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Ein hitziges Gemüt zu viel

Lebensader des dürren Landes.
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Duiliath
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Fr, 14. Jun 2013 21:08

Die steinerne Decke stürzte nicht nur ein, sie jagte, sie schoss regelrecht auf die verharrt habenden Gestalten um ihn herum hernieder. Dreien seiner Häscher hatte das Erstaunen ob des Versteinerns ihres Rädelsführers das Leben gekostet. Mit [18]zertrümmerten, halboffenen Schädeln und[/18] teils noch ungläubig erstarrten Augen blickten sie anklagend unter den herabgeregneten Fragmenten des vormals steinernen Fußbodens der Gaststätte in den nunmehr verwaisten Gastraum empor. Duiliath indes war im Rausch der Magie gefangen. Auf seinem schuppigen Leib wand er sich zwischen den steinernen Fragmenten hindurch, das ein Zuschauer vom Gastraum her durch das Loch im Fußboden herabblickend, glatt meinen könnte der Halbdämon schwömme zwischen den Steinbrocken und Trümmerstücken regelrecht hindurch. Nur wenige Augenblicke später war das klägliche Stöhnen zweier weiterer verschütteter Angreifer plötzlich verstummt [18]und das darauffolgende kurzzeitige Schmatzen? Mochten die ihn vergessen habenden Götter nur ja nie die Kunde von diesen Geschehnissen nach außen tragen, noch jene, dass die Verschütteten, sollte sie je wer nochmals ausgraben – sowie genauer untersuchen – keine Herzen mehr in sich trugen[/18].

Wenig später wand der Halbdämon sich auf seinem schuppigen Leib die Trümmer empor, schnellte zum Rand der Abbruchkante, zog sich empor und… ein diabolisches Grinsen lag auf seinen Zügen, als er nochmals zurück stürzte und wie ein Taucher ins Wasser, zwischen den Trümmerstücken verschwand. Vereinzelt rollten kleinere Steine von dem Schutthaufen. Dann tauchte Duiliath wieder auf, diesmal mit seinem Beutel bewehrt. Er würde nicht wiederkommen, nein! Er würde vielmehr auf jede einzelne empfindsame Seele Jagt machen, bis auch die Letzte vernunftbegabte Kreatur in weitem Umkreis ihr Blut und ihr Leben an ihn und die zornig in ihm tosende Magie verloren hätten. Doch als er das Gasthaus schließlich verlassen hatte, da konnte er ein meckerndes lautes Lachen nicht mehr verhehlen! Wie die Schafe vor der Schlachtbank scharten sich jene Reisende die nicht zu Pferde oder im Fuhrwerk angelangt waren beieinander. Sie ahnten wohl, dass sie ihm zu Fuß nicht würden entkommen können.

Schmale Kristalle wuchsen rasend schnell aus dem Boden zwischen seinen Opfern empor. Fein genug und hart genug auch durch das festeste Lederwerk ihrer Schuhe zu dringen. Sterben würden sie daran nicht, zumindest nicht sofort, aber… Mit einem heftigen Schlag schmetterte ihn eine Gewalt zur Seite. Feine Risse bildeten sich an seiner rechten Schulter und füllten sich rasch mit klarem roten Blut. Blind warf der Halbdämon sich erneut zur Seite und dort, wo eben noch sein Kopf gelegen hatte, fuhr mit brachialer Gewalt ein schwerer Schmiedehammer ins Erdreich. Schwer keuchend verharrte der muskelbewehrte Hüne zwischen Duiliath und dessen Beute. Der Halbdämon verstand nicht was der Fremde sprach. Nur die meruanischen Worte „Ruhe“, „genug“ und „Djedua“ blieben ihm im Gedächtnis haften. Letzteres, weil er glaubte dieses auch von Suada gelegentlich vernommen zu haben, wann immer sie in ihre kleine Salzuhr gemurmelt hatte. Aber da mochte er auch irren. Doch wichtig waren die zusammenbedrängten Opfer, bewaffnet zwar, aber so ängstlich wie es ihr ihnen zustehendes Schicksal als gerade angemessen erachten mochte. Diabolisch leckte eine lange Zunge genüsslich über die blutigen Lippen des Halbdämons. Dann schlug er mit den Fäusten auf den Boden und von beiden Seiten des Mannes vor ihm jagten steinerne Felsen aus dem Boden, diesen zwischen sich zu zerm- … mit einem dumpfen Glockenschlag traf der Hammer des Mannes die Felsmasse zu dessen Rechten und zersprengte dieselbe mit einem einzigen Schlag – worauf der linke Felsen ihn gut 9 Fuß durch die Luft zur Seite schmetterte. Der Weg zu den Opfern war wieder frei.

„Genug!“ Duiliath hatte die halbe Wegstrecke zu seinen ängstlich zusammengekauerten Opfern überbrückt, als ein erneuter Hammerschlag ihn zur Seite schmetterte, glücklicherweise ohne dieses Mal erneut seine steinerne Hautpanzerung zu durchdringen. Doch statt sich verärgert zu zeigen lachte der schattenhafte Andere von Duiliath Hinterhaupt her nur schallend auf, das man meinen mochte im Sturmwind berstende uralte Bäume sterben zu hören. Sie wollten Blut sehen, Duiliath und der Andere, waren jeglicher Vernunft verschlossen und ganz im Tosen der ihnen inne wohnenden Magie verloren. Da machte es so ein Möchtegernheld von Schmied nur spannender, wenn er sich „nicht“ kampflos in sein Schicksal ergab. Unter dem Schmied tat sich die Erde auf, das ein meterbreiter gut ein Dutzend Schritte langer Spalt diesen verschlönge – nur das der einen Moment vorher zum Sprung gen Duiliath angesetzt hatte. Steine schossen aus dem Erdreich empor, jagten dem Schmied entgegen, nur das erneut – mit einem hellen Glockenschlag – diese vom stählernen Kopf des geschwungenen Hammers abprallten. Dann war er auch schon heran und der Stahl des geschwungenen Hammers focht gegen Zähne, Klauen und die Magie des Halbdämons. Ein aussichtloses Unterfangen des Handwerkers, mochte man meinen. Doch derweil die Erde bebte, sich auftat, steinerne Geschosse und quarzene Speere hervorstieß, und ein regelrechter Sandsturm auf den zu jedem Zeitpunkt zwischen Duiliath und seinen Opfern stehenden Schmied herniederfuhr … traf nicht einer seiner Angriffe.

Aber auch der Mensch, schwer keuchend, hatte augenscheinlich zwei drei Gelegenheiten zum finalen Schlag fahren lassen. Und immer wieder diese Worte „genug“, „Djedua“ und „gehen“, die er zu erkennen glaubte… schließlich verharrten beide Gegner atemlos – bis der Andere in Duiliaths Rücken leise ein weiteres Wort in Meruanischer Sprache kund tat, nämlich „Unschuld!“ Der Schmied missdeutete diese laut geäußerte Erkenntnis des Anderen, deutete auf die Schar verängstigter Menschen hinter sich, wiederholte das Wort in leichter Variation, das Duiliath annehmen musste der andere bezeichnete die Schar hinter sich wohl als unschuldig. Der Schmied wies erneut auf Duiliath und anschließend in die Wüste hinaus. „Gehen!“ mochte das anschließende Wort wohl lauten und erst bei diesen Überlegungen bemerkte der Halbdämon, nicht länger im Blutrausch zu schweben.
Langsam bildete sich sein schuppiger Leib zurück, formten sich Beine aus. Schwach wie er da am Boden lag, glomm etwas, bisher nicht Dagewesenes, in des Schmieds Augen auf, als der darauf – den Hammer erhoben in beiden Händen haltend – näher an den nunmehr wehrlos scheinenden Jungen heran trat. Ein feiner Quarzkristall drang darauf durch die Erde, direkt auf das Herz des kriegerhaften Schmiedes vor sich ausgerichtet und selbst von Duiliath nicht bewusst gesteuert. Es war die relative Unschuld des Mannes gewesen der sich an der Lynchaktion nicht beteiligt hatte und selbst während der Auseinandersetzung nur die Seinen zu schützen versucht hatte, die alle Magie Duiliaths hatte wirkungslos an ihm verpuffen lassen. Doch dieser kurze Moment, in welchem Duiliath neben Furcht und Schmerz auch eine von Gerechtigkeitsempfinden zu Rachedurst umschlagende Emotion zu erahnen geglaubt hatte – er verpuffte und im gleichen Moment zerieselte jene quarzene Pfeilspitze wieder zu feinem Sand, ungesehen, ungenutzt…

Der Mann rief etwas nach hinten, worauf in den erstarrten Pulk ängstlicher Menschen plötzlich wieder Leben kam. Wenige Augenblicke später flogen Duiliath ein paar Kleidungsstücke zu. Duiliath kleidete sich, von allen furchtsam beobachtet an, mit Hemd, Hose und Strohhut, schulterte seinen in der Auseinandersetzung verlorenen Beutel und schlich sich davon. Er hatte etwa ein Gros an Schritten getan, als er das Jubeln der zurückgebliebenen Menschen hörte. Mehrfach vernahm er die Namen Drafur und Numa. Während er den ersten Namen nicht einordnen konnte, vermutlich hieß der Schmied so, kam der zweite ihm wieder recht vertraut vor – und beschwor erneut die ihre Salzuhr festhaltende Suada vor seinem inneren Auge. Am Fluss, zu dem seine Schritte ihn unbewusst gelenkt hatten, kniete er nieder und wusch sich das Blut vom Leib, soweit möglich – drang doch aus seiner verletzten, wenn auch nicht sonderlich beeinträchtigten Schulter, stets neues Rot nach. „Wieso, wieso könnt ihr mich nicht einfach in Frieden lassen?“ Am Fluss hockend murmelte er immerfort diese Worte vor sich hin – oder klagte unsichtbare Zuhören an, das „Ihr hättet mich nur gehen lassen müssen, und niemandem wäre etwas passiert!, Wieso, Wieso…?“ Die vergeudeten Leben waren ihm gleichgültig, aber dieser öffentliche Ausbruch mochte der eine sein, der – wenn er den Wüstenelfen zu Gehör kam – den Unterschied zwischen zeitweiliger Verbannung aus seiner Heimat oder aber endgültiger Verbannung bedeuten mochte! „Wieso, wieso…?
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » So, 23. Jun 2013 12:04

