Ein notwendiges Übel

Eines der mächtigsten Reiche der Menschen im Norden. » Ortsbeschreibung
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Noro'elle
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Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von Noro'elle » Mi, 03. Apr 2019 21:26


Der Fremde schien kein Mann großer Worte zu sein, denn seine Antworten waren sehr einsilbig. Noro’elle hingegen war schon als Kind recht redselig gewesen und im Hause ihres Vaters hatte es nie an Zuhörern gemangelt. Doch in diesem Moment schien jedes weitere Wort reine Zeitverschwendung zu sein, daher zog die Beraji es vor ebenfalls zu schweigen. Sie machte es sich so bequem wie es nur irgendwie ging und schloss die müden Augen. Sie lauschte dem tröpfelnden Regen und schon bald war der Atem ihres Begleiters ruhig und stetig. Die junge Frau versuchte ebenfalls etwas Schlaf zu finden, doch war dieser nach der turbulenten Nacht nur leicht und nicht wirklich erholsam. Als sie am Morgen unliebsam geweckt wurde, konnte sie sich daher nur langsam aufrappeln. Dunkle Schatten hatten sich unter ihre wunderschönen Augen gelegt und auch sonst sah sie ziemlich mitgenommen aus. Der Regen hatte aufgehört, dennoch war der morgen trüb und die Sonne hinter dichten Nebelschwaden verborgen. Nun bei Tageslicht konnte man den schlechten Zustand der Flüchtigen erkennen. Ihre kostbare Kleidung aus zartem Stoff war an vielen Stellen zerrissen, die Haut darunter aufgeschürft, ihr zierlicher Körper von blauen Flecken übersäht, die eindeutig älter waren als dass sie Folgen der vergangenen Nacht sein konnten. Der Fremde, sei es aus Anstand oder Desinteresse, verlor kein Wort über ihre Erscheinung. Völlig unerwartet zeigte er sich das erste Mal freundlich und teilte seine verbliebenen Vorräte mit ihr. Zögernd nahm Noro’elle das trockene Stück Brot entgegen, dazu gab es eine Ecke harten Käse. Sie hielt beides abschätzend in der Hand und ihrem Gesichtsausdruck konnte man durchaus entnehmen, dass sie gehobenere Speisen gewohnt war. Nichtsdestotrotz flüsterte sie ein leises
„Dankeschön…“ und verzehrte ihr karges Frühstück.

Als sie sich gemeinsam auf den Weg machten, löste sich der Nebel schnell auf und die Sonne erhellte den strahlend blauen Himmel. Schon bald verließen sie den Wald und betraten eine breite Straße, die sie wohl auf direktem Wege in die nächste Stadt leiten würde. Während Noro’elle, immer noch leicht humpelnd, neben dem geheimnisvollen Fremden her ging, konnte sie nicht anders, als immer mal wieder zu ihm hinüber zu schauen. Er war deutlich größer als sie und sie schätzte dass er in etwa 25 Sommer gesehen hatte. Um seinen Kopf trug er ein seltsames Geflecht aus Tüchern, die ebenso eines seiner Augen verdeckten. Was hatte er wohl zu verbergen? Die junge Frau war froh darüber, dass er wohl, trotz seines einschüchternden Anblicks, vorhatte sein Wort zu halten. Nach einer Weile des nebeneiner her Gehens, war er es letzten Endes, der das Schweigen brach. Nach seinen Worten blickte die Noro an sich hinunter, zuckte mit den Schultern und antwortete dann:
„Ich weiß nicht, ob es mit etwas Wasser getan ist… Aber wir können natürlich die Augen nach einer Gelegenheit uns zu waschen offen halten. Schaden würde es gewiss nicht.“. Dann brach wieder Schweigen über das ungleiche Paar herein. Nicht viel später fanden sie tatsächlich ein kleines Gehöft, welches direk am Wegesrand lag. Es war niemand zu sehen und niemand schien sich für die Fremden zu interessieren. Noro’elle beschloss, dass man sie schon nicht steinigen würde, nur weil sie der Pferdetränke ein wenig Wasser entnahm. Sie blickte noch einmal über ihre Schulter und legte dann den klammen Umhang ab. Mit beiden Händen schöpfte sie klares Wasser aus dem Trog und wusch sich das Gesicht und ihre Arme. Als gröbste Dreck fortgespült war, erstrahlte die Haut der Beraji wieder in dem gewohnten goldenen Bronzeton.

