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Im eisigen Hauch der Nacht

Der gefährliche Nordwesten ist die trockene Heimat der Steppenreiter und der Elvoin, die in den Sümpfen des Nogorath leben. Die tödliche Eiswüste nördlich ist trotz allem Heimat von Menschen.
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Arvalia
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Im eisigen Hauch der Nacht

Beitrag von Arvalia » Fr, 20. Mai 2016 23:38

Bildwei Wochen war es nun schon her, seit Arvalia, völlig überstürzt, ihre Heimat verlassen hatte. Zwei Wochen lang hatte sie die staubige Luft der nahen Steppe einatmen müssen und das steinige Geröll der westlichen Ausläufer der Zuhandalkette unter ihren Füßen ertragen müssen. Die Handelsstraße, welche westlich dieses mächtigen Gebirges von Süden nach Norden verlief, führte bis zum nördlichsten Ende dieser Gebirgskette, und führte von dort aus weiter in den Osten. Die Nordreiche. Hoheitsgebiet der Menschen und degenerierter Elfen, die nicht mehr die Herren in ihrem eigenen Land waren. Elfen, wie Arvalia niemals eine werden wollte. Und nun war, wie diese Elfen die unter Menschen lebten, auch Arvalia eine Heimatlose geworden. Ihrer Heimat und ihres Hauses beraubt und davongejagt wie ein räudiger Köter. Nichts war verlaufen wie Arvalia es geplant hatte. Nichts war verlaufen, wie ihr Gemahl es sich ausgemalt hatte. Die Steinwächter hatten die Machenschaften ihres Gemahls an das Licht der Öffentlichkeit gezerrt und alle Träume waren wie eine zerbrechliche Seifenblase zerplatzt. Sie, diese Steinwächter, die in der Gesellschaft der Bergelfen als Auffrührer und Querdenker gelten, hatten alles zunichte gemacht! Als die Konklave die Lose gezogen hatten, und der Name ihres Gemahls auf einem der Lose gestanden hatte, war ein Traum für Arvalia wahr geworden. Ein Leben in Sorglosigkeit und Wohlstand. Sie wäre die Frau eines Richters gewesen, hätte Ansehen genossen und vom Wohlstand der oberen Stadt gekostet. Doch als die Steinwächter in ihr Leben getreten waren und erfahren hatten, welch dunkles Geheimnis sie gehütet hatten, da war alles verloren gewesen. Sie hatten die Steinwächter an der Nase herumgeführt und als sie sich ihrer entledigt hatten, glaubten sie, alles überstanden zu haben. Doch am Tag der Angeblobung kam das böse Erwachen. Als die Unbestechlichen nicht hervortraten, um ihren Gemahl die Richterwürde zu verleihen, sondern ihn in Ketten zu legen, hatte Arvalia nur entsetzt zusehen können, wie ihr Leben und ihre Träume in tausende Scherben zerbrach. Sie hatten Pläne geschmiedet und Ränke gesponnen. Die teuersten Kleider und das prunkvollste Geschmeide hatte Arvalia schon vor sich gesehen. Doch das bittere Erwachen hatte sie jäh aus ihren Träumen gerissen. Letzten Endes hatten sie auf verlorenem Posten gekämpft und sind mit wehenden Fahnen untergegangen. Und noch ehe ihr Gemahl in den Kerker gebracht worden war, hatten die Unbestechlichen schon nach ihrer Freiheit getrachtet. Sie hatte alles zusammengerafft, dessen sie habhaft werden konnte, und war Hals über Kopf aus der Stadt geflohen. Auf einem Viehkarren hatte sie sich versteckt, bis sie die Grenzen der Stadt hinter sich gelassen hatte.

Ihr Leben war ruiniert. Vorbei war das sorglose Leben in dem Palast ihrer Sorglosigkeit. Vorbei das Leben von schönen Kleidern und kunstvollem Tand. Sie lebte auf der Straße und von der Hand in den Mund. Niemals hätte sie sich zu träumen gewagt so tief fallen zu können. Und doch war es geschehen. Und nun saß sie hier fest. Geschlagene zwei Tage schon mitten im Niemandsland. Itkkin, eine Stadt die sich keinem Herrscher so richtig zugehörig fühlte. Weder den Nordreichen, noch den Steppenbewohnern, noch den Bergelfen. Hier regierte das Geld und der Handel. Und wenn man es aus dem richtigen Blickwinkel betrachtete, so war dies der perfekte Ort, um dem alten Leben zu entfliehen und das neue zu beginnen. Doch dieser Blickwinkel fehlte Arvalia noch, denn sie trauerte noch immer ihrem alten Leben nach, ärgerte sich über die Ungerechtigkeit die ihr widerfahren ist und hatte absolut keinen Sinn für die Möglichkeiten, die diese Stadt ihr zu bieten hatte. Tagtäglich kamen Menschen, Elfen und andere Wesen um ihre Waren feilzubieten und mit ihnen auch dutzende Münzen, Edelmetelle und kunstvolle Waren. Da waren die Menschen aus den Nordreichen, die ihren Plunder gegen die Schätze der Wüste und der Berge eintauschten und Arvalia verstand nicht, warum die Händler des Westens sich mit dem Krimskams der Händler des Ostens zufrieden gaben und ihrerseits ihre wertvollen Waren gegen jenen Plunder eintauschten. Die wichtigten Handelsgüter waren Salz, Seide und Sklaven, aber auch das Glas der Bergelfen. Vor allem Sklaven gab es hier in Hülle und Fülle zu bewundern. Viele davon arme Teufel aus Menainon, oder Kuriositäten aus dem Süden. Die einen wurden als Sklaven an reiche Adelige verkauft, um ihnen zu dienen oder auf andere Art und Weise dienlich zu sein. Die anderen wurden an wanderndes Volk und den geheimen Zirkus verkauft, um dort zur Schau gestellt zu werden. Weiber mit dem Leib eines Pferdes, oder Männer mit dem Haupt eines Fuchses waren wahrlich ein seltener Anblick, für den ein gemeiner, ungebilder Bauer in den Nordreichen sicher sein hart erarbeitetes Geld zu zahlen bereit war, nur um einen Blick auf diese Laune der Natur werfen zu dürfen. Und das Salz der Wüste wurde hier in Itkkin zu einem Spottpreis erworben, nur um es zu Wucherpreisen in den Nordreichen wieder zu verkaufen. Und was bekam man dafür? Getreide, verschiedenste Sorten von Schnaps und Wein und Zucker. Besonders der Zucker schien sein Gewicht in Gold wert zu sein, da man dafür beinahe doppelt soviel Salz bekam.

Und da stand sie nun. Alleine und verlassen auf dem großen Marktplatz in Itkkin und beobachtete das Treiben der Händler und Reisenden. Sie fühlte sich so fehl am Platz, besonders da man ihr ihre edle Herkunft zweifellos ansehen konnte, aber auch erkennen konnte, dass sie keine hohe Stellung innehatte. Arvalia sah an sich herab. Sie trug ein Kleid das seine besten Tage bereits hinter sich hatte. Und wenn man bedachte, dass Arvalia vor nicht einmal einem halben Mond noch dazu neigte, niemals ein und dasselbe Kleid mehr als einmal zu tragen, war dies schon milde ausgedrückt. Der Saum war staubig und an einigen Stellen lösten sich bereits einige Nähte. Die schmuckvollen Ornamente aus Silberfäden und Glasperlen wirkten unterbrochen und fehlerhaft, dadurch dass einige Nähte gerissen waren und die Perlen nun irgendwo im Staub der Straße lagen. So lange bis ein Straßenkind es finden würde. Arvalia grämte sich und verfluchte ihren Gemahl und machte ihn im Grunde für ihre Misere verantwortlich. Und die heiße Sonne tat ihr übriges. Es war kaum auszuhalten, in der prallen Hitze zu stehen. Zu Hause hatte Arvalia sich zu jener Tageszeit immer in den kühlen Alkhoven ihres Gemachs zurückgezogen um ihre edle Blässe vor der beißenden und sengenden Sonne zu schützen. Sie spürte wie ihre Lippen spröde geworden waren und ihre Haut ihre zarte Samtheit mehr und mehr einzubüßen drohte. Von dem Gestank der zweiwöchigen Reise gar nicht zu sprechen! Und so mischte sich Arvalia schließlich unter das Händlervolk des Marktes. Nicht um etwas zu kaufen, sondern um von einem Stand zum nächsten zu gehen, um so von den Sonnensegeln, die viele Händler über ihren Ständen aufgebaut hatten, den Schatten zu genießen.

»Sklaven! Prächtige Sklaven!«, brüllte ein grobschlächtiger und vierschrötiger Kerl auf einer behelfsmäßigen Bühne. Hinter ihm standen sechs Männer deren Haut so schwarz wie Kohle war. Sie waren sicherlich einst stolze Krieger gewesen, denn sie waren kräftig. Doch ihre leeren und ausdruckslosen Blicke verrieten, dass sie schon lange gebrochen worden waren. An ihnen war, wenn man einmal von dem Gemächt zwischen ihren Beinen und Muskeln absah, nichts mehr, dass an einen Mann erinnerte. Wie Tiere waren sie aneinander gekettet und wurden nackt zur Schau gestellt, damit die Käufer das Fleisch beschauen konnten. »Wasser! Frisches, klares Wasser!«, brüllte eine Frau die ein schillerndes, rotes Kleid trug, welches aus der Menge hervorstach wie ein Blutstropfen auf einer schneeweißen Haut. »Salz aus Kamîrush! Seide aus der Wüste!« Je dichter das Gedänge wurde, desto lauter schienen die Marktschreier ihre Ware anzupreisen. Jede Münze die ein rivalisierender Händler verdiente war ein Verlustgeschäft für den anderen. Und so wetteiferten sie einander als ob es um Leben und Tod ginge. Arvalia hingegen schien sich nicht sonderlich für die Waren, die hier feilgeboten wurden, zu interessieren. Ihr Interesse galt anderen Dingen. Sie sah den Händlern auf die Finger. Waren sie zierlich und hatten polierte Fingernägel oder hatten sie Schwielen an den Händen? Trugen sie wertvolle Ringe, oder nur den Siegelring der Händler? War ihr Gewand aus Seide oder kostbaren Stoffen, oder trugen sie nur zweckdienliche Kutten? Dies waren die Dinge, worauf Arvalia achtete, denn sie war nicht auf der Suche nach einer Handelsware, sondern nach einem Gönner. Einem Bild von einem Mann, mit so viel Geld in den Taschen, dass sie drohten die Hose vom Arsch zu ziehen. Doch reiche und vermögende Kaufleute waren nicht umsonst reich und vermögend. Sie waren gewiefte Händler oder raffinierte Pfennigfuchser. Einem solchen Mann konnte man nicht mit einem tiefen Dekoletté und klimpernden Wimpern schöne Augen machen. Solche Männer betrogen tagein tagaus ihre Kunden um das Geld in ihren Taschen. Sie ließen es sich nicht selbst aus den Taschen ziehen.

