Willkommen in Drachenblut!

Wir freuen uns, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Nach einem Forum-Update ist

Eiskalt...

Die weiße Hauptstadt in der Eiswüste.
Benutzeravatar
Kewan
Jäger
Beiträge: 24
Avatar: Eve Ventrue
Alter: 28
Rasse: Mensch
Heimat: Eiswüste
Waffen: Sperr, Schwert, kleines Steinmesser
Inventar: Eine kleine Ledertasche mit einigen kleineren Handwerksutensilien.

Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Fr, 30. Aug 2013 3:04

Sie verharrten. Ineinanderverschlungen und aneinandergeschmiegt unter den wärmenden Decken, die die schleichende Kälte, welche sich zunehmend durch die Wände der Hütte fraß, davon abhielt unter ihre Haut zu kriechen. Kewan wusste nicht ob seine Worte sie berührten, ob sie überhaupt wohl gewählt waren. Und überhaupt, er wusste gar nichts. Noch nie zuvor hatte er so etwas getan und wenn er ehrlich war, so verspürte der Jäger auch nicht wirklich Lust Kesha mit Sicherheiten und Aufmunterungen zu bestärken. Doch es war Kesha. Jene Frau, die mit ihrem Anblick ihn verzauberte, ihn zu Taten bewegte, welche aus den dunkelsten Tiefen einer Seele nur zum Vorschein kommen konnten. In der Tat, sie war es und so tat es Kewan einfach und nahm sich ihrer Trauer an. Wie er sich dabei vorkam ließ er unbeachtet. Er erwartete nicht einmal ein positive Bestätigung ihrerseits, nein, in einer gewissen Weise wäre sie ihm sogar unangenehm gewesen. Diese ganze Situation war so befremdlich, dass er sie am liebsten rückgängig gemacht hätte, doch was geschehen war das war nun einmal geschehen und nur die Götter besaßen die Macht dies zu ändern. Schweigend beobachtete Kewan wie Keshas atem ruhiger wurde und die Tränen allmälig verebbten. Das zu sehen wärmte sein Herz, denn ihre Trauer berührte ihn, auch wenn der Jäger mit Nichten sagen konnte wieso. Natürlich! Sie hatte alles verloren und in gewisser Weise sah er sich, wie er damals mit elf Jahren aus der Geborgenheit Norr Bharraks geflohen war. Das schrekliche Bild des ermordeten Vaters im Sinn, verlassen von aller Zuversicht, entledigt allen Vertrauens gegenüber den Ältesten, die den Mörder auf freiem Fuße ließen. Zu diesem Zeitpunkt war auch eine Welt für ihn zusammengefallen und diese Welt war alles was er besessen hatte. Mit einem Schlag war alles dahin gewesen, von einem Augenblick auf den Anderen. Kesha musste es genauso gehen. Zwar wusste Kewan nicht wie es in ihrer Heimat war, wie sich wahrer Reichtum anfühlte, was ihr ihre Umgebung geboten hatte, doch beide wussten, dass nun dies alles vorbei war und dass Kesha mit all dem zurecht kommen musste. So schwer dies auch für den Moment erscheinen mochte. Kewan hatte auch seine Zeit gebraucht, bis ihm wirklich klargeworden war, dass das Leben nun weiterging. Dass auf der Vergangenheit audzubauen war und noch nichts vorbei war, nur weil sich eine Veränderung andeutete. So jäh sie auch einzug gehalten hatte, am Ende hatte die den Jäger doch zu dem Mann geformt der er heute war.
Kesha wandte ihr Antlitz in seine Richtung, dass sich die Blicke der beiden trafen. Wohlig fühlte sich ihre Nähe an, sie war wahrlich ein Genuss und erfüllte ihn mit Freude. Wie von selbst trafen sich ihre Lippen und sie verstanden einander ohne ein einziges Wort. Die Lippen der Schönheit, die das Lager mit ihm teilte fühlten sich wundervoll an. Die Hände, die Finger ineinander verschlungen, liebkosten sich ihre Zungen und verbanden beide Gemüter. Es war ein gänzlich anderer Kuss als zuvor. Nicht herrisches, besitzergreifendes lag in ihm. Viel mehr war es einfach nur gegenseitige Zuneigung. Gerne erwiderte er ihre Bewegungen und sie tat es ihm gleich. Niemand überlagerte den anderen, zwang ihm etwas auf, nein, es war ein Zusammenspiel. Doch etwas stimmte nicht. Die Perfektheit wies Makel auf. Die Gedanken an die vergangene Tat waren zu frisch, zu einnehmend, zu unangenehm und nahmen die Schönheit des Augenblicks und verwandelten sie in erdrückende Beklemmung. Ihre Lippen lösten sich, doch die Verbindung der Blicke blieb bestehen. Kesha Augen waren traurig, ihre Erscheinung zeugte von Unsicherheit und Kewan? Nun, er wusste es selbst nicht. In seinem Geist schwirrten allerlei Gedanken und Ahnungen, dass er gar nicht wusste mit was er sich zuerst befassen sollte. Angst vor den Folgen seiner Tat, ihrer Tat verspürte er nicht. Der Jäger hatte gewusst worauf er sich eingelassen hatte und alle Risiken in Kauf genommen. Das Verlangen nach dem, was auf ihn warten würde war zu groß gewesen, als dass ihn jedwede Sanktion auf seine Tat davon hätte abhalten können. Schlagartig musste Kewan wieder an seinen Vater denken. Auch er war ohne wirklichen Grund getötet worden und wenn er ehrlich war, so war alles was geschen ward mit Nichten ein Grund gewesen, um einem Menschen das Leben zu nehmen. War es so? Mit Respekt hatte es der Jäge nie wirklich genau genommen und umso schlimmer wirkte alles auf ihn, als er es doch tat. In diesem Moment, als sich die Blicke der beiden trafen und es schien, als ob sich beide in die Abgründe ihrer Seelen verirrten. Ob es Kesha auch so sah? Wollte sie wirklich seinen Tod? Hatte sie das wirklich gewollt? Zärtlich fuhr sie mit ihren samtigen Fingern über sein Gesicht. Es war die Narbe, welche sich unter seinem linken Auge entlangzog, ein Mal dass er nach dem Kampf mit dem Mörder seines Vaters behalten hatte und wohl immer daran erinnern würde. Ihre Berührung ließ ihm einen Schauer der Gefühle durch den Körper laufen und seine Nackenhaare stellten sich auf. Keshas wohlige braune Augen fixierten ihn noch immer und verloren nichts von ihrer traurigen Ausstrahlung. Es fiel ihr sichtlich schwer hier an seiner Seite zu liegen, doch wer konnte ihr das verübeln? Die Ereignisse hatten sich überschlagen und sie in einer Welt zurückgelassen, in der sie nichts hatte. Kein Wissen, keine Waren, nichts. Sie war verloren, nur ihre eigene Gesellschaft war ihr noch geblieben und die Möglichkeit diese mit jemandem zu teilen. Sie ließ von ihm ab, ging vermutlich ihren Gefühlen nach und erhob sich aus dem Bett. Gedankenverloren verfolgten sie Kewans Augen, während sie ohne einen Mantel das Heim verließ. Erst viel später, als Kesha das Haus bereits verlassen hatte wurde er sich allerdings dieser Tatsache erst bewusst. Zu sehr war er in Gedanken, zu sehr war in sich zurückgezogen.


So wirklich mochte der Jäger noch nicht mit der tatsache zurecht kommen, dass er einen Menschen kaltblütig ermordet hatte. Levans Gesicht suchte seinen peiniger heim und besonders der Ausdruck seiner toten, glasigen Augen fraß sich durch Mark und Bein. Er war tot. Endgültig. Kewan hatte Keshas Mann zu den Toten geschickt, ohne auch nur annähernd zu wissen, wer diese Person war, was sie zu seiner verteidigung zu sagen hatte. Er schämte sich schrecklich, ärgerte sich über sich selbst ein bisschen, dass er das getan hatte. Vielleicht tat es ihm sogar Leid, doch Kesha hatte es so gewollt. Doch dies war weder eine Rechtfertigung, noch eine Entschuldigung. Er war sein eigener Herr und es war genauso seine Entscheidung gewesen, wie es ihre Bitte gewesen war. Kewan hatte mit Bedacht so entschieden. Jene Zweifel die die Richtigkeit dieser Tat in Frage stellten waren berechtig, das wusste er und doch wehrte er sich gegen sie. Kesha war befreit, sie war frei von ihm und das Eheversprechen aufgelöst. Sie "war jetzt für ihn frei", wie sie selbst gesagt hatte und das war sein Lohn gewesen, ein Lohn den er so sehr begehrt hatte. Sein Gewissen hatte er zum schweigen gebracht, doch nun war es umso lauter. Was, wenn Kesha sich nicht ändern wollte, wenngleich sie ihm versichert hatte, dass sie sich ihre Taten als Fehler eingestand. Was, wenn sie ihn lediglich benutzte und nachdem sie die Eiswüste verlassen konnte sitzen ließ? Krampfhaft hatte der Jäger versucht diese Gedanken auszublenden und ihrer erdrückenden Last zu entgehen. Sie bedeuteten Misstrauen. Ohne wirklich eine feste Beziehung zu einer Frau gehabt zu haben wusste er, dass Misstrauen ein schlechter Boden war, um darauf Liebe zu pflanzen. Doch war sie berechtigt? Wie Eis umschlossen die Bilder von Kesha und Tarush sein Herz und bestärkten jene Zweifel, jene Angst. Doch Keshas Verzwiflung war echt gewesen, dass hatte Kewan gespürt. Er war für sie da gewesen, hatte ihr Halt gegeben. Das alles hatte eine Verbindung aufgebaut. Dessen konnte sich auch sie nicht entziehen. Er war sich so sicher. Keine Frau konnte ihm wirklich wiederstehen. Keine. Das war schon immer so gewesen. Jede, die er sich in den Kopf gesetzt hatte war letztendlich dort gelandet wo er sie wollte und wenngleich es bei Kesha anders war, so begehrte er sie. Mehr als jede Andere zuvor. Sie musste ihm einfach folgen. Alles war intensiver, die Gefühle stärker, es durfte nicht anders kommen. Doch das alles vermischte sich zu einem Brei von Gedanken und Gefühlen, der sich nur wie ein dicker Kloß im Hals anfühlte und Kewan jede Möglichkeit nahm seinen Geist wahrhaft zu befreien und zur Ruhe zu kommen.
Sein Bilck war streng an die Decke gerichtet, in der sich das schwache Licht des Feuers verlor und nichts als eine schwarze, tiefe und unergründliche Dunkelheit hinterließ. Sie war geradezu beispielhaft für die Zukunft, die den beiden bevorstand. Was würde nun passieren? Würden sie sich weiter anschweigen? Würde man den Toten bemerken? Würde man ihn des mordes bezichtigen? Würde er gestehen? Je länger Kewan so da lag und sich sein Blick im Nichts, dass über ihm schwebte verlor, je mehr Fragen taten sich in ihm auf und verunsicherten ihn. Als den Jäger bereits die Verzweiflung der Unsicherheit packte öffnete sich scheppernd die Tür und Kesha stürzte halb durchgefroren herein. Mit einem Nicken begrüßte er sich, als sich seine Augen von der einnehmenden, dunklen Decke gelöst hatten. Ohne den Mantel hatte ihr die Kälte schwer zu schaffen gemacht und geschwind fand die schöne Frau ihren Weg zur Feuerstell, an der sie begann ihre klammen Hände in Richtung der tanzenden Flammen zu recken. Stumm begleitete sie Kewans Blick, der hin und her gerissen von dem Gedanken war, sie auf das Kommende anzusprechen. Sie über ihre Vorstellungen über die Zukunft auszufragen, doch sie kam ihm zuvor. Es verging eine kurze Weile und Keshas leicht unterkühlter Körper hatte bereits wieder zu Wärme gefunden, da erhob sie sich langsam und ebenso kam sie näher auf ihn zu, setzte sich zu ihm ans Bett.
"Ich habe Ania getroffen. Ich weiß nicht, ob sie etwas weiß. Sie hat gesehen, wie ich aussehe, und sie sagte mir, sie hat gestern mit Levan gesprochen. Sie hat mir vorgeschlagen, mit ihm zu reden, oder Menu bei ihm vorbei zu schicken. Ich habe ihr gesagt, sie soll sich nicht einmischen, und sie hat mir versprochen, das nicht zu tun. Irgendetwas muss geschehen, Kewan. Entweder muss Levans Leiche verschwinden, oder wir machen das, was du vorgeschlagen hast... Die Eiswüste verlassen.", begann sie schließlich und in ihrer Stimme schwang gleichermaßen ein wenig Verzweiflung mit. Auch sie hatte sich Gedanken gemacht, was Kewan freudig bemerkte und suchte nachdenklich ihren Blick. Der Jäger ließ sich mit einem lauten Seufzer zurück auf das Kissen fallen. Sein Adamsapfel hüpfte auf und ab und es schien, als schluckte er alle Zweifel herunter.
"Was sollen wir tun, Kewan?", bekräftigte sie ein weiteres Mal ihre Unsicherheit und legte alle Pläne für die Zukunft in ihre Hände. Eindringlich schaute er Kesha in die Augen.
"Wir werden von hier verschwinden, Kesha.", sagte Kewan schließlich und seine Stimme klang fest, sicher, herrisch. Er war sich auch sicher. Es half alles nichts. So lange er über all diese Angelegenheiten grübelte, solange er versuchte alle seine Gefühle zu ergründen, umso stärker wurde einfach nur das Verlangen alls hinter sich zu lassen.
"Wir werden diesen ganzen Scheiß hier vergessen, im Süden ein neues Leben beginnen. Ich scheiß auf das alles hier. Auf die Eiswüste, ihre Bewohner, das beschissene Klima und ich scheiße auf Levan. Verschwinden wir einfach von hier. In zwei Tagen habe ich alles vorbereitet, länger brauche ich nicht."
Während der Jäger sprach ergriff er Keshas Hand und sein Daumen streichelte ihren Handrücken.
"Nicht hält mich mehr hier. Meine Heimat ist vor 17 mit meinem Vater gestorben, alles andere war für mich nicht echt. Die Kälte wird uns nicht aufhalten, darf uns nicht aufhalten. Warum sollten wir auch hier bleiben? Die Gefahr ist viel zu groß und bis der Sommer kommt wird selbst hier, wo niemand Levan kenn den fetten Kauz vermissen! Selbst wenn wir alle Spuren verwischen, was auch nicht ungefährlich ist, werden wir hier nicht ruhig leben können. Schau doch, selbst bei Ania befürchtest du bereits, sie könnte etwas wissen. Willst du wirklich in dieser ständigen Angst leben? Ich für meinen Teil haue lieber ab..."
Kewan hietl inne und ließ seine Hand über ihren Arm und Hals wandern bis er in ihrem goldenen Haar inne hielt. Behutsam kraulte er sie, während er sie sanft zu sich herab zog und ihre Lippen sich trafen.
"Lass uns einfach von hier verschwinden. Ohne großes Aufsehen, einfach nach Süden. Verpflegung nehmen wir nur notdürftig mit und den Rest besorgen wir uns in den Jägerlagern auf dem Weg. Glaub mir, wir werden es schaffen!"

Benutzeravatar
Lesha
verschollen
Beiträge: 101
Avatar: Erika-Xero
Alter: 20
Rasse: Mensch (Arcanier)
Heimat: Rômachar
Inventar: Almosenbeutel mit einigen Münzen, Wasserschlauch, Löffel & Messer

Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Fr, 30. Aug 2013 22:51

Kesha vernahm Kewans Worte. Dass er bereit war, die Eiswüste zu verlassen. Seine Heimat aufzugeben. Ihretwegen. Anders als sonst immer, machte sie dieses Wissen nicht froh. Früher war sie stets danach bestrebt gewesen, ihren Willen zu bekommen, ohne Rücksicht auf Verluste, einzig alleine drauf bedacht, dass sie zufrieden war. Auch bei Levan... oder, gerade bei Levan. Doch bei Kewan war das etwas anderes. Aber warum? Hatten die Vorfälle und Umstände sie so verändert? Sie nickte zur Bestätigung seiner Worte. Es war das Beste, die Eiswüste hinter sich zu lassen. Vielleicht konnten sie nach Rômachar gehen. In ihre Heimat. Im Vergleich zu Norr Bharrak, dieses kleine, unscheinbare Dorf in dieser unwirtlichen und eiskalten Umgebung, war Rômachar ein wahrhaftes Paradies, ein Kleidod in Thasani, diesem grünen, üppigen Land. Heimweh erfasste ihr Herz. Dort, in Rômachar, hätten sie eine Chance. Ungeachtet von den Worten 'Bis dass der Tod uns scheidet', war sie in ihrem Geiste trotz allem, und immer noch Levans Ehefrau. Sie war Kesha Adesar-Khalaan. Dies konnte ihr niemand nehmen, und aufgrund dessen hatte sie auch alle Recht in ihrem Heim. Egal, ob sie mit Levan zurückkehrte, oder nicht. Ob sie auch ohne Levan die Geschäfte führen konnte, das wussten allein die Götter. Doch Kesha war nicht sehr gläubig, also wusste es niemand, auch sie nicht. Aber das Wagnis war es auf jeden Fall wert, sie konnte nur gewinnen. Auch ohne Levan. Und was ihn betraf, das konnte man erklären, wie es eben war, er war verunglückt. Sie kam mit sich darüber herein, dass es das Beste war, nach Rômachar zu gehen. "Lass uns in meine Heimat gehen, Kewan. Dort wird es uns an nichts fehlen. Ich zeige dir eine Welt ohne die tödliche Kälte, und den ewigen Schnee." Sie lächelte ihn an. Zum ersten Mal, seit langem. Es tat wohl, auch, wenn es kaum half, sich besser zu fühlen. Es war so, wie Kewan gesagt hatte, es würde einfach Zeit brauchen. "Wie geht es dir, mit deiner Verletzung?" fragte sie ihn schließlich. "Und wieso bist du nicht zur Heilerin gegangen?" Sie konnte sich denken warum. Aus Stolz, aus, seiner Meinung nach, mangelnder Notwendigkeit. Kesha breitete ein großes Fell vor der Feuerstelle aus, und setzte sich darauf, und starrte in der lodernde Feuer. Feuer hatte so etwas wohltuendes an sich. Es schien Kesha, als wäre es Balsam für den Körper, und Balsam für den Geist. Der Feuerschein tauchte ihre Wangen in leuchtendes, oranges Licht, und Schatten in ihrem Gesicht tanzten auf und ab. So verharrte sie eine Weile und dann begann sie zu sprechen, während sie weiter ihren Blick auf dem Feuer haftete.

"Du hast mir kaum etwas von dir erzählt. Ich weiß, dass dein Vater ermordet wurde, und dass das ganze Dorf dich nicht leiden kann, du aber jede Frau hattest, und rumkriegst, und dass du ein Arschloch sein sollst ..." Sie wandte den Kopf, und ihr Gesicht lag im Schatten, lediglich durch die blonden Haare schimmerte schwach oranges Licht durch. Sie lächelte schief, und setzte eine betretene Miene auf. "Verzeih, ich wollte dich nicht beleidigen. Aber wie soll ich dich besser kennen, wenn du mir nichts von dir erzählst? Ich könnte dir tausend Dinge von mir erzählen, zum Beispiel, als ich dich zum ersten Mal sah, da dachte ich mir, dass du gar nicht so gut aussiehst, wie dir dein Ruf vorausgeeilt war... Aber beim zweiten Mal dann war es ganz anders, und ich dachte mir, dass ich mich gern selbst davon überzeugen würde, was die Frauen über dich hinter vorgehaltener Hand tratschen..." Kesha legte den Kopf schief und meinte "Jedoch, was deine Liebhaberqualitäten angeht, brauchst du dir wahrlich nichts drauf einzubilden, ich hatte schon bessere..." scherzte sie, wohlwissend, dass ihn seine frische Verletzung so beeinträchtigt hatte. "Hör mal..." begann sie "... es tut mir sehr leid, ich meine die Sache mit Tarush. Ich wusste nicht, dass ihr Feinde seid. Ich habe es gar nicht darauf angelegt, mit ihm das Lager zu teilen, ich hatte von dir eine Woche nichts mehr gehört, und ich dachte, nachdem du mich hattest, sei ich nur eine deiner vielen Eroberungen, und du hättest dich längst einer anderen zugewandt. Vielleicht habe ich es auch aus Trotz getan, das soll auch keine fadenscheinige Ausrede sein... Aber, bitte denk nicht falsch von mir. Ich habe viele Fehler in meiner Vergangenheit gemacht... Das, was Levan über mich gesagt hat, dass ich weg bin, wenn du mir nichts bieten könntest, das stimmt nicht. Ich gebe zu, das ich die Tatsache, dass ich bei ihm ein angenehmes, sorgenfreies Leben führen konnte, nicht abstreiten kann. Es war auch ein Grund, warum ich bei ihm geblieben bin... Das, und dass ich schon so lange mit ihm verheiratet war. Ich wusste ja auch nicht, wie sehr es dich stören würde, denn ich wusste nicht, dass du etwas für mich empfindest. Es hat mich wirklich sehr überrascht, denn so lange kannten wir uns ja noch nicht, und ich habe dich auch nicht so eingeschätzt, auch wenn ich nichts auf das Gerede der anderen gebe, so hat es mich wohl unbewusst doch ein wenig beeinflusst..." Sie senkte den Kopf. "Ich möchte mich bei dir dafür entschuldigen, Kewan. Wenn ich es ungeschehen machen könnte, dann würde ich es tun. Ich hätte mir gewünscht, du wärst an seiner Stelle gewesen... Außerdem war es nicht einmal ansatzweise so schön wie mit dir..." Sie errötete. "Ich will nur, dass du das weisst..." Es fiel ihr schwer, ihre Gefühle so offen darzulegen, darum wechselte sie sprunghaft das Thema. "Deine Hautmalereien auf deinem Körper, sie sind wunderschön... Ich habe so etwas noch nie gesehen. Was haben diese eigentlich zu bedeuten, und wie wird so etwas gemacht...?"

Am nächsten Tag sah die Welt schon eing wenig besser aus. Kesha hatte gut geschlafen, und war gut ausgeruht und gutr Laune. Sie hatte bereits am frühen Morgen bei den Händlern ein wenig Getreide, Trockenfrüchte und Schafmilch besorgt, und so aßen sie am Morgen einen süßen Getreidebrei, den sogar sie zubereitet hatte. Während Kesha löffelte, meinte sie "Du solltest dir das mit uns noch einmal überlegen, ich bin ein nutzloses Weibstück, ich kann nichts, was in irgendeiner Weise wichtig oder brauchbar sein könnte. Vom kochen einmal abgesehen... Wenn wir die Eiswüste verlassen, dann muss ich mein Leben völlig in deine Hände legen. Ich wäre dir dann völlig ausgeliefert..." Sie schwieg für eine Weile "Ich fühle mich eingesperrt... Am liebsten würde ich mit dir zusammen das Haus verlassen, aber ich glaube, es ist noch zu früh dafür..." Sie seufzte. "Und ein Schnaps wäre jetzt toll... Aber du Narr musstest ihn ja zerstören..." Sie blickte ihn neugierig an. "Was genau hast du damit eigentlich gemacht? Und warum...?"

Sie wäre nicht Ania, wenn sie sich nicht überall einmischen müsste...
Ania lief über den Markt, und hatte die Hände unter ihrem Pelzmantel um ihren Körper geschlungen. Es war ein eiskalter Tag. Zwar wehte kein Wind, und es schneite nicht, doch die Kälte war beinahe unmenschlich, und so eilte sie sich, ihre Besorgungen rasch zu erledigen, um schnell wieder zu Hause sein. Als sie über den Hauptplatz eilte, fiel ihr Blick auf Tarush. Ihr fiel das Gespräch mit Kesha ein, und so rief sie ihn an "He,Tarush!" Der Wächter wurde auf die junge Frau aufmerksam, und stapfte schließlich auf sie zu. "Guten Tag, Ania, brauchst du etwas...?" Ania blickte ihn mit großen Augen an. "Was ist denn mit dir passiert? Hast du dich geprügelt? Wer hat dich denn so zugerichtet? Ich hätte dich beinahe kaum mehr erkannt..." Der Wächter fuhr sich tastend über sein übel zugerichtetes Gesicht und dann murrte er "Das war K'eyshu, der Bastard..." Anias Augen wurden noch größer. "K'eyshu? Aber wieso... warum... wieso hat er dich geschlagen?" fragte sie ihn ebenso neugierig, wie auch fassungslos. "Na, wegen der blonden Schlampe..." Sie blickte ihn irritiert an. "Wegen Kesha? Was meinst du? Was genau ist da vorgefallen?" Tarush blickte sie schief an "Du musst deine Nase aber auch immer in Angelegenheiten stecken, die dich nichts angehen, was?" Ania lächelte und errötete. "Und wenn schon... Also, was war?" So begann Tarush zu erzählen "Ich hatte was mit ihr, ich hab ihr Dach repariert, und tja, das war wohl mein Lohn. Und plötzlich taucht völlig unerwartet K'eyshu auf, Ohne anzuklopfen, ohne was zu sagen, stand er einfach plötzlich in der Türe. Kesha und ich waren gerade mitten dabei, ich war fast fertig..." grinste er und Ania errötete erneut. "Ja, ich gebe zu, ich hab ihn ein wenig mit Worten provoziert. Und dann ist er wie ein Gestörter auf mich losgegangen. Ich war so überrascht und unvorbereitet, ich konnte mich so gut wie nicht wehren, ich war ja auch nackt..." Ania lachte auf. "Und warum hat er das gemacht?" "Also da fragst du den falschen, Ania..." schüttelte er langsam den Kopf. "Ja, ich habe gehört, dass ihr etwas miteinander hattet. Ich habe mit Kesha gesprochen..." "Aja? Hat sie über mich gesprochen?" grinste Tarush Ania an. "Ja, aber nichts Gutes... Weisst du, was du angerichtet hast, Tarush?" "Was schon?" erwiderte er gelangweilt. "War ich etwa nicht gut?" "Davon hat sie nichts erwähnt... Aber das meine ich nicht. Ich meine, dass du es rumerzählt hast..." "Ein Mann schmückt sich eben gerne mit seinen Eroberungen... Was ist falsch daran?" Ania kniff die Augen zusammen. "Falsch daran ist, dass du Kesha damit in große Schwierigkeiten gebracht hast. Levan, ihr Mann, hat es erfahren. Und weisst du, was er mit ihr gemacht hat? Er hat sie geschlagen, und verprügelt... Ich habe sie gesehen, sie sieht furchtbar aus... Das ist nur alleine deine Schuld, Tarush... Wenn du schon etwas mit einer verheirateten Frau hast, dann schweige wenigstens..." Tarush wirkte betreten. "Naja, das wollte ich ja auch nicht..." "Das hoffe ich für dich... Ich finde, du solltest dich bei ihr entschuldigen..." Tarush nickte. "Ich werde sie heute in ihrem Haus aufsuchen..." "Nein, das hat keinen Sinn, sie hat Levan verlassen... Sie wohnt jetzt bei... bei..." Ania schwieg. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. "Bei wem?" hakte Tarush nach. "Bei K'eyshu..." Er nickte verstehend, und erwiderte dann "Niemand kann von mir verlangen, dass ich zu diesem Bastard gehe... Wenn mir K'eyshu noch einmal unter die Augen tritt, ich schwöre bei den Göttern, dann bringe ich ihn um." "Dann entschuldige dich wenigstens bei ihrem Ehemann. Du trägst eine Teilschuld, dass ihre Ehe zerstört wurde..." Er runzelte die Stirn. "Na, na, dazu gehören immer zwei!" "Kesha hat ihren Fehler schon eingebüsst... Durch Levans Fäuste..." "In Ordnung..." brummte er. Ich werde ihn später aufsuchen.""Er wird nicht sehr gut auf dich zu sprechen sein..." gab Ania ihm zu bedenken. "Jo, das lass nur meine Sorge sein, Ania... Aber ich gehe nicht zu K'eyshu, um mich bei Kesha zu entschuldigen, das kannst du vergessen... Außerdem [18]bumst[/18] er sie jetzt eh, dann ist für ihn ja wohl alles in Ordnung, und für sie ja dann auch..." lachte er, während Ania die Augen rollte.

