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Handel und Suche in trockenem Land

Verfasst: Do, 02. Mai 2013 3:30
von Suada
<---Einen Steinwurf entfernt

Vielleicht wäre sie noch eine Weile mit Lianne und Duiliath weiter gereist, wenn da nicht diese Fremden aufgetaucht wären, so war sie nun aber wieder alleine. Irgendwie war die ganze Reise mit den beiden sehr verwirrend gewesen... erst der Vorfall, als deren dämonische Natur zum Vorschein gekommen war und dann, als sie sich gerade an sie gewöhnt hatte, war der Junge auf einmal vom Wagen gesprungen und verschwunden. Lianne hatte ihr noch gesagt, dass sie die Pferde antreiben und verschwinden sollte und dass Duiliath nicht vorhatte, sie zu begleiten. Und genau das hatte sie getan, und beide Frauen hatten geschwiegen, auch als der Wagen in gemächlicherem Tempo auf Demera zufuhr. Suada war unruhig, versuchte sich aber, mit einem leisen Singsang zu beruhigen – bis Lianne sie bat, anzuhalten und ihr, nachdem sie sich versichert hatte dass sie mit ihrem verletzten Fuß zurecht kommen würde freundlich erklärte, dass sie ihren Weg nun auch alleine fortsetzen wollte. Suada war überrascht, fragte aber nicht weiter nach, versicherte der Wüstenelfe nur, dass sie sie gerne mitnehmen würde, dann verabschiedete sie sich und lenkte den Wagen weiter in Richtung Demera, das nun nicht einmal mehr eine halbe Tagesreise entfernt lag.

Ein kleines Stück fuhr sie noch weiter, dann lenkte sie den Wagen an den Straßenrand und sprang schwungvoll vom Kutschbock – so schwungvoll, dass ihr Fuß trotz der Schiene, die der Junge ihr gemacht hatte, schmerzte. An ihre Verletzung hatte sie allerdings auch keinen Gedanken mehr verschwendet, dazu war sie viel zu durcheinander. Obwohl es sicher besser wäre, sich zu schonen, ging sie einige Schritte umher, recht hastig, denn sie war innerlich zu unruhig, um ihren Weg einfach ruhig fortzusetzen. Nicht, dass sie nicht nach Hause wollte, aber sie brauchte eine Pause, nicht zur Erholung, sondern vielmehr um sich etwas zu sammeln. Und um sich zu vergewissern, ob das alles wirklich geschehen war oder sie nicht doch vielleicht etwas zu viel Sonne abbekommen hatte. Sie war die Hitze zwar eigentlich gewohnt und hatte noch nie Schwierigkeiten damit gehabt, aber man konnte ja nie wissen, und sie hatte gehört, dass manche Menschen seltsam reagierten, wenn ihnen die Sonne zu lange auf den Kopf schien. Dass ihr das bisher nicht geschehen war, bedeutete ja nicht unbedingt, dass es nie geschehen würde, und das war auch nicht weniger unwahrscheinlich, als dass sie ein Stück des Wegs mit zwei Halbdämonen gemeinsam gefahren war. Vielleicht spielte ihr auch die Erinnerung einen Streich? Die Erlebnisse waren einfach zu seltsam gewesen.

Also ließ sie sich erst einmal auf einem größeren Stein nieder, der sich am Rand des Weges befand und betrachtete die Schiene etwas genauer. Sie war ganz ohne Zweifel aus Stein, und somit aus einem Material, dass sie zum einen nicht selbst bearbeiten konnte und das vor allem auch kein anderer gewöhnlicher Mensch ganz ohne Hilfsmittel zu einer filigranen Schiene formen konnte. Dann litt sie wohl doch nicht unter zu viel Sonne und das alles hatte sich tatsächlich zugetragen – eine beunruhigende Vorstellung, die auch gleich dafür sorgte, dass ihr Atem sich beschleunigte. Sofort griffen ihre Finger wieder nach der Salzuhr, und sie sang leise vor sich hin, um sich zu beruhigen. Mit geschlossenen Augen würde es besser funktionieren, doch sie wollte ihre Umgebung im Block behalten. Daher blieb sie mit geöffneten Augen auf dem Stein sitzen und wiegte den Oberkörper leicht vor und zurück, während sie weiter monoton vor sich hin sang.

