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Eine feine Gesellschaft

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Qimmiq
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Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Qimmiq » Mi, 16. Jun 2010 1:54

Qimmiq stand bis zur Brust im nasskalten Wasser des großen Stromes und ignorierte die lachenden Stimmen vom Trockenem her. Ja beinahe genoss er das vor Häme widerhallende Gelächter der Menschen am Ufer. Alles war besser als das betretene Schweigen, das beständige Wegkucken und hinter seinem Rücken dann doch wieder stieren, das Fremde ihm gegenüber bisweilen an den Tag legten. Doch hier im Wasser, unbeholfen wie er war, da schien plötzlich keine … ja was war es eigentlich was von ihm ausging? Qimmiq mochte es selbst nicht genau bestimmen, aber die Reaktionen waren meist doch recht eindeutig. Noch heute hielt er es für den gelungensten Witz überhaupt, das er, durch seine Suche nach Antworten wie er jene Entstellungen, derer er in der Höhle am Eissee damals ansichtig geworden war, vermeiden konnte, und damit überhaupt erst erwirkte was er doch mit seiner Suche hatte verhindern wollen. Doch er hatte damals keinen anderen Weg gesehen an die ihm verwehrten Schriftstücke zu kommen als … Nun aber war es schon zu spät einfach so noch aufhören zu können, auffällig wie er bereits war. Also hieß es weiter nach einer Lösung zu suchen jene Auswirkungen mit dem Amulett zusammen abzustreifen.

Aber was auch immer es war, das die Anderen, noch unterbewusst bloß, an ihm wahrnahmen. Bis zur Brust im Wasser des Stromes schien es harmlos genug jede Vorsicht ihm gegenüber fallen zu lassen. Ein Mann der nicht schwimmen konnte schien hier am großen Strom aus irgendeinem Grund ein noch größerer Staunen hervorzurufen denn etwa seine vergleichsweise helle Haut oder auch sein … nun ja, eben recht befremdliches Äußeres. Inzwischen mochte sich aber wohl auch herumgesprochen haben das der seltsame Fremde keiner Fliege etwas zu Leide tat. Was zugegebenermaßen aber auch schwer möglich war, schienen doch sogar die Fliegen und Mücken ihn zu meiden, wie manche Schwarzseher pathetisch unkten. Seit drei Tagen schon hielt er sich bei dem Fährmann auf und erlernte neben der Arbeit hier, für Kost und Logis, in seiner freien Zeit das Schwimmen. Inzwischen konnte er sich zumindest über Wasser halten, wenngleich er dabei noch keine allzu schöne Figur scheinbar machte. „Qmmiq, Arbeit!“ der ernste Ruf hatte seine immer noch recht linkischen Bemühungen zu schwimmen unterbrochen. Dabei hätte er es dieses Mal bestimmt geschafft im tieferen Wasser zu bleiben bis auch das letzte Sandkorn durch das Stundenglass des Fährmannes geronnen wäre. Nun ja, zumindest versuchte Qimmiq sich das einzureden als er nun schließlich bis zur Hüfte im Strom stand, das feste Tau anpackte und zu ziehen begann.

Eigentlich die Arbeit eines Sklaven, hatte man ihm gesagt. Aber der war nun einmal Krank und hätte ohne Qimmiqs Angebot wohl dennoch hier im Strom stehen müssen. Aber der Sklave war vor Tagen schon so schwach gewesen das er die Fähre nicht hatte hinüberziehen können. „Tja verehrte Reisende, dann werdet ihr wohl rüber schwimmen müssen wenn du nicht warten willst bis wir einen Ersatz gefunden haben“ hatte ihnen der Fährmann über den halben Strom hinweg zugerufen. Nach zwei Stunden war sogar eine edel gekleidete Frau fluchend ins Wasser gestiegen um am Tau entlang zum Ufer zu schwimmen. Einzig Qimmiq hatte wahrhaftig bis Mitternacht ausgeharrt bis man endlich einen anderen kostengünstigen Sklaven gefunden hatte, die Fähre umsonst ans Ufer zu ziehen. Qimmiqs Hände waren aufgerissen vom stundenlangen Festhalten des Taues und die Belustigung ab da ihm gewiss. Wo sollte einer aber auch das schwimmen lernen, in einem Land wo die Seen so kalt waren, das einem vermutlich alleine schon das Trinken ihres Wassers erhebliche Erfrierungen eingebracht hätte? „Hört auf zu lachen und bringt mir das Schwimmen lieber bei – wenn euch das so leicht fällt! Ich würd dann, gegen gutes Essen und ein weiches sauberes Lager helfen deinen Färbetrieb solange am Laufen zu halten!“ Der Fährmann hatte das erst für einen Scherz gehalten, aber das war nun schon drei Tage her. Qimmiq stemmte seine Füße tief in den Uferschlamm und zog, Griff um Griff, das Tau zu sich heran, und mit ihm den vollbesetzen Kahn. Alles schien in seinen gewohnten Bahnen zu verlaufen bis - „Qimmiq?“

Qimmiq war Krieger genug den besorgten Klang in der Stimme des Fährmannes richtig zu deuten und als der Fährmann ihm seinen Stab zuwarf, da verstand Qimmiq ihn auch ohne Worte und drückte den Stab mit einem Fuß unter Wasser, das dieser im schlammigen Wasser des Stromes nicht gesehen werden konnte. Entweder der Sklave am anderen Ufer hatte nicht das Zeichen gegeben das alles in Ordnung sei, oder der Fährmann hatte mit scharfem Blick etwas gesehen das sich Qimmiqs Blicken noch entzog. Für ihn sah es aus als wäre da irgendeine Hochzeitsgesellschaft dabei zu irgendeinem feinen gesellschaftlichem Fest überzusetzen. Teure Kleider sah er und geschminkte Gesichter, Männer und Frauen die nach viel Geld aussahen. Aber was es auch war das er scheinbar übersah, er vertraute auf die Menschenkenntnis des Fährmannes und war ganz bei der Sache als der Kahn schließlich näher kam. Ja, es sah beinahe aus, als wäre hier eine Hochzeitsgesellschaft dabei überzusetzen. Dennoch krallte sein Fuß sich noch immer um den halb im Schlick steckenden Stab. Seine „Tätowierungen“ glänzten in der Sonne und schienen deren Strahlen beinahe begierig in sich aufzusaugen. Während Qimmiq jeden Augenblick im kalten Nass genoss und die Umstände verfluchte die ihn auf seiner Suche hierher, in diese schier unerträglich Hitze, geführt hatten, schienen die veränderten Partien seiner Haut begierig die Hitze in sich aufzusaugen und ihn mit Leben zu erfüllen.

Mit wachsamem Blick stand er also, triefend von Wasser und Schweiß, halb im Wasser und hoffte inständig, der Fährmann möge sich doch bitte geirrt hatte. Dann würde er sich gleich wieder seinen Schwimmübungen hingeben können. Vielleicht hatte ja einfach nur ein etwas zu betrunkener Passagier oder auch ein gleichgültiger Kriegerbarde den ein etwas zu dekadenter Gastgeber zur Unterhaltung sich eingeladen hatte den Sklaven drüben in Angst versetzt. Das konnte schließlich schon mal vorkommen. Auch Qimmiq hatte den Sklaven damals dazu bewogen, eine mögliche Gefahr zu signalisieren. Aber es war dennoch besser wachsam zu sein, bis die Reisenden endlich fort waren. Man konnte ja schließlich nie wissen …
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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Anuket » Fr, 18. Jun 2010 2:04

Einerseits war Anuket enttäuscht gewesen. Dies war die große Chance gewesen. Ein kleines Vermögen zu erhalten. Nicht dass das Angebot des Ameni nicht großzügig gewesen wäre- ganz im Gegenteil. Aber er hätte sicherlich das eine oder andere Geschenk für sie gehabt. Anuket war sicherlich nicht gierig. Aber eine Frau musste zusehen wo sie blieb. Ewig würde ihre Schönheit und Anmut nicht anhalten. Nun ja, Ameni war tot, daran ließ sich nichts ändern. Friede seiner Seele. Tiglat war eine schöne Stadt und die Tänzerin konnte sich kaum an dem bunten Treiben der Straßen satt sehen. Es gab so vieles zu sehen. Die Träger waren gut geschult und brachten ihre kostbare Last sicher durch die Menge der Passanten. Anuket erreichte das Haus in dem von nun an Senmut, der Sohn des Ameni residierte. Es war nicht sehr groß, besaß aber einen erlesenen Garten. Sie wurde von Senmut empfangen und zu einer überdachten Terrasse geführt, auf dem Sitzkissen zu verweilen einluden. Er hieß sie willkommen und ließ eine Erfrischung reichen. Senmut war verheiratet und sein Eheweib Amneris heute zu Besuch bei ihrer Tante. Wie passend fand Anuket. Nach einer gewissen Anstandszeit übergab Senmut Anuket die Summe Geldes, welche sein Vater ihr versprochen hatte. Was sie äußerst großzügig fand, da sie ihren „Dienst“ nicht angetreten hatte. Senmut komplimentierte sie danach fast hastig aus dem Haus. In drei Tagen würde sie nach hause zurück gebracht werden, es gebe sehr geeignete Herbergen, in denen sie solange logieren konnte. Auf eigene Kosten, wie Anuket schmunzelnd dachte.