Am späten Nachmittag raffte sich Tarush schließlich auf, und trottete gemächlich durch den Schnee, zu dem Haus, das einst Keshas und Levans gewesen war. Als er vor der Türe stand, verfluchte er in einem stillen Moment Ania, die ihn zu einer solch bescheuerten Idee überredet hatte, aber dann atmete er tief durch und klopfte kräftig an die Türe. "Levan? Ich bins, Tarush..." Er verharrte eine Weile und lauschte, doch niemand öffnete ihm die Türe. Ein wenig missmutig brummte er in sich hinein, und zögerte. Vielleicht hätte er einfach schweigen sollen, denn vermutlich würde Levan ihm jetzt wohl kaum die Türe öffnen, wenn er wusste, dass er davor stand. Doch dann gab er sich einen Ruck, und öffnete kurzerhand die Türe. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages fielen in die Hütte, und er tat drei Schritte hinein. "Levan? Ich will nur mit dir reden... Ich..." Er tat noch einen Schritt hinein, dann prallte er entsetzt zurück. "Bei allen Göttern..." raunte er und ungläubig starrte er in die Halbdunkelheit, dann drehte er sich um und lief aus der Hütte. Nur unweit von dem Haus flackerte einige der wenigen Fackeln im Schnee, welche die Nachtwächter anzündeten, damit das Dorf auch in der Nacht ein wenig erhellt war. Kurzerhand riss er die Fackel aus dem Schnee und lief damit zurück in die Hütte. Er leuchtete den Raum aus und murmelte "Scheiße...", als er sich gewahr wurde, welch grauenhafter Anblick sich ihm da bot, [18]Levan nackt, an dem Stützpfeiler des Hauses gebunden, blutüberströmt, der Kopf an die Brust herabgesunken, an welcher eingetrocknetes Blut klebte.[/18] Er hielt die Fackel ein wenig näher an seinen Körper, und als er sah, dass sein [18]Gemächt nur mehr ein dunkler, blutverkrusteter Stumpf war[/18], stolperte er entsetzt zwei Schritte zurück. Doch dann besann er sich, und trat wieder an den Mann aus dem Süden heran. Er packte sein Kinn und zog es mit einr Hand herauf, und mit der anderen Hand leuchtete er mit der Fackel in dessen Gesicht. Dieser starrte ihn aus toten, leeren Augen an, und angewidert, wie auch verstört, zog er hastig seine Hand zurück. Er machte auf dem Absatz kehrt, und stürmte aus dem Haus. Als er die Hütte wieder verlassen hatte, lies er die Fackel unbekümmert in den Schnee fallen, und hastete zum Palast des Ältestenrats...

"... es ist wie ich sage. Wir sollten uns in der Sache zu keiner unüberlegten Handlung hinreissen lassen..." sprach einer der Ältesten, als plötzlich mit einem dumpfen Schlag die Flügeltüre geöffnet wurde. Alle Ältesten ruckten die Köpfe hoch, und blickten verwirrt auf den blassen Wächter, welcher die Halle hineingelaufen kam, als wäre die wilde Jagd hinter ihm her. "Tarush?" fragte einer von ihnen, halb verwundert, halb unwillig. "Hast du Geister gesehen? Warum bist du so blass? Und hoffentlich hast du einen guten Grund, hier einfach in eine Besprechnung hinein zu platzen..." Tarush rang um Fassnung. "Das will ich meinen... Es geht um die Fremden..." "Was ist mit ihnen?" fragte ein anderer der Alten Tarush. "Der Mann... Levan... Er ist...Er ist tot..." stammelte er, während ihn die Alten mit großen Augen anglotzten. "Was sagst du da? Er ist tot? Aber wie..." [18]"Er ist in seiner Hütte, gefesselt an dem Stützbalken... Nackt... Übersät mit blauen Flecken, blutverkrustet und entmannt..."[/18] Tarush fuhr sich fassungslos durch die Haare "Scheiße, dieses Bild bekomme ich nicht mehr aus meinem Kopf!" "Was ist mit der Frau? Ist sie auch...?" Tarush schüttelte den Kopf. "Ich erfuhr, dass sie bei K'eyshu untergetaucht ist... Es gab wohl einige Schwierigkeiten zwischen den Eheleuten" deutete er an, ohne dabei den Fokus auf sich richten zu wollen. "Ah ja, ich habe von dieser Geschichte gehört..." meinte einer der Alten "In diese Geschichte bist du auch involviert..." Tarush hob abwehrend die Hände "Bei den Göttern, ich schwöre, ich habe nichts zu tun mit Levans Tod..." "Das hat auch niemand gesagt..." beschwichtigte ihn einer der Alten. "Also die Frau... Wie hieß sie noch gleich..." "Kesha..." ergänzte der Wächter. "Ah ja, danke... Kesha... Also Kesha wohnt jetzt bei K'eyshu? Das ist eigenartig. Weiss sie denn nichts von dem Tod ihres Ehemanns?" "Das weiß ich doch nicht..." wehrte Tarush ab. "Hmm... Das klingt schon ein wenig eigenartig... Vielleicht sollte man der Sache näher auf den Grund gehen..."


Kesha lag in Kewans Haus auf einem der Felle, nahe an der Feuerstelle, und hatte ihren Kopf auf seinem Schoß gebettet. Mit der einen Hand hatte sie sich in seine Hand vergraben, und mit der anderen spielte sie mit einer ihrer langen Haarsträhnen. Sie erzählte ihm beinahe schwärmerisch von ihrer Heimat Thasani. "...im Winter ist es dort so warm, wie bei euch im Sommer... Schnee gibt es bei uns nicht. Es herrscht ein unglaublich warmes Klima dort. Ob du es als kältegewohnter Mensch im Sommer bei uns überhaupt aushältst?" lächelte sie ihn an. "Soweit das Auge reicht, ist alles grün. Im Osten meines Landes grenzt die Wüste an, aber dort war ich selbst noch nicht. Da gibt es nur Sand, und sengende Hitze. Hitze, wie selbst ich sie mir nicht ausmalen kann... Ich gebe zu, Rômachar ist eine Stadt, wie alle anderen, du kannst dir nicht vorstellen, wie es dort, besonders im Sommer, stinken kann... Städter sind ein wenig anders, als Menschen vom Land. Du wärest schockiert, wenn ich dir genaue Einzelheiten un Eindrücke erzählen würde. Am besten wäre es wohl, wenn du dir selbst einen Eindruck davon machtest, in dem du..." Ein lautes Klopfen an der Türe unterbrach ihren Redeschwall, und verwundert blickte sie Kewan an. "Erwartest du jemanden?" Erneut klopfte es an die Türe, diesmal lauter, und durch die Türe drang eine dumpfe Stimme. "K'eyshu? Öffne die Türe... Wir wollen mit dir reden..."
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
Sie will es und so ist es Brauch
Was sie will bekommt sie auch

Benutzeravatar
Kewan
Jäger
Beiträge: 24
Avatar: Eve Ventrue
Alter: 28
Rasse: Mensch
Heimat: Eiswüste
Waffen: Sperr, Schwert, kleines Steinmesser
Inventar: Eine kleine Ledertasche mit einigen kleineren Handwerksutensilien.

Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Do, 05. Sep 2013 4:14

Nach seinen Worten trat Schweigen ein für einen Moment. Kewan wusste nicht ob seine Worte für Kesha überraschend kamen, doch sie hatte offen gefragt udn bekam eine offene Antwort. Er wollte nicht hier bleiben, inmitten der Anderen, jeden Tag in der Furcht, dass man seine schändliche Tat bemerkte und ihn dafür womöglich auch noch bezichtigte. Nein, es war das genaue Gegenteil was Kewan bezweckte. Weg, nur weg von hier, weg von jenem Ort an dem ihn nichts mehr hielt. Oder vielleicht doch? Die Eiswüste war seine Heimat, nichts anderes kannte der Jäger, lediglich in seinenen Vorstellungen tanzten die Bilder von fernen Ländern und fremden Kulturen, doch die Wirklcihkeit, so fürchtete er war weit davon entfernt. Jetzt hatte er die Möglichkeit alles wahr zu machen was er sich vorgenommen hatte. Damals, in der kalten Nacht in der er den Mörder seines Vaters tötete. Zwar zog es Kewan schon immer ein wenig in die Fremde, doch in dieser Nacht hatte sich alles verstärkt. Seine Seele schrie förmlich in einer Art fernweh, dass der Jäger seine Züge vor Kesha zu einem leichten Grinsen verzog. Sie war das Echo, dass die Lawiene ins rollen brachte, sie eröffnete ihm alle Möglichkeiten seine Fantasien mit der Wirklichkeit zu vergleichen und sein Glück in der Ferne zu suchen. Doch sie war auch mehr als das. Kesha hatte sich binnen kürzester Zeit in sein Herz gebrannt. Kewan begehrte diese Frau mehr als alles andere und mit ein wenig Schrecken sah er zu was ihre Wünsche ihn führen konnten. Er selber war sich ihrer Zuneigung alles andere als sicher, auch wenn sie behauptete etwas für ihn zu empfinden. Etwas war Kewan nicht genug. Er wollte mehr, er wollte wahre Zuneigung. Seine scheinbar so einfache Welt hatte diese Frau einfach so über den Haufen geworfen und während der Jäger so da saß, seinen Blick auf ihre Schönheit gerichtet, da loderte das Feuer in seinem Herzen noch mehr auf. In ihren Augen sah Kewan, dass Kesha nachdachte. Vermutlich grübelte sie über ein eventuelles Ziel ihrer gemeinsamen Reise, sollte sie sich dazu bereiterklären. Gespannt wartete er auf eine Antwort.
"Lass uns in meine Heimat gehen, Kewan. Dort wird es uns an nichts fehlen. Ich zeige dir eine Welt ohne die tödliche Kälte, und den ewigen Schnee.", sprach die Schönheit schließlich und der Klang ihrer Stimme erquickte ihn jedes Mal.
Eine Welt ohne Kälte und ewigen Schnee. Das war eine Aussage, wie er sie sich erhofft hatte. Sein Verlangen endlcih andere Seiten dieser Welt zu entdecken erhielt Bestätigung. Eine Tatsache die unheimlich gut tat und die Kewan gebraucht hatte. Er konnte ja nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob es überhaupt etwas Anderes auf dieser Welt gab. So absurd dies auch klingen mochte, schon immer hatte der Jäger tief im Hinterkopf die bösen Gedanken gehegt, amn würde ihm nur etwas vorspielen und es würde nichts Anderes existieren. Ja, so groß war seine Hoffnung, dass die Angst davor bisweilen Stärker war, als der Abenteruergeist, der den Jäger endlich dazu führen sollte seine Heimat zu verlassen.
Auch auf Keshas Zügen zeichnete sich ein Lächeln ab, dass Kewans Herz erwärmte. Schon lange hatte er sie nciht mehr so gesehen und es kam ihm im ersten Moment gar ein wenig befremdlich vor, doch dann, dann war es wieder ihre Schönheit die sämtliche negativen Gedanken aus ihm verbannte. Eine kurze Weile, so schien es, hielen sie den Blickkontakt und grinsten sich an, ehe sie wiederum das Wort ergriff und das Thema änderte. Kewan hatte nicht antworten brauchen, sein Blick hatte mehr als genug Zustimmung für sich gehabt, als dass dies auch nötig gewesen wäre. Ihre Heimat sollte also das Ziel werden...
"Wie geht es dir, mit deiner Verletzung?"
Ihre Worte entlockten ihm ein kurzes, stimmloses Lachen und er entblößte seine verletzte Schulter, die er unter einem dickeren Hemd aus gegerbtem Robbenfell bedeckt hielt. Die Narbe sah übel aus, wenngleich sie doch sehr gut verheilt war. Die Tatsache, dass Kewan eher auf seine eigene Behandlung bestanden hatte, als den Heiler zu besuchen, hatte allerdings seine Spuren hinterlassen. Dick waren die Nähte der Wunde und würden, wenn endgültig verheilt, ein beträchtliches Mal hitnerlassen, dass ihn bis an sein Lebensende begleiten würde. Ausladend bewegte Kewan Schulter und kreiste mit dem Arm, um Kesha den Fortschritt der Heilung zu demonstrieren.
"Geht wieder. Hab' keine Probleme.", antwortete er knapp und blickte ebenfalls auf die heilende Verletzung. Es war eine Lüge, denn tatsächlich verursachten die Bewegungen Schmerzen. Auch wenn sie auszuhalten waren, so war er doch beeinträchtigt und verminderte ncoh immer instinktiv alle Belastungen auf der Seite der Wunde.
"Und wieso bist du nicht zur Heilerin gegangen?", harkte Kesha nach und erwischte den Jäger damit etwas auf dem falschen Fuß. Die Wahrheit war, dass er einfach in diesem Moment nicht dazu in der Lage gewesen war mit Menschen in Kontakt zu treten. Ihre Worte in der Nacht zuvor hatten ihn zu sehr zum Nachdenken und vor allem in Rage gebracht. Selbstmitleid und Trauer hatten gleichwohl von ihm Besitz ergriffen und ihn einfach in Unfähigkeit zurückgelassen. Etwas traurig wich er ihrem Blick aus.
"Keine Lust gehabt. Mach' ich immer so.", wieder war seine Antwort mehr als knapp, doch wenn es in seinen Augen nichts zu sagen gab, dann sagte er auch nicht viel. Generell hörte Kewan leiber zu als selber das Wort zu ergreifen, außer natürlich es gibt eine passende spitze Bemerkung zu machen, doch diese waren hier aus seiner Sicht nicht angebracht. Langsam glitt das Zentrum seines Blickfelds in die Feuerstelle, wo es hängen blieb. Feuer bedeutete Leben in seiner Heimat und wie die wahre Inkarnation des Lebens tanzten die rot-orangenen Flammen durch die Luft. Nimmermüde in ihren schnellen und zuckenden Bewegungen fazinierte ihr Anblick bereits seit jeher die Menschen und Kewan bildete in dieser Hinsicht keine Ausnahme. In der wohligen Wärme konnte er Stunden ihren wilden Bewegungen zusehen, ohne in Langeweile zu verfallen und über alles nachdenken. So wild der Flammentanz auch war, so sehr beruhigte es ihn einfach seinen Blick darauf zu werfen.


"Du hast mir kaum etwas von dir erzählt. Ich weiß, dass dein Vater ermordet wurde, und dass das ganze Dorf dich nicht leiden kann, du aber jede Frau hattest, und rumkriegst, und dass du ein Arschloch sein sollst ...", riss ihn Kesha plötzlich aus den Gedanken und Kewan blickte verwundert auf. Sie hatte natürlich recht und der Jäger ärgerte sich innerlich, nicht schon früher etwas von sich erzähöt zu haben, doch er hatte es schlichtweg einfach noch nie wirklich tun müssen. Es hatte nie eine Person gegeben, der er wirklich sein Herz ausschütten konnte außer einer und diese war tot. Und hier im Dorf gab es niemanden, der sich wahrhaftig für seine Vergangenheit interessierte, weshalb er sie einfach für sich behalten hatte. Nachdenklich blickte Kewan zurück in die Flammen. Ohne eine Antwort von ihm abzuwarten fuhr sie fort:
"Verzeih, ich wollte dich nicht beleidigen. Aber wie soll ich dich besser kennen, wenn du mir nichts von dir erzählst? Ich könnte dir tausend Dinge von mir erzählen, zum Beispiel, als ich dich zum ersten Mal sah, da dachte ich mir, dass du gar nicht so gut aussiehst, wie dir dein Ruf vorausgeeilt war... Aber beim zweiten Mal dann war es ganz anders, und ich dachte mir, dass ich mich gern selbst davon überzeugen würde, was die Frauen über dich hinter vorgehaltener Hand tratschen..."
Keshas Worte entlockten ihm diesmal wirklich ein Lachen. Immerhin war sie seiner Ausstrahlung, der er sich durchaus bewusst war, nicht gänzlich unberührt geblieben.
"Jedoch, was deine Liebhaberqualitäten angeht, brauchst du dir wahrlich nichts drauf einzubilden, ich hatte schon bessere..."
Irgendwie wusste Kewan, dass dieser Satz als Scherz gemeint war. Vielleicht lag es an ihrer Stimme, an ihrem Auftreten, ein fach instinktiv hielt derJäger diese Aussage für keine Ernste. Schelmisch würdigte er sie eines maßregelnden Blickes, der natürlich auch den nötigen Ernst ermangelte.
"Geboren bin ich in Norr Hinthrog, das zweite Dorf recht weit im Westen von hier an der Küste. Vielleicht hast du ja schon davon gehört... Jedenfalls habe ich meine Mutter nie kennengelernt und mein Vater, naja, der war ungefähr so wie ich was das Ansehen unter den Leuten angeht. Irgendwann, ich war noch recht kein, sind wir dann hier hin gezogen. Mein Vater hat übrigens die Hütte hier gebaut... mehr oder weniger... Wie dem auch sei, also haben wir hier gelebt. Nichts spannendes. Halt ein ganz normales Leben. Dann, ein paar Jahre später legen irgendwelche bekloppten Spinner aus dem Süden meinen Vater vor meinen Augen um und weil der Rat es nicht gebacken bekommen hat den Mörder seiner gerechten Strafe zuzuführen, bin ich abgehauen."
Mit dem Ende des Satzes wandte Kewan seinen Blick wieder ab und stocherte einige Momente abwesend in den Flammen. Es fiel ihm tatsächlich ein wenig schwer darüber zu reden. Nicht aus dem Grund, dass er sich dabei in die Vergangenheit zurückversetzt fühlte, nein, viel mehr wusste er gar nicht mehr so recht wie es damals war. Natürlich, ein solches Gefühl konnte man nur schwer vergessen, doch es hatte schon Momente gegeben, da war jene Erinnnerung bei weitem intensiver gewesen und hatte den Jäger mehr in seinen Bann gezogen. Doch jetzt? Jetzt war es in einer gewissen Weise nicht mehr als lediglich eine Erzählung, eine kleine Geschichte für das Lagerfeuer.
"Naja... Ich bin abgehauen in die Wildnis, was in diesem Alter und mit meiner Aurüstung eigentlich den Tod bedeutete, aber irgendein alter Kauz hat mich gefunden. Der hieß Annuun und bei dem hab ich alles gelernt was ich heute wirklich weiß."
Dass Kewan so salopp von Annuun berichtete, hatte allein den Grund, dass es ihm unangenehm wirklich unangenehm war über den alten Mann zu sprechen, der für ihn mehr Vater war als sein leiblicher. Innerlich wehrte sich der Jäger gegen die aufkommenden Gefühle und gab sich größe Mühe sie nicht zu zeigen, was sich lediglich in einer kurzen Erzählpause offenbarte.
"Ja, von ihm hab ich auch den Namen Kewan, falls dich das interessiert. Annuun war allerdings schon ein ziemlich alter Knacker und es kam wie es kommen musste und auch der segnete das Zeitliche und wieder stand ich allein da. Mit 17 Sommern und habe mir gedacht, dass ich zu meinem Volk zurückkehren sollte. So gänzliche Einsamkeit, wie Annuun sie zu führen pflegte vor meiner Zeit war einfach nichts für mich. Kurzum, ich habe mich auf den Weg zurück nach Norr Bharrak gemacht und war wieder hier. Hab die verfallene Hütte von meinem Alten aufgebaut und seit dem leb' ich halt hier. Bin Jäger und das wars. Nichts wirklich spannendes."
Wieder herrschte Stille zwischen den Beiden. Kewan hatte den Blick gänzlich abgewendet und starrte nur noch auf das Feuer. Aus einem unerfindlichen Grund konnte er nicht anders. Schon wieder drückte die Trauer an seine Seele und hinderte ihn ein weing daran in die Zukunft zu sehen. Die Gedanken an Annuun waren schmerzhaft, sehr sogar und so richtig konnte der Jäger das nciht verbergen.
"Hör mal..." begann Kesha schließlich "... es tut mir sehr leid, ich meine die Sache mit Tarush. Ich wusste nicht, dass ihr Feinde seid. Ich habe es gar nicht darauf angelegt, mit ihm das Lager zu teilen, ich hatte von dir eine Woche nichts mehr gehört, und ich dachte, nachdem du mich hattest, sei ich nur eine deiner vielen Eroberungen, und du hättest dich längst einer anderen zugewandt. Vielleicht habe ich es auch aus Trotz getan, das soll auch keine fadenscheinige Ausrede sein... Aber, bitte denk nicht falsch von mir. Ich habe viele Fehler in meiner Vergangenheit gemacht... Das, was Levan über mich gesagt hat, dass ich weg bin, wenn du mir nichts bieten könntest, das stimmt nicht. Ich gebe zu, das ich die Tatsache, dass ich bei ihm ein angenehmes, sorgenfreies Leben führen konnte, nicht abstreiten kann. Es war auch ein Grund, warum ich bei ihm geblieben bin... Das, und dass ich schon so lange mit ihm verheiratet war. Ich wusste ja auch nicht, wie sehr es dich stören würde, denn ich wusste nicht, dass du etwas für mich empfindest. Es hat mich wirklich sehr überrascht, denn so lange kannten wir uns ja noch nicht, und ich habe dich auch nicht so eingeschätzt, auch wenn ich nichts auf das Gerede der anderen gebe, so hat es mich wohl unbewusst doch ein wenig beeinflusst..."
Kewan zuckte mit den Schultern.
"Du bist erwachsen, Kesha, du weißt was das Richtige für dich ist... Mir gegenüber bist du zu nichts verpflichtet", sprach er recht leer daher. Die Tatsache, dass sie ausgerechnet in diesem Moment Tarush ansprach passte ihm gar nicht, weshalb seine Worte vielleicht etwas harsch herüberkamen.
"Ich möchte mich bei dir dafür entschuldigen, Kewan. Wenn ich es ungeschehen machen könnte, dann würde ich es tun. Ich hätte mir gewünscht, du wärst an seiner Stelle gewesen... Außerdem war es nicht einmal ansatzweise so schön wie mit dir... Ich will nur, dass du das weisst... "
Er spürte, wie schwer es Kesha fiel darüber zu reden und ihre Intention beruhigte ihn. Kewan war froh, dass es ihr Leid tat, auch wenn sie ihm absolut keine Rechenschaft schuldig war. Viel mehr lag es an ihm sich zu entschuldigen, denn er hatte sich in jenem Moment gehen lassen und war seinem Zorn erlegen. Eine Sache die einfach nicht passieren durfte, doch auch Tarush hatte es darauf angelegt.
"Es ist in Ordnung, Kesha. Du brauchst dich für nichts zu entschuldigen... Hätte ich es nicht gesehen wäre nichts passiert. Alles wäre nciht passiert. Die ganze Scheiße mit Levan, Tarush und die jetzige Situation."
Endlich hob Kewan wieder den Blick und traurig fixierte er Kesha.
"Aber was passiert ist, ist nun einmal passiert."
Sprunghaft wechselte sie schnell das Thema.
"Deine Hautmalereien auf deinem Körper, sie sind wunderschön... Ich habe so etwas noch nie gesehen. Was haben diese eigentlich zu bedeuten, und wie wird so etwas gemacht...?"
Wieder lachte der Jäger, ging jedoch nicht weiter auf den Themawechsel ein. Gedankenversunken wischte er mit der Rechten durch das lange Deckhaar.
"Nun ja. Danke! Man nennt sie Tätowirung und man sticht dabei im Prinzip Farbe mit einer kleinen Nadel aus Knochen in die Haut. Es ist nicht ganz so einfach weil man nicht zu tief und nicht zu flach stechen darf, aber wenn man einmal den Dreh raus hat, dann kann man solche Bilder auf eine Haut zaubern und sie werden mich ein Leben lang begleiten."
Nach einer kurzen Pause entblößte Kewan ganzlich seinen Oberkörper und begann Kesha die Bedeutung der einzelnen Bilder zu erzählen. Von der Jagt und der auf seinem Körper abgebildeten Beute und dass sie für ihn so etwas wie Erinnerungen waren an eben diese Glücksmomente als erfolgreicher Jäger.
"Und bei dir? Dein Leben? Was hast du sonst noch so getrieben?", fragte der Jäger schließlich, nachdem er bereits eine ganze Weile erzählt hatte und blickte Kesha dabei schelmisch in die Augen. Grob hatte er ihr nun einen Überblick über seine Vergangenheit gegeben und in der Tat wusste er ja bereits auch einiges über sie, doch Kewan hatte allerdings keinerlei Vorstellungen von ihrer Heimat, was ihn natürlich sehr interssierte, aber auch nie direkt aussprach. Aus irgendeinem Grund wollte er, dass sie zuerst darauf zu sprechen kam.



