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Eiskalt...

Die weiße Hauptstadt in der Eiswüste.
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Lesha
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Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Do, 15. Aug 2013 23:31

„Ich bin bald zurück!“ rief Kewan ihr aufmunternd zu, und sie ließ ihn nicht aus den Augen, bis er schließlich mit der voranschreitenden Dunkelheit verschmolz, und nicht mehr zu sehen war. Kesha blieb ganz alleine, und mit einem mulmigen Gefühl zurück. Ob es hier wilde Tiere gab? Die Kälte schnitt scharf in ihr Gesicht, und bald spürte wie ihre Nasenspitze nicht mehr, neben den Ohren, und ihre Augen tränten gleichermaßen, wie auch ihre Nase lief. Sie hatte sich denkbar schlecht auf diese Kurzreise vorbereitet, und innerlich verfluchte sie Kewan dafür, dass er, der doch die Eiswüste seine Heimat nannte und sie gut kennen müsste, sie nicht besser darauf vorbereitet hatte, und fragte sich desweiteren, wieso er das Zelt nicht vor seinem Verschwinden aufgebaut hatte. Dann hätte sie sich darin verkriechen können, anstatt hier zitternd in der Kälte zu hocken. Was gäbe sie jetzt nicht für Fellhandschuhe, ein Wolltuch, um es sich um Mund und Nase zu wickeln, und was würde sie nicht tun, für ein wärmendes Lagerfeuer? Sie bezweifelte, dass Kewan sich für jede Eventualität vorbereitet hatte.

Sie kauerte sich zusammen, rutschte mit dem Gesicht ein wenig tiefer in den Pelzmantel, der immerhin eine Kapuze hatte, und schlang ihre Arme um ihren Körper. Doch auch dies konnte ihre eiskalten Hände nicht mehr aufwärmen. Sie spürte, wie ihr die Eiseskälte in sämtliche Glieder kroch, und selbst die Wut, die sie auf Kewan verspürte, gefror, und allmählich begann sie unkontrolliert zu zittern und beben. In der Dunkelheit zu sitzen und auf Kewan zu warten, machte sie energielos und müde, doch sie dachte an seine Worte, dass es verherrend wäre, einzuschlafen. Sie versuchte sich, zumindest in Gedanken aufzuwärmen. Sie dachte an die hohen, heissen Feuer, die bei den Erntedankfesten in Thasani entzündet wurden, sie dachte an die entsetzlich heißen Tage, die manchmal in Rômachar herrschten, dass man es nur im kühlen Haus aushielt... Kesha nestelte zitternd an ihrem Gürtel, und holte den Schlauch hervor, in welchen sich noch ein wenig Schnaps befand Sie lächelte bitter, als sie einen Schluck davon trank, bevor die Schärfe sie das schmerzende, eiskalte Gesicht verziehen ließ. Mit nur viel Glück hatte sie den Sturm an der Trümmerküste überlebt, und nun sollte sie, einem riskanten, völlig idiotischem Wagnisses wegen, einen stillen Tod, hier in der Eiswüste finden? Wegen dem dämlichen Schnaps? Wenn sie nicht so fror, würde sie verzweifelt auflachen... Ein wenig Wärme breitete sich in ihrem Magen aus, doch das wohlige Gefühl hielt nicht lange an. Kesha hatte jedes Zeitgefühl verloren, und sie fragte sich ernstlich, was mit ihr passieren würde, wenn Kewan nicht zurück kam? Konnte sie ihm überhaupt vertrauen? Sie hatte zwei- oder dreimal mit ihm Worte gewechselt, sie kannte ihn kaum, und hatte ihm tatsächlich ihr Leben anvertraut... Nun, sie wusste nicht, wie es des Nachts im Winter hier sein würde... Ihre trüben Gedanken wurden unterbrochen, als sie aufgeregtes Hundegebell vernahm, welches die Stille zerriss. Sie versuchte, über die Erkenntnis, dass Kewan endlich zurückgekommen war, zu lächeln, doch sie vermochte es nicht. Als er dann über die leichte Anhöhe stieg, und in ihrem unmittelbaren Gesichtsfeld auftauchte, verzogen sich ihre Mundwinkel doch leicht nach oben. "Kewan..." presste sie zwischen ihren bebenden Lippen hervor, und sie hatte das Gefühl, als würde ihr die gesamte Mauer der Drachen vom Herzen fallen. Er beachtete sie aber kaum, denn sofort machte er sich daran, das Zelt aufzubauen, und Kesha ging ihm, so gut sie es vermochte, dabei zur Hand.

Im Zelt war es zwar immer noch eiskalt, doch die Tatsache, dass der schneidend scharfe Wind wegfiel, war schon immens tröstlich. Es war stockdunkel in dem Zelt, und hätte Kesha nicht so gefroren, hätte sie es sicher amüsant oder aufregend gefunden. Doch die Kälte erstickte jede Regung, jedes Gefühl und sie schwieg, während sie sich voll und ganz auf ihre kalten Glieder konzentrierte. „Steck deine Hände da rein, da werden sie schnell warm" hörte sie ihn sagen, und sie fragte sich, was er damit meinen könnte. Als sie zögerte, ergriff er ihre Hände und legte sie an seine warme, entblösste Brust. Er zuckte unter ihrer eisigen Berührung zusammen, doch er schien sich bald daran gewöhnt zu haben, und Kesha war ihm wirklich dankbar dafür. Sie umfasste seine Brust und er zog sie ganz eng an sich heran, wenn auch ein wenig barsch, und schlug die beiden dicken Felldecken über sie beide. Sein warmer Duft strömte ihr entgegen, eine Mischung aus Schweiß und seiner ganz persönlichen Note, und sie musste sich eingestehen, dass sie seinen Geruch mochte. Keshas Herz hämmerte stark in ihrer Brust, so dass sie befürchtete, dass er es an seiner Brust spüren würde, und sie wagte kaum zu atmen, aber warum, das wusste sie nicht so genau Herrschaft, was war denn an diesem Mann anders, als die anderen Männer? Nichts! Er war nur einer von vielen, und doch empfand Kesha diese Nähe, die einzig und alleine dadurch entstanden war, um sich gegenseitig vor der Kälte, oder gar vor dem Erfrierungstod zu schützen, gänzlich eigenartig. Es dauerte, den Göttern wars gedankt, nicht allzulange, bis die Taubheit in ihren Fingern und Zehen zurückging, und ihr Körper wieder ein wenig wärmer wurde, und schließlich auch ihre Gedanken nicht mehr so träge waren. "Kewan?" hauchte sie, doch er antwortete ihr nicht, stattdessen vernahm sie seinen langsamen, ruhigen und gleichmäßigen Atem. Er war eingeschlafen. Kesha lauschte in die Stille, die nur hin und wieder von einem heulenden Windhauch gestört wurde. Kesha lockerte den Griff um ihn, und schickte ihre Hände auf eine kleine, flüchtige Entdeckungsreise. Sie fuhr über seine Brustmuskeln, an die Seite, und wohin sie auch ihre kleinen Hände legte, sie spürte nur Muskeln und Sehnen, einfach einen formvollendeten, männlichen Körper. Ganz anders, als Levans wabbeliger, dicker Oberkörper. Als sie bei seinen Bauchmuskeln angelangt war, hielt sie inne. Wohl reizte es sie, ihre Hand noch ein wenig tiefer rutschen zu lassen, doch sie tat es nicht. Sie kam sich albern vor, ihn im Schlaf zu befingern, und so legte sie ihre Hände wieder sittsam an die Stelle, an die er sie gelegt hatte, und schloss die Augen.
Sie musste unweigerlich an das Gespräch von vor drei Tagen denken. Als er sie bei Anias Haus aufgesucht hatte, behauptete sie frech, dass er sich nur für sie so herausgeputzt hatte. Sie hatte erwartet, dass er es bestreiten würde, doch das hatte er nicht getan, im Gegenteil, er sagte 'Und ich hoffe, das war es wert…“, und sie hatte dazu nur stumm lächelnd genickt, und ihm noch zugestanden, dass er gut aussah. 'Ich hoffe, du weißt, wie sehr du das auch tust, Kesha", hatte er erwidert und damit war eine Welle der Verlegenheit über sie hereingebrochen, der diese zauberhafte Athmosphäre zerschlagen hatte...
Sie, gerade sie, Kesha, ließ sich in Verlegenheit bringen? Kein Mann brachte sie aus der Fassung! Immer hatte sie die Oberhand behalten! Niemals war sie verlegen, oder gar unsicher gewesen! Diese Gefühle waren ihr so ungewohnt, und sie verwirrten sie! Sein Bart kitzelte sie im Gesicht, und sie rutschte mit ihrem Kopf vorsichtig ein wenig tiefer. Sie lauschte Kewans Atem und konnte auch sein Herz leise klopfen spüren. Immer tiefer wurde sein Atem und während sie sich auf dieses Zusammenspiel von Herzschlag und Atem, seines Körpers konzentrierte, wurde sie immer müder, bis sie schließlich einschlief...

Als sie am nächsten Morgen in Kewans Armen erwachte, fühlte sie sich erstaunlich warm und gut ausgeruht. Innerlich musste sie grinsen, als sie an das Gespräch mit Levan dachte, welches sie beim Abschied für diese drei Tage mit ihm geführt hatte. 'Kewan wird auf mich achtgeben, du brauchst dir keine Sorgen machen...', hatte sie ihrem Mann versichert. Und ja, er hatte diese Nacht wahrlich gut auf sie aufgepasst. Besser hätte es niemand vermocht. Kesha löste sich aus seiner Umarmung und rüttelte schließlich den immer noch schlafenden Kewan wach. "Guten Morgen..." murmelte sie, und sie wunderte sich, dass es des Morgens mehr beklemmend, wenn nicht gar verstörend war, wenn er bei ihr war, und so gänzlich anders, als gestern Nacht. Vielleicht hatte sie auch die Kälte nur so lethargisch gemacht. Bei dem Gedanken an die Kälte wurde ihr anders, und sie wünschte sich, sie hätten sich nicht auf diese alberne Reise begeben, für ein paar Fässchen Schnaps. Apropos Schnaps... "Möchtest du einen Schluck?" bot Kesha Kewan den Schlauch an, und er nahm ihn bereitwillig entgegen. Sie vermied es, an die Nacht zu denken, wer wusste schon, was er darüber dachte? Darum kroch Kesha aus dem Zelt und während sie dies tat, streckte sie alle ihre Glieder. Sie schlug das Zelt auf, und gleißend heller, von der Sonne beschienener Schnee blendete sie und sie beschirmte ihr Gesicht mit dem Arm. Kesha vertrat sich ein wenig die Beine, und nach einer kurzen Weile kam Kewan auch aus dem Zelt gekrochen. Nachdem sie ein karges Frühstück zu sich genommen hatten, und Kewan die Hunde versorgt, und wieder vor den Schlitten gespannt hatte, packten sie alles zusammen, verstauten es auf dem Schlitten, auf welchem Kesha, in eine Decke gehüllt, Platz bezog, und Kewan stellte sich dahinter auf den Schlitten, gab dem Leithund das Kommando, und dann setzten sich die Hunde in Bewegung. Die Tiere hatten eine regelrechte Freude am laufen, und auch Kesha fand dies ganz amüsant, in einer Pferdekutsche war sie ja schon oft gefahren, aber in einem Schlitten, der von Hunden gezogen wurde, nicht...
Nach einer Weile tastete sie nach Kewans Hand, it welcher er sich auf dem Schlitten aufstützte, um sich seine Aufmerksamkeit zu sichern, dann blickte sie kopfüber zu ihm nach oben und meinte "Verzeih, dass ich dir misstraut habe. Ich fand es seltsam, wie ein Mensch keine Freunde haben kann... Ich habe mich wohl ein wenig von den anderen beeinflussen lassen. Dabei scheinst du ein recht netter Mann zu sein..." Sie ließ seine Hand los, und sprach weiter. "In meiner Heimat hatte ich auch kaum Freunde. Jedenfalls keine richtigen. Solche, die dir stets zur Seite sind, weil du Geld hast, aber keine, die da sind, wenn man sie braucht, nur mein Mann war stets helfend an meiner Seite..." Still dachte sie an die Momente, in welchen sie dringend Freunde gebraucht hätte... In ihren kummervollsten Tagen, an welchen sie so gehadert hatte, weil sie kein Kind empfangen konnte, oder wo sie Levan vermisst hatte, und er noch einige Monde unterwegs war. Sie vertrieben sich die Zeit mit reden, dass Kesha kaum die Kälte wahrnahm. Um die Mittagsstunde erreichten sie die Küste. Schon von weitem konnte man das große, zugeschneite Schiff, beinahe völlig auf der Seite liegend, sehen, und Kesha grinste Kewan an. "Du hättest es nicht übersehen können, wenn du der Straße von Norr Bharrak bis hierher gefolgt wärst. Aber ich wusste ja nicht, ob ich dir trauen kann..." Eigentlich hatte er noch nichts getan, was ihr Vertrauen in ihm gestärkt hatte, und doch tat sie es. Sie musste es einfach, und sie wollte. Kewan hielt den Schlitten an, und nachdem sie ihm mit der Verankerung im Boden befestigt hatten, liefen sie zu Fuß weiter, es war sicherer so. "Auf dem Schiff waren ziemlich viele Besatzungsmitglieder. Sie sind alle tot... Lass mich vorangehen, ich kenne mich ja auf dem Schiff aus..." Doch guter Rat war teuer, wie sie in das Schiff kommen sollten. Die aufgeschlitzte Seite des Rumpfes lag unter Wasser, und die unversehrte Seite oben. Zwar konnte man seitlich am Rumpf nach oben an Deck klettern, doch niemand wusste, was es da oben nun gab, nachdem das Schiff schon gute drei Wochen hier schiffbrüchig lag? Kesha starrte stumm auf das Schiff, welches ihr die unseligen Erinnerungen und die Angst in dem Sturm wieder vor Augen führte, und sie zögerte ein wenig. Aber dann gab sie sich einen Ruck und wandte sich an Kewan "All das, nur für ein wenig Schnaps?" lächelte sie ihn schief an. "Dann komm..."

Es erwies sich als gar nicht so schwer, über den Rumpf , bis ans Deck zu klettern, ein wenig mühsamer war es da schon, sich zu dem Abgang zu hangeln, an welchem die Stufen in den Frachtraum führten. Überall lagen Leichen, die sich, seit Kesha sich zum letzten Mal auf dem Schiff befunden hatte, vermutlich durch die Kälte kaum verändert hatten. Ein wenig beklommen hielt sich Kesha am Geländer der Treppen fest, und blickte Kewan an. Als sie die Hälfte der Treppe hinabgestiegen war, tappte sie mit dem nächsten Schritt schon in eisiges Wasser. Sie hielt den Atem an, und sog die Luft zwischen ihre Zähne. "Kewan, das ist purer Wahnsinn..." meinte sie schließlich. "Es ist nur dämlicher Schnaps! Das ist viel zu gefährlich! Die Schnapsfässer sind ganz hinten vertäut! Und der halbe Frachtraum ist voll Wasser! Komm, wir lassen es, und fahren noch heute zurück!"
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
Sie will es und so ist es Brauch
Was sie will bekommt sie auch

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Fr, 16. Aug 2013 17:43

Der Schlaf umfing den vollkommen erschöpften und durchgefrorenen Kewan sehr schnell. Er konnte sich nicht einmal wirklich daran erfreuen, dass Kesha an seiner Seite lag, so ausgelaugt war er… körperlich und geistig. Und doch, auch ihre eisige Berührung erquickte ihn und zauberte ihm ein, wenn auch ein schwaches, aber denoch schönes Lächeln auf die Lippen… auch wenn es bei der Dunkelheit nicht zu sehen war. Der Jäger erlag seiner Müdigkeit noch bevor sich sein Körper wieder vollständig aufgewärmt hatte, was eine dezente Gefahr mit sich brachte und auf diese Weise sein Leben in einer gewissen Art in Keshas Hände legte. Sie war die einzige Wärmequelle, der er sich jetzt noch bedienen konnte, da im Schlaf ja bekanntlich alle Körperfunktionen zurückgefahren wurden, so auch der Wärmehaushalt. All das bekam der Jäger aber nicht mehr mit, nicht wie ihre samtig weichen Hände über seinen Körper fuhren, nicht wie Keshas Wärme seinen Körper wärmte und auch seine den Ihren. Nur unterbewusst wandelte er in schönen Träumen, die seine Erholung vorantrieben und ihn mit wohligen Gefühlen fluteten. Kewan war am Ende einfach froh, dass alles so reibungslos funktioniert hatte bisher und das Kesha trotz der Kälte und Anstrengungen gut mithielt, darüber hinaus sogar eine Hilfe war. Seine Befürchtungen waren in diesem Moment wie hinweggefegt und endlich wurde er mit wahrhaft erholsamem Schlaf belohnt…
Am nächsten Morgen wurde von einem Gesicht geweckt, dass noch viel schöner war als jeder seiner Träume. Verschlafen und dennoch freudig blickte er auf Kesha. Beide waren noch am Leben. Finger und Zehen waren noch zu spüren und bei Kesha schien es nicht anders zu sein. Ein Stein fiel dem Jäger vom Herzen, denn eigentlich hatte er nicht vor gehabt derart rasch einzuschlafen, doch es schien keine schlimmen Konsequenzen mit sich getragen zu haben. Glücklicherweise.
„Guten Morgen…“, begrüßte ihn die Schönheit aus dem Schlaf und Kewan genoss den Moment. Als er sie so ansah, im düsteren Halbdunkel des Zeltes, das beinahe kein Sonnenlicht hereinließ, da war plötzlich jegliches Begehren verflogen. Der Jäger stockte innerlich etwas, denn so hatte er sich noch nie gefühlt. Allein ihre Nähe schien ihm zu genügen, ihr Anblick zu berauschen. Was wollte er mit mehr, wenn sie doch einfach bei ihm war? Diese Frage stellte sich ihm unweigerlich, während seine Augen an ihr entlang glitten und da wusste er es wieder. Es war, als rüttelte ihn ein primitiver Trieb aus den vernebelten Gedanken wach und ein Lächeln verschönerte seine Züge. Kewan, altes Haus, was ist bloß mit dir los?
„Ebenso guten Morgen.“, antwortete er, ohne den Blick von ihr zu nehmen und verharrte einfach in dieser Position.
„Möchtest du einen Schluck…?“, fragte sie und hielt ihm jenen Beutel vor die Nase, dessen Inhalt das Ziel ihres Ausfluges war. Dankend umschlossen seine Finger den Fellbeutel und setzte ihn an seine rissigen Lippen, die durch die Kälte etwas in Mittleidenschaft gezogen waren. Wie schon einmal zuvor rann der Teufelstrunk wie flüssiges Feuer seine Kehle hinab und zwang ihn wieder herzhaft zu husten. Doch die Wärme, die sich in seinen Gedärmen breitmachte war es wahrlilch wert. Dieses Zeug hatte es ihm in der Tat angetan und doch rätselte der Jäger, warum er es wieder trank, obwohl der Geschmack nicht wirklich gut war. Eigentlich schien nichts an diesem Gesöff auch nur annähernd lecker, lediglich die Wärme schien einen Nutzen zu bringen… Aber warum trank man es dann im Süden? Dort war es doch gar nicht so kalt… Wieder fiel sein Blick auf Kesha, diesmal allerdings kurzzeitig etwas fragend, ehe sich das ein wenig legte und er ihr freundlich den Schlauch zurückreichte. Sie verließ das Zelt und das nahm er als Zeichen sich ebenso zu erheben, auch wenn der Jäger äußerst ungern die behagliche Wärme der beiden dicken Felldecken verließ. Kewan legte sich wieder die dickere Kleidung an, wobei er seinen Mantel wieder Kesha überließ. Die Götter waren ihm wohlgesonnen gewesen, denn von einer Krankheit war nichts zu spüren, auch wenn er in der Nacht zuvor wie wild mit dem Hundeschlitten davon geprescht und der Schweiß in Verbindung mit scharfem Fahrtwind tödlich war. Und doch, er ausgeruht verließ er das Zelt und kniff die Augen zusammen, da seine Umgebung nun schlagartig an Helligkeit zugenommen hatte. Das Sonnenlicht wurde vom Schnee reflektiert und um ein vielfaches verstärkt, allein ob der Tatsache, dass es so von allen Seiten auf ihn einzuleuchten schien und nicht nur von oben. Es dauerte eine Weile, bis Kewan die Orientierung wieder erlangt hatte und sich ein Bild machen konnte. Alles in allem war es eine ruhige Nacht gewesen. Die Hunde waren wohlauf und der Schneefall hatte sich auch in Grenzen gehalten. Nur vereinzelt lag eine äußerst dünne Schicht der weißen Kristalle auf der Oberfläche des Schlittens. Kaum war er aus dem Zelt getreten war Aiwa schon mit wedelndem Schwanz auf ihn zu gerannt gekommen und sprang ihn wild an. Lachend ließ Kewan sie gewähren und gab ihr die Zuneigung, die die Hündin verlangte, wofür er einige liebevolle Schlecker im Gesicht und an den Händen erhielt, die er gerne hinnahm.
„Ach du verspielte, keine Hündin…“, seufzte er, als sie ihn dazu auch noch vor lauter Übermut in den Schnee warf. Nach einem kleinen spielerischen Kampf hatte der Jäger allerdings wieder die Oberhand und kraulte seine tierische Freundin ausgiebig am Bauch, was sie sichtlich entspannt über sich ergehen ließ…
„So Aiwa, jetzt gibt’s erstmal was zwischen die Beißer…“, sagte er und erhob sich, was natürlich darin endete, dass die Hündin ihrem Freund mit wedelndem Schwanz folgte. Sittsahm stürmte sie nicht auf das Fleisch, sondern wartete diszipliniert, wie es Kewan ihr einst beigebracht hatte, bis sie das bekam, was ihr zugewiesen wurde. Freudig machte sie sich darüber her und auch die anderen Hunde bekamen genug Versorgung und Kraft für den Tag. Schließlcih blieben noch Kesha und Kewan, die sich ebenso ein nahrhaftes, wenn auch nicht besonders schmackhaftes Frühstück gönnten. Der Packvorgang ging recht schnell und die erfahrenen Schlittenhunde bemerkten bereits die Aufbruchsstimmung. Sie warteten freudig darauf von den Schlitten gespannt zu werden, denn für einen Schlittenhund gab es nichts Schöneres als Bewegung, was den Bewohner er Eiswüste ein Segen war. Kesha mummelte sich in eine warme Decke ein und nahm Platz auf der Sitzfläche des Gefährts, während Kewan die Zügel in die Hand nahm um die Geschicke zu lenken gedachte. Wortlos zog sich die Reise einige Zeit dahin und schließlich war es Kesha, die seine Hand nahm und zu sprechen begann.
„Verzeih, dass ich dir misstraut habe. Ich fand es seltsam, wie ein Mensch keine Freunde haben kann... Ich habe mich wohl ein wenig von den anderen beeinflussen lassen. Dabei scheinst du ein recht netter Mann zu sein...", der Jäger antwortete nicht und sie ließ seine Hand los. Ihre Worte erfreuten Kewan sehr, denn tief im Inneren hatte er gehofft, dass das mal jemand zu ihm sagen würde, denn noch nie hatte ihn jemand als nett betitelt. Der Klang der Worte nahm Kewan voll und ganz ein. Nett, dachte er und blickte zu ihr hinab. Er schenkte ihr ein herzliches Lächeln und sie fuhr fort.
„In meiner Heimat hatte ich auch kaum Freunde. Jedenfalls keine richtigen. Solche, die dir stets zur Seite sind, weil du Geld hast, aber keine, die da sind, wenn man sie braucht, nur mein Mann war stets helfend an meiner Seite..."
Auch die Erwähnung ihres Mannes vermochte es nicht die schöne Stimmung, die sich in sein Herz gesetzt hatte zu vermindern, oder gar ins Negative zu ziehen. Allerdings verstand er genau was sie meinte. Es ging ihm sehr ähnlich, wenn nicht gar ganz genauso und so nickte er verständnisvoll.
„Ich kenne das, Kesha…“, antwortete er ein wenig abwesend und dachte wehmütig an seinen Vater der ihm genommen wurde und Annuun, der ihn verlassen hatte… Die Gedanken schmerzten, doch er war froh, dass Kesha an seiner Seite war und anscheinend seine Gefühle zu teilen schien. Auch wenn sie weitaus offener mit all dem umging und Kewan eher stoffelig verschlossen zuhörte. Doch er mochte das. Zuhören hatte er schon immer gekonnt… zu Mindest bei jenen Dingen, die sein Interesse zu wecken vermochten, doch er fühlte sich einfach nicht stark genug Anderen von seinem Schicksal zu berichten. Ohnehin hatte er das nur zwei Mal in seinem Leben getan und wurde bei einem Mal so schwer enttäuscht, dass er gar das Vertrauen in sein eigenes Volk verloren hatte. Nur Annuun, von dem er noch niemandem in seinem Leben je berichtet hatte, nur er war der damals so dringend notwendige Balsam für seine Seele gewesen. Kewan rätselte… Sollte er Kesha davon erzählen? Sollte er das wirklich tun? Bisher hatte das nie jemanden wirklich interessiert, warum sollte es bei ihr dann anders sein? Wobei, wenn er sie so betrachtete war an ihr alles anders und er verspürte gleichzeitig den Drang sein vergangenes Leid mit ihr zu teilen, so wie sie es tat und die Angst seine Befürchtungen würden sich bestätigen und sie würde sich tatsächlich einen Dreck um ihn kümmern. Es war das Leben, was ihn so geformt hatte und ihn in diesen Umständen so verklemmt und verschlossen wirken ließ, wenngleich sein ganzes anderes Auftreten eine gänzlich andere Sprache sprach. Kesha regte zum ersten Mal in ihm solche Gedanken und er war ihr sehr dankbar dafür, denn erst jetzt fiel ihm auf, wie krankhaft dieses Verhalten eigentlich war. Und dennoch, er brachte den Mut nicht auf es ihr zu erzählen… noch nicht.
Die Fahrt ging flott. Das Wetter meinte es gut mit ihnen und der Weg, den Kesha ihm wies war erstaunlich wegsam und kam ihm bekannt vor. Bisher hatten sie sich eigentlich nur unwesentlich anders von der Straße, die nach Norr Bharrak führte bewegt, weshalb Kewan sie nach einer Zeit stirnrunzelnd anblickte.
„Du hättest es nicht übersehen können, wenn du der Straße von Norr Bharrak bis hierher gefolgt wärst. Aber ich wusste ja nicht, ob ich dir trauen kann...", sagte die schöne Frau schließlich grinsend, als sich das auf Kewan majestätisch wirkende Wrack vor ihnen auftat. Der Jäger leiß die Hunde langsamer laufen, bis sie schließlich nahe an der Klippe gänzlich zum stehen kam. Je näher er dem Schiff gekommen war, desto mehr hatte sich Kewans Mund geöffnet. So etwas hatte er noch nie gesehen. Was er sah, war ein Koloss von einem Schiff, nein ein Titan und auch wenn es geborsten in den Felsen hing, wirkte es auf ihn immer noch mächtig. Wenn er die Schiffe seines Volkes damit verglich kam der Jäger nicht umhin unsicher zu grinsen.
„Das… Das ist es?“, fragte er ungläubig und starrte mit weit aufgerissenen Augen auf Kesha, die ihre Freude über seine Verwunderung kaum verbergen konnte. Für sie mochte ein solches Schiff nichts besonderes sein, doch Kewan kannte nur die kleinen Nussschalen, die sein Volk für die Jagt benutzte. Und Nussschale war wohl für einen derartigen Vergleich das wohl passende Wort. Sie nickte eifrig.
„Ja, das ist es!“, bestätigte Kesha ihn und fuhr fort, „Auf dem Schiff waren ziemlich viele Besatzungsmitglieder. Sie sind alle tot... Lass mich vorangehen, ich kenne mich ja auf dem Schiff aus..."
„Ihr scheint wirklich Glück gehabt zu haben, Kesha…“, sprach der Jäger ernst, während er, da sie nun näher an das Wrack herantraten, die Schäden begutachtete, „Und das ist noch untertrieben!“
Kewan grinste sie voller Vorfreude an, denn in seinen Gedanken hielt er schon den ganzen Schnaps in Händen.
„Du bist zäher, als du aussiehst! Und das meine ich positiv.“, sagte er weiter und folgte Kesha aufs Schiff. Nach einer mehr oder minder komplizierten Kletterpartie über den noch unversehrten Teil des Rumpfes nach oben auf das Deck, blickten sich die beiden erst einmal um.
„All das, nur für ein wenig Schnaps? Dann komm..", fragte sie ihn mit einem schiefen Grinsen, dass der Jäger erwiderte und vielsagend mit den Schultern zuckte.
„Warum nicht?“
Der Weg in den Laderaum war schon etwas komplizierter, als das Klettern über den Rumpf. Viele Brüche im Holz gaben gleichzeitig Halt, doch waren genauso gefährlich, denn die geborstenen Planken waren festgefroren und etwaiges ruckartiges anecken, oder abrutschen kam einem Messerstich gleich! Schließlich erreichten sie eine Treppe in den Frachtraum und was Kewan sah, ließ ihn ungläubig die Stirn runzeln.
„Kewan, das ist purer Wahnsinn…Es ist nur dämlicher Schnaps! Das ist viel zu gefährlich! Die Schnapsfässer sind ganz hinten vertäut! Und der halbe Frachtraum ist voll Wasser! Komm, wir lassen es, und fahren noch heute zurück!", sagte Kesha und sprach genau das Gegenteil von dem aus, was Kewan dachte. Sein ungläubiger Blick drehte sich vom vollgelaufenen Frachtraum zu ihr.
„Bitte was? Du willst jetzt umkehren? Auf keinen Fall!“, antwortete er mit fester Stimme und schüttelte dabei entschlossen den Kopf, „Ich hau wegen einem bisschen kalten Wasser jetzt nicht vor Reichtum ab, Kleine!“
Kewan blickte sich um. Hier, direkt an der Küste war der Wind vergleichsweise stark im Gegensatz zum Landesinneren, was gefährlich war. Wenn er es tatsächlich wagen sollte hier nach den Fässern zu tauchen, müssten sie sich etwas überlegen. Langsam stieg Kewan wieder die Treppen hinaus und streckte seinen Kopf aus dem Loch auf dem Deck und sein Blick fiel auf die Kajüte. Ihm kam eine Idee, die genauso verrückt, wie brilliant war.
„Komm, Kesha, ich denke, ich habe einen Plan!“, sagte er zurück in den Laderaum und entstieg seinem Zugang auf das schräge Deck, worauf er sich gefolgt von Kesha zur Kajüte vorarbeitete. Mit einem straken Ruck öffnete er die festgefrorene Tür und blickte in das Innere. Alles war durch den Sturm umher geworfen worden, wie der Jäger auf den ersten Blick feststellen konnte und einiges war dabei zu Bruch gegangen. Durch die Kälte hatte sich nicht sonderlich viel verändert.
„Ich habe folgendes vor, Kleine…“, begann er und wandte den Blick vom Innenleben des kleinen, schwimmenden Wohnraums, der ihn stark beeindruckte, auf die noch viel beeindruckendere Kesha, „Wir werden, das Schiff kontrolliert in Brand setzen, hörst du. Ich werde nämlich in das Wasser steigen und die verdammten Fässer da raus holen. Wenn wir den hinteren Teil des Schiffes abfackeln und unter dem Bug lagern, sind wir windgeschützt und es wird dort verdammt warm.“
Kewan ließ seine Worte erst ein wenig auf Kesha wirken, bevor er mit dem großen ABER über sie herfiel.
„Allerdings… könnte das Schiff dabei recht schnell zerbrechen und mich samt Laderaum ins Meer reißen… Da hätten wir dann glaube ich beide nichts davon…“
So richtig ließ sich Keshas Blick für ihn nicht deuten und zu gern hätte er gewusst, was in ihrem Kopf in diesem Moment vorging, doch dem war nicht so. Schließlich stimmte sie aber doch zu.
„In Ordnung…“, sagte sie etwas leiser, als dass es wirklich überzeugend herüberkam, doch das genügte dem Jäger und ein siegessicheres Grinsen legte sich auf seine Züge.
„Hey… wäre doch gelacht, wenn wir das nicht gebacken bekommen!“, machte er ihr und auch sich selbst ein wenig Mut, den er sicherlich gebrauchen konnte, auch wenn er mit Sicherheit alles andere als ein Feigling war.
„Ich würde sagen, wir fangen mit dem Feuer legen in der Kajüte an, dort sind wir am meisten vor dem Wind geschützt und das Feuer kann sich dort schnell ausbreiten! Durch die Kälte ist das Holz furtztrocken, außer an den äußeren Planken. Das Feuer muss also dann schon stark genug sein, wenn es dort ankommt. Deshalb fangen wir in Türnähe mit dem Feuer an, verstanden?“, fragte er Kesha die nun etwas selbstsicherer nickte und ihm sogar ein Lächeln schenkte.
„Verstanden!“, wiederholte sie sein letztes Wort und beide machten sich an die waghalsige Unternehmung. Wenn das Feuer die gesamte Kajüte erfasst hatte, würde Kewan in die eisigen Fluten steigen, denn nur so hatte er eine Chance genug Abwärme einzufangen, um sich irgendwie wieder aufzuwärmen, was niemals passieren würde, wenn nicht durch äußere Einflüsse, wie beispielsweise ein Feuer. Bevor sie das Feuer legten, durchstöberten die beiden noch das Schiff nach einigen nützlichen Dingen und brachten sie zu den Hunden und dem Lager, dass sie auch noch zuvor aufgebaut hatten. Unter den Fundstücken hatten sie beispielsweise einen Kompass, dessen Wirkungsweise Kesha ihm ungefähr erklärte, ein schön aussehendes Messer und noch diverse andere Kleinigkeiten wie Münzen oder Nadeln, die eventuell noch irgendwann nützlich werden könnten… Man konnte ja nie wissen. Auch Kesha sammelte sich etwas zusammen, bevor die beiden endlich das Feuer legen konnten, auch wenn Kewan nicht wirklich darauf brannte in das Eiswasser zu steigen.
Doch sie taten es. Zwar nahm es seine Zeit bis das eiskalte Holz Feuer fing, allerdings als es endlich in den Flammen stand, ging alle etwas schneller als gedacht. Kewan fühlte sich etwas unwohl als er sah, wie schnell sich das Feuer ausbreitete, denn es bedeutete gleichzeitig, dass ihm weniger Zeit für das bergen der Fässer zur Verfügung stand und da er das ohnehin nicht genau wusste, musste er sich wirklich beeilen. Der Nervenkitzel stieg, je weiter sich die Flammen fraßen, so wie der Jäger es mochte. Immer mehr begann das Adrenalin in seinen Fingerspitzen zu kribbeln und sein Herzschlag ging schneller und schneller. Mittlerweile war es sogar unmöglich geworden, sich in der Kajüte aufzuhalten. Der Rauch und die unbändige Hitze machten das unerträglich, weshalb sich Kewan und Kesha draußen vor der Tür wärmen ließen. Die Flammen leckten schon aus den Fenstern und die Wände färbten sich bereits schwarz vor Ruß und einige Momente später stand beinahe der gesamte hintere Teil des Schiffes in Flammen. Das war das Zeichen.
Schnell entledigte sich der Jäger seiner Kleidung und vertraute sie Kesha an. Er machte ihr klar, dass es von größter Wichtigkeit war, diese bei Beendigung der Aktion griffbereit zu haben und auch seine Zweitklamotten bereit zu halten. Mit den einen gedachte sich Kewan abzutrocknen und mit den anderen anzukleiden, bevor er sich vor Kälte nicht mehr bewegen konnte. Dabei würde er sehr auf die Hilfe von seiner Begleiterin angewiesen sein, denn seine Muskeln würden nur noch sehr ungenau arbeiten und ihm womöglich sogar beim Laufen Probleme bereiten. Wie dem auch sei, er entblößte seinen Oberkörper gänzlich und offenbarte Kesha nun zum ersten Mal bei Licht seinen Anblick. Die große Narbe, die sich über die breite Brust zog, die Tätowierungen, die bleiche Haut… Auch von den Beinkleidern trennte er sich und es war ihm absolut egal, ob das unschicklich wirkte oder nicht, nach dem Tauchgang würde er sie nie wieder ausbekommen und bei der Kälte wären nasse Kleider absolut fatal. Es war ihm auch egal, was Kesha davon wirklich hielt, er wollte diese Sache nur durchziehen und zu verbergen hatte er ohne hin nichts. Als er dann noch die Stiefel von den Füßen riss, stand er splitternackt vor ihr, sein Gesicht allerdings zeugte keineswegs von Scham, viel mehr von Entschlossenheit. Einmal nickte er ihr zu, ehe er sich keuchend in das Eiswasser stürzte. Schmerzerfüllt verkrampfte sogleich sein rechter Fuß und der Jäger knurrte vor Schmerzen, denn zum Schreien fehlte ihm ehrlich gesagt die Luft. Kewan ließ sich nicht unterkriegen und biss die Zähne zusammen.
Scheiß drauf, dachte er und kämpfte sich auch mit Krampf im Fuß nach vorne. Unbeirrt fraßen seine Bewegungen Meter um Meter, bis er endlich an der Stelle ankam, zu welcher Kesha gedeutet hatte, als sie ihn auf die Lage der Fässer hingewiesen hatte.
„Na Hollalie…“, keuchte der halb durchgefrorene Mann, der bereits zu zittern begann und holte tief Luft, bevor er unter der Wasseroberfläche verschwand. Es dauerte nicht lange, da hatte Kewan eines der Fässer an die Oberfläche gerissen und er lag mit seinen Vermutungen richtig. Die Fässer waren weitaus schwerer, als Kesha es gedacht hatte und auch obwohl das Wasser einen Großteil der Gewichtskraft von ihm nahm, kostete es Mühe zur Leiter zu kommen und noch viel mehr, das Fass auf das Deck zu hieven und über die Reling zu schleudern. Besonders dann, wenn die Muskeln ob der Kälte nicht mehr wirklich gehorchten, doch das große Feuer am Heck wärmte tatsächlich und gab ihm wieder ein wenig seiner Kontrolle über seinen Körper zurück, ehe er sich erneut in die Fluten stürzte.
Sechs Fässer konnte Kewan bergen, ehe ihn seine Kraft und Energie langsam zu verlassen schien. Auch das Feuer schien ihm seine Koordination nicht mehr wiebringen zu können und darüber hinaus, hatte es sich unglaublich schnell ausgebreitet. Ein weiteres Mal entschloss sich der Jäger in die Fluten zu werfen, denn es gab noch einiges zu bergen, wenngleich sich das als großer Fehler erweisen sollte. Gerade war Kewan auf halbem Weg zur Tauchstelle, da vernahm er ein bedrohliches Knacken, das sich durch den ganzen Bug zog.
„Schieße…“, presste er zähneklappernd hervor und suchte sich etwas, um sich daran festzuhalten, doch seine Finger wollten ihm nicht gehorchen. Es knackte ein weiteres Mal, diesmal weitaus lauter und ein Riss bildete sich auf der noch unversehrten Seite des Buges, der nun ein zu großes Gegengewicht zu der zerborstenen darstellte und durch die Flammen an Integrität verlor. Der Lagerraum wurde zu einem reißenden Strom, denn das Wasser drückte mit titanischer Macht gegen den Riss und versuchte daraus hervorzubrechen. Kewan war es schlichtweg unmöglich, sich dem Strom zu erwehren, zu stark waren die Kräfte, die an ihm zerrten. Machtlos musste er mit ansehen, wie sein klammer Körper von dem Riss angesogen wurde, ohne dabei etwaigen Hindernissen ausweichen zu können. Wehrlos prallte er gegen das halbversunkene Treppengeländer, was daraufhin krachend zerbarst und sich tief in seine Schulter bohrte. Vor Schmerzen wollte der Jäger aufschreien, doch es gelang ihm nicht, lediglich klammerte er sich an das Geländer, dass seine Schulter auf Höhe des Trapezmuskels glatt durchstochen hatte. Wenigstens konnte ihn der Strom so nicht davon reißen, doch er benötigte dringend Hilfe… Kewan hing direkt am Eingang zum Laderaum fest, doch hatte er nicht mehr die Koordination und auch nicht mehr die Kraft sich von selbst zu befreien.
„Kesha…“, krächzte er kraftlos und blickte zum Eingang und wartete auf seine einzige Hoffnung.