Wer wusste schon, ob sich der Herr in drei Tagen überhaupt an sie erinnerte. Die Tänzerin lächelte also honigsüß und entgegnete das sie sich dann auf die Reise begeben würde, wenn sie es für angemessen hielt. Er solle sich nur nicht um ihre Reise sorgen. Sie konnte fast die Erleichterung Senmuts spüren und war froh endlich aus diesem ungastlichen Haus heraus zu kommen. Anuket ließ sich mit ihrem Gepäck in die Herberge bringen, die Senmut ihr empfohlen hatte. Die Träger waren über das Extrageld froh das Anuket ihnen bezahlte und brachten sie schnell ans Ziel. Das Gasthaus entpuppte sich zwar als klein, aber sauber und gemütlich. Anuket ließ sich ein Zimmer geben und ging früh schlafen. Erst sehr spät am nächsten Morgen stand sie auf, kleidete sich an und ging die Treppe hinab um in den Gastraum zu kommen. Eine kleine Mahlzeit wollte sie einnehmen, dann stand die Besichtigung Tiglats auf den Plan. Es war fast Mittag als Anuket anmutig den Gastraum betrat. Kaum saß sie an einem der Tische- ein Zimmer für die Nacht war schnell gemietet und bestellte sich einen Becher Milch, als eine erfreute Stimme an ihr Ohr drang. „Anuket, mein Sonnenschein, wie schön ist es dein liebliches Gesicht zu sehen!“ Erstaunt drehte sich die junge Frau um und erblickte einen Mann um die 50, beleibt und mit einer spiegelnden Glatze gesegnet. „Amosis, mein Lieber wie schön euch hier zu sehen.“ Amosis war Händler, er war recht wohlhabend und hatte in der Vergangenheit Anuket schon einige Male als Tänzerin engagiert. Sie freute sich wirklich ihn zu sehen. Amosis war spendabel und ein angenehmer Gesprächspartner.

Er war seiner Frau Amneris bedingungslos treu, was ihn aber nicht hinderte sich den biegsamen Leib einer Tänzerin an zu sehen.. und zu bewundern. Er setzte sich zu ihr und die nächste halbe Stunde verging mit angenehmer Plauderei. „Was würdest du sagen, wenn ich dich bittejetzt und auf der Stelle für mich zu tanzen? Was würde mich das kosten?“ Sagte er mit einem humorvollen Zwinkern in den Augen. Anuket war nicht dumm, Amosis besaß ein Schiff, mit dem er Waren von Demera nach Tiglat gebracht hatte. Morgen würde er an der Hochzeitsfeier eines Freundes teilnehmen. Übermorgen sollte die „Dashra“ wieder nach Demera segeln. Amosis war ein durch und durch ehrenhafter Mann und so machte ihm Anuket ein überraschendes Angebot. Das sie ihren Auftrag nicht hatte annehmen können, da der Auftraggeber verstorben war, wusste Amosis nach dem Gespräch schon. „Weißt du, ich möchte einige Tage hier bleiben. Aber das ganze Gepäck das ich mitgenommen habe, brauche ich da gar nicht. Außerdem möchte ich meine... Habe ungern unter fremden Augen lassen.“ Das sie damit Schmuck und Geld meinte, brauchte sie ihm nicht extra zu erklären. Er nickte und erlaubte sich ein schalkhaftes Lachen. „Du möchtest also das ich dein Gepäck mit nach Demera nehme und darauf aufpassen, bis du nach hause kommst? Nun… dafür musst du aber etwas ganz besonderes für mich zeigen. Dann erfülle ich dir deinen Wunsch!“

Anuket strahlte und gab Amosis einen Kuss auf die Wange, was diesen gestandenen Mann dazu brachte, zu erröten. „Und es wäre schön, wenn du nachher auf der Hochzeit auftreten würdest- als Geschenk für die Brautleute. Gegen Bezahlung natürlich!“ Damit war die schöne Tänzerin natürlich einverstanden. Damit war alles geregelt, sie musste nur einen geringen Teil ihres Gepäcks hier behalten und konnte sich daran machen Tiglat zu erobern. Und konnte sogar noch etas Geld dazu verdienen. Beschwingt summte sie eine Melodie und zeigte Amosis ihre Tanzkünste. Ihr zierlicher Körper drehte und bog sich. Das dünne Leinen ihres Kleides ließ ihre schlanken Beine erahnen, ebenso wie das Oberteil die Umrisse ihrer Brüste. Ihr niedlicher Bauchnabel kreiste und ihre Hüften wiegten sich. Auf ihrer Haut schimmerten leichte Schweißtröpfchen und brachte sie zum Glitzern. Feine Schweißperlchen troffen über Anukets erhitzte Haut. Ihr geschmeidiger Körper bog sich und das feine Geklingel ihres Schmuckes klang lieblich wie Musik. Ihre Hüften wiegten sich und ihr Gesicht zierte ein Leuchten. Danach verneigte sie sich und Beifall erklang. Unbemerkt waren neue Gäste hin zu gekommen und hatten sich an dem Tanz erfreut. Noch eine Weile saßen Amosis und sie noch zusammen, dann verabschiedete er sich. Wenig später erschien ein paar stämmige Seeleute die ihr Gepäck abholten. Anuket war zuvor in ihr Zimmer gehuscht und hatte ihr Gepäck umgepackt.

Sie verließ nach den Seeleuten ihr Zimmer und beschloss die Stadt zu besichtigen. Einiges von dem Geld hatte sie zurück behalten und das investierte sie in ein neues Kleid und zierlichen Sandalen. Außerdem erstand sie Schminke, eine neue Perücke und einiges an Schmuck. In ihrem Zimmer wusch sie sich, schminkte sich und zog sich an. Dann schlenderte Anuket in den Hafen. Dort war schon die fröhliche Schar von Gästen dabei an Bord der Fähre zu kommen. Sie sollte alle ans andere Ufer bringen, denn dort wartete im Haus des Brautvaters ein üppiges Mahl. Man ließ auf der Fähre einige Flaschen erlesenen Weines kreisen, um schon in Stimmung zu kommen. Alles war ausgelassen und heiter. Aber wie es kommen kann, waren einige junge Hitzköpfe schon jetzt ziemlich stark angeheitert und fingen an zu streiten. Anuket hielt sich dabei lieber abseits, den sie schätzte es nicht, mitten in einen Streit zu kommen. Sie erhaschte einen Blick auf den Mann, der die Fähre an einem Seil über den Fluss zog. Er sah seltsam fremd aus, so als ob er nicht zu ihrem Volke gehören würde. Anuket beschloss sich auf eine der Bänke der Fähre zu setzen, aber dazu kam es nicht mehr. Die meisten der Streithähne hatten sich wieder beruhigt, aber zwei davon begannen spaßeshalber ihre Kräfte zu messen. Anuket traf der heftige Schubs von einem der jungen Kerle völlig unvorbereitet. Man hatte die zierliche Frau glatt übersehen und bevor sie piep sagen konnte, verlor sie das Gleichgewicht und fiel im hohen Bogen über Bord. Ihr spitzer Schrei verstummte als die Fluten des Wassers sich über ihr schlossen. Anuket bemühte sich darum an die Oberfläche zu kommen und schluckte dabei Wasser. Ihr wurde Angst und Bange zu Mute.…

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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Qimmiq » Fr, 18. Jun 2010 18:40

Die Fähre hatte gut die zwei Drittel der Strecke zurück gelegt, als Qimmiq zu ahnen begann was den Sklaven am anderen Ufer zu dessen indirekten Warnung bewogen hatte. Einige angetrunkene Gockel mussten sich produzieren und scheinbar mit stolzgeschwellter Brust ihre Hahnenkämpfe auf dem engen Gefährt bestreiten. Einerseits war das eine Beruhigung für den ehemaligen Wächter aus dem Volk der Bewohner der Eiswüste. Er wusste nur zu gut aus jener seiner Vergangenheit wie schnell aus trunkenem Spaß blutiger Ernst werden konnte. Denn nicht jeder Bewohner ertrug die langen dunklen Nächte gleichermaßen gelassen und häufig bot dann nur mehr der Alkohol den sichtbaren Streif am Horizont. Es konnte blutig, ja manchmal sogar tödlich enden. Dennoch atmete er innerlich auf. Das war ihm allemal lieber als ernste, in kalter Berechnung begangene Missetaten. Mit einem Betrunkenen konnte man reden, wenn man denn ein Händchen dafür hat. Aber einer der in vollstem Bewusstsein dessen was er tat – tat … Nun ja, derlei Verhandlungen gestalteten sich meist weit schwieriger und gewalttätiger. Also stak der Mensch den unter Wasser bisher gedrückten Stab aufrecht in den Schlamm ehe er weiter an dem Tau der Fähre zog. Ob gerade deswegen zwei der Streithähne plötzlich inne hielten und Ruhe gaben, wusste Qimmiq nicht zu sagen. Es war ihm eigentlich auch egal, also zog er nurmehr, kräftiger noch denn zuvor, den schweren Kahn weiter über dem Strom heran, ehe noch …

