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Ein hitziges Gemüt zu viel

Lebensader des dürren Landes.
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Siyyin
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Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » Fr, 01. Feb 2013 23:20

Dieser Tag begann eindeutig schlechter als der vorherige. Vielleicht begann er sogar schlechter, als der letzte geendet hatte. Schon als sie heute Morgen in den Gastraum hinunter gekommen war, um gemütlich zu frühstücken, war ihr der Gesichtsausdruck ihres Vaters aufgefallen. Freundlich ja, aber irgendwie auch verlegen und unwohl. Kein Wunder, wenn man bedachte, was er ihr gesagt hatte.. für was er sie beauftragt hatte. War sie so eine schlechte Verkäuferin? Stand sie nur im Weg? Oder wieso sollte gerade sie den halben Tag auf ihrer üblichen Reiseroute zurück reiten, um dort vergessene Besitztümer wiederzubeschaffen? Weil sie am gestrigen Abend nicht so viel getrunken hatte, dass ihr der Kopf bei jedem Wimpernschlag weh tat und schwindelte? Noch jetzt, Stunden später, fluchte Siyyin über diese ganze Sache. Sie hatte Pferde verkaufen wollen, handeln wollen. Und nun musste sie Dienstbotin spielen.

Sie konnte ja nicht ahnen, dass ihr Vater sie damit nicht nur ärgern wollte. Stattdessen ahnte er, dass die abendliche Begegnung zwischen seiner Tochter und dem Beraij nicht gut ausgegangen war, sodass er ihr Zeit geben wollte, um einen klaren Kopf zu bekommen. Natürlich war es auch praktisch, wenn seine Tochter, frustriert über einen Mann, nicht unbedingt sofort die Verkaufsgespräche führte.. aber dennoch überwog doch der gutmütige Gedanke hinter dem Ganzen. Ganz abgesehen davon, dass Jemin, der Besitzer des in einigen Kilometern Entfernung liegen gelassenen Hab und Guts, tatsächlich nicht fähig war, sich nach der gestrigen Nacht selbst auf den Weg zu machen.

Sicheren Schritts galoppierte Nabraere über den heißen Wüstensand und trug Siyyin sicher über die Dünen. Sie hatte ihrer geliebten Stute schon mehrere Pausen gegönnt. Jetzt war es nicht mehr weit bis zu dem Gasthaus, in dem sie sehr oft über Nacht blieben, bevor sie die restliche Strecke nach Demera gemütlich in der Karawane zurück legten. Die Sonne hatte den Zenit schon überschritten und senkte sich nun gen Horizont. In einigen Stunden würde der Abend heran brechen.

Tatsächlich hatte der lange Ritt Siyyin beruhigt.. so lange jedenfalls, bis sie sich die morgendliche Szene oder den Grund für ihre Kurzreise erneut ins Gedächtnis rufen würde. Und tatsächlich war sie froh, Demera für einen Tag den Rücken zuzukehren, denn auf ein erneutes Treffen mit Cem konnte sie heute gut verzichten.

Als das Gasthaus endlich in Sicht kam, hatte sich die Ruhe der Wüste auf sie übertragen und das innere Feuer schwieg einmal. Trotz des längeren Ritts stieg sie elegant und in einer fließenden Bewegung von Nabraeres Rücken. Sie schenkte dem Knecht, der sogleich um die Ecke gebogen kam und eine Heugabel an die Stallwand lehnte, ein freundliches Gesicht und grüßendes Nicken. Er sollte sich um ihr Pferd kümmern und das war ihr so wichtig, dass sie sich Mühe gab, freundlich aufzutreten, auch wenn es ihr nicht gefiel, erneut in so kurzer Zeit hier zu sein. "Kümmere dich um mein Pferd und versorge es. Bitte." Letzteres kam mehr gemurmelt als mit freundlicher Aufrichtigkeit über ihre Lippen, eine Münze unterstrich jedoch ihre Bitte. Bevor sie ihre Stute dem jungen Mann überließ, griff sie noch nach einem ledernen Beutel, in dem sich Wasser, das restliche Proviant und Kleidung für den morgigen Tag befanden.

Bevor sie das Gasthaus jedoch betrat, klopfte sie sich zuerst den Sand von der Kleidung und benutzte ihre Finger wie einen Kamm, um ihre langen Haare zu richten und zu glätten, soweit das auf diese Art möglich war. Außerdem hatte sie ihren sandfarbenen Umhang abgenommen, den sie in der Wüste trug und dessen Kapuze sie stets vor sandigen Böen beschützte, und über ihren Arm gelegt. Als sie den Schankraum betrat, den Beutel geschultert, schlug ihr eine angenehme Kühle entgegen, die sie für die zurück liegende Mittagshitze entschädigte. Bevor sie fünf Schritte in den Raum hinein treten konnte, wurde auch schon die Wirtin des Hauses auf sie aufmerksam: "Herrin al-Anurahi! Wie schön es ist, Euch wieder zu sehen. Ihr kommt bestimmt wegen den Sachen Eures Begleiters. Ich hatte schon überlegt Aabid zu schicken, um Euch zu folgen. Aber dann wusste ich nicht..."
"Schon gut." Siyyin hob die Hände, um die Frau und ihren Redeschwall zu beschwichtigen.. und schickte noch ein Lächeln hinter her. Wie so oft, fragte sie sich, was diese Frau zu ihrer umsichtigen und freundlichen Art bewegte. War sie einfach tatsächlich so oder ging es doch immer nur um ihren Gewinn? Sie behandelte sie und die ihren jedenfalls immer sehr zuvorkommend, wenn sie hier her kamen, was relativ häufig war und woraufhin sie immer einen etwas größeren Betrag hier ließen, um ihre recht große Gruppe zu versorgen. Siyyin fand diese überschwängliche Art der Wirtin schon etwas befremdlich. "Ja, ich bin wegen den Sachen hier und werde über Nacht bleiben. Ich hoffe, Eure Küche hat noch etwas für eine Reisende übrig?"
"Natürlich! Setzt Euch doch, setzt Euch. Ich bringe Euch kühles Wasser und die Empfehlung des Tages, wenn es Euch beliebt." Sie wartete noch die Zustimmung ihres elfischen Gastes ab, bevor sie mit hastigen Schritten in der Küche des Hauses verschwand.
Siyyin indes hatte sich schon herum gedreht. Die glutroten Augen schweiften durch den Raum, auf der Suche nach einem geeigneten Sitzplatz, und stellten fest, dass der Raum heillos überfüllt war.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Sa, 02. Feb 2013 1:31

Duiliath folgte dem Knecht nach draußen, wollte sich am Brunnen noch etwas erfrischen, als er strauchelnd gegen die weit geöffnete Stalltür torkelte. Der Knecht, von dem Geräusch irritiert, wandte sich nochmals um und erblickte das schweißnasse Gesicht des Drachenerben, sah wie dieser mit verkrampfter Hand sich an der Stallwand festhielt. Fragende Worten, unverständliche Worte, die Duiliath mit einem Kopfschütteln und infolgedessen einem neuen Schwindelanfall quittierte. Der Knecht, nachdenklich zu den, durch den Hut verdeckten, Hörner blickend, schien zu zögern. Doch dann schließlich, mit der Hand auf die das neuerworbene Silberstück beherbergende Brusttasche klopfend, nickte der Knecht sich bestätigend selbst zu, schritt dem Drachenerben entgegen und wiederholte nachdrücklich aber nicht unfreundlich einige Worte, die Duiliath wohl zum Folgen bewegen sollten. Dieser sträubte sich zwar schwach, doch fühlte er sich tatsächlich auch zugleich so beängstigend krank, selbst für seine ehedem schon schwache Konstitution, das er bald allen Widerstand aufgab.

War das, weil der Andere sich dermaßen drastisch zurückgezogen hatte und sein Drachen-Erbe darum nicht mehr in gewohntem Maße durch die dämonische Seite des Anderen ausgewogen wurde? Was auch immer es war. Kaum das der Knecht ihn durch die Tür des Gastraumes geschoben hatte, fühlte Duiliath sich plötzlich wieder seltsam belebt. Es war eine gute Entscheidung des Knechtes gewesen ihn hier hereinzudrängen. Der nun schob Duiliath zu einem einzelnen noch freien Platz. Die beiden weiteren dort sitzenden Männer blickten auf den, mit unsicherem Gang und vom Knecht gestützten neuen Gast. Als dieser saß und sich zuerst das schweißnasse Gesicht abwischte, erhoben sich beide. „Auch noch ein Bier?“ fragte der Eine, ein hagerer dunkelhaariger Mensch mit einer großen und krummen Nase. Der Zweite, ein Schönling dessen Nase in der Vergangenheit allerding mehrfach gebrochen worden zu sein schien, nickte nur. Beide nahmen ihre Jacken und sämtliche Habe mit und kehrten nicht mehr an den Tisch zurück.

Der Knecht indes, war längst zur Wirtin geschritten, die die ganze Szenerie bisher mit leicht hochgezogenen Augenbrauen beobachtet hatte. Nach einigen leisen, durch gelegentliche wispernde Erwiderungen der Wirtin unterbrochen, Worten verließ der Knecht den Gastraum wieder. Die Wirtin trat zu ihm, sprach ihn an. Sie war ein Mensch – er verstand sie nicht. Seufzend schloss Duiliath die Augen. „Es tut mir leid, ich verstehe eure Sprache nicht!“ Müde und schleppend kamen ihm die Worte nur über die Lippen. Indes, die Wirtin nickte einfach nur und – wiederholte ihre Frage in, zwar nicht gerade flüssigem, nichtsdestotrotz aber zumindest doch verständlichem Wüstenelfisch: „Ihr seid – krank?“ Erstaunt, ob der nur so gerade eben an seine Ohren dringenden leisen Worte, ruckte Duiliaths Kopf empor. „Ich, nein – es“ Nun erinnerte Duiliath auch wieder das Zögern des Knechtes und – begriff! „… ist nichts ansteckendes.“ Beendete er darum den Satz. „Euer … Erbe?“ Ihr Blick wanderte zu dem Strohhut, den der Drachenerbe auch hier drinnen nicht ablegte. Duiliath blickte der Frau für einen Moment mit rubinroten Augen in die Ihren, die sie erstaunlicherweise nicht abwandte.

Er entschloss sich, es mit Vertrauen zu versuchen und nickte darum schließlich. „Behalte den Hut auf, das Essen bringe ich dir gleich. Was brauchst du noch?“ Duiliath lächelte dankbar. „Decken, Wärme!“ Ob der Tatsache das Duiliath, seit sie zu ihm an den Tisch getreten war, sich mehrmals den Schweiß vom Gesicht hatte wischen müssen, schenkte die Wirtin ihm nur einen höchst zweifelnden Blick, nickte dann aber. „Für den Siklech, welchen Ihr meinem Knecht als Bezahlung gabt, biete ich Euch noch ein Zimmer für die Nacht und ein Bad an – wenn ihr mögt. Duiliath nickte und flüsterte einen leisen Dank. Nun wieder lauter orderte die Wirten von der am Tresen verbliebenen Magd Decken und Kissen für den neuen Gast, dazu ein gutes Essen aus der Küche – ob der Betonung des Wortes „gut“ blickte die Magd, sich vergewissernd, kurz auf und nickte darauf kaum merklich, ehe sie hastig in die Küche entschwand.