Der nächste Morgen brachte eine neue Stimmung auf, die die leicht aufgekommene Belegtheit des Vortages einfach wegwischte. Kesha war in Kewans Armen eingeschlafen und aufgewacht und beide fühlten sich nun ein wenig besser. Sie kochte sogar einen durchaus schmackhaften Brei zum Frühstück, den der hungrige Jäger einfach hinunterschlang. Auf Keshas Bedenken zuckte er ldiglich mit den Schultern und wies sie ab. In seinen Augen sollte es keinerlei Probleme auf der Reise geben. Sie waren nicht in Eile, niemand trieb sie an und sie mussten auch nicht unentdeckt einen Hundeschlitten klauen, was die ganze Angelegenheit schon mal um einiges vereinfachte. Und auch wenn sie ihm wahrlich keine große Hilfe war, so nahm er die Unannehmlichkeiten für sie doch gerne in Kauf. Es wäre doch gelacht, wenn sie es nicht unbeschadet aus der Eiswüste herausschaffen würden. Nur Schneestürme oder ein Blizzard konnte ihnen wirklich gefährlich werden und daran verschwendete Kewan keinen Gedanken... auch wenn tief in seinem Inneren die ein ungutes Gefühl in ihm wuchs.
Auch, dass Kesha mit ihm nicht das Haus verlassen konnte mussten die Beiden vorerst akzeptieren. Zu schnell würde das Getuschel zu einem lauten Aufschrei heranwachsen und dann wäre Levans Tod nicht mehr zu verschleiern gewesen.
"Und ein Schnaps wäre jetzt toll... Aber du Narr musstest ihn ja zerstören...Was genau hast du damit eigentlich gemacht? Und warum...? "
Bei ihren Worten verschluckte sich der Jäger beinahe an dem Brei und legte die fast gänzlich geleerte Schale vor sich auf den Boden. Kewans Blick fuhr zu der Stelle, an der er die Fässer damals zerstört hatte und zeigte in jene Richtung.
"Dort hab' ich die Fässer zerstreten und zerworfen.", begann er und wischte sich über den Mund, "Weil... weil... ich weiß auch nich'... Mir war halt danach. Ich hatte mich beschissen gefühlt nach der ganzen Sache mit dem Schiff und... ach vergiss es."
Kewan kam sich richtig dämlich vor bei der ganzen Sache und legte das Gesicht in die geöffnete Handfläche. Was sollte er sagen? Er wusste es ja selber nicht einmal warum genau er sie zerstört hatte. So hatte sich der Jäger noch nie zuvor gefühlt und wenngleich es natürlich etwas mit Kesha zu tun hatte, vermied er es sie als grund anzusprechen. Natürlich würde sie wissen was passiert war, dessen war sich Kewan sicher, doch das genügte ihm. Er musste die ganze Sache nichtweiter ausführen, redete deshalb noch ein wenig schwammiges Zeug und beließ es schließlich dabei. Verlegen grinsend suchte er ihren Blick und kratzte sich am Hinterkopf.
Etwas verwirrt schien Kesha die ganze Sache hinzunehmen und beide führten das Mahl zu Ende. Danach machte sie es sich bequem und bettete dabei ihren Kopf auf Kewans Schoß, während er sich entspannt an einen Holzpfeiler lehnte und zärtlich durch ihr goldenes Haar fuhr. Kesha erzählte. Endlich erzählte sie mehr von ihrer Heimat, von den fernen Ländern im Süden und alles war so anders. Sie sprach von einer Welt ohne Schnee, von großen Städten mit vielen tausend Menschen und fachte seine Fantasie mehr als an. In Gedanken war er bereits dort, wanderte durch belebte Straßen und enge Gassen und ein wohliger Schauer lief dabei seinen Rücken herunter. Viel Zeit verging, während Kesha mit ihren Worten mehr und mehr Bilder in seinem geist formte, ehe sie irgendwann aus der trauten Zweisamkeit gerissen wurden. Laut klopfte es an der hölzernen Tür, die Wind und Wetter draußen hielt und auch Gäste... zu Mindest vorerst.
Kewan verneinte Keshas Frage mit einem Kopfschütteln und legte die Stirn in Falten. Wer mochte das sein? Erwarten tat er niemanden, doch es schein sehr dringlich zu sein und das Herz rutschte dem Jäger für einen Moment in die Hose, ehe sein charakterlicher Trotz auftrat und sämtliche Unsicherheit mit einem Schlag vernichtete. Vorsichtig erhob er sich und folgte dem Aufruf die Tür zu öffenen und was er sah, bestätigte ihn in seinen Befürchtungen.
Frech grinste er die fünf Wächter an, die sich angeführt von Tarush vor seinem Heim versammelt hatten.
"Oh Tarush! Deine neue Erscheinung steht dir weit besser als die alte!", begrüßte Kewan seinen alten Rivalen und spielte spitz auf die Verunstaltung seines Gesichtes an. Wütend schnaubte der Angesprochene und mit einer Handbewegung stoppte das entstandene Gekicher.
"Halt die Klappe, du Hund, wollen doch einmal sehen, wer von uns beiden als letztes noch lacht."
"Das werde dann wohl ich sein, Tarush, denn mit deinem Gesicht kann man das gar nciht mehr als Lachen bezeichnen..."
"Deine Mätzchen kannst du dir sparen, Arschloch. Wir sind aus zu wichtigen Gründen gekommen, um uns deine tollen Sprüche anzuhören."
"Ach ja und das wäre?", unterbrach Kewan ganz dreißt den Wächter, dem die Zornesröte immer stärker in das entstellte Gesicht stieg. Absichtlich hatte derJäger die Tür zu seinem Haus weider zugeweorfen, um jedem einen Blick in sein Inneres zu verwehren. Auch wenn es vermutlich bereits alle wusste, so sollte dennoch niemand Kesha in seinem Heim erblicken. Er wusste nicht warum, doch er fühlte sich so besser.
"Was weißtdu darüber, was mit Levan passiert ist?", fuhr Tarush fort und fixierte Kewan scharf.
"Wer ist Levan?", fragte dieser zurück und das völlig überzeugend.
"Nicht so schnell, Freundchen. Hinter deiner tollen Fassade steckt mehr als nur flache Sprüche und ein Arschloch. Mach die Tür auf."
"Warum?"
"Mach sie auf, verdammt nochmal, oder muss ich den schäbigen Bretterverschlag eintreten?"
Kewan seufzte.
"Nicht schon wieder."
Genervt öffnete er die Tür und gab den Blick auf Kesha preis, ohne dabei jedoch die Miene zu verzihen.
"Aha, wen haben wir denn da?", fragte Tarush gespielt überrascht und trat unverzüglich in die Hütte, "Weißt du zufällig, wie es deinem Mann geht, meine hübsche, liebe Kesha? Auch nicht? Schade... Wir wissen es aber... Tot ist er! Zugerichtet auf übelste Weise und ich weiß, dass einer von euch Turteltäubchen das war, wenn nicht, dann wart ihr es beide!"
"Auch ja?", antwortete Kewan stehendenfußes und trat ganz nahe an seinen Rivalen heran, "Wenn du das weißt, dann hast du sicherlich auch Beweise, oder nicht?"
Tarush hielt dem herausfordernden Blick seines Gegenüberst stand und funkelte böse zurück.
"Noch habe ich die nicht, mein lieber K'eyshu, aber findest du es nicht ein wenig eigenartig, dass Kesha bis eben noch nichts von dem Tod ihres Mannes wusste, obwohl er schon einige Zeit tot ist? Was habt ihr die ganze Zeit gemacht, frage ich mich? Irgendwann hast du sicherlich auch mal deine letzte Ladung verschossen!"
Achtlos spuckte der Wächter auf den Boden und schüttelte den Kopf.
"Irgendwas ist hier mächtig faul und es ist auch nicht schwer zu erraten, was das ist..."
"Jetzt nimm den Mund nicht so voll, Arschloch und verpiss dich von hier. Wir haben jedenfalls nichts getan. Ende."
"Und woher kommen dann die blauen Flecke auf deinem hübschen Gesicht, meine Liebe?", fragte Tarush, der sich nun gänzlich zu Kesha ungewandt hatte und sie arwöhnisch musterte.

Benutzeravatar
Lesha
verschollen
Beiträge: 101
Avatar: Erika-Xero
Alter: 20
Rasse: Mensch (Arcanier)
Heimat: Rômachar
Inventar: Almosenbeutel mit einigen Münzen, Wasserschlauch, Löffel & Messer

Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Fr, 06. Sep 2013 13:44

"Du bist erwachsen, Kesha, du weißt was das Richtige für dich ist... Mir gegenüber bist du zu nichts verpflichtet" meinte Kewan. Kesha verzog die Augenbrauen und entgegnete "Ich bin nicht deiner Meinung, Kewan, ich finde, man weiß nicht immer, was gut für einen ist... Ich bin das beste Beispiel dafür... Und wer kann schon sagen, was das beste für einen ist? Wäre es das Beste für mich gewesen, gar nicht erst zur Trümmerküste zu segeln? Dann wären wir uns nie begegnet. Und wäre es besser für dich gewesen, mich nie kennen zu lernen? Vielleicht ist das beste, das mir passieren konnte, vielleicht auch nicht... wer weiß das schon? Fragte sie ihn herausfordernd. Doch er schien nicht die beste Laune zu haben, an diesem Tag, was Kesha ein wenig verdross. Sie konnte schlechte Laune und düstere Gedanken nur schwer ertragen. Es schien ihr, als würde er es ihr trotz allem übel nehmen, dass sie mit Tarush intim war. Kesha zuckte nur die Schultern, sie konnte es ja nicht rückgängig machen. Genauso wenig wie sie Levans Tod rückgängig machen konnte. Sie mussten nun beide damit leben, dass es Dinge gab, die die beiden vielleicht ein wenig entzweite, anstatt sie einander näher zu bringen. "Aber was passiert ist, ist nun einmal passiert." Ein trotziger Satz. Kesha hatte keine Lust mehr, darauf einzugehen, und darum schwieg sie darüber und wechselte das Thema. Sie sprach ihn auf seine Hautmalereien an, und Kewan erklärte ihr, was das sei, und was es damit auf sich hatte. Er entblösste seinen Oberkörper, und zeigte ihr Bild für Bild. Um das eine oder andere rankten sich richtige Geschichten, manche waren nur Symbole mit einer kurzen Erklärung. Kesha ließ bewundernd ihre Blicke über seinen Oberkörper schweifen, nicht nur der Bilder wegen, sondern auch, weil ihr gefiel, was sie sah. Zum einen war sein Körper muskulös und wohlgeformt, und zwischen den Bildern zogen sich auch etliche Narben, von Kämpfen, von der Jagd, und andere Verletzungen. Kesha blickte ihm in die Augen und fragte ihn "Würdest du mir auch ein Bild in den Körper stechen? Dann trage ich stets einen Teil von dir bei mir, und wird mich ebenso ein Leben lang begleiten..." Sie lächelte dabei, und fuhr mit ihrer zierlichen Hand über die große Narbe, die über seine Brust verlief. Ihre Stimme dabei war gedämpft, und verführerisch.

"Und bei dir? Dein Leben? Was hast du sonst noch so getrieben?" fragte er sie schließlich, und Kesha überlegte, was sie ihm so erzählen könnte. "Naja, mein Leben war nicht halb so aufregend wie das deine. Wir haben wie gesagt ein großes Haus im schönsten Stadtteil Rômachars. Wir haben einige Diener, die mir das Leben erleichtern. Nurasa ist eine Magd. Sie kümmert sich um den Haushalt, hält das Haus in Ordnung. Sie ist eine Menai. Das sind dunkelhäutige Menschen aus Menaion, ganz unten, im Südwesten Alvaranias. Sie ist eine Sklavin. Das ist es auch, womit Levan am erfolgreichsten gehandelt hatte. Ein sehr einträgliches Geschäft. Ich habe mich um seine Geschäftsbücher gekümmert, ich habe seine Ausgaben und seine Einnahmen ausgerechnet und darüber Buch geführt. Eine langweilige Beschäftigung..." seufzte sie. Meistens saß ich zuhause, auf unserer Terrasse, wo man einen Blick weit übers mehr bis zum Horizont hat. Es gibt noch Bedienstete, die sich um unseren großen Garten kümmern. Sogar zwei Leibwächter gab es bei uns, Malun und Eremar, sie haben sich hauptsächlich um unser Anwesen gekümmert, dass keine Bettler, Bittsteller oder zwielichtiges Gesocks es betreten können. Über die Wintermonate war Levan immer zuhause. Da war seine Pflicht hauptsächlich, ein Kind mit mir zu zeugen, denn von den Erträgen und Einnahmen des Handels konnten wir wirklich sehr gut leben. Doch dazu ist es, wie ich dir bereits erzählt habe, leider nie gekommen. Ich weiß nicht, ob es wirklich an ihm gelegen hat. Ich war ja auch kein Kind vonm Traurigkeit. Ich habe immer dann Kräuter genommen wenn ein mögliches Kind verräterisch gewesen wäre. Ein menaionisches zum Beispiel... Oder wenn es erst kurz vor seiner Rückkehr empfangen hätte werden können. Levan war ja nicht dumm, er konnte vorzüglich rechnen..." grinste sie beinahe diebisch. Doch dann seufzte sie. "Es ist mir, als würde durch meinen einstigen Tod nichts von mir übrig bleiben, so ohne Kinder... Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehnlich ich mir ein Kind wünsche. Noch heute noch, obwohl ich es längst aufgegeben habe. Für eine Weile wäre es mir auch Recht gewesen, ein fremdes Kind aufzuziehen. In den großen Städten gibt es ein sogenanntes Waisenhaus. Dort leben Kinder, deren Eltern gestorben sind, oder die das Kind einfach zurückgelassen oder nach der Geburt ausgesetzt haben." Sie schüttelte verständnislos den Kopf darüber. "Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte ich mir solche Kinder geholt. Doch Levan wollte davon nichts wissen. Der Gedanke, ein fremdes Kind als sein eigenes aufzuziehen, war ihm stets ein Greuel. Daran hielt er stets fest, ohne mich zu fragen, was ich eigentlich will." Sie seufzte tief. "Weisst du, meine Mutter, damals, in Arcanis, war eine Amme. Wir hatten ständig Säuglinge im Haus. Ich habe mich stets mit um diese gekümmert. Ich konnte es kaum erwarten einmal selbst eine ganze Schar Kinder zu haben..." Kesha schwieg. Sie wollte dieses Thema nicht länger erörtern und zerreden. Wer wusste schon, wie Kewan zu Kindern stand? Eigentlich machte er auf sie nicht so sehr den Eindruck, als würde er sich als Vaterfigur identifizieren können, und sie vermied es tunlichst, ihn darauf anzusprechen.

Immerhin war der nächste Morgen nicht ganz so bedrückend, wie der Vortag. Doch kaum kam die Sprache auf die zerstörten Schnapsfässer, war Kewan wieder wie ausgewechselt. Kesha fragte ihn nach dem Warum, doch Kewan wurde wieder seltsam. "Dort hab ich die Fässer zertreten und zerworfen. Weil... weil... ich weiß auch nicht'... Mir war halt danach. Ich hatte mich beschissen gefühlt nach der ganzen Sache mit dem Schiff und... ach vergiss es." Doch Kesha vergass es nicht. Immerhin war sie nicht dumm, und sie lächelte wissend. Doch sie erwiderte nichts darauf. Es lag ganz klar auf der Hand, dass sie ihn mit ihrer Aussage im Zelt nach dem Akt verletzt hatte. Auch wenn es nicht in ihrer Absicht gelegen hatte. Die Sache mit Tarush hatte dem ganzen noch die Krone aufgesetzt. Wie ein Gestörter war er auf Tarush losgegangen, weil er es nicht hatte ertragen können, dass sie mit ihm das Lager geteilt hatte. Er war eifersüchtig gewesen, und verletzt. Auch hier hatte Kesha dies nicht mit böses Absicht gehalten. Solange er sich nicht zu ihr bekannte, und ihr sagte, dass er ein gemeinsames Leben mit ihr führen wollte, dass er wollte, dass sie die seine sei, solange würde sie überhaupt nichts tun. Solange war sie ihm zu nichts verpflichtet. Jeder war in des anderen Schuld gestanden, sie hatte ihm das Leben gerettet, auf dem Schiff, und er hatte sie nach Levans Ausraster bei sich aufgenommen, hatte ihre, wenn auch zweifelhafte, Ehre wiederhergestellt und ihr Gerechtigkeit gegeben. Damit war jede gegenseitige Schuld aufgehoben. "Ich verstehe schon..." meinte sie leise, und stellte die Schüssel beiseite. "lass uns nicht mehr darüber reden. Es gibt soviel anderes, worüber wir uns die Zeit vertreiben könnten. Sie schmiegte sich in seinen Schoß, und erzählte ihm von Rômachar, während er ihr zärtlich durch die Haare fuhr. "Du wirst nie wieder arbeiten müssen... Ausser natürlich, du willst es. Aber in Rômachar selbst gibt es nicht soviel zu Jagen, es sei denn, du gehst auf Rattenjagd. Die Bevölkerung Rômachars wird dir dafür sehr dankbar sein... Du kannst den ganzen Tag tun und lassen, was du willst... In meinem Haus kannst du ein und ausgehen, wie es dir beliebt, du kannst in den Tavernen herumlungern, und noch ganz andere Dinge trinken, als Schnaps. Goldenen Wein, roten Wein, weißen Wein, Rum, Bier... Du kannst über die Märkte schlendern, dir kaufen, wonach dein Herz verlangt, du kannst ans Meer gehen, oder dort baden... Es ist warm und angenehm, nicht so wie hier das Eismeer... Manchmal kann man nicht unweit vom Ufer entfernt, kleine Wale oder Delphine auftauchen sehen... Es gibt duftende Orangenhaine, Zypressen, eine Vegetation, die du dir nicht einmal annähernd vorstellen kannst... Wir können Reisen unternehmen, uns die Welt ansehen..." schwärmte sie. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass du dein altes Leben vermissen wirst... Rômachar ist der schönste Fleck, den ich je gesehen habe..."

Als Kewan die Tür öffnete, konnte Kesha nicht erahnen, wer da stand. Zwar hörte sie Stimmen, und Wortfetzen, die nicht ganz so heiter klangen, doch sie konnte nichts davon verständlich aufschnappen. Kewan selbst trat hinaus und schloss die Türe hinter sich, was Kesha mit einem mulmigen Gefühl quittierte. Nach einer Weile öffnete Sich die Türe wieder und Kesha konnte Kewan und Tarush sehen. Als ihr Blick auf letzteren fiel, zog sich ihre Magengegend unangenehm zusammen. Was wollte der Bastard hier??? "Aha, wen haben wir denn da?" spöttelte Tarush, und trat in die Hütte. Er fixierte Kesha, welche auf einem der Felle nahe der Feuerstelle saß, und fuhr fort "Weißt du zufällig, wie es deinem Mann geht, meine hübsche, liebe Kesha?" Sie fühlte sich ertappt. Er wusste es! Verdammt, woher wusste er es? Als Kesha den Kopf schüttelte, und ihn aufmerksam, wenn auch ein wenig fragend anblickte, fuhr er dort. "Auch nicht? Schade... Wir wissen es aber... Tot ist er! Zugerichtet auf übelste Weise und ich weiß, dass einer von euch Turteltäubchen das war, wenn nicht, dann wart ihr es beide!" Es war an der Zeit, ihre gesamten schauspielerischen Fähigkeiten zur Schau zu stellen. "Levan ist tot?" rief sie ungläubig, und ihre Miene wurde steinern. Es war ja auch nicht allzu schwer. Sie hatte Levans Tod noch nicht wirklich überwunden, und so war es ein leichtes, Überraschund und Fassungslosigkeit zu mimen. "Was heisst, er ist tot? Was ist passiert?" fragte sie ihn. "Wieso könnt ihr mir das nicht sagen?" entgegnete Tarush. "Es ist schon reichlich seltsam, dass Levan tot ist, und ihr hier beide in eurer Hütte sitzt, und man euch seit Tagen nicht mehr gesehen hat. Ich weiß noch nicht warum und weshalb, aber ich bin mir sicher, dass einer von euch etwas damit zu tun hat. "Ach ja? Wenn du das weißt, dann hast du sicherlich auch Beweise, oder nicht?" funkelte Kewan ihn an. Tarush erwiderte seinen Blick und antwortete "Noch habe ich die nicht, mein lieber K'eyshu, aber findest du es nicht ein wenig eigenartig, dass Kesha bis eben noch nichts von dem Tod ihres Mannes wusste, obwohl er schon einige Zeit tot ist? Was habt ihr die ganze Zeit gemacht, frage ich mich? Irgendwann hast du sicherlich auch mal deine letzte Ladung verschossen!" "Hüte deine Zunge, Tarush!" zischte Kesha ihm böse zu. "Wie kannst du es wagen, K'eyshu oder mir einen Mord anzulasten? Ich bin hier weil..." Warum war sie hier? Wenn sie ihm erzählte, dass Levan sie verprügelt hatte, würde er eins und eins zusammen zählen und Kewan die alleinige Schuld an Kewans Tod geben. "...weil du einfach eine Schlampe bist?" schloss Tarush Keshas Satz. Naja, das war nun nicht die Antwort, die sie ihm geben wollte, aber wenn dies der einfachste Weg war... Nein! Nein! Es war nicht so, sie hatten nichts getan, die letzten Tage. "Wir haben nichts getan, Tarush.. Du warst so schlecht, dass mir das alles verleidet hat!" fauchte sie ihn an. Tarush lachte leise. "Dein Stöhnen hat mir aber etwas anderes verraten, süße Kesha..." überging er ihre Spitze. Kesha fand, dass es nicht zielführend war, wenn Tarush Kewan mit solchen Äußerungen provozierte. Sie hoffte, dass Kewan sich einigermaßen im Griff hatte. Sie warf einen Blick auf die offene Tür, und sah, dass da noch mehr Männer standen. "Warum hatten sie es herausgefunden? Wer war bei Levan gewesen? "Irgendwas ist hier mächtig faul und es ist auch nicht schwer zu erraten, was das ist..." "Jetzt nimm den Mund nicht so voll, Arschloch und verpiss dich von hier. Wir haben jedenfalls nichts getan. Ende." entgegnete Kewan ihm schnippisch, doch Tarush ließ sich nicht von ihm beirren, und trat überdies näher an Kesha heran. Er hockte sich zu ihr herunter und schnalzte mit der Zunge, als er in sein Gesicht blickte. "Und woher kommen dann die blauen Flecke auf deinem hübschen Gesicht, meine Liebe? Oder war es etwa gar K'eyshu, der dich so zugerichtet hat?" grinste er widerwärtig. "Pass auf, was du sagst, Tarush..." flüsterte Kesha. "Also. Ich sehe das so... Immerhin kenne ich K'eyshu ja schon eine ganze Weile. Er hat dich und mich erwischt, und irgendetwas daran hat ihn mächtig gestört. Wahrscheinlich, weil er dich nicht haben konnte. Was mich fast verwundert, denn normalerweise ist er es, [18]der seinen Schwanz überall hinein steckt[/18]..." Tarush erhob sich wieder, und während er auf und abschritt, führte er seine Gedankengänge weiter. "Dann hat er mich verprügelt, wie wir alle wissen... danach hat er mit dir dasselbe gemacht, und danach hat er deinen Mann umgebracht... Zwar ergibt das alles keinen Sinn, denn warum wärst du sonst bei ihm?" Er blickte Kesha scharf an "Oder bist du aus Angst bei ihm? Hält er dich gefangen?" "Nein, ganz sicherlich nicht, Tarush... Er ist nicht so wie du..:" Tarush unterbrach sie wieder scharf "Dann ist eben so: Levan hat erfahren, dass wir beide etwas miteinander hatten, er hat dich so zugerichtet und K'eyshu hat ihn umgebracht..." "Nein, so ist es ganz sicherlich nicht gewesen!" leugnete Kesha entschieden. "Dann sagt ihr mir doch, wie es war!" "Ich weiß von berhaupt nichts! Und ich weiß, dass K'eyshu es nicht war, denn ich war die letzte Woche bei ihm..." rief Kesha. "Und warum? Warum bist du nicht bei deinem Mann, Kesha? Du behauptest, ihr hattet nichts miteinander, und trotzdem lungerst du angeblich die ganze Zeit bei ihm? Das passt doch überhaupt nicht zusammen... Und es passt auch nicht zu K'eyshu..." "Das geht dich überhaupt nichts an!" schrie Kesha ihn an. "Ich habe den Auftrag, K'eyshu mitzunehmen... Also entweder ihr sagt mir jetzt, was ihr wisst, oder wir lassen ihn in der Arrestzelle verrotten!" drohte Tarush. "Das kannst du nicht machen, Tarush!" "Ich kann sehr wohl, ich bin ein Wächter... neben den anderen vieren, die draußen stehen... Also, höre ich noch etwas?" Kesha wusste, dass sie keine Möglichkeit hatte. Sie musste die Wahrheit sagen. "Levan hat mich verprügelt..." begann sie zögerlich. "Das ist nur deine Schuld, Tarush... Du musstest ja allen von uns beiden erzählen! Und so hat Levan es erfahren!" Tarush grinste. "Und weiter...?" forderte er sie auf. "Levan war fuchsteufelswild, als er davon erfuhr... Er hat mich geschlagen und vergewaltigt..." "Vergewaltigt vom eigenen Mann? Also wirklich Kesha, das ist masslos übertrieben, wenn nicht gar schändlich verleugnerisch. Wohl eher hat er sich genommen, was ihm als Ehemann zustand..." grinste er ekelhaft. Kesha überging seine Provokation. "Ich bin danach zu K'eyshu geflohen... Ich hatte ja sonst niemanden, zu dem ich hätte gehen können. Zu Ania? Undenkbar, sie hat Kinder, ich hätte sie damit in Gefahr gebracht... Also ging ich zu K'eyshu... Er ist mein Freund..." flüsterte sie und warf Kewan einen zärtlichen Blick. "Und nur mein Freund. Du kannst dir nicht im Entferntesten vorstellen, was Levan mir angetan hat... Und das ist der sichere Beweis, dass wir nichts miteinander hatten! Das beschwöre ich! Ich schwöre einen Eid darauf! Auf meine Götter, wenn ihr wollt! Und ich kann auch gerne zur Heilerin gehen. Sie soll mich untersuchen und sie wird bestätigen, dass ich die Wahrheit gesprochen habe!" blickte sie ihn herausfordernd an. "Dann mach das... Ihr werdet jeden Beweis brauchen, der zu euren Gunsten entscheidet! Aber trotz allem beweist deine Geschichte nicht, dass K'eyshu ihn nicht umgebracht hat. Im Gegenteil, das wirft eher das Licht auf ihn, dass er es getan hat... Man hat ja gesehen, was er mit mir gemacht hat, weil jemand seine scheinbar so geliebte Kesha [18]gefickt[/18] hat, obwohl sie es auch wollte..." grinste er und warf K'eyshu einen vielsagenden Blick zu. "Was würde er wohl mit dem tun, der Hand an dich legt?" wechselte er herausfordernde Blicke zwischen Kewan und Kesha. Kesha schwieg. Sie hatte versucht, in dieser auswegslosen Situation Kewan zu helfen. Doch geholfen hatte es nicht, es hatte vielmehr die Schlinge um seinen und ihren Hals weiter zugezogen. Doch egal, was sie gesagt hätte, hätte das vermutlich getan. Ebenso, wie eisernes Schweigen...

"K'eyshu... Mach es uns einmal nicht so schwer..." bat Tarush ihn außergewöhnlich ruhig. "Ich hab den Auftrag, dich zum Ältestenrat zu bringen. Gleich jetzt... Also komm..." Kesha schluckte schwer. Sie hätten sofort fliehen sollen. Es musste ja kommen, wie es gekommen war. "Ich warte draußen... Wenn du in zwei Minuten nicht rauskommst, treten wir die Türe ein und nehmen dich mit... Wir sind zu fünft, vergiss das nicht..." Er wandte sich um, trat aus der Tür und warf sie hinter sich zu.

Zögerlich trat Kesha an Kewan heran. Sie umfing seine Hüfte und zog ihn an sich hran. "Es tut mir leid, Kewan..." flüsterte sie und blickte ihn traurig an. "Ich habs versucht... Ich hab wirklich versucht, dir zu helfen... Ich werde alles tun, was nötig ist, um dir zu helfen, das verspreche ich dir... Lass mich mitkommen. Wir tragen beide Schuld daran, was passiert ist, und darum werde ich vor dem Ältestenrat auch zu dir stehen. Wir bleiben bei unserer Geschichte. Es hätte jeder aus dem Dorf gewesen sein können..." Sie nahm sich ihren Pelzmantel, und hüllte sich darin ein. Dann legte sie ihre Hand in seinen Nacken, und zog ihn zu sich heran, küsste ihn, als wäre es der letzte Kuss...
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
Sie will es und so ist es Brauch
Was sie will bekommt sie auch

Benutzeravatar
Kewan
Jäger
Beiträge: 24
Avatar: Eve Ventrue
Alter: 28
Rasse: Mensch
Heimat: Eiswüste
Waffen: Sperr, Schwert, kleines Steinmesser
Inventar: Eine kleine Ledertasche mit einigen kleineren Handwerksutensilien.

Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Mo, 09. Sep 2013 15:37

"Ich bin nicht deiner Meinung, Kewan, ich finde, man weiß nicht immer, was gut für einen ist... Ich bin das beste Beispiel dafür... Und wer kann schon sagen, was das beste für einen ist? Wäre es das Beste für mich gewesen, gar nicht erst zur Trümmerküste zu segeln? Dann wären wir uns nie begegnet. Und wäre es besser für dich gewesen, mich nie kennen zu lernen? Vielleicht ist das beste, das mir passieren konnte, vielleicht auch nicht... wer weiß das schon?", sprach sie und Kewan grinste sie breit an. Er mochte derlei neckische Spielereien, welche in ihrem Kern doch eine recht ernste Botschaft hatten. So etwas war für ihn die beste Grundlage um miteinander zu sprechen und sein Gegenüber besser kennenzulernen, denn es nahm viel Aggressivität aus dem Gesprach, wenngleich manch ein Thema auch seine eigene Brisanz an den Tag legte.
"Natürlich ist man hinterher immer schlauer und man hadert vielleicht mit getroffenen Entscheidungen... aber sammelt man nicht sein ganzes Leben über Erfahrungen und häuft Wissen, um alle Entscheidungen immer besser treffen zu können? Irgendwann kommt halt nun einmal der Punkt, an dem man sein Leben selbst in die Hand nehmen muss. Bei manchen früher und bei manchen eben später und ab diesem Punkt muss man das Richtige für sich entscheiden, denn mit der ersten wirklich falschen Entscheidung endet das Leben. Ob man nun besser oder schlechte aus irgendwas hervortritt, dass ist doch einerlei. Es geht darum das Beste zu optimieren.", war Kewans Antwort, die er eher scherzhaft intonierte, um die etwas bedrückte Stimmung ein wenig aufzuhellen. Mit Sicherheit hatte er auch seinen Anteil daran, doch er gab sich alle Mühe alles wieder ein wenig mehr ins Licht zu rücken.
"Aber was passiert ist, ist nun einmal passiert.", fuhr Kesha wiederum passend fort und er akzeptierte es. Sie war ihm numal keine Rechenschaft schuldig und theoretisch konnte es ihr sogar recht einerlei sein, wie er mit der ganzen Sache rund um Tarush klarkam. Glücklicherweise war es ihr aber nicht egal und das rechnete der Jäger Kesha sehr hoch an. Sie wechselte das Thema und kam auf seine Tätowierungen zu sprechen, die er alle voller Stolz präsentierte und erklärte. Auch den Hergang des Tätowierens selber erklärte er ihr und sie schien regelrecht begeistert davon zu sein, was Kewan freute. Es war recht unüblich für sein Volk sich so zu verzieren und galt in höheren Kreisen durchaus als verpöhnt, doch darauf gab er nichts. So wie er auf beinahe nichts etwas gab und sein eigenes Leben lebte.
"Würdest du mir auch ein Bild in den Körper stechen? Dann trage ich stets einen Teil von dir bei mir, und wird mich ebenso ein Leben lang begleiten...", fragte Kesha als Kewan geendet hatte und in ihrem Blick, in ihrer Stimme und in ihrer Berührung lag etwas Verführerisches, dass den Jäger eine Gänsehaut bekommen ließ.
"Natürlich würde ich dir ein solches Bild stechen. Wenn du dir wirklich sicher bist, dass du eines willst, dann wäre es mir eine Ehre!"
Dies war so ein Zuspruch, den er begehrte. Eine Tätowierung war für den Rest ihres Lebens ein Teil von ihr und würde sie für immer an ihn erinnern. Dieser Gedanke erfüllte Kewans Herz mit Freude und immer mehr keimte die Hoffnung in ihm auf, doch er hatte ihr Zeit versprochen. Zeit, die er ihr auch gewähren würde. In diesem Moment war er wirklich glücklich.


Als Kewan Kesha auf ihr Leben ansprach begann sie ausladend von den Annehmlichkeiten ihrer Heimat Rômachar zu erzählen. All ihre Worte trugen einen Sinn in sich, der dem Jäger völlig Fremd war, denn sie beschrieben eine Welt von deren Existenz er nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Eine Welt ohne zwanghafte Anstrengungen, ohne wirkliche Pflichte, ein scheinbares Paradies. Doch so toll dies auch alles klang, so schwang doch ein wenig Unbehagen in den zum fantasieren angeregten Gedanken mit. So ein Leben würde mit Sicherheit Schwäche nach sich ziehen. Levan war das beste Beispiel dafür. Wie Kesha erzählte hatte er einst auch einen anderen Anblick und hatte sich gehen lassen. Ob dies wohl ein Nebenprodukt dieses unermesslichen Reichtums war? Sollten es die beiden in Keshas Heimat schaffen, so war für den Jäger klar, dass er sich nicht so gehen lassen würde. Er wollte auch keine Bediensteten, auch Leibwächter konnte er sich an seiner Seite nciht vorstellen. Man würde ihn mit Sicherheit für schwach halten und das war etwas, das Kewan mit aller Macht bekämpfte. Seine Ausstrahlung war ihm sehr wichtig und sich hinter irgendwelchen Leibwächtern zu verstecken zeugte von wenig Mut. Und vor was für Gefahren sollten sie einen auch in dieser Welt von der Kesha berichtete auch beschützen? Bettler und Bittsteller konnte der Jäger auch selber abweisen, dazu brauchte er keine Hilfe. Dann kam sie auf ein Thema zu sprechen, dass bei Kewan noch mehr unbehagen auslöste: Kinder.
Wenn er ehrlich zu sich war, dann konnte er sich selbst nicht als Vater vorstellen. Wenn er auf sein Leben zurückblickte, so wirkte er vermutlich überhaupt nicht als eine gute Vaterfigur und er zweifelte ja auch selber daran eine gute abzugeben. Was Kesha nun darüber dachte wusste er nicht. Er wusste ja nicht einmal, ob sie ihn wirklich liebte, ja nicht einmal sie wusste das. Von daher war es auch viel zu früh über Kinder nachzudenken und auch sie schien nicht weiter auf dieses Thema einzugehen, was der Jäger innerlich begrüßte. Es war ja nicht so, dass er sich das überhaupt nicht vorstellen konnte, durchaus wäre er stolzer Vater, doch es war alles so befremdlich. Aber all diese Gedanken gingen unter in dem ganzen Neuen, dass Kesha erzählte und seine Fantasie anregte und unglaubliche Bilder vor sein geistiges Auge prjezierte. Kewan konnte es wirklich kaum erwarten all das endlich auch mit eigenen Augen sehen zu können.


"Ich verstehe schon... lass uns nicht mehr darüber reden. Es gibt soviel anderes, worüber wir uns die Zeit vertreiben könnten.", sagte Kesha auf Kewans wage Erklärung zur Zerstörung der Schnapsfässer und er war ihr dankbar, dass sie ihn nicht bloßstellte. Tatsächlich schwang sogar Trost in ihren Worten mit, was ihm ein müdes Lächeln auf die Züge trieb.
"Da hast du recht... Danke", murmelte er halblaut. Der Jäger wusste nicht, wie weit er gehen sollte. Wenn er sie so sah, dann loderte sein Herz auf und das Begehren wuchs in ihm. Diese Stellung der Machtlosigkeit nagte an ihm. Und doch! Sie hatte ihn darum gebeten und jegliche Tat entgegen dieser Bitte würde bedeuten sich ins eigene Fleisch zu schneiden. Sie wusste von seinen Gefühlen und versuchte diese wirklich zu erwidern, das blieb Kewan nicht verborgen, doch das änderte nichts daran, dass er mit der Situation nicht zufrieden war. Aber was wäre er auch für ein Mann, wenn er sich damit bereits zufreiden gab! Sie bettete ihren Kopf auf seinem Schoß und erzählte mehr von ihrer Heimat und machte den Jäger immer neugieriger, dass er es wahrlich kaum noch aushielt endlich die Eiswüste zu verlassen.
"Du wirst nie wieder arbeiten müssen... Ausser natürlich, du willst es. Aber in Rômachar selbst gibt es nicht soviel zu Jagen, es sei denn, du gehst auf Rattenjagd. Die Bevölkerung Rômachars wird dir dafür sehr dankbar sein... Du kannst den ganzen Tag tun und lassen, was du willst... In meinem Haus kannst du ein und ausgehen, wie es dir beliebt, du kannst in den Tavernen herumlungern, und noch ganz andere Dinge trinken, als Schnaps. Goldenen Wein, roten Wein, weißen Wein, Rum, Bier... Du kannst über die Märkte schlendern, dir kaufen, wonach dein Herz verlangt, du kannst ans Meer gehen, oder dort baden... Es ist warm und angenehm, nicht so wie hier das Eismeer... Manchmal kann man nicht unweit vom Ufer entfernt, kleine Wale oder Delphine auftauchen sehen... Es gibt duftende Orangenhaine, Zypressen, eine Vegetation, die du dir nicht einmal annähernd vorstellen kannst... Wir können Reisen unternehmen, uns die Welt ansehen...", erzählte Kesha schwärmerisch und Kewan musste kichern ob der Tatsache, dass er nur die Hälfte der aufgeführten Tiere und Pflanzen kannte. Ratten und Delphine waren ihm völlig fremd und sie erntete lediglich einen fragenden Blick mit hochgezogenen Augenbrauen. Organgen waren ihm bekannt, hatte allerdings noch nie eine gegessen, was Zypressen allerdings waren, das wusste er wiederum auch nicht.


"Levan ist tot?", rief Kesha ungläubig und stellt all ihre schauspielrischen Fähigkeiten zur Schau. Insgeheim hoffte Kewan, dass das reichen würde, doch er wusste dass man Tarush so nur schwer abschütteln konnte.
"Wieso könnt ihr mir das nicht sagen?"
Tarush war sichtlich amüsiert darüber, wie sehr sich die Schlinge um ihre Hälse zuzog, doch weder der Jäger noch Kesha wollten sich unterkriegen lassen. Der Wächter wurde immer sticheliger und trieb sie immer weiter in die Enge, dass sie sogar gezwungen war einige unangenehme Dinge preiszugeben, die zwar notwendig waren um die ungewöhnliche Situation zu klaren, doch den Mordverdacht immer weiter verfestigte. In Kewan keimte Wut auf. Im Geiste hatte er schon mit dieser Gesellschaft abgeschlossen und fühlte sich hier niemandem gegenüber Rechenschaft schuldig. Er ballte die Hände so fest zu Fäusten, dass die Fingerknöchel knackten und seine Kiefer mahlten. Wie sollte das alles nur weitergehen? Als sie dann auch noch auf den Akt zwischen Tarush und Kesha zu sprechen kamen schloss er nur genervt die Augen und massierte sich die Nasenwurzel. Wieder war er kurz davor die Fassung zu verlieren, was ihn selber so sehr verwunderte, da Kewan doch ansonsten ein so ruhiger Zeitgenosse war, der meist die anderen zur Weißglut trieb und sich nicht aus der Reserve locken ließ.
"Und woher kommen dann die blauen Flecke auf deinem hübschen Gesicht, meine Liebe? Oder war es etwa gar K'eyshu, der dich so zugerichtet hat?", fragte Tarush mit einem bösen Unterton, den Kesha auf die gleiche Art zu kontern wusste.
"Pass auf, was du sagst, Tarush..."
"Also. Ich sehe das so... Immerhin kenne ich K'eyshu ja schon eine ganze Weile. Er hat dich und mich erwischt, und irgendetwas daran hat ihn mächtig gestört. Wahrscheinlich, weil er dich nicht haben konnte. Was mich fast verwundert, denn normalerweise ist er es, der seinen Schwanz überall hinein steckt...", rekonstruierte der Wächter, ohne eine Reaktion von Kewan zu bekommen. "Dann hat er mich verprügelt, wie wir alle wissen... danach hat er mit dir dasselbe gemacht, und danach hat er deinen Mann umgebracht... Zwar ergibt das alles keinen Sinn, denn warum wärst du sonst bei ihm? Oder bist du aus Angst bei ihm? Hält er dich gefangen? "
"Du redest einen Scheiß, Alter...", prustete Kewan und erntete einen unsanften Schubser von einem beistehenden Wächter, der ihn kurz ins Straucheln brachte. Urplötzlich machte er einen aggressiven Schritt auf den Mann zu, der darauf hin erschrocken zurückschreckte, was der Jäger ein herablassendes Lachen entlockte.
"Nein, ganz sicherlich nicht, Tarush... Er ist nicht so wie du...", entgegnete auch Kesha, woraufhin Tarush von neuem begann zu rekonstruiren und traf dabei die Tatsachen weitaus besser als gesund für die beiden war. Kurz warf Kewan Kesha einen genervten Blick zu, besonders deshalb weil er nicht wusste, was er tun sollte. Der entstandene Druck tat nun sein übriges und Kesha erzählte die Sache mit der Vergewaltigung und ihrer Flucht zu ihm. Natürlich ließ es der Wächter sich nicht nehmen auch darüber herzuziehen, was Kewans Temprament sofort wieder auf hochtouren brachte.
"Was würde er wohl mit dem tun, der Hand an dich legt?", fuhr Tarush fort und der Jäger machte einen Schritt auf seinen früheren Rivalen zu.
"Noch ein Wort, Tarush und ich schwöre dir..."
"Du schwörst mir was?! Hm?! Was schwörst du mir?! Willst du mich dann töten, so wie du diesen Levan umgelegt hast, K'eyshu?! Hm?! Sprich dich ruhig aus! Mach es uns einfacher!"
Vor Zorn traten Kewans Adern im Gesicht hervor, dass mit seiner blassen Haut besonders rot anlief. Für einen Moment schloss er die Augen und bekämpfte die Wut, welche von ihm Besitz ergriffen hatte bis er sich wieder unter Kontrolle hatte.
"K'eyshu... Mach es uns einmal nicht so schwer... Ich hab den Auftrag, dich zum Ältestenrat zu bringen. Gleich jetzt... Also komm...Ich warte draußen... Wenn du in zwei Minuten nicht rauskommst, treten wir die Türe ein und nehmen dich mit... Wir sind zu fünft, vergiss das nicht...", begann Tarush von neuem, diesmal aber mit ruhiger, gar entspannter Stimme.
"Raus.", war das einzige, was Kewan knurrend entgegnete, die Augen noch immer geschlossen. Er öffnete sie erst wieder, als die Tür ins Schloss gefallen war und sofort suchte sein Blick den Keshas. Sie trat an ihn heran und umfasste seine Hüfte.
"Es tut mir leid, Kewan... Ich habs versucht... Ich hab wirklich versucht, dir zu helfen... Ich werde alles tun, was nötig ist, um dir zu helfen, das verspreche ich dir... Lass mich mitkommen. Wir tragen beide Schuld daran, was passiert ist, und darum werde ich vor dem Ältestenrat auch zu dir stehen. Wir bleiben bei unserer Geschichte. Es hätte jeder aus dem Dorf gewesen sein können...", sprach sie betreten und eindringlich, doch Kewan grinste lediglich geheimnisvoll. Mit Nichten hatte der Jäger vor in diesem Kerker zu versauern, nein, er hatte gänzlich andere Pläne. All die schönen Dinge von denen Kesha berichtet hatte schossen ihm durch den Kopf. Auch der Gedanke an ihre Zweisamkeit beflügelte ihn. Und das würde er sich nicht zertsören lassen. Nicht von Tarush! Nicht von diesem Mann!
"Bleibe hier und halt dich bereit. Bald werde ich dich holen kommen und wie werden fliehen. Das verspreche ich dir Kesha. Sorge inzwischen für Vorräte. Alles was in der Hütte ist, tausch es ein. Alles außer meinen Speer und das Schwert. Hier hält uns nichts mehr."
Der Kuss der folgte war als wäre es ein Letzer. Er war wunderbar, beruhigend und beflügelte Kewans Sinne. Allein für diesen Kuss hätte er alles gegeben und nichts, kein Tarush, kein Ältestenrat würde ihn aufhalten. Dessen war er sich sicher. Der Jäger griff sich einen leichten Überzug und schritt nach draußen zu Tarush.


Die Wächter führten Kewan auf direktem Wege zum Rat der Ältesten, die ihn dort schon sehnlichst zu erwarten schienen. Der Saal war leer. Anscheinend hatte man die breite Öffentlichkeit ausgeschlossen und dies zu einer Art privaten Audienz umgeformt.
"Seid gegrüßt K'eyshu."
Der Angesprochene reagierte nicht, weswegen er von Tarush einen Stoß mit dem Ellenbogen in die Rippen einheimste, der ihn kurz aufstöhnen ließ.
"Ich hoffen, ihr wisst warum ihr hier seid und was es zu erörtern gilt."
Desinteressiert zuckte Kewan mit den Schultern und legte den Kopf schief, das gesicht so ausdruckslos wie möglich.
"Es geht um Levan, Keshas Mann, der tot in seiner Hütte aufgefunden wurde. Wobei tot noch milde ausgedrückt ist. Der Veracht liegt nahe, dass ihr etwas mit der Sache zu tun habt."
Während der letzten Worte wies der Sprecher an, Tarush nach vorne zu treten udn das vorläufige Ergebnis seiner Untersuchungen preiszugeben, was dieser auch ausführlich tat. Dabei ließ er keinerlei Details über die Umstände aus und gab sowohl sich, als auch Kesha und Kewan ohne zu zögern jegliche Blöße. Es waren zwar keine handfesten Beweise, doch der schlüssige Verdacht war erdrückend und der Jäger hatte auch nicht die leiseste Ahnung, wie er sich aus diesem Griff entwinden konnte. Dazu war ihnen das Glück einfach nicht hold gewesen und man war immer zu den flaschen Augenblicken gesehen worden oder hatte den falschen Leuten sein wissen mitgeteilt.
"Was habt ihr dazu zu sagen, K'eyshu?", fragte schließlich einer der Ältesten, als Tarush geendet hatte.
"Nichts, was soll ich dazu noch sagen? Es gibt keinen Handfesten Beweis, dass ich das war. Die Geschichte scheint schlüssig, auch für mich und innerhalb der Geschichte gibt es für mich keine Möglichkeit mich da herauszuwinden. Was aber, wenn ich und Kesha nichts von dem Mord wussten? Was dann? Ich könnte jetz auch spontan sagen, dass es deine Frau war, Tarush? Vielleicht war sie sauer auf dich und Kesha? Vielleicht wollte sie sie einfach mittellos dastehen lassen und deine Frau brachte Levan um, nur um Kesha eins auszuwischen? Wer weiß? Mit bloßen Spekulationen jedenfalls kommen wir hier nicht weiter. Also entweder ihr liefert mir jetzt einen handfesten Beweis, oder ich gehe nach Hause!"
Schweigen betrat den Saal und die Ältesten wechselten betretene Blicke, ehe Tarush das Wort erhob.
"Das kann nicht dein Ernst sein! Meine Frau?! Jeder weiß, dass sie das niemals tun könnte! Du allerdings, dir würde das sofort jeder zutrauen!"
"Gut, dass man nicht gleich jeden bestraft, dem man eine Tat zutrauen würde, Tarush...", antwortete derJäger trocken und versuchte nebenbei noch einige Wortfetzen aus dem gemurmel des Rates zu erhaschen, was ihm alleridngs misslang.
"Du warst es, K'eyshu, ich weiß, dass du es warst."
"Nein, Tarush, ich habe mit der ganzen Scheiß nichts zu tun und dafür wird es auch keine Beweise geben, denn ich bin unschuldig, genau wie Kesha das auch ist. Wäre ja auch ziemlich unklug von ihr, ihren eigenen Mann umzulegen, ohne jedwede Sicherheit in der Gesellschaft hier, denk einmal nach!"
Dass Kewan log bis sich die Balken bogen ließ er sich nicht anmerken. Aus irgendeinem Grund wollte es ihm in diesem Moment sehr leicht fallen, obwohl er sonst niemals log. Diese Frau, dachte er schmunzelnd...
"Nun, K'eyshu, der Rat hat eine vorläufige Entscheidung getroffen: Wir werden euch in Sicherheitsverwahrung nehmen, denn ihr seid im Moment der Hauptverdächtige. Wir werden uns ncoh einmal eindringlich mit allen zwischenmenschlichen Verbindungen auseinandersetzen und eine systematische Befragung alle Beteiligten durchführen. So lange möchte ich euch allerdings bitten, hier zu bleiben. Tarush würdet ihr bitte Kesha zum Rat bringen? Auch mit ihrmöchten wir einige Worte wechseln. Derweil bringt K'eyshu schon einmal in seine Zelle."

Benutzeravatar
Lesha
verschollen
Beiträge: 101
Avatar: Erika-Xero
Alter: 20
Rasse: Mensch (Arcanier)
Heimat: Rômachar
Inventar: Almosenbeutel mit einigen Münzen, Wasserschlauch, Löffel & Messer

Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Do, 12. Sep 2013 23:57

Kesha blieb alleine in der Hütte zurück, zusammen mit einem bitteren Beigeschmack. Sie hasste es, wenn sie über eine Sache keine Kontrolle hatte. Sie wollte mit ihm mitgehen, sie wollte Rede und Antwort stehen, und ihm helfen. Schon war sie im Begriff, das Haus zu verlassen, aber sie zögerte. 'Bleibe hier und halt dich bereit. Bald werde ich dich holen kommen und wie werden fliehen. Das verspreche ich dir Kesha. Sorge inzwischen für Vorräte. Alles was in der Hütte ist, tausch es ein. Alles außer meinen Speer und das Schwert. Hier hält uns nichts mehr.' schossen Kewans Gedanken immer noch in Keshas Kopf herum. Vielleicht war es wirklich besonnener, hier zu bleiben und zu tun, was er von ihr verlangt hatte. Sie wirbelte herum, und blickte sich um. Alles eintauschen, außer den Waffen. Auch die Felle? Wie sollten sie in die Eiswüste fliehen könne, ohne sich mit Fellen warm halten zu können? Als sie zu dem Schiff aufgebrochen waren, hatten sie deutlich mehr im Gepäck, als nur Speer und Schwert. Und sie hatten einen Hundeschlitten. Und ein Zelt. Ein wenig verzagt blickte sie sich um. Wirklich viel besaß er ja nicht. Und wie stellte er sich das alles vor? Sie suchte sich einige behelfsmäßige Dinge zusammen, begann, die Felle aufeinander zu schlichten, rollte sie auf und band sie mit einem Seil fest zusammen. Ihre Gedanken glitten zu Levan, und was eigenartig war, sein Tod schmerzte sie nur mehr wenig, bis kaum, zu verstörend waren seine Taten gewesen. Und sie wusste, wieso sein Tod sie nicht wirklich berührte. Es lag an Kewan. Ihr Herz schlug schneller, bei dem Gedanken an ihn. Dieser schöne Mann war die Zukunft, und die Zukunft lag, so heute nicht ein grausames Schicksal zuschlug, vor ihnen. In Rômachar. Sie hatte sich alles so schön ausgemalt, und nun stand alles auf Messers Schneide. Sie schob diese Gedanken beiseite, Die Zeit arbeitete gegen sie. Sie hatte keine Zeit, um sich in Gedanken zu verlieren. Sie musste handeln, schnell handeln. Es dauerte nicht lange, und sie hatte alles, was sie mitnehmen wollten, zusammen auf einen Haufen getragen. Säuberlich verschnürt, zuammengefaltet, und die beiden Waffen, an welchen Kewans Herz so hing, legte sie zuletzt darauf. Viel war es nicht. Dann raffte sie den ganzen Krempel zusammen, den sie so oder so zurücklassen mussten. Sie würde ihn gegen Lebensmittel eintauschen. Sie warf sich den Mantel, der irgendwie immer noch Ania gehörte, über, und verließ, angepackt bis oben hin, Kewans Haus. Sie lief quer über den Platz, dorthin, wo die Händler ihre Waren vor ihren Häusern platziert hatten. Sie brauchte nur Lebensmittel. Transportfähige Lebensmittel. Sie verhandelte hart mit dem Händler, welcher Kesha schon einigermaßen kannte. Zurhan. Er hatte die beste Waren, so fand sie. Er war ein sehr netter, älterer Mann. Aber er war auch ein gerissener Hund, und ein zäher noch dazu. Er schenkte ihr nichts, und dies war sie überhaupt nicht gewohnt. Kesha entschied sich nur für Trockenfleisch, Trockenfrüchte, Zwieback, und einen Schlauch mit Wein. Ob dieser in der Eiswüste überhaupt zu transportieren war, oder ob er gefrieren würde, war für Kesha in dem Moment völlig unerheblich. Schnaps wäre natürlich besser, aber der Schnaps war weg, und es war sinnlos, darüber noch nachzudenken. Als sie ihr Tauschgeschäft beendet hatte, lief sie mit den beiden Säcken, die nicht all zu groß waren, zurück zu Kewans Haus.

Am Weg dorthin lief ihr eine Frau entgegen. Zuerst dachte Kesha, es wäre Ania. Aber als die Frau näher kam, erkannte Kesha, dass es nicht Ania war. Überhaupt kam ihr dieses Gesicht in keinster Weise bekannt vor. Aber das war nicht außergewöhnliches, sie kannte natürlich nicht alle Menschen in diesem siebenhundert Seelen Dorf. Die Frau wirkte allerdings nicht sehr freundlich, und als sie vor Kesha zu stehen kam, spuckte sie ihr vor die Füße in den Schnee. "Du Schlampe!" begann sie, und ließ eine wahrhafte Schimpftirade auf die junge Frau aus Rômachar los. Irritiert blickte Kesha die Frau an, aber dann war es ihr zu blöd, und sie wollte sich an ihr vorbeidrücken. Sie hatte schließlich noch viel vor. Doch die Frau stellte sich ihr in den Weg. "Alle reden sie davon, du Schlampe! Du hast mit Tarush geschlafen!" schrie sie Kesha an. Diese verengte ihre Augen und legte den Kopf leicht schief. "Und du bist...?" "... seine Frau..." verriet sie schließlich. Ein schmunzeln umspielte Keshas Lippen. "Findest du das etwa lustig, du Schlampe? Du hattest einen eigenen Mann, wieso musst du dir da meinen nehmen?" schrie sie sie an. Sie legte die Betonung sehr auf das Wort 'hatte'. Da wurde es Kesha zuviel. "Ich hab mir deinen Mann nicht genommen. Er hat eher mich genommen. Mit keiner Silbe hatte er erwähnt, dass er eine Frau hat. Ich wusste nicht, dass er verheiratet ist!" sagte sie in einem ruhigen, wenn auch etwas verärgerten Ton. Keshas Worte fielen bei dieser Frau allerdings nicht auf fruchtbaren Boden, anscheinend hielt sie viel zu viel von diesem Arschloch. Kesha verstand voll und ganz, warum Kewan ihn so hasste. "Du verschwendest meine Zeit..." erwiderte sie unwillig. "Ja? Wieso? Suchst du dir den nächsten Ehemann, jetzt, wo dein Mann tot ist? Oder lässt du dich jetzt doch von K'eyshu trösten? Hast du nichts besseres gefunden, als unsere Dorfschlampe?" stichelte sie. Kesha war wirklich überrascht, wie schnell sich manche Nachrichten verbreiteten. Sie war allerdings froh über diese unliebsame Begegnung. Es zeigte ihr, dass sie doppelt vorsichtig sein musste. "Geh mir aus dem Weg..." murmelte sie, und stieß sie unsanft zur Seite und führte ihren Weg fort.