Ein spitzer Schrei, ein lautes Platschen, plötzliche Stille und drei, vier gespannte Atemzüge ohne das ein nasser Kopf, wütend schimpfend etwa, wieder aus dem Strom aufgetaucht wäre. Qimmiq schwamm gegenwärtig weit schlechter noch, denn selbst der wasserscheueste Straßenkater, aber da die anderen auf dem Kahn scheinbar Angst um ihre teure Kleidung hatte, auch nicht schwimmen konnten oder vielleicht auch einfach nur noch nicht begriffen was es bedeutete das die über Bord gegangene Frau noch immer nicht wieder auftauchte, ließ Qimmiq das raue Tau wieder, und dieses Mal in rasendem Tempo durch seine Hände fahren. Doch dieses Mal ging es ihm nicht darum den Kahn weiter heranzuziehen, als vielmehr darum so schnell als möglich zur Unglücksstelle zu gelangen. Hinter sich hörte Qimmiq das Platschen mindestens zweier weiterer Retter, vor sich kluge Ratschläge, Schuldzuweisungen und neue Rangeleien. Wenigstens einer der Fährpassagiere aber hatte mitgedacht und warf Qimmiq ein an Bord befindliches Seil zu, dessen anderes Ende der Werfer am Fährkahn festmachte. Damit traute sich Qimmiq nun auch wenigstens zu das Tau zum herüberholen der Fähre loszulassen ohne selbst daraufhin zu einem Rettungsfall zu verkommen. Also holte Qimmiq tief Luft, versuchte abzuschätzen wie stark die Strömung hier war und … tauchte ab.

Dumpf hallte das Gurgeln in seinen Ohren. Die Augen, weit aufgerissen, sahen nur von Sediment getrübte Schlieren und die Rufe die vorhin noch seine Ohren malträtiert hatten – waren dem leise gurgelndem Gemurmel des großen Stromes gewichen. Die eine Hand fest um das Tau in seiner Linken geklammert, griff seine Rechte suchend hier- wie dorthin. So gedehnt ihm die Zeit auch schien, es konnten erst wenige Augenblicke vergangen sein. Noch immer mochte es sein das die über Bord Gegangene lachend wie prustend auftauchte, hoffend einen gar zu eifrigen Retter ebenfalls ins Wasser gelockt zu haben – mit ihrem zögerlichem Auftauchen. Qimmiq wollte gerade wieder auftauchen, eben das zu überprüfen - und die immer knapper werdende Luft in seinen Lungen aufzufrischen - als nicht etwa seine Hand ein Ziel fand, denn vielmehr eine eiserner Klau sich um seinen linken Fußknöchel zu legen schien und ihm der Schreck darob die angehaltene Luft aus den Lungen trieb welche als sprudelnde Bläschen stromab des Kahnes die Oberfläche durchstießen.

Beinahe hätte Qimmiq sogar noch das Seil losgelassen vor Schreck, und das wäre wohl sein Ende gewesen, hatte sich die Klammer inzwischen doch um seine beiden Beine gelegt und verhinderten jede seiner linkischen Schwimmversuche gnadenlos. Doch einen Lidschlag ehe seine Linke das Seil endgültig aus ihrem Griff zu verlieren drohte, griff er mit der Rechten nach. Der erschrockene Schrei Qimmiqs, ob des plötzlichen Angriffs, verhallt ungehört unter Wasser. Das dabei zugleich in Mund wie Nase gelangte Wasser zwang ihm unter Wasser einen Hustenkrampf auf, der ihm noch mehr Wasser in die Lungen pumpte, derweil er aber mit aller Macht an dem Seil entlang zum Kahn sich hangelte. Was ihn da zu ertränken versuchte war die Frau, die zu retten er unter das Wasser getaucht war. Durch mehr Glück als Verstand hatte er zwar nichts sie, aber sie dafür ihn gefunden. Wenn sie durch den Sturz gleichermaßen überrascht etwa war, wie Qimmiq als der Griff aus der Tiefe ihm das Wasser in die Lungen trieb, so konnte er ihr ihr Handeln sicher nicht weiter übel nehmen. Insbesondere da er sich keinen Deut besser benahm, als schließlich der Schatten eines weiteren Schwimmers vor ihm auftauchte.

Doch anders als Qimmiq reagierte der Schatten weit geschickter, wich Qimmiqs panisch um sich schlagenden Fäusten aus, war plötzlich in seinem Rücken und hatte ihn bald darauf in einem festen Griff aus dem – trotz heftigsten Bemühens des Ertrinkenden – Qimmiq kein Entkommen fand. Das der Griff um seine Beine nachließ, kaum das ein zweiter Schatten neben ihm vorüber huschte, Qimmiq bekam es nicht einmal am Rande mit. Auch das er sich die Lungen endlich wie ausgiebigst freihustete bekam er erst nach einigen weiteren, wie erfolglosen Befreiungsversuchen mit. „Lernt seit drei Tagen schwimmen und will schon zum Held werden? Junge! Hat dir denn keiner gesagt, das es immer die ‚Helden‘ sind die zuerst draufgehen?“ Die ruhige Stimme des Fährmannes brachte Qimmiq wieder zu sich. Dennoch beging der Fährmann nicht den Fehler seinen Griff zu lockern. „Aber wenn es dich zufrieden stellt ... Gratulation du - Held!“ Kurz wurde Qimmiq im Griff des Anderen zur Seite gedreht und konnte so einen der Leute vom Fährkahn mit der über Bord gegangenen Frau im Griff neben sich her schwimmen sehen. Qimmiq, der sich nun nicht länger wehrte und die Schwimmbewegungen des Anderen mit seinen eigenen unterstützte, fand bald wieder schlammigen Uferschlamm unter seinen Füßen, wurde losgelassen, griff nach dem nahebei noch immer im Schlamm steckenden Stab und atmete, auf diesen gestützt, erst einmal tief durch.
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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Anuket » Sa, 26. Jun 2010 2:08

Das trübe Wasser war überall. Anuket hatte das Gefühl ihre Lungen würden bersten. Verzweifelt versuchte sie nach oben zu gelangen, um wieder Luft zu bekommen. Verflixt warum war ihr auch nie schwimmen und tauchen beigebracht worden! Sie verfluchte diese Jüngelchen welche sie über Bord gestoßen hatten. Etwas festes streifte ihre Hand und die Tänzerin umfasste es reflexartig. Sie war halb bewusstlos und rote Schlieren tanzten vor ihren Augen. So war es also zu sterben… und dabei hatte sie noch so viel vor in ihrem Leben. Wäre ihr bewusst geworden wen sie da umfasste, wäre es ihr äußerst peinlich gewesen. Aber sie war nicht mehr bei klarem Verstand- ja sie glaubte fast zu träumen.
Gnädige Schwärze umgab sie und ihr Griff löste sich. Das sie jemand nach oben holte und mit ihr ans Ufer schwamm, bekam Anuket nicht mit.

Erst als sie jemand dazu brachte zu atmen und er war nicht gerade feinfühlig dabei, füllte Sauerstoff ihre Lungen. Es brannte höllisch und ihr war schrecklich übel zum Glück musste sie sich nicht erbrechen. Nach einiger Zeit war sie fähig ihre Augen zu öffnen und blickte in das wettergegerbte Gesicht von einem der Seeleute. „Na wieder unter den Lebenden Kleine? Du warst ganz schön schwer, als ich dich aus dem Wasser gezogen habe.“ Anukets Lächeln fiel reichlich schief aus. Sie hauchte nur „Danke.“ Der Seemann nickte nur knapp, er war froh das diese Frau nicht ertrunken war. Er nahm sich vor den beiden Streithähnen an Bord ordentlich die Meinung zu sagen. Als er fragte ob er Anuket alleine lassen könnte, er würde eine Decke für sie holen, war sie damit einverstanden.