Als die Magd mit zwei Decken – dem Geruch nach aus dem Stall, aber dafür warm – und mehreren Kissen zurückkehrte, hatten die Gäste mehr oder minder unauffällig die Tische abgerückt, wagten aber – trotz mehrfach vernehmlichen Murrens – scheinbar nicht, die Entscheidung der Wirtsfrau in Frage zu stellen. Dann kam das Essen: Frisches Brot, dazu ein in Butter gebratener Fisch nebst Pilzen, ein tönerner Krug mit überraschend kühler Milch, welche Duiliath als erstes begierig trank. Alles in allem war es ein üppiges aber bewältigbares Mahl, dem der Drachenerbe sich in aller Gemütsruhe widmete. Dick in die Decken gewickelt, nach der ihm helfenden Wärme lechzend ging es ihm indes mit jeder Minute schlechter, zog die Schwäche tiefer ihm in die Glieder. Das eine Wüstenelfe den Raum betrat bemerkte er ebenso wenig wie deren überschwängliche Begrüßung durch die Wirtin, noch etwa ihren augenscheinlich auf der Suche nach noch einem freien Platz den Gastraum durchwandernden Blick, welcher unweigerlich an der größten noch freien Fläche – seinem Tisch – wohl würde zur Ruhe kommen müssen.
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » Sa, 02. Feb 2013 11:34

Siyyin hätte nun viel lieber in Ruhe an einem einzelnen Tisch gegessen und sich dort ausgeruht. Alleine. Doch die anderen Gäste machten es ihr nicht sehr leicht, denn an einen freien Tisch war in diesem Gedränge kaum zu denken. Immerhin waren nicht alle Plätze belegt, wie die Wüstenelfe schnell erkannte, als ihr Blick an einem Tisch mit einem einzigen Gast hängen blieb. Etwas skeptisch hob sie die Augenbraue und zögerte einen Moment. Die schlanke Gestalt mit dem Strohhut saß vermutlich nicht ohne Grund alleine an diesem Tisch. Andererseits blieb Siyyin wohl nichts anderes übrig, als sich dazu zu gesellen. Vielleicht war es nur Zufall und der Mann ebenso wie sie nur auf der Suche nach einem einzelnen Platz gewesen. Das würde ihr wiederum gelegen kommen.
Daher zögerte Siyyin nicht länger, sondern bewegte sich auf den vereinzelten Gast zu und ließ sich ohne Nachfrage auf dem freien Platz ihm schräg gegenüber nieder. Dieser war zufällig auch der, der noch am weitesten von der in Decken gehüllten Gestalt weg lag. Der Geruch von Stall ließ sie die Nase rümpfen, während sie dem Jungen, wie sie nun zu erkennen glaubte, einen prüfenden Blick zuwarf. So froh sie um die Kühle hier drin war, so wenig schien ihm diese zu gefallen. Was ihr danach auffiel, war die bedeutungsvolle Farbe seiner Haare. War er ein.. Drachenerbe? Nun, es ging sie eigentlich nichts an. "Jonlai zum Gruße", sprach sie ihn dennoch an, in Wüstenelfisch und mit einer Spur Hoffnung, er möge den Kopf und Blick heben, damit sie Gewissheit bekäme. Doch es war nichts, das sie ängstigen würde oder ein Wissen, das ihm ihretwegen schaden würde. Sie kannte Drachenerben und ihr war auch bekannt, dass sie andernorts misstrauisch bedacht und verfolgt wurden - auch wenn sie das Ausmaß dessen kaum greifen konnte. Für sie waren die Erben der Drachen fast so natürlich wie ihr eigenes Volk. Etwas befremdlich, ja, aber doch nichts Gruseliges oder Beängstigendes.

Während sie den Fremden nur kurz bei ihrem Gruß mit einem Blick bedacht hatte, suchte dieser nun andere Beschäftigung. Es war nicht ihre Art, aufdringlich zu sein. Andererseits würde sie den Moment, in dem er ihren Gruß erwiderte, nutzen, um ihn erneut und genauer zu betrachten. Derweil wartete sie jedoch auf ihr Essen, das ihr nach wenigen Minuten auch schon gebracht wurde. Der köstliche Geruch überdeckte sogleich den Geruch nach Pferdemist und ließ sie die Unannehmlichkeit vergessen. Mit dem Duft des Essens, der ihr in die Nase strömte, meldete sich auch ihr Hunger und drängte sich in den Vordergrund. Daher widmete sie sich erst einmal dem Essen, das dem des Fremden glich. Die Mahlzeit war genau nach Siyyins Geschmack und geeignet, um ihren Hunger zu stillen, ebenso wie das kühle Wasser ihren Durst zu stillen vermochte.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Sa, 02. Feb 2013 15:39

So schlecht es ihm körperlich auch ging, genoss der Drachenerbe in ihm doch den Aufenthalt hier drinnen. Der Andere schien so weit fort, das selbst die geballte emotionale Ablehnung die ihm von den anderen Gästen entgegenbrandete einfach nur wie ein erfrischendes Labsal vorkam. Keine innere Wut oder Ablehnung war da, Kein Groll, kein noch so brennendes Verlangen nach Genugtuung. Ja selbst als einer der Gäste sich zu ihm an den Tisch setzte und er wie von einem hitzigen Fieber geplagt mit dem Essen hatte innehalten müssen, seine Hände zu walken bis diese nicht mehr unkontrolliert zitterten und besagter Gast, ob des merklichen Stallgeruches an diesem Tisch die Nase merklich rümpfte, selbst da schwieg der Andere, blieb ehern stumm. Doch keine Ablehnung war es, die Duiliath nun zu spüren schien, keine Freude auf einen anstehenden „guten Spaß“ war es das er von dem neuen Tischgesellen zu spüren glaubte. Vielmehr… Erstaunen, Neugierde? Nun, wie das Kuriosum fahrender Leute welches für bare Münze dem staunenden, wie oftmals naivem, Publikum von der Bühne herab präsentierten was es doch eigentlich nicht geben konnte, nicht geben durfte, angestiert zu werden war vielleicht auch nicht besser als der zuerst von ihm befürchtete anstehende „große Spaß“. Aber wieder schwieg der Andere.

War das, wie die anderen Drachenerben die Welt erlebten? Staunend wie schwach, aber dafür so unendlich frei? Hieße das nicht aber auch das reine Dämonen dann nichts anderes widerspiegelten als den gerade so wenig vermissten alles verzehrenden Groll und die so sehnlichst vermisste Freude an elementarer, brachialer und unbezwingbarer… Macht? Wie aber mochten sich dann jene Menschen wohl fühlen, die nichts von alledem je erführen? Wie klein und verloren mochten sie sich fühlen, aber auch wie frei von all diesen Zwängen die ihn, Duiliath tagtäglich umtr-… "Jonlai zum Gruße". Duiliaths halb auf dem Weg zum vermutlich aber eh längst leeren Milchkrug verharrte inmitten der Bewegung. Selbst das merkliche Zittern war aus derselben gewichen, als Duiliath aufblickte und… Augen, rot wie die seinen, aber älter, weiser, ruhiger! Das elfische Gesicht, die Kleidung… Angestrengt versuchte er den fiebrigen wie unsteten Blick auf die Frau vor sich zu konzentrieren, wischte sich mit dem umgekrempelten Ärmel des edlen aber ihm etwas zu großen Hemdes erneut den Schweiß aus dem Gesicht und den Augen und… Ja, eine Wüstenelfe, obgleich der Klang ihrer Worte ihn vermuten ließ, das sie nicht direkt aus Aysibrir stammte. Er rang sich zu einem Lächeln durch und deutete, zu schwach zum Aufstehen, nur durch ein leichtes Verbeugen des Oberkörpers einen respektvollen Gruß an. „Duiliath!“

Es schien, als wolle der Drachenerbe noch etwas erwidern, doch augenscheinlich ließ seine Schwäche das nicht zu! Also schwieg er. Als die Wirtin indes kam, der Wüstenelfe ihr Mahl zu bringen, blieb diese anschließend mit gerunzelter Stirn und zusammengezogenen Augenbrauen vor Duiliath stehen. Resolut beugte sie sich vor und legte dem Jungen die Hand auf die Stirn, der ob dieser unerwarteten Annäherung regelrecht zusammenzuckte! „Ihr, ihr – glüht ja regelrecht!“ Einen zaghaften Protest Duiliaths ignorierend, riss sie ihm die beiden Decken fort. „Von wegen Wärme, ihr seht elender aus, als noch beim Eintreten. Unbehaglich ob der Szene zog er sich fröstelnd tiefer in den Winkel da er saß zurück. Schweißnass klebte ihm das Hemd am Leib und auch wenn er so wohl nicht schlimmer roch, als mit der Pferdedecke… „Entschuldigung, ich…“ Doch war auch schon die Wirtin wieder zurück. Du bleibst schön sitzen junger Mann, oder willst du das ich mir anhören muss dem Hitzschlag erlegene arme Gäste unversorgt in meinem Gasthaus hab krepieren zu lassen?“ Diese Worte waren laut genug an den Anderen Tischen für Ruhe zu sorgen und tatsächlich entspannten sich auch etliche der Sitznachbarn. "Hitzschlag, ach so – na dann…" Mit einer bemerkenswerten Entschlossenheit drückte sie den Drachenerben wieder auf seinen Stuhl.

„Verzeiht Herrin al-Anurahi, aber bis dem Herren sein geordertes kaltes Bad – ja, kalt!“ unterband sie den ob der angekündigten Badetemperatur erneut aufbegehren wollenden Protest des Drachenerben noch im Keim. „… eingelassen ist, muss ich darauf bestehen ihn hier im Blick zu behalten ehe er im Fieberwahn noch ins Feuer geht, weil es ihm nicht warm genug ist.“ Duiliath, der erkannte das mit der Wirtin gerade nicht zu diskutieren war, ließ sie seine wie immer barfüßigen Beine nunmehr widerstandslos in den Eimer heben und tatsächlich verschwand der dumpf pochende Schmerz beinahe augenblicklich, strömte eine unbeschreibliche Lebendigkeit ihm wieder durch die Glieder. „Wenn ihr wünscht...“, mit diesen Worten wandte sie sich erneut der Wüstenelfin zu, ihm derweil einen Lappen, gleichfalls mit kaltem Wasser genässt und ... etwas Anderem, Kühle und Frische verheißendem darin zu reichen. „… kann ich euch aber selbstverständlich auch an einen anderen Tisch einen Platz frei machen?“ Dann mit einem erneuten Blick zu dem sich das Tuch nach wie vor an die Nase haltendem Duiliath gewandt schnappte sie: „Und nein, ich werde mir auch nicht nachsagen lassen Gäste meines Hauses zu vergiften! Das ist nur…“ Doch an dieser Stelle blickte Duiliath erneut auf, der Blick wieder klar und das Zittern aus den Gliedern gebannt. „Kampfer!“ Erstaunt nickte die Wirtin. „Es dient unter anderem –“, doch wieder unterbrach Duiliath sie. „zur Kühlung und zum Anregen der Nerven, ja!“ ...