Während sie die Treppe hinab stolperte, klangen Schreie, Gebrüll und ein unheimliches Knarren und Knacken an ihre Ohren, die aus den Tiefen des Gasthauses nach oben drangen. Sie wollte sich nicht ausmalen, was all das bedeutete und flüchtete nach draußen. Ihr war so heiß, dass ihr selbst der warme Wüstenwind wie eine Erfrischung vorkam. Atemlos hastete sie zu dem kleinen Unterstand, der als Stall für das ehemals gemütliche und beliebte Häuschen diente. Bis auf Nabraere war kein Mensch und Tier weit und breit zu sehen. Auch der Stallbursche hatte scheinbar – und hoffentlich – das Weite gesucht. Vielleicht war es ihm zu verdanken, dass ihre Stute noch oder schon wieder gesattelt war. Ihre Augen waren panisch geöffnet, die Ohren hatte sie angelegt und immer wieder stellte sie sich auf die Hinterbeine und wieherte. Siyyin hatte Mühe damit, sie zu beruhigen und sah vorerst keine andere Möglichkeit, als sie an den Zügeln vom Gasthaus fort zu führen. Trotz ihrer Nähe scheute Nabraere immer wieder und versuchte sich loszureißen und zu flüchten. Die Wüstenelfe brauchte all ihre Kraft, um ihre Stute bei sich zu halten. Erst nach vielen, zu Fuß zurück gelegten Metern, beruhigte sich die Sihu’sai langsam. Siyyin gönnte ihnen eine kurze Pause, sprach beruhigend auf sie ein und tätschelte ihr die warmen Nüstern. Sie sah an ihr vorbei zu dem entfernt liegenden Gasthaus, vor dem sich inzwischen eine Menschentraube gebildet hatte und aus dem selbst heraus immer wieder große Staubwolken zu schießen schienen. Es würde wohl kein gutes Ende nehmen.

Siyyin atmete tief durch, die Nerven zum Reißen gespannt. Nach mehreren Versuchen gelang es ihr, in den Sattel zu steigen, wodurch auch Nabraere sich wieder sicherer zu fühlen schien. Und dann ließ Siyyin sie laufen. Sie gab den Weg nicht vor und ließ die Zügel locker, denn sie beide verfolgten das gleiche Ziel – egal wohin, Hauptsache weg. Sie ritten nicht lange, aber als sie an dem blauen Fluss hielten, war das Gasthaus längst hinter den hellen Dünen verschwunden. Siyyin band ihre Stute an einem knorrigen, kleinen Baum fest, der nicht den Eindruck machte, als würde er der heißen Wüste noch lange trotzen. Aber das dachte man von dem ein oder anderen auch, der hartnäckig unter ihnen lebte.
Elfe und Tier löschten lange ihren Durst mit dem erholsamen, kühlen Nass, das an ihnen vorbei schnellte. Siyyin schöpfte das klare Wasser mit ihren Händen und benetzte damit ihr Gesicht sowie ihre Arme, an denen Schmutz und Schweiß wie ein kleiner Film hinab auf den Boden rannen. Es brauchte eine Weile, bis sich ihr Herzschlag wieder beruhigt hatte und die Funken auf der Haut nicht mehr zu sehen waren. Mit dunklen roten Augen betrachtete sie ihr verzerrtes Spiegelbild. Was hatte sie nur getan? Jetzt, wo sie sich beruhigt hatte, kamen die Bilder des vorhin Geschehenen zurück in ihren Geist. Der Mann, die Hitze in ihren Händen, sein Gesicht unter ihrer Hand. Sie schüttelte sich und als sie eine Welle voll Abscheu und Ekel überkam, ging sie schnellen Schrittes einige Meter von ihrem stillen Rastplatz weg, um ihn nicht mit ihrem Mageninhalt zu verschönern. Sie hielt die zerzausten und offenen Haare im Nacken zurück und stand nach vorne gebeugt noch einige Augenblicke so da. Sie würde dieses Bild zu Lebzeiten nicht aus ihrem Gedächtnis streichen können und der Geruch von verbranntem Fleisch kroch ihr abermals in die Nase. Sie hustete erneut und als sie sicher war, dass nichts mehr passieren würde, ging sie zurück ans Wasser und wusch sich erneut das Gesicht und die Hände und trank, während sie versuchte, zu vergessen. Die Beine angewinkelt saß sie später am Ufer, die Arme verschränkt auf den Knien liegend und die Stirn auf ihnen bettend. Was hatte sie nur getan? Während die Schuld schwer an ihr nagte, bemerkte sie nicht, wie sich das Wasser, das unaufhörlich an ihr vorbei floss, langsam rötlich färbte und von einem nahen Bekannten kündigte.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Sa, 29. Jun 2013 15:28

„Nun halt endlich deinen verdammten Schnabel, Du greinendes Küken!“ Und tatsächlich verstummte Duiliath ob der Worte des Anderen beinahe augenblicklich – was wiederum den Anderen in schieres Erstaunen versetzte. Stumm wischte Duiliath sich die Tränen fort, tauchte den Kopf unter und tauchte wieder auf, das der Andere prustend nach Luft schnappte, obgleich der – als sich auf seinem Hinterhaupt als schattenhaftes Schemen doch nur abzeichnender – doch wohl kaum wirklich atmen musste. Noch ehe der Andere sich gefasst hatte, hatte Duiliath auch schon seine Habe zusammengesucht und schritt nun entschlossen das Ufer des Flusses stromab. Nach wenigen Schritten konnte der Andere sein Erstaunen nicht länger zurück halten. „Wieso?“ „Wieso was?“ „Hörst du neuerdings auf mich?“ Abrupt blieb Duiliath stehen und wünschte sich erstmals ein Paar Spiegel, des Anderen Gesichtsausdruck zu erfassen. „Das fragst du jetzt nicht im Ernst, oder?“ Als der andere schwieg und nur mehr ein Grummeln von sich gab, welches frappant an das Ächzen eines nur mehr von seinen Wurzeln in der Schräge gehaltenen vom Sturmwind halb umgeworfenen Baum hätte kommen können. Als Duiliath erkannte das der Andere tatsächlich nicht begriff, nahm der Halbdämon und Drachenerbe seine Schritte wieder auf und erwiderte derweil nach hinten gewandt nur lapidar „Mutter!“, und als darauf keine Reaktion erfolgte ergänzte er: „Ihre Worte, oder eher die ihrer ständigen Begleiterin. ‘Nun halt endlich deinen verdammten Schnabel, Du greinendes Küken!’ diese Worte, so wenig ich sie noch erinnere, waren Ihre, wann immer ich Schwäche zeigte. Ich weiß nicht warum ich das plötzlich erinnerte, aber…“ „Oh!“ Erst jetzt erkannte der Andere das diese Worte, aus den Tiefen seines nachtdunklen Herzens emporgestiegen, ebengleicher Erinnerung entsprungen sein mussten. „Oh!“

Schweigend folgten sie der Windung des trägen Stromes. „Und Mutter hatte Recht, weißt du? Die Welt hat einfach keinen Platz für – oh!“ Nun war es der Andere der wispernd zu erfahren suchte, was den Drachenerben so plötzlich unterbrochen hatte. Lichtlose Dunkelheit bildete sich um seinen Hinterkopf herum. Der Strohhut setzte dem nachtschwarzen Schemen keinen Widerstand entgegen, oder – um genauer zu sein – der Schemen, mit den Konturen eines beinahe drachenhaft echsischen Gesichtes, substanzlos in seiner Erscheinung bot allem Anderen keinen Widerstand durchdrang dieses und machte es Duiliath somit beinahe unmöglich diesen zu verbergen, wenn der es nicht wollte. Nun ja, einmal, kurz nach seiner Verbannung, hatte er sich wohl eine Art Turban gebastelt und seinen Kopf mit dermaßen vielen Stoffbahnen umwickelt das zum einen sein Gehörn, zum anderen der Andere daraus nicht mehr hervorzustehen vermochten. Abgesehen davon, dass das Gezeter wie –murre des Anderen dennoch jedes Bemühen um Unauffälligkeit schier lächerlich machte, hatte Duiliath sich bis zum späten Nachmittag so einen rechten Hitzschlag beschert und einen solchen Kopfschmuck seitdem nicht wieder versucht. Schlimmer als der Hitzschlag war die Hähme des Anderen gewesen, welche ihm noch Wochen später nachhing. „Oh!“ widerholte nun aber auch der Andere, endlich einen Blick erhascht haben. Die Wüstenelfe aus der Schankstube… „Lassen wir sie und ziehen weiter, ich mag keine Gesellschaft!“ der gereizte Ton, welcher dem Wispern des Anderen anhaftete, er war Duiliath Warnung genug, und da auch eher der Gemeinschaft nicht allzu viel Bedeutung beimaß… „Einverstanden!“ wisperte er und schickte sich an, in großem Bogen um die Wüstenelfe und vor allen Dingen auch ihr schon erste Anzeichen von Unruhe zeigendem Reittier, herum zu schleichen und anschließend weiter ungestört seines Wegs zu ziehen.

Doch der Wind spielte ihm einen Streich. Bisher beständig leicht landwärts wehend, hielt er plötzlich inne und wandte sich dann wieder flusswärts. Unruhig begann das Pferd, darauf des Halbdämons Witterung in die angstgeweiteten Nüstern ziehend, herumzutänzeln – wollte scheinbar einerseits das Weite suchen, andererseits seine Reiterin nicht einfach so schutzlos hier zurücklassen. Dann geschah es! Mit einem feindseligen Zischen jagte eine, bisher zwischen dürren Grasbüscheln verborgene wie durch des Aufgebrachten Pferdes tänzelnde Schritt, erschrockene aber zum Gegenangriff bereite Schlange gen der Fessel des der Schlange bedrohlich nahegekommenen Pferdes. Doch noch bevor die gifttriefenden Fänge der Schlange sich in die von warmem Blut durchströmte pochende Ader an des Pferdes hinterer linker Fessel schlagen konnten, geschah etwas, das den Halbdämon selbst erstaunte. In einem Reflex hatte er die Schlange aufhalten, festhalten wollen – wohl wissend, dass er dazu mit gut einem Dutzend Schritten Entfernung bei weitem nicht nahe genug dazu war, als auch schon eine steinerne Hand aus dem Sandigen Untergrund hervor schoss, die Schlange direkt hinter dem Kopf packte und mit einem kaum vernehmlichen Knacken derselben das Genick entzwei brach, um dann – mit dem leblosen Tierkadaver zwischen den steinern Fingern zu verharren, als wäre es ein lebloser Fels, den irgendein verrückter Steinmetz hier draußen zu ebensolcher Form verholfen haben mochte. „Oups!“ „Das kannst Du wohl laut sagen!“ Die Elfe hatte sie entdeckt!
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » Mo, 15. Jul 2013 18:05

Siyyin versuchte die Bilder in ihrem Kopf zu verdrängen, aber so sehr sie sich auch bemühte, der namenlose Fremde kehrte immer wieder zurück. Selbst das nervöse Tänzeln von Nabraere bekam sie nur am Rande mit. Wären ihre Gedanken etwas klarer, sie hätte wohl schneller nach dem Wohl ihrer sandfarbenen Stute geschaut. So jedoch hob sie nur langsam den Kopf, gerade erst, als ein Zischeln gefährlich nah erklang. Das wiederum machte die Wüstenelfe hellwach und obwohl sie sich sofort in einer drehenden Bewegung aufrichtete und zu ihrem Pferd herum drehte, war diese Reaktion, wie jede andere denkbare in diesem Moment auch, viel zu langsam. Die Schlange hätte ihr Ziel schon längst erreicht und sich in dem Bein des Pferdes verbissen. Stattdessen jedoch knackte das Genick der Schlange, die reglos in der felsigen Faust gefangen blieb, die so schnell aus der Erde hervor geschossen kam, dass Siyyin ihre Bewegung gar nicht mit einem Blick fassen konnte. Für einen Moment starrte sie das Gestein an, das eben noch nicht dagewesen war. Aber sie brauchte nicht lange, um den Magier hinter der helfenden Tat, ohne die ihre geliebte Stute ernsthaft verletzt worden wäre, auszumachen.