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Fr, 16. Aug 2013 22:10

Kewan war in keinster Weise begeistert von Keshas Idee, das Vorhaben abzubrechen, und einfach wieder nach Hause zu fahren. Vehement schüttelte er den Kopf. Kesha ihrerseits schüttelte ebenso den Kopf, als er meinte, er wolle nicht auf den Reichtum verzichten und grinste ein wenig süffisant. Zwischen dem Reichtum, den er sich ausmalte, und den Reichtum, welchen sie gewohnt war, lagen Welten, und sie konnte es nicht unterlassen, ihm dies unter die Nase zu reiben. "Der Schnaps wird dich nicht reich machen, und du wirst vielleicht ein, zwei Jahre gut davon leben können, genügsamer Kewan aus der Eiswüste... Hast du eigentlich einen Begriff davon, was es bedeutet, wirklich reich zu sein?" fragte sie ihn herausfordernd. Aber vermutlich wusste er es nicht. Sie wedelte mit der Hand, und ließ es dabei bewenden. Kewan indes inspizierte das Deck, die Kajüte, und schien zu überlegen. Nach einer Weile kam er wieder aus der Kajüte und meinte „Wir werden das Schiff kontrolliert in Brand setzen, hörst du. Ich werde nämlich in das Wasser steigen und die verdammten Fässer da raus holen. Wenn wir den hinteren Teil des Schiffes abfackeln und unter dem Bug lagern, sind wir windgeschützt und es wird dort verdammt warm.“ Kesha blickte ihn verwirrt an. Worte wie "Schiff in Brand setzen" und "In das Wasser steigen" verwirrten sie. Hatte er jetzt wirklich gesagt, er wolle das Schiff in Brand stecken, damit er es schön warm hatte, wenn er sich durch den halb überfluteten Frachtraum kämpfte, um die Fässer, die ganz weit hinten vertäut waren, zu holen?" Sie legte die Stirn in Falten und schwieg, während sie seine Worte auf sich wirken ließ. Er setzte fort „Allerdings... Könnte das Schiff dabei recht schnell zerbrechen und mich samt Laderaum ins Meer reißen… Da hätten wir dann glaube ich beide nichts davon…“ Sie sah ihn mit großen Augen an. Nein! Nein! Keine gute Idee! Aber der Plan klang so verrückt, dass es funktionieren musste! Sie stellte sich seinen Vorschlag mit Bildern in ihrem Kopf vor, und schließlich war sie von der Idee überzeugt. Er musste schließlich wissen, was er tat. "In Ordnung" stimmte Kesha schließlich zu. "Wir machen es so, wie du es gesagt hast. Doch ihre Stimme klang nicht sehr überzeugt. "Hey… wäre doch gelacht, wenn wir das nicht gebacken bekommen!“ meinte er und lachte und sie nickte unsicher. „Ich würde sagen, wir fangen mit dem Feuer legen in der Kajüte an, dort sind wir am meisten vor dem Wind geschützt und das Feuer kann sich dort schnell ausbreiten! Durch die Kälte ist das Holz furtztrocken, außer an den äußeren Planken. Das Feuer muss also dann schon stark genug sein, wenn es dort ankommt. Deshalb fangen wir in Türnähe mit dem Feuer an, verstanden?“ Den ersten Teil, mit der Kajüte verstand sie, das machte Sinn. Den zweiten Teil nicht so ganz. Aber sie wollte sie nichts anmerken lassen, und erwiderte. "Verstanden!" und lächelte ihn an, auch um ihre Zweifel und ihre Unsicherheit vor diesem Unterfangen zu zerstreuen.

Bevor sie das Feuer legten, suchten sie das Schiff noch nach brauchbaren Dingen ab. Kesha zerrte ihre zwei Ersatzkleider aus der Kleidertruhe, sowie ihren goldenen Schmuck. Jetzt, wo sie in der Eiswüste war, musste sie über sich selbst den Kopf schütteln, dass sie diesen Tand auf die Schiffsreise mitgenommen hatte. Die Kleider waren in diesen klimatischen Bedingungen mehr als unbrauchbar, da sie aus sommerlichen Stoffen bestanden, und sogar ärmellos war, aber sie hing trotzdem an diesen zwei Kleidern, nicht zuletzt, weil sie aus recht kostbaren Stoffen bestanden, und ihr ausgezeichnet zu Gesicht standen. Der Schmuck, naja, vielleicht war er einst brauchbar, wenn Levan und sie nicht Fuß fassen konnten, wie Kesha sich das vorgestellt hatte. Sie verstaute den Schmuck in ihrer kleinen Ledertasche, die sie ebenso in der Kajüte gefunden hatte, und brachte zusammen mit Kewan, der sich andere Dinge angeeignet hatte, die Kleider und den anderen Tand zum Hundeschlitten. Danach kletterten sie wieder aufs Schiff und Kesha blickte Kewan abwartend an. Kewan begann, Feuer zu legen. Ruhig beobachtete Kesha in dabei, und nach einer Weile schlugen seine Versuche, Feuer zu machen, an, und die Bodenplanke begann zu brennen. Die Holzvertäfelungen in der Kajüte waren knochentrocken, und bald sprang das Feuer auf die Wand über, und schneller als erwartet, stand die gesamte Kajüte in Brand. Kewan nickte, und begann, sich Stück für Stück zu entkleiden. Während er dies tat, erklärte er Kesha, dass sie gut darauf zu achten hatte, und sie ihm sofort nach Beendigung des Fässerbergens damit helfen musste, ihn abzutrocknen und ihm in die Kleidung zu helfen. Kesha nickte, und sah ihm zu, während er sich entkleidete. Zuerst seinen Pelzüberwurf, dann die sich darunter befindliche Lederkluft, und schließlich sein Leinenhemd, was nun den Blick auf seinen nackten Oberkörper freigab. Kesha staunte nicht schlecht, als sie seinen muskulösen Oberkörper betrachtete. In der Nacht zuvor hatte sie sich ja mit ihren Händen einen flüchtigen Überblick machen können, doch was sie nun sah, stellte alle Erwartungen in den Schatten. Muskulös und sehnig, ja. Doch befanden sich auch seltsame Hautmalereien in eisblau, die sich sehr gut von seiner beinahe schneeweißen Haut abhoben, auf seinem Oberkörper, nebst einer großen, hässlichen Narbe. Wie gebannt betrachtete sie Kewan, der sich inzwischen auch von Hose, Beinlingen und Bruche befreite. Kesha presste sie Lippen aufeinander, weil sie nicht wusste, ob sie peinlich berührt sein, laut auflachen, aufgrund seiner Dreistigkeit und Unbekümmertheit, oder tiefe Bewunderung aussprechen sollte, weil er splitternackt in der Eiseskälte da stand, und wirklich und wahrhaftig in das kalte Wasser steigen wollte. Er nickte ihn noch zu, und sie senkte schmunzelnd, und ein wenig beschämt den Blick, dann wagte er auch schon den Sprung ins kalte Wasser. Wortwörtlich. Kesha bekam eine Gänsehaut, nur allein von dem Gedanken daran, wie kalt das Wasser sein musste.

Es war tapfer, wie er Fass um Fass aus dem Frachtraum barg, sich dazwischen immer wieder kurz am Feuer aufwärmend, nur, um erneut in das Wasser zu springen. Sechs Fässer lagen nun schon im Schnee, nicht weit von dem Hundeschlitten entfernt. "Kewan, Sechs Fässer sind genug! Sieh dich an, du bist ja schon ganz blau..." meinte Kesha besorgt, doch entweder hatte er sie nicht gehört, oder er ließ sich durch ihre Worte nicht beirren. Erneut sprang er in das kalte Wasser. Kesha ließ ihre Blicke über die Fässer gleiten. Das war eine großartige Leistung gewesen, und der Lohn für seine Mühen war ihm schon sicher. Zehn Fässer gab es, und bald würde er das siebte heraufholen. Dann aber sollte Schluß sein! Sie würden ohnehin eine weitere Nacht unter freiem Himmel verbringen müssen. Doch diesmal könnten sie vielleicht Holz vom Schiff mitnehmen, als Feuerholz, was ihnen sicher eine angenehmere und vor allem wärmere Nacht bescheren würde. Kesha fand, dies war eine gute Idee, und sie schickte sich an, abgebrochene und tragbare Holzteile zusammen zu sammeln. Beinahe kam sie ins Schwitzen, und als sie meinte, genug zusammengetragen zu haben, war sie beinahe stolz, und begann, Holzplanke für Holzplanke einigermaßen zielsicher zu den Fässern zu werfen. Sechs Fässer... Und dann schweiften ihre Augen zu dem Hundeschlitten, wo Aiwa, der Leithund, sich plötzlich seltsam gebärdete. Kesha runzelte unwillig die Augenbrauen. Sie mochte Hunde nicht besonders, sie fing gar nichts mit ihnen an. Sie mochte es nicht, wie sie sich gebärdeten, wie sie rochen, wie sie bellten und lärmten, und einen ansprangen, und sie verstand auch nichts von diesen Tieren und ihrem Verhalten. Katzen waren da bedeutend einfacher. Sie kamen, holten sich was sie wollten, ob Leckereien oder Streicheleinheiten, und dann verschwanden sie einfach wieder. Manchmal für Wochen. Katzen waren stolz. Hunde waren dumm. Das dachte Kesha. Sie beobachtete den Hund, wie er unruhig auf der Stelle trat, und sichtlich nervös wirkte und fiepte. Das kam Kesha nun etwas seltsam vor, und gleichzeitig erschrank sie, als ihr gewahr wurde, wie viel Zeit vergangen sein musste, und Kewan war immer noch nicht wieder aus dem Frachtraum zurück gekehrt. Ihr Herz begann zu klopfen und sie lief zu den Stufen.

Sie bückte sich und blickte in den Frachtraum, doch sie konnte Kewan nicht sehen, oder hören. "Kewan?" rief sie ein wenig angstvoll, und schritt vorsichtig Stufe für Stufe hinunter. Dann sah sie ihn, wie er am Ende der Treppe stand. Eine innere Stimme sagte ihr, dass er hier nicht lehnte, um eine Pause zu machen. Erst jetzt fiel ihr auf, dass das Wasser ein wenig rauschte, was es zuvor nicht tat, und sie konnte eine kleine Strömung auf der Wasseroberfläche ausmachen, die es zuvor auch nicht gegeben hatte, und sie links und rechts seinen Rücken umflutete. "Kewan?" rief sie ihn an, doch sein Blick war glasig und er reagierte kaum. "Kewan! Hör auf, mir Angst zu machen! Das ist nicht lustig!" rief sie schrill, und ihr Herz klopfte ihr beinahe zum Hals. "Kesha..." murmelte er mit erstickter Stimme. "Kewan, was ist?" rief sie und stieg die überfluteten Stiegen ins Wasser, Stufe für Stufe, und atmete hörbar auf, als sie das eiskalte Wasser an ihren Füßen spürte. Und dann sah sie, was passiert war. Er war an der Schulter vom hölzernern Treppengeländer regelrecht aufgespießt worden. "Kewan..." presste sie angstvoll zwischen den Lippen hervor und sprang hastig ins Wasser, um ihm zur Hilfe zu eilen. Sie stöhnte auf, als sie bis zur Brust im Wasser stand, und das eisige Wasser sie wie grausame Nadelstiche am ganzen Körper quälte. Sie versuchte die Situation zu erfassen, und überlegte binnen von Sekunden, was sie tun sollte, während sie ihre Kräfte langsam verließen, denn sie Kälte lähmte den Körper schnell, und Kälte war sie vor vielen anderen Dingen überhaupt nicht gewohnt. Kesha packte Kewan bei den Oberarmen und versuchte ihn, nach hinten zu drücken, damit sie ihn von dem hölzernen Spieß befreien konnte, doch es gelang ihr schwerlich. "Kewan...!" rief sie. "Ich will dir nicht weh tun.. "murmelte sie ängstlich. Doch auch sie sah ein, dass es egal war, wenn sie ihm helfen wollte. So warf sie sich mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, gegen ihn, und er glitt mit einem Ruck von dem Holz. Sie packte ihn hastig an den Schultern, bevor die Strömung ihn gar wieder wegtreiben würde, und dann zerrte sie ihn, selbst matt, erschöpft, und steif vor Kälte, mit allerletzter Kraft, Stufe für Stufe hinauf, bis sie oben angelangt war, und sich mit ihm auf die Planken fallen ließ. Sie stöhnte auf, als er auf sie fiel, dann schob sie ihn von sich, und betrachtete ihn. Seine Lippen waren violett-blau verfärbt, und sowohl diese, als auch sein Körper, der ebenso eine ungesunde Farbe angenommen hatte, zitterten, und bebten unkontrolliert. Si strich ihm das nasse, wirre Haar aus dem Gesicht und ließ ihren fassungslosen Blick auf der Schulter ruhen. Aus der Wunde strömte das Blut, vermischte sich mit den Wassertropfen auf seiner Haut, und lief, sich immer mehr verästelnd, über die Brust und an den Seitenentlang, wo es auf dem Holzboden eine Lacke bildete. Kesha wusste kaum etwas von Wundversorgung, aber sie wusste, dass man eine Blutung stillen musste, in dem man etwa Stoff auf die Wunde drückte. Sie fuhr herum, und fasste nach seinem Leinenhemd. Dann angelte sie den Wasserschlauch vom Gürtel, zog den Stopfen heraus, presste ihm ihre Hand auf seinen Mund, falls er gar schreien würde, und goß die restliche scharfe Flüssigkeit über die Wunde, und dann presste sie ihm mit einer Hand das zusammengeknüllte Leinenhemd auf die Wunde, während sie mit mit anderen Hand seine Leinenbruche schnappte, und ihn damit notdürftig trocken rubbelte. "Halt durch..." murmelte sie, während sie die Wunde los ließ, um ihn anzuziehen, was sich im nassen, frierenden Zustand deutlich schwieriger gestaltete, als gedacht. Und angezogen hatte sie einen Mann noch nie... ja nicht einmal ausgezogen, das passierte immer ganz von selbst... Als sie ihn einigermaßen passabel angekleidet hatte, stopfte sie das blutige Leinenhemd unter sein angezogenes und zog ihn dann näher an das prasselnde Feuer. Sie selbst empfand dies auch als Wohltat, als sie die Hitze des Feuers spürte, obwohl die nassen, an ihrem Körper klebenden Kleidungsstücke, sehr unangenehm waren.

Das Feuer breitete sich immer weiter aus, und der Rauch hüllte immer mehr das Deck ein. Nach einer kurzen Weile wich die bläulich blasse Farbe seines Gesichtes, doch er zitterte immer noch. "Wir sollten von dem Schiff runter, Kewan..." raunte sie ihm sanft, aber eindringlich zu, während auch sie zitterte. "Komm..." Er nickte lethargisch, und Kesha fuhr mit ihrer Hand unter seine unversehrte Schulter und half ihm, sich zu erheben. An der Reling hielt sie ein. Als sie Levan heruntergeschubst hatte, hatte er sich dabei diesen komplizierten Beinbruch zugezogen. Diesmal würde sie den selben Fehler nicht noch einmal machen. Das Schiff war schräger, als damals, es müsste doch funktionieren, einfach herunter zu rutschen? "Kewan, komm, ich helfe dir über die Reling, und dann setz sich hin und rutsch!" forderte sie den lethargischen Mann auf, und sie tat es ihm gleich. Und es glückte auch. Zwar kullerten sie in den kniehohen Schnee, aber es war ohne weitere Verletzungen vonstatten gegangen. Als sie den Hundeschlitten erreichten, um sich Decken zu holen, dämmerte es bereits. Kesha wusste, dass sie nun eine weitere Nacht in dieser Eishölle erwartete, und dass sie ebenso ihre Kleider ausziehen, und wechseln musste, auch, wenn sie keinen wirklichen Ersatz hatte. Sie war müde, erschöpft, hungrig, und durstig, und die sicherlich auch begründete Angst um Kewan gaben ihr schließlich den Rest. Ein wenig Verzweiflung spiegelte sich in ihrem Gesicht wieder, als sie Kewan betrachtete, und sich frierend und zitternd auf den Schlitten hockte. Sie wusste ja nicht, ob man an einer solchen Verletzung sterben konnte...
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
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Was sie will bekommt sie auch

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Sa, 17. Aug 2013 3:26

Abwesend und mit den Gedanken schon beinahe in einer gänzlich anderen Welt, erkannte Kewan jedoch, wie sich eine Silhouette im Eingang zum überfluteten Frachtraum zeigte. Er spürte seinen Körper beinahe überhaupt nicht mehr. Seltsames Kribbeln durchzog seine Gedärme, seine Muskeln, seine Haut… einfach alles. Nichts wollte mehr seinen Befehllen gehorchen, keine Bewegung wollte ihm gelingen. War es Schmerz? Ja, es war der blanke Schmerz, der seine verkrampften Muskeln befiel, ihn unfähig machte einen klaren Gedanken zu fassen, ihn in dieser Situation jegliche Handlungsmöglichkeit zu rauben schien.
Kesha!, rief er immer wieder in Gedanken, die nur nach ihrem Anblick und ihrer Hilfe verlangten und alles andere ausblendeten. Beinahe krankhaft klammerte sich der Jäger an ihr Bild, dass sich in seinem Kopf formte und wieder in der schrecklichen Kälte, die ihn aufzusaugen schien verschwamm. Seine Schulter strahlte dennoch Wärme aus. Zu aller erst war es jedoch auch der Schmerz gewesen, der ihn an dieser Stelle ganz besonders umfangen hatte, doch die Zeit, die Kewan wie eine Ewigkeit vorkam veränderte sein Empfinden und nahm ihm den Schmerz, befreite ihn von einer unglaublichen Last, doch benebelte es seine Sinne. Kein Bild tat sich vor ihm auf, lediglich verschwommene Schatten und Bewegungen, die keinerlei Reaktion in ihm hervorriefen. Nichts. War er schon tot? Lethargie hatte sein eigenes Wohlbefinden betroffen und Kewan vermochte nun nicht einmal mehr zu sagen, wo er sich befand. Nur ein Wunsch brannte auf seiner Seele. Der innige Wunsch nach Hilfe. Doch vor was? Etwas umspülte ihn, etwas weiches, etwas, dass sich seiner Form anzupassen schien. Gar war es so, dass es gleichzeitig exisitierte, aber doch nicht zu fassen war. Sein Geist kämpfte sich empor und legte seine Vernunft und Auffassungsgabe aus einem Dunst, schwammiger Bilder und lethargischen Gedanken frei und ließ seinen Trotz emporsteigen. Orientierungslosigkeit befing Kewan, der sich seiner Situation mehr und mehr bewusst wurde, und Kälte verschlang seine Bewegungen, die in Nichtigkeit verebbten, bis sie schließlich gänzlich zu verschwinden schienen. Erneut tauschte er einen klaren Geist gegen sein Wohlbefinden und plötzlich, ohne ein Vorzeichen brandete neben der klirrenden Kälte verzehrender Schmerz auf. Überall wollte sich der Leidende winden, doch es war unmöglich. Verwirrung legte sich über ihn und zentrierte sich auf sein Blickfeld, dass durch den Schock für Bruchteile von Sekunden unter der Last erdrückender Schwärze einbrach. Stöhnend keuchte er nur das, was seine befangenen Gedanken preisgaben und das war ein Name, der in seinem Kopf eine Bedeutung ohne Hintergrund zu haben schien und doch, die Bedeutung war so groß, dass er es nicht für sich behalten konnte:
„Kesha..“
Kewans Stimme war nur ein Schatten, eine Tropfen in einem Meer. Kaum zu vernehmen und doch existent. Wieder versuchte der Verletzte sie zu erheben. Ohne Erfolg. Wieder. Wieder. Wozu? Es war Hoffnungslos. Hoffnungslos in einer Situation, die in ihrer Natur nur die Hoffnung als letzten Halt ließ und den befangenen Geist ansonsten in einer kargen Weite aus tiefster Schwärze zurückließ und jeden Fluchtweg verschloss.
„Kesha!“, wieder ertönte das Produkt des durch Kälte gepeinigten Stimmapparates von Kewan, der sich in seinem Trotz nicht geschlagen gab. Die Zeit die verging nahm ihm die Kraft, gleichwohl allerdings auch den Dunst der Verwirrung, der seine Gedanken mit eisernem Griff umfasste. Seine Schulter. Sie war das Zentrum dieser Verwissrung. Die Wärme von der er zu zehren gedachte entschwand aus ihr und hinterließ nichts als blanke Leere, die augenblicklich von etwas gefüllt wurde, dass den Jäger ängsigte und seinen Mut entschwinden ließ. Doch dort war noch immer diese verschwommene Gestalt, die sich seiner näherte. Waren sie ihm bekannt? Diese Umrisse? Berührten sie ihn in diesem Moment? Etwas sprach zu ihm! Etwas musste zu ihm sprechen! Es konnte einfach nicht anders sein!
„Kewan! Hör auf, mir Angst zu machen! Das ist nicht lustig!"
Diese Worte drangen im schrillen Ton durch seine Benebelung und Kewan wollte den Kopf heben. Mit aller Macht, doch es wollte ihm einfach nicht gelingen
„Kesha…“, antwortete er kaum hörbar, als er voller Freude die Stimme erkannte. Sein Gehirn hatte seine Zeit benötigt, die Informationen zu verarbeiten und auch sein Glauben wollte nicht hinnehmen, dass er sich so plötzlich zu erfüllen schien. Neue Kraft mobilisierte sich in seinem geschundenen Körper, doch was war das schon?
„Kewan, was ist?"
Eine Frage? Seine Gedanken arbeiteten, doch er konnte nicht mehr darauf antworten. Ein Rauschen umspülte ihn und die flüchtige Masse, welche ihn umgab bewegte sich.
„Ich will dir nicht wehtun.. "
Er antwortete nicht. Bewusst gab er sich seiner Schwäche hin, denn nur Befangenheit konnte ihn jetzt noch schützen, dem Bewusstseinsverlust zu entgehen. Kewan wusste nicht warum er das tat. Seine Instinkte schienen ihn zu leiten, den alles verbliebene war von blanker Lethargie beschattet und außerhalb seiner direkten und effektiven Kontrolle. Ein Rütteln und Ziehen erfasste seine Hülle, die sich von seinem Geist aus wie die Kälte selbst anfühlte, die ihn umgab. Schrecklich war der Schmerz, den er aus weiter Ferne vernahm und der krampfhaft versuchte die Barrieren seiner Benebelung zu durch brechen und auch den letzten Rest seiner Vernunft zu peinigen. Es gelang ihm nicht. Wehrhaft stämmte sich Kewans Ego gegen die brutale, gar vernichtende Welle aus Signalen die ihm den Schmerz ankündigten. Immer tiefer zog sich das Bewusstsein des Jägers zurück, dass seine Wahrnehmung beinahe nicht mehr existent war. Er bemerkte nicht wie tapfer und selbstlos Kesha sein Leben rettete. Sie zog ihn von seinem Verhängnis und aus dem eisigen Nasse, dass auch sie selber umfangen hatte und an ihr zährte. Der hintere Teil des Schiffes allerdings war ihre Rettung. Meterhoch schlugen die Flammen lebhaft in den dunkler werdenden Himmel und führten einen bizarren Tanz auf, der Kewan fesselte. Es war für ihn, als strahlten jene Bewegungen bloße Lebensenergie aus, die auf ihn hinabprasselte, ihn aus seinen Ketten der Eiseskälte zu lösen begann. Wie durch Zauberhand kehrte der Jäger langsam in den Körper zurück, aus dem er beinahe gewichen war und nur durch den Einsatz seiner Hoffnungen in Person der schönen Kesha daran gehindert wurde. Bilder wurden klarer und Gedanken lauter, Bedürfnisse vielfältiger. Die Menschlichkeit beherrschte nach und nach die Gefilder bloßer Intuition und Instinkte, die zuvor eine leitende Rolle angenommen hatten. Zuckend durchsetzte die Kontrolle seine verkrampften Muskeln und gleichzeitig wurde Kewan bewusst, wie armselig sein Zustand war. Die Wärme des Feuers rettete ihn und zog ihn zurück in die Realität, in der mittlerweile wieder vollständig angekommen war. Hilfesuchend huschten seine Augäpfel von einer Seite zur anderen und erblickten schließlich Kesha, die genauso zitternd wie er am Feuer verharrte und mit der Kälte kämpfte. Er wusste, dass sie es gewesen war, die sein Leben rettete und eine einzelne Träne floss vor Dankbarkeit aus seinem Auge. Es war einer dieser Momente, in denen Kewan nicht der kewan war, den alle kannten. Viel mehr glich er einem Neugeborenen, dessen Geist unbefangen seine Umgebung beobachtete und sich ncihts weiter, als seinen Gefühlen und Trieben hingab. Unwirsch und ungenau bewegte er seinen unverletzten Arm in Keshas Richtung und ergriff zittrig ihre Hand und drückte sie. Anders konnte er seine ungeheure Dankbarkeit nicht zeigen, denn kein Wort wollte seiner Kehle entweichen. Auf seiner Zunge verspürte er den Geschmack des Schnapses, wobei sich der Verletzte nicht daran erinnern konnte einen Schluck dieses Getränkes zu sich genommen zu haben. So sehr er auch in seinen Erinnerung wühlte, kein Bild wollte ihm dazu in den Sinn kommen. Genauso verwundert blickte er an sich herab und bemerkte, dass er angekleidet war. Auch auf seiner versehrten Schulter verspürte er noch etwas anders, als das herausströhmende Blut. Das alles musste auch Keshas Werk gewesen sein… Kewan seufzte so gut es ging, denn auch sein Atem stockte zittrig, wie der ganze Rest seines Körpers. Die Ränder der Wunde müssten bald vernäht werden, bevor sie bei der Kälte zu faulen beginnen, dass wusste der Jäger, doch war er momentan alles andere als in der Lage dazu. War es Kesha? Sein Blick haftete auf ihr, der schönen Frau die sein Leben rettete. Beklemmt reflektierte er darüber, dass alles gänzlich entgegen seiner Vorstellungen verlaufen war. Es ärgerte ihn, dass er sich nicht als Retter hatte erweisen können, sondern lediglich zur Last gefallen war. Sicherlich einge Fässer der wertvollen Föüssigkeit hatte er bergen können, doch der Umstand seines scheiterns in seinen Augen, wurmte ihn sehr. Was musste wohl Kesha von ihm denken? Nie hatte er schwach wirken wollen und immer alles dafür getan vor anderen stark zu sein. Doch jetzt? Wo lag er? Vor einem Feuer, dessen rettende Wärme er ohne ihre Hilfe niemals erreicht hätte. Am liebsten wäre Kewan in diesem Moment vom Erdboden verschwunden, so sehr schämte er sich. Auch hatte er ihr doch versprochen mit dem Haus zu helfen! Er hatte auf ganzer Linie versagt und genau das dachte sie bestimmt auch über ihn. Schwach ballte der Jäger die zitternden Hände zu Fäust und kniff verärgert die Augen zusammen. Am liebsten hätte er geschrien, doch es fehlte ihm die nötige Kraft. Dabei hatte er doch nur alles richtig machen wollen, besonders gegenüber Kesha. Es gab nichts, dass er sich vorzumachen brauchte, diese Frau hatte es ihm angetan und das mehr als alle zuvor. Ob es wirklich wahre Liebe war oder nur ein flüchtiges, wenn auch starkes Verlangen, das wusste er nicht, zog es aber in Betracht. Aber diese Überlegungen waren doch alle samt nichtig. Es war doch Fakt, das dieses Verlangen existierte und im Moment sah sich der Jäger in einer gescheiterten Lage, was ihn sehr demoralisierte.
„Wir sollten von dem Schiff runter, Kewan...", riss ihn die Stimme von Kesha aus den negativen Gedanken und den schrecklichen Selbstmitleid. Kewan ekelte sich geradzu vor dem Moment der Schwäche, der ihn umfangen hatte und schüttelte ihn ab. Meine Güte, was bist du nur für ein Schlappschwanz geworden…, sagte er in zu sich selbst und war in diesem Augenblick wieder der alte, unnahbare und raue Jäger, den jeder kannte.
„Ja.“, antwortete er schwach, wenn auch bestmöglich bestimmt, denn die kraft fehlte ihm noch immer. Langsam plagte ihn schrecklicher Hunger. Natürlich! Die klirrende Kälte hatte seinen Körper unglaublich viel Energie gekostet und irgendwann verlangte er nunmal seinen Tribut. Laut knurrte sein Magen und schmerhaft meldete sich die trockene Kehle, die nach Wasser nur so schrie.
„Komm...", sprach sie während sie sich erhob und ihm bei selbigem half. Seine Schulter schmerzte unvorstellbar und raubte ihm im ersten Moment das Gleichgewicht. Schnell fing sich Kewan wieder auf den wackligen Beinen, die ihn mit Keshas Hilfe zur Reling buxierten. Der Weg nach unten betrug einige Meter und war bei einem Sprung, besonders in ihrem Zustand, durchaus gefährlich. Auch wenn der Schnee einen Sturz womöglich bremsen würde, sprach Kesha genau das aus, was er gerade dachte.
„Kewan, komm, ich helfe dir über die Reling, und dann setz sich hin und rutsch!"
Lethargisch nickte der Verletzte und tat wie ihm geheißen mit einem nicht minder langsamen Tempo. Immerhin verlor er Blut, auch wenn die Blutgefäße durch die Kälte stark zusammengezogen waren, der Blutverlust machte ihn ein wenig träge, doch Kesha erwies sich als sehr geduldig , was er ihr hoch anrechnete. Kurz darauf landeten beide unten im Schnee und Kewan stöhnte auf. Bei jeder Bewegung, ob ruckartig oder kontrolliert, ein jedes Mal schlugen die Schmerzen nur so auf ihn ein, wie die Fäuste eines Titanen. Unfähig sich zu wehren benebelte jede Welle seinen Geist erneut und es kostete immer wieder Zeit sich zu finden, doch auch das meisterten die beiden mit Bravur. Glücklicherweise hatten sie schon zuvor Zelt und Lager aufgebaut, weshalb sich der Verletzte einfach erschöpft ins die Felle fallen ließ. Während Kewan bereits im Zelt lag und sich umständlich seiner Kleider entledigte, war Kesha noch draußen. Die Abwärme des brennenden Schiffes konnte er sogar noch im Zelt spüren und Kewan freute sich, dass wenigstens der Teil des Planes zu funktionieren schien. Auch Kesha erschien nun kurz darauf im Zelt mit ein wenig Proviant, den beide gierig verschlangen. Jeder Bissen der seinen Magen füllte, verlieh ihm neue Energie und hellte seinen Geist auf, der dringend Ruhe bedurfte. Mit Keshas Hilfe formte er einen Verband, den sie erfolgreich um die Wunde legen konnten, dass er mindestens bis zum nächsten Morgen halten würde, bis sie bereit waren die Wundränder zu vernähen. Auf dieses Thema hatte Kewan seine Begleitung noch gar nicht angesprochen und plante auch nicht derartiges zu tun, bevor es wirklich nötig war. Das wäre vermutlich nur unnnötiger Stress und den wollte er nun um jeden Preis vermeiden. Während er gerade dabei war in Gedanken zu versinken, begann sich Kesha der nassen Kleider zu entledigen, woraufhin der Jäger augenblicklich von seinem Vorhaben abließ. Sittsam drehte er sich weg, doch lauschte er genau wie die Kleidung über ihre samtige Haut glitt. Stück für Stück entkleidete sie sich und trotz der Lethargie, von der sich Kewan noch immer nicht ganz hatte trennen können, arbeitete seine Fantasie auf hochtouren. Die Decken, die ihn bedeckten wurden angehoben und Kesha schlüpfte in die angehende wohlige Wärme die sich darunter zu bilden begann. Aber auch im Zelt selber wurde es wärmer und das Feuer prasselte laut. Doch nichts war vergleichbar mit der Hitze, die den Jäger durchströhmte. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals und wäre er seinen Trieben gefolgt, hätte er sich augenblicklich umgedreht und seinen Mann gestanden, doch etwas hielt ihn davon ab es zu tun. Durch die emotionale Hitz und die körperliche Kälte erlag er der Gänsehaut, gegen die er so angekämpft hatte. Kehsa schmiegte sich an ihn, denn auch sie schien zu frieren. Ihrer Berührung löste einen Sturm von allen möglichen Emotionen in ihm aus und er ließ sich langsam zurück auf den Rücken gleiten, dass sie sich ganz sanft an seine verletzte Schulter anlehnte. [18]Seine Männlichkeit begann sich zu regen und er versuchte auch gar nicht mehr seine Erregung zu verstecken.[/18] Mit seiner Rechten fuhr er langsam über seine Brust auf die andere Seite, wo Kesha sanft an seiner Schulter lehnte, über ihr wunderschönes Gesicht durch ihre goldenen Haare. Den Kopf zur Seite gewandt funkelten seine Augen in die ihren, während sein Blick seine Intention verriet und er lediglich auf ein Zeichen von ihr wartete. Alle Selbstzweifeln waren vergessen. In diesem Moment gab es nur sie beide und einen Orkan von Gefühlen zwischen ihnen… Was auch immer das bedeuten mochte.

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Sa, 17. Aug 2013 14:11

Kesha überkam ein mulmiges Gefühl, als sie nackt zu Kewan unter die wärmenden Decken schlüpfte. Immer noch fror sie, doch je länger sie so ruhig neben ihm lag, desto mehr und mehr verschwand die Kälte, die sich scheinbar bis ins Mark ihrer Knochen gefressen zu haben schien. Selbst die Gedanken an die beängstigenden Ereignisse noch vor wenigen Augenblicken waren verschwunden und in ihrem Kopf herrschte Leere. Sie versuchte, keinen Gedanken daran zu verschwenden, was nun passieren konnte. Nicht, dass sie ein schlechtes Gewissen gegenüber Levan hätte, nein, sie war schon so oft in den Armen eines anderen Mannes gelegen, und sie hatte Levan schon lange davor sogar um ihre Unberührtheit, mit der eine gute Frau in die Ehe ging, betrogen, ohne, dass er es je gewusst, oder auch nur geahnt hatte. Und doch war es etwas gänzlich anderes für Kesha, sich aus einer Taverne einen schicken Burschen oder Mann mit nachhause zu nehmen, oder hier, nur wenige Wochen nach ihrem Schiffsunglück, welches sie letztendlich in die Eiswüste nach Norr Bharrak gebracht hatte, nackt neben einem, zugegebermaßen, recht anziehenden Mann zu liegen, nur, um dem Erfrierungstod zu entgehen. Und für Kewan empfand sie durchaus Sympathie, ja, sie konnte überhaupt nicht verstehen, wieso die Menschen in Norr Bharrak ihn so mieden. Verstellte er sich vor ihr? Und wenn es so war, es interessierte sie nicht. Sie hatte nicht vor, sich in irgendetwas rein zu stürzen. Ihr einziges Interesse sollte Levan gelten, und wie sie mit ihm so schnell wie nur möglich Ressourcen aufbringen könnte, die sie schnell wieder nach Rômachar bringen könnten. Dort wartete schließlich ihr behütetes, angenehmes, sorgenfreies Leben, in einem angenehmen Lebensklima! Und ihr gewonnener Wetteinsatz, den sie nur einfordern mussten. Es war dumm gewesen, das Schiff in Brand zu setzen! Das Schiff war die Lösung gewesen. Man hätte nur die aufgerissene Schiffsseite reparieren zu brauchen, und dann hätten sie... nein... sie hätten dieses gewaltige Schiff niemals alleine zurück nach Rômachar bringen können...