Nachdem auch der Fremde sich etwas erfrischt hatte, setzten sie ihren Weg fort. Als sie letzten Endes vor den Toren der Stadt Cadron standen, überkam Noro eine seichte Welle der Erleichterung. Hier, in den verwinkelten Gassen der Stadt, würde sie alles finden was sie brauchte. Sie konnte ihren Schmuck verkaufen, neue Gewänder erwerben und sich eine sichere Begleitung für ihre Heimreise anheuern. Ein kleines Lächeln legte sich auf ihre sinnlichen Lippen und Hoffnung schimmerte in ihren dunklen Augen. Ihr Begleiter indes schien sie erwartungsvoll anzublicken, vermutlich wartete er bereits auf seine Bezahlung.
„Ich muss zuerst einen Hehler aufsuchen, bevor ich dich bezahlen kann.“, sagte die junge Frau und blickte sich um. Sie konnte sich nicht recht erinnern in welche Richtung das Gasthaus lag, in welchem Kamal sie einquartiert hatte. Unbeschwert und naiv wie sie war, fragte sie eine der Stadtwachen nach dem Weg zum Marktplatz. Der missmutige Mann starrte sie mit großen Augen an und begann Noro unangebracht zu bedrängen. Erst als er sich der Begleitung des Mädchens gewahr wurde, änderte er seine Meinung und beschrieb rasch den Weg, den sie zu nehmen hatten. Von den eben geschehenen Ereignissen entmutigt, folgte Noro’elle der Beschreibung, während der Fremde sie wie ein Schatten auf Schritt und Tritt verfolgte. Sie passierten ein großes Holzschild mit allerlei Aushängen und dann blieb die Beraji plötzlich wie angewurzelt stehen. Ein Aushang, gleich in mehreren Sprachen verfasst, erweckte ihre Aufmerksamkeit und ließ sie starr werden vor Angst. Sie überflog rasch den Text und betrachtete das schemenhafte Bild darunter, welches ihr durchaus ähnlich sah…

V E R M I S S T !

Noro’elle el Darr’akur aus dem Volke der Beraji.


Das erbringen sachdienlicher Hinweise über den Verbleib meiner zukünftigen Gemahlin soll großzügig belohnt werden.


Gezeichnet: Kamal ibn Kasheri, Kauffmann aus Merridia

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Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von H'adriân » Fr, 05. Apr 2019 12:04

Nach einiger Zeit des Suchens kamen sie an einen verlassen wirkenden Hof, nachdem die immer höher steigende Sonne auch das Volk auf den Straßen deutlich vermehrt hatte. Während Noro'elle sich das gröbste der Schmutzreste von der Haut wusch, ließ sich Riân etwas mehr Zeit. Er zog seine Stiefel aus, reinigte sie vom gröbsten Dreck und entfernte ebenso die gröbsten Schlammkrusten von Hose und Hemd, ehe er schließlich auch die muskulösen Arme reinigte. Da es nun wärmer wurde, krempelte der Bergelf seine Ärmel noch oben und sah nun zumindest wie jemand aus, der einfach lange auf der Straße war und nicht in einem Schlammtrog übernachtet hatte.
Der Weg wurde fortgesetzt und nach einigen Stunden erreichten sie am frühen Nachmittag endlich Cadron. Auf ihrer Reise hatten sie kaum miteinander gesprochen und so recht wusste Riân auch nicht, was er ihr erzählen sollte, dementsprechend froh war er über das Schweigen. Hin und wieder ein böser Blick zu einigen Passanten unterbrach ihre argwöhnischen Blicke, die man ihnen zwar nicht verübeln konnte, die sie aber vermutlich nicht gebrauchen konnten und die Reise verlief ohne einen Zwischenfall.

Noro'elle schien sich auf den Straßen der kleinen Stadt sehr gut auszukennen und so übernahm sie hier die Führung und wie ein Leibwächter dackelte Riân hinterher, der nur auf ihre Aussage nickte. Bezahlung war ein gutes Thema und es war ihm recht gleich, ob sie nun Hehlerware zu Geld machte oder irgendwo einen Schatz vergraben hatte. Dass sich das Mädchen auszukennen schien erwies sich dann jedoch als Illusion und mir nichts dir nichts fragte sie eine der Wachen nach dem Weg, noch ehe der Bergelf hätte eingreifen können. Die Wache schien sofort an seinem Schützling gefallen zu finden und etwas deutlicher baute sich Riân hinter der jungen Dame auf, um zu verdeutlichen, dass er sich in der Adresse eindeutig geirrt hatte und es half. Missmutig blickte der Wächter den Einäugigen an und Riân konnte es ihm eigentlich nicht einmal verübeln, denn Noro'elle war für einen Menschen tatsächlich außergewöhnlich hübsch, dass hatte sogar er bemerkt und sich nur widerwillig eingestanden.
Dann folgten sie dem beschriebenen Weg und hielten recht unverhofft an einem Anschlagbrett, wo Riân nicht umhin kam dem Blick der jungen Frau auf ein bestimmtes Blatt zu folgen. Stirnrunzelnd las er den mehrsprachigen Text sorgfältig, der sowohl von der Qualität und auch vom Umfang deutlich herausstach. Die Zeichnung darunter war unverkennbar Noro'elle und der Krieger seufzte einmal hörbar.
"Kamal ibn Kasheri?", raunte der Bergelf kaum hörbar, als er sich nach vorn gebeugt hatte, um ihr ins Ohr zu flüstern, "Dein Häscher rechnet wohl damit, dass du hierher zurückkehrst? Es ist alles andere als eine gute Idee hier zu bleiben.". Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen drehte sich einer der Nebenstehenden zu ihnen um und beäugte sie beide merkwürdig und langsam verzog sich sein Gesicht ins überraschte. Die braunen Augen des Mannes huschten zwischen ihnen und der Zeichnung hinterher, ehe er sich umdrehte und in der Menge zu verschwinden drohte. Kurz dachte Riân darüber nach, ihn zu verfolgen, doch er hatte wenig Lust hier mitten in der Stadt einen Mord zu begehen oder sich mit ähnlichen Dingen zu belasten. "Du bist bereits bemerkt worden und vermutlich wird es nicht mehr lange dauern, ehe dein zukünftiger Gemahl uns finden wird. Der Anschlag macht den Eindruck als hätte er Geld und Geld bedeutet viele Leute, welche die Drecksarbeit für ihn verrichten.". Etwas unsanft packte Riân Noro'elle an der Schulter und führte sie einige Schritte weg von der Tafel und zurück zum Tor, durch welches sie die Stadt betreten hatten.