Ihr stand noch das Erschrecken über den Angriff des Tieres im Gesicht, aber da war auch ein Funke Dankbarkeit, als sie sich zum Helfer herum drehte. Bis sie, anders als erwartet, den Dämon erblickte, der eben ein Gasthaus dem Erdboden gleichgemacht hatte – so nahm sie jedenfalls an – und - viel schlimmer noch - wegen dem sie verfolgt, bedroht und ihre Magie in einer Art angewandte hatte, die sie vor sich selbst nicht rechtfertigen konnte.
"Du!", rief sie aus und aus dem kleinen Fünkchen Dankbarkeit wurden zwei rot funkelnde Augen voller Wut. "Was hast Du getan?!" Und als sie es, zornig auf ihn zulaufend, wiederholte "Was hast Du getan?!" musste Duiliath wohl klar werden, dass sie nicht von der Rettung ihres Pferdes sprach. Die Wut über sich selbst projizierte sich auf den Halbdämon, dem sie die Schuld für ihr Handeln gab, und Emotionen kochten neuerlich in der Wüstenelfe hoch, die ihr Handeln bestimmten.

Doch statt wie manch andere, die bei klarem Verstand waren, vor dem Halbdämon, der immerhin den Anblick eines kränklichen, rothaarigen Burschen darbot, besser stehen zu bleiben, lief Siyyin unaufhörlich weiter. Bis sie nah genug heran war, um den Jungen ungeachtet aller Moralvorstellungen – wusste sie doch ganz genau was er wirklich war – von sich weg zu schubsen. "Du hast sie alle umgebracht, habe ich Recht?!", schrie sie ihm entgegen und zeigte damit eine Reaktion, die ihrer Impulsivität und Leidenschaft geschuldet war. Hätte sie Duiliath unter anderen Umständen entdeckt, die sie nicht miteinander verbanden, sie wäre einfach nur dankbar über seine Tat gewesen. Doch eben jene Gefühle wurden nun von dem Feuer in ihren Augen, das von einer inneren Wut auf den Halbdämon, die sich doch nur gegen sich selbst richtete, verschleiert.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Mo, 15. Jul 2013 20:36

"Du – Was hast Du getan Du – Was hast Du getan Du – Du hast sie alle umgebracht, habe ich Recht?!" Den Stoß hatte Duiliath kommentarlos hingenommen. Solange sie nicht mittels Magie oder Waffengewalt auf ihn los ging, schien noch alles im grünen Bereich. Nun ja, zumindest für einen halbdämonischen spätpubertären Jüngling, dem nebenbei jetzt erst aufging was da für eine Schönheit eigentlich vor ihm stand. Doch momentan brodelte nur der unbändige Zorn eines Geschöpfes in seiner Brust, dem schier nicht nach Gesellschaft und noch weit weniger nach faden moralischen Vorwürfen zumute war. Also stemmte er schließlich die Füße in den Boden und versuchte nun seinerseits kräftig die Wüstenelfe zurückzustoßen. Da sie offen auf ihn zugerannt gekommen war, hatte Duiliath sich hinreichend auf ihre Unmutsbekundung einstellen und den Stoß abfangen können. Er indes, er hoffte sie mit seiner Gegenreaktion im wortwörtlichen Sinne auf dem falschen Fuß erwischen und in der Folge um-, also zu Boden, stoßen zu können. „ Was hast Du getan Du – Was hast Du getan Du – Du hast sie alle umgebracht, habe ich Recht?!“ äffte er ihre Worte nach, ehe er zu der noch immer von der steinernen Faust fest umklammerten Schlange ging und diese aus der wieder im Boden verschwindenden Klaue löste.

„Dich grille ich heute Abend, mein kleiner Freund!“ wisperte der Halbdämon und schaute, sich erneut umwendend, erstaunt auf die noch immer da stehende Elfe. „Nein, ich hab sie nicht alle umgebracht, da war dieser eine und der war Unschuldig!“ Das er mit diesen seinen dieses Mal wieder gewohnt resigniert klingenden Worten – möglicherweise – ihre schlimmsten Befürchtungen gerade schürte, statt sie zu beruhigen, er bemerkte es nicht einmal. Hatte er ihr nicht gesagt das er unschuldiges Leben nicht nehmen konnte? Und nun ja, das der Unschuldige sich so vehement zwischen Duiliath und seinen Opfern platziert hatte ? Okay, das konnte sie wohl nicht wissen, aber auch Duiliath war mit seinen Gedanken gerade woanders und merkte einzig an den auf diese Worte zu ihm herüber brandenden Emotionen, das Siyyin möglicherweise die Worte so hätte verstehen können, das es nur einen Überlebenden, den „Unschuldige“ nämlich gegeben hat.

Den Schlangenkadaver in seinem Beutel verstauend, setzte Duiliath sich auf den Boden, das ausgesprochen unruhige Pferd ignorierend, das scheinbar nicht wusste ob es angreifen oder doch lieber fliehen sollte. Tief atmete er ein, dann aus. „Getötet habe ich nur die, die in den Keller kamen um mich zu töten und jetzt sage bitte nicht das ich ihnen nicht genug Möglichkeiten geboten hätte ihre erbärmliche Haut zu retten!“ Verächtlich spie Duiliath aus ehe er fortfuhr. „Die Anderen … wollten wir töten, ja!“ und als Erklärung fügte er an. „Ich war wütend und ich bin schließlich was ich bin.“ Klang da ein wenig Schmerz in der Stimme mit, der nichts mit der durch der Elfin Stoß neu zu bluten angefangen habende Schulterverletzung zu tun hatte?

„Egal, auf jeden Fall war da dieser Mann, Schmied oder so, dem ich nichts tun konnte, eben weil er unschuldig war. Der hat sich so lange mir entgegengestellt und die Anderen beschützt, bis wir uns wieder beruhigt hatten.“ „...du dich beruhigt hattest!“ peitschte es von Duiliaths Hinterkopf zornig her, das man meinen mochte ein Bündel Zweige wäre irgendwo gerade zerborsten. „Ja, du Arschloch“ kam es Duiliath ziemlich unflätig über die Lippen, was den anderen nur finster Grollen ließ, als wenn ein dicker alter Stamm unter Belastung knarrte und arbeitete. „Also als ‘ich’ mich schließlich wieder beruhigt hatte“, der Andere gab ob dieses Einlenkens Ruhe und sog sich zur Gänze zurück – was auch den unterschwelligen Groll aus Duiliaths Stimme nahm und ihn plötzlich tatsächlich wie einen schwachen kleinen Drachenerben gerade nur erscheinen ließ. „… befahl der Schmied mir Kleider zu geben, meine waren schließlich zerrissen, und zu gehen.“

Ja, es lag plötzlich etwas sehr Menschliches, Verletzliches in des Drachenerbes Stimme. „Ich glaube sie haben den Schmied und ihre Götter gerade hochleben lassen als ich ging.“ Während dieses doch recht langen Monologes hatte Duiliath in seiner Tasche gewühlt, bis er schließlich einige Feuersteine und die tote Schlange aus dem Beutel geklaubt hatte. An der Stelle, da er nur mehr menschlich und schwach plötzlich schien, derweil er mit einer rasiermesserscharfen Feuersteinklinge die Schlange ausweidete, bäumte sich die Erde neben einem verdorrten nahen Strauch auf, schmetterte auf diesen herab – das nur mehr fingerlange Holzsplitter von dem ehemals fast hundegroßem Gewächs zeugten. Darauf schob eine Welle sich bewegenden Erdreiches die Splitter vor den Jungen, der mittels Feuerstein und Pyrit und eines einzigen gekonnten Schlages einen glühenden Funken schlug, welcher zwischen das Geäst des zerstörten Strauches fuhr und recht bald, um nicht zu sagen überraschen schnell für einen, der keine Feuermagie doch beherrschte, ein wohliges warmes Feuer schuf. Obgleich ihn dieses Schauspiel vermutlich grad mehr Kraft und Anstrengung kostete, denn das alles Wert schien, konzentrierte Duiliath sich ein letztes Mal und ein fingerdicker steinerner Halbbogen schoss aus dem Boden, spießte die Schlange in Duiliaths Hand auf und fuhr jenseits des Feuers wieder ins Erdreich, die Schlange in gebotener Höhe über den Flammen festhaltend.