Kewan riss Kesha aus ihren Gedanken, als er ihr mit der unversehrten Hand über das Gesicht fuhr, und seine Finger durch ihr Haar gleiten ließ. Sie hob den Kopf, welcher an seiner Schulter ruhte, und blickte ihn an, und sein Blick ließ keinen Zweifel aufkommen, wonach es ihn verlangte. Und sie? Verlangte sie es nach ihm? Er war verletzt, sie waren mitten in der Einöde, mitten im Schnee und Eis, und der Zeitpunkt konnte schlechter nicht sein! Aber es würde auch nie jemand erfahren, und sie müsste lügen, wenn sie behauptete, dass sie ihn nicht begehrte. Es war schon so lange her, dass sie mit einem Mann das Lager geteilt hatte. Von Levan einmal abgesehen, aber das war wieder etwas anderes. Sein dicker Körper war träge geworden, und manchmal passierte es sogar, dass er nicht konnte... Kesha hatte sich nie die Schuld daran gegeben, aber trotzdem suchte sie so dringend Bestätigung... und sie war begierig darauf, zu erfahren, ob er wirklich so gut war, wie Ania ihr kichernd erzählt hatte, auch wenn diese es nur vom hörensagen wusste. Es sei denn, Ania verheimlichte etwas...

Kesha spürte seinen warmen Atem, der ein wenig schneller ging, in ihrem Gesicht, und sie traf eine Entscheidung. Sie schob ihren Kopf ein Stück weit nach vor, so dass ihre Lippen die seinen streiften. Sie waren rau, gleichermaßen wie ihre trocken waren, und sie leckte sich über ihre Lippen, um diese zu befeuchten, dann suchte sie die seinen. Vorsichtig presste sie ihren Mund auf den seinen, abwartend, fühlend, genießend, und dann öffnete sie ihn, und strich mit ihre Zunge vorsichtig und ganz langsam über seine Lippen. Es dauerte keinen Wimpernschlag, da fanden sich ihre Zungen, liebkosten sich, zunächst vorsichtig, erforschend und neugierig, doch bald fiel jede Zurückhaltung von Kesha ab, und sie küsste ihn fordernder und eingehender, während ihr Herz beinahe schmerzhaft in der Brust hämmerte. Sie grub ihre Hand in seine langen Haare, und riss ein wenig unsanft daran, um ihm noch ein Stück näher bei sich zu haben, um ihn noch eingehender küssen zu können. Sie seufzte leise und wohlig, und genoß den Geschmack seiner Zunge und Lippen. Ein Kuss entschied über Sieg oder Niederlage, wenn ein Kuss nicht gefiel, brauchte man gar nichts erst weiter zu machen. Zumindest für Kesha, und dieser Kuss war ein klarer Sieg. Kesha löste ihre Lippen von den seinen, setzte sich auf, und hob ihr Bein über ihn, so dass sie auf seinem Schoß zu sitzen kam, wo sie seine Erregung deutlich spüren konnte, und ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Doch zunächst tat sie nichts weiter, außer erneut seine Lippen zu suchen, denn allein ihn zu küssen, brachte sie schon schier um den Verstand. Sie ließ ihre Hände wandern, den dicken Verband aussparend, über seine Brust, über seine harten Bauchmuskeln, und schließlich an den Seiten, bei seinen Lenden, wo Kesha ihre Hände schließlich ruhen ließ. Sie konnte die Frauen verstehen, wie sie ihm reihenweise erlagen. Irgendein Zauber ging von diesem Jäger aus, und sie selbst vermochte sich ihm nicht zu entziehen. [18]Sie spürte, wie ihr Schoß immer feuchter wurde, und wie alles in ihr danach schrie, ihn endlich in sich aufzunehmen, sich ihm hinzugeben, und sich und ihm Wonnen zu bereiten... Sie wäre eine Närrin, wenn sie diesen Moment nicht auskostete. Niemand würde es je erfahren! Und doch schwirrten störende Gedanken in ihrem Kopf herum. Sie wollte nicht eine von zahllosen Eroberungen sein! Sie wollte die eine sein, und das war sie schon für Levan. Sie schalt sich selbst eine Närrin, für diese Gedanken, die sie in diesem Moment hatte. Und sie warf sie über den Haufen. Sie setzte sich ein wenig auf ihm auf, griff ein wenig nachhelfend an sein Gemächt, und dann ließ sie es langsam in sich hineingleiten, während sie kurz den Atem anhielt, um danach wohlig und befreit aufzustöhnen. Eine Menge obszöner Gedanken schossen Kesha durch den Kopf, als sie ihre Hüfte vor und zurück schob und sich zufrieden gewahr ward, dass er sie gänzlich ausfüllte, und es perfekter nicht sein konnte. Sie dachte an nichts, außer seinem harten Schwanz, der ihr so wunderbare Wonnen bereitete, und ungeachtet der Tatsache, ob er seinen linken Arm gebrauchen konnte, oder nicht, nahm sie seine Hände, und legte sie auf ihre vollen, weichen Brüste, drückte seine Hände zu, schnurrte wohlig, und stöhnte selig. Eine ganze Weile dauerte dieser lustvolle Ritt, bis sich eine kribbelnde Wärme von ihrem Unterleib aus ausbreitete, ihr Schauer und Gänsehaut über den Rücken und den gesamten Körper schickte, und hemmungslos ließ sie ihren Gefühlen freien Lauf, während sie stöhnte, und schrie.[/18] Nichts war befreiender, als sich nicht darum kümmern zu müssen, ob man gehört wurde. Keuchend und stoßweise atmend, hielt sie schließlich ein, und stieg von ihm ab, und legte sich matt neben ihm, und achtete nur auf das heftige Schlagen ihres Herzens, während sie versuchte, wieder ruhiger zu atmen. Als es sich nach einer ganzen Weile endlich wieder beruhigt hatte, schob sie sich in seinen Arm, doch immer noch schwieg sie. Tausend Gedanken schwirrten durch ihren Kopf, sie wollte so viel sagen, doch sie wusste nicht einmal, was sie nun dachte und fühlte. So suchte sie seine Lippen erneut, um ihn innig zu küssen, und als sie sich wieder von ihm gelöst hatte, sagte sie "Niemand darf je davon erfahren... Es war töricht. Ich bin verheiratet, Kewan! Auch, wenn ich vielleicht wünschte, es wäre anders, aber es ist nicht so! Wir haben nicht diese Mühen auf uns genommen, um ungestört in der Eiswüste übereinander herfallen zu können! Du wolltest den Schnaps holen, und ich wollte dir den Weg zeigen. Du wolltest Reichtum Kewan, und nicht mich, verlier das nicht aus den Augen!" So war das, und so war sie. Levan hatte nie ein Problem damit gehabt, wenn sie harsche Worte sprach. Dieser Jammerlappen! Kesha blickte Kewan in der Dunkelheit des Zeltes an, und sie konnte ihn nur schemenhaft erkennen. Sie wollte wissen, was er nun dachte, sie wollte ihn nicht verletzen, er war so knapp dem Tod von der Schippe gesprungen, dass es falsch war, ihn nun so vor den Kopf zu stoßen. Sie legte ihre Hand an seine narbige, bärtige Wange. "Kewan... Ich... ich..." Doch sie fand keine passenden Worte. Das Einzige, das sie wusste, war, sie sie ihn rasend begehrte. Ihre Gedanken waren besessen von ihm, und nur von ihm, und nichts lieber wollte sie, als sich ihm erneut hinzugeben, um sich jeden störenden Gedanken einfach aus dem Kopf [18]vögeln[/18] zu lassen...

Der Morgen war dennoch ernüchternd für sie. Sie wagte kaum, Kewan anzusehen. Wäre sie gestern Abend sturzbetrunken gewesen, etwa weil sie Schnaps getrunken hatte, hätte sie heute vielleicht darüber gelacht, oder darüber hinweggesehen. Sie war definitiv keine Frau von großen Worten. Nie. Sie sagte, was sie sagen musste, doch alles, was nicht sein musste, blieb unausgesprochen. So schwieg sie, während sie half, das Zelt abzubauen, die Felle und Decken zusammen zu falten, die Fässer am Schlitten zu verstauen, und dann ging es auch schon zurück nach Norr Bharrak. Sie schwieg auch während der gesamten Fahrt, und je näher sie an Norr Bharrak kamen, desto beklemmender wurde ihr zumute. Sie hatte nichts anderes getan was sie in Rômachar nicht auch schon getan hatte, und dennoch... Einige Menschen blickten neugierig auf, als die blonde Fremde und der dorfbekannte Schwerenöter zusammen mit dem Schlitten auf dem Hauptplatz ankamen. Kesha verlor auch keine Zeit, und sprang vom Schlitten auf. "Ich gehe den Rest des Weges zu Fuß..." brach sie schließlich endlich ihr Schweigen. "Geh zum Haus der Heilerin, und lass dir helfen. Behalte die Fässer alle, du hast sie dir redlich verdient... Aber dafür bewahrst du Stillschweigen..."
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Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » So, 18. Aug 2013 16:59

[18]Keshas Kopf bewegte sich auf Kewan zu. Ihr Geruch, ihr Anblick, einfach alles an ihr versetzte ihn in Wallung und das Glücksgefühl, was sich in ihm einstellte war so unbeschreiblich, als ihre Lippen die seinen abtasteten. Auch er befeuchtete sich nach der ersten Berührung die Lippen, denn die klirrende Kälte, die um sie herum herrschte hatte sie rau und rissig werden lassen. Wenige Augenblicke später erfüllte sich der sehnlichste Wunsch, der für diesen Moment auf seiner entzückten Seele brannte. Ein Kuss, von für den verletzten Jäger unvergleichlicher Schönheit und Zärtlichkeit, benebelte seine Sinne erneut. Dieses Mal jedoch begrüßte Kewan diese Veränderung die nur positives mit sich zog. Ihre Zungen umspielten einander und die Wildheit packte ihn. Normalerweise war er es immer gewesen, der die Initiative ergriffen hatte, doch mittlerweile wunderte es ihn nicht mehr, dass bei dieser Frau alles anders war. Sie unterbrach das Zungenspiel gekonnt und setzte sich zärtlich auf ihn. Keshas samtige Haut glitt über die seine und erneut suchten und fanden sich ihre Lippen. Kewans Körper verließen alle Beklemmungen und er fühlte sich, als ob er schwebte. Ihre Bestätigung der stummen Frage ließ ihn geradezu frohlocken und jede Faser in ihm sehnte sich nach der Frau, die ihn soeben verzauberte. Ihre Hände glitten über seinen Oberkörper und seine Nackenhaare stellten sich ob dieser Berührungen zu berge. Immer tiefer sanken sie hinab zu seinen Lenden. Mit tiefen Zügen füllte der Jäger seine Lungen mit ihrem Geruch,der so angenehm in der Luft lag und vergaß alles um sich herum. Auch Keshas Lust benetzte seine Haut, an jene Stellen die ihre Scham berührten, wie Kewan erfreut bemerkte. Als ihre Hand seine gestärkte Männlichkeit berührte stöhnte er kurz auf und nur die Verletzung hinderte ihn daran die Führung zu übernehmen, wie er es so gerne getan hätte. Er konnte spüren, wie ihr Atem stockte, als er seinen Weg in ihr Inneres fand. Ihre Wärme war geradezu berauschend und die geschmeidigen Bewegungen leerten seinen Kopf. Kewan konnte, wollte nicht denken, sondern genoss einfach nur die Gefühle, die sich zwischen ihm und Kesha aufbauten und zu Mindest ihn gänzlich in ihren Bann zogen. Ihre Hände suchten seine und er kam nicht umhin den aufkommenden Schmerz in seiner Schulter zu ignorieren, als Kesha sie sanft zu ihren Brüsten manövrierte. Sie passten zu ihrer wunderschönen Figur und hatten eine vorzügliche Form und Größe, deren Berührung Kewan nur noch mehr in Wallung brachte. Seine Kiefer mahlten vor blanker Erregung, der er sich gänzlich hingab. Fest und doch rücksichtsvoll drückte er zu, während er unter Keshas fortwährend grazilen Hüftbewegungen versuchte es auch ihr so schön wie möglich zu machen. Wie er es liebte war sie nicht gerade leise, ganz im Gegensatz zu ihm, doch das zeugte von seiner Seite nicht von geringerer Intensität. Ihr Spiel zog sich immer länger und wurde immer intensiver. Er liebte sie, dessen war er sich nun just in diesem Moment sicher. Kewan versuchte gar nicht erst wie sonst sich gegen diesen Gedanken zu erwehren, denn gerade das machte dieses zu einem der schönsten Abenteuer, wenn nicht zu dem Schönsten, das er jemals erlebt hatte und das waren eine ganze Menge. Seine Lust ergoss sich in ihr und ungeachtet seiner Verletzung hob sich sein Oberkörper und rau zog er Kesha zu sich herunter. Ihrer beider Höhepunkt ging ineinander über und war wie ein Meer von Glück und Freude für Kewan, der einfach dem hingab, was ihm gerade in den Sinn kam. Ihr Atem ging stoßweise, als sie innehielt und mit leichtem zittern von ihm rutschte.[/18]Schweigend teilten sie sich ihr Lager und ein zufriedenes Lächeln umspielte Kewans Lippen, während sich sein Blick in der Dunkelheit verfing. Er konnte Keshas noch immer erhöhte Atemfrequenz vernehmen, die sich nach und nach wieder zu normalisieren begann. Nichts konnte die Schönheit dieses Momentes für den Jäger zerstören, denn soweit er sich erinnern konnte, war dies das erste Mal, dass er sich seitdem er Annuun verlassen hatte wirklich bis in die letzte Faser von Glück erfüllt war. Allein der Gedanke, dass Kesha neben ihm lag ließ alles andere nichtig werden.
Was ist bloß los mit dir?
Diese Frage hatte sich Kewan in den letzten Tagen sehr oft gestellt und die wahrhaftige Antwort krampfhaft verdrängt. Es hatte einfach nicht in sein Bild, dass er für sich im Sinn hatte gepasst und so ignorierte der Jäger einfach die Gefühle, die er für Kesha hegte. Doch jetzt tat er das nicht mehr. Und doch, soweit weg wie alles Unglück in diesem Augenblick in der Ferne zu verschwinden schien, war es nicht, wie er schmerzlich bemerkte...
„Niemand darf je davon erfahren... Es war töricht. Ich bin verheiratet, Kewan! Auch, wenn ich vielleicht wünschte, es wäre anders, aber es ist nicht so! Wir haben nicht diese Mühen auf uns genommen, um ungestört in der Eiswüste übereinander herfallen zu können! Du wolltest den Schnaps holen, und ich wollte dir den Weg zeigen. Du wolltest Reichtum Kewan, und nicht mich, verlier das nicht aus den Augen!", sagte Kesha plötzlich und für den Angesprochenen brach in diesem Moment eine Welt zusammen, die sich auszumalen er gerade erst begonnen hatte. Durch die Dunkelheit vor ihrem Blick geschützt legte er die Stirn ungläubig in Falten. Antworten konnte Kewan in diesem Moment nicht. Seine Kehle war zugeschnürt und die Kälte hatte ihn wieder befallen. Eine schreckliche, unbarmherzige Kälte, die sich durch Haut, Sehnen, Muskeln und Knochen fraß und auch nicht vor seinen Gedanken und Gefühlen haltzumachen schien. Vielleicht war er wirklich verrückt geworden, dachte der Jäger und rief sich den Kampf gegen die Zuneigung zu Kesha in Erinnerung. Wie konnte er nur erwarten, dass sie diese Gefühle teilte, nur weil sie mit ihm das Lager geteilt hatte? Schließlich hatte er über all die Jahre auch nichts anderes getan! Alles was gut schien war mit einem Mal in das Gegenteil gewandelt und die Trauer überkam ihn.
„Gut.“, sprach er so ausdruckslos wie möglich. Kewan fühlte sich jämmerlich und schwach. Noch schlimmer als zuvor. Er war ihr eine Last. Seine Erinnerung, seine Verletzung, vermutlich sogar seine Person erschien ihm als Last für Kesha, die er nichtsdestotrotz liebte. Erst jetzt bekam er mit, was er vermutlich so vielen Frauen seines Volkes angetan hatte und begann sich dafür zu hassen. Es war, als würde man ihm sein Herz bei lebendigem Leibe entreißen und das entstandene Loch monumental verschließen. Trotz aller Mühe den Schock im Verborgenen zu halten, schien Kesha zu bemerken, wie es ihm erging.
„Kewan... Ich... ich...", begann sie, doch brachte den Satz nicht zu Ende. Der Jäger antwortete nicht. Klagend zogen an seinem geistigen Auge die vergangenen Momente vorbei, die er sich so sehnlichst zurückwünschte, doch in gewisser Weise hatte sie ja recht.

Kewan schlief nicht. Wach hatte er die ganze Nacht neben Kehsa gelegen und nachgedacht, ohne allerdings einen klaren Gedanken gefasst zu haben. Nur unbändige Wut und großen Frust hatte all dies zur Folge gehabt, die zu bändigen einen großen Kraftakt für ihn darstellte. Auch seine Wunde brannte wie Feuer, doch sie war mit Sicherheit das kleinere Übel. Krampfhaft hatte er darüber reflektiert, was wohl all die Frauen getan hatten, deren Herz er einst gebrochen hatte und nun ein glückliches Leben mit ihrer Familie führten. Auch das führte nur zu weiterem Schmerz, denn Kewan hatte keine Familie. Er hatte niemanden, an den er sich wenden konnte. Immer hatte er alles allein geregelt bekommen, doch jetzt fühlte sich der Jäger seltsam unfähig irgendetwas zu regeln. Eine unsichtbare Last drückte beschwerlich auf sein Gemüt, dass von einem ebenso geschunden Körper gehalten wurde. Kesha schien sich nun auch noch in seiner Näher unwohl zu fühlen, wie er ungehalten bemerkte, schenkte ihr aber nicht mehr als leere Blicke. Um ein Gespräch anzufangen fehlte ihm und anscheinend auch ihr die Motivation. So brach eine schweigsame Rückreise an und nicht einmal Aiwa konnte Kewan aus seinen dunklen Gedanken reißen. Es war zwar mühselig für den Jäger den Schlitten beinahe einarmig zu leiten, doch Aiwa kannte den Weg und tat ihr Möglichstes ihm das Manövrieren möglichst leicht zu machen. Niemand der beiden sagte auch nur ein Wort. Als sie Norr Bharrak erreichten, wobei ihnen allerhand merkwürdige Blicke zugeworfen wurden, die der Jäger alle mit Eiseskälte quittierte, hielt er am Hauptplatz an und Kesha stieg von dem Gefährt.
„Ich gehe den Rest des Weges zu Fuß...", sprach sie und brach damit das Schweigen, wobei Kewan nicht antwortete, sondern einfach lustlos nickte, „Geh zum Haus der Heilerin, und lass dir helfen. Behalte die Fässer alle, du hast sie dir redlich verdient... Aber dafür bewahrst du Stillschweigen..."
Obwohl es vielleicht das klügste gewesen wäre das sofort zu tun, verschwendete er nicht einmal einen Gedanken daran, das zu tun, sondern lenkte den Schlitten bis hin direkt vor seine Haustür. Dort angekommen schlug er unwirsch die Tür auf und begann ungeachtet seiner Verletzung die sechs Fässer in sein Heim zu schleppen. Dass sich sein Verband unter dem Pelzmantel immer röter färbte, spürte er zwar, doch ignorierte es einfach. Genau wie alle Schmerzen... sowohl körperlich als auch im Geiste. Ohne sich noch in irgendeiner Weise um die Hunde vor dem Schlitten zu kümmern verschwand er im inneren seiner Hütte und machte sein letztes Feuerholz bereit, um ein Feuer zu entfachen. Es dauerte nicht lange, da knackten und tanzten die Flammen bereits lebhaft durch die Luft und erhellten die Düsternis die Kewan umgab, der reglos auf dem Boden hockte. Seiner Kleidung hatte er sich größtenteils entledigt und so trug er nur noch seine Beinlinge und Stiefel. Langsam begann er sich am blutdurchtränkten Verband zu schaffen zu machen und ihn von der Wunde zu entfernen. In seinem Gepäck kramte er nach den erbeuteten Nadeln aus Metall. Durch deren großzügige Ösen er einen aus Tiersehne gefertigten Faden fädelte. Seine Hand griff nach einem Holzscheit im Feuer, der eine recht ordentliche Glut besaß und ohne zu zögern drückte er das leuchtende Ende auf die bläulich-schwarzen Wundränder. Kewans Körper spannte sich an und er biss die Zähne zusammen, dass sie zu knirschen begannen. Der widerliche Geruch von verbranntem Fleisch stieg ihm in die Nase, doch er wehrte sich gegen alle Annehmlichkeiten, nach denen sein Instinkt in diesem Augenblick schrie. Er wusste, dass er das machen musste, sollte er den Heiler nicht aufsuchen, sonst würde sich die Verletzung entzünden und ihm den Tod bringen. Die gleiche Prozedur vollführte er auch auf der Rückseite, denn das Geländer hatte ihn durchstochen. Wie er das nähen sollte wusste zwar auch Kewan nicht, doch es war ihm egal. Zu einem heiler würde er nicht gehen. Er würde nirgendwo hingehen, denn wenn er momentan etwas nicht vertragen konnte, dann war es Gesellschaft. Ihm war einfach nicht danach und wenn Kewan etwas nicht wollte, dann tat er das auch nicht. Nachdem er halbwegs wieder fähig war zu handeln und die Verbrennungsschmerzen etwas nachgelassen hatten, begann er grob mit der Nadel die Wundränder zu vernähen. Auf der Vorderseite klappte das wunderbar, doch rückwärtig hatte er große Probleme und besonders bereitete ihm dabei beinahe jede Bewegung schreckliche Schmerzen, weshalb dort das Ergebnis stark zu wünschen übrig ließ. Eine neu Bandage legte sich der Jäger darüber hinaus noch an und verfiel darauf hin in tiefen Schlaf. Zu viel war passiert und viel zerrte alles an seinen Nerven.

Geweckt wurde Kewan durch lautes Klopfen an seiner Tür, dass er aber anfangs ignorierte. Doch das wilde Klopfen hörte nicht auf und so rief er das Offensichtliche hinaus zu dem Störenfried.
„Verpiss dich, wer immer du auch bist. Wenn ich dich sehen wollen würde, dann hätte ich die verdammte Scheißtür schon längst geöffnet!“
Sein Tonfall war schlimmer als missmutig. Es war blanker Zorn, der aus ihm sprach und der auch in seinen Augen loderte, als er seinen Blick auf die Tür geworfen hatte. Animalischer, unbegründeter und wilder Zorn brannte auf Kewans Seele ob der vergangenen Ereignisse, die ihn stark beschäftigten.
Mit einem lauten Krachen wurde die Tür eingetreten und zwei Männer standen in der Tür, deren Gesicht in Etwa die selbe Sprache sprach wie das seine. Den einen, den kleineren, ihn kannte der Jäger. Es war Toki, der Vermieter der Schlittenhunde und ein unbekannter, größerer und breiterer Mann, der Kewan noch um einige Zentimeter überragte. Dieser sprang wie von der Trantel gestochen auf und ballte die Fäuste.
„Sagt mal, wer hat euch denn ins Hirn geschissen?! Wisst ihr wie viel verdammte Arbeit es ist, diese Scheißtür zu reparieren?!“, brüllte er den Neuankömmlingen entgegen und durch die Spannung, die sein Körper aufbaute, begann sich der frische Verband ebenso rot zu färben, wie sein Vorgänger.
„Sieh mal einer an.... Kaum ist das Arschloch in Freiheit, wird er schon wieder frech...“, sagte Toki, der bei seinem Anblick zufrieden dreinzublicken begann. Offenbar amüsierte ihn die Tatsache, dass Kewan mit einer Verletzung zu kämpfen hatte.
„Was wolltest du mit meinen Hunden, du Dieb?“, fragte Toki frei heraus.
„Sie deiner Mutter zum Frühstück servieren,du fette Made. Nimm dir deine Köter und dann verpiss dich endlich. Dienen Anblick kann keine Sau ertragen!“, gab Kewan zurück und machte nicht einmal Anstalten sein Verbrechen einzugestehen.
„Du glaubst also immer noch, du kannst hier machen was du willst, ja? Aber das wird nicht passieren, K'eyshu, nicht mit mir und nicht mit meinen verdammten Hunden!! Ist das klar!? Und damit ich sichergehen kann, dass meine Wort auch wirklich in dienen hübschen Schädel vordringen habe ich hier meinen neuen Freund mitgebracht: Sag hallo zu Aaron.“
„Hallo Fettwanst...“, antwortete der Jäger spitz, wenngleich er wusste, dass nur wenig Fett an diesem Aaron zu finden war, „Du kannst dich gleich mit deinem hässlichen Freund von hier verabschieden.“
„Ich glaube, du verstehst nicht so ganz, K'eyshu, aber das macht nichts... Gleich wirst du es...“
Mit einem kurzen Nicken deutete Toki Aaron an, sich um Kewan zu kümmern, der sich bereits auf das folgende einstellte. Zwar glaubte er nicht an einen Sieg, nicht mit dieser Verletzung, doch aufgeben kam nicht in Frage. Es war die Ironie des Schicksals, zum zweiten Mal nun schon erwischte man ihn in dieser Hinsicht auf dem falschen Fuß. Ob das Absicht oder Zufall war, fragte sich der Jäger und grinste böse, während sich der Breit auf ihn zu bewegte. Nach ein bisschen Geplänkel war der Kampf schnell entschieden. Aaron hatte gemerkt, dass Kewan seine linke Deckung nicht aufrecht erhalten konnte und dort brach er immer wieder mit harten, starken Schlägen durch, die Kewan letztendlich zu Fall brachten. Wieder und wieder sausten die Fäuste des Kolosses auf ihn nieder und raubten ihm die Sinne. Glücklicherweise hörte das alles alsbald auf, doch da blutete er bereits aus Nase und Mund und hatte diverse Platzwunden im Gesicht zu verzeichnen.
„Ich hoffe du merkst es endlich, K'eyhsu, es wäre bedauerlich, wenn ich wieder herkommen müsste...“, sagte Toki, ehe er sich umwandte und aus dem Haus verschwand. Tür und Kewna ließen sie achtlos am Boden liegen. Sein Schädel dröhnte. Kewan war nicht imstande gewesen sich zu wehren. Nicht in diesem Zustand, doch er vergaß nicht. Er fühlte sich hintergangen und verraten. Und zwar von jedem einzelnen Menschen, den er kannte. Von Kesha bis Tarush und von Ania bis Toki. Dass er sicherlich Mitschuld trug, daran dachte er gar nicht, sondern lediglich sein Zorn wuchs und einmal mehr wurde ihm schmerzlich bewusst, dass er niemanden hatte, an den er sich wenden konnte. Voller Wut und Trauer zugleich lag er da, blutüberströmt auf dem Boden seiner Hütte und begann zu weinen. Es war ein stummes Weinen, bei dem lediglich die Tränen flossen. Es war auch ein befreiendes Weinen, dass ihn auf eine besondere Art und Weise zu beruhigen schien... ohne allerdings die Wut zu verlieren.

So vegetierte Kewan vor sich hin, Tag für Tag, verborgen vor den Blicken anderer und betrank sich mit dem erbeuteten Schnaps, den er schlechter als erwartet vertrug. Sein Anblick verschlechterte sich. Die ohnehin schon weiße Haut verlor noch mehr an Farbe und auch die Wunden im Gesicht heilten schlecht. Er aß nicht, sondern lediglich der Alkohol füllte seinen Magen, der sich bereits mehrere Male zwangsweise entleerte, ohne dass Kewan auch nur Anstalten machte, das Erbrochene zu entfernen. Er war versunken in seinen Gedanken, in seiner Welt in der alle ihn hassten und in der er jeden hasste. Jeden außer eine Person, die er zu hassen versuchte, krampfhaft, was ihm jedoch nie gelang. Kesha. Diese Frau, die ihn sowohl in die höchsten Höhen, als auch in die tiefsten Tiefen des Seins brachte, hatte noch immer ihren Platz in seinem von Trauer und Wut zerfressenen Herzen. Und irgendwann kam Kewan an dem Punkt an, an dem er sich fragte, was wohl aus ihm werden sollte. Ebenso krampfhaft, wie er versuchte Kesha zu hassen, so verdrängte er auch die wichtigen Fragen über sich selbst aus seinem Kopf. Durch die Tür, die lediglich provisorisch an ihren Rahmen gelehnt eher schlecht als recht die Kälte draußen hielt, drang ein kühle Wind bis zu Kewan durch, der in einer der hintersten und dunkelsten Ecken seines Heimes kauerte. Er gab eine jämmerliche Figur ab. Der von Blut verfärbte Verband auf seiner Schulter, dass mit Wunden überzogene Gesicht und die bleiche Haut erweckten die Erscheinung eines Sterbenden, sogar sein Geruch kam dem von Verwesung gleich. Der von Alkohol benebelte Geist formte zu viele Gedanken, als dass er hätte auch nur einen wirklich erfassen können. Besonders, da seine Gefühle alles andere überdeckten. Noch immer waren Zorn und Wut die stärkste Macht, die in ihm brodelte, aber auch die Hoffnung war noch nicht gänzlich gestorben.
Was wenn Kesha ihn doch liebte?, schoss es ihm fortwährend durch den Kopf und sie nur aufgrund ihres Eheversprechens Angst hatte. Konnte dem nicht Abhilfe geschafft werden? Könne man nicht diesen Levan einfach aus dem Weg räumen? Zornig sprang Kewan auf die Füße und schalt sich selber für diesen Gedanken. Kesha würde so etwas nie gut finden, das wusste er. Doch war der Jäger an einem Punkt der Ratlosigkeit angelangt, an dem er sich nicht mehr zu helfen wusste. Er konnte spüren, dass in seiner Umgebung alles falsch war, dass der Alkohol, dieser verdammte Schnaps das schlimmste und gleichzeitig auch das beste war, was ihm jemals passierte. Doch nun hatte er seinen Nutzen gänzlich verloren. Nun besaß Kewan ihn und brachte ihm nichts als Probleme und das spürte er, was ihn noch zorniger machte. Schmerzlich wurde ihm klar, wie schwach er geworden war. Er hatte alles verloren, seine Disziplin, seinen unbändigen Trotz, der ihn auch in den schwierigsten Situationen am Leben gehalten hatte. Doch wo war er jetzt? Kewan war am tiefsten Punkt angelangt, tiefer ging es wirklich nicht mehr und es war wie ein Blitz der ihn durchzuckte, als er plötzlich das Fass in die Hand nahm und er mit einem lauten Schrei auf den Lippen zu den anderen schleuderte. Mit einem Krachen zerbarst das Holz und das kostbare Destillat versank im Boden. Auch die restlichen Fässer konnten sich seinem unbändigen Zorn auf sich selbst und alles andere nicht entziehen und vergingen unter seiner so unsanften Behandlung.
„Nein...“, keuchte er und hielt sich den Schädel mit beiden Händen, „NEIN! DAMIT IST JETZT SCHLUSS!“
Kewan brüllte es einfach heraus und es half ungemein. Sein Kopf klarte auf und sein Lebenswille erstarkte von neuem. So konnte es nicht weiter gehen und diesem Gedanken begann der Jäger fortan wieder zu folgen. Seine Erscheinung besserte sich und auch seine Hütte reparierte er erneut. Er änderte einfach alles, was er zuvor versäumt hatte und durch die emotionalen Abgründe in den Status der Nichtigkeit abgerutscht war. Er suchte sogar den Heiler auf, der mit Sorge seine Wunden betrachtete, aber die Heilung doch noch in die richtige Richtung leitete und so kam es, dass nach einigen weiteren Tagen wieder der altbekannte Kewan auftauchte mit nur einem einzigen Unterschied: Animalischer Zorn funkelte aus seinen Augen und gab ihm eine böse, gar mysteriöse Ausstrahlung, die seine Mitmenschen mit ein wenig Unwohlsein betraute. Aber sie war das einzige Mittel, was er aufzubringen imstande war, um die aufbrandende Trauer in seinem Herzen niederzukämpfen, die bei dem Klang von Keshas Namen in seinen Gedanken über ihn herein brach, denn es konnte einfach kein Tag vergehen, an dem er nicht wenigstens einen wehmütigen Gedanken an sie richtete.

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » So, 18. Aug 2013 22:37

Müde und erschöpft erreichte Kesha das Haus von Ania und Menu. Da sie im Grunde mit leeren Händen zurückkam, erschien es ihr, als wäre die Reise vom Horn des Drachen mehr als nur nutzlos gewesen. Sie machte sich gar nicht erst die Mühe, an die Türe zu klopfen, sondern drückte diese auf und trat ins Haus. Es war Nachmittag, und was sollte schon sein? Ania und Menu wälzten sich sicher nicht im Beisein ihrer Kinder auf dem Boden herum. Ania saß gerade bei Tisch und nähte. Als sie Kesha zur Türe hereinkommen bemerkte, sah sie von ihrer Näharbeit auf und legte diese beiseite. "Oh, Kesha! Du bist wieder da!" rief sie erfreut, sprang auf, und eilte zu ihrer Freundin. Sie wusste, dass sie mit Kewan losgezogen war, schon im Anbetracht dieser Tatsache war sie sehr neugierig und begierig darauf, alles zu erfahren. "Komm, setz dich, und erzähl mir, wie es war!" sprudelte Ania hervor, während sie Kesha den Pelzmantel auszog, und dann stutzte sie. "Das sind aber nicht deine Kleider... Sind das... sind das Kewans Kleider?" fragte sie und ihre Augen wurden größer. Leugnen war ohnehin zwecklos, und so nickte sie. "Was ist passiert zwischen euch?" hauchte sie verschwörerisch und fügte hinzu "Es ist niemand da, Menu ist mit den Kindern auf die Jagd gegangen... Keine richtige Jagd, sie wollen Schneehasen sehen, du weißt schon... Möchtest du Tee?" fragte sie und Kesha nickte, während sie endlich Platz nahm. Ania eilte zur Feuerstelle und schöpfte aus dem Kessel in zwei Becher Tee und ging damit zurück zum Tisch. Schwungvoll stellte sie die heissen Becher ab, so dass ein wenig Tee auf den Tisch schwappte, und ebenso schwungvoll setzte sie sich zu Kesha und dämpfte geheimnisvoll ihre Stimme "Nun erzähl schon Kesha! Ihr wart drei Tage da draußen..." "Ja, aber es ist nichts passiert... Jedenfalls nicht, was du vielleicht denkst..." Ania lehnte sich zurück und verschränkte die Arme, und zog mit einer beinahe beleidigenden Geste die Augenbrauen hoch. "Ein Mann, wie Ke'yshu, und eine Frau, wie du... drei Tage zusammen in der Wildnis... Und du willst mir weismachen, dass da nichts war? Ke'yshu hat nicht einmal versucht, dich zu verführen? Das glaube ich dir nicht... Besonders, weil du mit einer Miene auftauchst, die Steine erweichen ließe..." Kesha erschrak. Sah sie wirklich so elend aus? Trotzdem beharrte sie darauf, dass sich nichts zwischen ihr und Kewan ereignet hatte. Sie erzählte ihr auch nicht, dass Kewan sich verletzt hatte, und ohne Keshas Hilfe wohl umgekommen wäre. Er war ein so stolzer Kerl, er wollte ganz gewiss nicht, dass jemand darüber Bescheid wusste, und Kesha erfüllte ihm diesen unausgesprochenen Wunsch. Während Kesha an ihrem Tee nippte, wurde sie nachdenklich. "Ich weiß gar nicht, was sie alle haben..." begann Kesha langsam und zögerich. "Was meinst du?" hakte Ania nach. "Ich meine Kewan..." "Kewan? Wer ist Kewan?" fragte Ania. Nicht einmal sie, das Tratschweib des Dorfes, wusste, dass K'eyshu Kewan war, und irgendwie erfüllte Kesha diese Tatsache mit Genugtuung. "Sagte ich Kewan? Ich meinte K'eyshu..." verbesserte sich Kesha und strich sich verlegen eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Ja. Und was ist mit ihm?" bohrte Ania nach. "Naja er scheint nicht sehr beliebt zu sein, was du mir so erzählt hast, aber ich muss sagen, ich kann nichts falsches oder schlechtes an ihm finden. Er ist ein sehr netter Mann..." "Ja, das sagen alle Frauen. Er kann alle mit seiner Ausstrahlung einwickeln... Aber wenn er bekommen hat, was er wollte, ist er wieder dasselbe Arschloch wie vorher, Kesha, glaub mir. Ich warne dich nur vor, bevor du dich in etwas verrennst..." Kesha blickte sie fragend an und Ania setzte fort "Denkst du wirklich, du kannst mir etwas vormachen? Zwar behauptest du, es war nichts, aber ich kann es an deinem Gesicht sehen... Deine Augen... Sie strahlen, und wenn du denkst, ich sehe nicht hin, dann lächelst du still, als ob es ein süßes Geheimnis zu bewahren gilt... Soll ich dir ein Geheimnis verraten?" meinte sie und legte den Kopf schief, und Kesha nickte stumm. "Ich hatte doch etwas mit K'eyshu..." Kesha blickte sie eindringlich an, und Ania begann zu erzählen. "Ah, ich wusste ja zuerst nicht, ob ich dir vertrauen kann... Aber im Grunde ist es ja egal, Menu weiß es ohnehin. Das ist auch der Grund, warum er so schlecht auf K'eyshu zu sprechen ist, hör gut zu..." Kesha spitzte die Ohren. "Es war bei der Wintersonnenwende vor zwei Jahren... Wir feiern dieses Fest meistens rauschend, zu Ehren der Götter, in der Halle des Ältestenrates... Alle kommen zusammen, es gibt ein opulentes Mahl, und der Ältestenrat scheut auch keine Mühen, wenigstens für dieses eine Mal ein großes Fass Bier zu besorgen, wenn die fahrenden Händler sich einmal im Jahr an die Grenzen der Eiswüste verirren. Und ja, was soll ich sagen, ich hatte zu viel getrunken, und dann kam plötzlich K'eyshu daher. Wir haben miteinander geredet, und dann bin ich mit zu ihm. Menu hat es natürlich rausbekommen. Du liebe Güte, ich dachte, die bringen sich gegenseitig um. Gottseidank hat Menu mir verziehen, doch jedes Mal, wenn er ihn sieht, flammt in ihm die Erinnerung wieder auf." Kesha nickte verstehend. "Und darum lass dich gewarnt sein. Er ist so vielleicht ein Netter, aber wenn man etwas mehr mit ihm zu tun hat, dann ist er einfach nur ein Arschloch. Ich meins nur gut mit dir, Kesha... Und nun, da du die Wahrheit über mich kennst sag mir... Habt ihr miteinander geschlafen?" Kesha hielt für einen Moment inne, dann rollte eine dicke Träne aus ihrem Augenwinkel, vorbei an ihrem Nasenrücken und sie senkte den Kopf. "Ich verstehe..." murmelte Ania nachdenklich. "Was wirst du nun tun? Ich meine, wegen Levan..." Kesha hob den Kopf wieder und fauchte "Nichts! Hörst du? Nichts werde ich tun! Ich werde meine Ehe doch nicht aufs Spiel setzen, und Levan alles erzählen... Und du wirst auch nichts dergleichen tun, verstanden?" Kesha musterte Ania mit Verachtung. Vor wenigen Momenten war sie ihr noch lieb und teuer gewesen, doch nun, mit dieser Beichte, sah sie Ania mit ganz anderen Augen an. Und sie wusste nicht einmal, warum... Ania nickte und hob feierlich die Hand. "Von mir wird keiner etwas erfahren, ich schwöre es!"

