Ein notwendiges Übel

Eines der mächtigsten Reiche der Menschen im Norden. » Ortsbeschreibung
Antworten
Benutzeravatar
Noro'elle
verlorene Seele
Beiträge:69
Avatar:Ashley-Q
Alter:18
Rasse:Mensch/Beraij
Heimat:Avrabêth
Waffen:keine
Inventar:Nur was sie am Leib trägt
Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von Noro'elle » Do, 30. Jun 2016 16:26

Kamal ließ einfach nicht von ihr ab. Ein Tränenschleier vernebelte ihr die Sicht, sie hörte, dass er etwas sagte, verstand jedoch nicht die Bedeutung der einzelnen Worte. Das Einzige, was sie wirklich wahrnahm, waren seine ekelhaften Finger, die gierig an ihrem jungen, unschuldigen Körper herum nestelten. Und dann geschah plötzlich, wovor sich Noro schon so lange gefürchtet hatte. Mit einer Kraft, die man dem schwergewichtigen, alten Mann gar nicht zugetraut hätte, drückte er sie am Hals tief in die Kissen und legte dann seine speckigen Lippen auf die ihren. Angewidert presste sie ihren Mund zu einem schmalen Strich zusammen, sie wollte um jeden Preis verhindern, dass seine Zunge zu ihr vordringen konnte. Eine Welle der Übelkeit überkam das junge Mädchen, während sie sich vollkommen hilflos gegen Kamal zu wehren versuchte. Sollte so tatsächlich ihr aller erster Kuss aussehen? Gestohlen von einem Mann, den sie über alles verabscheute? Was stellte dieses grausame Leben wohl noch für sie bereit? Schmatzend wälzte sich der massige Körper ihres Peinigers auf ihren zierlichen Leib und drohte sie beinahe zu zerdrücken. Wie weit würde er noch gehen? Hatte er nicht gerade noch gesagt, dass er bis zur Hochzeitsnacht warten wolle? „Weißt du was meine Schöne? Ich fürchte dein Anblick genügt mir für heute nicht. Ich kann mich ich nur schwer zusammen reißen, wie du vielleicht merkst und wen sollte es schon scheren? Du gehörst ohnehin mir…“, flüsterte er in Noro’elles Ohr, während eine Handbewegung zur ihren Rundungen seine Drohung verdeutlichte. „NEIN!“, schrie die junge Beraij in Gedanken und grub ihre Fingernägel tief in das Fleisch ihres Herren, welcher darauf hin amüsiert zu lachen begann und sprach: „Oh ich mag widerspenstige Weiber, die halten in der Regel auch ein paar Maßreglungen ganz gut aus. Du wirst schon sehen, was du davon hast…“. Er drehte sich von ihr runter und packte sie schmerzhaft bei den Haaren, doch dann lenkte etwas anderes seine Aufmerksamkeit auf sich.

Da war etwas in der Ecke des Zimmers, ein Geräusch, ein Schatten oder vielleicht auch nur eine vage Vermutung. Kamal erhob sich schwerfällig und ging, ohne weiter auf Noro’elle zu achten, auf das Fenster zu. Seine zukünftige Frau konnte schließlich durch die Wache vor der Tür nirgendwo hin flüchten, er hatte es also nicht eilig. Das junge Mädchen beobachtete, wie eine aufgebrachte Katze den Schwanz einzog und in panischer Angst unter das Bett floh, auf dem sie lag. Doch ihr Herr ließ sich nicht davon täuschen, irgendetwas oder besser gesagt IRGENDWEN hatte das Vieh in der Ecke hinter dem Schrank entdeckt. Die schwarzhaarige Schönheit brauchte einen kleinen Moment, bis sie begriff, wer sich dort wohl zu verstecken versuchte. Im Grunde hätte sie dankbar sein können. Sie könnte still schweigend liegen bleiben und das Spektakel beobachten. Wenn Kamal einen Dieb – oder eine Diebin - in ihrem Zimmer fand, dann war ihm ganz gewiss nicht mehr nach trauter Zweisamkeit. Die frühere Noro’elle el Darr’akur, die verzogene Tochter eines reichen Dattelplantagenbesitzers, hätte den Eindringling einfach geopfert. So etwas wie Freundschaft oder gegenseitiges Vertrauen bedeutete ihr schließlich nicht viel. Und doch kam ihr der Gedanke, dass ihr der Fremde vielleicht lebend von ganz anderem Nutzen sein könnte. Sie mussten keine Freunde werden, dennoch hoffte sie inständig, dass er sie aus den Fängen Kamals befreien würde. Kurz entschlossen trat sie mit Schwung gegen den kleinen Nachtschrank, der neben dem geräumigen Bett stand. Das kleine, hölzerne Schränklein begann bedrohlich zu schwanken, ehe es letzten Endes zusammen mit der Waschschüssel, die darauf gestanden hatte, krachend zu Boden fiel. Wie eine Furie ließ Kamal von der unheimlichen, dunklen Ecke ab und trat zu Noro, nur um ihr im nächsten Moment eine gewaltige Ohrfeige zu verpassen.
„Ungeschicktes Ding! Wolltest wohl, dass mir vor Schreck das alte Herz stehen bleibt!“, sprach er aufgebracht, während sich auf der Haut des Mädchens ein rötlicher Abdruck abbildete.

Der unerwartete Lärm in den Gemächern hatte jedoch die Wache vor der Tür alarmiert. Ein grobschlächtiger Kerl trat, natürlich ohne zu klopfen, da er um die Sicherheit Kamals fürchtete, herein und ließ seinen Blick durch das Zimmer schweifen.
„Ist alles in Ordnung Herr? Ich habe Geräusche gehört und dachte…“, hielt er jäh inne und betrachtete das nackte Mädchen, welches schluchzend neben dem Bett kauerte und sich die Wange hielt. „Wirst du wohl aufhören deine zukünftige Herrin anzustarren? Ungehobelter Tunichtgut! Hier ist alles in bester Ordnung, wir wollten uns lediglich etwas… besser kennenlernen. Und nun verschwinde und wage es ja nicht noch einmal uns zu stören!“, schrie der alte Beraji den armen Kerl an, der doch nur gewissenhaft seiner Arbeit nachkommen wollte. Mit einem kurzen „Ja, Herr! Zu Befehl!“, zog sich der Krieger wieder zurück und schloss hinter sich die Türe. Kamal schnalzte ungehalten mit der Zunge. Sein plötzlicher Anflug von Begierde schien vergessen zu sein. „Nun hör auf zu schauen wie ein scheues Reh. Du wirst lernen noch viel mehr zu ertragen, doch für heute soll es genug sein. Ich hoffe das Ganze war dir Lehre genug und du wirst dich morgen in der Gesellschaft besser benehmen. Sonst vergesse ich meine guten Vorsätze wahrhaftig noch.“, wandte er sich wieder Noro’elle zu. Das Mädchen saß, die Knie an die Brust gezogen und die Arme darum geschlungen, neben dem Bett und weinte lautlose Tränen. Ihr Peiniger grinste noch ein letztes Mal hämisch, dann ließ auch er sie allein. Doch die Schwarzhaarige wusste es besser. Sie war nicht allein. Dort lungerte ein verängstigtes Kätzchen unter dem Bett und ein fremder Besucher kauerte hinter dem Schrank. Mit dem Handrücken wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht und hoffte, dass wenigstens einer der Beiden sich zu ihr gesellen würde.

Benutzeravatar
Yasha
Herumtreiber
Beiträge:15
Avatar:Wizi
Alter:10
Rasse:Taurrin (Vampir)
Heimat:Lun Daria
Waffen:Wurfmesser, Wurfnadeln, Kettenwaffe

Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von Yasha » Do, 07. Jul 2016 13:00

Ein dumpfer Schlag, gefolgt vom lauten Krachen eines umstürzenden Möbelstücks, bewahrte ihn davor seine Messer an dem Menschenmann erproben zu müssen… Was mit Sicherheit ein Glück für sie beide darstellte. Denn die Vorstellung sich aus einer derartig ungünstigen Position heraus gegen jemanden zur Wehr setzten zu müssen, der genügend Körpermasse besaß um so laut umherstampfen zu können und ihm vermutlich als erstes mit der Fackel in die Augen geleuchtet und ihn damit blind gemacht hätte, behagte ihm gar nicht. In jedem Fall hatte das Geräusch den Mann abgelenkt, denn nun entfernten sie sich von seinem Versteck. Yasha stieß erleichtert den angehaltenen Atem aus. Bis eben war ihm nicht einmal bewusst gewesen, dass er ihn überhaupt angehalten hatte. Er war eindeutig ein Wenig aus der Übung gekommen was Situationen wie diese betraf. Unter normalen Umständen raste weder sein Herz als wolle es einem galoppierenden Pferd Konkurrenz machen, noch hätte er vor lauter Anspannung die Luft unwissentlich angehalten.
Damit schien die Gefahr zwar fürs Erste gebannt, doch er gab seine Verteidigungsbereite Position nicht auf.

Ein klatschendes Geräusch ließ den jungen Vampir zusammenzucken. Verdammt, ich benehme mich wie ein Initiant, der noch keinen eigenen Auftrag durchgeführt hat. Dieser Gedanken half ihm sich zur Ordnung zu rufen. Während er den Geschehnissen lauschte, verlangsamte sich sein Herzschlag wieder. Er hörte zu wie der Mann das Mädchen anschrie. Dann folgte ein lautes Poltern und jemand stürzte in den Raum. Yasha vermutete, dass sich nun jemand erkundigen kam was den Mann so in Aufregung versetzt hatte. Der Neuankömmling sprach zu undeutlich um ihn verstehen zu können. Die gebrüllte Antwort des Menschen, kam dagegen so laut als stünde er direkt neben Yasha: „Wirst du wohl aufhören deine zukünftige Herrin anzustarren? Ungehobelter Tunichtgut! Hier ist alles in bester Ordnung, wir wollten uns lediglich etwas… besser kennenlernen. Und nun verschwinde und wage es ja nicht noch einmal uns zu stören!
Sollte das ein schlechter Witz sein? Er hätte dem Mädchen, den Geräuschen nach zu urteilen, fast Gewalt angetan und sprach nun von “Kennen lernen“? Das klang so absurd, dass er sich beherrschen musste um nicht loszulachen und sich doch noch zu verraten. Vor allem klang der Kerl als meinte er das auch noch ernst. Wenn er die Situation zuvor als Kennen lernen bezeichnete, wollte Yasha nicht in der Haut des Mädchens stecken wenn ihr Peiniger der Ansicht war, sie seien nun soweit ihre Bekanntschaft auszubauen.

Scheinbar hatte der kleine Zwischenfall den Menschenmann ernüchtert, denn er ging kurze Zeit später. Zur unendlichen Erleichterung des jungen Vampirs nahm er die Fackel und damit das helle Licht mit sich fort. Er unterhielt sich auf dem Flur leise mit jemandem, bevor er auf direktem Wege in das Zimmer nebenan ging. Eine ganze Weile verharrte Yasha noch in seinem Versteck, lange genug bis das Ächzen des Bettes im Nebenraum verklang und sein Insasse tiefer zu atmen begann. Erst dann schob er seine Messer in die Scheiden und glitt lautlos aus seinem Versteck. Das schwarzhaarige Mädchen saß zusammengekauert auf dem Boden. Ihr Gesicht unter den Haaren verborgen, sah es aus als weine sie, doch kein Laut drang aus ihrer Richtung. Das Bett war zerwühlt, der Nachtschrank lag umgestürzt daneben und einige Meter entfernt lag eine Schüssel auf dem Boden. Jetzt, wo er seine Ruhe gänzlich wiedergefunden hatte, begann er sich zu fragen ob das Mädchen ihm vielleicht zu helfen versucht hatte. Wie sonst sollte dieses hölzerne Möbelstück umgestürzt sein? Nachdenklich betrachtete er die am Boden kauernde Gestalt. Sie hatte noch nicht bemerkt das er aus seinem Versteck gekommen war. Ein sanfter Windstoß trug einen vertrauten Geruch in den Raum. Ohne den Kopf zu wenden, warf er aus den Augenwinkeln einen Blick zum Fenster hinüber. Er sah kaum mehr als eine Unregelmäßigkeit in der Silhouette des Fensters, doch das genügte ihm. Vermutlich beobachte sie das Geschehen im Raum, es kümmerte ihn nicht. Solange sie nicht versuchte ihm sein Diebesgut streitig zu machen war er bereit sie zu ignorieren. Eine Bewegung vor ihm zog seine Aufmerksamkeit zurück zu dem Mädchen. Mit schräg gelegtem Kopf sah er abwägend zu wie sie die Arme von ihren Knien löste um sich mit einer Hand durch das Gesicht fahren zu können. Dazu hob sie den Kopf. Ihr Haar fiel zurück und jetzt sah er die feuchten Spuren auf ihren Wangen. Ob es der Gedanke an die vorangegangen Hilfe oder dieser Anblick war, der ihn dazu bewegte, konnte er im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen, doch es war dieser Moment in dem sich entschied, dass er diesem Mädchen helfen wollte.

