zusammenzurollen. Die Männer, dass wusste Dubh gewiss, waren noch wach, musste doch eines der Rentiere, als Ganzes in einen ausgehobenen Erdofen gelegt, dort über viele lange Stunden langsam zu garen, schließlich doch bewacht werden.

Wieder murmelte Eleah leise, als Dubh, wieder angekleidet und wider die Kälte draußen entsprechend gewappnet, die Türe rasch öffnete, hindurch schlüpfte und hinter sich wieder verschloss. Er wartete noch einige Momente, doch da er nichts hörte, nahm er an, das Eleah nicht erwacht war und stapfte darum – immer der Nase nach, zu jenem großen Erdofen, in der Mitte des gemeinsamen Lagers. „Kark, Jeshka?“ – „Dubh, bist du das? Und was sollen diese Augengläser? Blendet dich der Mond wirklich so sehr?“ Dubh stimmte in das Lachen ein, antwortete aber nicht, sondern wedelte nur mit dem hervorgeklaubten Umschlag. „Hier, ihr sagtet doch, ihr wolltet mir dabei helfen, einen Rahmen für das Bild hier aus Holz und Horn zu fertigen?“ Es war Dubh wichtig, den Rahmen selbst zu fertigen, auch wenn er offensichtlich kein Geschick dafür hatte und in den folgenden Stunden noch viel Spott, von seinen Helfern erntete, die ihn aber wenigstens soweit anzuleiten vermochten, dass das Gebilde, der reinen Funktion nach, als Rahmen taugen würde. Um Eleah keine Möglichkeit zu bieten, es vorab zu finden gab er es Eka, der Frau Jeshkas mit, die am Feuer bei ihrem Mann saß, nun da deren Kinder endlich Ruhe gegeben hatten und eingeschlafen waren.

Müde sich draußen den Schnee von den Füßen klopfend würde er, wenn Eleah noch immer schlief, die kalten Sachen drinnen anschließend abstreifen, kurz am Ofen aufwärmen und eventuell ein oder zwei Scheite nachlegen und danach dann wieder zu ihr unter die warme Decke schlüpfen wollen. Und sie würde nichts wissen, von dem wundervollen Bild in dem, nun ja … mit viel, äh – Liebe… selbstgefertigten Rahmen. „Da der Rahmen das Bild nur hält und es nicht mit Knochenleim daran befestigt ist, könnt ihr ja zum Glück jederzeit das windschiefe Etwas gegen einen echten Rahmen auch tauschen? Torek ist ein wahrer Meister im Knochenschnitzen!“ hatten die Männer auch zuletzt noch freundlich über Dubhs Schnitzversuche gelacht, aber… „Es soll etwas eigenes sein, etwas von mir!“ hatte Dubh erwidert und damit jedes weitere Lachen im Keim erstickt, wussten doch alle dort, wovon er sprach!
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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Eleah » Mo, 22. Mär 2021 14:37

Ahnungslos über das zu erwartende Geschenk saß Eleah an Dubhs Seite und beobachtete die Tanzenden, die sich fröhlich zu den Klängen der Trommeln bewegten. Versonnen lächelte sie, genoss die Gesellschaft der hier versammelten Menschen, nicht nur Dubhs Gesellschaft, sondern vor allem die der gastfreundlichen Familien, die sie so herzlich und selbstverständlich in ihrer Mitte aufgenommen hatten.

Plötzlich wurde es still. Eine der Frauen hielt eine kleine Ansprache, in der sie der Natur im Namen aller für ihre Gaben im letzten Jahr sowie für die Gesundheit ihresgleichen dankte. Aber sie beklagte auch die schweren Stunden, den Verlust von geliebten Menschen, aber auch von treuen Tieren, die sie zu erleiden hatten. Dann war es an der Zeit die Geschenke zu überreichen.

