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Re: Ein notwendiges Übel

Verfasst: Do, 06. Aug 2020 14:41
von H'adriân
Noro hielt seinem Blick stand und Riân rechnete es ihr hoch an, dass sie sich nicht abwandte. Es waren die Spiegel ihrer Seele und es gab ihm ein Gefühl von Vertrauen ihr gegenüber, die ihn letztendlich überzeugt seinen Schal abzunehmen. Es war schwer zu sagen, was sie zuerst überrumpelte. Das Auge oder die spitzen Ohren. Vielleicht war es auch beides zur gleichen Zeit. "Du meinst das Auge?", fragte er als Antwort auf ihre Frage zurück, "Das ist das Andenken meiner Lehrer aus der Zeit als ich ausgebildet wurde.". Langsam fuhr sich Riân über die Narben, die er schon lange nicht mehr berührt hatte. "Ich habe sie beide in einem Kampf getötet, doch diese Wunde wird mich wohl immer an sie erinnern.", fuhr der Bergelf fort und seine Stimme klang recht gleichgültig. Es schwang kein Hass mit, immerhin lag es schon sehr lange zurück. Ihm entging dabei natürlich nicht, dass sie auch mit sich zu kämpfen hatte und vermutlich war dies nicht wegen des Auges oder der Geschichte dahinter. Es gab einen Grund warum Riân seinen elfischen Hintergrund versteckt hatte. Nicht nur, damit seine Häscher ihn schwerer fanden, sondern auch, weil er genau wusste was man über sein Volk dachte. Doch Noro zuckte nicht zurück, bedankte sich stattdessen, was den Krieger sehr beruhigte.

Er zog sie zu sich und küsste sie noch einmal flüchtig, ehe sie gemeinsam seine Hose öffneten. Es war merkwürdig, doch mit einer Hand war es in der Tat schwer den Bund gelockert zu bekommen, zumal der Schweiß und der Dreck der letzten Tage alles nicht gerade einfacher machten. Im Grunde hatte Riân auch kein Problem mit Nacktheit, doch wie Noro'elle so an Stellen hantierte, die für gewöhnlich nur er berührte, kam sein Körper nicht umhin seine Erregung auch zu zeigen. Nicht nur ihr stieg dabei leichte Röte ins Gesicht, gerade als Noro auch noch damit begann ihn zu säubern. Ihre Berührungen hinterließen Gänsehaut und das Herz des Bergelfen klopfte wie wild. Er betrachtete sie erregt und spätestens jetzt stellte er sich die Frage, wie es wohl wäre.... Nach einigen Sekunden entkam aber Riân seiner Starre und half Noro so gut es ging, auch um auf andere Gedanken zu kommen. Als sie fertig waren streifte er sich ein Hemd über, dass zwar die direkte Sicht auf seine Scham verdeckte, doch als sie sich entkleidete, konnte man noch sehr genau erkennen woran er wohl dachte. Sie war wunderschön und dort, wo Riân bisher immer professionell gewesen war, wenn Noro'elle halb entblößt vor ihm gestanden hatte, erlaubte sich der Krieger einen ausgiebigen Blick von den Brüsten über ihren Bauch, ihre Mitte, die Beine hinab und wieder hinauf zu ihrem Gesicht. Die Dunkelheit konnte ihre Schönheit nicht vor seinen Augen verhüllen.
"Du bist ... wunderschön.", wiederholte Riân sein Kompliment mit belegter Stimme und fühlte sich wie ein Lügner, weil seine Worte so plump ihr gegenüber wirkten. Doch ein Mann großer Worte war er nie gewesen. Als sie fertig war und das dünne Untergewand ihren noch feuchten Körper bedeckte, zeichneten sich ihre Rundungen begehrenswert darunter ab und der Krieger schluckte. Sie würde unter seine Decke kommen und beide waren mit kaum etwas bekleidet. Langsam schob er die Decke zurück und Noro stieg zu ihm. Seine Lippen suchten die Ihren und ihre Körper waren so eng aneinander, dass sie mit Sicherheit seine Erregung spüren konnte... gesehen hatte sie sie ja schon. Doch etwas unterbrach die holde Zweisamkeit und Riâns Kopf fuhr aus dem leidenschaftlichen Kuss hinauf. "Wer ist da?", rief er mit etwas brüchiger aber eiskalter Stimme. Er hatte ein merkwürdiges Geräusch, etwas wie ein Keuchen gehört, das eindeutig von der Rückseite der Scheune zu verorten war. Er richtete sich auf, doch sofort ergriff der Schwindel wieder von ihm Besitz. Sofort hatte das Keuchen aufgehört und er konnte nur noch das Rascheln von Füßen über Gras vernehmen, dass stetig weniger wurde, sich also entfernte. "Wir hatten wohl einen Beobachter...", stellte Riân nüchtern fest und ließ sich wieder in das Stroh neben Noro sinken, "Wir müssen aufpassen, ich traue diesen Bauern nicht..."

Re: Ein notwendiges Übel

Verfasst: Do, 06. Aug 2020 18:26
von Noro'elle

Gewiss blieb Noro’elle die offenkundige Erregung von Riân nicht verborgen. Doch wusste sie nicht recht, wie sie damit umgehen sollte. Also versuchte sie einfach diese Tatsache so gut es ging zu ignorieren. Er war ein Mann und sie war eine Frau und diese körperlichen Regungen waren vermutlich ganz normal und nichts, das man einfach kontrollieren konnte. Dennoch spürte sie seine Blicke auf ihrer Haut und auch seine Worte zeugten davon, dass er sie ob der Dunkelheit vermutlich deutlich sehen konnte. Sie hielt kurz in der Bewegung inne und fragte ganz gerade heraus:
„Ist es eigentlich wahr, dass Elfen auch in der Dunkelheit gut sehen können? Ich habe so unglaublich viele Fragen, das kannst du dir gar nicht vorstellen.“. Noro schlüpfte zu dem Meuchler unter die wärmende Decke und merkte schnell, dass Riân wohl auch kein Interesse daran hatte seine Leidenschaft zu zügeln. Er schloss sie fest in seine starken Arme während er sie erneut leidenschaftlich küsste, sodass ihre kleinen, festen Brüste gegen seine muskulöse Brust gedrückt wurden. Deutlich spürte sie seine Männlichkeit durch den dünnen Stoff, der ihren Körper bedeckte. Doch plötzlich hielt Riân inne und setzte sich auf. Hatte er etwas gehört? Noro griff instinktiv nach der Decke und hüllte sich darin ein. „Einen Beobachter?“, fragte sie erstaunt und blickte sich verunsichert um. „Aber wieso sollte uns denn jemand beobachten?“, fügte sie hinzu als müsste der Elf eine Antwort auf diese Frage haben. Waren es vielleicht gar nicht Riâns Blicke gewesen, die sie zuvor noch gespürt hatte?