Zwei Tage später erst, nach ihrer Rückkehr, ging sie erst ins Haus der Heilerin, um nach Levan zu sehen. Bestimmt wartete er schon ganz ungeduldig auf sie, und sie versuchte kurz zu ergründen, ob sie ein schlechtes Gewissen hatte. Nein, seltsamerweise nicht... Als sie das Krankenzimmer betrat, hellte sich Levans Miene auf, als er seine Frau erblickte, und er streckte seine Arme nach ihr aus. "Kesha! Meine Liebe! Du bist wohlbehalten wieder zurück gekehrt!" Kesha gewährte ihm ihre Hand, und er zog sie an sich heran und küsste sie auf die Stirn. Sie lächelte ihn an, und dann küsste sie ihn flüchtig auf seine Lippen. "Wie ist es dir ergangen?" frage er sie und blickte sie erwartungsvoll an. "Es lief alles soweit ganz gut, es gab zwar Zwischenfälle, aber letztendlich ist alles gut ausgegangen. Sie erzählte ihm auf seine Nachfrage, was auf dem Schiff passiert war. Sie ließ manche Randdetails, wie etwas dass Kewan nackt getaucht war, oder dass sie miteinander das Lager geteilt hatten, selbstverständlich aus, aber sonst erzählte sie ihm alles, was passiert war. Er war erleichtert, dass Kesha nichts passiert war. "Und aus diesem Grund..." gestand sie, "...habe ich K'eyshu alle sechs Fässer überlassen... Ich fand es richtig, immerhin hätte er beinahe sein Leben verloren, nur weil er mir, und auch dir..." betonte sie, "helfen wollte..." Levan nickte, doch an seiner Miene erkannte sie, dass er nicht begeistert war. "Und wovon sollen wir jetzt leben, Kesha? Die Fässer Schnaps waren wertvolle Tauschware gewesen. Wir stehen mit nichts da!" Er schüttelte den Kopf. "Dann geh bitte zu diesem K'eyshu. Du sagtest mir doch vor einigen Tagen, dass ihr gerecht durch zwei teilt.. So eine Reise ist immer mit Risiken verbunden, wer zu so etwas ja sagt, muss auch abwiegen, ob er bereit ist, sein Leben aufs Spiel zu setzen. Außerdem hast du ihm ja das Leben gerettet. Deswegen steht dir doch wenigstens die Hälfte zu." Er legte den Kopf schief und lächelte sie an "Du bist die Ehefrau eines Händlers... Hast du in der kurzen Zeit, die wir hier sind, alles vergessen?" Kesha schüttelte den Kopf. "Nein, ich habe es nicht vergessen. Ich werde zu ihm gehen, und mit ihm reden..." Levan nickte, und drückte aufmunternd ihre Hände. "War er eigentlich hier, bei Anoska?" fragte sie ihn beiläufig. Levan schüttelte den Kopf. "Nein, niemand war hier, ich kenne diesen K'eyshu nicht, aber es ist in den letzten Tagen nicht einer ins Haus der Heilerin gekommen, und ich muss es ja wissen, denn ich bin ja ständig hier..." Kesha nickte stumm und presste die Lippen aufeinander. Sie hatte kein gutes Gefühl dabei... Was, wenn er Hilfe brauchte, oder wenn er seiner Verletzung gar erlegen war, oder an Wundfieber litt? Levan zerriss ihre Gedanken "Ich habe eine gute Nachricht für dich. Ich werde bald das Haus der Heilerin verlassen dürfen. Vielleicht noch eine Woche, oder vielleicht mehr. Anoska, die Heilerin, sagte mir, in einer Woche nimmt sie mir die Schienen ab, und dann sehen wir weiter." "Das ist eine schöne Neuigkeit..." meinte Kesha, doch im Inneren zog sie eine verdrießliche Miene. Sie hatte dieses beinahe vogelfreie Leben genossen, ihre eigene Herrin zu sein, und auf ihren Mann keine Rücksicht nehmen zu müssen. "Ich habe auch eine Neuigkeit für dich. Ich habe beim Ältestenrat vorgesprochen. Sie haben zugestimmt, dass wir in Torjes Haus ziehen, welches nach seinem Tod nun leer steht. Man muss es nur ein wenig herrichten..." "Das ist sehr gut, wir können Anias Gastfreundschaft, wenn ich hier erst einmal raus bin, nicht mehr überstrapazieren. Aber übernimm du dich bitte auch nicht, ich weiß ja, du bist nicht recht zur Hausfrau geschaffen..." meinte er fürsorglich. Es sollte nur ein Scherz sein, doch Kesha zog eine säuerliche Miene, aber lächelte.

Eigentlich hatte Kesha geplant, die nächste Nacht schon in Torjes Haus zu bleiben, doch dies stellte sich als ein wenig komplizierter heraus, als zunächst gedacht. Kesha rechnete ja trotz allem noch mit Kewans Hilfe, doch da dieser verletzt war, gab sie ihm die Zeit, die er brauchte. Bestimmte würde er sich bald bei ihr melden. Zumindest hoffte sie es. Trotz aller Sorge war die Abneigung und auch ein wenig die Angst, ihn aufzusuchen, größer, da sie nicht wusste, wie es nun zwischen ihnen war. Und nun, an diesem Morgen, stellte Kesha Ania entschlossen vor die Tatsache, dass sie die kommende Nacht nicht mehr bei ihr verbringen würde. Levans Worte hallten immer noch in ihr nach. Übernimm dich bitte nicht, ich weiß ja, du bist nicht recht zur Hausfrau geschaffen... Kesha grollte 'Der wird sich noch wundern...!' Sie war fest entschlossen, sich bis auf die handwerklichen Tätigkeiten um alles selbst zu kümmern. Sie wollte nicht mehr das dumme, nutzlose Weibstück sein, das sie all die Jahre gewesen war... Schnurstarks lief sie zu Torjes Haus. Sie öffnete die Türe, und ging hinein. Die Dunkelheit wurde von einem kleinen Lichtfleck erhellt. Sie blickte hoch, und über dem Dachbalken klaffte ein Loch im Dach, welches etwa zwei Fuß Durchmesser hatte. Das konnte sie unmöglich selbst richten, aber den Rest, den würde sie schon schaffen! Als erstes raffte sie alle Felle, und Decken, die sich darin befanden, zusammen, und warf diese in einem gebürhlichen Abstand vom Haus entfernt, auf einen Haufen. In einer Ecke im Haus befand sich ein dicker Reisigbesen. Sie schmunzelte, als ihr Blick darauf fiel. Das letzte Mal, dass sie einen Besen angefasst hatte, war schon ziemlich lange her, und da hatte sie noch in Arcanis, in ihrem Elternhaus gelebt. Sie nahm ihn, und kehrte das ganze verschimmelte und verschmutzte Stroh und die Binsen heraus, und fegte es bis hinüber zu dem Fell- und Deckenhaufen. Sie kehrte auch die Schimmelflecken an den Wänden und in den Ecken ab. Ein kleines Fenster öffnete sie, dann klemmte sie den Besen gegen die offene Tür, damit es einmal ordentlich durchziehen konnte. Sie öffnete ihre Tasche, und begutachtete den sich darin befindlichen Schmuck, den sie vom Schiff hatte retten können. Darunter befanden sich eine goldene Haarspange, die von einer kleinen, filigranen, goldenen Efeuranke verziert war, ein Paar schwerer, goldener Ohrringe, und eine goldene Kette, an dem ein Saphir nebst links und rechts zwei Perlen, eingefasst war. Der Schmuck war ein Vermögen wert, und es tat Kesha leid darum, aber es war nun einmal von Nöten, zumindest einen Teil davon einzutauschen, gegen so notwenige Dinge wie neue Decken, Felle, und vielleicht einige Lebensmittel. Sie entschloss sich, die Ohrringe einzutauschen. Die waren ihr am leichtesten entberhlich, und so lief sie zielstrebig zu den Händlern. Bei einem, der mit Fellen, Decken, und andere tierische Dinge handelte, tauschte sie die Ohrringe gegen eine beachtliche Anzahl Felle und Decken, und eine ordentliche Ration Trockenfleisch, gebähtes Brot und einige Trockenfrüchte. Sie hatte zwar keine Ahnung, ob sie einen guten Tausch gemacht hatte, da sie den Wert dieser Gegenstände in der Eiswüste nicht kannte, doch es war ihr egal, sie hatte bekommen, was sie wollte, und hatte dafür nur ihre Ohrringe eintauschen müssen. Er hatte ihr sogar angeboten, sofort die Dinge zu Torjes Haus zu bringen, was Kesha nur zu gerne annahm. Bei einem anderen Händler wiederum tauschte sie eins der Felle gegen ein wenig Räucherwerk. Zufrieden ging sie wieder zurück. Plötzlich musste sie an Kewan denken. Sie hatte seit der Rückkehr nichts mehr von ihm gesehen, geschwiege denn gehört. Sie hatte nur von Levan erfahren, dass er augenscheinlich nicht ins Haus der Heilerin gegangen war. Und davon wollte sie sich nun selbst überzeugen. Bei dieser Gelegenheit konnte sie auch die Sache mit dem Schnaps regeln, und ihn fragen, ob er ihr nun mit dem Haus helfen würde. Mit dem Räucherwerk im Sack lief sie zu Kewans Haus und klopfte. Ein wenig hatte sie Herzklopfen, denn sie ahnte, dass sie sich nicht unbedingt im Guten getrennt hatten, und sie fand, dass er dafür eine Entschuldigung verdient hatte, immerhin konnte er ja nichts, für ihr manchmal unwirsches Verhalten.

Es dauerte eine Weile, bis er ihr öffnete. "He, Kewan..." begrüßte sie ihn. Sie erschrak, als sie ihn sah. Wohin war der, noch vor ein paar Tagen so schöne Mann, verschwunden? Ein wenig entgeistert blickte sie ihn an und stammelte "Wie siehst du aus? Hast du dich geprügelt? Ich... ich wollte nach dir sehen... Ich habe gehört, du warst nicht im Haus der Heilerin..." Während sie sprach huschten ihre Blicke irritiert an ihm von oben nach unten. "Wie siehst du überhaupt aus?" wiederholte sie sich, sichtlich verstört. Seine Haare hingen ihm wirr ins Gesicht, seine Haut war blass und fahl, und von blauen Flecken und einigen Wunden abgesehen, zeichneten sich unter seinen Augen tiefe, dunkle Augenringe ab. Außerdem verströmte sein Körper einen ekelhaften Gestank, von genau jenen Schnapsausdünstungen, von welchen Kesha ihm vor ein paar Tagen erzählt hatte. "Du stinkst wie ein Schnapsfass..." rümpfte sie die Nase. "Ah, mein Stichwort! Weil ich schon einmal hier bin, wollte ich dich bitten, mir doch die Hälfte der Fässer, also drei davon, zu geben. Es ist Levan nicht Recht, dass ich dir alles übrlassen habe." Sie senkte den Blick "Immerhin habe ich ja auch meinen Teil dazu beigetragen..." "Der Schnaps ist weg..." erwiderte er knapp. Kesha hob den Blick und sah ihm in die Augen. "Wie, was meinst du mit 'weg'? Sechs Fässer Schnaps weg?" "Ja, alle zerstört..." erwiderte er geichgültig. Kesha verengte ihre Augen zu Schlitzen und funkelte ihn an. "Du willst mich wohl auf den Arm nehmen, was?" Dann drängte sie sich an Kewan vorbei, hinein in sein Haus, weil sie es ihm nicht glauben wollte. Sie prallte zurück, als sie den Gestank vernahm, der sie umwaberte. Auf jeden Fall vermischte sich hier der Gestank von Erbrochenem und Schweiß, und vielleicht auch Pisse, aber da war sie sich nicht so sicher, und wollte es auch gar nicht wissen. Was sich ihm Feuerschein hedoch deutlich abzeichnete, waren neben Spuren von Erbrochenem, die Holzdauben, aus welchem die Fässer einst bestanden waren. Fassungslos flüsterte sie "Es ist wahr..." Dann wirbelte sie herum, zu Kewan und starrte ihn wütend an. "Hast du den Verstand verloren? Was ist nur los mit dir?" schimpfte sie ihn. "Und wie sieht es hier aus?" Eine Welle des Ekels erfasste sie. "Du widerst mich an, K'eyshu..." stieß sie, angewidert und enttäuscht gleichermaßen hervor, dann presste sie sich die Hand vor den Mund und verließ im Laufschritt das Haus. Draußen, an der frischen Luft, atmete sie durch, und nach einigen tiefen Atemzügen der klaren, kalten Luft, beruhigte sie sich wieder, und sie konnte den in Kewans Hütte aufgekommenen Brechreiz niederringen. Nun hatte sich das auch erledigt, dass er ihr mit Torjes... nein, ihrem Haus helfen würde, wie es schien...

Einige Tage später war sie immer noch erbost. Kewan war schon wie Levan, dieser ließ sich genauso gehen, warum auch immer. Und der Schnaps war weg, dieser Narr, das würde er noch bereuen! Eines Morgens lief sie über den Hauptplatz, auf welchem eine kleine Gruppe von Männern stand, und sich unterhielt. Sie war schon ein wenig bekannt im Dorf, und als blonde Frau, deren langes, goldenes Haar immer aus der Kapuze hervorlugte, vermutlich so bekannt wie ein bunter Hund, wenn es denn so etwas gab... "He Kesha!" riefen einer von ihnen ihr zu und hob die Hand. Sie nickte ihnen zu, und dann winkten die Männer sie heran. Neugierig war sie ohnehin immer, und darüber hinaus hatte sie eine derartige Wut im Bauch, dass sie nach Zerstreuung suchte. "Na, wie geht es dir, Kesha?" fragte einer, von dem sie wusste, dass er ein Wächter war. Es war Tarush, sie kannte ihn zwar so gut wie gar nicht, aber sie hatte ihn schon damals, als sie auch Kewan zum ersten Mal in der Halle der Ältesten gesehen hatte, dort angetroffen. "Du bist Tarush, richtig?" antwortete sie mit einer Gegenfrage. "Ja, und es freut mich, dass du dir meinen Namen gemerkt hast, ich hab wohl mächtig Eindruck bei dir hinterlassen, was?" Kesha lächelte hochnäsig. "Nein, ich merke mir nur Namen sehr gut... Aber danke, es geht mir gut..." Tarush grinste bei Keshas biestigen Worten und tauschte mit seinen Kumpanen vielsagende Blicke aus. "Und du ziehst jetzt in Torjes Haus ein, was man so hört?" "Ja, das ist richtig. Ich, und mein Mann..." meinte sie, und blickte Tarush herausfordernd an. Bei dieser Gelegenheit fragte sie in die Runde "Sagt einmal, wen könnte ich fragen, um Hilfe zu bekommen? Das Dach hat ein großes Loch und müsste repariert werden..." "Wieso lässt du das nicht deinen Mann machen?" erwiderte einer der Jäger spitz, und grinste dabei. Kesha blickte ihn ein wenig entrüstet an, aber dann erwiderte sie sein Grinsen und sagte "Er liegt doch verletzt im Haus der Heilerin... Und außerdem hat er zwei linke Hände..." setzte sie noch drauf, was unter den Männern für allgemeine Erheiterung sorgte. "Frag mich..." meinte Tarush zu Kesha. "Du würdest mir helfen?" fragte sie hoffnungsvoll und neugierig nach. "Aber sicher doch" meinte Tarush gönnerhaft. "Und was willst du dafür?" fragte sie argwöhnisch. "Ich besitze kaum etwas, wie du dir sicher vorstellen kannst." "Ah, hier in der Eiswüste sind wir anders, jeder hilft jedem, und jeder gibt, was er kann und will... Ich bin mir sicher, wir finden schon etwas, das du mir geben kannst, oder vielleicht kommt eines Tages der Tag, an dem du mir helfen kannst, hm?" Erneut warf er seinen Männern vielsagende, gar dreckige Blicke zu, und diese erwiderten diese gleichermaßen. "In Ordnung..." willigte Kesha ein. "Wann kannst du kommen?" "Jetzt sofort, wenn es dir Recht ist..." "Oh, das wäre wunderbar..." flötete sie. So gingen die beiden also zu Torjens, nun mehr Keshas und irgendwie auch Levans Haus. "Kannst du Feuer machen?" bat sie Tarush, als ihr Blick auf den großen, stinkenden Fellhaufen fiel. "Hier?" lachte er. "Ja, natürlich, darum habe ich ja auch einen großen Abstand zum Haus gewählt, außerdem ist es windstill, nur weil ich nicht aus der Eiswüste stamme, heisst das nicht, dass ich eine Idiotin bin!" zischte sie ihm zu und er hob abwehrend, wie lachend die Hände. "Verzeih, verzeih, süße Kesha, ich wollte dich nicht beleidigen!" Er hockte sich vor dem Haufen hin und zog eine Zunderbüchse aus einem Beutel an seinem Gürtel. Während er dies tat, betrachtete Kesha ihn. Ein ansehnlicher Mann... Sie kam nicht umhin, Vergleiche mit Kewan zu ziehen. Bei dem Gedanken an Kewan seufzte sie. Tarush hatte volles, schwarzes, langes Haar. Er war nirgendwo geschoren, und er trug einen Dreitagebart, was annehmen ließ, dass er sich zumindest häufiger rasierte, oder erst rasiert hatte. Seine Augen waren dunkelblau, und seine Gesichtszüge ein wenig hart, aber männlich. Er war ein wenig größer als Kewan, das konnte sie auf den ersten Blick erkennen. Nicht viel, aber dennoch... Tarush schlug die Pyrithsteine solange aneinander, bis sie Funken schlugen, und es dauerte nicht lange, bis die Felle und das dazugehäufte Stroh Feuer fingen, und bald fraß sich das Feuer rasend durch die Felle, Stroh und Decken, bis es sie gänzlich verschlungen hatte, und stinkend verbrannte. "Das nenn ich ein Feuerchen!" lachte Tarush. "Also, meine Schöne, dann seh ich mir mal das Dach an, hm?" "Kesha nickte und zog den Beutel mit dem Räucherwerk hervor. Sie legte die kleinen Kohlestücke in die kleine, kupferne Räucherschale, und auf eine kleine Astgabel, die sie aus dem Reisigbesen zupfte, legte sie das Kohlestück in die Flammen des brennenden Haufens, und wartete, bis es sich entzündet hatte und zu glühen begann. Sogleich warf sie die glühende Kohle zu den anderen Kohlestückchen in die Schale und ging damit ins Haus. Dort streute sie die Baumharze aus, um das Haus von seinen letzten, ekelhaften Gerüchen zu vertreiben. Der durchziehende Wind hatte da schon gute Dienste geleistet, und Kesha war sehr zuversichtlich, dass das räuchern helfen würde. Der Händler hatte die Felle und Decken, und das weitere Zeug, welches sie bei ihm gegen die Ohrringe getauscht hatte, schon vorbei gebracht, was Kesha freute. Es dämmerte, als Tarush das Dach repariert hatte. Kesha indes hatte neues, frisches Stoh großzügig in der Hütte ausgebreitet, und die zahlreichen Felle darauf geschichtet, so dass es nun wirklich gemütlich in der Hütte war. Nun musste man nur noch den Tisch schrubben, und ein Feuer in der Feuerstelle entfachen. Tarush stieg vom Dach herunter und stapfte in die Hütte. "So, ich bin fertig... Ah, hier ist es dunkel hier drinnen... Brauchst du noch Hilfe, bei der Feuerstelle?" fragte er und Kesha nickte. "Komm, ich zeig dir, wie es geht, es ist wirklich nicht schwer, wenn man weiß, wie..." bot er ihr an und Kesha nickte erneut. "Hock dich zur Feuerstelle, und ich zeigs dir..." forderte er sie auf, und sie tat, sie ihm geheissen. Er holte einige Hölzer, die vom ausbessern des Daches übrig geblieben waren, und ein wenig Stroh und aus seiner Zunderbüchse noch Wolle, die als Zunder fungieren sollte. Dies alles schichtete er in der Feuerstelle, und dann hockte er sich seitlich hinter Kesha, drückte ihr die Feuersteine in die Hände, nahm ihre Hände, und lenkte ihre Bewegungen. Dabei presste er seinen Körper ganz nahe an den ihren, sowie seine Wange an das seine. "Sieh einmal, wenn du die Steine nur lange genug gegeneinander schlägst, schlagen sie Funken. Je mehr Funken, desto besser, und wenn sie auf den Zunder fallen, entfacht bald ein Feuer... "meinte er, während er ihre Hände lenkte, dass sie die Steine gegeneinander schlugen, und ein kleiner Funkenregen auf den Zunder fiel, welchen Kesha fasziniert betrachtete. Schließlich fing die Wolle Feuer und er ließ ihre rechte Hand los und schob einen kleinen Holzspan in die Flammen, und als dieser sich entzündete, schob er noch weitere in die Flämmchen, so dass sie das Feuerchen nährten, welches sich bald zu einem größeren Feuer entwickelte, welches auf die großen Holzscheite überging. "Na bitte, so leicht ging das... Du bist sehr geschickt Kesha... Und sehr schön..." raunte er ihr verführerisch ins Ohr, während er seine Hände an ihren Armen entlang fahren ließ, bis sie schließlich an ihren Schultern angelangt waren. Er drückte ihre Schultern leicht, und neigte ihren Kopf zur Seite, so dass er den Hals frei gab. Er begann, ihren Hals zu küssen, und zu liebkosen, und sein Bart kratzte neckisch, was Kesha sehr erregte. [18]Und es dauerte nicht lang, bis die beiden nackt in den Fellen lagen, und sich einander hin gaben. Um genau zu sein, kniete Kesha, und Tarush hinter ihr, während er sie nahm.[/18]

Plötzlich öffnete sich die Tür, und sowohl Tarush, als auch Kesha wandten ihren Kopf zur Türe. Kesha mehr erschrocken, als Tarush, als sie erkannten, wer da in der Türe stand. 'Kewan...' schoss es ihr durch den Kopf, und Tarush grinste, als er Kewan erkannte, [18]ohne dabei in seinen Stößen einzuhalten,[/18] und rief ihm zu "Ah, K'eyshu... Üblicherweise klopft man an, bevor man wo hineinplatzt, nicht wahr? Aber wenn du schon einmal hier bist, kannst du gleich zusehen..." lachte er und widmete sich wieder Kesha, die bereits begann, sich gegen Tarush zu sträuben. "Tarush, hör sofort auf! Lass mich sofort los!" schimpfte sie. "Ah, stell dich jetzt bitte nicht an, Kesha, bitte, ich bin ja gleich fertig..." [18]Er packte sie fest an den Hüften, stieß noch zwei, dreimal kräftig zu, dann stöhnte und röhrte er, laut, wie ein Hirsch, und dann seufzte er erleichtert, und entzog sich aus Kesha. Ungeniert pflanzte er sich nackt, er er gerade war, in Keshas Haus, im sanften Feuerschein auf, und meinte grinsend "Ich hab dafür ihr Dach repariert. Sie hat so ein wunderbares, enges Loch..." seufzte er. "Ein wunderbarer Tauschhandel, du würdest jetzt gerne in meiner Haut stecken, nicht wahr? Aber dir fliegen nun mal auch nicht alle Weiber zu..."[/18]
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
Sie will es und so ist es Brauch
Was sie will bekommt sie auch

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Mo, 19. Aug 2013 14:10

Gerade hatte sich Kewan gefangen. Die Ketten des Selbstmitleids und der Lethargie aus eigenem Antrieb zerbrochen und abgelegt, da kam es, dass erneu jemand an seine Tür klopfte. Es passte ihm gar nicht, jetzt von jemandem besucht zu werden, denn so wie es hier aussah, so wie er aussah war das keine gute Idee. Noch vor wenigen Tagen wäre dies zwar womöglich der wahrhaftige Anblick gewesen, doch mittlerweile war dem nicht mehr so. Viel hatte sich auch schon getan, was das Erscheinungbild seines Heims anging, doch alles in allem vermittelte es immer noch den Anschein, dass sein Bewohner verwahrlot in ihm lebte. Auch Kewan selber war noch nicht dazu gekommen sein eigenes Erscheinungsbild ein wenig auf Fordermann zu bringen, was ihn umso mehr ärgerte. Verwundert blickte der Jäger auf, als es an der Tür klopfte. Eigentlich hatte er nicht mit Besuch gerechnet. Wer das wohl sein mochte? Seine Angst und Hoffnung schrien zugleich Kesha, doch er wusste, sollte sie ihn in diesem Zustand sehen, wäre sie alles andere als begeistert. Etwas unsicher erhob sich Kewan und ging wacklig zur Tür und konnte seinen erschreckten Gesichtsausdruck noch gerade so unterdrücken, als sich seine Ängste just in diesem Moment bewahrheiteten.
"He, Kewan...", waren ihre begrüßenden Worte, die zwar recht freundlich klangen, doch ihr Gesicht sprach eine andere Sprache. Kesha wahr augenscheinlich sehr verwundert über das Bild, das sich ihr bot und sah nicht sehr glücklich aus. Kewan selber antwortete nicht, nickte lediglich mit möglichst gleichgültiger Miene. Er wartete geradezu auf irgendwelche Kommentare über sein Aussehen, seinen Geruch oder irgendetwas in dieser Art. Allerdings wenn er ehrlich war, dann hatte erauch nichts anderes verdient."Wie siehst du aus? Hast du dich geprügelt? Ich... ich wollte nach dir sehen... Ich habe gehört, du warst nicht im Haus der Heilerin...", sprach sie weiter und ihre Worte brachten ihm schmerzlich die Erinnerungen seiner letzten Besucher in den Sinn. Beinahe hatte er vergessen, wie sein Gesicht aussehen musste. Von Wunden übersäht, blau und grün in der Farbe, mit einem wort entsetzlich... Kesha hatte recht, er war nicht beim Heiler gewesen, aber es wärmte ihn in der Seele, dass sie sagte, sie wollte nach ihm sehen und darüber hinaus noch der Gedanke, dass sie sich nach ihm erkundigt hatte, ließ ein schwaches aber herltliches Lächeln über seine Lippen gleiten. "Ja, war nicht beim Heiler...", antowortete der Jäger darauf hin müde und atmete einemal tief durch, als Kesha wieder den Mund öffnete.
"Wie siehst du überhaupt aus? Du stinkst wie ein Schnapsfass..."
Auf so etwas hatte er nur gewartet, war aber dennoch gänzlich entwaffnet, was seine Antwortmöglichkeiten anging. Was solle er darauf schon entgegnen? Kewan zuckte kraftlos mit den Schultern und musterte seinerseits schmerzlich ihre Erscheinung. Kesha war schön wie eh und je. Ihre goldenen Haare, die dem Schnee in Sachen Glanz um nichts nachstanden, ihr wundervolles Gesicht, vor dem er jedes Mal dahinschmolz, einfach alles an ihr strahlte das genaue Gegenteil von Kewan aus. Natürlich, sein Körper hatte mit Sicherheit nichts von seiner Attraktivität verloren, doch seine Körperhaltung und sein kränkliches Aussehen ließen sie für den Augenblick verschwinden. Wiede konnte er nur mit den Schultern zucken als Antwort, denn es wollte ihm einfach nicht mehr aus ihm heraus. Auch das Kesha den Schnaps angesprochen hatte ließ ihn nichts gutes erahnen.
"Ah, mein Stichwort! Weil ich schon einmal hier bin, wollte ich dich bitten, mir doch die Hälfte der Fässer, also drei davon, zu geben. Es ist Levan nicht Recht, dass ich dir alles übrlassen habe. Immerhin habe ich ja auch meinen Teil dazu beigetragen..." Mit diesen Worten riss sie die Wunde, die sich in Kewan gebildet hatte nur noch mehr auf. Sie hatte recht! Kesha hatte verdammt nochmal recht! Ohne ihren Einsatz hätten sie gar nichts von all dem gehabt und was hatte Kewan getan? Er hatte das Ergebnis all ihrer Mühen geistlos vernichtet, auch wenn es für ihn persönlich vermutlich das richige war... Es tat ihm Leid. Jetzt schon, da er wusste wie Kesha darauf reagieren würde.
"Der Schnaps ist weg...", presste der Jäger etwas heiser hervor und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr er das in diesem Moment bereute.
"Wie, was meinst du mit 'weg'? Sechs Fässer Schnaps weg?", fragte Kesha entrüstet und verwundert zugleich.
"Ja, alle zerstört...", wurde er daraufhin spezifischer und lag somit näher an der ganzen Wahrheit dran.
"Du willst mich wohl auf den Arm nehmen, was?", gab sie ungläubig zurück und stieß Kewan unsanft zu Seite und Kesha tat das, was er um jeden Preis vermeiden wollte: Sie trat in sein Haus ein. In diesem Augenblick erfasste aber weder Hystrie, noch irgendwelcher anderer Aktionismuss seine Seele, sonder er drehte sich lediglich um und suchte traurig ihren Blick. Am liebsten hätte er ihr alles erzählt, ihr sein Herz ausgeschüttet, ihr gesagt, wie sehr er an ihr hing und dass es vielleicht sogar Liebe war, die ihn bewegte. Doch er konnte nicht. Wie angewurzelt stand er da und trotzig kämpfte er mit sich. Kesha hatte ihm schließlich keine Hoffnungen gemacht, sondern sah ihn ja viel mehr als Problem an. Als Klotz am Bein, der ihr gefährlich werden könnte, sollte er sein Wissen ausplaudern. Entsetzt riss Kesha ihre Augen auf, als sie den Zustand seiner Hütte sah.
"Es ist wahr...", keuchte sie verstört und wirbelte herum,"Hast du den Verstand verloren? Was ist nur los mit dir? Und wie sieht es hier aus? Du widerst mich an, K'eyshu..."
Die Tatsache, dass sie ihn bei seinem richtigen Namen nannte war das aller schlimmste. Alles andere konnte er hinnehmen, denn sie hatte ja schließlich recht. In einer gewissen Weise hatte er den Verstand verloren, nur brachte es Kewan einfach nicht übers Herz Kesha mitzuteilen in welcher Weise. Der Jäger hatte Angst davor, wie sie eventuell reagieren konnte, nein, dass sie ihn endgültig abweisen würde, wenn er ihr sagen würde, wie sehr er sie begehrte. Aber vielleicht war auch gerade das der grund, weshalb alles aus dem Ruder lief. Was er auch tat, Keshas Worte zerrissen ihm das Herz, darin bestand kein Zweifel, doch all der Zorn, der sich in ihm aufgestaut hatte bekämpfte alle Trauer udn erstickte das neu aufkommende Selbstmitleid im Keim. Damit war endgültig schluss! Schnellen Schrittes lief sie an ihm vorrüber, doch plötzlich fand Kewan die Kraft zu Antworten.
"Weißt du was, Dann verpiss dich doch einfach!", brüllte er ihr hinterher, "Niemand hat dich, verfickt nochmal gebeten mich zu besuchen! Ich bin nicht hier, um dir alles recht zu machen! Immerhin habe ich nicht so viel Dreck am Stecken wie du und muss ein Geheimnis daraus machen!"
Am liebsten hätte er noch mehr herausgebrüllt, so dass es alle vernehmen konnten. Aber das wäre nciht fair gewesen, denn er hatte ihr den Schnaps nicht geben können und das wäre die einzig gerechte Lösung gewesen. Zornerfüllt blickte er ihr hiniterher und bereits als sie verschwand taten ihm seine Worte bereits Leid. Erschrocken schlug er die Tür zu und stellte sich mit dem Rücken davor. Kewans Blick fiel ins Leere. Das Halbdunkel seiner Hütte verschlang jegliches Ziel, dass seine Augen fixieren konnten und sein Bilckfeld wurde schwammig. Tränen füllten seine Lieder und langsam sank der Jäger auf den Boden.
"Was hab' ich getan?", flüsterte er und schlug panisch die Hände über dem Kopf zusammen. Wäre diese Frau doch bloß nie in mein Leben getreten, dachte er, dann wäre alles den gewohnten Gang gelaufen... Und doch war sie da und noch immer, trotz alle dem, war sie tief in Kewans Herzen... Dessen konnte er sich nicht erwehren. Er war lustlos, antriebslos und vor allem glücklos. Auch rätselte Kewan, wie es jetzt weitergehen sollte. Seine Wunden schmerzten und sein Heim widerte ihn schrecklich an. Doch er wäre nicht Kewan, wenn er an dieser Stelle aufgeben würde. In seinem Leben hatte es schon so viele Dinge gegeben, die ihn drohten aus der Bahn zu werfen, doch er wiederstand und war diszipliniert. Dass dieser eine Ausrutscher ihn allerdings gleich die Zuneigung Keshas kostete, das nagte sehr an ihm. Mit einem wutentbrannten Schrei sprang er auf und voller Zorn riss er das Regal, dass ihm am nächsten stand zu Boden. Keuchend raufte er sich die Haare...
"Verdammt! So kann es nicht weiter gehen..."


In den nächsten Tagen brachte Kewan alles zurück in den gewohnten Zustand. Seine Hütte, seinen Körper und vor allem ordnete der Jäger seine Gedanken und Gefühle. Viel Zeit hatte er damit verbracht nachzudenken und sich klarzumachen, wie schrecklich seine bisherige lebensweise gewesen war. Diesen Schmerz, den er verspürte wollte er mit niemandem teilen. Es war derart schrecklich, dass sich Kewan bisweilen fragte, wie schreklich sein Handeln für die Frauen gewesen sein muss, die sein Herz wirklich an ihn verloren hatten. Doch gerade sie machten ihm auch Mut, denn diese Frauen hatten früher oder später ihr Glück doch noch gefunden und waren über den Schmerz hinweggekommen. Kesha allerdings, war das Glück, dass er zu finden gedachte und Kewan sah es nicht ein, sie zu vergessen. Was er aber einsah, war die Tatsache, dass er sie um ihren Reichtum gebracht und mit Sicherheit sehr Enttäuscht hatte. Er konnte einfach nicht mit dem Gedanken leben, dass sie ihn hasste. Immerhin war sie jeden Tag und jede Stunde das Zentrum, um das sich seine Gefühle drehten. Ausgiebig hatte Kewan über eine Wiedergutmachung und Entschuldigung gegrübelt, die er letztendlich auch gefunden hatte. Der Jäger musste sich eingstehen, dass es ihm nichts bringen würde, weiter seine Gefühle für sich zu behalten und den Abstand zu Kesha aufrechtzuerhalten. Er musste ihr sagen, was er für sie empfand, doch die geeignete Situation dafür wollte ihm einfach nicht in den Sinn kommen... und darüber hinaus musste sie ihm auch erst einmal verzeihen. Der Gedanke, dass sie dies vielleicht nicht tun würde brachte ihn jetzt schon um den Verstand, doch die Hoffnung starb zuletzt. Um ihr den verlorenen Schnaps zu ersetzen hatte sich Kewan etwas ganuz besondere ausgedacht und er kam sich beinahe schon kindisch vor dabei, wie akribisch er alles abwog, dass es einfach funktionieren musste. Es war das Schwert des Fremden, dass sich noch immer in seinem Besitz befand und ihm sehr viel bedeutete. Der Mörder seines Vaters hatte es einst getragen und es war jedes Mal eine emotionale Erinnnerung, wenn er es betrachtete und ein Zeichen für seinen Sieg und die Gerechtigkeit, die nach so vielen Jahren ihm endlich zuteil geworden war. Kewan wollte ihr die Geschichte erzählen und damit vielleicht auch andeuten, wie viel sie ihm trotz allem bedeutete. Auch der Wert eines Schwertes war in seiner Gesellschaft schier unermesslich groß, was wohl dazu noch ein überragender Ersatz für den verlorenen Schnaps darstellen würde.