Re: Handel und Suche in trockenem Land

Verfasst: Do, 02. Mai 2013 15:35
von Karim
<---Das Leben ist ein langer und steiniger Fluss

Nachdem Karim die Schriftrolle des Bibliothekars in den Westen des Landes, flussabwärts des großen Stromes, zu dessen Handelspartner gebracht hatte war er vor drei Wochen wieder zurück gekehrt. Und endlich, nachdem er von seinen Erfahrungen berichtet kannte, konnte der Elf eine Art Diagnose stellen. Scheinbar war sein verlorenes Gedächtnis nicht endgültig verloren… die Erinnerungen kamen wieder. Und wenn er ähnliche Erfahrungen wie in seinem vorherigen Leben machte umso schneller. Eine gute Neuigkeit und seitdem bemühte sich der Nomade darum möglichst viele Erfahrungen in vielen Bereichen zu machen. Er zog aus dem Haus des Bibliothekars aus und mietete sich eine kleine Kammer im Obergeschoss eines billigen Gasthofes in der Nähe der Mauer. Verdingte sich seinen Unterhalt als Bote, zeitweiliger Personenschützer oder Wache für Händler und wäre sich auch nicht zu schade gewesen einen Handelszug zu begleiten. Doch obwohl er sich fast täglich auf dem Markt und in den Tavernen umhörte, war ihm so eine Gelegenheit noch nicht untergekommen. Karim hätte auch weit weniger legale Aufträge angenommen, doch obwohl er schon einige Fortschritte gemacht hatte - unter anderem wusste er jetzt seinen Namen wieder - war er sich noch nicht sicher genug. Geschweige denn, dass ihm einfiel wie er mit dem entsprechenden Klientel innerhalb dieser Stadt in Verbindung treten konnte.

Doch den größten Teil seiner Freizeit verbrachte er damit bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zu meditieren und den restlichen freien Tag wie ein Besessener seine Fähigkeiten zu trainieren. Auf dem Dach des Gasthauses feilte er in der schweißtreibenden Hitze an seinen Waffen- und Kampftechniken, er nutzte die Dächer der weitläufigen Stadt um seine Kletter- und Balancekünste zu verbessern. Dabei darum bemüht niemanden aufzufallen und im Schatten der Gassen verborgen zu bleiben. Manche Nächte und Tage verbrachte er draußen in der Wüste, jagte Getier mit kleinen Fallen und suchte Wasser in der trockenen Hölle. Und je verbissener er trainierte und übte umso mehr fiel ihm über seine eigentliche Ausbildung ein. Das stellte ihn zufrieden und mittlerweile funktionierte er wieder so reibungslos wie eine gut geölte Brunnenpumpe. Zumindest körperlich. Hin und wieder stieg und kletterte er des Nächtens auch aus seinem Fenster und verschwand in der Wüste. Sich an den Sternen orientierend lief er dann im Dauerlauf die ganze Nacht durch die Wüste um seine Ausdauer zu trainieren. Wenn der Tag einsetzte wanderte er schließlich die zurückgelegte Strecke mit seinem ganzen Gepäck – zugegebenermaßen sehr übersichtlich – wieder zurück.

So war er auch an diesem Tage unterwegs, es war der zweite Tag seines Rückweges und spätestens heute Abend würde er wieder in Demera angelangen. Wie üblich hatte er bei Tagesanbruch sein Gewand, den Turban und seinen Schleier umgedreht, so dass nun wieder die sandfarbene Seite außen war. Seine lange Waffe war in ein weißes Leinentuch eingewickelt und mit ledernen Sehnen festgezurrt. Niemand würde erahnen was darunter war. Dergestalt trugen ihn seine Schritte in den weichen Lederstiefeln durch den glühenden Sand, dessen Dünen immer mehr abflachten und in felsige Hügel übergingen, je näher er dem unterschwelligen Rauschen des großen Stromes kam. Die Salzminen in den Hügeln umging er meistens. Direkt am Ufer, hinter den Hügeln, lagen die fruchtbarsten Bereiche. Hinter einer Hügelkette blieb er stehen und sah kurz in den wolkenlosen Himmel. Die Sonne schien kurz vor ihrem Zenit zu stehen und brannte erbarmungslos auf die Erde nieder, doch er war die Hitze und die Sonne gewohnt. Trotzdem nahm er den Wasserschlauch von seiner Schulter und nahm einige tiefe Schlucke daraus. Es war schon ein wenig warm und schal, doch Wasser blieb Wasser. Der Rest darin schwappte als er den Schlauch wieder auf die Schulter nahm und plötzlich inne hielt. War das Gesang?