Als Riân sich wieder ins Stroh sinken ließ, schmiegte sich Noro vertraut an seine Brust. Sollte sie ihm von dem Kuss erzählen, den Alrik ihr zuvor am Tag gestohlen hatte? In seinem Zustand war er wohl kaum in der Lage irgendeinen Unfug anzustellen und dennoch… Waren sie zwei in einer Art Beziehung, die keinerlei Geheimnisse duldete? Nachdenklich begann Noro auf ihrer Unterlippe herum zu kauen, so wie sie es immer tat, wenn sie ernsthaft über irgendetwas nachdachte. Sollte sie es wagen und es ihm erzählen?
„Ich… Ich muss dir auch noch etwas über Alrik erzählen.“, fing sie zögerlich an zu sprechen. „Aber bevor ich es dir erzähle, musst du mir versprechen, dass du ihn nicht umbringen wirst.“, fuhr sie fort und wartete auf seine Zustimmung, ehe sie weiter sprach: „Bevor ich vorhin zu dir zurück in die Scheune kam, da hat Alrik mich geküsst. Ich weiß nicht, wieso er es getan hat und ob ich ihm vielleicht falsche Hoffnungen gemacht habe… Er hat mich einfach nur geküsst, aber er hat mir kein Unrecht getan. Er hat mich nicht gezwungen oder etwas dergleichen. Vielleicht bin ich selbst schuld, denn er hatte mich gestern gefragt, ob du mein Mann wärst. Vielleicht hat er das Ganze einfach falsch verstanden und dachte ich wäre zu haben. Bitte, bitte sei nicht böse deswegen.“. Sie blickte zu Riân auf, doch für sie war die Scheune einfach in Dunkelheit gehüllt, sodass sie sein Gesicht nicht lesen konnte.

Re: Ein notwendiges Übel

Verfasst: Do, 06. Aug 2020 19:04
von H'adriân
Zuerst nickte Riân auf ihre Frage, dann fiel ihm ein, dass Noro dies ja gar nicht würde erkennen können und so raunte er ein leises: "Ja.". Er würde ihr jede Frage beantworten, doch alles zu seiner Zeit. Im Moment konnte der Bergelf ohnehin nicht klar denken und das war wichtig, wenn es darum ging, klare Antworten zu geben wie es seine Art war. Außerdem war Riân sehr nervös, was er mit seiner Leidenschaft zu überdecken versuchte. Sie beide waren noch jungfräulich und auch wenn seine Lust groß war, so war diese Entscheidung womöglich nicht die Beste. Und so war er dem Kibitz auch ein wenig dankbar, dass er diese Stimmung so durchbrach, dass er ihn auf andere Gedanken brachte. "Mich sicherlich nicht.", raunte der Krieger zu Noro und grinste schief, "Aber dich wollen bestimmt eine Menge Leute beobachten...". Gefallen tat ihm diese Aussicht natürlich nicht und sie beunruhigte ihn sogar ein wenig, als er zurück in das Stroh fiel. Alles hier war so völlig seiner Kontrolle entglitten und diese Hilflosigkeit kotzte ihn an. Er wurde Zeit, dass er wieder auf die Beine kam.

Gedanken verloren blickte Riân die junge Frau an seiner Seite an, ehe diese ihn mit ihrer Stimme aus seinen Gedanken holte. "Hmm", bestätigte das von ihr abgenommene Versprechen. Irgendwie wusste er bereits, was sie ihm erzählen wollte und so schloss er das verbliebene Auge, als sie sprach und lauschte nur auf ihre Stimme. "Ich weiß.", gab er trocken zurück, als sie geendet hatte und sah erneut zu ihr, "Ich habe es hören können, was an dem Brunnen geschehen ist. Und genau genommen kann ich ihm dafür auch keinen Vorwurf machen.". Das konnte er tatsächlich nicht, denn Noro'elle war nun einmal eine sehr attraktive Frau. Um sie zu werben, wenn es offiziell kein Band zwischen ihnen gab war selbst in der strengen Hierarchie seines Volkes nicht verboten. Aber es ärgerte ihn trotzdem. "Ich bin auch nicht böse.", fuhr er fort, "Ich... es ist nur...hmm.". Riân brauchte eine lange Pause, bis sein Kopf ungeschickt die aus seiner Sicht passenden Worte gefunden hatte. "Ich bin schlecht in solchen Dingen. Und ich wusste auch nicht was ich will. Selbst Schuld.", war die nüchterne Beschreibung seiner Gefühlswelt, die vermutlich mehr Fragen offen ließ, als dass sie beantwortete. "Hast du Angst vor mir, Noro? Hast du Angst, ich könnte irgendetwas dummes tun, meine ich? Du weißt schon... wegen des Versprechens, dass du mir eben abgenommen hast.... weil du das vielleicht von mir erwartest... Wenn du das alles nicht willst, ich tue dir nichts. Du musst das nicht nur, machen, weil du Angst hast, dass ich dich .... Ich will, dass du das weißt.". Er fuhr sanft mit seinem Handrücken über ihre Wange. "Du musst auch nicht jetzt antworten."

Re: Ein notwendiges Übel

Verfasst: Do, 06. Aug 2020 21:01
von Noro'elle

Kurz stutzte Noro ob der Offenbarung, dass Riân von ihrem Kuss mit Alrik bereits wusste. Er hatte es gewusst und nichts dazu gesagt? Es verwunderte sie außerdem, dass ihn diese Tatsache nicht außerordentlich zu stören schien. Aber wieso störte es sie? Vermutlich weil es sie einfach verwunderte, dass Riân keine Anzeichen von Eifersucht zeigte. Wieder begann sie auf ihrer Unterlippe zu kauen und stoppte die schlechte Angewohnheit rasch, als sie es selbst bemerkte.
„Achso…“, flüsterte sie leise und dachte weiter darüber nach, was all dies wohl zu bedeuten hatte. Riân hatte sich doch tatsächlich etwas merkwürdig verhalten die letzten Tage – noch merkwürdiger als sonst. Sie legte sich selbst einen Finger auf die Lippen und dachte an seine leidenschaftlichen Küsse zurück. Im Grunde kannte sie diesen Mann fast gar nicht und er war in den meisten Fällen nicht sonderlich freundlich zu ihr gewesen. Hatte er sie etwa aus den Fängen Kamals gerettet, weil er sie ernsthaft mochte? In diesem Fall hatte er diese Tatsache bis zum heutigen Abend gut verborgen gehalten. Er hatte ihr gestanden, dass er selbst nicht gewusst hatte, was er wollte. Und wenn Noro’elle ehrlich war, schien Riân auch nicht der Typ Mann zu sein, der eine Frau mit romantischen Gesten für sich gewann. Diese Erkenntnis ließ sie schmunzeln. „Ich hoffe, du hast deinen Mut mich zu küssen nicht nur gefunden, weil Alrik dir zuvor gekommen ist.“, sagte sie und kicherte leise. Dann legte sie ihren Kopf zurück auf die Brust des Elfen und lauschte seinem Herzschlag.