Eleah hatte nur Augen für Dubh, dem sie zuerst ihr kleines Päckchen gab. Sie schaute ihm erwartungsvoll beim Auspacken zu, damit ihr auch keine seiner Reaktionen entging, und bekam daher selbst auch nur am Rande mit, dass sich Eka ihnen näherte und etwas neben dem Barden ablegte. Erst als Dubh ihr im Anschluss sein Geschenk überreichte, wurde ihr klar, dass er einen Teil der anderen eingeweiht hatte. Ihre Neugierde war umso größer, als sie sein Geschenk auspackte. Als sie das Papier zur Seite schlug und ihre Augen auf Tamika und Aravarn fielen, schossen ihr unweigerlich Tränen in die Augen. Ihr Herz zog sich bei dem Anblick ihrer Eltern zusammen. Wie lang war es her, dass sie von ihnen Abschied genommen hatte? Wieviel hatten sie seitdem erlebt? Wie viele Kilometer waren sie schon durch die Nordreiche gereist? Sie blinzelte ein paar Mal durch den Tränenschleier und hatte sich fast so schnell gefangen, wie das Heimweh über sie herein gebrochen war. Als sie endlich aufblickte, offenbar zu sprachlos um zu reagieren, und sich endlich Dubh zuwandte, war da nur noch das Feuer, das sich in ihren Augen spiegelte. Ihre Hände umklammerten das schief gerahmte Bild als würden sie es nie wieder loslassen wollen. "Danke Dubh", sprach sie mit trockener Kehle, um ihn anschließend zu umarmen.

In dieser Nacht überkamen sie zum ersten Mal Zweifel an ihrer Reise. Das Heimweh war es gewesen, das sie mit Dubh gen Norden hatte ziehen lassen. Und nun ließ das Heimweh sie an all dem zweifeln. Sie vermisste ihre Mutter und genauso vermisste sie Aravarn. Auch wenn es schmerzte, so weit weg von ihnen zu sein, musste sie alles über ihren leiblichen Vater erfahren. Sie lag noch lange grübelnd wach, ehe ihr endlich die Augen vor Müdigkeit zufielen.

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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Mi, 31. Mär 2021 20:31

Dubh hätte die kurz in ihren Augen geschimmert habenden Tränen leicht als bloßen Ausdruck der Freude abtun können, doch war auch er in der Nacht nach dem Fest noch lange wach geblieben, wenn auch nicht so lange wie Eleah, die zu ruhig neben ihm lag und zu ebenmäßig atmete, um tatsächlich zu schlafen. Und auch am Tag darauf, selbst ohne seine Gabe als Kriegerbarde, die auf Eleah ja seltsamerweise nicht ansprach, glaubte er in ihrer fortdauernden Nachdenklichkeit ein plötzliches Heimweh als Ursache erkannt zu haben, welches er ihr aber nicht nehmen konnte, während er sie zugleich aber auch nicht dazu bringen konnte, umzukehren und die Reise bis in den fernen Norden nicht doch noch bleiben zu lassen. Denn auch ohne die Drohung des Meisterbarden Radagarn, was ihn erwartete, wenn er jemals einer oder eines Anderen Glück an oberste Position stellte: Sollte Eleah etwas passieren, würde er es sich wohl selbst niemals verzeihen, ihr Leid bereitet zu haben und doch hatte sein Geschenk offenbar genau das bewirkt. Umkehren und das Schicksal ihres leiblichen Vaters niemals zu ergründen, war ihr keine Option und doch schmerzte es ihn beinahe noch mehr, sie das Bild von Tamika und Aravarn betrachten zu sehen und wie sie – möglicherweise nicht einmal von ihr selbst bemerkt – dabei stets die Schultern zusammenzog und ihre Arme vor der Brust verschränkte, ganz so, als friere sie.

„Eine Geschichte, ja – eine Geschichte, Squlaiche!“ Es war der dritte Abend nach dem Fest gewesen, als Dubh mit den anderen um das Feuer saß und gedankenverloren das neue Armband um seine Linke umfasste. Du kannst sie nicht zur Umkehr bewegen, du kannst ihr das Heimweh nicht nehmen. Aber du kannst ihr zeigen, dass sie für dich, die Heimat bedeutet und du ihr im Gegenzug auch Heimat sein könntest. Das fahrende Volk der Raéyun war nie sesshaft gewesen; immer und immer wieder fortgetrieben, von jenen, die sie nicht verstanden, hatten sie gelernt, hatten sie lernen « m ü s s e n » , einander gegenseitig Heimat zu sein, weil es sonst nichts und niemanden gab, wo sie jemals willkommen geheißen wären. Also sei du ihr Heimat, zeige ihr das du der sichere Hafen sein kannst, den die steinernen, wie Schutz verheißen habenden Wände des Gasthauses der Goldenen Brücke ihr bisher geboten hatten. Zeige ihr, dass du Tamika und Aravarn niemals ersetzen kannst – noch willst – aber dass sie auch bei dir immer Sicherheit und Halt finden kann! Langsam begann Dubh zu verstehen, warum die Meisterbarden einer Ehe zwischen Raéyun und anderen Völkern so häufig ablehnend gegenüberstanden. Wir sind wurzellos und können so nirgends jemals sesshaft werden, derweil jede oder jeder, den wir mit uns fortzugehen zwingen,indes heimatlos zu werden droht. Ich habe Euch unrecht getan, Meister Radagarn – bitte verzeiht!