Und zum ersten Mal seit dem heutigen Erwachen zeigte sich wieder ein spitzbübisches Grinsen auf den Zügen des mit jedem Augenblick sich merklicher erholenden Drachenerbens: Konnte also selbst diese resolute Frau aus der Fassung gebracht werden. – Auch wenn es dafür eines scheinbar kaum älter den 15 Jahre zählenden ausgemergelten Jungens wohl bedurfte, welcher eher seltene Düfte nicht nur problemlos zu erkennen, sondern gar auch noch deren medizinischen Wirkungen zum Besten zu geben vermochte. „Danke!“ sprach Duiliath und schenkte der Wirtin ein aufrichtiges Lächeln. „Jaja, schon gut.“ erwiderte diese darauf nachdenklich, und „Ich lasse Dir Bescheid geben wenn der Zuber voll ist. Wenn Ihr entschuldigt, Herrin al-Anurahi!“ Scheinbar das Angebot vergessen habend, das sie der Elfin unterbreitet hatte – also ihr, so erwünscht, einen Platz an einem der anderen Tische freizuräumen, entschwand die Wirtin darauf kopfschüttelnd, wie immer wieder zurückblicken hinter den Tresen, sich ihren anderen Aufgaben erneut zu widmen.
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » Mo, 04. Feb 2013 11:29

Tatsächlich. Die Farbe seiner Augen glich der ihren, und doch waren da noch die roten Haare, die unter dem Hut hervor schauten und nicht ganz verborgen werden konnte. Ein kurzes Lächeln formten die Lippen der Wüstenelfe neu. Keines voll Häme oder Herablassung. Eher eine stille Bestätigung ihrer Vermutung. Und auch die Zweite schien sich zu bestätigen. Der Junge - wie sie nun erkannte, als er den Kopf hob, denn er konnte nicht älter als 16 Jahre alt sein -, schien wirklich krank zu sein. Kein Wunder also, dass die anderen Reisenden von ihm abgerückt waren. Wer wusste schon, was für eine Krankheit und welches Fieber gar, wie sie an dem schweißnassen Gesicht zu erkennen glaubte, ihn quälte. Der Junge sah tatsächlich nicht gut aus. Selbst seine Augen schienen zu glühen und seine Haut war kränklich blass. "Duiliath. Ist das dein Name?", wiederholte sie seinen fremd klingenden Namen und stellte sich dann ebenfalls vor: "Yára Siyyin." Auch wenn sie sich nicht sicher war, ob der Bursche sich überhaupt auf sie und ihre Worte zu konzentrieren vermochte, so unstet seine roten Augen sich bewegten.

Während der erste Happen in ihrem Mund verschwand, beobachtete sie die Wirtin, die sich um den Jungen kümmerte, wie um all ihre Gäste, als wäre jeder Einzelne von ihnen ihr Schützling. Als sie ihm die Decke wegriss, konnte Siyyin einen Blick auf seinen schlanken, wenn nicht sogar ausgemergelten Körper werfen. Er zitterte und schien von Fieberschüben geplagt zu werden. Unweigerlich fragte sie sich, was ihm wohl zugestoßen war und wie er wohl lebte. Vielleicht lag es nur daran, dass er saß, aber er kam ihr überraschend klein und ausgezehrt vor. Das ließ sie im ersten Moment an kein erfülltes Leben denken, in dem man alles Notwendige besaß, um ein gutes und anständiges, wenn auch kein luxuriöses Leben zu führen.

Siyyin hatte den Blick wieder von dem Jungen abgewandt und war eben dabei, einen weiteren Bissen des würzigen Fisches zu sich zu nehmen, als die Wirtin sie ansprach. Fragend sah sie zu der Frau auf, dann zu dem kranken Duiliath und wieder zurück, während sich ihre Miene nicht unbedingt ins Positive und Freundliche wandelte. Was sollte sie zu der Bitte sagen? Sie eiskalt abschlagen, sich von dem Jungen wegsetzen und ihn nicht weiter beachten? Diese Möglichkeit wirkte im ersten Moment ziemlich verlockend. Die Wüstenelfe öffnete den Mund, war sich aber noch nicht sicher, was sie sagen würde – sollte sie zustimmen, Duiliath im Auge zu behalten, oder doch lieber das bequemere Angebot eines anderen Platzes annehmen. Doch ehe sie überhaupt zu einer Erwiderung kam, beschäftigte sich die Wirtin wieder mit ihrem Schützling und war dann auch schon wieder verschwunden, ihr Angebot an Siyyin wohl vergessen habend.

Die Wüstenelfe seufzte geschlagen. Sie konnte diesen Jungen, dessen Grinsen sie noch am meisten überraschte, im Gegensatz zu seinem Kräuterwissen, nun doch nicht einfach sich selbst überlassen. Sie warf ihm noch einen prüfenden Blick zu, ehe sie sich wieder hauptsächlich ihrem Essen widmete, aber immer wieder einen Blick auf dem fremden Jungen warf. "Nun.." Das Schweigen zwischen ihnen fühlte sich seltsam an und wurde ihr immer unangenehmer, so dass sie sich dazu gedrängt fühlte, irgendetwas zu sagen. "Wo kommst du her?" Sie hatte ihn noch nie gesehen und vermutete deshalb, dass er nicht aus Aysibrir stammte. Aber er beherrschte die Sprache ihres Volkes, weshalb sie annahm, dass die Wüste schon seine Heimat war und er irgendwie in Kontakt mit Wüstenelfen gekommen sein musste. In Aysibrir jedoch wäre er ihr sicherlich schon des Öfteren aufgefallen. Denn unauffällig war der Junge nicht gerade. Schon allein wegen den Drachenerbenmerkmalen, wegen denen sie sich wohl auch so für ihn interessierte. Trotzdem kam sie nicht darum herum, sich um ihr eigenes Wohl Gedanken zu machen und fragte daher weiter: "Hast du dieses Fieber schon lange?"

Zu seinem Glück wusste sie nichts von der Seuche, die zurzeit in Avrabêth herrschte. Sonst hätte sie sicher keine Minute länger gezögert, um sich, der ihr aufgebürdeten Verantwortung für den Kranken zum Trotz, einen anderen Platz zu suchen. Dennoch konnte man ja nie wissen, an was für einem Fieber jemand Fremdes litt und ob es nicht doch nur mehr war, als eine natürliche und nicht lang andauernde Erkrankung. Ein weiterer prüfender Blick der Elfe traf den Jungen. Ob er überhaupt genug bei Sinnen war, um ihre Fragen mitzubekommen und darauf zu antworten? Andererseits wusste Siyyin die Zeit nicht anders zu überbrücken, bis die Wirtin wiederkam, die zu wissen schien, was gemacht werden musste. Es war nicht Siyyins Art, die Stirn eines Fremden zu fühlen und ihn mit mütterlicher Sorge zu umsorgen. Sie wusste nicht, was genau es war, aber es hielt sie mehr als die übliche und ihr zu eigene Distanz davon ab, den Jungen sofort in Herz und Arme zu schließen. 

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Mi, 06. Feb 2013 20:00

"Duiliath. Ist das dein Name?" Auf die nicht überschwänglich herzliche, aber erfreulicherweise auch nicht von Ablehnung getragene Frage reagierte Duiliath, von der dort noch beständig zunehmenden Schwäche gezeichnet, nur mit einem leichten Kopfnicken. Den sich darauf zusammenpressenden Lippen, sowie den sich kurzzeitig verkrampft schließenden Augenliedern nach zu urteilen, war diese Kopfbewegung keine gute Idee gewesen. Dann war das resolute aber, wie Duiliath mit jedem verstreichenden Augenblick deutlicher erkannte, durchweg richtige Handeln der Wirtin es gewesen, welches seine gesamte verbleibende Aufmerksamkeit vereinnahmt hatte. Das die Tischnachbarin etwas auf seine Worte erwidert hatte entging ihm zwar nicht, doch was diese gesagt hatte, geschweige denn das er es sich etwa hätte gar merken können – es war ein Ding der Unmöglichkeit. In einer plötzlichen Sorge schwelgend, dass der Andere aus unerfindlichen Gründen etwa dem Tod gerade entgegen streben mochte, eben darum so ehern schwieg und auch er, Duiliath eben darum so ungewohnt gerade doch reagierte, vergaß er die Anwesenheit der Frau nahebei beinahe.

Nun.." – Aufgeschreckt, blickte Duiliath auf. Wie sehr es sich doch gerade nach dem eben noch gefürchteten kalten Bad sehnte, ja mehr noch danach in seiner dämonischen Gestalt am Ufer des nahen nächtlichen Stromes in dessen Fluten zu stürzen. "Wo kommst du her?" Wieder war es jene Stimme die ihn überhaupt erst ins hier und jetzt zurück rief. "Hast du dieses Fieber schon lange?" Gerade wollte er sich entschuldigen ihr nicht recht zugehört zu haben und fragen ob sie ihre letzten Worte vielleicht noch einmal wiederholen mochte, als: „Wenn der dämonische Anteil in einem Halbdämon stirbt, stirbt der Rest dann eigentlich mit ihm, oder…?“ Erschrocken schloss Duiliath den Mund wieder! Verdammt, er hatte doch nur fragen wollen was die Frau ihn gerade gefragt hatte! „Verzeiht, es muss das Fieber sein, ich glaube, ich rede schon wirr.“ Halb galten diese Worte ihr, halb ihm selbst zur Erklärung. Und dann beantwortete er eine ihrer Fragen doch noch, auch wenn er eher aus ihrer Körpersprache und der – war es Unruhe, heraus ableitete, das hier wohl noch ein gewisser Erklärungsbedarf doch bestand. „Ich denke, es ist nur mein Drachenerbe, also nichts an“, er musste gegen einen kurzen Schwinden ankämpfen. „… nichts ansteckendes, denke ich.“

Die letzten Worte hatte der Drachenerbe so leise gewispert, das auch noch so bemühte Zuhörer es schwer haben dürften es zu vernehmen. „Auch“, an dieser Stelle wurden seine Worte wieder vernehmlicher. „Auch wenn mir Kälte eigentlich immer schadete, wo Wärme half.“ Sein Blick nun wieder klar, wenngleich er selbst nach wie vor einen beängstigend schwachen Eindruck doch erweckte, richtete sich auf die Frau vor ihm. Er glaubte eine weitere ihrer Fragen gerade wieder zu erinnern. Wo er her stammte hatte sie wissen wollen. Seine Schultern strafften sich, und er blickte sie direkt an. „Ich“, er zögerte – lauschte in sich hinein und begann erneut, wispernd und leicht vorgebeugt: „Ich wuchs nahe Aysibrir auf, in der Wüste. Sie haben mich aufgenommen weil ich ein Drachenerbe bin, aber ich bin auch“ – Ein kalter Glanz legte sich kurzzeitig über seine Augen, ehe er nach kurzem Zögern fortfuhr: „Ich wurde verbannt, das solltet Ihr wissen, weil ich mich als eine Gefahr für Andere erwies.“ Sie war eine Wüstenelfe, wenn er sich nicht irrte, darum wollte er sie nicht im Unklaren lassen. Und dennoch wagte er nicht in diesem Umfeld, ohne den Anderen an seiner Seite, seine dämonische Natur so ohne weiteres preiszugeben. „Aber das war bevor ich gestern Nacht von einem herabfallenden Stern albträumte und mich das Fieber wie selten zuvor befiel.“ Denn wahrlich, eine Gefahr für Andere war er »gegenwärtig« ganz sicher nicht! Konzentriert blickte Duiliath einen Augenblick auf den festgestampften Lehmboden ihm zu Füßen, seufzte dann und ließ sich erschöpft zurück sinken
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » So, 10. Feb 2013 19:37

Als Siyyin den Jungen hochschrecken sah, bereute sie schon, ein Gespräch begonnen zu haben. Wie es aussah, hatte sie eine Chance gehabt, das Ganze schweigend und mit vollem Magen hinter sich zu bringen. Leider war ihr dies nicht vorher aufgefallen und nun war es zu spät. Nichtsdestotrotz interessierte sie im Moment vor allem, wie lange er dieses Fieber schon besaß. Daher hielt sie in der Bewegung inne und hob den Becher mit Wasser an ihre Lippen, während sie auf eine Antwort von Duiliath wartete, zu der er scheinbar ansetzte. „Wenn der dämonische Anteil in einem Halbdämon stirbt, stirbt der Rest dann eigentlich mit ihm, oder…?“ Erschrocken schnappte Siyyin nach Luft, verschluckte sich an dem Wasser, das sie eben trinken wollte, und stellte den Becher wieder ab. Hustend versuchte sie, ihre Fassung wieder zu erlangen, wobei ihr auch die Entschuldigung des Jungen nicht weiter half, mit denen er seine Worte dann einfach so abtun wollte, als hätte er nichts weiter gesagt. Auch die nächsten Worte hörte und verstand sie nur um Rande, während sich von diesem Zeitpunkt an doch nur noch alles um diesen einen Satz drehte.