Denn um der Wahrheit genüge zu tun, sie fror auf einmal erbärmlich. Wenn auch mehr auf Grund des Schocks, den auf Grund der Temperatur. Der freundliche Seemann ließ sie alleine und die Tänzerin setzte sich auf. Sie fror zwar, aber zumindest brannten ihre Lungen nicht mehr und sie bekam ausreichend Luft. Anuket war erleichtert noch am Leben zu sein. Aber ihr Kleid war ruiniert, die zierlichen Sandalen waren weg und ihre Perücke schwamm sicher irgendwo an der Wasserfläche. Wenigstens ihrem Schmuck war nichts passiert. Die Tänzerin war stinksauer, den sie hatte eine Menge Geld dafür aus gegeben, um für den Auftritt auf der Hochzeit eine gute Figur zu machen.

Und nun war ihre Schminke abgewaschen- was am wenigsten schlimm war, den die junge Frau war auch ohne Farbe im Gesicht eine aparte Frau. Ihre Haare waren nass und ihr Kleid… nun reden wir lieber nicht wie der feine Stoff aussah- er war jedenfalls klatschnass und dementsprechend durchsichtig. Was Anuket nicht störte, den sie war mit ihrem Körper durchaus zufrieden, also warum schamhaft sein? Es gab keinen Grund dafür. Aber lohnte es sich überhaupt sich auf zu regen. Schließlich war sie am Leben! Sie sah das der Mann der so fremdländisch aussah, an Land geholt wurde. Aber warum und wieso wusste sie nicht, da sie die Erlebnisse nur noch bruchstückmäßig in Erinnerung hatte.

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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Qimmiq » So, 27. Jun 2010 23:53

Qimmiq registrierte das Geschehen um ihn her nur am Rande mit, versuchte nur wieder zur Ruhe zu kommen und seinen noch immer hektischen Atem unter Kontrolle zu bekommen. Zuerst einmal kümmerte man sich um die Frau, die über Bord gegangen war. Wenig später hörte man aufgeregte Stimmen von dem Fährkahn herüberklingen. Die Streithähne beschuldigten sich gegenseitig Anuket über Bord gestoßen zu haben und konnten nur dank des beherzten Eingreifens der anderen Hochzeitsgäste davon abgehalten werden wieder aufeinander loszugehen. Dieses Mal jedoch lag die Ursache nicht in prahlerischem Hochmut, sondern in einer gefährlichen Mischung aus Betroffenheit und verhohlenen Schuldgefühlen und entsprechend aggressiv versuchten die beiden Streithähne darum nun auch aufeinander loszugehen. Qimmiq wurde inzwischen von einigen Hafenarbeitern ans Ufer gebracht und stütze sich dabei dankbar auf deren Schultern ab.

Der Seemann der Anuket, wie versprochen, ein Decke brachte, reichte auf dem Weg zum Ufer eine weitere große Decke an Qimmiq und hieb ihm anschließend anerkennend auf die Schulter. „Wer weiß was mit ihr passiert wäre, wenn du nicht sofort ins Wasser wärst und sie mit hoch gebracht hättest.“ Qimmiq nickte nur, noch immer zu schwach – oder unwillig zu sprechen. Doch noch ehe er sich auf diese Äußerung etwas einbilden konnte, stand auch schon der Fährmann neben ihm, tropfnass, und fuhr ihn laut an was ihm denn einfalle, noch nicht einmal richtig schwimmen gelernt zu haben, solch ein Risiko einzugehen!? „Hätte dir einer der Fährgäste kein Tau zugeworfen, wir dürften jetzt vermutlich nach euch Beiden suchen! Hör mal Qimmiq, du hast sie wieder rauf geholt, okay, aber die Götter mögen bezeugen das du dabei mehr Glück als Verstand hattest! Lernst seit grad mal drei Tagen schwimmen und macht dann solche Dummheiten!“

Der Fährmann war sichtlich aufgeregt und wechselte zwischen Vorwürfen einerseits wie dankbaren Beschwichtigungen andererseits ab. Der alte Mann war wirklich dankbar das heute keiner ertrunken war, und nicht nur weil sowas gemeinhin schlecht fürs Geschäfte doch ist. Dennoch aber machte ihm der Leichtsinn, mit dem Qimmiq sein eigenes Leben riskiert hatte, ohne wirklich große Chance die Ertrinkende damit retten zu können, schier wahnsinnig. Die Haare raufend tigerte er um Qimmiq herum, bemüht diesem in bilderreicher Sprache die Unbedachtheit wie Gefährlichkeit seiner Tat klar zu machen. Qimmiq schwieg eine Weile dazu, wandte dann aber kurz seinen Blick in Richtung Anuket. Der Fährmann, seinem Blick folgend hielt inne und verschwand daraufhin kopfschüttelnd zum Flussufer.

Einige Männer zogen inzwischen den noch immer im Fluss treibenden Kahn heran. Die Streithähne hatten inzwischen das Machtwort eines Anverwandten der Braut über sich ergehen lassen müssen. Ein älterer Herr, eben jener der Qimmiq auch das Tau zugeworfen hatte, hatte kurzerhand gedroht, die beiden Raufbolde als unwillkommene Hochzeitsgäste wieder auszuladen – wenn Anuket nicht für allen ihr entstandenen Schaden umgehend entschädigt würde. Sehr schnell bemühten sich die beiden Hitzköpfe daraufhin Anuket einen finanziellen Ausgleich für den ihr entstandenen Schaden zu offerieren. Eine Summe die neben der rein finanziellen Entschädigung auch noch ein kleines „Schmerzensgeld“ beinhaltete. Der Onkel der Braut, eben jener ältere Mann, wandte sich daraufhin an die Tänzerin, und fragte sie ob sie die „Entschuldigung“ durch die beiden Männer annähme, hinge davon doch seine Entscheidung ab wie weiter mit den beiden Hitzköpfen zu verfahren sei. Qimmiq, dem man im Hintergrund einen frisch aufgebrühten Tee angeboten hatte, kam zu Anuket herüber geschlendert, ließ sich neben ihr nieder und reichte ihr schweigend eine zweite Tasse heissen Tees.
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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Anuket » Sa, 10. Jul 2010 1:13

Die Stimmen, die vom Floß herüber klangen, hörte Anuket nur mit halben Ohr zu. Sie war gelinde gesagt sauer. Ihr neuen Sandalen lagen höchstwahrscheinlich auf dem Grund des Flusses, ihr Kleid war ruiniert und ihre Perücke verschwunden. Dabei war es so ein schöner Tag gewesen und der Auftritt hätte ihr ein schönes Sümmchen eingebracht. Sie bedankte sich als ihr eine Decke gereicht wurde und wickelte sich darin ein. Noch war sie zu wacklig auf den Knien um zu dem Gasthaus zurück zu kehren, in welchem sie Quartier bezogen hatte. Der Seemann klopfte dem Unbekannten zu, der genau wie sie klatschnass im Sand saß. Auch er bekam eine Decke und einen saftigen Anpfiff. Kaum schwimmen können und sie herauf holen?

Ohoh, er war wohl nicht der, den sie in ihrer Panik umfasst hatte? Wie peinlich.. hoffentlich war er durch sie nicht auch noch in Gefahr gewesen. Als der Fährmann mit seiner Predigt fertig war, verschwand er kopfschüttelnd. Anuket lächelte etwas schief. „Ich hoffe das euch durch mich nichts Schlimmes passiert ist. Ich… kann nämlich überhaupt nicht schwimmen. In meiner Panik habe ich einfach zugegriffen. Hoffentlich nehmt ihr meine Entschuldigung an.. und meinen Dank!“ Nun ja, sie war reichlich derangiert, aber wenigstens am Leben. Ohne ihren unbekannten „Retter“ wäre sie wohl ertrunken wie eine Maus. Sie bereute es nie schwimmen gelernt zu haben. Vielleicht sollte sie es sich in nächster Zeit beibringen lassen.

Langsam wurde ihre Muskeln wieder warm und das Zittern ließ nach. Tief durchatmen und nicht in einen Schreikrampf verfallen, dachte sie. Anuket blickte auf, als ein Anverwandter, so weit sie sich erinnerte, der Onkel der Braut sich an sie wandte. Innerlich rüstete sich die Tänzerin dagegen, Vorwürfe zu erhalten. Doch weit gefehlt. Das er die beiden Raufbolde zuvor zusammen gepinselt hatte, war ihr nicht bewusst gewesen. Der Kahn war ja in einiger Entfernung und Anuket war nicht gerade darauf erpicht gewesen, sich um die Hochzeitsgesellschaft zu kümmern.

