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Ein hitziges Gemüt zu viel

Lebensader des dürren Landes.
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Siyyin
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » So, 06. Okt 2013 11:45

Still beobachtete sie Duiliath dabei, wie er sich die Erdmagie zu Nutze machte. Zuerst was ihr der Sandteufel tatsächlich nicht ganz geheuer und sie suchte Abstand zu ihm. Sie wusste ja nicht, was er im Schilde führte, obwohl sie nicht ganz daran glaubte, dass er ihr in diesem Moment mit seiner Magie schaden wollte. Schließlich hätte er dies auf eine schnellere Art schon längst machen können. Und außerdem schien er vielmehr verwirrt als alles andere darüber zu sein, dass sie ihn überhaupt begleitete. Trotzdem ließ sie Vorsicht walten. Sandstürme waren tückisch und oft tödlich und was der Drachenerbe da tat, erinnerte im ersten Moment zu sehr daran. Erst als sie verstanden hatte, was der Dämon vorhatte und sich ihrem Blickfeld entzog und damit auch Abstand zu Nabraere gewann, konnte sie ruhig neben ihm, oder das was von ihm einige Meter über ihr kündigte, her gehen. Siyyin war es ganz recht, keine belanglosen Unterhaltungen mit dem Dämon zu führen, war sie doch schließlich nur hier, um ihn außerhalb Kamîrushs zu begleiten. Und im Allgemeinen lagen ihr solche Gespräche sowieso nicht, war sie doch mehr als Zwang als aus Freiwilligkeit hier mitten in der Wüste und an der Seite eines Dämons unterwegs.

Die Stille, die Wüste und die, zumindest gefühlte, Einsamkeit beruhigten sie. So hing sie ihren Gedanken nach, während sie Meter für Meter hinter sich ließen. Ihre Gedanken kreisten, sie dachte an ihren Vater, der in Demera auf sie wartete, und an ihre Familie in Aysibrir. Dann musste sie unwillkürlich an den temperamentvollen Beraij zurück denken, der sie tags zuvor mehrfach zur Weißglut getrieben hatte. Sie fragte sich, ob sie ihn wohl, wenn sie bald nach Demera zurück reisen würde, wieder sehen würde. Sie schüttelte den Gedanken an ihn und die hitzigen Auseinandersetzungen ab und dachte über die weitere Reise nach. Sie kannte sich ein wenig aus, zumindest wusste sie, was um die Cala an Darh herum lag und sie kannte die meisten Reisewege im Umfeld. Vermutlich war es sinnvoller, in westliche Richtung weiter zu reisen. Im Norden galt es das Sharzîkad-Gebirge zu überwinden, im Osten hingehen lag die Numûta-Ebene. Wenn Duiliath tatsächlich nach Norden zu dem Stern wollte, dann würde er dort den einfacheren Weg haben. Das vermutete sie jedenfalls, seine dämonische Natur in diesem Moment fast vergessend.

Denn wie sich später herausstellte, die Sonne war bereits untergegangen und die Sterne funkelten hoch über ihnen, wusste Duiliath auch seine wahre Gestalt zu nutzen. Als Siyyin bemerkte, dass sich der schwach wirkende Junge zu verwandeln drohte, nahm sie Abstand zu ihm und merkte, wie die Magie durch ihre Adern zu pulsieren begann. Wenn er die Kontrolle verlor, falls er nicht so oder so gedachte, ihr hier und jetzt ein Ende zu setzen, dann wollte sie ihm dies wenigstens nicht kampflos ermöglichen. Sie wusste nicht, wie viel ihre Magie gegen ihn helfen würde, aber die Worte Nerathy a sianley, die ein schützendes Feuerschild um sie herum errichten würden, lagen ihr schon auf der Zunge. Trotz der Geste, mit der er ihr deutete, hier zu warten - und sie damit offenbar nicht umbringen wollte -, war sie misstrauisch genug, sich nicht allein darauf zu verlassen. Die Wüstenelfe betrachtete den Dämon in seiner wahren Gestalt mit großen Augen und offenen Mund. So etwas hatte sie noch nie gesehen und diese Gestalt war beeindruckend und Furcht einflößend zugleich. Ihre Augen glitten über die Schuppen bedeckte Gestalt, gelangten zu den erdfarbenen Augen und zu dem gehörnten Kopf. Siyyin ahnte nun, welche magische Macht in ihm loderte und zu was er vermutlich fähig war. In diesem Moment war sie erleichterter als je zuvor darüber, dass sie nicht in dem Keller des Gasthauses gewesen war.

Sie fragte sich, was Duiliath vorhatte, aber sie verblieb an dem Ort und wartete, während er in der ihr fremden Gestalt davon schlängelte. Sie hatte noch nie zuvor einen Dämon gesehen und diese Verwandlung erstaunte und verängstigte sie zugleich, auch wenn sie versuchte, sich möglichst nichts davon anmerken zu lassen, als er zurückkehrte. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass er ein Lagerplatz suchen würde, sodass sich ihr Ärger, ihm folgen zu müssen, als könne sie hier draußen nicht alleine überleben, bald schon in positives Überraschen wandelte. Sie hätte vermutlich kaum einen besseren Ort finden können, sodass sie mehr als zufrieden mit der Wahl des Dämons war, deren jetzige Drachenerben-Gestalt sie beruhigte. Erneut sattelte sie Nabraere ab und während diese zu dem kleinen See trottete und ihren Durst löschte, bereitete ihre Reiterin sich ein Nachtlager mit mehreren Decken. Bevor sie sich auf diese im wärmenden Kreis des Feuers niederließ, band sie ihre Stute noch an einer der Palmen fest, sodass diese nicht überraschend Reißaus nehmen konnte.

Als Duiliath sie ansprach, seufzte sie ob seiner Frage und blickte in die Flammen, ehe sie begann zu sprechen. Kurz haderte sie noch mit sich selbst, doch dann beschloss sie, ihm einfach die Wahrheit zu erzählen. "Als ich vorhin zu dem Gasthaus geritten bin, da haben sie deine Edelsteine dankbar angenommen. Und auch deine Entschuldigung.. irgendwie. Die beiden haben mir erzählt, was passiert ist, als ich schon weg war.. von den Leuten, die dich umbringen wollten." Noch immer galt ihr Blick den roten Flammen, während sie ruhig, beinahe sachlich, vom Geschehenen berichtete. "Die Wirtin hatte Angst und sie hat noch immer Angst. Nicht nur davor, dass du zurückkehren könntest, sondern vor allem davor, dass ihre Freunde Jagd auf dich machen und du sie umbringst." Erst jetzt löste sich ihr Blick von dem Feuer und sie sah zu dem Jungen hinüber. "Ich bin nicht hier, um dich zu beschützen. Das könnte ich wohl kaum", erklärte sie weiter und fragte sich in diesem Moment, ob sie eigentlich lebensmüde war, dass sie ihn, obwohl sie ihm gegenüber so wehrlos war, begleitete. "Ich soll nur dafür sorgen, dass du deinen Häschern bis zur nördlichen Grenze entkommst und ihnen keinen Schaden zufügst." Ihre Worte waren neutral und ruhig. Es klang fast so, als würde sie ihm beiläufig erzählen, was sie gestern zum Abend gegessen hatte, aber bei weitem nicht so, als würde sie ihm tatsächlich gerade erzählen, dass sie sichergehen sollte, dass er das Land verließ und auf seinem Weg keine Menschen tötete. Erst jetzt, als sie erneut den Drachenerben in dem Dämon ansah, dachte sie daran, dass ihre Worte und ihr Hiersein ihn vielleicht verletzt haben könnten. Aber der Gedanke war nur kurz. Vielmehr war da plötzlich noch eine deutlich stärkere Angespanntheit in ihrem Blick. Erst jetzt wurde ihr wirklich bewusst, was sie gesagt hatte. Sie war die Überbringerin der schlechten Nachricht und sie überlegte, ob sie nicht doch lieber eine Lüge hätte erzählen sollen.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Fr, 11. Okt 2013 19:26

Duiliath hockte etwas abseits des Feuers im Halbdunkel und lauschte den Worten der Frau, deren Emotionen erst nach und nach Furcht erkennen ließen, oder besser gesagt Sorge – ob seiner auf ihre Worte folgende Reaktion, wie er vermutete. Dann schließlich hatte sie geendet und blickte ihn erwartungsvoll all, derweil Duiliaths Züge plötzlich ein durch und durch freundliches wie aufrichtig anmutendes Lächeln plötzlich zierte. Dann, nach einigen endlos lang anmutenden Momenten des Schweigens schließlich, der Drachenerbe wollte gerade den Mund öffnen, der Wüstenelfin für ihre Offenheit wie Ehrlichkeit zu danken, als der Andere sich mit einem unangenehmen Ziehen auf der Kopfhaut bemerkbar macht und erst ein Rascheln, wie von windgepeitschtem Strauchwerk vernehmen ließ, das selbst Duiliath nicht sofort als Kichern wahrnahm, indes nur Augenblicke später das Kichern zu einem schallenden Lachen anschwoll, dass man meinen mochte ein Sturmwind risse und bräche gerade Ast um Ast von einem ganzen Wald uralter Bäume, und erst jetzt erwies sich Siyyins Weitsicht als wahrlich vorausschauend, bäumte sich ihr Reittier doch schlicht in schierer Panik auf, gewillt mit aller Kraft sich loszureißen und wenn es sich dabei noch so sehr verletzte, das Die Elfin klug daran täte alle etwa eigenen Ambitionen hintenan zu stellen, derweil sie das Pferd zu beruhigen suchte.