Als der Husten endlich abschwächte und sie sich beruhigte hatte, betrachtete sie Duiliath mit aufgerissenen Augen und unverhohlenen Misstrauen. Sie wollte ihn auffordern, seine Worte zu wiederholen, aber sie wusste, dass sie sich nicht verhört hatte. So leicht würde er mit seiner Frage nicht davon kommen. Egal, wie sehr er davon ablenken wollte und egal, wie beruhigend es zu wissen war, dass das Fieber nur seinem Erbe zu verdanken war - wenn es denn stimmte. Doch Siyyin ließ sich nicht beirren. Sie beugte sich über den Tisch, die Arme verschränkt auf dem dunklen Holz liegend. "Soll das heißen, dass du.." Ihre Stimme war nur ein Flüstern, aber dadurch scheinbar umso schärfer, sodass ihre Worte die Luft zu schneiden mochten. Ihre Augen glühten förmlich, erpicht darauf, die Wahrheit zu erfahren. Ihr Blick war so fest, wie der Griff, als wenn sie ihn hier und jetzt am Kragen gepackt hätte. ".. ein Dämon bist?!" Es fiel ihr schwer, aber sie behielt das Flüstern bei, während dem Jungen die Worte zischend um die Ohren fliegen mussten. Ihre Nachfrage hatte niemand anderes genau verstanden. Dennoch blieb die Tonlage der Wüstenelfe und die plötzliche Spannung an ihrem Tisch den anderen Gästen nicht verborgen und neugierige Blicke wandten sich ihnen zu.

Auch seine anderen Worte schienen ihr Verdacht nur zu bestärken. Er war nicht nur eine Drachenerbe, sondern auch etwas anderes. Siyyin betrachtete ihn genauer, und immer noch verblieb der Argwohn in ihrem Blick und der gesamten Mine. Er wollte seine Gestalt nicht preisgeben, aber offensichtlich hatte er dafür die völlig falschen Worte gewählt. Die Wüstenelfe wusste nicht, was sie davon halten sollte. Etwas in ihr wartete darauf, dass sich der rothaarige Junge erhob, ihr lachend auf die Schulter klopfte wegen seinem gelungenen Scherz und ihren lächerlichen Gesichtsausdruck. Aber es kam nichts.
Siyyin war noch nie einem Dämon begegnet. Sie kannte sie aus Schauermärchen, aus gruseligen Geschichten oder finsteren Träumen, aber sie hatte noch nie einen in Wirklichkeit gesehen. Früher, als sie ungefähr 26 Jahre alt gewesen war, hatte Salérí sie nach einem ihrer magischen Fehlverhalten eine Feuerdämonin genannt. Das hatte sie damals sehr verletzt. Es war ein tiefer Schnitt ins Herz gewesen, der bis heute nicht vollständig verheilt war. Sie war keine Dämonin, kein grausames Wesen, das mutwillig Häuser in Brand steckte und Leben zerstörte! Und nun sollte sie solch einem Wesen gegenüber sitzen?

"Was hast du getan? Wieso hat man dich verbannt und von was für einer Gefahr sprichst du?" Ihre Stimme war noch immer leise, gefährlich leise gar. Im feurigen Blick der Elfe konnte Duiliath erkennen, dass sie ihn nicht so einfach davon erlösen würde, bis sie die Wahrheit kannte - und wusste, wie sie damit umgehen sollte.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » So, 10. Feb 2013 23:48

".. ein Dämon bist?!" – „Und wenn?“ Aggressiv und zischelnd entfuhr Duiliaths Lippen diese Erwiderung. Kalt funkelten seine Augen und einen Moment glaubte der Drachenerbe, tief in sich sich etwas regen zu spüren. Doch diesen Kampf würde er wohl noch alleine bestreiten müssen. Und nichtsdestotrotz stahl sich ein hartes Grinsen kurz über seine Züge. Der Andere war noch da, irgendwo, tief in seinem Inneren. Er musste nur lange genug am Leben bleiben, um… „ Tötet Ihr mich sonst?“, wisperte er, „ Hier und auf der Stelle? Weil ich bin was ich bin und wofür ich nichts kann? “ Er musste sich beruhigen und die Kälte die ihm beinahe physisch von der Wüstenelfe entgegenzuschlagen schien, half ihm sich zu beruhigen, zu fassen. Es brauchte eine geschlagene Ewigkeit ehe Duiliath diese beinahe physische spürbare eisige Briese den von der Wüstenelfe ihm entgegen wogenden Emotionen zuordnen konnte. Auch er, der Drachenerbe schien eine ihm unbegreifliche Wandlung zu erfahren. Ein Umstand, der ihm … Angst machte!

"Was hast du getan? Wieso hat man dich verbannt und von was für einer Gefahr sprichst du?" Duiliath lehnte sich zurück, nickte gedankenverloren, gönnte sich einen Schluck kalten Nasses aus dem Krug der Elfe, war die von ihm georderte Milch doch längst aufgetrunken. „Also gut.“ wisperte er leise und die Hände vor dem Mund faltend. „Aber ich verlange das Ihr mich anhört ehe ihr mich tötet!“ … ‘oder es zumindest versucht!’ War das der Andere, dessen Gedanken sich da leise gerade vernehmen ließen? Egal! „Bin ich ein Dämon? Ein Halbdämon bin ich, und stolz darauf!“ Herausfordernd schaute er der Elfe entgegen. Wenn sie erwartete das er sich dessen schämte, dann sollte sie diesen Irrtum möglichst bald erkennen. „Meine Mutter war eine Dämonin, mein Vater Drachenerbe und wie meine Mutter lasse ich kein Unrecht gegen mich ungesühnt, wie ich aber auch niemand Unschuldigem je willentlich Unrecht tat!“ Duiliath warte einen Moment ab, stets bereit einem seine Existenz enthüllenden Aufschrei oder einem direkten Angriff der Elfe gar begegnen zu können. Doch entweder Fassungslosigkeit oder tatsächliche Bereitschaft ihm bis zum Ende Zeit zu geben sich zu erklären hielten sie – noch – zurück.

„Was ich getan habe? Ich vermag die in mir tobenden Mächte nicht immer vollständig zu kontrollieren, darum“ – unter Anderem – „…lebte ich seit meinem sechsten Lebensjahr alleine in der Wüste, rings um Aysibrir, durfte ohne Aufsicht den Ort nicht mehr betreten. Was ich getan habe? Die Kontrolle verloren, der Magie ihren Willen gelassen und beinahe ein gleichaltriges Kind getötet – ABER“ Das letzte Wort kam laut ihm über die Lippen, doch zwang er sich erneut zum wispernden leisen, nur mühsam beherrschten Fortfahren. „Aber die Anderen sahen ein das es ein Fehler, ein Unfall war und erlaubten es auch fortan denjenigen ihrer Kindern in meinem Alter – unter Aufsicht – mich aufzusuchen. Erst als ich in das Alter kam, in dem auch ihr Elfen eure Grenzen gegenüber den Alten neu abzustecken versucht, kam es zu einem weiteren Zwischenfall. Und was das war geht euch NICHTS an!“ Irgendetwas an der Art wie Duiliath dieses „Nichts“ hervorstieß machte es unzweifelhaft klar, dass er sich darüber unter keinen Umständen darüber näher auslassen würde. „Wieder hätten Wüstenelfen wegen mir – beinahe – den Tod gefunden.“

Duiliath seufzte, nahm die vor dem Mund zusammengefalteten Hände herab und fuhr leise, müde und mit einem sanften Ton in der Stimme fort: „Ich verändere mich, wachse, werde stärker und jene die nicht von m- … nicht von eurem Volk sind können sich wohl beklagen das ich ‘böses’ an Einigen von ihnen verbrochen haben ja! Ich sage ‘Verdientes’, denn wie gesagt habe ich bis heute keiner unschuldigen Seele je Schaden zugefügt!“ Duiliath seufzte. „Ich bin nicht böse, aber ich verzeihe auch nicht leicht, und ich bin stark und ich kann die Magie in mir nicht immer kontrollieren. Das meinte ich mit gefährlich – gefährlich, nicht aber böse, und nun tut mit mir was Ihr für richtig haltet.“ … wärt Ihr doch nicht die Erste die mich einem räudigen Hund gleich verjagt oder – hier gedachte Duiliath kurzzeitig der Elfe Lianne und ihrer beständigen Weigerung die wüstenelfische Sprache ihm gegenüber zu gebrauchen – oder aber verspottetet.

Trotzig blickte er Siyyin entgegen. Das Fieber schien fort, der mit dem nassen Tuch fortgewischte Schweiß kehrte nicht wieder, ja selbst sein blasser Teint schien das zuvor andeutungsweise sichtbare kränkliche Grün eingebüßt zu haben. Wenn nur ihre Bereitschaft ihn zu Ende anzuhören, bisher von einer Reaktion abgehalten hatte mochte sie nun angreifen oder ihn auch öffentlich dessen denunzieren was er zu sein ihr gegenüber gerade eingestanden hatte. Er war noch alleine, ohne den Anderen an seiner Seite. Doch war sämtliche Schwäche von ihm gewichen. Wenn er aufmerksam und schnell reagierte mochte es ihm gelingen aus dem Gastraum und in die kalte Wüstennacht zu fliehen ehe sie ihn endgültig festgesetzt hätten…
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » Mo, 25. Feb 2013 22:18

Siyyin war überrascht über die Aggressivität, die ihre Worte in dem kranken Jungen auslösten, mehr aber noch um die Kraft, die noch tief in ihm zu schlummern schien. Andererseits war das nicht verwunderlich. Den Dämonen mochte man ihm nicht direkt ansehen, den Drachenerben jedoch schon. Ihrer Abstammung wegen kannte sie dieses Volk recht gut. Immerhin gut genug, dass ihr bewusst war, dass die Emotionen anderer sie zu stärken vermochte. Und dennoch war es Siyyin nicht möglich, die ihren zu verbergen oder zu kontrollieren. Ihr undurchdringlicher, beinahe funkensprühender Blick schien die Kälte, die ihr so plötzlich aus seinen Augen entgegen schlug, auszugleichen. Er bestritt ihre Worte nicht, vielmehr fühlte sich Siyyin bestätigt. Ob sie ihn töten würde, hier und jetzt? Nein, sicher nicht. Und das nicht, weil sie Mitleid für ihn empfand. Nicht für einen Dämon, mochte er auch noch so krank und jung wirken. Auch sie konnte nichts dafür, eine Elfe zu sein. Aber Elfen waren in ihren Augen auch nicht so gefährlich und unberechenbar wie Dämonen, über die sie schon einige Geschichten gehört hatte. Trotzdem fühlte sie sich nicht imstande, ihn zu töten. Es lag nicht in ihrer Natur und er war ein Dämon. Ihre Magie und anderen Fähigkeiten waren dieser Rasse sicher unterlegen. So viel Selbsteinschätzung besaß auch Siyyin, die gerne noch etwas von der Welt sehen wollte, bevor sie diese für immer verließ. Nichtsdestotrotz machte sie keinen Hehl aus ihrer Abscheu und all den anderen Gefühlen, die in ihr brodelten, in Anbetracht des Dämons, der ihr gegenüber saß. Seine Fragen ließ sie unbeantwortet. Ihre Mine blieb unverändert hart und ihr Blick hielt Duiliath weiterhin an Ort und Stelle. Ihr Schweigen und ihr Nichthandeln waren aber wohl zunächst Antwort genug.

