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Eiskalt...

Die weiße Hauptstadt in der Eiswüste.
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Kewan
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Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Di, 30. Jul 2013 15:41

Mit bitterkaltem, gar unbarmherzigen Griff umschloss eine titanische Macht die eisigen Weiten des hohen Nordens von Alvarania. Nichts, kein Mensch, kein Tier und keine Pflanze entzog sich einem solch gnadenlosen Schauspiel der Naturgewalten, das in dieser Nacht das Land heimsuchte. Ein dichter Schneesturm, wie er schon lange nicht mehr gesehen ward, durchzog die Eiswüste und es war lediglich eine kleine, unbedeutende Fackel, deren Feuerschein eine besondere Szenerie preisgab.
Ein Mann stand dort, nur von kleinem, aber stämmigem Wuchs, wie es beim Eisvolk typisch war und gehüllt in eine Vielzahl dicker Pelze verriet seine Haltung Schmerz und Gleichgültigkeit simultan. Jenes leicht beklemmende Bild, was sich einem etwaigen Beobachter bot, vermittelte etwas düsteres, weckte dunkelste, primitivste Gedanken im Betrachter und ließ ebenjenem die Nackenhaare zu Berge stehen. In den leeren, steingrauen Augen des Mannes spiegelte sich Abwesenheit, ja schon fast Apathie, während sie starr auf das metallische Funkeln in seinen Händen gerichtet waren. Unter dem jenem linken Sehorgan zog sich ein gleichwohl frisches und signifikantes Wundmal bis hin zum Ohr, dessen austretendes Blut sich im dichten schwarzen Bart verlor. Rastlos zitterte das Fell seines Mantels, auf dessen Oberfläche die Flammen ein furioses Schattenspiel veranstalteten. Das metallische Funkeln, dass er fest mit den Fingern umschloss und seinen Geist so sehr in seinen Bann zog war ein Schwert. Die lediglich kurze Klinge war einseitig mit rotem Lebenssaft bedeckt und legte einem Beobachter nahe, nach einer großen Wunde zu suchen, denn die Gesichtsverletzung konnte unmöglich eine solch unfehlbare Spur auf einer blanken Klinge hinterlassen. Solide, geschmeidig und nicht zu wuchtig in seiner Form hätte ein Schwung mit dieser Schneide etwas weitaus schlimmeres hinterlassen, als einen bloßen und unbedeutenden Schnitt. Auf Brusthöhe waren Kleidung, Haut und Fleisch tief durchtrennt worden und hinterließen einen unschönen Anblick. Reichlich Blut verlief sich daraus und verkrustete sogleich in der Kälte zwischen der ansehnlichen, aber nicht zu dichten, Brustbehaarung und seiner Pelzkleidung, welche sauber durchtrennt seinen wohlgeformten Oberkörper teilweise zur Geltung brachte.
Vor ihm, im festgetretenen Untergrund dessen Spuren auf ausgiebige Bewegungen wie einen Kampf hindeuteten, lag eine weitere Person. Regungslos. Tot. Im spärlichen Schein der Fackel bahnte sich auch sein Lebenssaft schleichend seinen Weg aus dem Körper in den Schnee. Neben ihm, gerammt in den hartgefrorenen Boden, ragte ein Speer, von wahrhaft kunstvoller Machart in das Schwarze Himmelszelt, dass die Welt an diesem Ort mit einer gestirnlosen, stürmischen Nacht umspannte. Seine Spitze, sowie weite Teile des verzierten Schaftes waren durchtränkt mit Blut. Blitzartig war es an Metall, Holz und Knochen festgefroren und weigerte sich so von seinem Ort zu weichen und ebenfalls in den Schnee zu tropfen. Eine genauere Betrachtung des Toten zeigte schnell die tödliche Verletzung auf. Er war einem kraftvollen Stoß mit dem Speer zum Opfer gefallen, der spielend durch die Bauchhöhle geglitten war und alle Organe in seinem Weg zerteilt hatte. Noch an Ort und Stelle des todbringenden Hiebes war der nun Tote zusammengesunken und hatte sein Leben ausgehaucht.
Nach und nach kam erneut Bewegung in die lebendig beleuchtete Szenerie, als der Mann mit den Gedanken wieder langsam in der Realität ankam und das blutverschmierte Schwert langsam sinken ließ. Unsicher aber zielstrebig führten ihn seine Schritte zu dem toten Körper, vor dem er langsam in die Knie ging. Nacheinander erfernte er Gürtel, Mantel und Handschuhe mit zitternden Händen, erhob sich aus der hockenden Haltung und warf sich über, was er erbeutet hatte. Seine kräftigen Finger rissen große Stücken aus dem Hemd der Leiche, mit denen er versuchte seine Verletzung auf der Brust notdürftig zu versorgen, doch zu viel mehr waren seine zitternden Hände nicht mehr in der Lage. Mit jeder Minute die verstrich sanken die Temperaturen ab und auch der kalte Wind und das dichte Schneetreiben verschlimmerte sich. Scheinbar unbeirrt zog sich der Mann an dem Speer nach oben, doch sein ohnehin schon blasse Haut wurde heller und heller. Schwerfällig wirkten seine Bewegungen, als er sich auf die Fackel zuschleppte und sie aus dem gefrorenen Untergrund zog. Nicht wenig Blut ergoss sich derweil aus dem tiefen Schnitt und bei genauerem Hinsehen entdeckte man sogar noch mehr kleinere Wunden, die sich über Rücken und Arme zogen, doch all das schien den Mann nicht zu beirren, der auf seinen prunkvollen Speer gestützt sich anschickte diesen Ort zu verlassen und im dichten Schneetreiben zu verschwinden bis sich der Schein der kleinen Fackel endgültig für den Betrachter verlor.


"Halt, K'eyshu!", ertönte ohne Vorwarnung eine raue Stimme aus dem Hintergrund, die Kewan gleichwohl zu deuten vermochte. Trotz des heulenden Windes. Unterbewusst biss er sich auf die Lippen und blieb schnaufend stehen. Der verletzte Jäger hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit, dass es gerade Tarush war, der ihn inmitten eines Schneesturms antraf und das so kurz nach all dem, was in den vergangenen Stunden geschehen war. Das Gesicht des Wächters in das Kewan blickte, als er sich umwandte war kalt und nichtssagend Die Arme vor der gerüsteten Brust verschränkt, stand er breitbeinig und aufrecht da. Die Ringe des Kettenhemdes, dass Karush im Amte des Wächters trug schlugen im Wind aneinander und klirrten leise, jedoch merklich. All das konnte nur eins bedeuten: Kewans Tat war nicht unbemerkt geblieben. Ja, anders könnte es nicht sein. Niemand suchte ihn aus heiterem Himmel auf, ohne etwas von ihm zu wollen oder ihn zur Rechenschaft für irgendetwas zu ziehen, vor allem nicht während tiefter Nacht bei solchem Wetter und schon gar nicht in der Wildnis der Eiswüste. Tarush war einer der beiden Wächter, mit denen Kewan damals die Prüfung abgelegt hatte, ws ihm erneut schmerzlich sein eigenes Versagen in Erinnerung rief. Vor Kälte und Blutverlust hatten seine Hände leicht angefangen zu zittern und die Vielzahl von Wunden hatten ihn stark ermatten lassen. An vielen Stellen hatte sich die Kleidung des Jägers rot gefärbt und zeugte von dem vergangen Kampf, aus dem er als Sieger herausgetreten war.
"Was willst du, Wächter?! Verpiss dich, ich bin nicht am erfrieren. Keine Rettung nötig...", presste Kewan gequält hervor und versuchte dabei seinen schlechten Zustand, sowie seine Befürchtungen so gut wie möglich zu überspielen, ohne allerdings seine rüpelhafte Art zu verlieren. Mit mäßigem Erfolg. Er fühlte sich grausig und musste sich auf den Speer stützen, um aufrecht stehen zu können. Förmlich spürte Kewan es, wie jeder Tropfen Blut aus seinem geschundenen Körper austrat ein kleines Stück seiner Kraft ihn verließ. Schreckliche Kälte fraß sich in ihn hinein und schmerzhaft war jeder einzelne Schritt, von den Wunden ganz zu schweigen. Doch der Mörder seines Vaters war tot, lag als Futter für die Wölfe in der Eiswüste und es war genau dieser Gedanke von dem er zehrte, der ihm immer neue Kraft gab immer weiter zu gehen und nicht seinen Verletzungen zu erliegen.
"Nicht so frech, Freundchen!", gab Tarush genervt zurück. Wie jeder andere, der einmal mit Kewan zu tun hatte, kannte auch er seine spezielle Art, doch aus irgend einem Grund schien es der Wächter diesmal ernster zu nehmen als sonst.
"Leg die Waffen ab und komm mit mir! Es gibt da einige Dinge zu klären...", sprach er weiter in einem Ton, der Kewan ganz und gar nicht gefiel, mindestens genauso wenig, wie die gesamte Situation in der er sich befand.
"Weißt du was, Arschloch? Kannst du nicht einfach das tun, was ich dir gesagt hab und deinen hässlichen Arsch dahin bewegen, wo ihn einer sehen will? Mit dir hab' ich einen Scheiß zu klären, tut mir Leid aber ich bin beschäftigt.", antwortete der Jäger bärbeißig, der noch immer sehr mitgenommen von den Geschehnissen der Nacht noch weniger mit spitzen Forderungen zurecht kam, als sonst. Besonders wenn man eigentlich gesellschaftlich dazu verpflichtet war ihnen nachzukommen. Nicht, dass Kewan irgendwie aggressiv wirkte, nein, zwar brodelte es in ihm, doch er war kräftemäßig schon nicht einmal mehr fähig seine Stimme zu erheben.Und auch sonst vermied er es generell die Fassung zu verlieren.
"Hör zu, K'eyshu. Kannst du nicht einmal das tun, was man von dir verlangt? Geht das? Du und dein verdammtes rebellisches Gehabe geht allen hier ziemlich gegen den Strich und ich habe jetzt auch nicht vor mit dir über den ganzen Mist zu diskutieren. Entweder du kommst freiwillig, oder ich zwinge dich. Ende. Es ist hier draußen einfach zu kalt, um länger als nötig und vor allem in deiner Gesellschaft umherzulatschen!", antwortete Tarush genervt und verdrehte die Augen. Mit Freude erkannte Kewan, dass der Wächter noch immer so leicht aus der Fassung zu bringen war, wie früher. Schon als Kind war es immer recht leicht gewesen Tarush in Rage zu versetzten. Was nicht heißt, dass er dumm war, nein, sondern einfach kein Meister der Selbstbeherrschung war. Und allem Anschein nach hatte sich das noch immer nicht geändert.
"Ach, mir kommen die Tränen, Kleiner", gab der verletzte Jäger mit gespielter Trauer zurück und als ob es das selbstverständlichste auf der Welt wäre, sich der amtierenden Exekutive einer Gesellschaft zu widersetzen, setzte er noch einen drauf, "Dann geh doch einfach, wenn dich meine Gesellschaft ankotzt. Glaubst du mir geht es anders? Wegen mit kannst du wieder kommen wenn dir Titten gewachsen sind, dann gibt's wenigstens irgendwas ansehnliches an dir. Aber so? Schau dich mal an? Ach ja, wer auch immer Dinge mit mir zu klären hat, soll entweder einen Mann und nicht so einen Bubi wie dich vorschicken oder selbst kommen... Mehr kann ich dazu nicht sagen."
"Verdammt, K'eyshu!", Tarush wurde nun etwas lauter und ließ schwungvoll die verschränkten Arme sinken, "Du spinnst wohl!? Du weißt genau, was es zu klären gibt! Du hast einen Menschen getötet, du Idiot! Und deine dämlichen Kommentare kannst du dir sparen, sonst..."
"Sonst was?", unterbrach Kewan den wutschnaubenden Tarush, der es sichtlich schwer hatte sich nicht auf sein Gegenüber zu stürzen und sich auf seine Pfilcht zu besinnen. Er war also doch aufgeflogen. Was würde nun passieren? Der Jäger rechnete mit dem Schlimmsten und versuchte irgendwie das mulmige Gefühl zu verdrängen.
"Schlägst du mich sonst?", Kewans Stimme klang wie die eines eingeschüchterten Kindes und gleichzeitig versuchte er ein ebensolches Gesicht zu imitieren, "Bitte schlag mich nicht, großer Wächter! Bitte!"
Die Zornesröte nahm immer tiefere Farben auf Tarushs Gesicht an. Seine Kiefer mahlten und seine Hände ballten sich zu Fäusten.
"Warum K'eyshu? Warum, bei allen Göttern tust du das?"
"Weißt du? Ich will dich einfach nur am Boden liegen sehen, Arschloch.", zischte Kewan zynisch und nahm eine nachdenkliche Geste ein, während er sich das bärtige Kinn rieb: "Ja doch, ich glaube das ist es."
Krampfhaft unterdrückte er dabei ein Husten und schmeckte bereits das Blut auf seiner Zunge.
Scheiße...
Tarush verdrehte die Augen und sein Gesicht wurde nun vollends von tiefer Zornesröte übernommen.
"Wie du willst, du Idiot! Aber ganz unter uns freut: Es freut mich dieses eine Mal, dass du dich widersetzt", bellte er Kewan entgegen und stapfte entschlossen auf den wankenden Mann zu, der so langsam Mühe hatte auf den Beinen zu bleiben, jetzt da er Speer und Schwert abgelegt hatte. Doch nichts würde ihn dazu bringen einen solchen Kampf unbeachtet zu lassen. Vor allem nicht gegen Tarush, ganz gleich in welchem Zustand er sich befinden würde. Ganz locker unterlief der Wächter seinen kraftlosen Schlag, der K'eyshu ganz von selbst aus dem Gleichgewicht brachte und ihn stöhnend zu Boden gehen ließ.
"Verdammter Mist!", keuchte er vor Schmerzen und versuchte vergeblich sich aufzurichten. Kewan zollte nun all seinen Verletzungen den Tribut, den sie nun einmal forderten, "Wenn ich nicht-"
Auch ohne den harten Schlag auf seinen Hinterkopf hätte K'eyshu diesen Satz nicht zu Ende führen können. Sein Blick war schwammig geworden und ein beißender Schwindel hatte ihm schon zuvor die Sinne geraubt. Da tat die starke Erschütterung nur ihr übriges und ließen den geschundenen Kewan in eine Ohnmacht entweichen, die ihn von den belastenden Qualen vorerst erlöste.

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Di, 06. Aug 2013 9:04

Es war früh morgens, als Kesha von den ersten, noch orangefarbenen Sonnenstrahlen, geweckt wurde. Die Sonnenstrahlen wärmten ihr Gesicht und sie blinzelte und beschirmte ihre Augen mit der rechten Hand. Sie blickte sich in ihrem Raum um, welcher sich im oberen Stockwerk des großen, prunkvollen, weiß gekalkten Steinhauses befand. Es war ihr Schlafgemach. Und nur ihres. Im gemeinsamen Ehebett schliefen sie und ihr Mann Levan schon länger nicht mehr. Sie hatte sich allmählich zurück gezogen, immer wieder täuschte sie starke Kopfschmerzen vor, oder ihre Umstände, die jeden Mond einer Frau auftraten, oder Müdigkeit... Es gab immer Gründe, ihn zurückzuweisen. Levan dachte, dass sie sich zurückgezogen hatte, da sie ihre Hoffnungen, doch noch ein Kind von ihm zu empfangen, endgültig zerschlagen hatte, und er hatte es akzeptiert, dass seine Frau ein eigenes Schlafgemach bezogen hatte. Dies war der Raum gewesen, der früher oder später als Kindskammer gedient hätte, in der die Amme mit dem Kind geschlafen hätte, oder auch nicht, aber irgendwann würde das Kind sein eigenes Zimmer beziehen... Nun war der Raum aber auf Keshas Bedürfnisse eingerichtet. Levan hatte keine Mühen und Kosten gescheut, Kesha diesbezüglich zufrieden zu stellen. Er liebte seine wunderschöne Frau abgöttisch, und meist las er ihr jeden Wunsch von den Augen ab, noch bevor er in diesen erschien, und wenn es nicht so war, fiel es Kesha nicht schwer, ihren Mann um den kleinen Finger zu wickeln. Es war nicht so, dass Levan vor Kesha klein beigab, oder sich von ihr beherrschen ließ, nein... Doch er war eine hoffnungslos gutmütige und großzügige Seele, und schließlich konnte er es sich ja auch leisten, denn die Handelsgeschäfte liefen sehr gut, und es sah nicht so aus, als würde sich dies in absehbarer Zeit ändern.

Keshas Blick glitt über die maritimen Mosaiken, die die weißen Wände zierten, und ein dumpfer Kopfschmerz machte sich, neben einem trockenen Mund, in ihrem Kopf breit. Sie räusperte sich, und erhob sich schließlich schwerfällig, und ging langsam zu dem kleinen Tisch, welcher an der Wand neben dem Fenster stand, und goss sich ein wenig Wasser aus dem tönernen Krug in einen Becher und trank einen Schluck, um die Mundtrockenheit zu vertreiben. Es war gestern sehr spät geworden, und sie erinnerte sich mit einem kleinen mulmigen Gefühl an den feuchtfröhlichen Abend. Sie hatten alle sehr viel Wein getrunken, hatten über die Geschäfte, alte und neue Handelsrouten und neue Handelsmöglichkeiten gesprochen, und als so ziemlich niemand mehr nüchtern war, wurde das Gespräch schließlich auf die unschiffbaren Wege an der Trümmerküste vorbei, gelenkt. Mustar hatte große Töne gespuckt. „Keiner von euch wagt es, die Trümmerküste zu umsegeln! Jede Wette darauf!“ Und alle hatten geschwiegen, weil jeder es wusste, dass er Recht hatte. Kesha hatte ihre Augen zu schmalen Schlitzen verengt und voreilig gemeint „Levan wagt es! Er ist kein solcher Feigling, wie ihr alle! Und ich auch nicht!“ Alle, bis auf Mustar hatten geschwiegen, nur er lachte „Nie im Leben könnt ihr das schaffen! Darauf wette ich alles, was ich besitze! Ihr kommt nicht lebend zurück!“ Und noch bevor Levan seiner Frau Einhalt gebieten konnte, hatte Kesha genickt und ihm ihre Hand hingestreckt. „Es gilt!“ rief sie und blickte ihn triumphierend an. Die Schweiger tauschten entsetzte, wie verwunderte Blicke aus, doch er lächelte listig und erwiderte „Abgemacht!“ und schlug in ihre Hand ein...

Kesha ärgerte sich ein wenig über sich, doch ihr Stolz und ihre Ehre sagten ihr, es gäbe kein Zurück... Sie streifte sich ihr zurechtgelegtes Kleid über, ein Tunika artiges, kornblumenblaues Kleid, aus einem wunderbar leichten Leinen-Seidenstoff, welches nur über eine Schulter drapiert wurde, und ihre weibliche Figur vorteilhaft umschmeichelte. Sie hatte sich, im Gegensatz zu Levan, ihre gute Figur bewahrt, durch Disziplin und Maß, er hingegen hatte sich der Völlerei und Genusssucht hingegeben, und war ziemlich auseinander gegangen. Sein Haar, welches Schütter wurde, und schließlich bis auf einen Haarkranz ausfiel, trug ebenso einen nicht unbedeutenden Anteil daran, dass Kesha ihren Mann nicht mehr attraktiv und anziehend fand, doch er war ihr Mann, und sie führte ein reichlich angenehmes Leben, welches sie auf keinen Fall aufgeben wollte. Ihre Liebhaber genügten ihr, und für alles andere, für die Problembewältigung und alle anderen Anliegen hatte sie schließlich ihren Ehemann. Ein wenig bedauerte sie, dass es so gekommen war, doch es war zu viel passiert zwischen ihnen. Die höchste Mauer, die zwischen ihnen stand, war die Tatsache des unerfüllten Kinderwunsches. Das nahm sie ihm übel. Ganz sicherlich lag es an ihm! Er war so viele Monde im Jahr auf Reisen, und wenn er zurück kam, war er müde und ausgelaugt, und dies nahm sicherlich einen erheblichen Einfluss auf seine Fruchtbarkeit. Sie hingegen lebte vernünftig, und diszipliniert, schlief viel und gut, und hatte kaum Stress. Es war ein Jammer, dass sie regelmäßig eine Kräuterfrau aufsuchte, die ihr Tinkturen und Kräuter gab, damit sie nicht von einem ihrer Liebhaber empfangen konnte. Jammerschade! Aber das Risiko war einfach zu hoch... Ein Kind des schwarzen Menais würde sie auf jeden Fall verraten, und auch war einfach die Wahrscheinlichkeit da, dass das Kind gänzlich andere Züge haben könnte, als sein Vater, und dann würde sie in Erklärungsnot kommen! Während Kesha diesen Gedanken nachhing, und sich ihr Haar mit einem cremefarbenen, kunstvoll geschnitzten Hornkamm ihr dichtes Haar bürstete, klopfte es an der Türe und die Magd steckte den Kopf bei der Tür herein. „Verzeiht, Frau Adesar-Khalaan... Aber ich wollte euer Gemach aufräumen...“ Kesha blickte die Magd, die ein wenig älter war, als sie, vorwurfsvoll an. „Habe ich dir nicht schon öfters gesagt, Mevia, dass ich dies erst wünsche, wenn ich mein Gemach verlassen habe? Du störst mich!“ „Ich bitte vielmals um Entschuldigung...“ murmelte die Frau demutsvoll und senkte den Blick. Sie war im Begriff, die Türe wieder zu schließen, doch Kesha rief „Bleib, Mevia! Ich bin ohnehin schon fertig!“ Kesha ging an die Türe, öffnete diese ganz, und rauschte an der Magd vorbei, ohne ihr noch eines Blickes zu würdigen. Sie schritt über die Stufen hinab, auf der Suche nach Levan.

Schließlich fand sie ihn, wie meistens, auf der Terrasse, auf welcher man Ausblick auf das wundervoll dunkelblaue Meer hatte, welches sich bis zum Horizont erstreckte. Er saß an einem Tisch aus kostbaren, dunklen Hölzern gezimmert, trank verdünnten Rotwein, und eine verlockende Schale mit geschnittenen Früchten stand da, wie auch ein Körbchen mit frischem Gebäck und ein Teller voll dünnen Scheiben luftgetrockneten Schinkens. Eine leichte, salzige Brise wehte, und Kesha sog diese tief ein. Als Levan seine Frau erblickte, erhob er sich und trat an sie heran „Guten Morgen, Kesha...“ rief er und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn, während er ihre Hüfte umfing. Sie ließ ihr gewähren, während sie seinen Gruß erwiderte. „Guten Morgen, mein lieber Gemahl...“ Die Beiden setzten sich wieder hin und Kesha musterte Levan kritisch. Wann hatte er begonnen, sich so zu verändern? Oder hatte sie sich verändert? Nein, ganz gewiss nicht... „Wegen gestern Abend...“ begann Levan, während sein Blick auf ihr ruhte. Kesha zupfte sich eine Weinbeere von der Rispe und schob sich diese in den Mund, während sie gespannt wartete, was da nun folgte. Levan räusperte sich. „...Also es wird bestimmt kein Problem sein, wenn ich Mustar aufsuche, und ihn bitte, diese ganze Geschichte zu vergessen... Wir waren alle betrunken, und so ganz Ernst hat dies vermutlich niemand genommen...“ Diese Worte kratzten an Keshas Stolz. „Ich aber habe es Ernst genommen, Levan...“ meinte sie, während sich ihre glatte Stirn in Falten legte. Levan blickte sie betroffen an, als hätte er so etwas schon befürchtet. „Bist du von Sinnen, Kesha? Bist du dir überhaupt im Klaren, was dies bedeutet? Niemand wagt es, zur Trümmerküste zu schiffen, und alle tun gut daran. Schiffe, die sich dorthin verirren... Es gibt gefährliche Strömungen, Unwetter... Das ist Irrsinn! Und wofür? Für nichts! Ich gehe nicht in den Tod, nur weil meine Frau in ihrer Trunkenheit so unbesonnen war und sich auf eine dumme Wette eingelassen hat!“ Kesha vernahm seine Worte, und blieb ruhig „Für nichts, stimmt nicht so ganz, du hast doch gehört, was er gesagt hat, er verwettet darauf alles, was er besitzt...“ „Und wenn wir diese Wette verlieren? Dann sind wir tot, und all unser Besitz gehört ihm! Und besitzen wir denn nicht genug? Reicht dir das etwa nicht...? hob er an, und Kesha unterbrach ihn unwillig. „Darum geht es mir doch überhaupt nicht! Natürlich reiht mir, was wir besitzen! Aber niemand soll von uns sagen, dass wir Feiglinge sind! Stell dir nur einmal vor, wenn wir es wirklich schaffen! Das bringt uns Ruhm und Ehre, und Respekt!“ Levan verschränkt die Arme „Ich genieße genug Respekt unter meinesgleichen, und nach Ruhm und Ehre dünkt es mich nicht...“ Kesha überging diese Worte und erwiderte spitz „Und es gäbe einmal etwas aufregendes, das wir miteinander teilen, Levan...“ Levan blickte sie seltsam an, und da war auf einmal etwas in seinem Blick, das Kesha verriet, dass sie schon so gut gewonnen hatte, und genau hier, galt es nun anzusetzen. „Levan...“ sagte sie leise und beugte sich etwas näher zu ihm, und legte ihm die Hand auf seinen Arm „Du besitzt ein gutes Schiff, es ist stark und unbeugsam... wie auch du...“ Sie blickte ihn mit großen Augen in die seinen und flüsterte „Tu es für mich...“ Dabei ließ sie ihre Hand ein wenig tiefer rutschen, und ließ sie auf der Ausbeulung seiner Leinenhose ruhen. Levan rutschte ein wenig unruhig auf seinem Stuhl herum und erwiderte ihren Blick standfest. „Dann fordere ich auch etwas von dir, Kesha...“ begann er und Kesha blickte ihn verwundert an. Selten bat er sie um einen Gefallen. „Und was wäre das...?“ fragte sie ihn ruhig. „Noch heute kehrst du zurück in unser gemeinsames Ehebett, und da bleibst du, solange wir leben...“ Das hatte Kesha nun wirklich nicht erwartet, aber ein leises Lächeln umspielte ihre Lippen. Armer, ausgehungerter Levan... „Das will ich gerne tun...“ versicherte sie ihm, und ihre Hand drückte sanft dort zu, wo sie gerade lag, und sie spürte, wie sein [18]Gemächt anschwoll.[/18] Nicht, dass sie es gerne tat, aber sie würde es tun, wenn sie nur ihren Willen bekam, und nicht als Dumme dastand, die voreilig große Töne spuckte, um danach einen Rückzieher zu machen. „So sei es...“ krächzte er heiser und hob seinen Weinbecher an, um einen großen Schluck davon zu trinken. Als er den Becher wieder von seinen Lippen führte, war seine Stimme wieder fest und bestimmend. „Das Schiff läuft in drei Tagen aus...“
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
Sie will es und so ist es Brauch
Was sie will bekommt sie auch

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Di, 06. Aug 2013 12:28

Wie Eis umschloss eine kalte Hand immer wieder Kewans Herz und raubte ihm den Atem. Presste die Luft aus seinen Lungenflügeln und ließ Panik in ihm aufsteigen. Dieses Gesicht, sein Ausdruck, die Augen, einfach alles. Es war der Tod selber, den der Jäger von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden hatte. Teuflisch hatten seine diabolischen Gedanken ihn verflucht und sein brennender Blick suchte den Bewusstlosen nun heim. Kewan hatte einen Mann getötet. Das Sterben in seinen Augen gelesen. So etwas hatte er noch nie zuvor gesehen und dieses Gefühl... Der Rausch des Sieges! Es war etwas ganz besonderes gewesen. Sehnsucht nach mehr zermarterte seine Erwartungen in die Zukunft sogar in der Ohnmacht und überschattete dazu noch die seelische Belastung, die sich der Jäger nicht eingestand, auch wenn sie existent war.
Unruhig wälzte sich Kewan auf einer Vielzahl von Fellen hint und her. Glänzend stand ihm der Schweiß auf der Stirn, mehr noch, auf der gesamten Haut. Noch immer verarbeitete sein Geist das Geschehene und seine Auswirkungen, wenngleich er immer noch nicht alles erfasst hatte. Hauptsächlich befriedigte ihn der Gedanke an seinen gerächten Vater, doch auch das war lediglich eine Vermutung. War es wirklich Befriedigung? Was war es wirklich? Es verlangte Kewan nach etwas, nach der Anspannung, der Erwartung an sich selbst! Die größten Herausforderung war es, was er suchte! In seinen Träumen.

"Schreib auf!", herrschte ein alter Mann seinen Begleiter an, der sich über Kewans blutverschmierten, nackten Körper beugte, "Der Befund sind mehrere Schnittwunden an Oberkörper, Armen und eine am Bein. Die genaue Zahl ist dreizehn. Zugefügte mit einer scharfen Schneide und recht großer Kraft. Unklar ist, ob die Klinge gebogen war."
Eifrig schrieb der junge Mann, der dem Alten bei seinen Untersuchungen zur Seite stand und das kitzeln der Feder hallte leise durch den kühlen Raum.
"Schreib weiter! Ein signifikanter Schnitt umfasst die linke Gesichtshälfte vom Bereich unterhalb der linken Augenhöhle, bis hin zum Anstatz des Kaumuskels. Die tiefste Stelle der Wunde reicht bis zur Knochenhaut. Sie ist direkt an der Einstichstelle auf dem Jochbein. Der geschätzte Zeitpunkt der Verwundung liegt ungefähr zehn Stunden zurück."
Der alte Mann verstummte und wieder vernahm man lediglich das leise Kratzen der Feder auf dem Pergament. "Um wieder zur Versorgung der Wunde zu kommen", fuhr er nach einer Weile fort, während er in die flackernde und rußende Flamme eines Talglichtes blickte, "schreiben wir wie folgt: Ich habe die Wundränder nicht aufgeschnitten, sondern mich darauf beschränkt, einige nicht durchblutete Lappen und natürlich die Blutgerinnsel zu entfernen. Die Wundränder sind, wie vom Rat befohlen, mit kostbarem Weidenrindenextrakt ausgewaschen und Fremdkörper entfernt. Nähte sind gelegt. Neun Stiche bis zum vollständigen Verschluss. Ein Umschlag mit Arnikaextrakt ist aufgelegt."
Immer wieder kehrte jene Stille ein, die lediglich von dem dezenten Kratzen der Feder auf Pergament durchbrochen wurde, bis der alte jegliche Wunde auf Kewans Körper versorgt, analysiert und aufgelistet hatte. Der Jäger war noch immer ohne Bewusstsein und so merkte er all das nicht. Der Alte und sein Gehilfe waren schon aus dem dämmrigen Raum verschwunden, da wurde der scheinbar leblose Körper von mehreren kräftigen Händen gepackt und auf einen kleinen Wagen gehieft. Schnaufend ließen die beiden Männer das beträchtliche Gewicht des versorgten Patienten auf das hölzerne Transportmittel fallen und karrten ihn hinaus. K'eyshus Bewusstsein war noch immer weit abseits des aufnahmefähigen Zustandes und so merkte der Jäger auch nicht, wie er in eine kleine Zelle mit knöchernenen und vereinzelt metallenen Streben verfrachtet wurde.
"So, mein Lieber, wilkommen in deinem neuen Zuhause!", scherzten die Männer, während sie den noch immer nackten Verletzten unsanft auf diversen Fellen aller Art betteten und den größeren Raum, in welchen allerhand dieser Zellen standen verließen.
Kewan hatte viel Blut verloren und nur die akribische Behandlung des Heilers hatte ihm das Leben geerettet. Das Fieber hatte ihn schon nach wenigen Stunden erfasst und so kam die Versorgung einer Rettung in letzter Sekunde gleich. Unwirklich für die meisten Bewohner der Eiswüste staute sich hier unten, in den Arrestzellen Nor Bharraks die Wärme und trieb so manchem Insassen den Schweiß auf die Stirn. Der einzige Insasse war allerdings Kewan selbst und aufgrund seiner geistigen Abwesenheit bemerkte er reichlich wenig von den ihn umgebenden Umständen.