Und je mehr Zeit Arvalia auf dem Markt verbrachte, desto ernüchternder wurde die Erkenntnis, dass sich in Itkkin wohl nur der Abschaum der Handelszunft aufzuhalten schien. Sklaventreiber, Hehler und Salzfahrer. Nichts von Bedeutung. Niemand mit goldenen Ringen an den Fingern. Arvalia seufzte schwer und zog eine kleine, silberne Münze aus ihrer Börse, als sie an dem Stand der Frau in dem blutroten Kleid angekommen war, um etwas von diesem angeblich frischen, klaren Wasser zu kaufen, denn ihre Kehle dürstete nach einem kühlen Nass.
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Re: Im eisigen Hauch der Nacht

Beitrag von Xarrbraxas » So, 22. Mai 2016 15:10

Kalt wie Eis war sein Blick, düster wie die Nacht seine Laune. Unter einem Baldachin, geschützt vor der sengenden Sonne, stand der Dämon auf dem Marktplatz von Itkkin. Letzten Endes war es seine Neugier gewesen, die ihn hierher gelockt hatte. Auf seinen Reisen vernahm er unglaubliche Geschichten über diesen mehr als denkwürdigen Ort. Hier sollten die unterschiedlichsten, fantastischen Wesen auf dem Sklavenmarkt feilgeboten werden und er, Xarrbraxas, wollte sich einen Anreiz für sein nächstes Ziel suchen. Und tatsächlich, da waren sie! Wesen, halb Mann halb Pferd, er konnte seinen Augen kaum trauen. Ein Blick gen Himmel ließ ihn darüber hadern, ob er das Angebot einmal aus der Nähe betrachten sollte. Er mochte weder den Sonnenschein, noch die Hitze, die er mit sich brachte. Er war ein Wesen der Kälte und dieses Wetter bekam ihm ganz und gar nicht gut. Wie dem auch sei, er konnte an den gegebenen Umständen nichts ändern und des Nachts war der Markt schließlich geschlossen. Mit zögerlichen Schritten verließ er seinen vergleichsweise kühlen Schattenplatz, ging dann jedoch zielsicher auf das Podest zu, wo die armen Geschöpfe vor allerlei Augen zur Schau gestellt wurden. So etwas wie Mitleid kannte der Dämon nicht und dennoch stellte er sich die Frage, wie diese niederen Völker sich derartig gegenseitig herunter wirtschaften konnten. Nachdenklich verschränkte er die Arme vor der nackten Brust und richtete seine Eisblauen Iriden auf das Geschehen vor ihm. Die Menschen und Elfen um ihm herum, hielten einen manierlichen Abstand zu der großen Gestalt, die sich in ihre Mitte gedrängt hatte, doch niemand wagte es, auch nur das Wort an ihn zu richten. Als nun ein fettleibiger Kerl zwischen den Sklaven hin und her schritt und deren Besonderheiten anpries, spitzte Xarr neugierig die Ohren. Der Händler berichtete, dass diese Wesen, die er Kentauroi nannte, aus den Weiten der Steppe kamen, dass sie stark seien wie Oxen und wertvoller als jedes Schlachtross. Anschließend begann die Auktion, doch er hatte wenig bis gar kein Interesse daran teilzunehmen. Schweigend sah er zu, wie ein Mannpferd nach dem anderen versteigert wurde, während er sich darüber Gedanken machte, ob es auch weibliche Vertreterinnen dieses Volkes geben mochte.

Absurde Vorstellungen über die Art der Begattung und die Bereitschaft der Pferdedamen, sich mit einem Dämon zu paaren, schwirrten durch seinen Kopf und vernebelten seine Sinne. War er wirklich daran interessiert den Geschlechtsakt mit solch einem Wesen zu vollziehen? Es hatte gewiss einen besonderen Reiz, denn der Blick dieser Kreaturen wirkte, trotz ihres Sklavendaseins, noch immer stolz und unnahbar, eben genau so, wie er es bei einer Frau bevorzugte. Die Stimme eines Marktschreiers holte ihn letzten Endes ins Tagesgeschehen zurück. Die Traube der Schaulustigen hatte sich bereits aufgelöst und er stand beinahe einsam vor dem leeren Podest. Die Entscheidung würde er einfach auf später vertagen, denn nun war ihm erst einmal daran gelegen, sich etwas Abkühlung zu verschaffen. Gelassen schlenderte er weitere Stände ab, bis er etwas hörte, dass sein Interesse auf ein Neues erweckte.
„Wasser! Frisches, klares Wasser!“,erklang die Stimme einer hübsch anzusehenden Frau. Wasser war sein Element, auch wenn es sich noch nicht im rechten Zustand befand. Allerdings hatte er, als magisches Geschöpf des Eises, die Macht inne, das frische, klare Wasser in kühlendes Eis zu verwandeln. Ohne weitere Umwege strebte die große Gestalt, die die meisten Geschöpfe um sich herum überragte, auf den besagten Stand zu. Wen auch immer er dabei zu nahe passierte, würde seine eisige Aura vernehmen, doch ihm sollte es gleich sein. Bei der Frau im roten Kleid angekommen, ließ er sich, für einen stolzen Preis, einen Becher mit dem besagten Nass füllen. Bedächtig hob er das Tongefäß an seine bläulich verfärbten Lippen und während er konzentriert hinein blies, bildeten sich feine, glitzernde Eiskristalle. Mit einem einzigen, durstigen Zug, leerte er den Krug und stellte ihn wieder auf den hölzernen Tisch. „Habt Dank holde Maid, euer Wasser ist wahrlich das köstlichste, das ich jemals zu mir genommen habe.“, ertönte seine Stimme in einer melodischen Klangmelodie, woraufhin die Wangen der Frau beinahe die gleiche Farbe annahmen wie die ihres Kleides. Xarrbraxas schenkte ihr ein geheucheltes, aber letzten Endes freundlich anzusehendes Lächeln. Wenn er es sich recht überlegte, hatte er bereits zu lange schon bei keiner Frau mehr gelegen und auch seinen andere Gelüsten war an solch belebten Orten nur schwer unbemerkt zu frönen.

Die Dame schien von seinem Anblick nicht genug bekommen zu können und machte ihm deutliche Avancen. Dass unterdessen viele weitere Kunden auf ihren Umtrunk warten mussten, schien ihr dabei vollends egal zu sein. Die Sonne stand mittlerweile im Zenit und die heißeste Zeit des Tages brach über Itkkin herein.
„Meine Dame, wir können uns liebend gern heute Abend im Gasthaus „Zum lachenden Händler“ auf einen anregenden Wortwechsel treffen, doch diese Hitze… Ich muss nun leider gehen. Und ohnehin wäre es für Euer Geschäft wohl auch von Vorteil, wenn ich verschwinde.“, sprach er erneut auf freundliche Art und Weise und spielte auf die immer länger werdende Schlange hinter ihm an. Xarrbraxas deutete eine leichte Verbeugung an und verschwand, sofern es ihm in seiner so offenkundigen Andersartigkeit gelang, im Getümmel der Straßen. Seine nackten Füße führten ihn direkt zu der dürftigen Herberge, wo er sich ein kleines, schlichtes Zimmer angemietet hatte. Denn obwohl er es bevorzugte unter offenem Himmel zu verweilen, so bot ihm der dunkle Raum eine willkommene Zuflucht vor der elenden Sonne. Dieses Wetter drohte ihn noch eines Tages zu zermürben, wenn er nicht besser auf sich Acht gab. Vermutlich war es das Beste, seine Reise bei Nacht fort zu setzen, doch er würde Itkkin wohl kaum verlassen können, ohne seinem Verlangen nach intimer, schmutziger Zweisamkeit nachzugeben. Erschöpft tastete er nach seiner Stirn, die sich für seine Verhältnisse unangenehm warm anfühlte. Ein kurzes Nickerchen würde seinen Puls beruhigen und wenn er später wieder erwachte, standen die Chancen recht groß, dass die Kühle der Nacht bereits die für ihn so lästige Wärme vertrieben hatte. Xarr legte sich etwas umständlich auf das für ihn viel zu kleine Bett und schloss die Augen. Es dauerte nicht lang und er fiel in einen leichten, unruhigen Schlaf. Als er wieder erwachte und die Augen aufschlug, umfing ihn wohltuende Dunkelheit. Ein schiefes Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Es war an der Zeit das besagte Wirtshaus aufzusuchen und seinen unbändigen Durst nach Leidenschaft zu stillen.

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Re: Im eisigen Hauch der Nacht

Beitrag von Arvalia » Mo, 30. Mai 2016 0:41

Bildtkkin war ein kleiner Ort. Gerade einmal zwanzig Gebäude zählte der Handelsposten, inmitten des Niemandslandes am Rande der Steppe und den Nordreichen. Im Vergleich dazu bildeten die dutzenden Wagen, Zelte und kleinen Marktstände beinahe einen verqueren Anblick. Wie viele Menschen konnten hier schon leben, dass all diese Händler hier gute Geschäfte machen konnten? Doch die Erfahrung bewies, dass es möglich war. Ikktin lebte nicht nur vom Handel, es war der Inbegriff des Handels. Tagtäglich kamen hier mehr als dreimal so viele Menschen und Andersartige durch den Ort, als der Ort Einwohner zählte. Und jeder verkaufte jedem seine Waren. Viele Händler kamen von Ost oder West, verkauften ihre Waren, erstanden neue Waren und kehrten wieder in ihre Heimat zurück. Nur wenige Händler und fahrendes Volk verließ Itkkin in die entgegengesetzte Richtung aus der sie gekommen waren. Und unter all diesen Menschen und Andersartigen, zu welchen sich auch Arvalia zählen musste, gab es auch solche Reisenden wie das Halbblut aus Yath-Zuharra eine war. Das kühle Wasser hatte seinen Zweck erfüllt. Arvalia fühlte sich angenehm erfrischt. Zumindest fürs erste. Denn es würde nicht lange dauern, da würde der Durst erneut seinen Tribut einverlangen. Doch so weit in die Zukunft dachte Arvalia nicht. Sie war es nicht gewohnt ihr Leben auf sich selbst gestellt zu bestreiten. Sie fühlte sich verraten und verkauft. Alleine unter Fremden.