Doch Riân schien noch nicht bereit zu sein zu schlafen. Ob ihm auch so viele Dinge durch den Kopf gingen wie ihr? Aufmerksam lauschte sie seinen Worten, welche sie tatsächlich etwas aufwühlten.
„Es gab durchaus Momente, da hatte ich Angst vor dir.“, gestand sie ganz gerade heraus. Wieso sollte sie ihn diesbezüglich auch anlügen? „Ich habe zugesehen, wie du Männer ohne mit der Wimper zu zucken kaltblütig ermordet hast, Riân. Was würde es über mich aussagen, wenn mich diese Tatsache nicht zu Tode geängstigt hätte? Und als du gedroht hast mir die Kehle aufzuschlitzen… Dein Blick und deine Worte… Sie klangen so, als würdest du es ernst meinen.“, fügte sie hinzu und schluckte hart. „Aber nein, ich habe dich nicht geküsst, weil ich Angst vor dir habe. Ich glaube, dass du noch viel mehr sein kannst als dieser gewissenlose Meuchler. Ich glaube, dass du aus freien Stücken gekommen bist, um mich zu retten. Oder zumindest möchte ich das gerne glauben. Du hast mir das Leben gerettet und ich weiß nicht, wie ich diese Schuld jemals begleichen soll.“, endete sie mit ihrem kläglichen Erklärungsversuch. Sie war sich sicher, dass der Riân ein Mann war, vor dem man Angst haben sollte. Dennoch fühlte sie sich in seinen Armen sicher und geborgen. Die Zeit würde ihnen zeigen, was aus dieser Leidenschaft entstehen konnte. Doch für den Augenblick war es das Wichtigste, dass Riân wieder gesund wurde und sie würde alles in ihrer Macht stehende dafür tun.

Re: Ein notwendiges Übel

Verfasst: Do, 06. Aug 2020 22:59
von H'adriân
Tja, warum hatte er seinen Mut gefunden sie zu küssen? Das war eine gute Frage, um sie sich selbst zu stellen, doch ebenso wie sie gut war, hatte sie auch ihre Tücken. Es war in gewisser Weise durchaus ein Katalysator gewesen, dass das Werben um sie durch die Bewohner des Hofes Eifersucht ausgelöst hatte. Und auch, dass Noro ihm genau die Fragen gestellt hatte, die er sich über all die Zeit niemals getraut hatte zu stellen. Er war nun froh, dass sie beantwortet waren, doch die Zukunft war dennoch unsicher. Über diese Eventualitäten mochte Riân aber in diesem Moment nicht nachdenken. Er war viel zu glücklich darüber, dass Noro nun in seinen Armen lag. Sanft strich er über ihr Haar, während er noch über einigen Dingen nachgrübelte, die schließlich in einer Frage gemündet hatten. Aufmerksam hörte er den Worten der jungen Frau zu und blickte dabei gedankenverloren an die weit entfernte Decke. "Ich habe viele Jahre lang getötet. Ich war, nein ich bin sehr gut darin und es ist ehrlich gesagt auch das Einzige, was ich kann. Das war immer genug. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass ich solche Worte ernst meinen könnte... aber ich töte niemals einfach so. Die drei Männer, die ich in deinem Beisein getötet habe. Die beiden in der Gasse und vor wenigen Tagen der im Wald. Sie hatten es verdient. Und außerdem, für die ersten beiden hast du mich bezahlt.", sagte Riân und grinste sie bei seinem letzten Satz an, "Was hast du gemacht, da wo du herkommst?". Wenn er so darüber nachdachte, dann wusste der Bergelf eigentlich nichts von Noro, nur dass sie von einem fetten Händler für seine Frau gehalten wurde. So sehr, dass er einiges an Geld und Gewalt aufzuwenden bereit war, um sie zurück an seinen Seite zu holen. Doch Riân kam das komisch vor, denn er kannte ihr Volk. Sie kamen nicht von hier, sondern aus der Wüste. Eine harsche Gegend. Es gab also allerlei Gründe dort fortzugehen, doch warum hierhin? Darüber hinaus war sie offenkundig in keinem sehr gewalttätigen Umfeld aufgewachsen, so wie sie von Tod und Morden sprach. Sie hielt ihn für einen Meuchler... Innerlich musste Riân bei diesem Gedanken schmunzeln. Wenn es doch so einfach wäre... "Warum bist du fort aus der Wüste? Mit diesem fetten Kaufmann?"

Re: Ein notwendiges Übel

Verfasst: Fr, 07. Aug 2020 10:03
von Noro'elle

”V
ermutlich hatten sie es verdient zu sterben.“, wiederholte Noro’elle die Worte Riâns und versuchte sich somit einzureden, dass es wohl stimmen mochte. Sie dachte an den Augenblick in der Gasse zurück. All das Blut… „Wie schaffst du es dabei nichts zu empfinden?“, fragte sie mit tonloser Stimme. Die edlen Gesichtszüge der Beraij verfinsterten sich, als er nach ihrer Vergangenheit fragte. Wo sollte sie bloß anfangen zu erzählen? Am besten am Anfang…

”Ich stamme aus der Wüstenstadt Avrabêth und man nennt mich Noro’elle el Darr’akur. Ich bin die einzige Tochter des Kaufherren Hak’iim el Darr’akur. Mein Vater wollte mich in den Händen eines Gemahls wissen seit ich 14 Jahre alt bin, denn so ist der Brauch in meinem Volk. Laut Gesetz mochte ich in einem heiratsfähigen Alter gewesen sein, doch im Herzen war ich noch ein Kind. Wie du dir sicher vorstellen kannst, wurden mir viele Männer vorgestellt. Doch ich verschmähte sie allesamt. Die Zeit verstrich und mein Vater wusste sich nicht mehr zu helfen. Ich war schon fast eine Frau und in seinen Augen war es eine Schande, dass er keinen passenden Gemahl für mich finden konnte. Eines Tages, ich muss 16 Jahre alt gewesen sein, kam erneut ein Bewerber um meine Gunst. Doch diesmal war es kein junger, gutaussehender Sohn eines Händlers, sondern es war Kamal ibn Kasheri. Selbstverständlich wollte ich diesen alten, fetten Mann erst recht nicht heiraten. Doch diesmal schien es nicht meine eigene Entscheidung zu sein. Ich war noch ein Kind gewesen und mir war einfach nicht bewusst, dass es reine Großzügigkeit war, dass mein Vater mir gestattet hatte so lange Zeit unter seinem Dach zu leben. Doch auch die Geduld meines Vaters schien irgendwann ein Ende zu haben und er erlaubte es mir nicht Schande über den Namen unserer Familie zu bringen. Er war es, der mein Schicksal an diesem Tag besiegelte.“

Noro’elle hatte ihre Geschichte mit einem neutralen und klaren Tonfall begonnen. Es mochte beinahe so erscheinen, als erzähle sie bloß die Geschichte einer anderen jungen Frau und nicht ihre eigene. Ihre Vergangenheit – ihr altes unbeschwertes Leben – schien soweit entfernt. War sie damals tatsächlich so naiv gewesen, dass sie glaubte die Liebe ihres Vaters wog mehr als die Bräuche ihres Volkes? Sie hielt kurz inne und atmete tief durch, ehe sie mit ihrer Geschichte fort fuhr:


”Wie du dir sicher vorstellen kannst, gab es 100 gute Gründe, wieso ich nicht Kamals Ehefrau werden wollte. Es gab in meiner Heimatstadt das Gerücht, dass er sich einen ganzen Harem an jungen Ehefrauen hielt. Ich wollte unter gar keinen Umständen zu einem Teil davon werden. Also beschloss ich fort zu laufen. Natürlich kam ich allein auf mich gestellt nicht weit, ehe mich die Häscher Kamals das erste mal schnappten. Es war ein Meuchler Namens Hilal indessen Hände ich geriet. Er war es auch gewesen, der mich meiner Heimat entriss und mich in die Nordreiche verschleppte. Hilal verkaufte mich an Kamal und fortan, reiste ich in seiner Karawane. Kamal, man möge über ihn denken was man will, besaß letzten Endes doch genügend Respekt vor den Gesetzen unseres Volkes, sodass er mich erst zu seiner Frau machen wollte, bevor er sich zu mir ins Bett legte. Doch er ist wahrlich ein Meister darin Frauen gefügig zu machen. Er hat seine Mittel und Wege, das musst du über ihn wissen. Doch es entspricht wohl nicht meiner Natur das Haupt zu senken, was gewissermaßen ein Problem darstellte. Ich denke, den Rest der Geschichte kennst du bereits, denn du warst ein Teil von ihr. Du hast mich aus meinem goldenen Käfig befreit und mir auf diese Weise ein furchtbares Schicksal erspart.“

Re: Ein notwendiges Übel

Verfasst: Fr, 07. Aug 2020 16:29
von H'adriân
"Man gewöhnt sich an alles.", antwortete Riân trocken, "Insbesondere dann, wenn man es schon eine ganze Weile tut. Man funktioniert einfach.". Er wusste, dass das viele nicht verstehen konnten, doch es war tatsächlich die Wahrheit. Man funktioniert einfach. Wenn man über alles nachdenken würde, dann passierte das, was schlechten Kriegern nun einmal passieren muss. Das unausweichliche Ende. Und der Bergelf plante nicht zu dieser Gruppe dazuzugehören. Vielleicht würde Noro das eines Tages verstehen, doch für den Moment beließ er es dabei. Stattdessen wandte er das Thema hin zu ihr, der Frau, die ihren Kopf auf seiner Brust abgelegt hatte und deren Wärme er wohlig an sich spürte. Riân lauschte reglos, unterbrach sie nicht. Ihr Vater hatte sie also vergeben. Das gab es durchaus auch in seiner Kultur, doch die Kälte der Bergelfen hinderte die Opfer einer solchen Politik für gewöhnlich nicht daran, ihr Leben hinter den Blicken ihres jeweils angetrauten zu führen. Bei Menschen schien das anders zu sein, insbesondere dann, wenn ein Mann mehrere Frauen hatte. Sich nicht in eine Reihe von Eroberungen zu stellen, das ist ein Gefühl, welches der Krieger durchaus nachvollziehen konnte. Letztendlich aber hatte sie dieser Weg an seine Seite geführt und das Schicksal hatte in der Tat nicht davor zurückgeschreckt alles zu geben, dass sie nun hier an diesem Ort waren. "Und wenn wir von allem entkommen sind? Was hast du dann vor? Willst du wieder zurück in deine Heimat?", fragte Riân weiter nachdem er eine kleine Pause hatte walten lassen und einfach nur durch ihre Haare kraulte. Er konnte verstehen, wenn sie sich an einem anderen Ort ein neues Leben aufbauen wollte. Wenn er an ihrer Seite bleiben durfte, so hatte Riân zumindest keine konkreten Pläne, wie so ein Leben aussehen würde. Ihm fiel auf, wie schrecklich wunschlos er war und wie wenig er seine Zukunft gestaltete. Er war wie ein Fisch, der sich einfach treiben ließ. "Ich habe nämlich keine Ahnung, was dann kommt...", gab er leise zu, "...also keine Pläne oder so etwas.". Der Bergelf hatte keine Ahnung, welche Wünsche Menschen hegten, was sie als ein gutes Leben ansahen. So viele verschiedene Schicksale hatte Riân nun schon gesehen, dass er hoffte, ihre Vorstellung von einem guten Leben, würde sich mit seiner decken können... wenn er selbst eine gehabt hätte.

Re: Ein notwendiges Übel

Verfasst: Fr, 07. Aug 2020 19:05
von Noro'elle

Zurück in die Heimat? Noro lachte bei dem Gedanken daran freudlos auf.
„Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was mich zu Hause erwarten würde. Ich habe Kamal nicht geehelicht und habe somit Schande über meine Familie gebracht. Gewiss wird das Ganze früher oder später noch ein Nachspiel haben. Also nein, ich denke zurück in meine Heimat zu reisen, ist vorerst keine besonders gute Idee.“, teilte sie mit Riân ihre Gedanken zu diesem Thema. Genau genommen, hatte sie absolut keine Idee, was sie nun mit ihrer neugewonnen Freiheit anfangen sollte. Ein leises, nachdenkliches „Hmm…“, kam über ihre vollen Lippen. „Seit Monaten habe ich mir nur darüber Gedanken gemacht wie ich entkommen kann und wie ich Kamal all das was er mir angetan hat heim zahlen kann. Ich weiß ehrlich gesagt überhaupt nicht, was ich nun vor habe.“, sagte sie ratlos und zuckte dabei leicht mit ihren zierlichen Schultern. Während sie noch weiter darüber nachgrübelte, fielen Noro’elle langsam aber sicher die Augen zu. Der Tag in Knechtschaft bei der alten Bäuerin war anstrengend und lang gewesen und Noro war es schlicht weg nicht gewohnt für etwas arbeiten zu müssen. In ihren Träumen verfolgten sie die Gedanken an Kamal. Sie durchlebte wieder und wieder wie in einer Endlosschleife was er ihr alles angetan hatte. Sich im Schlaf unruhig hin und her wälzend, schreckte Noro plötzlich auf und griff sich nach Luft ringend an die Kehle. Dort wo einst das quälende Halsband ihren Hals umschlossen hatte, war ihre Haut immer noch geschwollen und empfindlich.