Das ungleiche Duo beschleunigte seinen Schritt und der Bergelf versuchte trotz seiner eingeschränkten Sicht um sich herum den Versuch einer Verfolgung auszumachen. Anfangs sah es tatsächlich nicht schlecht aus, doch zwei Personen hielten sich vermutlich doch hartnäckig auf ihren Fersen. Rian zischte der jungen Frau einmal zu und zog sie unvermittelt in eine Seitengasse, wo er zu rennen begann. Von dort aus bog er in die nächste sichtbare Biegung und zog Noro'elle einmal mehr mit sich. Langsam und vorsichtig spähte der Krieger um die Ecke zurück in die Gasse aus der sie gekommen waren. Es war ein alter und simpler Trick oberflächlich Verfolger ausfindig zu machen und wie er es sich gedacht hatte, erschienen am Ende der Gasse zwei Gestalten, auf deren Gesichtern sich etwas Zorn abzeichnete. Zögerlich setzte der erste einen Schritt in ihre Richtung und Riân zuckte zurück. Kaum hörbar ließ er den Seesack zu Boden gleiten und behielt lediglich die kurzen Schwerter in Händen, die er mit einem kaum vernehmbaren Ton aus der Scheide zog. Das einfache aber gute Metall blitzte leicht im trüben Licht der Gasse.
Mit einem kurzen Blick zu Noro'elle bedeutete er ihr zurückzubleiben, ehe er wieder um die Ecke lugte. Beide Männer waren nun schon gefährlich nahe, doch geduldig wartete der erfahrene Krieger in seiner Deckung. Er hatte schon hunderte Duelle gefochten und war sich seiner Fähigkeiten mehr als sicher, insbesondere wenn er beobachtete, wie sich die beiden Verfolger bewegten. Sie würden fallen, ehe sie wussten wie ihnen geschah. Und so kam es auch als Riân aus der Ecke huschte und lediglich zwei gezielte Schläge ausführte, die beide Kehlen mühelos aufschlitzten. Sofort zog er die beiden Sterbenden zu ihnen ins Versteck um keine Aufmerksamkeit zu erwecken und als sie tot waren wandte er sich zu der jungen Frau. "Und? Kennst du diese Männer?"

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Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von Noro'elle » Sa, 06. Apr 2019 9:05


Sie las den Text gleich mehrmals und konnte es doch kaum glauben. Dieser hinterhältige Bastard! Wie konnte sie nur glauben, dass jetzt alles gut werden würde? Ihre braunen Augen überflogen den Aushang noch ein letztes Mal. Diesmal stolperte sie bereits über das Wort ‚VERMISST‘. Kamal war kein Schwachkopf und er wollte sie offensichtlich in einem Stück wieder haben. Daher ließ er es so klingen als wäre sie einfach nur verschwunden und er, der trauende reiche Kaufmann, vermisste seine hübsche Gemahlin. Davon dass sie noch minderjährig war, er sie entführt hatte und zu dieser Hochzeit zwingen wollte, war zwischen den Zeilen natürlich nichts zu lesen. Die Stimme des Fremden riss sie aus ihren Gedanken und sie musste sich eingestehen, dass es eine furchtbar dumme Idee gewesen war, hierher zurück zu kehren. Da packte er sie auch sogleich unsanft an der Schulter und zog sie hinter sich her. Mehr stolpernd als laufend folgte sie ihrem Begleiter.
„Aua! Du tust mir weh!“, protestierte sie halblaut und konnte sich doch nicht aus seinem kräftigen Griff befreien. Von ihren Verfolgern hatte die junge Beraji selbst in ihrer Unwissenheit nichts bemerkt. Noro empfand das Verhalten des Fremden als äußert merkwürdig und unangebracht. Er zerrte sie in eine dunkle Gasse und deutete ihr mit einer vagen Handbewegung still zu sein. Doch selbst wenn Noro’elle etwas hätte sagen wollen, so war sie doch völlig außer Atem und ging erschöpft in die Hocke. Es stach fürchterlich in ihrer Seite und ihre Beine fühlten sich schwer an wie Blei.