Doch gleich was sie immer sie auch tat, der Halbdämon würde sich, brüllend vor Lachen, das selbst einige weit entfernte Schakale, Wüstenfüchse oder vielleicht auch –hunde mit einem vielstimmigen heulen entweder in seinen Ruf mit einstimmten, oder andernfalls lauthals klagten, respektive drohten. Duiliath indes wand sich, mit den Fäusten auf den Boden trommelnd, derweil der Andere in einer solchen Lautstärke röhrend lachte, wie man es den schmächtigen Lungen jener hageren Gestallt niemals hätte zutrauen mögen. Auch hatte Siyyin des Anderen Präsenz mit den dunkel grün irisierenden Augen in jenem schatten-, wie gleichermaßen drachenhaften zweitem Antlitz, wohl kaum je in jener Deutlichkeit je wahrgenommen, noch viele Andere vor ihr. Erst als Duiliath, den Hinterkopf, wie des Anderen Gesicht wiederholt heftig auf den Untergrund aufschlug und dabei verzweifelt nach Luft ringend, ein verzweifeltes „Aufhören, ... ich ... krieg, kei- ... -heine ... Luft ... m’hr!“ japste, sich indes selbst vor Lachen schier ausschüttend, hatte der Andere schließlich ein Einsehen.

„So gerade heraus hat uns wohl noch niemand bisher, inmitten solcher Verlassenheit gar, reinen Wein einzuschenken je gewagt!“ brüllte der Andere, sein Lachen nur mit Müh und Not zügeln könnend in Richtung Siyyins, derweil er nach einigen Momenten und etwas ruhiger noch hinzufügte: „Feuerauge, ich glaub, ich kann dich fast was leiden!“ Derweil das Lachen nunmehr in ein beständiges aber leise raschelndes Kichern wieder zurückfiel, fragte Duiliath – sich den schmerzenden Hinterkopf haltend, reichlich entnervt: „War’s das jetzt, ja – haben wir uns genug am-, amy-, mü- müh ... ach verdammt – gefreut halt, ja?“ Dann, denn Blick wieder auf Siyyin gerichtet: „Entschuldige bitte und – und ... danke für die Ehrlichkeit!“ Sprach’s, klopfte sich den Dreck von den Sachen und setzte sich – als wäre nichts geschehen – wieder an’s Feuer. „Aeh und du – hast nicht zufällig etwas Tee dabei, oder?“ Einzig Nabraeres Unruhe sowie die Rufe der noch immer im Hintergrund sich wie toll gebärenden Wüstenhunde, oder was auch immer sie sein mochten, kündete noch von des Anderen ebigen Ausbruch, derweil Duiliath sich zwar noch immer den schmerzenden Hinterkopf rieb, ansonsten aber gab, als wäre nicht geschehen, was gerade doch geschehen war.
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » Sa, 09. Nov 2013 14:15

Siyyins Finger fuhren durch den noch warmen Sand neben ihr. Es war nicht mehr als eine unbewusste Handlung, die sie beruhigte, strahlte die Wüste doch seit jeher eine unersetzbare Sicherheit und Geborgenheit auf die Wüstenelfe aus. Sie hielt einige Momente den Atem an, als ihr klar wurde, was sie gerade zu wem gesagt hatte. Als sie dann das durchaus freundlich zu nennende Lächeln auf den Lippen des Drachenerben sah, wollte sie diesem zunächst nicht glauben. War das Lächeln gespielt oder bildete sie sich es, einer Fata Morgana gleich, selbst nur ein? Sie verstand nicht, wieso ihre Worte sie lächeln ließen und überlegte sogar zuerst, ob er sie missverstanden hatte. Doch als der Dämon plötzlich in Lachen ausbrach, war klar, dass sie sich nicht getäuscht hatte. Ihre Worte amüsierten die beiden! Ungläubig starrte sie den Drachenerben und zuletzt sein zweites Gesicht an, das sich ihr in diesen Momenten offenbarte. Sie hatte noch nie die zweite Gestalt eines Dämons gesehen und in welcher Klarheit diese zweite, drachenhafte nun zu erkennen war, ließ sie schaudern.

Erst dann bemerkte sie Nabraeres panisches Wiehern und Bemühen, sich loszureißen und das Weite, weg von diesem Dämon, zu suchen. "Verdammt." Hört gefälligst auf zu lachen, wollte sie noch hinzufügen, presste jedoch die Lippen aufeinander, um sich zurück zu halten, während sie sich erhob. Solches Glück, wie sie es an diesem Tage hatte, hatten sonst nur die Elfen aus alten Geschichten und Märchen. Was sie nicht kannte, waren Geschichten über waghalsige Elfinnen, die die kalte Wahrheit in das Antlitz eines Dämons sprachen, und dabei nur schallendes Gelächter als Erwiderung bekamen.

Sie sprach beruhigende Worte auf die Sihu’sai ein, die sich vor Angst wandte und immer wieder aufbäumte. Die Ohren hatte sie angelegt und die Augen rollten nervös in ihren Höhlen. Selbst die sanften, elfischen Worte ihrer Besitzerin schienen nur langsam zu ihr durchzudringen. Doch erst mit dem Abklingen des dämonischen Lachens mochte sich die Stute, wenn auch nur zögerlich, beruhigen. Tatsächlich schien Duiliath - oder er und seine zweite Persönlichkeit - ihre ehrlichen Worte zu schätzen, anstatt sie dafür in der Erde unter sich verscharren zu wollen. Die Wüstenelfe verstand das nicht ganz, hütete sich aber davor, noch einmal genauer nachzuhaken, wieso genau es sie nur zum Lachen brachte und ob sie nicht doch so etwas wie Wut oder Herablassung verspürten. Siyyin wollte ihr Glück jedoch nicht überstrapazieren und so kehrte sie schweigend, nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, langsam an das Feuer zurück.

Es war seltsam, mit welcher Leichtigkeit der Halbdämon das Thema dann vom Tisch brachte. War das alles? Sie konnte sich glücklich schätzen, dass ihre Worte nur einen Lachanfall ausgelöst hatten. Auch wenn es sie irritierte, war sie doch froh und beließ es ebenfalls dabei. Auf seine Frage nach dem Tee, begann sie gezielt in einer der Satteltaschen zu suchen. "Die Wirtin hat welchen eingepackt." Nach ein paar Momenten fand sie die besagten kleinen Beutel. In einem von ihnen befanden sich Blätter vom grünen Tee. In dem zweiten lagen Minzblätter und der letzte enthielt Zucker. Sie erkundigte sich mit einem kurzen Seitenblick, als müsste sie sicherstellen, dass ihr ob ihrer ehrlichen Worte nicht doch noch eine körperlich schädigende Erwiderung drohte, ob er auch eine Teekanne benötigte, denn auch diese hatte sie dabei. Ihre Volk trank generell sehr viel von diesem Tee, sodass Siyyin darauf bestanden hatte, dass ihr die Wirtin wenigstens diesen gewohnten Umstand ließ und sie mit den benötigten Zutaten und Utensilien für frischen Tee versorgte.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Mo, 18. Nov 2013 21:10

Duiliath nickte auf ihre Frage ob er eine Teekanne benötige, blickte sie aber nicht direkt an. Überhaupt bemerkte die Wüstenelfin das Duiliath seltsam unruhig wirkte, häufig zusammenzuckte, als wenn ein Zitterwels immer wieder kleine Stromstöße durch des Halbdämons Körper jagte und er mied offenkundig die direkte Nähe Siyyins. Doch erst nachdem der Tee, er verzichtete auf jeglichen Zucker, getrunken und die zeitweise auf dem Feuer gestanden habende Kanne wieder erkaltet war, erst als die Sterne unbeschreiblich hell über das nachtschwarzen Firmament verstreut funkelten und ein kalter Wüstenwind aufkam, verlor er die zuletzt nur mehr mit schier unbeschreiblicher Willenskraft aufrechterhaltene Selbstbeherrschung und seine mühsam zurückgehaltene Magie, angestachelt von der inneren Unruhe entlud sich. EIn Geräusch, wie eine Mischung aus einem unbeschreiblich lautes wie infernalisches Gebrüll und dem schrillen Laut sich gegenseitig aufreibender Felsmassen erklang plötzlich in der Nacht, als ein übermenschlich großes entfernt menschenähnliches Gesicht von der Unterseite des Untergrundes emporzudrängen schien. Dort wo der Mund empor klafften, schien wie von einem irdenen Malstom erfasst aller Boden, wie alles darauf befindliche magisch angezogen und verschlungen zu werden. „GENUG!“ brüllte Duiliath als schon zwei kleinere Felsen, das Lagerfeuer und ein naher Strauch von dem steinernen Malstrom in das aufgerissene Maul gerissen und zermalmt worden war und auch Siyyin war dem gierigen Schlund bereits erschreckend nahe gekommen.

„Genug!“ beinahe unhörbar in der Stille wie nach dem vorherigen Inferno erklang Duiliaths ruf und wie jenen Worten gehorchend, versanken erst Sulter und Oberarm des sich aufgebäumt habenden Erdgeistes, Elementars oder vielleicht ja auch nur magischen Erdverformung wieder unter die Oberfläche zurückzuziehen. Duiliath zittere nun merklich wie unter beständigen Stromstöeßen leidend und seine Mimik drückte eher Qual denn Wut aus. „Der“, Duiliath, scheinbar noch immer von, von – was auch immer ihn quälte erfüllt, wandte sich ab, ging in die Knie und hieb immer und immer wieder mit den Fäusten senkrecht auf den Boden, bis seine Hände bluteten, ehe er erneut zu sprechen anhob. Leise und in die Nacht voraus gesprochen und an scheinbar niemanden speziellen gerichtet, erklärte er. „Der ... der Drachenerbe in mir braucht Nähe um – um --- zu überleben. Der Dämon in mir braucht nichts und niemanden als sich selbst und die Abwesenheit aller Störungen.“ Duiliath erhob sich und blickte, derweil ihm das Blut von den beiden Fäusten herab zu Boden troff, zum Sternenhimmel empor. „Wenn ich aber zu lange unter Anderen bin, deren Emotionen spüre ohne die der Drachenerbe in mir nicht leben kann“, er bemerkte nicht einmal das er sich wiederholte, während er wie von unsichtbaren Stromstößen malträtiert zu zittern begann. „Es ist wie ein Jucken, das schlimmer und schlimmer wird, bis der Dämon in mir nicht mehr anders kann, als all dies zu viel an Energie...“