Als nun endlich der Tag kam, an dem sich Kewan gewappnet für eine weitere Begegnung mit Kesha fühlte, steig seine Anspannung. Es war nicht mehr wie vorher, das beide mit offenen Karten spielten, nein, die Würfl waren gefallen und die Fronten verhärtet. Und das sogar zurecht, wie er fand, doch war es sein Ziel diesen Zustand wieder umzukehren. Sein Äußeres war wieder wie eh und je. Er war wieder gepflegt, stank nicht mehr so schrecklich und war einfach Kewan, wie ihn jeder kannte und wie er das Herz beinahe jeder Frau zu erobern vermochte. Das Schwert hatte er hochwertiges Fell verpackt, er hoffte, Kesha würde diese Geste zu schätzen wissen und beiden auch dabei helfen, ihre Streitigkeiten beizulegen. Als der Jäger vor Torjes altem Haus ankam, hielt er kurz inne und atmete einmal teif durch. Anklopfen hielt er für eine schlechte Idee, Kewan wollte die initiative ergreifen und den ersten Schritt tun und insgeheim hoffte er, dass dies seine Intention noch ein wenig verdeutlichte. So tat er es, drückte die Klinke nach unten und öffnete die Tür, doch was er sah, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren...


[18]Entsetzt fiel sein Blick auf Tarush, der Kesha gerade von hinten nahm. Ein Anblick, der schlimmer nicht hätte sein können. Die Frau seines Herzens, begattet von jenem Mann, den er am aller meisten hasste von allen Männern, die unter der Sonne lebten.[/18] Eine eisige Hand umfasste sein Herz und raubte ihm qualvoll den Atem. Unfähig sich zu bewegen verharrte er wie angewurzelt in der Tür und sah zu wie sein seine Seele mit einem einzigen Blild, dass sich ihm bot in Fetzen gerissen wurde. Kewans Gesicht war vor blankem Entsetzen versteinert.
"Ah, K'eyshu... Üblicherweise klopft man an, bevor man wo hineinplatzt, nicht wahr? Aber wenn du schon einmal hier bist, kannst du gleich zusehen...", sagte Tarush, [18]ohne dabei mit der Begattung von Kesha einzuhalten[/18]. Der Klang seiner Stimme machte Kewan geradezu rasend vor blankem Zorn und sein Blickfeld nahm einen dezenten Rotstich an. Seine Kiefermuskeln arbeiteten sichbar auf Hochtouren und seine Finger knackten laut hörbar, während sie sich kraftvoll zu einer Faus zusammenschlossen. Es war also töricht?, dachte Kewan, der sich Keshas Worte in Erinnerung rief, ohne dabei auf Tarushs einzugehen. [18]Auch dass sich Kesha gegen sein Tarushs Eindringen zu wehren versuchte konnte denn stetig steigenden Zorn nicht mehr auch nur im geringsten eindämmen.[/18]
"Tarush, hör sofort auf! Lass mich sofort los!", rief sie und auch ihre Stimme fachte seine Rage nur noch mehr an. Die Adern auf Kewans Handrücken und Gesicht traten gut sichtbar hervor, während sich seine blasse Haut immer rötlicher färbte.
[18]"Ah, stell dich jetzt bitte nicht an, Kesha, bitte, ich bin ja gleich fertig...", gab Tarush zurück und kurze Zeit später kam er lautstark in Kesha.
"Ich hab dafür ihr Dach repariert. Sie hat so ein wunderbares, enges Loch...Ein wunderbarer Tauschhandel, du würdest jetzt gerne in meiner Haut stecken, nicht wahr? Aber dir fliegen nun mal auch nicht alle Weiber zu..."[/18]
Als ob alles bis dahin noch nicht genug gewesen war, stürmte Kewan mit einem Schrei auf Tarush zu. Ungeachtet seiner noch nicht ganz verheilten Schulterverletzung, prasselten seine Schläge bestialisch auf den Wächter ein. Immer und immer wieder sausten seinen zerstörerischen Fäuste auf sein Gesicht und schienen erst aufhören zu wollen, wenn sie das letzte bisschen Leben aus ihm heraus geprügelt hatten. Erst nach einiger Zeit, in der pure Gewalt und Hass sein Handeln beherrschten kehrte der eigentliche Kewan wieder zurück in seinen Körper und hielt langsam inne.
"Genug Kewan!", hustete Tarush in der Pause, die sich ihm bot, "Bitte!". [18]Erst jetzt erkannte Kewan, wie übel er ihn zugerichtet hatte. Das Gesicht des Wächters glich einem blutigen Brei mehr als alles andere. Nichts erinnerte mehr an den Mann, der er einst gewesen war. Die Nase war völlig deformiert und das Jochbein an mehreren Stellen sichtbar gebrochen. Hustend spuckte Tarush mehrere Zähne aus und stöhnte schmerzerfüllt. Kewans Fäuste pochten. Auch sie waren blutverschmiert, nicht nur von Tarushs, auch sein Blut zierte sie. Seine Fingerknöchel waren aufgeschlagen und auch steckten vereinzelt Knochensplitter darin. Kewans blick haftete kurz auf seinen Händen ehe er erneut den Wächter hasserfüllt fixierte.[/18]
"Und du, verficktes Stück Scheiße verpisst dich hier! Und zwar auf der Stelle... IST DAS KLAR!" Am liebsten hätte er wirklich weiter auf ihn eingeprügelt, doch Tarush hatte in der Tat genug abbekommen.
Zittrig nickte der Angesprochene Wächter und griff genauso unsicher nach seiner Kleidung, während er aus der Hütte stolperte. Langsam kam Kesha unsicher auf ihn zu und versuchte ihren Arm um ihn zu legen, was er ihr mit gesenktem Blick gestattete. "Kewan...", flüsterte sie und eine Träne tropfte aus seinem Auge. So verharrten sie einige Momente und Kewan sammelte seine Gedanken. "Kesha...", flüsterte er ebenso und seine Hand berührte die Ihre, griff nach ihr und drückte sie, "Warum er? Warum Tarush?"
Mit Tränen in den Augen erhob sich Kewan und schritt langsam zur Tür, welche er leise schloss und suchte nach dem Fellbündel, dass er hatte in seiner Rage fallen lassen. Sein Kopf war leer und sein Herz voller Trauer.
"Bin ich wirklich nur die törichte Wahl gewesen, Kesha? Und er? War er die richtige Wahl?", sprach er mit trauriger Stimme weiter und griff nach seinem Mitbringsel. Alles hätte anders kommen sollen, so wollte er das ganz sicher nicht und doch war es passiert. Langsam ging er zurück zu der am Boden kauernden Kesha und wischte ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht, das noch immer so schön war, dass Kewan beinahe seine Trauer und seine Wut vergaß.
"Weißt du, Kesha, das hier ist ein Schwert...", fuhr Kewan traurig fort und brachte unter dem Fell den Griff der Waffe zum Vorschein, "Es hat einst dem Mann gehört, der meinen Vater damit vor meinen Augen vor vielen Jahren tötete. Ich war zwar nur ein Junge, doch ich weiß noch wie heute, dieses schreckliche Bild, dass beinahe schlimmer war, als das, was ich eben sah. Vor wenigen Monaten habe ich ihm das Schwert abgenommen, nachdem ich ihn im Zweikampf tötete. Seither war es für mich immer ein Zeichen von der Gerechtigkeit, die meinem toten Vater erst viel später zu Teil geworden war, als er es verdient hatte."
Eindringlich blickte er sie an und in seinen Augen war sein Zustand wie in einem offenen Buch zu lesen. Kein Glanz entsprang ihnen, nur bloße Traurigkeit und sogar der Zorn war verschwunden.
"Ich wollte, dass du es bekommst und ich will es noch immer, denn ich schulde dir nicht nur Dank für mein Leben, sondern auch noch drei Fässer von dem Teufelszeug. Es ist vielleicht nicht ganz so viel wert, doch es ist ein großer Besitz... Ich hoffe du denkst an mich, wenn du es eintauschst... Den Mann, den du vielleicht nur als Problem siehst, doch vielleicht auch siehst du in ihm einen Mann, dem du womöglich mehr bedeutest, als wir beide vielleicht bereit sind zuzugeben. Jeder mit seinen Gründen."
Langsam legte er das Bündel vor ihr auf den Boden, ohne sie dabei aus den Augen zu lassen.
"Es tut mir Leid, dass ich dir nur Probleme bereite, doch denk nicht zu schlecht von mir... Das mit Tarush tut mir auch Leid... aber... aber das ist eine sehr alte Geschichte schon ... und ... naja... vielleicht erzähle ich dir das ein andermal... im Moment bin ich nicht dazu fähig..."
Ohne ein weiteres Wort verließ er Keshas Hütte und ließ sie so wie sie war zurück. Er konnte einfach nicht mehr an diesem Ort bleiben, nicht nachdem er gesehen hatte was dort passiert war. Kewan war am Boden zerstört, mehr noch, er fühlte sich betrogen, dch woher sollte Kesha das alles wissen? Zwar hatte er es bereits angedeutet, doch seine Hoffnung war bis auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Alles war gänzlich anders verlaufen, als er sich erhofft hatte. Diese Situation hatte alle seine guten Gedanken über den Haufen geschmissen und ihn zu einem Häufchen Elend werden lassen...

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Mo, 19. Aug 2013 22:56

Fassungslos wurde Kesha Zeuge davon, wie Kewan sich auf Tarush stürzte, nur so wenige Fuß von ihr entfernt, und begann, mit den Fäusten auf sein Gesicht einzudreschen. Sie war so schockiert, dass sie nichts anderes tun konnte, als da zu sitzen und zu starren, und sie war unfähig, sich zu regen. Kesha wandte schließlich doch den Blick ab und starrte an die feuerbeschienene Wand, an welcher die Schatten der beiden Männer in diesem ungleichen Kampf miteinander tanzten, und diese Schatten boten kein minderes groteskes Bild. Sie spürte feuchte Spritzer auf ihrem Gesicht, und ihre böse Vorahnung nahm Gestalt an, als sie sich über das Gesicht fuhr, und anschließend ihre Handfläche in dem schwachen Feuerschein betrachtete. Blut! Als sie hastig den Blick hob, konnte sie es sehen, wie das Blut spritzte, während Kewan seine Fäuste auf Tarush niederfahren ließ, und sein wutverzerrtes Gesicht ängstigte sie. Was war nur in ihn gefahren? Hatte Tarush in derart provoziert, dass er derart in Rage geraten war? Oder war da noch etwas anderes? Sie wagte niht, einzugreifen. Am Ende bekam sie auch noch etwas ab, und darauf hatte sie wahrlich keine Lust! So sah sie angewidert und entsetzt gleichermaßen zu, wie sich Tarushs vormals hübsches Gesicht in ein blutiges Schlachtfeld verwandelte. Nach einer Weile hielt Kewan plötzlich inne, und ließ schließlich von dem schwerverletzten Wächter ab, und mehr noch, er warf ihn beinahe aus dem Haus. Wortwörtlich wie ein geprügelter Hund verließ Tarush schließlich die Hütte. Eine Weile saßen swhl Kewan, als auch Kesha schweigend, und jeder für sich, auf seinem Platz. Kesha griff wortlos nach ihren Kleidern, da sie trotz des Feuers fröstelte, und zog sich diese über. Dann kroch sie zu Kewan herüber, und legte vorsichtig, und abwartend, den Arm um ihn. Sie rechnete damit, dass er ihn wegschlagen, oder sonst etwas tun würde, doch er tat nichts dergleichen, im Gegenteil, er ließ sie gewähren. "Kewan..." flüsterte sie leise, doch zu mehr Worten war sie nicht imstande. So verharrten sie eine Weile und schließlich ergriff er ihre Hand und drückte sie "Kesha... Warum er? Warum Tarush?" Während er sich erhob, und die immer noch offene Haustüre schloß, durch welche die eisige Kälte in das Haus drang, antwortete "Ich weiß es nicht, er war einfach da..." Es war sicherlich keine sehr befriedigende, dafür aber eine gnadenlos ehrliche Antwort. "Bin ich wirklich nur die törichte Wahl gewesen, Kesha? Und er? War er die richtige Wahl?" Kesha vernahm stumm seine Worte. Nun wusste wie, warum er so den Verstand verloren hatte. Doch sie konnte sich darüber nicht freuen. "Nein... Dass es töricht war, war eine Lüge. Und doch ich kenne auch nicht die Wahrheit... Und ich wusste ja nicht, dass..." begann sie, sprach dann aber nicht weiter. Er setzte sich wieder zu ihr, und er hob die Hand, und Kesha zuckte instinktiv vor ihm zurück, als hätte er die Hand erhoben, um sie zu schlagen. Doch er strich ihr nur eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Dann nahm ein Fellbündel, in dem etwas eingeschlagen war. Er wickelte es heraus und offenbarte ein Schwert. Er begann, davon zu erzählen, wem es einst gehört hatte, und wie es in Kewans Besitz gelangt war. Er wollte, dass sie es an sich nahm, da es einen beträchtlichen Wert darstellte, als Ersatz für den verlorenen Schnaps. "Ich hoffe du denkst an mich, wenn du es eintauschst... Den Mann, den du vielleicht nur als Problem siehst, doch vielleicht auch siehst du in ihm einen Mann, dem du womöglich mehr bedeutest, als wir beide vielleicht bereit sind, zuzugeben. Jeder mit seinen Gründen...." sagte er und Kesha presste bei diesen Worten ihre Lippen aufeinander. Er hatte Recht. Sie hatte gespürt, dass da mehr zwischen ihnen war, als sie in der Eiswüste miteinander das Lager geteilt hatten. Und dass er derart den Verstand verloren, und auf Tarush losgegangen war, darauf gab es auch nur eine Antwort, er war rasend eifersüchtig gewesen... ""Es tut mir leid, dass ich dir nur Probleme bereite, doch denk nicht zu schlecht von mir... Das mit Tarush tut mir auch leid... aber... aber das ist schon eine sehr alte Geschichte ... und ... naja... vielleicht erzähle ich dir das ein andermal... im Moment bin ich nicht dazu fähig..." Mit diesen Worten erhob er sich, und verließ ihre Hütte. Die Tür fiel krachend ins Schloß, doch Kesha war sich sicher, dass nicht Kewan die Tür so zugeschlagen hatte, sondern nur der Wind. Sie blieb alleine zurück, und starrte das Schwert an, welches er zurückgelassen hatte. Dieser Abend kam ihr so unwirklich vor, als sei er nie passiert. Kesha hangelte nach einer Wolldecke, hüllte sich darin ein, und kauerte am fellbedeckten Boden des Hauses. Sie fühlte sich gerade so alleine, und sogar Levan wäre ihr jetzt eine willkommene Gesellschaft gewesen. Doch sie wollte ihn dennoch nicht aufsuchen. Alles in ihr schrie danach, zu Kewan zu gehen, und mit ihm über alles zu reden. Doch sie fand keine Worte. Dieser Abend hatte alles verändert, so viel stand fest. Inwiefern, das wusste sie allerdings noch nicht.

Der nächste Morgen war recht trüb, und schwere Wolken hingen über der Eiswüste und Norr Bharrak. Kesha fand dies sehr passend. Nachdem sie die blutbesudelten Felle aus dem Haus geschafft hatte, fasste sie einen Entschluss. Es war längst an der Zeit, sich zu besinnen, wer sie war, was sie war, und vor allem, wem sie zu Treue und Loyalität verpflichtet war. Und darauf gab es nur eine Antwort: Levan... Levan, für den sie sich entschieden hatte, und dem sie ihr Wort und Treueversprechen gegeben hatte. Das hatte ihr der vergangene Abend klar und deutlich gezeigt. Es ging nichts gutes daraus hervor, wenn man sich mit einem Mann einließ, und danach mit noch einem. Vor allem dann, wenn der erste unerwartet Gefühle für einen hegte. Sie dachte nicht schlecht von Kewan, nein, aber was immer in ihrem Kopf herumspukte, sie durfte dem keinen Raum lassen. Komme, was da wolle... Mit beiden Armen trug sie das Bündel, in welchem das Schwert eingewickelt war. Sie wollte es nicht, sie wollte es weder besitzen, noch eintauschen. Es gehörte nun Kewan, und so sollte es auch bleiben. Ein wenig zögrlich näherte sie sich seinem Haus, und legte das schwere Fellbündel schließlich ab. Dann ging sie entschlossen zum Haus der Heilerin. Levan strahlte, so wie immer, wenn Kesha das Haus betrat. "Guten Morgen, Kesha!" rief er ihr schon von weitem zu. "Guten Morgen!" erwiderte sie. "Was ist los?" fragte er sie ernst, als er in ihr Gesicht blickte, doch Kesha winkte ab. "Ich bin nur müde, ich habe gestern das Haus hergerichtet, und es ist, wie du sagtest. Ich bin nun einmal nicht zur Hausfrau geschaffen..." Er lächelte bei diesen Worten. "Levan, ich vermisse dich, ich will, dass du nach Hause kommst, und zwar noch heute... Jetzt..." begann sie. Sie blickte sich suchend nach Anoska, der Heilerin um, und als diese von ihrer Arbeit aufblickte, winkte Kesha diese zu sich heran. "Ist der Bruch schon geheilt?" fragte Kesha sie, und wie wiegelte mit dem Kopf. "Ich bin mir nicht ganz sicher, es war ein komplizierter Bruch. Aber ich kann ihm einmal die Schienen abnehmen, und er soll versuchen, aufzutreten. Wenn er keine Schmerzen mehr hat, sollte es gehen." Sie nahm ihm die Schienen ab, und er setzte sich im Bett auf, während Anoska im hilfreich unter die Arme griff und ihm half, sich zu erheben. Sie gingen ein Stückchen weit, langsam und vorsichtig, da das lange liegen ihn doch geschwächt hatte, und ein wenig zittrig, aber sonst sehr sicher, ging er an Anoskas Hand auf und ab. Ein leuchten ging über sein Gesicht und Anoska nickte zufrieden. "Er braucht noch ein paar ruhige Tage, und dann sollte er viel Bewegung bekommen, und gut essen, damit er wieder zu Kräften kommt." "Das trifft sich hervorragend, meine Frau ist eine sehr gute Köchein..." feixte er und erntete von Kesha einen empörten Blick. Dann bot sie ihm ihren Arm dar und er hakte sich unter. In einer sehr langsamen Schrittgeschwindigkeit verließen sie schließlich das Haus der Heilerin, und gingen zurück zu Keshas und Levans Haus. Bett gab es noch keines darinnen, aber die Felle polsterten den Boden sehr gut aus, und Kesha half ihm, sich hinzusetzen. Sie setzte sich zu ihm, und er legte den Arm und sie, und sie schmiegte sich an ihn an. "Jetzt wird alles wieder gut, Kesha, du wirst sehen, in ein paar Tagen bin ich wieder ganz der Alte." Auch Kesha nickte bedächtig. "Vielleicht musste alles so kommen, wie es kam... Damit wir uns einander wieder näher kommen..." meinte sie. "Ich habe dich entsetzlich vermisst, Kesha. Ich glaube, meine Genesung hat deswegen so lange gedauert, weil du so selten bei mir warst..." meinte er, während er ihr den Rücken streichelte."Es tut mir leid, Levan, ich hätte für dich da sein sollen..." meinte Kesha zerknirscht. "Aber ich hasse Lazarette so sehr..." "Ist doch egal, jetzt ist ja alles gut" meinte er, und nahm ihr Kinn, zog es an sich heran, und schloß ihre Lippen mit einem Kuss...

Kesha und Levan lebten einige Tage recht gut miteinander. Kesha gab sich alle Mühe, Levan mit anderen Augen zu sehen, und ihre Bedürfnisse zu seinem Wohle zurück zu stecken. Doch es gelang ihr nicht. Tief in ihrem Inneren hallten Kewans Worte immer noch in ihr nach, und sie konnte ihn einfach nicht aus ihren Gedanken verbannen. Wie oft haderte sie mit der Idee, ihn einfach aufzusuchen, doch zu schwer lagen die vergangenen Erlebnisse auf ihrer Seele, und etwas in ihr hielt sie zurück, während etwas anderes sie gleichermaßen wieder zu ihm drängte. An Tarush verschwendete sie nicht einen Gedanken. Levan hatte den Wunsch geäußert, die Händler zu besuchen. Das war so eine scheinbare Berufskrankheit. In jeder Stadt, die sie je besucht hatten, war er nicht umhin gekommen, die Händler aufzusuchen, mit ihnen zu plaudern und sich auszutauschen. Kesha war alleine zu Hause geblieben. Sie täuschte Kopfschmerzen und Müdigkeit vor, und Levan ging ihrer Bitte nach. Erst am Nachmittag kam er zurück. Sein Ausdruck war ernst und Kesha blickte ihn verwundert an. So hatte sie ihn selten erlebt. "Bedrückt dich etwas, mein Liebster?" fragte sie ihn. "Verschon mich mit deinen Worten. Ich habe heute bei den Händlern eine interessante Geschichte aufgeschnappt. Ich konnte sie nicht glauber, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Sinn macht es." Verwundert hob Kesha die Augenbrauen. "Und was soll das für eine Geschichte sein?" "Tarush..." klang es dumpf zurück, und Kesha wurde blass. Doch sie rang um Fassung, und bemühte sich, Haltung zu bewahren. "Ich weiß nicht, was du meinst, Levan" erwiderte sie ruhig, aber mit belegter Stimme. "Es kursieren Geschichten, dass es ein gewisser Tarush mit der hübschen blonden Fremden getrieben hat... Auf diese Beschreibung fällt mir nur eine Frau in Norr Bharrak ein, oder gibt es noch eine, von der ich nichts weiß?" fragte er sie herausfordernd. Fieberhaft überlegte Kesha um eine Antwort, doch je länger sie schwieg, weil ihr nichts einfiel, desto mehr Antwort war es für Levan. "Ich will es aus deinem Mund hören, Kesha. Ist an der Geschichte etwas dran?" Leugnen war zwecklos. Doch er liebte sie, er liebte sie so rasend, und das war ihr Trumpf. "Es ist wahr, Levan..." gab sie betreten zu und Levan presste die Lippen aufeinander, während sich seine Gesichtszüge verhärteten, und er blickte an dei Decke des Hauses, als würde er in den Himmel sehen. "Es tut mir so unsagbar leid, ich..." Er unterbrach sie barsch. "Und die Geschichte geht noch weiter. Eben jener K'eyshu, mit dem du zufällig drei Tage alleine zu einer Reise aufgebrochen bist, soll ihn in unserem Haus verprügelt haben, so schlimm, dass ihn nicht einmal mehr seine eigene Familie wieder erkannt hatte!" Bei diesen Worten zuckte Kesha zusammen. "Und?" presste sie hervor. "Wieso verprügelt K'eyshu, in unserem Haus deinen Liebhaber? Hattest du mit dem etwa auch was?" "Nein!" log Kesha. "Aber lass dir erklären..." "Da gibt es nichts zu erklären, Kesha..." erwiderte er trocken, und rang sichtlich um Fassung. "Levan! Lass mich aussprechen... Ich..." schrie Kesha, da machte er einen Satz nach vorne, und verpasste ihr eine harte Ohrfeige. Kesha wimmerte auf, doch stolz blieb sie stehen. "Die habe ich verdient..." kommentierte sie leise seine Handlung. [18]"Ja. Du bist eine blöde Schlampe, Kesha. Und ich habe dir blind vertraut. Wie war das in den letzten Jahren, wenn ich auf Reisen war? Als ich viele Monde weg war? Hast du dich da auch nach mir verzehrt, oder hast du dich mit anderen Männern getröstet, ha?" schrie er sie an. "Hör auf!" rief sie. "Womit soll ich aufhören, Kesha? Etwas damit, dir die Wahrheit um die Ohren zu schlagen?" Sie schwieg und er musterte sie. Dann packte er sie an den Armen, und verdrehte diese, bis Kesha sich wand und zu Boden ging. Dann kam er über sie. "Was hast du vor, Levan?" "Was denkst du denn, du Schlampe? Jeder Mann darf seinen Schwanz in deine Fotze stecken, nur dein Ehemann nicht? Ich muss kriechen, und bitten und betteln, und hoffen, und dich mit Geschenken überhäufen, und so dankst du es mir?" schrie er, während ihr seine Speicheltropfen um die Ohren flogen, und Kesha angewidert den Kopf beiseite drehte. "Lass mich in Ruhe, Levan, du widerst mich an!" brüllte sie ihn an. Er ließ ihre linke Hand los, und Kesha atmete innerlich auf. Doch im nächsten Moment schlug er ihr mit der Faust ins Gesicht. "Du machst mich so rasend, Kesha! Du blöde, versiffte Schlampe!" brüllte er weiter, und Kesha stöhnte dumpf auf, während ihr schwarz vor den Augen wurde, und Blut aus ihrer Nase lief. Im nächsten Moment schob er ihre Röcke hoch, nestelte an seiner Hose und Bruche herum, und holte schließlich sein schlaffes Gemächt heraus. Er half nach, bis es schließlich erhärtet war, und dann stieß er es hart und unvorherbereitet in ihr Inneres, dass Kesha schmerzerfüllt aufstöhnte. Er begann, sie hart ran zu nehmen, und als Kesha nach einem Flimmern vor den Augen wieder ein wenig klarer sehen konnte, erkannte sie den Wahnsinn in seinen Augen, der sich seiner bemächtigt hatte. "Levan... Bitte hör auf!" wimmerte sie. "Halts Maul! Ich nehme mir, was mit zusteht! Das ist deine verdammte eheliche Pflicht, und du warst die letzten Jahre sehr pflichtvergessen! Von wegen Trauer wegen des nicht erfüllten Kinderwunsches!" zeterte er, während er sie weiter hart fickte. "Das mit dem Kinderwunsch stimmt..." stieß Kesha hervor, und eine Verzweiflung machte sich in ihr breit. Es brauchte nur mehr einige Stöße, dann ergoß er sich in ihr, und ließ keuchend von ihr ab. "Du wirst jetzt jeden verdammten Tag die Beine breit machen. Jeden Tag, so oft und so lang ich es will, hast du mich verstanden, Kesha?" Sie rappelte sich auf, und wischte sich das Blut von der Obrlippe. Fassungslos starrte sie auf ihr Blut, dann starrte sie Levan an. "Nein! Im Gegenteil, Levan. Ich werde dich verlassen, hörst du? Ich scheiß auf dich! Du schlägst mich nur einmal!" schrie sie ihn an. Sie machte auf dem Fuß kehrt, und wandte sich zum gehen. Ania... Sie musste zu Ania laufen! Wenn Menu sich Levan in den Weg stellte, würde er es nie wagen, sie noch einmal anzufassen. Doch während sie sich diese Gedanken ersann, packte Levan sie am Haarschopf, und riss sie zurück. "Du bleibt hier!" brüllte er. "Ich bin dein Ehemann, und ich glaube, ich war ein wenig zu nachlässig mit dir!" Kesha schrie auf und packte ihre Haare, um die schmerzhafte Spannung davon zu nehmen, doch es gelang ihr nicht. "Ich hasse dich Levan! Ich verlasse dich, dagegen kannst du überhaupt nichts machen!" schrie sie ihn an. "Einen Scheiß wirst du! Eher bringe ich dich um, ehe du mich verlässt! Du bist meine Ehefrau! Du hast mir vor den Göttern dein versprechen gegeben!" brüllte er zurück. Auf einmal lächelte Kesha traurig. Sie musste an Kewan denken, und dass es wol nie eine Gelegenheit gab, herauszufinden, wie sie wirklich für ihn empfand. Levan würde sie nie gehen lassen... Diese Erkenntnis trieb ihr Tränen in die Augen und sie flüsterte "Ich bleibe bei dir Levan, aber ich werde dich hassen, bis dass der Tod uns scheidet..." Er grunzte verächtlich. "So sei es..." Er packte sie am Hals, und busgierte sie an die hölzerne Wand des Hauses, dass sie hart mit dem Hinterkopf aufschlug. Dann schlug er ihr hart ins Gesicht, mit der Handfläche, und den Schwung nutzte er gleich aus, sie noch mit dem Handrücken auf der anderen Seite zu schlagen. Kesha heulte auf vor Schmerzen, doch sie presste hervor "Sogar darin bist du schlecht... Jeder Bursche, kaum im Mannesalter, war besser als du..." Dann sah er rot. Er pckte sie, und stieß sie bäuchlings zu Boden. Erneut schob er ihr die Röcke hoch. "Du bist nur eine kleine Hure, und genauso willst du wohl genommen werden. Erneut holte er sich sein Gemächt her, und als es erigirt war, stieß er es ihr hinten hinein und Kesha schrie auf. Doch er ließ sich locker, sondern nahm sie hart heran, wie einen Hund. Doch kurz bevor er fertig war, zwang er sie auf die Knie, und schob ihr kurzerhand seinen Schwanz in ihren Mund, und packte sie an den Schultern, und begann, zu zu stoßen. Keshas Augen quollen beinahe über von dem Würgereflex, und in ihrer Not wusste sie sich nicht anders zu helfen, dass sie fest zubiss. Levan heulte auf, doch sie ließ ihn nicht los. Zur Not würde sie ihm seinen dämlichen Schwanz auch abbeissen! Levan holte aus, und donnerte ihr die Faust ins Gesicht. Der Knochen knirschte, und kesha fiel rücklings auf den Boden. Da blieb sie liegen, und wimmerte. Dann umfing sie gnädige Schwärze.[/18]

Als Kesha wieder erwachte, war es stockdunkel. Sie richtete sich ruckartig auf, doch ihr Schädel schmerzte und dröhnte, und als sie ihr Gesicht vorsichtig betastete, spürte sie etliche schmerzhafte starke Schwellungen. Sie fühlte sich wie betäubt und lauschte in die Dunkelheit und hörte Levans grunzenden Atem. Er schnarchte. Also schlief er. Wie von Wölfen verfolgt, sprang Kesha hoch, und hastete aus dem Haus. Weg, nur weg Sie lief und stolperte durch die Dunkelheit, die nur spärlich von wenigen Fackeln beleuchtet wurde, beinahe wäre sie ausgerutscht, aber in Panik lief sie und lief... Es gab nur einen Weg... Sie polterte mit den Fäusten an die Türe und schrie "Kewan, bitte mach die Tür auf! Bitte!" Nach einer kurzen Weile, die Kesha wie eine Ewigkeit vorkam, öffnete sich die Türe, und Kewan stand in der offenen Türe, im Rücken von sanftem Feuerschein umgeben. Sie warf sich ihm in die Arme, ignorierte jeden Schmerz und begann hemmungslos zu schluchzen. Angstvoll drängte sie ihn in das Haus und warf die Türe zu. "Verzeih mir, Kewan, dass ich dir so unter die Augen trete, ich sehe bestimmt furchtbar aus..." schluchzte sie. "... Aber ich wusste nicht, wohin ich sonst gehen sollte.. Oh Kewan, es tut mir so leid, ich wollte dich nicht ... Levan hat... Levan... Er weiß alles..."
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
Sie will es und so ist es Brauch
Was sie will bekommt sie auch

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Di, 20. Aug 2013 2:46

Der Heimweg war selten so schwer wie an diesem Tag für Kewan, der noch immer das schreckliche Bild von Tarush im Sinn hatte, wie er und Kesha... Er führte den Gedanken nicht zu Ende, zu sehr schmerzte es auch nur daran zu denken. Der Jäger hatte sich gehen lassen und Tarush wohl ein wenig zu sehr zugestzt, als es nötig war. Doch in diesem Moment war ihm das egal gewesen. In diesem Moment hatte es ihn einfach überkommen und die Wut hatte ihn dazu verleitet. Mit Sicherheit würde das ein Nachspiel haben, doch auch darüber dachte Kewan nicht nach. Er war in einem Status, der sich eigentlich nur noch verbessern konnte und eine seltsame Leere ergriff besitz von ihm, während seine Füße wie von selbst, knirschend ihren Weg fanden. In seiner Hütte angekommen machte er keine Anstalten sie zu erleuchten. Im Gegenteil, die Dunkelheit zog ihn an und passte mehr zu seiner Gemütslage. Unweigerlich musste er an die Zeit zurück denken, in der er sich bei Annuun eingelebt hatte. Damals hatte er sich ähnlich gefühlt, wenn nicht genauso und es hatte ihm immer sehr geholfen sich zu ertüchtigen. Vielleicht war das auch hier und jetzt die richtige Entscheidung, doch damals hatte er darüber hinaus noch eine Person gehabt, bei der er sich aussprechen konnte. Diese fehlte nun. Dabei gab es so viel, was Kewan in diesem Moment mit jemandem teilen wollte. Der Jäger konnte es immer noch nicht fassen, wie sehr sich sein Leben gewandelt hatte, seitdem ihm Kesha unter die Augen getreten war. Nie hätte er gedacht, dass er einmal sein Herz wirklich an irgendjemanden verlieren würde, doch wenn er so recht darüber grübelte musste es ja kommen. Reglos stand er in der Mitte seiner Behausung und starrte ins Nichts, während seine Gedanken wie so oft in den letzten tagen überschlugen. All die Frauen, die er jemals gehabt hatte zogen an seinem geistigen Auge vorbei und alle schienen zu lachen. Hämisch zu lachen. Über ihn und er konnte sie alle verstehen. Alle, außer die letzte. Keshas Gesicht sah er vor sich, doch sie lachte nicht, sie weinte...
"Scheiße, Alter!", knurrte Kewan und verscheuchte die Bilder aus seinem Kopf, "Was soll der Scheiß!"
Er hatte alles getan. Kesha war nicht dumm, sie würde verstehen was ihm auf der Seele brannte und was er angedeutet hatte, jetzt war es an ihr den nächsten Schritt zu gehen oder es auch zu lassen. Der Jäger wusste, dass sie verheiratet war. Schmerzlich hatte sie ihm das in Erinnerung gerufen in, jener Nacht, die gelichzeitig die Glücklichst und Schrecklichste seines Lebens war. Aber sowohl er, als auch Tarush und wer wußte es schon, vielleicht auch noch mehr hatten das nicht als Hinterniss gesehen. "Er war einfach da...", hatte Kesha über den Rivalen aus Kindertagen schon gesagt und er wusste einfach nicht, was er davon halten sollte. Und dabei lag die Antwort so nahe. Sie war nicht viel anders als er gewesen... Mit Sicherheit war dies, neben dem ihren, nicht ihr einziger Seitensprung gewesen und wer verstand das nicht besser als er? Doch er tat es nicht. Sein Blickfeld war zu eingeschränkt von allerlei Gefühlen und Gedanken, dass er es auch nicht verstehen wollte. Sogar seine bisherige Lebensweise widerte ihn an. Kewan schloss die Augen und atmete tief durch. Schluss damit, hallte es in seinem Geist und hörte augenblicklich damit auf darüber nachzudenken. Von nun an wollte er sich das Leben nicht mehr unnötig schwer machen. Wenn es mit ihm und Kesha eine Zukunft gab, dann würde sie zu ihm kommen, dessen war er sich sicher. Der Jäger wollte nun einfach nur den kopf freibekommen und endlich einmal wieder an entwas anderes als Kummer denken. Er kam sich schon selber so arg verweichlicht vor, dass Kewan nur den Kopf innerich schüttelte. Er hatte sein Training vernachlässigt und das Versprechen gegenüber Annuun schon mehr als genug strapziert. Noch am selben Tag, im selben Moment entschloss er sich diese Tasache zu ändern.

Wie ein Stein schlief Kewan der wunderbar ausgeruht am nächsten Morgen erwachte. Noch am Vortag hatte er für mehrere Stunden Norr Bharrak verlassen und war auf Jagd gewesen. Die Luft, die Bewegung, einfach alles hatte ihm gut getan und ihm geholfen seinen Kopf ein wenig von der erdrückenden Last zu befreien, die ihn heimsuchte. Einen Eisbären hatte er erlegt und das wertvolle weiße Fell an sich genommen, dass er bereits vor seiner Hütte aufgepannt hatte und dort trocknete, bevor er es weiter verarbeiten würde. Hinzu waren noch diverse körperliche Ertüchtigungsübungen gekommen, die ihm einst Annuun gezeigt hatte und gleich darauf war der Jäger vollkommen erschöpft in sein Lager gefallen und geschlafen wie ein Baby. Der Morgen war grau und Wolkenverhangen und mit einem Grinsen auf den Lippen, dachte er nur wie passend das alles war nach allem was passierte. Als er die Tür geöffnet hatte, um nach dem Fell zu sehen war er unweigerlich über ein ihm sehr bekanntes Bündel gestolpert und seine Bedeutung, zu Mindest in der Art, in der Kewan sie deutete war unweigerlich eine sehr schlechte. Ohne es zu öffenen, denn das Gewicht verriet ihm was sich darin befand, stellte er es in eine Ecke seines Hauses. Kesha hatte sich entschieden und das nicht für ihn. So schmerzhaft dieser Gedanke, oder dieses Wissen auch war, es schien nichts an seinem leeren Gemüt zu ändern. Am Ende hatte er doch sein Leben noch genau wie zuvor. Nichts fehlte! Und wazu brauchte er Kesha?! Zwar war es durchaus makaber, doch konnte es wirklich noch schlimmer kommen, als am Tag zuvor? Nein! Das konnte es mit Sicherheit nicht, und genau deshalb weigerte sich Kewan wieder in Trauer zu verfallen, denn das Abenteuer Kesha war gestorben. Doch er spürte wie diese Wunde noch in ihm klaffte, doch tief verborgen in den Abgründen seiner Seele und dort wollte sie der Jäger auch unter Verschluss halten. Kesha hatte sich gegen ihn entschieden.