Mit etwas Glück beeindruckte dieses ziemlich offensichtliche Geprahle des Halbdämons die Elfe ja und stimmte sie ihm wohlgesonnen. Andernfalls mochte es sie zumindest warnen sich lieber nicht weiter mit ihm anzulegen. Letzteres aber wohl nur dann, wenn ihr der ob der magischen Anstrengungen bemerkbare Schweißausbruch und die ob der getätigten „Feinarbeiten“ in starker Konzentration gefaltete Stirn, nicht etwa doch klar machten das dieses eben vielleicht doch nicht ganz so lässig ihm von der Hand ging, wie er gerade wohl vorzugeben sich augenscheinlich doch bemühte. Als sei nichts gewesen, und spätestens hier würde Siyyin sein Verhalten als Geprahle wohl erkennen, fragte der Drachenerbe nach einem etwas lustlos scheinendem Herumwühlen in seiner Tasche. „Du hast nicht zufällig etwas Salz dabei?“
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » Do, 01. Aug 2013 21:50

Siyyin war wütend und unvorsichtig und unvorbereitet. Der Stoß war kräftiger, als sie erwartet hatte, blendete sein Aussehen doch über seine Macht hinweg. Sie verlor das Gleichgewicht und den Boden unter den Füßen, aber der Fall nach hinten lenkte sie von ihren Emotionen ab. Sie landete halb auf dem Rücken, ihre reflexartig angewinkelten Unterarme und der weiche Sand dämpften den Aufprall jedoch. Siyyin blinzelte und brauchte einen Moment, bis sie die Orientierung wiedererlangt hatte. Als er ihre Worte in diesem Ton nachsprach, runzelte sie die Stirn und ihr Blick verfinsterte sich. Hätte er ebenso impulsiv wie sie reagiert, das Zusammentreffen wäre vermutlich nur kurz, aber schmerhaft ausgegangen. So jedoch lag die Wüstenelfe im Sand, während Duiliath sich seine Mahlzeit besorgte. Der Fall hatte ihren Ärger zwar nicht vergessen gemacht, aber deutlich sichtbar abgeschwächt. Sie strich die wirr ins Gesicht hängenden Haare zurück und erhob sich, ehe sie sich den Dreck von der Hose klopfte, was unnötig penibel erschien. Schließlich war sie den halben Tag durch die Wüste gereist, hatte mit einem Mann um ihr Leben gekämpft und war dann um ihr Leben durch den heißen Sand geritten. Selbst eine saubere Hose würde nicht zu dem Standard beitragen, den sie sich für ihr Aussehen und Auftreten ersann.

Erneut verfinsterte sich ihr Blick. Er hatte also alle bis auf einen umgebracht? Oder 'nur' den einen? Siyyin konnte seine Worte nicht gänzlich deuten. Sie ballte die Hände zu Fäusten, aber sonst war da nicht mehr viel. Sie fühlte sich plötzlich erschöpft und wenn sie ehrlich war, war ihr eine Waffenruhe ganz recht, sodass sie zuerst wartete, dass er sich besser erklärte. Seine Worte weckten widersprüchliche Gefühle in ihr. Natürlich verstand sie den Willen, sich zu verteidigen und sich nicht einfach so vom Mob aufknüpfen zu lassen. Aber er war ein Dämon, was Siyyin schwer akzeptieren konnte! Andererseits konnte er ihr in wenigen Minuten - oder Sekunden? - den Garaus machen. Etwas, das sie endlich realisierte und sogar ihre Impulsivität zur Ruhe zwang. Er sagte ja selbst, er sei nun einmal, was er sei. Siyyin runzelte die Stirn und ging dann mit einem Seufzen einen Schritt auf den Halbdämon zu. Dieses Mal jedoch bedachter, aber weiterhin misstrauisch und keinesfalls freundlich oder begeistert.

Schweigend hörte sie seinen, mehr oder weniger, erklärenden Worten zu und verstand dann endlich, dass er von einem Unschuldigen geredet hatte, wegen dem er die anderen nicht umgebracht hatte. Zumindest glaubte sie, das zu verstehen, und das beruhigte sie ehrlich. Wenn man seinen Worten denn Glauben schenken konnte und im Moment wirkte er sehr gefasst und.. ehrlich. Die Hände in die Hüfte gestemmt, beobachtete sie den Mischling ganz genau. Sie versuchte einen Blick auf seinen Hinterkopf zu werfen, von dem das Zerborsten von Zweigen zu vernehmen war, konnte aber nichts genaues erkennen. Die knappe Unterhaltung zwischen den beiden ignorierte sie jedoch, auch wenn sie nicht leugnen konnte, dass sie dieses Etwas langsam zu faszinieren begann. Wie war so etwas möglich? Ein Körper, aber zwei Seelen? Siyyin hatte noch nie einen Dämon gesehen oder war ihnen so nahe gekommen. Die Schauergeschichten erzählten zwar von ihrer Andersartigkeit und von kaum etwas anderen. Aber in diesen Geschichten wurden sie niemals als Wesen mit offenbar menschlichen Zügen dargestellt. Und diese gab es, anders konnte sie den Schmerz in Duiliath' Stimme und all die anderen Emotionen, die darin mitschwangen, nicht erklären, auch wenn ihr dieser neue Blickwinkel selbst nicht sehr gefiel.

Ebenso sehr faszinierte sie leider das Schauspiel, das er ihr bot. Die Erde war sein Element, das war unverkennbar und er beherrschte sie gut. Trotzdem stahl sich ein Schmunzeln auf ihre Lippen, bis sie sich dabei erwischte und die Mundwinkel sogleich wieder erstarrten. Sie nahm die magische Macht, die er ihr demonstrierte, durchaus wahr. Dass sie einem Dämon gegenüber stand und was das für Gefahren mit sich brachte, war ihr schon vorhin im Gasthaus bewusst gewesen. Deshalb kam das ganze bei ihr tatsächlich eher wie das Geprahle eines Jüngling an. Zumal ihr die offensichtlich körperliche Anstrengung, die sich auf seinem Gesicht abzeichnete, nicht entging. Vor allem diese beruhigte sie doch, sodass sie sich weiter langsam näherte.

Ohne ihn aus den Augen zu lassen, ging sie zu Nabraere hinüber, griff nach dem Halfter und strich ihr beruhigend über die Nüstern. "Nein, habe ich nicht", antwortete sie Duiliath dann mit überraschend neutraler Stimme und eher nebenbei. "Shh, shh. Schon gut, alles gut, Nabraere", flüsterte sie dann ihrer Stute im zärtlichen Elfisch zu. Doch sie wollte sich in der Nähe des Dämons nur schwer beruhigen, auch wenn ihr Siyyins direkte Nähe offensichtlich half.
"Und was steht noch von dem Gasthaus?", fragte sie nach einer Weile, ohne auf die Spielchen Duiliath' einzugehen. Im Moment war ihr nicht zu scherzen zumute. Auch jetzt war der Ton ihrer Stimme neutral, keine Aggression, keinerlei Vorwürfe. Aber da war auch keine Angst. Sein Benehmen und sein Aussehen täuschten abermals über sein wahres Wesen hinweg und spielten ihr im Grunde einen Streich - auch im Sinne Siyyins, die im Moment gar nicht so genau darüber nachdenken wollte, dass sie direkt neben einem Dämon stand und was das für Folgen nach sich ziehen konnte.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Fr, 02. Aug 2013 0:10

"Und was steht noch von dem Gasthaus?" Ein schmerzlicher Zug legte sich auf seine Züge. „Das Meiste, aber die Wirtsleute werden es wieder aufbauen können. Wenn du umkehren magst,“ Duiliath kramte in seinem Beutel und hielt ihr einige bunte Halbedelsteine entgegen die er, als Siyyin diese nicht sofort entgegen nahm auf den Boden ablegte. „Wenn du zurückgehen und das als meine Entschuldigung und meinen Anteil am Wiederaufbau bezahlen magst... Ich fürchte, wenn ich dort nochmal hinginge, gäbe es nichts mehr zum Aufbauen danach.“ Und es war ja nicht so, das er nicht versucht hätte zu vermeiden was unvermeidlich doch war. Da die Wirtin tatsächlich ausgesprochen höflich und freundlich ihm gegenüber doch gewesen war, war des Drachenerbes Angebot durchaus ernst gemeint. Würde Siyyin die Steine nehmen, deren Wert er nicht kannte und die er nur ihrer Schönheit wegen gesammelt hatte und die aber auch seinen einzigen Besitz darstellten, er würde sie damit ziehen lassen und sich gar aufrichtig wünschen, dass die Wirtin das als Ausdruck seiner Entschuldigung annähme.

Die über dem Feuer garende Schlange mit einem etwas größerem Rest des zerstörten Busches, einem etwa zwei Ellen messendem etwas dickeren Zweig, über dem Feuer drehend, informierte er die Wüstenelfe indes erst einmal über etwas Anderes. „Etwa sechs Schritte“, er deutete in die vom Rauch abgewandte Seite des Lagerfeuers. „... in die Richtung – aber nicht zu nah am Ufer, da es hier glaube ich Krokodile gibt – sollten reichen sie zu beruhigen.“ Anschließend, sollte sie bis dahin nicht reagiert haben, würde er die Steine noch etwas näher zu der Wüstenelfe schieben und sie nochmals auffordern das gerne zum Gasthaus zu bringen und der Wirtin übergeben zu können. „Das ist alles was ich habe.“ Ergänzte er darauf noch verlegen, so als fürchte er ihr wertlose Kiesel vielleicht gerade nur hingelegt zu haben. „Dann kannst du dich auch gleich überzeugen, dass ich sie nicht alle aufgefressen habe.“ ergänzte Duiliath auffordernd. Er hing zwar an den Steinen, aber zum einen war ihm wichtig das die Elfe nicht mit Geschichten vom menschenschlachtenden Dämon in ihre und seine einzige Heimat zurückkehrte ihm so endgültig die Hoffnung auf eine Rückkehr, irgendwann einmal, zu nehmen. Außerdem wollte der Drachenerbe in ihm der Wirtin Gleiches mit Gleichem vergelten, statt ihre Offenheit mit ihrem Ruin etwa zu vergelten.