Mit bedächtigen Schritten durchmaß er den Raum, bis er dicht vor ihr zum Stehen kam. Ein leises Fauchen erklang unter dem Bett und Yasha musste unwillkürlich lächeln. Wenn er jemals jemanden traf, der ihm erklären konnte was im Kopf einer Katze vorging, er würde die Person beknien sein Mentor zu werden. Es war ihm absolut unbegreiflich warum dieses deutlich unterlegen Tier hier gerade das Risiko einig seine Aufmerksamkeit erneut auf sich zu ziehen. Ohne die Katze weiter zu beachten ging er in die Hocke um mit dem Mädchen auf Augenhöhe zu sein, dann fragte er sie auf Romarisch: „Du hast mir soeben geholfen, oder? Nick einfach zur Antwort, ich vermute das du mit dem Ding nicht wirklich sprechen kannst.“ Er unterzog das metallene Band um ihren Hals einer näheren Betrachtung. Es war mit kunstvollen Ornamenten verziert, ähnlich denen mit welchen sich der Direktor so gern umgeben hatte, weil sie ihn an die Heimat seiner Vorfahren erinnerte. Abgesehen von seiner goldenen Färbung und den eingeprägten Mustern, feil ihm nichts Auffälliges an dem Halsreif auf. Das Schloss sah nicht besonders kompliziert aus, aber das musste es ja auch nicht. Immerhin lag das Ding so eng am Hals seines Opfers an, dass es einiges an Mühe, Verrenkungen und Können erfordern würde das Schloss selbst zu knacken. Außerdem sah das Mädchen nicht aus als wisse sie wie man so etwas bewerkstelligte.
Die Ornamente und der bronzefarbene Hautton des Mädchens, den er nun aus der Näher zum ersten Mal wirklich wahrnahm, verschafften ihm die Gewissheit, dass sie aus dem Westen stammen musste. Vielleicht lebte sie in der Nähe des Volkes der Wüstenelfen, das würde die Handwerksarbeit erklären. Auf ihr Nicken hin, hoben sich seine Mundwinkel leicht: „Dann bin ich dir wohl etwas schuldig, was?“ Vorsichtig streckte er eine Hand aus und berührte den Metallreif: „Soll ich versuchen das Ding zu entfernen?"

Das Schloss erwies sich dann doch als ein wenig zäher als gedacht. Erschwert wurde die Prozedur durch die Tatsache, dass das fremde Mädchen deutlich Respekt vor der langen Klinge zeigte, die dicht vor ihrem Gesicht zum Einsatz kam. Er verstand es zwar, ihm wäre auch nicht wohl dabei wenn ein vermummter Fremder mit einem langen Messer an seinem Hals zu Werke ginge, aber es ging nicht anders. Der erste Versuch mit zwei Nadeln war fehlgeschlagen, weil der Mechanismus zu schwergängig war und sich der junge Vampir ungern eine seiner Nadeln ruiniert hätte. Mit einer Knochennadel aus seinem Armband und einem seiner langen metallenen Wurfmesser gelang es schließlich. Letztendlich dauerte es beinahe fünf Minuten bis Yashas Bemühungen den gewünschten Klicklaut erzeugten und der Reif auseinanderklaffte. Behutsam zog er das Ding von ihmen Hals und legte es vor ihr zu Boden. „Geht es dir jetzt besser?
Legende: „Yasha spricht“ / Yasha denkt /Chione/ Niak/ Beowan/Lapis/Fianna/„Andere sprechen“

Benutzeravatar
Malia
Glücksritter
Beiträge:52
Avatar:jojo080889
Alter:18
Rasse:Mensch
Heimat:Coralay
Waffen:Dolch
Inventar:Kleider, Lederbeutel mit Münzen und einem Kräutermesser

Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von Malia » Fr, 15. Jul 2016 21:39

Malia hatte genug gesehen. Nein, der Dicke war definitiv nicht der Vater des Mädchens - nun, oder vielleicht doch, aber dann kam er seinen väterlichen Pflichten, das Kind vor der Welt zu beschützen, nicht nach. Oder missverstand seinen Sorgfaltsauftrag - so wie Malias Vater.
Sie brauchte die fremde Sprache gar nicht zu beherrschen, um den Sinn der Worte zu verstehen. Der war eindeutig und er verhieß nichts Gutes. Malia schien mit ihrer Vermutung, das Mädchen hatte sie um Hilfe bitten wollen, gar nicht so falsch gelegen zu haben, denn während der Alte mit dem Rücken zum Fenster stand und die Nischen näher in Augenschein nahm, stieß das Mädchen mit dem Fuß das Nachtschränkchen um. Noch mehr Lärm. Schnell zog Malia sich zurück, ehe der Mann sich umdrehen und sie entdecken würde und damit sie alle drei, Malia, den Schmutzfink und das Mädchen unweigerlich in noch größere Schwierigkeiten bringen würde, als sie ohnehin schon waren.

Und das keine Sekunde zu früh. Die Tür öffnete sich, ein Wachmann war wohl aufgeschreckt ob des Gepolters. Der Alte raunzte etwas, er schien nicht ganz zufrieden damit zu sein, dass der Mann seine Arbeit vernünftig machte. Ein kurzer Wortwechsel noch, dann schlug die Tür zu und Stille senkte sich über den Raum.
Dennoch verharrte Malia weiter regungslos auf dem Dach, schließlich konnte das auch eine simple List sein, um sie, sich in Sicherheit wiegend, wieder ins Zimmer zu locken. Außerdem hatte sie jetzt immer noch Zeit, um einfach zu verschwinden und mit der ganzen Gelegenheit nichts zu tun zu haben.

Aber sie wusste, dass sie das nicht tun würde. Der Gedankengang war verlockend. Aber sie konnte nicht so tun, als würde sie das alles, was in der heutigen Nacht geschehen war, nichts angehen. Der Bengel ging sie nichts an und der Dicke ging sie auch nichts an. Aber das Mädchen hatte ihr etwas sagen wollen. Und das ging Malia sehr wohl etwas an.

Erst, als sie die Stimme des Jungen vernahm, schob sie sich langsam wieder weiter vor.
Mit einem langen Messer hantierte das Kerlchen gerade an dem goldenen Ding, das wohl alles mögliche, aber anscheinend kein Schmuck war. herum. Hatte das Ding ein Schloss?
So schien es fast, denn der Bengel machte ein höchst konzentriertes Gesicht, während er mit geübten Fingern und seinen Waffen herumfuhrwerkte. Das Mädchen schein zwar wenig erbaut, doch sie rührte sich auch nicht.
Erst, als sich der Halsreif mit einem leisen Klickgeräusch öffnete, glitt Malia wieder in das dunkle Zimmer.

Mit verschränkten Armen lehnte sie am Fensterrahmen.
"He, Dreckspatz. Du sprichst doch das Kauderwelsch, nicht?", richtete sie das Wort an den kleinen Dieb und machte sich damit - falls nicht schon geschehen - deutlich bemerkbar.
"Frag sie, ob sie fliehen will, oder was sich sonst von mir - oder uns - erhofft."
"Wenn man zu den Göttern spricht, ist man religiös. Wenn die Götter einem antworten, ist man irre."

Benutzeravatar
Noro'elle
verlorene Seele
Beiträge:69
Avatar:Ashley-Q
Alter:18
Rasse:Mensch/Beraij
Heimat:Avrabêth
Waffen:keine
Inventar:Nur was sie am Leib trägt

Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von Noro'elle » Fr, 22. Jul 2016 22:11

Endlos erscheinende Augenblicke verstrichen, bis sich letztendlich in der dunkelsten Ecke des Zimmers etwas regte. Sie hatte es doch geahnt, dass zumindest einer der Diebe das Zimmer nicht verlassen hatte, als Kamal kam um ihr Gesellschaft zu leisten. Ein letzter verunsicherter Blick zur Türe, draußen schien wieder alles ruhig zu sein, allerdings fauchte das Kätzchen unter dem Bett aufgebracht. Als sich Noro’elle darauf hin wieder gen Fenster wandte, erschrak sie ganz fürchterlich, denn der kleine Junge hatte sich katzengleich angeschlichen und hockte nun direkt vor ihr. Wie konnte er sich so leise bewegen? Sie legte neugierig den Kopf schief und musterte den Dieb kritisch. Er war nicht gerade ein gutaussehender Held in glänzender Rüstung, der auf einem edlen Ross daher geritten kam, aber wenn er ihr wirklich helfen konnte, würde sie über diesen Makel hinweg sehen können. Er begann zu sprechen, die Sprache, die er dabei benutzte, war ihrer Muttersprache sehr ähnlich, wenn auch die Aussprache etwas härter und die Betonung anders gesetzt war. Dennoch, sie konnte durchaus verstehen, was er zu ihr sagte, was in Anbetracht ihres Aufenthaltsortes schließlich nicht selbstverständlich war. Der Kleine fragte sie, ob sie ihm geholfen hätte und offenbar hatte er bereits begriffen, dass sie nicht reden konnte. Sehr gut, vielleicht war ihr das Glück in der heutigen Nacht doch noch gewogen. Sie hielt einen Moment inne, dann nickte sie zögerlich. Es war ein merkwürdiges Gefühl, als er noch näher heran kam und begann ihr Halskorsett genauer zu betrachten. Die Beraij selbst wusste nicht, was sie tun sollte, helfen konnte sie ihm schließlich nicht, also ließ sie es zu, dass der Dieb sich einen Überblick verschaffen konnte. Wenn ein Langfinger nicht vermochte dieses Schloss zu knacken, wer sollte sonst dazu in der Lage sein? Bezüglich seiner nächsten Frage, ob er dieses Ding endlich entfernen und ihr die Freiheit wieder geben solle, musste die junge Frau nicht lange nachdenken. Sie sah ihm tief in die Augen und nickte entschlossen. Die Vorkommnisse dieser Nacht hatten ihr wieder deutlich gezeigt, dass es höchste Zeit war, hier zu verschwinden.