Dass er sich an ihrem Wasser bediente, ließ sie einen Moment noch finsterer dreinblicken. Kaum, dass er den Krug abgesetzt hatte, legten sich Siyyins feingliedrige Finger darum, um ihren Besitz in Anspruch zu nehmen. Er war ein Dämon und diese Erkenntnis ließ sie jegliches Mitgefühl, falls es je existiert hatte, ersterben. Immer, wenn sie an eine Begegnung mit einem Dämon gedacht hatte, hatte sie dabei nie an ein erklärendes Gespräch wie dieses gedacht. Und Duiliath wollte tatsächlich auf ihre Fragen eingehen. Er wollte sie nicht angreifen und er wollte nicht flüchten - oder konnte er nur nicht? So oder so wollte er sich erst erklären.. bevor sie ihn tötete, ja? Ein gehässiges Schmunzeln zeigte sich, nur für zwei Sekunden, auf Siyyins Lippen. Sollte er ruhig denken, dass sie das vorhatte. Umso sicherer konnte sie sich wohl fühlen. Es hielt sie also weder das eine noch das andere davon ab, ihn aussprechen zu lassen – einzig ein Mittelweg, die Konfrontation mit einem Dämonen so glimpflich wie möglich zu überstehen. Wenn überhaupt, würde sie nur einem Meistermagier eine reelle Chance gegen einen Dämon einräumen.

Denn diesen Jungen schien sie gänzlich falsch eingeschätzt zu haben. Schüchtern, zurückhaltend, schwach. Stattdessen zeigte er Offensive, betonte seine Abstammung und seinen Stolz darüber. Siyyin erwiderte Duiliath' Blick. Sie war nicht wenig überrascht über diese Wandlung des kränklich scheinenden Rothaarigen, auch wenn sie versuchte, so wenig wie möglich davon nach außen zu zeigen und möglichst unbeeindruckt zu tun. Was ihr aber nur mehr oder weniger gut gelang. Immerhin schlich sich doch des Öfteren ein überraschendes Glitzern in ihren Blick, während er über sich erzählte - und ferner behauptete, niemals Unschuldigen etwas angetan zu haben. Etwas, das Siyyin kurz stutzen und misstrauisch darüber nachdenken ließ, klangen diese Worte doch so fremd, wenn ein Halbdämon sie aussprach. Und ob sie ihm dies glauben konnte, da war sie sich in diesem Moment aus denselben Gründen nicht sicher. Ihre Abscheu wandelte sich dennoch langsam und mit leichtem Widerwillen in Interesse, so sehr sie dieses Gespräch an sich auch irritierte.

Ebenso überrascht war sie von Duiliath' Ehrlichkeit. Die verlorene Kontrolle über seine Magie hatte ihn also nicht nur einmal selbst in Gefahr gebracht. Es ärgerte sie, dass sie glaubte – wenn auch nur teilweise – ihn etwas verstehen zu können. Immerhin hatte sie auch in ihrer Kindheit oft die Kontrolle über ihre Magie verloren. Das Leben anderer war dabei jedoch nie wirklich in Gefahr gewesen. Und natürlich war sie deshalb auch nicht ganz von der Gesellschaft ausgegrenzt oder gar verbannt worden. Und scheinbar gab es da noch mindestens einen Vorfall, über den er wohl kein weiteres Wort verlieren würde, das machte er sehr deutlich. Es wunderte sie, dass er sich überhaupt erklärt hatte und das in solch einer Ehrlichkeit. Insgesamt verhielt er sich so gänzlich anders als die Dämonen in ihrer Vorstellung. Zwar auch nicht unbedingt zurückhaltend, aber auch nicht ignorant und todbringend..

Nun war sie es, die von ihrem Wasser trank. Die rötlichen Augen ruhten weiterhin auf Duiliath, ohne Hast und nun mit etwas weniger Härte im Blick, wenn auch kein Mitgefühl aus ihren Augen abzulesen war. Etwas mehr Verständnis vielleicht, aber da war noch immer die Scheu und das Misstrauen vor seinem Wesen, das er so innig verteidigt hatte. Immerhin hatte er ihr in den letzten Minuten auch erzählt, dass schon so manche ihres eigenen Volkes wegen ihm fast ums Leben gekommen wären – ob mit Absicht oder nicht spielte für sie nur eine untergeordnete Rolle. Sich selbst hätte sie es nie verzeihen können, wenn ihre Magie anderen geschadet oder sie sogar umgebracht hätte. Dies war ihr in ihrer anfänglichen Magierzeit zum Glück erspart geblieben, bis sie das Feuer endlich unter Kontrolle hatte bringen können.

Gefährlich, nicht aber böse, und nun tut mit mir was Ihr für richtig haltet.
Bisher machte Siyyin nicht den Eindruck, als würde er angreifen oder fliehen müssen. Sie wirkte nicht sonderlich aggressiv noch nervös, auch wenn ihr der Schein letzteres einiges abverlangte. Trotzdem war sie eher gefasst, auch wenn sie im Grunde nicht wusste, wie sie mit all diesen Informationen und dem Auftreten Duiliath' umgehen sollte und es sie doch ein wenig überforderte. Er war ein Halbdämon, der die Gefahr, die von ihm ausging, nicht gerade verschleierte. Stattdessen schien er stolz auf seine Art. Andererseits betonte er, es nicht auf Unschuldige abgesehen zu haben. Was sollte sie davon halten und dazu sagen?
"Mhm." Überlegend musterte sie den Halbdämon mit dem Drachenerbe, ehe sie diejenige war, die sich in ihrem Stuhl zurück lehnte. "Töten werde ich dich wohl nicht", erwiderte sie dann, endgültig. Sie hatte sich eine Minute Zeit zum Nachdenken gegönnt, die Duiliath vielleicht länger vorkam oder ihm aber schon deutlich zeigte, dass sie sich weder wild auf ihn stürzen wollte noch würde. "Wie du - behauptest jedenfalls -, bin auch ich nicht gerade bekannt dafür, durch die Gegend zu ziehen und wahllos andere umzubringen." Siyyin lehnte sich wieder vor, um mit gesenkter Stimme mit ihm reden zu können. Ihrer Meinung nach befanden sie sich immer noch bei Themen, die andere nichts angingen.
"Ich muss zugeben, dass mich deine Ehrlichkeit überrascht.. und wohl auch jeden anderen den Wind aus möglichen Angriffen genommen hätte." So ruhig, wie Duiliath dort saß - zwar nicht friedlich, sondern angespannt, wie sie zu erkennen glaubte, aber immerhin nicht selbst in einer angreifenden Position -, konnte sie ihn doch schlecht hier und jetzt angreifen. Selbst, wenn sie über die notwendigen Fähigkeiten verfügt hätte. "Da ich nicht zu den Lebensmüden zähle, brauchst du keine Angst haben. Außerdem werde ich keinen Mob gegen einen Jungen aufhetzen. Auch wenn Du vermutlich älter bist, als du aussiehst.", murmelte sie die letzten Worte. Sie konnte noch immer nicht glauben, dass sie hier saß und mit einem Dämon plauderte. Dennoch war ihr dies lieber, als eine ernsthafte Auseinandersetzung mit eben jenem zu provozieren. Auch wenn es ein fest verwurzelter Wesenszug von ihr war, zu spöttischen und herausfordernden Worten war ihr im Moment nicht zu Mute.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Mi, 24. Apr 2013 20:04

"Mhm." Bei dieser einen, leisen, ersten Regung zuckte Duiliath leicht zurück. Ein leises Kichern, wie sanft im Wind raschelndes Laub erklang von ihm her – ohne das er die Lippen bewegt oder zu dem Zeitpunkt auch nur geöffnet hatte und eine kurze grenzenlose Erleichterung zeigte sich in seinen Zügen. Der Andere war zurück! Beinahe zeitgleich mit der Wüstenelfin Eingeständnis ihn nicht töten zu wollen entspannte er sich merklich. Doch hing dieses eher weniger mit ihren Worten zusammen, denn vielmehr der Tatsache das aus der vorherigen Angst heraus geboren er die Magie zu rufen versucht hatte, nun – da der Andere ja nun zurückgekehrt war. Würde die Wüstenelfe die Veränderung der Haut erkennen, die nun noch mehr an Alabaster erinnerte, für ihn aber nunmehr die Kühle von im Schatten befindlichem Marmor vielmehr zu vermitteln schien – das und ein Gefühl von Geborgenheit? Ihre Worte ob seines nicht wahllosen Tötens richtig zu stellen, vermied er. Ihr Volk, das er aufgrund seiner Vergangenen Jahre ein Stück weit auch als das Seine tatsächlich betrachtete und wahrhaft Unschuldige waren seiner sicher, ja! Unschuld aber, das hatte er wohl gelernt, war ein rares Gut und auch die Elfischen waren nicht gerade an jeder Straßenecke zu finden… Er hatte getötet und war dabei nicht immer zimperlich gewesen, aber das musste man ja nicht gerade jetzt klären, nicht wahr? Duiliath fing den Blick der Wirtin ein. Oder besser gesagt hatte diese das Geschehen um den von ihm besetzten Tisch keinen Augenblick aus den Augen verloren. Der Halbdämon nickte der Wirtin, auf Siyyins Krug deutend zu und wies dann auf sich. Sichtlich entspannt, was Duiliath aber nicht registrierte, wies diese einen ihrer Knechte an das Bestellte an den Tisch zu bringen und blieb derweil an ihrem Platz hinter dem Tresen stehen. Dann wandte er sich wieder der Elfin zu und auch sie mochte bemerken, dass die Anspannung inzwischen gänzlich von ihm gewichen schien.

„Ihr seid eine Wüstenelfe, ich verdanke eurem Volk, das ich ein Stück weit als das meine auch sehe, mein Überleben und ich bin nicht undankbar.“„Zumindest nicht immer.“ Wieder ein leises Flüstern, wie raschelndes Laub im Walde und ohne das er seine Lippen bewegt hatte. Der Andere zeigte sich nur als ausgesprochen schwaches Schattenspiel auf seinem Hinterhaupt und mochte nur mit sehr viel Glück und Aufmerksamkeit von der direkt von ihm angeschauten Siyyin bemerkt oder als gesichtshaftes Schemen gar erkannt werden. „Aber Ihr irrt, Offenheit ist kein Schutz!“ Duiliath nahm dankbar den Krug von dem Knecht entgegen, welcher seinen letzten Satz wohl vernommen haben mochte. Ein leises Geräusch, als stieße der Krug gegen einen Stein, als Duiliath diesen ergriff ließ den Knecht kurz erstaunt innehalten. „Danke!“ sagte der Halbdämon und der Knecht verstand und entschwand, derweil Duiliath das kalte Nass mit gierigen Zügen seine Kehle hinab rinnen ließ, den tatsächlich daraufhin geleerten Krug schließlich absetzte und wiederum das Wort an Siyyin richtete. „Ihr seid nicht unschuldig,“ Das sagte ihm sein Gefühl. „aber doch eine Wüstenelfin.“ setzte er den Satz nachdenklich fort. „Als solche könnt ihr handeln wie ihr es für angebracht haltet, ohne mir gegenüber um Euer Leben fürchten zu müssen.“ „Außer unser Leben hinge davon ab.“ fügte der Andere leise wispernd hinzu – wiederum ohne das Duiliaths Lippen sich bewegten, der derweil einen weiteren Krug – dieses Mal beim Knecht direkt orderte. Sein Durst war bereits gestillt, doch die köstlíche Kühle des frischen Nasses, sie verlangte nach mehr… MEHR!
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » So, 28. Apr 2013 21:39

Die Wüstenelfe beobachtete den Jungen nun ganz genau. Es wäre leichtsinnig gewesen, einen Dämon aus den Augen zu lassen, wenn man seine wahre Abstammung kannte. Diesen Fehler wollte Siyyin nicht machen. Auch wenn er so schwach aussah, sie war schlau genug, ihn nicht zu unterschätzen. Die roten Augen achteten auf jede Regung, jederzeit bereit, sich zu verteidigen. So entging ihr auch nicht die plötzliche Erleichterung, die sich nur allzu gut in dem ausgemergelten Gesicht ablesen ließ. Sie konnte aber nicht glauben, dass er so reagierte, nur weil sie ihn verschonen würde. Sie räumte sich keine reelle Chance ihm gegenüber ein und vermutete, dass auch er es nicht tat. Weshalb sollte er also Angst vor ihr haben. Seine plötzliche Erleichterung passte nicht in das Gesamtbild. Siyyin wandte im nächsten Moment den Kopf, lauschend, konnte das raschelnde Kichern aber nicht klar zuordnen, weder einer Richtung noch seinem wahren Ursprung. Der Laut irritierte sie, ebenso wie die Tatsache, dass sie sich selbst unmerklich entspannt hatte. Es war als spiegelte sich Duiliath' klar erkennbare Entspannung in ihr zu kleinen Teilen wider. Siyyin runzelte einen Moment die Stirn. Sie konnte all das nicht klar erfassen und das beunruhigte sie.