Vielmehr arbeitete er. Im Körper sowie im Geiste. Das Fieber, dass in den ersten Tagen konstant blieb schmückte seine wirren Gedanken mit unszähligen, verrückten Fantasien aus und gönnten ihm keine Rast. Sein Körper erlangte mit jeder vergangenen Minute jedoch neue Kräfte und die Wunden heilten nach und nach. Umlauf für Umlauf wälzte sich der Jäger schweißnass in den Fellen, bis er schließlich irgendwann die Kraft fand, den dichten Gürtel von auslaugenden Gedanken und Haluzinationen, die ihn arg benebelten zu durchbrechen. Kewan öffnete die Augen und zum ersten Mal seit Tagen verspürte er bewusst Wärme und keine hoffnungslose Kälte. Etwas unsicher huschten seine Augen über formlose Schemen und Umrisse, die allesamt regungslos an Ort und Stelle verharrten und ihm trotzdem das Gefühl von Schwindel vermittelten. Krapfhaft umschlossen seine Finger die Felle auf denen sein Körper lag, doch der Griff war matt und kraftlos. Er vermittelte Kewan nur wenig Sicherheit, wenig Halt und so kniff er die Augen zusammen, um sie wenige Momente später erneut zu öffnen. Das Bild, dass sich ihm bot wurde klarer, doch verwehrte es ihm noch immer eine genaue Orientierung. Sein Kopf war leer. Mit dem Erwachen waren sämtliche Stimmen und Bilder seinem Kopf entwichen und ließen ihn allein zurück. Umgeben von einer ungewohnten Weite aus schwarzem Nichts, war es eine Ruhe, die Kewan durchaus heilig vorkam, besonders in seinem Zustand. Der Versuch seine Orientierung zurückzugewinnen war kraftraubend gewesen und erst jetzt viel ihm auf, wie sehr seine Kehle brannte, wie sehr sein Körper nach Wasser und Nahrung verlangte.
"H-h-hallo?!", krächzte Kewan so leise, dass er selbst es kaum hörte. Jeder laut der seiner ausgetrockneten Kehle entwich, rief unheimliche Schmerzen hervor und so schloss der Verletzte verzweifelt die Augen. In Gedanken schrie er weiter, in der Realität verlor er sich ein weiteres Mal in wirren Träumen.

"Schreie? Was war das?", fragend blickte sich Kewan in einer stockfinsteren Umgebung um. Jeder Blick verlor sich in einem undurchdringlichen Mantel aus Schwarz.
"Was bei allen Göttern geht hier vor sich?"
Vor lauter Verwunderung hatte der Jäger begonnen mit sich selbst zu reden. Wie er an diesen Ort gekommen war, wusste er nicht mehr. Wo er sich zuvor aufgehalten hatte war ihm genauso entfallen. Das einzige, woran sich Kewan erinnerte, war das Verlangen Orientierung zu gewinnen. Auch an diesem Ort verfolgten ihn jene Gedanken, doch unverständliche Rufe und Schreie rissen ihn aus jeder Konzentration, die er versuchte aufrecht zu erhalten.
"RUHE!", brüllte er ihnen entgegen, denn je länger sie hallten, desto stärker wurden die Schmerzen in seinem Kopf, die genauso unscheinbar auftraten, wie jene Stimmen, die sie mit sich brachten.
"RUHE!", schrie Kewan erneut und zitternd presste er die Hände auf die Ohren. So fest drückte der Jäger zu, dass sein Schädel zu platzen drohte, "HALTET ENDLICH DIE KLAPPE!"
Was passierte stand nicht mehr in K'eyshus Macht. Etwas starkes riss ihm die Beine Weg und keuchend schlug er auf einem schleimigen, Kalten Untergrund auf. Dort wo er den Boden berührte umschloss etwas, dass er in der allesverschluckenden Schwärze nicht erkennen konnte seinen Körper. Unfähig sich zu wehren spürte Kewan, wie diese eiskalte, gallertartige Masse seinen Körper langsam umschloss. Mit aller Macht versuchte sich der Jäger zu berfreien, doch seine Muskeln verweigerten ihm den Dienst. Angst durchfuhr ihn. War das das Ende? Die seltsame Substanz erreichte seinen Kopf, schleichend umschloss sie sein Gesicht und als es die Augen erreichte wurde schlag artig alles weiß. Ein starker Sog erfasste Kewan und riss ihn spielerisch mit sich. Noch immer hatte er keine festen Schemen in seinem Blickfeld. Alles was vorher schwarz gewesen war, war lediglich weiß geworden. Dann, schlagartig, prallte er gegen etwas hartes.
Mit einem stummen Schrei auf den Lippen fuhr K'eyshu nach oben und verzog sogleich das Gesicht vor Schmerzen. Ein widerliches Stechen durchfuhr seine Brust ob der schnellen Bewegung. Es nahm nur wenige Sekunden in Anspruch, bis sich seine Augen an das sich ihm gebotene Bild gewöhnten. Kewan blickte in das starre Gesicht Tarushs und in das zweier anderer Wächter, die er allerdings nur vom sehen her kannte.
"Endlich bist du wach. Ich hab schon gedacht, ich muss anfangen handgreiflich zu werden, K'eyshu. Brüllen alleine scheint bei dir ja nicht viel zu helfen..."
Ermattet ließ sich der Angesprochene zurück in die schweißnassen Felle sinken und sogleich verschwand der Schmerz aus der Brust. Mit mäßiger Entzückung stellte er fest, dass sich Kewan im Gefängnis befand. Zwar war er durchaus schon einige Male hier unten gewesen, doch alles in allem verband er nur langweilige Erinnerungen mit seinen Aufenthalten. Langsam kehrten in die Gedanken des Jägers endgültig Ruhe ein und ein Gefühl von wahrer Frische durchströmte ihn. Sein Körper hatte anscheinend den Kampf gegen das Fieber gewonnen.
"Wasser...", keuchte Kewan, dessen brennende Kehle ihn nur an sein letztes Aufwachen erinnerte. Grinsend reichte Tarush ihm ein mit eiskaltem Wasser getränktes Lumpen, dessen Berührung allein seine Lebensgeister zurückholte. Gierig wrang Kewan das Stück Stoff über seinem Mund aus. Unbeschreiblich war es, als das kalte Nass seine rissigen Lippen benetzte und den Hals hinabrann.
"Bedien dich...", sprach Tarush weiter, während er hinter seinem Rücken einen Eimer gefüllt mit kaltem Wasse hervorholte und ihn direkt neben dem Gefangenen abstellte, "Derweil stelle ich dir ein paar Fragen. In Ordnung?"
Platschend landete der Stoff in dem Eimer und Kewans Augen fixierten den Wächter, der vor ihm auf einem Schemel hockte. Erst jetzt viel dem Jäger auf, dass er noch immer nackt war, zeigte aber darauf keine Reaktion.
"Geh mir nich' auf die Nerven, Kleiner...", war dennoch die trotzige Antwort, als er anstatt nach dem Stück Stoff nach dem ganzen Eimer griff und ungeachtet der Schmerzen die Last anhob und direkt am Mund ansetzte. Tarush seufzte nur und fuhr sich durch die Haare.
"Pass auf K'eyshu, ich werde dir jetzt einfach sagen, wie es um dich steht. Jeder weiß, du hast einen Menschen getötet. Und jeder weiß auch, wer dieser Mensch war. Womöglich sind dir einige Leute sogar dankbar dafür... was aber nichts daran ändert, dass du einen Mann getötet hast. Und als wäre das noch nicht genug, hast du dich auch noch handgreiflich gegen einen Wächter zur Wehr gesetzt. Ich würde sagen, du überschätzt deine Möglichkeiten hier unbeschadet durchzukommen."
Ein Großteil des Wassers aus dem Eimer verlor sich auf Kewans Körper oder tropfte einfach in die daruterliegenden Felle, so gierig goss er das Getränk seine Kehe hinab. Hustend verschluckte sich der Gefangene und goss sich ein einfach das restliche Wasser über den Kopf. Es dauerte einige Minuten, bis er wieder fähig war zu antworten, blickte allerdings nur gleichgültig in die Augen des Wächters und zuckte mit den Schultern.
"Was kümmerts mich? Solange ich deine Visage nicht ertragen muss, ist mir alles recht..."
"Sag mal, K'eyshu, was willst du eigentlich? Niemand hat seit Jahren ein vernünftiges Wort mit dir gewechselt! Alle beleidigst du immer nur und so wie du dich aufführst, machst du dir nur Feinde... Also frage ich mich: Warum machst du das immer?"
Wieder zuckte Kewan mit den Schultern, während sich auf den trockenen, rissigen Lippen ein schelmisches Grinsen bildete.
"Keine Ahung? Vielleicht macht es mir einfach Spaß? Viel anders habt ihr es ja früher auch nicht gemacht..."
"Ja, früher vielleicht! Aber mal ehrlich: Wir sind mittlerweile erwachsen und du führst dich auf, wie ein kleines Kind. Was soll der Mist?"
"Ich führe mich also auf wie ein kleines Kind? Halt lieber deine vorlaute Fresse, bevor ich sie dir eintrete, du mieser Idiot! Geh mir einfach nich' auf die Nerven, dann musst du mich nich' ertragen und ich dich nich'. Ende und jetzt verschwinde."
Tarush schüttelte den Kopf und warf einen Blick zu seinen zwei Begleitern, die wie auch er selber ein wohlwollendes Lächeln auf ihre Züge zauberten, dass Kewan nicht zu deuten wusste.
"Na gut, K'eyshu. Wir verschwinden..."
Mit diesen Worten erhob sich der Wächter und verließ, gefolgt von den beiden anderen Männern, die Zelle.

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Di, 06. Aug 2013 13:04

Kesha und Levan waren bereits einige Tage auf See. Levan hatte tief in die Tasche greifen müssen, um genug verrückte Freiwillige für dieses gefährliche Unterfangen anheuern zu können, denn alleine würden sie diese Fahrt schließlich nicht bewerkstelligen können. Noch immer haderte er damit, dass es eine furchtbar schlechte Idee war, und dass er vielleicht nicht seine Zustimmung hätte geben sollen. Doch als er an die vergangenen drei Nächte dachte, zauberte ihm dies ein wohliges, breites Lächeln ins Gesicht, und er kam mit sich darüber herein, dass es sich doch gelohnt hatte. Diese 'Reise' gestaltete sich für Kesha freilich gänzlich anders, als sie sich das vorgestellt hatte. Sie war bis jetzt noch nie auf einem Schiff gewesen, und das Schaukeln und Schwanken dieses Dreimasters rief ganz eigenartige Gefühle in ihr hervor. Wenigstens teilte sie sich mit Levan die Kapitänskajüte, auch wenn er kein Kapitän war, doch war er der Besitzer dieses Schiffes, was für Kesha auf eine Art und Weise dasselbe und darüber hinaus ungemein beruhigend war. Einmal war sie unter Deck spaziert, und musste feststellen, dass sich die Mannschaft den Frachtraum teilen, und in Hängematten schlafen musste. Womöglich gab es noch Ratten da unten, und dazu all diese dreckigen, hässlichen Männer... Kesha schüttelte es bei diesem Gedanken... Sie hatten das 'Westkap ' schon längst passiert, und Kesha wäre es lieber gewesen, diese wäre ihr Ziel gewesen, denn dann hätte sie dieses Schiffsgeschaukel hinter sich gebracht. So aber musste sie auf dem verdammten Schiff ausharren, bis sie zur 'Sturmspitze' gekommen waren, denn dort lag ihr Ziel. Zum Beweis, dass sie auch tatsächlich dort waren, mussten sie sogenannte Vednam-Muscheln mitbringen. Diese gab es nur an der Sturmspitze, dem äußersten nördlichen Punkt an der Trümmerküste, zu finden, und schon alleine unter Anbetracht der gefährlichen Gegend waren diese Muscheln besonders wertvoll, von ihrer Schönheit, der Reinheit des Perlmutts, und der blassrosa, einzigartig vollendeten und großen Perlen, die diese oft ins sich bargen abgesehen, und waren kaum mit Gold aufzuwiegen.

Doch der nächste Tag war ein ruhiger Tag auf See, beinahe zu ruhig, denn es schien, als hielt der Wind seinen Atem an. Das Schiff glitt sanft durch das Meer, und Kesha stand an der Reling, hatte ihre Hände darauf gestützt und atmete die salzige, frische Seeluft ein und ließ ihre Augen auf dem tiefblauen Meer ruhen, was etwas sehr beruhigendes an sich hatte. Plötzlich spürte Kesha, wie sie um die Hüfte umfasst wurde. Sie erschrak und wandte ihren Kopf um. Levan, natürlich war es Levan, wer denn sonst... Er presste seinen Körper an den ihren und hielt sie umfangen, während er ihr ins Ohr raunte „Geht es dir gut?“ Kesha nickte, während ihr die sanfte Brise das blonde Haar zauste, welches im Sonnenlicht wie Gold glänzte. „Es dauert nicht mehr lange, am Abend werden wir die Sturmspitze erreichen. Wie es aussieht, sind die Sieben uns hold. Das Glück ist auf unserer Seite...“ murmelte er, und es klang, als hätte er nie daran geglaubt. Kesha lächelte zufrieden, auch wenn ihnen noch die Rückreise bevorstand. Aber die Hinfahrt war so gut gelaufen, dass Kesha die Erzählungen von der gefährlichen Trümmerküste für Ammenmärchen hielt. „Wenn wir wieder zu Hause sind, lasse ich dir aus den schönsten Vednamperlen eine Halskette machen... Und doch wird sie deiner Schönheit kaum gerecht werden.“ raunte Levan ihr ins Ohr, und drückte sich noch ein wenig fester an sie heran. Diese Komplimente, welche so manche Frau in höchstes Verzücken hätten geraten lassen, konnten Kesha nicht einmal ein müdes Lächeln abringen.

Es war Nachmittag als der Obermaat Kolur Levan aufsuchte, und seine Miene war besorgniserregend. „Herr...“ begann er. „Am nördlichen Horizont braut sich ein Unwetter zusammen...“ berichtete er Levan und dieser runzelte ebenso besorgt die Stirn. „Hm... Und was kann man da tun?“ fragte er, als ob man sich die Natur einfach so zurecht biegen konnte, wenn er erforderlich war. Der Obermaat blickte ihn seltsam an. „Bei allem nötigen Respekt, Herr, aber da kann man gar nichts tun. Wir werden alle notwendigen Vorkehrungen treffen, und dann können wir nur hoffen... oder beten...“ meinte er, nickte ihm noch zu, wandte sich dann ab und lief über die Planken des Schiffs, um seiner Mannschaft Anweisungen zu geben. Kolur war ein sehr erfahrener, alter Seebär, und er hatte viele ebenso fähige Männer unter sich. Lautstark blaffte er hier hin und dorthin Befehle. „Macht das Takelwerk fest! Holt die Segel ein! Kurs halten!“ Er ahnte, was da an Naturgewalt auf sie zukommen würde, und sein Plan war, das Schiff mit eingeholten Segeln und ausgeworfenen Ankern dem Sturm zu überlassen. So konnten sie nicht früher oder später gegen die Küste getrieben und gegen die scharfen Klippen geworfen werden, sondern würden an Ort und Stelle ausharren, bis das Unwetter vorüber war. Kesha, die am Heck des Schiffes stand, und auf die blauen Wellen und deren zierende Schaumkronen blickte, bemerkte die Unruhe, die sich auf dem Schiff breit gemacht hatte, doch sie verstand die Seemannssprache nicht, daher wusste sie auch nicht, was dies zu bedeuten hatte. Mit einem etwas mulmigen Gefühl schritt sie auf Levan zu und fragte ihn „Levan, was ist los?“ „Es braut sich ein Unwetter zusammen, dort hinten am Horizont“ begann er und deutete gen Bug des Schiffes, in dessen Richtung am Horizont schwarze, wahrliche Türme an geballten Wolken bedrohlich über dem Himmel hingen. Kesha runzelte die Augenbrauen und meinte argwöhnisch „Aber wir werden direkt in das Unwetter hineinsteuern?“ Levan schüttelte den Kopf. „Nein, Kolur meinte, dass es das Beste sei, das Schiff am Grund des Meeres zu verankern, die Segel einzuholen und alles gut zu befestigen, und abzuwarten, bis das Unwetter vorübergezogen ist.“ Kesha blickte ihn ungläubig an. „Wie bitte? Wir sollen untätig das Unwetter über uns wüten lassen? Ist er verrückt geworden?“ Erneut schüttelte er den Kopf. „Es gibt keine andere Möglichkeit, Kesha, Kolur ist ein sehr erfahrener Seemann. Wenn wir mit gesetzten Segeln vor dem Unwetter davon segeln, wird es uns trotzdem einholen, und dann ist alles möglich, die Strömung und der Sturm würde uns gegen die Klippen werfen, oder... Ich weiß es nicht, Kesha, ich habe davon keine Ahnung! Wir müssen in seine Fähigkeiten vertrauen und zu den Sieben beten... Wir sind so weit gekommen, wir werden auch das meistern...“ blickte er ihr aufmunternd in die Augen.

„Überprüft die Ladung unter Deck! Und sichert und vertäut alles noch! Los los, ihr lahmen Esel!“ schrie Kolur, und an Deck herrschte emsiges Treiben wie in einem Bienenstock. Kesha, die wieder an der Reling stand, und ins Meer blickte, konnte beobachten, wie die Wellen immer höher und wilder gegen das Schiff schlugen, während sie dieses vor nicht all zu langer Zeit noch sanft umspült hatten. Es schien, als hätte das Unwetter sie, welches sich erst am Horizont abzeichnete, am Meer heimlich, aber längst, eingeholt. „Jetzt ankern!“ schrie Kolur. Mehrere der Seeleute mühten sich an den schweren Drehrädern ab, um die beiden tonnenschweren Anker an der Ankerkette, welche sich Backbord und Steuerbord befanden, ins Meer zu lassen. Nach einer Weile blieb das Schiff an derselben Stelle stehen, und es schien, als wäre das ankern erfolgreich verlaufen. Kolur wischte sich den Schweiß von der Stirn und keuchte. Levan trat an Kesha heran und legte ihr nahe, dass es vielleicht das Beste sei, in die Kajüte zu gehen, da sie an Bord ohnehin nichts ausrichten konnten. Kesha war dies nur Recht, das Schaukeln des Schiffes nahm immer mehr Überhand und allmählich zog ein Wind auf, der langsam, aber stetig, immer stärker wurde.

In der Kajüte nahm sich Levan einen Wasserschlauch her und trank aus diesem. Erzog die Luft zischend zwischen den Zähnen ein und ächzte anschließend. Danach bot er Kesha den Schlauch an. „Willst du?“ „Was ist das?“ fragte sie. „Schnaps, aus den Fässern unter Deck...“ grinste er. „Ist ja schließlich meiner...“ Kesha nickte und nahm den ihr angebotenen Schlauch entgegen. Eigentlich war Schnaps nicht so nach ihrem Geschmack, aber Wein gab es keinen, und Schnaps war besser als nichts. Kesha blieb beinahe der Atem weg, so stark brannte der Schnaps in ihrer Kehle und ihren Eingeweiden. Sie knüpfte sich den Schlauch an den Gürtel, damit sie, falls es sie nach noch einem Schluck gelüstete, nicht wieder aufstehen musste. Das Schaukeln des Schiffes wurde immer stärker, und hier und da quietschte das Gebälk und Gehölz. Ein greller Blitz erhellte durch das kleine, gläserne Bullauge für einen Atemzug lang die Kajüte und gleich darauf ertönte ein ohrenbetäubend lauter Knall. Besorgt warf Kesha einen Blick durch das Bullauge, und erkannte, dass die düsteren Wolken genau über ihnen hingen. Der Wind brauste laut heulend um das Schiff, und der Himmel schien all seine Schleusen zu öffnen, als ein Platzregen hernieder ging. Immer wieder ertönten von Deck Gebrüll und Geschrei, und Kesha war sich nicht sicher, ob die Männer nur so brüllten, um sich besser verständigen zu können. Das Unwetter hatte das Schiff fest in seinen Fängen und es fiel Kesha unheimlich schwer, auf der Pritsche das Gleichgewicht zu halten, und nicht durch die Kajüte geworfen zu werden, so dass sie sich unwillkürlich an Levan festhielt. Sonst nicht sehr gläubig, flüsterte sie „Bei den Göttern...“ und Levan versuchte, sie zu beruhigen. „Das Schiff ist fest verankert, Kesha, es kann nichts passieren, das hat Kolur mir versichert!“ Sie nickte bedrückt und verunsichert und lauschte diesem entsetzlichen Getöse da draußen.

An Bord indes hatten die Männer ihre liebe Müh und Not, Herr der Lage zu werden, und selbst der erfahrene Kolur runzelte die Augenbrauen. Plötzlich ertönte ein gellender Schrei und er blickte gen Himmel. Es ging so furchtbar schnell, und er konnte nur noch darüber mutmaßen, dass Tjore, der bis eben noch oben im Krähennest Stellung gehalten hatte, über Bord gegangen war. Doch der verdunkelte Himmel färbte das Meer beinahe schwarz, der niederprasselnde Regen ließ es wirken, als würde es kochen, und die Sicht war schlecht. Nur wenn ein Blitz den Wolkenverhangenden Himmel zerriss, und er das Schiff in ein gespensterhaftes Licht tauchte, konnte man für wenige Sekunden das Desaster erkennen, welches sich auf dem Schiff abspielte. Nur wenige Männer waren noch helfend an Bord, die Meisten hatten sich verängstigt unter Deck verkrochen und harrten dort aus. Die Zeit schien quälend langsam zu vergehen und Kesha hatte furchtbare Angst und bereute tief, dass sie so unbesonnen, ja so unsagbar blöd gewesen war und Levan zu dieser wahnwitzigen Idee überredet hatte. Doch nun war es zu spät, es hieß warten, bis der Sturm und das Unwetter vorüber waren. Sie legte sich auf der Pritsche hin und schloss die Augen, in der Hoffnung, einfach einzuschlafen, und erst wieder aufzuwachen, wenn diese Katastrophe überstanden war...

Plötzlich schien an Bord helle Aufregung zu herrschen. Aufgeregtes Stimmengewirr drang bis in die Kajüte und Kesha riss die Augen auf und setzte sich auf der Pritsche ruckartig auf. Als sie sich umblickte, sah sie Levan, der die Tür zur Kajüte öffnete. „Bleib hier!“ rief sie, doch er ließ sich nicht beirren. „Da draußen ist irgendetwas passiert! Ich muss wissen, was!“ erwiderte er, und schloss die Türe hinter sich. Der Sturm peitschte ihn quer über das Deck, als er sich in Bewegung setzte, und er konnte sich nur mit Müh und Not an der Reling festhalten, sonst hätte ihn wohl eine heftige Welle von Bord gespült. „Was ist?“ schrie er Kolur zu, welcher sich an einem der drei Masten festhielt, und das Schiff neigte sich bedrohlich, während die Wellen dagegen schlugen, und das Schiff scheinbar durch die Fluten drückten. „Die Verankerung haben nicht standgehalten! Sie wurden aus dem Meeresboden gerissen!“ Levan wurde bleich vor Schreck, aber er versuchte, Fassung zu bewahren. „Scheiße! Was nun?“ schrie er. Die Fassung war dahin. Kolur antwortete ihm nicht, und dies war ihm Antwort genug. Die gepeitschte Regenflut stach ihm wie Nadelstiche auf der Haut, und er versuchte mühselig, sich wieder den Weg zurück in die Kajüte zu kämpfen. Doch was sollte er seiner Frau erzählen? Dass sie Rettungslos verloren wären, und sterben würden? Er schluckte schwer, doch wenn er nun sterben musste, dann sollte es ihr Gesicht sein und ihre Nähe, die er als Letztes sah und spürte. Noch bevor er die Kajüte erreichte, schlug der Rumpf des Schiffes krachend, knirschend und ächzend an den Klippen der Trümmerküste. Niemand hatte in diesem heillosen Sturm kommen sehen, wie schnell das Schiff an die Küste geworfen wurde, und was hätte man schon tun können?“ Mit letzter Kraft erreichte er die Kajüte und als er die Türe öffnete, schlug der Sturm die Tür krachend gegen die Kajütenwand. Der Rumpf des Schiffes rieb weiterhin erbarmungslos an den scharfkantigen Klippen entlang und Levan stolperte und fiel in die Kajüte und hastete mit der Hand nach der Türe und schlug diese zu. Er überlegte nicht, ob es schlau wäre die Tür zu verriegeln, denn helfen konnte ihnen sowieso niemand. „Levan! Was ist passiert?“ schrie Kesha in Panik, und ihr Körper bebte vor Angst. Sie ahnte, was vor sich ging, doch sie wollte es weder wahrhaben, noch glauben, und sie wollte es aus seinem Mund hören. Sie war von der Pritsche aufgesprungen, und hangelte sich vorsichtig hinüber zu Levan. Das Schiff erneut schlug krachend gegen die Klippen, und der Schwung warf Kesha nach vorne. Sie schlug mit dem Kopf hart auf, und dann umfing sie gnädige Schwärze...
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
Sie will es und so ist es Brauch
Was sie will bekommt sie auch

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Mi, 07. Aug 2013 22:19

Die Gefangenschaft zährte sehr an Kewan. Tag für Tag lungerte in der kleinen Zelle, wartend auf eine Veränderung seiner Situation. Eine Situation die sich für ihn als absolut inakzeptabel herausstellte. Doch es half alles nichts: Kein Wähnen und kein Hoffen erfüllte sich zu seiner endgültigen Zufriedenheit. Jedes Mal, wenn sich die schmucklose Holztür in den Angeln bewegte, war es die selbe alte, stumme Frau die dem Gefangenen Essen und Trinken brachte. Ihr Anblick kümmerte Kewan mittlerweile genauso wenig, wie seiner sie kümmerte. Anfangs hatte er noch vor Schreck nach einem der Felle gegriffen, um seine Blöße zu bedecken und dem unangekündigten Gast wüste Beschimpfungen an den Kopf geworfen, doch die Alte verzog nicht einmal das Gesicht und so tat es ihr der Jäger gleich. Er zuckte nicht einmal, blickte nicht einmal zur Tür, denn wer sollte sich hier unten zeigen außer die seltsame Frau? Während die Wunden noch schmerzten und ihre Heilung voranschritt hatte Kewan viel Zeit zum nachdenken gehabt. Es hatte ihn beschäftigt, aus welchem Grund er hier unten festsaß. Ohne auch nur ein Wort, eine Entscheidung in der Versammlung des Rates, ohne auch nur einen noch so kleinen Hinweis... Hatten sie jetzt endgültig genug von ihm? Dieser Gedanke wollte den Gefangenen nicht mehr loslassen. Zwar wusste er ganz genau wie sein Verhalten immer gewirkt hatte, doch hatte dessen Auswirkung auf längere Zeit nicht als solche eingeschätzt. Oder lag es vielleicht doch an dem Mord und Tarush erzählte die Wahrheit? Aber warum zur Hölle läd mich der Rat dann nichtvor und macht es offiziell? Es war Kewan alles in allem ein großes Rätsel, was diese Situation zu bedeuten hatte und es war ihm noch weit mehr schleierhaft, wie sich die Situation hier noch entwickeln würde. Er konnte nicht leugnen, nicht einmal vor sich selber, dass er sich davor fürchtete hier zu verrotten, unbedeutend hier in diesem Käfig zu verenden. Doch der Rat war so grausam nicht. Zu mindest sagte sich das der Jäger immer und immer weider, auf das es ihm neuen Mut gab auf ein Wunder am nächsten Tag zu hoffen.
Doch die Zeit verging. Die Wunden heilten und schon bald hatte Kewan sogar kaum noch beschwerden. Immer wieder war er beeindruckt über die akribische Behandlung der Wundmale gewesen. Genauso wie er beeindruckt war, ganauso gab es ihm auch Hoffnung, denn wer würde eine solch vorsorgliche und teure Behandlung über einen scheinbar vergessenen Gefangenen ergehen lassen? Auf diese Frage gab es für Kewan lediglich eine logische Antwort: Alles deutete darauf hin, dass man noch etwas mit ihm vorhatte und nicht hier unten vergessen würde. Mit der Zeit allerdings, nagten schon wieder der Bieber aus negativen Gedanken an seinem kleinen, frischen Stamm der guten Hoffnungen. Wollten sie vielleicht, dass er hier möglichst lange überlebte, um möglichst lang der Gefangenschaft ausgesetzt zu sein? Waren sie wirklich so grausam? Konnte dies sein? All diese abwegigen und schwachsinnigen Gedanken suchten Kewan heim, der es jedoch nur phasenweise schaffte sie gänzlich mit seinem Trotz zu überwinden. Doch in diesen Phasen baute er Zorn und Wut auf, eine Energie die ihn antrieb. Besonders jetzt, da seine Wunden gut verheilt waren. So nutze er dies, achtete auf seinen Körper und ertüchtigte sich zusehends mehr von Tag zu Tag. Das Gefangendasein zermarterte ihm das Hirn nur dann, wenn er zu viel Zeit zum nachdenken hatten und dem konnte er endlich gezielt entgegenwirken. Es war wahre Freude, die sich in dem wunderschönen Gesicht des Jägers abzeichnete, als er seinen ersten Klimmzug an der Deckverstrebung seiner Zelle durchführte, die sich allerdings recht stark unter seinem Gewicht bog und sogar leicht quietschte. Den Rest an Schmerzen, der besonders den tiefen Schnitt auf seiner Brust betraf ignorierte er und fokussierte sich stattdessen auf die Bewegung, die ihm in dem letzten Tagen und Wochen so sehr gefehlt hatte. In der Tat hatte Kewan jegliches Zeitgefühl verloren. Hier, in diesem Keller gab es keine Gestirne, keine Sonne und keinen Mond, die sich einen fortwährenden Kampf um das Himmelszelt lieferten. Hier gab es nichts außer den dämmrigen Schein einiger rußgeschwärzter Öllampen an den Wänden, die zu jeder Tages- und Nachtzeit die selbe Menge an Licht lieferten. Ob es ihn störte wusste Kewan nicht, doch es war eigenartig, da er dieses Gefühl bisher nicht gekannt hatte. Überhaupt war er noch nie so lange an einem Ort gewesen, ohne seinen Zwängen wenigstens für einige Stunden zu entfliehen. Es war alles eigenartig, doch es gab noch andere Dinge, die den Jäger beschäftigten, als die vereinzelten Gedanken über eine düstere Zukunft, Wut und das entfliehen aus dieser Situation.
Die Genugtuung die er ob des Todes seines Vatermörders verspürte wärmte sein Herz, erfüllte ihn mit Stolz und so auch, zu Mindest hoffte er das, auch seinen Vater. Doch die Bilder dieses, in seinen Augen epischen Kampfes überdeckten diese Genugtuung so sehr, dass sogar der Antrieb der Rache, die den Jäger überhaupt erst in jene Auseinandersetzung geführt hatte, gänzlich verschwand und in der Kälte seiner Gefühle und Gedanken unergründlich wurde . Blutdurst erfasste ihn, Nervenkitzel, Abenteuerlust in einer bisher nie gekannten Intensität. Lediglich die Erinnerung daran brachte sein Blut zum kochen und sein Gemüt in Wallung. Es fütterte seine Seele geradezu mit Vorfreude und Erwartungen, dass es alles andere in einen dunklen Schatten gestellt wurde und sich nur selten aus diesen Abgründen erhob. Kewan wollte mehr als dieses Leben, schon immer hatte er es gewollt, doch jetzt war es ihm klar. So klar wie niemals zuvor. In den Weiten der Eiswüste lag nicht seine Bestimmung, die vom göttlichen Geschwisterpaar für ihn vorgesehen war. Das spürte Kewan so stark wie jeden seiner Gedanken, jedes seiner Gefühle, jeden seiner Instinkte. Doch was lag hinter all dem? Hinter seiner Heimat, die so wenig für ihn bereit hielt? Diese Gedanken geisterten in Kewans Schädel und wurden lediglich von dieser winzigen Angst untermalt, die seine Gefangenschaft mit sich zog.

So vergingen Wochen. Kewans Wunden heilten, seine Vorstellung gerieten ins unermessliche und sein Körper wurde geformt. Immer wieder hatte der Jäger neuen Mut gefasst und von Tag zu Tag gehofft endlich diesen schrecklichen Umständen zu entfliehen und in die Freiheit zurückzukehren. Sogar die eisigen Weiten wären ihm in diesem Moment lieber gewesen, als diese ständige stickige Wärem, die zu ertragen beinahe schon ein Ding der Unmöglichkeit für den wild erscheinenden Mann war. Kewans Bart und Haare waren lang gewachsen und verliehen ihm etwas animalisches, dass er selbst nur auf der sanft welligen Oberfläche der Flüssigkeit seiner Trinkgefäße bemerkte. Auch die Hygiene hatte sich in Grenzen gehalten. Die anfängliche Sorgfalt in Sachen Körperpflege, die sich mit stetigem Fortschreiten der Wundheilung auf ein absolutes Minimum zurückgegangen war, war eine Tatsache die Kewan schon weit mehr tangierte als sein ungestümer Haarwuchs. Immerhin hatte dieser ja noch eine gewisse Wirkung, doch er war schon immer recht eitel gewesen und hatte sehr auf seinen Körper und das zur Geltung bringen seiner natürlichen Schönheit geachtet, aber jetzt?! Jetzt war all das ein bloßer Schatten seiner früheren Erscheinung und das eimal ganz abgesehen davon, dass man ihm noch nicht mal hatte Kleidung zustehen können. Auf Kewans Gesicht war sogar durch den dichten Bart und die langen Haare noch zu erkennen, dass er sich ganz und gar nicht mit diesem weiteren, nicht erträglichen Umstand abfinden konnte, auch wenn seine einzige Gesellschaft nach wie vor nur die alte Frau war, die den Gefangenen mit Nahrung und Wasser versorgte. Glücklicherweise fand auch diese Situation ein jähes und unerwartetes Ende, genau so, wie sie begonnen hatte...