Der fremde Krieger zog plötzliche seine Schwerter und mit schreckensweiten Augen beobachtete Noro das weitere Geschehen. Zwei düster aussehende Männer tauchten wie aus dem Nichts plötzlich auf und der Kehle der jungen Frau entfuhr ein spitzer Schrei. Noch ehe sie recht verstand, was gerade geschehen war, sackten die zwei Verfolger in sich zusammen und fielen zu Boden. Zögerlich beugte die junge Frau sich über einen der Sterbenden.
„Was… Was hast du getan?“, flüsterte sie vollkommen durch den Wind. Die Kehle des Mannes war aufgeschlitzt, wie ein zweiter lachender Mund klaffte ein tiefer Schnitt an seinem Hals. Blut spritze in pulsierenden Rhythmen, bis er letzten Endes still lag und sich nicht mehr rührte. Mit dem Ärmel versuchte Noro sich ein paar Blutspritzer aus dem Gesicht zu wischen, bewirkte aber nur, dass eben jene auf ihrer Haut verschmierten. Dann richtete sie sich schweigend auf und betrachtete die Toten zu ihren Füßen. Den einen kannte sie nicht, er war ein Fremder der durch sie hatte sterben müssen. Vielleicht hatte er eine kranke Frau und hungernde Kinder daheim und brauchte das Geld Kamals um seine Familie zu ernähren? Sie schüttelte den traurigen Gedanken jedoch sogleich ab, als sie dem zweiten Mann ins Gesicht blickte. „Diesen hier kenne ich…“, sagte sie voller Abscheu und spuckte auf die Leiche. „Dies war einer von Kamals Halsabschneidern und war eine meiner Wachen.“, sprach sie weiter und fügte dann halblaut hinzu: „Er ist jemand…. Er WAR jemand der gerne hilflose Frauen quälte und nicht davor zurück schreckte die Fäuste einzusetzen…“.

Noro‘elle konnte sich gut daran erinnern, es muss erst zwei, drei Tage her gewesen sein. Sie waren unterwegs nach Cadron gewesen und sie hatte sich geweigert ihr Abendmahl an der Seite Kamals einzunehmen. Darauf hin hatte er ihrer Wache befohlen sie zu bestrafen und die Wache, welche nun Tod zu ihren Füßen lag, hatte es sichtlich genossen sie grün und blau zu prügeln. Er hatte seinen Gürtel zu einer Schlaufe geformt und immer wieder auf sie eingeschlagen. Gewiss, ihr hübsches Gesicht hatte er verschont, sodass sie angekleidet immer noch einen hübschen Anblick für ihren Herrn bot.
„Er hatte es verdient zu sterben!“, sagte sie entschlossen und blickte den fremden Meuchler an. „Doch, was geschieht nun mit den Leichen? Und… wo soll ich denn nun hin?“, erklang ihre Stimme verzweifelt. Die junge Frau war sichtlich überfordert mit der gesamten Situation. Hinzu kam noch, dass sie jetzt, wo der Fremde sein wahres Gesicht gezeigt hatte, ebenso auch wieder Angst vor ihm verspürte. Sie trat ein paar Schritte zurück und nestelte an ihrem Beutel herum. Dann griff sie nach einem der Rubin besetzten Ringe und hielt ihm das Schmuckstück hin. „Bitte, bitte tu mir nichts. Hier, ich kann dich bezahlen! So hatten wir es doch abgemacht oder nicht?“, sagte sie mit zittriger Stimme und blickte mit großen Tränen gefüllten Augen zu ihm auf. Das halbverdeckte Gesicht ihres Begleiters schien emotionslos zu sein und sie konnte schlecht darin lesen. Noch immer streckte sie ihm die Hand entgegen und betete innerlich, dass er die Bezahlung einfach annehmen würde.

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H'adriân
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Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von H'adriân » Sa, 13. Apr 2019 12:06

Missmutig betrachtete Riân Noro'elle, die furchtsam vor der Szenerie zurückwich. Sicherlich war er nicht sonderlich einfühlsam und sogar etwas grob mit ihr umgegangen, ganz zu schweigen von dem Umstand, dass er für dieses Blutbad verantwortlich war. Emotionale Angelegenheit waren aber auch ohne derartiges nicht sein Ding und so schwieg er einfach, während er ihren zittrigen Ausführungen lauschte. Wie die Menschenfrau sicherlich bemerkt hatte, nahm der Bergelf seine Aufträge sehr ernst, da er nicht eine Sekunde gezögert hatte das zu tun, was getan werden musste. Riân zuckte mit den Achseln. Es kümmerte ihn wenig, was der Mann zuvor getan hatte. Wichtig war nur, dass er sich in seinem Ziel nicht geirrt hatte und keine sinnlosen Leichen zurückgelassen hatte. Lieber wäre es ihm gewesen keine zurückzulassen, doch da sie sie bereits gesehen und erkannt hatten, war es klüger gewesen sie aus dem Weg zu räumen.
"Die Leichen lassen wir einfach hier und das Beste wäre, du verlässt die Stadt.", entgegnete der Krieger nüchtern und reinigte eine seiner Klingen an der Kleidung eines Toten. Die Zweite war so schnell geführt worden, dass es kaum Rückstände auf dem blanken Stahl gegeben hatte. Es hatte sich gut angefühlt die Schwerter wieder einmal einzusetzen, doch es war auch etwas Melancholie dabei, wenn Riân an seine alten Waffen zurückdachte. Beste Arbeit aus den Schmieden seines Volkes, die er hatte in seiner Flucht zurücklassen müssen. Zwar waren seine Klingen nun auch nicht schlecht, doch ein Großteil der Arbeit war eben einfach menschlich und damit minderwertig. Da konnte auch sein Fachwissen nicht mehr viel ausrichten.