Und da war es schon wieder. Siyyin fixierte Duiliath. Sie betrachtete ihn eingehend und es fröstelte sie unmerklich, als da dieses raschelnde Flüstern auf die Worte des Jungen einging, ohne dass dieser selbst die Lippen bewegte. Sie glaubte eine Bewegung hinter seinem Haarschopf zu sehen, war sich aber nicht gänzlich sicher. Doch da hallten längst vergessene Worte in ihrem Kopf wider - Gefährliche, riesige Monster mit Klauen und Reißzähnen. Sie haben mehrere Gesichter, die wie Fratzen aussehen und deren Stimmen sie verrückt werden lassen. Halte dich fern von ihnen! Sonst verschlingen sie dich und zerfressen deinen Geist! -, die Worte eines alten Wanderers. Sie war ein Kind gewesen, aber war nicht an jeder Geschichte etwas Wahres dran? So oder so, sie konnte die Bewegung, so sehr sie auch wollte, nicht ganz als optische Täuschung abtun, nur um sich zu beruhigen. Würde sie nicht die Magie in ihren Fingerspitzen spüren, sie hätte wohl als normale Bürgerin das Weite gesucht. Aber sie war Siyyin, und die wollte gemeinhin keine Schwäche zeigen. Sie versuchte sich auf Duiliath' Worte zu konzentrieren und die undeutlichen Bewegungen in seinem Nacken zu ignorieren. Um sich nicht selbst noch verrückter zu machen, richtete sie ihr Augenmerk wieder auf den Vorderkopf des Jungen, der sich eben einen zweiten Krug Wasser in kurzer Zeit bestellte.

"Dann ist heute wohl mein Glückstag", kommentierte sie seine Worte abschließend und hätte sich im nächsten Moment am liebsten auf die Zunge gebissen. Noch immer hielt sie ihren Krug fest umschlossen. Sie brauchte etwas zum Festhalten und wollte ihre Nervosität nicht durch unruhige Bewegungen der Hände verraten. Dennoch waren ihre Worte gar nicht so falsch. Was wäre wohl, wenn sie keine Wüstenelfe wäre? Was wäre, wenn Duiliath woanders aufgewachsen wäre? Glücklicherweise brauchte sie sich darüber keine Gedanken machen. Wie er, nahm auch sie sich nicht die Zeit, seine Worte richtig zu stellen oder zu hinterfragen, wieso er annahm, sie sei nicht unschuldig. Eine Anschuldigung, die es in ihren Augen kurz funkeln ließ, aber auf die sie trotzdem nicht weiter einging.
Sie senkte den Kopf und wurde sich erst jetzt wieder ihrem Essen gewahr, das inzwischen kalt geworden war. Das Geschehene hatte ihren Hunger in den Hintergrund gerückt, aber er war noch immer da, sodass Siyyin nun begann, die Reste zu essen. Zwischen zwei Happen seufzte sie kurz. "Und dabei bin ich nur hergekommen, um Jemins Sachen zu holen", murmelte sie mehr zu sich selbst und schaute erneut zu dem Halbdämon, als ob sie sich vergewissern müsste, dass er nicht irgendetwas ausheckte. "Ich bin deiner.. oder eurer Meinung. Auch in meinen Augen gibt es keinen Grund für eine kämpferische Auseinandersetzung." Damit war dieses Thema hoffentlich fürs Erste geklärt. Am Liebsten hätte sie spätestens jetzt den Sitzplatz gewechselt. Andererseits hatte der dämonische Junge ihr Interesse geweckt. Und wenn er sie hatte umbringen wollen, hätte er es wohl längst getan. Und irgendwie musste sie die Zeit ja totschlagen. Die stille Beobachterin spielte sie eigentlich selten gerne. "Und wohin bist du unterwegs? Einen wie dich trifft man nicht alle Tage."

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Sa, 11. Mai 2013 22:19

"Dann ist heute wohl mein Glückstag" Duiliath lächelte. Der Andere, Duiliath spürte regelrecht ein Ziehen am Hinterkopf, wollte erneut etwas einwenden, einen Blick auf die Wüstenelfe erringen, doch er war, sie beide waren – noch – zu schwach. Während der Andere sich also wieder zurück zog und Duiliath merkte das ob des vielen Trinkens ihm die Blase langsam doch zu eng wurde, wandte die Frau sich ihrem inzwischen kalten Essen zu. Auf ihre Äußerung hin nur Jemins Sachen wegen hergekommen zu sein, lächelte Duiliath schwach. „Ich will Euch davon nicht abhalten.“ Wieder schien der Andere, ob ihrer indirekten Ansprache sich regen zu wollen. Duiliath, oder war es der Andere daselbst, wandte, als sie erklärte seiner, bzw. ‘ihrer’ Meinung zu sein, kurz das Haupt, das des Anderen schattenhaftes Antlitz sie einen Augenblick auf der Kapuze seines Reiseumhanges abzeichnend, dessen dunkelgrüne Augen kurz regelrecht aufblitzend. Doch die Neugierde des Anderen hatte ihren Preis. Nicht nur das das Siyyin den Anderen nun deutlich kurz sah, das Scheppern eines zu Boden gestürzten Bierkrugs deutete auf mindestens einen weiteren Zeugen hin, und tatsächlich – obgleich der Andere sich augenblicklich, wenn auch aus schierer Schwäche noch und weniger etwa bedachteren Beweggründen heraus, wieder zurückgezogen hatte – erscholl ein beinahe ängstliches „Ein, ein – ein …“ von einem Tisch her, an dem ein gestandener Söldner neben einem reichen Kaufmann sitzend, bleich auf Duiliath wies.

Der, seufzend, griff betont langsam zum Geldbeutel den jener unverschämte Händler, dem er seine Trennung von Suada und Lianne immerhin verdankte, ihm freundlicherweise überlassen hatte und vollendete das geschockte Gebrabbel des Söldners neben dem nicht minder bleichen, aber scheinbar weit weniger verstehendem Händler an dem etwas entfernteren Nachbarstisch. „Eine Runde für Alle, wolltet Ihr vorschlagen, ja? – Gut, eine Runde für Alle, hier! “ Müde schaute Duiliath drein, sich unbewusst an der Furcht des ihn als Dämon scheinbar erkannt habenden Leibwächters sich weidend. Wenn er die fremden Münzen in dem Beutel recht einschätzte, war mit einer großzügigen Runde nebst Kost und Logis für Heute, der Vorrat vermutlich dann auch schon mehr oder minder aufgebraucht. Einige Sekunden verharrte der Leibwächter, dann nickte er und ließ sich, die Anspannung indes nicht ablegend, wieder nieder. Es schien ihm wohl das Beste, das Angebot des Dämons nicht auszuschlagen und so bald als möglich, ohne diesen darob vor den Kopf zu stoßen, seinen Herrn fort zu schaffen. Der Händler wiederum nicht begreifend was er da gerade gesehen zu haben glaubte, nickte vorsichtig und erhob die Stimme gleichfalls. „Hört, hört! Eine Runde von dem freundlichen … Herrn, hier!“ Das verzagte wie irritierte freundliche Lächeln, stahl sich indes bald von seinen Zügen, kaum das der Leibwächter an dessen Seite ihm einige wispernde Worte ins Ohr geraunt hatte.

Ein Blick Duiliaths in die Runde, ließ diesen mindestens drei weitere Augenzeugen erahnen. Doch, ob des freigiebigen Angebotes, oder vielleicht auch aus anderen Beweggründen heraus, nahm die Gemeinschaft sein „Friedensangebot“ scheinbar an. Das er es sich teuer erkaufte, indes, sah er nicht. Zum einen war es doch sowieso nicht sein Geld und zum anderen waren die Ringe mit denen man hierzulande bezahlte zwar recht hübsch, aber kein Wert für ihn. Anders etwa denn die Aussicht auf einen ruhigen Abend, Unversehrtheit und ja vielleicht sogar einer seinen Leuten von seiner Besonnenheit berichtenden Wüstenelfe, ob derer Äußerungen seine Verbannung ja vielleicht gar… „Herr?“ Blass und ängstlich, sowie mit gebührendem Sicherheitsabstand – der Knecht war einer der Wenigen, von denen Duiliath vermutete das sie den Anderen gesehen und begriffen haben mochten – nickte der Andere ihm zu. „Euer Bad … wäre dann bereit.“ Duiliath nickte diesem und dann seiner Tischnachbarin zu, warf der Wirtin den vollen Geldbeutel zu, das diese sich daraus bediente und den nur noch leise klingelnden Beutel anschließend zu ihm zurück warf. „Ihr erlaubt?“ wandte er sich darauf Siyyin zu, derweil Bier und Wein und kleine Teller mit geröstetem Brot und Schinken die Runde machten. Diejenigen, die mehr gesehen hatten, als gut war, sie schienen vorerst besänftigt doch zu sein… noch.
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » So, 12. Mai 2013 20:40

Als Siyyin einen weiteren Blick auf den Halbdämon warf, glaubte sie kaum, was sie sah. Sprachlos sog sie die Luft zwischen den Zähnen ein und versuchte ihren stockenden Atem zu beruhigen und hoffte, ihr Herzschlag würde nicht aussetzen. Vor ihren Augen formten sich, unklar, aber nicht zu leugnen, Schatten aus dem Hinterkopf des Jungen. In diesem Schatten zeichneten sich ganz klar zwei grüne Iriden ab, die ihr entgegen zu blitzen schienen. Das Zerbersten eines Kruges ließ sie zusammen fahren als würde es einen Sturm magischer Mächte ankündigen. Siyyin brauchte ein paar Sekunden, um zu realisieren, woher das Geräusch kam und daraus zu schließen, was geschehen war. Jemand anderes hatte ihn auch gesehen. Das konnte nur schief gehen. Hatte die Wüstenelfe bisher gehofft, hier ungeschoren heraus zu kommen, hoffte sie nun inständig, dass derjenige.. „Ein, ein – ein …“ Siyyin senkte für einen Moment die Lider, als ihre Hoffnung erstarb.