Irgendwie hatte sie gehofft, dass Kewan wieder da sein würde, wenn sie zurück kam. Aber dem war nicht so. Sie fühlte sich ein wenig alleine, dabei war er erst vor einer vielleicht knappen Stunde gegangen. Sie stellte die Säcke zu den anderen vorbereiteten, und blickte sich um. Es sah plötzlich sehr leer aus in der Hütte. Und kaum, da sie alle zusammen hatte, öffnete sich plötzlich die Türe. "Kewan?" hauchte sie, doch es war nicht Kewan. Es war... Tarush. Unwillig verzog sie ihr Gesicht. "Du... Was willst du hier? Verschwinde, Tarush... Ich hatte gerade eine unliebsame Begegnung. Rate doch, mit wem...!" Doch sie ließ ihn nicht zu Wort kommen. "Mit deiner Frau..." Tarush grinste, doch sie rollte nur mit den Augen. "Du bist ein selten dämlicher Idiot. Warum prahlst du mit deinen Eroberungen, wenn deine Frau es auf diesem Weg..." Er schnitt ihr das Wort ab "Was geht dich das an? Und was ist das hier überhaupt für eine Aufbruchstimmung? Was hast du vor? Willst du abhauen? Alleine? Und K'eyshu in der Zelle verrotten lassen?" Kesha wandte ihm jäh den Kopf zu. "Ihr habt ihn in eine Zelle gebracht? Du sagtest, sie wollen ihn nur befragen!" "Jo, das hat der Ältestenrat so entschieden... Und nun wollen sie dich sehen..." "Mich?" fragte sie fassungslos. "Jo, so siehts aus. Kommst du freiwillig mit, oder muss ich dich rübertragen?" grinste er anzüglich, und sie blickte ihn bitterböse an. "Ich kann alleine gehen.." erwiderte sie trotzig. "Na, dann komm mit, kleine Kesha..."

Als sie die Halle des Ältestenrates betraten, schweiften ihre Blicke über die Anwesenden und sie galten dem einen Mann, der allerdings nicht anwesend war. 'Es ist also wahr...' dachte Kesha bei sich. "Wo ist K'eyshu?" rief sie. Vielleicht war das ein wenig unbesonnen, denn dies warf sicherlich kein gutes Licht auf sie, dass ihre einzige Sorge Kewan galt, anstatt den Tod ihres Mannes zu betrauern. "Er ist in einer Zelle. Da bleibt er vorerst, bis wir mehr wissen." erklang es dumpf von den Alten. "Also, Kesha Adesar-Khalaan..." begann der Allerälteste, dessen Namen Kesha längst vergessen hatte. "Kesha Adesar, nicht mehr Khalaan..." erwiderte sie trotzig. Er hob die Augenbrauen. "Na gut, ganz wie du willst, Kesha Adesar... Also, es haben sich um den Tod deines Mannes einige seltsame Ungereimtheiten ergeben. Und wir hoffen, dass du ein wenig Licht ins Dunkle bringen kannst. Trauerst du gar nicht um deinen Mann?" fragte er argwöhnisch. Kesha hätte am liebsten heftig den Kopf geschüttelt, aber sie besann sich und erwiderte "Leider nicht so, wie es angemessen wäre..." "Und warum?" "Die letzten Worte, die wir miteinander gewechselt haben, waren nicht im Guten ausgesprochen worden..." gab sie wahrheitsgemäß zu. "Und warum?" "Er hat mich geschlagen, und... und... gegen meinen Willen genommen..." "Das ist bedauerlich, aber warum hat er das getan?" Keshas Blicke wanderten wütend über die Anwesenden. Sie wussten es sicher alle längst. Was sollte diese Farce? "Weil ich mit Tarush das Lager geteilt habe..." "Und warum hat K'eyshu Tarush verprügelt?" Sie zuckte die Schultern. "Das weiß ich nicht. Ich glaube, die beiden mögen sich schon immer nicht besonders? Oder irre ich mich?" "Nein, du irrst dich nicht. Aber das ist ein Grund, warum K'eyshu unser Hauptverdächtiger ist." "Und warum?" entgegnete Kesha. "Er war schon immer so..." "Ich habe ihn nicht als den Menschen kennengelernt, so wie ihr über ihn sprecht..." entgegnete Kesha. "Ich habe ihn als einen höflichen, netten, und sehr zuvorkommenden Mann kennengelernt." "Hat K'eyshu einen Zwillingsbruder, von dem wir nichts wissen?" witzelte einer der Wächter, worauf alle in schallendes Gelächter ausbrachen. Kesha warf in die Richtung wütende Blicke. "Hast du mit K'eyshu auch das Lager geteilt?" Kesha schüttelte den Kopf. "Aber wohnst du nicht seit einigen Tagen bei ihm?" "Doch..." gab sie zu. "Und in dieser Zeit war nie etwas?" Kesha schüttelte erneut den Kopf. "Nein, aber was hat das mit Levans Tod zu tun?" "Könnte es sein, dass er eifersüchtig war auf deinen Mann?" "Nein, wieso?" hakte Kesha nach. "Nun, vielleicht, weil er dich nicht besessen hat?" Kesha runzelte unwillig die Stirn. "Das ist doch haarsträubender Unsinn! Nennt ihr so etwas etwa Rechtsprechung?" fragte sie herausfordernd. "K'eyshu und ich sind Freunde... Sehr gute Freunde... Wir verstehen uns gut... Ohne, dass wir miteinander das Lager geteilt haben, oder dergleichen. Das würde er mir nie antun! Er weiß, was mir mein Mann bedeutet hat..." Der Älteste nickte. "Was sind das für Blessuren in deinem Gesicht, Kesha?" Kesha errötete und senkte den Kopf. "Die hat mir mein Mann beigebracht." Sie wusste, das sie in eine prekäre Situation schlitterte. "Und was würde dein sehr guter Freund K'eyshu tun, wenn dein Mann dir so etwas antut?" fragte der Älteste Kesha. Sie wusste nicht wirklich, was sie darauf erwidern sollte. "Auf jeden Fall würde er ihn nicht umbringen. Das weiß ich!" rief sie. "Ihr tut ihm Unrecht! Und mir auch!" "Niemand glaubt, dass du etwas mit diesem Mord zu tun hast, Kesha..." Die Schlinge zog sich immer mehr um Kewans Hals zu. Es war ihre Schuld. "Ich habe vorhin Tarushs Frau getroffen... Sie war über alle Maßen erbost... Sie hat mich beschimpft und beleidigt. Es könnte sie genauso gewesen sein... Das ist genauso Recht, oder Unrecht, wie K'eyshu zu beschuldigen!" Je mehr sie versuchte, ihn zu verteidigen, desto mehr merkte sie, wie sehr sie an ihm hing. Sie bereute, dass sie ihn dazu angestachelt hatte, Levan zu töten. Sie hätte auch so mit Kewan fliehen können. Es hätte auf jeden Fall für weniger Probleme gesorgt...
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
Sie will es und so ist es Brauch
Was sie will bekommt sie auch

Benutzeravatar
Kewan
Jäger
Beiträge: 24
Avatar: Eve Ventrue
Alter: 28
Rasse: Mensch
Heimat: Eiswüste
Waffen: Sperr, Schwert, kleines Steinmesser
Inventar: Eine kleine Ledertasche mit einigen kleineren Handwerksutensilien.

Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Mo, 16. Sep 2013 17:23

Ohne ein weiteres Wort führte man Kewan ab. Mit einem diabolischen Blick der zwischen Tarush und dem Rat hin und her wechselte wurde der Jäger erneut in Ketten gelegt und unsanft packten ihn zwei Männer der freiwilligen Wache, die sich anschickte dem Gefangenen klarzumachen den Raum zu verlassen. Ein böses Grinsen umspielte seine Lippen während er langsamen Schrittes die Ratshalle verließ und den altbekannten Weg einschlug, den er vor kurzem erst gegangen war, als man ihm seine Freiheit wiedergeschenkt hatte. Zwar hatte diese nicht lange gehalten, doch es wäre eine Lüge zu sagen, sie hätte ihm nichts gegeben! Die beiden Wachen führten Kewan durch die niedrigen Gänge von weißem Marmor, in denen jeder Schritt von den Wänden abprallte. Schwarze Adern durchzogen den Stein und verleihten dem Gebäude etwas lebendiges, etwas mystisches. Die Beschaffenheit des Marmors hatte den Jäger schon immer in seinen Bann gezogen und das tat es auch in diesem Moment. Bilder von Kesha und Phantasien ihrer Heimat geisterten durch seinen Kopf. Er hatte keinen sehnlicheren Wunsch als endlich die Eiswüste zu verlassen und all das hinter sich zu lassen. Neu anzufangen. Den Neuanfang zu wagen mit Kesha an seiner Seite. Jene Frau, die ihn vom ersten Augenblick an verzaubert hatte. Langsam zog diese wechselhafte Geschichte vor seinem geistigen Auge vorbei. Viel schreckliches war passiert, für jeden Beteiligten, doch am Ende bereute Kewan nichts. So kurz stand er davor dieses Ziel zu erreichen, nach dem alles in ihm förmlich schrie... auch wenn es vorerst nicht den Anschein machte. Für den Moment war der Jäger noch immer in Ketten gelegt und sein Weg führte ihn eientlich an einen Ort, der für gewöhnlich wenig Hoffnung für Freiheit nahelegte. Ins Gefängnis. Der Weg von der Ratshalle zum Zellentrakt war nicht lang, doch für Kewan verging eine Ewigkeit. Beinahe genüsslich sog er alle Impressionen auf, die sich ihm boten und das böse Grinsen wollte einfach nicht von seinem Gesicht weichen. Es ging tiefer herab in die Kellergewölbe des Ratssitzes und die altbekannte Wärme schlug ihm entgegen. Hir unten befanden sich die zentralheizenden Kaminöfen, mit denen das gesamte Gebäude ständig mit Wärme versorgt wurde. Auch der Zellentrakt wurde so beheizt und das durch ein ausgeklügeltes Belüftungssystem mit solch großen Röhren, dass ohne Probleme ein Mann durchpassen würde. Vier waren es an der Zahl... zu Mindest im Keller und immer durch zwei Röhren wurde die Wärme simultan verteilt, was bedeutete, dass die anderen Beiden womöglich einen optimalen Fluchtweg abgaben. Aber noch war es nicht soweit.
Vor der Zelle nham man ihm Fesseln und die gröbsten Kleider ab, welche in einen Lagerraum nebenan für eben diesen Zweck hinterlegt wurden. Die Gittertür wurde hinter ihm zugeschlossen und wieder war Kewan alleine in seinem ja schon beinahe Zuhause. Wie zuvor gabes nur recht wenig in seiner Zelle. Einige plsternde Felle am Boden zeigten den Schlafplatz auf und ein eimer um sein Geschäft zu erledigen. Dieser Eimer wurde alle zwei Tage ausgetauscht und das war die Gelegenheit, auf die er wartete. Das Gefäß war zu breit um es durch die Gitterstäbe zu tauschen, also musste man zwangsläufig die Zellentür öffenen, was das Mitbringen eines geeigneten Schlüssels erforderte...
Mit einem vielsagenden Grinsen entleerte der Jäger seine Blase, während er in Gedanken seinen Plan verfeinerte. Bevor die Tür geöffnet wurde, feselte man ihn erst an die Gitterstäbe seiner Zelle, um einen Übergriff zu verhindern. Mit der Aufgabe sich um die Gefangenen zu kümmern war eine ältere Frau betraut, die Kewan hatte noch nie ein Wort reden hören, was ihm womöglich auch entgegenkommen würde, denn die Kommunikation mit einem Stummen war bisweilen nicht die leichteste. Doch das war nicht gesagt. Vielleicht war sie einfach nur schweigsam und ließ einfach nur ihm gegenüber kein Wort verlauten. Jedenfalls würde sich Kewan nicht an die Stäbe fesseln lassen, sondern diesen Moment nutzen um die Frau unter seine Gewalt zu bringen. Von der puren Körperkraft her war er ihr bei weitem überlegen und so dürfte es kein Problem darstellen, sie zu ergreifen und mit genügend Schwung gegen die Gitterstäbe zu ziehen, dass sie ihr Bewusstsein verlieren würde. Spätestens ab diesem Moment würde alles wie von selbst von statten gehen. Von ihrem reglosen Körper würden die Schlüssel sicherlich schnell entwendet sein und dann stand ihm der Weg offen, doch noch war es nicht soweit.

Es verging ein Tag und krampfhaft klammerte sich Kewan an all die schönen Bilder in seinem Kopf. Natürlich allen voran das Abbild Keshas, dass ihm die Zeit versüßte, auch wenn ihre wirkliche Anwesenheit weit mehr berauschend auf ihn gewirkt hatte. Auch wenn es nur ein Tag war, so kam es ihm doch schon so vor, als trennte man ihn von seiner Liebe für eine halbe Ewigkeit. Kaum konnt er es erwarten, dass diese alte Frau endlich die Tür durchschritt und ihres Amtes zu walten begann. Viel akribischer lauschte der Gefangene auf seine Umgebung und jedes Geräscuh, möge es auch noch so klein und unbedeutend sein ließ ihn hochschrecken ind er Hoffnung, es war ein Zeichen ihrer Ankunft. Oft wurde er enttäuscht und manchmal sogar, da dachte der Jäger er würde sich das alles nur einbilden, was er hörte. Kewan schlief nicht. Die Gefahr war zu groß den großen, wichtigemn Augenblick zu verpassen und alles unnötigerweise zu verlängern! Zwar nagte die Müdigkeit an ihm, doch er widersetzte sich ihr erfolgreich. Am Ende waren doch Vorfreude und Aufregung weit grgößer als die natürlichen Belange, die sich in ihm in ihren Anfängen regten.
Am zweiten Tage seiner Inhaftierung war es endlich soweit. Gerade vertrieb sich Kewan mit einigen körperlichen Ertüchtigungsübungen die Zeit, als er einen Schlüssel im großen Schloss der schweren Holztür vernahm. Die Fackeln in Türnähe waren bereits heruntergebrannt und spendeten kein Licht mehr, was den gesamten Eingangsbereich in eine undruchdringliche Dunkelheit legte. In den Schatten vernahm der Jäger allerdings doch Bewegung. Kaum erkennbare Umrisse rührten sich und es dauerte nciht lange, da erhellte eine neue Fackel den bis dato so unerkenntlichen Fleck. Der Schein der Flamme leiß das ohnehin schon alte Gesicht der Frau ncoh älter wirken. Jede einzelne Falte in dem knochigen Gesicht, das durchaus angsteinflößend war war zu sehen und es erschauderte Kewan für einen Moment bei diesem Anblick. Nach und nach tauschte die Frau die Fackeln aus, die für weitere 2 bis 3 Tage Licht spenden würden... jedoch nicht für ihn. Als sie endlich bei ihm ankam musterte sie ihn ausdruckslos und verschränkte die Arme vor der Brust. Sie schien auf etwas zu warten. Sie wartete auf die Routine, die ihm eigentlich bewusst war. Doch für einen Moment blieb der Gefangene wie angewurzlt stehen. Das Adrenalin juckte in seinen Fingerspizen und sein Herz begann schnelle zu schlagen. Es ging also los. Nach einem kurzen Augenblick der Starre und bewegungslosigkeit setzte sich Kewan an den alt bekannten Platz, an dem ihm für gewöhnlich die Fesseln angelegt wurden, doch diesmal sollte es anders kommen.
Die beiden rauen Hände fuhren durch die Gitter, zu dem sich der Jäger mit dem Rücken auf den Boden setzte. Wie immer spürte er die faltigen der Wächterin, die er sogleich ergriff. Kraftvoll stieß er sich mit den blitzschnell angewinkelten Beinen nach oben ab und nach einem kurzen, kaum hörbaren Stöhnen der Frau hörte man den Aufprall ihres Schädels an den Gitterstäben. Ein Blick über die Schulter verreit Kewan, dass sie reglos zusammensackte. Kurz schloss er die Augen und atmete tief durch. Das Herz schlug ihm bis zum Hals. Es durfte ncihts schief gehen, es stand alles auf dem Spiel. Sollte man ihn erwischen, so würde er seine Unschuld niemals glaubhaft rüberbringen können und was dann mit ihm geschehen würde wusste nur die Götter.

Benutzeravatar
Lesha
verschollen
Beiträge: 101
Avatar: Erika-Xero
Alter: 20
Rasse: Mensch (Arcanier)
Heimat: Rômachar
Inventar: Almosenbeutel mit einigen Münzen, Wasserschlauch, Löffel & Messer

Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Sa, 21. Sep 2013 12:59

"Also fassen wir zusammen, Kesha. Du hast mit Tarush das Lager geteilt. Richtig?" Stumm nickte Kesha mit dem Kopf. "Aber es ging von ihm aus, ich wollte das gar nicht." Das entsprach in irgendeiner Weise der Wahrheit. "Willst du damit sagen, er hätte dich gegen deinen Willen genommen?" Kesha blickte Tarush an und dieser erwiderte ihre Blicke argwöhnisch. Von diesem Blickwinkel hatte sie es noch gar betrachtet. Sie sah Tarush tief in die Augen und ohne den Blick von ihm abzuwenden, oder gar den Ältestenrat anzusehen, antwortete sie "Ja..." Das entsprach in keinster Weise der Wahrheit. Aber sie war nicht hier, um die Wahrheit zu erzählen, sonst hätten sie sich diese Befragung gleich sparen können, wenn sie zugegeben hätte, dass Kewan und sie LevAns Tod zu verschulden hatten. Ein Aufraunen und Gemurmel ging durch den Raum, und Tarush rief empört aus "Das stimmt doch überhaupt nicht! Du bösartige Hexe! Du Schlampe! Was soll der Scheiß plötzlich?" Einer der Ältesten rief "Ruhe! Ruhe im Saal!" Das Gemurmel verstummte und der Älteste fixierte Kesha mit wachsamen Blick. Doch Kesha saß seelenruhig da, und erwiderte seinen Blick. "Das hattest du vorher aber nicht gesagt. Warum erzählst du das erst jetzt?" "Weil ich Angst hatte..." entgegnete sie. "Angst? Wovor?" "Vor Tarush... Er drohte mir, dass ich es bereuen würde, wenn es irgend jemand erfahren würde, wie es wirklich war." Tarush wurde abwechselnd blass und auch rot vor Zorn. "Sie lügt! Dieses Weibsbild lügt! Es ist in keinster Weise so gewesen, wie sie das jetzt hier erzählt!" Der Alte, der sprach, hob die Hand und gebot ihm zu schweigen. "Du wirst auch noch die Gelegenheit bekommen, zu sprechen. Nun will ich Kesha anhören. Also schweig. Kesha... Fahre fort." "Danke..." sagte sie leise. "Tarush hatte das Dach von Levans und meinem Haus ausgebessert. Er meinte, ihm würde dafür schon eine Gegenleistung einfallen. Als er fertig war, hat er mich unsittlich berührt, und mich einfach genommen. Ich habe ihm gesagt, ich will es nicht, und dass ich schließlich verheiratet sei. Aber er hat mir nicht zugehört. Ich hatte keine andere Wahl, er ist mir körperlich in jedem Fall überlegen. Also habe ich mitgemacht, damit er nicht grob würde... Dann platzte K'eyshu hinein. Ich habe ihn angefleht, mir zu helfen. Darum hat K'eyshu Tarush verprügelt. Und nur deshalb. Ich wollte niht, dass es jemand erfährt, und K'eyshu gebeten, darüber stillschweigen zu bewahren. Und er hat es mir versprochen. Aber Tarush musste ja unbedingt damit herumprahlen. Und dann noch mit einer Lüge, dass ich es wollte, was aber nicht stimmt. Tarush hat den Stein erst ins Rollen gebracht. Weil er diese Lüge verbreitet hat, und Levan es erfuhr, wurde Levan auch auf mich wütend, und deswegen hat er mich so zugerichtet. Und darum entbehrt es auch jeder Logik, weswegen K'eyshu Levan umgebracht haben soll. Er hätte genauso Grund gehabt, Tarush umzubringen, für das, was er getan hat. Aber wie ich sehe, ist Tarush immer noch am Leben. Aber mein Ehemann ist tot. Ich glaube, Tarush, oder Tarushs Frau hatten weitaus mehr Gründe, Levan umzubringen. Vielleicht bin ich auch die Nächste, wer weiß das schon? Tarushs Frau hätte auf jeden Fall Grund dazu. Sie ist wütend auf mich, weil Tarush sie mit mir betrogen hat, ob es nun freiwillig, oder unfreiwillig war. Natürlich glaubt sie ihrem Ehemann, und nicht mir. Aber vielleicht haben aucb Tarush und sie Levan umgebracht. Darüber hinaus war es Tarush, der Levan gefunden hat. Aus welchem Grund hat er Levan überhaupt aufgesucht, frage ich mich?"

Der Ältestenrat hörte sich ihre Geschichte stillschweigend an, und schließlich wandte er sich an Tarush. "Tarush, jetzt darfst du sprechen. Erzähle uns deine Warte der Geschichte. Tarush war sichtlich die Kinnlade herunter geklappt. "Sie lügt! Jedes Wort, das sie hier erzählt hat, ist eine Lüge! Ja, ich habe das vermaledeite Dach ausgebessert. Aber auch nur, weil Kesha gefragt hat, wer es tun könnte.Und da habe ich mich ihr angeboten. Als es fertig war, haben wir das Lager miteinander geteilt, ja das stimmt. Aber sie wollte es genauso, wie ich! K'eyshu hat mich verprügelt, als er uns dabei erwischt hat. Was weiß ich, warum er es getan hat! Ich weiß es nicht! Aber er hat es getan! Und ich bin damals zu Levan gegangen, um ihn um Verzeihung zu bitten! Ich habe das nur getan, weil Ania mich dazu gedrängt hat!" Der Älteste unterbrach ihn. "Was hat Ania damit zu tun? Und ch kenne auch dich, Tarush, es sieht dir nicht ähnlich, dich zu entschuldigen. Du hast immer zu deinen Taten gestanden. Könnte es nicht, sein, dass du doch ein Unrecht begangen hast, und deshalb zu Levan gegangen bist?" Tarush wurde blass. "Nein, ich schwöre bei den Göttern, das ist nicht wahr! Ich habe es nur getan, weil Ania mich dazu gedrängt hat!" Der Älteste hob fragend die Augenbraue. "Seit wann hat Ania Einfluss auf dich?" Dazu fiel Tarush nichts ein und er schwieg. Der Älteste sprach weiter. "Du gingst also zu Levans Haus, um dich zu entschuldigen, oder aus welchen Gründen auch immer. Und dann könntest du ihn ebenso umgebracht haben, wie Kesha angedeutet hat. Kann das sein?" "Nein! Das ist nicht wahr! Kesha lügt! Sie war es, und K'eyshu!" Der Älteste sprach. "Wir werden uns zur Beratung zurückziehen. Ich werde davon absehen, dich ebenso in eine Zelle zu stecken, weil du dir bislang, im Gegensatz zu K'eyshu, nie etwas hast zu Schulden kommen lassen. Kesha kann ebenso gehen, ich glaube nicht, dass sie zu einer solchen Tat imstande wäre. Und wir müssen auch K'yeshus Argument in Betracht ziehen. Ohne ihren Ehemann fehlt ihr jede Grundlage. Ich glaube nicht, dass sie ihren Mann umgebracht hat, oder jemanden gebeten hat, ihn umzubringen. Das wäre unglaublich töricht. Geh nachhause, Tarush. Und warte dort, bis wir die Befragung fortsetzen! Kesha, du darfst ebenso nachhause gehen." "Danke..." murmelte sie leise. "Und ich warne euch alle, wenn es jetzt zu irgendeiner Ausschreitung kommst, werden wir euch alle hinter Schloß und Riegel bringen, bis die Wahrheit ans Licht gekommen ist. Irgendjemand lügt, und wir werden die Wahrheit ans Licht bringen!" Damit zogen sich die Ältesten zurück. Als Kesha ihren Platz verließ, funkelte Tarush sie wütend an, doch Kesha ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen, zumindest nicht nach außen hin. Schweigend eilte sie wieder in K'eyshus Haus, wo alles vorbereitet war, um die Eiswüste zu verlassen. Sie konnte jetzt nur abwarten, und hoffen, dass sich alles so in Wohlgefallen auflösen würde, wie Kewan es ihr versprochen hatte...
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
Sie will es und so ist es Brauch
Was sie will bekommt sie auch

Benutzeravatar
Kewan
Jäger
Beiträge: 24
Avatar: Eve Ventrue
Alter: 28
Rasse: Mensch
Heimat: Eiswüste
Waffen: Sperr, Schwert, kleines Steinmesser
Inventar: Eine kleine Ledertasche mit einigen kleineren Handwerksutensilien.

Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Di, 24. Sep 2013 14:11

Die Frau lag da. Regungslos und man musste sogar sehr genau hingucken um ihren flachen Atem wirklich zu bemerken. Eine dicke Platzwunde an ihrem Kopf zeugte von der rabiaten Behandlung, die ihr hatte Kewan zuteil werden lassen und ihr roter Lebenssaft rann ihre Stirn herab auf den schmutzigen, marmornen Boden. Bei ihrem Anblick tat es dem Jäger fast sogar ein bisschen Leid derart kraftvoll sie gegen die Gitterstäbe zu schlagen, denn auch weniger Kraft hätte vermutlich ausgereicht, um die alte Dame ins Reich der Träume zu schicken. Doch es stand zu viel auf dem Spiel und das Adrenalin machte Feingefühl schwierig in diesem Moment. Nach einigen zittrigen Minuten zog der Gefangene seine Hände zurück in den Käfig und wandte sich um. Glücklicherweise war der Schlüssel unmittelbar neben die Begrenzung seiner Gitterstäbe gefallen und machte es nicht schwer erbeutet zu werden. Ohne Mühe zog er ihn zu sich herein und ohne zu zögern machte er sich auf den Weg in die Freiheit. Das sanfte Klicken im großen Schloss der Zellentür erfüllte Kewan mit unheimlicher Erleichterung auch wenn er wusste, dass noch nichts geschafft war. Hinter ihm flog die Tür langsam wieder zu und sein Weg führte ih direkt zu den Belüftungsrohren, die gerade groß genug waren, dass er hindurchpassen würde. Es war nciht sonderlich schwer das unbeheizte Rohr ausfindig zu machen, wiesen doch die anderen aufgrund der Nähe zum Feuer eine sehr starke Abwärme auf, die diesen Raum immer in eine doch recht unangenehme Hitze tauchte. Seufzend legte sich Kewans Hand auf die Rundung seiner Fluchtmöglichkeit und blickte ein letztes Mal zurück. Noch immer lag die alte Frau regungslos an Ort und Stelle und Kewan hofft innig, ihr ncihts getan zu haben, doch auch das verflog schnell. Nicht zögerlich wandte sich der Jäger um und verschwand in dem rußigen Rohr, das seine Haut bei Berührung sofort pechschwarz färbte und als sein das nicht genug, herrschte ein beißender Geruch von geräuchertem vor, der in dieser Intensität ihm beinahe den Atem raubte. Auch die Helligkeit ließ darüber hinaus zu wünschen übrig, doch ncihts, aber auch gar nichts konnte Kewan von seinem Ziel abbringen.
"Warte, Kesha, ich bin gleich bei dir!", presste er kaum hörbar zwischen den Zähnen hervor. Die Anstrenung war groß, den unmittelbar nach den ersten Metern des Zugangs verlief sich die Rohrführung senkrecht nach oben. Fluchend schob sich der Jäger stück für Stück nach oben und immer wieder schwollen seine Muskeln zu monströser Größe an. Meter für Meter fraß sich Kewan nach oben, und der Schweiß rann seine mittlerweile pechschwarze Haut herab und vermischte sich mit dem Ruß zu einer klebrigen, zähen Masse, die unangenehm an ihm haftete. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam der Gefangene endlich oben and und wieder verlief das Rohr waagerecht. Leise stöhnend ließ er sich auf das gerade Stück fallen und schnappte einige Sekunden keuchend nach Atem, was bei der hiesigen Luft alles andere als einfach war.
"Scheiße...", krächzte er, denn all das hatte er sich bei weitem einfacher vorgestellt. Kurz war die Pause, die der Jäger sich gönnte, ehe er sich voranpeitschte. Kriechend waren seine Bewegungen, bis wieder ein senkrechtes Rohr seinen Weg kreuzte, dass sowohl nach unten, als auch nach oben führte. Der Weg nach oben kam für Kewan nciht in Frage, denn als sich sein Blick nach unten senkte, kristalliesierte sich aus der Dunkelheit eine veraschte Feuerstelle, die ganz eindeutig auf sein vorläufiges Ziel hindeutete. Es waren gut vier Meter Höhenunterschied die es zu überwinden galt, was bei den doch recht glatten Wänden nicht einfach war. Er fasste sich ein Herz und langsam ließ er sich mit den nackten Füßen voran in das Rohr gleiten. Mit aller Kraft drückten die Arme gegen beide Seiten und der Jäger wagte es nicht zu atmen. Unter der dicken Rußschicht färbte sich sein Gesicht rot vor Anstrengung, während sein Körper Zentimeter für Zentimeter nach unten abglitt. Doch es kam wie es kommen musste. Nur ein einziges Mal verlor sein rechter Arm den Halt und jeder Versuch sich zu Fangen scheiterte und endetete schließlich in einer üblen Schürfwundenverbrennung an jenem Körperteil, mit dem er sich gegen die Wand zu drücken versuchte.
"Scheiße!", fluchte Kewan laut, als er schmerzhaft mit den Füßen zu erst aufschlug und seinen linken ein stechender Schmerz durchfuhr. Das hatte jetzt gerade noch gefehlt! Mit dem Schwung wirbelte er die am Boden liegende Asche zu einer beachtlichen Wolke auf und panisch rollte sich der Jäger aus dem Schacht in den Heizraum, in dem er nicht wusste, was ihn erwarten würde, er es allerdings auch nicht erahnen konnte, da die gewaltige Staubwolke jedem im Raum die Sicht raubte. Lautlos versuchte sich Kewan aufzurichten, was aufgrund der Schmerzen im Fuß nicht wirklich einfach war, doch er schaffte es. Regungslos verharrte er zu allem bereit, die Hände zur Abwehr und zum Angriff gleichermaßen erhoben, während sich aus der Wolke langsam, sehr langsam die Sicht auf den Raum und seinen Inhalt herauskristalliesierte. Was er wahrnahm waren drei Männer. Vollkommen perplex starrkte sie auf das, was diese urplötzliche Unordung verursacht hatte und ihre vor Schreck geweiteten Augen weiteten sich noch mehr. Wer konnte es ihnen übel nehmen? Das dachte Kewan zu Mindest, als sein Blick für den bruchteil einer Sekunde an sich herabfuhr und erkannte, was er für eine Gestalt abgeben musste. Halbnackt, über und über mit Ruß bedeckt, glänzend vor Schweiß und verdreckte Schürfwunden am gesamten Körper. Kewans Schulter fing urplötzlich wieder an zu schmerzen, als er sie, wenn auch nur kurz, zu Gesicht bekam. Der gewaltige Kraftakt hatte dem noch nicht verheilten Gewebe vermutlich alles abverlangt und nun rebellierte es gegen jedwede Art der Benutzung. Ebenso sein Fuß, der förmlich schrie, wenn der Jäger darauf sein Gewicht verlagerte und zu guter Letzt noch die Vielzahl von Wunden, die seinen Körper nach dem Sturz überzogen, von denen jede einzelne brannte wie Feuer ob des Schweißes oder des Schmutzes, der sich darin verlief.
"Guten Tag!", begrüßte Kewan die Männer keck, die noch immer regungslos verharrten und nicht wussten, wie sie zu reagieren hatte. Sein Blick viel auf einen Schürhaken unmittelbar neben ihm. Der Gefangene woltle die Gunst der Stunde für sich in Anspruch nehmen und rollte sich blitzschnell zu Seite ab, ergriff die behelfsmäßige Waffe und kam sofort wieder unter Schmerzen auf die Füße. Wie ein Berserker stürmte er auf die drei Männer zu, die entweder angsterfüllt zurückwichen, oder ihr Gerät zum Schutze erhoben. Da sich der Flüchtende drei Kontrahenten gegenüber sah und gleichzeitig mit üblen Verletzungen konfrontiert sah, beschloss er die Sache ohne Rücksicht auf Verluste schnell zu beenden. Entweder sie oder ich, schallte es durch seinen Kopf. Er sollte recht behalten. Der Kampf war schnell vorbei. Zu seinen Gunsten allerdings nicht ohne Verluste. Da zwei von drei Gegnern erschrocken zurückwichen, sah sich der Jäger vorerst nur einem gegenüber und die rasch zur Deckung erhobene Schaufel hielt nicht lange stand. Unter zwei brachial geführten und von blinder Wut erfüllte Hieben brach der hölzerne Schaft spielend und im nächsten Moment hatte ihm der Schürhaken das Gesicht zerfetzt und der erste ging zu Boden. Die verbliebenen fassten sich ein Herz und bedrängten den Jäger, der vom Mut der Verzweiflung erfüllt sich erfplgreich zu wehr setzte. Ein über Hieb erwischte ihn links am Arm und riss eine Fleischwunde, doch am Ende ging er als Sieger über die beiden Männer hervor, die immer wieder angsterfüllt vor seinen ewilden und weit ausholenden Schlägen zurückwichen. Immerhin ging es hier um Leben und Tod. Schweiß brannte in Kewans Augen, als er sein blutiges Werk betrachtete. Er wustte nicht, ob einer der drei tot war oder nicht, doch es kümmerte ihn auch nicht. Der Jäger sah sich nach nützlichen Dingen um und ergatterte drei Wasserbeutel, die er zum Teil einverleibte und zum anderen benutzte, um seine Wunden und Haut notdürftig von dem Ruß zu befreien. Zum anderen einige Stücke getrocknetes Fleisch, dass seinen Hunger wenigstens ein wenig zurückdrängte und das Zittern seiner Hände vorerst zum Schweigen brachte. Nach all der Anstrengung bemerkte Kewan erst, wie wenig er ob der ganzen Aufregung in den letzten Tagen zu sich genommen hatte. Seufzend wischte er siche eine fettige Strähne aus dem Gesicht und streife sich außerdem noch die etwas enge Kleidung eines der Arbeiter über, um endlich den Raum zu verlassen.


Kewan fühlte sich ausgelaugt und vollkommen erschöpft, doch immer wieder rief er sich Keshas Anblick in Erinnerung und neue Kraf keimte in ihm auf und ließ sogar die stechenden Schmerzen in Schulter und Fuß vergessen. Humpelnd suchte sich der Jäger unerkannt seinen Weg zurück zum Eingang des Zellentraktes, vor der zwar eine Wache postiert war, die es zuerst auszuräumen gab, denn ansonsten würde sich diese wundern wo die alte Frau abgeblieben war. Niemand begegnete dem Flüchtenden auf seinem Weg zurück und als hätte er es geahnt, wollte dieser gerade im Laufschritt mit der Kewans erstem Opfer eine Alarmmeldung abgeben, als der Schürhaken mit aller Kraft gegen sein Gesicht schlug. Gerade hatte die Wache sich nach dem schließen der Tür umgedreht, schon sank sie bewusstlos oder gar tot in sich zusammen, samt der Frau, die er sich über die Schulter geweorfen hatte. Wieder zitterten Kewans Hände vor Adrenalin und sein Atem ging schnell und stoßweise. Blut rann aus der Nase der Wache und tatsächlich etwas fasziniert erkannte der Jäger keinerlei Atmung die von ihm ausging. War er wirklich tot? Hatte er wieder einen Menschen getötet? Unbewusst? Oder gar unterbewusst und dort mit voller Absicht? Kurz brandeten all diese Fragen auf und diese Kampfeslust ergriff wie damals nach dem Kampf mit dem Mörder seines Vaters von ihm Besitz. Und plötzlich fragte er sich ob es im Süden, Keshas Heimat einen Ort gäbe, an dem man das Kämpfen lernen konnte, denn das wollte er. Es dauerte einige kurze Augenblicke bis Kewan von diesem kurzen gedanklichen Ausflug zurückkehrte und in der heiklen Gegenwart zurück war. Suchend tasteten seine Hände die Wache nach ihrem großen Schlüsselbund ab, der ihm Zugang zu der nebenan liegenden Tür gewähren sollte, was er anch einigen Fehlversuchen mit falschen Schlüsseln auch tat. Schnell schlüpfte der Jäger in seine eigenen Klamotten, versteckte die beiden reglosen Opfer seiner Gewalt in jenem Raum und verschloss die Tür hinter sich. Jetzt galt es sofort zu Kesha zurückzukehren. Die Mütze tief ins Gesicht gezogen huschte er unerkannt bis zu seiner Haustür, an die er eilig anklopfte und dabei immer wieder verstohlene Blicke hinter sich warf, um sicher zu gehen keine Verfolger in Schlepptau zu haben. Jetzt galt es schnell von hier zu verschwinden und all das hinter sich zu lassen.

Benutzeravatar
Lesha
verschollen
Beiträge: 101
Avatar: Erika-Xero
Alter: 20
Rasse: Mensch (Arcanier)
Heimat: Rômachar
Inventar: Almosenbeutel mit einigen Münzen, Wasserschlauch, Löffel & Messer

Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Mi, 02. Okt 2013 10:56

Je mehr Zeit verstrich, desto unruhiger wurde Kesha. Kewan hatte ihr gesagt, sie sollte in seinem Haus auf sie warten, er würde kommen. Aber je länger sie hier in der Hütte saß, desto nervöser, unruhiger und ungeduldiger wurde sie. Was, wenn er gar nicht kam? Was, wenn er in der Arrestzelle sitzen müsste, bis er verrottet war? Würden sie ihn überhaupt gehen lassen? Wenn nicht, dann konnte sie noch eine beträchtliche Weile hier sitzen. Und ihre Gedanken begannen, sich im Kreis zu drehen. Vielleicht war es doch unüberlegt gewesen, eine Zukunft mit diesem unbeständigen Menschen zu machen, er, der immer aneckte, der sich nicht einfügen wollte, der immer Ärger machte... Was dachte er, wie es in Rômachar sein würde? Dort galt es, sich in die Gesellschaft einzufügen. Man musste sich an Gesetze und Regeln halten, mehr noch, als diese Wilden hier hatten. Und es gab noch mehr in Rômachar, als Regeln und Gesetze. Nämlich die ungeschriebenen Gesetze! Jene, die besagten, und das sagte einem alleine der gesunde Menschenverstand, dass man sich korrekt verhalten sollte, freundlich und aufmerksam seinen Mitmenschen gegenüber, ob man sie mochte, oder nicht. Man sprach Einladungen aus, hatte gesellschaftliche Verpflichtungen, mit Menschen die man mochte, oder mit Menschen, die man hasste. Kesha gab viel auf das, was andere Menschen von ihr sagten. Ihr war es nicht egal, so wie Kewan. Jetzt, wo Levan tot war, war es für Kesha umso unabdingbarer, dass sie bestehende Handelsbeziehungen aufrecht erhielt, festigte, und diese auch nutzte. Es war ein Fehler gewesen, Levan umzubringen. Sie hätte es auch klüger angehen können. Sie hätte auch so zu Kewan gehen können. Jederzeit. Sie hätte eine süße und aufregende Liebelei zu ihm pflegen können, und ihn ja auch mitnehmen können, wenn sie beide die Eiswüste wieder verlassen hätten. Ihr wäre schon ein triftiger Grund eingefallen! Als Begleitschutz, als neue Leibwache Levans, es hätte genug Gründe geben können, warum er sie nach Rômachar hätte begleiten können! Der einzige Fehler, den sie gemacht hatte, war, mit Tarush zu [18]vögeln[/18]. Hätte dieser Bastard nicht ausgeplaudert, dann wäre Levan nicht so ausgerastet. Alles hätte so schön sein können, aber Tarush musste ja alles verderben! Levan... Sein Tod war überflüssig gewesen. Hätte sie ihn nach seiner Misshandlung verlassen, dann wäre er früher oder später auf den Knien angekrochen kommen. Er brauchte sie, wie die Luft zum atmen! Und sie brauchte ihn! Ohne das aufrechte Handelsgeschäft wäre das süße Leben in Saus und Braus bald vorbei. Kewan hätte sicher nicht das Interesse, seinen Platz einzunehmen. Doch wer würde seinen Platz einnehmen können? Wer würde die Geschäfte aufrecht erhalten, wer würde sich auf Handelsreisen begeben? Sie ganz bestimmt nicht, dafür war sie nicht geschaffen. Ihr Platz war zuhause. Aber sie würde sich schon etwas einfallen lassen. Bis sie in Rômachar angekommen waren, war noch erdenklich viel Zeit. Sie würde sich dann den Kopf zerbrechen, bis es so weit war.

Ein Klopfen unterbrach ihre Gedanken. Ein mulmiges Gefühl überkam sie. Was, wenn es Tarush war? Er hatte allen Grund, sie aufzusuchen, trotz der Warnung des Ältestenrats. Sie hatte ihn vor dem Gericht als Vergewaltiger und Lügner hingestellt. Er würde das bestimmt nicht auf sich sitzen lassen! Aber wenn es doch Kewan war? Sie war hin und hergerissen. Aber dann erhob sie sich doch, entriegelte die Türe, und öffnete zögerlich die Türe einen Spalt weit, so dass sie gerade mal herauslugen konnte. Draußen stand ein... ein... schmutziger schwarzer Mann! Beinahe hätte sie ihn nicht wieder erkannt, aber dann blickte sie in seine schönen, stahlgrauen Augen, und war über jeden Zweifel erhaben. "Kewan!" hauchte sie und öffnete dann vollends die Türe, und ließ ihn hinein. Rasch verriegelte sie die Türe wieder hinter sich und wandte sich sofort wieder zu ihm um. "Du bist es wirklich! Wie siehst du nur aus? Und wieso haben sie dich aus dem Gefängnis gehen lassen?" Bevor sie ihn zu Wort kommen ließ, trat sie auf ihn zu, betrachtete ihn ein wenig, wie einen Aussätzigen, da er wirklich über und über mit Dreck war, und er roch auch nicht besonders gut, aber dann wischte sie ihm mit der Handfläche über den Mund, lächelte ihn an, und drückte ihm einen innigen Kuss auf. Und da flammte die lodernde Leidenschaft, die sie für diesen außergewöhnlich gutaussehenden Mann empfand, wieder auf. Sie zog ihn näher an sich heran, öffnete leicht den Mund, und ihre Zungen umspielten sich, als hätten sie nicht mehr damit gerechnet, dass sie dies noch einmal tun könnten. Sie seufzte wohlig auf. Sie begehrte diesen Mann so sehr, und am liebsten hätte sie ihn gleich zu Boden gezogen, um sich mit ihm zu vereinigen, aber der Zeitpunkt war ein denkbar schlechter. Sie mussten fliehen! Und das sofort! "Erzähl mir, Kewan, warum haben sie dich gehen lassen?" Und dann erzählte er ihr seine Geschichte. Von seiner Flucht. Und dass es nur noch eine Frage der Zeit sein würde, bis hier jemand nach ihm suchen würde. Stumm vernahm sie seine Worte. "Ich habe dem Rat erzählt, dass Tarush mich gegen meinen Willen genommen hat, und dass du ihn wahrscheinlich aus diesem Grund verprügelt hattest, da wir Freunde sind. Ich habe auch in den Raum geworfen, dass niemand mehr Grund hatte, Levan umzubringen, als Tarush. Aber das erzähle ich dir später genauer. Wir müssen hier weg. Jetzt sofort. Und niemals wieder können wir zurückkehren. Nicht, dass ich die Eiswüste vermissen werde..." lächelte sie ihn schief an. "Doch bevor wir gehen, Kewan, lass mich noch eine Sache tun..." Sie holte ein Messer hervor, dessen scharfe Klinge im hellen Feuerschein matt aufblitzte. Sie fragt e ihn gar nicht erst, was er davon hielt. Sie fuhr sich damit über ihre rechte Handfläche, und zog dabei schmerzerfüllt die Luft zwischen den Zähnen ein. Sie ergriff seine Hand, und tat mit ihm das gleiche. Dann schlang sie ihre Finger zwischen die seinen, so dass Blut und Blut sich miteinander verbanden. Sie blickte ihm tief in die Augen. "Ich liebe dich, Kewan. Ich liebe dich schon, seit wir in der Eiswüste miteinander das Lager geteilt haben, das weiß ich jetzt. Ein goldener Ehering konnte mich nicht an meinen Mann binden. Doch unser beider Blut soll es tun. Ich verspreche dir, dass ich dich immer lieben werde, werde, dass ich mmer zu dir stehen werde, und dich niemals verraten, oder enttäuschen werde. Unser Blut ist nun eins, und daran lässt sich nichts mehr ändern. Wir gehören zusammen, Kewan, das sagt mir mein Herz." Dann besiegelte sie dieses Versprechen an ihn mit einem weiteren, innigen Kuss.
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
Sie will es und so ist es Brauch
Was sie will bekommt sie auch

Benutzeravatar
Kewan
Jäger
Beiträge: 24
Avatar: Eve Ventrue
Alter: 28
Rasse: Mensch
Heimat: Eiswüste
Waffen: Sperr, Schwert, kleines Steinmesser
Inventar: Eine kleine Ledertasche mit einigen kleineren Handwerksutensilien.

Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Mo, 14. Okt 2013 16:17

Kewan fror. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, die er wartend vor seiner eigenen Haustür verharrte. Die Hitze, die ihn noch im Anwesen des Rates überkommen hatte war mittlerweile gänzlich von ihm abgefallen. Zitternd krallte er sich in den weiten Fellmantel. Der rauchige Geruch des Rußes, der über und über an seinem Körper haftete hing ihm in der Nase und erinnerte schmerzlich an ein warmes Feuer. Stechend meldete sich auch sein Fuß, für den er noch keinerlei Zeit hatte. Inständig hoffte Kewan, dass nichts gebrochen war, denn dann wäre alles zum Scheitern verurteilt was er im Sinn hatte. Die Last eines ganzen Gebirges viel vom Herzen des Jägers ab, als sich die Tür langsam öffnete und all die Pein und Kälte war sogleich vergessen, als er in das wunderschöne Antlitz der Frau blickte, von der er sich wünschte, sie würdeihn fortan immer erwarten, wenn er heimkehren würde.
"Kewan!", er hörte sie seinen Namen ganz deutlich sagen und er lächelte erschöpft. Eilig schleppte sich der Jäger hinein und das Feuer, dass ihm seinen Schein entgegensandte zog ihn sofort an.
"Du bist es wirklich!"
Kesha konnte es augenscheinlich kaum fassen, dass er sein Versprechen gehalten hatte und tatsächlich zu der geplanten Zeit aufgetaucht war. Wer konnte es ihr auch verübeln? Die Situation war so aussichtslos erschienen und hatte wenig Platz für begründete Hoffnung gelassen. Auch in Kewans Herzen hatten sich Zweifel aufgetan. Niemals zwar, würde er das zugeben, doch er konnte sich nicht selbst betrügen. So glücklich dieser Moment auch war, es war noch nichts erreicht und dessen wurde er sich schmerzlich bewusst.
"Wie siehst du nur aus? Und wieso haben sie dich aus dem Gefängnis gehen lassen?"
Eher er zu einer Antwort kam, verbanden sich bereits ihre Lippen, als wären Jahre seit ihrer letzten gemeinsamen Zeit verstrichen. Leidenschaftlich zog sie ihn zu sich heran und ihm war es gleich, ob seine Hände schmutzig waren oder nicht, sie hoben sich, legten sich auf ihren Hals und fuhren zärtlich nach oben in ihr Gesicht. Allein für diesen Moment wäre es all dieser Aufwand wert gewesen, doch warum ruhen, wenn es noch so viel zu erreichen galt?
"Erzähl mir, Kewan, warum haben sie dich gehen lassen?"
Und er erzählte ihr alles. Von den Morden und den restlichen waghalsigen Aktionen und von seiner Blessur im Fuß. Der Jäger wusste nicht, was sie von all dem halten würde, doch eine Lüge würde sie vermutlich nur vom wahren Ernst der Situation ablenken und das war im Augenblick sehr unklug. Beide mussten sich nun bewusst werden, dass Gefahr in den nächsten Stunden ihr ständiger Begleiter werden würde. Viel Zeit würde nicht bleiben.
"Ich habe dem Rat erzählt, dass Tarush mich gegen meinen Willen genommen hat, und dass du ihn wahrscheinlich aus diesem Grund verprügelt hattest, da wir Freunde sind. Ich habe auch in den Raum geworfen, dass niemand mehr Grund hatte, Levan umzubringen, als Tarush. Aber das erzähle ich dir später genauer. Wir müssen hier weg. Jetzt sofort. Und niemals wieder können wir zurückkehren. Nicht, dass ich die Eiswüste vermissen werde..."
Etwas bitterlich seufzte Kewan auf, als Kesha das Thema Heimat ansprach. Er war sich so sicher gewesen, all das hinter sich zu lassen, doch jetzt keimten leise Zweifel auf. Wenngleich Zweifel vielleicht das flasche Wort waren. Vielmehr war es Wehmut, die ihn heimsuchte, wie ein Schneesturm die Eiswüste im Winter. All diese Geschichten die Kesha hatte verlauten lassen klangen so... fantastisch, dass es den Jäger im Moment doch ein ganz klein wenig ängstigte. Doch er hatte sich entschieden. Kewan hatte sich entschieden und das war auch gut so, auch wenn er der Eiswüste, seiner Heimat mit Sicherheit nachweinen würde. Immerhin war es seine Heimat. Und ganz egal welche Schwierigkeiten ihn hier in der Vergangenheit heimgesucht hatten, er kannte nichts Anderes. Ein Grinsen umspielte seine Lippen, als ihm plötzlich Annuns alte Worte in den Sinn kamen: "Das Heim ist wo das Herz ist."
Kewans Herz war gänzlich an Kesha verloren. Wo sie war, dort wollte er sein und um keinen Preis der Welt wollte sich der Jäger von ihr trennen. Selbst wenn dies den Abschied von seiner Heimat bedeuten würde...
"Doch bevor wir gehen, Kewan, lass mich noch eine Sache tun...", Kesha riss ihn aus den wirren Gedanken und etwas verdutzt blickte er der Frau seines Herzens hinterher, während sie ein Messer hervorholte und sich die Handfläche aufschlizte. Er ließ sie gewähren und bei sich selbigesvon Statten gehen. Es war ein kurzer, stechender Schmerz der ihn nicht weiter kümmerte. Die Wunde war nicht tief ud würde schnell wieder heilen, doch viel mehr fragte er sich nach dem Sinn dieser Aktion. Als Keshas Hand sich mit der Seinen in einem festen Griff verband und er ihren Worten dazu lauschte, grinste er matt. Kewans Kopf war leer und langsam begann sie eben diese Leere mit Glückseligkeit zu füllen. Er verharrte für einige Minuten in diesem Griff, den Blick auf Kesha gerichtet. Ganz langsam und kaum ausgibig begann der Jäger den Kopf zu schütteln, während sein mattes Grinsen immer breiter wurde.
"Wenn du wüsstest, wie sehr ich das auch tue, Kesha.", sagte er rau, löste den Griff und umschlang die Frau, die er liebte. Genau das, was er sich seit eben jener Nacht, in der sie im Schein des brennenden Schiffes geminsam das Lager geteilt hatten gewünscht hatte, war eingetreten. Nicht im Traum wäre ihm eingefallen, dass die Freude darüber die Trauer über die Ablehnung an Intensität weit übertraf. Kewan wollte mehr sagen, doch seine Kehle war wie zugeschnürt und eine einsame Träne des Glücks rann aus seinem rechten Augenwinkel, ehe sie sich in seinem Bart verlor. Er löste sich von Kesha und suchte erneut ihren Blick und wieder küssten sie sich.
"So soll es sein.", waren seine einzigen Worte, denn noch immer konnte es Kewan nicht fassen was soeben geschehen war und das er nun wirklich alles hatte, was er wollte. Nur der Gedanke an dessen Erhalt riss ihn aus seiner Welt aus Glück, in der sie sich wahrhaftig noch lange nicht befanden. Er löste sich von ihr, während er einen einsamen Eimer ergriff, in draußen mit Schnee füllte und ihn über das Feuer hing. Bevor es losgehen konnte, galt es die Wunden zu versorgen. Enige Schnitte hatte sich Kewan im Laufe der Flucht zugezogen und besonders seinem Fuß galt Aufmerksamkeit, da von ihm das Gelingen einer schnellen Flucht abhängen würde. Sobald das Wasser halbwegs erwärmt war, begann sich der Jäger zu entkleiden. Sein ohnehin zerissenes Unterhemd wurde in kleiner Teile zerlegt, mit denen er begann die Schnitte notdurftig zu reinigen. Ein Großteil war mehr oder weniger nicht der Rede wert, doch zwei Schnitte waren durchaus tief und verärgert dachte Kewan zurück an den Kampf mit den Heizarbeitern im Anwesen. Mit Keshas Hilfe schaffte er es sie halbwegs sauber zu verbinden, eher sich nun endlich seinem Fuß zuwande. Vorsichtig begann er das Gelenk anzutasten und der Jäger seufzte erleichtert auf, als er merkte, dass ncihtsgebrochen war. Nur eine leichte Schwellung deutete auf eine Stauchung oder ähnliches hin, nichts, was ihn bei einem etwas stabilisierten Schuhwerk aus der Bahn werfen würde. Das Glück schien den beiden hold und sie begannen sich reisefertig zu machen. Eher schlecht als recht versuchte Kewan noch den Rußschmutz von seiner Haut zu entfernen, was war stellenweise gelang, doch es fehlte einfach die Zeit und die nötigen Mittel das Schwarz gänzlich von seinem Erscheinungsbild zu entfernen.