Während er so nachsann begann die Verzweiflung über Noro'elle Sekunde für Sekunde mehr hineinzubrechen. Sein Auge legte sich kühl auf sie und auf seinem vernarbten Gesicht zeigte sich wenig Empathie. Schweigend beobachtete der Krieger sie einfach, wie sie ihr Geschmeide auspackte und ihm furchtsam entgegenreckte. Seine Braue wanderte nach oben. Das reichte sicherlich für seine Dienste aus, daran gab es keinen Zweifel aber ein bisschen mehr konnte man bestimmt aus ihr hinauskitzeln. Nun, vielleicht nicht in diesem Augenblick, doch es würde sich schon etwas ergeben. Stoisch nahm er den dargebotenen Lohn an, ließ sich etwas Zeit beim überprüfen des Metalls und des Edelsteins, ehe die Wertsachen in seinem Beutel verschwanden. "Das sollte reichen.", murmelte Riân trocken und warf sich sein Gepäck samt Schwerter wieder über die Schulter
"Kar?! Shar?!"Seid ihr hier?!", schallte die Stimme eines Mannes etwas gedämpft zu ihnen und der Krieger unterdrückte ein Fluchen, als er herumwirbelte. In ihrem kleinen blutbefleckten Refugium war noch niemand zu sehen und auch der Klang der Stimme legte nahe, dass der ungebetene Gast gerade erst in die Gasse getreten war. Noch ein Verfolger? Riân hatte ihn nicht bemerkt und er fragte sich ob er das ganze Handwerk früher nicht einmal besser beherrscht hatte.
Wieder, ohne zu zögern, griff er Noro'elle am Handgelenk und diesmal fragte er sich wirklich wieso. Sie hatte ihn bezahlt, eigentlich war es völlig einerlei was nun mit ihr geschah, doch alles ging so schnell, mehr als einen kurzen Zweifel hegte er nicht. Der Gasse in der sie sich befanden folgend, suchte der Bergelf einen anderen Weg als jenen mit dem sie hergekommen waren und es war ihrer beider Glück, dass es einen gab. Im letzten Moment bogen sie um die Ecke, gerade als der ungebetene Gast zu ihnen gestoßen wäre. Sicherlich würde er erstmal dort stehenbleiben, verwirrt von dem Anblick, der sich ihm dort offenbarte. Immerhin sah man nicht alle Tage seine Gefährten mit aufgeschlitzten Kehlen in der Gosse liegen. Unglücklicherweise aber bedeutete das nun weit weniger Zeit, um die Stadt zu verlassen, da man die Leichen nun sehr viel eher als erwartet gefunden hatte. Einige Meter rannte Riân noch, dann hielt er inne und presste Noro'elle an eine Wand und stellte sich vor sie. Sie verschwand hinter seiner athletischen Statur und so konnte man kaum etwas erkennen, wenn man von der Hauptstraße auf sie blickte. Nicht mehr als ein Mann und eine Frau, die sich nahe waren. Nichts besonderes
"Ich habe keine Lust für zwei unbedeutende Hurensöhne aufgeknöpft zu werden und verschwinde jetzt. Diese Rettung ging aufs Haus, aber nur dieses eine Mal."

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Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von Noro'elle » Sa, 13. Apr 2019 17:43


Als der Meuchler ihr nach endlos erscheinenden Augenblicken das Schmuckstück aus der Hand nahm, fiel Noro’elle ein Stein vom Herzen. In seinen Gesichtszügen zeigte sich keinerlei Regung, auch kein Mitgefühl. Nun, was sollte man auch von jemanden erwarten, der sich für Mord bezahlen ließ? Gewissenhaft begutachtete der Fremde das Schmuckstück, beobachtete die Lichtstreuung des Edelsteins und prüfte die Beschaffenheit des Metalls. Seine Worte erstaunten die junge Beraji und sie zog störrisch eine Augenbraue in die Höhe. Sie hatte dem Kerl gerade ein kleines Vermögen in die Hand gedrückt und er quittierte es nur mit einem ‚Das sollte reichen‘? Nun gut, immerhin schien er nicht nach ihrem Leben zu trachten und das beruhigte ihr heftig schlagendes Herz ungemein. Mit dem Handrücken wischte sie sich über die Augen, doch noch bevor sie etwas auf seine Worte erwidern konnte, erklang eine weitere Stimme aus der Gasse hinter ihnen. Erneut griffen kräftige Finger nach der jungen Frau und zerrten sie, diesmal am Handgelenk, einmal mehr hinter sich her. Sie war klug genug keinen Laut von sich zu geben und folgte dieses Mal ohne zu zögern. Doch als der Fremde plötzlich innehielt und sie mit dem Rücken gegen die Wand presste, keuchte Noro überrascht auf. Der Körper ihres Beschützers war im Vergleich zu der Zierlichkeit der jungen Frau muskulös und so verschwand sie förmlich in seinem Schatten. Sie blickte zu ihm hinauf, erforschte sein Gesicht und fixierte anschließend mit ihren nussbraunen Augen das Seine. Er war ihr nah, verdammt nah sogar, doch noch ehe sie sich recht entscheiden konnte, ob sie diese Tatsache als angenehm oder störend empfand, wandte er auch schon das Wort an sie.