Es war einfach aussichtslos gewesen in dieser Nacht noch einmal Schlaf zu finden. Ohnehin würde die Morgendämmerung bald einsetzen, wieso also nicht direkt aufstehen? Noro’elle fühlte ein letztes Mal die Stirn des Elfen und nickte zufrieden. Das Fieber war annährend fort und zumindest für diesen Augenblick schien es Riân deutlich besser zu gehen. Mit einen Lächeln auf den Lippen verließ die junge Frau Scheune. Sie hatte sich den Weg zum Bach gut eingeprägt und wollte noch vor dem Frühstück ihre schmutzigen Kleider waschen. Außerdem hatte sie ja bereits angekündet, dass sie ein ausgiebiges Bad nehmen wollte. Mit einem leisen Lied auf den Lippen ging sie am Bachlauf auf die Knie und wusch die Hose und das Kopftuch des Elfen und auch das azurblaue Tuch erstrahlte wieder in Noro’elles liebster Farbe. Die Sonne ging langsam auf und tauchte den Himmel in ein strahlendes Orange. Keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen und es versprach ein wunderschöner Tag werden. Das Wasser im Bach war kalt wie Eis, doch dies würde sich auch zu einer späteren Stunde nicht mehr ändern. Noro blickte sich ein letztes Mal um und als niemand zu sehen war, ließ sie ihre Hüllen restlos fallen, um langsam und wie Gott sie schuf in den Bach zu steigen. Das Wasser stach in ihre Haut wie hunderte kleine Nadelstiche und daher beeilte sie sich und wusch endlich das restliche Ruß von ihrem Körper. Zitternd und am ganzen Körper mit Gänsehaut überzogen stieg sie letzten Endes aus dem Bach. Das lange schwarze Haare hing in nassen Strähnen herab und verbarg ihre jugendlichen Brüste. Sie fror ganz erbärmlich, doch das Gefühl von Sauberkeit machte diesen Umstand ganz und gar wieder wett. Nun sollte sie aber schleunigst zum Haus der Bäuerin zurück kehren, bevor diese wieder etwas zu meckern hatte.

Re: Ein notwendiges Übel

Verfasst: Sa, 08. Aug 2020 14:40
von H'adriân
Riân sagte nicht mehr viel an diesem Abend. Alles war so schnell gegangen in den letzten Stunden, sodass es etwas dauerte, ehe er den Preis der Erschöpfung dafür zahlte. Er lauschte Noros beruhigender Stimme und dachte einfach still nach. Er brauchte wieder einen Plan. Einen Blick in die Zukunft, der ihm Perspektive bot und der die Freiheit, die sie nun hatten einen Sinn gab. Irgendwann schliefen beide ein. Riân genoss die Wärme, die von ihr ausging und fragte sich insgeheim, wie er sein Leben hatte ohne diese Nähe bisher führen können. Und dann würden sie noch viel Zeit haben, um über alles zu sprechen was sie betraf.
Der Schlaf des Bergelfen war traumlos aber erholsam. Das Fieber wurde tatsächlich langsam besser und mit jedem Tag kehrte etwas von seiner Kraft zurück, auch wenn es noch dauern würde, bis die Wunde komplett verheilt war. Als Riân aufwachte, war Noro'elle schon längst verschwunden und er konnte sich denken, dass wohl ihre Arbeit rief. Auf einem Bauernhof ging alles sehr früh los und wie es schien gab es ja auch ausreichend zu tun.

Als Noro'elle über die Schwelle des Bauernhauses trat, wartete die Bäuerin bereits in der Küche. Sie sah aus, als ob sie schon seit mehreren Stunden wach war und das obwohl die Sonne erst vor wenigen Augenblicken über den Horizont gewandert war. Ungehalten wandte sie den Kopf. "Ah da ist ja unsere Schlafmütze. Wie ich sehe, hast du dich erfolgreich säubern können. Immerhin da hast du meinen Söhnen etwas voraus. Und schlafen tust du auch nicht mehr so lästerlich lange.", sagte sie paradoxerweise in einem anklagenden Ton, als ob ihr schwaches Lob etwas schlechtes war. "Du wirst heute mit Alrik die Ställe ausmisten. Er ist schon bei den Schweinen.", während sie sprach, reichte sie der jungen Frau eine Schürze, "Wenn du sowas noch nie gemacht hast, dann solltest du dir Handschuhe holen, sonst kannst du deine Hände danach tagelang nicht gebrauchen. Bis heute Abend ist jeder Stall fertig, ist das klar?".

Alrik wartete bereits im Schweinestall und hatte es sich auf einem Schemel bequem gemacht. Seine Mistgabel lehnte neben ihm an der Wand und in seiner Hand hielt der Bauer einen Krug, den er an die Lippen führte. "Da ist ja meine Schöne.", raunte er in einem verführerischen Ton, "Hast du heute Nacht von unserem Kuss geträumt?". Der junge Mann grinste lüstern in ihre Richtung und erhob sich. "Ich habe von ihm geträumt und...", Alrik tänzelte unsicher von einem Fuß auf den anderen, "Und ich würde mich freuen, wenn wir uns öfter treffen können. Nicht zur Arbeit, sondern, weil du wunderschön bist und ich dich gerne an meiner Seite wüsste. Dann brauchst du auch keinen Leibwächter mehr. Der ist sicher nur unnötig teuer."

Re: Ein notwendiges Übel

Verfasst: Sa, 08. Aug 2020 16:30
von Noro'elle

Verlangte die alte Schachtel im Ernst, dass sie den Schweinestall ausmisten sollte? Wie tief sollte sie denn bitte noch sinken? Es war auch die Aussicht darauf, den ganzen Tag gemeinsam mit Alrik zu verbringen, die Noro’elle zusätzlich zu schaffen machte. Doch gerade als sie zu einer pampigen Antwort ansetzen wollte, beobachtete sie wie die alte Bäuerin einen Korb mit Verbandzeugs aufnahm. Vermutlich war sie gerade auf dem Weg zu Riân um dessen Wunde zu versorgen. So schluckte sie ihren Hochmut hinunter und ließ sich ein paar Handschuhe geben, bevor sie mit hängenden Schultern in den Stall ging. Alrik schien sie bereits sehnlichst erwartet zu haben und ließ es sich nicht nehmen, direkt weiter um ihre Aufmerksamkeit zu buhlen. Noro lächelte daraufhin verlegen und sagte:
„Ich… ähm… Was soll ich dazu sagen?“. Der Blonde grinste siegessicher und griff nach ihrer Hand. „Sag einfach ja…“, flüsterte er leise und machte erneut Anstalten sie zu küssen. Doch dieses Mal ließ Noro es gar nicht erst soweit kommen. „Warte doch Alrik… Ich… Da ist noch jemand anderes…“, stotterte sie unbeholfen und versuchte ihren Verehrer auf Abstand zu halten. Augenblicklich hielt Alrik inne und blickte sie forschend an. „Du hast doch nicht etwa das Bett mit Rodrik geteilt? Was bist du für denn für ein billiges Flittchen? Gestern hast du mich noch geküsst und dich im Anschluss mit meinem Bruder vergnügt?“, sprach er und wurde mit jedem Wort zunehmend wütender. Noro unterdessen wich ängstlich vor ihm zurück und wollte genügend Abstand zwischen sich und dem Blonden wissen.