Die beiden jungen Männer beeilten sich zuzustimmen, was der Brautonkel als Ausgleich für sie bestimmte- inklusive eines Schmerzensgeldes. Als er sich an sie wandte, ob Anuket ihre Entschuldigung annahm,meinte sie gelassener als sie sich fühlte. „Ja ich nehme ihre Entschuldigung an.“ Innerlich wünschte sie den Beiden die Pest an den Hals. Reiche Jüngelchen die nichts Besseres zu tun hatten, als für Streit zu sorgen. Und sie hatte den Schaden. Der wenigstens großzügig ersetzt Der Fremde kam zu ihr und reichte ihr eine Tasse heißen Tee. Erfreut nahm sie diese an. Als er sich neben sie gesetzt hatte, erklang Anukets samtener Alt. „Ich danke euch. Mein Name ist übrigens Anuket und mit wem habe ich das Vergnügen?“ Sie musterte kurz, aber nicht aufdringlich ihr Gegenüber. Nein, er schien wirklich nicht von hier zu sein. Und sie war gespannt, ob sie erfahren würde woher er kam.

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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Anuket » Sa, 10. Jul 2010 1:15

Die Stimmen, die vom Floß herüber klangen, hörte Anuket nur mit halben Ohr zu. Sie war gelinde gesagt sauer. Ihr neuen Sandalen lagen höchstwahrscheinlich auf dem Grund des Flusses, ihr Kleid war ruiniert und ihre Perücke verschwunden. Dabei war es so ein schöner Tag gewesen und der Auftritt hätte ihr ein schönes Sümmchen eingebracht. Sie bedankte sich als ihr eine Decke gereicht wurde und wickelte sich darin ein. Noch war sie zu wacklig auf den Knien um zu dem Gasthaus zurück zu kehren, in welchem sie Quartier bezogen hatte. Der Seemann klopfte dem Unbekannten zu, der genau wie sie klatschnass im Sand saß. Auch er bekam eine Decke und einen saftigen Anpfiff. Kaum schwimmen können und sie herauf holen?

Ohoh, er war wohl nicht der, den sie in ihrer Panik umfasst hatte? Wie peinlich.. hoffentlich war er durch sie nicht auch noch in Gefahr gewesen. Als der Fährmann mit seiner Predigt fertig war, verschwand er kopfschüttelnd. Anuket lächelte etwas schief. „Ich hoffe das euch durch mich nichts Schlimmes passiert ist. Ich… kann nämlich überhaupt nicht schwimmen. In meiner Panik habe ich einfach zugegriffen. Hoffentlich nehmt ihr meine Entschuldigung an.. und meinen Dank!“ Nun ja, sie war reichlich derangiert, aber wenigstens am Leben. Ohne ihren unbekannten „Retter“ wäre sie wohl ertrunken wie eine Maus. Sie bereute es nie schwimmen gelernt zu haben. Vielleicht sollte sie es sich in nächster Zeit beibringen lassen.

Langsam wurde ihre Muskeln wieder warm und das Zittern ließ nach. Tief durchatmen und nicht in einen Schreikrampf verfallen, dachte sie. Anuket blickte auf, als ein Anverwandter, so weit sie sich erinnerte, der Onkel der Braut sich an sie wandte. Innerlich rüstete sich die Tänzerin dagegen, Vorwürfe zu erhalten. Doch weit gefehlt. Das er die beiden Raufbolde zuvor zusammen gepinselt hatte, war ihr nicht bewusst gewesen. Der Kahn war ja in einiger Entfernung und Anuket war nicht gerade darauf erpicht gewesen, sich um die Hochzeitsgesellschaft zu kümmern.

Die beiden jungen Männer beeilten sich zuzustimmen, was der Brautonkel als Ausgleich für sie bestimmte- inklusive eines Schmerzensgeldes. Als er sich an sie wandte, ob Anuket ihre Entschuldigung annahm,meinte sie gelassener als sie sich fühlte. „Ja ich nehme ihre Entschuldigung an.“ Innerlich wünschte sie den Beiden die Pest an den Hals. Reiche Jüngelchen die nichts Besseres zu tun hatten, als für Streit zu sorgen. Und sie hatte den Schaden. Der wenigstens großzügig ersetzt werden würde- wie sie hoffte. Der Fremde kam zu ihr und reichte ihr eine Tasse heißen Tee. Erfreut nahm sie diese an. Als er sich neben sie gesetzt hatte, erklang Anukets samtener Alt. „Ich danke euch. Mein Name ist übrigens Anuket und mit wem habe ich das Vergnügen?“ Sie musterte kurz, aber nicht aufdringlich ihr Gegenüber. Nein, er schien wirklich nicht von hier zu sein. Und sie war gespannt, ob sie erfahren würde woher er kam.

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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Qimmiq » So, 11. Jul 2010 19:47

Qimmiq trank ruhig den heißen Tee während Anuket, wie sie sich später vorstellen sollte, ihm erklärte nicht schwimmen zu können. Nach der Reaktion der Leute um den Fährmann, hatte Qimmiq vermutet das alle hier schwimmen könnten. Ob der Eröffnung der Frau wanderte sein kalter Blick kurz zu der Frau und von ihm zum Fährmann. Der vollführte mit Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen ein unmissverständliche Geste – Geld! Scheinbar war Schwimmen unter dem reichen Menschen dieser Region dann also doch wieder nicht so verbreitet wie es ihm bisher geschienen hatte. Qimmiq wandte sich wieder dem süßen Heißgetränk in seinen Händen zu. Ihre Bitte um Entschuldigung dafür, in ihrer Panik und ums Überleben kämpfend, ihn beinahe in die Tiefen des großen Stromes gezerrt zu haben, sie erstaunte ihn nicht weinig. Sie hätte ihn nicht mehr erstaunen können, hätte sie sich eben grad aufrichtigst dafür entschuldigt gehabt, ihm die kostbare Luft fortwährend weg zu atmen. Qimmiq lächelte nur kurz und nickte – ohne das der harte Glanz aus seinem Blick aber dabei etwa gewichen wäre und sprach mit einer ruhigen Stimme davon, dass das doch wohl selbstverständlich sei. Eine Äußerung in der, anders als es vielleicht zu erwarten gewesen wäre, die absolute Überzeugung der Richtigkeit ihrer Worte, und so absolut gar nichts von irgendeiner tiefstaplerisch selbstverliebten Heuchelei etwa mitschwang.

Doch erst einmal schwieg Qimmiq während die beiden Streithähne entschuldigten und der ältere Mann im Hintergrund jemanden zu finden suchte, der doch bitte auf die Schnelle eine andere Tänzerin für die Hochzeit organisierte. Noch eine Überraschung für den unfreiwilligen Gestaltwandler. Also doch nicht zwingend irgend so eine verwöhnte Adelige, sondern Tänzerin, zu Arbeiten verstand und deren ehemals schillernde Gewandung ihr möglicherweise ebenso eine Arbeitskleidung nur war, wie ihm als Wächter in der Eiswüste die schweren Rüstungen anempfohlen waren? Wieder ließ Qimmiq sich seine Überraschung nicht anmerken, trank einen weiteren Schluck des stark süßen, wie heißen Getränkes und musterte sein Gegenüber mit einem weiteren sezierend kaltem Blick, welcher so absolut nicht zu dem kurzen aufrichtig freundlichem Lächeln passen wollte das für Augenblicke Qimmiqs Gesicht zu streifen schien. Nachdem die Frau sich ihm gegenüber ja nun vorgestellt hatte, die anderen Reisenden waren inzwischen mit ihrem Aufbruch oder anderen „eminent wichtigen“ Belangen beschäftigt, erhob der ehemalige Wächter sich, verbeugte sich auf seinen Stab gestützt, kurz aber nicht unterwürfig vor der Tänzerin und sprach mit leiser klarer Stimme: „Qimmiq ein Wächter, das war ich, und die Suche nach meinen – Wurzeln ist es gewesen, die mich aus der Stille der nördlichen Eiswüste hierher in dieses … warmen Land verschlug.“

Qimmiq schaute kurz den aufbrechenden Reisenden hinterer und wirkte einen Moment meilenweit entfernt, mit seinen Gedanken. Doch von jetzt auf gleich heftete sich sein Blick plötzlich wieder mit einer erschreckenden Intensität auf das Antlitz der Tänzerin. „Möchtet Ihr ein Pferd oder eine Sänfte organisiert haben, noch rechtzeitig zu Eurer Feier zu kommen?“ Ein plötzlicher Themenwechsel, mochte es scheinen! Warum er ihr seine weitere Hilfe indirekt gerade anbot mochte die Frage aufkommen! Doch Qimmiq verfolgte gerade keinen anderen Gedanken gerade, als dem Trubel hier um ihm her entkommen zu wollen und unterwegs vielleicht noch mal bei dem Händler vorbeizuschauen der diese köstlichen Wassermelonen günstig verkaufe. Na und wenn er dabei sogar noch ein schnelles Pferd für die Tänzerin beschaffen konnte, auf das ihre – sprichwörtlich – ins Wasser gefallenen Plänen vielleicht doch noch gerettet würden …
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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Anuket » Di, 20. Jul 2010 1:12