Das ist ja wirklich sehr großzügig von dir…“, erwiderte Noro mehr zynisch als dankbar und fügte dann noch schnippischer hinzu: „Ich erinnere mich daran, dass ich dich großzügig entlohnt habe, also komm bloß nicht auf die Idee, dass ich dir etwas schuldig bleibe.“. Sie schaute ihn herausfordernd an, die Angst war in diesem Augenblick vergessen und verdrängt. Ihre zierliche Hand legte sich auf seine stattliche Brust, für einen kurzen Moment ruhte sie dort, ehe sie den großen Mann entschlossen von sich schob. „Sieh nur zu, dass du verschwindest. Ich komme schon zurecht.“, sagte sie und blickte sich in der Gasse um. Sie waren allein und die Hauptstraße nicht weit entfernt. Beinahe schon provokant drehte sie dem Meuchler den Rücken zu und stapfte davon. Sie drehte sich nicht noch einmal nach ihm um, stattdessen zog sie ihren schmutzigen Umhang fester um ihre schmalen Schultern. Sie trat entschlossen Schrittes auf die Hauptstraße und bog nach links ab. Im Getümmel der erwachenden Stadt fiel die zierliche Gestalt kaum auf und etwaige Verfolger würden es schwer haben ihr zu folgen. Doch sie war nicht zurück geblieben und sobald sie erblickte, was sie denn die ganze Zeit gesucht hatte, betrat sie zielstrebig einen kleinen Laden. Ein alter, schmuddeliger Mann empfing sie mit einem falschen Lächeln und fragte: „Welch eine Schönheit unter all dem Dreck! Wie kann ich Euch helfen junge Dame?“. Noro sah den Kerl finster an und strich mit der Hand über einige der dargebotenen Waren. „Ich möchte mich neu einkleiden. Praktisch und schlicht soll es sein. Habt ihr etwas Passendes im Angebot?“, fragte sie kühl und ließ sich ihre Nervosität nicht anmerken. Der Händler nickte knapp, als schien er schnell begriffen zu haben, das schöne Worte in diesem Fall nicht notwendig waren und drückte der jungen Frau ein paar abgegriffene Kleider in die Hand.

Eine dunkle Hose, ein viel zu großes Hemd und ein paar alte, abgetragene Stiefel waren das Ergebnis ihrer Forderung. Stirnrunzelnd strich Noro über den kratzigen Stoff und verzog das Gesicht. Sie hielt die Hose prüfend in die Höhe und forderte:
„Ich brauche noch einen Gürtel, einen Umhang mit Kapuze und… ein Tuch oder einen Schal.“. Der Händler suchte einige Zeit in seinem Gerümpel, bis er alle Wünsche erfüllen konnte und brachte letzten Endes was die junge Schönheit begehrte. Während er suchte, hatte Noro’elle einen weiteren Ring aus ihrem Beutel gefischt und hielt ihn fest verschlossen in der Hand. „Kann ich mich hier irgendwo in Ruhe umziehen?“, fragte sie und blickte sich in dem kleinen schmuddeligen Geschäft um. Ein widerliches Grinsen legte sich auf die Lippen des Händlers. „Ich fürchte damit kann ich nicht dienen junge Dame. Aber ich kann dafür sorgen, dass Euch niemand belästigt.“, sagte er und schob sie unsanft in die hinterste Ecke des Ladens. Verunsichert blickte sie sich um und tatsächlich konnte man sie hier von der Straße aus nicht sehen. Der Händler hingegen schien keine Anstalten zu machen sich umzudrehen und gaffte sie unverblümt an. Zornesröte stieg auf ihre Wangen, während sie die blutbefleckte Kleidung ablegte. Nichts anderes hätte sie in solch einem Laden erwarten können. Sie biss die Zähne zusammen und kämpfte gegen ihre Verlegenheit an, schließlich hatte sie kaum eine andere Wahl. In den Augen des Mannes glänzte die Gier auf und gerade als sie die Beraji nach ihren neuen Kleidern greifen wollte, packte er sie und presste ihr die schmutzigen Finger auf den Mund. „Du wirst doch wohl für die Waren bezahlen wollen…“, flüsterte er und presste ihr mit der anderen Hand die Kehle zu. Vor lauter Schreck ließ Noro’elle den Ring fallen und er kullerte über die schmutzigen Holzdielen davon.

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Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von H'adriân » Mo, 15. Apr 2019 0:26