Wohin sollte sie gehen? In die Nordreiche? Oder in den Westen, zu der berühmten Hafenstadt Rômachar? Sie wusste es nicht. Sie konnte und wollte sich jetzt noch nicht entscheiden. Doch eines war ihr völlig klar. Hier konnte sie nicht bleiben. Hier gab es nichts, was sie halten könnte, denn sie hatte nichts vorzuweisen, um sich ein neues Leben aufzubauen. Es gab keinen Bedarf an verzogenen Frauen aus gutem Hause, die keine Ahnung von Handel oder harter Arbeit hatten. Und sie dachte auch nicht im Traum daran ihre Hände an derlei Arbeit schmutzig zu machen. Doch was es hier gab, davon gab es mehr als genug. Einfache Menschen. Keine Soldaten. Keine Krieger. Gelegentlich sah sie eine Handvoll Söldner, die besonders wohlhabende Händler angeheuert hatten, um ihre Waren zu beschützen, oder ihre Leben. Denn das Leben als fahrender Händler war ein hartes und gefährliches Geschäft. Der Plan, der einst in Yath-Zuharra gereift war, könnte hier auch verwirklicht werden. Dessen war sich Arvalia bewusst. Doch wie? Ganz auf sich allein gestellt gab es kaum eine Möglichkeit sich des Reichtums anderer zu bemächtigen. Und ohne Finanzmittel gab es auch keine Möglichkeit gedungene Schläger anzuheuern, um die Drecksarbeit für sie zu erledigen. Ganz zu schweigen davon, dass Arvalia nur ungern teilte. Sie wollte alles für sich und allein der Gedanke, dass es Menschen geben würde, die ihr nicht in Demut zu Füßen liegen bereit waren, waren ihr im Augenblick der größte Dorn im Auge.

Arvalia zählte soeben die Münzen ab, um das Wasser zu bezahlen, und sie legte die doppelte Menge aus, um noch einen zweiten Becher zu erstehen, als ein Tumult ausbrach. Einige Männer hatten, nicht unweit von dem Stand der rotgewandeten Wasserfrau, einen Streit begonnen. Was mit anfänglichen Wortgefechten bekonnen hatte, entwickelte sich rasant zu einem handfesten Streit. Fäuste flogen und Waren gingen zu Bruch. Es dauerte nicht lange, da rückte auch schon die Marktwache auf den Plan. Es waren ein halbes Dutzend Männer, die einen gesteppten Gambeson trugen und einen handlichen Schild, welchen sie dazu verwendeten sich einen Weg durch die stockende Menge zu bahnen. Und der Auftritt der Wachen war für Arvalia das Zeichen zu verschwinden. Sie nahm den Wasserschlauch, den sie soeben erstanden hatte, und entfernte sich aus dem Getümmel des Marktes.

Wie bereits erwähnt zählte Itkkin gerade einmal ungefähr zwanzig Gebäude. Eines davon war das Haus der Münzen. Dort sassen Steuerbeamte, Geldwechsler und Schätzer und schlugen die Unmengen an Geld um, die ein solcher Handelsposten zu Tage förderte. Standgebühren, Handelsgebühren, Zollgebühren. Und allem voran natürlich Bestechungsgelder. Hier wurden die verschiedensten Währungen gegen die allgemein gültige gewechselt. Und das zu einem horrenden Tagessatz, der sich beinahe stündlich zu ändern schien. Neben dem Haus der Münze gab es noch zwei Gaststätten und zwei Wachstuben. In ersteren konnte man die Nacht verbringen, oder sein sauer verdientes Geld für Speis und Trank ausgeben. In zweiteren waren jene Männer ansässig, welche soeben den Streit auf dem Markt zu schlichten versuchten. Die restlichen Gebäude beherrbergten die Anwohner der Stadt, die sich ihr Brot damit verdienten, den verschiedensten Tätigkeiten auf dem Markt nachzugehen. Arvalia zog es zu den Gaststätten. Sie hatte keinen Hunger, doch sie suchte einen Platz für die Nacht. Und wie auch schon in Yath-Zuharra, entschied sich Arvalia stets auf die übliche Weise, wenn sie einen solchen Ort aufsuchte. Der Name musste ihr gefallen. Es war unerheblich, was die Speisen kosteten, oder wie die Lage war, wenn Arvalia der Name nicht gefiehl. Doch, anders als in Yath-Zuharra, gab es in Itkkin keine Hülle und Fülle an Auswahl. Ganze zwei Gasthäuser gab es und beide trugen einen Namen der nicht im geringsten den Geschmack der verwöhnten Halbelfin trafen. Die Wahl zwischen dem »Zum lachenden Händler« oder der »Zum vollen Humpen« war nicht gerade das, was Arvalia eine Auswahl nannte. Und in Yath-Zuharra hätte sie weder in den einen, noch in den anderen Laden überhaupt jemals einen Fuß gesetzt. Ihre Entscheidung glich beinahe einem innerlichen Münzwurf, denn was sollte man schon von einem Lachenden Händler oder einem vollen Humpen erwarten? Da Arvalia nicht der Sinn nach Bier oder Wein stand, ihr aber auch nicht nach Lachen zumute war, entschied sie sich für jenes Haus, welches auf Arvalia den Eindruck machte, die schöneren Zimmer zu haben. Doch auch hier schien ein Haus wie das andere zu sein. Doch befand sich der lachende Händler etwas abseits vom Marktgeschehen, und somit erhoffte sich Arvalia hier etwas Abgeschiedenheit vom Trubel der Handelskarawanen, denn sie wusste, wie lange das Treiben auf dem Markt vonstatten ging. Oftmals bis in die späten Abendstunden wurde gefeilscht, angepriesen und gehandelt. Und da die Fenster lediglich mit einfacher Schweinebhaut bezogen waren, würde sie auch keine Ruhe finden, bis die Nacht hereingebrochen sein würde.

Das Gasthaus »Zum lachenden Händler«, lag am anderen Ende des Ortes. Am Ende jener Seite, in welcher die Karwawanen den langen Weg durch die Steppe antraten, um in die große Handelsstadt Rômachar zu ziehen. Das Gasthaus war dürftig. Und das war noch milde ausgedrückt. Die Zimmer waren klein und spartanisch und der einzige Vorteil den Arvalia daraus ziehen konnte waren die entsprechenden Nächtigungspreise. Doch da selbst hier wurde rege um den Preis gehandelt. Immerhin gab es viele Händler die ein Bett dem Platz auf ihrem Wagen vorzogen. Beinahe jedes Zimmer war belegt und als Arvalia erfuhr, dass soeben das letzte Zimmer an einen, wie der Wirt es beschrieb seltsamen und unheimlichen Gesellen, vermietet wurde, vergällte dies Arvalias Laune nur umso mehr. Sie dachte nicht im Traum daran mit ausgefuchsten oder gar schmierigen Händlern um das Zimmer zu feilschen, und dann am Ende noch mehr zu bezahlen als dieses Flohloch eigentlich wert war. Und so besann sich Arvalia auf jene Gabe die sie, scheinbar schon von Geburt an, beherrschte. Sie umgarnte einen jener Männer, die eines der Zimmer bezogen hatten. Was tat man nicht alles für ein paar Annehmlichkeiten? Und Arvalia hatte schon für ganz andere Dinge ihre Brüste aus dem Dekolette gezaubert. Sie hatte nicht im Geringsten an der Wirkung ihrer klimpernden Wimpern, ihres weiblichen Charmes und dem Umstand eine Frau in Nöten zu sein, gezweifelt. Der Mann, den sie sich als ihr Opfer auserkoren hatte, war ein stämmiger Kerl der seine besten Jahre schon hinter sich hatte. Ungefähr vierzig Jahre musste er sein, und er hatte bestimmt schon mehr als die Hälfte auf Reisen verbracht. Dies erkannte Arvalia an dem verwaschenen Akzent und der wettergegerbten Haut. Sie hingegen spielte die Unschuld aus der Großstadt, und diese Masche verfehlte ihre Wirkung nicht. »Was führt euch nur in diese entlegene Gegend, meine Dame?«, raspelte der alte Stelzbock mit dem honigsüßen Süßholz eines Mannes der seine Großmütigkeit als lohnende Investition betrachtete. »Ich bin nach Itkkin gereist, um meinen zukünftigen Gemahl kennenzulernen.« Der Händler sah Arvalia zunächst ein wenig irritiert an, als ob er sich fragen würde, was sie dann wohl von ihm wollte. »Doch wie sich herausstellte, war er ein erbärmliches Abbild von einem Mann.« Da schwand der irritierte Blick aus seinem Gesicht und der Händler grinste süffisant während er sich seinen dichten Bart zwirbelte. »Und noch viel schlimmer! Es stellte sich heraus, dass er beinahe mittelos war!« Da schien der Händler noch viel breiter zu grinsen, doch er versuchte dies, mit erbärmlichen Erfolg, mit einem mitleidigen Räuspern zu kaschieren. »Also daran mangelt es mir ganz gewiss nicht, mein Kind.« Er gluckste, als ob er über einen seltsamen Scherz lachen würde, und tat einen kräftigen Schluck aus seinem Weinpokal. Auch Arvalia tat einen Schluck aus dem ihren, den der Händler ihr in zuvorkommender Art und Weise angeboten hatte. Allerdings, anders als der Händler, nippte sie nur an dem Wein, da sie kein Interesse hatte, sich zu betrinken. Sie musste bei Sinnen bleiben, wenn sie mit diesem Widerling von einem Mann nicht im Bett landen wollte. Allein der Gedanke daran rief in Arvalia einen ungeahnten Sturm an Brechreizen hervor. Doch sie zauberte eine beinahe beängstigend unschuldige Miene auf, die es schwer machten, ihr boshafte Gedanken zuzuschreiben. »Und nun sitze ich hier. Ganz allein und harre auf die Kutsche meines Vaters, der mich aus meinem Elend erlösen soll.« Arvalia seufzte theatralsich und nippte noch einmal an dem Weinpokal, ohne auch nur einen Schluck davon zu nehmen. »Ich fühle mit euch, mein Kind.«, säuselte der stramme Stelzbock und wie beiläufig legte er seine Hand auf die Arvalias. Seine Berührung ließ Arvalia erschauern. Doch anders als er glauben mochte, nicht aus Erregung oder aus Schüchternheit. Nur die blanke Abscheu. »Wie es der Zufall so will, habe ich das einzige Zimmer mit einem Balkon gemietet. Das Bett ist angenehm groß ...« Er hielt einen Moment inne und bedachte Arvalia mit Blicken als ob er sie im Geiste bereits entkleiden wollen würde. »... groß genug für zwei.«, schloss Arvalia im Geiste und lächelte dabei freundlich. Er lächelte ebenfalls. Beinahe väterlich. »Mein Vater wird euch eure Großzügigkeit lohnend vergelten.«