„Also gut, lasst mich eine Geschichte fortführen, die ich vor vielen Wochen zu erzählen angefangen habe“, Squlaiche nahm seine dreieckige Balalaika hervor und begann sacht darauf zu zupfen, seine Erzählung durch fremd klingende, aber auf ihre Art harmonische Klänge zu untermalen. „…eine Geschichte von einem Mann und einer Frau, die alles Vertraute hinter sich ließen und schließlich in der Fremde nurmehr einander hatte. Lasst mich euch von Suheilah berichten, die von Sklavenhändlern aus ihrem Dorf entführt worden war und von Idhân Urb einem Kind des Windes, welcher eigentlich nur los gezogen war, die fern im Westen der schier unendlich scheinenden Wüste, an einer stürmischen Küste gelegene freie Stadt aufzusuchen, von der er so viel gelesen, die er aber doch nie mit eigenen Augen je gesehen hatte und wie seine Sehnsucht nach dem nie erblickten endlos weiten Meer schließlich abgelöst wurde von seiner Sehnsucht nach Suheilah. Lasst mich euch von einer Welt berichten, in der die Sonne, anders als hier, nicht heiß ersehnter Quell der Wärme ist, die vom baldigen Ende des langen Winters kündet, sondern von einer Welt, in der die Sonne gnadenlos alles Land verbrennt, einem Ort so unwirtlich und heiß, das selbst die Cala an Darh, das Meer ohne Wasser, dagegen wie eine frühlingshafte Oase bloß erschiene. Lasst mich euch von den Reisen von Suheilah und Idhân berichten…“

Jeden Abend von dort an, hatte Dubh Geschichten erzählt und jede einzelne seiner Geschichten,seien es die selbst ersonnenen Geschichten von Idhân und Suheilah – oder besser gesagt, die wie von selbst zu ihm gefunden habenden Geschichten, deren schier unbeschreibliche Tiefgründigkeit und Lebendigkeit er sich noch immer nicht recht zu erklären vermochte, oder seien es auch andere, bekanntere Erzählungen – sowohl von der Eiswüste, südlich der Eisklippen, als auch aus dem, Eleah vermutlich weit vertrauteren, Wald von Sieryan. Doch in jeder seiner Geschichten, seien es die erfüllter oder unerfüllter Liebschaften, Geschichten von Freundschaften oder auch – bei den Kindern am beliebtesten – Geschichten voller Wunder und Abenteuer… bei ausnahmslos jeder der Erzählungen ging es auch darum, auf einander zu vertrauen, da es die Beziehung der Menschen, ja eigentlich aller Völker, zueinander waren, die das ausmachten, was die sesshafteren Völker gemeinhin als Heimat verstanden. Dubh erzählte, von seiner Balalaika begleitet, wie von Murak, dem Alten, in das Idiom der Steppenvölker parallel übersetzt, da nicht alle, die Kinder vor allen Dingen nicht, Coreonisch, sondern oft nur einen Dialekte der Zentralalvarianischen Sprachfamilie nur beherrschten.

Und auch wenn Dubh zu Beginn nur damit begonnen hatte, Eleah von ihrem, von ihm vermuteten, Heimweh abzulenken, fand er sich doch bald auch selbst von der eigenen Erzählung gefangen, brannte darauf, zu erfahren, ob Idhân es noch zu der Stadt am Meer geschafft hatte und Suheilah ihre Eltern wohl auch jemals wiedergesehen hatte und wenn der Winter längst fortgezogen sein würde und Eleah und er längst weiter gen Nordwesten aufgebrochen sein würden, so würden die in diesem Winter dort an den Feuern der Steppenreiter wiedergegebenen Geschichten noch lange Zeit später von anderen Geschichtenerzählerinnen und -erzählern an anderen Feuern, vor anderen Völkern und in fremderen Sprachen wiederholt werden und schließlich, auch wenn sich Dubh dessen dort noch nicht bewusst war, auch Radagarn, dem Meisterbarden zu Ohren kommen, der sich geschworen hatte den Werdegang des Sqeulaiche Dubh zu verfolgen, um schlussendlich darüber zu entscheiden, ob dieser in die Reihen der Meisterbarden würde aufgenommen werde – so er, Squlaiche Dubh, in zehn Jahren, dann überhaupt noch lebte. Die hier in diesem schneereichen und kalten Winter geborenen Geschichten, die noch in Jahrhunderten an den Feuern von Reisenden und Geschichtenerzähler staunenden Männern Frauen und Kindern vorgetragen werden würden zementierten indes das Schicksal des Meisterbarden Sqeulaiche Dubh, der selbst – sollte er den Tod vorher doch finden, alleine dieser Geschichten wegen zum Meisterbarden, und sei es auch posthum, erhoben werden würde.