Er lauschte einen Augenblick, ja in der Tat. Das war Gesang, der dort über die Hügel herüber schallte. Karim runzelte kurz die Stirn, dann huschte er gebückt und lautlos den Hügel hinauf. Ganz oben überbrückte er die letzten Meter auf dem Bauch und spähte über die Kuppe hinüber. Nicht weit entfernt, vielleicht zwei Steinwürfe vor ihm saß eine… Frau, wie er aufgrund ihres langen dunklen Haares und ihrer Stimme vermutete. Eine des Salzvolkes, ihr weißes Kleid stach heraus und war unverkennbar. Ihre klare Stimme formte den Gesang. Er beobachtete einen Moment länger, doch sie blieb allein. Instinktiv kroch er weiter und richtete sich erst wieder unterhalb des Hügelgrats in eine gebückte Haltung auf, wobei er die eingewickelte Waffe wie einen Stock gebrauchte. Wie schon auf der anderen Seite huschte er gebückt den Hügel hinab, eifrig darum bemüht keine Steine los zu treten oder Geräusche zu verursachen. So näherte er sich der Frau und ihrem Pferdewagen von hinten. Er hatte nicht vor sie zu überfallen, dazu sah er keinen Grund, aber er sah es als eine Übung oder einen Test seiner Fähigkeiten an.

Ob sie ihn entdeckte wusste er nicht, doch spätestens als die Pferde aufgrund seiner Anwesenheit unruhig wurden, schnaubten und mit den Hufen scharten, war seine Anwesenheit wohl kein Geheimnis mehr. Einmal mehr hatten ihm diese Viecher einen Strich durch die Rechnung gemacht… ihm war schon aufgefallen, dass bis auf Dromedare und Kamele Tiere nicht gut mit ihm klar kamen. Und das war noch nett ausgedrückt. Also gab er sein lautloses, leicht gebücktes Schleichen auf, richtete sich gänzlich auf und schlenderte langsam und ruhig näher. Dabei machte er einen leichten Bogen, um den Pferden nicht zu nahe zu kommen. Während er näher kam musterte er die Frau dabei aus seinen dunkelbraunen Augen akribisch. Sie war nicht allzu groß und hatte recht helle Haut, doch mit Sicherheit war sie eine Einheimische.
Vielleicht eine Frau gehobenen Standes?
Er hatte davon gehört, dass Höhergestellte hierzulande helle Haut favorisierten doch warum reiste sie dann alleine? Der Dolch an ihrem Gürtel wirkte eher wie eine Zierwaffe. Ihr Schmuck war ihm schon aufgefallen, dass war beim Salzvolk nichts unübliches, doch obwohl er kein Einheimischer war, kannte er doch mittlerweile das Wappen der beliebten Königin.

Seine Schritte stoppten und einen Augenblick starrte er auf die filigrane Goldarbeit an ihrem Hals. Unzweifelhaft, das Wappen der Königin, er war nahe genug um es zu erkennen. Der Nomade fragte sich ob wohl gleich ihre Garde hier auftauchen würde, doch die hätte er mit Sicherheit entdeckt. Auch das seltsame Gerät an ihrem Bein war ihm aufgefallen, doch er war sich noch unsicher was es genau war. Also richtete sich sein Blick wieder auf ihr Gesicht und er nickte ihr zu.
„Ich grüße euch, Reisende. Seid ihr mit eurem Wagen liegen geblieben?“
Fragte er in einwandfreiem miruanisch, sein kehliger, deutlicher Wüstenakzent verriet ihn jedoch als Nichteinheimischen. Von seiner Kleidung ganz abgesehen. Zwar hatte er auf den ersten Blick keine Schäden am Wagen erkennen können, doch er war auch kein Wagenlenker oder -bauer. Vielleicht machte sie ja auch einfach nur eine Pause.

Re: Handel und Suche in trockenem Land

Verfasst: Fr, 03. Mai 2013 2:34
von Suada
Suada bemerkte den Fremden lange Zeit nicht, und auch als die Pferde unruhig zu werden begannen, dauerte es einen Moment, bis sie realisierte, dass sie nun nicht mehr alleine war – zu sehr war sie damit beschäftigt, sich zu beruhigen, schließlich wurde sie aber doch darauf aufmerksam, dass etwas mit den Tieren nicht stimmte. Ihre Finger schlossen sich fest um die Salzuhr an ihrem Hals, und sie murmelte einige kaum verständliche Worte, ein hastiges Gebet an die Götter mit der Bitte, sie zu beschützen, falls Gefahr drohen sollte. Dabei hatte sie fürs Erste eigentlich genug Abenteuer erlebt, sie hoffte auf eine ruhige Rückreise ohne weitere Zwischenfälle.