Mit weit weniger Widerstand ließ sich Noro'elle diesmal aus der Gefahrenzone führen. Zwar machte das für Riân wenig unterschied, da dieser nicht wirklich Rücksicht nahm, doch er bemerkte es durchaus. Kaum waren sie aus der Sichtweite ihres Verfolgers schien sie sogar ihren Mut wiedergefunden zu haben und das Leuchten kehrte in ihre noch immer leicht vor Tränen glänzenden Augen zurück. Wortlos und mit einem schiefen Grinsen nahm er ihre Trotzreaktion entgegen und wehrte sich nicht gegen den Druck den ihre kleine Hand auf ihn ausübte. Tatsächlich blickte er ihr nicht einmal hinterher, sondern nahm gleichsam seinen eigenen Weg durch die Stadt. Sie hatte ihn immerhin tatsächlich bezahlt und damit war alles geregelt.
Der Krieger schlenderte ein wenig durch die belebten Straßen und hielt Ausschau nach etwas zu Essen, was ohne weitere Schwierigkeiten zu finden war. Die Wegrationen waren zwar nahrhaft gewesen, doch mittlerweile hing ihm das trockene Brot samt dem eingelegten Fleisch zum Halse heraus und mit dem neu gewonnenem Gold war eine gewisse Zuwendung in diesen Dingen sicher zu verschmerzen. Aus diesem Grund ließ sich Riân nicht zweimal bitten und kehrte sofort ein, wo er einen riesigen Eintopf verspeiste und so gesättigt wie lange nicht mehr das Etablissement verließ. Tatsächlich konnte der Bergelf der menschlichen Küche insbesondere hier im Norden etwas abgewinnen, was für ihn nicht selbstverständlich war. Weiter im Süden und im Osten hatte sich Riân mit der Kost immer deutlich schwerer getan und war lieber bei einfacheren Gerichten geblieben. Da dieses Problem hier nicht bestand, war er bester Laune, als er schließlich noch den Ring gegen einen ordentlichen Beutel Gold versetzte, ehe er seine letzte Besorgung zu tätigen gedachte bevor er die Stadt verließ. Das schlechte Wetter der letzten Tage hatte ihn immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass ein wenig wetterfestere Kleidung keine schlechte Investition war und vor so manchen unerholsamen Nächten zu schützen vermochte. Ein Mantel war dabei ganz oben auf seiner Liste und so suchte der Bergelf die Promenaden nach einem geeigneten Geschäft ab.

Wenig wählerisch betrat er das nächstbeste und war überrascht, dass sich tatsächlich niemand hier zu befinden schien. Zwischen den Regalen und hinter dem Tresen begrüßte Riân nichts als gähnende Leere und er war schon im Begriff umzukehren, als ein Geräusch an sein Ohr drang. Es war etwas metallisches, dass auf einen Holzboden viel und sich stetig näherte, bis es schließlich mit leisem scheppern zum Stillstand kam. Aufmerksam suchte der Krieger mit seinem verbliebenen Auge den Boden ab und das Glänzen eines goldenen Ringes fing seinen Blick. Er trat näher und hob ihn auf und seine Aufmerksamkeit wurde direkt von weiteren Geräuschen angezogen, sodass er wenig für den Ring in seinen Fingern erübrigen konnte. Ein Stöhnen, eine leise Stimme, genau konnte es Riân nicht erkennen, doch er machte drei Schritte und schaute an dem Regal vorbei in den hinteren Teil des Geschäfts, wobei sich ein schiefes Grinsen auf seinen vernarbten Zügen offenbarte.
Konnte das sein? Diese Frage war natürlich mit einem klaren "Ja" zu beantworten, denn Noro'elle schien etwas unfreiwillig intim beschäftigt zu sein. Zumindest, wenn man ihr in Ekel verzogenes Gesicht deutete. Der Mann, der sich alle Mühe gab die junge Frau in seinen Fängen ruhig zu halten, während er ihr die Kleidung vom Leib schälte hatte ihn allem Anschein nach noch nicht bemerkt. Riân trat gänzlich aus seiner Deckung hervor, verschränkte die Arme vor der Brust und räusperte sich einmal laut. Sofort hielt der Mann inne und drehte sich erschrocken auf dem Absatz um. "Entschuldigung, aber ich suche nach einem Mantel.", sagte der Krieger trocken und mit ausdruckslosem Gesicht und ein Moment des Schweigens brach über das Trio herein, während der Bergelf den gefundenen Ring durch die Finger tanzen ließ wie eine Münze. Mit hochrotem Gesicht schloss der vermeintliche Ladenbesitzer seine halboffene Hose, die seine Männlichkeit noch nicht ganz freigegeben hatte und er begann zu stammeln. Wie? Ähm.. na-natürlich, mein Herr. Wa - wartet am Tresen ich b-b-bin gleich bei euch.", ratterte seine halb gelähmte Zunge in der sichtlichen Hoffnung, dass Riân tat wie ihm geheißen, der sich allerdings nicht rührte, sondern nur abrupt den Ring in seiner Hand zum stehen brachte, diesen gar mit einem zufriedenen Blick betrachtete. Langsam hob sich sein Auge zu Noro'elle mit einem fragenden Ausdruck. "Du hast eine interessante Angewohnheit was deine Zahlungsmittel angeht, Mädchen. Ist das dein Angebot?"

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Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von Noro'elle » Mo, 15. Apr 2019 18:43