Duiliath wandte sich nun direkt Siyyin zu, froh das sie ob nun aus schierer Überraschung, Mitleid, Weitsicht oder sonst einem Grund keinen direkten Angriff bisher getätigt hatte. „ Ich muss gehen, oder wir überleben diese Nacht nicht. Ich werde Morgen wiederkommen, wenn die Sonne aufgeht. Aber komm mir nicht näher als auf Sichtweite, wenn ich Abstand halte “ Tränen rannen ihm die Wangen hinab, derweil seine zu blutige Fäuste geballte Hände nun in unkontrollierten Krämpfen bebten. Ein letztes Mal öffnete der Halbdämon den Mund, etwas zu sagen, besann sich dann aber eines Besseren und stürmte in die Nacht davon. Wo immer seine Füße den Boden auf seiner nun überstürzten Flucht berührten, sank der Untergrund gut einen Fuß tief in den Untergrund ein, füllte sich teilweise aber rasch wieder mit dem Sand der Umgebung. Erst als er ihre Nähe nicht länger spürte, noch die eines anderen höheren Wesens und ließ sich im Schneidersitz auf den Untergrund. „Verdammt!“ brüllte er und hieb auf den Boden, worauf das Teil des Erdreiches, auf welchem er saß gut drei Fuß empor ruckte. „Verdammt, verdammt, verdammt verdammt!“ brüllte er ungehört in die Nacht hinaus, ehe er, nunmehr auf einer gut sieben Meter hoch über die Umgebung hinweg ragenden Felsnadel sitzend endlich in Schweigen verfiel. Das überschüssige Element in ihm hatte sich verausgabt und müde blickten die nun irden glosenden Augen in die Nacht, derweil der Schlangenleib sich um die Säule schlang.

Reglos lauschte er in die Nacht und folgte bewegungslosen Blickes der Bewegung der Sterne bis er schließlich nach Stunden des reglosen Ausharrens schließlich in sich zusammen sank und ... einschlief.
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » Do, 05. Dez 2013 15:46

Auch Siyyin blieb stumm, der Blick aus den roten Augen fand mehr als einmal den Weg zu dem Drachenerben, während sie in der aufkommenden Dunkelheit saßen und Tee tranken. Die Wüstenelfe hielt den dampfenden Tonbecher mit beiden Händen umschlossen, um sich gegen die aufkommende Kälte zu wappnen. Der Tee erinnerte sie an ihre Heimat und an die vielen Gelegenheiten, bei denen sie mit den ihren gemütlich zusammen gesessen und gelacht hatte. Ganz ohne die Anwesenheit eines Dämons, der sie verunsicherte und dem gegenüber sie versuchen musste, ihre Maske zu wahren. Anders war es ihr kaum möglich, seine Gesellschaft auszuhalten. Er mochte nur wie ein Junge aussehen, aber Siyyin hatte gesehen, wozu er fähig war. Auch wenn er im Moment selbst harmlos und verunsichert wirkte, so schwor seine Gesellschaft kaum die Gelassenheit herauf wie es unter ihrem Volk normalerweise üblich war.

Siyyin fielen keine Gesprächsthemen ein und auch Duiliath schien die Stille zwischen ihnen vorzuziehen. Die Wüstenelfe hatte keinerlei Probleme damit und versuchte, den dämonischen Erben so gut es ging zu ignorieren. Trotzdem entging ihr weder seine Unruhe noch das ständige Zusammenzucken, das sie schon bald so sehr nervte wie das Knacken von Fingerknochen und Halswirbel, was ihr Bruder regelmäßig zu tun pflegte. Doch jetzt biss sie sich auf die Lippen und versuchte sich mit dem Anblick der nächtlichen Landschaft abzulenken. Siyyin hatte eben den Becher zur Seite gestellt und sich eine der Decken über die Schultern gezogen, als sie das unerwartete und laute Brüllen zusammen zucken ließ, das sie zuerst keinem Ursprung zuornden konnte. Bei Rhelun, was war das denn?! Plötzlich ging alles so schnell, dass sie fast zu spät realisierte, was geschah. Während sie Nabraeres panisches Wiehern nur am Rande wahrnahm, beeilte sie sich, selbst aus dem Mahlstroms des Erdgolems - eine bessere Bezeichnung fiel der Magierin nicht ein - zu entflüchten. Hastig entfernte sie sich ein paar Meter von der reißenden Erde und des dafür Verantwortlichen, ehe sie Duiliath mit funkelnden Augen ansah und ihn mehrmals zurief, dass er damit aufhören sollte. Dabei blickte sie immer wieder zu dem gefährlich nahen Erdstrom, der sich zuerst nicht zu kontrollieren lassen schien, ehe dem Dämon eben jenes dann doch endlich gelang.

Ihr Herz hämmerte wild in ihrer Brust und Adrenalin wurde durch ihre Adern gepumpt. Spätestens jetzt war ihr nun deutlich bewusst, dass Duiliath den Dämon in sich nicht zu beherrschen mochte und das bereitete ihr große Sorge – allen voran um sich selbst. Zu gut erinnerte sie sich an ihre eigenen Fehlschläge, an die frustrierenden Momente, in denen ihr das Feuer keinen Zugang gewähren wollte und an die zahlreichen, gescheiterten Versuche, es endlich zu kontrollieren. Auch ihr war es nicht immer gelungen, Kontrolle über das Feuer zu behalten. Die Erinnerungen daran machten ihr klar, wie jung sie damals gewesen war und wie jung auch Duiliath war – auch wenn sie sein tatsächliches Alter noch immer nicht kannte. Das und seine roten Haare, die sie an den Drachenerben in ihn erinnerten, ließen sie von einer fauchenden Belehrung des Jungen absehen. Es war offensichtlich, dass ihm sein Fehlverhalten selbst zu gut bewusst war. Mitleid indes mochte die störrische Wüstenelfe noch immer nicht für ihn empfinden, stand schließlich ihr Leben stets auf dem Spiel, wenn sie sich in seiner Nähe befand. Jenes war ihr in den vergangenen Momenten nur allzu bewusst geworden.

Sprachlos und selbst nicht so ganz wissend, wie sie am besten auf diesen Ausbruch reagieren sollte, stand sie dann in der nächtlichen Wüste und lauschte Duiliath' Worten. Selbst danach wusste sie nicht, was sie sagen sollte. Sie konnte das Zusammenleben von Drachenerbe und Dämon nicht nachvollziehen und sie konnte sich dieses Leben auch nicht vorstellen. Deshalb blickte sie den Jungen, der zwischen den Mächten seiner Gestalten gefangen schien, einfach nur an und nickte verstehend, da sie davon ausging, dass er im Moment genau das brauchte, auch wenn sie sich sicher war, dass sie nicht wirklich verstand, was da in ihm vorging.

Auch später, als er schon längst fort und in der Nacht verschwunden war, dachte sie noch an seine Worte und über diese nach. Sie hatte genickt, als Zeichen, dass es ok, wenn nicht gar verständlich war, wenn er ging und dass sie ihm sich nicht nähern würde, wie er es sagte. Bei seinen Ausführungen und Anweisungen hatte sie ein beklemmendes Gefühl beschlichen, das sie noch die Nacht begleiten würde. Es war mehr als ungewohnt für Siyyin, alleine unter freiem Himmel zu nächtigen. Sie hatte keine Angst, ganz im Gegenteil fand sie die nächtliche Wüste immer wieder schön anzusehen. Allein die letzten Jahre, in denen sie mit der Händlerkarawane ihres Vaters unterwegs war, hatte sie so gut wie niemals alleine in einem Nachtlager geschlafen. Immer waren da ihr Vater gewesen, andere Elfen und Menschen, Bekannte und sogar wenige, die sie gar Freunde nennen würde. Es war niemals so still gewesen wie jetzt, und niemals so trostlos. Sie saß noch eine Weile an dem kleinen See, Nabraere, die sie inzwischen abermals beruhigen konnte, stand direkt und ruhig neben ihr. Der Mond spiegelte sich auf der glatten glänzenden Wasseroberfläche, während Siyyin über alles und nichts nachdachte.
Zuletzt geändert von Siyyin am Mi, 15. Jan 2014 15:54, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Mi, 08. Jan 2014 16:28

„Ssssst, passt auf die Säule da vorne auf.“ „Erzähl keinen Stuss, hier gibt es gar keine S-... ungh, Aua verdammt!“ Erst dieser letzte Ausruf des Schmerzes, die leichte sich ob des Zusammenstoßes zu im hinauf fortpflanzenden Schwingungen der in seiner unbändigen Wut heraufbeschworenen Steinstele und das anschließende Gelächter dreier Männer rissen den Dämon aus seinem tiefen Schlummer. „Vielleicht traust du meinen Augen jetzt, Stapha? Das dort hinten ist ein niedergebranntes Lagerfeuer und ich schwöre dir, das ich eine Frau gegen das Licht der Flammen erblickte.“ Es hätte nicht der Gier in der, Duiliath ansonsten sprachlich gänzlich unverständlichen, Stimme des Mannes bedurft, Duiliath klar zu machen, dass großer Ärger geradewegs auf Siyyins Nachtlager zu schlich. Nein, die zielgerichtete Verstohlenheit des kleinen Zuges unter ihm, es ging geradewegs zu Siyyins Nachtlager, sprach deutlich genug für der Männer dunkle Absichten. Doch als er den Anderen folgen wollte, stürzte er beinahe die steinerne Stele hinab. ‘Verdammt!’ dachte er, nurmehr mit einer Hand den oberen Rand der Stele umklammernd, derweil seine Beine verzweifelt sich um die vor ihm die Nacht verdunkelnde Säule zu umschlingen. Doch er wäre kein halber Drachenerbe gewesen, hätten seine Finger länger als einen Moment sein Gewicht zu halten vermocht. „Hssss!“, den Tod schon vor Augen habend, glitt der Stein unter seinen schwitzigen Fingern fort. Sich nach hinten überschlagend pfiff ihm bereits die Luft um die Ohren, als seine Beine sich schließlich noch um die plötzlich zwischen sie fahrende Stele schlossen. Aber selbst wenn er kein halber Drachenerbe gewesen wäre, hätte er wohl kaum seinen Sturz so jetzt noch abfangen können. Das die so plötzlich zwischen seine Beine gefahrene Säule nicht rechtzeitig genug von den etwas empfindlicheren Partien abgehalten werden konnte, es machte die Sache nicht gerade leichter. Nichtsdestotrotz vermochte er später nicht mehr zu sagen, wie er unten schließlich angekommen war.