Majestätisch schwollen die schwer arbeitenden Muskeln unter der vor Schweiß glänzenden Haut von Kewans Oberarmen zu einem kleinen Gebirge an, während sie seine nicht unerhebliche Last emporhoben. Beide Hände hatten die metallenen Deckstreben seiner Zelle ergriffen, an denen sich der Jäger fortwährend im Dämmerlicht des Zelltraktes auf und nieder zog. Schwer schnaufte er unter den Anstrengungen, doch er wusste dass es sein Körper ihm irgendwann danken würde.
Irgendwann... wenn ich aus diesem Drecksloch raus bin..., fügte er zu den motivierenden Gedanken hinzu, die er immer in den Weiten seines Kopfes suchte, wie es ihm Annuun gesagt hatte. Motivation, so waren stets seine Worte gewesen, sei das wichtigste um sich vernünftig auf etwas vorzubereiten und ganz besonders das konnte Kewan mit seinem bisschen Lebenserfahrung gut bestätigen. Und darüber hinaus musste diese Arbeit zu der er sich Tag für Tag motivierte und die ihn womöglich von vielen Anderen unterschied früher oder später honoriert werden. Ob durch göttliche oder sonst irgendeine Gerechtigkeit, das wusste der Jäger nicht, doch er war sich sicher, dass kein Schaffen unentdeckt blieb und jeder das erntete, was er sähte. Und so schien es auch zu kommen. Die Routine, die sich zwangsläufig in Kewans Tagesablauf gelegt hatte wurde jäh unterbrochen, als das nervige Quitschen der schweren Holzür und ihrer Scharniere ganz plötzlich ertönte, der belebende, kühle Luftzug länger als sonst bis zu ihm durchdrang und die Tür einige Sekunden später erst mit einem lauten Krachen ins Schloss fiel. Obwohl bemerkt, zeigte sich Kewan unbeeindruckt von allem und führte den Satz von Klimmzügen noch zu Ende. Er vernahm die Schritte mehrerer Menschen, eine Person unter ihnen jedoch fiel ganz besonders durch ein gedämpftes metallisches Klirren auf. Zwar konnte es der Jäger nur vermuten wer es war, allerdings konnte er mit ziemlicher Sicherheit behaupten, dass eine dieser Personen, die soeben die Tür zu seiner Zelle geöffnet hatten und an Ort und Stelle verharrten Tarush war. Der Mann mit dem er als letztes während seiner Gefangenschaft ein Wort gewechselt hatte und es waren wie immer keine freundlichen gewesen.
Mit dem üblichen Geräusch kamen Kewans nackte, dreckige Füße auf dem ebenso verdreckten Steinboden seiner Zelle auf. Langsam drehte er sich um und verzog keine Miene und machte gleichwohl keine Anstalten seine Böße zu bedecken. In det Tat war es Tarush, der gefolgt von drei weiteren Wächtern in sein Refugium gekommen war und sich tatsächlich als eine Abwechslung zu dem schnögen und geradlinigen Tagesablauf des Gefangenen erwiesen. Stumm blickten sich beide Parteien einen Augenblick an und Kewan konnte erkennen, wie einer von Tarushs Begleitern leicht angewidert das Gesicht verzog.
"Geht mit genauso, Kleiner. Aber bei einem solch unerwarteten Besuch gehe ich mal davon aus, dass ihr mir ein wenig Seife mitgebracht habt, oder nicht?!", sprach Kewan spitz und fixierte mit seinen leuchtenden grünen Augen, die wie ein Fremdkörper in seinem haarigen und schmutzigen Gesicht wirkten Tarush, der seinen giftigen Blick tapfer erwiderte.
"Nicht ganz, Dreckspatz!", antwortete dieser promt und warf dem Jäger frische Kleidung vor die Füße, "Zieh das an K'eyshu. Den Anblick kann da draußen keiner ertragen."
Wortlos griffen Kewans verschwitzte Finger nach dem Überwurf, der sich als schlichte Felltunika erwies und somit nicht für einen Gang außer Haus geeignet war. Etwas umständlich bedeckte sich der Gefangene und blickte erneut auf den Anführer der Wächter.
"Schick schick! Hat dir das Mama gemacht? Lieb von dir, dass ich das anziehen darf. Meine eigene Kleidung hattest du mir ja schon vom Leib gerissen..."
Der vielsagender Blick von Kewan brachte sogar ein Grinsen auf die Gesichter von Tarushs Begleitern, die sich diesen Ausrutscher aber schnell unter den strengen Blicken ihres Vorgestzten verkniffen. Vergnügt beobachtete Kewan, dass seine Worte bei Tarush wie immer die gewünschte Wirkung erziehlten.
"Klappe halten, K'eyshu. Deine Meinung will hier keiner wissen.", gab er allerdings nach kurzer Zeit zurück und mit einem Fingerzeig und einem bösen Grinsen deutete er auf einen Eimer in der Ecke der Zelle und fuhr fort: "Wenn du nochmal musst bevor wir gehen, dann mach nochmal, nicht dass es dich plötzlich überkommt da draußen. Bei dir weiß man ja nie!"
Dazu ließ er es allerdings nie kommen, denn kurz nachdem der Wächter seinen Satz beendet hatte, setzten sich seine Begleiter in Bewegung , um ihrem Gefangenen Fesseln anzulegen und ihn zum ersten Mal seit Monaten endlich aus der Enge des Kellers zu schaffen. Wirklich Lust hatte Kewan nicht in seiner Situation auf diese Provokation zu reagieren, also beschloss er einmal einfach nichts zu erwidern und einfach den Mund zu halten. Unsanft führte man den Gefangenen, der Anhand der Gesichter der Wächter einen üblen Geruch ausstrahlen musste durch die Gänge, die der Jäger noch ganz gut kannte. Immerhin hatte er die eben verlassenen Räumlichkeiten schon des öfteren beehrt. Irgendwann erreichten sie einen Raum, der nichts weiter beinhaltete als einen alten verbeulten und an manchen Stellen verrosteten Badezuber, der allerdings mit Wasser gefüllt war. In kindlicher Vorfreude verzog Kewan das Gesicht.
"Was da rein?", fragte er ironisch, "Donnerwetter! Ich nehme die Entschuldigung an, Tarush!"
Noch nie zuvor hatte der Jäger ein wirklich warmes Bad genommen und schon gar nicht in einem Zuber! So etwas gab es in der Eiswüste normalerweise nicht, doch anscheinend hatte er seinen Status hier verändert. Tarush hatte aufrgund diese Bemerkung nur den Kopf geschüttelt und seinen Männern befohlen draußen zu warten.
"Der Rat will dich sehen, also mach dich sauber und denk mal darüber nach, wie man sich denen gegenüber benimmt! Wenn du das nicht schon getan hat..."
Kewan prustete überheblich.
"Die alten Knacker können mich mal. Wer fragt ob ich die sehen will? Einen Scheiß werde ich tun, hörst du!?"
"Halt die Klappe und füge dich einfach, oder ich werde ich dazu zwingen... Das kennst du ja schon."
Wieder musste Kewan lachen und wischte sich dabei eine verfilzte Haarsträhne aus dem Gesicht.
"Jaja kenn ich schon! Soweit ich weiß lagst du sonst immer heulend auf dem Boden, Kleiner! Also spiel dich hier nicht so auf und geh mir nich' auf die Nerven. Das letzte Mal hattest du einfach nur das Glück, dass ich leicht angeschlagen war."
Ein weiteres Mal schütteöte Tarush genervt den Kopf, während er einen Kamm und ein Rasiermesser neben den Zuber legte.
"Wir werden sehen... Sauber machen, dann gehts zum Rat."

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Do, 08. Aug 2013 23:09

Als Kesha wieder zu sich kaum, lauschte sie in die Stille. Der Sturm war vorbei und das Schiff schaukelte nicht mehr. Ein wenig benommen richtete sie sich auf und fuhr sich über ihr Gesicht. Dabei spürte sie an ihrer Schläfe einen Schmerz, und als sie die Hand wieder zurückzog, und ihre Handfläche betrachtete, entdeckte sie darauf Reste von eingetrocknetem Blut darauf. Sie blickte sich in der Kajüte um, in der heilloses Durcheinander herrschte, da das heftige Schaukeln des Schiffs im Sturm alles durcheinander geworfen hatte. Levan lag noch bäuchlings am Boden und sie ging langsam und vorsichtig auf ihn zu. Ist er tot..? dachte sie bei sich und legte ihm vorsichtig die Hand in den Nacken. Doch sein Körper war warm, und wenn sie sonst nichts wusste, so wusste sie, dass tote Menschen kalt waren. Nach einer Weile, in dem sie ihn betrachtete, fiel ihr endlich auf, dass sich sein Rücken langsam hob und wieder senkte. Ein wenig erleichtert atmete sie aus und versuchte ihn durch flüsternde und raunende Worte in sein Ohr, zu wecken. "Levan?" hauchte sie und schüttelte ihn an der Schulter, und nach einer Weile zeigte ihr Tun Wirkung und er erhob sich ächzend. Sofort, als er alle seine Sinne wieder beisammen hatte, fuhr er hoch. "Ist alles in Ordnung mit dir, Kesha?" fragte er sie hastig, und Kesha nickte stumm und langsam. "Ich glaube schon..." erwiderte sie. "Bist du verletzt?" fragte sie ihn. Er schüttelte den Kopf und versuchte sich zu erheben, doch plötzlich verzog sich sein Gesicht schmerzerfüllt. "Was hast du?" fragte sie ihren Mann. "Mein... mein Bein..." stammelte er. "Ich kann nicht auftreten... Ich glaube, es ist gebrochen..." stöhnte er, und sackte auf der Stelle wieder zusammen. Kesha hatte sich bereits erhoben, und überlegte einen kurzen Augenblick. "Ich gehe an Deck und sehe nach, was los ist. Ich bringe dir jemanden mit, der dir helfen kann..." meinte sie und schob eine Holzkiste beiseite, welche die Türe versperrte.

Als sie die Kajüte verließ, und schließlich an Deck trat, bot sich ihr ein grauenvoller Anblick. Viele der Mannschaft lagen quer über dem Deck verstreut, manche unter losgelösten Gegenständen begraben, zwei davon unter dem gebrochenen Hauptmast des Schiffes, welcher gesplittert war, und unter dem sich eiune beachtliche Blutlache gebildet hatte, die meisten, die an Deck lagen regten sich nicht, und Kesha überlegte für einen Moment, ob sie nun zu jedem Einzelnen von ihnen gehen sollte, um sich davon überzeugen, ob er noch am Leben war. Schließlich gab sie sich einen Ruck, und raffte ihre Röcke und stieg über den Mast, und ging zu einem Mann, der bäuchlings am Boden lag, packte ihn an einer Schulter und drehte ihn beherzt auf den Rücken. Doch als er mit einem Ruck am Rücken zu liegen kam, starrte er sie aus leeren, toten Augen an. Entsetzt und angewidert erhob sie sich und trat einen Schritt zurück. Dabei wurde ihr gewahr, dass das Schiff sich überhaupt nicht mehr bewegte. Sie sah sich um um, und entdeckte auf der rechten Seite des Schiffes Land. War dies die Trümmerküste? Sie konnte es beim besten Willen nicht sagen. Sie ging an die Reling, stützte sich mit den Armen darauf auf und blickte über den Rand des Schiffes und stutzte. Sie saßen an Land fest. Vor dem Schiff erhob sich ein schroffers felsiges Land, und als sie auf die andere Seite des Schiffes lief, stellte sie mit Entsetzen fest, dass die Gesamte Seite des Schiffes vollkommen zerstört, und splitternd längs aufgerissen war. Die Wellen brachen an der zerstörten Schiffsseite, und man musste nicht sonderlich klug sein, um festzustellen, dass das Wasser unaufhörlich in den zerstörten Schiffsrumpf eindrang. Se wandte sich wieder von der Reling ab, und wischte sich mit der Hand verzweifelt die Haare aus dem Gesicht und merkte, wie sie fröstelte. Dieses unwirtliche Land war merkbar kühler als Thasani, und auch, wenn es im erträglichen Rahmen war, so fror sie. "Hallo?" rief sie schwach über Deck, in der Hoffnung, es würde sie jemand hören, oder sich melden. Doch nichts und niemand rührte sich. Das zerfetzte Segel flatterte im Wind und dieser wehte ihr immer wieder die Haare ins Gesicht, bis sie es aufgab, diese aus dem Gesicht zu streichen. Kesha besann sich schließlich und lief ber Deck, zu den Stufen, welche in den Frachtraum führten. Sie schritt die Treppe Stufe für Stufe hinab und bei jedem ihrer zierlichen Schritte knarzte das Holz. Unter Deck war es beinahe dunkel, nur an der aufgerissenen Seite des Schiffs schimmerte schwach das Licht durch und es plätscherte unaufhörlich, begleitet vom Rauschen der Wellen, welche gegen die Schiffsseite schlugen. Auch hier war alles zerstört, und als sie noch einen Schritt tat, stieg sie mit dem Fuß ins Wasser. Sie erschrak, und tat wieder einen Schritt nach oben und versuchte, sich in dem Dunkel einen Überblick zu verschaffen. Leichen lagen im Wasser, oder waren gegen die Wand gedrückt, hinter Kisten oder Fässern begraben. Sie stand so eine Weile fassungslos da und plötzlich erreichte das Wasser auch ihren Fuß, der bislang noch am trockenen gestanden hatte. Das Schiff sinkt... dachte sie entsetzt bei sich, und machte auf dem Absatz kehrt, begleitet von einem ächzenden Knarren des Holzes. "Hallo? Ist irgendjemand hier?" schrie sie, und dann hörte sie ein leises Stöhnen und sie blickte sich um. Sie ging dem Stöhnen nach und fand dann schließlich den Obermaat, halb begraben unter einer losgelösten Kiste. Sein Körper schien eine einzige Zerschundenheit zu sein und aus zahlreichen Wunden war getrocknetes Blut und Dreck zu sehen. Sie bückte sich zu ihm herunter und blickte ihn entsetzt und angewidert an. "Bitte..." stieß er hervor, und Kesha schickte sich an, die schwere Kiste von seinem zertrümmerten Leib zu hieven. Doch sie war zu schwach dafür, und schüttelte den Kopf. "Ich kann dir nicht helfen..." murmelte sie, erhob sich weder und wandte sich ab.

Sie lief zur Kajüte, in der Levan wohl noch immer lag und stieß die Türe auf. "Sie sind alle tot..." stieß sie blass hervor. "Komm... Wir müssen von diesem Schiff herunter, es wird bald sinken!" rief sie angstvoll und zerrte ihn dabei roh auf die Beine. "Ich kann nicht laufen!" jammerte Levan. "Du musst!" schrie Kesha ihn an. "Willst du hier sterben? Ich nicht! Also reiß dich gefälligst zusammen, ich helfe dir ja!" herrschte sie ihn an. Obwohl sie sich schwch fühlte, wusste sie, sie musste stark sein, Stark für ihren Jammerlappen von einem Mann, und stark für sich selbst, um zu überleben. Sie warf seinen Arm um ihre Schulter, und half ihn aus der Kajüte, und er sparng und hopste auf seinem unversehrten Bein, gestützt an ihr über Deck, an die landseitige Reling. "Und nun?" fragte er sie zaghaft, als sie auf der schroffe, felsige Land blickten. "Springen..." erwiderte sie trocken. "Oder soll ich dich etwa mit deem Rettungsboot an Land lassen?" erwiderte sie spitz. "Wie soll ich das schaffen?" rief er leidig hervor. "Da! Setz dich auf den Rand, und dann sprang!" rief sie schrill. Sie konnte es absolut nicht verstehen, wie er sich in dieser Situation noch so jämmerlich, gar wie ein Kind, verhielt, anstatt wie ein Mann. Sie half ihm, auf die Reling zu klettern und als e dann so da saß, forderte sie ihn auf. "Spring!" Doch er erhob Einwände. "Nein! Mein Bein! Ich kann nicht!Das sind mindestens zehn, fünfzehn Fuss!" Sie funkelte ihn wütend an, und gab ihm dann unbekümmert einen Stoß, so dass er von der Reling fiel und hart bäuchlings und dumpf auf dem felsigen Grund aufschlug. "Aaaah!" schrie er schmerzerfüllt auf, während Kesha selbst auf die Reling kletterte. Ihr Herz schlug ein wenig, als sie an den Srung dachte, doch dann gab sie sich einen Ruck, und sprang von der Reling. Sie landete in der Hocke, und fiel dann um, schürfte sich dabei den Arm auf, doch keine fünf Sekunden später neigte sich das Schiff knarrend bereits um ein deutliches Stück gen Wasser. Kesha rieb sich ihren blutenden, aufgeschürften Arm und zog die Luft zischend zwischen den Zähnen ein. Doch all das zählte nicht, sie hatten überlebt! Ja, sie hatten die Trümmerküste umschifft! Wussten die Götter, wo sie nun waren, und wie sie hier überleben sollten, aber niemand konnte behaupten, dass Levan Khalaan und Kesha Adesar-Khalaan Feiglinge waren! Sie erhob sich und ließ ihre Blicke über das Land schweifen, an dessen Horizont sich riesige, schneebedeckte Bergmassive gen Himmel reckten. Aber wahrscheinlich würde auch nie jemand von ihrem Heldenmut erfahren...

Zwei Tage war seit ihrem Schiffbruch vergangen und sie waren mit Levans verletztem Bein kaum ein Stück weit gekommen. Aber das war auch einerlei, denn hier gab es kein Dorf, es gab in dieser tristen Landschaft gar nichts... Nicht einmal Wasser hatte Kesha gefunden... Das Wetter war weiterhin sehr unterkühlt, und das war wohl der Grund, warum sie bislang nicht verdurstet waren. Nur hie und da wuchsen karge Zwergsträucher und Heidekraut, doch die konnte man weder essen, noch waren sie zu irgendetwas nütze. Und auch Kesha erfuhr hart am eigenen Leib, dass siie zu gar nichts nütze war. Sie konnte weder Spurenlesen, noch Wasser finden, geschweige denn kämofen, noch jagen. Bislang hatten sie wohl Glück gehabt, dass sie keine Begegnung mit wilden Tieren hatten, deswegen mieden sie das Landesinnere. Doch hier an der Küste gab es nichts, und es würde nicht lange dauern, bis sie verdursten würden. Da hatten sie die Trümmerküste umschifft, wurden Schiffbrüchige, hatten das Schiffsunglück überlebt, und dann so etwas, was für ein klägliches Ende! Levan hatte inzwischen Fieber bekommen, und das bereitete Kesha ein wenig sorgen. Auch wenn sie nicht gläubig war, verfluchte sie die Götter. Die arcanischen, die thasanischen und sowieso alle die es gab. Lebten in diesem verdammten Land keine Menschen? Wo sollten sie nur Hilfe bekommen? Mit diesen kopfzerbrechenden Fragen fieberte Kesha sorgenvoll dem nächsten Tag entgegen, bis die endlich ermüdet und erschöpft einschlief...

Es war der Morgen des dritten Tages, als Kesha, es war gerade einmal Sonnenafgang, geweckt wurde. Von Hundegebell. Zuerst fuhr sie hastig hoch, aus Angst, es wären wilde Tiere, oder Raubtiere, aber als hinter den auf sie zulaufenden Hunden schließlich in der Ferne noch Menschen auftauchten, machte ihr Herz einen kleinen, hoffnungsvollen Sprung. Sie erhob sich und stand zögerlich da, während die Hunde immer näher kamen, bis sie sie schließlich erreicht hatten, und sie neugierig ansprangen und umringten. Sie warf einen neugierigen Blick auf die Männer, die sie nun auch entdeckt hatten, und ebenso neugierig näher kamen. Sie trugen Speere, waren mäßig warm angezogen, zumindest wärmer als Kesha es war, und schließlich hatten sie sich erreicht. Zögerlich richtete einer von ihnen dasWort an sie. "Wer bist du? Und woher kommst du?" Kesha war erstaunt, denn da schlug ihr eine coreonische Sprache, wenn auch akzentgefärbt, entgegen, wie sie in Arcanis, Mérindar, und auch in Córalay und Cathrad gesprochen wurde, alles Länder sie vor langer Zeit bewohnt oder bereist hatte. "Ihr sprecht meine Sprache?" fragte sie leise, aber erstaunt, und ein wenig unsicher. Schon vor langer Zeit hatte sie nur mehr Die Männer lachten allesamt und derjenige, der das Wort an sie gerichtet hatte, erwiderte "Aber ja... Vielleicht sprichst du ja auch nur unsere Sprache?" An einem anderen Ort zu einer anderen Zeit hätte Kesha vielleicht gelächelt, doch nun lieb sie ernst und fiel gleich mit der Türe ins Haus "Wir brauchen Hilfe..." begann sie. "Wir?" fragte einer der anderen, die sie bislang stumm gemustert hatten. "Ja, ich und mein Mann... Er liegt dort hinten, ich glaube, sein Bein ist gebrochen, und er fiebert. Wir haben vor drei Tagen Schiffbruch erlitten, nicht weit von hier an der Küste" erklärte sie. Der Mann erwiderte "Wo? Zeig es uns..." Kesha nickte, und führte die Männer zu der Stelle, an die sie Levan hingebracht hatte. Als sie angekommen waren, kniete einer bei Levan nieder und begann vorsichtig sein Bein abzutasten, welches Kevan mit einem Schmerzenslaut quittierte. Der Mann kratzte sich am Bart. "Ich bin natürlich kein Heiler, ich kann weder sagen, ob es gebrochen ist, oder gar helfen" Keshas Miene wurde enttäuscht. "Aber... wir können euch in unsere Stadt bringen, Norr Bharrak..." schlug er vr, und sogleich hellte sich Keshas Miene auf. "Norr Bharrak? Wo sind wir hier gestrandet?" "Die Eiswüste..." erklärte er. Die junge Frau wirkte betroffen. "Die Eiswüste?" fragte sie gedehnt und fassungslos. "Bis tief hinein ins Horn des Drachen... Ja, aber ihr habt ziemliches Glück, es ist gerade Ende Sommer, wahrscheinlich wird es erst in zwei, drei Wochen wieder bitterkalt... Aber woher stammt ihr?" "Rômachar, Thasani..." erwiderte sie kurz und knapp. "Verstehe..." meinte er. Ihm brannte noch die Frage auf der Zunge, was sie von Thasani, an der Trümmerküste vorbei, bis zur Eiswüste trieb, doch er schwieg, da er erkannte, dass die beiden schwach, müde und erschöpft wirkten. Aus ihren Speeren und einigen Lederhäuten bastelten sie eine einfache Trage, auf welche sie Levan betteten und festbanden. Nachdem sie die beiden mit Wasser und etwas Nahrung versorgt hatten, brachen sie auf, zurück nach Norr Bharrak, welches nur einen halben Tagesmarsch entfernt war von der Unglücksstelle...

Am Abend erreichte der Jägertrupp zusammen mit Kesha und Levan Norr Bharrak. Einige Leute staunten nicht schlecht, als sie die ungewöhnliche hellblonde junge Frau , die so gänzlich anders war, als die Einwohner hier, bei ihnen, sowie den Verletzten auf der provisorischen Pritsche sahen, und viele der Menschen, die gerade nicht in ihren Häusern waren, sondern dacor stranden oder arbeiteten, warfen neugierige Blicke auf die Heimkehrenden. "Bringt sie zum Ältestenrat..." meinte der Anführer der Jäger. "Jetzt? Es findet gerade eine Anhörung statt...?" fragte einer der anderen. "Ja, jetzt. Sie müssen entscheiden, was mit ihnen passiert... "Na gut... brummte einer von ihnen, und dann steuerten sie direkt auf die Halle zu, in welchem sich der Ältestenrat aufhielt...
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
Sie will es und so ist es Brauch
Was sie will bekommt sie auch

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Fr, 09. Aug 2013 3:22

Das Bad war äußerst wohltuend für Kewan gewesen, der sich noch nie zuvor in seinem Leben so sauber gefühlt hatte wie in dem Moment, als seine nassen Füße den kühlen Steinboden des kahlen Raumes betraten. In der Tat, eine Wanne gefüllt mit warmem Wasser hatte etwas so besonderes an sich, dass man gar nicht wirklich zu schätzen wusste, was diese Art der Körperpflege mit sich brachte. Der Schmutz der vergangenen Dekaden, der an seinem Körper so unangenehm geheftet hatte, verfärbte nun das zuvor reine Wasser etwas schwärzlich, hinterließ jedoch einen vollig neuen Kewan, der ebenso erfreut an sich hinabblickte, wie es sein Gesichtsausdruck verriet.
Na endlich, dachte er und seufzte entspannt, Das wurde aber auch mal Zeit...
Noch einige Zeit genoss der Jäger seinen wunderbar reinen Anblick, ehe seine Hände suchend den Boden unter der Wanne nach dem Rasiermesser und dem Kamm abtasteten. Fluchend zuckte er als sein rechter Zeigefinger völlig unerwartet die Klinge des Pflegeutensils ungünstig berührte und er spürte wie das Blut seinen Körper verließ. Doch der kurze Schreck verebbte schnell nach nicht einmal einer Sekunde und der kaum vorhandene Schmerz kümmerte den wild aussehenden Mann nur wenig bis gar nicht. Viel mehr nervte ihn einfach die Tatsache, dass es überhaupt passiert war. Etwas ungehalten über seine eigene Unachtsamkeit versuchte er mit dem Kamm, dessen helle, beinerne Zinken recht weit auseinanderstanden das nasse aber zerzauste und an manchen Stellen sogar verfilzte Haar zu bändigen. Kewan hatte sich bereits oft daran versucht einen vernünftigen Kamm zu schnitzen, doch scheiterte er meist an seinem ungestümen Gemüt, wenn etwas nicht sofort und zu seiner Zufriedenheit funktionierte. Wenn er es allerdings doch einmal schaffte keine der dünnen Zinken zu beschädigen, waren sie zu schief oder die Verzierungen misslangen ihm in einer Weise, dass ihm sein Werk zuwider erschien. Da es Kewan abgrundtief hasste, anderen in Sachen Fähigkeiten nachzustehen, schweiften seine Augen akribisch jedes noch so kleine Detail des einfachen Gegestandes ab und erspähten mit Genugtuung Unebenheiten oder Asymmetrien im Schnitzwerk. Ein wenig verrückt kam sich der Jäger sogar selber dabei vor, wie krampfhaft und genau er bei Fremden nach Fehlern suchte und gerade wenn es um Dinge ging die er nicht so gut beherrschte, war er meist gewissenhafter dabei als beim Verbessern seiner eigenen Möglichkeiten. Allerdings erst im Nachhinein, weswegen sich Kewan im Moment noch darauf beschränkte den fremden Kamm auf Ungereimtheiten abzugrasen. Letztendlich benutzte er ihn aber doch. Beruhigt darüber, dass er auch an diesem Handwerk einge Mengel bemerkt hatte, trennte es derweil gemäß seiner Bestimmung die Haarsträhnen seines Benutzers voneinander und beseitigte etwaige ungewünschte Verknotungen. Manchmal eher schlecht als recht, denn auch nach dem Waschgang war Kewans Haarschopf noch alles andere als gepflegt. Nur mit Mühe gelang es ihm die schlimmsten Verstrickungen zu entwirren, jedoch verlor er auch recht schnell die Geduld. Schnell war die Hand an das Rasiermesser gelegt, dass wider seinem Verwendungszweck zum Haare schneiden missbraucht wurde und im Laufe dieser Tat einges an anfänglicher Schärfe verlor, von der lediglich noch der rot verkrustete Zeigefinger des Jägers zeugte. Durch die Klinge verloren die Haare bald ein wenig an Länge. Besonders in ihren Spitzen hatten sich teils gar gordische Knoten gebildet, die zu bändigen ein Ding der Unmöglichkeit war. Besonders hier, da sich Kewan selbst nirgendwo effektiv spiegeln konnte. Dennoch brachte es der ungestüme Mann zu einer recht ansehnlichen Frisur, die seiner regulären allerdings noch nicht ganz glich. Was jetzt folgte war sonst eigentlich immer Kewans Lieblingsschritt im Laufe des frisierens gewesen, doch aufgrund der leicht entschwundenen und noch immer tendenziell abfallenden Schärfe der Klinge erwies sich auch das als immer mühsamer. Das angenehme Kratzen auf der Kopfhaut allerding, was beim rasieren der Kopfseiten auftrat musste der Jäger auch hier nicht missen... auch wenn es länger dauerte als sonst und man immer aufpassen musste sich nicht versehentlich in die Kopfhaut zu schneiden. Als nächstes stand der Bart auf Kewans Liste in Sachen Körperpflege. Schlicht kürzte er die Schafte der dortigen Haar bis auf ein noch immer sehr gut sichtbares Minimum, wie es seine Art war. Der Schwarze Bart umrahmte nun das, wieder freigelegte wunderhübsche Gesicht des Mannes, der in kürze vor dem hohen Rat seines Volkes zu erscheinen hatte. Sicher hatte alles seine Zeit gedauert, doch Kewan war eitel und so nahm er sich einfach die nötige Zeit und ignorierte einfach dezent das fortwährende Klopfen an der Holztür auf deren anderer Seite Tarush bereits entnervt auf ihn wartete. Genüsslich, um noch ein weiteres Mal auf den geschundenen Nerven des Wächters herumzutreten, warf sich Kewan langsam die Kleidung über und legte akribisch seinen Scheitel, denn das Deckhaar war noch immer lang und prästentierte einen sehr starken Kontrast zu den ausrasierten Seiten des Kopfes. In seinem ungewöhnlichen aber durchaus und fürwahr schönem Erscheinungsbild, getützt von seiner geflickten und gewaschenen Sommerkleidung schritt der Jäger zur Tür und öffnete sie mit einem breiten Grinsen. Traush trappelte dort wie entgeistert auf der Stelle, wo er ungeduldig mit den strahlend blauen Augen rollte.
"Na endlich, du Schönling.[18]Ich habe schon gedacht, du machst es dir selber da drinnen und wollte dich nicht unterbrechen...[/18]", begrüßte der Wächter den Gefangenen, der wie aus dem Ei gepellt vor ihm stand.
"Nein, keine Angst, deine Schwester war da... Da brauchte ich mir selber die Mühe nicht machen. Aber schön, dass sich der große Tarush um mich sorgt und jetz' bring mich endlich zu diesen senilen Schwachmaten, damit ich hören kann was die mir schon wieder an den Kopf werfen wollen!"
Einen Moment war Tarushs Gesicht wie versteinert und man konnte es ihm schon wieder förmlich ansehen, wie es in ihm arbeitete.
Ach ja... Wunderbar, wie er sich immer aufregt!, frohlockte Kewan innerlich, der sich ein hämisches Grinsen nicht verkneifen konnte. Sein Gegenüber hatte nach eineigem Nachdenken sich offenbar dazu entschlossen, nicht darauf einzugehen und den Ärger herunterzuschlucken. Der Jäger konnte sich aber denken,wie es in seinem Kopf aussah. Vermutlich schrie er innerlich so etwas wie: "Wie kann er nur so respektlos dem Rat gegenüber sein!" oder "Wie kann er es nur wagen so über meine Schwester zu reden!". All das belustigte Kewan so sehr, dass er vorerst sämtliche Sorgen vergaß, die ihn noch einen Tag zu vor beispielsweise in der Zelle geplagt
hatten...