Es war feucht und dunkel an diesem Ort. Gefesselt und geknebelt lag Magda in der kleinen Kammer unter der Erde. Wie lange sie wohl hier schon eingesperrt war? Sie hatte einfach jegliches Zeitgefühl verloren. Anfangs hatte sie noch versucht sich zu wehren, sie hatte geschrien und um sich geschlagen, wann immer es ihr möglich gewesen war. Doch niemand hatte sie gehört und niemand war gekommen um sie zu befreien. Angespannt lauschte die junge Frau in die Dunkelheit. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ER wieder zu ihr kam. Bei dem Gedanken daran wurde ihr schlecht und sie kämpfte gegen den Würgereiz an. Plötzlich waren Schritte zu hören. ER hatte es nie eilig zu ihr zu kommen. Wieso sollte ER auch? Sie konnte schließlich nicht vor IHM fliehen. Vielleicht hatte sie heute etwas Glück und ER brachte ihr etwas zu Essen. Sie hatte ja solch einen Hunger. Die Tür ging knarrend auf und Magda blinzelte gegen das helle Licht einer Laterne an. ER blickte schweigend auf sie hinab. Was hatte er nur vor? Hilflos kroch die junge Frau in die hinterste Ecke des kleinen Raumes. ER sah ihr teilnahmslos dabei zu und regte sich nicht. Irgendetwas schien heute anders zu sein als sonst. Irgendetwas stimmte nicht mit IHM. ER zog etwas hinter seinem Rücken hervor und die Klinge eines kleinen Küchenmessers blitze im Licht der Laterne auf. Vielleicht hatte ER sich endlich entschieden sie gehen zu lassen. Vielleicht würde diese Tortur endlich ein Ende haben…

Re: Ein notwendiges Übel

Verfasst: So, 09. Aug 2020 17:43
von H'adriân
Alrik bedachte Noro mit einem seltsamen Blick aus Begierde und offener Enttäuschung. Es war auch Zorn mit dabei, doch man konnte ihm im Großen und Ganzen ansehen, dass er völlig davon ausgegangen war, dass die junge Frau seinem Werben erlegen war. Sie versuchte Abstand zwischen sich und ihn zu bringen, was er sofort konterte und jedem Schritt folgte, den Noro zurück machte. Seine blauen Augen suchten stechend ihren Blick und sein Atem ging schwer. "Es war nicht Rodrik. Es ist dieser Halbtote da, der bei uns in der Scheune liegt, nicht wahr? Da ist etwas zwischen euch und du hast mich angelogen auf dem Weg zum Bach.. Alrik spuckte ungehalten aus und warf den Becher in seiner Hand achtlos weg. Buttermilch ergoss sich über den Boden und einige Schweine grunzten gierig auf, wurden aber von der Begrenzung ihrer Ställe aufgehalten. "Warum hast du mich angelogen, hmm?, fauchte er und packte Noro'elle hart am Oberarm, "Jetzt hast du mich dastehen lassen wie der letzte Idiot. Aber du wirst schon sehen, was du davon hast. Mich lässt man nicht einfach so im Regen stehen. Nicht so!". Mit seinen letzten Worten war Alrik immer lauter geworden, fast schon ins Schreien übergegangen. Dann ließ er sie los und wandte sich ab. Lustlos nahm er seine Mistgabel auf und belegte Noro mit einem vernichtenden Blick. Sie würde heute bluten auf der Arbeit, so viel konnte man in den blauen Augen erkennen.

Stundenlang misteten die beiden die Schweineställe aus und Alrik achtete akribisch genau darauf, dass Noro'elle ihre Arbeit sehr ordentlich verrichtete. So ordentlich, dass es letztendlich nur dazu diente, die junge Frau zu quälen, ohne weiteren Nutzen daraus ziehen zu können. Als die Sonne über ihrem Zenit stand, trat das ungleiche Duo nach draußen. Der Hof war völlig leer und es kam sogar ein seichtes Lüftchen auf, dass nach der harten körperlichen Arbeit eine angenehme Kühle versprach. Mit diesem kleinen Wind aber trat eine Gestalt auf den Hof. Sie machte auf sich aufmerksam mit einem leichten Kichern in ihrem Rücken und Alrik hatte sich sofort umgewandt. Ein buckliger Junge stand dort mit einem dazu noch unproportionierten Gesicht, welches so wirkte, als wirke die Schwerkraft auf eines seiner Augen mehr als auf das andere. Die Gestalt bemerkte, dass sie nicht allein war und hörte sofort auf zu kichern. Entsetzt fiel Alriks Blick auf das blutige lange Messer in seiner Hand. "Was hast du getan, du Hundsfott!?", rief er ihm entgegen, als ob er ihn kannte und das kichern kam von neuem. Eine Grimasse bildete sich auf dem wirren Gesicht, die wohl ein freudiges Grinsen darstellen sollte. Dann lief die Gestalt irre lachend davon. Alrik ließ seine Mistgabel fallen uns setzte sofort nach, während seine Mutter mit übellaunigem Gesicht nach draußen trat. "Was geht hier vor? Es soll gearbeitet werden, ihr Nichtsnutze!", brüllte sie und fixierte erst ihren Sohn, dann Noro'elle. "Mädchen! Was passiert hier? Sprich!"

Re: Ein notwendiges Übel

Verfasst: So, 09. Aug 2020 20:11
von Noro'elle

Es war die Art und Weise wie Alrik sie anblickte, die in Noro’elle beinahe einen Fluchtreflex auslöste. Er hatte einfach dieses irre Funkeln und in Augen und sein Blick war so voller Abscheu. Das Herz der jungen Frau schlug ihr bis zum Hals, doch sie konnte nicht weiter von ihm fort, da sie mittlerweile buchstäblich mit dem Rücken zur Wand stand.
„Es ist nicht so wie du denkst!“, versuchte Noro nochmals Alrik zu beruhigen. Doch dieser hatte sich bereits so sehr in Rage geredet, dass es keinen Weg mehr zurück gab. Als er den Becher voller Wut hinunter warf und Noro’elle hart am Arm packte, keuchte diese erschrocken auf: „Aua! Alrik! Du tust mir weh!“. Ihre Worte erreichten ihn jedoch nicht und er schrie sie förmlich an. Doch dann gab er sie unerwartet frei und die junge Frau atmete erleichtert auf. Mit schmerzverzerrtem Gesicht rieb sie über ihren Oberarm. Der Blonde griff nach der Schaufel und zeigte ihr, wie sie die Ställe zu reinigen hatte. Und er kannte kein Erbarmen. Stundenlang scheuchte er sie hin und her und ließ sie so hart arbeiten, bis sich trotz der Handschuhe schmerzhafte Blasen an ihren Händen gebildet hatten. Doch irgendwann fand selbst der Sohn der Bäuerin keinen Dunghaufen mehr im Stall und erklärte die Arbeit für erledigt. Noro’elle trat zu Tode erschöpft aus dem Stall und schloss für einen Augenblick die Augen. Eine kühle Brise kam auf und sie wischte sich mit dem Handrücken einige Schweißperlen von der Stirn.