Noro’elle fühlte sich nicht sonderlich wohl in ihrer Haut, während der Junge versuchte das komplizierte Schloss zu knacken. Es wunderte sie nicht wirklich, dass Kamal lieber auf Nummer sicher gegangen war, schließlich wollte er ihre Qualen bis zum Letzten ausreizen. Es schien eine halbe Ewigkeit zu dauern, doch dann endlich löste sich ihr Halskorsett und er nahm es ihr behutsam ab. Vorsichtig, ganz, ganz vorsichtig strich Noro mit ihren Fingern über die nun freiliegende Haut. Dunkle Schatten zeichneten sich an ihrem zierlich wirkenden Hals ab, hier und da konnte man wunde Stellen ausmachen, wo das Metall schmerzhaft über ihre Haut gescheuert hatte. Dann begutatchete sie voller Abscheu das verhängnisvolle Schmuckstück, welches nun vor ihr auf dem Boden lag.
„Ja, viel besser… Danke…“, flüsterte sie leise. Es war ungewohnt ihre eigene Stimme zu hören, denn sie klang nicht so, wie sie sie in Erinnerung hatte. Sie war rau und kratzig, nicht mehr von solch lieblicher Natur, wie sie früher einst gewesen war. Doch vermutlich würde sich das Ganze mit der Zeit wieder legen, vorausgesetzt sie fand einen Weg heraus aus ihrem goldenen Käfig. Nun kehrte auch das Mädchen zurück, offenbar hatte sie ihre Neugier doch erwecken können. Ob sie aufgrund des Schmuckstückes oder wegen ihrem Schicksal zurück kehrte, war vorerst nicht von Belang. Noro konnte nicht verstehen was das Straßenmädchen sagte, dennoch konnte sie sich vorstellen, was sie von ihr wissen wollte, weil es im Grunde ganz offensichtlich war. Die Schwarzhaarige räusperte sich leise, ihr Hals brannte wie Feuer. Sie blickte sich um, hielt die Decke fest um ihren Leib gewickelt und bewegte sich zu dem kleinen Tisch, auf dem eine Karaffe Wasser und ein Tonkrug standen. „Einen Moment…“, krächzte sie leise, bevor sie sich großzügig einschenkte und anschließend gierig trank. Das von der Nacht gekühlte Nass tat ihrer Kehle gut und so kostete sie den Augenblick, ungehindert trinken zu können, in vollen Zügen aus. Anschließend hefteten sich ihre dunkelbraunen Augen auf die zwei Fremden in ihrem Schlafgemach. „Mein Name lautet Noro’elle el Darr’akur und ich stamme aus Avrabêth, einer Stadt in der Wüste Cala an Darh. Dieser Mann, der mich vorhin… besuchte… Er hat mich entführen lassen und mich bis hierher, in die Nordreiche, verschleppt. Sein Ziel lautet Merridia. Dort hat er einen Wohnsitz und… Er will mich zu seiner Frau nehmen. Aber ich möchte das nicht. Bitte… Könnt ihr mir helfen? Ich gebe euch all meinen Schmuck, bitte ihr könnt alles haben. Ich möchte nur meine Freiheit zurück…“, versuchte sie deutlich und gefasst ihre Geschichte zu erzählen. Anschließend blickte sie die beiden verzweifelt an und wartete auf ihre Reaktionen.

Benutzeravatar
Yasha
Herumtreiber
Beiträge:15
Avatar:Wizi
Alter:10
Rasse:Taurrin (Vampir)
Heimat:Lun Daria
Waffen:Wurfmesser, Wurfnadeln, Kettenwaffe

Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von Yasha » Mi, 03. Aug 2016 1:51

Er musterte das Mädchen vor sich. An der Stelle wo der Halsreif gesessen hatte waren deutliche Spuren zurückgeblieben. Verheilte Schürfwunden, blaue Flecken und einige halb verwachsene Schnitte, die mit einiger Sicherheit nie wieder zur Gänze verheilen würden, verunzierten ihre Haut. Unwillkürlich schauderte er als ihm klar wurde, das sie dieses Ding schon seit geraume Zeit getragen haben musste, damit es Derartiges verursachen konnte. Ihre Stimme war leise und rau, als habe sie sie zu lange nicht benutzt. Abscheu gegen den Mann, der zuvor das Zimmer verlassen hatte, stieg in ihm auf. Mit einer ruckartigen Bewegung versenkte er seine Waffe wieder in ihrer Scheide. Die Nadel behielt er in der Hand.

Der Klang einer vertrauten Stimme hinter sich ließ Yasha einen Blick über die Schulter werfen. Dort stand, scheinbar die Gelassenheit in Person, die Diebin. Er neigte den Kopf als müsse er über ihre Worte nachdenken. Abwägen ob das Gesagte einer Antwort wert sei oder nicht… Nach einigen Herzschlägen kam er offensichtlich zu einer Entscheidung, denn er erhob sich mit fließender Eleganz um sich ihr halb zuwenden zu können, bevor er ihr auf Coreonisch entgegnete: „Du hast eine Angewohnheit das Offensichtliche festzustellen oder? Bist du immer so freundlich zu Fremden, Mensch?“ Sein arcanischer Akzent verlieh der Spitze in seinen Worten ein wenig mehr Schärfe als er beabsichtigt hatte. Er mochte es gewohnt sein das man mit ihm sprach als sei er nichts weiter als ein naives Kind, doch hier und heute verärgerte es ihn. Trotzdem hielt er sich davon ab weiter auf ihre Provokation einzugehen. Der beißende Spott in seiner Stimme sollte genügen.
Das Mädchen nahm indes ein paar großzügige Schlucke aus einem Krug von ihrem Nachttisch und kam Yasha, der die Frage der Diebin soeben weitergeben wollte, zuvor. Ihre Stimme stockte noch immer ein Wenig, was jedoch nicht über die schiere Verzweiflung darin hinwegzutäuschen vermochte. „Mein Name lautet Noro’elle el Darr’akur und ich stamme aus Avrabêth, einer Stadt in der Wüste Cala an Darh. Dieser Mann, der mich vorhin… besuchte… Er hat mich entführen lassen und mich bis hierher, in die Nordreiche, verschleppt. Sein Ziel lautet Merridia. Dort hat er einen Wohnsitz und… Er will mich zu seiner Frau nehmen. Aber ich möchte das nicht. Bitte… Könnt ihr mir helfen? Ich gebe euch all meinen Schmuck, bitte ihr könnt alles haben. Ich möchte nur meine Freiheit zurück…“ Ohne lange nachzudenken übersetzte er ihre Worte für die Diebin, ehe er sich direkt an das Mädchen, Noro’elle, wandte: „Nun Noro’elle el Darr’akur aus der Wüste, es scheint als habe es sich gelohnt dich von diesem Ding zu befreien,“ er nickte zu dem Schmuckstück hinüber, ehe er wieder ins Coreonische wechselte. : „Wenn wir jetzt bei der allgemeine Vorstellungsrunde angekommen sind, sollten wir wohl auch Namen austauschen oder? Ich bin Yasha.“ Wie erwartet fiel ihre Antwotrt nicht eben freundlich aus, aber immerhin stellte auch sie sich vor.

Ich bin Yasha und der schmutzstarrende Mensch dort hinten heißt Malia. In wie weit wir beide dir helfen werden hängt wohl ganz von der Bezahlung ab… Und davon wo du eigentlich hinwillst. Solltest du in deine Wüste zurückwollen, wird dich das schon einiges kosten. Immerhin ist eine weite Reise wie diese nicht eben ungefährlich.“ Er lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand und verschränkte die Arme vor der Brust. Die ganze Zeit hielt er den Kopf gesenkt, seine Augen im Schatten der Kapuze verborgen um zu verschleiern was er dachte. Ein Gespräch auf diese Art zu führen gehörte nicht zu den angenehmsten Arten eine Nacht zu verbringen und er spürte schon das Nahen der Dämmerung in den Knochen, was in ihm eine gewisse nervöse Anspannung wachsen ließ. So bleib sein Tonfall Malia gegenüber frostig, als er ihr seine Gedankengänge mitteilte: „Wärest du bereit für eine angemessene Bezahlung diese Ortschaft zu verlassen? Denn ich gehe davon aus das sich dieses reiche Mädchen genau das von uns erhofft. Da du hier im Raum stehst musst du entweder Mitleid mit ihr gehabt oder einen leichten Gewinn gewittert haben, wie siehts aus? Welche Antwort soll ich ihr von dir auf das Hilfsgesuch geben?“ Ein spitzzahniges Grinsen blitzte unter seiner Kapuze hervor, ehe er fortfuhr: „Ich denke ich werde sie begleiten, aber ich wollte sowieso hier weg und außerdem habe ich ja sozusagen schon eine Teil der Bezahlung im Vorraus erhalten.“ Die Anspielung klang deutlich aus den scheinbar harmlosen Worten heraus und er fragte sich was mit ihm los war, das das Verhalten dieser Diebin ihn genug reizte um so eine Reaktion hervorzurufen.

Während des ganzen Gespräches war die bleiche Wurfnadel zwischen seinen Fingern getanzt. Doch jetzt, wo die Entscheidung für eine gemeinsame Weiterreise getroffen, Noro’elle angezogen, die Habe die sie mitzuschleppen gedachte verstaut und Malia damit beschäftigt war ihr zu zeigen wie sie aus dem Fenster klettern konnte ohne sich dabei den Hals zu brechen, ließ er sie innehalten. Mit gerunzelter Stirn schob er sie zurück in sein Armband, ehe er zu den beiden Menschen hinüberging um Malia mit Worten zu unterstützen.
Die Art und Weise wie sie das Wüstenmädchen letztendlich aus dem Fenster und auf das Dach beförderten, hatte zumindest einen positiven Aspekt: Yasha stellte fest, dass er zumindest wenn es zwingend notwendig wurde recht gut mit Malia zusammenarbeiten konnte. Sie mochte ungehobelt und für seine Begriffe unaufmerksam sein, doch vom Klettern und Dächerlaufen verstand sie eine Menge. Es gehörte trotzdem zu den Dingen die er in näherer Zukunft nicht unbedingt wiederholen wollte.
Yasha ließ die beiden Mädchen auf dem Dach zurück, während er Noro’elles Reisegepäck, das unter anderem ihre Bezahlung enthielt, aus dem Zimmer holte. In einem kleinen Anflug von Bosheit versperrte er die Tür zu ihrm Schlafraum von Innen mit einem Stuhl, ehe er sich wieder zu den Beiden gesellte. Ein leichte Brise wehte über Cadrons Dächer als er ohne ein Geräusch zu verursachen wieder zu ihnen trat. Erst seine Stimme ließ die Menschen aufmerken: „Malia? Du hattest gesagt das du noch etwas holen willst, also geh du voran. Mein Lager liegt außerhalb. Das sollten wir sinvollerweise als letztes aufsuchen.
Zuletzt geändert von Yasha am Di, 25. Okt 2016 21:16, insgesamt 1-mal geändert.
Legende: „Yasha spricht“ / Yasha denkt /Chione/ Niak/ Beowan/Lapis/Fianna/„Andere sprechen“

Benutzeravatar
Malia
Glücksritter
Beiträge:52
Avatar:jojo080889
Alter:18
Rasse:Mensch
Heimat:Coralay
Waffen:Dolch
Inventar:Kleider, Lederbeutel mit Münzen und einem Kräutermesser

Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von Malia » Fr, 16. Sep 2016 15:47

Malia schauderte, als sich der goldene Halsrreif mit einem Klicken öffnete, und dunkle Male auf der geschundenen haut des Mädchens zum Vorschein kamen. Unwillkürlich fasste sie sich an den eigenen Hals, fuhr dann aber, sich ihrer Geste bewusst werdend, hinunter zum Schlüsselbein, um eine halbwegs natürliche Position einzunehmen.

Das bockige Gebaren des Zwerges ignorierte Malia schlicht - schließlich oblag sicher nicht ihr die Zügelung seiner losen Zunge. Dennoch - wie lange hatte er sie beobachtet, dass er sogar ihren Namen kannte? Hatte er sie verfolgt, oder bloß auf dem Dach gehockt, unter dem Malia auf Jasna getroffen war? Fast hätte sie gefragt, doch dafür gab es wohl bessre Orte und Zeiten, als eine Dachkammer, in der sie beide eingebrochen waren, mit einem Mädchen, dass sie gerade um Beihilfe zur Flucht gebeten hatte. Malia dachte einen Moment darüber nach. Cadron verlassen - warum nicht. Und Avrabêth... wo lag das überhaupt? Hier und da hatte Malia schon einmal von der Stadt in der Wüste gehört, aber sie, die sie weder lesen noch schreiben konnte und in ihrem ganzen Leben noch keine Karte in Händen gehalten hatte, konnte sich die unglaublich weite Reise - zumal zu Fuß und gejagt - nicht einmal ansatzweise vorstellen. Wie lange würden sie wohl brauchen? 4 Wochen? Vielleicht 5, wenn sie die Straßen mieden, überschlug sie grob im Kopf. Einfacher würde sie wohl nie wieder an so viel Geld kommen. Was sie damit alles anstellen könnte. Es würde genug sein, um sich Schuhe und ein Hemd zu kaufen - mindestens. und wie lange sie nicht mehr würde hungern müssen - was machten da schon ein paar Wochen in der Wildnis?