Zu allem bereit verschnürte Kewan das letzte Gepäckstück auf seinem Tragegestell. Mit einem abschätzenden Blick durch sein seltsam leer erscheinendes Heim schloss er mit diesem Teil seines Lebens ab. Kesha bemerkte seine Wehmut und ergriff sogleich seine Hand und drückte sie fest. Der Jäger erwiderte den Druck und wandte sich ihr zu.
"Wir können los. Du hast deine Sachen fertig?", vergewisserte er sich, was sie nickend bejate. Auch er schwang sich sein gebliebenes Hab und Gut auf den Rücken, band sich das Schwert um die Hüfte und ergriff den Speer. Zwar wurden die Tage bereits wieder länger und der lange Winter neigte sich dem Ende zu, doch die Dunkelheit suchte die Eiswüste noch immer früh am Tage heim und hüllte sie in dunkle Schatten. Schatten, die Kewan und Kesha für ihre Flucht zu nutzen gedachten.
"Nach dir.", sagte der Jäger, als er die Tür öffnete und grinste Kesha an. Es war ein mulmiges Gefühl mit dem er zu kämpfen hatte und es wäre gelogen zu sagen er fühlte sich wohl in diesem Moment. Kesha stampfte nach draußen in den festgetretenen Schnee und nach einem letzten Blick in das leerstehende Heim tat es Kewan ihr gleich. Das Geräusch der zufallenden Tür war wie ein Blitz, der ihn durchzog und war gleichzeitig bezeichnend für das Ende hier, hier in seiner Heimat. Etwas neues, etwas Unbekanntes stand nun bevor und der Jäger stand ihm gegenüber mit Freude und Kummer zugleich. Sein ausgeprägter Abenteuergeist jedoch überstrahlte alles Zweifel und trieb ihn an. Auch ein einziger Blick zu Kesha stärkte ihn in der Richtigkeit seiner Entscheidungen in der Vergangenheit und ließ keine Zweifel, dass sich etwas verändern musste. Das Leben schlug für die beiden nun in eine andere Richtung.


Drei Tage waren nun schon vergangen auf ihrer großen Flucht nach Süden. Um sie herum befand sich nichts als Eis soweit das Auge reichte. Zu oft hatte sich Kewan auf seinem Weg schon gefragt, was nun Zuhause passieren würde. Würde man ihn vermissen? Was würde man nun denken, wenn er fort war? Verfolgte man sie? Zu viel schwirrte in dem aufgebrachten Geist des Jägers herum, der recht schweigsam gewesen war, doch hoffte, dass Kesha ihm diesen Umstand nicht übel nahm und ihn auch in gewisser Weise verstand. Es bedrückte ihn zu wissen, dass er diese, die seine Heimat nicht mehr betreten konnte. Das tat es mehr als er bereit war sogar sich selbst einzugestehen. Selbst wenn das Leben bisweilen hart gewesen war in letzter Zeit. Auch gesundheitlich tat sich Kewan etwas schwer. Durch die ständige Belastung konnte sein Fuß nicht heilen und der Schmerz verstärkte sich gar und auch die Wunde, welche er sich bei der Bergung der Schnapsfässer zugezogen hatte schrie unter der Belastung des Tragegestells, doch die eilende Flucht sollte bald vorbei sein. Ein Hindernis gab es noch zu überwinden, ehe sie der Weg nach Süden führen sollte, ohne eine Lagerstatt seines Volkes. Das südlichste Jägerlager seiner Zunft befand sich nun direkt vor ihnen. Erst ein einziges Mal in seinem Leben war Kewan dort gewesen und er wusste nicht, was ihn dort erwartete, doch in seinen Erinnerungen waren hier lediglich sehr wenige Jäger stationiert und die Wahrscheinlichkeit, dass sie noch nichts von all den Ereignissen aus Norr Bharrak wussten war hoch.
Kalt wehte der Wind den beiden Reisenden entgegen, der den Schnee ausgibig aufwirbelte und die Sicht in der Ferne einschränkte. Was der Wind allerdings mit sich trug war ein starker Geruch. Ein typischer Geruch in der Eiswüste und einer, der gerne von ihren Bewohnern wahrgenommen wurde: Gebratenes Fleisch. Solange sich der Strohm nicht drehen würde, hatte Kewan wenige Probleme in der Orientierung, was sie viel Zeit kostete. Sonst wären sie gezwungen sich anhand des Sonnenstandes bei Tag fortzubewegen, was bisweilen durchaus zu einem Problem heranwachsen konnte. Es kam schon vor, dass durch die verwehten Schneemassen in der Luft ein Blick auf die leuchtende Himmelsscheibe verwehrt wurde und durch dir Refelxion im Schnee viele hell leuchtende Punkte am verhangenen Himmel prangten. Doch auch diesmal war Kesha und Kewan das Glück hold. Schon bald kristallisierte sich ein Feuerschein aus dem seichten Schneeteiben, dass für den Moment etwas zurückgegangen war. Auch der Hall von Stimmen zeugte von menschlicher Aktivität, die ihre Vorräte für den letzten Rest der Etappe in wärmere Gefilde auffüllen sollte.

Benutzeravatar
Lesha
verschollen
Beiträge: 101
Avatar: Erika-Xero
Alter: 20
Rasse: Mensch (Arcanier)
Heimat: Rômachar
Inventar: Almosenbeutel mit einigen Münzen, Wasserschlauch, Löffel & Messer

Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » So, 27. Okt 2013 11:52

Kesha hörte sich an, als Kewan ihr über seine Flucht erzählte. Eine beinahe unglaubliche Geschichte war dies, und nun erklärte es sich auch, warum Kewan derart dreckverschmiert war. Sie erzählte ihm auch, was sie bei dieser Ratsversammlung der Ältesten, die im Grunde Gericht über sie gehalten hatte, vor sich gegangen war. Doch nur in groben Zügen. Für große ausschweifende Erzählungen war nicht der richtige Zeitpunkt, wer wusste schon, wie schnell sie Kewans Flucht bemerkt hatten, und ob Tarush nicht auf Rache sann, für die dreisten Lügen, welche Kesha dem Rat über ihn aufgetischt hatte. Sie legte ihm eindringlich nahe, dass sie sofort aufbrechen mussten, und ein Schatten legte sich bei diesen Worten Keshas in Kewans Augen, und auf sein schönes Antlitz. In diesem Moment empfand Kesha aufrichtiges Mitleid für diesen Mann. Zwar sagte er immer, dass er der Eiswüste überdrüssig war, doch seine Reaktion auf ihre Worte bewiesen, dass ein Teil von ihm doch an seiner Heimat hing. Doch zu viel war passiert, und ganz egal, was sie auch taten, es würde ihnen zum Nachteil gereichen, und so gab es nur eine Option, die Flucht. Die Flucht aus der Eiswüste. Würden sie eines Tages Rômachar erreichen, so würde sich ihnen eine großartige Gelegenheit auftun, einen Neuanfang zu beginnen, einen Neuanfang zu zwei. Und so, um ihn aufzumuntern, und ihm zu beweisen, dass alles, was auch passiert war, sich auf eine Art und Weise doch gelohnt hatte, gestand ihm Kesha schließlich ihre Liebe. Ja, sie liebte ihn, auch wenn sie eine Zeit lang völlig falschen Stolz gehegt, und an gänzlich falschen moralischen Vorstellungen festgehalten hatte. Denn sie hatte sich versucht, einzureden, dass ihre Zukunft bei Levan gelegen hatte, und dass sie sich auf ihren Platz besinnen sollte. Doch war ihr Platz schon lange nicht mehr bei Levan, schon viele Jahre nicht mehr… Nur der Reichtum und das angenehme Leben, welches er ihr hatte bieten können, hatte sie bei ihm gehalten. Doch nach seinem Ausraster in ihrem neuen Haus hatte sich Kesha gänzlich von ihm abgewandt, und nun endlich hatte sie ihren Stolz beiseitegelegt, und hatte Kewan gesagt, was sie für ihn empfand. Eine ganz eigene Stimmung verbreitete sich in Kewans Hütte, als Kesha ihm ihre Liebe gestanden hatte. Und auch bei Kewan selbst. Er wirkte sichtlich befreit, erleichtert und glücklich. Sie gaben sich einem innigen Kuss hin, während sie sich weiterhin die blutverschmierten Hände hielten, und als sie sich schließlich nach einer Ewigkeit voneinander lösten, und er sie anblickte, lief ihm eine Träne aus dem Augenwinkel. Kesha lächelte ihn an. Es war wirklich rührend. Sie hob sie unversehrte Hand an, und wischte ihm die einsame Träne weg. Er umschloss sie mit seinen Armen, und dann fanden sich ihre Lippen zu einem erneuten intensiven, nie enden wollenden Kuss wieder. Kesha wünschte sich, dass dieser Augenblick nie endete, doch die Realität holte sie beide recht schnell wieder ein. Er war verletzt, er musste seine Wunden versorgen, bevor sie sich endgültig der Eiswüste abwenden konnten. Eine unversorgte Verletzung könnte für unangenehme Zwischenfälle sorgen, und so häufelte Kewan vor dem Haus etwas Schnee in seinen Kessel und hing diesen über die Feuerstelle. Gemeinsam warteten sie, bis das Wasser kochte, dann ging Kesha ihm zur Hand. Sie half ihm, seine Wunden zu reinigen und diese notdürftig zu verbinden. Sie ließ sich hierbei, ein wenig verlegen lächelnd, von ihm anleiten, da sie von Wundversorgung keinerlei Ahnung und Erfahrung besaß. Schließlich verstauten sie noch all ihre wenigen Habseligkeiten, warfen noch einen allerletzten Blick in das Haus, löschten die Feuerstelle, und verließen es schließlich.

Es war tiefste Nacht. Kein Lüftchen regte sich, aber die unerbittliche Kälte kroch ihnen recht bald in die Glieder. Zumindest der Mond beschrieb beinahe eine volle Scheibe, und die Gegend, die ausschließlich von Eis und Schnee bedeckt war, glitzerte beinahe romantisch in dem kalten Mondlicht. Sie liefen beinahe die ganze Nacht durch und erst im Morgengrauen, als Kewan beschloss, dass sie genug Abstand zwischen sich und Norr Bharrak gebracht hatten, gestatteten sie sich erstmals eine Rast. Kesha war gänzlich erschöpft vom Laufen, und gemeinsam bauten sie das kleine Zelt auf. Über diesem legte sie noch ein Eisbärfell, zum einen, um so wenig Wärme wie nur möglich aus dem Zelt zu verlieren, und zum zweiten, wenngleich das Fell auch nicht reinweiß war, um sich im Schnee vor eventuellen Verfolgern besser tarnen zu können. Zumindest hob sich das Eisbärfell schwerer von der Eislandschaft ab, als jenes eines Braunbären.

Drei ganze Tage und auch Nächte waren die beiden nun schon unterwegs. Sie gönnten sich nur wenige Pausen, und nur wenig Schlaf, und Kesha bereute diese Flucht schon beinahe. Es verlangte ihr viel ab. Es war ein kräfteraubendes Unterfangen, Kräfte, die sie ohnehin kaum besaß. Aber sie hatten keine andere Wahl. Die Alternative wäre ein endlos langes Gericht vor dem Ältestenrat gewesen, entweder auf der eigenen Version der Geschichte beharren, oder gar di Schuld einzugestehen. Dann hätte man sie eingesperrt, oder gar exekutiert, und darauf hatte Kesha freilich gar keine rechte Lust gehabt. Und als sie schon gar nicht mehr daran glaubten, dass sich in dieser öden Eiswüste irgendetwas zum Guten wenden würde, da tat sich vor ihnen ein Lager von Jägern auf. Es roch nach gebratenem Fleisch, ein wärmendes, großes Lagerfeuer brannte, und einige, trotz der eisigen Kälte und den unwirtlichen Gefilden, gutgelaunte Jäger unterhielten sich. Als sie Kesha und Kewan erblickten, verstummten sie in ihren Erzählungen, und warfen den beiden neugierige Blicke zu. Schließlich hob er von ihnen an „Wer seid ihr beide denn? Und was treibt euch in die Einöde der Wüste?“ Kesha wusste nicht Recht, was sie darauf erwidern sollte. Welche Geschichte könnte man schon glaubhaft auftischen? Das Meiste würden sie nicht glauben, und vielleicht noch misstrauisch werden. So erwiderte sie nichts, und wartete, dass Kewan das Wort ergriff. Es war seine Heimat, es waren seine Landsleute, und er musste wissen, wie er mit ihnen zu verfahren hatte. Doch die Jäger schienen keinen Argwohn zu hegen, sondern luden sie sogar ein, bei ihnen am Feuer zu verweilen.

Der Feuerschein war wohlig, heimelig und das Beste daran war, er wärmte! Das Feuer wärmte Kesha bis in ihr scheinbar durchfrorenes Mark, und allmählich begann sie, ihre Gliedmaßen wieder zu spüren. Nach einer Weile nahm sie die Kapuze ihres Wollmantels ab, welcher sich unter dem Pelzmantel befand, und entblößte so ihr blondes Haar, welches im Feuerschein beinahe golden anmutete. Einer der Jäger fragte sie „Blondes Haar? Du stammst nicht aus der Eiswüste, oder?“ Da schüttelte Kesha langsam ihr blondes Haupt. „Und was treibt dich in die Eiswüste, wenn du nicht von dort bist? Hast was ausgefressen, und hast hier nen Neuanfang versucht?“ grinste einer der Jäger. Erneut schüttelte Kesha den Kopf, obgleich sie sich von seinen Worten ertappt fühlte. Sie überlegte fieberhaft, was sie annähernd brauchbares erzählen konnte, was nicht sofort Argwohn oder Misstrauen schüren würde. Vielleicht wurden sie ja verfolgt, wer wusste das schon! So sagte sie „Ich bin Händlerin aus dem Westen. Ich habe alte Handelsbeziehungen auffrischen wollen. Handelsware aus der Eiswüste ist im Westen sehr begehrt, sind doch die Handelswege lange, und die Eiswüste nicht gerade ein sehr wirtlicher Ort für Händler aus dem Westen, nicht wahr?“ Sie lächelte den Jäger an und er nickte. „Jo, das stimmt. Allzu oft verirren sich solche Händler nicht zu uns… „Und wer das Risiko nicht scheut, wird belohnt, ist es nicht so?“ schloss Kesha mit ihren Erzählungen, und blickte dabei beinahe unmerklich zu Kewan. Ja, was immer sie an der Trümmerküste gefunden hätten, ihn zu finden, und für sich gewinnen zu können, war dieses haarsträubende Wagnis allemal wert gewesen. Sie unterhielten sich noch eine ganze Weile, doch dann passierte etwas Eigenartiges. Der Himmel färbte sich am Horizont plötzlich rot. Wie in verwässertes Blut getaucht… Die Jäger sprangen von ihrem Lagerfeuer auf und starrten ungläubig auf den Horizont, welcher die Nacht unheilvoll erhellte. Man konnte einen Körper sehen, um welchen sich das rote Licht wob. Beinahe wie ein Stern… ein blutender, unheilvoller Stern, der vom Himmel fiel… Der Stern zog über den Himmel, und Kesha ergriff Kewans Hand und umklammerte diese. Sie musste einräumen, dass ihr dieses Schauspiel unangenehme Schauer über den Rücken laufen ließ. Es dauerte nicht lang, da neigte sich der Winkel dieses Blutsterns, und allmählich verschwand er hinter einer Gebirgskette und war nicht mehr zu sehen. Den dunkelroten Schein, welcher dieses Ding umgab, nahm dieser mit und bald zeugte nur mehr ein blasser hellroter Schein, welcher den Nachthimmel erhellte, gleich wie ein Sonnenaufgang, von diesem unglaublichen Schauspiel. Nur wenige Augenblicke wurde die Erde erschüttert, und bebte leicht. Angstvoll warf sich Kesha auf den Boden, und die Jäger taten es ihr gleich…
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
Sie will es und so ist es Brauch
Was sie will bekommt sie auch

Benutzeravatar
Kewan
Jäger
Beiträge: 24
Avatar: Eve Ventrue
Alter: 28
Rasse: Mensch
Heimat: Eiswüste
Waffen: Sperr, Schwert, kleines Steinmesser
Inventar: Eine kleine Ledertasche mit einigen kleineren Handwerksutensilien.

Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » Mi, 06. Nov 2013 23:52

„Wer seid ihr beide denn? Und was treibt euch in die Einöde der Wüste?“ , fragte einer der Jäger und Kewan hielt inne. Er musste kurz verschnaufen. Das Tragegestell drückte auf die noch immer nicht ganz verheilte Schulter und raubte ihm zuerst einige Sekunden den Atem mit einem stechenden Schmerz. Ein kurzer Blick zu Kesha verriet ihm, dass sie nicht antworten wollte, was sicherlich auch verständlich war. Nach kurzen Momenten des Schweigens erhob der Jäger schließlich die Stimme.
"Grüß euch, wir brauchen nur ne' Rast. Wir sind auf dem Weg nach Süden."
Kewan hatte die Stimme bei dem starken Wind nicht erkennen können, doch er hoffte inständig einen der hiesigen Jäger zu kennen, denn das würde es alles einfacher machen. Was er allerdings noch viel mehr hoffte war, dass niemand der Männer hier von ihren Taten wusste, doch das war gänzlich unwahrscheinlich. Wenn nicht gerade ein Schlitten verwendet wurde, hätte sie nach ihrer Flucht niemand überholen können und wer sonst hätte solche Informationen liefern können? Und warum überhaupt? Aber dennoch, ein wenig Vorsicht und Unbehagen schwang trotzalledem in ihm mit.
"Kommt ans Feuer!", war die freundliche Antwort, welche die Schatten aus Kewans Gesicht vertrieb. Genau das konnte er jetzt gebrauchen. Kesha und er traten näher und fanden sich inmitten von vier schweren Zelten wieder, die mit allerlei Fell behangen der eisigen Kälte zu tzrotzen vermochten. Der Schnee knirschte unter ihren Stiefeln, doch je näher sie den lodernden Flammen kamen, desto fester wurde der Untergrund.
"Setzt euch!", wies einer der Jäger auf die gemütliche Senke, in der sie das Feuer entfacht hatten. Es war wie ein kleines Loch im Boden, dass dem scharfen Wind zu trotzen vermochte und sich entgegen der Witterung wie ein Iglu mit angenehmeren Temperaturen zu füllen vermochte. Dankend nahmen die beiden das Angebot an. Schnaufend ließ Kewan seine Last auf den Boden gleiten und Kesha tat es ihr gleich. Es war wie ein Segen, als das schwere Gewicht von seinem Körper abfiel und kam einer unvergleichlichen Befreiung nahe. Kurz darauf ließ Kewan seinen Blick über die versammelten Gesichter schweifen. In ihren Blicken erkannte er, dass sie mehr über ihn wussten als er über sie. Dies war allerdings ncoh nie eine wirklich verwunderliche Sache gewesen, denn der Name K'eyshu war kein unbekannter in seiner Gesellschaft. Zwar hatte man sich in der nicht sonderlich großen Gemeinschaft von Norr Bharrak schon einmal gesehen, oder zu Mindest kam einem das Gesicht bekannt vor, doch wirklich kennen tat er niemanden.
"Du bist K'eyshu, nicht wahr?", fragte einer der versammelten Jäger mit einem schiefen Grinsen auf den Lippen und einem Blick, der vielsagend zwischen Kesha und ihm hin und her schwankte. Der Angesprochene nickt und erwiderte das Grinsen, während er seine behandschuhten Finger dem wärmenden Feuer entgegenstreckte.
"Verzeiht wenn ich frage, aber ich bin neugierig... ähm... ich kenne dich zwar nur aus Geschichten und habe dich das ein oder andere Mal schon gesehen, doch hast du vor die Eiswüste zu verlassen, wenn du nach Süden gehst?"
Kewan vermochte keine Antwort zu geben, vielmehr tat es Kesha für ihn, indem sie ihre Kapuze nach hinten schlug und ihre für diese Region fremdartigen Haare offenbarte. Sie erntete anerkennende und verwunderte Blicke.
"Blondes Haar?", fragte einer, "Du stammst nicht aus der Eiswüste, oder?"
Kesha schüttelte entschieden den Kopf und die Frage schien aus den Gedanken der ferundlichen Jäger verschwunden zu sein, so erstaunt waren sie von der Schönheit die ihnen gegenüber saß.
"Und was treibt dich in die Eiswüste, wenn du nicht von dort bist? Hast was ausgefressen, und hast hier nen Neuanfang versucht?", löcherten sie weiter, was Kewan ihnen nicht einmal übel nehmen konnte, wenngleich seine Erschöpfung nach Ruhe schrie und sich eigentlich dagegen sträubte einer Art Verhör beizuwohnen, wenngleich diese Bezeichnung doch etwas harsch war. Schließlich, und das musste er auch schon am eigenen Leibe erfahren, traf man nicht alle Tage eine solche Frau in den Weiten der Eiswüste an. Kewan grinste verwegen und schnitt sich ein Stück von dem Fleisch ab, welches einen betörenden Duft für den Hungrigen verbreitete und über dem Feuer garte.
"Ich bin Händlerin aus dem Westen. Ich habe alte Handelsbeziehungen auffrischen wollen. Handelsware aus der Eiswüste ist im Westen sehr begehrt, sind doch die Handelswege lange, und die Eiswüste nicht gerade ein sehr wirtlicher Ort für Händler aus dem Westen, nicht wahr?", erzählte Kesha auf die Frage der Jäger hin und Kewans Grinsen wurde breiter, während er beiläufig lauschte. Nun war er sich sicher, dass diese Jäger noch nichts von all dem wusste, was in Norr Bharrak geschehen war und das war auch gut so. Es war sogar noch viel mehr. Ein kleines Gebirge schien von seinem Herzen zu fallen und dieser immerwährende Kloß im Hals verschwand.
"Jo, das stimmt. Allzu oft verirren sich solche Händler nicht zu uns…"
"Und wer das Risiko nicht scheut, wird belohnt, ist es nicht so?"
Bei dieser Aussage konnte es sich Kewan nicht verkneifen einmal kurz und leise, wenn auch hörbar, aufzulachen. Ihm entging ihr Blick nicht und er war froh, dass es so gekommen war. Auch wenn er, oder vielleicht sie beide zwischenzeitlich zu etwas geworden waren, was sie eigentlich gar nicht sein wollten und gar nicht ihrem Charakter entsprach.
Mit jedem gesprochenen Wort entspannte sich die Situation. Man unterhielt sich über alles Mögliche und Kesha wurde gelöchert über Informationen aus ihrer Heimat, denen Kewan immer noch mit größtem Interesse lauschte. Er freute sich so auf das was ihn erwarten würde, wenn diese eingefrorene Einöde endlich ersteinmal hinter ihm liegen würde und sich etwas völlig neues eröffnete. Sein ganzes Leben hatte er auf so etwas gewartet. Die Vorfreude stieg, als plötzlich ein Gestirn seine Aufmerksamkeit auf den Himmel lenkte.


Ungewöhnlich rotes Licht begann den Himmel zu erleuchten und alles in ein unheilvolles Scheinen zu tauchen. In Mitten dieser intensiven Farbfront eröffnete sich ein besonderer Glanz. Ein Glanz der sich über seine Oberfläche zu bewegen schien. Schnell. Unaufhaltsam näherte er sich dem Horizont und zog dabei einen glühenden Schweif hinter sich her, ehe er aus dem Blickfeld verschwand. Vor Verwunderung war Kewan aufgesprungen und erst als Keshas Hand ihn berührte und die Seine ergriff, erwachte er aus seiner Versteinerung.
„Was bei den Göttern...“, flüsterte er kehlig, sodass es nur Kesha hören konnte. Dieses Naturschauspiel hatte etwas unheimliches und zog alle Anwesenden in ihren Bann. Einen Bann dem sie sich erst mit dem Beginn eines Bebens entziehen konnten. So etwas hatte Kewan noch nie erlebt oder gesehen. Was war passiert? Erst schwankte es nur ganz leicht, kaum merklich, doch dann wurde es stärker und stärker und die Jäger, Kesha und er warfen sich voller Angst und Verwunderung gleichermaßen auf den Boden. So plötzlich wie es kam endete es auch abrupt. Vor lauter Unsicherheit verharrten alle Anwesenden noch einige Augenblicke in ihrer Position, ehe es Kewan war der sich als erster erhob und den Schnee von seinem Mantel abzuklopfen begann.
„Was bei allen Göttern war das? Ist ein Stern vom Himmel gefallen? Oder sind die Götter auf die Erde gekommen?“
Fragend warf er einen erschütterten Blick in die Runde.
Der Rest des Abends war duzrchzogen von allerlei Grübelei und Ängsten über das Passierte. Niemand war sich wirklich im Klaren darüber was man gesehen hatte und wie man dies zu deuten verstehen sollte. Trotz aller anfänglicher Zaghaftigkeit erwachte doch der Abenteurer in Kewan, dessen Interesse an diesem Phänomen mit jeder Sekunde mehr wuchs und die Angst verdrängte. Sollte man es wagen diesen gefallenen Stern oder was auch immer zu untersuchen? Lange drehte der Jäger jeden einzelnen Gedanken in seinem Kopf um und vergaß dabei alles um sich herum. Er wollte es.

