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Eine feine Gesellschaft

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Qimmiq
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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Qimmiq » Mo, 27. Sep 2010 22:46

Qimmiq betrachtete das hin und her mit einem schwer deutbaren Lächeln. Das der Händler Anuket erneut das Tier anzupreisen versuchte, welches schon Qimmiq nicht ernstlich hatte annehmen wollen, grenzte in seinen Augen an seine Unverschämtheit, doch die Tänzerin ging auf das Spiel ein, schien dabei beinahe Spaß zu haben. Qimmiq hatte vielleicht weder Geschick noch Interesse am Handeln, doch für Tiere hatte er ein Händchen und jene Pferde wollte der Händler wohl nur einen Idioten verkauft sehen, ehe sie ihm im Stall noch krepierten. Einmal sein Glück zu versuchen war ja verständlich, aber dann es bei seiner Begleiterin erneut zu versuchen. Qimmiq verlor jedes Mitleid mit dem Mann und sah sein Vorurteil über den Charakter von Händlern erneut bekräftigt. Allerdings war Anuket von einem anderen Format, schien den Handel zwar gleichermaßen als Wettstreit zu betrachten, spielte dabei allem Anschein nach aber fairer als ihr Gegenüber. Doch die Tiere die sie erstanden, dafür hatte er anders als fürs Handeln dann doch ein Auge, sie machten einen gar besseren Eindruck noch, als jenes Tier, für welches er sich bei seinem letzten Besuch entschieden hatte. Darum war er auch soweit versöhnt, dem Händler bei der Aushändigung des überraschend niedrigen Verkaufspreises zumindest noch ein ebenso knappes wie wortloses Lächeln zu schenken ehe er die Zügel Bakhens in der Hand, den Stall hinter Anuket verließ.

Eine Weile lief er neben dem Hengst her, sprach eine Weile mit ruhigen Worten auf das Tier ein, ehe er sich – nicht ganz ungeübt, nicht wirklich meisterlich – in den Sattel schwang und Anuket freundlich zulächelte. „Wisst ihr das der Bastard mir eines der ersten Pferde schon beim letzten Mal vergeblich anzudrehen versuchte? Ich würde diesen Dreckskerl dafür am liebsten fest verschnürt irgendwo ein paar Wochen hängen lassen, bis er so richtig mürbe…“ Seine Stimme war zum Schluss hin immer leiser geworden und sein abschließendes Lächeln schien dem Ganzen den Charakter eines Scherzes verleihen zu wollen, und doch… „Hm, was hieltet Ihr eigentlich davon, heute noch diesen – Tutmosis sagtet? – und seine Apotheke zu besuchen?“ Qimmiq rutsche ein wenig im Sattel hin und her, beugte sich dann hinab und veränderte die Längen der Steigeisen während das Tier unter ihm gemächlich dahin schritt. Als hätte das Tier instinktiv gespürt, dass sein Reiter nun halbwegs sicher im Sattel saß wandte es die bisher seitwärts gerichteten Ohren voraus, stieg wiehernd auf die Hinterläufe, das es Qimmiq beinahe aus dem Sattel warf und preschte im gestreckten Galopp die Straße hinab – noch ehe Anuket die Möglichkeit fand ihm seine Frage zu beantworten.

Obgleich Qimmiq es schwer hatte, sich im Sattel zu halten – oder vielleicht gerade deshalb – versuchte er das Tier nicht gewaltsam zu bändigen, sondern ließ diesem seinen Willen und lenkte es vielmehr nur bestimmt in Richtung der eine halbe Meile vor der Stadt liegenden Furt. Mit den Pferden konnten sie schließlich nicht den kleinen Fährkahn nutzen, beziehungsweise machte es wenig Sinn dafür dann auch noch Geld zu bezahlen. Es war beileibe nicht seine Absicht gewesen diesen Blitzstart hinzulegen und obgleich er sichtlich mit seinem Halt rang entrang sich ihm doch ein begeistertet „YAAAAAAAA-HUHH!“ als er mit Bakhen unter sich in einem weiten Bogen und im inzwischen gestreckten Galopp in Richtung der Furt davon preschte – zumindest hoffte Qimmiq gerade inständig in Richtung der Furt tatsächlich zu reiten, derweil er sich beinahe ebenso begeistert zeigte wie der Hengst der endlich der engen Box entronnen war und diese neugewonnene Freiheit auf seine ganz persönliche Freiheit gerade auskostete. „Tschuldigung!“ hörte Anuket noch die vergnügte Stimme des sich ihre Blick bereits entzogen habenden Reiters, welcher die ebenso laute, wenngleich weit weniger vergnügt klingende Schimpftirade eines scheinbar gerade beinahe umgerittenen Passanten folgte.
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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Anuket » Sa, 27. Nov 2010 2:01