Anuket genoss die Wärme, die durch ihre Finger in den Körper strömte. Hin und wieder nippte sie an dem aromatischen Getränk Der ältere Mann, der zuvor die beiden jungen Männer zusammen gestaucht hatte, winkte ihr zu. Ihr Zittern war verschwunden und mittlerweile war der Schock gänzlich verschwunden. Er nickte freundlich und warf ihr den Beutel mit Geld, den er ihr versprochen hatte zu. Er konnte ja schlecht an Land klettern. „Hier, es tut uns sehr leid, das ihr über Bord gegangen seid. Diese jungen Burschen- kein Anstand mehr. Ich hoffe euch ist sonst nichts passiert? Nein? Dann ist es ja gut. Leider geht die Fahrt weiter, da die Hochzeitsfeier bald beginnt.“

Anuket wartete noch, bis die Fähre weiter glitt, dann griff sie nach dem Beutel und wog ihn kurz in der Hand. Er war schwer und enthielt wahrscheinlich mehr, als sie heute bei ihrem Auftritt verdient hätte. Nun gut, so war ihr außer dem Verlust ihrer Sandalen, der Perücke und dem ruinierten Kleid wenigstens kein größerer Schaden entstanden. Pech, einfach nur Pech war das Heute- etwas was jedem passieren konnte. Sie lebte und das alleine zählte. Nun hatte sie die Muse ihr Gegenüber zu mustern. Ja er sah wirklich nicht aus wie ein Mann der hier am großen Strom lebte.

Er stellte sich als Quimmig vor- der Name war genau so unbekannt wie das Land aus dem er kam. Eine Eiswüste? Sie hatte davon gehört, das es Länder gab, welche sich sehr von ihrem Heimatland unterschied. Aber sie war noch nie dort gewesen. Sie fröstelte in Gedanken daran, wie kalt dieses Land sein musste. „Quimmig also… Ihr seid ein… Wächter?“ Fragend blickte sie Quimmig an. Was war es, das er hatte bewachen müssen. Frauen, ein Tempel, oder gar ein kostbares Artefakt? „Ich werde nicht zu der Hochzeitsfeier gehen. Als erstes war ich kein Gast, sondern als Tänzerin zur Unterhaltung engagiert. Und zweitens wäre das in meiner ruinierten Kleidung auch kein schöner Anblick, wenn ich tanzen würde.“

Ja sie wäre keine Augenweide gewesen und deshalb hatte man ihr lieber Geld gegeben, als das sie in diesem Zustand auf der Hochzeit aufgetreten wäre. „Eine Reitgelegenheit um in die Stadt zu kommen wäre allerdings gut- ich habe genug um es mir leisten zu können. Und dann werde ich in das Gasthaus gehen, in dem ich logiere. Was ich dann weiter tun werde- ich weiß es noch nicht. Möchtet ihr auch in die Stadt?“ Anuket machte es keine Mühe dem intensiven Blick des Mann stand zu halten.

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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Qimmiq » Mi, 21. Jul 2010 1:25

Qimmiq schaute auf die Frage, ob er auch in die Stadt wolle, zum Firmament hinauf. „Ich denke ich hab für heute genug geleistet.“ Er nickte und schlug Anuket vor sie zu einem nahen Pferdestall zu begleiten, wo es günstig gute Pferde gäbe. Qimmiq hatte sich überlegt die Weiterreise mit einem Pferd zu bestreiten wenn er hier keine Hinweise zu den Ursprüngen der Gestaltwandler fände. Zwei Spuren hatte Qimmiq bisher. Zum einen hatte er davon gehört, das die Orks auch heute noch Schamanen hervorbrachten die ihnen vorstanden und ein Schamane schließlich war es der dieses verfluchte Amulett … Nachdenklich glitt seine Hand zu dem elfenbeinfarben schimmerndem Amulett welches er an einem engen Lederband um den Hals trug. „Wenn ihr einen Augenblick wartet kann ich euch auf dem Weg sogar noch einen Händler empfehlen des herrlich frische Wassermelonen verkauft.“ Qimmiq erhob sich mit einer fließenden Bewegung und war wenig später verschwunden. Doch es vergingen nicht einmal 40 Herzschläge ehe er, statt mit Handtuch und Lendenschurz bekleidet, in einer weißen Leinenhose und mit ein ebensolchen weiten weißen Hemd wieder neben der Tänzerin erschien, sich niederließ und die ledernen Schnürsandalen, in die er nur lose hineingeschlüpft war, eng um seine Fußgelenke band.

„Als Tänzerin kommst du vermutlich viel in Tempeln und in den feinen Häusern rum, oder? Sag, kennst du zufällig ein paar Bibliotheken die sich einem freundlichen Besucher womöglich öffnen könnten? Ich würde natürlich auch dafür bezahlen.“ Die Frage war nicht beiläufig gestellt und Qimmiq versuchte gar nicht erst zu verhehlen das sein Interesse dieser Frage gewidmet war. Dennoch aber wandte er sich ab, als eine alte Frau den Lehmbau verließ den er kurz zuvor betreten hatte, seine Kleidung zu holen. Er winkte die Frau herbei, welche einen – für die Verhältnisse der Leute hier, wohl recht edlen –Umhang über den rechten Arm trug. „So Kindchen“ sprach die zahnlose Alte lächelnd, „– könnt ihr euch etwas ungezwungener vielleicht bewegen, ehe ihr in trockene Kleidung schlüpft, hm?“ Mit diesen Worten reichte sie der Tänzerin den mit einer weiten Kapuze versehenen knöchellangen Umhang, welcher dieser aber nur bis halb über die Unterschenkel wohl reichen würde. Dieser konnte mit einer großen blattförmigen und mit irgendwelchen grünen Steinintarsien versehenen Kupferspange über der Brust verschlossen werden und war von einem changierendem dunklen Rot-Ton. „Ich bräuchte ihn aber für den Tempelbesuch morgen früh schon wieder.“ wandte sich die Alte nochmals an Qimmiq. „Ich hab also dein Wort ihn bis Sonnenaufgang wieder zu kriegen, Junge?!“

Qimmiq lächelte nur und antwortete „Immer noch! Oder habt Ihr das Wort das ich Euch drinnen grad gab, etwa schon wieder verloren?“ Die Alte atmete kurz und sprachlos wie ein Fisch, auf dem Trockenen bis sie den Schalk in Qimmiqs Blick lachen sah. Irgendwas von einer ungehörigen Jugend und mangelndem Respekt vor dem Alter murmelnd, aber mit einem Lachen in den Augen hielt sie der Tänzerin darauf den Umhang hin und forderte diese auf hineinzuschlüpfen. „Und schließe die Schnalle und zieh die Kapuze über. Du holst dir sonst glatt noch das Fieber, Kindchen, hörst du? “
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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Anuket » Mi, 28. Jul 2010 1:26

Es gab also in der Nähe Pferde zu mieten. Gut, dann musste sie nicht bis in die Stadt zurück laufen. Ab und an galt es auch einmal sich etwas „Luxus“ zuzugestehen. Außerdem dürfte es ihre derzeitige Barschaft, kaum merklich schmälern. „Wassermelonen? Das hört sich gut an, es gibt nichts besseres um seinen Durst zu löschen.“ Anuket schmunzelte und fand allmählich wieder zu ihrem alten Selbst zurück. Flüchtig glitt ihr Blick zu dem Amulett das Quimmig um den Hals trug. Es war nichts ungewöhnlich in ihrem Land solch ein Schmuckstück zu tragen. Das Wohlwollen der Götter war wichtig für das tägliche Leben der Leute am großen Strom. Während der Fremde sich erhob und davon ging, stand die Tänzerin ebenfalls auf. Sie riss einen Fetzen am Saum ihres Kleides ab, tauchte ihn ins Wasser und rieb sich mit Akribie die verlaufene Schminke von ihrem Gesicht. Bis das Antlitz der jungen Frau sauber war. Anuket war auch ohne die Farbschicht eine hübsche Frau.

Sie strich ihre Haare zurecht bis sie halbwegs präsentabel wirkte. Sie freute sich auf ein heißes Bad, ein sauberes Leinenkleid und eine gute Mahlzeit und zwar in dieser Reihenfolge, Quimmig kam zurück, gekleidet in trockene Sachen. Sie nickte als sie seine Frage beantwortete. „Ja ich werde häufig für vornehme Feste engagiert- Tänzerinnen aus der Tanzschule, in der ich ausgebildet wurde, sind begehrt und gut bezahlt.“ Für Anuket war dies eine Tatsache, nicht gedacht um sich in Szene zu setzen. „Hm, lasst mich überlegen. Es gibt einige gute Bibliotheken in Privatbesitz, aber ohne Einladung ist es unmöglich sie zu besuchen. Es gibt eine öffentliche Bibliothek, aber ob ihr fündig werdet, kann ich euch nicht sagen. Das müsstet ihr schon selbst heraus finden. Aber vielleicht.. nun wenn ich eich gutes Wort für euch einlege, könnt ihr vielleicht bei Amosis fündig werden. Er ist ein großer Gelehrter und besitzt umfangreiche Schriftensammlungen. Allerdings gibt er die Erlaubnis nicht jedermann.“ Amosis war ein Mann um die 60, besaß großes Wissen und vergrub sich manchmal Tage und Woche in irgendwelche Forschungsarbeiten. Sie hatte ihn auf der Hochzeitsfeier seiner Nichte kennen gelernt. Amosis besaß einen trockenen Humor, den Anuket sehr mochte. So manches Mal war sie in seiner Bibliothek gesessen und hatte ein Buch gelesen. Er erlaubte ihr schon vor längerer Zeit zu kommen, wann sie mochte- er war so wieso fast immer zu hause und ging recht selten aus.