Doch dort, in diesem noch langen und kalten Winter voller Schnee, verzauberten die Geschichten des Squlaiche von einer ewig warmen fernen Welt alle Zuhörenden, und als der Schnee schließlich taute, waren viele Augen voller Tränen, ob des bevorstehenden Abschieds. „Dubh, Eleah? Ihr reist nach Norden, nicht? Mein… mein Sohn ist vor drei Jahren nach Darek in den Jurna Wäldern aufgebrochen. Das ist eine kleine Bergbausiedlung, in deren Nähe mehrere Smaragdminen betrieben werden sollen und die einen jungen Mann, mit etwas Glück, in einen reichen Mann verwandeln können sollten. Er hat in den vergangenen Jahren immer zum Winter hin veranlasst, das Nachricht von ihm hierher gelangte, aber diesen Winter…“ Nein, diesen Winter über war kein Bote hierher gekommen, das hätte weder Eleah noch Dubh entgehen können. „Ich will nur wissen, ob es ihm gut geht! Wenn er eine Liebste dort gefunden hat und nicht mehr heimkommen will, bin ich die Erste, die ihm dazu gratuliert. Ich will wirklich nur wissen, das es ihm gut geht und ihn auch wissen lassen, das sein Vater und ich wohlauf sind und…“ Dubh nickte nur verstehend und fragte nach der genauen Position des Ortes. „Im Jurna Wald, nordöstlich der Staubseen und auf etwas mehr, als dem halben Wege zu dem im Westen gelegenen verfluchten Krater, der – von weither zu sehen – in der dort lichteren Ebene emporragt, aber nördlich der Ebene, in den von Wald bedeckten Hügeln von Karra. Die Leute in der Gegend sollten euch den Weg verraten können.“
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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Eleah » Do, 13. Mai 2021 20:53

Eleah fühlte sich fast selbst noch wie ein Kind, als sie oft mit diesen zusammen an dem runden Platz, der den Mittelpunkt des Lagers darstelle, saß und Dubhs Geschichten lauschte. Entweder nach ihrem wohlverdienten Feierabend, das ein oder andere Mal blieb sie aber auch an Dubhs Lippen hängen, wenn sie wie zufällig an dem Barden vorbei lief, um seine Geschichten aufzuschnappen, die nun nach den vielen Wochen einfach spannender waren als die oft gleiche Arbeit in dem Lager. Die Geschichte von Suhailah und Idhan Urb fesselte auch sie vom ersten Moment an und sie konnte nicht genug von ihnen hören. Dubh erzählte die Geschichte der beiden so mitreißend, dass man das Gefühl bekam, selbst dort gewesen zu sein. In der Hitze der Wüstenwelt, die auf der einen Seite erbarmungslos war und manchen Ahnungslosen den Tod bedeutete, und auf der anderen Seite so viel Lebenslust und Abenteuer zu bieten hatte. Eleah fühlte schwer mit Suhailah mit. Das Heimweh nach ihren Eltern hielt auch ihr Herz kalt umklammert. Und gleichzeitig war in ihm so viel Liebe für ihren Liebsten verborgen, die sie wärmte und jegliche Zweifel zwar nicht verschwinden, aber eben doch in den Hintergrund rücken ließ. Suhailah und Idhan Urb waren zwei Reisende wie sie, die ihre Heimat hinter sich gelassen hatten und gleichzeitig, oder viel mehr noch, auf der Suche nach einer gemeinsamen Heimat waren. Nachdenklich blickte sie zu Dubh und eine Gänsehaut breitete sich über ihren Armen aus, als sie erkannte, dass Dubh und sie in diesem Punkt nichts von Idhan Urb und Suhailah unterschied.