Doch die Lider hoben sich schnell, ein Blick zu dem Söldner, der kreidebleich im Raum stand und mit dem Finger auf Duiliath zeigte. Dann hinüber zu diesem selbst, das Besteck zur Seite gelegt, den Stuhl etwas zurück gerückt, bereit sich hier zurück zu ziehen. Sie beobachtete Duiliath ganz genau, der sie ein weiteres Mal überraschte, als er die Konfrontation versuchte mit Geld zu lösen. Siyyin hoffte nur, dass der Andere dieses Angebot annehmen und als eine Überlebenschance erkennen würde. Einen Dämon öffentlich als dieses anzuprangern würde einem nicht gut tun, mutmaßte Siyyin, die sich immer unwohler in ihrer Position fühlte und sich dafür verfluchte, sich nicht weggesetzt zu haben. Weiterhin angespannt verfolgte sie das Geschehen und ballte ihre Hände zu Fäusten, als der Knecht auf den rothaarigen Jüngling zukam, eine weitere Konfrontation fürchtend. Doch glücklicherweise wies er ihn nur auf sein Bad hin und als Duiliath sich daran machte, der Aufforderung zu folgen, atmete Siyyin erleichtert auf. Ihre Haut kribbelte heiß und die Emotionen drohten kleine Funken aufzustoben. Fürs Erste äußerte sich niemand mehr, fast alle aßen und tranken, aber für Siyyin war die Stille trügerisch. Mindestens zwei der Anwendenden ließen Duiliath nicht aus den Augen und begannen zu tuscheln, kaum dass er den Raum verlassen hatte. Siyyin hatte, die Lippen zu einem dünnen Strich geformt, ihm noch zugenickt und sich dann erschöpft mit den Händen über das Gesicht gefahren.

Sie gönnte sich ein paar Augenblicke, um tief durchzuatmen und ein paar Schlucke des Wassers zu trinken, das sie hoffentlich abkühlen würde. Das plötzlich wieder aufkeimende, lautere Getuschel, den Dämon außer Hör- und Sichtweite wissend, war aber nur schwer zu ignorieren. Siyyin befürchtete, dass der Söldner nicht nur seinen Herrn informierte, sondern sein Wissen leichtsinnig auch an andere weitergab und ein Seitenblick bestätigte ihren Verdacht, den flüsternden Söldner genau im Blick. "Seid kein Narr." Sie machte sich keine Sorgen um sein Leben, ein einzelnes nur. Vielmehr um die vielen Leute, die hier lebten und die Reisenden, die einen Ort für eine Rast gesucht hatten. Das Gesicht des Mannes verfinsterte sich bei der unfreundlichen Zurechtweisung einer Frau. "Achja, uns das wollt Ihr mir befehlen?" Siyyin setzte sich aufrecht hin und hielt dem Blick des Söldners problemlos stand. "Das rate ich Euch. Wenn Ihr dasselbe wie ich gesehen habt, haltet Ihr lieber den Mund oder geht." Ihr Gegenüber spuckte aus und Siyyin fürchtete, dass es vielleicht besser gewesen wäre, sich nicht einzumischen, sondern ihre eigenen Wege gegangen zu sein. Nun meldete sich sein Kamerad zu Wort, der die Neuigkeiten grimmig vernommen hatte. "Pah. Ein Weib, das einen Dämonen verteidigt." Falls er noch etwas sagte, gingen diese Worte in einem Gemisch verschiedenster Reaktionen auf diese Offenbarung unter.

Die Stimmen schwellten plötzlich an. Das spendierte Bier in der Hand und noch mit vollem Mund begannen langsam die Gespräche lauter zu werden und die unterschiedlichsten Fetzen davon drangen an ihre Ohren. „Willst‘ einfach abhaun‘?“, „Den ignorieren?“, „... den doch nicht einfach tolerieren, müssen...“, „Lasst uns ihn..“ Vereinzelte Leute waren schlau genug, ihre Mahlzeit zu bezahlen und schnell weiter zu ziehen, darunter auch der Händler mit der Leibwache, die das Zweite Gesicht gesehen hatte. Sein Begleiter hingegen schien eine andere Lösung des Ganzen zu bevorzugen. Auch die Mehrheit der Übrigen wollte offensichtlich nicht die Flucht ergreifen und einen Dämon frei in dieser Umgebung herum laufen wissen. Siyyin wusste nicht recht, was sie noch sagen sollte, für provokante Streits indes fehlte ihr die Kraft und vermutlich auch die Zeit. Wahrscheinlich würde man in dem Lärm sowieso keines ihrer Worte verstehen. Also machte sie sich daran, sich durch die Menge zu drängen, die immer lauter zu werden schien und fast schon nach dem Dämon rief. Sie drängte sich bis zur Wirtin durch, die die Habe Jemins verwahrt hatte. Sie war sichtlich überfordert mit dem plötzlichen Umschwung der Stimmung und dem Ärger der Gäste. Scheinbar hatte sie noch keine Ahnung über den rothaarigen und in diesem Moment badenden Auslöser. Sie war vollkommen durcheinander und murmelte Siyyin, die mehrmals nachfragen musste, um die Stimme der Wirtin zu übertönen, da diese gleichzeitig für Ruhe sorgen und das Durcheinander beruhigen wollte, zu, dass die Sachen im Zimmer lagen, das sie für die Nacht gemietet hatte. Also trat die Wüstenelfe den Weg hinauf zu den kleinen Kammern an, in der Hoffnung, Duiliath nicht zu begegnen, dem die lauten Stimmen hier unten kaum entgangen sein konnten.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Mo, 20. Mai 2013 21:03

Gelassen hatte der Halbdämon sich erhoben und den Gastraum verlassen. Der Andere war wieder da. Irgendwas stimmte zwar nicht mit ihnen, aber… leise pfiff der Andere vergnüglich vor sich hin, was klang, als fauchte ein harter Wind um die Bäume. Der Knecht, der ihm den Weg wies, schwitze und das aufmunternde Lächeln des Halbdämons ließ ihn nur noch blasser werden. Eine Treppe ging es hinab, darin eine hölzerne Wanne. „Wenn das dann – äh alles… ?“ Duiliath nickte nur, bedankte sich. Der Mann, älter wirkend als Duiliath selbst, aber noch jung, huschte zur Tür und erst als er diese umkrampfte, wandte er sich nochmals zurück und wies auf einen neben der Tür befindlichen schweren Balken, der neben dem einfachen Riegel die Türe zusätzlich sichern mochte. „Ihr solltet den, vielleicht – ich meine … bis sie sich beruhigt haben?“ Was Duiliath sollte war offensichtlich, obgleich der Diener nicht aussprach und stattdessen schnelle Schritte die Treppe hinauf und zum Hinterausgang darauf sich hinwendend alsbald verklangen. Der Balken war schwer und fluchend versuchte Duiliath ihn zweimal vergeblich zu den beiden Stahlklammern in Brusthöhe empor zu wuchten. Als der Balken zum zweiten Mal herab und ihm beinahe auf die Füße stürzte, stampfte er wutentbrannt auf und eine Stufe schnellte vor der verschlossenen Tür aus dem Boden, versperrte der nach innen sich öffnenden Türe nun den Weg.

Duiliath und der Andere spürten die Emotionen oben hoch kochen. Doch statt etwa Angst hatte sich vielmehr Jagdfieber der Beiden befleißigt. Das heißt, besonders der Andere murmelte aufgebracht was für ein Spaß das würde und bedauerte aber auch zugleich das sie sich hier unten verbarrikadiert hatten. „Ach, lass uns doch wenigstens die Tür auflassen, sonst denken sie noch sie wären nicht eingeladen! Sag was hältst du von einer tiefen Fallgrube, hm? Oder…“ Duiliath schwieg und ignorierte den Anderen. Er wollte nicht töten, nicht jetzt – mit der Wüstenelfe auch dort oben! Was wenn er die Kontrolle verlor „Als wenn du die je besessen hättest!“ und die Elfe tötete? „Was sollte dann sein, hm?“ Duiliath entkleidete sich und glitt, nun ganz Dämon, auf seinen harten Bauchschuppen über den Rand der Wanne und in das angenehme Nass, derweil die Stimmen von Oben nun lauter geworden sich der Treppe auch zu nahen schienen. „Sie werden mich nicht mehr zurück lassen, wenn ich eine der Ihren töte.“ Kalt und angenehm legte sich das Nass um seinen müden Leib, schloss sich über ihm zu einer von des Anderen glosenden Augen erleuchteten grünschimmernden Fläche. „Wenn sie so dumm sein sollte nicht das Weite zu suchen…“ Duiliaths Kopf tauchte aus den Wassern wieder auf. „hat sie selbst Schuld!“ beendeten er und der Andere gemeinsam den begonnenen Satz! Vorfreude strahlte aus ihrer beiden Augenpaare, das Fieber hatte nun endgültig auch den Drachenerben gepackt! Zu überwältigend waren die von der Treppe auf ihn herein brandenden Emotionen.

Dann das erste Pochen und Rütteln an der Tür. Erfreut sah der, ein bereitgestelltes Badeöl ins Wasser gießende Halbdämon die scheinbar auch nur aus festgestampftem Erdreich bestehende Stufe vor der Tür erste Risse aufzeigend. Sich gegenseitig aufstachelnd wechseln sich die Männer ab und schließlich brach die Tür aus den Angeln, kippte über die halbzerstörte Stufe in den Raum hinein. Unruhig peitscht des Halbdämons Unterleib durch das Wasser, derweil der nun rein gar nichts menschliche mehr aufweisende Kopf, das Maul zu einem vorfreudigen Grinsen sich weitend, den Eindringlingen entgegen strahlte. Zwei Herzschläge des Entsetzens auf ihrer Seite! Zwei Sekunden eine Steinhaut herauf zu beschwören und den Kopf einzuziehen auf der Seinen! Dann jagten sirrend und fauchend an die zwei Dutzend Pfeile und Bolzen in drei Interwallen auf ihn zu. Zwei Geschosse streiften seinen Kopf, das berstende einen Rubinregen hinter sich herziehende Steinsplitter zur Seite und hinter den abgeprellten Geschossen herjagten. Dann war er unter Wasser! Doch auch dort erreichten ihn die weiteren Salven der Geschosse, die die Holzwandung des Zubers durchdrungen hatten! Doch was das Wasser nicht noch gebremst hatte, das erledigte die Steinhaut. Hastig luden die armbrustbewährten Männer nach, derweil die Bogenschützen weiter Pfeil auf Pfeil in den Zuber jagten, der bald fatal an einem auf dem Trockenen gestrandeten sowie langsam auslaufenden Seestern gemahnte.