„Nun wisst ihr Handeln bedeutet oft aus zu loten, wie viel der Andere zu zahlen bereit ist. Warum ein gutes Pferd für einen guten Preis verkaufen, wenn ein schlechtes denselben Preis einbringt- dieser Händler geht davon aus, das sein Gegenüber nicht schlau genug ist, dies zu erkennen.“ Der Versuch scherzhaft zu wirken, als er dem Händler androhte „Ich würde diesen Dreckskerl dafür am liebsten fest verschnürt irgendwo ein paar Wochen hängen lassen, bis er so richtig mürbe..“ Entlockte ihr ein Lächeln; sie zweifelte keine Sekunde das ihr Gegenüber es ernst meinte. Aber das sollte ihre Sache nicht sein.

Allerdings blinzelte sie als er nach Thutmosis „Apotheke“ fragte. Apotheke, welche Apotheke- wollte er nicht nach Büchern und Schriften sehen? Sie war ein bisschen verwirrt, ließ es sich aber nicht anmerken. Vielleicht hatte sie ihn nur falsch verstanden. Thutmosis hatte eine umfangreiche Bibliothek, keine Apotheke. Oder wünschte er etwas gegen Schmerzen oder etwas um Verletzungen zu behandeln? Zumindest hatte sie vor gehabt ihm eine Antwort zu geben, wurde aber davon ab gehalten, als sein Pferd davon rannte. Hatte sie ihn nicht gewarnt, das dies passieren konnte? Er gab jedenfalls nicht den Anschein, al ob er ein sehr guter Reiter war. Nun das konnte ja noch heiter werden…

Aber warum hetzen. Gemächlich ließ sie ihre Stute im Schritt folgen und amüsierte sich im Stillen über die eine oder andere Person, die fast zur Seite gedrückt wurde. Das Entschuldigung von Quimmig ließ sie auf seufzen. Sehr geduldig schien der seltsame Fremde nicht zu sein. Er musste wohl noch lernen, dass das Leben am Strom gemächlicher vor sich ging, als vielleicht an einem anderen Ort. Am Ufer holte sie ihn ein und fragt gelassen. „Habt ihr vor, durch den Strom zu reiten? Mir persönlich wäre es lieber mit dem Nachen über zu setzen.“ Ein flacher Kahn, der in der Nähe anlegte, wäre dafür durchaus geeignet. Für zwei Reiter wäre es ausreichend. Man musste nur den Fischer überreden, sie über zu setzen. „Ihr dürft auch gerne mit dem Fischer etwas aushandeln!“, meinte sie honigsüß.

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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Qimmiq » Sa, 27. Nov 2010 12:02

Qimmiq wollte schon auf die Sache mit dem Händler eingehen als ihn Anukets Frage nach der Apotheke aus der Bahn warf! Hatte er tatsächlich Apotheke gesagt? Verlegen fuhren seine Finger über die scheinbaren Tätowierungen an seinem Halse. „Oh, hab ich Apotheke gesagt? Ich meinte natürlich die Bibliothek“ Vermutlich lag es daran, das er seine fortschreitende Verwandlung beinahe schon wie eine Krankheit erlebte und Mittel dafür, die gab es ja nun schließlich auch in erster Linie in Apotheken, hm? Ruhig hatte er der Tänzerin zugehört, als diese ihm die Sache mit dem Feilschen zu erklären versucht hatte. Doch ehe er dann hatte antworten können, war dieses Malheur mit dem durchgehenden Tier passiert. Aber was sollte es? Irgendwie hatte Qimmiq vermutlich genauso Spaß an der ganzen Sache, wie das sich endlich mal austoben könnende Tier. Das mit dem Feilschen allerdings kam bald wieder zur Sprache, als Anuket vorschlug mit dem Nachen dort am Ufer statt dessen hinüber zu rudern. Aber statt dem Einwand direkt zu begegnen, kam er nochmal auf ihre Worte beim Pferdehändler zu sprechen. Ruhig und nachdenklich schaute er die Tänzerin an.