Doch all diese Gedanken behielt Malia für sich. Ihre Miene blieb reglos, während sie den vorlauten Dreckspatz und das fremde Mädchen musterte. Sie runzelte noch einmal kurz die Stirn.
Dann nickte sie knapp.

"Ich wollte sowieso von hier verschwinden.", sagte sie naserümpfend.
"Cadron stinkt mir."

Weiterhin stirnrunzelnd sah sie dabei zu, wie das Mädchen, die Hälfte des unaussprechlichen Namens hatte Malia schon wieder vergessen, sich anzog und einige Habseligkeiten in einen Beutel packte. Die meisten Dinge waren für Malia nur unnötiger Kram, der Platz wegnahm und keine Funktion hatte - aber sie sparte sich den Kommentar. Sie hatte es hier wohl mit einer Art Prinzessin zu tun - zumindest stellte Malia sich das so vor. Es wurden doch immer die Prinzessinnen entführt. Nur das jetzt eben mal zwei Straßenkinder die Rolle des heldenhaften Prinzen übernahmen. Der Gedanke brachte sie zum schmunzeln. Malia, die Heldin. Wer hätte das gedacht? Vielleicht würde die ganze Unternehmung ja sogar lustig werden.

Cadron zu verlassen, stellte sich aber schon nach wenigen Minuten als gar nicht mal so einfach heraus - es scheiterte ja schon fast daran, das verwöhnte Mädchen irgendwie auf das Dach zu befördern. Mehrmals staunte Malia ob so viel Ungeschick und Unbeholfenheit. Wären sie nicht zur Eile angehalten, hätte sie das Schauspiel vermutlich sehr erheiternd gefunden, so aber war sie mit ihrer Geduld nahezu am Ende, als der Zwerg - Yasha - sich endlich nützlich machte und übersetzte, was Malia sagte, während sie selbst an Nor.. dings-da - sie würde wohl einfach 'Noro' sagen - zog und zerrte, bis diese sich endlich auf das Dach hieven konnte.

Und nun standen sie da. Sie deutete auf das Meer aus Dächern, dann auf sich und Noro. Mit zwei Fingern imitierte sie Laufbewegungen und versuchte, anzudeuten, dass sie sich über die Dächer fortbewegen würden. Dann legte sie einen Finger an die Lippen - leise fortbewegen. "Wir gehen jetzt da rüber.", sagte sie ganz langsam , als würde sie mit einem Idioten sprechen - aber das brachte natürlich nichts. Noro verstand schließlich ihre Sprache nicht.
Zweifelnd musterte sie das Mädchen. Ob sie das hinbekommen würde?

Sie ging voran, um Noro zu zeigen, wohin sie treten konnte, näherte sich vorsichtig der Dachkante und sprang leichtfüßig auf den Sims des nächsten Hauses. Sie lehnte sich an den Schornstein und überwachte mit Adleraugen jede Bewegung Noro'elles.
Wenn das mal gut geht... dachte sie mehr als einmal, aber irgendwie schaffte sie es, das Mädchen gesund, munter und vor allem leise zu sich herüber zu lotsen. Yasha hielt sich hinter Noro, um sie notfalls auffangen zu können.

Sie war selbst verwundert, dass sie den Weg, der Malia in dieser Nacht endlos schien, ohne größere Zwischenfälle hinter sich gebracht hatten. Zu zweit manövrierten sie Noro'elle an der Stadtmauer hinunter. Wieder auf festem Waldboden schien sie sich deutlich wohler zu fühlen, ihre Bewegungen wurden sicherer, ihr Schritt schneller und so konnten sie zumindest den letzten Abschnitt des Weges zu Malias Versteck zügig bewältigen. Malia schlüpfte in die verlassene Kornkammer. Ein letztes Mal kletterte sie die vertrauten Wege hinauf und hinunter, durchsuchte jeden Winkel, ob sie nicht doch noch irgendwo irgendetwas vergessen hatte, schnappte sich aber letztlich nur ihr weites, warmes Hemd für den Winter und einen viel zu kurzen Rock, den sie ohnehin nie trug, aber auch nicht weggeben wollte - weil sie nicht mehr besaß.

Sie deutet kurz nach oben.
"Ich muss noch was besorgen.", sagte sie knapp, ehe sie behände hinaufkletterte und durch ein Loch im Dach verschwand.

Sie balancierte zu ihrer Lieblingsstelle und setze sich ein letztes Mal hin. Die Knie angezogen ließ sie den Blick schweifen. fast 2 Jahre lang war diese Scheue hier so etwas wie ein Zuhause gewesen. Viele, viele Nächte hatte sie genau hier verbracht und in die Sterne gestarrt. Es war seltsam, diesen Ort zu verlassen.

Aber - Malia straffte sich - es war ja schließlich nicht für lange!
Sie erhob sich und kehrte zu den beiden anderen zurück.
"Alles klar - von mir aus kann es los gehen.", sagte sie und ein Lächeln voller Übermut huschte über ihr Gesicht.
"Wenn man zu den Göttern spricht, ist man religiös. Wenn die Götter einem antworten, ist man irre."

Benutzeravatar
Yasha
Herumtreiber
Beiträge:15
Avatar:Wizi
Alter:10
Rasse:Taurrin (Vampir)
Heimat:Lun Daria
Waffen:Wurfmesser, Wurfnadeln, Kettenwaffe

Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von Yasha » Sa, 18. Feb 2017 21:32

Yasha musterte Noro’elle, während sie am Fuße eines verlassenen Gebäudes auf die Rückkehr der Diebin warteten und fragte sich zweifelnd ob sich das Menschenmädchen die ganze Sache auch wirklich gut überlegt hatte. Es würde eine lange und gefährliche Reise werden. Vor allem fragte er sich, wie er seine vampirische Natur auf die Dauer vor den beiden verbergen sollte.
Die Diebin - Malia – ließ sich wirklich Zeit. Er warf einen forschenden Blick an dem Speicher hinauf in dem sie vor einiger Zeit verschwunden war, ehe er sich Noro’elle zuwandte. Das Mädchen saß in sich zusammengesunken im Gras, den Rücken an die Wand des Gebäudes gelehnt. Sie wirkte erschöpft, ob dies aber von der überhasteten Flucht oder von allgemeinem Schlafmangel herrührte konnte er nicht mit Sicherheit sagen, fest stand für ihn nur, dass sie die kurze Ruhepause ganz gut gebrauchen konnte. Trotzdem trat er an sie heran und legte ihr eine Hand auf die Schulter um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Als sie aufsah, zog er sich zurück. „Ruh dich aus Noro’elle. Ich schätze Malia wird noch etwas Zeit benötigen bevor sie wieder hinunterkommt, nutze sie, die Reise wird anstrengend werden. Falls sie zurückkommt bevor ich wieder da bin sage ihr, dass ich nur mein Gepäck holen gegangen bin, sonst verlieren wir hier zu viel Zeit.“, sagte er auf Romarisch. Dann wandte er sich um und verschwand im dunklen Wald, ohne auf eine Erwiderung zu warten. Er fiel in einen leichten Tab sobald sich der Wald um ihn geschlossen hatte und verhielt nur ein einziges Mal an einem kleinen Bächlein um sich den Ruß aus dem Gesicht zu waschen, ehe er weiter auf seinen Lagerplatz zustrebte.

Das Dickicht lag scheinbar verlassen. Von außen betrachtet wies nichts darauf hin, dass sich in seinem Inneren etwas verbarg. Yasha prüfte sorgsam die Umgebung ehe er sich hindurchschob. Auf der kleinen Lichtung im Inneren erwarteten seine beiden Freunde ihn bereits. Mit gespitzten Ohren und einem freudigen Schnauben kamen sie angetrabt, sobald er sie betrat. Ehe er sich versah, lagen zwei schwere Köpfe links und rechts auf seinen Schultern und drückten ihn nieder. Mit einem leisen Lachen fuhr er ihnen durchs Fell und murmelte leise Begrüßungsworte. Von dem Argwohn, den sie gezeigt hatten ehe er zur Jagd in die Stadt aufgebrochen war, war keine Spur mehr zu entdecken. Jetzt, wo sein Hunger nicht länger wütend in ihm tobte und seinen Geruch Feind und Gefahr schreien ließ, schien ihre Welt wieder in Ordnung. Schließlich kannten sie ihn nicht anders und er hatte niemals einen von ihnen verletzt. Versonnen hob er den Blick in Richtung Nachthimmel und wünschte sich, diesen Moment festhalten zu können, zumindest für eine Weile. Diese Gedanken wurden recht rüde unterbrochen als Windläufer seinen Kopf zurückzog und ihm einen Schwall seines warmen Atems direkt ins Ohr blies. Mit einer Mischung aus überraschtem Lachen und erschrecktem Fauchen machte er einen Satz rückwärts und sah den jungen Hengst vorwurfsvoll an. Wie erwartet tat der als könne ihn kein Wässerchen trügen. Lichtfrost indes, vermutlich über die abrupte Beendigung der Liebkosungen verärgert, drehte sich um und trottete davon. Der junge Vampir schüttelte nur den Kopf und begann sich auf den Aufbruch vorzubereiten.

Aufgrund der Wärme der letzten Tage entschied er sich für Tunika und Lederhose. Seine Arbeitskleidung legte er gewissenhaft zusammen, ehe er sie einrollte und die Rolle zusammen mit seinen Stiefeln und den Handschuhen in seinem Packen verstaute. Es war angenehm das weiche Gras der Lichtung wieder unter den bloßen Füßen spüren zu können.
Als nächstes löste er seinen Zopf und ließ das Haar offen über seine Schultern fallen, einzig seine zwei geflochtenen Zöpfe ließ er unangetastet. Nach einem kurzen nachdenklichen Blick auf seine ausgebreiteten Waffen, verstaute er eine seiner Unterarmscheiden und seinen Messergürtel. Die andere Scheide schnallte er sich um seinen linken Arm, das Armband mit den Knochennadeln schob er über sein rechtes Handgelenk, wo es die Tätowierung zumindest notfalls verdecken konnte. Den Beutel mit seiner Sichelkette wog er prüfend in der Hand, bevor er ihn an einer Schlaufe seiner Hose festknotete. Unter der locker fallenden Tunika, war er nahezu unsichtbar. Dann wandte er sich seinem Beutegut zu. Ein Silberring mit auffälligen jadegrünen Mustern, ein lederner Beutel, der seltsame Metallfisch, eine rubinbesetzte goldene Halskette und ein durchsichtiger Edelstein, der im Licht des Modes schwach schimmerte. Den Ring ließ er, ohne auch nur einen zweiten Blick darauf zu werfen, in dem roten Lederbeutel verschwinden und warf ihn in seinen Beutel. Das Ding wollte er nur so schnell wie möglich loswerden. Die Halskette wickelte er in das Tuch, in das zuvor der Edelstein eingeschlagen gewesen war, bevor er sie so tief wie möglich zwischen seinen übrigen Habseligkeiten verstaute. Besagten Stein schob er in seinen verborgenen Geldbeutel. Somit blieb nur der Metallfisch übrig. Er nahm sich einige Herzschläge Zeit um die feine Handwerkskunst ausgiebig zu betrachten, drehte das kleine Ding in den Händen und strich mit den Fingern leicht über seine Oberfläche.
Er wusste nicht ob es besonders wertvoll war, doch da es ihm ausnehmend gut gefiel, beschloss er es zu behalten. All die anderen Dinge würden sich sicherlich in Metallmünzen umtauschen lassen, aber den Fisch würde er behalten. Mit einem leisen Seufzer schob er ihn in den Beutel an seiner Hüfte zu der Sichelkette. Dann schulterte er seinen Packen und trug ihn zu Lichtfrost hinüber. Die kleine Stute sah ihm entgegen, doch als er Anstalten machte den Beutel an ihr zu befestigen wurde sie zappelig. „Hör auf damit“, wies er sie zurecht, als sie ein weiteres Mal ihren Kopf aus dem Gurt zog: „Je mehr du dich wehrst, desto länger bist du hier eingesperrt. Und du willst doch wieder frei laufen, oder Frost?“ Wie stets, wenn er mit seinen Pferden sprach, wechselte er unbewusst ins Wüstenelfische. Die geschwungene Melodie dieser Sprache war ihnen am vertrautesten und es war auch die Sprache mit der Yasha sich, gleich nach Aras-Elfisch, am wohlsten fühlte.
Bei dem Wort „Laufen“ erstarrte sie. Würdevoll senkte sie den Kopf und ließ den jungen Vampir an sich herumwerkeln, während er sich das Lachen verbeißen musste. Manchmal bist du eine richtige kleine Prinzessin nicht wahr? Zumindest bis das nicht mehr von Vorteil ist, oder du schlechte Laune bekommst… Aber ich kenne dich nur zu gut meine Liebe und ich weiß das du auch anders…