Doch wenn er sich nicht etwa der Magie unbemerkt noch bedient haben mochte, musste er mehrfach wohl den Sturz hinab erfolgreich noch abgebremst haben und das auch noch so leise, das die in ihrer Lüsternheit eher gen des Feuers sich orientierenden Wegelagerer nicht aufmerksam geworden waren. Zumindest deuteten die unzähligen Abschürfungen und Prellungen auf Armen und Beinen, wie aber auch am ganzen Leibe dieses an. Tatsächlich drehte sich ihm alles, als er wieder zu sich kam und tatsächlich brauchte eine ganze Weile, ehe er realisierte, das die sich im vor Augen drehenden Sterne nicht zur Gänze nur auf seine Benommenheit zurückführen ließen. Dann, als ihm die Sternenhaufen schließlich nicht mehr wirr vor Augen schwirrten, denn vielmehr ruhig und in den bekannten Ballungen wie Konstellationen am Himmel zeigten, wagte er es schließlich sich zu erheben. Dann ... kam die Erinnerung wieder. Hastig erhob der Halbdämon sich, den Schwindel niederkämpfend, auf seine Beine und torkelte dem Lagerplatz entgegen. War die Stille ein gutes Zeichen, hatten die Männer das Lager also noch nicht erreicht, in welchem Falle seine kurze Ohnmacht kaum einen Liedschlag gedauert haben mochte, oder...

Doch so oder so, war nun auch im Halbdämon ein regelrechter Trieb erwacht, ein Jagdtrieb. Irgendwer sollte für seinen Sturz und seine unzähligen Prellungen büßen und das konnten nur jene mindestens vier Gestalten sein. Duiliath hoffte dazu nicht weiter als bis zum Lager zu müssen, aber wenn er dort nur mehr die Spuren von Schändung, Tod und Blut vorfinden sollte... es war wie es war und weder das Eine, noch das Andere mochte Sie vor seiner Rache noch bewahren. Die Jagd, sie hatte soeben erst begonnen!
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » Fr, 17. Jan 2014 16:32

Siyyin genoss die Stille der Nacht. Es tat gut, auch einmal alleine zu sein. Doch so sehr sie die Ruhe hier draußen auch genoss, sie hatte ihre Nachteile. Sie würde kaum selbst die gesamte Nacht über Wache halten können. Für die Karawane, in der sie reisten, heuerten sie oft Söldner zum Schutz selbiger an. Und selbst ohne diese hatten sie genug Männer, die es ihnen ermöglichten, die Wache mehrmals in der Nacht zu wechseln. Siyyin als Frau taten die Männer sogar sehr oft noch den Gefallen, an ihrer Stelle Wache zu halten. Kein Wunder also, dass sie darin ungeübt war und schon bald die Müdigkeit Besitz von ihr ergriff. Der Gewürzwein, den sie trank, um sich warm zu halten und sich dem alleinigen Abend noch etwas zu verschönern, tat sein Übriges dazu. Daher beschränkte sich die Wüstenelfe darauf, das Feuer am Leben zu erhalten. Hier draußen lebte schließlich keine Menschenseele und das Feuer würde seinen Dienst tun, um gefährliche Tiere fern von ihr zu halten. Sie ärgerte sich nur darüber, dass ihr dieser Gedanke nicht früher gekommen war. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, die Nacht in Gesellschaft des Halbdämons zu verbringen. Doch nun war es zu spät und die Elfe tröstete sich mit dem Gedanken, weit und breit die einzige menschliche Person zu sein. Ihre Bereitschaft, wach zu bleiben, war entsprechend gering und schon bald schlief sie über dieses Vorhaben ein.

"Ssshh.." Siyyin träumte von Schlangen. Schlangen, die überall um sie herum schlichen, zischend und laut über den Boden schlängelnd. Schlangen, die sich um Nabraere wandten, während diese panisch wieherte. Sie kamen von überall und verbreiteten sich über den Lagerplatz. "Pscht." Unterbewusst hörte sie sie schon früh. Doch ihre Sinne spielten ihr einen Streich und zu spät bemerkte sie, dass sie gar nicht träumte. "Seid leise. Ich hab euch ja gesagt, sie ist hier", raunte eine dunkle Männerstimme in die Nacht hinein. Schlaftrunkend wurde Siyyin erst viel zu spät bewusst, dass sie damit gemeint war und schon längst nicht mehr träumte. Als sie die Augen aufschlug, wurde sie mit plötzlicher Gewalt herum gerissen und eine schmutzige Hand legte sich auf ihren Mund, um ihre Schreie zu ersticken. Erschrocken riss sie die Augen auf. Sie hatte nicht damit gerechnet und war vollkommen überrascht von diesem Überfall - oder was auch immer dies werden würde. Wie hatte sie nur so unvorsichtig und taub sein können? Diese Menschen machten mehr Lärm als ihre galoppierenden Sihu’sai.

Sie lag rücklings auf dem Boden, ein Fremder hockte über ihr, erstickte noch immer ihre Schreie und schien darüber äußerst belustigt zu sein. Auf seine spöttischen Bemerkungen über das kleine Spitzohr, das sich schon vor Vorfreude unter ihm wandte, hörte sie ein anderes Lachen im Hintergrund. Panisch blickte sie sich um. Sie sah einen weiteren Mann, der die Satteltaschen durchwühlte und von irgendwoher kam eine gehässige Antwort. Es waren also drei, mindestens. Aber darüber machte sich die Wüstenelfe nicht lange Gedanken. Zuerst versuchte sie sich vergebens unter dem Fremden hervorzuwinden, dessen säuerlicher Geruch ihr unangenehm in die Nase stieß. Sie versuchte mit aller Macht, sich von ihm zu befreien, doch sobald ihr dies ansatzweise gelang, schloss sich seine Hand wie ein Schraubstock um ihr Handgelenk, Bein oder was auch immer er zu fassen bekam, um sie festzuhalten. Unweigerlich stieg Panik in der Elfe auf, die all ihren Stolz und alles andere vergaß. Lieber wünschte sie sich, dass dieser Mann sie hier und jetzt tötete, anstatt sie zu schänden.

Sie bemerkte die Funken, bevor sie da waren. Das Kribbeln auf der Haut war unverkennbar, das Feuer, das tief in ihr zu brodeln begann, bevor es die Oberfläche erreichte. Und dann brachen die Funken aus und umgaben die Wüstenelfe mit den nunmehr feuerroten Augen binnen weniger Sekunden. "Argh! Verflucht, was zum.." Im Affekt ließ ihr Peiniger sie los und Siyyin versuchte schnellstmöglichst Abstand zwischen sich und ihn zu bringen. Er fluchte lauthals, doch wohl mehr darüber, dass sie sich hatte befreien können, als über den Feuer gefangenen Ärmel seiner Kleidung. Zeitgleich mit dem Entfachen der Funken durchdrang ein stechender Schmerz Siyyins rechtes Schulterblatt, der sie aufstöhnen ließ. Die Narben dort kündeten noch heute von den früheren Verbrennungen, die sie erlitten hatte. Gestern hatte sie mehr und intensivere Magie gewirkt, als sie es normalerweise tat. Jetzt, mitten in der Nacht, war sie zusätzlich völlig unvorbereitet und unausgeruht. Das trug nun Rechnung.

Die Wüstenelfe rappelte sich unter Schmerzen auf und versuchte gleichzeitig einen Fluchtweg zu finden und ihre Gegner dabei im Auge zu behalten. In diesem Moment sah sie auch den vierten Fremden und versuchte sich dennoch einzureden, irgendwelche Chancen gegen diese Männer zu haben. Sie gab sich größte Mühe, die Feuermagie zu erfühlen und zu nutzen. Normalerweise tastete sie mit feinen Sinnen danach, doch unter diesen Umständen war das selbst für sie, eine Adeptin der Feuermagie, mehr als schwierig. Kämpfe waren keine Übungsstunden und von letzteren hatte sie deutlich mehr erlebt. Ihr Peiniger hatte inzwischen den schwelenden Brand seiner Kleidung gelöscht und kam nun, ungehindert der Funken, wieder auf sie zu. "Helft mir mal mit diesem Weib. Dann lass ich sie lang genug leben, damit ihr auch noch etwas von ihr habt", rief er aus und zumindest zwei seiner Begleiter fühlten sich angesprochen. Den See im Rücken wissend, konnte Siyyin keinen Ausweg entdecken. Die Hektik, mit der sie agierte, machte die Feuermagie nicht gerade greifbarer, selbst dann nicht, als sie mit zittrigen Fingern das Symbol für Feuer in ihre Hand zeichnete. Hilflos blickte sie auf ihre Hand, doch nichts tat sich. Ihr Schulterblatt pochte unentwegt und die Schmerzen zogen sich inzwischen bis zu ihrer Stirn hoch.