Stumm folgte der Jäger Tarush durch die Gänge aus weißem Marmor, der vereinzelt von edlen schwarzen Adern durchzogen wurde und Kewan immer wieder von neuem beeindruckte mit seiner Schönheit. Selbst hatte er sich ja nie so etwas leisten können und sein Domizil aus Holz emporgezogen. Eigentlich war es ja gar nicht mal seines gewesen. Viel mehr war es das seines Vaters. Nachdem dieser aber verstorben war und er als kleiner Junge in der Wildnis verschwand, war es verfallen und niemand hatte sich die Mühe gemacht es zu erhalten. Lediglich alles Brauchbare wurde nach einiger Zeit aus dem Innenraum entwendet, da man nicht davon ausging, dass Kewan jemals wiederkehren würde und einige Bretter und Stämme wurden von andern verheizt. Als der damals Siebzehjährige damals allerdings zurückgekehrt war, hatte er mit nichts eine neue Existenz aufgebaut seinen Platz gefunden. Eine Tatsache, auf die er noch heute stolz war.
Immer weiter führte die beiden ihr Weg durch die niedrigen Gänge des Palastes. Kewan kannte ihn, hatte ihn schon des öfteren beschritten und die, für ihn kolossalen Torflügel, die sich vor ihm auftaten gaben den Blick auf den großen Versammlungsraum preis in dem sich der Rat bereits versammelt hatte. Mit gleichgültiger Miene stapfte der Jäger hindurch und ließ seinen Blick über die gut gefüllten Bänke der Anwesenden streifen. Meist waren es bekannte Gesichter, die sich mal mehr und mal weniger während der Zeit seiner Gefangenschaft verändert hatten. Vorrangig waren es ebenso gleichgültige Blicke die auf ihm lagen, was ihn allerdings nicht störte. Viel mit den meisten hatte er sowieso nicht zu tun oder lag gar im Streit mit ihnen, weshalb er eine ähnliche Reaktion schon erwartet hatte. Was Kewan aber nicht erwartet hatte, war die Zahl der Anwesenden. Was wohl der Grund für einen solch großen Andrang war fragte er sich und zog etwas verwundert die Augenbrauen nach oben, während sein Blick sich dem Rat zuwandte, vor dem sich Tarush verbeugte. Der Jäger neigte lediglich für den Bruchteil einer Sekunde den Kopf, was wohl eher sehr euphemistisch ausgedrückt war, um ein Nicken zu beschreiben. In den faltigen Gesichtern der Ratsmitglieder hatte Kewan noch nie etwas herauslesen können, weshalb er sich auch dieses Mal keine große Mühe dafür gab. Ohnehin waren ihm die obersten seines Volkes sehr suspekt, die er bisher lediglich bei allerlei Ratsversammlungen und Festen gesehen hatte. Was an ihrer Aufgabe so höchst ehrbar sein sollte, wie es alle Anderen immer anpriesen wusste er nicht. An sich kümmerte es ihn auch nicht viel, es sei denn, sie hatten wirklich wichtige Entscheidungen zu treffen geahabt, die ihn mehr als nur direkt betrafen. Meistens allerdings ward er davon enttäuscht gewesen, weshalb er auch in diesem Moment wenig Hoffnung hegte, es könnte eventuell anders kommen.
"K'eyshu!", sagte die altbekannte Stimme des Ratssprechers, der immer als erstes das Wort erhob, soweit sich Kewan erinnern konnte, "Wir, der Rat freuen uns dich zu sehen. Sag uns, wie geht es dir?"
Der Gefangene konnte nicht anders, als einmal loszuprusten und ein schiefes, unangebrachtes Grinsen aufzusetzen.
"Kommt schon. Ihr holt mich von da unten nach Ewigkeiten aus dem Loch und fragt mich, wie es mir geht?! Ihr müsst noch älter sein, als ihr ausseht, wenn ihr mir weißmachen wollt, dass euch das wirklich interessiert. Also, kommen wir mal zu wichtigerem, ich bin nämlich nicht hier um nett mit ein paar Knackern zu plaudern: Warum zur verdammten Hölle habt ihr mich in dieses Drecksloch eingebuchtet? Und kommt mir jetzt bloß nich mit so läppischen Moralpredigten. Oder ist es wirklich, weil ich den hässlichen Widerling umgelegt habe, der meinen Vater abgestochen hat?!"
Während er spräch beobachtete Kewan entzückt aus den Augenwinkeln, wie sich blankes Entsetzen auf die Gesichter der Anwesenden breitmachte. Hier und dort konnte er genau vernehmen, wie manch einem vor Schreck über seine Wort der Atem stockte und Hände vor den Mund gehoben wurden. Besonders Tarush sah aus, als würde er gleich platzen, so rot wurde die Gesichtsfarbe auf der sonst so blassen Haut, die so typisch für sein Volk war. Die Ältesten allerdings zeigten sich wie immer unbeeindruckt und zucken nicht einmal.
"Wie ich sehe hast du nichts von der Schärfe deiner Zunge verloren, junge Mann.", begann der Sprecher wieder mit einem leicht enttäuschten Unterton in der Stimme, "Sehr bedauerlich, wie wir hier alle finden. Gehofft war eigentlich, dass der nun etwas längere Gefängnisaufenthalt dich ein wenig zu Nachdenken über deine Taten, dein Wirken, einfach alles Anregt."
"Ach, ihr seid wohl nicht mehr ganz dicht!", konterte Kewan spitz, der sich insgeheim sehr darüber ärgerte, dass sie das sogar beinahe geschafft hätten, "Glaubt ihr wirklich, ihr könnt mich mit ein paar Gitterstäben weichklopfen?"
Der Jäger hatte die Stimme leicht erhoben, da sich sein Gemüt immer weiter mit Zorn belud.
"So beruhige dich doch, K'eyshu, es gibt keinen Grund hier dem Zorn zu verfallen, d-"
"Und ob es den gibt!", fiel er dem Alten ins Wort, "Ihr habt mich wegen so einem Scheiß da unten eingepfercht? Eure Marionette hier...", dabei zeigte er auf Tarush, "...hatte mir gesagt es is wegen dem Hurenbock, der meinen Vater auf dem Gewissen hat!"
"Ich betone es noch einmal, K'eyshu, beruhige dich!", wiederholte der Sprecher erneut nachdem er sich sicher war, dass der Gefangene seinem erneuten Ausbruch beendet hatte, "Natürlich hatte es auch etwas mit dem, nennen wir es Mord an Karlath, dem mutmaßlichen Mörder deines Vaters zu tun, doch vorrangig ging es uns um etwas anderes, das wir hier gerne mit dir nun erörtern möchten, wenn du uns denn die Möglichkeit dazu lassen willst, K'eyshu."
Kewans Kiefer mahlten. Die Kaumuskeln tanzten wahrlich unter dem noch immer recht dichten Bart sichtbar und waren beispielhaft für den Zorn, der den jungen Mann ergriffen hatte. Zwar war sein Gemüt normalerweise nicht sofort auf hochtouren, sondern eher ruhig was das Erzürnen anging, doch in diesem Moment machte alles seinem Unmut über die Freiheitsberaubung platz.
"Na dann raus mit der Sprache! Ich hab' nicht den ganzen Tag Zeit!", schimpfte er ein weiteres Mal und bereitete sich bereits innerlich auf weitere Ärgernis vor.
"Nun denn, wir sind dir Dankbar, dass du uns anhörst. Gleichzeitig möchten wir dich vorher bitten uns gegenüber Verständnis zu zeigen, denn auch uns fiel diese Entscheidung alles andere als leicht. Wenn du rückblickend deine Lebenssituation in unserer Gesellschaft betrachtest, K'eyshu, dann wirst du sicherlich schnell merken, dass du in gewisser Maßen einen Sonderling darstellst. Du bist jedem gegenüber abweisend, vulgär und respektlos. Vor nichts machst du halt und denkst erst nach dem Handeln darüber nach, was eigentlich die Folgen deiner Taten waren. Immer und immer wieder bringst du dich und womöglich Andere in Gefahr und das nur aufgrund des eigenen Verlangens nach Nervenkitzel. Anders können wir uns das nicht erklären. Du tust lediglich das, wozu es dir gelüstet und kümmerst dich nicht um die Gemeinschaft. Auch unsere Bräuche achtest du nur wenig und es fällt uns wirklich schwer eine Person zu finden, die auch nur ein gutes Wort über dich verliert. Natürlich gehst du auch seiner Arbeit nach und leistest deinen Anteil, doch all das ist doch nun wirklich nicht nutzbringend, wenn du als Person hier scheiterst. Lange haben wir beraten, was mit dir passieren soll, lange haben wir beraten, ob man dich überhaupt für deinen Charakter bestrafen kann. Wir alle wissen um deine schwere Kindheit und vielleicht liegt es auch daran, doch wir waren ratlos, was wir mit dir machen sollten. Besonders der fortwährende Beischlaf mit den Frauen des Dorfes muss aufhören, denn das ist das aller schlimmste vergehen, auch wenn du mit Sicherheit niemanden dazu gezwungen hast. Es entspricht einfach nicht unseren Traditionen und ganz besonders nicht unseren Werten, die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Du siehst doch, dass du mit beinahe jedem in deiner näheren Umgeung Streit hast und mehr oder weniger auf dich allein gestellt bist! Der Mord an Karlath allerdings war lediglich ein symbolisches Überschreiten der Grenze des erlaubten. Im Namen der gesamten Gesellschaft hier möchte ich dir für das Entfernen dieses Schandfleckes danken. Jeder wusste um seine Schuld, doch du musst verstehen, K'eyshu, Beweise hatten wir wahrlich keine. Deshalb..."
Immer weiter redete der Ratssprecher auf Kewan ein, der immer weniger von all dem mitbekam. Zu stark war das Rauschen in seinen Ohren und der Zorn, der seine Sinne trübte. Für wen halten diese senilen Idioten sich eigentlich!?, dachte er zornestrunken und wäre am liebsten jedem einzelnen des Rates an die Grurgel gesprungen. Der Jäger dachte gar nicht daran zu verstehen was gemeint war, denn für ihn gab es nur dieses eine Leben und es mit alten Regeln und Gesetzen zu füllen, kam ganz und gar nicht in Frage. Stattdessen nahm er alles, jedes einzelne Wort als persönliche Beleidigung und als der angestaute Zorn beinahe sein Zenit erreichte, wurden plötzlich erneut die Türen zum Versammlungssaal aufgestoßen und eine Frau trat gefolgt von einem matt wirkenden Mann, der auf einer behelfsmäßigen Trage gebettet und von Jägern begleitet wurde ein. Der Alte verstummte und Kewan wandte sich auf der Stelle um. Jene Frau die durch die Tür getreten war ließ seinen Zorn mit einem Male der Neugierde weichen.
Blondes Haar? Was bei den Göttern? Fremde?
"Was hat das zu bedeuten?", fragte eines der Ratsmitglieder und erfürchtig wandte einer der Jäger das Wort an sie.
"Entschuldigt, ehrenwerte Älteste, doch wir fanden diese schiffbrüchigen Fremden an der Küste. Sie sind verletzt und scheinbar mittellos. Wir hielten es für das beste euch sofort aufzusuchen. Meines erachtens nach, sind sie ungefährlich und brauchen dringend einen Heiler."
"Wohl gesprochen!", antwortete wieder einer der Ältesten und wandte sich an Tarush, "Lass K'eyshu frei, doch behalte ihn im Auge. Diese Versammlung wird zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt! Jetzt kümmern wir uns vorerst um die Fremden."
Ohne zu zögern nichte der Wächter und senkte das Haupt, ehe er zu Kewan hinüberstapfte und ihn an seiner Schulter rüttelnd aus seiner Trance riss, in die ihn die Fremde gebracht hatte.
"Komm jetzt, Kleiner, heute hast du nochmal Glück gehabt."
Beim Verlassen des Saals entfernte er dem Jäger die Fesselln und führte ihn direkt in einen Lagerraum, in dem sich seine Habseligkeiten befanden. Sofort nahm Kewan Annuuns Speer zur Hand und prüfte ihn sorgfältig auf Beschädigungen, welche glücklicherweise nicht vorlagen. Auch seine restlichen Sachen schienen ohne weitere Schäden seine Gefangenschaft überstanden zu haben, was ihm ein Lächeln ins Gesicht zauberte, was noch breiter wurde, als er als freier Mann das Gebäude des Rates verlies.

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Sa, 10. Aug 2013 12:59

Die zweiflügelige, kunstvoll geschnitzte Tür der Halle, in welcher der Ältestenrat seinen Sitz hatte, schwang polternd auf, und die Jäger trugen Levan auf der provisorischen Bahre herein, gefolgt von Kesha. Sofort wandten sich alle Köpfe hin und alle Augenpaare, einschließlich jener der Ratsmitglieder, richteten sich auf die unerwarteten Ankömmlinge. Einer der Ältesten, die vorne an einer querstehenden Tafel saßen, kniff seine Augen zusammen, und erhob sich schließlich. "Was hat das zu bedeuten?" fragte er und Kesha fühlte sich von seinem Blick regelrecht durchbohrt. Doch war er nicht der Einzige, denn vor der Tafel stand ein hochgewachsener Mann, der sich ebenfalls umgewandt hatte, und Kesha betrachtete. Ihr entging sein Blick nicht, und obgleich es in dieser Situation mehr als unpassend und unangebracht war, umspielte ein kaum merkliches Lächeln ihre Mundwinkel, war er doch ein vornehmlich gutaussehender Mann, was auch die geringe Distanz, wie zwischen ihnen lag, nicht verbergen konnte. Doch dann senkte sie den Blick, während der Älteste, der das Wort an sie gerichtet hatte, auf eine Antwort von einem der Jäger wartete. "Kajem?" richtete der Älteste nun das Wort an einen von ihnen. "Entschuldigt, ehrenwerte Älteste, doch wir fanden diese schiffbrüchigen Fremden an der Küste. Sie sind verletzt und scheinbar mittellos. Wir hielten es für das Beste euch sofort aufzusuchen. Meines Erachtens nach, sind sie ungefährlich und brauchen dringend einen Heiler." Der Älteste nickte. "Wohl gesprochen!" Dann wandte er sich an einen Mann, welcher neben dem Hünen stand und meinte "Tarush, lass K'eyshu frei, doch behalte ihn im Auge. Diese Versammlung wird zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt!" Er hob die Hand und richtete sie auf den Jägertrupp, oder vielmehr auf Kesha und Levan. "Jetzt kümmern wir uns vorerst um die Fremden." Der Mann namens Tarush nickte ergeben und führte den Mann, welchen der Älteste als K'eyshu benannt hatte, aus der Halle. Als er an Kesha vorbeistapfte, wandte sie den Kopf zur Seite, ohne ihn dabei jedoch direkt anzusehen.

Dumpf dröhnte die Türe, als sie wieder ins Schloß fiel, und der Älteste richtete seinen Blick, welcher er zuletzt an die beiden Männer gehaftet hatte, wieder auf Kesha und Levan. "Wohl an..." begann er. "Wer seid ihr?" Kesha blickte ihm in die Augen und meinte "Verzeiht mir meine Unhöflichkeit, aber mein Mann hat ein gebrochenes Bein, und nun hat er hohes Fieber, und ich fürchte um seine Gesundheit. Ich wäre von Herzen dankbar, wenn man sich ihm zuerst annimmt, bevor wir euch unsere Geschichte erzählen..." meinte sie und verneigte sich dabei leicht vor dem Ältesten, um einen etwaigen Hochmut gleich auzuschließen. Der Älteste nickte. "Aber natürlich! Tarjun, Merak! Bitte bringt den Verletzten ins Haus der Heilerin, sie soll sich ihm gewissenhaft annehmen und ihn nach besten Möglichkeiten versorgen!" "Sehr wohl!" rief einer der beiden Angesprochenen, und damit trugen sie Levan auf der Bahre aus der Halle. Der Älteste richtete sich an Kesha. "Wie lautet dein Name?" Kesha verneigte sich erneut vor dem Ältesten und hauchte "Mein Name ist Kesha Adesar-Khaalan. Mein Ehemann heisst Levan Khalaan..." Der Älteste hob die Augenbrauen. "Ihr seid verheiratet, und tragt doch nicht denselben Nachnamen?" erkundigte er sich neugierig und Kesha lächelte wissend. Sie war diese Frage bereits gewohnt. "Ein ungewöhnlicher Umstand verdankt es mir, dass ich meinen Mädchennamen behalten durfte, euer Gnaden..." meinte sie, weil sie nicht wirklich wusste, wen sie da eigentlich vor sich hatte, und wie sie ihn anzusprechen hatte. Bei ihren Worten lächelte er beinahe gütig und meinte "Bitte nicht so förmlich! Es genügt, wenn du mich bei meinem Namen ansprichst, ich bin Tarok, der Dorfälteste, und Mitglied im hohen Ältestenrat. Sag mir, Kesha Adesar-Khalaan..." Es schien ihr, als amüsierte ihn dieser Name, so dass er ihn voll aussprach und sofort schloß sie den alten Mann mit seinem beachtlichen Rauschebart und dem silbrigweißen Haar in ihr Herz. "... Ihr beiden seid schiffbrüchig geworden? Wie kam es?" "Wir waren daran, die Trümmerküste zu umschiffen..." begann sie, doch sie wurde von erheitertem Gelächter aus den Reihen der anderen anwesenden Menschen unterbrochen. Irritiert und wütend gleichzeitig wandte sie sich um und rief "Ruhe! Was ist so lustig daran? Es ist leicht, sich am Unglück anderer zu laben, wenn man von solchem nicht heimgesucht wird!" Tarok blickte ihr in die Augen. "Sie meinen es nicht böse... Es ist nur, hier weiß jedermann, dass die Trümmerküste von gefährlichen Strömungen heimgesucht wird. Niemand wagt es, dort zu fischen, oder gar diesen Weg als Handelsroute zu beschiffen." "Wir wussten es auch, doch wir waren mutig und kühn, und gingen dieses Wagnis ein! Und beinahe hätten wir es auch geschafft! Wir waren so kurz vor der Sturmspitze, als unser Schiff ein gewaltiger Sturm erfasste! Alle sind tot, nur mein Mann und ich haben wie durch ein Wunder überlebt! Wir haben soviel durchgemacht, und sind über alle Maßen erschöpft! Wir sind am Ende, wir haben kein Schiff mehr, und keine Mittel für die Rückreise in unsere Heimat Thasani!" Sie sank auf die Knie. "Bitte! Ich bitte euch helft uns! Ohne eure Hilfe sind wir zum Tode verurteilt!" Die Tränen hatten lange auf sich warten lassen, doch nun flossen sie unaufhaltsam über ihr schönes, makelloses Gesicht, welches nur ein wenig an der Schläfe von einer Platzwunde verunziert wurde.

Der Älteste nickte einem der noch umherstehenden Jäger deutend auf Kesha zu, und dieser trat an sie heran, nahm sie an den Armen und zog sie wieder auf die Beine. "Wir verwähren keinem Hilfesuchenden unseren Beistand..." untermalte Tarok diese Geste. "Wir werden für euch sorgen und euch nach besten Möglichkeiten helfen. Doch wir erwarten in Kürze wieder den Wintereinbruch. Das bedeutet für euch ungewohnte Kälte. Ihr solltet euch darauf einstellen, die nächsten Monate hier zu bleiben. Wir finden schon einen Platz für euch." Kesha nickte, und wischte sich hastig die Tränen vom Gesicht. Sie hasste es, vor Fremden einen solchen Gefühlsausbruch zur Schau zu stellen, doch es war ihr unvermeidlich gewesen, ihn zurückzuhalten. Zu viel und zu schrecklich waren die jüngsten Ereignisse gewesen. Tarok rief in die Reihen der anwesenden Menschen "Wer von euch kann Kesha und Levan Obdach geben?" Und blickte erwartungsvoll über die Menschen. Nach einigem Gemurmel erhob sich schließlich eine junge Frau. "Sie können bei uns bleiben! Wir haben genug Platz, und vielleicht möchte mir Kesha mit dem Haushalt und den Kindern helfen!" Kesha blickte die Frau dankbar an und nickte, während sich die Frau aus der Reihe drängte und zu Kesha trat. Sie hakte sich freundschaftlich bei ihr unter und meinte aufmunternd "Komm gleich mit mir mit, du bist sicher müde und hungrig... Ich bin Ania..." "Danke, Ania..." nickte Tarok ihr und diese zwinkerte ihm zu.

Es waren zwei Wochen vergangen, seit Kesha und Levan zu den Menschen der Eiswüste gestoßen waren. Levan ward im Haus der Heilerin behandelt worden, das Fieber war nach ein paar Tagen vergangen, doch die Heilung seines gebrochenen Beins würde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Es hatte sich als komplizierter Bruch erwiesen, und die Tatsache, dass Kesha ihren Mann vom Schiff geschubst hatte, hatte die Sache bestimmt nicht einfacher gemacht. Und so musste er vorläufig Bettruhe im Haus der Heilerin halten, und Kesha besuchte ihn, so oft es ihre Zeit zuließ. Kesha hatte sich bei Ania und ihrer Familie gut eingelebt, und die beiden Frauen verstanden sich recht gut miteinander und waren schon so etwas wie Freundinnen geworden. Anders als ihre Bekannten und Freundinnen in ihrer Heimat war Ania aufrichtig, herzlich und hilfsbereit, und Kesha erkannte bald, was ihr während all den Jahren gefehlt hatte. Sie war Ania zwar in Sachen Hausarbeit keine wirkliche Stütze, doch sie kümmerte sich liebevoll um Anias Kinder, was für die Eiswüstenbewohnerin schon eine deutliche Entlastung war. Anfangs hatte Ania die Hände in die Hüften gestemmt, und Kesha verwundert gefragt, ob sie bei sich zuhause keinen Haushalt zu besorgen gehabt hatte, weil sie es gar nicht verstehen konnte, wie eine Frau zwei derart linke Hände haben konnte, doch schon bald lauschte sie immer wieder gespannt Keshas Erzählungen aus ihrem so gänzlich anderem Leben. Der Winter war inzwischen hereingebrochen und brachte beinahe unmenschliche Kälte, Eis und Schnee, und des abends und des nachts oft heftige Schneestürme. Ania versorgte Kesha mit passender Kleidung und pelzgefütterten Stiefeln, so dass sie sich beinahe kaum von den anderen Menschen der Eiswüste unterschied, lediglich ihr hellblondes Haar zeugte davon, dass sie nicht von hier kam.

Eines sonnigen, aber eiskalten Morgens meinte Ania zu Kesha "Komm, Sonnenhaar, wir gehen zu den Händlern. Wir müssen unsere Felle eintauschen. Wir brauchen Brot... Außerdem gehen unsere Vorräte an Trockenfrüchten langsam zu Ende!" Sie ließen die Kinder im Haus, die ab und an von Anias Schwiegermutter beaufsichtigt wurden, packten die Felle der Tiere, die von Anias Mann, der ein Jäger war, erbeutet worden waren, und schickten sich an, zum Markt zu gehen, der einen kleinen Fußmarsch von Anias Haus entfernt war. Die beiden Frauen stapften durch den frischen Schnee, der in der Nacht gefallen war, und bei jedem Schritt knarrte und knirschte der festgetretene Schnee unter ihren Stiefeln, und aus ihren Mündern stiegen dicke Dampfwolken aus kondensierter Atemluft auf. Schließlich erreichten sie den Platz, an welchem die Händler unter Häusern mit vorstehender Überdachung ihre Waren feilboten.

"Guten Morgen, Telewan!" grüßte Ania den Händler, welcher im Besitz von Lebensmitteln war. "Ich bringe dir Menus Felle. Ich möchte gegen Brot und Trockenfrüchte tauschen, und was du sonst noch erübrigen kannst?" "Ah guten Morgen, Ania! Wen bringst du mir denn da noch mit?" fragte er sie, und musterte die blonde, junge Frau. "Das ist Kesha. Sie ist nicht von hier..:" erwiderte Ania. "Das habe ich mir schon gedacht..." schmunzelte der Händler, während er Kesha eingehend betrachtete. "Sie und ihr Mann wurden vor zwei Wochen an die Küste am Horn des Drachen angespült, sie hatten sehr großes Glück!" "Das kann man wohl sagen" bestätigte Telewan. "Aber heute ist wohl nicht mein Glückstag, denn sie ist ja verheiratet, sagst du..." lachte der ältere Mann scherzend. "Ah, ihr Männer seid alle gleich!" lachte Ania und gab ihm einen Hieb mit der Faust auf seinen Oberarm. "Zeig uns lieber, was du da hast!" Sie entschieden sich schließlich für gebähte Brotscheiben, einen kleinen Sack getrockneter Birnen, sowie Weinbeeren, und einen Sack gequetschen Hafers. Augenzwinkernd, mit einem Blick auf Kesha, steckte er ihnen noch ein kleines Säckchen gerösteter Mandeln zu. "Als Willkommensgeschenk..." meinte er lächelnd. Die beiden Frauen hinterließen ihm die Robbenfelle, und gingen schließlich wieder ihrer Wege. Am Weg über den Platz fiel Kesha plötzlich der Mann auf, den sie vor zwei Wochen, am Tag ihrer Ankunft in der Halle des Ältestenrats gesehen hatte. Neugierig musterte sie ihn und stupste schließlich Ania an. "Wer ist dieser Mann?" fragte sie Ania beiläufig, wie nur möglich. Ania wandte den Blick in die Richtung, in welche Kesha sah und begann dann breit zu grinsen. "Ah, das ist Ke'yshu... Ein Einzelgänger... Man sieht ihn eher selten bei Anderen, oder auch bei Versammlungen, es sei denn, es sind hübsche Frauen..." zwinkerte sie ihr vielsagend zu. Kesha nickte stumm, während Ania fortfuhr. "Hüte dich vor ihm, keine Frau ist vor ihm sicher, er hat sie alle gehabt, die verheirateten, wie auch die unverheiratenen, die Töchter, wie die Mütter..." Kesha blickte sie lächelnd, wie auch fragend an und Ania fühlte sich ertappt. "Nein, mich hatte er nicht, ich bin eine ehrbare Frau, ich habe schon Menu, und ich habe ihm die Treue geschworen. Also hatte er wohl alle, außer mich..." lächelte sie frech, und als Kesha sie zweifelnd anblickte, meinte Ania "Nein, wirklich! Er hat sich hier schon vor einiger Zeit einen gewissen Ruf erarbeitet. Die Männer sind nicht wirklich begeistert, dass er wieder da ist, er war ja lange Zeit weg, alle waren froh darüber. Als er verschwand, war er ein Knabe, und zurück kam er als großer, kräftiger Mann... Ich denke, die meisten Männer sind neidisch auf ihn. Er sieht ja auch ganz gut aus. Nicht so gut, wie mein Menu, selbstredend, aber ich bin mir sicher, Ke'yshu ist sich dessen bewusst, und nutzt dies zu seinem Vorteil aus, dass dieFrauen ihm so zu Füßen liegen..." kicherte sie. "Erst vor zwei Wochen haben sie ihn aus der Gefangenschaft entlassen..." "Warum war er eingesperrt?" fragte Kesha neugierig nach. "Er hat einen Mann umgebracht..." hauchte Ania. Kesha runzelte die Stirn. "Aber es ist in diesem Fall ein wenig anders gewesen", erklärte Ania. "Es war der Mörder seines Vaters gewesen. Also wenn du mich fragst, wenn einer meinen Vater umbringen würde, ich würde auch versuchen, gleiches mit gleichem zu vergelten. Es ist nicht im Sinne unserer Rechtssprechung, aber es ist verständlich, ich würde das vermutlich auch tun... Oh, und wehe dem, der einem meiner Kinder etwas antäte..." grollte Ania. Noch immer war Keshas Blick auf den jungen Mann gehaftet, welcher da im Schnee stand, und mit seiner schwarzen Bekleidung einen starken Kontrast zu dem, im Sonnenlicht, grellen Schnee bot. Ania packte Kesha den Sack Hafer sowie den Sack mit den Brotscheiben auf und meinte "Da, mach dich einmal nützlich, und hilf mir tragen!" schimpfte sie lachend, und stupste mit ihrer Schulter Kesha an, um sie zum weitergehen zu bewegen. Als sie über den Platz liefen, hob Ania die Hand und rief dem jungen Mann zu "He, Ke'yshu! Was stehst du da so unnütz herum? Der Winter ist hereingebrochen, es gibt sicher auch für dich etwas zu tun! An der Küste reparieren sie die Boote, um bald wieder auf die Jagd zu gehen!" neckte sie ihn. "Soll ich euch miteinander bekannt machen?" fragte Ania Kesha, und diese versuchte, so ausdruckslos und desinteressiert wie nur möglich drein zu blicken. Aber in ihrem Inneren brannte sie darauf, diesen Mann kennen zu lernen, denn er war schon von weitem ein wirkliches Bild von einem Mann... Ania zog Kesha schließlich weiter. "Na komm, er beisst uns sicher nicht..." neckte sie die junge Arcanierin und nach nur wenigen Momenten hatten sie den Mann, den Ania Ke'yshu genannt hatte, auch schon erreicht. "Guten Morgen, du Herumtreiber!" führte Ania ihre Neckereien fort. "Darf ich dir Kesha vorstellen? Sie hat vor zwei Wochen am Horn des Drachen Schiffbruch erlitten, und wurde nun in die Gemeinschaft von Norr Bharrak aufgenommen. Sie wohnt bei uns..." Kesha kam es manchmal so vor, als sei sie Anias Eroberung, mit welcher diese überall, wo es nur ging, regelrecht prahlte. Doch sie wusste, dass Ania es nicht so meinte, sondern eine herzensgute Frau war. "Kesha, das ist Ke'yshu..." Dann fiel ihr die Namensähnlichkeit auf. "Kesha und Ke'yshu..." kicherte sie "Das ist lustig...!"
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
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Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Mo, 12. Aug 2013 13:37

Freundlich begrüßte die stark scheinende und tiefstehende Sonne den gerade entlassenen, geradezu entzückten Kewan. Leichten Schrittes hatte der Jäger das marmorne palastähnliche Gebäude des Rates verlassen und genoss für einen Moment einfach stumm die lange vermissten, beinahe schon vergessenen Strahlen, die in der kühlen Luft ein wenig Wärme zu spenden gedachten. Etwas geblendet hatte der Jäger die Augen zusammenkneifen müssen, denn die plötzliche Helligekeit war nach dem langen Kerkeraufenthalt überraschend, besonders bei einem derart tiefstehenden Sonnenball. Der geschmolzene Schnee, lediglich sanfte Kälte und das fehlende, sonst allgegenwärtige Geräusch von Stiefeln im Schnee, all das zeugte tatsächlich davon, dass der Sommer Einzug gehalten hatte, was der ungläubige Kewan vorerst nicht wahrhaben wollte. Doch der erquickende Geruch feuchter und aufgewichter Erde lag in der Luft und verband sich mit dem diverser Kräuter, die der Markt zu dieser Zeit an den Mann brachte und verfestigte die Annahme. Tatsächlich musste Kewan feststellen, dass seine Kleidung gar um einiges zu warm für diese Jahreszeit war und der Schweiß sich unter den dicken Lagen Fell, mit denen er sich damals als er in Ketten gelegt wurde vor der Käte schützte, seinen Weg aus den zahlreichen Poren der Haut fand und unangenehm an ihr klebte. Gemächlich öffneten sein rauen Finger die knöchernen Ösen, die den Mantel zusammenhielten und bewegten die dicken Ränder auseinander.Die kühle Luft flutete das Innere seines Mantels und lüftete das unbehagliche Befinden einfach aus. Wie lange Kewan nun genau eingesperrt worden war wollte er gar nicht wissen. Anhand von Sonnenstand und dem Betrieb auf dem großen Platz, der ihm von der ungefähren Uhrzeit zeugte müsste es bereits Spätsommer sein, was einige Monate bedeutete. Beunruhigend, wie sich der Jäger eingestand, denn er hatte noch überhaupt gar nicht für den kommenden Winter eingesorgt und die wenige Zeit, die ihm noch blieb würde er gut nutzen müssen. Sehr beunruhigend, wie dass soeben befreite Gemüt befand, denn die zurückerhaltene Freiheit sollte nicht mit Arbeit gefüllt werden, zu Mindest nicht vorrangig und doch war es ihm klar, dass es so kommen musste. Dieser Moment allerdings war im Großen und Ganzen sehr befreit von Sorgen und Befürchtungen, sondern viel mehr ein Ausdruck der Herrlichkeit von Freiheit in den Gedanken von Kewan, dessen Schritte langsam den Weg über den großen Platz zurücklegten. Zu sehr beherrschte die Entspannung seinen Willen, als dass er eilig hätte auch nur ansatzweise versuchen wollen zu seinem schäbigen Heim am Rande der kleinen Stadt Norr Bharrak zurückzukehren. Eine Entspannung, die sich nun allerdings auch größtenteils um jene Frau drehte, dessen goldenes Haar ihn vollkommen aus der Fassung gebracht hatte, oder womöglich sogar zurück in die Fassung. Ihr Anblick allein hatte sein kochendes Gemüt von einer Sekunde auf die andere abgekühlt und sie hatte ihn sofort in ihren Bann gezogen. Sie war von unvergleichlicher Schönheit gewesen, zu Mindest kam ihm das in diesem Moment so vor und sie war mit Sicherheit von weit her. Ein Umstand, der den Jäger nur noch mehr verzückte, denn die Ferne war nun sein Ziel. Für ihn war es klar, dass er nicht mehr in der Eiswüste bleiben wollte und wer konnte es wissen?! Vielleicht hatte sie ihm viel von der Fremde zu erzählen? Kewan hoffte es innig und vielleicht sogar noch ein wenig mehr als bloße Erzählungen… doch für den Moment, den er voll ung ganz auskostete, war die Vorfreude genug. Und doch, nach einiger Zeit, dessen Dauer sich nicht durch Kewan bestimmen ließ, trugen ihn seine Füße zu der Holzhütte, die ganz nahe an der Mauer emporragte und die er sein Heim nannte. Nicht hoch, eher kompakt wie es Brauch bei den Menschen der Eiswüste war, um im Winter den Wärmeverlust möglichst niedrig zu halten war sie konstruiert, doch in ihrer Erscheinung etwas windschief und wackelig, was wohl damit einher ging, dass Kewan alles andere als ein Baumeister war. Es fehlte dem Jäger einfach an der nötigen Übung und dem nötigen Geschick kunstvolle Häuser zu errichten, wie das sein alter Lehrer Annuun getan hatte. Zwar erfüllten die Seinen ihren Zweck, doch über viel mehr erstreckte sich ihr Nutzen nicht. Wie immer im Sommer war der Boden um die Hütte aufgewühlt von den Schritten passierender Nachbarn oder diverser Tiere, was allerdings für beinahe alle Bewohner des äußeren Rings eine Last darstellte und nich nur für Kewan. Im Sommer war es für alle immer wahrer Kraftakt größere Mengen an Vorräten oder anderen Dingen effizient zu den Hütten zu transportieren, denn der Schlamm erschwerte die Fortbewegung erheblich. Mit einem schmatzenden Geräusch stapfte er durch den morastigen Boden bis vor seine Haustür, die allerdings eher einem Bretterverschlag befestigt an zwei Scharnieren glich. Ein wirksames Schloss besaß der leicht marode wirkende Verschlag nicht, lediglich einen Riegel, der es Tieren unmöglich machen sollte die Tür einfach zu öffenen und das Innere zu betreten und da Kewan aber kein Tier war, überwand er das selbstgebaute Hindernis mit Bravur. Der mit Kies ausgefüllte Boden wurde durch den Schmutz der an seinen Fellstiefeln klebte nicht wirklich behelligt und dennoch machte sich der Jäger daran sein Schuhwerk zu entfernen, denn es war eine Art Gewohnheit, die er zu erhalten pflegte. Sein kalter Blick schweifte durch die mitgenommene Einrichtung, die durch die Nichtbenutzung im Winter sehr stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Etwas verdrossen dachte Kewan an die Arbeit, die auf ihn zukommen würde, denn beinahe alles hatte irgendwelche Mängel. Gefrorenes Wasser in dieversen Krügen hatte diese durch die fortwährende Ausdehnung im Winter springen lassen und seinen so ziemlich wertvollsten Besitz so unwiederbringlich zerstört. Seine Kiefer mahlten, als Kewan eine der gesprungenen Scherben auflas, um sie einge Momente später in irgendeine Ecke seiner Hütte zu pfeffern. Die Massen an Schmelzwasser hatten die Wände sogar an einigen Stellen absinken lassen, was allerdings auch sein Bett und ein Regal betraf. Generell war die Feuchtigkeit eines der Hauptprobleme, mit dem seine gesamte Einrichtung zu kämpfen gehabt hatte und unglücklicherweise diesen Kampf verloren hatte. Seufzend schleppte sich Kewan zu seinem Lager und hob es aus dem abgesunkenen Kiesboden, der stellenweise auch für seine Schritte sogar wie Treibsand wirkte. Seine Laune verschlechterte sich zusehends, als er bemerkte, dass durch die faulige Luft nicht nur die Wände seiner Hütte mit Schimmel besetztsetzt hatte.
"Scheiße...", knurrte der Jäger immer wieder bedrohlich, der froh war niemanden in seiner Nähe zu haben in diesem Moment, denn er wäre ihm mit Sicherheit an die Kehle gesprungen. Schon damals, als er aus dem Exil wiedergekehrt war, hatte es unheimlich viel Arbeit gekostet alles wieder herzurichten und in den kommenden Monaten würde unglücklicherweise nur unwesentlich weniger auf ihn warten und dazu musste er sich auch für den Winter eindecken und jagen gehen. Die Liste seiner Erledigungen wurde einfach nicht kürzer. Wutentbrannt trat er gegen das Gestell seines Bettes, dass daraufhin einmal morsch knackte und zusammenbrach. Als ob das nicht genug wäre, entdeckte Kewan zwischen den Fellen, auf denen er für gewöhnlich schlief nur noch mehr Schimmel und ein absolut widerlicher Geruch verbreitete sich im Inneren. Fluchtartig und hustend verließ er seine Hütte, oder das was davon noch übrig geblieben war.
"Na wunderbar", sagte er halblaut zu sich selbst, als der Jäger auf das häufchen Elend blickte, was er einst einmal sein Heim genannt hatte.