Sollte Siyyin dieser letzen Aufforderung in Form der ohne sein bewusstes Zutun der Wüstenelfe vor die Füße rollenden Steine nachgeben und zurück reiten, er würde warten, alleine schon um zu erfahren ob die Wirtin seine Entschuldigung und mithin die Steine wohl annähme. Allerdings wäre die Schlange bei Siyyins Rückkehr wohl längst verspeist, das Feuer erloschen und der Halbdämon träge auf dem Rücken liegend im kühlen Nass des Uferbereiches zwischen zwei Schilfgrasskolonien treibend. Sollte Siyyin indes auch seinen letzten Aufmunterer ignorieren, er nähme die Steine wieder auf sich, würde – ohne ihr etwas von dem Tier anzubieten sich heißhungrig darüber her machen, das Feuer beim Garen bereits aber, ob dessen Hitze, leise verfluchen und mit beinahe traumwandlerischen Schritten zum nahen Fluss schreiten, einzig auf die unruhig dann werdende Stute Rücksicht nehmend einen kleinen Bogenschlagen schlagen und sich im kalten Nass des Uferbereiches abzukühlen versuchen, bis das Fleisch denn endlich gar wäre.
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » Di, 20. Aug 2013 12:08

Die Wüstenelfe war froh, dass es laut seinen Worten noch etwas von dem Gasthaus gab, das man aufbauen konnte. Aber mehr noch, dass es noch jemanden gab. Die Wirtsleute waren also unversehrt. Ungläubig starrte sie den Halbdämon an, als er ihr die Entschädigung für seinen Angriff darlegte und sie bat, diese und eine Entschuldigung an die beiden Wirte zu überbringen. Das hatte sie nun wirklich nicht erwartet. Deshalb stand sie zunächst auch etwas perplex da, starrte den Dämon an, der ihr als nächstes einen Hinweis gab, wie sie ihre Stute beruhigen konnte und die Edelsteine dann noch ein Stück näher zu ihr heran schob. Sie betrachtete die Steine, die ein Vermögen wert sein mussten, was Duiliath offenbar nicht bewusst war. So große Schuldgefühle gestand sie keinem zu, auf dass er Edelsteine von diesem Wert einfach so hergab und dann noch einer Fremden anvertraute.
"Sie haben es verdient", stimmte sie ihm dann zu. Nie im Leben wäre sie mit diesen Edelsteinen einfach davon geritten. Sie mochte die Wirtin des Gasthauses, sie hatte ihnen immer eine gute Unterkunft und eine angenehme Zeit beschert. "Also gut, ich werde ihnen die Steine geben." Sie nahm Nebraere an die Zügel und entfernte sich einige Schritte von Duiliath. Lange hatte sie darüber nicht nachdenken müssen. Das war die perfekte Gelegenheit, um von diesem Dämon zu verschwinden. Sie hatte schon überlegt, wie sie sich von ihm entfernen sollte. Sein Gemüt und seine Reaktion konnte sie nicht einschätzen und da er ein Dämon war, erwartete sie nun einmal, dass ein Abschied von ihm nicht leichtfallen würde. So jedoch erleichterte er ihr die Lösung des Problems. Sie würde der Wirtin die Edelsteine geben und konnte dann nach Demera zurück kehren. Sie würde den Dämon nie wiedersehen müssen. Ohne einen Abschiedsgruß, der ihn hätte misstrauisch machen können, schwang sie sich auf den Rücken ihrer Stute und ritt davon.

Nabraere entspannte sich merklich unter ihr, kaum dass sie sich einige Meter von dem Erddämon entfernt hatten. Siyyin genoss den Ritt. Erst jetzt bemerkte sie, wie sich ihr Körper und ihre Nerven beruhigten und wie angespannt sie vorher gewesen war. Die Einsamkeit der Wüste strahlte eine wohltuende Ruhe auf sie aus. Sie ließ sich Zeit, denn dieses mal trieb sie nicht das Geringste. Als sie die Dünen überquert hatten, erkannte Siyyin schon von weitem, dass das Gasthaus deutlich schiefer da stand als am heutigen Morgen. Beim Näherkommen war ferner zu erkennen, dass ein Teil der linken Häuserseite eingefallen war. Darunter klaffte ein riesiges Loch. Siyyin konnte den Schaden nicht einschätzen, aber er war sehr hoch. Doch für die Edelsteine würden sich die beiden eine gänzlich neue Existenz aufbauen können. Unter dem Unterstand, der offenbar robust genug war, um den Angriff eines Dämons zu überleben, standen nur wenige Pferde. Die meisten Besucher hatten ihre Reise wohl frühzeitig wieder aufgenommen. Siyyin brachte ihre Stute zum Stehen und band sie an einen hölzernen Pfahl an, ehe sie in das Innere des Gasthauses trat, wobei die Tür ein lautes Knarren von sich gab.
"Herrin al-Anurahi, Djedua sei Dank, Ihr lebt! Wie geht es Euch, seid Ihr verletzt? Ihr seht erschöpft aus, setzt Euch!" Wie üblich drang auch jetzt noch ein Schwall sorgenvoller Worte aus dem Mund der Wirtin. Dabei sah sie selbst abgespannt und müde aus. Ihre Augen waren gerötet, die Haare zerzaust und alles in allem bot sie das Bild einer sehr verzweifelten Frau. Ihr Mann saß an der Theke und nahm eben einen großen Schluck aus einem Krug, der vermutlich mit Alkohol gefüllt war.
"Mir geht es gut, alles in Ordnung."

Siyyin blieb lange dort. Die beiden erzählten ihr umfassend, was geschehen war. Sie betrauerten den Einfall des unteren Geschosses und des halben Daches, und sie betrauerten die Toten. Glücklicherweise waren es nicht viele gewesen und es waren auch nicht viele verletzt worden. Und glücklicherweise hatten sie den Dämon, wenn schon nicht töten, wenigstens vertreiben können. Ja, der Dämon. Das war der Zeitpunkt, als die Elfe die bunten Edelsteine herausholte. Sie erzählte ihnen, dass sich der Dämon entschuldigte und dies die Entschädigung für sein Handeln war. Die beiden starrten sie so ungläubig an, wie sie vorhin wohl selbst Duiliath. Dann brach die Wirtin in Tränen aus, umarmte sie fest und bedankte sich mehrere Male. Siyyin blieb, um sie zu beruhigen, wobei sie ihr holprig auf die Schulter klopfte. Selten hatte sie jemanden getröstet und niemals war es einfühlend und gut gewesen. Das war eben nichts für sie. Deshalb war sie froh, als sich die Frau von ihr löste und nun in einer glücklichen Umarmung mit ihrem Mann schwelgte.

Die Küche hatte ebenfalls Schaden genommen, aber noch hielt sie, sodass die beiden ihr ein Mahl aufwärmten, das Siyyin gerne annahm. Die Strapazen hatten sie einiges an Kraft gekostet und das Essen hier war immer gut gewesen. Ausnahmsweise trank sie auch Wein, der ihr tatsächlich gut tat, so wie es ihr der Wirt versprochen hatte. Als sie so da saß, gesättigt und zufrieden mit der Welt, blickte die Wirtin sie mit großen Augen an.
"Könnt Ihr uns bitte noch einen Gefallen tun, Herrin al-Anurahi? Ihr sagtet, Ihr wisst, wo dieser Dämon ist. Bitte begleitet ihn. Bringt ihn weg von hier."
"Ich soll was?" Siyyin, die sich schon wieder auf dem Rückweg nach Demera gesehen hatte, sah die Wirtin, die sie darum bat, diesen Dämon noch weiter zu begleiten, fast argwöhnisch an.
"Bitte. Die Leute haben Angst. Was ist, wenn er zurück kommt? Sie wollen eine Hetzjagd auf ihn verüben und werden dabei bestimmt.. sterben." Ihre Stimme erstarb und sie holte tief Luft. "Kein Mensch und kein Elf wird gegen ihn ankommen. Aber er hat Euch die Edelsteine gegeben, er scheint Euch zu vertrauen. Ihr seid die Einzige, die ihn friedlich aus dem Land schaffen kann. Bitte, bringt ihn nur außerhalb von Kamîrush."

Das war nun eine Stunde her. Zerstört war die Stimmung, weg das schöne Gefühl nach einem guten Essen und einem Wein, dessen Wirkung Siyyin vorhin noch bevorzugt hatte. Vorhin.. als sie noch geglaubt hatte, heute Abend wieder in Demera zu sein, bei ihrer Familie. Doch jetzt sah die Realität ganz anders aus. Sie war niemand, der für jeden einen Gefallen übernahm oder der sich gar groß um die Belange anderer kümmerte. Aber diese Wirtsleute und ihr Anliegen.. wer wollte schon einen Dämon im Haus haben oder seine Freunde und Bekannte tot wissen, die sich auf die Jagd nach diesem machten?
Es hatte lange gedauert und die beiden viel Überredenskunst gekostet, aber am Ende stand es fest: Sie würde Duiliath begleiten. Eine schöne Beschreibung dafür, sicherzustellen, dass dieser Junge außerhalb Kamîrushs geschafft wurde, um hier bloß keiner Menschenseele etwas zu tun. Die Wirtsleute würden Aabid schicken, um Jemins Sachen nach Demera zu bringen und ihren Vater zu informieren. Sie würde ihn wohl erst in Aysibrir wiedersehen. Siyyin graute es schon davor, die nächsten drei oder vier Wochen mit einem jungen Dämon verbringen zu müssen.

Als sie zurück zu dem Lagerplatz am Großen Strom kehrte, hoffte sie, dass er einfach weitergezogen war und somit nicht mehr ihr Problem sein würde. Leider stellte sich schnell heraus, dass er noch da war. Er genoss scheinbar die Strahlen der Sonne, die sich merkbar gen Horizont senkte, während er im Wasser schwamm. Siyyin machte sich nicht groß bemerkbar, sicher würde er sie auch so bemerken, ohne dass sie einen Gruß von sich gab. Stattdessen begann sie damit, Nebraere abzusatteln, die wieder unruhiger wurde. Die Wirtsleute hatten ihr glücklicherweise nicht nur einen Haufen Dankbarkeit mitgegeben, sondern auch Decken, Geld, Proviant und andere Dinge, die sie zum (Über)Leben in der Wüste und unter freiem Himmel benötigen würden.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Di, 27. Aug 2013 19:49

Duiliath hatte in den Augen der Wüstenelfe gesehen, das es den anderen Völkern ein ebenso großer Schatz wohl war, wie ihm. Dennoch war es dem Drachenerben in ihm eine ungewohnte Erleichterung das Siyyin die Steine schließlich annahm und zu den Wirtsleuten zu bringen sich bereit erklärte. Zwar lamentierte der Andere, nachdem die Wüstenelfe endlich fort war, fortwährend was für eine Verschwendung das doch wäre und das die Andere es schlicht nicht anders verdient hätten, doch statt dem Ärger des Anderen nachzugeben oder auch nur mit diesem zu streiten nahm Duiliath sich den letzten Rest Schinken[18],welches aus der Lende eines Vergewaltigers geschnitten ward, der das traurige Pech hatte während seiner letzten Tat von dem von den verzweifelten Schreien der Frau herbeigelockten Halbdämon gestört zu werden. Was darauf folgte stürzte die Frau in ein solches Traume, das sie erst Wochen später zu berichten vermochte wer das dem Mann und warum angetan hatte. Doch zu dem Zeitpunkt war Duiliath von den erbosten Bewohnern jenes Ortes längst als Mörder, versuchter Vergewaltiger und schlimmeres gar noch verjagt worden. Das die Frau weitere Wochen darauf nach ihm suchen ließ, ihm zum Dank für die Bewahrung ihrer Unschuld mit Gold und Anerkennung zu beschenken, er hat es nie erfahren[/18]. Und nachdem der Schinken schließlich genüsslich verzehrt ward, und der Andere aber währenddessen in einem fort lamentiert hatte, entledigte sich Duiliath versonnen seiner Gewandung, ging leise vor sich hin summend zu einen strömungsarmen Teil der nahen Flussbiegung und lies sich genüsslich lächelnd auf dem Rücken liegend ins Wasser gleiten und dort treiben.