Gerade als sie aufblickte, erwischte sie ihr Peiniger mit einem gezielten Schlag, der sie zu Boden warf. Der darauf folgende Schmerz, der sich über ihre gesamte rechte Gesichtshälfte auszubreiten schien, ließ nun auch die Funken ersterben. Schwärze vernebelte ihr die Sicht und für ein paar Momente war sie völlig außer Gefecht gesetzt. Als sie wieder zu sich kam, brauchte sie mehrere Augenblicke, um zu realisieren, was geschehen war und um die Orientierung wieder zu erlangen. Das nächste, das sie bemerkte, war der feste Griff um ihre Handgelenke und der kalte Stahl an ihrer Kehle. Trotzdem versuchte sie mit aller verbliebenen Kraft sich aus dem Griff ihrer Peiniger zu befreien und sich gegen diese zu wehren.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Sa, 18. Jan 2014 20:15

Kies und kleinere Geröllbrocken bewegten sich wie von unsichtbarer Hand durch die Nacht, hoben gar, als ein schlanker Schemen durch das Dunkel an ihnen vorüber raste, vom Boden ab, die letzten Meter durch die Luft zu jagen um mit einem knirschen und Poltern mit dem bereits steinernen wie von Geröll- und Steinsplittern regelrecht übersäten Äußeren Duiliaths zu verschmelzen. Mit einem Krachen barst eine Feuersteinknolle aus dem Erdreich und selbst in ungezählte Steinscherben, welche sich über Haut, Gesicht und Gehörn des Halbdämons legte, derweil der Andere – nachtschwarz sein Hinterhaupt zierend – ihn zu immer schnelleren Lauf anpeitschte. Dann schließlich erschien das Lager Siyyins vor seinen Augen und ein unheiliges Grollen entrang sich der Kehle des Anderen in seinem Rücken, als der Halbdämon sich in vollem Lauf gegen einen am Rand des Lagers begierig der Vergewaltigung harrend Wegelagerers warf. Schreiend, aufgrund der unzähligen, wenn auch nicht tiefen Schnitte durch die des Halbdämons zierende wie rasiermesserscharfen Steinfragmente, versuchte der so Überraschte aus Duiliaths nicht sehr festen Griff zu befreien. Das er sich mit jeder Bewegung nur weitere Verletzungen zuzog[18], unter anderem einen dreifingerbreiten Schnitt entlang der Vene seines rechten Handgelenkes[/18], bekam der Bedauerlich indes nicht mit. „So viel Spaß, und ich bin nicht eingeladen?“ grollte der Andere, mit tiefgrün glosenden Iriden das Geschehen um das halberstorbene Feuer voraus betrachtend, als Duiliath sich auch schon erhob. „Verdammt, was...“ doch was auch immer der über Siyyin gebeugte Mann noch äußern wollte, er beschloss, dass das warten konnte bis... Mit einem Klirren prallte die mit einer solchen Wucht geschleuderte Messerklinge des Mannes an den Duiliaths Haut bedeckende Steine, das in einem günstigeren Winkel geworfen auch seine Steinhaut ihm vermutlich keinen hinreichen Schutz geboten hätte und obgleich die Klinge so harmlos abprallend weiter hinter ihm erst zitternd in den Boden stak, beendete der Andere das von Duiliaths Hinterhaupt gerade erst entsandte Lachen.

Wer immer diese Männer waren, sie waren keine harmlosen Wegelagerer, die nicht wussten wie man ein Schwert führt und verloren waren, sobald ihnen wer Gegenwehr entgegenbrachte. Duiliath ignorierte den Tritt des unter ihm liegenden Mannes in Regionen, welche ihn unter anderen Umständen in höchsten Tönen hätte wehklagen lassen und überließ es vielmehr den ihn getreten habenden, den Schmerzenzlaut hervorzustoßen. Obgleich derjenige aus mehreren Wunden blutete und seinen Säbel aus der schwachen und vor Blut schmierig gewordenen Hand in die Linke wechselte, gab auch der keinesfalls auf „Verdammt Rashid, ein Dämon?“ Fragend blickte der[18], ob seiner Handgelenkverletzung bereits unausweichlich dem Tode Geweihte,[/18] zu dem über Siyyin zuletzt gebeugte wie augenscheinlichen Anführer des Trupps. Duiliath indes, die nicht alleine ob seines Anblickes kopflos flüchtenden – oder angreifenden – Gegner aufgrund ihres Verhaltens als ernstliche Feinde einstufend, beschloss sich eine ... etwas kampferprobte Erscheinung anzunehmen und wechselte in seine dämonische Gestalt. Dem zweistimmigen Brüllen wie Kreischen nach zu urteilen war dieses ob der mit rasiermesserscharfen Steinscherben übersäten Haut ungleich schmerzhafter, denn gewohnt, so das es niemand wunder nehmen sollte, dass der Halbdämon während jener Momente nichts von seinem weiteren Umfeld wahrnahm. Dafür aber, die ob der Verwandlung zerrissene Hose neben dem peitschenden Schlangenleib, welcher seinen Unterkörper nun darstellte grollte Duiliath erneut zweistimmig wie eine Aura schierer Grausamkeit verströmend. Vergessen, zumindest für den Moment, war die relative Schwäche seines drachenerbischen Erbes, als er die in unirdischem braun wie grün glosenden Augenpaare auf die Menschen um sich her richtete und zweistimmig in miruanischer Sprache die drohend zu vernehmenden Worte „Zeit,“ und „Sterben!“ flüsterte.
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » Fr, 24. Jan 2014 17:33

Mit jeder Sekunde, die, einer Stunde gleich, verstrich, zweifelte Siyyin mehr und mehr daran, heil aus dieser Situation heraus zu kommen. Los, töte mich, dachte sie und wollte den Mann, der ihr die Klinge an die Kehle hielt, anschreien und ihn dazu aufzufordern, ihr Leben jetzt und hier zu beenden. Doch die Angst lähmte ihre Stimme, sodass sie keine einzige Silbe hervor brachte. Sie zappelte wehrlos unter den eisernen Griffen der Männer und merkte, dass sich ihre Hände nicht einmal minimal aus dem Griff lösten und wie die Kraft sie zunehmend verließ. Sie spürte die Tränen erst, als sie schon ihr Gesicht hinunter glitten, ein Zeichen purer Verzweiflung. Sie schrie jedoch nicht, kaum ein Laut drang über ihre Lippen. Sie wollte ihren Peinigern keine Genugtuung verschaffen und hier draußen würde sie sowieso von keiner guten Seele gehört werden. Vielleicht war es auch besser so, wenn sie keiner so sah. Niemand würde das Elend sehen und wenn sie dann doch jemand fand, wäre sie schon längst tot. Solche und ähnliche Gedanken begannen in ihrem Kopf zu kreisen, als ihre Kräfte zunehmend schwanden und sie sich eingestehen musste, dass es wohl so enden würde.

Im nächsten Moment hörte sie ein Knirschen, ein Krachen und ein Schreien. Alles schien plötzlich gleichzeitig zu geschehen. Sie öffnete die zuvor vor Verzweiflung geschlossenen Augen wieder und sah sich hektisch um. Ein Grollen erklang und nur langsam verstand die Elfe, dass es Worte sein mussten, die gesprochen wurden, jedoch konnte sie nicht sagen, was für welche. Die Griffe um ihre Handgelenke lösten sich mit einem Schrei und der eben noch über ihr gebeugte Kerl ließ von ihr ab, um sich.. Duiliath?! Was machte er hier? Zuerst glaubte sie, dass sie sich das einbildete, doch dann wurde ihr klar, dass das die bittere Realität war. Erst jetzt sah sie den anderen Angreifer blutend am Boden liegen, doch statt Mitleid empfand sie.. nichts. Die folgenden Minuten voller Zerstörung und Grauen erlebte sie wie eine teilnahmslose Zuschauerin am Rande eines Schauplatzes.

Tatsächlich befand sich inzwischen am Ufer des Sees. Sie hatte nicht mitbekommen, wie sie rücklings dorthin, fort von ihren Peinigern, gekrochen war. Dort saß sie nun wie ein Häufchen Elend. Hastig strich sie ihre Kleider glatt und schob sie an die richtigen Stellen zurück, dann wischte sie sich unwirsch die Tränen aus dem Gesicht, wobei ihre schmutzigen Hände dreckige Erde auf ihren Zügen hinterließen. Nur gegen das Zittern, das ihren gesamten Körper einnahm, konnte sie nichts tun. Ebenso wie das schmerzliche Stechen ihres Schulterblattes, das sie nun wieder deutlicher spürte, und die Schwellung ihrer rechten Gesichtshälfte. Der schwächliche Drachenerbe mit dem roten Haar indes hatte seine dämonische Gestalt angenommen. So erinnerte er Siyyin an die Schlangen, von denen sie geträumt hatte, und an Drachen. Sie hatte ihn zwar schon einmal in dieser Form gesehen, aber inmitten eines Kampfes als todbringender Sandsturm war das etwas völlig anderes. Eine Gänsehaut breitete sich auf ihren Armen aus und sie war froh, dass sich Duiliath' Zorn nicht gegen sie richtete - zumindest hatte sie die vage Hoffnung, dass er wusste, was er da tat.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Sa, 01. Feb 2014 21:11

Als sich der aufgewirbelte Sand legte und Stille sich wieder über den Lageplatz legte, waren die Leichen dreier Männer am Boden zu sehen. Der Vierte indes war nicht zu sehen, hatte es offensichtlich geschafft, unbemerkt Fersengeld zu geben. Stein schabte über Stein bevor ein leises Klirren von den von der dämonischen Gestalt plötzlich herabfallenden Steinscherben zeugte. Der krampfhaft sich nach vorne beugende wie dann am Boden abstützende dämonische Körper lies merkliche Anzeichen von Schwäche erkennen, Schwäche und Schmerz. Mühsam taumelte Duiliath auf die Beine, stürzte aber beinahe umgehend wieder zu Boden, derweil ein schattenhafter Schemen, das weitaufgerissene Maul wie zu einem stummen Schrei verzerrt, sich vergeblich aus des Halbdämons Hinterkopf zu befreien bemühte. Die noch immer klauenbewehrte Pranke am linken Arm der ansonsten wieder rein drachenerbisch, menschlichen Gestalt tastete bluttriefend nach dem Hals der Wüstenelfe. Doch was sich schließlich auf ihre pochende Halsschlagader hinab senkte war die feingliedrige Hand eines schmächtigen Jünglings und statt das eine rasiermesserscharfe Kralle ihr in den Hals zu rammen, tasteten die Finger vielmehr sacht nach einem leisen Lebenszeichen... und fanden es.