Die nächsten zwei Wochen zährten an Kewan beinahe mehr als der gesamte Gefängnisaufenthalt, der ja schon bisweilen seinen Vorrat an Geduld bis auf ein Minimum verbraucht hatte. Er schlief nicht, aß wenig und trank noch weniger, denn dem Jäger blieb schlichtweg einfach keine Zeit dazu. Größzügig hatte er Teile seiner Hütte niedergerissen und war lange und viel auf der Suche nach passenden Materialien für die Reparatur gewesen, die sich als deutlich schwieriger herausstellte, als die gesamte Konstruktion einer neuen Hütte, allerdings weitaus weniger Material verbrauchte, was zeitsparender war. In solchen Momenten war Kewan sehr glücklich, dass das Essen was man zu Leben brauchte durch den Rat an den Mann gebracht wurde und somit niemand wirklich Hunger leiden musste, denn Zeit zum jagen hatte Kewan bisher gar nicht gefunden, auch wenn das dringend notwendig war, denn beinahe sein gesamter Vorrat an Fellen war dem Schimmel und der feuchten Luft in der Ruine seiner Hütte zum Opfer gefallen. Doch ein Winter ohne ein dichtes Dach über dem Kopf war gleichbedeutend mit dem Tod. Sonderlich viel Hilfe konnte der Jäger von der Gemeinschaft von Norr Bharrak nicht erwarten, denn auch nach seiner Gefangenschaft war seine Beliebtheit nach wie vor unter Null. Zwar konnte er von einem alten Jäger, den er nur vom Sehen kannte ein paar alte Felle ergattern, doch das war nicht genug, um den Innenraum seines Heimes gegen die Kälte zu isolieren. Auch an Tran und Öl fehlte es und so wurde in den immer kürzer währenden Tagen beinahe unmöglich des Nachtens zu arbeiten, wenngleich er sich die gezwungenen Arbeitspausen nicht leisten konnte. Die Gewinnung des Lampenöls allerdings war kompliziert und hatte einen beträchtlichen Preis, den Kewan momentan einfach aufzubringen nicht imstande war, doch all das entmutigte ihn nicht, viel mehr stärkte es nur seinen Zorn auf diese Gesellschaft. Letztendlich war es nämlich sie, der er seine missliche Lage zu verdanken hatte und nichts und niemand hätte ihn von dieser Meinung abbringen können. Das er vielleicht selber durch sein unpässliches Verhalten, dass er stehts an den Tag gelegt hatte und immer noch tat, die Schuld trug, daran dachte er nicht. Mit Fassung allerdings stellte sich der Jäger allen Aufgaben und brachte es sogar fertig noch vor dem ersten Schnee seine Hütte von außen wieder herzurichten. Der kalte Wind, der den Winter ankündigte jedoch, fand noch immer seinen Weg durch die unverkleideten Holzwände und ließ ihn trotz dickem Mantel jede Nacht jämmerlich frieren. Auch jetzt, nach der erfolgreichen Reparatur seiner Hütte blieb ihm noch wenig Zeit für anderes. Von früh bis spät war Kewan nun auf der Jagd um die nötige Menge an Fellen aufzubringen, um für die Isolierung seines renovierten Heimes zu sorgen. Früher als seine Gefährten zog er los und weit später erst, hatte in sein Weg wieder in die schützenden Mauern von Norr Bharrak geführt, wenn er überhaupt noch am selben Tag zurückkehrte. Doch auch dieses Hindernis meisterte Kewan hartnäckig und nach zwei Wochen besaß der Jäger bereits wieder eine Hütte, die imstande war die Wärem gut im inneren zu halten und, was ganz besonders wichtig war, den Wind draußen hielt, denn dieser war sehr gefährlich. Was dem Jäger allerdings noch immer fehlte war ganz einfach eine Inneneinrichtung. Kewan lebte wahrlich von der Hand in den Mund, sein Tisch, Stühle, Regale, ja sogar sein Bett waren nach seiner wiederkehr unbrauchbar gewesen und soweit möglich bisher in den wärmenden Flammen gelandet. Noch vor dem ersten Schneeinbruchz hatte er von der Küste eimerweise Kies geholt und unter größten Anstrengungen den Boden seiner Hütte damit erneut ausgekleidet und darüber Fell gelegt, um wenigstens dort recht gemütlich und vor allem warm ruhen zu können. Feuerholz allerdings war besonders für ihn im Moment sehr knapp bemessen und Lampenöl besaß er noch weniger, wenngleich letzteres einfacher zu ergattern war.

Zwei Wochen nach seiner Freilassung schleppte sich der reichlich erschöpfte Kewan zum Markt, um sich nach den aktuellen Tauschkursen für gängiges Lampenöl umzuhören. Als seine müden Augen das palastähnliche Gebäude in der Mitte Norr Bharraks erspähten, kamen ihm die Worte des Rates wieder in den Sinn, der angekündigt hatte sich erneut bei ihm zu melden, doch war er stumm geblieben, was allerdings wenig verwunderlich war, da die Entscheidungen der Alten für gewöhnlich immer auf sich warten ließen. So stapfte der Jäger weiter durch den frischen, noch leicht pulverigen Schnee, der in den letzten Tagen vereinzelt gefallen war und die Schritte eines Jeden in den nächsten Dekaden begleiten würde. Der Winter war nun wirklich über die Weiten der Wiswüste gekommen und hatte dem Sommer nahtlos den Schneid abgekauft, den er ohnehin beinahe gar nicht besaß, so selten, wie er sich so hoch im Norden blicken ließ. Für Kewans Geschmack war ziemlich viel Betrieb auf dem Markt und man merkte förmlich, wie die Bewohner Norr Bharraks die letzten essenziellen Besorungen in Vorbereitung auf das wahre hereinbrechen des Winters machten. Der Jäger wünschte sich in der selben Situation wie sie zu sein, doch seine Vorbereitungen waren bisher gezwungenermaßen nur sehr rudimentär. Auch die Auskünfte über den Tauschkurs von Lampenöl waren eher sehr ernüchternd. Aufgrund der Masse an Fellen, mit denen die Händler bereits getauscht hatten war die lichtspendene Flüssigkeit damit beinahe nicht mehr zu bezahlen. Auch der Bedarf an sonstigen Materialien, die man aus Tieren bezog war scheinbar mehr als gedeckt, was in ihm die Wut hochkochen ließ, doch er hatte schlichtweg keine Kraft um sich aufzuregen und entfernte sich niedergeschlagen vom Markt. Sauer lehnte er sich an die Wand eines Hauses und dachte angestrengt darüber nach, was er tun konnte, doch seine Möglichkeiten waren mehr als begrenzt. Hätten die letzten Wochen ihn nicht so mitgenommen, wäre er vermutlich dem hochnäsigen Händler an die Gurgel gesprungen, doch in seinem jetzigen Zustand, glich seine Erscheinung mehr der einer Leiche, als der eines Menschen.
„He, K'eyshu! Was stehst du da so unnütz herum? Der Winter ist hereingebrochen, es gibt sicher auch für dich etwas zu tun! An der Küste reparieren sie die Boote, um bald wieder auf die Jagd zu gehen“, ertönte plötzlich eine bekannte Stimme und der Angesprochene wandte sich um. Es war Ania, eine recht nette Frau und Gemahlin von Menu, wenn ihn nicht alles täuschte. Doch ihre Begleitung interessierte den niedergeschlagenen Mann viel mehr! Es wär jene Fremde die er schon damals bei der Ratsversammlung gesehen hatte und die ihn so sehr in ihren Bann gezogen hatte. Selbiges passierte nun wieder. Bei ihrem Anblick, der nach wie vor engelsgleich in seinen Augen war, wurde ihm nur umso mehr bewusst, wie elend er sich eigentlich fühlte. Mit einem Mal kam der Hunger in ihm hoch, der ihn schon so lange plagte und mit ihm kam der Durst. Schrecklicher Durst, der in seiner Kehle schmerzte und ihn ganz leicht, kaum merklich einmal husten ließ. Die beiden Frauen tuschelten kurz miteinander und seine steingrauen Augen hafteten auf der Fremden, deren Schönheit beim näherkommen ihm den Atem raubte.
„Guten Morgen, du Herumtreiber!" , begann Ania von neuem und lächelte spitzbübisch in Kewans Gesicht, dessen Anblick sie leicht erschreckte, "Darf ich dir Kesha vorstellen? Sie hat vor zwei Wochen am Horn des Drachen Schiffbruch erlitten, und wurde nun in die Gemeinschaft von Norr Bharrak aufgenommen. Sie wohnt bei uns..."
Matt grinsend nickte der Jäger und wartete einen kleinen Moment bevor er antwortete, denn Ania schien in ihren Ausführungen noch nicht fertig und seine Vorahnung sollte Recht behalten:
"Kesha, das ist K'eyshu...", fuhr sie Frau fort, bis ihr die Namensähnlichkeit ins Auge fiel, "Kesha und K'eyshu...", kicherte sie, "Das ist lustig...!"
„Freut mich.“, antwortete Kewan schließlich mit seiner etwas belegten Stimme, ohne das Grinsen auf seinem bleichen Gesicht abzulegen und streckte Kesha dabei die Hand entgegen, die sie ohne zu zögern, aber nicht überhastet ergriff und schüttelte. Sie wirkte leicht desinteressiert, was den Jäger aber nicht im Geringsten verunsicherte, „Das Horn des Drachen, sagst du Ania? Bei den Göttern, ihr habt Eier in der Hose!“
Das musste er neidlos anerkennen, ein solches Unterfangen war mehr als nur verrückt und wäre mit Sicherheit ein geeignetes Unterfangen, um Kewans Nervenkitzel mal wieder auf die Spitze zu treiben. Kesha nickte und verkniff sich ein Kichern, ob der derben Ausdrucksweise, der Ania allerdings verfiel und hörbar lachte.
„Ja, das muss man wohl…“, antwortete Kesha, die dem vielsagenden Blick des Jägers standhielt. Zwar war der Glanz seiner Augen eher schwach ob der Müdigkeit, doch hatten sie gleichwohl etwas Geheimnisvolles.
„Und wie kann ich den Damen helfen?“
Die wahrhaftige Schönheit dieser Frau die Kewan, besonders jetzt, da er Ablenkung gut gebrauchen konnte, sehr tangierte, legte einen verführerischen Unterton in seine Stimme.

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Mo, 12. Aug 2013 21:35

Seine angebotene Hand, die er ihr entgegenstreckte, fühlte sich kräftig und rau an, als sie sie ergriff. Sie drückte sie nicht, wie dies so Brauch war, meistens legte sie nur ihre Hand in die dargebotene, um diese zu begreifen. Kesha war sich dessen bewusst, dass sie mit einer solchen Feste nicht immer Sympathien weckte, ein kräftiger, herzlicher Händedruck wirkte da oftmals gleich anders. Doch Kesha kümmerte sich nicht darum, was andere Menschen fanden und dachten. Sie fand, dass Hände ebenso viel über einen Menschen aussagen konnten, wie zum Beispiel die Augen. Groß, kräftig, rau und kühl, waren seine Hände ebenso wie seine grauen Augen, die sie aufmerksam musterten. Und sie konnte sich nicht dem Gedankenerwehren, wie es sein würde, wenn er sie mit diesen Händen berühren würde, und mit diesen Augen betrachten würde, wenn sie nackt vor ihm läge. Kesha ihrerseits musterte Ke'yshu mit denselben, eingehenden, und aufmerksamen Blicken, und in diesen wenigen Augenblicken, versuchte sie, sein Gesicht einzufangen. Ein Blick genügte, um zu erkennen, dass seine letzte Rasur schon eine Weile her war, aber nun gut, vielleicht ließen die Eismenschen ihren Bart im Winter wachsen, um einen zusätzlichen Schutz vor der Kälte zu haben? Kesha wusste nicht viel über die Gepflogenheiten dieser Leute hier, und so dachte sie sich nichts weiter dabei. Über seinem Bart war unverkennbar eine verheilte, aber noch ziemlich gut sichtbare Narbe hervor, die unter dem Auge begann, und sich bis nach hinten zum Ohr zog. Interessanterweise stellte diese keinen entstellenden Makel dar, sondern machte sein Gesicht erst richtig interessant. Er war nur eine halbe Handbreite größer als Kesha, was sie ein wenig amüsierte, aber so waren die Eismenschen alle. Sogar ihr Levan war mit seinen sechs Fuß ein deutliches Stück größer als er. Trotz dem Größenunterschied schienen Welten zwischen den beiden Männern zu liegen. Alles in allem wirkte er ein wenig ungepflegt, wie die meisten bürgerlichen Menschen der Unterschicht in Rômachar, aber ihm haftete etwas Wildes an, etwas Aufregendes, etwas, das sie bisher bei keinem der Männer bemerkt hatte, die sie bislang getroffen hatte, und plötzlich fand sie Levan nur noch ein Stückchen uninteressanter.

"Es freut mich ebenso..." meinte sie leise, während sie sich ein wenig länger die Hand gaben, als es üblich war. "Das Horn des Drachen, sagst du Ania? Bei den Göttern, ihr habt Eier in der Hose!“ meinte er geradewegs heraus, und Kesha versuchte, sich ein Kichern zu unterdrücken. " „Ja, das muss man wohl…“ meinte Kesha. "Es war meine Idee, zur Trümmerküste zu fahren, das ist der Mut des arcanischen Volks..." sprach sie mit ein wenig Stolz. Tief in ihrem Herzen hatte sie ihre Wurzeln nicht vergessen, und war trotzdem stolz darauf, aus Arcanis zu stammen. "Und wie kann man den Damen helfen?" fragte er, und Kesha ihrerseits blickte Ania fragend an. "Wenn du schon so nett fragst, Ke'yshu, dann nimm den schweren Hafersack und trag ihn nachhause. Wo wir wohnen, weißt du ja... Wenn du uns hilfst, sind wir eher zuhause, und dann kann Kesha umso schneller ihren Ehemann besuchen, der im Haus der Heilerin liegt..." antwortete Ania mit einem boshaften, kaum merkbaren Lächeln, und schien gar keinen Hehl aus ihrer Andeutung zu machen, die hinter den Worten lag. "Wie geht es Levan eigentlich?" fragte Ania beiläufig. "Du hast mir in den letzten Tagen gar nichts davon erzählt, wenn du von deinen Besuchen heimgekommen bist..." "Es geht ihm von Tag zu Tag besser, aber es wird noch einige Wochen dauern, bis er wieder gehen kann..." murmelte Kesha. Sie ärgerte sich, dass Ania jetzt und vor Ke'yshu von Levan angefangen hatte und sie senkte den Kopf und sah auf den festgetretenen Schnee. "Ah, ich habe meine Tasche bei Telewan vergessen.. Wartet bitte einen Augenblick, ich bin gleich wieder da..." meinte Ania, und wandte sich um und ging den Weg über den Platz zurück zu den Händlerständen.

Kesha hob den Kopf wieder, und blickte Ke'yshu wieder an. "Ke'yshu also..." begann sie, und lächelte den Mann an. "Nenn mich Kewan, und nicht Ke'yshu..." begann er in einem auffordernden Ton und Kesha blickte ihn ein wenig verwundert an. "Aber Ania sagte doch, du heisst Ke'yshu... Ist das nicht dein richtiger Name?" erkundigte sie sich. "Doch, schon, aber ein alter Freund hat mir den Namen gegeben und meine Freunde nennen mich so..." erklärte er und sie nickte verstehend. "Deine Freunde also... Wenn man dem Gerede über dich Glauben schenken darf, dann hast du hier nicht viele Freunde? Also könnte es sein, dass niemand dich Kewan nennt, sondern sie alle Ke'yshu zu dir sagen?" erwiderte sie ein wenig biestig. "Aber wenn du willst, dann nenne ich dich 'Kewan', denn ich gebe nichts auf das Gerede der Menschen, Kewan..." lenkte sie ein, während sie seinen Namen mit einem etwas tieferen Ton in ihrer Stimme betonte und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. Ihr Lächeln verschwand aber bald wieder, und sie setzte wieder eine etwas ernstere Miene auf. "Ania sagt, dass du der ansehnlichste Mann in diesem Dorf sein sollst, aber in meinem Land messen wir anscheinend mit einem anderen Maß... Du siehst sehr müde aus, Kewan... Waren die letzten deiner Nächte so schlaflos?" fragte sie ihn frech. "Ania sagt auch, dass du hier einen gewissen Ruf hast, dass du alle Frauen in Norr Bharrak hattest, alle, außer ihr..." Erneut verzogen sich ihre Lippen zu einem herausfordernden Lächeln, und sie fügte hinzu "Aber da ich wie gesagt nichts auf das Gerede anderer gebe, frage ich dich, ist es wahr, dass du zwischen all ihren Schenkeln gelegen bist?"

Von weitem kam Ania wieder angestapft. Kesha warf einen Blick zu ihr, doch Ania lief wieder zurück zu dem Händler, und Kesha fragte sich, was sie nun wieder vergessen hatte. Allmählich fror sie. Kesha wandte den Kopf wieder zu Kewan und er meinte lässig "Verheiratet also?" und Kesha lächelte verlegen. "Ja, so ist es... Seit beinahe zehn Jahren..." Sie legte ihren Finger an ihre von der eisigen Luft kalten Wange, und meinte, eher zu sich selbst "Du liebe Güte, schon fast zehn Jahre..." Sie kniff ihre Augen leicht zusammen und begann zu erzählen "Ich stamme aus Arcanis, dort haben wir uns kennengelernt. Er war ein junger, gutaussehender Mann, so wie du, und sein Geschäft war vielversprechend. Meine Eltern waren gegen eine Heirat, sie wollten, dass ich einen Arcanier, der ein glühender Anhänger der Geschwister ist, eheliche, und eine tugendhafte, brave Frau werde... Aber wir waren sehr verliebt ineinander, und so bin ich davon gelaufen und mit ihm mit. Flugs waren wir verheiratet. Doch die Jahre waren nicht gnädig mit ihm, zwar laufen die Geschäfte ausgesprochen gut, aber er hat sich gehen lassen, man sieht es ihm an, dass er sehr wohlhabend ist, er wurde fetter und fetter, und auch sein Haarwuchs spärlicher. Kaum zu glauben, dass es vor zehn Jahren anders war. Aber die Jahre haben uns auch entzweit. Er war oft auf Handelsreise, und ich sehr einsam. Meinen sehnlichsten Wunsch, ein Kind, konnte er mir nie erfüllen..." Für einen Moment sah Kesha traurig zu Boden, doch dann besann sie sich wieder. Sie hatte ihm definitiv mehr erzählt, als sie eigentlich wollte. "Es ist unglaublich kalt bei euch..." wechselte sie sprunghaft das Gesprächsthema... "Und Levan liegt im Haus der Heilerin... Nicht, dass ich versessen darauf wäre, dass er mir mein Bett wärmt, aber..." Sie unterbrach sich. Und schon wieder lief das Gespräch in eine solche Richtung. Doch sie tat sich beinahe schon leid, diese zwei Wochen in dieser kalten Einöde hier, machten sie beinahe schon mürbe... Ania war zwar eine sehr nette Frau, aber diese Kinderschar, die nicht ihre eigene war, drückte auf ihr Gemüt. Kesha griff unter ihren Pelzen an ihren Gürtel, und nestelte den Wasserschlauch hervor, in welchem sich der Schnaps befand. Sie zog den Stopfen aus dem Hals und trank einen Schluck. Er wärmte so schön von innen heraus. Schließlich bot sie Kewan den Schlauch an. "Möchtest du einen Schluck? Hast du schon einmal Schnaps getrunken?" fragte sie ihn. "In unserem Schiff gab es viele Fässer davon. Schade darum. Der Frachtraum lief voll Wasser. Ich befürchte, der Schnaps ist unwiderbringlich verloren... Manchmal würde ich gerne nachsehen, ob das Schiff immer noch an einer der Klippen hängt, oder längst gesunken ist." Ania kam wieder herbeigestapft. Sie brummte über sich und ihre Zerstreutheit. "Das sind die Kinder! Ich schwöre es, ich kann mir nichts mehr merken!" Sie deutete auf den großen Hafersack und blickte schließlich Kewan an. "Na dann komm, Ke'yshu... Bevor mir der Hafer hier noch einfriert..." meinte sie, und dann liefen sie schnurstarks und im Gänsemarsch zu Anias Haus.

Anias und Menus Haus war ein gemütliches Nest. Das prasselnde Feuer verbreitete eine wohltuende und heimelnde Athmosphäre, an und an knackte laut ein Holzscheit darin, und es roch gut in der Hütte. Der Boden war mit einer dicken Schicht Stroh ausgelegt, darüber waren Holzbretter gelegt, und dann war der Boden noch mit zahlreichen, wild gemischten Tierfellen und Häuten ausgelegt, was Menu eben so vor den Speer kam. Der Boden war gut isoliert, dass man ohne weiteres am Boden schlafen konnte, was die Familie auch tat. Betten gab es keine, des Nachts schlief die Familie am Boden, und des Tages spielte sich auf demselben Platz der Alltag ab. "Schließ die Türe bitte hinter dir, Ke'yshu!" rief Ania, die als erste in das Haus gegangen war. Kesha stellte ihre Lebensmittelsäcke ab, und kaum, dass sie in der warmen Hütte angekommen war, musste sie sich von ihrem warmen Pelzmantel befreien. Ihre Wangen waren bald rotgefärbt, und zauberten einen reizenden Kontrast zu ihrer milchig-hellen Haut in ihr Gesicht. Kesha trat an die Feuerstelle und rieb sich ihre roten, eiskalten Hände, bis sie diese wieder spürte. "Möchtet ihr etwas trinken? Ich brühe schnell einen Kräutertee auf, es geht ja schnell, das Wasser simmert im Kessel bereits! Ke'yshu, bleib doch auch noch ein Weilchen, du siehst müde und hungrig aus, hm?" Mit diesen Worten schob sie den Eisenhaken, an welchem der wassergefüllte Kessel hing, über das Feuer, legte noch ein Holzscheite nach, und kramte aus der Speisekammer ein wenig Brot, geräucherten Fisch, sowie einige Scheiben getrocknete Apfelscheiben. Schnell hatte sie eine kleine, bescheidene, aber wohlschmeckende Brotzeit an dem niederen Tisch gerichtet, und die drei setzten sich auf dicke Schaffellpolster. Kesha umklammerte mit ihren Händen den heißen Becher mit dem Kräutertee und sowohl sie, als auch Kesha beobachteten den hübschen Mann, der begierig aß. Nach einer Weile meinte Ania zu Kewan "Ke'yshu, du brauchst ein Weib... Nicht nur eine, die dir ab und an das Bett wärmt, sondern eine, die für dich sorgt, die für dich kocht, und die dir einen Grund gibt, wohlbehalten von der Jagd zurückzukommen..." Ania war noch nie eine der taktvollsten gewesen, auch, wenn sie es nicht böse meinte. Sie sprach, ohne nachzudenken, und wie ihr der Schnabel gewachsen war. "Und nun sieh dich einmal an! Du sollst unser Stammesschönster sein? Ha, dass ich nicht lache! Du wirst schon sehen, bald macht dir Menu diesen Rang abspenstig!" kicherte sie. Dann warf sie einen Blick auf Kesha. "Sag ehrlich, findest du ihn schön? So, wie er herumläuft? Die Haare, der ungepflegte Bart, das müde Gesicht, die angetragene Kleidung! Warum lassen sich manche Männer so furchtbar gehen?" Kesha wusste nicht, ob sie darauf eine Antwort geben wollte, oder sollte, und sie zog es vor, zu schweigen. Doch Ania ließ nicht locker. "Na, jetzt sag schon, wir sind doch hier unter uns!" "Es steht mir nicht zu, Ania, ich bin eine verheiratete Frau, ebenso wie du, Ania, vergiß das nicht!" meinte sie. "Weil du es gerade sagst, Kesha, wolltest du nicht zu Levan gehen?" Nein, das wollte sie nicht...
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Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Di, 13. Aug 2013 13:04