„Grlbglblbblggrchrlbwlblbb!“ Obgleich der Andere nicht atmen brauchte und also wohl auch nicht durch das Herauspressen von Luft aus der Kehle seine Worte wohl formte, war der Effekt verblüffend, klangen des Anderen ärgerlich hervorgestoßene Verwünschungen – zumindest nahm Duiliath an ,dass es sich eben darum wohl handeln mochte, als versuche ein normaler Mensch mit dem Kopf unter Wasser verständlich zu sprechen. Duiliath kicherte Vergnügt ind als der Andere sich so weit als Möglich aus Duiliaths Hinterkopf hervor und gar zus Seite und aus dem Wasser heraus sich zu drängen versuchte, drehte der Drachenerbe nur vergnügt den Kopf in jene Richtung, das der Andere so wieder untertauchte. Schließlich dann aber hatte der Andere wohl aufgegeben, und sich zurückgezogen, womit dann auch das zuletzt hässliche Ziehen an seinem Hinterkopf verklang. Duiliath lag so still auf dem Rücken, das scheinbar gar ein etwas zu leichtsinniger Flusswels an ihn heran schwamm, vorwitzig an dem vermeintlichen Kadaver zu knabbern. Es war kein leichter Tod welches das Tier zu erleiden hatte[18], obgleich doch unendlich viel gnädiger, denn jenes Ende des Vergewaltigers, dessen letzte Reste Duiliath Hunger gerade so angenehm gestillt hatten[/18]. Schließlich aber war des Anderen Groll in ihm zum Verklingen gebracht, auch wenn der Andere wohl lieber ein Geschöpf mit etwas mehr Vernunft gerne wohl gequält, in dessen Augen das Begreifen des letztendlichen Unvermeidlichen noch deutlicher doch hervortreten zu sehen.

Doch es war gut und vor allen Dingen genug, den Dämon in ihm gnädig zu stimmen, und mithin ruhig. So stieg Duiliath, als er Siyyin erneut heran reiten sah, in eine ihn plötzlich um ihn her aufsteigende Staubwolke gehüllt, aus dem Wasser, kleidete sich an und hielt der Wüstenelfe, kam das der Staub sich wieder gelegt hatte, zwei saubere nassglänzende und nicht im Mindesten schmutzige weiße Filetstücke jenes getöteten Welses entgegen. Kopf und Innereien des Tieres begleiteten jenen Schinken inzwischen auf ihrer letzten Reise, aber das unter den zivilisierteren Völkern geschätztere reine Muskelfleisch, es funkelte der Wüstenelfe verheißend entgegen. „Hunger? Und – aeh, wie ist’s jetzt gelaufen?“ Unschuldig und ganz der harmlos scheinende 13 Jährige Knirps der sich fragte was die Strafe für eine kleine begangene Flegelei wohl sein mochte, blickte er zu Siyyin auf, das diese sich einen Moment beinahe verlockt wähnte zu vergessen wer, oder besser gesagt – was – da wirklich gerade vor ihr stand.
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » Mi, 04. Sep 2013 21:43

Sie schenkte dem Jungen nur einen kurzen, missgünstigen Blick. Wenn es ihn den je gegeben hatte, der Funke guter Laune war schon beim heutigen Frühstück verloschen und wie es aussah, würde man ihn heute nicht mehr erneut entzünden können. Das war der dunkelste Tag ihres Lebens. Auf einmal musste sie an Salérís Worte denken. Sie hatte sie als Feuerdämonin bezeichnet.. und nun musste sie mit einen von diesen Wesen tatsächlich durch die sandige Wüste reisen. Das war unfassbar! Leise Wut kroch in ihr hinauf, dieses Mal war sie jedoch Salérí geschuldet. Schnell schüttelte sie die Gedanken an sie ab, auch wenn sie wusste, dass sie nicht zum letzten Mal in ihrem Kopf herum kreisen würden.

Dann sah sie zu Duiliath, der ihr etwas hinhielt. Die Überraschung darüber konnte sie nicht direkt hinter ihrer unfreundlichen Miene verbergen, sondern brauchte einen Moment, um sich zu fassen und ihre Gefühle wieder unter Verschluss zu bringen. Fragend hob sich für einen Moment eine der geschwungenen Augenbrauen. Warum bot er ihr dies an? Mit dieser Geste, die unerwartet und offenbar unbegründet einfach so erfolgte, konnte sie nicht wirklich etwas anfangen und es irritierte sie sichtlich. "Mhm." Sie sprach kein Danke aus, denn dazu war sie auch jetzt noch nicht fähig, auch wenn es jeder andere, der ihr Pferd beschützt hätte, schon längst zu hören bekomme hätte. Aber nicht Duiliath. Sich bei einem Dämonen zu bedanken, überschritt eine Grenze, über die Siyyin selbst bei Elfen sehr selten ging. Deshalb gab sie nur einen zustimmenden Laut von sich und nahm den Fisch entgegen, der - fast zu ihrem Unwillen - wirklich sehr appetitlich aussah. Zwar hatte sie erst vorhin gegessen, aber dieser frisch gefangene Fisch schrie förmlich danach, gegessen zu werden, bevor er verdarb. Bevor sie sich wieder dem mitgebrachten Dingen widmete, warf sie noch einmal einen Blick auf Duiliath. Was er wohl wollte? Kein Dämon bot jemand anderem einfach so etwas an. Da war sich die Wüstenelfe sicher. Selbst mancher Ihresgleichen war nicht so freizügig im Geben.

Siyyin wandte sich den Decken zu, die sie zusammengerollt hinter dem Sattel befestigt hatte. Eine davon breitete sie auf dem Boden aus, die zweite legte sie darauf. Beide würden ihr später als Matte und Decke dienen. Während sie so beschäftigt war, und Duiliath – scheinbar desinteressiert - zwei weitere Decken reichte, ging sie auf seine Frage ein: "Die beiden bedanken sich. Sie waren überrascht darüber.. über deine Entschuldigung und den Edelsteinen. Wär hätte damit auch gerechnet." Letztere Worte waren gemurmelt, aber nicht so, als solle Duiliath sie nicht verstehen, sondern eher als eine Art Zusatz. Auch wenn sie sich mit ihm für den Moment arrangierte, machte sie keinen Hehl daraus, was sie über ihr Beisammensein empfand. Sie schaute Duiliath kurz an, seufzte dann und kramte in der Tasche ihrer Hose. Zwei der Edelsteine, die er ihr gegeben hatte, legte sie vor ihn hin. "Mit den anderen können sie sich drei neue Gasthäuser erbauen. Sie wollten, dass du diese hier behälst. Jonlai verstehe diese Menschen."

Sie sah sich kurz um, ehe sie die Feuerstelle ausgemacht hatte, die der Junge vorhin genutzt hatte. Ohne ihn im Moment weiter zu beachten, ging sie mit dem Fisch, den sie in ein sauberes Tuch gewickelt hatte, hinüber zu der Stelle. Das Feuer war schon erloschen, aber die Glut war noch warm, wie sie an der flachen Handfläche spürte. Sie zeichnete ein magisches Symbol über die Glut und konzentrierte sich dann auf die Magie, die kribbelnd in ihre Fingerspitzen floss. Es dauerte nicht lange, bis der Zauber neue Flammen aufstoben ließ, die sich die Holzscheite entlang fraßen. Siyyin vermehrte das Feuer mit ihrer Magie, was sie nur wenig Kraft kostete, bis kleine Flammen empor züngelten und das Holz zum Knistern brachten. Als das Feuer wieder brannte, nahm sie das feine Muskelfleisch, das Duiliath ihr gegeben hatte, spießte es auf einem Ast auf und hielt es waagerecht über das Feuer, auf dass es schmackhaft gar werden würde. Sie bedauerte, dass der Junge kein Salz bei sich hatte, denn auch sie hatte vergessen, die Wirtsleute danach zu fragen.

"Wo willst du jetzt hin, Duiliath?" Sein Name war nicht der Einfachste, aber der Elfe waren solche nicht gänzlich fremd. Sie musste nicht einmal versuchen, ihn beiläufig nach seinen Plänen zu fragen, denn eigentlich interessierte es sie tatsächlich, hatte sie doch vorhin schon einmal danach gefragt, nur war das Gespräch leider - aufgrund des daraufhin Geschehenen - unterbrochen worden. In Siyyins Augen spiegelte sich das Leuchten der Flammen wider, die sie beobachtete, während sie auf eine Antwort des Dämons wartete.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » So, 08. Sep 2013 20:21

Duiliath spürte deutlich die Wut in der Frau, die ihm zwar nicht direkt galt, dem Drachenerben in ihm jedoch dennoch gewaltig entgegen wogte. Die Emotionen die ihm eher galten waren Misstrauen, und gesundes Maß an Ablehnung wie Unbehagen und ein Quäntchen überheblicher Verachtung. Das hatte er von etlichen Gespürt, einzig die Wüstenelfen in seiner Heimat dazu noch einen Hauch von Achtung wie Respekt, dem Drachenerben in ihm bisweilen zollten. Aber vielleicht war das ja nur ein Aspekt den er an ihr übersehen hatte oder den die Anderen ihm zumeist nur vorgeheuchelt hatten. Dennoch ging von der Frau nicht aus, womit er groß ein Problem gehabt hätte, Einzig es ihn sehr verwunderte das sie nicht nach Überbringung der Botschaft und der Rückgabe eines Teiles der offerierten Steine ihr Pferd wendete und verschwand. Einzig darum hatte er ihr offen gestanden so ohne jegliche Umschweife den Fisch angeboten, dessen Kopf und Flossen er bereits roh im Fluss verschlungen hatte, derweil er mit einer Feuersteinklinge dann das geschmacksneutralere Filet herausgetrennt und, weil satt, ihr schließlich offeriert hatte. Doch statt wie erwartet davonzureiten, schickte sie sich scheinbar an hier und jetzt den Fisch zuzubereiten und reichte ihm gar noch, wie nebenbei zwei Decken. Die Beiden Wirtsleute waren überrascht, wer konnte schon damit rechnen?