Arvalia errötete und zog galant, aber nicht abweisend ihre Hand unter der seinen hervor. »Oh, ihr seid zu gütig, werter Herr.«, säuselte sie, scheinbar verlegen und hielt sich den Weinpokal vor den Mund, als ob sie ihre Verlegenheit zu verbergen versuchte. Der Händler, aufgrund von Arvalias Reaktionen, sah sich in seinem Vorhaben bestärkt und stürzte den Inhalt seines Pokales in einem Satz hinunter. Als er ihn wieder auf dem Tisch abgestellt hatte, blies er die Luft aus den Wangen und räusperte sich. »Wenn ihr gestattet, würde ich euch das Zimmer gerne zeigen? Ihr sollt ja nicht die Katze im Sack kaufen, nicht wahr?« Da lächelte Arvalia dünn und nickte vorsichtig. »Das ist eine gute Idee.« Und um ihre Worte zu untermauern nickte sie bestimmend, während sie ihm ihre Hand darbot, um ihr auf die Beine helfen zu können. Der Mann zögerte keinen Augenblick und ehe sie sichs versah, hatte er sie auch schon in das Obergeschoss des Hauses geführt. Ein eiserner Schlüssel, den er aus seiner Hose gezaubert hatte, entriegelte das Schloss und kurz darauf fand sich Arvalia in einem einfachen aber durchaus beschaulichen Zimmer wieder. »Ich habe es mir zur Angwohnheit gemacht, einige persönliche Dinge aufs Zimmer bringen zu lassen. Auch wenn man in der Ferne ist, möchte man sich doch zumindest ein wenig wie zu Hause fühlen.« Auf einer kleinen Kommode standen einige Portraits. Eine Frau mittleren Alters und eine junge Dame, kaum älter als Arvalia schien. Der Händler schien zielstrebig darauf hinzu zu gehen, während er Arvalias Aufmerksamkeit auf die Tür zum Balkon lenkte. Und als Arvalia sich jenem Balkon zuwandte, legte er die Bilder mit dem Portraits nach unten auf der Kommode nieder. Dann schritt er zur Tür und verriegelte sie von innen. Arvalia hingegen stand an der Ballustrade des Balkons und sah auf die Menschen herab, die dort ihrem geschäftigen Treiben nachgingen, während der Händler sich ihr von hinten näherte. »Und? Gefällt euch die Aussicht?« Arvalia nickte und hüstelte verlegen. »Sie ist natürlich nicht so beeindruckend, wie jene die ihr zu Hause gewohnt seid, nicht wahr?« Da nickte Arvalia erneut. Doch dieses Mal schwang ein Hauch von Melancholie mit, die dem Händler nicht entgangen waren. »Kommt. Ich möchte euch etwas zeigen.« Er nahm Arvalia galant bei der Hand und führte sie wieder in das Zimmer. Doch kaum hatte sich Arvalia von dem Balkon entfernt, da packte er sie am Handgelenk und warf sie mit einem ruppigen Ruck auf das Bett. Ohne weitere umschweife begann er an seiner Hose zu nesteln, und öffnete schließlich seinen Gürtel. All die Freundlichkeit war aus seinem Antlitz gewichen und zurück war nur eine finstere Fratze der Gier und Wollust geblieben. »Wehe du schreist.«, drohte er mit einer deutlich tieferen Stimme als jene, die er zuvor an den Tag gelegt hatte. »Du wirst schon sehen. Es wird dir gefallen.« Er bleckte die Zähne, während er seine Hose zu Boden rutschen ließ und seine Männlichkeit offenbarte, die scheinbar noch nicht ganz so bereit zu sein schien, wie er den Anschein erweckte es zu sein. »Und wer weiß? Vielleicht stelle ich mich ja deinem Vater vor. Immerhin bin ich ja eine ganz gute Partie, nicht wahr?« Er lachte hohl, und es war ein dreckiges Lachen. Sicherlich hatte er dies schon mehr als dieses eine Mal getan, und Arvalia seufzte. »Männer sind so vorhersehbar.« Noch ehe der Händler auf sie stürzen konnte, war sie mit der Eleganz einer Schlange vom Bett gerollt und hatte sich seinem Zugriff entzogen.

Nun hatten sich ihre Seiten zum Gegenteil geändert, den nun lag er auf dem Bett und sie stand vor ihm. Der Händler kämpfte sich aus den Laken und rappelte sich daraus auf, um ebenfalls wieder auf die Beine zu kommen, doch Arvalia gab ihm einen leichten Stoß und er fiel wieder zurück ins Bett. Doch dieses Mal mit dem Rücken voran. Arvalia entkam ein glockenhelles und spöttisches Lächeln über die Lippen. Dieses Lachen schien den Händler nur noch mehr zu reizen, doch noch ehe er einen neuerlichen Versuch starten konnte, sich aus dem Bett aufzuraffen, da öffnete Arvalia ihr Kleid und ließ es, wie er zuvor seine Hose, auf den Boden gleiten. »Du hättest doch nur zu Fragen brauchen.«, säulselte Arvalia, als sie sich in ihrer ganzen Pracht vor ihm präsentierte. Der Zorn war aus dem Gesicht des Mannes gewichen und hatte nur einen verwirrten Ausdruck zurück gelassen. Doch die Gier in seinen Augen funkelte nun noch stärker als zuvor. Arvalia näherte sich dem Bett und mit jedem Schritt den sie tat ließ sie ihre Hüften kreisen. »Aber scheinbar hat er wohl keine Lust?« Sie deutete auf den Teil des Händlers, den er zwischen den Beinen trug und schnalzte dabei, beinahe enttäuscht, mit der Zunge. »Da muss ich wohl nachhelfen?«, säuselte Arvalia und kroch auf das Bett, so weit bis sie sich direkt über dem Händler befand, der sich nun gänzlich in ihre Hände begeben hatte. »Schließe deine Augen.«, flüsterte Arvalia und der Händler tat, wie ihr geheißen. Und kaum einen Herzschlag später bohrte sich eine feine, lange Haarnadel direkt in seine Brust. Der Mann schrie erschrocken auf, doch Arvalia legte ihm ihre Hand auf den Mund. »Ssshht.», flüsterte sie und lächelte ihn dabei an, als ob sie ihm gerade beglücken würde, anstatt ihm eine Klinge ins Fleisch zu treiben. »Du wirst schon sehen. Es wird dir gefallen.« Arvalia lachte, und sah dabei zu, wie langsam das Leben aus den Augen des Mannes entwich...
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Re: Im eisigen Hauch der Nacht

Beitrag von Xarrbraxas » Do, 02. Jun 2016 16:32

In der Dunkelheit und der Kühle der Nacht fühlte Xarrbraxas sich wohler, auch wenn die menschlichen Rassen dazu neigten ihre Feuer zu entzünden. Angewidert verzog er bei diesem Gedanken das Gesicht. Nur solch niedere Geschöpfe brauchten stets den Schutz, um ihr erbärmliches Leben zu erhalten. Seien es Mauern, Rüstungen, Waffen oder die ihm verhassten lodernden Flammen. Er hingegen war ein Dämon! Er brauchte all dieses Zeug nicht! Er war mächtig und sein dunkles Blut von reiner Magie durchdrungen. Silbern funkelte die Fellfeste, die er auf den Schultern trug, im Schein des Mondes und seine Haut darunter leuchtete weiß wie Schnee. In manch seltenen Momenten der Melancholie vermisste er seine Geburtsstätte. Ihm fehlten der stechende Wind und die schneidende Kälte der Eiswüste. Ein leiser Seufzer kam über seine blauen Lippen. Doch heute Nacht, da würde er seine Kräfte entfesseln und seinen Gelüsten freien Lauf lassen. Er musste einen abgelegenen Ort finden, einen Platz wo seine Eisblumen bis zum Morgengrauen unentdeckt bleiben würden. Doch zuerst brauchte er die passende Frau. Ein Weib, dass ihn begehrte, dass sich ihm hingab und ihm vollends gehorchte. Er hoffte inständig darauf, dass die Dame vom Wasserstand, gewandet in ihrem Scharlach roten Kleid, in der Schenke auftauchen würde. Schon am Mittag war es ihm erschienen, als hätte sie ihm ein unausgesprochenes Angebot unterbreitet und er war willig es in Anspruch zu nehmen. Langsam erhob er sich von seiner Schlafstätte, die Decke, auf der er gelegen hatte, war klamm von der Kälte, die sein Körper während des Schlafens abstrahlt hatte. Der Dämon trat ans Fenster und starrte einen Augenblick in die Nacht hinaus. Jedoch verharrte er nicht lange in der geduckten Haltung, da sich hier das Dach des Hauses so weit neigte, dass er nicht zu seiner vollen Größe aufgerichtet stehen konnte. Kaum auszudenken was passieren würde, wenn er sich in diesen niedrigen Räumlichkeiten verwandeln würde. Vermutlich würden seine Hörner gar das Dach durchstoßen. Dieser Gedanke brachte ihn für einen kurzen Moment wieder zum Schmunzeln. Er war schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr in seiner natürlichen Gestalt auf dem Weg. Die Verwandlung war nicht nur äußert schmerzhaft, nein, er hasste allein die Vorstellung daran, dass er selbst die Kontrolle über sein Handeln verlieren könnte. Nein, sofern es ihm möglich war, würde er in seiner menschlichen Gestalt verweilen und es galt seinen Zorn im Griff zu behalten.