Nach Wochen war nun die Zeit des Abschieds gekommen. Der Schnee war geschmolzen, die Wege frei und passierbar. Die Reise nach Norden ging weiter. Unweigerlich begann Eleahs Herz schneller zu schlagen als sie sich von den lieben Menschen verabschiedete, die für sie in den letzten Wochen zu einer Familie geworden waren. Doch nun rief der Norden. Sie musste an diesen einen Traum denken, der sie schon so lange begleitete. An das Schneegestöber, an den Mann, der in diesem stand und dessen Silhouette nur zu erahnen war. Ihr Vater war Aravarn, aber sie trug das Erbe des Unbekannten aus der Eiswüste in sich und musste ihn kennenlernen. Eine ganz andere Art von Heimweh stieg in ihr auf. Sie blinzelte und sah Ejasha an, die zu ihnen gekommen war und sie eindringlich darum bat, ihren Sohn im Jurna-Wald zu suchen.

Der Jurna-Wald - in diesem Augenblick hatte die Taurrin ja noch keine Vorstellung davon, wie weit entfernt dieser lag. Sie hatte in ihrem jungen Leben schon unzählige Geschichten und Abenteuer aus Alvarania gehört, aber wie groß die Welt und wie weit diese Orte tatsächlich voneinander entfernt lagen - davon bekam sie erst einen Eindruck auf ihrer Reise gen Norden. Aufgrund der zurückliegenden Erfahrungen war Eleah immer wieder etwas angespannt, doch letztendlich kamen sie wohlbehalten und ohne größere Zwischenfälle an ihrem Ziel an. Die trockene Steppe wirkte im Frühling ganz anders als Eleah sie sich vorgestellt hatte. Sie sah stellenweise aus wie ein riesiges Blumenmeer, durch das sich blaue Bäche schlängelten, an denen sie sich erfrischten. Beunruhigend hingegen fand Eleah, dass sie kaum einer Menschenseele außerhalb der winzigen Dörfer begegneten, in denen sie mit den Menschen Essen und andere Dinge, die sie gerade brauchten, tauschten. Die Gegend hier wirkte so riesig und gleichzeitig so leer. Vermutlich ganz ähnlich wie das Wüstenland, von dem der Kriegerbarde gesprochen hatte, überlegte die Taurrin. Die Geschichten aus der phantastischen Wüste begleiteten sie unentwegt auf ihrer Reise. Manchmal saßen Dubh und sie einfach nur zusammen unter dem Sternenhimmel und sinnierten darüber, was die beiden Liebenden erlebt hatten. Und manchmal lagen sie auch nur schweigend nebeneinander, betrachteten das Himmelszelt und genossen die Zweisamkeit in der Weite. Eleah wusste, dass sie das einzig Richtige tat und bereute keineswegs den gemeinsamen Weg bis hier her. Sie liebte Dubh und würde ihm auch bis in die dämonische Hölle folgen, sollte es nötig sein, so lange er nur bei ihr blieb. Natürlich war da auch weiterhin das Heimweh nach ihrer Mutter, Aravarn und Fangrul und all die herzlichen und teils skurrilen Freunde aus Fadrun. Aber die Sehnsucht danach, zu erfahren, wo ihre Wurzeln lagen, und die Sehnsucht nach dem Raéyun waren so viel größer.