Die folgenden Tage besaßen beinahe wieder den alten, gewohnten Ablauf und hatten genug Inhalt um Kewan effektiv von all dem kürzlich vergangenen auf Distanz zu halten. Jagd und Haushalt verleibten sich dabei den Großteil seiner Zeit ein und das Wenige, dass er für sich hatte nutze Kewan um zu trainieren. Er wusste nicht ob es ihm nur so erschien, oder ob es tatsächlich die Wahrheit war, doch seine alte Jagdtruppe schien doch recht froh zu sein ihn wieder mit in die Wildniss der eisigen Weite zu nehmen. Zwei Tage waren sie weg gewesen und die beiden Nächte am Lagerfeuer hatten ihm unwahrscheinlich gut getan. Er und seine Gefährten sangen und lachten gemeinsam und erzählten sich Geschichten, bei denen Kewan zwar großteilig nur zuhörte, denn nach viel erzählen war ihm nach wie vor noch nicht, und doch, es hebte stetig seine Laune und brachte ihn immer länger auf andere Gedanken. Wie sehr er das doch vermisst hatte, wollte sich der Jäger selbst nicht so richtig eingestehen. Natürlich, hier, abseits der Stadt war fühlte und war er tatsächlich mehr zugehörig unter seiner Jagdgruppe, denn hier, in den abgelegensten Lagern waren sie unter sich und es gab einfach keinen Grund für Zwistigkeiten. Und das sah Kewan auch genauso, wobei er darüber hinaus auch nicht wirklich die kraft besaß einen weiteren Streit vom zaun zu brechen, nicht nach allem was geschehen war. Auch seinen Begleitern schien die sonst eher ungewohnte Schweigsamkeit von Kewan aufzufallen, doch auf ihre Fragen reagierte er abweisend und lenkte jedes Mal geschickt wieder auf ein anderes Thema. Zum Glück wurde kein Wort über die schöne Fremde mit den goldenen haaren verloren, wie er fand, aber über Tarush wurde sich das Maul zerissen. Etwas verschmilzt lächelte er, als man in der Runde rätselte, wer ihn wohl so sehr entstellt hatte, dass ihn seine eigene Mutter nicht einmal mehr erkannte. Mit Freude vernahm er auch, dass sich gehörig über ihn lustig gemacht wurde. Kommentare wie: "Und so einer will uns beschützen!" oder "Der kann sich ja nicht einmal selbst verteidigen, wie soll er das dann für andere tun!?" waren keine Seltenheit. Kewan dachte an seinen Versuch bei der Wächterprüfung zurück, bei dem er Tarush und er ihm das Leben rettete, wobei es auf seiner Seite etwas akkuter war. Das war das einzige Mal, dass er diesen Mann überhaupt respektiert hatte, als sie von Angesicht zu Angesicht mit dem Tod oder der Gefahr Seite an Seite standen. Doch seit dem und auch schon davor war die gegnseitige verachtung groß gewesen und Kesha hätte es in der Tat nicht schlechter treffen können... Da war es schon wieder! Dieser Gedanke an diese Frau und der Jäger musste sich regelrecht schütteln, um ihm wieder zu entrinnen. Krampfhaft haftete sich seine Konzentration an die Worte eines seiner Gefährten, der von einem Rudel Wölfe sprach, dass vor kurzen in der Umgebung von Norr Hinthrog gesichtet worden war. Ein langweiliges Thema, wie er fand, denn andauernd wurden Wolfsrudel in der Nähe der Siedlungen entdeckt und jedes Mal wurde von unwissenden Bewohnern ein Drama daraus gemacht. So waren beispielsweise Kewan und seine Truppe schon des öfteren zu allen Tages – und Nachtzeiten in irgendwelche Richtungen geschickt, in denen angeblich ein schlimmer Angriff von Wölfen bevorstand. In den meisten Fällen ergriffen die Tiere aber schon bei dem Anblick der Stadt die Flucht und nur sehr sehr selten war es wirklich zu Auseinandersetzungen gekommen, die dann aber schnell entscheiden wurden. Diese Geschichte klang erneut verdächtig nach einer solchen scheinbaren Gefahr und er brachte seufzend seinen Unmut zum Ausdruck...
An den beiden Abenden drehte sich viel um die Jagd selber und auch neue Waffen wurden stolz präsentiert. Alles in allem wirklich mehr als genug Themen, um Kewan effektiv bei Laune zu halten. Nach zwei Tagen kerhten sie dann zurück in die weißen Mauern von Norr Bharrak. Sie hatten reichlich Beute gemacht, da die Robben in der Paarungszeit wahrhaft massenweise an der nahen Küste auftauchten und optimale Beute für die Jäger abgaben. So waren auch ihnen einige zum Opfer gefallen und eifrig scheffelte jeder seinen Anteil. Nach einer knappen Verabschiedung machte sich Kewan wieder auf zu seiner Hütte. Er hatte jede Menge Sehnen, Felle und Fleisch im Schlepptau, was es zu verarbeiten galt und irgendwie freute er sich sogar auf die bevorstehende Aufgabe. Es freute de Jäger endlich wieder im Alltag angekommen zu sein, denn das verlieh der ganzen Situation eine gewisse Normalität, auch wenn er tief in seinem herzen wusste, dass das eine Lüge war. Doch eine notwendige Lüge, wie er fand, denn anders konnte er unmöglich leben. Doch würde er auch so auf Dauer leben können? Er wusste es nicht und wehrte sich wieder gegen die aufkommenden Gedanken, erfolgreich. Mit einem fröhlichen Grinsen im hübschen Gesicht machte er sich an die bevorstehende Arbeit, die die zeit erfolgreich vernichtete. Es war bereits Abend als er leicht erschöpft von dem letzten Fell abließ und es zum trocknen aufspannte. Es war einfach der stinknormale Alltag der ihn eingeholt hatte und Kewan frtagte sich wirklich, wie man sich derart darüber freuen konnte, wo andere verstört die Hände über dem Kopf zusammenschlugen. Doch es war so, Kewan freute sich wahrhaftig. So auch in den folgenden Tagen. Zwar wartete nicht ganz so viel Arbeit auf ihn, doch es war auf keinen Fall so, dass es nichts zu tun gab. Und wenn er dann doch frei hatte, dann wartete immer noch sein Training auf ihn. Sein Speer freute sich mit Sicherheit über ein wenig mehr Benutzung und auch sein Körper dankte es ihm mit einem besonderen Gefühl der Frische, dass ihn umgab. Kesha traf der Jäger über die ganzen Tage überhaupt nicht an, rätselte aber was passieren würde, sollte das passieren. Immerhin war Norr Bharrak nciht wirklich groß und früher oder später lief sich ein jeder einmal über den Weg. Ob eine freundschaftliche Beziehung möglich war? Oder war der neu gewonnene Abstand doch wichtig bis er sich ganz und gar sicher war, dass er von Kesha ablassen konnte? Solche Gedanken beschäftigten ihn dann doch hin und wieder, da konnte sich Kewan so viel ablenken wie er wollte. Immer gab es Momente in denen er für sich war und nichts anderes hörte als seine Seele und seinen Verstand, das war nicht zu ändern. Mehr oder weniger gut kam er damit klar. Zwar schaffte es derjäger immer wieder erfolgreich alles negative abzuschütteln, doch verschwand es nie ganz und war immer ein Teil von ihm, der ihn einfach nicht losließ...


Eines Nachts, es war bereits sehr spät, oder auch sehr früh... je nachdem wie man es sehen wollte... riss Kewan ein stetiges und wildes Klopfen an seiner Tür aus dem Schlaf. Etwas benommen öffnete er die Augen und wollte sie sogleich wieder schließen und weiterschlafen, als sich das Hämmern verstärkte. Lethargisch fuhr sich der Jäger mit der Rechten über das schlaftrunkene Gesicht und setzte sich auf. Gemächlich erhob sich Kewan und schritt unsicher in der Dunkelheit zum Ursprung des Lärmes.
"Jaja... ich komme ja schon.", sagtre er mit belegter Stimme und wischte sich noch immer die Augen. Kewan war nicht wirklich passend gekleidet. In seiner Hütte war es doch recht frostig und sein Atem konensierte im leichten Dämmerlicht des sehr schwachen Feuers, was den Innenraum teilweise flutete und von draußen vernahm er das heulende Pfeifen des Windes, was ihm einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Kewan trug nichts als gefütterte Beinlinge. Mit nacktem Oberkörper und nackten Füßen öffnete er die Tür und rätselte, wer ihn wohl um diese Urzeit besuchen wollte. Wer da allerdings stand und wer ihm schluchzend in die Arme fiel, mit dieser Person hatte der Jäger am aller wenigsten gerechnet...
"Verzeih mir, Kewan, dass ich dir so unter die Augen trete, ich sehe bestimmt furchtbar aus...", presste die schöne Frau mit brüchiger Stimme hervor und vergrub sich in seiner Brust, "... Aber ich wusste nicht, wohin ich sonst gehen sollte.. Oh Kewan, es tut mir so leid, ich wollte dich nicht ... Levan hat... Levan... Er weiß alles..."
Kesha drückte ihn eilig in die Hütte und schloss die Tür hinter sich. Ihr Gesicht warübel zugerichtet, wie Kewan im Halbdunkel erkennen konnte und die Angst stand in ihren Augen. Er war leicht überfordert mit der Situation, während Kesha sich weinend an ihn schmiegte und er ihre Tränen auf seiner Haut spürte. Der Jäger war so überfordert, dass er sogar die schrekliche Kälte vergaß, die sich um ihn legte, als er die Tür geöffnet hatte. Glücklicherweise hatte sie sich ja wieder zgeschlossen, doch viel einnehmender war jener Mensch, der ihm in den Armen lag. Zuerst wusste Kewan wirklich nicht was zu tun war und stand einfach angewurzelt da, während sie sich um ihn schlang. Seine Gefühle und Gedanken veranstalteten ein berauschendes Fest in ihm, denn etwas war geschehen, dass er sich von tiefstem Herzen her ersehnt hatte. Kesha hatte ihn aufgesucht. Auch wenn es die Trauer oder gar die Angst war, die sie antrieb und nicht ihre Gefühle, wollte er für sie das sein. Schließlich hob er langsam die Hände und erwiderte die Umarmung, die ihn mit herzlicher Wärme erfüllte. All die vergrabenen Gefühle entstiegen wieder seiner Seele und berauschten ihn. Beruhigend fuhr er Kesha über den Kopf, während er über ihre Worte nachdachte, deren Sinn er beim ersten hören noch gar nicht richitg erfasst hatte. Dann wurde es ihm aber schlagartig klar, was sie ihm mitteilen wollte und sein Gesicht versteinerte sich. Nicht nur dass Levan,ihr Mann wusste was passiert war, nein, es war vermutlich wirklich nur die Angst die sie hier her trieb und das ihrem Anblick nach zu urteilen auch zu recht. Kewan hätte sich nichts sehnlicher gewünscht, als dass sie ohne jeglichen Zwang zu ihm gekommen wäre, doch anscheinend sollte das nicht sein, was aber nichts an seinen Gefühlen für sie änderte. Ein Teil von ihm fragte sich wahrhaftig, ob sie diese Gefühle für ihn in irgendeiner Art und Weise erwiederte, oder ob sie ihn wirklich nur als Mittel zum Zweck sah. Der andere Teiln sorgte sich ebenso wahrhaftig wirklich um Kesha. Ihr Leid berührte den Jäger zu tiefst, obwohl er noch gar nicht wusste was genau geschehen war.
"Beruhige dich, Kesha.", raunte er leise in ihr Ohr und gab sein bestes dabei möglichst aufmunternd und beruhigend zu klingen. Langsam führte Kewan sie zu seinem Lager, von dem er die Decke nahm und sie über sich und Kesha legte, während sie sich setzen und an das Gestell seines Bettes lehnten. Sie weinte bitterlich und was auch immer passiert war schien sie wirklich mitgenommen zu haben und Kewan wagte gar nicht zu fragen was das war und so gab er ihr einfach Halt. Es freute, nein er war mehr als das, es erfüllte ihn mit purer Glückseligkeit, dass sie ihn aufgesucht hatte und sich an ihn wandte. Das ließ in ihm neue Hoffnung aufkeimen, trotz all der Zweifel die er ob ihrer wahrhaftigen zuneigung hatte, denn er wollte für sie da sein. Nach nichts anderem sehnte er sich und so tat er es auch.
"Ist ja gut...", sagte er immer wieder, während Kesha unerbittlich weinte, bis sie in seinen Armen ihren Gefühlen und Ängsten erlag und vor Erschöpfung einfach einschlief. Kewan saß neben ihr und hielt sie fest, gab ihr einfach nur das Gefühl jemanden zu habe, das Gefühl für sie da zu sein und so wachte er über sie, bis sie am nächsten Morgen die Augen aufschlug und langsam zu ihm aufblickte.
"Danke...", flüsterte sie kraftlos und schmiegte sich noch ein wenig enger an ihn. Kewan hob sanft seine Hand an ihr Kinn und hob ihr Gesicht, dass sie zu ihm aufblickte.
"Du siehst nicht schrecklich aus. Mach dir keine Gedanken, Kesha, da gehört schon einiges mehr dazu als ein paar Wunden in deinem Gesicht, bis das der Fall ist."
Er schenkte ihr ein müdes und doch liebevolles Lächeln, denn in der Tat störte ihn ihr momentanes erscheinungbild überhaupt nicht. Er wusste von ihrer wahren Schönheit, die mit der zeit wiederkehren würde. Allein das genügte ihm, auch wenn es ihn im brannte zu erfahren, wer ihr das angetan hatte. Jetzt schon verpürte der Jäger einen ungemeinen Hass auf diese Person, besonders in diesem Augenblick, in dem er sich für Kesha ein wenig verantwortlich fühlte.
"Doch sag mir, was ist denn nun genau passiert?"
Kesha erzählte ihm die ganze Geschichte. Von der Gesundung Levans und seiner Rückkehr in ihr Leben, was es Kewan kalt den Rücken runterlaufen lies. Zu gerne hätte er vergessen, dass Kesha verheiratet war. Sie fuhr fort und gelangte zu jenem Punkt an dem ihr Mann es auf dem Markt erfuhr, dass Tarush etwas mit ihr hatte und auch sein Name fiel in diesem Zusammenhang. Schließlich kam sie zu einem Abschnitt, bei dem sie besonders mit sich kämpfte, während sie ihre Wort suchte, um sie ihm näher zu bringen. Neuerliche Tränen rollten dabei aus ihren roten, traurigen und doch wunderschönen Augen während sie Kewan diese schreckliche Geschichte erzählte und Kewan verstand sie nur zu gut, auch wenn er sich vermutlich nicht im geringsten ausmalen konnte wie sie sich fühlte. Zorn erfüllte sein Herz, unbändiger Zorn auf Levan, der Kesha, die Frau die Gegenstand, wenn nicht die Personifizierung seiner Zuneigung war misshandelt und aufs schlimmste zugerichtet hatte.
"Das... das ist schrecklich...", flüsterte er betrübt und schockiert zugleich, denn nie hatte Kewan mit etwas derartigem gerechnet. Er wagte gar nicht zu fragen, doch sein Mund öffnete sich und seine Lippen formten eine Frage vor dessen Antwort er sich fürchtete.
"Was kann ich tun, Kesha? Willst du dich von Levan trennen und... zu mir? Wir könnten fliehen und all das hinter uns lassen... ich... ich wollte sowieso von hier verschwinden... und du... du kommst ja aus dem Süden und..."
Kewan verstummte, seine Gedanken überschlugen sich. Er schloss die Augen und atmete einmal tief durch.
"Kesha, lass das alles hinter dir. Ich ... ich liebe dich und...", Kewan seufzte, "... und ich wäre der glücklichste Mann auf der Welt, wenn es dir genauso erginge wie mir."
Hoffnungsvoll blickte in ihre Augen und versuchte zu lächeln. Sein Herz pochte bis zum Hals und es lag eine schrecklich erdrückende Spannung in der Luft.
"Vergiss Levan... bitte"

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Di, 20. Aug 2013 13:26

"Beruhige dich, Kesha..." raunte Kewan ihr zu, während er sie Richtung Lager bugsierte, und ihr eine Decke umlegte, doch beruhigen konnte sie sich nicht. Unmöglich! Wie könnte sie sich beruhigen, wenn es doch voraussetzte, dass sie die brutale und demütigende Behandlung von Levan vergessen würde? Und das konnte sie nicht... Seit beinahe zehn Jahren kannte sie Levan, und nicht im Entferntesten hätte sie gedacht, dass er zu solchen Taten fähig war. Er war immer so herzensgut, freundlich, und geduldig gewesen. Erneut überkam sie eine Welle des Entsetzens und der Fassungslosigkeit, und erneut wurde ihr Körper in Kewans Armen von einem Weinkrampf geschüttelt. Hatte sie das verdient, was Levan ihr angetan hatte? Sie wusste es nicht. Allmählich verebbte ihr Weinkrampf, denn weinen und nachdenken gleichzeitig, das erschien ihr zu anstrengend, und beinahe unmöglich... Sie wusste auch nicht, wie es nun weitergehen sollte. Ihr Lebensmittelpunkt lag in Rômachar. Dort, in ihrem gemeinsamen Haus, wo sich alle ihre Habseligkeiten befanden, dort, wo sie Freunde und Bekannte hatte, da, wo man sie kannte, und wo sie einige Menschen kannte, und sich in der Stadt zurecht fand. Und hier hatte sie nichts. Sie hatte sich schon darauf eingerichtet, die nächsten Monde in der Eiswüste bleiben zu müssen, am Existenzminimum, zu vegetieren in dieser Eiseskälte, bis der Sommer kam, das Eis schmelzen ließ, und eine Rückkehr zu Fuß, was schon schlimm genug war, nach Rômachar möglich zu machen. Doch Levans Zornausbruch hatte dies unmöglich gemacht. Nie im Leben würde sie zu ihm zurückkehren. Aber was sollte sie sonst tun? Konnte sie bei Kewan in der Eiswüste bleiben? Er hatte vor einer Woche Andeutungen gemacht, doch das war vor einer Woche gewesen. Was, wenn nun bereits alles anders war? Schließlich beherrschte nur mehr Leere Keshas Kopf, und nur wenig später fiel sie erschöpft in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Als sie erwachte, fühlte sie sich hundeelend. Sie bekam nur schwerlich die Augen auf, und während ihr Geist schon erwacht war, schien ihr Körper noch im Halbschlaf zu bleiben, und so füllten erste Gedanken ihren Kopf an diesem Morgen. Unweigerlich schossen ihr die Bilder in den Kopf, als Kewan Tarush so übel zugerichtet hatte. Vor zehn Jahren hätte sie ihre Hand ins Feuer gelegt, dass Levan ihr niemals weh tun würde, oder ihr gar ein Leid zufügen würde. Wie also konnte sie, nun, da sie gesehen hatte, wie brutal Kewan sein konnte, annehmen, dass er ihr eines Tages nicht auch so übel zusetzen würde? Sie konnte einfach nicht sicher sein. Levan hatte ihr aufgezeigt, welche Bestie in jedem Mann schlummern konnte. Es war nur entweder eine Frage der Zeit, oder eine Frage der Art und Weise, und was nötig war, um diese Bestie zu wecken und zu entfesseln... Sie konnte nur eines tun, ihm vertrauen, oder ihm nicht zu vertrauen. Kewan saß an ihrem Bett, und war das Erste, das sie zu Gesicht bekam. Sie schämte sich entsetzlich vor ihm, sie sah bestimmt grauenhaft aus... Und doch freute sie sich, ihn zu sehen. "Danke..." flüsterte sie matt. Das Erste, was sie tat, war, ihr Gesicht zu betasten. Unter dem rechten Auge ertastete sie eine böse Schwellung, und wenn sie nach unten schielte, konnte sie die dunkelviolette Farbe förmlich erkennen. Das Jochbein, welches so unheilvoll geknackt hatte, verursachte zwar starke Schmerzen, aber es schien nichts gebrochen zu sein, jedenfalls fühlte sich der Knochen normal an. Mit ihren fünf Fingern umfasste sie ihre Nase, und auch diese schien noch unversehrt zu sein, auch wenn gestern das Blut nur so herausgeschossen war. Wenigstens hatte er sie nicht auf den Mund getroffen, weswegen die Lippen unversehrt geblieben waren. 'Ich muss grauenhaft aussehen...' dachte sie resigniert, und Kewan schien ihre Gedanken zu erraten, denn er hob vorsichtig ihr Kinn an und zwang sie, ihn anzusehen. "Du siehst nicht schrecklich aus. Mach dir keine Gedanken, Kesha, da gehört schon einiges mehr dazu als ein paar Wunden in deinem Gesicht, bis das der Fall ist." Kesha murrte beinahe unhörbar auf, zu dieser Lüge. Auch wenn es wohl gemeint war, so blieb es doch eine Lüge. "Doch sag mir, was ist denn nun genau passiert?" stellte er ihr diese unausweichliche Frage. Sie presste die Lippen aufeinander, und runzelte die Stirn. Wo sollte sie da nur anfangen? Aber dann ließ sie ihren Worten einfach freien Lauf.

"Es begann alles vor einer Woche... Du bist gegangen, und ich hatte den Entschluss gefasst, alles hinter mir zu lassen, einen Neuanfang zu machen, und mich auf meinen Platz im Leben zu besinnen, nämlich dass ich Levans Ehefrau bin, und ihm ein Versprechen gegeben habe. Ein Versprechen, welches mich bis ans Ende unserer Tage an ihn bindet. Deswegen habe ich ihn am nächsten Tag aus dem Haus der Heilerin, nach Hause geholt. Ich wollte ihm künftig eine gute Ehefrau sein, so wie er es verdient und immer verdient hat. Einige Tage hat das auch gut funktioniert. Bis zum gestrigen Tag... Er wollte den Händlern hier einen Besuch abstatten, weil er ja selbst Händler ist. Er tut das für gewöhnlich in jeder Stadt. Ich hatte keine Lust darauf, vielleicht, weil ich befürchtete, dort Tarush zu begegnen... oder dir... So sagte ich ihm ich hätte Kopfschmerzen, und blieb im Haus. Als er wieder kam war sein Gesichtsausdruck todernst, und er fragte mich, ob die Geschichten stimmen, die man sich erzählt, von der blonden Fremden, und dem Wächter Tarush. Ich suchte nach einer Antwort, aber mir fiel nichts nichts, und so sagte ich ihm, dass die Geschichte wahr ist. Er fragte mich schließlich, warum du ihn in unserem Haus zusammengeschlagen hast und ob ich mir dir auch etwas hatte. Ich habe es abgestritten. Aber das hat keinen tieferen Sinn, Kewan, dass ich ihm Tarush gebeichtet hatte, und dich verleugnet habe. Ich hatte einfach nicht damit gerechnet, dass er auf dich zu sprechen kommen würde, und nachdem ich schon zugab, dass die Geschichte mit Tarush stimmt, hatte ich Angst, auch das noch zu beichten. Ich wollte mich erklären, aber er ließ mich nicht zu Wort kommen, und dann gab er mir eine Ohrfeige." Kesha hielt inne, in ihrer Erzählung, so, als würde sie sich gegen die kommenden Worte wappnen wollen. Schließlich flüsterte sie "Er hat mich noch nie geschlagen, oder auch nur grob angefasst... Niemals..." Wieder schwieg sie und begann nach einer Weile schließlich wieder mit fester Stimme weiter zu erzählen. [18]"Er beschimpfte mich, dass ich eine Schlampe sei, und packte mich schließlich, und zwang mich zu Boden. Er wurde über alle Maßen vulgär und beleidigend, meinte, dass jeder Mann seinen Schwanz in mich stecken dürfte, nur mein Ehemann nicht... Ich sagte ihm, dass er mich anwidere und dass er mich in Ruhe lassen sollte." Sie legte die Hand vor die Augen, als ob es helfen würde, die Scham zu überwinden. "Er nannte mich eine blöde, versiffte Schlampe, und dass ich ihn rasend mache, und dann schlug er mir die Faust ins Gesicht..." Kesha begann bei diesen Worten zu schluchzen, doch sie rang die Tränen mehr oder weniger tapfer nieder und erzählte weiter. "Dann hat er mich gegen meinen Willen genommen. Er sagte, das sei sein verdammtes Recht und er würde sich das jetzt täglich holen, wenn er wollte... Schließlich ließ er von mir ab. Ich bin aufgestanden, und habe ihm gesagt, dass ich ihn verlassen würde. Ich war im Begriff, zu gehen. Ich wollte zu Ania gehen, vor Menu hätte Levan, wenn er mir nachgegangen wäre, sicher nichts getan, und Menu hätte das ja auch wohl kaum zu gelassen. Aber Levan packte mich an den Haaren und riss mich zurück. Ich schrie ihn an, dass ich ihn hasse und verlasse, und dass er nichts dagegen tun könnte. Doch er sagte, bevor ich ihn verlasse, würde er mich umbringen, und dass ich ihm ein Versprechen gegeben hätte... In diesem Moment erkannte ich, dass er mich niemals gehen lassen würde. Ich sagte ihm, dass ich bei ihm bleibe, aber ihn hassen würde, bis dass der Tod uns scheidet... Dann sagte er, 'So sei es...' Ich wusste nicht, was er vor hatte, aber danach ging er erst richtig auf mich los. Vielleicht wollte er mich wirklich umbringen, ich weiß es nicht. Ich habe ihn beschimpft und provoziert, vielleicht wollte ich, dass er es zu Ende bringt. Stattdessen hat er mich erneut vergewaltigt... Bei allen... er hat mich von hinten genommen, wie einen Hund, nicht so wie Tarush... Zum Schluß hat er mir noch seinen Schwanz in den Mund gesteckt, und da weiter gemacht... Ich habe zugebissen, er hat mir mit der Faust erneut ins Gesicht geschlagen, dann wurde alles schwarz vor meinen Augen.[/18] Als ich wieder erwachte, schlief er, und ich bin aufgesprungen, und so wie ich war, aus dem Haus gelaufen. Nimm es mir nicht übel, Kewan, ich wollte zuerst zu Ania, ich wusste ja nicht, ob du und ich uns jemals wieder in die Augen blicken könnten. Aber ich wagte es nicht, wegen ihrer Kinder, sie sollten mich nicht so sehen, und dann kamst nur du in Frage..."

Kewan war während der ganzen Zeit über stumm geblieben, und hatte ihr zugehört. Als Kesha ihre Erzählungen beendet hatte, hatte Zorn sein Gesicht überschattet und dann meinte er "Das... das ist schrecklich... Was kann ich tun, Kesha? Willst du dich von Levan trennen und ... zu mir? Wir könnten fliehen und all das hinter uns lassen... ich... ich wollte sowieso von hier verschwinden... und du... du kommst ja aus dem Süden und..." Kesha unterbrach ihn "Ich hatte gehofft, dass ich ein paar Tage bei dir bleiben könnte, bis ich weiß, wie es weitergehen sollte. Ja, ich würde Levan verlassen... doch solange er hier lebt, werde ich nie Ruhe vor ihm haben, er wird auf das Eheversprechen pochen, bis dass der Tod uns scheidet... Für eine Flucht bin ich nicht in der nötigen Verfassung, Kewan, die drei Tage in der Eiswüste waren schon eine Zerreißprobe, ich bin einfach nicht für die Wildnis geschaffen, ich bin eine Frau aus der Stadt..." Schließlich erwiderte Kewan "Kesha, lass das alles hinter dir. Ich ... ich liebe dich, und ich wäre der glücklichste Mann auf der Welt, wenn es dir genauso erginge wie mir. Vergiss Levan... bitte!"

Keshas Kopf ruckte hoch, bei seinen Worten, und sie starrte ihn aus ihren rot verheulten, verschwollenen Augen an. Dann wandte sie den Kopf wieder ab und starrte in ihren Schoß. Seine Worte, so ehrlich gemeint sie vermutlich waren, prallten an ihr ab, dagegen konnte sie gar nichts tun, selbst wenn sie es anders gewollt hätte. Es war nicht so, dass sie für Kewan keine Sympathie hegte. Sie hatte gesehen, dass er eine Seite an sich besaß, die wohl niemand aus dem Dorf kannte, und diese Seite war über alle Maßen liebenswert. Sie hatte aber auch gesehen, wie schnell sich Liebe in diesen zerstörerischen Hass verwandeln konnte, und sie hatte keine Lust darauf, dass dies wieder geschehen könnte. Zu tief waren die Bilder von Tarushs zerschlagenen Gesicht, und dessen Schmerzensschreie und das letztendliche Flehen um sein Leben, in ihr inneres Auge und in ihr Gedächtnis eingebrannt, und zu tief saß der Schock, die Fassungslosigkeit, der Schmerz und diese grässlichen Demütigungen, die Levan ihr beigebracht hatte. Sie hatte so viel in ihrem Leben falsch gemacht, und sie wollte nun damit beginnen, ihr Leben wieder neu zu ordnen, sie wollte vieles anders und besser machen. Levan gehörte nicht mehr dazu. Sie wusste, was dies bedeutete. Für sie war das angenehme Leben in Rômachar vorbei. Alles, was sie noch besaß, trug sie bei sich, der klägliche Rest befand sich in nun mehr Levans Haus. Wenn sie bei Kewan blieb, und sie wusste, dass es momentan keine andere Möglichkeit gab, würde ihr neues Leben gleich von Beginn an eine Flucht sein, denn sie konnte nicht in der Eiswüste bleiben, solange Levan hier war. Es sei denn...

Kesha schniefte, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, und wandte sich an Kewan. "Ich will nicht dieselben Fehler machen, wie ich sie früher gemacht habe. Denn die Lügen, die ich einst gesät habe, haben nur Früchte des Verderbs hervorgebracht. Darum will ich ehrlich zu dir sein. Ich habe Angst. Ich habe Angst, vor dem was mir widerfahren ist, ich habe Angst vor dem, was noch auf mich zukommen könnte. Levan wird mich nie gehen lassen. Wenn wir flüchten, wird er mir nachstellen. Er wird seinen Reichtum und seine Handelsbeziehungen nutzen, um uns aufzustöbern, und er wird uns finden. Davor habe ich Angst... Aber wenn du mir hilfst, mich von ihm zu befreien, dann gehe ich mit dir, wohin du du willst, und ich werde versuchen, deine Gefühle zu erwidern. Aber ich kann und will es dir nicht versprechen. Ich empfinde etwas für dich, Kewan, aber du musst verstehen, dass es in den letzten Wochen so viele schlimme Geschehnisse gab, die ich erst verarbeiten muss. Gib mir bitte Zeit..." Sie wusste, dass es nicht die Antwort war, die er hören wollte, doch hoffte sie, dass sie seine Erwartungen nicht zerstört hatte. So etwas brauchte einfach Zeit, und wenn er sie wirklich liebte, dann würde er ihr diese Zeit geben, ohne wenn und aber. Ohne Trotz, ohne Resignation, ohne ihr ein schlechtes Gewissen zu machen, ohne sich abzuwenden. Aufopferungsvoll... Sie wusste nicht, wie er sich in diesem Moment fühlte, aber sie hoffte, es ging ihm besser, als ihr. Sie erhob sich, und begann unruhig auf und ab zu gehen, während er am Bett sitzen blieb. Dann blieb sie stehen, und sah ihn von oben an. "Levan sollte diesselbe Behandlung zu Teil werden, wie mir. Ich weiß, ich verlange viel von dir... Aber bitte töte ihn... Nur dann bin ich frei, frei für dich..." Sie beugte sich zu ihm, nahm seinen Kopf zwischen die Hände, und küsste ihn. Zärtlich, herausfordernd, vielleicht auch ein wenig beherrschend. Zuerst sanft, dann ungezügelt. Und es schien ihr in diesem Moment so richtig zu sein, mit ihm. Sie löste sich von seinen Lippen, und hauchte "Bring ihn um... für mich..." und dann küsste sie ihn erneut, um eventuelle Zweifel oder Einwände im Keim zu ersticken...
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
Sie will es und so ist es Brauch
Was sie will bekommt sie auch

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Fr, 23. Aug 2013 13:32

Noch immer war Kewan von Keshas Erzählungen geschockt. Es tat ihr weh sie so zu sehen, zu wissen, was ihr widerfahren war. Was ihn aber genauso schmerzte war die Tatsache, dass Kesha ihm gleiches zuzutrauen schien. Glaubte sie wirklich er würde sie jemals so behandeln?
"Ich will nicht dieselben Fehler machen, wie ich sie früher gemacht habe. Denn die Lügen, die ich einst gesät habe, haben nur Früchte des Verderbs hervorgebracht. Darum will ich ehrlich zu dir sein. Ich habe Angst. Ich habe Angst, vor dem was mir widerfahren ist, ich habe Angst vor dem, was noch auf mich zukommen könnte. Levan wird mich nie gehen lassen. Wenn wir flüchten, wird er mir nachstellen. Er wird seinen Reichtum und seine Handelsbeziehungen nutzen, um uns aufzustöbern, und er wird uns finden. Davor habe ich Angst... Aber wenn du mir hilfst, mich von ihm zu befreien, dann gehe ich mit dir, wohin du du willst, und ich werde versuchen, deine Gefühle zu erwidern. Aber ich kann und will es dir nicht versprechen. Ich empfinde etwas für dich, Kewan, aber du musst verstehen, dass es in den letzten Wochen so viele schlimme Geschehnisse gab, die ich erst verarbeiten muss. Gib mir bitte Zeit...", sprach sie ittrig und ihre verheulten Augen suchten traurig die seinen. Der Jäger erwiderte den Blick so gut er konnte, doch in seinem Inneren war er enttäuscht. Nicht darüber, dass Kesha zaghaft ablehnte und um Zeit bat, nein, das konnte er nachvollziehen und er würde diese Zeit gerne verstreichen lassen. Aber was ihn wirklich schmerzte war die Andeutung von Gewalt seitens seiner Person. Noch nie in seinem Leben hatte er sich an einer Frau vergriffen und nie sollte dies passieren! Nie! Kewans Augen konnten diese Enttäuschung nicht verbergen, wenngleich es für Kesha unmöglich war zu sagen weshalb. Er blieb ihr eine Antwort schuldig. Leise Zweifel beschlichen ihn, dass sie ihn instrumentalisierete und für ihr eigenes Wohl zu nutzen gedachte. Natürlich lag ihm ihr wohl sehr am Herzen und was ihr widerfahren war ging ihm sehr nahe, doch Kewan hatte Angst vor dem was kommen würde, sollte sie fortfahren. Seine Erwartungen hatte sie nicht zerstört, doch eben jene Zweifel gesäht, die das Antlitz dieser bedingunslose, anfängliche Zuneigungen sprengten. Langsam verengte der Jäger die Augen und fixierte sie, während sie sich aus seinen Armen erhob und begann durch den Raum zu schreiten. Kewan gefiel ihr nachdenkliches Gesicht nicht und die Gedanken, die sie vermutlich hegte. Vielleicht war es Instinkt, der ihn bereits innerlich auf das vorbereitete was folgen sollte. Vielleicht war es auch einfach die Situation, die in Keshas Kopf keinen Platz für anderes als dunkle Gedanken ließ. Sie empfand etwas für ihn. Das waren ihre Worte gewesen, doch was war ihre wirkliche Bedeutung? Kewan wollte nicht, dass sie sich zwang seine Gefühle zu erwidern, sie wollte, dass sie es wahrhaftig meinte. Wahrhaftig und von Herzen zu dieser Entscheidung stand, nicht sich zu etwas hinreißen ließ, das als geeignete Gegenleistung für seine nützlichen Dienste stand. Nun gut. Kesha hatte um Zeit gebeten, sie würde ihre Zeit bekommen. Nach kurzer Zeit hielt sie inne und drehte sich erneut zu Kewan, der an Ort und Stelle verharrt hatte und ihren Schritten mit Argusaugen gefolgt war.
"Levan sollte diesselbe Behandlung zu Teil werden, wie mir. Ich weiß, ich verlange viel von dir... Aber bitte töte ihn... Nur dann bin ich frei, frei für dich...", sagte sie und irgendwie hatte es der Jäger bereits vermutet, dass ihn so etwas ereilen würde. Er prustete einmal tonlos und legte die Stirn in Falten. Das konnte nicht ihr Ernst sein... unfähig zu antworten ob der Verwunderung die ihn ereilt hatte blickte er sie lediglich entgeistert an, während sie sich langsam auf ihn zu bewegte. Ihre Lippen legten sich auf die Seinen und ihm ersten Moment erwiderte er nichts. Nicht den Kuss, nicht die Zärtlichkeit, sondern verharrte einfach wie versteinert. Sie hatte ihn gefragt, ob er ihren Ehemann für sie tötetn konnte. Nur dann konnte sie für ihn da sein? Oder nur dann konnte sie wieder entspannt anderen Liebesabenteuern nachgehen? Sie küsste ihn und er grinste kurz, bevor er begann ihn zu erwidern und ließ seine Hände an ihren Hals wandern. Es war wie immer. Kewan konnte sich ihrer Wirkung nicht entziehen und es fiel ihm wahrlich schwer die zweifelnden Gedanken aufrecht zu erhalten. Kesha löste sich von seinen Lippen und blickte ihn eindringlich an. Ihr blick war verführerisch und beherrschend zugleich und Kewan wusste ganz genau, dass sie ihn so zu überzeugen versuchte. Hatte er es selber nicht schon unzählige Male so gemacht?
"Bring ihn um... für mich..."
Und wieder begann sie ihn zu küssen, doch diesmal kam er ihr zuvor. Seine Hände ergriffen ihre Oberarme und zogen sie mit lieblicher Wildheit zu sich herunter. Das war seine Antwort. Sanft und doch dominant drückte er sie auf den Boden, dass er auf sie hinabblickte. In diesem Augenblick war ihm alles einfach scheiß egal. Kewan hatte was er wollte und er stand so kurz vor dem Ziel. Sollte er sich wirklich von so einem Fettwanst aufhalten lassen? Als Loh winkte ihm immerhin die schönste Frau, die er jemals gesehen hatte. In diesem Moment musste er über sich selbst schmunzeln, denn war es wirklich Liebe was er verspürte. Sie hatte ihm das Gefühl gegeben benutzt zu werden und er nahm es hin. Es erfreute Kewan gar, doch auch er hatte sich von einem Augenblick auf den Anderen verändert. Er wollte Kesha, nach wie vor, doch war es weitaus weniger zärtlich und liebevoll als zuvor. Es war roh und animalisch. Kewan war es egal. Hatte er in diesem Moment seine Skrupel verloren? Hatte er gar Vorfreude in naher Zukunft ein Leben zu nehmen? Ja, das hatte er und alle anfängliche Verwirrung und Unsicherheit war verflogen. In diesem Moment kreisten seine Gedanken nur um Kesha und dass sie bald ihm gehören würde. Der Jäger löste seine Lippen und grinste böse.
"Du willst, dass er stirbt?", kurz hielt Kewan inne und blickte Kesha durch vor Zorn und Wut funkelnde Augen an, "Ich will, dass er leidet, Kesha, er wird sich wünschen nie geboren worden zu sein, das verspreche ich dir."


