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Das Leben ist ein langer und steiniger Fluss.

Lebensader des dürren Landes.
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Nanami
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Alter: 19
Rasse: Lyr
Heimat: Bucht von Nibýn
Waffen: Dolch aus Walknochen
Inventar: Muschelkette ihrer Schwester, 2LWasserschlauch.

Re: Das Leben ist ein langer und steiniger Fluss.

Beitrag von Nanami » Do, 10. Jan 2013 14:27

Nanami quiekte überrascht und leicht verängstigt auf, als der große unbekannte Mann sie mirnichtsdirnichts hochhob und zum Wasser trug. Damit hatte sie wirklich nicht gerechnet! Doch sie wehrte sich nicht sondern war sehr erleichtert, als sie ins Wasser getragen wurde. Das Wasser war angenehm kühl auf ihrer Wunde und sie hatte das Gefühl, dass es ihr gleich viel besser ging - auch wenn ihr nun langsam etwas kalt wurde, und sie leicht zitterte. "Re..Redu. Gut..", flüsterte sie und blickte von ihrer Position, im Wasser sitzend, zu ihm auf und versuchte ihn zumindestens dankbar anzulächeln. Vielleicht waren ja nicht alle Menschen so engstirnig, wie sie befürchtet hatte. Oder es war einfach ihr Fieber das sie pessimistisch werden ließ. "D..danke." Sie schluckte. "Geld..", sie dachte einen Moment nach und schaute zu ihrer Tasche, die immer noch am Ufer lag. Nein - Geld hatte sie definitiv nicht mitgenommen. Das, was die Menschen für ihren Handel brauchten, war in der Bucht von Nibýn wertlos. "Ge..hen auch Mu-Muscheln?", fragte sie mit zittriger Stimme. Vielleicht konnte sie eine Haarspange oder zwei eintauschen.. "Verbände..nicht..Dafür Algen. Glaube ich.. dahinten.", sie hob eine Hand und deutete schwach in Richtung der kleinen naturfarbenen Tasche aus Seetang, die neben dem zweiten Fremden am Ufer lag. "..in meiner Tasche, vielleicht..", Nanami spürte, wie sie immer schwächer wurde und zwang sich dazu, wach zu bleiben und nicht wegzudämmern. Wenn sie Hilfe wollte, musste sie wach bleiben und durfte nicht einschlafen oder dergleichen - wer weiß, auf was für Gedanken die Menschen dann kommen würden. Womöglich auf gar keine, und sie würden sie einfach liegen lassen. Zudem fing ihre Wunde im Wasser wieder an zu bluten.. Als Redu ihr vorschlug, doch zu einem Heiler zu gehen um ihre Wunde dort untersuchen zu lassen, musste sie ihren ganzen Mut aufbringen um zu verneinen. So weit würde sie sich doch nie alleine in eine von Menschen besetzte Landmasse wagen! Auf ihre Frage hin, ob Redu sie eventuell begleiten könnte, bekam sie keine eindeutige Antwort - vielleicht hatte sie die Frage aber auch einfach nur so leise gestellt, dass er sie überhört hatte.
"Ich.. gehe dann wohl besser.", hauchste sie und sah Redu indirekt fragend an. Dieser zog die Augenbrauen hoch und schien sich zu wundern. Menschen waren schon komisch - natürlich ging sie besser, als ihm zur Last zu fallen! Da er ihr wohl nicht helfen konnte, war es die einzige akzeptable Lösung. Sie riss sich zu einem gequälten Lächeln zusammen und schob sich weiter ins Wasser. Die beiden Männer blickten ihr etwas fragend nach, unternahmen aber nichts, sondern schienen sie nur mit Blicken zu durchboren - so kam es der jungen Lyr zumindestens vor. Sie winkte ihnen noch ein letztes Mal zu, um dann mit einem eleganten Schwung im Wasser zu verschwinden. Ihre Wunde pochte zwar immer noch unangenehm, aber zumindestens wurde sie inzwischen vom Wasser gekühlt, das Schwimmen war überhaupt eine Wohltat, im Gegensatz zum anstrengenden gehen.
Eine gute Weile später, die Sonne war inzwischen gänzlich untergegangen, hielt Nanami an ohne sich Sorgen zu machen beobachtet zu werden. Sie ließ sich von der Strömung treiben und dachte nach - wohin sollte sie nun gehen? Nach Demera traute sie sich nicht mehr, und überhaupt, wieso sollte Kumiko eine Stadt gegen den Strom aufgesucht haben?! Sie hätte gleich nach Rômachar gehen sollen, und dort anfangen zu suchen.. Vielleicht konnte sie dabei kurz noch zu Hause vorbei.. Nanami versuchte den Gedanken gleich wieder zu verwerfen, denn er war schwach und von Heimweh gesteuert - zudem würden ihre Eltern sie beim Anblick ihrer Wunde schwerlich wieder gehen lassen. Andererseits wäre es stur, in unmittelbarer Nähe von den Vertrauten auf Nahrung und Heilung zu verzichten, oder?
Ihre Gedanken beschäftigten sie noch eine Weile - auch, als sie sich in einer winzigen Bucht am Großen Strom zusammenrollte und die Nacht verbrachte - viel Schlaf bekam sie dank ständiger Beklemmung sowieso nicht - und am nächsten Tag weiterschwamm. Gegen Abend erreichte sie zu Tode erschöpft Ea - und damit endlich wieder salziges Wasser! Das brannte zwar unangenehm auf der Wunde, hatte aber auch eine göttlich-heilende Wirkung, wie Nanami wusste. Bestärkt durch die ihr endlich wieder vertraut vorkommenden Gefilde (auch wenn 'vertraut' hier ein weit gefasster Begriff war) schwamm sie noch ein kleines Stück weiter, ehe sie rastete nur um einige Stunden schlafloser Unruhe weiterzuschwimmen und gegen Ende des nächsten Tages - der Mondschönen sei geprisen - in wirklich vertrautes Gebiet, die Bucht der Lyr, zu kommen. Dort, entegegen schlechten Gewissens, kehrte sie auch wirklich zu Hause ein um ihrer überraschten Familie bedrückt zu erzählen, was sie erreicht - oder vielmehr nicht geschafft - hatte.
Erstaunlicherweise setzten sich ihre älteren Schwestern Nirja und Saaki dafür ein, dass Nanami zumindestens noch die Chance bekommen sollte, nach Rômachar zu gehen um dort nach ihrer geliebten Schwester Kumiko zu suchen. Jaskar, Nanamis Cousin (in lyrischen Verhältnissen ihr Katarun) würde sie dahin begleiten, sobald ihre Wunde besser verheilt wäre - was sich nur noch um Tage handeln konnte. Fast, als hätte die Mondschöne Valdysea selbst ermöglicht, Nanami eine zweite Chance zu geben. Dieses Mal würde sie sie nutzen.

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