Quimmig winkte einer älteren Frau und Anuket konnte sich zuerst keinen Reim machen, warum er sie zu sich rief. Bis sie den Umhang über ihren Arm sah. „Das ist sehr freundlich, habt dank werte Dame.“ Sie nahm den Umhang entgegen, der aus wunderbaren Stoff gefertigt war und so gar nicht zu dem uralten Weiblein passen mochte. Sie bat Quimmig ihn bis morgen zurück zu bringen und Anukets Schmunzeln war nur sekundenlang zu sehen. „Ich werde darauf achten und ich bin sicher ihr werdet ihn rechtzeitig zurück bekommen..“ Flink zog sie den Umhang an und verschloss die hübsche Spange. Ihre schlanke Hand zog die Kapuze über und war dann fertig zum Aufbruch. „Aber natürlich, ich habe auch die Kapuze übergestreift.“ Es tat gut das sich jemand um sie sorgte- ein Ereignis das sich Anuket nicht sehr häufig passierte…

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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Qimmiq » Mi, 28. Jul 2010 23:50

Qimmiq atmete einmal schwer ein, als er dem Fluss den Rücken zu kehrte. Beinahe schien es ihm als wolle jener neue Teil seiner Selbst mit aller Macht in das wohlig warme Nest unter der Wasseroberfl- … aber was redete er da? Da war erstens kein Nest unter Wasser und dieser neue Teil seiner Persönlichkeit – das war das Totem Spinne und Spinnen zog es ja bekanntlich nicht ins oder gar unter Wasser! Dennoch kostete es den Menschen zwei drei zögerliche Schritte ehe der plötzliche Drang ins Wasser zurückzukehren endgültig überwunden war. „Ich wusste gar nicht was für ein Spaß dieses Schwimmen bringt! Das macht sogar fast wieder diese unerträgliche Hitze hier überall wett!“ Ein seltsam faszinierter Blick zierte Qimmiqs Antlitz als er an die vergangenen Stunden im großen Strom zurück dachte. „Das muss ich unbedingt mal … wiederholen!“ Leise nur murmelte er diese Worte wie zu sich selbst und fragte sich zum wiederholten Mal wie diese seltsam neue Faszination denn bitte sehr zur Spinne passen mochte. Von irgendwelchen Lyr unter meinen Vorfahren wüsste ich jetzt aber auch nichts.“ Wieder nur ein leises Murmeln das nachdenklich wie von ihm unbemerkt seine Lippen verließ. Doch die Nachdenklichkeit schwand aus Qimmiqs Antlitz als er und Anuket um die Ecke eines Lehmhauses bogen das sicherlich auch schon mal bessere Tage gesehen hatte.

„Da ist es ja schon!“ Freudig wies der Mensch an einer Schar Kinder vorbei die den nahen Eingang des Hauses vor ihnen belagerten, aber umgehend Platz machten als Qimmiq mit dem Stab auf den er sich den bisherigen Weg über gestützt hatte unbedrohlich hin und her schwenkte. „Nicht nur das Ihr ohne Schminke beinahe noch besser ausschaut als zuvor. so wird die Melone gleich auch viel weniger nach Ruß und Fett wohl schmecken.“ Qimmiq hoffte das die Tänzerin ihm dieses kleine Lob nicht krumm nahm, aber vermutlich war sie als Künstlerin noch weit schmeichelhaftere Bezeugungen noch gewohnt. Dennoch kamen diese Worte ihm nur nach einem kurzen verlegenen Räuspern über die Lippen und der kurze Blick zu der Tänzerin an seiner Seite war gleichermaßen unsicher wie aufrichtig. Zu mehr fehlten ihm derweil schlicht die Worte und also zückte Qimmiq stumm zwei Münzen, es schien als sei der Mensch mit den Preisen des Händlers bestens vertraut, und erhielt dafür zwei schmackhafte frische aus einer roten Wassermelone geschnitten Scheite. „Bitte sehr – der Stall ist dann auch gleich hinter der Schmiede dort, seht Ihr?“

So selbstverständlich Qimmiq die zwei Münzen herausgereicht hatte, so offensichtlich musste es Anuket scheinen das der Händler ihn grad gehörig über Ohr gehauen haben musste. Doch ehe sie irgends darauf reagieren konnte – wenn sie das denn überhaupt wollte – gewahrte sie wie der Händler weitere Scheite aus der Melone schnitt und sie den Kindern vor seiner Türe überließ. „Danke Qimmiq!“ Doch der achtete nicht weiter auf die Worte der Kinder sondern schlenderte gedankenverloren besagtem Stall entgegen. Die Finger seiner Rechten zogen dabei, in einer abwesend scheinenden Bewegung, die dunklen Muster auf seiner Haut nach. Sollte Anuket diesen Bewegungen folgen, so würde ihr wohl nicht verborgen bleiben wie ungewöhnlich diese "Tätowierungen" auf die Berührungen reagierten. Denn sie gaben unter dem Druck der Finger kaum nach und wenn doch, dann als Ganzes, beinahe so als wären sie irgendwie härter … fester als die sie umgebende Haut … Narben vielleicht? Doch da passierten sie auch schon die Schmiede und fanden sich vor der offenen Stalltür zu ihrer Linken wieder.
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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Anuket » So, 29. Aug 2010 1:08

Anuket war irritiert, als sie Quimmig so gar nicht auf ihre Antwort reagierte. Nun gut, wenn er ihre Vorschläge, für die Sichtung von Büchern und Schriften in verschiedenen Bibliotheken nicht interessant genug fand- dann konnte sie ihm auch nicht helfen. Quimmig schien seltsam fasziniert vom Wasser zu sein. Achselzuckend meinte die Tänzerin. „Nun wenn man schwimmen kann, dürfte es auch Spaß machen. Allerdings weniger wenn man es nicht beherrscht.“ Anuket ließ es auf sich beruhen, denn es ging sie ja nichts an, was dieser Mann dachte, oder gut fand. Das Haus das sie umrundeten, verlor seinen einstigen Glanz durch abbröckelnden Lehm. Alles im allem wirkte die Umgebung nicht, als ob der Reichtum zuhause wäre.

Sie erreichten ihr Ziel, wobei er Fremde ihr ein Kompliment machte. Ein Lächeln ließ ihrem Mundwinkel mutwillig zucken. „Es gehört nun einmal dazu, wenn ich tanze. Schließlich soll das Auge des Betrachters erfreut werden.“ Insbesondere den männlichen Klientel, der ihr zusah, legte Wert auf ein ansehnliches Antlitz. Er erstand zwei saftige Melonenstücke und bezahlte zwei Münzen dafür. Ihr Götter konnte der Mann nicht handeln? War das in seiner Heimat nicht üblich? Dafür hätte er zwei GANZE Melonen erstehen können. Das einzig gute daran war, das einige Kinder in den Genuss der erfrischenden Frucht gelangten. Sie gönnte es ihnen von Herzen, solch ein Genuss dürfte ihnen sich nicht oft bieten.

Ihre Schritte wirkten zierlich gegen den festen Schritt ihres Retters. Eine seltsame Person war das. Seltsam im Verhalten, seltsam im Aussehen- wobei ihm die Menschen ihrer Heimat mindestens genau so merkwürdig vorkommen mochten. Die merkwürdigen Narben schienen nicht durch Feuer entstanden zu sein, oder waren es Tätowierungen? Seemänner trugen meist solche in die Haut gestochenen „Bilder“: Sie selbst hatte noch nie das Bedürfnis verspürt, sich ihrem Körper so etwas an zu tun. Aber jeder Mensch war anders, oder nicht?

Aus der Schmiede, die sie passierten erklang das Klirren von Metall. Daneben war gleich der Stall. Sie legte ihre Hand auf Quimmigs Arm und meinte gelassen. „Ihr solltet es besser mir überlassen, die Pferde zu erstehen…. Man erwartet das man handelt. Und wir wollen ihm doch nicht zu viel bezahlen, oder gar übers Ohr hauen lassen- oder nicht?“ Anuket lächelte fein und trat durch die Stalltüre. Ha, das käme passend, wenn man ihnen für viel Geld ein paar Klepper andrehen würde.