Der lasche Händedruck an sich kümmerte Kewan nur wenig, ihr Blick jedoch gepaart mit der bloßen Berührung dagegen fesselte ihn weitaus mehr. Sein Herz machte einen großen Hüpfer, denn diese Fremde hatte nun endgültig sein Interesse geweckt und beinahe jede Frau, die dies getan hatte war letztendlich dort gelandet, wo er sie haben wollte. Irgendetwas allerdings sagte Kewan, dass er mehr würde aufbringen müssen als sonst. Kesha war von ihrer Erscheinung allein ganz anders und hatte etwas geheimnisvolles an sich, das zu durchdringen er auf biegen und brechen er versuchen würde. Während seine müden Augen den Moment des Blickkontaktes voll und ganz auskosteten, wurde ihm erst bewusst, wie schlecht sein eigene körperliche Verfassung war, die so im Gegensatz zu der Keshas stand. Kewan kam nicht umhin zu bemerken, dass auch sie ihn interessiert musterte, wenngleich sie jedoch alles versuchte möglichst gegenteilig zu wirken. Das gelang ihr ziemlich gut, wie der Jäger fand, aber er hatte schon zu viele dieser Blicke gesehen, als das er sich von so etwas hinters Licht führen ließ. Kewan wusste ganz genau, wie er auf beinahe alle Frauen wirkte und das war bei ihr nicht anders, davon war er felsenfest überzeugt.
„Arcanisches Volk also…“, wiederholte er die Worte Keshas und machte in seinem Gesichtsausdruck keinen Hehl daraus, dass er damit nur äußerst rudimentäres Wissen verband, was ihn aber nicht wirklich kümmerte. Langsam ließ er ihre Hand los, ohne den Blick von ihr zu nehmen. Wichtig war lediglich die Erkenntnis für ihn, dass sie damit etwas verband, dass ihr anscheinend wichtig war. Auf seine Frage hin bekam er die erwartete Antwort: „Wenn du schon so nett fragst, K'eyshu, dann nimm den schweren Hafersack und trag ihn nachhause. Wo wir wohnen, weißt du ja... Wenn du uns hilfst, sind wir eher zuhause, und dann kann Kesha umso schneller ihren Ehemann besuchen, der im Haus der Heilerin liegt...“
„Verstehe.“, erwiderte der Jäger kurz und nahm den Hafersack ohne eine wirkliche Zustimmung entgegen. Das Wort Ehemann ließ ihn innerlich kurz zusammenzucken, auch wenn es nie wirklich ein Hindernis für ihn gewesen war, eher ein einfacher Umstand den es zu bewältigen galt, was nicht unmöglich war. Auf fremde Männer allerdings war Kewan eher sehr schlecht zu sprechen, immerhin war es einer von ihnen gewesen, der seinen Vater auf dem Gewissen hatte und das würde er niemals vergessen. Zwar wusste er, dass das sehr vorurteilsbehaftet war, doch es war einfach ein Gefühl das in ihm aufstieg und gegen das zu wehren sinnlos war. Genauso gut hätte man versuchen können die Sonne vor dem Aufgehen zu hindern. Komischerweise gab dieser Umstand dem Jäger nur noch mehr Ansporn diese Frau für sich zu gewinnen, wenngleich er sich nicht vorstellen konnte eine dauerhafte Beziehung mit ihr einzugehen. Immerhin wusste er beinahe weniger als nichts von ihr und noch immer war Kewan davon überzeugt, dass er einfach nicht der Charakter für derartige Dinge war. Was ihn aber stark wunderte war, dass er sich überhaupt mit einem solchen Gedanken beschäftigte, obwohl noch überhaupt nichts passiert war. Unauffällig schüttelte er ganz leicht den Kopf und folgte den beiden Frauen. Aus dem weiteren Gespräch der beiden entnahm Kewan, dass der Verletzte, der hinter Kesha damals in den Ratssaal hineingetragen wurde wohl ihr Mann gewesen war. Leicht verzog er amüsiert den Mund zu einem schiefen Lächeln. Das würde wohl einiges leichter machen. Kurz darauf verschwand Ania unter dem Vorwand ihre Tasche bei einem dieser Händler vergessen zu haben und wieß die beiden an einen Moment zu warten, was sie schlußendlich auch taten.
„K’eyshu also…“, begann Kesha von neuem und der Angesprochene nickte freundlich.
„Nenn mich Kewan, und nicht Ke'yshu...", antwortete der Jäger und suchte erneut ihren Blick. Auf ihre Verwunderung hin reagierte er gelassen und erklärte ihr die Situation allerdings etwas unvorteilhaft, woraufhin sich seine Befürchtungen bewahrheiteten. Ania hatte wie immer zu viel geplappert, was auch damals der Grund gewesen war, weshalb er von ihr abgelassen hatte, wenngleich ihr Äußeres auch nicht mal von schlechten Eltern war. Kewan zuckte lediglich mit den Schultern und blickte ihr weiterhin ungeachtet der scharfen Aussage vielsagend in die Augen.
„Möglich ist es…“
Als sie seine Bitte dennoch akzeptierte erwiderte er ihr wunderschönes Lächeln, behielt es allerdings länger auf seinen Zügen als sie, was bei ihm allerdings nicht unpässlich wirkte. Zusammen mit seinem rätselhaften Blick wirkte er wie ein Mann der jeden Moment zu einer Überraschung bereit war und an dessen Anblick man einfach das Interesse nicht verlor. Auch die folgende Bemerkung entlockte seinem Gesicht keine wirkliche Veränderung, wenngleich sie auch ein wenig eigenartig wirkte. Wie es schien war Kesha recht resolut, was den Umgang mit anderen angeht und sprach recht gerne frei heraus, was sie dachte. Kewan mochte das, denn das bedeutete meist, dass man weniger Mühe hatte in ein Gespräch zu kommen und einem meist sogar eine eher passivere Rolle offenbarte.
"Ania sagt, dass du der ansehnlichste Mann in diesem Dorf sein sollst, aber in meinem Land messen wir anscheinend mit einem anderen Maß... Du siehst sehr müde aus, Kewan... Waren die letzten deiner Nächte so schlaflos?", waren ihre Worte auf welche Kewan einen Moment mit der Antwort warten ließ. Er rätselte, ob es sie wirklich brennend interessierte, oder ob sie lediglich auf ein Wortgeplänkel hinaus war. Der Jäger beschloss brav mitzuspielen, denn was hatte er schließlich zu verlieren?
„Soso, sagt Ania das!?“, fragte er rethorisch in dem selben rätselhaften Ton, den auch seine gesamte Mimik ausstrahlte, „Auf welche Maßstäbe legt ihr denn wert? Und die letzten Nächte waren wohl ziemlich anstrengend, wie du richtig erkannt hast, Kesha, aber wohl in einer anderen Art als du vielleicht glaubst.“
Je näher er dem Ende des letzten Satzes kam, desto wärmer wurde sein Lächeln und entfernte sich von dem mehrdeutigen Ausdruck, den er zuvor aufgelegt hatte. Auf die schnelle hatte der Jäger Kesha mehr als den herrischen Typ eingeschätzt, der womöglich weniger mit der Hand arbeitete als die meisten Anderen.
„Sie waren wohl in einer für dich recht unbekannten Art ermüdend…“, fügte er noch spitz hinzu und zwinkerte frech mit dem rechten Auge, ohne das Grinsen abzulegen. Es war mit Sicherheit eine gewagte Aktion, die er dort tätigte, doch er wäre nicht Kewan, wenn er nicht eine dezente Provokation mit eingebracht hätte, auch wenn er nicht einmal genau wusste, ob er mit der Vermutung richtig lag, dass Kesha nur wenig Handarbeit tätigte. Ihre Erscheinung und auch ihre samtig weichen Hände jedenfalls zeugten nicht davon, was den Jäger allerdings nicht im geringsten störte.
"Ania sagt auch, dass du hier einen gewissen Ruf hast, dass du alle Frauen in Norr Bharrak hattest, alle, außer ihr...", begann sie von neuem und das ebenso herausfordernd wie zuvor, "Aber da ich wie gesagt nichts auf das Gerede anderer gebe, frage ich dich, ist es wahr, dass du zwischen all ihren Schenkeln gelegen bist?"
„Donnerwetter! Ania hat dir aber viel über mich erzählt! Warst wohl neugierig, was?“, antwortete Kewan ebenso herausfordernd und erwiderte das Grinsen, während er sich mit der freien Hand durch die Haare fuhr, „Welcher wahre Mann würde sich wohl gegen einen derartigen Ruf wehren?“
Dabei ließ er bewusst die exakte Antwort im Dunkeln und erhöhte auch gekonnt seine Position gegenüber den anderen Männern, denn er wusste, dass das einer der Hauptgründe war, weshalb er so unbeliebt in der Gemeinschaft war.
„Aber warum willst du das wissen? Willst du auch dazu gehören?“
Sein Tonfall verriet, dass der Jäger auf eine derart spitze Bemerkung keine wirkliche Antwort erwartete, doch innerlich rechnete er bereits mit einem ebenso unpässlichen Kommentar, denn immerhin hatte er genug Angriffsfläche gelassen und das bewusst. Außerdem schätzte er Kesha auch so ein, als ob sie so etwas nicht auf sich beruhen lassen würde. Von weitem erkannten beide, dass Ania sich anschickte zu den beiden zurückzustoßen, allerdings auf halbem Weg erneut kehrt machte und aus ihrem Blickfeld verschwand.
„Verheiratet also?“, fing der Jäger das Thema erneut auf, klang dabei aber nicht enttäuscht oder sonst irgendwie tangiert, sondern vielmehr freundlich und vielleicht sogar ein wenig keck.
„Ja, so ist es... Seit beinahe zehn Jahren...“, antwortete sie und Kewan legte verwundert die Stirn in Falten, bei genauerem nachdenken aber, war das durchaus legitim. Wie alt mochte sie sein? Er schätzte Kesha auf Mitte Zwanzig, auf ungefähr sein Alter, auch wenn er sich nicht hundertprozentig sicher war. Vielleicht sahen die Fremden aus dem Land, dessen Name er schon wieder vergessen hatte im Alter etwas jünger aus… Der Jäger vernahm genau, was sie zwar mehr zu sich selbst sagte, als zu ihm und setzte daraufhin ein zufriedenes Lächeln auf. Sie erzählte recht freigibig über sich, was Kewan sehr freute. Immerhin hatte er noch fast nichts über sich preisgegeben und auch nur die Gerüchte halb bestätigt, über deren Wahrheitsgehalt sie ihn ausgefragt hatte. Wie er das jetzt deuten sollte, das wusste er noch nicht, doch entweder war es Interesse an seiner Person, oder Kesha war ein Tratschweib, was er allerdings nicht dachte, beziehungsweise hoffte. Als die Fremde dann erneut die Stimme hob und von selbst begann die Geschichte von sich und ihrem Ehemann zu erzählen fühlte er sich ein wenig überrumpelt. Wenn er ehrlich war, wollte Kewan das alles gar nicht wissen, doch er lächelte immer freundlich und nickte brav. Es wirkte etwas unbeholfen, doch keinesfalls übertrieben. Wie sie ihm einfach so und ohne Zwang berichtete, hatten sich die beiden Ehepartner anscheinend auseinandergelebt und zwar so sehr, dass Kesha offen ihre Unzufriedenheit über ihren Gatten zur Schau stellte. Erneut legte Kewan die Stirn in Falten, sagte aber nichts, grinse lediglich etwas überfordert. Auch dass er ihren Kinderwunsch nie erfüllen konnte schien an Kesha zu nagen. Manchmal hatte Kewan auch darüber nachgedacht, wie es wäre einen Sohn oder eine Tochter zu haben, doch dann erinnerte er sich schmerzlich daran wie seine Kindheit war und wie wenig Zeit sein Vater damals für ihn gehabt hatte. Kewan hatte alles in allem überhaupt keine Ahnung, was man als Vater zu tun hatte und so verwarf er den Gedanken schnell wieder, was auch damit zu tun hatte, dass feste Beziehungen oder gar eine Heirat nichts für ihn waren. Kesha hatte es allerdings geschafft ihren Gesprächspartner in Verlegenheit zu bringen, was nur sehr selten der Fall war und ihm fiel ein kleiner Stein vom Herzen, als sie so plötzlich wie sie von ihrer Vergangenheit angefangen hatte, das Thema auch wieder wechselte
„Es ist unglaublich kalt bei euch...“, sagte Kesha urplötzlich und Kewan brauchte einen Moment um seine Gedanken wieder zu sammeln.
„Ähm… ja, das ist es wohl. Heißt ja schließlich nicht ohne Grund Eiswüste hier, würde ich sagen.“, war seine schnell dahergeplapperte Antwort, auch wenn er es noch vergleichsweise mild fand. Kesha würde sich noch wundern, wenn erst die Schneestürme durch das Land fegen würden. Das war erst die wahre Kälte.
„Und Levan liegt im Haus der Heilerin... Nicht, dass ich versessen darauf wäre, dass er mir mein Bett wärmt, aber...", fuhr sie fort, biss sich aber sogleich auf die Lippe, als sie merkte was sie da angedeutet hatte. Wieder grinste Kewan und klopfte ihr auf die Schulter.
„Wäre doch gelacht, wenn dem nicht Abhilfe geschafft werden könnte“, antwortete er frei heraus und völlig desinteressiert ob der Verletzung von Keshas Ehemann. In Kewans Sichtweise existierte er nur am Rande, er war viel mehr auf sich und seine Ziele die er vor Augen hatte fixiert und eines davon stand direkt vor ihm. Schließlich griff sie an ihren Gürtel nach einem Wasserschlauch, entfernte denStopfen und nahm einen teifen Schluck. Der Jäger war verwundert, dass der Inhalt bei diesen Temperaturen noch nicht gefroren war und so nahm er dankend das Getränk entgegen und nahm einen Schluck wie ihm geiheißen. Es war schrecklich und gleichzeitig auch wunderbar. Hustend nahm er den Schlauch von den rissigen Lippen und wischte sich erschrocken den Mund. Das Getränk brannte höllisch, wärmte allerdings auch angenehm von innen heraus.
„Was bei den Göttern!“, presste Kewan noch immer hustend hervor,“Was ist das? Das hab‘ ich wahrlich noch nie getrunken!“
Tatsächlich, so etwas kannte man hier in der Eiswüste nicht, oder zu Mindest nicht, dass Kewan davon wusste. Schnaps, wie sie das Getränk nannte würde sich der Jäger definitiv merken müssen, denn Kesha schien das gänzlich ohne beschwerden trinken zu können. Er sah das ganze ein wenig als eine Herausforderung an, auch wenn er nicht wirklich wusste wie er das einschätzen sollte. Als sie ihr Schiff erwähnte, das noch mehr von diesem Teufelszeug zu beinhalten schien, verzog er leicht angesäuert das Gesicht.
„Ich hoffe, das ist nicht alles was du hast, Kesha! Das Zeug is‘ wirklich… interessant!“
Endlich stieß Ania wieder zu der Gruppe und ärgerte sich ein wenig über ihre Zerstreutheit, ehe sie die beiden anwies ihr zu ihrem Heim zu folgen. Kewan hatte ein ungutes Gefühl dabei. Er und Menu standen sich nicht besonders nahe, hatten sogar eine gewisse Abneigung gegeneinander und eigentlich wusste das Ania, was darauf hofffen ließ, dass ihr Gatte nicht im Hause war. Anias Haus war größer und weitaus besser eingerichtet, als seine schäbige Hütte, die der Jäger mit Mühe und Not noch vor Einbruch des Winters reparieren konnte. Wie ihm angewiesen wurde, schloss er die Tür hinter sich und legte den Hafer dort ab, wo Kesha ihre Einkäufe abgestellt hatte. Genau beobachtete er sie, wie sie den dicken Mantel ablegte und so mehr von ihrem Körper preisgab, als das bloße Gesicht. Das Ergebnis konnte sich in Kewans Augen mehr als sehen lassen. Auch wenn sie noch immer recht dick angekleidet war, so konnte man ihre wunderbare Figur durchaus erkennen, die perfekt zu der Schönheit ihrer Züge zu passen schien. Schnell tat er es den Frauen gleich und legte den Mantel ab. Daruter trug er einen recht engen, dunkelbraunen Überzug aus gegerbten Leder, der ihm optimale Bewegungsfreiheit für die Jagt garantierte und dabei die wärmende Funktion nicht vernachlässigte. Immer nickend bestätigte Kewan die Fragen Anias, die ihm freundlicherweise eine ordentliche Mahlzeit bereitstellte, die er begierig zu sich nahm. Mit dem Essen kam auch die Energie in seinen Körper zurück, wie er sofort spürte und die Müdigkeit verschwand zusehends, wohl aber erst gänzlich, wenn er eine ordentliche Mütze Schlaf abbekommen hatte.
„Ke'yshu, du brauchst ein Weib... Nicht nur eine, die dir ab und an das Bett wärmt, sondern eine, die für dich sorgt, die für dich kocht, und die dir einen Grund gibt, wohlbehalten von der Jagd zurückzukommen...", sagte Ania irgendwann frei heraus, was mal wieder ganz typisch für sie war und Kewan blickte verwundert auf, ohne etwas zu sagen, „Und nun sieh dich einmal an! Du sollst unser Stammesschönster sein? Ha, dass ich nicht lache! Du wirst schon sehen, bald macht dir Menu diesen Rang abspenstig!“
Der Jäger kaute immer langsamer und auf seinem Gesicht bildete sich ein schiefes Grinsen, doch Ania war anscheinend noch nicht fertig und wandte sich an Kesha, die er vergnügt mit Blicken musterte.
„Sag ehrlich, findest du ihn schön? So, wie er herumläuft? Die Haare, der ungepflegte Bart, das müde Gesicht, die angetragene Kleidung! Warum lassen sich manche Männer so furchtbar gehen?"
Noch immer hatte er keinen Kommentar dazu übrig, denn sie konnten ja nicht wissen, wie anstrengend die letzten beiden Wochen für ihn gewesen waren. All die Arbeit hatte ihn viel gekostet und nahm auf abseh bare Zeit unglücklicherweise kein Ende. Vielleicht hatte sie ja recht, dachte er, während seine Augen stramm auf Kesha gerichtet waren, doch so schnell wie er gekommen war, verwarf er diesen Gedanken wieder.
"Na, jetzt sag schon, wir sind doch hier unter uns!", drängte Ania Kesha zu einer Antwort
"Es steht mir nicht zu, Ania, ich bin eine verheiratete Frau, ebenso wie du, Ania, vergiß das nicht!", gab diese zu bedenken, was Kewans Grinsen nur noch breiter machte, denn er erkannte, wie sie mit sich kämpfte.
"Weil du es gerade sagst, Kesha, wolltest du nicht zu Levan gehen?", sprach Ania erneut und wieder konnte Kewan erkennen dass die fremde Schönheit mit sich kämpfte, denn sie wollte es nicht.
„Ania, ich verspreche dir, morgen werde ich mich rasieren. Aber das mit der Kleidung nimmst du zurück!“, sagte er scherzhaft, um die Laune wieder aufzubessern und vor allem, um von diesem leidigen Thema des Ehemanns wegzukommen, „Immerhin mach‘ ich meine Kleidung selbst!“
„Jaja, du Scherzkeks!“, gab Ania zurück, die schon wieder vergessen hatte, was sie üer diesen Levan gesagt hatte, „Ich muss zugeben: Dafür, dass DU sie machst, sind sie ja nicht mal schlecht… Oder was meinst du, Kesha?“ Die Betonung war zwar ironisch, doch der Jäger nahm es nicht krumm, sondern winkte lächelnd ab.
„Laber du nur, Ania! Solange ich nich‘ nackt rumlaufen muss, ist mir alles recht.“
Die beiden Frauen schüttelten leicht die Köpfe und kicherten.
„Ania, was willst du für das Essen haben? Ich hab‘ nich‘ besonders viel, aber vielleicht lässt sich ja was finden.“, fragte Kewan nachdem er fertig war und blickte sie eindringlich an.
„Ach das passt schon, solange Menu keinen Wind davon bekommt ist doch alles in Ordnung.“, antwortete sie und zwinkerte ihm zu, „Unter den Frauen hast du einen besseren Ruf als du glaubst, K’eyshu.“
Dankbar nickte der Jäger und lehnte sich entspannt zurück, während er dem Knistern im Kamin lauschte und Kesha weiterhin eindringlich musterte. Sie saß recht stumm da und schien mit sich zu hadern. Sie wusste anscheinend nicht, wie sie auf die Sache mit ihrem Mann reagieren sollte, auch wenn Ania mit ihren Gedanken bereits wieder ganz wo anders war und sich um ihre Kinder kümmerte.
„Was ist los?“, fragte der Jäger nach einer Weile und setzte wieder seinen rätselhaften Blick auf, „Ist es wegen diesem Levan?“
Den Namen des Mannes sprach Kewan ein wenig verächtlicher aus, als den übrigen Satz.
„Warum bist du eigentlich immer noch mit deinem Mann zusammen, wenn du doch eigentlich keinen Bock mehr auf ihn hast und mit anderen viel besser bedient wärst…?“, fuhr er fort und zeigte nun einen Teil seines wahren Egos und die Betonung in den Worten machte unmissverständlich klar, wen er damit meinte. Kewan erinnerte sich nur zu gut an den Anblick des Mannes, wie er auf der Trage lag und jammerte. Auch äußerlich hatte er nicht viel zu bieten gehabt, zu Mindest in seinen Augen. Sogar Tarush, das Arschloch, wäre da besser geeignet gewesen, als dieses Häufchen Elend.
„Ist das wieder eine dieser Eigenarten von Frauen?“, bei den letzten Worten lehnte er sich wieder nach vorne und stützte sich mit den Unterarmen auf den Tisch, dass sein Gesicht gar nicht mal mehr so weit von dem ihren entfernt war.
„Ist es wegen den Geschäften und dem Reichtum?“
Anders konnte er sich das nicht erklären, gerade bei Kesha, die mit ihrer Schönheit bei so gut wie jedem Mann landen würde. Fragend legte Kewan den Kopf schief und seine Augen entdeckten den Wasserschlauch mit dem Schnaps. Mit einem Fingerzeig deutete der Jäger auf das lederne Gefäß.

„Kann ich noch was von dem Zeug haben? Das hat’s mir irgendwie angetan…“


„Danke für das Essen“, bedankte sich Kewan artig bei Ania und wandte sich zu Kesha. „Ich hoffe wir sehen uns mal wieder die Tage…“, sagte er zu ihr zum Abschied und ohne eine Antwort abzuwarten stapfte er durch den Schnee davon in Richtung Heim. Schließlich gab es noch viel zu tun…

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Di, 13. Aug 2013 18:14

"Und die letzten Nächte waren wohl ziemlich anstrengend, wie du richtig erkannt hast, Kesha, aber wohl in einer anderen Art als du vielleicht glaubst. Sie waren wohl in einer für dich recht unbekannten Art ermüdend…“ Kesha blickte ihn kühl an, denn so recht wusste sie nicht, wie er das nun meinte. Es konnte gleichermaßen bedeuten, dass er die ganze Nacht mit einer Frau verbracht hatte, und dies würde gleichzeitig implizieren, dass er sie für ein enthaltsames Ding hielt, ebenso wie es bedeuten konnte, dass er vielleicht gar auf der Jagd war, oder gearbeitet hatte, was bedeutete, dass er sie so einschätzte, dass sie keinen Finger krumm machte. So oder so, es schmeckte ihr nicht, und dies ließ sie ihn mit ihren Augen abfällig spüren. "Donnerwetter! Ania hat dir aber viel über mich erzählt! Warst wohl neugierig, was?“ meinte er grinsend und fuhr sich mit den Händen durch seine Haare. Kesha kannte Männer wie ihn zur Genüge. Die meisten davon waren Eroberungen gewesen auf ihren Streifzügen durch die Tavernen in Rômachar, und es war immer dasselbe. "Nein, gewiss nicht, ich hörte gerade eben zum ersten Mal von dir. Glaube nicht, dass ich einmal an dich gedacht habe, seit ich dich am Tage unserer Ankunft zum ersten Mal gesehen habe" erwiderte sie ebenso spitz, wie er noch wenige Momente zu vor. Kesha blieb ihm ebenso eine Antwort schuldig, was das Maß betraf, so, wie er sich in geheimnisvolles Schweigen hüllte, was seine Dorferoberungen betraf. Es ging ihn nichts an, welche Männer Kesha gefielen, und welche nicht. Levan gehörte nicht mehr dazu, aber das brauchte er nicht zu wissen. "Welcher wahre Mann würde sich wohl gegen einen derartigen Ruf wehren?“ fragte er sie herausfordernd, und es rang Kesha ein ehrliches Lächeln ab. "Wohl nur ein wahrer Narr..." erwiderte sie sein Grinsen. „Aber warum willst du das wissen? Willst du auch dazu gehören?“ fragte er sie. "Wohl kaum... Ich gehöre ja auch nicht zu Eurem Dorf..." erwiderte sie und fand im gleichen Moment, dass dies eine gute Antwort war. Es sagte alles, und gleichzeitig nichts.

Als das Gespräch schließlich auf Keshas Mann gelenkt wurde, lachte er und meinte „Wäre doch gelacht, wenn dem nicht Abhilfe geschafft werden könnte." Kesha blickte ihn ein wenig süffisant und ebenso verwundert an, ob seiner unbekümmerten Geste, doch es war kein Geheimnis, dass die Menschen aus der Stadt meistens viel pikierter waren, als die Menschen vom Land. Und Menschen der Eiswüste empfand Kesha als noch viel ländlicher, wenn nicht gar primitiv. Als Kewan den Schlauch an seine Lippen setzte, und davon trank, beobachtete Kesha ihn mit wachem Blick. Und sie wurde nicht enttäuscht, als er hustete, und seine Augen immer größer wurde. Sie schaffte es nicht, ihre Distanz aufrecht zu erhalten, und so lachte sie herzlich und laut auf. „Was bei den Göttern! Was ist das? Das hab‘ ich wahrlich noch nie getrunken!“ "Der Geist des Alkohols.." erwiderte Kesha geheimnisvoll. "Aber man kann es auch ganz lapidar Schnaps nennen. Ein gefährliches Zeug, glaub mir... Erst bist du noch stocknüchtern, und im nächsten Moment sturzbetrunken... Eigentlich mag ich lieber Wein, denn ich finde, ein Mensch der zu viel Schnaps getrunken hat, stinkt ekelhaft davon... Als würde sich sein ganzer Körper davon befreien wollen, und es ausdünsten... Aber hier ist Schnaps sehr praktisch, weil er so angenehm wärmt, wenn auch nur kurzzeitig..." „Ich hoffe, das ist nicht alles was du hast, Kesha! Das Zeug is‘ wirklich… interessant!“ erwiderte er. "Leider ist es so... Also gib mir den Schlauch wieder, bevor du alles austrinkst..." forderte sie, und nahm ihm kurzerhand einfach den Schlauch aus der Hand und verkorkte ihn wieder, und ließ ihn wieder unter ihren Pelzen verschwinden."Aber ich könnte dir die Stelle zeigen, wo unser Schiff angespült wurde. Wenn es noch nicht gesunken ist... Aber das wäre ein riskantes Wagnis, und wofür? Für einen Fässchen voll Schnaps?" lächelte sie ihn provozierend an.

"Ania, was willst du für das Essen haben? Ich hab‘ nich‘ besonders viel, aber vielleicht lässt sich ja was finden.“ Aha, ein armer Schlucker also... Kesha lächelte leise bei diesen Worten. Längst hatte sie ihre ähnlichen Wurzeln vergessen, und war nur mehr den Reichtum und Wohlstand gewohnt, welchen Levan ihr tagein, tagaus, bot. Und doch, musste sie sich eingestehen, war Reichtum nicht alles. Was hatte sie von ihm, wenn sie so viel Zeit alleine verbrachte, und selbst mit allem Gold dass Levan besaß, konnte er ihr davon kein Kind kaufen, zumindest kein leibliches, und auch der ganze Reichtum konnte nicht darüber hinweg täuschen, was aus dem einst jungen, schönen Mann geworden war... "Was ist los? Ist es wegen diesem Levan?“ riss Kewan sie aus ihren Gedanken. Sie blickte auf, und musterte ihn, wie er da so lässig lümmelte, mit verschränkten Armen, hinter dem Kopf, und Kesha musste zugeben, dass er einen recht reizvollen Anblick gab. Er hatte etwas verwegenes an sich, seine ganze Körperhaltung strahlte 'Scheißegal' aus. Er war Jäger, und jagte wohl nicht nur wilde Tiere, und diese ganze Aura, die ihn umgab, übten einen Reiz auf Kesha aus. Er war gänzlich anders, und würde man alle Männer zusammenwerfen, würden sie nicht annähernd so sein, wie Kewan. „Warum bist du eigentlich immer noch mit deinem Mann zusammen, wenn du doch eigentlich keinen Bock mehr auf ihn hast und mit anderen viel besser bedient wärst…?“ Kesha war überrascht, über eine derart offenherzige Frage. Sie blickte sich nach Ania um, aber die war wohl nach hinten in die Stallung gegangen, die den großen Raum teilte. Sie lehnte sich am Tisch ein wenig zu ihm nach vor und raunte leise "Was glaubst du? Ich habe mein ganzes Leben, seit ich mit Levan verheiratet bin, nur nach ihm ausgerichtet, und mich nur ihm gewidmet. Seinen Geschäften, seinem Wohlergehen. Außerdem gab es eine Zeit, wo ich ihn sehr geliebt habe, so etwas vergisst man schließlich auch nicht. Es ist ja nicht so, dass ich ihn hassen würde, wir haben uns in den letzten zwei Jahren nur in verschiedene Richtungen entwickelt." gab sie ebenso offenherzig zurück. „Ist das wieder eine dieser Eigenarten von Frauen? Ist es wegen den Geschäften und dem Reichtum?“ Er seinerseits lehnte sich ebenso nach vorne, bei dieser Frage, so dass gerade mal eine Handbreit Platz war zwischen ihnen, und es erschien Kesha so, als würde die Luft förmlich knistern. "Natürlich... Ich bin fünfundzwanzig! Wer würde mich schon nehmen, wenn sie weitaus jüngere haben könnten? Vielleicht ist es auch bei euch Wilden so, dass ihr euch nach Lust und Laune voneinander trennt, aber da, wo ich herkomme, ist es nicht üblich. Und ich würde völlig mittellos dastehen, und wohl verarmt in der Gosse enden..." Dass sie kaum Fähigkeiten hatte, die sie ernähren könnten, verschwieg sie, denn tief in ihrem Inneren schämte sie sich dafür. Ich könnte mich dann vielleicht noch als Hure verdingen, doch dafür bin ich mir wirklich zu schade. Außerdem, wie ich schon sagte, es ist nicht so, dass ich Levan hasse, wir sind seit zehn Jahren verheiratet, wir sind Freunde, und das werfe ich ebenso wenig einfach so über den Haufen... "Außerdem gibt es durchaus andere Möglichkeiten, als gleich Hals über Kopf die Flucht zu ergreifen. Die meisten Männer machen es laufend, und ich bin mir sicher, mein Mann ist auf seinen Handelsreisen auch nicht immer alleine..." ließ sie durchscheinen. Sie hatte Gefallen gefunden, an diesem Katz und Maus Spiel. Ein Mann wie Kewan war erfrischend anders, und außerdem schmeichelte es ihrem Ego. Wenn man nur einen Mann wie Levan hatte, der einem den Hof machte, so war dies keine wirkliche Selbstbestätigung... Kesha und Ke'yshu... Kewan und Levan... Das Leben spielet manchmal eigenartige Spielchen...

„Kann ich noch was von dem Zeug haben? Das hat’s mir irgendwie angetan…“ meinte er, und deutete dabei auf ihren Schlauch mit dem Schnaps. "Nein..." erwiderte Kesha knapp und bestimmend, und verschränkte die Arme vor der Brust. "Wenn es dich so sehr danach verlangt..." dabei deutete sie mit der Hand ungefähr dorthin, wo das Meer sich befand, "Da draußen befindet sich ein Schiff, es hängt in den Klippen, der Frachtraum ist vermutlich voll Wasser, aber die ungefähr zehn kleinen Fässer sind ebenso voll mit Schnaps... Ich zeige dir den Weg. Wir werden ja sehen, ob sie unwiderbringlich verloren sind, oder nicht... Und wenn es wirklich keinen Schnaps mehr gibt, außer dem wenigen hier in meinem Schlauch..." dabei tätschelte sie auf den Wasserschlauch, welcher in ihrem Schoß lag, "Dann musst du dich besonders anstrengen..." Sie lächelte ihn listig an, und freute sich über diese gelungene Zweideutigkeit, welche diese Geste hatte. Ania betrat die Stube, und beendete damit das Gespräch, ob es Kesha und Kewan nun passte, oder nicht. „Danke für das Essen“, bedankte sich Kewan bei Ania. "Keine Ursache, solange du es nicht überall herumerzählst. Aber wenn Menu davon erfährt, schneidest du dir ohnehin nur ins eigene Fleisch...." Dann wandte er sich zu Kesha. „Ich hoffe wir sehen uns mal wieder die Tage…“ Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte er sich um und verließ das Haus. "Das hoffe ich auch..." murmelte Kesha leise zu sich, und ein Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.
Als er gegangen war, blickte Ania ihn an. "Hast du bemerkt, wie er dich angesehen hat?" fragte Ania sie herausfordernd, während sie ihr jüngstes Kind am Arm hielt, welches Keshas besonderer Liebling war, denn der kleine Junge war erst etwa zwölf Monde alt, und dabei leicht hin und herschwenkte. "Nein, ich habe nichts gesehen... Ich war bei meinen Gedanken stets bei Levan..." erwiderte sie spitz. Und irgendwie stimmte das ja auch, nur, was sie dabei gedacht hatte, das behielt sie für sich. "Mir scheint eher, dass du ein Auge auf ihn geworfen hast, Ania..." Amgriff war die beste Verteidigung... "Wo denkst du hin, Kesha, ich bin mit Menu verheiratet und wir haben vier Kinder!" erwiderte sie empört. "Und ich mit Levan! Nur weil ich keine Kinder habe, soll das etwas anderes sein?!" rief Kesha ein wenig lauter, so dass der Säugling auf Anias Arm erschrak und zu weinen anfing. Ania wiegte das Kind auf dem Arm, drückte es ein wenig näher an sich heran und flüsterte beruhigende Worte in sein Ohr. Als das Kind sich wieder beruhigt hatte, war Kesha ein wenig zerknirscht. "Verzeih mir, ich wollte dich nicht anschreien, und ich wollte auf keinen Fall Tarjan erschrecken..." "Schon gut..." erwiderte Ania einlenkend. "Doch eines lass dir dennoch gesagt sein", erwiderte Ania, die immer ein Schäufelchen nachlegen musste. "Sieh dich vor... Du kennst ihn zu wenig! Ich glaube nicht, dass alle Frauen, die ihm erlegen sind, dumme Hühner waren. Es liegt einfach an ihm, er hat eine Anziehung, der sich keine Frau entziehen kann..." Kesha legte den Kopf schief und blickte sie herausfordernd an. "Und warum hast du ihm widerstanden?" Ania lächelte scheu. "Zu diesem Zeitpunkt hatte ich meine Blutung... Darum hab ich ihm nicht nachgegeben. Und kaum, dass es vorbei war, hatte er schon das Interesse verloren, und der nächsten nachgestellt... Und keine zwei Wochen später habe ich Menu kennengelernt..." erklärte sie lächelnd. Kesha nickte stumm. Sie würde keine von vielen sein. Die eine, oder keine. Und ein solcher Mann begnügte sich nie mit einer. Und wie man es auch drehte, und wendete, sie war an Levan gebunden. Und darum würde sie sich vorsehen. Ania öffnete die Türe und steckte den Kopf heraus. "Wann Menu endlich wieder kommt... sie sind schon mehr als zwei Wochen auf der Jagd..." meinte sie ein wenig wehmütig. "Ich vermisse ihn so sehr..." "Ich werde Levan besuchen..." meinte Kesha, während sie sich erhob und den schweren Pelzmantel wieder anzog.