Unsicher ließ sie den Blick schweifen, bis sie schließlich den Fremden entdeckte, der auf sie zukam. Es machte nicht den Eindruck, als ginge eine Gefahr von ihm aus, aber sicher sein konnte sie freilich nicht, also blieb sie wachsam, nahm sich aber vor, ihn ihre Unsicherheit nicht anmerken zu lassen. Er konnte nichts für ihre Erlebnisse und dafür, dass sie gerade eigentlich am liebsten ihre Ruhe wollte, außerdem war sie immer noch entschlossen, sich zu bemühen, Fremden freundlich entgegen zu treten, ganz gleich ob sie eigentlich misstrauisch war oder wie es ihr ging. Es beunruhigte sie zwar etwas, dass er sie musterte und die Kette mit dem Wappen der Königin einen Moment lang anstarrte, aber letztendlich war sie ja ebenso eine Fremde für ihn wie er für sie ein Fremder war, da war es wohl nicht allzu verwunderlich, wenn er schaute, mit wem er es da eigentlich zu tun hatte. Zumal er nicht von hier zu sein schien, zumindest trug er nicht dieselbe Kleidung wie die Männer ihres Volkes.

Als der Fremde sie ansprach, rang sie sich ein mattes Lächeln ab und schüttelte auf seine Frage hin den Kopf. „Nein, der Wagen ist nicht liegen geblieben, es ist alles in Ordnung, ich brauche nur eine kleine Pause, es war ein...“ Sie hielt einen Moment inne und blickte leicht verlegen zu Boden, ehe sie ihr Gegenüber wieder anschaute und fortfuhr: „... Es war ein langer Tag“. Der Akzent in seiner Aussprache fiel ebenfalls auf, er schien also wirklich nicht von hier zu stammen. „Und was führt euch hier her?“, fragte sie ihn dann in freundlichem Tonfall. Von ihm schien keine Gefahr auszugehen, dennoch hielt sie die Salzuhr weiter umklammert, denn sie vermittelte ihr ein gewisses Gefühl von Sicherheit.

Re: Handel und Suche in trockenem Land

Verfasst: Sa, 04. Mai 2013 13:04
von Karim
Also machte sie nur eine Pause… ihm stellten sich die Nackenhaare auf wenn er daran dachte, bei einer Rast zu singen und damit auf sich aufmerksam zu machen. Aber gleichzeitig musste er sich einmal mehr ins Gedächtnis rufen, dass andere Menschen nicht so misstrauisch und heimlich wie er vorgingen. Wahrscheinlich waren die allermeisten Menschen eher aufgeschlossen, so wie die Fremde. Er erwiderte ihr mattes Lächeln nicht, doch das konnte sie unter seinem Schleier und Turban, der nur die Augen und Nasenpartie freiließ kaum sehen. Aber er nickte verstehend, nicht zuletzt weil er langsam glaubte dieses seltsame Ding an ihrem Bein war eine Art… Gerät. Ähnlich wie die hölzernen Stöcke, die manche Feldscher nutzten wenn sie einen Bruch richteten. Aber das Ding sah aus wie aus Stein… nun ja, er mochte von einigem etwas verstehen, doch von Heilkunst ganz sicher nichts.

„Es ist nicht mehr weit bis nach Demera, noch einen halben Tagesmarsch etwa. Mit eurem Wagen vielleicht noch weniger.“
Die Worte waren weniger aufmunternd gemeint als sie vielleicht klangen, in seinen Augen waren sie auch nur rein informativ. Und Informationen erhoffte er sich seinerseits auch. Vorerst gebot es aber die Höflichkeit auf ihre Fragen zu antworten.
„Ich selbst bin auf dem Rückweg in die Stadt. Habe einen …“
Karim zögerte kurz, entschied dann aber, dass das Wissen über seine Tätigkeit nicht wirklich geheim bleiben musste.
„… Wüstenlauf absolviert.“
Meinte er und sah dabei über seine Schulter, vage in die Richtung zeigend, aus der er gekommen war. Kannte man hier so etwas wie einen Wüstenlauf überhaupt? Während seiner Ausbildung waren diese immer so genannt worden.