„Warum ein gutes Pferd für einen guten Preis verkaufen, wenn ein schlechtes denselben Preis einbringt? Genauso könnte ich fragen: Wieso anderen Menschen helfen und Gutes tun, wenn man sie genauso gut ausnutzen und sich selbst an ihnen bereichern kann?“ Qimmiq lächelte ein bemüht versöhnliches Lächeln, welches seine kalt schimmernden Augen jedoch nicht erreichte, und fuhr fort: „In der Welt aus der ich stamme, der nördlichen Eiswüste ist es so kalt, das eine Minute in einem der Wasser dort den beinahe sicheren Erfrierungstod bedeutete und das Wasser an manchen Stellen so eingefroren und kalt ist, das bei einer Berührung die Gefahr besteht daran festzukleben. Dort wo ich herkomme ist es wichtig einander beizustehen und ohne zu Fragen Hilfe zu leisten, weiß doch auch dort jeder das allzu schnell er auch mal Hilfe brauchen kann. - Natürlich gibt es auch dort Händler, denn dort kämpfen die Gemeinschaften untereinander häufig untereinander um die wenigen Vorräte, die ihnen das Überleben sichern sollen. Ja, auch zuhause haben wir Händler, aber auch da war das schon nicht meine Welt. Ich denke Freundschaften sollten mehr zählen als ein praller Geldbeutel. Und wenn das heißt das der Melonenhändler mich beinahe noch mehr anstrahlt als die Kinder, wann immer ich den Besuche, dann ist das okay so für mich. Wenn aber einer wirklich betrügen will, wie der Pferdehändler eben...“

Qimmiq schüttelte den Kopf und versuchte die Aufgebrachtheit, welche ihn zu diesem ungewöhnlich langen Monolog verleitet hatte wieder zurück zu drängen, atmete tief durch und meinte, ablenkend, das er zu unsicher noch im Schwimmen wäre um sich zuzutrauen mit zwei Pferden im Schlepp tiefere Wasser befahren zu wollen. „Da sitz ich doch lieber im Sattel und mach mir schlimmstenfalls die Füße dabei nass. Aber du kannst ja den Nachen nehmen und ich bring die Tiere rüber? Das drückt bestimmt auch den Preis nochmal und bis wir an der Bibliothek angelangt sind werd ich bestimmt schon wieder trocken sein.“ Zum Abschluss beschwichtigte er nochmals, das ihm »das Handeln wohl einfach nicht läge« und er es aber auch gar nicht je erlernen wolle, „... aber es hat wohl seine Richtigkeit und Notwendigkeit, das es Händler gibt. Nur, meine Welt ist das darum einfach trotzdem nicht. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht sonderlich krumm. “
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Re: Eine feine Gesellschaft

Beitrag von Qimmiq » So, 13. Feb 2011 13:36

Sehr unerquicklich war die Sache mit Amosis gewesen. Qimmiq hatte es gegen Abend schließlich doch noch geschafft, mit Anukets Hilfe in Amosis Bibliothek zu gelangen und dort sogar nach mehreren Stunden Suche einen Hinweis gefunden, der auf einen Menschen gefunden, der scheinbar lange Zeit als Hai-Gestaltwandler die Bucht von Nibýn unsicher gemacht hatte. Man munkelte, der Sohn eines armen Fischers habe etwas in seinen Netzen gefunden das ihm Macht und Reichtum verlieh. Es wurde nicht explizit gesagt worden das der Mann ein Gestaltwandler gewesen sein könnte. Aber die Tatsache das in dessen Umfeld immer wieder ein gefährlich intelligenter Hai dafür Sorge getragen hatte des Mannes Interessen zu schützen, verbunden mit dem Umstand das dieser nach einigen Jahren sich zwar schwerreich mit seinem inzwischen erheblichen Vermögen in ein Anwesen nahe Rômachars vor der Welt zurückzog, scheinbar an einer entstellenden Hautkrankheit leidend... All das sprach dafür, das Qimmiq hier tatsächlich eine weitere Spur hatte. Auch wenn der Gestaltwandler seinen Fluch scheinbar nicht überwunden hatte, deutete sein späterer Rückzug vor der Welt doch an, das er mit seinem Schicksal gehadert haben mochte und darum vermutlich - als Händler mit inzwischen weitreichenden Einflüssen immerhin - alles ihm mögliche versucht haben mochte an Informationen an Heilmittel zu gelangen.