Sein Weg zurück in die Schenke, die sich im Erdgeschoss der kleinen Herberge befand, führte ihn über einen langen Flur, in dem links und rechts aneinandergereiht die einzelnen Gästezimmer lagen. Die Türen waren alle verschlossen und er wusste nicht, was oder wer sich dahinter verbarg. Ein seltsam vertrauter, metallischer Geruch stieg ihm in die Nase, als er eines der Zimmer passierte. Der liebliche Gestank von Blut und Tod erweckte seine Aufmerksamkeit. Er hielt einen Augenblick inne und presste leise sein Ohr an das Holz der Türe. Da sein Gehörsinn jedoch nicht sonderlich gut ausgeprägt war, vermochte er keine außergewöhnlichen Geräusche zu vernehmen. Was wohl hinter diesen Mauern vor sich ging? Vielleicht würde sich später eine Gelegenheit ergeben, zu ergründen, welche Geheimnisse in diesem Raum verborgen lagen. Noch ein letztes Mal nahm er die Witterung auf, dann setzte er sich langsam wieder in Bewegung und schritt die hölzerne Treppe am Ende des Ganges hinab. Unten angekommen schlug ihm unangenehm warme, stickte Luft entgegen. Im Karmin der Gaststube brannte ein loderndes Feuer. Voller Abscheu durchsuchten seine stechend blauen Augen den Raum nach einem Platz, der weit genug davon entfernt lag. Natürlich wurde er schnell fündig, ganz im hintersten Eck stand ein Tisch mit zwei freien Stühlen. Perfekt! Großen Schrittes durchquerte Xarr den Raum, nicht ohne nach der rotgewandeten Schönheit Ausschau zu halten. Doch sie war nicht da. Noch nicht. Gewiss würde sie früher oder später noch auftauchen. Viele Augenpaare blickten ihm nach und auch wenn die Eigentümer dieser versuchten es im Geheimen zu tun, so spürte er ihre Blicke auf seiner auffälligen Erscheinung. So war es stets, wenn er sich unter Menschen oder menschenähnliche Völker begab. Er war auffällig, ein Sonderling ohne gleichen, geheimnisvoll und angsteinflößend, doch niemand richtete das Wort an ihn. An dem auserwählten Platz angekommen, ließ er sich elegant auf einem der Holzstühle nieder. Es dauerte nicht lange, bis die Schankmaid daher gelaufen kam und seine Bestellung aufnahm. Er verlangte nach etwas zu Essen. Fleisch, bloß keine Suppe, denn er hasste dampfende Flüssigkeiten, dazu ein kühles Gesöff, was auch immer sie vorrätig hatten. Das unscheinbare Mädchen nickte und verschwand umgehend in der Küche. Xarrbraxas ließ man einfach nicht warten. Es dauerte nicht lange, bis ihm aufgetragen wurde, was er bestellt hatte. Er legte schallend einige Münzen auf den Tisch. Er zahlte stets großzügig, schließlich bedeuteten ihm menschliche Reichtümer nicht viel. Sie waren ein notwendiges Übel um zu bekommen, was man begehrte, doch in seinen Augen waren sie nicht sonderlich wertvoll.

Eine riesige Eberkeule, wo auch immer der Koch sie aufgetrieben haben mag und ein frisch abgelassenes Bier mit Schaumkrone standen nun vor ihm. Lächelnd griff er nach dem Fleisch und biss genussvoll hinein. Die Art wie er aß erinnerte andere oft an ein hungriges Tier und mochte nicht gänzlich zu seinen edlen Gesichtszügen passen. Doch dem Dämon sollte es in diesem Augenblick gleich sein. Nachdem er fertig gespeist hatte, wischte er sich mit einem schmutzigen Tuch den Mund ab und nahm einen großen Schluck Bier. Kaum hatte er sich zurück gelehnt, kam auch schon die Schankmaid und verräumte umgehend seinen leer gegessenen Teller. Während Xarr in der Ecke hockte, Bier trank und darüber nachdachte, was er mit einem Weib an seiner Seite alles anzustellen vermochte, öffnete sich die Türe zum Schrankraum. Beinahe hoffnungsvoll wendeten sich seine Iriden gen Eingang, doch die langersehnte Schönheit war es nicht, die eingetreten war, sondern nur ein weiterer Kerl. Vollkommen entnervt ließ Xarrbraxas den Blick durch den Raum gleiten und musterte alle Anwesenden. Wieso waren hier eigentlich hauptsächlich Männer zugegen? Es waren zwar einige Weibsbilder vor Ort, allerdings waren diese nicht von solcher Schönheit, dass sie ein Feuer in seinen Lenden zu entzünden vermochten. Die Laune des Dämons wurde zunehmend schlechter. Er leerte seinen Humpen und spielte mit dem Gedanken das benachbarte Wirtshaus aufzusuchen. Vielleicht hätte er dort mehr Glück? Vielleicht würde es dort jedoch genauso trostlos sein wie hier. Seine Gedanken überschlugen sich. Er wusste genau, dass er nicht länger warten konnte. Die Unruhe in ihm ließ ihm keine andere Wahl. Wenn er in der heutigen Nacht nicht sein Verlangen stillen konnte, sei es der Genuss zwischen den Schenkeln einer Frau zu liegen oder aber einem Wesen das Leben auszuhauchen, wäre sein Zorn nur noch schwer unter Kontrolle zu halten. Wütend ballte er die Hände zu Fäusten und ließ sie auf den Tisch nieder fahren. Ein verdächtiges Knacken durchfuhr daraufhin das morsche Holz. Doch dann drang ein süßlicher Geruch in seine Nase. Witternd hob er das Kinn und blickte auf. Die Überraschung musste ihm ins Gesicht geschrieben stehen, denn er hatte das Kommen dieses zierlichen Geschöpfes in seiner Wut gar nicht bemerkt. Umgehend legte sich ein charmantes Lächeln auf seine Lippen. Er erhob sich galant und rückte der Dame den Stuhl zurecht und sprach mit ruhiger Stimme:
„Bitte setzt Euch doch zu mir, der Platz ist noch frei. Wollt Ihr etwas trinken? Bestellt, was Ihr wollt, es soll auf meine Kosten gehen.“.

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Re: Im eisigen Hauch der Nacht

Beitrag von Arvalia » So, 05. Jun 2016 22:13

Bildesonnenheit war noch nie eine von Arvalias Stärken gewesen. Natürlich hätte es auch anders kommen können, wenn der tote Mistkerl sich anders verhalten hätte. Doch, wie auch schon in früheren Situationen, war sich Arvalia natürlich keiner Schuld bewusst. In ihren Augen hatte er bekommen was er verdiente. Doch nun, als Arvalia in die toten und leeren Augen des Leichnams blickte, überkam sie ein Gefühl von Abscheu und Ekel. Nicht vor sich selbst, sondern nur vor dem Mann der dort, mit heruntergelassener Hose, auf dem Bett lag. Die Laken waren getränkt von seinem Blut und Arvalia seufzte. »Sehr gut gemacht.« In diesem Bett wollte sie nun doch nicht mehr schlafen. Jedenfalls nicht so, wie es derzeit aussah.

Arvalia erhob sich von dem Leichnam und zerrte ihn dann aus dem Bett. Mit einem dumpfen Geräusch schlug der schwerfällige Körper auf den Dielenbrettern auf und Arvalia schon ihn kurzerhand unter das Bett. Dann zog sie die Laken herunter und stopfte auch diese unter das Bett. Das Stroh, welches sich unter den Laken verborgen hatte, war überraschenderweise sauber geblieben und so musste Arvalia lediglich ein neues Laken finden. Einfacher gesagt als getan. Sie konnte unmöglich einfach zum Gastwirt gehen und ein neues verlangen. Wer würde sich fragen, wozu sie dies benötigen würde, und vielleicht würde er auch im Zimmer nach dem Rechten sehen, oder es in gastfreuntschaftlicher Manier selbst neu beziehen wollen. Und so stand Arvalia zunächst etwas ratlos in dem Raum, bis ihr die Vorhänge ins Auge fielen. Sie waren groß genug, und ohne weiter zu überlegen riss sie diese von der Stange und breitete sie über dem Bett aus. Mit einem zufriedenen Blick besah sie ihr Werk und entschied, dass es ausreichend sein sollte. Und so entkleidete sie sich und legte sich auf das frisch gemachte Bett, unter welchem der Leichnam eines Mannes lag, dem sie dieses Bett buchstäblich gestohlen hatte. Und mit diesem auch sein Leben.

Arvalia erwachte mit kaltem Schweiß auf der Stirn und richtete sich ruckartig in dem Bett auf. Ihr erster Blick galt dem Fenster, doch es drang kein Licht herein. Es konnte also noch nicht morgen sein. Doch der schlechte Traum, der sie wohl geplagt hatte, saß ihr noch tief in den Knochen und so stand sie auf, um sich ein wenig die Beine zu vertreten und hatte den Mann unter dem Bett schon fast vergessen, als sie beim Aufstehen über einen seiner Füße stolperte, der unter dem Bett hervor geragt hatte. »Verdammt.«, zischte sie und versetzte dem Leichnam einen groben Tritt. Sie schnaubte und rieb sich den großen Zeh, um den Schmerz heraus zu massieren und als der Schmerz abgeklungen war entzündete sie das Talglicht, welches neben dem Bett auf einem kleinen Nachtkasten stand. Noch ehe sie damit begann sich wieder anzukleiden, tigerte sie durch das Zimmer auf der Suche nach Habseligkeiten oder Wertsachen. Nach einer Weile wurde sie schließlich fündig. In einem kleinen Koffer, der nicht unweit des Bettes stand, fand sie einige Münzen, etwas Schmuck und einige zierliche Phiolen, deren Inhalt gelblich im Morgenlicht schimmerten. Neugierig zog sie den Stopfen aus einer der Flaschen heraus und ein angenehm süsslicher Duft strömte aus dem Inneren der Flasche hervor. »Parfum.«, murmelte sie und bedachte den Mann mit einem letzten Blick. Der Händler hatte ohnedies keinen Bedarf mehr an seinen Waren, und so nahm Arvalia sogleich den gesamten Koffer mit, als sie schließlich das Zimmer verließ, denn Schlaf hatte sie vorerst genügend gehabt.

Im unteren Geschoss angelangt, hielt sie für einen Moment lang inne, um den Gastwirt ausfindig zu machen. Doch von diesem war keine Spur zu sehen. Vermutlich schlief er noch, oder hatte gerade Erledigungen außerhalb der Gaststube zu verrichten. Und so entschied Arvalia kurzerhand noch etwas zu Essen, bevor sie diesen Ort verlassen würde. Und dies auf dem schnellsten Wege! Doch dieses Unterfangen sollte sich schnell als schwieriger als erwartet erweisen. Denn kein einziger Tisch war mehr frei. Wenn Arvalia angenommen hatte die einzige gewesen zu sein, die zu solch später Stunde noch auf den Beinen war, da hatte sie sich gehörig getäuscht. Im Schankraum tummelten sich Männer und Frauen aller Herren Länder. Die meisten von ihnen waren offensichtlich Händler auf der Durchreise. Aber hier und da saßen auch andere, zum Teil sogar recht zwielichtige Gestalten. Erneut kam ein Seufzten über die Lippen der jungen Bergelfin, in deren Adern das Blut einer Dämonin flosss. »Dann wohl auf dem Markt etwas zu essen kaufen.« Doch die Entscheidung, die sie soeben gefällt hatte, wurde ihr kurz darauf wieder abgenommen, als einer der Gäste, die sich an den etwas abseitts gelegeneren Tischen breit gemacht hatten, ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. »Bitte setzt Euch doch zu mir, der Platz ist noch frei.« Arvalia musterte den Kerl skeptisch. Er war so gänzlich anders als die meisten anderen Gäste hier und sie ertappte sich dabei, wie sie argwöhnisch die Blicke durch den Raum streifen ließ. Doch der Kerl schien davon kaum Notiz zu nehmen, was Arvalias Befürchtung einem anderen Schwerenöter in die Hände zu fallen, zunächst etwas entkräftete. »Vielen Dank. Aber ich habe nicht viel Zeit ...«, erhob Arvalia und war bereits im Begriff zu gehen, denn sie hatte absolut kein Interesse daran sich einen Tisch mit einem wildfremden und scheinbar dahergelaufenem Fremden zu teilen. Da speiste sie lieber auf dem Markt. Manche Stände boten ihren Gästen auch einige Hocker an, um es sich etwas bequem zu machen. Doch der Kerl schien nicht locker zu lassen. »Bestellt was ihr wollt. Es soll auf meine Kosten gehen.« Da horchte Arvalia neugierig auf. Sie konnte nicht abstreiten dass ihre Geldbörse sehr hohl klang, wenn man sie kräftig schüttelte. Und auch wenn es möglicherweise den Anschein von Verzweiflung erwecken könnte, so war die Verlockung auf eine kostenlose Mahlzeit doch zu verlockend. Aber Arvalia bewahrte ihre innere Ruhe und lächelte den Mann dünn an. »Das ist ein großzügiges Angebot. Wie komme ich zu einer solch zuvorkommenden Geste?« Sie trat einen Schritt näher an den Tisch heran und verabsäumte es nicht einen höchst eleganten, wenn auch leicht aufreizenden Hüftschwung zum Besten zu geben. »Kennen wir uns? Ich muss gestehen, dass ich mich nicht erinnere.« Sie lächelte verlegen und wenn sie einen Spiegel vor sich gehabt hätte, dann würde sie voller Stolz von sich selbst behaupten ein wunderbar falsches, unschuldiges Lächeln zu beherrschen, das Herzen der Männer zu blenden vermag, wie eine Laterne die Motten.
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Re: Im eisigen Hauch der Nacht