Yashas Kopf fuhr hoch, als das verräterische Brechen eines trockenen Astes durch die Nacht hallte. Die Tiere des Waldes waren verstummt. Eine unnatürliche Stille lag über dem Wald. Wachsam sah er sich um. Die Lichtung wirkte genau so friedlich wie zuvor, doch irgendetwas war falsch. Während er rasch die Riemen festzog und zu Windläufer hinüberging, versuchte er herauszufinden was vor sich ging. Er prüfte Windläufers Decke auf Beschädigungen, warf noch einen letzten Blick über die kleine Lichtung und lotste seine beiden Freunde im Anschluss durch das Dornengebüsch.
Der Wald schwieg noch immer. Bleierne Stille, nur unterbrochen durch das leise Geräusch der Pferdehufe auf dem Waldboden, legte sich um Yasha wie eine Decke. All seine Sinne sagten ihm das etwas nicht in Ordnung war, doch er konnte es nicht benennen, bis zu dem Moment in dem ein wohlvertrauter Geruch an seine Nase drang. Scharf und metallisch fraß er sich in ihn hinein und ließ seinen Hunger tobend zum Leben erwachen. Es traf ihn so unvermittelt und intensiv, dass er taumelte und dann hörte er etwas. Gedämpfte Stimmen drangen durch die Nacht. Yasha verstand nur Fetzen eines Gespräches auf Coreonisch. „…Lichtung …muss hier irgendwo sein“, eine andere Stimme erwiderte: „Bist du sicher… schon seit Stunden… wird bald vermisst werden.“ „Ja verdammt, es ist genau… Da vorne, siehst du die Hecke?“ Hastig dirigierte er Windläufer und Lichtfrost rückwärts zwischen die Bäume, denn die Besitzer dieser Stimmen kamen unverkennbar auf die Dreiergruppe zu. Je näher sie kamen, desto stärker wurde auch der Blutgeruch. Mensch. Ohne Zweifel und noch dazu frisch… Vielleicht ist der Körper sogar noch warm., analysierte ein Teil seines Bewusstseins routiniert, während er fieberhaft überlegte was er nun tun sollte. Wenn sie tatsächlich auf die kleine Lichtung gingen, würden sie sehen das jemand dort gewesen war und wenn sie sich in der näheren Umgebung umsahen konnten sie auf seine Spuren stoßen, die zu den beiden Menschen und dem Speicher führten. Vorsichtig schlich er näher, den Pferden bedeutend das sie ihm nicht folgen sollten.
Es waren drei, von Körperbau und Geruch her vermutlich menschliche, Männer. Zwei nahezu vollständig vermummt, der dritte trug normale Straßenkleidung und sie schleiften zwei Körper hinter sich her. Einen großen breit gebauten ebenfalls menschlichen Mann und eine magere hellhäutige Katzenelfe. Verwirrt schnupperte der junge Vampir. Er konnte eindeutig nur menschliches Blut riechen, von mehreren Personen zwar, aber eindeutig nichts das sich der Elfe zuordnen lassen würde. Vielleicht ist sie ja gar nicht tot? Aber warum sollten sie sie dann hinter sich herschleifen?
Inzwischen war klar zu erkennen, dass sie tatsächlich auf dem Weg zu dem Unterschlupf waren, den er soeben verlassen hatte. Er musterte sie besorgt. Diese Art der Kleidung kam ihm bekannt vor. Es ähnelte der Kluft die manche Frostschatten während der Arbeit bevorzugten, aber das konnte nicht sein. Es war die falsche Zeit für den Zirkus um noch so nah am Winterquartier zu sein, aber dann … Plötzlich durchfuhr ihn die Erkenntnis und er wich unwillkürlich zwei Schritte zurück. Aymân! Verdammt das kann doch jetzt nicht wahr sein. Wie viel Unerwartetes passt eigentlich in eine Nacht? Noch mehr, wie es schien, denn einer der Männer schien etwas gehört zu haben, denn nun ließ er die Füße der Elfe zu Boden fallen und fragte laut: „Habt ihr das gehört?“ Ein weiterer dumpfer Aufschlag kündete davon, dass auch der zweite Mann seine Last unsanft losgelassen hatte, dann ertönte seine Stimme: „Ja… Ist da wer? Komm raus! Das wäre besser für dich.“ Nur in deine Träumen. Verdammt, was haben die nur gehört? Er war sich sicher keinen Laut von sich gegeben zu haben. Da hörte er es auch, ein leises Schaben und gedämpfte Atemgeräusche hinter sich. Eigentlich zu leise um von menschlichen Ohren aufgefangen zu werden, trugen diese Geräusche in der unnatürlichen Stille des Waldes viel weiter als sie sollten. Yasha biss sich auf die Unterlippe.
„Silas, Merend, es war jemand hier. Ist noch gar nicht lange… He was habt ihr denn?“ Diese Stimme kam aus einer anderen Richtung. Offensichtlich kam nun auch der dritte Mann aus dem Gebüsch. Ein gezischtes Wort und er verstummte. Nun war kein Laut mehr zu hören. Langsam schlich der junge Vampir zu den Pferden zurück, darauf bedacht sich vollkommen lautlos zu bewegen. Er war sich sicher, dass die Männer nur das Scharren der Hufe und nicht das Atemgeräusch der Tiere vernommen hatten. Tatsächlich gelangte er auch zu ihnen zurück ohne eine Laut zu verursachen, Windläufers freudiges Begrüßungsschnauben konnten die Männer dagegen gar nicht überhören. Wie zur Bestätigung dieses Gedankens hörte er sie gleich darauf. Ihre schweren Schritte dröhnten auf dem Waldboden. Mit einem unterdrückten Fluch wandte Yasha sich um und sprintete die letzten Meter, ehe er sich mit einem Satz aus dem Lauf heraus auf Windläufers Rücken katapultierte. „Los, Frost lauf naí!“, rief er laut und dirigierte Windläufer nach Norden, fort von den Männern, fort von den beiden Mädchen und fort von der Stadt. Doch der erste Mann brach durch die Bäume ehe der Hengst auch nur einen Schritt getan hatte. Er tauchte direkt neben Lichtfrost aus dem Schatten auf. Sie tat eine erschrockenen Satz zur Seite und trat nach dem Mann. Ein Armbrustbolzen flog so dicht an Yashas Kopf vorbei, dass er den Luftzug spüren konnte. Er stieß ein erschrockenes Zischen aus und trieb Windläufer erneut an. Der schien nun auch endlich den Ernst der Lage begriffen zu haben und sprang los, Lichtfrost dicht auf den Fersen. Der junge Vampir wandte den Kopf um nach den Männern Ausschau zu halten und ein weiterer Bolzen zischte an ihm vorbei. Offensichtlich hatte die kleine Stute ganze Arbeit geleistet. Er sah den Armbrustschützen hinter ihnen herrennen, der Mann versuchte offenbar seine Waffe im Laufen nachzuladen, ein nahezu unmögliches Unterfangen über das er nur den Kopf schütteln konnte. Der zweite Mann kniete am Boden und den dritten sah er nicht mehr. Es dauerte keine zehn Herzschläge bis er die Männer aus dem Blick verlor, weitere fünf bis sie die Baumgrenze durchbrachen und seine vierbeinigen Freunde auf volle Geschwindigkeit beschleunigten und weitere zwanzig bis die Entfernung zu den Bäumen so groß war das er sich beruhigt wieder umwenden konnte. Als letztes sah er den keuchenden Menschenmann zwischen den Bäumen auftauchen, doch dieser versuchte nun nicht mehr ihnen zu folgen.

Nach einer halben Stunde drosselte er den rasenden Galopp zu einen entspannten Trab. Er wischte sich ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht und sah sich um. Sie hatten eine ordentliche Strecke zurückgelegt. Kurz überlegte er umzukehren, die Mädchen warteten ja auf ihn, doch er entschied sich dagegen. Die drei Männer würden sich mit etwas Glück an seine Fersen heften und so kämen diese beiden vielleicht unbehelligt davon. Noro’elles Entführer würden sich ohnehin auf ihre Fährte setzen, da konnten sie nicht noch drei Mörder, die vermutlich der Assassinengilde von Aymân angehörten, gebrauchen, die einen kleinen Katzenelf mit zwei gut wiedererkennbaren Pferden verfolgten, weil er sie beim Beseitigen eines Toten gestört hatte. Diese Beiden würden ohne ihn zurechtkommen müssen und er ging fest davon aus das sie das auch bewerkstelligen konnten.
Was ihn zu seinem nächsten Problem führte. Wo sollte er jetzt hin? Er konnte nicht wissen ob man ihn verfolgen würde, also beschloss er auf Nummer sicher zu gehen. Merridia… Ungefähr sieben Nachtritte entfernt, der beste Ort um sich vor aller Augen zu verstecken und nicht zuletzt auch ein guter Ort um gestohlene Gegenstände in Münzen umzutauschen. Er war schon zweimal dort gewesen und hatte die Stadt nicht in schlechter Erinnerung, doch er mochte sie trotzdem nicht. Sie war zu laut und voll, mit seinen geschärften Sinnen stand er dort pausenlos unter Anspannung, aber es blieb nun einmal der beste Ort in Reichweite.