Erst nun verschwand das mordlüsterne Lodern aus des Drachenerben Blick, welcher sich taumelnd wieder auf die Beine erhob, einen blutigen wie sicherlich schmerzhaften und langen, wenngleich vermutlich nicht weiter tiefen Schnitt an der Seite erkennen lassend. Nur langsam kam Duiliath wieder zu Sinnen, wusste im Ersten Moment nicht wo er war und blickte sich darum, nach einem ersten Blick auf die Kadaver der drei toten Banditen, erneut erschrocken um, bis er Siyyin und ihr Pferd schließlich scheinbar unversehrt vorfand, auch wenn Letzteres alles Andere als ruhig war. Erst daraufhin taumelte der Gestaltwandler zum nahen Wasser um von der eigenen Schwäche übermannt schließlich rücklings in schilfumrankte Nass zu stürzen und dort, das Gesicht glücklicherweise beständig über Wasser halten könnend in einem Flor rosig sich färbenden Nasses langsam gen Mitte des einsamen Wüstengewässers zu treiben, unfähig auch nur noch einen kleinen Finger zu rühren, derweil die Kühle um ihn her nur langsam die Lebensgeister zurück zu locken vermochte.

Das schließlich, und so ganz und gar untypisch für die Tierwelt Alvaranias, eine kleine Kröte auf den nur knapp aus dem Wasser ragenden Brustkorb Duiliaths sprang, von dort etwaige Gefährtinnen zu einem Liebesreigen nach dem kürzlich erfolgten Tumult zu locken... Ein leises, abgehackt und merklich schmerzerfüllt klingendes wie raues Lachen , welches von der Mitte des Sees her erklang, zeugte davon das der Drachenerbe durchaus noch am Leben war. Ein letztes empörtes Quaken wie darauf erfolgendes leises Platschen zeugten indes davon, dass dieses scheinbar darob auch von der daraufhin abtauchenden Kröte noch anerkannt worden war und eine, nur von leise wieder einsetzenden Grillengezirpe unterbrochene, Stille legte sich daraufhin wieder über das Lager, derweil ein leichter Wüstenwind erste feine Staubfahnen über die drei grässlich zugerichteten Leichen legte, derweil das sich zuletzt doch noch erfolgreich losgerissen habende Reittier der Wüstenelfe, sich dieser vorsichtig schnaubend nahte.
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » Fr, 07. Feb 2014 18:52

Siyyin wusste nicht, wie lange sie dort saß. Sie war unendlich erleichtert, dem unweigerlichen Grauen entkommen zu sein.. jedenfalls war dieses Gefühl irgendwo in ihrem Inneren vergraben, auch wenn nichts davon gänzlich bis zu ihrem Bewusstsein hervordrang. Zuerst saß sie einfach nur da, genoss es, nicht mehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen und die Schreie der Gerechtigkeit zu hören, die die Männer wie ein tosender Sturm erfasste. Nur langsam lichtete sich der Schleier, die Mauer, die der Schock um sie herum errichtet hatte, und erst gänzlich, als einer der Männer nur wenige Schritte von ihr entfernt mit letzter Kraft, die aus der Todesangst gewonnen wurde, halb kniend, halb stehend versuchte, diesen Ort zu verlassen. Die roten Augen richteten sich auf den Todgeweihten und erst da erhob sich die Wüstenelfe. Der Mann war verletzt. Vielleicht würde er es schaffen, wenn er diesem Ort entkam und einen ruhigen Platz fand, um sich zu erholen. Siyyin betrachtete ihn, während sie auf ihn zulief. Ihre Beine zitterten, aber ihre Schritte waren dennoch zielgerichtet. Wo zuvor noch Spott und Gier aufflackerte, konnte nur noch von tiefer Furcht die Rede sein, die ihr nun aus dem dunklen Augenpaar entgegen blickte. Als der Mann bemerkte, dass er ihr Ziel war, begann er mit brüchiger Stimme Worte zu stammeln. Siyyin wusste nicht, was er sagte, sie verstand sie nicht, denn sie wollte sie nicht hören.

Der Mann begann sich zu erheben und war noch so weit bei Sinnen, den Dolch zu ziehen, den er am Gürtel trug. Seine Bewegungen waren fahrig und ungenau. Bevor er die Waffe erheben konnte, war Siyyin bei ihm. Bis auf die Raufereien mit ihrem Bruder oder anderen Kindern hatte sie noch nie mit jemanden aus dieser Nähe gekämpft. Sie hätte nie gewusst, worauf zu achten war, doch jetzt schien reiner Überlebungsinstinkt ihre Bewegungen zu lenken. Es gelang ihr mehr Schnelligkeit und Kraft als dieser Mann aufzubringen und während die Luft um sie herum erneut zu knistern und flimmern begann, entriss sie ihm den Dolch und stach zu. [18]Sie schaute ihrem Peiniger fest in die Augen und drückte die Klinge immer tiefer in seine Brust. Blut benetzte warm ihre Hände als er zu Boden sank und erst da lösten sich ihre krampfhaft geschlossenen Hände vom Dolchgriff. Voller Abscheu und Rachgier beobachtete sie ihn in seinem Todeskampf und erst als das Gurgeln des Sterbenden erstarb und leere Augen ihr entgegen blickten, entließ der Hass, der sie völlig vereinnahmt hatte, sie aus seinem Griff.[/18]

Völlig erschöpft ließ sie sich, wenige Schritte von dem Toten entfernt, nieder und lehnte sich an eine der hier wenig wachsenden Palmen. Sie atmete tief ein und aus, doch erst nach einer Weile hörte das Zittern ihres Körpers auf. Sie blickte zu Duiliath, der die anderen beiden getötet hatte und nun wieder als gehörnter Drachenerbe vor ihr kniete. Sie lächelte, schwach, aber sie lächelte und ließ ihn gewähren. Sie betrachtete seine Augen und das Lodern darin kam ihr erschreckend sympathisch vor. Erneut saß sie wohl Minuten da, ehe sich wieder etwas in ihr regte: Gefühle, Gedanken und der Drang, etwas zu tun. Sie erhob sich und blickte zu dem See und erst jetzt realisierte sie wirklich, wo sie war und in wessen Gesellschaft. Sie wusch sich die Hände, Arme und das Gesicht und blickt dann erneut zu dem Drachenerben im Wasser. Den Lauten nach zu urteilen lebte Duiliath noch. Sie erinnerte sich an seine Worte zurück. Während die Hitze für ihn früher Kraft und Erholsamkeit bedeuteten, war es seit dem gefallenen Stern die Kälte, die er dafür benötigte. Also ließ Siyyin ihn im Wasser und wendete sich den Toten zu.

Jeder von ihnen hatte sein Bündel Gepäck getragen. Die abgenutzten und lädierten Beutel trug Siyyin nun zusammen. Sie hatten damit begonnen, ihr Hab und Gut zu durchwühlen und das Gleiche hatte sie nun mit ihren Besitztümern vor. Sie hatten nicht viel dabei, nur das Nötigste, das es zum Überleben hier draußen brauchte. Sie entdeckte jedoch auch Münzen aus verschiedenen Ländern - zumindest waren sie ihr nicht bekannt - sowie mehr oder weniger wertvoller Schmuck oder Schmucksteine und andere Dinge, die allesamt nicht zueinander passen wollten, wie Gewürze und gemahlene Kräuter, die nicht nur aus der Wüste stammten oder Tabak. Es wirkte, als wäre alles von hier und da zusammen geklaubt und Siyyin hatte keine Zweifel daran, dass das tatsächlich so sein konnte. Gerade als sie den letzten Beutel durchsuchen wollte, hörte sie, wie sich Nabraere wieder ihrem Lager näherte. Im ersten Moment, da sie wieder halbwegs im Stande war, einen klaren Gedanken zu fassen, hatte sie sich panisch nach ihrem Pferd umgesehen, es aber dann weit in der Ferne erkannt. Sie hatte ihr Zeit geben wollen, ebenso wie sie sie selbst benötigt hatte und auch Duiliath benötigte. Bei ihrer Stute war das offenbar die richtige Taktik gewesen. Die nächsten Minuten widmete sich die Wüstenelfe allein der Sihu’sai, damit diese erneutes Vertrauen in die Situation fasste.

Am liebsten wäre sie einfach weiter gereist. Weg von diesem Ort und den Toten, die sie mit Gänsehaut an das Geschehene zurück denken ließen. Sie wollte all das vergessen, wobei sie nicht einmal mehr Wut oder Scham oder irgendeine Art von Überheblichkeit verspürte. Sie war einfach nur dankbar. Duiliath hatte sich für ihr Leben und ihre Ehre eingesetzt und dafür ließ sie ihn in Ruhe neue Kräfte sammeln und das alles auf seine Art verarbeiten, wenn das denn nötig war.
So kam es, dass sie erneut ein Feuer entzündete und in Decken gewickelt an diesem saß und Tee trank. Sie hatte auch für Duiliath welchen mitgekocht, falls er sich zu ihr gesellen würde. Siyyin tat in den nächsten Stunden jedenfalls kein Auge zu. Einige Male saß sie mit geschlossenen Augen da, doch das kleinste Geräusch verhinderte jedes Mal ein wegschlummern. Als sich der Drachenerbe später zu ihr gesellte, und war es auch nur in Hörweite abseits des warmen Feuers, blickte Siyyin nach einigen Minuten der Stille zu ihm hinüber. "Ich danke dir, Duiliath", sprach sie schließlich bedacht. Da war keine Arroganz, kein verletzter Stolz, sondern einfach nur ehrliche Dankbarkeit in ihrer Stimme.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » Sa, 08. Feb 2014 15:36

Mit einem leisen Plätschern wandte Duiliath sich von der Rücken- in die Bauchlage und erhob sich dann auf die Füße, das ihm daraufhin bis zur Hüften stehende Wasser gleichmäßigen Schrittes zu durchqueren. Am Ufer angelangt, entledigte er sich des letzten Fetzens Stoffes der ansonsten durch seine Verwandlung zerrissenen Kleidung, seine Blößen so zu bedecken und stapfte hängenden Kopfes zu den Toten. Bemüht diesen nicht in die Gesichter zu blicken [18]und froh deren Bauchdecken für dieses Mal nichtaufgerissen, und die Körper also auch nicht ausgeweidet zu sehen,[/18] zog er diesen die jeweils halbwegs saubersten Kleidungsstücke aus und schlurfte damit wieder zum See. Dort reinigte Duiliath die Kleidungsstücke so gut als möglich von Kot, Urin und Blut. Bei den Hosen wählte er dann aber doch eine ihm zu große, deren vorheriger Träger andererseits aber nicht noch darin entleert hatte ehe, bzw. nachdem er starb. Wie ein zerlumpter Leichenfledderer, der er ja auch war, trat er schließlich an das Feuer und obgleich er einen merklichen Abstand zu den Flammen beibehielt nahm er doch dankbar die bereitstehende Tasse heißen Tees an und lächelte traurig ob Siyyins Dank. Doch statt Stolz schien den in diesem Moment zitternd und schwach scheinenden Drachenerben vielmehr nur Scham zu Eigen zu sein. und während er ohne ein Wort der Erwiderung betreten mit den Schultern nur zuckte, wogte der Sand nahe eines der Toten beinahe sacht erst über diesen, wie dann auch über dessen beiden Mitstreiter hinweg, das nur mehr drei ungewöhnliche kleine Sanddünen von der Anwesenheit der drei Leichen zeugte.