Beitrag von Xarrbraxas » Mi, 08. Jun 2016 22:38

Seine strahlend blauen Iriden glitzerten geheimnisvoll im Fackelzwielicht der Taverne, gerade so, als würde sich das Spiel der Flammen in einer Schicht aus reinem Eis wiederspiegeln. Seine Auserwählte – wunderschön war sie anzusehen, mit den deutlich erkennbaren, elfischen Gesichtszügen, der wohlgeformten Statur und dem dunklen, langen Haar – schien anfangs nicht sonderlich interessiert. Xarrbraxas verwunderte dieses Verhalten nicht wirklich, schließlich war er für sie nicht mehr ein Fremder, der vermeintlicher Weise düstere oder zumindest lüsterne Hintergedanken hegen könnte. Dass genau dies auf ihn zutraf, müsste er wohl in der ersten Phase des Kennenlernens gekonnt überspielen. „Nun, wenn Ihr die Einladung zu einer Mahlzeit oder einem Umtrunk bereits als großzügig bezeichnen wollt, so könnte man behaupten, dass ich wohl das nötige Kleingeld übrig habe. Allerdings muss ich an dieser Stelle anmerken, dass für mich die Gesellschaft einer reizenden Dame wahrlich unbezahlbar ist. Also scheut Euch nicht und nehmt mein Angebot einfach an.“, sprach er mit wohlklingender Stimme. Die elfische Sprache, welche er zum Besten gab, war in der Betonung nicht perfekt, sodass man ihm einen gewissen Akzent deutlich anhören konnte. Als die Unbekannte Schönheit nun doch näher an ihn heran trat, kam er nicht umhin, einen gierigen Blick auf ihren gut inszenierten Hüftschwung zu werfen. Er biss sich lüstern auf die dunkel verfärbte Unterlippe und mahnte sich innerlich Ruhe zu bewahren. „Nein, wir kennen uns nicht. Nicht, dass ich wüsste. Noch nicht… Allerdings muss ich gestehen, dass es mich durchaus freuen würde, Eure Bekanntschaft machen zu dürfen.“, antwortete er auf die von ihr gestellte Frage. Nochmals deutete er auf den freien Stuhl, welchen er immer noch in den Händen haltend für sie zurecht gerückt hatte, damit sie sich zu ihm gesellen konnte. In seinem Kopf flackerten bereits die ersten perfiden Bilder auf. Was er alles mit diesem Weib anstellen könnte! Sie wirkte, entsprechend dem ersten Eindruck den er von ihr hatte, nicht wie jene Frauen, die sich ihm leichthin hingaben und unterwarfen. Doch früher oder später würde sie tun, was auch immer er von ihr verlangte, schließlich hatte er seine Mittel und Wege zu bekommen, was er wollte. Und den Forderungen eines Dämons widersprach man einfach nicht.

Als sie sich nun endlich setzten, holte Xarrbraxas die Schankmaid heran und sagte:
„Die junge Dame sieht hungrig und durstig aus. Bring ihr, was immer sie begehrt und für mich noch einen neuen Humpen Bier. Ich werde für uns beide zahlen, wenn es recht ist.“. Das unscheinbare Mädchen nickte und blickte erwartungsvoll zu der schwarzhaarigen Elfe, damit sie auch deren Bestellung aufnehmen konnte. Danach verschwand sie umgehend wieder in der Küche, damit sie holen konnte, was verlangt wurde. Während sie warteten, erhob der Eisdämon erneut das Wort: „Nun, wo sind nur meine Manieren geblieben? Mein Name lautet Xarrbraxas, doch gerufen werde ich üblicher Weise Xarr. Dürfte ich auch in Erfahrung bringen, wie Eure Eltern euch einst nannten?“. Er legte fragend den Kopf schief und eine Strähne seines beinahe weißen Haares fiel ihm ins Gesicht. Die Ellenbogen auf dem Tisch abgestützt, die Finger mittig ineinander verankert, legte er nun sein Kinn auf eben jenen ab, um sein Gegenüber genau studieren zu können. Ihr Gesicht wirkte so rein und eben, selbst die feine Narbe, welche bei diesen Lichtverhältnissen nicht mehr war als ein unscheinbarer, weißer streifen, betörte ihn auf seltsame Art und Weise. Auch er hatte zahlreiche Narben zu verzeichnen, doch diese eine im Gesicht, hatten sie offenbar gemeinsam. Die Schankmaid kehrte zurück und unterbrach Xarr in seiner ausführlichen Betrachtung. Er rappelte sich auf, nicht ohne dem schmutzigen Küchenmädchen einen abwertenden Blick zukommen zu lassen, zahlte jedoch dann einen stolzen Preis für ein Mahl, an welchem er sich nicht einmal beteiligen sollte. Doch seine Geldkatze war gut gefüllt, daher machte es ihm wahrlich nichts aus. „Nun dann, lasst es Euch munden. Ich trinke auf euer Wohl und einen wundervollen, unterhaltsamen Abend.“, prostete er ihr zu und nahm einen großen Schluck aus seinem Humpen. Das Bier war stark, doch er war ziemlich groß und musste in der Regel etwas mehr trinken, um an der berauschenden Wirkung teilhaben zu können, wie sie die Menschen so gern anstrebten. Während er sich zurück lehnte und gemütlich trank, beobachtete er sein Gegenüber beim Essen. Er wollte vieles über dieses Weib erfahren, doch wo sollte er beginnen? Nicht so viele Fragen auf einmal, ermahnte er sich im Geiste und so legte er sich auf diese eine Fest: „Und was führt ein so reizendes Wesen, wie Ihr eines seid, zu einem denkwürdigen Ort wir Itkkin einer ist?“.

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Re: Im eisigen Hauch der Nacht

Beitrag von Arvalia » Mo, 01. Aug 2016 21:49

Bildieser Fremde schien ein Mann, wie jeder andere auch zu sein. Mit seinem Vermögen prahlte er und war offensichtlich willens dieses einer hübschen Frau unter die Nase zu reiben. Erhoffte er sich mehr, oder war er einfach nur höflich? Arvalia schüttelte innerlich den Kopf. Niemand der Geld besaß, verschwendete dies ohne einen triftigen Grund. Denn sonst wären diese Männer nicht zu ihrem Reichtum gekommen. Die einzigen Männer, die verschwenderisch mit ihrem Geld umgingen, ohne sich großartig etwas dabei zu denken, waren jene, die ihr Vermögen von einem verstorbenen Verwandten geerbt hatten. Sogenannte Neureiche, die nicht hart für ihr Vermögen hatten arbeiten müssen, und es daher auch nicht zu schätzen wussten, sondern nur in Saus und Baus lebten, bis ihnen das Geld ausgehen würde, oder sie sich eines besseren besinnen würden, und doch ihr Geld zu horten begannen. Doch dieser Mann wirkte weder wie der klassische Neureiche, noch wie einer jeder Männer die besonders hart für ihr Vermögen arbeiteten. Dies konnte, wenn Arvalia sich nicht sehr täuschte, nur eines bedeuten. Dieser Mann verdiente sein Geld nicht auf ehrliche Art und Weise, und dies machte ihn umso gefährlicher, aber auch umso interessanter. Zumindest für Arvalia.

Aber Arvalia ließ sich nichts anmerken und nahm, graziös wie es nur eine Elfe vermag, auf dem ihr dargebotenen Stuhl Platz. Der Fremde verlor keine Zeit, und winkte, kaum hatten sie beide Platz genommen, auch schon die Schankmaid herbei. Da sich diese direkt am Nebentisch aufhielt, war sie auch schon bei ihnen, noch bevor Arvalia mit irgendeiner Art von Unterhaltung hatte beginnen können. Der Fremde ließ sich nicht lumpen, wie es schien. Arvalia hatte die freie Auswahl und das große Loch in ihrem Magen forderte sie sogleich dazu auf, diese Auswahl völlig auszuschöpfen. Allerdings gebot ihr die Zurückhaltung einer Dame eben dies nicht zu tun. Zumal wollte Arvalia weder als gefräßig wirken, noch dass sie auf Almosen angewiesen wäre. Und wer wusste schon? Wenn sie das Gespräch in die richtigen Bahnen zu lenken vermochte, würde es vielleicht nicht nur bei dieser einen Mahlzeit bleiben? Ihr letzter Fang, wenn man dies so bezeichnen wollte, hatte sie als herbe Enttäuschung entpuppt. Nicht nur, dass er nichts anderes, als Arvalia an die Wäsche gehen zu wollen, im Sinn gehabt hatte, hatte Arvalia auch keine Geldbörse bei diesem windigen Händler aus dem Westen finden können. Vermutlich hatte er seine Börse irgendwo gut versteckt gehabt, doch Arvalia hatte sie nicht finden können. Und so war sie, nach verrichteter Bluttat, von dannen gezogen, ohne etwas davon gehabt zu haben, außer der Genugtuung, einem Mistkerl den Hals aufgeschlitzt zu haben. Der Fremde hatte inzwischen sein Mahl bestellt und die Schankmaid wandte sich Arvalia zu. Doch Arvalia stand nicht der Sinn nach Bier. »Bring mir eine Flasche eures besten Weines.«, verlangte sie mit fordernder Stimme, die es gewohnt war anderen Leuten Befehle entgegen zu werfen. »Und ich habe Kuchen gerochen, als ich in die Stube gekommen bin.« Die Schankmaid nickte, wie zur Bestätigung von Arvalias Vermutung. »Und? Welchen Kuchen habt ihr heute im Angebot?«, verlangte Arvalia zu wissen, und es stellte sich heraus, dass es ein Apfelkuchen war. Die Äpfel mussten von einem Händler aus den Nordreichen stammen, denn in dieser Gegend wuchsen keine Apfelbäume. Arvalia nickte zustimmend und tippte dann nachdenklich mit dem Finger auf der Unterlippe. »Darf es sonst noch etwas sein?«, erkundigte sich die Schankmaid, und Arvalia nickte geistesabwesend. »Ja, bring mir zwei Stück Apfelkuchen zu dem Wein.« Damit entließ Arvalia die Schankmaid und diese huschte sogleich in die Küche, um das Gewünschte herbeizuschaffen.

