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Haare, Mond und Blut

Die weiße Hauptstadt in der Eiswüste.
Catigern
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Haare, Mond und Blut

Beitrag von Catigern » Do, 10. Apr 2008 16:50

Vergebliche Liebesmüh'

Missmutig stapfte er den Pfad entlang. Die Nacht über hatte es leicht geschneit und der Neuschnee knirschte und knarzte nun unter den Sohlen seiner Stiefel, welcher den Saumpfad mit einer weißen, wenn auch dünnen, Schicht bedeckte und ihn somit vor unkundigen Augen größtenteils verbarg. Catigern hingegen wusste vom Verlauf des Weges, er war ihm schon tausend und mehrere Male gefolgt, er war ihm derart zueigen das er ihn sogar im Schlaf noch hätte finden können. Verwunderlich war dies kaum, denn immerhin führte dieser Pfad in den einzigen Wald weit und breit der sich eines solchen Namens in der Eiswüste überhaupt rühmen durfte wenngleich er gegen die Forste in den Nordreichen gar klein und winzig und gegen die zeitlosen Urwälder im Südosten Alvaranias eindeutig verblasste und keinem Vergleich standhielt.

Der Fey’larkin Wald war eine Ansammlung von Kieferngewächsen, die im Gegensatz zum restlichen Umland Norr Bharraks eine recht dichte Gruppierung besaßen und sich eisern ein Mindestmaß an Vegetation in diesem unfruchtbaren Land erkämpft hatten.
Einige wenige dienliche Pflanzen und Kräuter, welche den frostigen Temperaturen nichts anhaben konnten, ließen sich hier für den einen oder anderen Krankheitsheilenden Sud finden, aber auch das begehrte Holz für Hütten und Feuer war zumeist ein gern gesehenes Gut jenes Ortes. Doch neben diesen gut gebräuchlichen Rohstoffen bot der Wald noch eines insbesondere, was die Dorfbewohner und die Überlebenden des Stammes des Luchses in ihrem Lager, nicht weit vom Dorfe entfernt, um keine Grane missen wollten. Die Tannen, Fichten, Erlen und Birken gewährten einer Vielzahl Tieren Zuflucht und waren somit ein Quell an Leben. Nirgendwo streunte mehr Wild umher, als im Fey’larkin.

Eine triftige Begründung also für diejenigen die der Berufung des Jägers nachgingen und sich erfolgreiches Beuteglück versprachen, eben jenen Wald anzusteuern. Wie es aber manchmal so ist, schlägt das Schicksal dem morgens noch Zufriedenen ein grausames Schnippchen und lässt den Bemühten auf Verdammnis komm raus schleichen, lauschen und warten… allerdings ohne ihn dabei auch nur auf eine verwertbare Fährte stoßen oder das Rascheln eines nahen Tieres horchen zu lassen. Eben diesem Unstern war an diesem Tage auch Catigern erlegen. Er war im Morgengrauen von seiner Hütte aus aufgebrochen um sich bereits früh möglichst auf die Pirsch zu begeben, hatte Stunde für Stunde dem zaghaften Erwachen und den Geräuschen des Waldes gelauscht, war Baumstämme hinaufgeklettert um eine bessere Aussicht zu haben und hatte sich zwei geschlagene Stunden Mucksmäuschen still verhalten in der Hoffnung keinen sich annährenden Fuchs oder Wiesel zu verschrecken, aber ganz gleich was er getan oder gelassen hatte, ihm war das Glück abhold gewesen, kein Tier hatte sich blicken lassen. Eine umfassende Stille schien den Wald zu durchdringen, eine beinahe fast unheimliche Lautlosigkeit, die dem Schneeläufer noch nie zuvor aufgefallen war. Woher dies beklemmende Gefühl gären mochte konnte er nicht sagen, dennoch kam es ihm befremdend vor. Erst einmal zurück in Norr Bharrak würde er Gwedys, die ehrwürdige Priesterin des Ondaratempels aufsuchen müssen um sie nach Ungewöhnlichkeiten betreffs Mutter Natur zu befragen, vielleicht wusste sie weshalb ihm der Fey’larkin so absonderlich anmutete.