Ein unheimliches Gelächter zog die Aufmerksamkeit der erschöpften Noro auf sich und brachte die junge Frau dazu die Augen wieder aufzuschlagen und sich umzusehen. Die Gestalt, welche humpelnd über den Hof rannte, sah aus wie aus einem Alptraum entsprungen. Das Gesicht war grausam entstellt und das Kichern ließ es einem eiskalt den Rücken hinunter laufen. Und dann sah sie das blutige Küchenmesser in seiner Hand. Alrik schien die Situation schneller erfasst zu haben und machte sich sofort daran der Gestalt hinter her zu eilen. Noro’elle jedoch blieb vollkommen verstört mitten im Hof stehen und sah den beiden nach. Fast zeitgleich trat die alte Bäuerin aus dem Haus und verlangte nach einer Erklärung für all den Lärm.
„Da war ein Junge… Er hatte ein entstelltes Gesicht und er hielt ein blutiges Messer in der Hand. Alrik schien ihn zu kennen und sie sind beide in diese Richtung gelaufen.“, erklärte Noro was sie beobachtet hatte und blickte die Alte forschend an. „Ach mein Kind…“, seufzte die Bäuerin. „Mach dir keine Sorgen. Der Junge mit dem entstellten Gesicht… Du hast Bekanntschaft mit meinem vierten Sohn gemacht. Leider Gottes ist er nicht ganz klar im Kopf, wie sollte man auch mit solch einem Gesicht? Normalerweise ist er immer in seinem Zimmer eingesperrt, doch manchmal schafft er es zu entkommen. Es war nicht das erste Mal, dass er einem wehrlosen Kätzchen die Kehle aufgeschlitzt hat. Doch was soll man tun? Er ist nun einmal mein Sohn und die Liebe einer Mutter ist grenzenlos.“, klärte die Alte die Situation auf.

Mit diesen Worten verschwand auch die Bäuerin. Jedoch lief sie nicht ihren Söhnen hinterher, sondern viel mehr stieg sie eine kleine Treppe hinab. War dies der Ort, wo der Junge so plötzlich hergekommen war? Noro’elle kämpfte für einen Augenblick gegen ihre Neugier an, doch dann stellte sie fest, dass sie allein und ohne weitere Aufgaben war. So huschte die junge Frau eilig in die Scheune, um nach Riân zu sehen.
„Du glaubst nicht, was heute für ein merkwürdiger Tag ist.“, begann sie zu erzählen. Seufzend ließ sie sich neben ihrem Schlaflager auf einem Strohballen nieder und blickte niedergeschlagen auf ihre Hände. Einige der Blasen waren bereits aufgeplatzt und jede Bewegung schmerzte ganz fürchterlich. Sie erzählte dem Elfen von der Tortur im Stall und davon, dass sie Alrik abgewiesen hatte. Und auch die Geschichte mit dem vierten Sohn der Bäuerin enthielt sie Riân nicht vor. „Dieser arme Junge! Sie sperren ihn einfach in seinem Zimmer ein! Das ist doch kein Leben!“, empörte sich Noro lautstark. Sie selbst kannte das Gefühlt eingesperrt zu werden und niemand hatte etwas dergleichen verdient. Vermutlich hatte der Meuchler Recht gehabt und den Leuten auf diesem Hof war einfach nicht zu trauen. „Ich hoffe doch sehr, dass du dich bald besser fühlst. Ich weiß nicht, wie lange ich es hier noch aushalten kann.“, sagte sie leise und blickte Riân mit ihren großen Augen erschöpft an. Gewiss, sie war in aller Früh am Bach gewesen und hatte sich gründlich gewaschen. Doch nachdem sie den gesamten Stall ausgemistet hatte, fühlte sie sich schmutziger als je zuvor.

Re: Ein notwendiges Übel

Verfasst: Di, 11. Aug 2020 14:21
von H'adriân
Irgendwann kam die alte Bäuerin und wechselte missmutig die Verbände. Ihr Blick war vernichtend, doch sie sagte nichts. Riân störte das nicht, auch wenn er nicht wusste, warum sie ihm solche Abneigung entgegenbrachte. Er hatte am Morgen seinen Schal wieder über den Kopf gezogen, um seine spitzen Ohren zu verstecken und er wollte sich nicht ausmalen, was passierte, wenn sie von seiner nichtmenschlichen Herkunft erfuhr. Doch sie tat es nicht. Die Wunde unter dem Verband sag gut aus. So gut eine Wunde im Heilungsprozess eben aussehen konnte und mit fachkundiger Einschätzung ging der Krieger von weiteren 2 Wochen aus. Das Fieber hingegen war so gut wie weg und er hoffte, dass er heute zumindest ein bisschen umhergehen konnte, um seinen Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Riân war das Liegen leid und auch der ständige Muff der Scheune zehrte an seinen Nerven.
Als die Alte ihn verlassen hatte, erhob er sich also und machte ein paar Schritte, wurde aber sogleich vom Schwindel überrumpelt, sodass sich der Bergelf schnell wieder in die Horizontale begab. Innerlich fluchte er aufgrund seiner Schwäche, doch das war nun einmal im Moment sein Schicksal.

Der Rest des Tages verlief ereignislos für Riân, der immer mal wieder versuchte aufzustehen, einige Schritte tätigte und dann wieder in seinem Lager verschwand. Es war ein bissche wie das Training. Jeden Tag ein bisschen addierte sich eben mit der Zeit und formte auf eine Art, die man sich erarbeitete. Sein Körper hatte immer so gelebt, warum also jetzt nicht auch? Im Großen und Ganzen aber war es ruhig. Bis Noro zurckkam.
Sie war völlig nassgeschwitzt und leichte Röte umspielte ihre Nase von der Anstrengung, die sie wohl durchlebt hatte. Riân konnte auch die Schwielen an ihrer Hand sehen. Sie musste wirklich schwer gearbeitet haben. Müde ließ sich die junge Frau auf einen Strohballen fallen und begann zu erzählen. Riân lauschte mit einer in die Höhe gezogenen Augenbraue. "So ist das leider manchmal.", antwortete er ruhig, "Ich denke, wir sollten uns da nicht einmischen. Aber ich habe auch gute Nachrichten! Ich denke, ich bin stark genug, als dass du mich zum Bach begleiten kannst. Irgendwann muss dieses Rumliegen ja aufhören.". Schwach lächelte Riân die junge Frau an und er musste sagen, dass er sich an dieses ungewohnte Gefühl gewöhnen konnte. Lächeln war eine schöne Geste.
Mühsam erhob sich der Bergelf und erst als er wackelig stand fiel ihm auf, dass er weiterhin nur das Hemd trug. Untenrum war Riân völlig nackt. Für einen Bruchteil einer Sekunde blickte er an sich hinab, dann zu Noro. Was sollte es? Mit Nacktheit hatte der Krieger kein Problem, doch vermutlich sah sie ihn wirklich zum ersten Mal ohne den schützenden Mantel der Dunkelheit so. "Ich bin nicht der Einzige, der ein erfrischendes Bad nötig hat.", fuhr er fort und legte einen Arm um Noro'elle, die ihn auf dem Weg nach draußen stützte.