Wäre Duiliath in einer weniger gelösten Stimmung gerade, er hätte sich über solches Gerede glatt wieder aufregen können. Dämonen schienen unsozial und wenn er an seine letzte Begegnung mit der elfischen Dämonin zurück dachte, welche sich einen perfiden Spaß daraus gemacht hatte so zu tun, als beherrsche ihre Muttersprache nicht, dann hatte sie auch einen Hang zu grausamen Spielen, aber sie waren doch keine Monster – davon ab! „Wo ich hin will? Ich habe kein Ziel, also vermutlich genau in die entgegengesetzte Frage von dir. Aber wenn du mich nicht leiden magst...“ Seine Stimme war an diesem Punkt so vollkommen entspannt und ohne den leisesten Groll, das es regelrecht erstaunen mochte. „ – wieso reitest du dann nicht einfach weiter?“ Er selbst wäre ja längst schon weitergestiefelt aber so, noch immer mit den beiden Decken in den Händen, fühlte er sich irgendwie... nun ja, noch nicht entlassen. Drum, die Decken ungenutzt in der Hand, die letzte Frische des von der Sonne langsam verdampfenden Wassers genießend, schaute er der Elfe zu, bis sie mit dem Fisch halbwegs zufrieden war, ehe er aus dem Nichts heraus eben jene – überraschend direkte – Frage an Siyyin richtete.

Die Decke zusammenlegend und direkt auf dem Boden daneben Platz nehmend, er mochte es nicht unnötige Barrieren zwischen sich und seinem Element zu wissen, schaute er zu der weiterhin mit ihrem Fisch beschäftigten Elfin hinüber. „Asche ist übrigens, sauber verbrannt, sauber und schmeckt leicht salzig – falls du den Fisch etwas würzen magst.“ sprach er dann, als sein Gegenüber den fertigen Fisch leicht zweifelnd anschaute und ob ihres daraufhin ihm zugewandten nicht minder zweifelnd ihm scheinenden Blickes: „Nein, wirklich jetzt – hab’s selbst schon mehrfach selbst so gemacht.“ Dann sich ihrer Frage erinnernd und eingedenk sie mit seinen bisherigen Antworten dazu scheints nicht zufrieden schien: „Ich will in den Norden, wo’s kälter ist – die Wilden Lande vielleicht oder Arcanis.“ Selbst ein wenig ob der Worte erstaunt, musste er ihnen aber doch Recht geben. Bis zu jener Schwäche in jener Nacht, da der Stern vom Himmel gefallen war, liebte er die Kälte, wo ihm vorher die Hitze doch ein Labsal war. Bis zu dem gestürzten Stern war er darum im Süden, in den tropisch heißen Klimazonen, in der Wüste. Nun aber... „Ich könnte auch versuchen den vom Himmel gefallenen Stern zu finden. Hast du schon mal einen Stern berührt?“
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » So, 15. Sep 2013 11:00

Siyyins Blick lag stur auf dem Fisch, der über dem Feuer briet und dessen Duft ihr verführerisch in die Nase kroch. „Wo ich hin will? Ich habe kein Ziel, also vermutlich genau in die entgegengesetzte Frage von dir. Aber wenn du mich nicht leiden magst...“ An diesem Punkt schaute sie, überrascht von dem entspannten Ton, während die Wortwahl glatt zu einem trotzigen Jungen hätte passen können, zu dem jungen Erddämon. „ – wieso reitest du dann nicht einfach weiter?“
Verdammt. Langsam, aber eigentlich nur, weil sie sich ertappt fühlte, sah sie zurück auf den Fisch, der sich begann dunkler zu färben. Aber seine Frage war begründet. Wieso ritt sie nicht einfach weiter? Das hatte sie doch eigentlich sowieso von Anfang an machen wollen. Die beiden Wirtsleute würden davon doch nichts erfahren und außerdem – wieso interessierte sie sich plötzlich für die Belange anderer? Dann jedoch musste sie daran zurück denken, wie das Gasthaus nun aussah und erinnerte sich an die Angst in den Augen der Wirtsfrau, als sie glaubte, dass der Dämon ihre Freunde und Bekannte töten würde, sobald sich diese ihm erneut nähern würden, um ihn von hier fort zu jagen.

Sie grübelte noch darüber nach, was sie Duiliath antworten sollte, da löste er zum Glück die angespannte Stille und empfahl ihr die Asche zum Würzen. Skeptisch blickte sie erneut zu ihm hinüber, sah dann zur Asche und dann auf den Fisch, der fertig gegart war. Sie zögerte einen Moment, entschloss sich dann aber, seinen Ratschlag auszuprobieren, um nicht auf eine salzige Würze zu verzichten - wenn es denn stimmte und er sie nicht zur Närrin hielt. Sie griff nach etwas Asche, die außerhalb der Flammen lag, und rieselte mit den Fingerspitzen etwas davon auf einen Teil des Fisches. Immerhin hatte sie so Zeit, geschäftig zu wirken und seiner Frage auszuweichen. Tatsächlich hatte der Junge Recht, wie ihr bei dem ersten Bissen klar wurde. Die Asche gab dem Fisch zusätzlichen Geschmack und verfeinerte das saftige Muskelfleisch. Daher rieselte sie weitere Asche über den frischen Fisch, auch wenn nicht sehr viel. Der grundsätzliche Gedanke, Asche zu essen, auch wenn diese ein gutes Gewürz abgab, förderte dann eben doch nicht gänzlich ihren Appetit.

Währenddessen wurde Duiliath, was das Ziel seiner Reise anging, noch etwas ausführlicher. Das neue Thema ließ sie seine gestellte Frage vergessen. "In den Norden, wo es kälter ist?", wiederholte sie und musterte den Dämonen eindringlich, während sie sich mittlerweile herum gedreht hatte, und nun, ihm zugewandt und im Schneidersitz da sitzend an dem Fisch knabberte. "Ich dachte, du kommst aus der Wüste, hast bei uns gelebt?" Seine Heimat und sein Ziel passten für sie nicht ganz zusammen. Als Wüstenelfe würde sie niemals auf den Gedanken kommen, in den kalten Norden zu reisen. Wieso auch? Hier war es warm, und das war gut so. Auch wenn es sie zunächst beruhigte, dass er nicht nach Aysibrir wollte, denn sonst hätte sie ihre Familie in Gefahr gedacht, irritierte sie sein Ziel dennoch.

Heute Vormittag hatte er doch schon einmal von diesem Stern erzählt. Sie glaubte, dass er erwähnt hatte, dass er etwas mit seinem Fieber zu tun hatte, aber an genaueres konnte sie sich nicht erinnern.
"Der gefallene Stern.. jeder redet davon. In Demera hörst du fast nichts anderes und jeder will dir seine Version vom Fall des Sterns und seiner Bedeutung erzählen. Ich war gerade zwei Tage von der Stadt entfernt, als der riesige Feuerball über unseren Köpfen am Himmel entlang gerast ist." Eine Hitzewelle, die sie selbst in der Wüste selten erlebt hatte, war von dem Feuerball ausgegangen, der irgendwann am nördlichen Horizont verschwunden war. Manche hatten sogar geglaubt, dass die Sonne vom Himmel gefallen war, bis die verbliebene Helligkeit sie eines Besseren belehrten. Für sie war es ein fasziniertes Naturspektakel gewesen, dem sie keine weitere Bedeutung zugemessen hatte. In Demera dann hatte sie zum ersten Mal erfahren, dass es sich um einen Stern handelte, aber noch heute wusste sie nicht, ob sie wirklich glauben konnte, dass er tatsächlich auf Alvarania eingeschlagen war. Das lag außerhalb ihrer Vorstellungskraft.

"Denkst du, dass er wirklich dort ist?" Ihre Stimme nahm für einen Moment einen anderen Ton an. Als würde sie mit einem Gleichgestellten reden, mit jemanden, mit dem sie einfach nur ein nettes Gespräch führen wollte. "Ich habe noch nie einen Stern berührt", antwortete sie schließlich noch auf seine Frage. Sie wollte noch hinzufügen, dass das ja auch ein reichlich dummer Gedanke war - wie sollte man schon einen Stern berühren, da sie doch so hoch am Himmel waren? Aber als ihr Blick auf den jungen Drachenerben fiel, der sich seufzend zurück gelegt hatte, da hielt sie den Mund und aß schweigend den Fisch.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Di, 17. Sep 2013 19:47

Statt seine Frage zu beantworten, wich sie seinem Blick aus, wandte sich dem Fisch zu und ging schließlich auf spätere Worte von ihm dann nur ein. Aber vielleicht war diese Frage auch zu vertraulich gewesen. Er hatte einen inneren Kampf bei ihr gespürt und war sich sicher, das ein Teil ihrer – offenkundig der vernünftigere Welche – sich tatsächlich die selbe Frage stellte. Ein anderer Teil der Wüstenelfin indes – weit störriger denn klug – schien indes bleiben zu wollen. Duiliath nahm es mit einem Schulterzucken hin und bohrte nicht weiter nach. „Warum der Norden, warum die Kälte?“ Nun war es an ihm, einen Augenblick nachdenklich inne zu halten, bewog dieses Mal doch ihn die soeben gestellte Frage selbst schon eine Weile. „Irgendetwas ist... passiert, als der Stern vom Himmel fiel. Vielleicht hat das nicht einmal etwas damit zu tun, aber normalerweise kann es mir nicht heiß genug sein und ich hab mich schon auf heißen Steinen unter der brennenden Wüstensonne aufgewärmt, die andere kaum noch anfassen mochten. Dafür...“ Es schien beinahe als habe Duiliath die Anwesenheit Siyyins gänzlich vergäßen und beantwortete vielmehr schlicht laut einen ihm selbst seit einer Weile im Kopf umher schwebenden Gedanken gerade.