Im Haus der Heilerin gab es neben Levan noch zwei Jäger, die auf der Jagd von einem Bären angefallen worden waren, und tiefe Wunden davongetragen hatten, sowie einen alten Mann, der sich eine schwere Lungenentzündung zugezogen hatte, und wohl bald daran sterben würde. Sein röcheln und sein bellender Husten hallten durch das ganze Lazarett. Kesha schritt zu Levan ans Bett, welcher nach wie vor strenge Bettruhe hatte, und wohl frühestens in zwei, drei Wochen aufstehen durfte. Als er Kesha sah, erhellte sich sein Gesicht und er setzte eine freudige Miene auf. "Kesha! Endlich! Setz dich doch zu mir!" meinte er, und deutete mit der Hand auf einen Platz am Bett. Doch sie schüttelte den Kopf und zog sich einen niederen Schemel heran, und hockte sich darauf. "Ich will dir deinen Platz nicht wegnehmen..." meinte sie gönnerhaft. Levan betrachtete sie, und meinte schließlich "Das Schiffsunglück hat keinerlei Spuren hinterlassen bei dir, du bist nach wie vor so schön wie eh und je..." meinte er und ein wehmütiges Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. "Ich denke andauernd an die Nächte vor der Abreise... Ich vermisse dich so sehr, Kesha, du kommst so selten vorbei..." "Ich weiß... Aber dies ist kein Haus für gesunde Leute... Ich möchte mir nicht irgendwelche Krankheiten holen, Levan..." erwiderte Kesha, während der markerschütternde Husten des Alten durch die Räume hallte, und Levan nickte. Er verstand immer alles. Er wusste immer am besten, was Kesha wollte, und er wollte stets, dass sie alles bekam, was sie sich nur wünschte. Sterbenslangweilig. Doch wehe, wenn sie ihren Willen nicht bekam... Frauen waren manchmal einfach nur kompliziert und schwierig. Keshas Besuch dauerte nicht lange, doch als sie das Haus der Heilrin verließ, war es schon dämmerig. Die Fackeln, die an den Häuserfassaden entzündet wurden, spendeten einen schwachen Schein, der den Schnee so aussehen ließ, als würde er brennen. Schnee hatte sie schon seit sie Arcanis verlassen hatte, nicht mehr gesehen. In Rômachar fiel keiner, und hier widerum war es so, dass fast immer Schnee lag, so hatte Ania ihr erzählt. Auch hier gab es einen kurzen Sommer, aber sowie das dicke Eis ersteinmal geschmolzen war, fiel auch schon bald wieder der nächste Schnee. Ein wahrhaft unwirtlicher Ort, diese Eiswüste. Kesha stapfte durch die festgetretenen Wege, an denen sich rechts und links davon der Schnee türmte, und sie sog tief die kalte Luft ein, die so wunderbar frisch und klar roch. Anders als in Rômachar, obwohl Rômachar eine recht hübsche Stadt war, so stank sie, wie alle anderen Städte auch... Sie ließ ihre Blicke schweifen, über die Häuser, aus deren meist einzige Fenster sanfter Feuerschein drang. Und sie ertappte sich schließlich dabei, dass sie sich fragte, in welchem dieser Häuser Kewan wohnte...
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Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Mi, 14. Aug 2013 2:55

"Nein, gewiss nicht, ich hörte gerade eben zum ersten Mal von dir. Glaube nicht, dass ich einmal an dich gedacht habe, seit ich dich am Tage unserer Ankunft zum ersten Mal gesehen habe", sprach Kesha frei heraus und nahm sich genauso wenig, wie er in ihrem Ton zurück. Das neckische Spiel faszinierte Kewan sehr, da nur sehr wenige Frauen in seiner näheren Umgebung derart resolut waren und sich gar auf ein solches Gespräch einließen. Für gewöhnlich ging man auf seine spitzen Bemerkungen gar nicht erst ein, geschweige denn antwortete man in der gleichen Art und Weise. Nichtsdestotrotz kamen ihm die Worte zu schnell und auch ihre Wahl erweckte eher den gegenteiligen Eindruck als ihr Inhalt, doch sicher sein konnte man sich nie. Vielleicht war Kesha auch einfach nur empört und verstand es hervorragend dies zu verstecken.
„Aber du hast mich bemerkt!“, gab der Jäger schließlich grinsend zurück und wischte sich dabei eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht. Kewan machte sich nichts aus ihrer abweisenden Art, die sie an den Tag zu legen versuchte, denn er selbst tat ja im Grunde nichts anderes und so konterte sie seine schwammige Aussage mit einer weiteren. Auch die harsche Reaktion auf seine direkte Anspielung amüsierte ihn köstlich.
„Wenn es danach gehen würde, wäre ich auch kein wirkliches Mitglied im Dorf… Ich habe ungefähr genauso viele Kontakte und Freunde wie du hier.“, sprach Kewan lachend und machte keinen Hehl daraus, dass diese Antwort möglicherweise eine indirekte Zustimmung auf seinen Ruf war, nachdem sie ihn gefragt hatte.


Das Brennen fühlte er noch eine ganze Weile in seinem Inneren und die Wärme, die dieser sogenannte Schnaps in Kewan hervorrief. Aufmerksam lauschte der Jäger, was Kesha ihm über dieses geheimnissvolle Getränk erzählte.
„Ein gefährliches Zeug, glaub mir... Erst bist du noch stocknüchtern, und im nächsten Moment sturzbetrunken... Eigentlich mag ich lieber Wein, denn ich finde, ein Mensch der zu viel Schnaps getrunken hat, stinkt ekelhaft davon... Als würde sich sein ganzer Körper davon befreien wollen, und es ausdünsten... Aber hier ist Schnaps sehr praktisch, weil er so angenehm wärmt, wenn auch nur kurzzeitig...", sprach sie und Kewan blickte nachdenklich herab auf den Trinkschlauch.
Das ist also dieser teure Alkohol, von dem die Händler immer gesprochen haben…, dachte der Jäger und da kam ihm eine Idee, doch musste er diesen Gedanken vorerst verwerfen, als Kesha ihm mitteillte, dass das alles war was sie davon besaß. Doch schnell wurde Kewan erneut hellhörig.
"Aber ich könnte dir die Stelle zeigen, wo unser Schiff angespült wurde. Wenn es noch nicht gesunken ist... Aber das wäre ein riskantes Wagnis, und wofür? Für einen Fässchen voll Schnaps?"
Er verengte die Augen zu schlitzen. In der Tat, wenn er diese Fässe besaß, hätte er gewiss genug wertvolle Tauschware, um sich ausreichend noch für den Winter einzudecken. Viel Arbeit würde ihm erspart bleiben, dessen war er sich sicher und auch das Risiko schreckte ihn nicht ab. Kewan hatte schon verrücktere Dinge in diesem Leben getan und das wäre doch einmal eine willkommene Abwechslung, die von den öden Reparaturen an Hütte und Einrichtung ablenkte und ihn mal raus aus den beklemmenden Zwängen Norr Bharraks brachte. Wenn der Jäger so darüber nachdachte, so war es wahrlich eine ganze Weile her, seitdem er das letzte Mal etwas wirklich verrücktes getan hatte, so wie man es eigentlich von ihm erwartete. Kewan beschloss vorerst noch nicht zu antworten und noch etwas mehr in Erfahrung zu bringen, wenn sich ein besserer Zeitpunkt bot. Hier, wartend, im Schnee und auf dem Sprung war es nicht gut über solche Dinge zu reden.


„Was glaubst du? Ich habe mein ganzes Leben, seit ich mit Levan verheiratet bin, nur nach ihm ausgerichtet, und mich nur ihm gewidmet. Seinen Geschäften, seinem Wohlergehen. Außerdem gab es eine Zeit, wo ich ihn sehr geliebt habe, so etwas vergisst man schließlich auch nicht. Es ist ja nicht so, dass ich ihn hassen würde, wir haben uns in den letzten zwei Jahren nur in verschiedene Richtungen entwickelt.", sagte sie auf seine freche und in den meisten Kreisen als wohl sehr taktlos betitelte Frage hin, was ihn allerdings nicht störte. Das sie allerdings so an ihm war für ihn absolut unverständlich, allerdings verstand Kewan generell wenig von zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb einer Ehe, obwohl wenig vielleicht sogar zu viel war, denn eigentlich war es gar nichts. Außer eventuell die Tatsache, dass man sich womöglich irgendwann einmal geliebt hatte, wenn man einander heiratete. Wie auch immer, es überraschte den Jäger die offene Art Keshas, die er nach einer solchen Frage nicht vermutet hatte. Es kam ihm fast so vor, als suchte sie in ihm Verständnis oder gar Hilfe? Kewan war unsicher, da ihn diese Antwort auf dem vollkommen falschen Fuß traf, weshalb er es vermied direkt darauf zu antworten.
„Ist das wieder eine dieser Eigenarten von Frauen? Ist es wegen den Geschäften und dem Reichtum?“, fragte er stattdessen und es kribelte leicht in seinem Bauch, als ihre Gesichter sich näherten und ihre Blicke sich von nahem trafen. Kewan fing ihren Geruch ein und genoß ihn in vollen Zügen, während sie fortfuhr.
„Natürlich... Ich bin fünfundzwanzig! Wer würde mich schon nehmen, wenn sie weitaus jüngere haben könnten? Vielleicht ist es auch bei euch Wilden so, dass ihr euch nach Lust und Laune voneinander trennt, aber da, wo ich herkomme, ist es nicht üblich. Und ich würde völlig mittellos dastehen, und wohl verarmt in der Gosse enden..."
„Wilde?“, wiederholte er etwas ungläubich und hob die Augenbrauen, „ Da hält sich wohl jemand für etwas besseres…“ Kewans grinste breit. Nicht, dass ihn diese Aussage, oder insbesondere dieses Wort wirklich ärgerte, doch merkte er klar, dass sie auf die Gepflogenheiten von hier hinabblickte und ihre eigene Herkunft darüberstellte.
„Pass besser auf, dass Ania das nicht hört, immerhin gewährt diese Wilde dir Obdach.“, sagte er neckisch und legte dazu schelmisch die Stirn in Falten, „Wie dem auch sei, was diese ganzen Sachen bezüglich von Ehen und ähnlichem Schwachsinn angeht, bin ich wirklich der falsche Ansprechpartner. Und nach Lust und Laune zu ahndeln, nun ich würde sagen, das trifft meine Sichtweise schon ganz gut.“
„Ich könnte mich dann vielleicht noch als Hure verdingen, doch dafür bin ich mir wirklich zu schade. Außerdem, wie ich schon sagte, es ist nicht so, dass ich Levan hasse, wir sind seit zehn Jahren verheiratet, wir sind Freunde, und das werfe ich ebenso wenig einfach so über den Haufen... ", fuhr sie fort. Kewan kam es so vor, als würde sie die ganze Sache übermäßig persönlich nehmen, aber wahrscheinlich war es eben so, wenn man über derartige Bezihungen wie die Ehe in dieser Art sprach und so zuckte er einfach mit den Schhultern
„Ja, am besten fragst du da Ania, wie man es hier bei uns Wilden mit der Ehe hält, ich bin wie gesagt eher ungeeignet dafür…“, griff er das schöne Wort ein weiteres Mal auf, mit dem Kesha sein Volk betitelt hatte und zwinkerte ihr neckisch zu.


Schließlich fragte Kewan ein erneut nach dem Trinkschlauch mit dem flüssigen Feuer, wie er fand, wurde allerdings unglücklicherweise abgeweisen. Jedoch erwähnte Kesha wieder das Wrack ihres Schiffe und die darin geladene Fracht.
"Wenn es dich so sehr danach verlangt. Da draußen befindet sich ein Schiff, es hängt in den Klippen, der Frachtraum ist vermutlich voll Wasser, aber die ungefähr zehn kleinen Fässer sind ebenso voll mit Schnaps... Ich zeige dir den Weg. Wir werden ja sehen, ob sie unwiderbringlich verloren sind, oder nicht... Und wenn es wirklich keinen Schnaps mehr gibt, außer dem wenigen hier in meinem Schlauch... Dann musst du dich besonders anstrengen...", waren ihre Worte und der Jäger folgte mit seinem Blick in die Richtung, in die sie deutete. Die Küste war nicht unerreichbar und wenn sie noch ungefähr wusste, wo sie von den Jägern seines Volkes aufgegriffen worden war, dann wäre es tatsächlich machbar, den Schnaps zu bergen. Nachdenklich fuhr sich Kewan durch den ungepflegten, buschigen Bart, der sein schönes Gesicht umrahmte. Ihre zweideutige Bemerkung nahm er mit einem schiefen Lächeln zur Kenntnis, antwortete jedoch lediglich in Gedanken.
Und ob ich das tun werden, Kesha, darauf kannst du dich verlassen…
Sein Blick fiel zurück auf die schöne Frau mit den goldenen Haaren, die zu mustern der Jäger erneut begann, ehe er die Stimme erhob.
„Erzähl mir mehr… Weißt du noch genau wo das Schiff war, als man dich gerettet hatte? Und auch ungefähr wie viel Platz die Fässer eingenommen haben und vor allem, wie schwer sie waren?“, fragte er und war immer mehr davon überzeugt, dass das Unterfangen durchaus glücken konnte. Darüber hinaus würde es ihn vermutlich auch näher mit Kesha zusammen bringen und mit ein bisschen Glück konnte er sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Seine Augen wanderten von ihren Haaren zurück zu ihren und die Blicke der beiden trafen sich erneut. Jedes Mal wenn das passierte machte Kewans Herz einen Hüpfer und ein wohliges Gefühl breitete sich in ihm aus.

Irgendwann zu späterer Stunde verabschiedete sich der Jäger von den beiden Frauen, mit denen er durchaus einige Zeit verbracht hatte und machte sich auf, zurück zu seiner Hütte. Einiges an notwendiger Arbeit war an ihr noch zu verrichten und so wollte Kewan nicht noch mehr Zeit verlieren, als er ohnehin schon getan hatte. Vielleicht würde er ja wenigstens an diesem Abend einmal ein wenig entspannen können. Etwas, dass er schon eine geraume Zeit nicht mehr wirklich hetan hatte und das er sehr vermisste, doch was hätte er tun können? Die Arbeit hatte ihn von früh bis spät beschäftigt und ließ wenig Zeit für anderes, doch nun allerdings hatte sich ein neues Licht am Horizont für ihn aufgetan. Nicht nur Kesha war es, die ein neues Feuer in seiner Seele entfacht hatte, auch das, was ihr Unglück mit ihr an die Küste dieses Landes gespült hatte schien eine geeignete Lösung für seine, noch ausstehenden Probleme. So komisch es klingen mochte, es war Alkohol, bloßer Schnaps, durch den er aus seiner misslichen Lage zu entkommen gedachte. Ein Gut, dass in diesen Breiten äußerst selten und kostbar war und mit Sicherheit einen immensen Gegenwert im hiesigen Tauschhandel darstellen würde. Innerlich rieb sich der Jäger vor Vorfreude bereits die Hände, denn schon eine geringe Menge davon würde ein vielfaches vom Wert eines qualitativ hochwertigen Felles darstellen. Allerdings war es noch nicht so weit. Einige Vorkehrungen waren noch zu treffen und auch die Tatsache, dass keine Sicherheit darin bestand, dass die Fässer, sowie das Wrack des Schiffes noch an Ort und Stelle waren, ließen noch einige dunkle Gedanken in seinem Geist herumschwirren. Doch nichts, aber auch gar nichts rüttelte an seiner Entschlossenheit den Schnaps zu bergen und erneut fand sich Kewan in einer Situation, die von den meisten Anderen, jedoch gleichwohl von ihm selber belächelt wurde. Wer würde schon für ein bisschen Alkohol, ganz gleich welcher Machart sein Leben riskieren. Die Antwort lag nahe: natürlich Kewan. Der Mann, der schon so viele augenscheinlich unüberlegte, gar verrückte Dinge in seinem Leben getrieben hatte, dass es, soweit er es jemandem erzählte, niemanden mehr wundern sollte, dass sich der Jäger tatsächlich dazu entschlossen hatte. Aber eigentlich stand dem Unternehmen im Grunde nichts unschaffbares entgegen, außer die allgegenwärtige Unsicherheit und die eher vagen Informationen Keshas. Natürlich waren die natürlichen Gefahren der Eiswüste nicht außer Acht zu lassen, auch nicht für Kewan, der sie wie seine Westentasche kannte, doch ansonsten war der Weg frei. Was allerdings noch nicht geklärt war, war die Frage nach dem Eigentümer der Fässer, sollten sie gefunden werden. Bezihungsweise die Frage, wie viel Kesha bereit war an Kewan abzutreten. Darauf waren die beiden bisher noch gar nicht zu sprechen gekommen, was dem Jäger etwas an der Seele nagte, denn er wollte keinesfalls als Dieb herüberkommen. Auch wenn er einen schlechten Ruf besaß, so war sein Wort doch immer die Wahrheit und eine räudiger Dieb war er schon gar nicht. So beschloss er Kesha erneut aufzusuchen und die letzten Einzelheiten zu klären, bevor er endgültig mit den Vorbereitungen beginnen würde.
Wie versprochen erschien Kewan weitaus gepflegter einige Tage später erneut vor Anias Haus, noch immer in der Hoffnung, dass Menu noch nicht wiedergekehrt war von der Jagt. Er hatte den Bart gestutzt, die Haare gekämmt und ein wenig gekürzt und vor allem einmal eine ordentliche Mütze Schlaf abbekommen, was sich sehr positiv auf seine äußere Erscheinung ausgewirkt hatte, da es seinem Auftreten zusätzlich zu der natürlichen Schönheit noch einen besonderen Glanz verlieh…

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Mi, 14. Aug 2013 22:57

Kewan bat Kesha, ihr mehr über das Schiff und seinen Platz, wo es zu finden war, zu erzählen. Kesha lehnte sich entspannt zurück und hörte sich seine Fragen aufmerksam an. "Erzähl mir mehr! Weißt du noch genau, wo das Schiff war, als man dich gerettet hatte?" Kesha nickte, doch mit verschränkten Armen blickte sie ihn ruhig an, antwortete aber nicht darauf. Er sprach weiter "Und weißt du auch ungefähr, wie viel Platz die Fässer eingenommen haben, und vor allem, wie schwer sie waren?" Erneut nickte Kesha. Sie löste sich aus ihrer Lümmelhaltung und breitete die Arme deutend aus. "Ungefähr zwei Fuß lang, etwas mehr als einen Fuß im Durchmesser, es sind nicht allzu große Fässer, wie ich dir schon sagte. Wie schwer wird so ein Ding sein ...? Hm ... ich könnte eines mit beiden Händen tragen, also kannst du dir vorstellen, dass es nicht so schwer ist ... Wahrscheinlich könntest du eines unter jedem deiner Arme tragen ... Als Jäger, so schätze ich, wirst du ja hoffentlich einiges an Kraft aufbringen können, oder etwa nicht ...? Auch, wenn du nicht sehr groß bist ..." Sie fuchtelte mit ihrem Zeigefinger vor seinem Oberkörper und fügte noch hinzu "... und man nicht einmal ansatzweise erahnen kann, was sich da unter den dicken Pelzen und den restlichen wärmenden Fetzen verbirgt ..." Sie kniff die Augen leicht zusammen, lehnte sich noch ein Stück weit vor und stützte sich mit beiden Händen am Tisch ab. "Aber ich kenne dich nicht ... Ich werde dir auf keinen Fall verraten, wo das Schiff auf Grund gelaufen bist. Nachher ziehst du mich noch über den Tisch!" zischte sie ihm leise zu. Mit diesen Worten erhob sie sich, und schöpfte sich aus dem Kessel ein wenig von dem aufgebrühten Kräutertee in ihren Becher. Dann blieb sie neben der Feuerstelle stehen, weil sie ein wenig fröstelte, doch sie ließ ihn dabei nicht aus den Augen ...

Zwei Tage später, am Vormittag, kamen die Jäger endlich von der Jagd zurück. Ania kreischte auf, vor Freude, als sie Menu auf das Haus zustapfen sah. Sie ließ alles stehen und fallen, und rannte durch den Schnee auf ihren Mann zu, und fiel ihm ihn die Arme. Nachdem sie ihn losgelassen hatte, blickte sie ihn strahlend an, und schließlich fanden ihre Lippen zu einem leidenschaftlichen Kuss zueinander. Kesha lehnte in der Eingangstüre des Hauses, und betrachtete beinahe neidvoll das innige Paar. So war es vor einigen Jahren zwischen Levan und ihr auch noch gewesen. Wie froh war sie damals jedesmal, wenn er von einer seiner langwierigen Handelsreisen heimgekommen war, und ähnlich wie bei Ania und Menu, fielen die Begrüßungen aus, und jedesmal waren sie erst einmal miteinander im Bett gelandet, bevor sie irgendetwas anderes taten. Ja, nicht einmal den Dreck von den staubigen Straßen hatte er sich zuvor abwaschen dürfen, so sehr hatte sie ihn jedesmal bei seiner Heimkehr begehrt. Als sie die Beiden so beobachtete, fragte sie sich, wann ihre Leidenschaft für ihn so abgekühlt war. War es wirklich nur sein Äußeres, dass sich gewandelt hatte? Er selbst hatte sich ja sonst kaum verändert, er war immer noch derselbe gütige, freundliche Mann wie noch vor zehn Jahren, und war es, neben seinem guten Aussehen damals, nicht genau das gewesen, was sie an ihm so geschätzt und geliebt hatte ...? War es wirklich einzig und alleine deswegen, weil er sie noch nicht zu einer Mutter gemacht hatte? Zum ersten Mal überhaupt, drängte sich in ihr der Gedanke auf, dass es vielleicht gar nicht an ihm lag, sondern an ihr ... War das möglich? Vielleicht hatte sie ihm all die Jahre Unrecht getan? In diesem Moment empfand sie so etwas sie Reue, doch diese Gedanken wurden so schnell wie sie gekommen waren, auch wieder verdrängt, denn Ania und Menu lösten sich voneinander, und Menus Blick fiel auf Kesha. "Wer ist das?" fragte er sie neugierig, und Ania wandte sich um und sah Kesha ebenso an. "Ah, das ist Kesha! Sie und ihr Mann wurden vor knapp drei Wochen am Horn des Drachen angespült, sie hatten Schiffbruch erlitten. Ihr Mann liegt im Haus der Heilerin, weil er einen komplizierten Beinbruch hat, und ich habe Kesha einstweilen bei uns aufgenommen. Sie hilft mir im Haus und mit den Kindern!" erklärte sie. "Ich musste ja alleine eine Entscheidung treffen, du warst ja beinahe vier Wochen weg ..." schmollte sie und Menu lachte "Ist ja gut, jetzt bin ich ja wieder da, und das wohl für eine ganze Weile!" Dann schob sie Ania ein wenig von sich weg, und stapfte auf Kesha zu, und reichte ihr die Hand. "Hallo Kesha! Es freut mich!" sprach er mit seiner lauten, tiefen Stimme und lächelte ihr aufmunternd zu. Kesha ihrerseits lächelte ebenso und ergriff seine Hand und er schüttelte diese. "Die Freude ist ganz auf meiner Seite..." erwiderte sie. "Na los, nun komm endlich rein ... Du musst müde und hungrig sein! Und die Kinder werden sich auch so freuen, dich wieder zu sehen!" meinte Ania und schob ihn an Kesha vorbei ins Haus. Die Kinder spielten gerade mit kleinen hölzernen Tierchen, die Menu ihnen einst aus Treibholz geschnitzt hatte. Als sie ihren Vater sahen, quiekten sie auf, ließen die Holztiere unbeachtet fallen und stürzten sich auf Menu. Dieser lachte und ächzte und wieder war es Kesha, die das Treiben beobachte, und bittere Gedanken schürte. Nie würde die Levan mit ihren Kindern so herumbalgen sehen ... Ania lief in die Speisekammer, holte einige geräucherte Würste, sowie Rüben, Zwiebeln und getrocknete Kräuter, und begann, das Gemüse klein zu schneiden. Dann schmolz sie ein wenig Öl in dem Kesssel, warf das kleingeschnittene Gemüse hinein, röstete es an, bis es duftete und goß dann das Ganze mit Schmelzwasser auf. Während der Eintopf vor sich hinsimmerte, stellte Ania drei Becher Kräutertee auf den Tisch. "Jetzt erzähl einmal, Menu, wie ist es dir ergangen ...?" So erzählte Menu von den vergangenen Wochen, wo sie in der eisigen Weite der Eiswüste jagten. Vom Spätherbst, über den plötzlichen Wintereinbruch, wie sie beinahe überraschend eingeschneit wurden, wie ein hungriges Rudel Wölfe sie beinahe angefallen hatte, und noch vieles mehr ... Kesha hörte gar nicht so richtig zu. Sie wusste nur, Menus Ankunft würde nun einiges ändern. Es gab bald keinen Platz mehr in der Hütte, nur mit Ania und den Kindern war das etewas ganz anderes, doch nun, wo Menu wieder da war, erschien es ihr unpassend, mit den Eheleuten das Haus zu teilen. Spätestens in zwei Wochen, würde Levan das Haus der Heilerin verlassen können. Und dann? Sie machte sich keine Illusionen darüber, dass sie dann das Haus von Ania und Menu verlassen sollten. Doch wohin? Schließlich äußerte Kesha ihre Bedenken, und Ania blickte traurig drein, aber sie nickte, gleichfalls wie Menu. "Daran habe ich heimlich auch schon gedacht ..." begann Ania. "Es wäre am besten, du suchst den Ältestenrat auf. Die wissen immer Bescheid... Da fällt mir ein, der alte Torje, der mit der schweren Lungenentzündung im Haus der Heilerin liegt, wirds wohl nicht mehr lange machen, was man so hört. Seine Frau ist ja schon vor Jahren gestorben, und vielleicht, wenn er nicht mehr ist, könnt ihr sein Haus bekommen ... Ich würde die Ältesten einfach fragen ...?" schlug Ania vor und Kesha nickte.

Es schien, als wäre das Schicksal gnädig mit Kesha, denn als sie Levan am Nachmittag im Haus der Heilerin besuchte, erfuhr sie, dass Torje schon in der Nacht gestorben war. Kein schöner Tod, so erzählte Levan, seine letzten, vom Schleim rasselnden, Atemzüge, hatte er vernommen, obwohl der alte Mann in einem eigenen Raum untergebracht war. Kesha erzählte Levan von den Neuigkeiten, von Menus Rückkehr, von der Aussicht, dass sie sich vielleicht vorläufig in Torjes Haus einrichten könnten. Und sie erzählte ihm auch von Kewan, doch sie kratzte dabei nur an der Oberfläche ... "Mir ist da nämlich die Idee gekommen, dass ich ihn zum Schiff führen könnte. Wenn er mir, gegen eine kleine Gegenleistung, hilft, die Schnapsfässer aus dem Schiff zu bergen, dann haben wir wertvolle Tauschware" erklärte sie ihm. Levan nickte, doch er hatte auch Bedenken. "Ich weiß nicht, ob du mit auf diese kleine Reise gehen solltest ... Es ist ja doch eine halbe Tagesreise bis da hin, ihr wärt sicher drei Tage weg ... Bedenke doch, der hereingebrochene Winter, die wilden Tiere ..." Kesha beobachtete genau seine Gesichtszüge, doch keinerlei Argwohn schien darin auf. "Er ist Jäger ... Er ist dafür ausgebildet, sich gegen wilde Tiere zu behaupten. Wie kannst du nur Zweifel haben, dass ich bei ihm nicht gut aufgehoben bin? Niemand außer mir und dir kennt den Standort des Schiffes! Und das ist auch gut so, was, wenn jemand den Standort in Erfahrung bringt, und sich alleine an unserer Ware bedient? Einer von uns beiden muss ihn hinführen. Oder willst du das etwa tun?" fragte sie ihn herausfordernd, und legte vorsichtig ihre Hand auf sein geschientes Bein. "Nein ..." murmelte Levan. "Ich bitte dich aber, pass gut auf dich auf, ja?" "Aber natürlich, Levan ..." versprach sie ihm. Und lächelte. Über ihn zu siegen, war jedesmal ein Lächeln wert, außerdem war es auch jedesmal zu leicht ... "Noch ist ja nichts entschieden, wir haben nur darüber lamentiert ... Weder ich, noch er haben irgendeine Zustimmung gegeben, oder gar Pläne geschmiedet, es war nur so eine Idee ..." Als Kesha wieder das Haus der Heilerin verließ, machte sie einen Schwenk, und lief nicht, wie gewohnt in Richtung Anias Haus, sondern in die gegengesetzte Richtung, dorthin, wo der Palast des Ältestenrats sich befand ...

Der Rat tagte heute nicht, stellte Kesha fest, als sie den Kopf bei der Tür herein steckte. Doch dann fand sie dennoch einen der Ältesten, welcher über einigen Schriften brütete. Sie klopfte an die Türe, und der alte Mann hob den Kopf. "Ja?" fragte er neugierig. "Hast du einen Moment Zeit?" erkundigte sich Kesha und der Alte nickte mit dem Kopf. "Aber ja, sicher doch! Komm nur herein!" winkte er sie mit der Hand zu sich heran und legte das beschriebene Papier weg. Als die Arcanierin näher getreten war, kniff er leicht die Augen zusammen. "Ah ... die Fremde ... Wie war noch einmal dein Name? Verzeih, ich bin nicht mehr der Jüngste, und ich habe deinen Namen nur einmal vernommen ..." "Kesha..." klärte sie ihn knapp auf. "Ah ja, Kesha! Verzeih!" widerholte er sich und lächelte gütig. "Was kann ich für dich tun, Kesha?" Sie redete gar nicht erst um den heissen Brei, sondern kam gleich zum Wesentlichen. "Ich habe gehört, Torje ist in der Nacht verstorben." "Ja, das ist richtig ... Armer Mann ... Er war die letzten Jahre recht einsam, seit seine Frau gestorben war." Kesha kümmerte das nur wenig. "Es heisst, sein Haus stünde nun frei." "Ähm ... Ja, ich denke ... Ja, denn die Beiden hatten keine Nachkommen ... Warum willst du das wissen?" hakte er nach. "Menu ist nun wieder nach Hause gekommen, und ich glaube, dass nun kein Platz mehr für mich ist. Und Levans Genesung schreitet auch immer weiter voran, so dass ich denke, wir können nicht mehr Anias und Menus Gastfreundschaft in Anspruch nehmen, verstehst du, was ich damit sagen will?" Der Alte nickte und Kesha sprach weiter "Ich weiß, wir sind nur Fremde, und vielleicht steht jemand anderem, einem Stammeszugehörigen, das Haus eher zu als uns. Aber ich wüsste nicht, wohin mein Mann und ich, jetzt, wo der Winter hereingebrochen ist, gehen sollten ..." Der Älteste nickte. "Ich verstehe, ich verstehe ... Also meinetwegen könnt ihr die Hütte haben. Vielleicht müsst ihr sie noch Instand setzen, aber meinetwegen könnt ihr sie haben, bis ihr uns wieder verlasst. Meinetwegen könnt ihr auch für immer hier bleiben, wie es euch beliebt ..." Kesha umfasste die Hände des Alten und drückte sie dankbar. Sie war froh, dass dies so leicht von Statten gegangen war. Sie erkundigte sich bei dem Alten noch, wo das Haus zu finden sei, und nachdem er ihr eine gute Beschreibung gegeben hatte, verabschiedete sie sich eilig und lief zu Torjes Haus.

Das Haus wirkte von außen nicht einmal so übel, doch das sollte sich ändern, als Kesha das Haus betrat. Sie prallte zurück von dem üblen Gestank, der in dem Haus herrschte, eine Mischung aus Exkrementen, Pisse, Schimmel und modrige, feuchte, und abgestandene Luft. Es war dunkel in dem Haus, und nur der Schein des Tageslichts, welcher durch den Schnee gleich im ein deutliches Stück heller wirkte, warf einen Lichtkegel ins Haus. Man konnte sich denken, dass der alte Mann nicht mehr in der Lage gewesen war, das Haus anständig zu besorgen. Die Felle, die in den Ecken herumlagen, waren verdreckt, und teilweise verschimmelt, und Kesha trat angewidert zurück. Das musste alles raus, danach müsste man reinigende Kräuter und Harze in der Hütte verbrennen, um den Gestank und das Schlechte zu vertreiben und vielleicht musste man auch handwerklich hier und da etwas ausbessern. Kesha lächelte, als ihr einfiel, wer ihr dabei helfen würde ...