Sie nutzten die wenigen Handelsrouten durch die Steppe, die sie weiter gen Norden führten. In der Nähe der Staubseen trafen sie dann doch noch auf eine kleine Gruppe von Händlern, die ebenfalls auf dem Weg in die Eiswüste war. Eleah zählte fast mehr Wachen als Händler und gleich bei ihrem ersten Aufeinandertreffen machten ihnen klare Worte deutlich, dass jede ihrer Hände, die die Waren der Händler berührte, nicht lange am dazugehörigen Körper bleiben würde. Sie trugen angeblich Handelsgüter mit sich, die unter den Menschen in der Eiswüste sehr begehrt waren. Zunächst gingen die Fremden davon aus, dass Eleah ebenfalls aus der Eiswüste stammte, auch wenn sie dennoch etwas irritiert schienen, denn ihr Aussehen hatte neben den Merkmalen der Eismenschen auch etwas Andersartiges an sich, das die Menschen hier im Norden nicht zuordnen konnten. Die Taurrin versuchte mehr über die Menschen in der Eiswüste zu erfahren, doch die Händler waren wortkarg und ruppig und so gab sie schnell ihre Versuche eines Gesprächs auf. Sie reagierten sogar recht argwöhnisch darauf, als die beiden erwähnten, dass sie ebenfalls unterwegs in die Eiswüste waren - unverfroren unwillig, die beiden auch noch auf dem vor ihnen liegenden langen Weg zu ertragen oder gar noch auf sie Rücksicht nehmen zu müssen. Daher waren sie sichtlich erleichtert, als sie ihnen ihr Zwischenziel im Jurna-Wald nannten. Sie erklärten sich sogar bereit, sie auf den schnellsten und sichersten Weg durch das Waldland in die Nähe der Bergbausiedlung zu führen - ganz so als würden sie sicher gehen wollen, dass sie tatsächlich nicht die gesamte Strecke mit ihnen reisen wollten.

Eleah stellte bald fest, dass sie die Reise als zunehmend anstrengender empfand je nördlicher sie kamen. Sie war das Klima in diesem Teil der Welt nicht gewohnt. Zwar waren die Taurrin sehr anpassungsfähig, aber es würde offenbar noch etwas dauern, bis sich ihr Körper an die neue Umgebung gewöhnte. Die Trockenheit der Steppe war das eine gewesen, aber die hier herrschende, wieder höhere Luftfeuchtigkeit der Waldlande stieg ihr zusammen mit dem ordentlichen Tempo, das die Händler vorlegten, ab und an zu Kopf, selbst wenn sie vorsorglich auf dem Wagen sitzen blieb. Daher und aus vielerlei anderen Gründen war sie froh, als sich ihre Wege endlich trennten. Nun konnten sie in ihrem eigenen gemütlichen Tempo weiterreisen. Ein wenig bereute Eleah es, Ejasha ihre Hilfe angeboten zu haben. Die Eiswüste war nun näher als jemals zuvor und immer noch so weit entfernt. Der Besuch bei Ejashas Sohn bedeutete einen Umweg, so kurz er auch dauern würde. Seufzend blickte sie den davon ziehenden Händlern hinter her und nahm einen großen Schluck Wasser um dem Schwindel entgegen zu wirken. "Das waren ja lustige Gesellen" sagte sie trocken, blickte Dubh an und musste dann lachen. "Vielleicht hättest du ihnen bessere Laune zaubern sollen."
Und damit zogen sie weiter, wieder unter sich und zumindest Eleah fühlte sich gleich viel befreiter. Es dauerte nicht lange, bis sie einige Behausungen zwischen den dicken Stämmen der alten Bäume ausmachen konnten. "Da muss es sein." Ein mulmiges Gefühl überkam die Taurrin, als würde sie schon ahnen, was sie erwartete. Irgendetwas war seltsam. "Hörst du das?", fragte sie. Doch kein Laut drang an die empfindlichen Ohren der Taurrin..

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Re: Eine lange Reise

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Fr, 11. Jun 2021 20:08

Der Abschied von den Steppenbewohnern fiel Dubh merklich leichter, als Eleah. Auch er hatte Freunde unter den Menschen dort gewonnen. Doch was Eleah, wie ein echter Verlust erscheinen mochte, den die sesshafteren Völker so meist nur beim Tod eines der ihren so erlebten, war für Dubh indes klar, das sich dort nur ihre Wege schieden, ihre Leben aber weitergingen und darüber hinaus durch die gemeinsamen Erfahrungen auch über diese Trennung hinaus verbunden bleiben würden. „Sie leben ihre Leben weiter, kleiner Geist.“, versuchte er sie aufzumuntern. „Es hört ja nicht einfach auf, nur weil wir nicht mehr mit dabei sind. Glaub mir, auf unserem Rückweg wird Jarik dir stolz seinen Sohn präsentieren, der schon laufen kann und selbst wenn Großmutter Bea dann zu ihren Vorfahren gegangen sein wird, werden ihre Kinder und Kindeskinder uns noch viel schönes über sie zu berichten wissen und indem sie es uns dann alles erzählen, werden sie sich selbst auch wieder erinnern und durch unsere aller Erinnerung, wird es sein, als säße sie dort dann mitten zwischen uns. Ja, manche werden sicherlich fortgegangen sein, kleiner Geist, aber andere werden ihnen nachkommen. Kinder die von dem fürchterlichen Holzschnitzer Dubh nur gehört haben, der aber ein ganz passabler Geschichtenerzähler war und werden uns löchern und verdrießlich drein schauen, wenn wir ihre Ähnlichkeit mit schon fortgegangenen Eltern und/oder Großeltern erwähnen. Das kleiner Geist ist das Leben und wenn wir dann anschließend weiterziehen, auf unserer Rückreise – vielleicht sehen wir sie dann alle zum letzten Mal, aber es ist, wie wenn ein Gast zu euch in die goldene Brücke kam. Ihr werdet lachend euch seiner erinnern, wenn er es denn wert ist, erinnert zu werden, und das Glas auf ihn erheben. Freue dich an den hinzugewonnen Begegnungen und weine nicht den Abschieden nach.“ Aber vielleicht erzählte er das alles ja auch eher sich selbst, da auch ihm diese Menschen hier mehr ans Herz gewachsen waren, als er es hatte zugeben mögen.