Solcherart in Gedanken versunken und sich der üblen Laune hingebend, das schon der frühe Abend dämmerte ohne etwas erreicht zu haben, lief Catigern stracks weiter den Pfad entlang und hatte weder ein Auge für rechts und links. Es gab dort auch nichts was ihn hätte fesseln können, bis auf einige Stellen braungrauen, kahlen gefrorenen Bodens die sich zwischen dem weißen Teppich des Schnees hervorhoben, hie und da ein paar Büschel Gesträuch und den einen oder anderen knorrigen Baum oder vom Wind glatt geschliffenen Findlinge. Sein Ziel lag am Ende des Weges, denn jener führte den Wanderer direkt durch das meist geöffnete Tor Norr Bharraks und auf dessen Dorfplatz. Es dauerte nur noch eine knappe halbe Stunde, dann entdeckte er die Rauchsäulen die sich in den klaren Himmel schraubten und wenig später die Umrisse der Dächer von denen diese aufstiegen und jene des Palisadenzauns, welcher die Ansiedlung umhegte. Das Bild verhalf ihm zu einem Ansporn und so verfiel er in einen Laufschritt um auch den letzten Rest des Feldwegs rasch hinter sich zu lassen. Innerlich erfreute er sich schon an einem wärmenden Feuer, das die Kälte aus seinen Gliedern vertrieb. Der erste purpurne Streifen zeigte sich bereits am Horizont, als der blonde Nordländer wieder den gewöhnlichen Schritt aufnahm und durch das hölzerne Torhaus marschierte.
Unweigerlich verflog die bisherige Stille des Landes und Geräusche von geschäftigem Treiben und Gesprächsfetzen drangen an seine Ohren. Ein Hammer schlug auf Eisen und Amboss, ein Pferd wieherte, Begrüßungen und Arbeitsanweisungen wurden gerufen, und irgendwo polterte etwas um und ein Hund kläffte los. Das bürgerliche Leben hatte ihn wieder, obgleich er sich nie als ein solcher, ein Bürger, gesehen hatte.

„Catigern, da bist du ja.“ rief ihn plötzlich eine Stimme an, als er über die Dorfmitte schlendere und ließ ihn herumfahren. Trygve, ein Späher vom Clan des Luchses und Freund, verabschiedete sich eiligst von einer Magd mit der er sich wohl bis gerade unterhalten hatte und kam schließlich auf ihn zu. Er war von drahtiger Gestalt, hatte die Augen eines lauernden Raubtiers und längliches schwarzes Haar das ihm bis auf den Rücken fiel. Seine Kleidung bestand aus braunem Leder und um seine Schultern lag ein dicker Pelzumhang. Ein Beil hing von seinem Gürtel herab und schaukelte bei jedem seiner Schritte.
Die beiden Männer packten sich freundschaftlich bei den Unterarmen und lächelten sich flüchtig zu. „Sei gegrüßt Trygve, höre ich da eine gewisse Anspannung in der Stimme mitschwingen oder trügen mich meine Sinne? Was ist geschehen das du mich erwartest?“ erkundigte sich Catigern, ließ die Arme wieder sinken und rückte nebenbei den Langbogen auf seiner linken Schulter zurecht.
„Etwas hat sich ereignet, von dem ich selbst noch nicht weiß was es ist. Doch wurde mir aufs dringlichste aufgetragen nach dir Ausschau zu halten und sobald ich deiner gefunden hätte, dich umgehend darum zu bitten mir in den Palast zu folgen.“ klärte ihn der Kundschafter ohne große Umschweife auf, woraufhin der blonde Schneeläufer kurz vor Unmut die Lippen zusammenpresste. Im Palast nistete der Rat, was sollte er da? Er verband nichts Angenehmes mit diesem Ort. Trotzdem nickte er. „Also schön, geh voran.“

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Beitrag von Catigern » Di, 15. Apr 2008 16:56