Dass Kewan nicht sofort loszog und Levan das Leben nahm war einzig und allein dem geschuldet, dass er sich noch ein wenig Gedanken um seinen Tod machen wollte. In der Tat wollte er Keshas Peiniger leiden lassen, leiden, wie er noch nie zuvor gelitten hatte. So wie er es verdient hatte und Gnade würde es nicht geben. Nicht ihm gegenüber, denn der Preis war es wert. Sein Tod war notwendig, auch wenn er benutzt wurde, das war ihm egal. Kewan würde mit Sicherheit seinen Spaß dafür bekommen und aus eigener Erfahrung wusste er, dass es sich mehr als lohnte... Um genau zu sein wartete der Jäger noch zwei weitere Tage, ehe er sich endlich entschloss Levan aufzusuchen und sein Schicksal zu besiegeln. Kesha konnten man in diesen Tagen ihre Nervosität ansehen. Sie traute sich kaum aus dem Haus und konnte es anscheinend kaum erwarten, dass ihr endlich Gerechtigkeit zugeführt wurde. Kewan kümmerte sich so gut es ging um sie, versorgte ihr geschundenes Gesicht und war einfach an ihrer Seite. Auch wenn es ihn juckte mehr zu tun als nur das, so hatte er ihr doch Zeit zugestanden die sie auch benötigte. Er hatte ihr sogar sein Bett überlassen und schlief selber auf dem Boden, den er ein wenig mit Fellen polsterte. Kewan wusste garnciht warum er das alles tat, hatte er doch absolut überhaupt keine Erfahrungen mit sowas, doch instinktiv kam ihm das als richtig vor. Und alles in allem war es ihm auch egal, sollte sein Lohn gerecht sein, immerhin nahm er dabei ein auch nicht ganz unerhebliches gesellschaftliches Risiko auf sich. Tatsächlich, dass musste sich der Jäger eingestehen, hatte er jegliche Skrupel verloren und das nur durch Keshas andeutende Worte, die er noch nicht vergessen hatte. Auch die Gedanken an den Kampf mit dem Fremden, der einst seinen Vater tötete beflügelte ihn. Es war ein wahrlich tolles Gefühl gewesen dieses Leben zu nehmen und ahtte er sich am Anfnag noch gegen diese Erkenntnis gewehrt, so begrüßte er sie jetzt. Wer hätte gedacht, dass sie einmal nützlich sein würde und vorerst kein Problem darstellte. Jedes Mal trieb es ihm ein böses Lächeln auf die Züge, wenn Kewan daran dachte, denn er hatte seine Entscheidung getroffen.

Am Morgen des dritten Tages war Kewan bereits sehr früh erwacht und hatte sich schon bereit gemacht Levans Haus aufzusuchen, da regte sich Kesha in seinem Bett. Verschlafen hob sie den Kopf und fragte noch immer leicht benommen: "Wohin gehst du?"
Der Angesprochene grinste schief, während er sich das Steinmesser in den Gürtel steckte.
"Levan besuchen. Kommst du mit?"
Mit einem Schlag hatte Kesha ihre verschlafene Seite abgelegt und war aus dem Bett gesprungen. Ein Blick in ihr Gesicht verriet Kewan, dass ihre Wunden gut heilten. Die Schwellungen waren sehr zurückgeganen und lediglich die Verfärbungenzeugten noch von derunsanften Behandlung die ihr zu Teil geworden war.
"Ich komme mit.", erwiderte sie entschlossen und Kewan nickte erfreut.
"Sehr schön, allerdings wird das mit Sicherheit kein schöner Anblick."
[18]Einen kurzen Moment lang blickten sich beide an, doch dann nickte auch Kesha entschlossen und begann sich anzukleiden. Der Jäger wartete geduldig bis sie fertig war, ehe er ihr schelmisch den Arm anbot um sich einzuhaken und sie das Haus verließen. Ihr Weg führte sie ohne Umschweife zu Keshas und Levans Haus, dass allerdings nun mehr lediglich von Levan bewohnt wurde. Ohne zu zögern brach ein kurzer harter Tritt Kewans das Schloss und die Tür schwang auf. Ihn begrüßte ein wahrhaft brachiales Schnarchen, dass gewiss hätte von einem Wal stammen können. Kewan runzelte amüsiert die Stirn und blickte zu Kesha, die seine Belustigung zu Mindest ein wenig zu teilen schien. Genauso unsanft verschloss der Jäger die Tür wieder und platzierte aus Sicherheitsgründen ein recht wuchtiges Reagl davor, um plötzliches Eindringen zu verhindern. Dann wandte er sich wieder Kesha zu und legte den Zeigefinger vor die Lippen, während er sich so leise wie möglich näherte. Breit grinsend setzte sich Kewan neben Levan aufs Bett und klopfte ihm sanft auf die Schulter, während seine andere freie Hand Levans Rechte ergriff und sich um seinen Mittelfinger schloss.
"Aufwachen, Dickerchen!", flüsterte er Keshas Mann ins Ohr, der fast überhaupt nicht reagierte. Sanft klopfte Kewan ihm auf die Wange und wiederholte seine Worte.
"Aufwachen, Dickerchen!"
Als Levan wieder nichtreagierte suchte Kewan Kesha Blick und schüttetlte gespielt entrüstet den Kopf.
"AUFWACHEN, VERDAMMT", brüllte er plötzlich los und brach ohne mit der Wimper zu zucken Levans Mittelfinger der rechten Hand zu Seite weg. Mit einem Schrei, bei dem sich seine Stimme überschlug erwachte der Händler und eine Träne zeigte sich in seinem Augenwinkel.
"AHHHH! WAS BEI...!? Wer seid ihr und was wollt ihr!?", Levans Stimme war zittrig und sein Gesicht eine Mischung aus schrecklichem Schmerz und totaler Verwirrung. Schnell atmend fiel sein Blick auf den geschundenen Finger, der der Ursprung seines jähen Erwachens war.
"Guten Morgen, Levan.", begrüßte ihn Kewan freundlich, "Es tut mir aufrichtig Leid um euren schönen Finger, doch ihr wolltet nicht aufwachen und die Nachbarn hatten sich schon beschwert wegen eurem Geschnarche und das wollen wir doch nicht, oder?"
Perplex wandte sich der Händler an den Jäger.
"Bitte was?!"
In seiner morgentlichen Verschlafenheit fiel es Levan sichtlich schwer die Situation zu erfassen, doch als sein Blick auf Kesha wanderte weiteten sich seine Augen, ehe von einem brachialen Schlag Kewans, der seine Nase zertrümmerte erneut ins Reich der Träume geschickt wurde. Die beiden fesselten ihn und Kewan zog ihn an einer provisorisch aber stabil errichteten Apparatur so in die Höhe, dass er durch die Fesseln zum stehen gezwungen war, ohne sich bewegen zu können. Kesha hingegen war nach draußen gegeangen, um einen Eimer Schnee in das Innere der Hütte zu holen und zu schmelzen. Levan derweil wurde bis auf die Haut entblößt und etwas angewidert blickte er auf den Körper des Händlers.
"Und so etwas hast du mir vorgezogen?", fragte er Kesha sichtlich entrüstet, während sie auf das Schmelzen des Schnees warteten. Als es endlich soweit war, entleerte der Jäger den Eimer über dem Kopf von Keshas Ehemann, der daraufhin prustend vor Überraschung un Kälte hochschreckte.
"W-Wo bin ich!?", fragte er und versuchte sich vergeblich aus den Fesseln zu befreien, die ihm beinahe keine Bewegungsfreiheit gewährten.
"In deiner Hütte, Levan! Erkennst du sie nicht? Ich bin übrigens K'eyshu. Vielleicht hast du ja schon von mir gehört?!"
"Du...", knurrte der Händler zornerfüllt, doch Kewan hob drohend den Finger.
"Ah ah ah! Keine bösen Worte hier! Nicht von deiner Seite! Ich glaube andere sind jetzt an der Reihe!"
Dabei blickten beide auf Kesha und der Jäger ließ sie gewähren. Sie hatte ihrem Mann noch einiges zu sagen, dass er lediglich aus dem hintergrund beobachtete. Sein Werk würde beginnen, wenn Kesha das Ihre beendet hatte.
Als es soweit war und die beiden Noch-Eheleute ihren kleinen Disput beendet hatten erhob sich Kewan und rieb sich dabei erwartungsvoll die Hände.
"Weißt du wie du mich anwiderst, Levan?", fragte er ohne eine Antwort abzuwarten, die der Angesprochene bereits im Begriff war zu geben, "Weil man so etwas mit einer Frau nicht macht, mein Lieber! Ganz gleich, was sie getan hat. Sicherlich hast du auch gelitten, als du erfahren hast, was geschehen war und ich weiß ja nciht wie du das siehst, interessiert mich auch eigentlich einen Scheiß, aber das was du getan hast ist keine angemessene Strafe. Außerdem kann ich dich nicht lieden."
Nach diesen Worten schlug er dem Gefesselten drei Mal schnell in den wabbeligen Bauch, dass Levan vor Schmerza aufstöhnte.
"Du hättest mehr auf deinen Körper achten sollen...", stellte der Jäger kalt fest und spuckte Levan ins Gesicht, während weitere Schläge auf ihn ein prasselten. Schlisßlich hörte man es einmal laut knacken und zufrieden vernahm man, dass die erste Rippe gebrochen war. Levan heulte gepeinigt auf, was Kewan nur noch rasender machte. Die Wut sprang förmlich aus seinem Blick.
"Gefällt dir das, du fettes Schwein? Hm? GEFÄLLT DIR DAS!?"
Der Jäger packte ihn an den Haaren und hob den Kopf. Seine freie Faust senkte sich wie ein Meteor auf Levans Schädel, dass dieser mit Wucht zurückgeworfen wurde und Kewan die ergriffenen Haare in Händen hielt.
"Du mieses Schwein... Du hast es verfickt nochmal nicht anders verdient..."
Levan stöhnte vor Schmerzen und kämpfte mühselig mit den Tränen. Kewans Hand wanderte an seinen Gürtel, von dem er ein Messer holte.
"B-Bitte", wimmerte der Gefesselte, "B-bitte es tu-t mit so L-leid!"
"Mir auch.", war die prompte Antwort, während sich die Klinge des Steinmessers durch Levans Oberschenkel bohrte. Böse grinsend drehte er das Messer in der Wunde, dass der Händler wie am Spieß zu schreien begann. Kewan ließ das Messer einfach stecken, während er einen glühenden Scheit aus der Feuerstelle nahm und damit über seine Haut fuhr.
"Und? Ist das nicht schön erwärmend bei der Kälte da draußen?", fragte der Jäger hämisch und ließ einige weitere Fäuste auf sein Opfer regnen. Irgendwann zog er das Messer wieder aus dem Oberschenkel.
"Genommen hast du deine Frau. Gegen ihren Willen und wie einen Hund. Findest du das gut? FINDEST DU DAS GUT, DU FETTER VERSAGER?!"
Wieder hagelte es Fäuste bevor Kewan den Händler umrundete mit dem glühenden Scheit in der Hand.
"Ich werde nich jetzt auch von hinten nehmen, du Schwein..."
Ohne zu zögern rammte Kewan das glühende Holzstück in das Hinterteil des Gefesselten, dass dieser nicht anders konnte als wie am Spieß zu schreien und zu zittern.
"Ist das gut, ja? Hast du deiner Frau etwas gutes damit getan?"
Noch einmal drückte Kewan härter, ehe er es rücksichtlos wieder hinauszog.
"Ein schön geweitetes Arschloch hast du jetzt, Levan! Fast wie eine Schwuchtel!"
Wieder zückte Kewan sein Messer und skrupellos schnitt er dem Händler seinen schlaffen Schwanz ab, durch den er sich noch wenige Sekunden zuvor entleert hatte.
"Du bist doch eine Schwuchtel, oder?", vergewisserte sich der Jäger, während er mit dem abgetrennen Gemächt vor Levans Gesicht herumwedelte. Das Blut ergoss sich nur so aus dem entstandenen Stumpf, ünd würde Levan schon bald das Leben kosten, doch bevor es soweit war, umrundete er noch einmal sein Opfer und steckte ihm seinen eigenen Schwanz in das verbrannte, geweitete Arschloch.
Dann gesellte sich Kewan zu Kesha, die alles mit angesehen hatte und beobachtete Levan dabei, wie er langsam durch den Stumpf seiner Männlichkeit verblutete. Er hatte es wirklich getan...[/18]

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Sa, 24. Aug 2013 22:28

Kewan ließ Kesha in seinem Haus wohnen, und kümmerte sich recht fürsorglich um sie. Er versorgte ihre Verletzungen, er ließ sie in seinem Bett schlafen, während er auf dem Boden nächtigte, er hörte ihr zu, wenn sie etwas zu sagen hatte, was nicht sehr oft der Fall war, und auch sonst stand er ihr mit Rat und Tat zur Seite. Er achtete so sehr, auf sie, dass es ihr beinahe unangenehm war, einerseits, da zwischen ihnen plötzlich eine beinahe erzwungene Nähe herrschte, und sie das Gefühl hatte, da hinein gedrängt worden zu sein, und andererseits unter Anbetracht der Tatsache, dass sie ihn darum gebeten hatte, Levan zu beseitigen. Als sie diesen Wunsch ausgesprochen hatte, hatte die Wut in ihrem Herzen getobt, gleichermaßen wie Angst, zu Levan zurückkehren zu müssen, Angst, dass diese unliebsamen Geständnisse für immer zwischen ihnen stehen, und er ihr nie vergeben würde, und auch eine unerträgliche Abscheu ihm gegenüber. Doch bereits am nächsten Morgen war sie sich nicht mehr sicher, ob dies tatsächlich ihr Wunsch war, dass Levan sterben sollte, oder ob sie nicht doch einfach Norr Bharrak verlassen sollten. Und doch schwieg sie eisern, und äußerte sich gegenüber Kewan nicht mehr darüber, bis der Morgen kam, an welchem Kewan entschlossen aufstand.

"Wohin gehst du?" fragte ihn Kesha, welche bereits seit drei Tagen das Haus nicht mehr verlassen hatte, aus Angst, Levan zu begegnen, und auch, dass niemand sah, wie übel sie zugerichtet war. Zwar hatte Kewan ihre Wunden gut versorgt, doch es würde noch einige Zeit dauern, bis die Blutergüsse zurückgehen würden, und das einst so wunderschöne Gesicht Keshas wieder zurückkehren würde. Auch ihre Verletzungen, die Levan ihr durch seine brutale Vergewaltigung zugefügt hatte, würden noch einige Zeit dauern, bis sie nicht mehr schmerzten, und verheilten. Doch davon würde sie Kewan kein Wort sagen. Sie schämte sich schon genug vor ihm, mit welchem Detailreichtum sie ihm geschildert hatte, was Levan mit ihr angestellt hatte. Es würde verheilen, und er würde es nie erfahren... Sie war noch in den Decken vergraben, und darunter war es wohlig warm, während es draußen bitterkalt war, und auch in dem Haus nicht gerade angenehm war. Kewan legte den Kopf schief und grinste "Levan besuchen... Kommst du mit?" Eine heisse Welle durchströmte ihren Körper, als würde sie bei etwas verbotenem ertappt worden sein. Wäre dies nicht der richtige Zeitpunkt, zu sagen, dass es nicht nötig war? Dass sie sich an seiner Seite sicher genug fühlte, und dass Levan es eines Tages akzeptieren müsse und auch würde, wenn sie nicht mehr zu ihm zurückkehren würde. Aber sie tat es nicht. Vielleicht wollte sie auch herausfinden, ob Kewan ihr diese gewaltige Bitte tatsächlich erfüllen würde... Kesha schlug die Decken und Laken zurück, und schob ihre Beine aus dem Bett. Sie saß so eine Weile da, während sie zu frösteln begann, denn sie trug nur ihr dünnes, seidenes Unterkleid, und dann nickte sie entschlossen. Sie wollte dabei sein, sie wollte zusehen. "Ich komme mit..." erwiderte sie mit fester Stimme. "Sehr schön, allerdings wird das mit Sicherheit kein schöner Anblick." gab er ihr zu bedenken. Kesha vernahm diese Worte und sie blickte ihm in sein Gesicht, welches sie von Anfang an fasziniert hatte. Könnte sie es besser treffen? Da war dieser gutaussehende Mann, und er begehrte sie, ja, er sagte, dass er sie liebte... Es könnte perfekt sein, wenn nicht alles so seltsam gelaufen wäre. Sie hätte ihm nie diese Zweifel ins Herz säen sollen, nachdem sie in der Eiswüste miteinander das Lager geteilt hatten. Sie hätte den Mund halten sollen... Und sie hätte aus Trotz nicht mit Tarush das Lager teilen sollen. Doch sie wusste ja nicht, welche Feindschaft Tarush und Levan miteinander verband, und sie hätte auch nie geahnt, dass Kewan genau dann bei ihr erscheinen würde, wenn Tarush bei ihr war. Als hätte er es gerochen... Sie hätte überhaupt nicht mehr damit gerechnet, dass er noch bei ihr auftauchen würde... Nach der Rückkehr waren sie beide schweigsam gewesen, so, als hätte diese Nacht ihre beginnende Freundschaft im Keim erstickt. Dabei hatte es so nett begonnen. Die letzten drei Tage bei Kewan vermittelten ihr ein gänzlich anderes Bild von ihm, als sie immer wieder von den anderen Bewohnern Norr Bharraks vermittelt wurde. Kewan war ganz anders, als K'eyshu...

Kesha zog sich an, während Kewan bereits fertig war, und auf sie wartete. Er bot ihr mit einem spitzbübischen Grinsen seinen Arm an, und sie schmunzelte, und hakte sich bei ihm unter. Es war noch recht früh, und kaum jemand war vor dem Häusern, oder auf den Wegen unterwegs, und wenn, nahm niemand Notiz von ihnen. Zielstrebig schlenderten sie zu dem Haus, welches Kesha hergerichtet hatte, mit Tarushs Hilfe, und welches jetzt nur mehr von Levan bewohnt wurde. Was er wohl die letzten Tage gemacht hatte? Ob er nach ihr gesucht hatte? Ob er seine Taten bereut hatte? Aber spielte das noch eine Rolle? Ein entschlossener und gezielter Tritt zerschmetterte den Riegel, welcher hinter die Türe gelegt war, und die Türe schwang auf. Kesha zuckte für einen Moment zusammen, und blickte sich um, ob es auch niemand bemerkt hatte, aber als nichts davon zeugte, wandte sie sich wieder um und sie und Kewan betraten das Haus. Levan lag da, und schnarchte. Kewan warf ihr bedeutungsvolle Blicke zu und grinste dabei, und auch sie lächelte verlegen. Erst nach einer groben Behandlung fruchteten die mehreren erfolglosen Versuche, Levan zu wecken, und er fuhr mit einem Schrei von seinem provisorischen Felllager hoch. "Guten Morgen, Levan..." begann Kewan, und Kesha hielt sich ein wenig im Hintergrund. "Es tut mir aufrichtig leid um euren schönen Finger, doch ihr wolltet nicht aufwachen und die Nachbarn hatten sich schon beschwert wegen eurem Geschnarche und das wollen wir doch nicht, oder?" fuhr er fort, und Levan vernahm diese Worte mit sichtlicher Verwirrung. Da bemerkte er Kesha, welche hinter Kewan stand, und seine Augen weiteten sich, doch nur für einen kurzen Moment, und ehe er den Mund aufmachen konnte, um etwas zu erwidern, schnellte Kewans Faust nach vor, und traf ihn mitten im Gesicht, so dass er ohnmächtig zusammensackte. Kewan holte einen hölzernen Eimer, welcher in der Nähe der Feuerstelle stand, in welchem das Feuer nur mehr schwach loderte. "Hol bitte Schnee..." forderte er sie auf. Kesha ergriff ein wenig verwundert den Eimer, und nickte, ohne seine Bitte in Frage zu stellen. Vor dem Haus grub sie ihre Hände in den hohen Schnee und füllte den Eimer damit, und sie presste den Schnee der sich bereits darin befand, zusammen, bis der Eimer voll war, mit festgestampften Schnee. Damit ging sie wieder ins Haus und stellte nach Kewans Aufforderung den Eimer an die Feuerstelle. Sie ließ ihre Blicke zu Levan gleiten, welcher an dem hölzernen Stamm gefesselt war, welche den Trägerbalken des Hauses stützte. Er war nackt, und Kesha fragte sich für einen Moment, ob Kewan ihn ausgezogen, oder ob er nackt geschlafen hatte. "Und sowas hast du mir vorgezogen?" fragte er sie, mit einem Kopfnicken auf Levan, und ein wenig entrüstet, und Kesha errötete. "Er war nicht immer so..." versuchte sie sich rechtzufertigen, doch dann schwieg sie, weil sie nicht recht wusste, was sie darauf entgegnen sollte. Nach einer kurzen Weile war der Schnee darin geschmolzen, und Kewan ergriff den Eimer und schüttete das geschmolzene Eiswasser in Levans Gesicht. Dieser eiskalte Schock ließ ihn keuchend und schreiend aus seiner Ohnmacht zurückkehren. Wo bin ich?" fuhr er erschrocken auf und zerrte an seinen Fesseln, und versuchte, sich zu befreien. ""In deiner Hütte, Levan! Erkennst du sie nicht? Ich bin übrigens K'eyshu. Vielleicht hast du ja schon von mir gehört?!" Levan knurrte wütend, und wollte etwas entgegnen, doch Kewan schnitt ihm mit ruhigem Ton, in welchem ein drohender unterschwang, die Worte ab. "Ich glaube, andere sind jetzt an der Reihe!" erwiderte er barsch, und richtete, gleichermaßen wie Levan, den Blick auf Kesha. Er trat einen Schritt zurück, und Kesha fiel es schwer, Levan ins Gesicht zu sehen. Er wirkte jämmerlich, wie er da hing, mit blutig geschlagener Nase. Als Kesha nichts entgegnete, wandte er sich, windend, ihr zu. "Verdammt! Was soll das, Kesha? Was hast du ihm dafür gegeben, oder versprochen, dass er deinen Beschützer spielt?" Kesha verengte ihre Augen zu Schlitzen. "Das geht dich nichts an, sieh mich lieber an, was du mit mir gemacht hast..." "Und du hast es verdient..." erwiderte Levan kalt. "Oh, wie hab ich dich geliebt, Kesha, aber das ist vorbei, endlich hast du mir die Augen geöffnet... Ich will gar nicht wissen, was du immer getan hast, als ich auf viele Monde lang auf Handelsreisen war..." "Ich habe dich immer gebeten, mich nicht so oft alleine zu lassen, oder mich mitzunehmen, aber davon wolltest du nichts hören..." hielt sie ihm entgegen. "Ja, denn solche Reisen sind nichts für Frauen... Also liege ich mit meiner Vermutung richtig, nicht wahr, denn du hast nichts Gegenteiliges erwidert?" Kesha funkelte ihn an "Und wie..." Was gab es jetzt noch zu verlieren...? "Wenn ich das gewusst hätte, was du während meiner Abwesenheit so treibst..." schüttelte er ungläubig den Kopf, und er schnaufte ein wenig, er schien durch die Nase etwas weniger Luft zu bekommen, wie er sich so aufregte. "Dann habe ich Recht gehandelt. Und ich würde es jederzeit wieder tun..." erwiderte er abfällig. Kewan trat einen Schritt nach vor. "Weißt du wie du mich anwiderst, Levan? Weil man so etwas mit einer Frau nicht macht, mein Lieber! Ganz gleich, was sie getan hat." Kesha warf einen bedeutungsvollen Blick auf Kewan. "Du hast überhaupt keine Ahnung, du Narr!" schrie Levan. "Ich habe ihr mein Leben geopfert! Ich war immer gut zu ihr, ich habe ihr alles gegeben, was sie wollte, und mehr noch, als das! Ich habe sie geliebt, und ich war immer für sie da, ich habe ihr lesen, schreiben und rechnen beigebracht, ich habe sie dabei unterstützt, aus ihrem Leben etwas zu machen, und wie dankt es mir die [18]Schlampe[/18]? In dem sie mich betrügt! Sie hat nur bekommen, was sie verdient, damit sie sich wieder einmal bewusst wird, wo ihr Platz ist!" "Sicherlich hast du auch gelitten, als du erfahren hast, was geschehen war und ich weiß ja nicht, wie du das siehst, interessiert mich auch eigentlich einen Scheiß, aber das was du getan hast ist keine angemessene Strafe. Außerdem kann ich dich nicht leiden." entgegnete Kewan ruhig. "Und wie mich das erst einen Scheiß interessiert, ob du mich leiden kannst! Und was immer Kesha dir versprochen hat, dass du hier her kommst und mich bluten lässt, interessiert mich auch nicht! Geh, und nimm die dumme [18]Schlampe[/18] von mir aus mit, behalt sie dir! Aber denk an meine Worte! Sie wird dir bald überdrüssig werden! Wenn du ihr nichts bieten kannst, wird sie so schnell aus deinem Leben verschwunden sein, wie sie hineingetreten ist!" schrie er Kewan entgegen. Kewan ballte die Faust und schlug Levan mehrmals in den Bauch, dass Levan aufstöhnte."Du hättest mehr auf deinen Körper achten sollen..." meinte Kewan spöttisch, und Kesha pflichtete ihm stumm bei. Kewan prügelte weiter auf ihn ein und schließlich griff er an seinen Gürtel, wo sein Messer hing. Keshas Augen blitzten auf, als sie das sah. Nun war sein Ende gekommen... Levan verfolgte Kewans Handbewegungen mit seinen Augen, und als er das Messer in dessen Hand erblickte, weiteten sich seine Augen vor Schreck. "Nein! Bitte! Bitte! Es tut mir so leid!" rief er und er bebte am ganzen Körper. "Mir auch..." erwiderte Kewan trocken [18]und stieß ihm das Messer bis zum Heft in den Oberschenkel, welches dieser mit lautem Geschrei quittierte. Als Kewan das Messer in der Wunde umdrehte, schrie und heulte er noch mehr auf. Kewan zog ein Holzscheit aus dem Feuer der Feuerstelle, und begann Levan damit zu foltern. Die Folter erreichte ihren Höhepunkt, als er ihm das glühende Holzscheit hinten hineinschob. Kesha zuckte zusammen, als Levan aufschrie. Eigentlich hatte er genug bekommen, so fand sie. Doch sie fand auch keine Worte, Kewan dies zu sagen. "Ist das gut, ja? Hast du deiner Frau etwas Gutes damit getan?" schrie er ihn an. "Nein..." presste Levan mit erstickter und schmerzerfüllter Stimme hervor. Ein leises Plätschern ertönte, und Kesha bemerkte, dass Levan sich bepisst hatte. Ob vor Schmerz, oder vor Angst, war schwer zu sagen. Nun tat er ihr doch leid. Sie war im Begriff, Kewan einhaltend die Hand auf den Arm zu legen, doch da hatte er sein Messer gezückt, und Levan mit einer entschlossenen Geste sein Gemächt abgeschnitten. Levan schrie gellend auf, während das Blut stoßweise herausschwappte. "Denk... an... meine... Worte... K'eyshu..." presste er leise hervor und stöhnte auf unsagbaren Schmerzen. Nun wandte sich Kesha ab, denn das war mehr, als sie zu sehen ertrug. Damit es nicht so aussah, als würde sie den Anblick ihres Ehemannes nicht ertragen, ging sie zum Tisch, wo ihre Tasche lag. Sie öffnete sie, und bemerkte zufrieden, dass sich ihre restlichen Schmuckstücke noch darin befanden. Als sie sich wieder zu Kewan und Levan umwandte, starrte Levan aus leeren Augen in den Raum. Beinahe anklagend blickte er aus seinen toten, glasigen Augen auf Kesha, und sie widerum blickte Kewan an. Er hatte es tatsächlich getan. Levan war tot.[/18]

Nie hätte sie gedacht, dass er es wirklich tun würde. Ihm ein paar Schläge verpassen, ja, aber dass er ihn wirklich umbringen würde, damit hatte sie nicht gerechnet. Irgendwie fehlten ihr die Worte. Ein 'Danke' war genauso unangebracht, wie ein Vorwurf, oder eine Totenandacht. Sie räusperte sich, [18]während sie auf die beachtliche, dunkel-glänzende Blutlache starrte, die sich um den Toten gebildet hatte.[/18] Es war totenstill in dem Haus. Sie hörte weder Kewan atmen, noch sich, noch hörte sie das leise Knacken des verglimmenden Holzes in der Feuerstelle "Komm, lass uns gehen..." flüsterte sie, und berührte Kewan am Arm. "Gehen wir nach Hause..." Sie schalt sich eine Närrin, bei diesen Worten. Es war doch sein Zuhause, nicht ihres... Oder war es jetzt auch ihres? Hatte Levans Tod sie beide einander näher gebracht, egal, ob aus freien Stücken, oder gezwungermaßen...? Er nickte, legte ihr seine Hand in den Rücken, und schob sie aus dem Haus. Schweigend und ein wenig nachdenklich, zumindest traf dies auf Kesha zu, gingen sie zurück zu Kewans Haus. Abartigerweise verspürte sie Hunger, und auch Durst. In Kewans Haus angekommen, nahm sie eine bescheidene Mahlzeit zu sich. Kesha schwieg, denn sie wusste nicht wirklich, was sie sagen sollte. Schließlich erhob sie sich, legte sich in Kewans Bett, vergrub sich unter den Laken und starrte an die Decke. Sie versuchte zu ergründen, ob Levans Tod wirklich und wahrhaftig ihr Wille war. Doch in Wahrheit wollte sie es nicht herausfinden. Sie wollte nicht darüber nachdenken. Sie wusste, dass sie Kewan dazu benutzt hatte, und dass er ihr Werkzeug gewesen war. Und auch aus diesem Grund wollte sie nicht darüber nachdenken. Was, wenn sie eines Tages erwachte, und ihm die Schuld an seinem Tod geben würde? So tat sie, was sie immer tat, wenn es Probleme gab, sie schob sie in die hinterste Ecke ihres Bewusstseins, und versuchte, dieses zu verdrängen, und einfach nicht mehr daran zu denken. So war sie einfach. Kesha fragte sich, wie lange es wohl dauern würde, bis man Levan finden würde. Und wenn man ihn finden würde, ob der Verdacht sofort auf Kesha und Kewan fallen würde, und was dann passieren würde. Nach einer Weile begann sie zu sprechen.