Für einen kurzen Augenblick war Noro’elle wie gelähmt. Sie stand dort, nur noch im Untergewand bekleidet, schon wieder in den Fängen eines Mannes der ungefragt nach ihrer Unschuld trachtete. Erst als der schmuddelige Händler die Hand von ihrer Kehle nahm, um nach den jugendlichen Rundungen unter dem dünnen Hemdchen zu greifen, erwachte die junge Beraji aus ihrer Starre. Sie begann sich zu wehren, kratzte und biss dem fremden Mann in die Hand. Doch dieser schien ihr Aufbegehren nur noch erregender zu finden und ließ nicht von ihr ab. Körperlich unterlegen presste er sie in die Ecke des Raumes, wo es für sie kein Entkommen mehr gab. Sie wollte schreien, doch durch die auf ihren Mund gepresste Hand brachte sie nicht mehr als ein ersticktes Keuchen zustande. Tränen der Verzweiflung und der Hilflosigkeit perlten über die bronzefarbene Haut der jungen Frau, als der Händler ungeduldig begann an seiner Hose herum zu nesteln. Und dann ganz plötzlich war alles vorbei. Der widerliche Kerl ließ von ihr ab und wandte sich einem Fremden zu, der das Geschäft unbemerkter Weise betreten haben musste. In ihren Ohren dröhnte es und so nahm sie die Worte, die anfangs gesprochen wurden, gar nicht recht wahr. Sie stand einfach nur still, mehr unbekleidet als bekleidet und versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Ihr Anblick musste wahrlich erbärmlich erscheinen, da ihre natürliche Schönheit unter all den blauen Flecken und Blessuren verborgen lag. Als ihr Peiniger ein paar Schritte zur Seite ging, konnte sie einen Blick auf den Mann werfen, der sie durch seine pure Anwesenheit gerettet hatte und Unglauben funkelte in ihren verweinten Augen auf. Das Schicksal spielte wahrlich ein verworrenes Spiel mit ihr.

Du….“, flüsterte sie leise und versuchte hastig ihren beinahe nackten Körper zu bedecken. Sie empfand Unbehagen und Scham, dass er sie so sah und konnte daher nicht vermeiden purpurrot anzulaufen. Und dann erkannte sie, was der Meuchler in seinen Fingern hielt: Ihren Ring! Doch letzten Endes waren es seine provozierenden Worte, die das trotzige und vorlaute Mädchen, das sie einst gewesen war zurück in die Realität holten. In ihrer Mimik fand eine Veränderung statt wie sie hätte gegensätzlicher nicht sein können. Noch vor wenigen Augenblicken war sie eine verlorene Seele gewesen, doch nun funkelte unbändiger Zorn in ihren nussbraunen Augen. Sie trat völlig unerwartet an den Händler heran und zog mit einem Ruck ihr Knie empor, welches sich gut platziert und sicherlich reichlich schmerzhaft in dessen Weichteile bohrte. „Widerlicher Dreckskerl!“, spie sie ihm die Worte auf ihrer Muttersprache entgegen und wandte sich dann dem anderen Mann zu. Ihr war durchaus bewusst, dass sie nicht die Mittel verfügte, sich ihr Eigentum gewaltsam wieder zu holen und an des Meuchlers Freundlichkeit zu appellieren hatte gewiss auch keinen Zweck. So stand sie ihm gegenüber, blickte auf den goldenen Ring und dann in sein verbliebenes Auge und sagte dann: „Bezahlung erhält man nur, wenn man die entsprechende Gegenleistung erbracht hat. Was hast du getan, was solch eine horrende Bezahlung rechtfertigt? Ich kann mich nicht entsinnen, dass wir erneut eine Übereinkunft getroffen haben.“. Über ihre eigene Dreistigkeit beinahe selbst überrascht zog sie eine Augenbraue in die Höhe und blickte den Meuchler erwartungsvoll an. „Aber…“, fuhr sie nun etwas bedachter fort: „Wo du nun schon einmal hier bist, ob nun aus reinem Zufall oder weil du mir gefolgt bist, wäre ich geneigt dir auch diesen Ring zu überlassen, sofern du auf mein Angebot eingehst.“.

Sie legte den Blick auf den auf dem Boden kauernden Händler, der sich mit beiden Händen das schmerzende Gemächt hielt. Der arme Kerl hatte nicht verstehen können, was geredet wurde da Noro’elle zu ihrer Muttersprache gewechselt hatte und er schien genügend Respekt vor dem Fremden zu haben, um sich vorerst nicht in das Gespräch einzumischen.
„Erstens… Du bringst mich zu einem Hehler und sorgst dafür, dass ich beim Eintausch meiner Wertsachen nicht über den Tisch gezogen werde.“, erhob Noro entschlossen die Stimme. „Zweitens… Du hilfst mir eine vertrauenswürdige Begleitung für meine Heimreise zu finden.“, sprach sie weiter bevor sich ein diabolisches Grinsen auf ihre sinnlichen Lippen legte und sie ihre Forderung abschloss: „Und Drittens… Du trägst dafür Sorge, dass dieser widerliche Kerl hier sich nie wieder an Frauen vergeht! Wie du Letzteres arrangierst ist dir dabei selbst überlassen.“. Damit wandte sie sich ab und griff nach den Kleidern, die der Händler ihr zuvor gebracht hatte. Sie schlüpfte in die viel zu große Hose und das weite Hemd und schnürte den ledernen Gürtel eng um ihre schmale Taille. Dann zog sie die abgetragenen Stiefel an und stellte zu ihrer Überraschung fest, dass sie wie angegossen passten. Zuletzt wickelte sie sich ein azurblaues Tuch um den Hals und legte den dunklen Umhang an. Sich nun die Kapuze tief ins Gesicht ziehen, war sie kaum noch als sie selbst zu erkennen. „Und? Was sagst du? Du weißt ich halte mein Wort! Oder liegt dir mehr an solcherlei Bezahlung wie er sie sich einfordern wollte?“, fragte sie düster und zeigte mit dem Finger auf den Händler.

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