Die Nacht zog über sie herein und tauchte die Eiswüste in Dunkelheit. Das schlechte Wetter hatte sich inzwischen Verzogen und lediglich die müden Ausläufer eines Sturmes fegten noch über ihre Köpfe in der Senke mit dem Feuer hinweg. Schläfrigkeit machte das Denken für Kewan zu einer anstrengenden Angelegenheit und riss ihn mehr oder weniger unfreiwillig aus seinen Gedanken. Genau zur rechten Zeit, wie ihm schien.
„Ihr könnt das Zelt beziehen.“, sprach einer der Jäger und deutete auf eines der kleinen Behausungen, „Wir werden schlafen gehen. Morgen steht noch eine große Jagt an. Bleibt solange ihr wollt. In zwei Tagen ziehen wir zurück nach Norr Bahrrak.“
Mit diesen Worten verabschiedeten sich die Männer in ihre Zelte und stimmten dabei eine alte Weise an, die von einem Jäger berichtete, der Eisbären mit der bloßen Hand fing. Es war ein Kinderlied, doch sehr beliebt unter den Jägern, denn es verbreitete eine wunderbare melancholische Stimmung, die keinesfalls traurig war. Kewan grinste bei der Melodie und stimmte mit ein. Lange schon hatte er nicht mehr gesungen und erst jetzt merkte er wie sehr es ihm gefehlt hatte. Irgendwie hatten all die alten Lieder seines Volkes eine beruhigende Wirkung auf ihn gehabt und machten ihn glücklich. Zärtlich legte er einen Arm um Kesha und folgte mit seiner Stimme der Melodie, bis die Jäger geendet hatten.
„Kesha...“, begann er nach einigen ruhigen Momenten, in denen er mit den Augen die wilden Bewegungen des Feuers verfolgte, „Lass uns zu diesem gefallenen Stern gehen. Ich möchte wissen was es damit auf sich hat. Ich bitte dich.“


Am nächsten Morgen war die Sonne schon beinahe an ihrem Zenit als die Beiden erwachten. All die vergangenen Tage hatten so viel Kraft gekostet, dass es nun einmal an der Zeit gewesen war sich ein wenig Ruhe zu gönnen. Aus dem Lager hörte man nichts außer das Bellen von einigen Schlittenhunden, die Kewan am Tage zuvor gar nicht aufgefallen waren. Genüsslich öffnete er die Augen und das erste was er erblickte war Kesha, die in seinen Armen ruhte und die ungewohnte Ruhe scheinbar ebenso genoss wie er das tat.
„Guten Morgen!“, begrüßte er sie leise und streichelte ihr über das Gesicht. Der Jäger erhob sich, kleidete sich an und marschierte nach draußen. Das Wetter war über die Nacht stabil geblieben und hatte keine Unannehmlichkeiten für die Weiterreise in ihren Weg gelegt, soweit Kewan das von dort aus erblicken konnte. Allem Anschein nach waren die Jäger bereits zu ihrer am Vortag angekündigten großen Jagt aufgebrochen und so waren sie zu zweit alleine im Lager. Ausgiebig gönnte er sich ein reichhaltiges Frühstück mit allerlei Vorräten die er sich zusammensuchen konnte, ohne die eigenen anzutasten und sah sich nach den Schlittenhunden um. In der Tat waren einige Exemplare samt Schlitten in einiger Entfernung zu den Zelten hinter einer großen Schneeverwehung angebunden worden und nur der Wind hatte ihre Rufe an sein Ohr getragen. Vermutlich dienten sie lediglich dazu nach Norr Bharrak schnell zurückzukehren und nicht um jagen zu gehen oder sich von einem Lager zu anderen zu bewegen. Kewan stapfte zu den Tieren hinüber. Es waren zehn Stück und alle samt kräftige und gesunde Hunde, soweit er das beurteilen konnte und es kam ihm eine Idee.
„Kesha! Kesha!“, rief der Jäger, während er sich erneut dem Zeltlager näherte, „Schau was wir hier haben!“
Kewan deutete auf die Schlittenhunde und das noch nicht eingespannte Gefährt daneben.
„Ich glaube wir haben etwas gefunden, um die Eiswüste noch schneller hinter uns zu lassen!“

Benutzeravatar
Lesha
verschollen
Beiträge: 101
Avatar: Erika-Xero
Alter: 20
Rasse: Mensch (Arcanier)
Heimat: Rômachar
Inventar: Almosenbeutel mit einigen Münzen, Wasserschlauch, Löffel & Messer

Re: Eiskalt...

Beitrag von Lesha » Di, 19. Nov 2013 10:52

Es war Abend, und Kesha war immer noch sehr aufgewühlt von dem gefallenen Stern. Überhaupt waren die Ereignisse der letzten Monde mehr als zu viel gewesen, da war das Schiffsunglück, die Begegnung mit Kewan, der Mord ihres Ehemanns, und schließlich das Gericht und die Flucht danach, und die junge Arcanierin wünschte sich nichts mehr, als wieder zurück in ihre Heimat zu kommen, da wo es keinen Winter gab, keine Not und nur Wohlstand auf sie wartete. Aber in diesem Moment waren sie noch weit, weit entfernt von der Heimat, und zunächst galt es einzig und alleine, zu überleben. Sie besaßen keine Karte, und das einzige, das Kesha wusste war dass sie sich stets nach Westen halten müssten, um mit viel Glück irgendwann in eine zivilisierte Stadt zu kommen, wo es Kartenmaterial gab und wo man ihnen weiterhelfen würde, und ihnen den Weg nach Rômachar zeigen könnte. Sie saßen am Lagerfeuer, und einer der Jäger hatte ein Lied angestimmt, dessen Melodie bedrückend war, und Keshas Herz doch ein wenig berührte. Kewan sang alsbald mit, und sie konnte sich nicht erinnern, ihn jemals so fröhlich und ausgelassen gesehen zu haben, und dies machte sie nachdenklich. Lag es an ihr, dass er kaum etwas zu lachen hatte, hatte es an Norr Bharrak gelegen, oder gab es da noch mehr? Ihr lag nichts mehr daran, als Kewan glücklich zu machen, doch manchmal hatte Kesha das Gefühl, als vermöge sie solches nicht. Und so saß sie einfach nur stumm da, lehnte sich an Kewan, als er seinen Arm um sie legte, und starrte in der flackernde Feuer, welches so wohlige Wärme spendete, und gab sich diesem schwermütigen Lied hin, und schwieg. Nach einer Weile, als die Jäger schon längst in ihren Zelten verschwunden waren, um sich schlafen zu legen und sich auf die morgige angekündigte Jagd vorbereiten wollten, hob er plötzlich an „Kesha… Lass uns zu diesem gefallenen Stern gehen. Ich möchte wissen was es damit auf sich hat. Ich bitte dich…“ Da löste sich Kesha aus seiner Umarmung, und blickte ihn unverwandt und fragend an. „Was redest du, Kewan? Der Stern scheint in einer gänzlich anderen Richtung niedergegangen zu sein, als unser Weg Richtung Rômachar liegt. Man braucht kein weltkundiger Mensch zu sein, um sich denken zu können, dass uns dieser Umweg Wochen, wenn nicht gar Monate kosten wird. Was erwartest du dir dort?“ Sie legte ihre Stirn in Falten, und blickte in die Dunkelheit, wo weit hinter dem Horizont der fallende Stern verschwunden war, und dann schüttelte sie unverständig den Kopf. „Ich bin nicht davon überzeugt, dass es eine sonderlich gute Idee ist, um nicht gar zu sagen, dass ich dagegen bin…“ meinte sie, und hob gedankenverloren ihre Hand an, drehte sie nach außen, und betrachtete ihre verbundene Hand, unter welchem sich die Wunde befand, die sie sich selbst beigebracht hatte, um Kewans Blut mit dem ihren zu vereinigen. Der Verband hatte sich ein wenig gelockert, und sie zupfte daran, und rückte ihn schließlich zurecht, damit er die Wunde wieder verdeckte. Sie wusste, dass dies keine Worte waren, welche er hören wollte. Und während sie den Verband betrachtete, erinnerte dieser sie mahnend daran, dass sie ihm ein Versprechen gegeben hatte, nämlich dass sie ihn immer lieben wollte, immer zu ihm stehen würde, und dass sie zu ihm gehören wollte. Kewan war ein Jäger, ein Wilder, wenn man so wollte, und in seinem Blut lebte die Abenteuerlust, die Freude am Risiko, und sie hatte gewusst, worauf sie sich einlassen würde, wenn sie sich zu ihm bekennen, und ihm ihr Herz schenken würde. Sie ließ ihre Hand wieder sinken, und wandte ihm den Kopf zu. Sie räusperte sich, und sagte schließlich „Aber wenn es dein ausdrücklicher Wunsch ist, dem Stern zu folgen, und ihn zu suchen, dann werde ich dir nicht im Weg stehen, sondern dein Vorhaben unterstützen, und mir dir gehen.“ Sie ließ ihre Blicke über sein wunderschönes, formvollendet männliches Gesicht gleiten, und blickte ihm schließlich tief in die Augen. „Wo immer du hingehen willst, ich werde dir folgen…“ versprach sie ihm und besiegelte dieses Versprechen mit einem innigen und zärtlichen Kuss. Schließlich meinte sie „Komm, lass uns schlafen gehen, ich bin so unsagbar müde und erschöpft…“ Mit diesen Worten ergriff sie seine Hand, erhob sich, und bedeutete ihm, ihr zu folgen.

Im Zelt legten sie sich dicht aneinander und hüllten sich in ein dickes, schweres Eisbärenfell. Nach einer Weile des Schweigens begann sie. „Ich wollte dir noch von Tarush erzählen…“ begann sie schließlich. „Ich habe dem Ältestenrat erzählt, dass er mich gegen meinen Willen genommen hat… Ich weiß auch nicht, warum ich das getan habe. Ich war so wütend auf ihn, weil er es allen erzählt hat, und ich war wütend auf seine frau, weil sie mich beschimpft und beleidigt hat, und ich war wütend, weil er dich mit dieser Tat verletzt hatte… Und weil ich dich damit verletzt hatte. Tarush war unglaublich zornig und bezichtigte mich der Lüge…“ grinste sie. „Ich habe gesagt, dass du Tarush deswegen verprügelt hast, weil er mich genommen hat, was ja irgendwie doch der Wahrheit entsprach. Dann meinte ich, dass du viel mehr Grund gehabt hättest, Tarush umzubringen, für das, was er mir ‚angetan‘ hatte, aber dass er immer noch am Leben sei, und es daher jeder Logik entbehrte, dass du Levan umgebracht hättest. Ich weiß, dass das eine dreiste Lüge war, aber Tarush bedeutet mir nichts, im Gegensatz zu dir. Ich wollte dir helfen, und es wäre mir völlig egal gewesen, wenn sie Tarush verurteilt hätten. Aber ich hätte es nicht ertragen, wenn sie dich verurteilt hätten… Ich weiß nicht, ob sie mir geglaubt haben. Aber eigentlich spielt das ja nun auch keine Rolle mehr…“ sinniert sie. „Denkst du, dass sie unsere Flucht schon bemerkt haben? Dass sie uns verfolgen?“ Dieser Gedanke, der sich ihrer bemächtigt hatte, beunruhigte sie in gewisser Weise. Zwar hatten sie einen guten Vorsprung, so dachte Kesha, aber wer wusste schon, ob sie ihnen nicht schon längst auf der Spur waren, wer wusste schon, wie groß der Abstand zwischen ihnen war? Kesha wollte nicht mehr darüber nachdenken. Sie schob unangenehme Dinge gerne weit von sich, um nicht mehr damit konfrontiert zu sein. Sie gähnte, und schmiegte ich näher an Kewan heran. „Ich liebe dich, Kewan…“ murmelte sie, und dann glitt sie bald hinüber in den Schlaf.

Als Kesha am nächsten Tag erwachte, war es bereits Mittag. Die Anstrengung und die kräfteraubende Flucht hatten ihren Tribut gefordert, und so hatte sie den ganzen Vormittag verschlafen. Kewan hielt sie immer noch umschlungen, und strich ihr sanft über die Wange. „Guten Morgen“ drang seine Stimme an ihr Ohr und sie öffnete die Augen. „Guten Morgen…“ murmelte sie leise. Kewan löste sich von ihr, erhob sich und zog sich an. Er verließ das Zelt und Kesha überlegte für einen Moment, ob sie noch liegen bleiben, und die Wärme der Felle genießen solle, doch dann, nach einer ganzen Weile, entschied sie sich doch, ebenfalls aufzustehen. Sie kämpfte sich immer noch matt aus dem Zelt, und die gleißende Sonne, die das vorherrschende Eis und der Schnee zurückwarfen, stach ihr in den Augen. Sie beschirmte ihre Augen mit der Hand und blickte sich um. Kewan saß vor einem Lagerfeuer, und aß allerlei Speisen, welche augenscheinlich von den Jägern stammte, welche aber nirgendwo zu erblicken waren. Kesha setzte sich zu Kewan und griff ebenso zu. Als sie fertig waren, ging Kewan ein wenig abseits hinter das Lager und kam nach einer Weile wieder zurück. Kesha! Kesha“ Schau was wir hier haben! Ich glaube wir haben etwas gefunden, um die Eiswüste noch schneller hinter uns zu lassen!“ sie blickte ihn fragend an, doch sie wusste, was er ihr damit sagen wollte. „Du willst den Schlitten nehmen?“ fragte sie ihn und hob eine Augenbraue. Doch sein Blick und sein Grinsen sprachen Bände. Er wollte. Kesha blickte sich unschlüssig um. Dies war im Grunde nicht der richtige Zeitpunkt, für falsche Moral. Sie beide hatten weitaus mehr Dreck am Stecken, und da kam es auf einen Diebstahl mehr, oder weniger, auch nicht mehr an. Vielleicht war man ihnen auf den Fersen, und dieser Hundeschlitten war in der Tat eine einmalige Gelegenheit, die Eiswüste schnell hinter sich zu bringen. Sie schickten sich an, keine Zeit mehr zu verlieren, packten ihre Habseligkeiten auf den Schlitten, verstauten das wenige, das sie besaßen, und nachdem Kewan die Schlittenhunde vor den Schlitten gespannt hatte, verließen sie mit diesem das Lager. Sie kamen mit dem Schlitten gut voran. Es dauerte nur wenige Tage, bis die Landschaft sich allmählich wandelte, das Eis- und Schneevorkommen immer weniger wurde, und weit hinten am Horizont schon grüne Wälder sichtbar wurden. Auch die Kälte nahm stetig ab. Keshas Herz tat bei diesem Anblick einen Sprung. Sie hatte schon gar nicht mehr daran geglaubt, je wieder eine andere vorherrschende Farbe zu sehen, die nicht dem Weiß von Eis und Schnee entsprach. Kesha fragte sich, ob Kewan je so weit gereist war, bis an die Grenzen der Eiswüste. Sie fragte sich auch, was sie nun mit dem Hundeschlitten tun sollten. Mit dem Schlitten konnten sie in der eisfreien Region nicht weiterreisen, und die Hunde ohne Schlitten mitzunehmen, war in Keshas Augen Unsinn. Sie war ohnehin keine große Freundin von Tieren, und die Hunde machten stets Lärm und Gebell und verschlangen darüber Unmengen an Fleisch. Als sie sich in der, von Moosen und Flechten bedeckten weiten Ebene zur Rast niederließen, ihr Zelt aufschlugen und ein Lagerfeuer entfachten, blickte Kesha Kewan fragend an „Was nun? Weißt du noch, wo der Stern niedergegangen ist?“
Sie will es und so ist es fein
So war es und so wird es immer sein
Sie will es und so ist es Brauch
Was sie will bekommt sie auch

Benutzeravatar
Kewan
Jäger
Beiträge: 24
Avatar: Eve Ventrue
Alter: 28
Rasse: Mensch
Heimat: Eiswüste
Waffen: Sperr, Schwert, kleines Steinmesser
Inventar: Eine kleine Ledertasche mit einigen kleineren Handwerksutensilien.

Re: Eiskalt...

Beitrag von Kewan » So, 05. Jan 2014 19:35

„Ich bin nicht davon überzeugt, dass es eine sonderlich gute Idee ist, um nicht gar zu sagen, dass ich dagegen bin…“, sprach Kesha und Kewan wandte sein Gesicht fragend in ihre Richtung. In gewisser Weise konnte er ihr Zaudern nachvollziehen. Schon am Tage ihrer ersten Begegnung hatte sie auf den Jäger nicht den Eindruck gemacht sonderlich abenteuerlustig und eher durch ein Unglück in diese Situation gefallen zu sein, was sich ja schließlich auch bewahrheitete. Ein Unglück, dass sich nach holprigem Start, einem noch holprigerem Mittelteil schließlich doch noch zu einem glücklichen Ende verändert hatte. Genauso hatte Kesha Kewan auch am Tage ihrer ersten Begegnung ihn in ihren Bann gezogen, so wie es noch keine Frau zuvor getan hatte. Seine Gefühle wurden sogar so stark, dass er für seine erste echte Liebe zum Verbrecher wurde und einen schrecklichen Mord beging, der am Ende zum Verlust seiner Heimat führte. Ein Wermutstropfen, den gerne bereit war hinzunehmen, wenngleich die immer wiederkehrenden und schmerzenden Blicke zurück in seine alte Heimat ihn noch lange verfolgen würden. Der Blick jedoch auf diese wunderschöne Frau an seiner Seite ließ dann wieder plötzlich alle dunklen Gedanken und Gefühle im Nichts verschwinden und füllte Kewan mit Wonne, die ihn sogar in den kältesten Nächten seiner Heimat zu wärmen vermochte.
Kesha richtete ihren Blick nachdenklich auf die verbundene Hand. Den Schnitt, den sie ihm und sich selbst zugefügt hatte, um ihr Blut auf ewig in diesem Ritual zu verbinden, bedeutete dem Jäger viel. Kewan gefiel diese Art zu denken, zu fühlen, unsichtbare Bande zu schaffen. Sie hatte etwas einvernehmliches, einen rituellen Beigeschmack, der ihm irgendwie gewichtig vorkam. Kein loses Versprechen, das zu brechen er an der nächsten Weggabelung imstande war, eher ein ungeschriebener Vertrag zwischen zwei, nun noch stärker verbundenen Menschen. Kewan schenkte der Frau seines Herzens ein müdes Lächeln, schwieg aber.
„Aber wenn es dein ausdrücklicher Wunsch ist, dem Stern zu folgen, und ihn zu suchen, dann werde ich dir nicht im Weg stehen, sondern dein Vorhaben unterstützen, und mir dir gehen.“
Diese Worte waren wie Musik in seinen Ohren und es bedeutete ihm mehr als viel, dass Kesha ihm auch entgegenkam. Auch wenn er sich vorstellen konnte, dass es nicht leicht für sie war, denn für Abenteuer dieser Art hatte sie, gelinde gesagt, nichts übrig. Aber sie hatte sich ihm im besten Wissen hingegeben, dass Kewan genau das Gegenteil verkörperte. Natürlich brachte das eine große Last mit sich, denn für beide waren diese Gefilde fremd und niemand kannte ihre Gefahren und Tücken! Und in gewisser Weise trug der Jäger die Verantwortung für ihre Sicherheit. Niemals würde er sich verzeihen können, Keshas Tod nur durch seine Abenteuerlust zu verantworten, was aber nicht bedeutete, dass er sie deswegen ruhen ließe. Das könnte er gar nicht. Zu stark pulsierte dieser Teil in ihm... Es war einfach so und es würde mit Sicherheit nicht das letzte Mal sein.
"Wo immer du hingehen willst, ich werde dir folgen…"
Noch ehe Kewan zu antworten imstande war, drückte Kesha ihm einen liebevollen Kuss auf, den er gerne erwiderte. Ein größeres Geschenk konnte sie ihm nicht machen als diese Beteuerung und der Jäger schwor sich, wenn die Zeit reif war würde er sich auf gleiche Art und Weise revanchieren. Ihre Augen waren voller Sorge, doch irgendwas sagte ihm, dass es all das wert war. Womöglich war es nur Einbildung, doch etwas rief ihn dahin. Zum gefallenen Stern.

Den Wunsch schlafen zu gehen verspürte Kewan ebenso stark wie sein Geliebte. Beiden waren die Strapazen der letzten Tage deutlich anzumerken. Keines der vergangenen Ereignisse war spurlos an ihnen vorübergegangen und hatte tiefe Furchen in ihren Gemütern hinterlassen. Alles hatte sich geändert. Blind waren sie in ein augenscheinliches Desaster gerannt. Höhen und Tiefen durchlitten und gekrönt wurde alles von einer waghalsigen Flucht nach Süden, in eine neue Heimat. Nicht nur körperlich brauchten beide dringend Ruhe, auch gab es unheimlich viel zu verarbeiten. Eines dieser Themen über die Kewan am liebsten nie wieder ein Wort verloren hätte war Tarush. Und umso schlimmer war es, als Kesha über genau dieses Thema das Wort ergriff.
"Ich wollte dir noch von Tarush erzählen… Ich habe dem Ältestenrat erzählt, dass er mich gegen meinen Willen genommen hat… Ich weiß auch nicht, warum ich das getan habe. Ich war so wütend auf ihn, weil er es allen erzählt hat, und ich war wütend auf seine Frau, weil sie mich beschimpft und beleidigt hat, und ich war wütend, weil er dich mit dieser Tat verletzt hatte… Und weil ich dich damit verletzt hatte. Tarush war unglaublich zornig und bezichtigte mich der Lüge… Ich habe gesagt, dass du Tarush deswegen verprügelt hast, weil er mich genommen hat, was ja irgendwie doch der Wahrheit entsprach. Dann meinte ich, dass du viel mehr Grund gehabt hättest, Tarush umzubringen, für das, was er mir ‚angetan‘ hatte, aber dass er immer noch am Leben sei, und es daher jeder Logik entbehrte, dass du Levan umgebracht hättest. Ich weiß, dass das eine dreiste Lüge war, aber Tarush bedeutet mir nichts, im Gegensatz zu dir. Ich wollte dir helfen, und es wäre mir völlig egal gewesen, wenn sie Tarush verurteilt hätten. Aber ich hätte es nicht ertragen, wenn sie dich verurteilt hätten… Ich weiß nicht, ob sie mir geglaubt haben. Aber eigentlich spielt das ja nun auch keine Rolle mehr… Denkst du, dass sie unsere Flucht schon bemerkt haben? Dass sie uns verfolgen?"
Kewan hatte die ganze Zeit auf dem Rücken gelegen, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, von dem ungewohnt lange Strähnen herabfielen. Lange war er nicht mehr dazu gekommen sich zu rasieren oder zu frisieren und dementsprechend sah der Jäger auch aus. Keshas Worte hallten in seinen Ohren und obwohl er wusste, dass sie es damit nur gut gemeint hatte war er ein wenig wütend. Er konnte sich das nicht erklären. Die ganze Situation war so aussichtslos gewesen und doch konnte man ihnen nicht direkt etwas anhängen. Vielleicht schämte sich Kewan in gewisser Weise für seine Taten, zweifelte jedoch keine Sekunde an ihrem Wert und Nutzen. Der Preis war hoch, doch das war er schon immer gewesen in seinem Leben und auch Kesha hatte einen hohen Preis gezahlt. Während sie sprach stimmte nicht in ihre kichern ein, zeigte überhaupt keine Regung, blickte lediglich stumm und nachdenklich durch die Dunkelheit an die Decke des Zeltes. Der Wind, der um die Feldbehausung pfiff ließ pulverigen an die Außenwände prasseln und begleiteten leise ihre Worte. Kewan war ihr dankbar, dass sie so etwas auf sich genommen hatte, nur um ihn zu retten und er war ich auch dankbar für das erneute Zugeständnis. Es gab ihm Kraft. Unter der Decke ergriff Kewan schließlich ihre Hand, drehte sich auf die Seite und streichelte mit der anderen spielerisch über ihren Bauch. Ihre Haut fühlte sich so samtig weich an und während er ihren Geruch mit geschlossenen Augen aufsaugte, vergaß er alles Andere.
"Es ist mir ehrlich gesagt, scheißegal ob man unsere Flucht schon bemerkt hat oder nicht. Das ist jetzt vorbei. Mich interessiert nur noch der Moment und was vor uns liegt."
Er hatte sich etwas Zeit gelassen mit seiner Antwort, doch er hatte keine Eile. Zeit hatten sie, da sie nun einen beachtlichen Vorsprung hatten und die Witterung ihre Spuren ziemlich unkenntlich machen würde. Sanft küsste Kewan sie und fiel wieder zurück auf den Rücken. Seine Schulter schmerzte noch immer unangenehm und aus der Wunde troff noch immer dann und wann frisches Wundwasser. Zwar schritt die Heilung gut voran, doch ihre Flucht trug nicht gerade zu einer vollständigen Genesung bei. Der ihn überkommende Schlaf jedoch war ein Segen, denn am nächsten Morgen sollte es schon weiter gehen...

Der entwendete Hundeschlitten führte die noch heimische Umgebung noch schneller an Kewans Augen vorbei und direkt in etwas neues, etwas Fremdes. Alles von dem Kesha ihm berichtet hatte flog vor seinem geistigen Auge umher und er fragte sich was wohl hinter dem großen Eis liegen mochte. Bäume. Hoch ragten sie am Horizont auf, während der Schnee um sie herum immer dünner und dünner wurde. Gebannt war der Blick des Jägers in die Ferne gerichtet. Nie zuvor hatte er eine solch riesige Ansammlung von Bäumen gesehen. Die Wälder seiner Heimat, der Eiswüste waren dünn und die Bäume mickrig in ihrer Statur, wenn man sie mit diesen verglich. Soweit das Auge reichte war nur Wald zu sehen und Kewan fragte sich, ob er auch unter diesem Geäst noch sicher die Richtung des Sternenschlags ausmachen konnte. Irgendwann jedoch waren es andere Dinge, die ihn von diesen Fragen abbrachten, denn es wurde immer schwieriger mit dem Schlitten voranzukommen. Der Schnee war matschig so weit im Süden und die freien Flecken wurden immer größer und größer. Die Entscheidung die Reise zu Fuß weiterzuführen lag nahe. Die beiden Reisenden schlugen ein Lager auf an einer geeigneten Stelle und begannen den Schlitten zu entladen und sich wieder auf den Fußmarsch vorzubereiten.
"Ja, ich weiß noch wo der Stern niedergegangen ist", sprach Kewan wahrheitsgemäß und wies mit der Rechten in die ungefähre Richtung. In nicht allzuweiter Ferne erwartete sie dort bereits der dichte Forst und irgendwie freute sich der Jäger ungemein auf alles was vor ihm lag.
"Den werden wir schon finden, vertrau mir!"
Doch nicht nur die Umgebung veränderte sich. Wenngleich es noch weit davon entfernt war wirklich warm zu sein, so hatte sich die Temperatur sehr merklich erhöht und Kewan schwitzte ziemlich schnell bei körperlicher Betätigung. Seinen Dicken mantel hatte er bereits ausgezogen und zog es mittlerweile vor lediglich in dem engen Untergewand zu reisen. Dies war noch immer warm genug um den Temperaturen, die schon um einiges höher lagen als der Gefrierpunkt des Wassers zu trotzen und überhaupt war der Jäger sein ganzes Leben mit Kälte konfrontiert worden, sodass es ihm kaum etwas ausmachte mal ein kühles Lüftchen um die Nase wehen zu haben.
"Einen Hund nehme ich mit.", begann Kewan irgendwann, als sie ihr Lager halbwegs fertig errichtet hatten, "Den Jüngsten. Einen treuen Freund aus der Heimat kann ich gut gebrauchen, wenn ich da hin gehe..."
Er wies in Richtung des angrenzenden Waldes und grinste breit. Zwar war ihm nicht entgangen, dass Kesha Hunde nicht unbedingt schätzte, doch sie konnten wirklich liebenswürdige Freunde sein und wer konnte es schon wissen, vielleicht würde er sich ihr auch irgendwann als Freund erweisen!? Das Exemplar was ihm ins Auge gefallen war, war ein noch sehr junger Hund, der noch kaum ausgewachsen, bereits in ein Hundegespann aufgenommen wurde. Das zeichnete ihn als besonders schlau und anpassungsfähig aus, was Kesha sicherlich auch zugute kommen würde, denn er würde schnell verstehen was er wünscht war und was eben nicht. Das Fell des Schlittenhundes war ein von grau durchzogenes weiß und hinter der edlen, langgezogenen Schnauze thronten zwei wunderschön erstrahlende, große blaue Augen. Bei den restlichen elf Hunden war er sich sicher, dass sie gut allein hier in der Wildnis zurechtkommen würden. Schon bei ihrer Erziehung, die Kewan auch als kleiner junge mit übernommen hatte wurde darauf geachtet, dass sie möglichst naturnahe aufwuchsen und das würde ihnen hier besonders zugute kommen. In Anbetracht der Tatsache, dass man den Schlitten nicht mehr benötigte, hatte der Jäger ihn mit Hilfe eines großen Felsblocks in Einzelteile geschlagen, welche ihnen jetzt als Feuerholz dienten. In einem Wald, so vermutete er, würde es mit Sicherheit mehr als ausreichend davon geben.
"Was glaubst du wird uns dort hinter den Wäldern erwarten? Warst du schon einmal in diesen Landen?"

Antworten