"Du fragtest mich, warum ich ihn dir vorgezogen habe... Lass mich dir etwas erzählen, vielleicht verstehst du es dann... Als ich Levan kennenlernte, war ich sechzehn. Ich war ihm auf dem Markt in Irukhan, meiner Heimat Arcanis begegnet. Er fiel mir gleich auf. Auch, wenn es dir jetzt vielleicht unbegreiflich erscheint, aber er war ein gutaussehender junger Mann. Er war vier Jahre älter als ich, und seine Selbständigkeit und seine Freundlichkeit hatte mich damals tief beeindruckt. Er war immer gut und gütig, während die anderen Händler Bettler und arme Leute mit einem Knüppel, Stock, oder gar einer Peitsche fortgejagt haben, hatte er stets eine offene Hand, auch, wenn er es heimlich tat, weil sein Vater ihn sonst schalt, weil es nicht üblich ist, und nicht gar geschäftsschädigend . Als ich ihn kennenlernte, hatte ein ärmlicher Mann bei seinem Karren etwas gestohlen. Ich hatte zuerst den Bettler beobachtet, und danach ihn. Levan hatte es natürlich bemerkt, doch er tat so, als hätte er es nicht bemerkt. Das hatte mich tief berührt. Als ich an seinem Stand vorbeiging, hat er ein Gespräch mit mir begonnen, und ich mochte ihn sofort. Wir haben uns ein paar Mal getroffen, und irgendwie war es Liebe auf den ersten Blick. Er verlängerte seinen Aufenthalt in Irukhan um ein paar Wochen, und dann ging er zu meinen Eltern, um bei ihnen um meine Hand anzuhalten. Sie lehnten natürlich ab, weil er kein Arcanier war. Und dann bin ich von zu Hause weggelaufen und bin mit ihm mitgegangen. Wir haben bald geheiratet und waren sehr glücklich. Unser Glück hätte eigentlich nur ein Kind noch perfektionieren können, doch über all die Jahre stellte sich dieser, mein sehnlichster Wunsch nicht ein. Levans Vater starb und plötzlich standen wir mit nichts da, da sich dadurch die meisten Handelsbeziehungen in Luft auflösten. Wir gingen schließlich nach Rômachar, und bauten uns aus dem Nichts alles wieder auf. Wir lebten gut, aber Levan war immer öfter auf Handelsreisen. Ich war oft viele Monde alleine, und einsam. Durch den Reichtum hat er sich auch gehen lassen, sein Äußeres veränderte sich, für sein schütteres Haar konnte er ja nichts, das kann jedem Mann passieren. Ja, dass er dick wurde, das hat er sich selbst zuzuschreiben... Ich habe resigniert und mich auch sehr stark verändert, und mich von ihm zurückgezogen. Vielleicht hätte ich mit ihm reden sollen, anstatt mich zurück zu ziehen. Eines Abends bin ich, weil ich es vor Langeweile und Einsamkeit nicht mehr aushielt, in die Stadt gegangen, was für eine Frau schon sehr ungewöhnlich war. Ich lernte dort einen Mann kennen, wir haben getrunken, und dann ist es einfach passiert. Und dann ist es immer öfters passiert. Heute weiß ich, dass das ein großer Fehler war. Er war immer gut zu mir, und gut zu anderen. Selten, bis nie hat er ein böses Wort irgendjemandem gegenüber verloren. Dass er nun so den Verstand verloren hatte, ist bedeutungsvoll... Und nun habe ich alles verloren... meine Heimat, mein Leben, Levan... All das ist unwiderbringlich weg, ich kann es nie mehr zurück bekommen... Und ich frage mich, ob es das alles wert war, nur für eine dämliche Wette und Ansehen und Respekt von einem Haufen von..." Ihre Stimme brach, und sie begann bitterlich zu weinen...
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Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Do, 29. Aug 2013 2:19

[18]Levan war tot. Kraftlos hing der leblose Körper in den Fesseln, die ihn davor bewahrten zu Boden zu stürzen. Stumm betrachtete Kewan das sadistische Bild, dass sich ihm bot. Stoßweise war das Blut aus dm lächerichen Stumpf hervor gequollen und hatte eine eindrucksvoll Blutlache zu den Füßen des Toten gebildet. Lange hing des Jägers Blick auf dem tiefen Rot, dass im Feuerschein vereinzelte Reflektionen zeigte und ihn irgendwie in seinen Bann zog. Es war sein Werk. Er hatte es wirklich getan[/18]. Ein weiteres Mal. Ein Leben genommen. Nichts beschäftigte Kewan in diesem eigenartigen Moment, den einzuschätzen er nicht vermochte. Sogar Keshas Blick mied er. Was sollte sie schon erwidern? Sollte sie sich etwa bedanken? Des Toten gedenken? Jener Gedanke brachte den Jäger zum schmunzeln, war in dieser Situation womöglich alles andere als angebracht war, doch es kümmerte Kewan nur wenig. Bilder schossen an seinem geistigen Auge vorbei. Bilder des Kampfes zwischen ihm und dem Mörder seines Vaters. Damals hatte es ihm ein seltsames Empfinden von Stärke und Macht, vielleicht sogar Gerechtigkeit gegeben. Doch jetzt? In diesem Augenblick unterdrückte er Reue. Er hatte jenen Mann nicht gekannt, wollte ihn auch ehrlich gesagt nicht kennenlernen. Auch wusste er nicht einmal, ob Keshas Worte der Wahrheit entsprochen hatten! Hatte sie ihn grundlos auf ihren Mann gehetzt, nur weil sie ihm lästig wurde? Hatte er einen Unschuldigen aus Blindheit vor allerlei Gefühlen ermordet? Würde sie das selbe mit ihm tun? -
Viele Fragen schossen Kewan durch den Kopf und plötzlich umfasste die Angst sein Herz. Was würde nun passieren? Der Jäger wagte kaum zu fragen, kam den Blick auf die Frau zu werfen, die sein Leben so grundlegend verändert hatte. Diese Veränderung war so tiefgreifend gewesen, dass sie ihm beinahe nicht einmal mehr geheuer war. Nichts war wie zuvor geblieben. In allem steckte der Keim der veränderung und Kewan war unschlüssig, ob er all das so gewollt hatte. Selbst für Kesha, die es anscheinend vermochte ihn über jegliche gesellschaftliche und moralische grenzen hinweg zu taten anzutreiben, dass er sich von sich selbst entfremdete. Kalt war jene Angst. Ein Gefühl, dass sich nicht nur in sein Herz fraß, sondern auch seine Gedanken trübte udn den Körper lähmte. Levans glasige Augen waren auf ihn gerichtet und wirkten in siesem Moment so klagend, so voller Hass, dass Kewan dem blick des Toten nicht einmal standhielt.
Wie jämmerlich, dachte er von sich selbst. Niemals wieder würde er so eine Person töten. Ein Kampf, das wäre eine andere, ehrenhaftere Angelegenheit, doch so? Es fühlte sich einfach falsch an und für einen Moment spielte Kewan gar mit dem Gedanken sich selbst vor dem Tribunal, dem Rat zu stellen und richten zu lassen. Allerdings verwarf er diese Gedanken schnell wieder, frohlockte doch die Frau aus dem Süden, die seinen Gesit so zu Gänze verzaubert hielt. Trotz all ihrem Zauber brachte es der Jäger nicht übers Herz ihre Blicke zu verbinden. Die Furcht etwas zu sehen, was er nicht sehen wollte war zu allgegenwärtig, zu stark. Die herrschende Stille ließ seine Gedanken lauter und somit gleichwohl eindringlicher wirken als regulär. Nichts schien sich zu rühren. Der Strom von Blut verebbte schließlich gänzlich und mit ihm die letzte Bewegung abgesehen der lodernden Flammen. Doch nicht einmal sie vermochten es ein Geräusch zu erzeugen, dass bis zu ihm durchdringen sollte. So verharrten sie, Minuten verstrichen, Kälte drang zu ihnen hindurch.
"Komm, lass uns gehen...", ertönte ein Flüstern von der Seite, was definitv Kesha zuzuordnen war. Sie berührte seinen Arm und ließ ihn erschaudern. Kewan wusste nicht aus welchem Grund, doch es passierte einfach. Er konnte sich nicht dagegen wehren, wenngleich er es sofort bereute.
"Gehen wir nach Hause..."
Zu erst war der Jäger nicht imstande zu reagieren. Die Situation hielt ihn in ihrem Griff gefangen und lähmte ihn. Es dauerte seine Zeit, bis er sich befreite und seine Augen auf Kesha richtete. Ihren Gesichtsausdruck zu deuten wagte er nicht. Zu unsicher kamen ihm ihre Züge vor, die noch immer von einer brutalen Misshandlung zeugten. Vor der Tat ncoh unerschütterlich davon überzeugt davon, dass Levan der Täter war, so kamen in diesem Augenblick die leisen Zweifel auf. Doch was dachte Kewan da? Er hatte doch gehört wie Levan im Angesicht der Gefahr mit ihm und seiner Frau umgesprungen war. Seine Worte, seine Augen... sie sprachen doch alle die selbe Sprache, zu Mindest dachte das Kewan, was ihn ein wenig beruhigte. Ein Blitz durchzuckte seinen Körper und plötzlich schien seine Versteinerung verflogen als er seine Hand auf Keshas Rücken legte und sie sanft zur Tür bewegte. Das Wetter war klar, keine Wolke verdunkelte den blauen Himmel der sich von seiner schönsten Seite zeigte. Groß und mächtig zeigte sich die Sonne am Himmelszelt und sandte ihre Strahlen zu ihnen herab, was die Umgebung in eine beinahe unerträgliche Helligkeit stürzte. Der Schnee bemächtigte sich ihrer und reflektierte sie in alle Richtungen und raubte einem unvorsichtigen Passanten sofort die Sicht. Wärem allerdings, das ließ die Sonne vermissen und so war es die Kälte, die hier Einzug hielt. Wie sollte es auch anders sein in der Eiswüste, an dem Ort an dem die Natur kalt und die Herzen der Menschen warm galten. Müde lächelte der Jäger, wärend seine und Keshas Füße knirschend den Heimweg fanden. Kein Wort wechselten sie. Kein Wort gab es zu sagen. Die Situation war zu makaber um sie auch nur ansatzweise mit Worte ins positive lenken zu können. Kewans Haustür fiel ins Schloss. Verwundert verfolgte er Kesha und ihren Drang zu speisen. Er selber würdemit Mühe und Not sein karges Mal herunter, denn zum essen war dem Jäger nicht zu Mute. Zu viele Gedanken schwirrten in seinem Kopf herum, die ihn davon abhielten auf seinen Körper zu hören. Von der anfänglichen Euphorie war nicht mehr viel geblieben. Wehmütig dachte er an die frühen Morgenstunden zurück, in denen er voller Elan mit Kesha das Haus Richtung Levan verlassen hatte... um sein Leben zu beenden. Sie hatte ihn benutzt, das wusste Kewan und doch war er ihrer Bitte gefolgt. Ihrem Wunsch. Nur aus dem Grund um sie für sich zu gewinnen. Doch war es das wert? Langsam glitt sein Blick hinüber zu seinem Bett. Kesha hatte sich dort niedergelassen und starrte bedächtig an die Decke. Sie war es wert. Ihre Schönheit war offenkundig und alles in ihm begehrte sie bis aufs Äußerste. Doch auch etwas anderes regte sich in ihm. War es Angst? Angst wie er es bereits zuvor in Levans Hütte verpürt hatte? Kewan wusste es nicht. Doch etwas hatte dem empfindlichen Gefüge des blinden Begehrens einen Sprung verpasst, der die reine Oberfläche trübte. Zu gerne hätte er in diesem Augenblick gewusst, was in ihrem Kopf vorging. Ob sie die Situation so wirklcih gewollt hatte? Immrhin hatte sie ihm beteuert, dass sie diesen Mann einst wahrhaft liebte. Zu ihm hatte sie das noch nicht gesagt. Womögich angedeutet, womöglich aber auch das Gegenteil. Was in ihr vorging, dass wussten lediglich die Götter und sie selber. Andächtig ließ der Jäger den Blick wieder sinken und seufzte kaum hörbar. Es viel ihm schwer die Stimme zu erheben. Er hatte getan was Kesha verlangt hatte, er hatte ihren Wunsch erfüllt. Es war an ihr zu entscheiden was folgen sollte.
"Du fragtest mich, warum ich ihn dir vorgezogen habe... Lass mich dir etwas erzählen, vielleicht verstehst du es dann... Als ich Levan kennenlernte, war ich sechzehn. Ich war ihm auf dem Markt in Irukhan, meiner Heimat Arcanis begegnet. Er fiel mir gleich auf. Auch, wenn es dir jetzt vielleicht unbegreiflich erscheint, aber er war ein gutaussehender junger Mann. Er war vier Jahre älter als ich, und seine Selbständigkeit und seine Freundlichkeit hatte mich damals tief beeindruckt. Er war immer gut und gütig, während die anderen Händler Bettler und arme Leute mit einem Knüppel, Stock, oder gar einer Peitsche fortgejagt haben, hatte er stets eine offene Hand, auch, wenn er es heimlich tat, weil sein Vater ihn sonst schalt, weil es nicht üblich ist, und nicht gar geschäftsschädigend . Als ich ihn kennenlernte, hatte ein ärmlicher Mann bei seinem Karren etwas gestohlen. Ich hatte zuerst den Bettler beobachtet, und danach ihn. Levan hatte es natürlich bemerkt, doch er tat so, als hätte er es nicht bemerkt. Das hatte mich tief berührt. Als ich an seinem Stand vorbeiging, hat er ein Gespräch mit mir begonnen, und ich mochte ihn sofort. Wir haben uns ein paar Mal getroffen, und irgendwie war es Liebe auf den ersten Blick. Er verlängerte seinen Aufenthalt in Irukhan um ein paar Wochen, und dann ging er zu meinen Eltern, um bei ihnen um meine Hand anzuhalten. Sie lehnten natürlich ab, weil er kein Arcanier war. Und dann bin ich von zu Hause weggelaufen und bin mit ihm mitgegangen. Wir haben bald geheiratet und waren sehr glücklich. Unser Glück hätte eigentlich nur ein Kind noch perfektionieren können, doch über all die Jahre stellte sich dieser, mein sehnlichster Wunsch nicht ein. Levans Vater starb und plötzlich standen wir mit nichts da, da sich dadurch die meisten Handelsbeziehungen in Luft auflösten. Wir gingen schließlich nach Rômachar, und bauten uns aus dem Nichts alles wieder auf. Wir lebten gut, aber Levan war immer öfter auf Handelsreisen. Ich war oft viele Monde alleine, und einsam. Durch den Reichtum hat er sich auch gehen lassen, sein Äußeres veränderte sich, für sein schütteres Haar konnte er ja nichts, das kann jedem Mann passieren. Ja, dass er dick wurde, das hat er sich selbst zuzuschreiben... Ich habe resigniert und mich auch sehr stark verändert, und mich von ihm zurückgezogen. Vielleicht hätte ich mit ihm reden sollen, anstatt mich zurück zu ziehen. Eines Abends bin ich, weil ich es vor Langeweile und Einsamkeit nicht mehr aushielt, in die Stadt gegangen, was für eine Frau schon sehr ungewöhnlich war. Ich lernte dort einen Mann kennen, wir haben getrunken, und dann ist es einfach passiert. Und dann ist es immer öfters passiert. Heute weiß ich, dass das ein großer Fehler war. Er war immer gut zu mir, und gut zu anderen. Selten, bis nie hat er ein böses Wort irgendjemandem gegenüber verloren. Dass er nun so den Verstand verloren hatte, ist bedeutungsvoll... Und nun habe ich alles verloren... meine Heimat, mein Leben, Levan... All das ist unwiderbringlich weg, ich kann es nie mehr zurück bekommen... Und ich frage mich, ob es das alles wert war, nur für eine dämliche Wette und Ansehen und Respekt von einem Haufen von..."
Kesha erzählte ihm die ganze Geschichte. Eindrucksvoll gestand sie ihm ihre Vergangenheit bis ihre Stimme brach und in bitterliches Weinen ausbrach. Kewan schwieg zuerst. Den Blick in das prasselnde Feuer gerichtet, dass in der Mitte des Raumes loderte udn vor dem er Platz genommen hatte. Abwesend stocherte er mit einem Stock darin herum und dachte über ihre Worte nach. Ihr Schicksal war wirklcih bedauerlich und es tat ihm unglaublich Leid für sie. Er kannte das Gefühl alles zu verlieren. Bereits zweimal in seinem Leben hatte er dies verspürt und ihm gleichwohl wieder zurück auf die rechte Spur verholfen. Der Stock mit dem der Jäger in den Flammen stocherte brach an den Verberennugen und neben dem Prasseln der Flammen vernahm er lediglich das leise Schluchzen von Kesha. Kewan buchsierte auch den letzten Rest des kleinen Stabes in die Glut und erhob sich. Langsam bewegte er sich auf die Frau zu, die in seinem Bett den Tränen erlegen war und ihre Trauer und ihre Angst einfach herausheulte. Die bot einen jämmerlichen Anblick, doch weckte in dem Jäger unheimliches Mitleid. Wortlos schlüpfte er zu ihr unter die Decke und hielt sie im Arm, gab ihr einfach Halt. Geduldig wartete er bis das Schluchzen verebbte und sie sich wieder ein wenig beruhgt hatte, ehe er die Stimme erhob.
"Weißt du, Kesha, Dinge zu verlieren ist nie leicht im Leben. Jeder von uns hat Verlsute hinnehmen müssen. Manche mehr und manche eben weniger. Auch mir erging es so, doch so schwer einem das auch erscheinen mag, man muss loslassen. Die Vergangenheit aus den Köpfen kriegen und in die Zukunft blicken. Das wird zeit brauchen, natürlich, doch die haben wir. Ich werde da sein, wenn du mich brauchst, doch bedenke immer, dass noch eine größere Zukunft als Vergangenheit vor dir liegt und vergiss die Trauer."
Kewans Stimme war warm, jerzlich und aufmunterd zugleich gewesen. Mit der Rechten streichelte er behutsam über ihre Schulter und seine Lippen waren nahe an ihrm Ohr, sodass er sanft zu ihr sprechen konnte. Bewusst ließ er seine Vergangheit aus dem Spiel. Zum einen hasste er es generell darüber ein Wort z verlieren und zum anderen hatte sich noch nie jemand für sie interessiert... warum dann Kesha, die darüber hinaus mit eigenen Sorgen zu kämpfen hatte. Doch was er versuchte ihr zuteil werden zu lassen, war die Kraft, die er aus Annuun damals gewonnen hatte. Er gab ihr einfach den Halt, der ihm damals zu Teil geworden war und machte Kesha Mut für die Zukunft.
"Ich bin immer da, Kesha. Wenn du etwas auf dem Herzen hast, oder Verständnis suchst, dann scheue dich nicht mit mir zu reden."
Liebevoll küsste er sie auf die Stirn und verharrte einfach. Ihre Augen verrieten wie sehr sie mit sich und ihrer Vergangenheit kämpfte und Kewan kannte das Gefühl nur zu genau, auch wenn er es lieber vergessen hätte. Kesha würde Zeit brauchen, doch dann würde ihrer gemeinsamen Zukunft nichts mehr im Wege stehen... So hoffte er zu Mindest.

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Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Do, 29. Aug 2013 14:01

Kesha fühlte sich entsetzlich, und gab sich all den Tränen hin, die sie in den letzten Jahren nicht geweint hatte. Sie hatte das Gefühl, als wäre ihr Leben die letzten Wochen völlig entgleist, und sie verspürte nur den Wunsch, alles ungeschehen machen zu können, was vorgefallen war. Was würde dann anders sein? Sie hätte dann noch ihr Leben in Rômachar, und vermutlich würde sie unzufrieden damit sein, wie in all den vergangenen Jahren. War es das, was sie wollte, ein unzufriedenes, aber intaktes Leben? Nein, das war ebenso wenig ihr Begehr, wie dieses Chaos, welches über sie herein gebrochen war. In diesem Moment wünschte sie sich nur Halt, und Sicherheit, und Geborgenheit, und dass sie all die entsetzlichen Bilder wieder aus ihrem Kopf vertreiben könnte. Kewan trat an sie heran, und kroch zu ihr unter die Bettdecke. Er zog sie an sich heran und hielt sie einfach nur im Arm, was Kesha unsagbar gut tat. Sie versuchte, all ihre Aufmerksamkeit auf diesen einen Mann zu projezieren. Es war alles so schnell passiert, dass sie nicht zu sagen vermochte, wie sie zu ihm stand, wie sie für ihn empfand. Sie hatte nie auf das Gerede anderer Menschen etwas gegeben. Doch Anias Worte schwangen immer noch in ihrem Kopf hin und her. Dass er es nicht Wert war, dass er ein Arschloch war. Er begann zu sprechen "Weißt du, Kesha, Dinge zu verlieren ist nie leicht im Leben. Jeder von uns hat Verluste hinnehmen müssen. Manche mehr und manche eben weniger. Auch mir erging es so, doch so schwer einem das auch erscheinen mag, man muss loslassen. Die Vergangenheit aus den Köpfen kriegen und in die Zukunft blicken. Das wird Zeit brauchen, natürlich, doch die haben wir. Ich werde da sein, wenn du mich brauchst, doch bedenke immer, dass noch eine größere Zukunft als Vergangenheit vor dir liegt und du solltest die Trauer vergessen." Leere Worte für Kesha. Sie wusste weder irgendetwas von seinem Leben, oder aus seiner Vergangenheit, aber immerhin wusste sie, dass sie ihn brauchte. Sie brauchte ihn zum überleben, ohne ihn könnte sie sich gleich in die Wildnis setzen und auf einen gnädigen Erfrierungstod warten. Es war ihr zuwider, dass ihre Erwartungen und Bedürfnisse derart nieder waren, doch was sollte sie machen? Ihr war keine Zeit geschenkt worden, um herauszufinden, was sie wollte, ob er nur ein Strohfeuer war, oder eine einmalige Eroberung, oder ob da mehr zwischen ihnen war. Dazu hätten sie mehr Zeit miteinander verbringen müssen. Doch das hatten sie nicht, und nun war es so, wie es nun einmal geschehen war. Sie fühlte seine Hand, die ihm über ihre Schulter streichelte, und seine Lippen waren so nahe an ihrem Ohr, dass sie dieses kitzelten, wenn er zu ihr sprach, und sein warmer Atem bescherte ihr wohlige Schauer. "Ich bin immer da, Kesha. Wenn du etwas auf dem Herzen hast, oder Verständnis suchst, dann scheue dich nicht mit mir zu reden." Er beugte sich über sie, und küsste sie sanft auf die Stirn. Sie war unfähig, etwas zu sagen, doch sie nickte im Geiste stumm und dankbar. Dies waren die Worte eines Mannes, vor dem Ania sie so dringend warnte? Sie wusste, sie sollte ihm irgendetwas sagen, irgendetwas, das ihm versicherte, dass die begangene Tat nicht umsonst gewesen war. Sie hatte ihm doch schließlich süße Versprechungen gegeben. Er hatte getan, was sie von ihm gefordert hatte, und nun stand ihm sein Lohn zu. Doch warum fiel es ihr so schwer?

So lagen sie eine Weile eng aneinander geschmiegt, und allmählich beruhigte sich ihr Gemüt. Sein warmer Atem streifte immer noch ihre Haut, und sie fühlte sich mit einem Mal unwiderstehlich zu ihm hingezogen. Sie wandte den Kopf zu ihm, und ihre Lippen befanden sich ganz nah voreinander, so dass es für Kesha ein leichtes war, ihre Lippen auf die seinen zu drücken Sie fühlten sich gänzlich anders an, als in der Eiswüste, nicht mehr so rau und trocken, aber sein Geruch, welchen er verströmte, war immer noch derselbe, und er fühlte sich vertraut an. Sie ergriff seine Hand, während sich ihre Lippen gegenseitig liebkosten, und grub ihre Finger zwischen die seinen, und als sich ihre Zungen fanden, und umspielten, da drückte sich Kesha noch enger an ihr heran. Dieser Kuss war anders, als ihr erster Kuss, und gänzlich anders, als jener, mit welchem sie ihn für ihren grauenhaften Plan gewinnen wollte, als sie ihn bat, Levan umzubringen. Dieser war gleichermaßen vertraut, wie auch aufregend neu, und Kesha wollte nichts anderes, als den Moment zu genießen, während sie fühlte, sie ihre Sinne verrückt spielten. Doch der Leichnam von Levan war noch nicht einmal erkaltet, und erstarrt, und schon lag sie in den Armen eines anderen Mannes. So sehr Kesha sich auch versuchte, einzureden, wie richtig dieser Kuss war, es gelang ihr nicht. Es war falsch. Sie löste sich von Kewans Lippen, und blickte ihn im warmen Feuerschein eindringlich an. Sie fuhr mit dem Finger sachte seine Narbe entlang, die unter dem Auge ihren Ursprung hatte, und versuchte, die Einzigartigkeit und Schönheit seines Gesichtes einzufangen, dem nicht einmal diese Narbe einen Makel geben konnte. In Keshas Brust war es plötzlich so beklemmend eng und sie erhob sich wortlos aus dem Bett. Sie riss die Türe von Kewans Haus auf und trat ins Freie, um ein wenig frische Luft zu schnappen. In ihren Kopf kreisten die Gedanken wild umher, als würden sie ihn zum bersten bringen wollen. Sie wusste gar nicht, wohin sie gehen wollte, weg, nur weg von Kewan, der eine so verstörende Anziehungskrat auf sie ausübte. Sie wollte Abstand gewinnen, und all die wirren Gedanken in ihrem Kopf ordnen. So lief sie dahin, bemerkte gar nicht, dass sie ihren Mantel nicht angezogen hatte, und ihre Füße trugen sie schließlich durch die Hauptstraße des Dorfes.

Plötzlich vernahm sie weit entfernte Rufe. "Kesha!" Ania! Nein... alles, nur das nicht! Kesha wandte den Kopf, aus welchem sie die ihr bekannte Stimme vernommen hatte und blieb zögerlich stehen. Weglaufen hatte keinen Sinn, Ania würde ihr hinterher laufen, und sie war eindeutig die schnellere von Beiden, so viel wusste sie bereits. Als Ania sah, dass sie stehengeblieben war, beschleunigte sie ihre Schritte, und begann schließlich zu laufen. Instinktiv schob Kesha ihre Fellkapuze ein wenig tiefer in ihr Gesicht, doch sie wusste, dass das Unvermeidbare unaufhaltsam war. Nach wenigen Augenblicken erreichte sie atemlos Kesha und blieb stehen und atmete tief ein und aus, und Kesha beobachtete die Atemwolken, die dabei aus ihrem Mund drangen. "He, Kesha, ich habe dich seit Tagen nicht mehr gesehen..." keuchte sie leise, und lächelte. "Guten Tag, Ania..." begann Kesha ein wenig kühl und zurückhaltend. Sie hatte Anias Beichte nicht vergessen, und sonderbarerweise störte sie sich immer noch daran. Anias Lächeln erstarb auf ihren Lippen, als sie Keshas Gesicht, welches im Schatten ihrer Kapuze lag, sah. "Bei Ondara und Rhelun, was ist mit deinem Gesicht? Kesha, was ist passiert?" fragte Ania fassungslos, und schob ihr einfach die Kapuze vom Kopf, so dass das Tageslicht unbarmherzig auf Keshas Blessuren fiel, und diese gnadenlos offenbarte. Doch Kesha riss sich ebenso schnell die Kapuze wieder auf den Kopf und fauchte Ania an "Lass das!" Ania wirkte für einen kurzen Moment ein wenig perplex ob ihres harschen Verhaltens, doch dann lenkte sie ein "Verzeih mir, Kesha... Ich wollte dich nicht beschämen...Aber sag mir bitte, was ist geschehen? Wer hat dir das angetan?" Kesha schwieg, denn sie wollte nicht darüber reden. Ania hob an "Ich war bei Levan..." Ein heisskaltes Gefühl durchfuhr Kesha. "Was?" rief sie atemlos, und sie bemerkte dabei, wie ihr die Kehle zugeschnürt wurde. "Gestern..." erklärte Ania "Ich war gestern bei Levan... Ich wollte eigentlich nach dir sehen. Dass er sich noch schonen muss, das war mir ohnehin klar. Aber dich hatte ich seit Tagen nicht mehr gesehen, und das kam mir ein wenig seltsam vor." Sie senkte den Blick "Jetzt weiß ich auch, warum..." Kesha erwiderte nichts darauf. Es war ihr egal, was Ania dachte. Viel mehr lag ihr daran, ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen, und ihren rasenden Herschlag zu beruhigen, der ihr so sehr gegen die Brust schlug, weil sie geglaubt hatte, Ania wüsste sehr wohl, was heute Morgen in Keshas und Levans Haus vorgefallen war, und wollte sie mit der Nase darauf stoßen. Eine letzte leise Unsicherheit schwang ohnehin noch mit. Was, wenn Ania sich verstellte? Was, wenn sie heute, anstatt gestern im Haus war, und den bestialisch zugerichteten Levan gesehen hatte? Kesha musterte Ania misstrauisch, so, als ob sie alles wüsste, als würde sie mit den Augen ansehen, mit dem man eine Ehebrecherin und Mörderin anblicken würde. Und das war sie. Nur weil sie nicht die Klinge geführt hatte, sprach sie das nicht von jeglicher Schuld frei. Sie war genauso eine Mörderin, wie Kewan ein Mörder war. Das war unbestreitbar.

"Und?" fragte Kesha Ania schließlich und verschränkte beinahe trotzig die Arme vor der Brust, was sich mit dem dicken Pelzmantel als etwas schwer erwies. "Was hat Levan dir erzählt?" Ania zuckte die Schultern. "Nichts... er meinte, du seist weg..." "Und was noch?" hakte Kesha eindringlich nach. "Nichts... Das ist ja das, was so seltsam ist... Hat Levan dich so zugerichtet?" fragte Ania vorsichtig und behutsam. Kesha senkte den Blick. "Warum?" fragte Ania fassungslos, und Kesha versuchte zu ergründen, was sie gerade dachte. Vielleicht versuchte sie abzuwiegen, ob Menu je so etwas getan hatte. Besonders, als er erfahren hatte, dass sie mit Kewan das Lager geteilt hatte... Und plötzlich interessierte sie es brennend, ob Menu sie damals angefasst hatte. "Hat Menu dich geschlagen, damals?" Ania schüttelte vehement den Kopf. "Nein! Er hat mich weder grob angefasst, noch gestoßen, und geschweige denn geschlagen... nichts dergleichen..." Sie musste unweigerlich kichern "Er hat seinen ganzen Zorn nur an K'eyshu ausgelassen...Vielleicht, weil K'eyshu immer schon so einen Ruf hatte, und Menu ihm allein die Schuld daran gegeben hatte..." Und dann wurde ihre Miene von einer Sekunde auf die andere ernst. "Warum, hast du mit K'eyshu das Lager geteilt, und Levan hat es herausgefunden?" Ihre Augen wurden groß und sie blickte Kesha neugierig an, mit einem Blick, als wäre sie mit sich selbst darüber hereingekommen, dass es so sein musste. "Nein... Nicht K'eyshu... Tarush..." erwiderte Kesha leiser, und Anias Augen wurden groß. "Tarush? Der Wächter?" Kesha nickte, und sie musste schief grinsen, obwohl sie der Situation überhaupt keine Komik abgewinnen konnte. "Levan hat dich und Tarush erwischt?" Kesha schüttelte den Kopf. "Tarush hat es überall herum erzählt, und Levan hat es so irgendwo aufgeschnappt, als er die Händler besucht hatte. Als er dann heim kam, hat er mich darauf angesprochen. Er fragte mich, ob es stimmte, was geredet wird, und ich hab es zugegeben. Und den Rest kannst du dir ja denken... Es ist ja nicht zu übersehen..." meinte Kesha mit einem bitteren Lächeln. "Bei den Göttern..." flüsterte Ania. "So etwas sollte keiner Frau passieren... Aber... Du und Tarush... Warum?" fragte sie, und Kesha erschien es, als wollte Ania sie auslachen. "Es ist einfach passiert. Ich weiß auch nicht, wieso... Und ich will auch gar nicht darüber reden..." würgte sie dieses Gesprächsthema ab. "Ich verstehe... Ich respektiere das natürlich. Aber, wo lebst du nun?" Kesha wäre es lieber gewesen, Ania hätte ihr diese Frage nicht gestellt. Irgendjemand hatte sie bestimmt einmal aus Kewans Haus kommen sehen. Ania nun eine Lüge aufzutischen, wäre nicht die beste Lösung. Sie atmete leise durch und meinte dann "Bei K'eyshu..." Ania lachte auf. "Bei K'eyshu? Due streitest mit deinem Ehemann und flüchtest dich zu K'eyshu? Ich weiß nicht, was ich sagen soll... Außer, dass es ihm nicht besser gelegen hätte kommen können..." Kesha verfinsterte ihre Miene. "Ania... Es ist in diesen Tagen nichts vorgefallen... Er hat mich weder unsittlich angefasst, noch mich zu irgendetwas überredet... Er war mir einfach nur wie ein Freund..." Das entsprach sogar der Wahrheit, doch Ania schüttelte den Kopf. "Du hättest zu mir kommen sollen, anstatt zu K'eyshu..." Kesha erwiderte ihr Kopfschütteln. "Nein... Nein, Ania, du hast keine Ahnung... Ich hätte nicht so in dein Haus spazieren können. Du hast keine Begriffe, wie schlimm es noch vor drei Tagen war... Hätte ich mich so vor deinen Kindern zeigen sollen?" Ania überlegte kurz. "Du hast Recht. Wahrscheinlich war es besser so..." Doch sie schien derart perplex, dass sie trotzdem lachte "Aber... aber... K'eyshu... Ich habe doch gesehen, mit welch begehrlichen Blicken er dich angesehen hat... Kesha, wir reden von K'eyshu!" Kesha verschloss ihren Geist vor ihren Worten. "Du irrst dich, Ania, ihr alle irrt euch. Er ist nicht so, wie ihr denkt." Ania blickte sie schief an "Das glaubst du, Kesha... Du glaubst, ihn nach drei Tagen besser zu kennen, als wir alle, die ihn seit Kindestagen an kennen? Du bist eine einfältige Närrin..." Kesha versuchte, Anias Worte an sich abprallen zu lassen. Sie konnte und wollte es nicht glauben. "Nein, Ania, du hast keine Ahnung..."

Sie bemerkte die kleinen Schneeflocken, die sich auf ihren Pelzmantel setzten, und auf Anias, Kesha blickte in den Himmel, und reckte ihr Gesicht den herabfallenden, sich langsam, aber stetig vermehrenden Schneeflocken, entgegen. In ihr drängten sich plötzlich die vergangenen Erlebnisse mit Kewan auf. All die Worte, die sie miteinander gewechselt hatten, all die Geheimnisse, die sie einander anvertraut hatten. Diese eine, wundervolle Nacht, die sie in der Eiswüste miteinander verbracht hatten, auch, wenn die vorangegangene Nähe, die zwischen ihnen geherrscht hatte, vorrst nur den Grund hatte, sich gegenseitig zu wärmen und sich vor dem Erfrierungstod zu bewahren... die zärtlichen Worte, die er ihr gesagt hatte... die Tatsache, dass sie ihm das Leben gerettet hatte, und er das ihre, als er sie bei sich aufgenommen, und sie schließlich gerächt hatte, in dem er Levan das Leben genommen hatte, und die selbstlose Tat, als er ihr das Schwert überlassen wollte, welches so einen unglaublich hohen, ideelen Wert für ihn hatte. Und all dies hatte, zumindest für Keshas Begriffe, ein unsichtbares, aber untrennbares Band zwischen ihnen geknüpft. Wer immer K'eyshu war... Kewan war ein anderer, dessen war sie sich ganz sicher! Aber all dies konnte und würde sie Ania nie und nimmer erzählen... Und außerdem lag über dieser plötzlichen Erkenntnis, dass Kewan für sie ein ganz besonderer Mensch war, selbst, wenn sie sich dies weder vor sich selbst, noch vor Ania, oder gar vor Kewan eingestehen würde, nun auch der dunkle Schatten von Levans gewaltsamen Tod... Noch nie im Leben hatte sich sich schlechter gefühlt, als ihn diesem Moment... Sie war förmlich überrollt, von Kewans Worten, dass er sie liebte, und der Tatsache, dass sie ihren Ehemann auf dem Gewissen hatte... nein, dass sie beide ihn auf dem Gewissen hatten... "Hatte K'eyshu eigentlich je eine Frau?" fragte sie Ania plötzlich. Ania horchte auf. "Wieso willst du das wissen?" "Pff... nur so... Es interessiert mich einfach..." versuchte Kesha absolute Gleichgültigkeit vorzutäuschen. "Nein... nein, das hatte er nicht, so viel ich weiß. Nie... Das ist es ja auch, was ich meine. Ich glaube, er ist zu so etwas höherem wie Liebe, oder gar Gefühle gar nicht fähig... Er benutzt die Frauen nur. Deshalb warne ich dich ja, Kesha... Wenn du klug bist, vergibst du Levan, und gewährst ihm noch eine Gelegenheit, seine Fehler wieder gut zu machen. Glaub mir Kesha,, lass dich nicht von K'eyshu einwickeln, mach nicht denselben Fehler, wie ich..." Kesha war verblüfft und fassungslos. Dass Ania wirklich dachte, dass ein Mann, der plötzlich zu so roher Gewalt fähig war, wie Levan, in jedem Fall besser war als Kewans Gesellschaft, das wollte ihr nicht so Recht in den Kopf hinein. Und plötzlich ermüdete sie Ania so furchtbar. "Es tut mir leid, Ania, aber ich friere, wie du siehst, trage ich keinen Mantel. Ich gehe wieder nach Hause..." "Nach Hause? Meinst du, zu Levan?" "Nein... Nicht nach Hause, ich habe mich versprochen... Ich meinte, zu K'eyshu..." Ania erwiderte nichts darauf. "Soll ich einmal mit Levan reden? Oder Menu? Vielleicht ist es gut, wenn einer von Mann zu Mann mit ihm redet..." "Nein!" rief Kesha hastig. "Misch dich da nicht ein! Das ist nicht eure Angelegenheit! Ich will nicht zu Levan zurück, das ist nur meine Angelegenheit, hörst du, Ania? Ich mische mich auch nicht in deine Ehe ein!" "In Ordnung..." murrte Ania. "Versprich es mir, hörst du? Du gehst nicht zu Levan! Und Menu auch nicht, und kein anderer!" befahl Kesha ihr beinahe. "Ist ja gut, ich verspreche es!" meinte Ania und Kesha nickte. "Wir sehen uns..." meinte Kesha und drehte sich langsam zu gehen um. Es war Zeit, mit Kewan zu sprechen. Sie hatte das untrügliche Gefühl, als zöge sich langsam eine Schlinge um ihren Hals, und das war höchst unangenehm...

Ihre Schritte wurden immer schneller, während ein Wind aufkam, der die Schneeflocken vor sich hertrieb, ihre Röcke verwirbelte, und ihr scharf in Gesicht und Hände schnitt. Sie steuerte auf Kewans Haus zu, doch je näher sie schritt, desto langsamer wurden, trotz der Eiseskälte, ihre Schritte. Er musste sie für eine Närrin halten. Er hatte es nicht verdient, derart zum Narren gehalten zu werden. Wenn er doch nur einmal mit ihr sprach, wenn er ihr doch nur sagte, was er wollte, was ihn bewegte, was er dachte, wie er sich fühlte! Wenn er doch nur etwas tun würde, um ihr Herz für sich gewinnen zu können! Eine selbstgefällige Forderung... Und doch eine so dringende. Sie wollte sich ja für ihn öffnen, aber die hereinbrechenden Ereignisse machten dies so unsagbar schwer... Wäre alles nur anders verlaufen... Hätte sie nicht mit Tarush das Lager geteilt, dann hätte sie vielleich die Gelegenheit bekommen, Kewan besser kennen zu lernen, nur so, wie sie nun an ihn gebunden war... die Umstände waren falsch... Sie stand unschlüssig vor seiner Tür, und auf ihrem blonden Haupt hatte sich bereits ein kleines Häuflein Schnee gebildet, welches unter ihrer, wenn auch geringen, Körperwärme langsam, aber stetig schmolz. Die Kälte warf alle Unschlüssigkeit über den Haufen, und sie drückte die Türe auf, welche der Wind nach innen gegen die Wand der Hütte warf. Kesha erschrak darüber, aber dann trat sie in die Hütte, drückte die Türe wieder zu und schob den Riegel vor. Ihr erster Weg führte sie an die Feuerstelle, vor welche sie sich kauerte und ihre rotgefrorenen Hände gegen das Feuer hielt. Als sie wieder Gefühl in ihren Fingern hatte, und diese zu kribbeln begannen, rieb sie sie vorsichtig aneinander. Als die Wärme wieder in ihrem Körper Einzug gehalten hatte, wandte sie sich um, und trat an Kewan heran, welcher immer noch am Bett lag. Sie hockte sich zu ihm hin. "Ich habe Ania getroffen. Ich weiß nicht, ob sie etwas weiß. Sie hat gesehen, wie ich aussehe, und sie sagte mir, sie hat gestern mit Levan gesprochen. Sie hat mir vorgeschlagen, mit ihm zu reden, oder Menu bei ihm vorbei zu schicken. Ich habe ihr gesagt, sie soll sich nicht einmischen, und sie hat mir versprochen, das nicht zu tun. Irgendetwas muss geschehen, Kewan. Entweder muss Levans Leiche verschwinden, oder wir machen das, was du vorgeschlagen hast... Die Eiswüste verlassen. Kesha wirkte gleichermaßen verzagt, wie auch unschlüssig. Sie wusste nicht, was sie tun sollten. Würden sie Levans Leichnam beseitigen, und in der Eiswüste bleiben, und so tun, als wäre nichts geschehen, dann würde frühr oder später Levans Verschwinden bemerkt werden. Und wenn sie und Kewan miteinander lebten, würde dann nicht jemand misstrauisch werden? Oder würden sie annehmen, Levan wäre gegangen? Die Situation war irgendwie aussichtslos. Sie blickte ihn stumm an, und er tat ihr unendlich leid. Sie hatte sich die ganze Zeit als Opfer gesehen, doch in diesem Moment erschien es ihr, als wäre in Wahrheit er das Opfer. Und vielleicht stimmte es ja auch. So oder so, durch ihr Verschulden war sein Leben nicht mehr dasselbe. Er würde in große Schwierigkeiten kommen, oder seine Heimat verlieren. "Was sollen wir tun, Kewan?" Was auch immer er zu tun gedachte, zuerst muss Levan verschwinden. Oder sie beide? Sie schloss ihre Augen. Sie sprach, als würde eine unliebsame Angelegenheit gelöst werden sollen, und es tat ihr in der Seele weh. Sie verachtete sich so sehr, dass sie beinahe ihres Lebens überdrüssig war. Wieso hatte Levan es nicht einfach zu Ende gebracht? Dann wäre er auch noch am Leben...
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
Sie will es und so ist es Brauch
Was sie will bekommt sie auch

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