Vielleicht war er darum, während der Reise durch die Steppe, so viel redseliger als es seine Art für gewöhnlich sonst war, erklärte Eleah alles was er, dank früherer Reisen durch die Steppe über Orte und dort erfolgt seienden Ereignissen zu berichten wusste. Oder sie sponnen gemeinsam die Erzählung des so ungleichen Paares aus der Erzählung über das Wüstenreich weiter. Immer noch war Eleah voll der Neugierde und mehr als einmal erinnerte er sich an die ersten Tage ihrer Reise, erinnert sich daran, wie sie – noch kaum richtig aufgebrochen seiend – schon innehalten mussten, um unbedingt ein paar kleine Hasenbabies zu bestaunen. Selbst Casper schien nach dem langen, ihn zur Untätigkeit verbannt habenden Winter voller Elan zu sein und mehr als einmal musste Dubh dessen Eifer, im wahrsten Sinne des Wortes, zügeln, wenn das Pferd, trotz angeschirrten Wagens hinter ihm, in zu großem Tempo vorwärts stürmen wollte. Das wirklich einzig außergewöhnliche, das Eleah über ihre Reise hätte berichten können (von dem neugeborenen Rehkitz in der Senke, wo sie ihre erste Rast hatten einlegen wollen, sowie dessen weniger von der Begegnung begeisterten Mutter,vielleicht einmal abgesehen), war wohl als Dubh mitten am Tag plötzlich lächelnd den Wagen zum Stehen brachte, lauschend den Kopf zur Seite neigte und sie bat doch hier kurz zu rasten, da er was zu erledigen hatte. Wenn Eleah gedacht hatte, er wolle nur kurz hinter einem Strauch verschwinden, würde sie das, als er an zwei, drei, für die Notdurft alles andere als ungeeignet gewesen seiende Sträuchern indes achtlos vorüber schritt, wohl als eher unwahrscheinlich spätestens abgetan haben. Tatsächlich sah sie Dubh fast eine halbe Stunde lang schnurstracks in eine Richtung gehen und dann stehenbleiben. Als dann mit einem Male der Wind drehte, glaubte sie ihn, inmitten eines gigantischen Blumenmeeres stehend aus weiter Ferne singen zu hören und mehr noch hätte Eleah schwören mögen, das eine Stimme ihm gar geantwortet, in seinen Gesang eingestimmt hatte. Dann, als wäre nichts gewesen, kam er zurück. „Lass uns heute dort hinten Rasten. Ich denke, der Ort wird uns gut tun!“ Und obgleich Eleah dort nichts weiter, als einen flachen, aus dem Blumenmeer herausragenden Stein, von vielleicht zwei oder drei Fuß Durchmesser nur vorfand (und niemanden anderen, der etwa gesungen haben mochte), war dies doch ein denkwürdig schöner Abend geworden und in der Nacht hatte sie tatsächlich geträumt mit ihren Eltern wieder im Gasthaus zur Goldenen Brücke zusammengetroffen zu sein und den ganzen Abend sich darüber unterhalten zu haben, was sich alles Neues zwischenzeitlich dort denn ergeben hatte und auch Dubh war dabei gewesen und seine Schwester und Eltern und viele ihrer Freunde und Bekannte und am Morgen darauf war jedes bisschen Heimweh, das sie bis hierhin angesammelt haben mochte, mit einem Male wie verflogen. Und noch tagelang zehrte Sie von diesem Traum, der ihr erstaunlich präsent geblieben war, wo sie andere Träume möglicherweise rasch eher doch vergaß.