Sogar der Andere, der sich schattenhaft schwach, aber unübersehbar auf des Halbdämons Hinterhaupt zeigte, schien aufmerksam wie wissbegierig des Drachenerben Worten zu lauschen und nur hin und wieder vermeinte Siyyin den Grünen Blick des schattenhaften Schemen auf sich ruhen zu spüren. „Dafür waren die Nächte mir beinahe unerträglich kalt und manchmal fragte ich mich, ob ich mehr mit Schlangen gemein habe, als nur meine Gestalt. Ich meine, auch sie verfallen ja in Starre, werden langsam und schwach, wenn es friert. Aber seit dem Komet... du hast mich ja gesehen, wie ich mich – wie früher – aufwärmen wollte und was passierte, als die Wirtin mir den kalten Umschlag...“ Sehnsüchtig blickte Duiliath zu dem nahen kalten Nass des träge dahin strömenden Flusses. Beinahe hätte er darob ihre darauf folgenden Worte verpasst, antwortete so aber schlicht: „Ich weiß nicht ob er wirklich da ist. Ich weiß nicht ob er an meiner verkehrten Welt schuld ist, ich – ich...“ Leise Tränen rannen ihm plötzlich das Gesicht hinab, das er sich plötzlich von Siyyin abwandte und nach einem versucht leisen Schniefen meinte: „Ich weiß nur das ich hier nicht bleiben kann. Ich weiß nur das jede Richtung so schlecht ist wie die Andere. Warum also nicht in den Norden? Nach Hause darf ich ja nicht, nach heute vielleicht niemals wieder.“ Der schattenhafte Fremde schien Siyyin finster anzufunkeln, als Duiliath sich plötzlich vom Boden erhob. „Ich will weiter! Ist das okay für dich?“

Laufen, statt nachzudenken, das schien ihm gerade die beste aller Möglichkeiten zu sein. „Oder ...?“
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » Di, 24. Sep 2013 17:06

Die roten Augen in der Farbe der heißen Glut neben ihr entließen den Jungen – Drachenerben – Dämonen nicht. Bald schon war von dem Fisch nichts mehr übrig, der Siyyins Magen wohltuend füllte, während sie Duiliath schweigend zuhörte. Skeptisch runzelte sie die Stirn. Der Stern sollte daran schuld sein, dass ihn die Kälte nun lockte, fort von der heißen Wüste? Sie fragte sich, ob es wirklich der Stern oder doch eher das Drachenerbe war, das ihn so sehr beeinflusste. Doch danach fragen tat sie nicht. Sie ließ ihn ausreden und dachte im Stillen darüber nach. Wenn der Blick aus den grünen Augen seines schattenhaften, anderen Ichs sie ansah, warf sie einen neuerlich argwöhnischen Blick zurück. Er erinnerte sie daran, dass Duiliath weit mehr war als nur ein Drachenerbe, denen sie normalerweise hohen Respekt zollte; auf ihre eigene Art und Weise natürlich, das verstand sich wie von selbst. In dem sie sich zum Beispiel den ein oder anderen Kommentar sparte oder wenigstens mal einen Gedanken daran verschwendete, mit wem sie da eigentlich sprach. Duiliath' dämonische Seite jedoch war viel zu präsent, um die Wüstenelfe die Existenz dieser vergessen zu lassen. Wo andere in das Gute in dem Drachenerben seiner Gestalt geglaubt und vertraut hätten, misstraute Siyyin seiner anderen Gestalt um ein Vielfaches. Und dieses Misstrauen war eben ungleich größer allen anderen Empfindungen ihm gegenüber.

Während sie sich ihre Gedanken zu dem seltsamen Jungen machte, erzählte ihr dieser von kalten Nächten und Schlangen und anderen Dingen, die er im Zusammenhang mit dem Kometen sah. Als sie fragte, ob er dachte, dass er den Stern wirklich im Norden finden würde, ging plötzlich eine Wandlung mit dem Dämon vor. Siyyin war überrascht von den Tränen, die seine augenblickliche Hilflosigkeit unterstrichen. Sie musste an Tharîn denken - ihren Zwillingsbruder, der wesentlich gefühlvoller und sensibler als seine Schwester war -, und stellte sich vor, wie sie in einem Augenblick wie diesem zu ihm gehen, ihn in ihre Arme schließen und trösten würde. Sie dachte an ihre Mutter und ihren Vater.. und dann blickte sie zu Duiliath und bewegte sich kein Stück. Sie fühlte sich nicht einmal befangen wie bei anderen weinenden Elfen, mit denen sie zu tun hatte, und sie spürte, wie sich ihr Gewissen daraufhin regen wollte. Siyyin senkte kurz den Blick und als sie ihn wieder hob, versuchte sie den Dämon zu ignorieren. Tatsächlich sah sie für einen Augenblick nur den jungen, traurigen Drachenerben, der gehasst und heimatlos in den Norden ziehen wollte, um dort eine bessere Zukunft zu finden.

„Ich will weiter! Ist das okay für dich?“
Sie blinzelte, aus ihren Überlegungen gerissen, und betrachtete Duliath kurz, ehe sie einige Momente über seinen Vorschlag nachdachte. Noch war es hell und die Sonne würde erst in ein paar Stunden untergehen. Es war immer klüger, in den kühleren Stunden des Tages oder in den Abendstunden zu reisen. Das einzige, das sie an seinem Vorschlag störte, war, dass sie eben erst Nabraere abgesattelt und das Gepäck zum Übernachten ausgepackt hatte. Trotzdem stellte sie dieses mal den Verstand über ihren Stolz. Immerhin fragte der Drachenerbe danach, ob es für sie in Ordnung sei.
"In Ordnung. Es ist sowieso besser, wenn wir die kühlen Stunden ausnutzen", antwortete sie ruhig.
Sie erhob sich von ihrem Platz, doch sie konnten nicht sofort weiter ziehen. Siyyin musste zuerst noch die Satteltaschen packen und während sie mit ihrer Stute beschäftigt war, hoffte sie, dass Duiliath sich um das Feuer kümmerte und vielleicht sogar die Decken, die sie zuerst vom Sattel gelöst hatte, wieder zusammen rollte. Wenn nicht, würde sie dies schweigend übernehmen und die Decken am Ende mit Lederriemen und Schnallen hinter den Sattel befestigen.

Schließlich war alles für den Aufbruch des Dämonen und der Wüstenelfe bereit. Nabraere war immer noch nervös in Gegenwart des Dämons und ließ sich nicht allzu nah an diesen heran führen. Siyyin akzeptierte diesen Umstand und näherte sich in Folge dessen Duiliath nur soweit, wie es mit ihrer Stute vereinbar war. Gemeinsam schritten sie Richtung Norden, dem gefallenen Stern entgegen.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Di, 24. Sep 2013 21:54

"In Ordnung. Es ist sowieso besser, wenn wir die kühlen Stunden ausnutzen" Duiliath runzelte die Stirn und betrachtete wie die Wüstenelfe wieder zusammen packte. Er hatte sich mit seinen Worten eigentlich nur verabschieden wollen ohne unhöflich zu sein, wollte das alles gesagt war, ehe er sich aufmachte weiterzuziehen. Stattdessen betrachtete er voller Erstaunen, wie Siyyin alles zusammenpackte. Wollte sie wirklich mit, mit ... »ihm« weiterziehen? Duiliath verstand es nicht, und wäre sie keine Wüstenelfe gewesen, er hätte sich spätestens jetzt umgedreht und wäre gegangen, sicherstellend das niemand ihm würde folgen können. Nachdenklich fuhr er über sein Gesicht und hielt beinahe überrascht inne, als seine Hand die tränennasse Spur darin ertastete, derweil die Wüstenelfe sich um das Feuer und ihre Decke als letztes schließlich kümmerte. Darauf schritt sie tatsächlich dann in die von ihm erwogene Richtung. Ein kleiner Staubteufel schien sich darauf um den Halbdämon herum zu erheben und verhüllte seine Gestalt beinahe gänzlich vor der Elfin Blick. Obgleich der dieses Phänomen normalerweise doch erst hervorrufende wie stets begleitende Wind dieser Erscheinung abzugehen schien, und Siyyin drum vermutlich eher beunruhigen mochte, schien das Tier an ihrer Seite, kaum das Duiliath in der nun gut drei Mann hohen Staubsäule dessen Blick sich nun entzog, weit ruhiger und fügsamer. Der Halbdämon indes hatte dies nicht aus Rücksicht dem Tiere gegenüber getan, denn vielmehr um trotz seiner neuen Begleiterin, ein wenig für sich zu sein und ergo nachzudenken. Auch war die Hitze der Abendsonne so noch ein wenig gemildert, oder zumindest doch redete er sich eben das auch noch mit ein. Erst als, viele Meilen weiter, etwaige Verfolger über die der Drachenerbe sich keine Gedanken je gemacht hatte, mochten allenfalls eine ob eines nahen Staubteufels verunsicherte Reiterin zu Fuß gen Norden schreiten sehen und spätestens als die ersten Sterne am Firmament erstrahlten und die eigenwillige Staubsäule schließlich zusammenfiel hätten etwaige Verfolger vermutlich umgedreht, zufrieden damit den Dämon geflohen zu wissen, hätte man ihm andernfalls ja doch begegnen müssen.

Wo er beim Abbau ihres Lagers keinen Finger gerührt hatte, fand er nun, als die Sterne bereits hell über ihnen funkelten, einen idealen Lagerplatz. Das er sich dazu, mehrere Minuten kommentarlos in seiner wahren Gestalt auf dem Boden schlängelte, nachdem er Siyyin mit erhobener Hand gemahnen ihm nicht zu folgen, nur um danach – schweigsam wie zuvor – eine halbe Meile in nun plötzlich südöstlicher Richtung zu wandern, mochte die Elfin zuerst verwundern, ja meinethalben ruhig auch verärgern. Doch spätestens als er sie zu einem Schilfumsäumten kleinen, kaum mehr denn drei Manneslängen durchmessenden See führte an deren Nordufer tatsächlich drei Ölpalmen das Idyll der Oase inmitten der Wüste vervollständigte, mochte sie ihm Nachsehen. Auch kletterte er auf eine der Palmen um mit drei Wedeln und einer Handvoll der öligen Früchte zurück zu kehren, entfachte mit den Wedeln und einem Feuerstein ein kleines Feuer, und legte eine der Früchte darein, welche mit hässlichen Geräuschen schließlich dann aber auch zu brennen begann um schließlich dann leise und ruhig abzubrennen. Zu essen hatte er nichts, doch hatten sie Wasser und einen etwas windgeschützten Ort Duiliath ließ sich jenseits des kleinen Feuers nieder, worauf eine Woge noch warmen Wüstensandes ihn schulterabwärts zudeckte. „Was meintest du noch gleich, warum du mich begleitest?“ Die waren seine ersten Worte, seit ihrem Aufbruch. Doch nicht Arroganz noch überheblichkeit sprachen aus ihnen, denn vielmehr die Scheu des geprügelten Hundes vor der ihm hilfreich dargebotenen wie offenen Hand furchtsam sich in Acht nimmt.
Lever dood as Slaav
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Legende: „Duiliath spricht Wüstenelfisch.“ „Der ‘Andere’ spricht Wüstenelfisch.“
„Duiliath spricht Miruanische.“ „Der ‘Andere’ spricht Miruanische.“

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