Seufzend lenkte er Windläufer nach Osten.
Legende: „Yasha spricht“ / Yasha denkt /Chione/ Niak/ Beowan/Lapis/Fianna/„Andere sprechen“

Benutzeravatar
Noro'elle
verlorene Seele
Beiträge:69
Avatar:Ashley-Q
Alter:18
Rasse:Mensch/Beraij
Heimat:Avrabêth
Waffen:keine
Inventar:Nur was sie am Leib trägt

Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von Noro'elle » So, 17. Mär 2019 18:08


Noro’elle hatte sich vor lauter Erschöpfung auf dem Boden der Scheune nieder gelassen. Sie schloss müde die Augen und hing ihren aufgewühlten Gedanken nach. Plötzlich berührte etwas ihre schweißkühle Haut und sie zuckte erschrocken zusammen. Der kleine, merkwürdig aussehende Junge stand neben ihr, seine Hand auf ihrer Schulter ruhend. Er erklärte ihr, dass er bald zurück sei und nur schnell sein Gepäck holen würde, während sie ohnehin auf die Rückkehr Malias warteten. Die Beraij nickte schweigend, gerade so als hätte sie vergessen, dass die zwei Diebe ihr die Freiheit – und vor allem ihre Stimme – zurück gegeben hatten. Als sie alleine in der dunklen Scheune saß, tastete sie nach ihrem Beutel, indem sie einige ihrer Schmuckstücke zusammen gerafft hatte, die Kamal ihr in seiner scheinbaren Großmütigkeit geschenkt hatte. Wertvolle Perlenohrringe, goldene Ketten mit eingesetzten Saphiren und einige schwere Rubinringe. Sie besaß immer noch mehr, als die meisten anderen Menschen selbst nach einem langen Leben harter Arbeit nicht erwirtschaften konnten. Und dennoch, ihr Entschluss stand fest: Sollten die zwei Diebe ihr helfen in ihre Heimat zurück zu kehren, so würde sie ihnen restlos alles überlassen, was sie besaß. Sie schloss ihre Finger fest und entschlossen um den kleinen Beutel in ihrer Hand. Sie sollte ihre wertvolle Habe gut verstecken und immer aufmerksam darauf Acht geben. Diebe waren schließlich im Allgemeinen nicht für ihre Aufrichtigkeit und Hilfsbereitschaft berüchtigt. Sie hatten sie befreit und in einer verlassenen Scheune mitten im Wald zurück gelassen. Was, wenn das alles nur ein hinterhältiger Trick war, um ihr im Schlaf die Kehle durchzuschneiden? Wieso sollten sie den langen Weg in die Wüste auf sich nehmen, wenn sie sich ihrer gleich hier entledigen konnten? Plötzlich war Noro’elle wieder hell wach und ihre Entschlossenheit zerbröckelte wie eine alte vom Wetter zermürbte Mauer.


Nun plötzlich von Angst erfüllt lauschte Noro in die Dunkelheit, doch von Malia war immer noch nichts zu hören. Sie biss sich unsicher auf die sinnliche Unterlippe und kaute darauf herum. Was sollte sie nun tun? Sollte sie wirklich hier warten, bis die Beiden zurück gekehrt waren? Oder sollte sie sich lieber auf ihr unheilvolles Bauchgefühl verlassen? Getrieben dachte sie über die weitere Möglichkeiten nach. Hatte sie denn noch eine andere Option? Würde sie allein den Weg zurück in die Stadt finden? Dort könnte sie eine Wache anheuern, einen ehrlichen und aufrichtigen Mann, den sie dafür bezahlte sie auf ihrem Weg zu beschützen. Hin und her gerissen nahm ihr letzten Endes das leise Poltern auf dem Dachboden die Entscheidung ab. Vorsichtig wie eine Katze schlich sie aus der Scheune in die kühle Nacht hinaus und begann dann zu laufen, so schnell sie ihre müden Füße tragen konnten. Malias Worte, dass sie nun aufbrechen konnten, hatte sie schon nicht mehr hören können. Sie lief immer weiter und das Gestrüpp des Waldes griff mit scharfen Krallen nach ihren Beinen. Immer wieder blieb sie mit ihrer dünnen Seidenstoffhose an Ästen hängen, stolperte über dicke Wurzeln und fiel letzten Endes der Länge nach hin. Ihr linkes Knie war aufgeschrammt und schmerzte fürchterlich und sie begann leise zu schluchzen. Was hatte sie nur getan? War sie denn völlig von Sinnen? Noch nie in ihrem Leben war sie wirklich allein und auf sich selbst gestellt gewesen. Aber was konnte ihr schon noch Schlimmeres passieren, als entführt, verschleppt und zur Heirat mit einem alten Mann gezwungen zu werden? Kraftlos setzte sie sich wieder auf und wischte sich mit dem Handrücken die Tränen aus dem Gesicht. Sie würde einfach bleiben wo sie war und wenn die ersten Sonnenstrahlen der Morgendämmerung die Dunkelheit vertrieben den Weg zurück nach Mérindar suchen.

Benutzeravatar
H'adriân
Klingentänzer
Beiträge:59
Avatar:joechaney
Alter:44
Rasse:Bergelf

Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von H'adriân » Mo, 18. Mär 2019 12:59

Verlassen von seinen Auftraggebern hatte H'adriân nichts mehr in den Dörfern nahe des Stroms gehalten und sein Weg führte einfach weiter. Ein Ziel gab es ohnehin nicht. In früheren Zeiten hätte ein derart unzuverlässiger Auftraggeber mit dem Leben bezahlt, doch mit der lapidaren Lebensweise der Menschen hatte sich der ehemalige Löhner arrangiert. Zwar störte, nein erzürnte ihn dieses minderwertige Volk noch immer, doch die Umstände hielten ihn davon ab einfach mordend durch die Lande zu ziehen und seine eigene Eitelkeit zu befriedigen. Das eigene Wissen um die Überlegenheit seiner Person, sowohl geistig als auch körperlich, musste ihm genügen.
Riân war schnell zu Fuß und mit jedem Schritt fraß er die Meilen, welche ihn nach Mérindar führen sollten und der Chabur führte seinen Weg. Aufgrund seiner anhaltend schlechten Laune mied der Bergelf größere Siedlungen und rastete weitestgehend unter freiem Himmel und stellte fest, dass wenigstens das Wetter ihm wohlgesonnen war. Es regnete nicht und auch die Temperaturen waren auch in der Nacht zumindest erträglich. Einmal begleitete er gar eine kleine Karawane zwischen Aymân und Caradon, was einige Münzen einbrachte und die Qualität seines Proviants schließlich ordentlich erhöhte. All diese kleinen Dinge ließen seine Laune nach und nach wieder steigen und so etwas wie Umgänglichkeit wurde unter den vernarbten Zügen Riâns einmal mehr zu Tage geführt, selbst wenn all das auch seine Grundhaltung nicht wandelte.

Nach Caradon ließ sich Riân einfach von der Straße treiben. Nach Gutdünken wählte er an Kreuzungen und Abzweigen seinen Weg und schätzte, dass es ungefähr in nördliche Richtung ging. Die Tage vergingen und einmal mehr gab es Münzen zu verdienen, als ein fahrender Händler seinen Schutz für zahlungswürdig erachtete. Als er wieder alleine weiterzog wurde das Wetter schließlich schlechter und in der Ferne hörte man bereits das Donnergrollen und das schwächerwerdende Licht des Tages offenbarte schwere Regenfälle, die ihn wohl irgendwann im Laufe der Nacht erreichen würden. Die Nase rümpfen fuhr sich der Bergelf mit der vernarbten Rechten über das Gesicht. Einige Meilen würde er wohl noch vor der völligen Dunkelheit schaffen und dann würde er schauen, wo ein Unterschlupf zu finden war. Umliegende Wälder gab es ausreichend und zur Not wäre ein Blätterdach wohl besser als nichts.
So zog Riân rasch weiter mit jedem Schritt wurde der Wind stärker, bis er so stark war, dass sein blau-roter Schal wie eine kleine Fahne hinter ihm her raschelte. Er war nur leicht bekleidet und lediglich seine Stiefel, als auch die robuste lederne Hose waren wirklich wetterfest. Das weit geschnittene Leinenhemd mit den zerschlissenen Ärmeln, die er hochgekrempelt hatte, damit die Stofffetzen ihn nicht behinderten, war wohl kaum einem waschechten Sturm gewachsen. Den weiten Umhang, den er noch aus seiner Heimat mitgebracht hatte, hatte er schon vor Monaten gegen einige Münzen eintauschen müssen. Fluchend hielt Riân inne und spuckte ungehalten aus. Der Speichelklumpen beschrieb eine sehr unförmige Kurve aufgrund des Windes, ehe er auf dem Boden auftraf. Mit seinem verbliebenen Auge hatte der Bergelf die Bewegung verfolgt und entschied sich schon jetzt vom Wege zu weichen und sein Glück in dem Wald zu seiner Rechten zu suchen. Für Menschen war bereits jetzt kaum noch etwas zu erkennen und es war tiefste Nacht, doch Riâns Elfensinne vermochten auch mit wenig Licht alle Details seiner Umgebung zu erkennen. Geschickt also bahnte sich der Krieger seinen Weg durch das dichter werdende Unterholz, dass in ihm die Hoffnung aufkeimen ließ, doch noch halbwegs unbeschadet den kommenden Wolkenbruch zu überstehen. Wenige Minuten später wurde er jedoch schon enttäuscht.
Erste dicke Tropfen prasselten auf das Blätterdach über ihm und wenig später war Riân auch selbst Ziel des kalten Nass. Seine Suche nach einem Unterschlupf intensivierte sich, was er jedoch fand war etwas gänzlich anderes. Ein menschlicher Körper zeichnete sich deutlich von dem Gestrüpp ab, in welchem er lag und der Bergelf hielt inne. Warum sollte hier jemand liegen? Diese Frage war natürlich offensichtlich und Riân ging davon aus, dass es sich hierbei um eine Leiche handelte, die jemand zu entsorgen gedachte. Als er jedoch näher kam und der Brustkorb sich hob und senkte musste er diese Gedanken sogleich wieder verwerfen. Als der Krieger schließlich neben der Fremden in die Knie ging stellte er fest, dass es sich bei seinem Fund um eine Frau handelte, eine sehr junge noch dazu und mit einer Hautfarbe, die sie als aus den südlichen Gefilden kommend auszeichnete. Er selbst hatte im Zuge seiner Ausbildung sämtliche Menschensprachen gelernt, da seine Aufträge ihn überall auf der Welt hingeführt hatten und so machte sich Riân keine Sorgen über die Kommunikation. Denn es war doch interessant, warum eine Frau hier schlief, denn das tat sie ohne Zweifel. Während der Krieger sie beobachtete wurde der Regen um sie herum immer stärker und binnen Sekunden wurden beide völlig durchnässt. Er legte eine Hand auf ihre Schulter und begann zu rütteln. Würde sie hier liegenbleiben war es durchaus möglich, dass sie jämmerlich erfror oder sich eine Krankheit zuzog, der sie schließlich wenige Tage später zum Opfer fallen würde.
"Hey du...", raunte der Bergelf und verstärkte seinen Griff, dass sich die sehnigen Muskeln in seinem Unterarm sichtbar anspannten, "Wenn du hier nicht verrecken willst, dann wach auf.". Mit der Linken prüfte Riân den Sitz seines Schals und stellte beruhigt fest, dass sowohl Ohren als auch Auge noch immer bedeckt wurden und nur seine markanten Züge lediglich von seiner Rasse zeugten.

Benutzeravatar
Noro'elle
verlorene Seele
Beiträge:69
Avatar:Ashley-Q
Alter:18
Rasse:Mensch/Beraij
Heimat:Avrabêth
Waffen:keine
Inventar:Nur was sie am Leib trägt

Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von Noro'elle » Di, 19. Mär 2019 18:12


Irgendwann in der Tiefe der Nacht musste Noro’elle zu Tode erschöpft eingeschlafen sein. Sie hatte ihren Umhang um sich geschlungen und ergab sich ihren verwirrenden Träumen. Tief und fest schlafend hatte sie das herannahende Unwetter nicht bemerkt und die Nässe der auf sie nieder prasselnden Regentropfen hatte sich mit eben jener Traumwelt vermischt. Auch das Erscheinen des Fremden blieb vorerst unbemerkt und ohne jegliche Reaktion ihrerseits. Doch als sie an den Schultern gepackt und immer kräftiger gerüttelt wurde, verblassten ihre Träume nach und nach. Leise drangen Worte durch den Nebel der schläfrigen Benommenheit zu ihrem Verstand hindurch, bis Noro letzten Endes erwachte und die Augen aufschlug. Für einen kurzen Augenblick wusste sie nicht wo sie war, die Geschehnisse des letzten Tages waren einfach verdrängt und vergessen. Es war immer noch dunkel, sodass sich der Fremde nur als ein pechschwarzer Schemen von der Umgebung unterscheiden ließ. Immer noch benommen richtete sich die junge Frau auf und strich sich unbeholfen das wirre und von vereinzelten Blättern durchsetzte Haar aus dem Gesicht.
„Wer… Wer bist du und was willst du von mir?“, fragte sie zögerlich und mit leicht zittriger Stimme. Doch nicht nur eben jene zitterte, sondern ebenso ihr ganzer Leib. Schlank und zierlich wie ihre Statur war, hatten die Nässe des Regens und die Kälte der Nacht ihr bereits zugesetzt. Fürchterlich frierend begann sie ihre Oberarme zu reiben und hoffte inständig, die einsetzende Taubheit aus ihren Gliedern vertreiben zu können. Und dann erklang ein dumpfes Donnergrollen, kurz darauf gefolgt von einem hell aufleuchtenden Blitz.