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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Qimmiq » Di, 31. Aug 2010 18:58

Qimmiq lächelte nur als Anuket anbot ihm das Handeln doch abzunehmen. Einerseits war dieses Lächeln eines der Dankbarkeit, vetrabscheute er doch kaum etwas mehr als das Feilschen, dass die Menschen dieser Region beinahe wie einen sportlichen Wettkampf zu betreiben schienen. Zum Anderen wiederum war es dann aber auch ein hintergründiges Lächeln voller Mitleid, als er des Händlers gedachte der ihm für eine ausdauernde junge Schimmelstute, die der Gestaltwandler sich vor einigen Tagen schon als geeignetes Reittier auserkoren hatte, schon einen „echten Freundschaftspreis“ ausgerechnet hatte. Gut für seinen nicht allzu üppigen Geldvorrat war es allemal, einzig würde der Händler ihn, sollte die Tänzerin so gut sein wie sie angedeutet hatte, zukünftig wohl auch für ihn nurmehr Kosenamen wie „Sohn einer räudigen Hündin“ und dergleichen mehr für Qimmiq dann wohl übrig haben.

Gar zu viele „Söhne räudiger Hündinnen“ wurden dennoch freudig mit eben der Begrüßung doch umarmt ehe man ans gemeinsame Feilschen ging. Ernste Beleidigungen waren es also scheinbar dann doch nicht, auch wenn – in anderen Situationen – derlei Worte auch schon mal der Anfang der einen oder anderen von Qimmiq beobachteten Kneipenschlägerei gewesen war. Seufzend trat Qimmiq hinter der Tänzerin in den Stall, wo der Besitzer freudig den Blick von einigen Papieren hob als sie eintraten und nur kurz stutzte als er bemerkte welch Augenweide neben dem fremdländischen Kunden da noch eingetreten war. Der Gestaltwandler widmete sich schweigend den letzten Resten seiner Melone um so gar nicht erst in das zu erwartende Gespräch einbezogen zu werden und wünschte sich ein weiteres unerfülltes Mal, wieder zurück zu sein, im ihm vertrauten, kalten, ruhigen und vor allen Dingen leeren Norden seiner Heimat.

Er verstand die Menschen hier einfach nicht. Nicht sie, nicht ihre Mentalität und erst recht nicht …Qimmiq überlegte was er machen würde, wenn er in den Bibliotheken die Anuket ihm zugänglich machen wollte, nicht fündig würde. Für ihn war nämlich dahingehend alles geregelt und besprochen. Hätte er Anukets Gedanken irgendwie erfassen können, die sein nicht erfolgtes weiteres Nachfragen als scheinbares Desinteresse wohl auslegte, er hätte diesen Punkt zu den unzähligen weiteren Missverständnissen getan, die ihm im verlauf der vergangenen Wochen schon widerfahren waren. Er hatte sie gefragt, sie hatte ihm einige Möglichkeiten genannt – was gab es da denn noch zu besprechen? Außer vielleicht die Frage nach dem genauen Zeitpunkt des Besuches oder dem Empfehlungsschreiben ihrerseits? Ihm schien es unhöflich sie dahingehend zu drängen, kannte er sie doch kaum. Ihr hingegen …

Qimmiq überlegte ob er im Falle fehlender Hinweise tatsächlich zu den Orks in die wilden Lande aufbrechen sollte oder ob er nicht statt dessen an den Ort Reisen sollte, den einzigen Ort von dem er auch nur hatte reden hören das solch große Spinnen dort vorkommen sollten? Die Wilden Lande also, oder doch eher das näher liegende Nogorath, auch wenn ihn dorthin nur ein mehr als vages Gerücht bisher zog? Nachdenklich hing der Gestaltwandlern seinen trüben Gedanken nach und überließ die weiteren Gespräche ganz den beiden Menschen vor ihm.
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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Anuket » Do, 23. Sep 2010 0:41

Anuket schmunzelte fast, konnte es sich aber gerade noch verkneifen. Männer konnten in dieser Beziehung sehr schnell eingeschnappt sein. Sie war es von klein auf gewohnt gewesen. Ihre Mutter hatte ihr nur wenig Geld mitgegeben um auf dem Markt ein zu kaufen. So viel Obst und Gemüse wie sie kriegen konnte war ihr Auftrag gewesen. Und es hatte nur einige Monate gedauert, bis Anuket den Bogen raus hatte.


Sie betrat mit Quimmig den Stall- wobei jener wohl dezent im Hintergrund bleiben wollte. Gut, das sollte ihr recht sein. Der Besitzer des Stalles- zumindest hielt sie ihn dafür, ein Knecht würde wohl kaum lesen können. Seine Augen leuchteten sichtlich auf und begrüßte Anuket überschwänglich. Es war ihm an zu merken, das er gedachte leichtes Spiel mit ihr zu haben. Seine Schmeicheleien war schmierig und gedacht Anuket an die Angel zu nehmen, wie er es nennen würde. Sein Lächeln blieb auch noch, als sie ihn begrüßte und erwähnte das sie gedachte zwei Pferde zu mieten. Zu mieten? Seine Augen blinzelten leicht. Er hätte nur Pferde zum Verkauf, wie er dar legte- dafür aber zu einem Spottpreis.

Anuket lächelte betörend und ihr Augenaufschlag, verursachte ihm Schluckbeschwerden. Aber er hielt sie für ein zwar schönes, aber dummes Ding. Welche Frau verfügte schon über Verstand- ha das wäre ja noch schöner, als ob er Merikare DAS nicht wüsste. Der Stallbesitzer führte sie zu zwei Pferden- eine Stute und ein Hengst. Er lobte über alle Maßen ihren Gang, ihre Haltung. Anuket ließ ihn mit einem seichten Lächeln reden. Dann glitt ihre Hand über die Nüstern der Stute, sie blieb zwar ruhig aber ihr Lächeln gefror leicht. Die Nüstern waren heiß, der Augenglanz der Stute war fiebrig. Alles im allem wirkte sie teilnahmslos. Ein anderer hätte das Tier für sanftmütig gehalten. Aber Anuket fühlte das es dem armen Wesen gar nicht gut ging. Der Hengst war klapprig und die Zähne zeigten sein hohes Alter an. Die Tänzerin war sich nicht zu fein gewesen, sich das Maul des Pferdes an zu sehen. Merikare begann zu schwitzen, entspannte sich aber als Anuket nach dem Preis fragte.

Natürlich war der Preis viel zu hoch und wenn auch Anuket Mitleid mit den armen Tieren hatte, war sie nicht bereit ihn zu zahlen. Sie sagte ihm das auch mit Bestimmtheit und zählte alle Mängel auf. Nein, sie wolle zwei gute Pferde haben, ausdauernd und schnell. Und sie sollten keineswegs zu viel kosten. Aber wenn er keinen Handel wünsche- nun dann eben nicht. Anuket nickte leicht Quimmig zu und schickte sich an die Türe zu erreichen. Dem Stallbesitzer war mittlerweile klar geworden, das die holde Schönheit gar nicht so dumm war wie er gedacht hatte. Aber wenn er auch zwei bessere Tiere verkaufen musste, einen guten Preis konnte er dafür immer noch bekommen! Fluchs holte er aus zwei Boxen einen schwarzen Hengst und eine isabellfarbene Stute. Und wieder wurden beide über den grünen Klee gelobt. Anuket ließ sich quälende Minuten- für Merikare nicht für sie, Zeit sie zu untersuchen. Sie war zufrieden damit.

Und nun begann erst der richtige Handel. Zäh und gewieft war der Händler, aber er hatte seinen Meister, Pardon Meisterin gefunden. Ein Ringen um einen guten Preis begann, bei dem keiner dem Anderen etwas schenkte. Zum Schluss war Anuket zufrieden und Merikare war auch gut bedient. Nur nicht so reichlich wie er gedacht hatte. Er jammerte darüber das seine 12 Kinder, seine Frau und seine Mutter nun verhungern mussten… dabei zweifelte Anuket das er überhaupt verheiratet war. Aber es gehörte nun einmal dazu. Sie hatte sogar Sattel und Zaumzeug erstanden und nicht mehr bezahlt als sie vorgehabt hatte. Die Tänzerin ging zu Quimmig und reichte ihm den Zügel des Hengstes. „Hier euer Pferd- Bakhen. Er war lange im Stall und ist recht gut genährt. Also passt auf das er euch nicht abwirft.“ Anuket verließ den Stall, mit ihrer Stute im Schlepptau. Mujet war ein kleines, aber gut geformtes Pferd. Lammfromm folgte sie iher neuen Bestizerin. Ob sie schnell und ausdauernd war, würde sich zeigen. Aber die Tänzerin konnte sich sicher über ein gutes Pferd freuen.

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