Nun, als die Schankmaid sich entfernt hatte, schien es dem Fremden einzufallen, dass er sich noch gar nicht vorgestellt hatte. Eine Tatsache, die Arvlia natürlich schon längst aufgefallen war. Doch sie rang sich ein süffisantes und gespielt nachsehendes Lächeln ab. »Xarr.«, wiederholte sie den Namen, mit dem der Mann üblicherweise gerufen wurde. Der Name ging ihr nur schwer von der Zunge. »Du bist nicht aus dieser Gegend. Dieser Name ist sehr ungewöhnlich.«, stellte Arvlia fest, und überging zunächst seine Frage nach ihrem Namen. Doch Arvalia ließ die Höflichkeit nicht lange auf sich warten. »Meine Eltern nannten mich Arvalia. Und diesen Namen trage ich auch heute noch.«, scherzte sie mit einem hellen Lachen, welches ihrer Kehle entsprang, und welches mindestens genauso falsch war, wie das gespielte, nachsehende Lächeln von zuvor. »Was verschlägt dich in diese Gegend, Xarr aus fernen, unbekannten Landen?« Und während sie auf ihre Antwort wartete, begann sie unterdessen ihr Gegenüber zu beobachten. Er hatte eine ungewöhnlich helle Haut, was ein weiteres Indiz dafür war, dass er nicht aus dem Süden stammte. Und er trug zahlreiche Narben, was sowohl davon zeugte, dass er schon einige Kämpfe erlebt haben musste, aber ebenso auch ein Hinweis darauf sein könnte, welch dunklem Tagwerk er nachgehen mochte. Arvalia setzte die Gedankenfetzen, die sich in ihrem Geiste bildeten, nach und nach zusammen, bis sie ein Bild vor Augen hatte, welcher Art Mann sie hier wohl vor sich hatte, und wie sie sich wohl am besten zu verhalten hatte, um ihn nicht zu verärgern, aber auch nicht allzu sehr von ihr einzunehmen, so dass er ihr noch die eine oder andere Mahlzeit spendieren würde, ohne gleich mehr dafür zu verlangen. Denn nach noch einem Mord dürstete es ihr im Moment nicht im Geringsten. Auch wenn es dieses Mal wohl sogar eine Börse zu erbeuten gäbe. Doch nichts sprach gegen etwas Zerstreuung bei fremder Gesellschaft, und so war Arvalia geneigt ihm ihr Ohr zu schenken, was auch immer er zu erzählen hatte.

Xarr antwortete auf Arvalias Frage mit einer Gegenfrage. War es so offensichtlich, dass sie nicht an diesen Ort gehörte? Unweigerlich sah sie an sich herab, und der Zustand ihres Kleides verriet ihr, dass dem zweifelsohne so war. »Ich stamme aus Yath-Zuharra.«, begann Arvalia und ein leises Seufzten kroch in ihre Stimme. »Und ich bin geschäftlich in Itkkin. Mehr brauchst du, vorerst, nicht zu wissen.« Sie reagierte abweisend. Es war ihr peinlich zuzugestehen, dass sie aus der Heimat geflohen war, da ihr sonst die Konklave drohte. Auch wenn sie selbst eigentlich gar nichts verbrochen hatte. Immerhin war ihr Mann in Konspirationen verwickelt gewesen, und nicht sie. Doch wie lange würde es wohl dauern, bis man ihre Andersartigkeit bemerken würde? Und was würde dann geschehen? Es gab keinen anderen Weg. Sie musste zu ihrem Onkel nach Aelkazâna um ihn um Geld zu bitten. Vermutlich würde er sie abweisen, immerhin hatte er gute Gründe nicht allzu gut auf sie zu sprechen zu sein. Doch Arvalia hatte so ihre Mittel und Wege an das zu gelangen, was sie begehrte. Und im Moment begehrte sie nichts mehr als diesen vorzüglichen Kuchen, und den vollmundigen Wein, welcher soeben serviert worden war.

Nach einer Weile, und nachdem der Kuchen vertilgt worden war, wischte sich Arvalia dezent die Mundwinkel ab, und schenkte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Fremden, vermutlich zwielichtigen Gesellen, der Geld anderer Leute in seiner Börse trug. Arvalia war neugierig. Hatte sie Recht mit ihrer Vermutung? Konnte sie ihn vielleicht sogar für ihre Zwecke einspannen, an das Vermögen ihres Onkels zu gelangen? Es gab nur einen Weg, dies herauszufinden, und dabei musste sie umsichtig zu Werke gehen. »An deinem Aussehen und deinem Namen, aber auch an deinem Akzent erkenne ich, dass du nicht aus dieser Gegend zu sein scheinst. Auch wohnst du in einer Gaststube für Durchreisende. Wohin führt dich dein Weg, wenn mir die Frage gestattet sei? Und was mich noch viel brennender interessiert. Warum hast du mich zu einem gemeinsamen Mahl eingeladen?« Natürlich wusste Arvalia, dass es ihrer Schönheit wegen war. Was sollte es auch sonst anderes sein? Vielleicht war ihm auch nur Langweilig, doch hier gab es genügend andere Frauen, aber er hatte sie gefragt. Und so lehnte sie sich nun ihrerseits etwas hervor und stützte ihr Kinn auf ihre Hände ab um neugierig seine Antwort zu erwarten.
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Re: Im eisigen Hauch der Nacht

Beitrag von Xarrbraxas » So, 28. Aug 2016 19:46

Dieses Weib – oder besser gesagt dieses „bezaubernde Geschöpf“, verbesserte er sich selbst in Gedanken, schließlich sollte ihm in ihrer Anwesenheit solch ein Wort nicht über die Lippen kommen – schien ganz genau zu wissen, wonach es ihr gelüstete. Direkt eine ganze Flasche des besten Weines des Hauses zu bestellen, könnte man auch als unverschämtes Verhalten empfinden. Allerdings war sie nur seiner Aufforderung nachgekommen und ihn sollte es nun wirklich nicht stören. Ganz im Gegenteil fühlte Xarrbraxas sich zu solcher Art Frauen durchaus hingezogen. Wozu auf die Dame im roten Kleid warten, wenn dieses Gasthaus offensichtlich auch andere Zerstreuung zu bieten hatte? Es war eine spontane Eingebung gewesen diese Fremde anzusprechen. Sie hatte einfach seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen, hatte die feinen Fäden seines Netzes zum Schwingen gebracht und er hatte sie wie eine kleine, unerfahrene Biene mit dem süßesten Honig zu sich gelockt. Er hatte keine Eile, denn das arme Ding schien nicht zu merken, wie es bereits unweigerlich fest klebte. Ein vorfreudiges Grinsen legte sich auf seine Lippen. Er war ein Genießer, niemand der seine Absichten allzu schnell offenbarte oder gar vollkommen übereilt das Unvermeidliche Ziel erreichen wollte. Nein, es bereitete ihm Freude dabei zuzusehen wie seine Opfer sich seinem Charme nach und nach ergaben und sich quälend in seinen Fängen wanden, nur um sich ihm letzten Endes bereitwillig hinzugeben. Vor seinem inneren Auge blitzten vereinzelte Bilder auf: Dampfender Atem in erbitterter Kälte, rotes Blut auf makelloser Haut, vor Angst und Qualen aufgerissene Augen, ein stummer Schrei vor Schmerzen. Ja, er würde sich nehmen, was er wollte und sie? Sie würde sich ihm früher oder später – hoffentlich erst etliche Lektionen später - unterwerfen und… natürlich würde es ihr gefallen. Diese Tatsache stand außer Frage. Xarr biss sich gierig auf die Unterlippe, als ihre zarten Worte ihn aus seinen Träumen rissen. „Arvalia, welch ein hübscher Name, der zweifelsohne nur zu einer schönen Frau wie Euch zu passen scheint.“, säuselte er in einem angenehmen Tonfall. In seinem Kopf gingen derweil andere Gedankengänge vor sich. „Arvalia“, durchaus ein elfischer Name, was nicht anders zu erwarten gewesen war. Auch wenn der Zustand ihrer Kleider nicht von edler Herkunft erzählte, so sprach ihr Verhalten Bände. Die Dame war es gewohnt zu bekommen, was immer sie begehrte und wer war er schon, ihr das Gefühl zu nehmen, dass es bei ihm anders sein sollte? Er würde seiner Rolle als gutherziger Samariter vorerst treu bleiben und sehen, wohin es ihn führte. Wie die Elfin seinen Namen aussprach, bereitete ihm durchaus Freude. Nicht auszudenken, wie sie erst mit seinem vollständigen Namen zu kämpfen hätte. „Ein außergewöhnlicher Name, für einen außergewöhnlichen Fremden.“, bestätigte er möglichst geheimnisvoll ihre Vermutung. Die Neugier einer Frau zu wecken, war fast so leicht wie einem Neugeborenen das zarte Genick zu brechen. Geheimnisse und Intrigen, ja, das waren die bekannten Laster der Damenwelt.