Doch dann wurde das Klima harscher und aus der Zweisamkeit wurde eine, Dubh wieder zum beständigen Tragen seiner Brille zwingende, Karawane voller misstrauischer Menschen und nicht nur Dubh war erleichtert, diesen Handelszug schließlich wieder hinter sich lassen zu können. Die vielen Menschen, das laute Gebaren, die Weinseligkeit… Selbst Luzifer und Casper schienen erleichtert, als sie wieder alleine und alleine ihrem Tempo folgend weiterziehen und die anderen Menschen wieder hinter sich lassen konnten. "Das waren ja lustige Gesellen" sagte Eleah trocken, blickte Dubh an und lachte dann doch. "Vielleicht hättest du ihnen bessere Laune zaubern sollen." Dubh grinste nur. „Solche Menschen sind nur gut gelaunt, wenn sie wen übervorteilen und ihre eigenen Geldbeutel dabei füllen können. – Selbst ich kann nichts herzaubern, was so absolut gar nicht da ist.“ Dubh lächelte Versöhnlich, den Blick wieder nach vorne richtend. „Sie sollten mir leid tun, kennen sie doch nicht, was im Leben wirklich wertvoll ist.“ Den Arm ihr dabei um die Schultern legend, brauchte es keine Worte, Eleah gegenüber auszudrücken, was ihm das Wertvollste überhaupt war, in diesem Leben. Dann schließlich hatten sie den Ort erreicht. Niedrige einfache Hütten standen am Rand einer kahl geschlagenen Fläche, Gatter für Hühner, Ziegen, Schweine, eventuell gar Kühe waren überall zu sehen, doch kein einziges Tier zeigte sich ihnen, geschweige denn auch nur eine einzige Menschenseele. "Hörst du das?" Doch da war absolut nichts zu hören. Stumm deutete Dubh auf einige rauchende Schornsteine, die davon zeugten,das die Hütten indes mitnichten verlassen waren und als Dubh an einer Hütte inne hielt und klopfte, hätte er schwören mögen das verhaltene Meckern einer Ziege hinter der Hüttentür zu vernehmen. Doch alle Fensterläden waren verschlossen, Türen versperrt und keines Menschenseele zu erblicken, gleich an wie vielen Türen sie auch klopften. Nur das Gackern von Hühnern, Grunzen von Schweinen, zwei mal das Bellen eines Hundes antwortete ihnen aus den Hütten. Die Gittergehege, zwei kleine Stallanbauten, und die Hühnerhäuser vor den Hütten… sie waren alle leer und verlassen.

„Komm, lass uns weitersuchen.“ Zwei Eingänge zu Minenschächten fanden sie, verbarrikadiert und so gut gesichert, das ohne Brecheisen und viel Gewalt da nicht reinzukommen war. Doch auch da, keines Menschen Seele. „Da, der Weg.“ am anderen Ende des Weilers führte ein Weg tiefer in den Wald hinein und ein zweiter zu einem blumenbewachsenen, wie wohl seit jeher schon baumlosen Hügel, auf dessen Spitze ein weiteres, dieses Mal steinernes Haus stand. Und so bedrohlich und unheimlich das Dorf der verschlossenen Türen schien, so einladend lockte das Haus, aus dessen strohgedecktem Dach ebenfalls ein rauchender Schornstein emporragte. Casper musste sich merklich anstrengen, den Wagen den doch recht steilen Weg hinauf zu bewegen, hatte es aber offenkundig selbst auch eilig das bedrückende Dorf hinter sich zurück zu lassen. Und hier, noch ehe sie sich bemerkbar machen mussten, kam eine Frau mit einer Milchkanne in der Rechten und einem Melkschemel in der Linken, aus der steinernen Hütte, stutzte, runzelte die Stirn und lächelte dann aber, offenbar die Neuankömmlinge unter »freundlich« einsortierend. „Willkommen, willkommen! Ich muss nur schnell Ea melken“, die Frau deutete auf einen umzäumten und überdachten Holzverschlag ohne Wände, in dem eine Ziegen, ein Bock und ein Lamm über einen Haufen frisches Gras sich hermachten, das offenbar von der Wiese hinter dem Haus abgesenst und dort für sie aufgehäuft worden war.
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