„Rômachar also!“ kam es murmelnd über Qimmiqs Lippen als Amosis einen weiteren Gast in seine Bibliothek führte. „Nein wirklich! Der Junge wusste nicht einmal was er da in Händen hatte, wenn ich's dir doch sage! 'Ein Gedichtband. Kuckt mal hier - sogar mit Goldrand, aber leider hat da überall so ein Kherim seine Kritzeleien an den Rand geschrieben.' Kannst du dir das vorstellen Ein Werk von Gibrahn - mit handschriftlichen Kommentaren von d e m Kherim... “ Amosis deutete zu einem Regal auf der anderen Seite der Bibliothek, doch sein Gast - den Qimmiq in sein Studium vertieft keines Blickes bis dahin gewürdigt hatte blieb wie von einer Horde Auerochsen umgerannt inmitten der Bibliothek stehen. „Du? DU?! DU ! Qimmiq blieb keine Zeit zu ergründen was in des Nordwinds Namen Hatouk Síf hier so weit ab Sanheribs gerade in dieser Bibliothek verloren hatte! Nun gut, er war Bibliothekar! Da war er in einer Bibliothek schon ganz recht aufgehoben, aber wie weit waren sie hier von Sanherib entfernt? „Ich habe Euch doch die Bücher unversehrt wieder zukommen lassen ich weiß gar nicht was Ihr ahrgl!“ Nur mit aller Kraft gelang es ihn die klauenartig gekrümmten Finger des immerhin schon über 50 Sommer zählenden Bibliothekars von seinem Hals zu lösen. „WACHEN - WAAAAACHÄÄÄÄÄÄÄÄN!“ Der Geifer des alten Mannes sprühte ihm ins Gesicht als er ihn in einen nahestehenden Ohrensessel stürzte. „Verzeiht die Umstände Amosis und habt Dank! Ihr wart mir eine ausgesprochen große Hilfe! Und“ Qimmiq war schon längst im Flur und stürmte die breite Freitreppe hinab. „UND ZÜRNT ANUKET NICHT, SIE WUSSTE VON NICHTS!“

Doch im Ergebnis hieß das Flucht! er stürmte durch leere Gänge, von irgendwelchen Wachen war weit und breit nichts zu sehen, erreichte den Stall, wo ihn die Stallburschen scheinbar noch als legitimen Gast betrachteten und floh, im gestreckten Galopp. Mehr schlecht als recht nur hielt er sich im Sattel, ritt aber die halbe Nacht durch. Er brauchte mehrere Tage bis nach Hakkari, verkaufte dort sein Reittier zu einem für ihn wohl nicht sehr vorteilhaften Preis. Doch er wusste das Tier dafür immer hin in den Händen eines freien Bauern der seine Tiere gut behandelte und der das Gold vermutlich sooo locker dann auch selbst wieder nicht sitzen hatte. Das Geld reichte auf jeden Fall, sich auf einem Fluss-Kahn einzumieten und anschließend auch noch eine Passage von Hamontu nach Rômachar zu ergattern. Dennoch musste Qimmiq sich sein Zubrot auf der Reise hart erarbeiten. Aber noch war er ja gesund und beweglich. Nichtsdestotrotz atmete er erleichtert auf, als er endlich die Zinnen Rômachars im Licht der untergehenden Sonne sich abzeichnen sah. Nur noch wenige Stunden und er würde der möglichen Lösung seines Problems einen entscheidenden Schritt näher gekommen sein.
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