„Schmeckt gut, der Tee!“ war alles was er über die Lippen bekam und Scham stand ihm in den Zügen, auch wenn eine sehr sehr leise Stimme in ihm flüsterte das die Männer nur bekommen hatten was sie verdienten. Nichtsdestotrotz hatte er sich aber wieder in einen wahren Blutrausch ergeben. So nützlich ihm, oder besser gesagt Siyyin das hier war, genau dieser Unbeherrschtheiten wegen war ihm die Rückkehr in seine Heimat schließlich versperrt gewesen. Nach mehreren Minuten, er hatte den Tee schließlich in kleinen Zügen gelehrt, drehte Duiliath die Tasse in den Händen. „Wir sollten aufbrechen, ehe der Letzte mit Verstärkung zurück kommt. Mit mir an deiner Seite wird leider niemand darauf hören wollen das die da“, Duiliath deutete auf die drei unter einer dünnen Sandschicht verborgenen Leichen. „ die zu Bösen und du oder ich nur die Opfer sind.“ Und doch klang, neben einer leisen Traurigkeit, kein Hauch von Anklage oder weinerlichem Selbstmitleid in seinen Worten mit. „Es sei denn du brauchst noch...?“ Der Halbdämon nahm seinen am Rand des Kampfplatzes fallen gelassenen Beutel auf, trat an eine weitestgehend saubere wie durch den Schilfbewuchs noch halbwegs von Blut und aufgewirbeltem Schlamm freie und saubere Wasserstelle und füllte den Trinkschlauch dort auf. Während dieser ganzen Zeit war der Andere äußerlich nicht zu sehen, schlummerte vielmehr gesättigt in des Drachenerben Innerm vor sich hin.

Duiliath nahm derweil ein anderes noch dort am Ufer liegendes Hemd, welches ihm zu groß gewesen war, schnitt es mit einer Feuersteinklinge aus seinem Beutel in feine Streifen und bereitete sich damit so etwas wie einen Wundverband für die während des Dahinschlachtens eingefangene eigene Verletzung und versuchte recht mühsam sich diesen unter dem Hemd anzulegen, ehe er aufschaute ob die Wüstenelfe ihr sich und Pferd inzwischen wieder hinreichend beruhigt, wie zum Aufbruch vorbereitet hatte.
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » So, 09. Feb 2014 20:02

Die Wüstenelfe seufzte leise. Die Traurigkeit in dem Blick des Drachenerben verriet ihr, dass er sich für seine Tat schämte und alles andere als stolz darauf zu sein schien. Siyyin empfand ein wenig Mitleid für ihn, als er die gesamte Zeit über versuchte, den Blick zu den Toten zu meiden, deren Kleidung er jetzt trug und die nun unter dem kalten Wüstensand vergraben lagen. Besser war das. Auch Siyyin wollte sie nicht mehr sehen und das alles so schnell wie möglich vergessen - auch wenn das sicher seine Zeit benötigen würde. Sie nahm einen Schluck von dem Tee und lächelte - ganz untypisch für die hitzige Elfe - Duiliath kurz über den Rand des Bechers hinweg aufmunternd zu, als dieser ihr sagte, dass er gut schmeckte. Dann nickte sie, denn er hatte Recht. Sie sollten aufbrechen. Nicht nur, dass sie hier vor etwaigen Feinden, die die Toten für die Unschuldigen halten würden, relativ unsicher, da leicht zu finden waren. Es war einfach schlauer, in der Kühle der Nacht weiter zu reisen und tagsüber zu rasten und zu schlafen. Es war noch spät, bis zur Dämmerung hätten sie sicherlich einige Stunden Zeit, um Abstand zwischen sich und diesem Ort zu bringen.
"Es sei denn du brauchst noch...? "
"Wir sollten gehen." Das war alles, was Siyyin dazu zu sagen hatte. Keine herunter spielenden Worte, kein Mir geht es gut oder Alles in Ordnung. Keine Worte, die sich überhaupt irgendwie auf das Geschehene bezogen, denn sie wusste nicht, ob es ihr gut ging und ob wirklich alles in Ordnung war. Im Moment wollte sie keinen weiteren Gedanken daran verschwenden.

Die Sachen waren schnell gepackt. Von den Toten nahm sie einen der Beutel mit, in dem sie alles Wertvolle und Nützliche des Besitzes der Männer verstaute. Bevor sie wirklich bereit für den Aufbruch war, zog sie den dritten, noch unangetasteten Beutel heran. Sie fand ein paar Becher darin, Feuerstein und Zunder und andere Alltagsgegenstände, die sie selbst mit dabei hatten. Weitaus interessanter war der helle Stoffballen, der sich nach kurzen geübten Fingergriffen und Blicken als Zelt herausstellte, das sie im Gegensatz zu dem Rest sehr gut gebrauchen konnten. Siyyin griff tief in den Beutel hinein, um auch nichts zu übersehen. Da war tatsächlich noch etwas. Gerade als sie ihre Hand darum schloss, durchstieß ein brennender, heißer Schmerz ihre Handfläche, als hätte sie sie ins offene Feuer gelegt. "Verdammter Mist", fluchte die Wüstenelfe und zog reflexartig ihre Hand aus dem Beutel. Als sie den Blick auf ihre gerötete Hand richtete, die dumpf pochte, weiteten sich ihre Augen vor Verwirrung und Überraschung. Was sie da sah, konnte sie sich im ersten Moment nicht erklären. Wüsste sie es nicht besser, sie würde sagen, dass es ein schwarzes Brandzeichen war, das die stilisierte Form eines katzenartigen Tieres besaß.
Eine dunkle Ahnung beschlich Siyyin, als diese erneut in den Beutel griff, um die Ursache des Brandzeichens aus dem Dunkeln ins Licht des Feuers zu ziehen. An einem doppelt gebundenen Lederband zog sie tatsächlich ein Amulett hervor. Es bestand aus einem runden, harten Stück Leder, in dessen Mitte etwas Fell befestigt war. Vom Rand hingen drei Krallen hinunter, die von einer Raubkatze stammen mussten. Siyyins Herz schlug schneller als sie ungläubig von dem Amulett zu dem Brandzeichen in ihrer Handfläche sah. Das konnte doch unmöglich das sein, was sie dachte. Ihr waren in ihrem Leben viele Geschichten erzählt worden, von Hexen, von Zauberern.. und von Schamanen, die Totemgeister in Amulette bannten. Siyyin wollte nicht daran glauben, dass ihr dies gerade tatsächlich passiert war. Ihre Gefühle und Gedanken wirbelten in ihrem Inneren wild durcheinander wie in einem Sturm.

Forschend sah sie zu Duiliath auf. Ob er sie beobachtet und das Amulett gesehen hatte? Zumindest sah er jetzt zu ihr hinüber, um sich zu vergewissern, dass sie aufbrechen konnten. Siyyin steckte das Amulett schnell in ihre Hosentasche. Sie wusste noch nicht, was sie davon halten sollte. Dann griff sie nach dem Zelt, befestigte es an Nabraeres Sattel und ergriff zuletzt die Zügel ihrer Stute. "Wir können los", verkündete sie dann, beobachtete den Drachenerben ganz genau, um zu erkennen, ob er etwas mitbekommen hatte, während sie selbst versuchte, völlig unbeteiligt zu wirken.

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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Duiliath » So, 09. Feb 2014 23:23

Je weiter sie von der Oase mit ihren Toten fort zogen, desto entspannter schien der Drachenerbe zu werden. Nach einigen Minuten begann Duiliath sogar ein wenig gesprächiger zu werden. „Manchmal gibt es aber auch Leute, die total freundlich sind und mich richtig gut behandeln, ganz ohne Angst oder so.“, und Duiliath berichtete von einer armen Familie an deren heruntergekommener Hütte er mal vorüber zog und wo man ihm, als er um einen Schluck sauberen Wassers bat, eine Teil der Wassermelone, die man dort gerade als Geburtstagsessen gemeinsam aß, zum Wasser noch dazu reichte. „Das fand ich sooo klasse, weil ich ja sah, wie arm die alle waren, dass ich eine halbe Stunde später denen erklärte, dass ich von einem Bach, zehn minuten entfernt einen steinernen Zufluss zu ihrem Haus, ihren Garten gezogen hätte. Die haben sich sowas von gefreut!“ Er strahlte Siyyin regelrecht an, während er neben dem Pferd – auf der windabgewandten Seite einher schritt. Auch schien das Tier sich, ihm gegenüber, inzwischen etwas beruhigt zu haben und schrak nur mehr auf, wenn es ihn aus dem Blick verlor, oder er versehentlich auf mehr als drei Schritte an es heran bewegte. Über das Zelt oder aber Amulett verlor er kein einziges Wort. Auch seinem Verhalten nach schien er nichts von Siyyins letztem Fund bemerkt zu haben, oder aber er maß dem einfach keinerlei Bedeutung bei.