Der Himmel erhellte sich für den Bruchteil eines Augenblicks, dennoch reichte die Zeit aus, um ihr Gegenüber kurz zu betrachten. Ein Mann, noch nicht wirklich alt, aber definitiv älter als sie es war, hockte direkt vor ihr, sodass ihre Blicke sich kurz trafen. Von seinem Gesicht konnte Noro’elle nicht sonderbar viel erkennen, lag es doch zu großen Teilen unter einer Art Tuch verborgen. Irgendetwas an seinem Erscheinungsbild ließ der jungen Frau jedoch einen kalten Schauer den Rücken hinunter jagen und dann war es auch schon wieder stock dunkel. Von plötzlicher Angst gepackt, versuchte Noro vor dem Fremden zurück zu weichen, doch stand sie mit dem Rücken zur Wand - Nur das die Wand eine alte, massive Eiche war. Sei es wie es ist, sie konnte auf jeden Fall nicht einfach fort laufen. Sie atmete tief durch und zwang sich zur Ruhe. Wenn dieser Kerl ihr hätte etwas antun wollen, dann hätte er sie mit großer Gewissheit nicht vorher geweckt. Verunsichert von der gesamten Situation biss sie sich auf die sinnliche Unterlippe und begann darauf rum zu kauen. Vielleicht sollte sie sich erst einmal anhören, was der Fremde zu sagen hatte, sofern er denn die Muße besaß, auf ihre Fragen zu antworten. Doch die Beraij war, wie sie nun einmal war und so fügte sie von Ungeduld getrieben hinzu:
„Ich… bitte verzeih mir. Ich habe mich in diesem Wald verirrt und einen wirklich, wirklich ereignisreichen Tag hinter mir. Man könnte sagen ich bin etwas durch den Wind und nicht in bester Verfassung. Ich bin Noro’elle und wenn du mir den Weg zurück nach Mérindar zeigen könntest, wäre es mir eine wirklich große Hilfe.“. Sie setzte ein kleines, scheues Lächeln auf und hoffte inständig, dass der Fremde Kerl es gut mit ihr meinte.
Zuletzt geändert von Noro'elle am Fr, 29. Mär 2019 16:26, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
H'adriân
Klingentänzer
Beiträge:59
Avatar:joechaney
Alter:44
Rasse:Bergelf

Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von H'adriân » Do, 21. Mär 2019 19:18

Einen Moment dauerte es, ehe die Unbekannte auf sein Rütteln reagierte. Das ließ Riân ausreichend Zeit um sie näher zu betrachten und er stellte mit Erstaunen fest, dass sie für einen Menschen nicht einmal schlecht aussah. Das bedeutete nicht, dass sich der Bergelf von ihr angezogen fühlte, die Götter mögen ihn vor so etwas bewahren, doch sie gehörte ohne Zweifel zu den besser aussehenden ihres Volkes. Oft schon hatte Riân in den größeren Städten gesehen, wie sich Menschenfrauen versuchten mit ihren Körpern zu verdingen und hatten auch bei ihm mit ihrem Werben nicht haltgemacht. Angewidert hatte er jede von ihnen zurückgewiesen und schon der Gedanke sich mit einem Menschen zu paaren löste bei ihm so etwas wie Brechreiz aus. Auch nach nun all der Zeit unter ihnen hatten sich seine Grundeinstellungen nicht verändert, wenngleich er sagen musste, dass er womöglich kurz nach seiner Flucht ein Mädchen wie sie in ihrer Situation hätte einfach sterben lassen. Ein wenig rätselte Riân darüber, warum er ihr ausgerechnet half, auch wenn es ihm offenkundig nichts brachte. Sicher stand sie womöglich irgendwie in ihrer Schuld, doch Menschen hatten die üble Angewohnheit zu ihren Worten nicht unbedingt häufig zu stehen. Auch die Bergelfen standen ihnen dahingehend zwar um wenig nach, doch die Art und Weise war doch durchaus eine Andere. Während angehörige seines Volkes die Spitzfindigkeiten in Formulierungen suchten, oder hinterlistig den richtigen Zeitpunkt abwarteten, gar eine kleine Wissenschaft der Intrige woben, waren Menschen seiner Beobachtung nach plump und viel mehr nach bloßer Laune gestrickt. Schon allein die Situation in welcher sich die junge Dame befand sah nach dem Produkt reiflicher Unüberlegtheit aus.

Als sie sich schließlich regte hatte Riân bereits sein schiefes, überhebliches Grinsen aufgesetzt, dass schon seit vielen Jahren sein meist genutzter Ausdruck war. Langsam sammelte ihre Sinne, klaubte einigen Schmutz aus Haaren und Antlitz, ehe sie seiner Anwesenheit gewahr wurde. Angst zeichnete sich sogleich auf ihren Zügen ab und gelassen legte der Bergelf seinen muskulösen, sehnigen Arm auf seinem Knie ab. Er machte keine Anzeichen einer Regung, beobachtete einfach einen Moment, wie die Fremde langsam vor ihm zurückwich. Ihr Gebahren machte auf ihn den Eindruck, dass sie vor etwas flüchtete, zumindest, dass sie sich durchaus einer bestimmten Gefahr bewusst war. Die Straßen in diesen Breiten waren relativ sicher und es war mitnichten sehr wahrscheinlich aus dem Nichts angegriffen zu werden. Sofort schien ihr auch die Kälte zuzusetzen und Riân erhob sich schweigen, das graue, eisige Auge auf sie gerichtet. "Ich habe nichts gegen die Kälte, nur was ich am Leibe trage.", sprach er in ihrer Sprache beinahe ohne Akzent. Wenn man sich jedoch genau darauf konzentrierte würde sie es womöglich hören, dass Emenisch nicht die Muttersprache des Bergelfen war. Lange Zeit hatte er sie nicht mehr benutzt, doch in früheren Zeiten hatten seine Aufträge ihn auch in die Wüste geführt. "Du bist quasi bereits in Mérindar, das Land ist weit. Wo genau willst du hin?". Seine Stimme war rau und durchbrach das Prasseln des Regens nur knapp, aber immer noch stark genug, als dass Noro'elle ihn verstehen würde. Bewusst ließ er seinen Namen weg und hatte auch sonst nicht vor freundlicher zu wirken. Beiläufig wischte er sich eine nasse Strähne seines Haares aus dem Gesicht und atmete einmal tief durch. "Vielleicht sollten wir dieses Gespräch an einem trockeneren Ort fortführen. Vielleicht gibt es tiefer im Wald einige Höhlen."

Benutzeravatar
Noro'elle
verlorene Seele
Beiträge:69
Avatar:Ashley-Q
Alter:18
Rasse:Mensch/Beraij
Heimat:Avrabêth
Waffen:keine
Inventar:Nur was sie am Leib trägt

Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von Noro'elle » Fr, 22. Mär 2019 17:06


Der Fremde hatte ihr seinen Namen nicht verraten, doch die Tatsache, dass er in ihrer Muttersprache mit ihr kommunizieren konnte, verdrängte vorerst das erste Angstempfinden. Die Information dass sie bereits in Mérindar war, verwirrte Noro’elle offenkundig und kleine, steile Falten bildeten sich auf ihrer sonst so makellosen Stirn.
„Mérindar….“, murmelte sie nochmals leise vor sich hin. All diese Orte und Namen von Ländern waren ihr immer noch so fremd. Sie war fern ihrer Heimat, verschleppt und in Gefangenschaft gehalten worden, wen konnte es da wundern, dass sie nicht recht wusste wo sie war? Aber all dies konnte der Fremde ihr gegenüber natürlich nicht wissen und so musste sie auf ihn wie eine Verrückte wirken. Nachts vollkommen durchnässt im Dreck liegend, nicht wissend wo sie war oder wo sie hin wollte… Ehrlich gesagt würde sie sich an seiner Stelle auch für verrückt erklären. Sie rappelte sich weiter auf und versuchte vorsichtig ein paar Schritte zu gehen. Ihr aufgeschürftes Knie schmerzte sehr, doch sie biss die Zähne zusammen und antwortete: „Trocken klingt gut, doch wie willst du in dieser regendurchzogenen Finsternis eine Höhle finden?“. Sie schaute ihn mit ihren großen, nussbraunen Augen fragend an. Über den Punkt, dass man als junge Frau nicht mit fremden Männern gehen sollte, war sie längst hinaus. Was hatte sie schließlich für eine Wahl? Sie konnte ihm einen gewissen Vertrauensvorschuss gewähren und mit ihm gehen oder aber in aller Einsamkeit hier bleiben und womöglich unterkühlen oder gar schlimmeres. Die Entscheidung, die sie letzten Endes traf, war demnach genauso absehbar wie logisch und so sagte sie: „Geh du vor, ich werde dir folgen.“.


Zur gleichen Zeit in einem Gasthaus in Cadron…

Du nichtsnutziger Sohn einer räudigen Hündin!“, hallte Kamals aufgebrachte Stimme durch das gesamte Haus. Sein speckiges Gesicht war rot vor Zorn als er in Noro’elles verlassenem Zimmer wütend auf und ab ging. Alle waren davon ausgegangen, dass seine Zukünftige dritte Ehefrau schlafend in ihrem Bett lag. Der grobschlächtige Krieger, den er zur Bewachung des Mädchens vor der Tür postiert hatte, musste wohl eingeschlafen sein und hatte die Flucht erst Stunden später bemerkt. Das kleine Fenster im oberen Stockwerk stand geöffnet, die Sachen waren durchwühlt und einige ihrer wertvollsten Schmuckstücke fehlten ebenfalls. Erik, der sonst so schlagfertige Halsabschneider stand mitten im Raum und ließ die Welle der Wut seines Dienstherren über sich hinweg branden. „Geh… Geh! Und wage es ja nicht mir noch einmal unter die Augen zu treten, ehe du sie nicht gefunden und zu mir zurück gebracht hast! Es ist mir egal in welchem Zustand sie ist, solange sie lebt und in meinen Besitz zurück kehrt, sollst du dein Leben behalten… Aber wenn du sie nicht findest, dann wird dein Kopf rollen! Hast du das verstanden?“, schrie Kamal den Krieger weiter an. Dieser nickte nur knapp und wandte sich zum Gehen um. Ihm war durchaus bewusst, dass Kamal einen weitreichenden Einfluss ausübte und er nicht einfach ohne weiteres verschwinden konnte. Sei es wie es sei, das kleine Mädchen konnte alleine nicht weit gekommen sein. Hübsch und andersartig wie sie war, würde sie jemanden in der Stadt aufgefallen sein. Er würde sie binnen weniger Tage finden und seinen Herren wieder gnädig stimmen.
Zuletzt geändert von Noro'elle am Fr, 29. Mär 2019 16:25, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
H'adriân
Klingentänzer
Beiträge:59
Avatar:joechaney
Alter:44
Rasse:Bergelf

Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von H'adriân » Fr, 29. Mär 2019 0:16

Innerlich schmunzelte Riân, während er der jungen Frau beim wiederfinden ihrer Sinne zusah. Zwar kam nichts nach außen, doch das änderte nichts an dem Gefühl welches er dabei hegte. Ihre Schwäche, ihre Orientierungslosigkeit. Er hätte sie einfach töten können und selbst jetzt wäre sie sich ihrem Mörder nicht auch nur im Geringsten bewusst gewesen. Nein, diese Frau konnte noch nicht lange auf der Flucht vor etwas sein, sonst hätte sie anders reagiert. Der Bergelf hatte bereits Menschen getötet, die erwachten und jede ihrer darauffolgenden Bewegungen war einstudiert. Der Griff zur Waffe, der vorsichtige Blick in die Runde, die Spannung des Körpers. All jene Eigenschaften ließ die Unbekannte vermissen und das belustigte ihn.
Allem Anschein nach war sie sich noch nicht einmal so recht gewahr, wo sie sich eigentlich befand und brachte auch noch Namen durcheinander. Nein wie süß, dachte Riân und verschränkte die Arme vor der Brust und dachte einen kleinen Augenblick über ihren Hilfegesuch nach. Schließlich nickte er langsam, da ein Ausflug in diese Richtung ihm ohnehin gelegen kam. "Kannst du mich bezahlen?", fragte er dennoch wieder nur so laut, dass seine Stimme gerade so den Regen übertönte. Er war schon losgegangen um einen Unterschlupf zu finden, hielt aber aufgrund ihres Einwandes noch einmal inne. Nun, ihr Verstand schien zumindest zu ihr zurückgekehrt zu sein und ohne sich zu ihr umzudrehen zuckte der Bergelf mit den Schultern. "Du kannst hier liegen bleiben, oder zumindest versuchen einen Unterschlupf zu finden. Ich hab' keine Ahnung ob wir etwas finden, aber deshalb lasse ich mich hier nicht vollpissen.", stellte er schließlich klar und stapfte voran. Das Unterholz knirschte leicht unter seinen Stiefeln, drang aber kaum an ungewollte Ohren, da der Regen beinahe jedes Geräusch verschluckte.