Als er sich wieder der Frau zuwandte wanderte sein Blick von ihrem Gesicht zu ihrem Bein. Der Nomade genierte sich kein bisschen Leute anzustarren.
„Aber was ist mit eurem Bein passiert? Seid ihr gestürzt oder wurdet ihr überfallen? Muss man in dieser Richtung mit Wegelagerern rechnen?“
Sein Blick blieb dabei auf ihr gerichtet, während er die Fremde nicht sonderlich einfühlsam mit seinen Fragen überschüttete. Das krampfhafte Umklammern eines ihrer Schmuckstücke blieb ihm nicht verborgen, es musste einen hohen persönlichen Wert für sie haben. Nicht, dass er daran dachte eventuelle Räuber zur Rechenschaft zu ziehen, das war nicht sein Job, aber er war gerne gut informiert. Bevor er unwissentlich irgendwem in die Hände lief. Das würde vielleicht auch erklären warum sie ohne Begleitung unterwegs war und ein wenig erschöpft wirkte… falls es sich wirklich um einen hohe Persönlichkeit handelte. Aber warum hätten sie dann gerade sie gehen lassen sollen? Oder warum sollte sie dann bei einer Rast singen, geschweige denn so freundlich zu ihm, einem völlig Fremden, sein? Sobald ihm diese Gedanken kamen verwarf er die Idee mit dem Überfall wieder, aber die Worte waren schon ausgesprochen, innerlich zuckte er mit den Schultern.

Re: Handel und Suche in trockenem Land

Verfasst: Di, 07. Mai 2013 14:00
von Suada
Suada dachte gar nicht daran, dass sie mit ihrem Gesang auf sich aufmerksam machen könnte, für sie bot er einen gewissen Schutz, immerhin sprach sie so zu den Göttern, und die würden sie schon behüten, sie hatten es ja auch getan, als die dämonische Seite ihrer beiden vorherigen Begleiter zum Vorschein gekommen war. Auf seine Erklärung hin nickte sie. "Ja, danke, ich weiß es ist nicht mehr weit, ich kenne die Strecke, habe sie schon mehrfach zurück gelegt. Ich lebe selbst in Demera und bin auf dem Weg nach Hause." Und nach diesem Zuhause sehnte sie sich so langsam wirklich. Aber sie war ja auch selbst Schuld in gewisser Hinsicht, sie war zu unbedacht an die Sache mit dem Handel heran gegangen, hatte sich kaum Gedanken darüber gemacht, dass es alleine als Frau gefährlich sein konnte. Es war aber auch lange gut gegangen. "Einen Wüstenlauf? Was ist das?", fragte sie dann nach. Sie selbst wäre niemals auf die Idee gekommen, durch die brennende Hitze zu laufen, und sie kannte auch keinen, der dies freiwillig tun würde, aber vielleicht lag das auch daran, dass ihr Bekanntenkreis sehr überschaubar war, umso mehr, seit sie den Hof verlassen hatte und letztendlich nur noch Handelskontakte pflegte.

Als er sie fragte, ob sie überfallen worden sei, wurde ihr abermals klar, dass sie bislang vermutlich einfach nur sehr sehr viel Glück gehabt hatte. Sie war allein, sie war so gut wie unbewaffnet und lenkte einen Wagen voller Schmuck, es wäre ein leichtes ihr diesen abzunehmen und sie irgendwo im trockenen Land zurück zu lassen. Vielleicht sollte sie wirklich einige Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Zugleich bekräftigte sie der Umstand, dass sie bisher nicht ernstlich zu Schaden gekommen war aber in der Ansicht, dass die Götter auf sie Acht gaben, sie beschützten und ihre Gebete nicht ins Leere gingen. "Nein, ich wurde nicht überfallen und bislang sind mir hier auch noch keine Wegelagerer begegnet. Eines meiner Pferde wurde unruhig, da bin ich gestürzt und habe mich verletzt." Mehr sagte sie dazu erst einmal nicht, es wäre doch eine zu lange und seltsame Geschichte, und Freundlichkeit bedeutete schließlich nicht zwangsläufig, dass man übermäßig offen oder gar geschwätzig sein musste - zumal ihr Gegenüber nun auch nicht unbedingt ein Mann vieler Worte zu sein schien, so wie er bislang auf sie wirkte. Vor allem aber wirkte er ungefährlich, und so lockerte sich der Griff um ihre Salzuhr, und sie ließ die Hände in den Schoß sinken.

"Ich sollte aber demnächst wieder aufbrechen", sagte sie dann und stand auf, wobei sie leicht das Gesicht verzog. Die Schiene, die ihr der Junge angelegt hatte, verhinderte zwar, dass sie den Knöchel ungünstig bewegte, ganz entlasten konnte sie ihn aber nicht, daher schmerzte es nach wie vor, wenn sie ihn belastete, sie hatte sich aber noch nicht daran gewöhnt, genau das bei gewohnten Bewegungen nicht zu tun. Vielleicht sollte sie erst einmal eine Weile in Demera bleiben, ehe sie wieder auf die Reise ging, zumindest bis sie wieder ohne Schmerzen auftreten konnte.