Ganz der kleine Drachenerbenjunge schien er seit dem Kampf, wo auch der Andere sich zuletzt bemerkbar gemacht hatte, beinahe ausgelassen fröhlich, obgleich es wohl doch auch augenfällig war, dass er mit keiner Silbe die jüngst zurück liegenden Ereignisse ansprach und als schließlich mehrere Stunden später, die Dämmerung hatte bereits eingesetzt, eine schmale Schlucht sich zu ihrer Rechten auftat, pfiff er aufgeregt. „Iss das 'n Wadi? Wart ma‘ kurz, das muss ich mir anschauen.“, und flugs war er in die Dunkelheit des steil abfallenden Weges entschwunden. Nach ein paar Minuten kam er indes wieder hinaufgerannt. „Nur’n Tal nach nirgendwohin.“ Irgendwie klang er beinahe enttäuscht, ganz der kleine Junge der draußen auf Abenteuerjagd ging, der er ohne sein dämonisches Erbe wohl wäre. Plötzlich aber wurden seine Züge wieder ernster. „Aber wir können da, äh – lagern. Ich könnte den Durchgang hier bis morgen Abend zu machen, das uns keine Verfolger finden.“ Ach, und da ist noch eine Felsspalte, die ich gerne weiter erforschen würde... Nein, das Letzte sagte er nicht laut, aber mit ein wenig Menschenkenntnis mochte Siyyin erahnen, das dort hinten doch noch etwas war, das ihn lockte. „Gibt nur leider kein Wasser, da. Na, was meinst du?“

Sollte Siyyin seinen Vorschlag abwägen, so müsste sie zugestehen, das ein abgeschottetes Tal ideal als Versteck für den Tag wäre. Andererseits: Wenn der Zugang verborgen wäre und etwaige Verfolger dennoch auf das Tal aufmerksam werden sollten, wäre ihnen jeder Fluchtweg verwehrt, derweil ein Angriff von oben, etwa mit herab geworfenen Felsbrocken oder dergleichen, sie in ernste – um nicht zu sagen schier unausweichliche – Schwierigkeiten wohl brächte. Während Siyyin noch eine Antwort abwog indes, färbte ein sanftes Rot den östlichen Horizont. Das mochte ein weiterer Aspekt sein, der für die kleine Schlucht stand: Der zu erwartende Schatten dort drunten mochte den Tag weit kühler wie erträglich wohl machen.
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Re: Ein hitziges Gemüt zu viel

Beitrag von Siyyin » Sa, 08. Mär 2014 20:26

Immer wieder folgten die roten Augen den eingebrannten Linien in ihrer rechten Handfläche, während Siyyin über die Bedeutung der Silhouette in Form einer Raubkatze auf ihrer Haut sinnierte. Ob das wirklich eines dieser Amulette war? Eigentlich konnte kein Zweifel daran bestehen. Zumindest hatte die Wüstenelfe noch nie von Amuletten gehört, die auf zauberhafte Weise ein Zeichen in die Haut brannten und sonst für nichts anderes gut waren. Siyyin fragte sich, woher das Amulett stammte und wie es hier her gekommen war. Die Männer, die sie überfallen hatten und ihrem Erscheinen nach nur Wegelagerer, Banditen oder ähnliches sein konnten, ließen den Schluss zu, dass sie das Amulett entweder selbst nur zufällig gefunden oder es sich auf irgendwelche, vermutlich unehrliche Wege, beschafft hatten. Sie fragte sich, wer dieses Amulett zuletzt und rechtmäßig besessen hatte und wie es dazu gekommen war, dass es sich nun nicht mehr im Besitz seines ursprüngliches Trägers befand, sondern bis hier her in die Wüste und zu ihr gelangen konnte. Da sie das Amulett im Gepäck des inzwischen Toten gefunden hatte, ging sie nicht davon aus, dass er der letzte Gestaltwandler war, der es benutzt hatte. Vielleicht hatte er aber auch einen guten Grund gehabt, das Amulett abzulegen und in den Tiefen seines Hab und Guts zu verstauen.

Immer wieder schweiften ihre Gedanken dorthin und zu ähnlichen Dingen ab, egal, wie sehr sie sich darum bemühte, dem plötzlich so gesprächigen Duiliath zuzuhören. Die Geschichte, die er erzählte, hätte sie im Nachhinein vermutlich nicht mehr wiedergeben können. Sie hatte zwar mitbekommen, dass es um eine Hütte, eine Wassermelone und einen Bach ging, aber den Zusammenhang zwischen diesen drei Dingen hätte sie beim besten Willen nicht mehr herstellen können. Allgemein überließ sie eher Duiliath das Reden und war froh, wenn er erzählte, anstatt Fragen zu stellen. Davon abgesehen war sie jedoch auffällig freundlich – zumindest kamen kein einziges Mal bissige oder abwertende Worte über ihre Lippen. Siyyin verhielt sich eher zurückhaltend und war froh darüber, dass Duiliath‘ Geschwätz sie davon abhielt, an das Geschehene zurück zu denken.

Als der Halbdämon einen Wadi in der Dämmerung ausmachte, hielt sie Nabraere bereitwillig an und wartete, während er, einem Jungen gleich, das Unbekannte erforschen ging. Währenddessen stieg sie von ihrer Stute und vertrat sich die Beine. Dass er nach seiner Rückkehr vorschlug, hier ein Lager zu errichten - vor allem im Zusammenhang mit der Aussicht, das Tal mittels seiner Magie vor Verfolgern oder anderen zu sichern - stieß bei der Wüstenelfe auf offene Ohren. Die Männer hatten sie brutal und frühzeitig aus ihrem Schlaf gerissen und sie spürte die mehreren, hinter sich liegenden Stunden inzwischen mit jeder Faser ihres Körpers. Zwar hatten sie dann und wann eine Rast gemacht oder sie war zu Fuß weitergelaufen, um sich zu bewegen und wach zu halten, aber die verstrichene Zeit trug dennoch deutliche Spuren.
"Das ist eine gute Idee." Duiliath ahnte wahrscheinlich nicht, was für eine Seltenheit dieses Lob war, denn normalerweise kamen solche und ähnliche Worte nur zähneknirschend über ihre Lippen. Jeder nähere Bekannte oder Verwandte hätte bei diesen Worten mit offenem Mund dagestanden.
Durch die Trinkschläuche der zurückgelassenen Männer hatten sie in Siyyins Augen genug Wasser - oder zumindest Flüssigkeit, denn auch Alkohol hatte sich unter dem Fund befunden. Außerdem hatten sie vor weniger als zwei Stunden eine Rast gemacht und dabei eine kleine Wasserstelle gefunden, an der sie ihre eigenen Wasserschläuche aufgefüllt hatten. Deshalb schlug sie Duiliath‘ Sorgen in den Wind und war einfach nur froh, dass sie eine geeignete Lagerstelle gefunden hatten.

Der Weg hinab war steil, aber mit viel Zureden konnte Siyyin auch Nabraere dazu überreden, mit nach unten zu kommen. Die Felswände ragten hoch hinauf, doch das war Siyyin nur lieb. An etwaige Feinde, die ihren Vorteil daraus ziehen mochten, dachte sie nicht. Sie nahm nicht an, dass der Mann, der entkommen war, genug Verbündete in der Nähe besaß, die einen Kampf mit einem Dämon riskieren würden.
Zuerst kümmerte sie sich um Nabraere. Sie sattelte ihre Stute ab und füllte, als das getan war, etwas von ihrem Wasser in eine Tonschale und stellte sie vor ihr ab, damit sie etwas trinken konnte. Dann begann sie sie nach oberflächlichen und tieferen Verletzungen abzusuchen, konnte aber glücklicherweise nichts dergleichen entdecken. Als Pferdehändlerin lag es ihr im Blut, ihre Sihu’sai genau im Auge zu behalten und für ihre Gesundheit zu sorgen. Zuletzt entfernte sie Schmutz und Steine von den Hufeisen und striegelte ihr Fell sowie Mähne und Schweif, wo sich die hellen Haare teilweise verfilzt hatten. Auch deshalb dauerte es seine Zeit, bis Siyyin fertig mit der Pflege und zufrieden mit ihrer Arbeit war. Erst dann erlaubte sie sich, sich um sich selbst zu kümmern und packte einen Teil des Gepäcks aus, während sich Nabraere auf die Suche nach Essbaren in dem staubigen Sand machte.

Später saß Siyyin am Feuer, das sie entzündet hatte, um das vorhin gesammelte Wasser in einem kleinen Topf abzukochen. Sie war zwar hundemüde, aber es widerstrebte ihr auch, sich einfach in die Decken zu wickeln und einzuschlafen, so gerne sie das auch wollte. Aber sie war Duiliath etwas schuldig und wenn sie diese Schuld im Moment nur damit begleichen konnte, indem sie mit ihm sprach – und das in einem Ton, als würde sie mit jemanden reden, den sie als gleichgestellt ansah -, dann wollte sie das auch tun. Während sie das Frühstück auspackte und herrichtete, schaute sie zu dem Drachenerben hinüber, über den sie die letzten Minuten nachgedacht hatte.
"Kennst du deine Eltern noch? Wie hast du so lange alleine in der Wüste überlebt?"
Sie wusste, dass seine Mutter eine Dämonin war und das Drachenblut in ihm von seinem Vater stammte. Die Verbindung der beiden konnte sie sich aber nicht wirklich vorstellen, was ihr Interesse an seiner Herkunft begründen mochte. Sie fragte sich, wie seine Eltern ihn in so jungen Jahren hatten alleine lassen können und ob sie wohl noch lebten. Kurz musste sie schmunzeln, als sie darüber nachdachte, wie absurd diese Situation war. Gestern erst hatte sie Duiliath kennen gelernt und den Dämon in ihm nur wenig später. Und heute saßen sie hier beim gemeinsamen Frühstück. Auf einem farbigen Tuch standen bereits Dattelhonig, Joghurt mit Datteln, ein Gemisch aus Bohnen und Linsen und andere Leckereien. All das und das Brot, das sie über dem Feuer erwärmt hatte, und nun einen Teil davon dem Drachenerben reichte, hatte ihr die Wirtin des zerstörten Gasthauses gegeben. Alles war also noch frisch und sehr genießbar.

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