Am nächsten Morgen kniete Menu vor der Eingangstüre seines Hauses, und richtete die Türe, welche sich ein wenig verzogen hatte, und nicht mehr ganz so gut schloß. Ania war froh, dass Menu nun wieder da war. Schon seit etlichen Tagen war es deswegen deutlich kühler im Haus gewesen, weswegen Ania sich schon der Kinder wegen sorgte. Und so hobelte er, hämmerte er, besserte aus, stand immer wieder auf, schloss die Türe, öffnete sie wieder, und das so lange, bis er einigermaßen zufrieden war mit dem Ergebnis. Während er so vor der Tür hockte, und noch einige kleine Feinjustierungen vornahm, bemerkte er, das sich im Blickfeld seines Augenwinkels etwas bewegte. Er wandte sich um, und runzelte gleich die Augenbrauen. Menu erhob sich, wischte sich seine von der Kälte etwas roten und starren Hände ab, und brummte "Ke'yshu ... Was willst du hier? Du hast hier nichts zu suchen, hau bloss wieder ab ...!" Kewan schien sich nicht beirren zu lassen, und schnauzte nicht minder unfreundlich und herablassend "[18]Fick dich ins Knie, Arschloch[/18], du glaubst doch wohl nicht, dass ich wegen dir hier bin ...?" Menus Miene war starr vor Zorn und er ballte die Hand zur Faust, welche unter seinem Pelzüberwurf verborgen war, denn er wollte nicht, dass Ke'yshu sehen konnte, wie sehr er ihn zur Raserei brachte. Noch weniger wollte er vor seinem Haus, vor seiner Familie, vor allem nicht vor seinen Kindern, einen Streit, oder gar eine Prügelei vom Zaun brechen. Und so beherrschte er sich. Noch ... "Ich habe nicht angenommen, dass du mich besuchen willst, Ke'yshu ... Zumal es ziemlich lange her ist, seit wir unsere Meinungsverschiedenheiten hatten, nicht wahr? Aber ich habe keine Lust, mit dir zu reden. Sag, was dich hier her führt, und dann verschwinde!" "Was glaubst du denn? Wegen deinen Kindern? Oder Ania?" führte Kewan provozierend weiter. Menu kannte Kewan zur Genüge. Darum überhörte er seine Provokationen, obwohl es ihn wirklich in den Fingern juckte, und er am liebsten seine Faust in Kewans Gesicht versenkt hätte, bis ihm sein dämliches Grinsen aus dem Gesicht wich ... Doch dann ging ihm doch ein Licht auf. "Kesha? Bist du wegen der Fremden hier? Die kannst du dir auch abschminken, sie ist verheiratet ..." Doch weiter kam er nicht, denn hinter Ania, die schon längst in der Tür gestanden, und schweigend die Debatte verfolgt hatte, schob sich Kesha. Es fiel ihr nicht leicht, eine ernste Miene zu wahren, viel zu groß war das Hochgefühl, dass Kewan sie aufgesucht hatte, und warum er das tat, war ihr egal. Er war von selbst gekommen, und nur das zählte. Schon längst hatte sie das Gefühl, als sei sie wie ein kleiner Schmetterling, der sich im Netz einer Spinne verheddert hatte ... "Es tut mir leid, Menu ..." begann sie. "Schon gut, du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen, wenn der Drecksack hier auftaucht, und dich belästigen will ..." gab sich Menu versöhnlich. "Ich kläre das ..." versprach sie ihm, und ohne sich noch ein weiteres Mal nach Ania oder Menu umzudrehen, zog sie Kewan am Arm weiter, bis sie ausser Reichweite gekommen waren, und dann fragte sie ihn "Warum bist du gekommen?" "Das Zeug, was du mir damals gegeben hast, der Schnaps ... Ich hol die Fässer ..." Sie blickte ihm in die Augen, und ein zufriedenes Lächeln huschte über ihre Lippen. Doch nicht nur wegen seiner Worte. Sie musterte ihn, und ging zunächst gar nicht auf seine Worte ein. "Du hast dir deinen Bart gerichtet ..." stellte sie fest. "Und dein Haar ... Und du riechst nicht mehr wie ein Iltis ... Und du hattest einige ruhige Nächte, hab ich Recht?" Und dann musste sie breit grinsen. "Das Alles hast du wegen mir gemacht, nicht wahr?" Ihr war klar, dass sie sich mit dieser, ein wenig hochmütigen Aussage ein wenig weit aus dem Fenster lehnte, und doch war sie sicher, dass es so sein musste. Erneut musterte sie ihn, und sie spürte, wie die Röte über ihre blassen Wangen huschte. Aber gut, dass konnte man auch auf die Kälte schieben, das bedeutete gar nichts! Sie kam nicht umhin, zu bemerken, dass der Schnee eine sehr anheimelnde, reizende Atmosphäre zauberte, und ein wenig das Eis schmelzen ließ. Eigentlich stimmte es, was sie anderen sagten, er war ein sehr gut aussehender Mann, an ihm hafteten Reize, die ihr bis jetzt verborgen geblieben waren, nun aber umso stärker in den Vordergrund traten, also warum einen Hehl daraus machen? "Du siehst gut aus ..." flüsterte sie schließlich und ihr Herzschlag erhöhte sich ein wenig. Und darüber hinaus war er noch gewitzt, frech, herausfordernd, provokant und sehr selbstsicher ... Alles Eigenschaften, die Kesha ebenso zu Eigen waren ... "Also, du willst es wagen ... Das freut mich ... Aber unser kleiner Ausflug ist an eine Bedingung geknüpft, also hör mir gut zu. Ich darf mir Torjes Haus aneignen, also eigentlich Levan und ich ... Jetzt, wo Menu wieder bei Ania ist, geht es einfach nicht anders, ich denke, die beiden brauchen ebenso ihre Privatsphäre, wie auch ich nicht bereit bin, mir das anzuhören, wenn du verstehst, was ich meine ... Und es müsste einiges in dem Haus gemacht werden ... Ich schaffe nicht alles alleine, und auf Levan kann ich weder jetzt, wo er verletzt ist, noch vermutlich später, setzen. Ich brauche dafür deine Hilfe. Und du bist nicht dumm, du weißt, wie viel der Schnaps wert ist. Weitaus mehr, als ich von dir Hilfe brauche, und weit mehr, als dir irgendjemand für kümmerliche Handwerkerei bezahlen würde ... Und ich werde sehr großzügig sein. Du hilfst mir, und ich gebe dir die Hälfte von den Schnapsfässern ... Das ist meine einzige Bedingung. Ich will nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und alles, was du sonst noch bei dem Schiff findest, und brauchen kannst, soll ebenso dir gehören ... Wenn du willst, können wir auch sofort aufbrechen ... Was sagst du?"
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
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Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Do, 15. Aug 2013 16:37

Die Tatsache, dass Kesha nur sehr zögerlich und in mehr oder minder geheimnisvoller Weise Informationen über den Ort des Wracks preisgab bestätigte Kewan in seinen Befürchtungen. Sie hatte Angst, dass er sich einfach so mit ihrem Stoff aus dem Staub machte, oder es gar ohne sie barg und Kesha dann ohne Mittel dastehen würde. In der Tat, auch sie schien die selben wirtschaftlichen Hoffnungen auf die werfolle Fracht zu setzen, wie der Jäger und er kam nicht umhin einige Male tonlos zu kichern und sie dabei mit herausfordernden Blicken zu fixieren. Schließlich taute sie dann doch ein wenig auf, aus ihrer steifen, geheimnisvollen und lümmelnden Haltung, in der Kesha allerdings nichts an Reiz für ihn verlor und beschrieb die Ausmaße der Fässer ungefähr, auch wenn sie sich ein wenig zu irren schien.
„Ungefähr zwei Fuß lang, etwas mehr als einen Fuß im Durchmesser, es sind nicht allzu große Fässer, wie ich dir schon sagte. Wie schwer wird so ein Ding sein…? Hm… ich könnte eines mit beiden Händen tragen, also kannst du dir ja vorstellen, dass es nicht so schwer ist… Wahrscheinlcih könntest du eines unter jedem Arm tragen… Als Jäger, so schätze ich, wirst du ja einiges an Kraft aufbringen können, oder etwa nicht? Auch, wenn du nicht sehr groß bist…“
Kewan legte die Stirn in Falten. Diese Aussage legte nahe, dass Kesha anscheinend noch nie Hand an ein solches Fass gelegt hatte. Der Jäger kannte Fässer diesen Ausmaßes zur Genüge, wurde darin ja das Lapenöl als kostbares Erzeugnis gelagert und ihr Gewicht konnte sich durchaus auf über fünfzig Kilo belaufen, was wohl wiederum sehr schwer über weite Strecken zu tragen wäre… auch für den kräftigen Kewan. Man würde sich also eine Transportmöglichkeit besorgen müssen, grübelte der Jäger und war hin und her gerissen bei der Entscheidung zwischen Hundeschlitten oder Eissegler, wobei ihm der Hundeschlitten deutlich mehr zusagte, auch wenn er langsamer war. Man konnte es sich nicht leisten, eine derart wertvolle Fracht zu verlieren und bei ihm, als eher mittelmäßiger Eissegler, bestünde diese Gefahr durchaus, weshalb er vernünftigerweise davon absah. Bei Hundeschlitten allerdings wirkte dieses Problem auf ihn schon viel kleiner, denn Kewan liebte die Tiere, auch wenn er nie einen Schlittenhund selber besessen hatte, so war er doch ein passabler Lenker und war durchaus imstande die Fässer so zu transprtieren. Schlittenhunde waren immer sehr teuer gewesen und auch ihre Haltung bedurfte diverser Mittel, die Kewan nicht hatte aufbringen können, was ihm manchmal im Herzen weh tat. Jedoch kannte er sehr viele Schlittenhunde von diversen Jägern, Züchtern, oder einfach Nachbarn und sie kannten ihn, mochten, wenn nicht liebten ihn sogar. Jedes Mal, wenn sie ihn sahen kamen sie mit wedelndem Schwanz auf ihn zu gerannt und bettelten gerade zu nach allerlei Liebkosungen und Zuwendungen, die der Jäger auch immer zur Genüge verteilte.
Keshas letzte Bemerkungen ließen ihn erneut geheimnisvoll Grinsen, was recht gut darüber hinwegdeutete, dass ihn seine geringe Größe doch schon sehr ärgerte. Die wenigen Händler aus dem Süden, die er bisher zu Gesicht bekommen hatte und auch die Fremden, die sich hier niedergelassen hatten, ja sogar dieser Levan waren allesamt größer gewesen als er. Und der Größenunterschied bertrug sich meist auf mehrere Handbreiten, was dem stattlichen, wenn auch kleinen Mann schon immer einen leichten Knick in der stolzen Seele verpasste. Nicht mal unter seinem Volk war er besonders groß, sondern eher genau der Durchschnitt, da musste er auf die Fremden im Süden ja geradezu wie ein Winzling wirken… zu Mindest in seinen schlimmsten Befürchtungen. Diese allerdings wurde mit Keshas spitzem Kommentar erneut angefacht, doch die Tatsache, dass er sie wenigstens noch, wenn auch nicht sonderlich viel, überragte beruhigte ihn ein kleines bisschen. Kleiner als eine Frau zu sein, das würde gar nicht in sein Weltbild passen, drum war es etwas, vor dem sich Kewan regelrecht zu fürchten schien.
„Ob ich Kraft habe oder nicht, das wird sich zeigen. Aber für dich wird es allemal reichen, Kleine. Aber die Fässer sind weitaus schwerer als du vielleicht glauben magst…“, antwortete er spitz und betonte das Wort „Kleine“ besonders streng dabei, während er Kesha auf ihre Fehleinschätzung hinwies. Nach wie vor, es gefiel ihm jedoch ganz und gar nicht, dass sie seine Körpergröße angesprochen hatte, denn es deutete darauf hin, dass sie meist mit größeren Männern in Kontakt war und er hoffte, dass das seine Chancen bei ihr zu landen nicht minderte. In der Tat, dieser Wunde Punkt brachte ihn erst einmal zum grübeln, denn er wusste, dass Frauen große Männer mochten und er musste sich wirklich innerlich Ohrfeigen dafür, endlich wieder zur Vernunft zu kommen und sich zu entspannen, wie es eigentlich seine Art war. Seit wann gab K’eyshu denn bitte darauf etwas, was andere über ihn dachten?! Diese Kesha schien ihm wirklich den Kopf zu verdrehen, doch sie fuhr fort mit ihren Ausführungen.
„… und man kann ja nicht einmal ansatzweise erahnen, was sich unter den dicken Pelzen und sonstigen wärmenden Fetzen verbirgt.“
Dieser Kommentar brachte Kewan nun herzhaft zum lachen und es dauerte einige Momente, bis sich der Jäger wieder gefangen hatte. Innerlich aber begrüßte er es, dass sie eingelenkt war, denn in dieser Hinsicht brauchte sich der Jäger ganz und gar nicht zu verstecken. Schon immer hatte er auf seinen Körper sehr geachtet und das war bisweilen immer vorzüglich bei seinen Eroberungen angekommen, wenn nicht sogar manchmal ein Grund für sie gewesen
„Kesha, meine liebe, das wirst du schon noch früh genug erfahren, was sich darunter verbirgt!“, sagte er und zwinkerte ihr frech zu, „Aber ich kann die die Vorfreude versüßen, du solltest es dir auf keinen Fall entgehen lassen.“
In die geheimnissvolle Art seiner Wort legte sich mit Sicherheit etwas scherzhaftes, doch es war unverkennbar, dass Kewan von sich und seinem Aussehen voll und ganz überzeugt war. Und er war sich sicher, dass auch Kesha davon überzeugt war, denn bisher waren das noch alle, ob sie ihn nun mochten oder nicht. Warum dann sie nicht auch? Der Jäger ertappte sich schon wieder dabei, wie er sich gedanklich selber bestätigen musste, doch warum? Warum zur Hölle, musste er das tun? Kewan rang mit der Verwirrung ob seines eigenartigen Verhaltens und wehrte sich mit Händen und Füßen gegen das, was womöglich die, nein offensichtlich die Antwort auf all das war. Es konnte schließlich nicht sein, dass eine Frau ihn weichklopfte, wo es doch seine Aufgabe war, dies mit seinem Gegenüber zu tun! Glücklicherweise lenkte Kesha aber wieder auf ein wichtigeres Thema ein, sehr zur Freude ihres Gegenübers.
„Aber ich kenne dich nicht… Ich werde dir auf keinen Fall verraten, wo das Schiff auf Grund gelaufen ist. Nachher ziehst du mich noch über den Tisch.“
Kewan entgegnete nichts auf diese Behauptung, sondern lehnte sich lediglich erneut entspannt zurück und erwiderte ihren Blick. Ihre nussbrauen Augen faszinierten ihn so stark, dass er gar nicht darauf eingehen wollte, was sie ihm vorgeworfen hatte. Ein Blick von ihr schien zu genügen, um ihn in irgendeiner Weise, die er selber noch nicht so recht zu deuten vermochte zu beeinflussen. Am Ende konnte Kewan es Kesha nicht einmal übel nehmen, dass sie so von ihm dachte.


Die folgenden zwei Tage verbrachte Kewan etwas entspannter als die beiden Wochen zuvor. Die Erholung tat ihm gut und seine Gednaken kreisten fruchtbar über den Plan zur Bergung der Schnapsfässer in seinem Hinterkopf. Der Jäger hatte sich bei seinen Kollegen ein wenig umgehört und nun eine ungefähre Übersicht über die Aufenthaltsorte der einzelnen Jagtgruppen, ihr Gepäck und ihre bevorzugte Beute. Darüber hinaus wusste er über etwaige Routen bescheid und all das mündete in der Erkenntnis, welche Hundeschlitten in nächster Zeit frei waren und wo sie sich momentan aufhielten. Zwar war es ihm natürlich nicht erlaubt, diesen einfach so zu entwenden, doch wen kümmerte das schon. Schließlich rechnete Kewan fest damit, das Gefährt unbeschadet zurückzubringen und das in der Hoffnung dies auch noch unbemerkt zu tun. Auf jeden Fall gäbe es in der näheren Umgebung voraussichtlich genug Schlitten zwischen denen sie wählen konnten, zumal Kewan ja noch überhaupt nicht wusste, wo das Wrack überhaupt auf Grund gelaufen war und nun in den Klippen hang. Auch seine Ausrüstung für seine Jagtausflüge hatte er instand gesetzt und wäre theoretisch bereit gewesen aufzubrechen, doch er hatte wie gesagt keinerlei Einzelheiten, nach denen er sich richten konnte. Nicht einmal nach der länge der Reise konnte er sich richten und auch wusste er nicht, ob Kesha seine Hilfe annehmen würde, was ihn allerdings nicht davon abhielt sie dennoch zu fragen. Und so machte er sich auf zu Anias Haus unt stellte mit missmutiger Miene fest, dass Menu von der Jagt zurückgekehrt war und ebenso missmutig wie er dreinlickte, wurde Kewan auch begrüßt. Nach einem spitzen Wortwechsel, bei dem der Jäger erfreut bemerkte, dass Menu vor Wut kochte, erschien endlich das Objekt seiner Begierde. Bezihungsweise die Person seiner Begierde. Kesha. Gekonnt nahm sie ihn zur Seite und er ließ sie gewähren. Kewan folgte der schönen Frau mit dem goldenen Haar bis sie hinter irgendeiner Ecke verschwunden und für sich waren.
„Warum bist du gekommen?“, fragte sie gerade heraus und es kribbelte wieder in Kewan, als ihre Blicke sich trafen, worauf er allerdings nichts gab.
„Das Zeug was du mir damlas gegeben hast, der Schnaps … Ich hole die Fässer.“, antwortete er wahrheitsgemäß, wenn es auch nicht die ganze Wahrheit war, denn auch ihr bloßer Anblick wäre immer einen Besuch wert gewesen, wie der Jäger erneut feststellen musste und als er das zufriedene Grinsen auf ihren Zügen sah, kam er nicht umhin es ihr gleich zu tun.
„Du hast dir deinen Bart gerichtet… Und dein Haar … Und dur richst nicht mehr wie ein Iltis … Und du hattest einige ruhige Nächte, habe ich Recht?“
Es wunderte Kewan, dass sie darauf zu sprechen kam und überhaupt nicht auf die Tatsache eingehen wollte, wie er die Fässer zu bergen gedachte. Aber es freute ihn natürlich auch, dass sie seine Mühen bemerkte und das mehr, als er bereit war zuzugeben. Seine Lippen formten ein fast schon zu freundliches Lächeln.
„Das alles hast du wegen mir gemacht, nicht wahr?“
„Und ich hoffe das war es wert…“, gab Kewan stehenden Fußes zurück und in seiner Stimme lag etwas begehrendes, auch wenn er sich zurückhielt. Röte stieg in ihrem wunderschönen Gesicht auf und Kewan atmete einmal tief durch. Die Atmosphäre zog beide in ihren Bann.
„Du siehst gut aus…“, sagte sie nach einem Moment in flüsterndem Ton, der sich seicht in den des Windes legte und Kewan augenblicklich einer aufkommenden Gänsehaut erliegen ließ. Ganz langsam hob er seine Hand und wischte Kesha sanft eine Strähne des goldenen Haares aus dem Gesicht.
„Ich hoffe du weißt, wie sehr du das auch tust, Kesha.“, sagte er keck und durchbrach ein wenig die aufkommende Stimmung, in der er sich unwohl fühlte. Er ließ die Hand wieder sinken, ohne jedoch das Gefühl zu verdrängen, was die Berührung des Gesichtes mit sich geszogen hatte. Es war wahrhaft unbeschreiblich gewesen und Kewan musste zugeben, so etwas noch nie erlebt zu haben, doch er wehrte sich gegen die Romantik. Das war nicht er selber. Konnte nicht er selber sein. Was war nur los?
„Also willst du es wagen…“, hob sie wieder an und der Jäger war heilfroh, dass sie wieder auf dieses Thema zu sprechen kam und ihn aus diesen merkwürdigen Gedanken riss, in die er versunken war, „Aber unser Ausflug ist an eine Bedingung geknüpft, also hör mir gut zu. Ich darf mir Torjes Haus aneignen, also eigentlich Levan und ich… Jetzt wo Menu wieder bei Ania ist, geht es einfach nicht anders, ich denke, die beiden brauchen ebenso ihre Privatsphäre, wie auch ich nicht bereit bin, mir das anzuhören, wenn du verstehst was ich meine… Und es müsste einiges am Haus gemacht werden… Ich schaffe nicht alles alleine und auf Levan kann ich weder jetzt, wo er verletzt ist, noch vermutlich später setzen. Ich brauche dafür deine Hilfe. Und du bist nicht dumm, du weißt wie viel der Schnaps wert ist. Weitaus mehr, als ich von dir Hilfe brauche und weit mehr, als die jemand für die kümmerliche Handwerkerei bezahlen würde… Und ich werde sehr großzügig sein. Du hilfst mir und ich gebe dir die Hälfte von den Schnapsfässern. Das ist meine Bedingung. Ich will nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und alles was du sonst noch bei dem Schiff findest und gebrauchen kannst, soll ebenso dir gehören… Wenn du willst, können wir sofort auf brechen… Was sagst du?“
Das waren in der Tat keine unerheblichen Bedingungen, wie Kewan fand, doch der Wert des Alkohols war wahrlich immens und so hielt er der Schönheit die Hand hin, in die sie freudig einschlug.
„Einverstanden.“, sagte er knapp, auch wenn er eigentlich überhaupt keine Lust verspürte wieder Hand an irgendeine Hütte zu legen und schon gar nicht an Torjes Heim, das zehn Meter gegen den Wind nach Scheiße stank und dessen Inneraum seit gefühlt einem Jahrhundert niemand mehr gesehen hatte. Allerdings, wer konnte es dem alten Mann verübeln. Auch er hatte ohne Angehörige gelebt und bis zuletzt für sich allein gesorgt bis ins sehr hohe Alter. Dass er schließlich irgendeiner Krankheit erlag, war ja nur noch eine Frage der Zeit gewesen
„Bevor es aber los geht, Kesha, brauche ich mehr Informationen. Wie lange werden wir unterwegs sein? Es gibt noch einige Vorbereitungen zu treffen. Wie viele Fässer werden es in etwa sein und bist du dir wirklich sicher, dass du weißt worauf du dich da einlässt? Die Eiswüste ist ein gefährlicher Ort!“
Der Jäger sah Kesha eindringlich an, las aber sofort an ihren Augen, dass sie sich sicher war, mit ihm das Wrack aufzusuchen. Sie gab Kewan alle nötigen Informationen über Weg und Lage und insebsondere Zeit, die er ungefähr im Kopf überschlug. Ungefähr wusste er, wo sich das Wrack befand, wie er dort hingelangen konnte und welche Jägerlager sich auf dem Weg befanden.
„Gib mir drei Tage Zeit, alles nötige in die Wege zu leiten, Kesha.“, sagte er schließlich und setzte ein freundliches Lächeln auf, „Dann können wir los und die Fässer bergen! Wenn du in der Zwischenzeit keine Lust mehr hast, dir hier das Gestöhne anzutun, dann kannst du auch so lange bei mir wohnen.“
Er blickte sie undeutbar an und sein Grinsen wurde breiter, bis er schließlich undschuldig die Hände hob.
„Keine Angst, Kleine. Ich werde dir schon nichts tun. Versprochen!“

Die nächsten Tage hatte Kewan alle Hände voll zu tun. Den ersten Tag verbrachte er damit Proviant für fünf Tage inklusive Hundeschlittenverpflegung einzusorgen, wobei seine Jagt durchaus erfolgreich war. Mit einem kleinen Trupp weiterer Jäger hatte er sich mit einem Eissegler zur Küste aufgemacht und drei Robben erlegt, deren Fleisch er an sich nahm und den anderen dafür Felle und Knochen überließ. Das Wetter war klar und der Schneefall der letzten Tage hatte sich etwas abgeschwächt, wenngleich er noch immer existent war. Es schien auch nicht so, als würde man in den nächsten Tagen ein größeres Unwetter erwarten, was Kewan sehr beruhigte, da er nicht wusste, in wie weit Kesha mit derartigen Situationen vertraut war. Doch er nahm man, dass ihre Erfahrungen in dem Gebiet sehr begrenzt waren, weshalb er im Falle eines Falles für sie wahrscheinlich mit sorgen müsste. Nicht, dass es ihm etwas ausgemacht hätte, doch Erfahrung hin oder her, ein Schneesturm in der Eiswüste war noch immer sehr gefährlich und machte genug Arbeit, die man hatte, um für sich allein Sorge zu tragen.
Am zweiten Tag entfernte sich Kewan recht unauffällig aus Norr Bharrak und begutachtete die Jägerlager in der näheren Umgebung. Es stellte sich heraus, dass nur zwei derzeit einen Hundeschlitten hielten und beide momentan auch beide nur rudimentär besetzt waren. Eine erfreuliche Aussicht, wie der Jäger fand, denn das würde es einfacher machen, einen Schlitten zu entwenen, bevor irgendjemand merkte was geschehen war.
Am dritten und letzten Tag der Vorbereitung auf den Ausflug, wie Kesha es genannt hatte, war Kewan beinahe ausschließlich damit beschäftigt, alles so zu packen, dass er es auch bequem tragen konnte. Auch für Kesha stellte er diverse Bündel zusammen, die im Gewicht allerdings nicht allzu schwer waren. Immerhin wollte Kewan auch irgendwann ankommen und da er sie nicht unbedingt als Arbeitstier einschätzte, wollte er auch eventuellem Gejammer entgehen. Als alles endlich bereit war, hatte die Sonne bereits damit begonnen hinter dem Hotizont zu verschwinden und flutete Norr Bharrak allerdings mit feuerrotem Licht, was es in einem Anblick erstrahlen ließ, der ebenso schön wie selten war. Genüsslich verschnürte Kewan die letzte Schleife des Gepäcks und wandte sich grinsend an Kesha.
„Bist du bereit, Kleine?“, fragte er erwartungsvoll und lächelte ihr zu.
„Das bin ich. Wegen mir hätte es aber auch noch eine Runde schneller gehen können!“, antwortete sie und zwickte ihm in die Seite, was ihm ein Lachen entlockte.
„Das ist deins.“, fuhr der Jäger fort und deutete auf zwei kleiner Bündel, die er sorgfältig an einem selbstgebauten Tragegestell befestigt hatte. Die Säcke beinhalteten überwiegend Bänder und Sehnen zum befenstigen von Fellen am Zeltgestell, sowie auch einige Felle. Auch Zunder und Feuersteine befanden sich in ihrem Gepäck, was alles in allem noch weniger als die Hälfte von dem wog, was Kewan zu schleppen hatte. In seinem Gepäck befanden sich die steinernen Handwerksutensilien, sowie der gesamte Proviant, denn Fleisch war schwer. Hinzu kam das hölzerne Zeltgestell und die Ersatzkleidung mit den wichitgen Schneeschuhen. Vorsichtshalber hatte er auch all das für Kesha eingepackt, auch wenn sie ihr womöglich etwas zu groß war, was allerdings bei der Menge an Fellen nicht weiter auffallen sollte. Auch sein Speer durfte nicht fehlen, dessen Anblick ihn immer wieder faszinierte. Kurzerhand wuchtete Kewan seinen Teil auf den Rücken und klemmte sich den Rest unter den Arm, mit der noch freien Hand umklammerte er den Speer und drehte sich noch einmal zu Kesha.
„So, bevor du hier noch vor Ungeduld vergehst, machen wir uns auf, oder?“, fragte er mehr rethorisch, als dass er eine Antwort verlangte und stapfte voraus, während sie ihm folgte. Als sie nach einer Weile die Stadtpalisade passiert hatten, erhob der Jäger erneut das Wort an seine Begleitung.
„Unser erstes Ziel wird ein Jägerlager sein, etwas im Westen von hier. Wir sollten es allerdings erst nach Einbruch der Nacht erreichen… Dort… nun ja… dort werden wir einen Hundeschlitten … ausleihen.“
Das letzte Wort betonte Kewan scherzhaft prägnant und grinste verwegen.
„Ich hoffe du hast damit kein Problem!“
Die Nacht war bereits hereingebrochen, doch der klare Himmel und der helle Mondschein gaben noch immer eine recht brauchbare Lichtquelle ab, sodass sich Kewan noch immer mühelos zurechtfans und keine kostbare Fackel verbrauchen musste. Unangenehmerweise waren die Temperaturen allerdings sehr abgesunken, was besonders Kesha zu schaffen machte, denn sie war derartig extreme Temperaturen nicht gewohnt. Nicht, dass Kewan sie einfach so hinnehmen konnte, auch er hatte zu kämpfen, doch sie kamen deutlich langsamer voran und Kesha schien am ganzen Leib zu zittern.
„Keine Angst, wir haben es gleich geschafft. Wir holen uns den Schlitten, türmen und dann wird gelagert. Da kannst du dich dann aufwärmen.“, sprach er gegen den starken Wind und versuchte die frierende Kesha ein wenig aufzumuntern, „Nur noch ein bisschen durchhalten!“
Dabei stellte er kurz sein Gepäck ab und legte ihr seinen Mantel über, auch wenn das für ihn vorerst klirrende Kälte bedeutete, doch das sollte sich bald ändern. Kurze Zeit später blieb er stehen und blickte sich um.
„Hier müsste ein guter Platz sein…“, sagte er mehr zu sich selbst und rieb sich die Hände, die trotz der Handschuhe recht kalt waren. Gerade jetzt, wo er seinen Mantel abgegeben hatte, doch Kesha hatte ihn nötiger als er. Das Gelände war übersichtlich und versperrte durch eine kleine Anhöhe die Sicht nach Südosten, was sein Ziel war, denn dahinter lag das Jägerlager, etwa eine Stunde Fußmarsch entfernt. Kewan gedachte jedoch, diese Entfernung entwas schneller zurückzulegen und grinste vor Vorfreude, denn endlich stand mal wieder ein wenig Nervenkitzel an.
„Warte hier, bis ich zurück bin. Bitte bleib wach und schlaf nicht ein, tu mir den Gefallen, denn das wäre dein Ende und es wäre wirklich schade um eine Schönheit wie dich.“, neckte er sie herausfordernd mit dem Ziel ihr wieder ein wenig Energie zu verschaffen, denn Kewan wusste, dass sie trotzig und stolz war und so eine Bemerkung vermutlich nicht einfach so hinnehmen würde.
„Ich bin bald zurück!“ und mit diesen Worten stapfte er im Laufschritt durch den Schnee in Richtung Jägerlager, wo er den Hundeschlitten zu entwenden gedachte. Angestrengt, doch noch längst nicht aus der Puste erreichte der Jäger das Lager nach etwas mehr als einer halben Stunde. Er war gerannt und sein Körper hatte sich erhitzt, was allerdings ein zweischneidiges Schwert war, denn so war er anfälliger gegenüber einer Erkältung, was in seiner gegenwärtigen Lage einer Katastrophe gleichkommen würde und doch, er tat, was er tun musste.
Zwischen den Zelten schien alles ruhig, als Kewan langsam näher kam und so versuchte, das Knarzen seiner Stiefel im Schnee zu dämpfen. Kein Licht brannte in den Zelten und nur ein einzelnes Schnarchen ertönte leise durch den Wind hindurch. Die Hunde hatten sich bereits aufgeregt erhoben und wedelten mit ihren Schwänzen. Sie kannten Kewan gut und dieser freute sich herzlich, als er Aiwa erblickte, die schöne Hündin an der Spitze des Gespanns, die erfreut auf ihn zu trappelte und einmal bellte.
„Pshhht“, flüsterte Kewan geheimnissvoll und streichelte Aiwa ausgibig und ließ sich von ihr freudig über das Gesicht lecken. Der Jäger kannte sie schon seitdem sie ein Welpe war und war viel mit ihr unterwegs gewesen. Ihr Besitzer war ein Mann namens Toki, der sich aber wenig um seine Hunde kümmerte, von denen er unmengen besaß, denn er führte eine Zucht. Für eine Gegenleistung war es möglich ein Gespann von Schlittenhunden von ihm zu mieten und nach der vereinbarten Zeit wieder abzuliefern. Kewans Jagdgruppe hatte damals des öfteren davon Gebrauch geamcht und seitdem Aiwa in ein Gespann geholt wurde war sie beinahe jedes Mal dabei gewesen. So freuten sich beide sehr einander wiederzusehen, besonders, da Kewan lange durch die Gefangenschaft abwesend war und gar keine zeit mehr mit der schönen Hündin, die Augen so blau wie das Meer besaß, verbringen konnte.
„Meine gute Aiwa. Wie schön, dass du uns begleitest, aber jetzt sei still, wir müssen hier nämlich schnellstens verschwinden!“, sprach er zu der aufgeweckten Hündin, die erfreut die Ohren aufstellte und als ob sie verstand augenblicklich mit den Spielereien aufhörte. Kewan schlich sich indes zu dem Schlitten und band ihn, sowie die Hunde von den Sicherungsleinen los. Mit einem letzten absichernden Blick zurück stellte er sich auf das Gefährt, packte die Zügel und ließ die Hunde davonjagen, direkt in Richtung Kesha…
Bibbernd fand Kewan diese noch an Ort und Stelle vor, tief verschlungen in den von ihm gegebenen Mantel zitterte sie und man konnte ihr förmlich ansehen, wie ihr ein Stein von Herzen fiel, als sie Kewan über den Hügel auf sie zujagen sah. Auch er fror jämmerlich. Der scharfe Fahrtwind war noch um einiges Kälter als es ohnehin schon war und die klirrende Kälte legte sich bis auf seine Knochen, doch noch war nicht die Zeit um sich zurückzulehnen. Ohne ein Wort, denn seine Zähne schlugen zu stark aneinenader grüßte er sie und sprang vom Schlitten und machte sich unverzügliche daran, das Zelt aufzubauen. Seine zitternden Hände wurden vor reichlich Probleme gestellte, doch mit verineten Kräften schafften es Kesha und Kewan schließlich das provisorische Heim aufzurichten und darin zu verschwinden. Der Boden wurde mit isolierenden Robbenfellen ausgelegt und obwohl es noch immer unsagbar kalt im inneren war, so kam es Kewan doch ohne den Wind schon fast wieder nach Wärme vor. Er kramte die dicken Decken aus seinem Gepäck und knöpfte sein Hemd auf, dass er unter einem dicken Überzug aus Fell zu tragen pflegte und offenbarte Kesha einen kurzen Blick auf seinen tätowierten und athletischen Oberkörper, wenngleich es auch dunkel war.
„Steck deine Hände da rein, da werden sie schnell warm.“, sagte der Jäger gerade heraus und meinte es voll und ganz ernst. Sie hatten kein Feuerholz und so konnten sie keins entzünden, also deutete er unmissverständlich auf das Innerre seines Hemdes und Kesha kam nach kurzem Zögern der Aufforderung nach. Als die eiskalten Finger seinen warmen Oberkörper berührten zuckte er kurz zusammen, doch sie hatte es nötig. Unwirsch zog er sie zu sich heran, denn auch er fror bis auf die Knochen und wollte sich endlich bedecken. So zog er die beiden dicken Decken über sich und Kesha, die sich an ihm und er sich an ihr zitternd festklammerte, doch dauerte es nicht lange, da wurde es unter der Decke wohlig warm und vollkommen erschöpft schlief Kewan ein, dass die kondesierte Atemluft immer gleichmäßiger aus seiner Nase stieg.

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