[/size=150]F[/size]asziniert beobachtete Xarrbraxas wie sein Gegenüber das ein ums andere Stück Kuchen zwischen den vollen Lippen hindurch in ihren Mund schob. Es hatte etwas Anmutiges an sich, wie Frauen aßen. Doch ob dieser hier bewusst war, wie anziehend sie dabei auf das männliche Geschlecht wirkte? Vermutlich war es das wohl. Sie sagte, dass sie geschäftlich in Itkkin sei, doch die Informationsbrocken, die sie ihm kalt wie Eis und reserviert wie eine Priesterin servierte, waren rar und ließen keinen Zweifel daran, dass ihr vorerst nicht mehr zu entlocken war. Doch was interessierte es den Dämon schon wer sie war und wo sie her kam? All dieses Geplänkel war reine Höflichkeit und diente nur dem einen, höheren Zweck. Viel wichtiger war die Frage, ob es ihm gelingen würde ihr Interesse so weit zu wecken, dass sie sich, aus welchen Gründen auch immer, zu ihm hingezogen fühlte. Doch nun lag es an ihm, auf ihre Fragen zu antworten, schließlich musste man sich in gewissen Kreisen an etwaige Etiketten halten und so begann er so gut er es vermochte auf elfisch zu erzählen:
„Gewiss komme ich nicht aus dieser Gegend, ich denke diese Tatsache ist, wie Ihr bereits erkannt habt, ganz offensichtlich. Ich komme von weit her, genau genommen aus dem hohen Norden, aus wesentlich kälteren Gefilden. Man könnte behaupten ich sei eine Art Wanderer, der sich an diesem denkwürdigen Ort Anreize für seine nächste Reise sucht.“, erklärte er auf verschlungenen Pfaden, was ihn voran trieb. Sollte die reizende Arvalia sich ruhig ihren hübschen Kopf darüber zerbrechen, was er ihr damit sagen wollte. Durchaus hatte er die Wahrheit gesprochen, wenn er auch viele Einzelheiten im Verborgenen hielt. Wie sollte er ihr das auch erklären? Er war ein mächtiger Dämon, geboren aus Eis und Kälte und war auf der Suche nach außergewöhnlichen Opfern, an welchen er seine perfiden Vorlieben ausleben konnte? Nein, gewiss war dies keine Geschichte, die man einer Fremden auf die Nase binden sollte, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Mit Komplimenten und einer Einladung zum Essen hingegen konnte man in den meisten Fällen nicht viel falsch machen. Und genau darauf bezog sich auch ihre zweite Frage. Wieso er ausgerechnet sie erwählt hatte. Nun, dies war eine gute Frage, auf die es natürlich eine plausible Antwort gab: „Nun, zum Einen brauche ich Euch vermutlich nicht erzählen, dass Ihr von ganz außergewöhnlicher Schönheit seid, meine Liebe. Nein, jeder Spiegel in den Ihr blickt, mag Euch dies besser zu beschreiben als ich mit meinen unbeholfenen Worten, die Euch nicht gerecht würden.“. Er grinste leicht kokett und nippte selbst an seinem Krug, ehe er weiter sprach: „Zum Anderen muss ich gestehen, dass das Leben als Wanderer oft einsam sein kann, zumindest an solchen Tagen, wo man sich nicht in Städten und Gasthäusern herum treibt. Ist es also verwerflich, dass es einen Mann zu seinem Abendmahl nach Gesellschaft gelüstet? Ihr wart offenkundig hungrig und durstig, ich hatte einen Platz frei und einen gefüllten Geldbeutel. Wieso sollten wir nicht beide aus der Situation unsere Vorteile ziehen?“.

Seine Anwesenheit hatte ihr bereits von Anfang an ein mulmiges Gefühl in der Magengegend bereitet. Dieser Fremde hatte heute Nachmittag das letzte freie Zimmer bei ihnen angemietet und jeder direkte Blick in seine eisblauen Augen ließ ihr einen kalten Schauer den Rücken hinunter laufen. Zu guter Letzt musste ausgerechnet sie diesen seltsamen Kerl bewirten, doch Karlos der Küchenchef hatte ihre Ängste als lächerlich und kindisch abgetan. Sie hatte zu jedem Gast freundlich und zuvorkommend zu sein, zudem musste sie außerordentlich fleißig arbeiten, sonst würde er ihr mit dem Gürtel wieder gute Manieren einprügeln müssen. Nicht schon wieder der Gürtel, ging es ihr durch den Kopf und so hatte sie nur schweigend genickt und war ihrer Arbeit nachgegangen. Als der große Mann mit dem weißen, langen Haar die erste Bestellung bei ihr aufgenommen hatte, stand sie direkt neben ihm. Sie hätte schwören können, dass von ihm eine unheimliche Kälte ausging, die selbst in dieser heißen, drückenden Nacht deutlich zu spüren war. Eine feine Gänsehaut hatte ihren gesamten Körper überzogen, sie fühlte sich hilflos und doch gleichermaßen zu ihm hingezogen. Welch ein seltsamer Mann hatte hier in ihrem Gasthaus nur Quartier bezogen? Wie dem auch sei, er zahlte ihr ein großzügiges Trinkgeld, eine Tatsache, die sie erstaunte. Hatte der Kerl noch andere Hintergedanken? Später hatte sich eine Frau zu ihm gesellt. Sie selbst konnte nicht bestreiten, dass sie eine Woge der Erleichterung überkommen war. Karlos hatte sie schon des Öfteren gezwungen, sich in die Betten ihrer Kundschaft zu legen, der Kunde war schließlich König und bekam stets wonach es ihm verlangte, doch wenn jemand in Begleitung kam, war dies offenkundig nicht notwendig. Den Göttern sei Gedankt! Gerade hatte die Frau, die ihm nun gegenüber saß, das letzte Stückchen Kuchen vertilgt, da machte sie sich auf den Weg das leere Geschirr zu verräumen. Bloß nicht negativ auffallen, mache einfach deine Arbeit! Doch gerade als sie nach dem Brettchen greifen wollte, schlossen sich die Finger des Fremden wie ein Schaubstock um ihr zartes Handgelenk. Ihr stockte der Atem. Er selbst hatte offenbar Gefallen an ihrer Reaktion und zog sie ein Stück zu sich heran.
„Mädchen, geh hoch in mein Zimmer und bringe reichlich frisches Wasser. Das Zeug in der Waschschale ist bereits warm und abgestanden.“, sprach er mit wohlklingender Stimme. Sie selbst nickte und murmelte eine Entschuldigung, sie würde seiner Bitte natürlich umgehend nachkommen. Ein verunsicherter Blick nach hinten verriet ihr, dass Karlos sie beobachtete und keine Sekunde aus den Augen ließ. Dann endlich gab er sie wieder frei und sie hastete mit dem Geschirr davon. Dort, wo er sie berührt hatte, prickelte ihre Haut unangenehm. Hoffentlich würde dieser Kerl am morgigen Tag wieder abreisen. In der Küche angekommen, wurde sie gefragt, was der Fremde von ihr verlangt hatte und sie berichtete kurz, was ihr aufgetragen wurde. Verärgert zog der Küchenchef die Augenbrauen zusammen, gerade so als könnte sie etwas dafür, dass Itkkin von einer quälenden Hitzewelle heimgesucht wurde. Doch sie ließ Karlos nicht genügend Zeit richtig wütend zu werden, sondern wischte sich geschäftig die Hände an der Schürze ab und schnappe sich einen Eimer, nur um im nächsten Moment zum Brunnen zu eilen. Die Luft draußen war deutlich angenehmer und weit weniger stickig als im Schankraum. Kaum hatte sie einen Fuß hinaus gesetzt und die Tür war hinter ihr zugefallen, mäßigte sie ihre Schritte.

Es war nicht weit bis zum Brunnen auf dem Marktplatz, sodass sie zu ihrem Verdruss nicht sonderbar viel Zeit schinden konnte. Ein leises Seufzen entfuhr ihr, als sie angestrengt die Kurbel betätigte, die das kühle Nass zu Tage förderte. Endlich hatte sie es geschafft und so wischte sie sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Mit einer geübten Bewegung beförderte sie den schweren Eimer auf ihren Kopf, auf welchem sie das Wasser zurück in die Taverne trug. Vorsichtig, sie wollte schließlich nichts verschütten, ging sie die Treppe hinauf in das erste Obergeschoss und stand in dem langen, dunklen Flur, von dem aus die Zimmer der Gäste abgingen. In welchem wohnte doch gleich der weißhaarige Fremde nochmal? Nachdenklich runzelte sie die Stirn und tastete mit der Linken nach der langen Kette, die um ihren Hals hing. Zwischen ihren Brüsten ruhte der Generalschlüssel für alle Räume des Gasthauses, schließlich musste sie täglich für alle Gäste aufräumen und putzen. Dann endlich war ihr vermeidlich auch eingefallen, welche Tür sie öffnen musste und sie trat in den dunklen Raum. Ein seltsam, süßlicher Geruch stieg ihr in die Nase. Hatte dieser verdammte Kater wieder ein totes Tier angeschleppt und ließ es in der Höllenhitze des Sommers in einem Gästezimmer verrotten? Es wäre ja nicht das erste Mal! Nur zu gut konnte sie sich an die roten Striemen auf ihrem Hintern erinnern, die Karlos ihr verpasst hatte, weil sie das tote Tier eines Tages beim Putzen nicht gefunden und entsorgt hatte. Sie hatte drei verdammte Tage nicht richtig sitzen können! Vollkommen genervt stellte sie den Eimer ab und trat an den kleinen Tisch heran, um eine Kerze zu entzünden. Voller Routine griffen ihre Finger nach der Waschschüssel, kippten dessen Inhalt zum geöffneten Fenster hinaus und füllten sie sogleich mit frischen, klaren Wasser, ganz so, wie es der geheimnisvolle Fremde zuvor gewünscht hatte. Der Kunde ist König und mein Hintern wird heute Striemen frei bleiben! Also ließ sie sich auf die Knie nieder und begann den Raum nach der elenden, toten Maus zu durchsuchen. Wenn ich diesen räudigen Kater zwischen die Finger bekomme, dann kann er was erleben! Doch dann wurde sie plötzlich kreidebleich und hielt jäh in der Bewegung inne. Dort unterm Bett, da lag etwas, das ganz offensichtlich keine tote Maus war! Es war groß und beleibt, aber ganz offensichtlich tot! Ein spitzer Schrei, der im ganzen Haus zu hören sein musste, entkam ihrer zarten Kehle. Voller Panik sprang sie auf und stolperte dabei über den Eimer. Ihr selbst gelang es im letzten Augenblick noch das Gleichgewicht wieder zu finden und nicht bäuchlings auf die Dielen zu stürzen, für den Eimer war es allerdings zu spät, denn das restliche Wasser kroch bereits über das knarrende Holz. Ihr war es aber in diesem Augenblick egal, sie stürzte, ohne sich noch einmal umzusehen, aus dem Zimmer heraus und die Treppe hinab. Atemlos gelangte sie in die Küche und berichtete Karlos, was sie im Gästezimmer des weißhaarigen Fremdlings entdeckt hatte. Dass sie in ihrer Verwirrung die Zimmer verwechselt hatte, war zu diesem Zeitpunkt jedoch weder ihr selbst noch dem Küchenchef bewusst.

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