Schwach aber merklich rosa war das Wasser gefärbt und als auch die Armbrustschützen ihre zweite Salve abgefeuert hatten, drängten die mit Hämmern, Schwertern und Messern bewaffneten Männer die sechs Schützen beiseite. Jener, der oben die Anderen am lautesten aufgewiegelt hatte, trat – einen schweren Hammer in der Rechten – vorsichtig an den Zuber heran. Reglos trieb der Halbdämon im abfließenden Wasser, zwei tiefe und stark blutende Striemen über der linken Schläfe aufweisend, wo die ersten beiden Bolzen ihn gestreift hatten. „Ist, ist – er tot?“ Der hammerbewährte Aufwiegler trat etwas näher an die Wanne heran. „Ich weiß nicht. Da ist Blut, aber…“ es schien, als schwämmen die Pfeile auf dem Wasser, derweil die Bolzen zu Grunde gesunken waren. Keines der Geschosse indes schien dem Dämon in den Leib gedrungen zu sein. Vorsichtig, den schweren Hammer hoch erhoben, packte der Aufwiegler die reglose dämonische Gestalt bei der Kehle, hob den Kopf über Wasser und vernahm ein aufforderndes „Na los, gib ihm den Hammer in seinem Rücken.“ Vorsichtig und kurios traten die Anderen ihre Waffen gleichfalls erhoben, nun ebenfalls näher an den inzwischen halb ausgelaufenen Zuber heran, als des Halbdämons zwischenzeitliche Benommenheit von diesem abfiel. Mit einem Ruck öffneten sich seine in irdenem Braun glosenden Augen als der ihn an der Kehle gepackt habende Aufwiegler reflexhaft den Hammer herabfahren ließ. Das heißt, …

Mit einem lauten Knacken hielt der Mann plötzlich inne, die Augen schreckgeweitet. Rasend schnell jagte ein grauer Schimmer, angefangen bei der um des Dämons Kehle gekrallten Hand, über die Gestalt des versuchten Mörders. Fünf panische Herzschläge lang kämpfte der gegen die ihn überfallende regelrechte Versteinerung, den sechsten Schlag indes schafft das Herz nicht mehr und eine Handbreit von Duiliaths Kopf entfernt kam der Hammer knirschend zur Ruhe, derweil nun endlich auch die Umstehenden begriffen hatten. Mit einem peitschenden Knall jagte das schlanke Ende Duiliaths sich windenden Unterleibs wider das Handgelenk des Versteinerten, zerbarst die Verbindung der noch immer Duiliaths Kehle umklammert haltenden Hand mit der restlichen Statue und gab den Halbdämon nun Endgültig frei. Das große Sterben mochte nun beginnen!
Lever dood as Slaav
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » So, 09. Jun 2013 13:29

Siyyin war froh, ungesehen oder zumindest unbemerkt die Treppe zu erreichen und diese hinauf gehen zu können. Die lauten Gespräche ließ sie hinter sich und während die Elfe allein den Weg nach oben nahm, machte sich der Mob auf den Weg nach unten. Am Treppenabsatz sah sich Siyyin kurz um, doch niemand war zu sehen. Alle Anwesenden hatten sich unten versammelt oder schon längst das Weite gesucht. Das wäre auch das Beste für sie. Die Wüstenelfe fluchte über das Desaster. Sie wusste nicht viel über Dämonen und auch nicht viel über Duiliath, aber seine auffällige Haarfarbe beflügelte in dieser Stresssituation ihre Fantasie, sodass sie fest damit rechnete, dass das Gasthaus in wenigen Minuten in Flammen stehen würde. Ganz egal, welches Element zu dem Jungen gehörte, sie musste so schnell wie möglich hier raus. Natürlich hätte sie Jemins Sachen hier lassen können, zu Nabraere gehen und geradewegs zurück nach Demera reiten können. Aber ihr Pflichtgefühl verbat es ihr, einfach zu verschwinden, zumal sie nur noch wenige Meter vom Hab und Gut des langjährigen Bekannten entfernt war. Sie wollte nicht mit leeren Händen zurückkehren, vielleicht auch, um die Begegnung mit dem Dämon nicht erwähnen noch erklären zu müssen.
Ihre Hand zitterte, als sie den Schlüssel, den ihr die Wirtin noch geistesabwesend gegeben hatte, ins Schloss drückte. Sie brauchte einige Momente, um ihre Nervosität unter Kontrolle zu bringen. Sie spürte das warme Flimmern auf ihrer Haut, als leise Funken unkontrolliert aufstoben. Mit einem Seufzen stieß sie die aufgeschlossene Tür auf und stolperte fast hinein. Groß war das Zimmer nicht und die gesuchten Sachen schnell gefunden. Sie schnappte sie sich und fuhr auch schon wieder herum, um den Weg ins Freie zu suchen.

"Ihr wollt schon gehen?"

Siyyin stoppte in der Bewegung und starrte den Mann an, den sie noch nie gesehen hatte. Er musste irgendwo in der Menschenmenge anwesend gewesen zu sein. Er war größer als sie und älter, hatte dunkles Haar und dunkle Augen, die sie abfällig betrachteten. Sein breites Kreuz versperrte ihr die Sicht in den Flur hinaus. Sie war zu perplex, um etwas entgegnen zu können. Aber sie hatte auch keine Zeit zu verlieren. Deshalb schob sie die Frage nach dem Grund seines Folgens tief ins Innere zurück und unternahm mit einem zähneknirschenden "Lasst mich durch" den Versuch, sich an ihm vorbei zu schieben. Der Fremde schien jedoch nicht gewillt, sie einfach gehen zu lassen und machte dies auch mit einem zwar kurzen, aber dennoch eisernen Griff um ihren Oberarm klar, mit dem er sie zuerst vom Gehen abhielt und dann zurück ins Zimmer stieß. Als seine Finger sich lösten, hinterließen sie ein schmerzendes Pochen in Siyyins Oberarm.
"Was wollt Ihr von mir?", fauchte sie den Mann an, den pochenden Schmerz auf der Haut ignorierend, der langsam zu einer Wärmequelle anschwoll, die sich zunehmend über ihren gesamten Körper ausbreitete. Ein deutliches Knistern war zu vernehmen, das die kurze Stille durchbrad, während der sich beide in die Augen schauten. Doch das konnte auch ihrem funkelnden, feurigen Blick geschuldet sein.
Ihr Gegenüber spukte aus und schnaufte, scheinbar unbeeindruckt von den Funken, die um die Haut der Wüstenelfe zu tanzen begannen. "Ihr glaubt doch nicht, dass ich Euch zu Eurem Dämonenfreund lasse und ihr ungeschoren durchbrennen könnt?" Er betrachtete sie mit einem selbstgefälligen Grinsen, das einige vergilbte Zähne freilegte.
Darum ging es also. Der verletzte Stolz einer Leibwache würde ihr also doch noch zum Verhängnis werden, weil sie ihm über den Mund gefahren war. Und nun war der Leibwächter, wo immer er nun war, nicht mehr alleine mit seiner Meinung, sie hätte etwas mit diesem Dämonenblut zu schaffen.

"Hört zu, ich habe nichts mit ihm zu tun. Ihr solltet mich besser in Ruhe lassen.." "Sonst was?" Bedrohlich machte er ein paar Schritte auf Siyyin zu, für die es nur einen Ausweg gab. Und diesen versperrte ihr der Fremde. Der schartigen, kurzen Klinge nach zu urteilen, die er in diesem Moment zog, vermutete er ernsthaft eine Verbindung zwischen Duiliath und ihr und würde, wie der Mob es im unteren Gasthaus mit dem Dämon vorhatte, sie nicht von hier oben entkommen lassen. Duiliath hatte sie zwar deutlich mehr eingeschüchtert als dieser Bastard, der falsche Gerechtigkeit üben wollte. Aber dennoch legte sie nicht viel Wert darauf, seine Klinge in ihrem Leib zu spüren. Das teuflische Grinsen auf seinem Gesicht ließ keinen Zweifel daran, was er mit ihr vorhatte.
Siyyin verzog wütend und angewidert das Gesicht, während sie Schritt für Schritt vor ihrem Peiniger zurück wich. Sie ballte die Hände zu Fäusten und die Magie, die sich langsam in ihren Fingerspitzen sammelte, konnte sie nur bedingt beruhigen. Der Raum war nicht sehr groß und bot nicht viele Ausweichmöglichkeiten. Sie atmete tief ein und aus, ihren Gegenüber nicht aus den Augen lassend, während die Funken nervös über ihren Körper tanzten. Den Blickkontakt haltend, zeichnete sie blind das Zeichen für Wärme in ihre Handflächen, vollführte eine kurze und flüssige, da lang einstudierte, Bewegung mit den Händen. "Nerathy a narahley." Den verständnislosen Blick ihres Gegenübers ignorierend, der noch immer nicht zu verstehen schien, murmelte sie die Worte immer wieder und spürte, wie sich die Wärme in ihren Händen bündelte und mit jedem Schritt heißer wurde.

Der massige Körper ihres Gegenübers bewegte sich unaufhörlich auf sie zu und als sie mit den Kniekehlen gegen das Bett stieß und ihre Beine einzuknicken drohten, überwand er den letzten Abstand zwischen ihnen mit einem großen Satz, um sie anzugreifen. Siyyin schrie auf, als sich der Mann auf sie warf und sie rücklings aufs Bett fiel. Ein beißender Geruch schlug ihr in die Nase, der sie in normalen Momenten hätte würgen lassen. Ihre Sinne wurden nun aber anders gebraucht. Sie sah die Klinge aus dem Augenwinkel über sich aufblitzen, als er den Dolch hochriss und ihr im nächsten Moment ein schnelles Ende bereiten wollte. Gerade als der Dolch zu ihr hinab fuhr, riss Siyyin die Hände hoch und umfasste mit aller Kraft sein Handgelenk. Für einen Moment sah er sie an wie ein Raubtier, bis die Hitze aus ihren Händen die oberste Hautschicht versenkt hatte. Nur allzu schnell schoss ihr der Geruch von verbranntem Fleisch in die Nase, der gellende Schrei ihres Peinigers würde ihr noch Sekunden später in den Ohren klingen. Er riss sich aus ihrem Griff los und umfasste die schmerzende Stelle, ungläubig auf den roten Ring um sein Handgelenk starrend, der stark verbrannt worden war. Den Dolch hatte er fallen gelassen, Siyyin sah ihn jedoch nicht. Aber das war auch nicht wichtig.

Sie rollte sich vom Bett, kam jedoch nicht schnell genug außer Reichweite. Sein Zorn ließ ihn allen Schmerz vergessen, er packte sie am Fußgelenk und zog sie grob zu sich hinüber, während er sich ungelenk auf dem Bett aufrappelte. "Du Miststück! Ich mach dich fertig und deine Überreste verfüttere ich an die Geier!"
Der Schweiß stand ihr auf der Stirn, als sie versuchte, sich von ihm wegzuziehen, während die Laken, wo sie sie berührte, zu qualmen und schwelen begannen. "Lass mich los. Du Geisteskranker!" Siyyin wandte sich wie eine wild gewordene Katze und versuchte sich mit Tritten aus seinem Griff zu befreien. Doch er schaffte es, sie bis zu sich heran zu ziehen, den Dolch hatte er offenbar wiedergefunden. Schließlich sah sie keine andere Möglichkeit. Mit einem wütenden Schrei nahm sie all ihre Kraft zusammen, rollte sich herum und warf sich auf ihn. Den Überraschungsmoment nutzend, drückte sie ihre Hand auf sein Gesicht und stemmte sich mit aller Kraft dagegen, sodass sein Kopf in die Matratze gedrückt wurde. Es hatte ihr immer fern gelegen, andere zu quälen. Aber dieser Fremde hatte sie fuchsteufelswild gemacht. Sie blendete den Geruch aus, seine hysterischen Schreie und das Gefühl unter ihren heißen Fingern. Erst Sekunden später klärte sich der Schleier vor ihren Augen. Erst da bemerkt sie, dass er sich nur noch unter ihrem Griff wand und wimmerte.
Atemlos saß sie über ihn und starrte sein Gesicht an, das nun für immer vernarbt sein würde - wenn er Glück hatte und einen guten Heiler fand, der das Schlimmste zu behandeln wusste. Eine Welle von Zorn durchbrach ihren Körper und dann eine Verabscheuung sich selbst gegenüber. Flüche durchdrangen das Zimmer, das plötzlich still geworden war. Der Kampflärm war verklungen und Siyyin kam nur langsam völlig zu sich. Sie wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht und sammelte Jemins Sachen ein, die verstreut über dem Boden lagen. Dabei fiel auch der schartige Dolch in ihr Blick, den sie sicherheitshalber mitnahm. Wenn der Verbrannte erst wieder richtig zu sich kommen und sich im Spiegel sehen würde - Siyyin wollte ihm nicht bewaffnet in ihrer Nähe wissen. Erschöpft und ein Chaos von Gefühlen in sich tragend, trat sie endlich nach etlichen Minuten verschwendeter Zeit den Weg nach unten, ins Freie an.

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