Mindestens den nächsten halben Teil einer Stunde schritt das ungleiche Duo schweigend durch die Nacht. Die feinen Augen des Bergelfen suchten sich ihren sicheren Weg und nicht einmal kam Riân bei ihrer kleinen Wanderung ins Straucheln. Locker hatte er seinen Seesack am Band über die Schulter geworfen, ebenso wie seinen Waffengürtel, aus welchem die Griffe zweier einfacher Kurzschwerter lugten. Mit der Linken hielt er dieses Bündel fest, mit der Rechten klaubte er Zweige und Äste aus ihrem Weg, was sie allerdings auch nicht merklich beschleunigte. Einzig und allein der dichter werdende Wald begann sich langsam bemerkbar zu machen, da Wasser nun nicht mehr flächendeckend auf sie niederprasselte, sondern vereinzelt in dicken Sturzbächen von den Kronen niedersauste. Ein leichter Anstieg ließ den Boden felsiger werden und Riân beschloss der Felsnarbe zu folgen, die schon bald über seinen Kopf hinauswuchs, bis sie schließlich so etwas wie ein eher schlecht als rechtes Dach bildete.
"Wir bleiben hier.", brachte er knapp hervor und ließ seine Habseligkeiten zu Boden gleiten. Mit einem leisen Seufzer setzte er sich mit dem Rücken zur Felswand und blickte zu Noro'elle. "Hier kannst du trockener schlafen. Aber bevor du das tust, will ich wissen wer oder was dich verfolgt und tu' nicht so als gäbe es da nichts. Niemand rennt nachts in den Wald legt sich bei Regen in den Dreck und pennt."

Benutzeravatar
Noro'elle
verlorene Seele
Beiträge:69
Avatar:Ashley-Q
Alter:18
Rasse:Mensch/Beraij
Heimat:Avrabêth
Waffen:keine
Inventar:Nur was sie am Leib trägt

Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von Noro'elle » Fr, 29. Mär 2019 16:24


Die Mimik des Fremden, dessen Namen Noro’elle immer noch nicht in Erfahrung gebracht hatte, blieb in der Dunkelheit der Nacht verborgen. Auf seine Frage, ob sie denn für seine Hilfe bezahlen könne, verdrehte die junge Frau die Augen. Eine Geste die Kamal der verzogenen Beraij nicht einmal unter dem Einsatz von Prügel abgewöhnen konnte. In diesem Leben schien nichts umsonst zu sein, ja nicht einmal Frage nach dem richtigen Weg. Nun, wenn sie erst einmal wieder in Cadron war, konnte sie ihren Schmuck verkaufen und gewiss würden ein paar Münzen für die Hilfe des Fremden ihr nicht wehtun.
„Ja, ich kann zahlen.“, bestätigte sie knapp und unterdrückte den Drang nach ihrem Schmuck zu tasten. Sie trug den kleinen Beutel fest verschnürt um die Hüfte, sodass er für den Moment unter ihrem Umhang gut verborgen lag. Es war wirklich nicht so einfach jemanden zu folgen, den man weder richtig sehen noch aufgrund des Unwetters hören konnte. Mit beiden Händen vorsichtig voraus tastend, humpelte die junge Frau so schnell sie nur konnte dem schwarzen Schatten hinterher. Trotz all ihrer Mühen kamen sie nur langsam voran, sodass Noro‘elle mit der Zeit bis auf die Knochen durchnässt war. Es kam ihr wie eine gefühlte Ewigkeit vor, bis der Fremde endlich stehen blieb und verlauten ließ, dass sie bis auf Weiteres hier bleiben konnten. Sie tastete mit ihren feingliedrigen Händen über den rauen Felsen und ließ sich dann mit dem Rücken zur Wand nieder. Sie kauerte sich zusammen und stellte zu ihrer Überraschung fest, dass sie in dieser Position tatsächlich annährend vom Regen verschont blieb.

Noro’elle meinte den Blick ihres Begleiters förmlich spüren zu können und so zog sie den Umhang etwas enger um ihren zierlichen Leib. Der nasse Stoff legte sich wie eine zweite Haut um ihren Körper und vermochte sie nicht mehr zu wärmen. Vor Kälte zitternd begann sie erneut über ihre Arme zu reiben, während sie darüber nachdachte, was sie sagen sollte. Der Fremde schien sie zu durch schauen und das, obwohl sie bis jetzt nur wenige Worte gewechselt hatten. Noro mochte noch jung und naiv sein, jedoch war sie nicht so dumm mit der gesamten Wahrheit heraus zu rücken.
„Du sprichst meine Sprache, also muss dir sehr wohl bewusst sein, dass ich nicht aus dieser Gegend stamme. Meine Heimatstadt ist Avrabêth und dorthin möchte ich zurück kehren. Ich brauche dir nichts vor machen: Ich bin eine junge Frau, die offensichtlich nicht alleine auf sich Acht geben kann. Daher möchte ich in die nächstgelegene Stadt, um dort eine geeignete Begleitung anzuwerben.“, erzählte sie und blieb vorerst so nah wie möglich an der Wahrheit. Sie räusperte sich kurz und strich über die geschundene Haut an ihrem Hals, denn das freie Sprechen fühlte sich immer noch ungewohnt an. „Man könnte sagen, ich bin an die falschen Leute geraten und eine Verkettung unglücklicher Ereignisse hat mich hier in diesen Wald gebracht. Dann habe ich mich in der Dunkelheit verirrt und damit ich mich nicht noch weiter vom Weg entferne, bin ich einfach geblieben wo ich war.“, endete sie mit ihrem dürftigen Versuch zu lügen. Sie zuckte unbeholfen mit den Schultern und wusste nicht, was sie dem Gesagten noch hinzufügen sollte.

Benutzeravatar
H'adriân
Klingentänzer
Beiträge:59
Avatar:joechaney
Alter:44
Rasse:Bergelf

Re: Ein notwendiges Übel

Beitrag von H'adriân » Di, 02. Apr 2019 0:35

Nun, da er mit seiner scheinbar kreditwürdigen Auftraggeberin ganz heimelig in der Nacht saß und nicht mehr von oben durchnässt wurde, stieg Riâns Laune sogar etwas. Zwar konnte er nicht so recht glauben, dass sie ihn würde bezahlen können, doch wenn das Geld nicht ausreichte, gab es zumindest immer noch das Leben, mit dem sie bezahlen würde. Davon hatte zwar der Bergelf letztendlich nichts als seine eigene Genugtuung, doch das war immerhin besser als nichts gegenüber einem Menschen. Bei diesen musste man sich, seiner Erfahrung nach, an die Wahrscheinlichkeit eines Betrugs gewöhnen. Trotz seines einen Auges und der Dunkelheit entging Riân nicht, dass Noro'elle fror. Zitternd kauerte sie unter dem Felsen und hatte die Arme fest um sich geschlungen und erst bei ihrem Anblick merkte er, wie er selbst, bis auf die Knochen durchnässt, ebenfalls fror. Das hatte er allerdings schon zuvor getan und weitaus schlimmer und dabei gelernt derartige Aversionen gekonnt zu ignorieren. Natürlich war dies nur bis zu einem gewissen Grad möglich, doch Riân war noch nicht am Ende seiner Fahnenstange angekommen.
"Weit weg von zuhause...", entgegnete der Bergelf in leicht spöttischem Ton und bedachte sein Gegenüber mit einem abschätzenden Blick, "Aber naja, in die nächstgelegene Stadt kommen wir ohne Probleme, ihr bezahlt mich dort und dann ziehen wir unserer Wege." Er hob den Kopf, erkannte jedoch weder Himmel noch die Sterne zwischen den dichten Blättern. Die Mitternachtsstunde war nah, immerhin sagte das sein Zeitgefühl und darauf hatte sich der Krieger stets verlassen können. "Gut, ich stelle keine weiteren Fragen.", fuhr Riân fort und deutete dabei ihre ablehnende Haltung wohl richtig. Zumindest dachte er es, da Menschen in derlei Dingen zu Merkwürdigkeiten neigten. Letztendlich war es ihm aber auch nur recht. Ohnehin war der Krieger nie ein Mann großer Worte gewesen und längere Gespräche waren für ihn unter den Menschen noch seltener geworden. "Ich schlafe jetzt. Gibt es ein Problem, dann weck mich." Mit diesen Worten legte sich der Bergelf auf den schlichten Boden und nutzte seinen Seesack als Kopfkissen. Kein sonderlich bequemer Ort für einen guten Schlaf, doch hin und wieder konnte man es sich nun einmal nicht aussuchen.

Am nächsten Morgen erwachte Riân vor den Vögeln und weckte seinen Schützling. Der Regen hatte aufgehört, doch der Boden war stellenweise noch sehr schlammig, was den Weg zurück auf die Straße nicht unbedingt vereinfachen würde. Nach einem kargen Frühstück, welches er spendierte, machte sich das ungleiche Paar auf den Weg und nah gut einer Wegstunde entkamen sie dem dichten Baumbewuchs. Die Sonne funkelte sie an und ein recht blauer Himmel verhieß einen guten Tag, was einen Ausflug wie den gestrigen wohl obsolet werden ließ. Die Hauptstraße war kaum befahren zu so einer frühen Stunde und so kam ihnen keine einzige Seele entgegen, während der Morgen immer älter wurde.
Der erste Mensch der ihnen entgegenkam war ein älterer Mann mit einem Strohhut und einem langen Wanderstab, der sie argwöhnisch musterte. Fürwahr konnte man ihm das nicht übelnehmen, denn sowohl Riân als auch Noro'elle waren nicht nur völlig unterschiedlich in Statur und Aussehen, sie waren darüber hinaus auch noch völlig verdreckt. Schlamm klebte an ihren Stiefeln, den Hosenbeinen und auch an ihren Hemden. Wahrlich kein einladender Anblick, sodass selbst ihr Gegenverkehr, wohl ein armer Mann, gepflegt aussah.
"Vielleicht sollten wir uns etwas waschen, damit wir weniger Aufmerksamkeit erwecken. Heruntergekommener als der ärmste Drecksbettler auszusehen ist womöglich wenig hilfreich. Aber ihr wisst besser wer uns verfolgt und worauf man achtet."

Antworten