Re: Ein notwendiges Übel

Verfasst: Mi, 12. Aug 2020 9:45
von Noro'elle

Noro’elle seufzte noch einmal theatralisch und erhob sich nicht im mindesten so grazil wie sie es unter normalen Umständen tun würde. Sie zögerte einen Moment lang und sah auf ihre geschundenen Hände, ehe sie Riân die Rechte hin hielt, um ihm aufzuhelfen. Der Blick ihrer nussbraunen Augen fiel umgehend auf sein Gemächt und Schamesröte stieg ihr in die Wangen.
„Ich… Ähm… Ich habe deine Hose gewaschen. Ich meine… Falls du dich vielleicht vorher noch ankleiden möchtest?“, stammelte sie unbeholfen und reichte ihm seine sauberen Gewänder, die in der Sonne rasch getrocknet waren. Während der Elf sich unbeholfen ankleidete, griff auch Noro nach dem azurblauen Kopftuch und streichelte sanft über den zarten Stoff. Einen Augenblick mochte es so scheinen, als würde sie in Erinnerungen schwelgen, dann band sie ihre langen, schwarzen Haare zusammen und legte sich das Tuch an. „Können wir dann? Aber ich warne dich! Ich war bereits heute Morgen am Bach und das Wasser ist eiskalt.“, sagte sie dann kichernd an Riân gewandt und trat an seine Seite, um ihn beim Gehen zu stützen. Es mochte ein merkwürdiges Gesamtbild abgeben, wie der Krieger sich kaum auf seinen eignen Beinen halten konnte und sich auf das zierliche Mädchen an seiner Seite stützte. Noro biss entschlossen die Zähne zusammen, während sie gemeinsam aus der Scheune in das Licht der Sonne traten. Der kühlende Wind hatte sich zu ihrem Unmut wieder gelegt und so brannte die Hitze des Tages gnadenlos auf sie hinab. „Zum Glück ist es wirklich nicht allzu weit.“, sprach die junge Beraij dem Meuchler Mut zu und sie setzten sich gemeinsam in Bewegung.

Der Weg war in der Tat nicht allzu weit, dennoch verlangte es der jungen Frau viel ab, den Mann an ihrer Seite dort hin zu bringen. Als sie endlich am Bach ankamen, ließ sie Riân sich auf einen großen Stein nieder lassen. Sie selbst stemmte atemlos die Hände in die Seiten und rang erst einmal nach Luft.
„Man sollte doch meinen, dass gerade ich an solch eine Hitze gewöhnt sei.“, fand Noro’elle endlich ihre Stimme wieder und grinste Riân schelmisch an. Tatsächlich war es in ihrer Heimat noch unendlich viel heißer als es hier in den Nordreichen selbst an einem heißen Sommertag werden konnte. Doch die Hitze in der Wüste war eine ganz andere als diese hier. Die Beraji blickte in den blauen, wolkenlosen Himmel hinauf und schirmte ihre Augen mit ihrem Unterarm ab. „Heute ist wahrlich ein schöner Tag, nicht wahr?“, fragte sie den Elfen, während sie die Sonnenstrahlen auf ihrer Haut genoss. So verharrte sie einige Augenblicke stillschweigend, bevor sie an den munteren Bach heran trat. Zögerlich und mit schmerzverzerrtem Gesicht streckte sie ihre geschundenen Finger in das kristallklare Wasser und zog scharf die Luft ein. „Ahh….“, keuchte sie leise auf und widerstand den Drang die Hände direkt wieder aus dem kühlenden Nass zu ziehen. Doch als der Schmerz endlich ein wenig nachgelassen hatte, entspannte sich die junge Frau rasch wieder. „Soll ich dir beim Waschen helfen oder schaffst du es dieses Mal ganz allein?“, fragte sie Riân neckend. Er musste es einfach hassen sich so hilflos zu fühlen, doch sie selbst fand es eigentlich auch ein wenig amüsant und das schelmische Grinsen auf ihren vollen Lippen verriet ihre Gedanken.

Re: Ein notwendiges Übel

Verfasst: Mi, 12. Aug 2020 17:28
von H'adriân
"Oh...ähm... ja", räusperte sich Riân und nahm die Hose an. Es war zwar etwas ungelenk, doch er schaffte es sie ohne Hilfe anzuziehen. Auch seine Übungen vom Morgen erwiesen sich als genau richtig, denn zumindest nicht sofort suchte ihn der Schwindel heim. Der Bergelf wusste nicht, wie weit es zum Bach war, doch er würde es mit Noros Hilfe sicher schaffen. Es war schon komisch, dass er sich auf die Hilfe der jungen Frau freute, ihre Berührung, einfach in ihrer Nähe zu sein, wo er doch noch einige Zeit zuvor jedem Menschen mit Hass gegenüber getreten war. Er schnaubte leise ob dieses Gedankens und legte seinen sehnigen Arm um die schmalen Schultern Noro'elles. Er überragte sie um ein ganzes Stück und sein durchaus massiger Körper war bestimmt keine leichte Aufgabe für die junge Frau. So gut es ging versuchte Riân also sein Gewicht selbst zu tragen und legte nur zwei mal eine kleine Pause ein, ehe sie beim Bach ankamen.

"Ich war noch nie in der Wüste...", antwortete Riân leise, "Habe nur gehört, dass es dort verdammt heiß sein soll. Merkwürdiger Ort zum leben...". Es interessierte ihn schon, wie man freiwillig an solch einem Ort lebte, doch es musste ja Gründe geben. Gründe, die er eben einfach nicht kannte. Es gab sogar Elfen in der Weite des Sandes, doch er hatte noch nie einen gesehen. Nur die alten Geschichten seines Volkes sprachen hin und wieder von ihnen. Riân raunte nur ein leises: "Hmm." als Antwort auf ihre Frage, während er sich daran versuchte ungeschickt mit einer Hand seine Kleidung wieder loszuwerden. Er wurde erstaunlich oft nackt vor Noro in letzter Zeit, dachte er und überging ihren Scherz kommentarlos. Das Konzept von Humor war zumindest auf dieser Ebene noch nicht bis zu ihm durchgedrungen und so entlockte es ihm nur ein müdes Lächeln. Als er schließlich nackt war und man seinen gestählten Körper im gleißenden Sonnenlicht betrachten konnte, beobachtete er einen Moment lang die junge Frau, wie sie ihre geschundenen Hände im Wasser kühlte. Sie hatte das wirklich für ihn getan und Riân war wirklich dankbar, auch wenn er das nicht so offen zeigen konnte.
Auf wackeligen Beinen schickte sich der Krieger an, an Noro vorbei ins Wasser zu gehen. Sie hatte nicht gelogen, es war wirklich kalt. Aber das war genau das, was er jetzt brauchte. Mit einem Prusten tauchte Riân unter und versuchte so gut wie möglich den verwundeten Arm aus dem Wasser zu halten. Als er wieder auftauchte, blickte er wieder zu ihr. "Ich hoffe wir können in zwei Tagen von hier aufbrechen. Kommst .... kommst du ins... Wasser?", fragte der Krieger etwas unbeholfen und kam sich sogleich vor, wie ein totaler Vollidiot. Das Wasser war nicht tief und er konnte locker stehen, aber es war tief genug, als dass das kalte Nass viel Gewicht von seinen Beinen nahm. "Es ist ...angenehm kühl."