Die Verkündung des Rates

Während sie den Weg zur Festhalle einschlugen, kam Catigern nicht umhin sich fieberhaft zu fragen was der Anstoß für sein gefordertes Zugegensein sein mochte. Er hatte mit den selbsternannten Oberhäuptern des Dorfes nichts zu schaffen, gab sich zumindest immer redlich Mühe nicht mit ihnen aneinander geraten zu müssen. Seine Berufung war ihm hierbei bisher immer ausnehmend nützlich und entgegenkommend gewesen, befand er sich doch am häufigsten außerhalb Norr Bharraks, statt sich in dessen inneren Geflogenheiten aufzuhalten. Nach Möglichkeit mied er jeglichen Kontakt zu den Ratsmitgliedern und deren Bestimmungen, ganz gleich ob diese nun die Dorfbewohner oder die kleine Schar Steppenreiter des verbündeten Stammes anbelangten die unweit von der Dorfpalisade lebten und welche seit dem verheerenden Drachenüberfall vor einigen Wintern unter der schwachbrüstigen Führung Njalsson sich stetig mehr den Erlassen und Beschlüssen des Rates untergeordnet und angebändelt hatten. Der Gedanke an Njalsson, der im Gegensatz zu seinen tapferen Eltern jene furchtbaren Verwüstungen durch den rachsüchtigen Wyvern damals ungerechterweise überlebt hatte, wenngleich er auch schwere Vereisungen davon getragen hatte was ihm letztlich ein Bein kostete, fachte in Catigern eine flammende Lohe tief vergrabener Wut an. Das Gefühl war nicht vollends unwillkommen, wärmte es doch wenigstens seine kalten Gliedmaßen, dennoch verspürte er stets eine irrsinnige Abscheu auf die Anverwandten dieser Sippe, die derart arm an Ehre im Leib waren, das sie sich seiner Meinung nach nicht einmal des Volkes der Steppe zugehörig schimpfen durften.

Trygve, der neben ihm her stapfte, schien seine düsteren Gedankengänge hinter den zusammengezogen Brauen wohl erahnt zu haben und fragte ungesäumt: „Du denkst an Niord nicht? Überlegst du gerade, womit du ihn wieder am besten kränken könntest? Wird immer schwerfälliger für dich… du hast ihn schon so ziemlich nach allen niederen Lebewesen benannt die mir kurzweg einfallen wollen. Mir scheint du wirst auf eine alte Bezeichnung zurückgreifen müssen oder ihn mit einer neuartigen Art… Kreatur entzücken müssen, damit du den gewohnt flammenden Blick seinerseits erfährst.“
Der neckischer Ton seines Freundes saß und entlockte Catigern ein knappes Lächeln, indessen er seine Grübeleien unterbrach und entschied die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen. „Selbst die niedersten Geschöpfe, die in den Ecken der Katen oder in den Eingeweiden der Erde sitzen, eignen sich nicht als Beleidigung Niords… denn diese haben immerhin einen Nutzen. Irgendeinen. Aber dieser Lump, der hat keinen.“ erwiderte er schroff und grinste dabei.
Der Späher lachte daraufhin kurz auf. „Wohlan, deine Worte in Rheluns Ohren! Eines Tages werden es vielleicht auch die anderen merken, eines schönen, fernen Tages.“

Das massive Holz knarrte und die Eisenschaniere quietschen, als sie die mächtigen Flügeltüren des Palastes aufstemmten und sich Zutritt verschaffen. Ebenfalls wie draußen war das Gemäuer drinnen aus weißem glanzvollem Stein, das unentwegt dafür sorgte dass es fast taghell im Inneren war. Zusätzlich standen beidseitig an den hohen Wänden Kohlenbecken, deren feurige Glut sich für die dringend erforderliche Wärme in der weitläufigen Halle verantwortlich zeichnete. Bei ihrem Eintritt fuhren die Köpfe von knapp zwei Dutzend Gestalten herum, die sich am Ende des Saales vor dem halbrunden Tafel und Ratstisch versammelt hatten. Leise raunte Trygve zu seinem blonden Gefährten: „Wusste nicht das sie eine so imposante Zusammenkunft planen.“ Er klang genauso verwirrt wie Catigern sich fühlte. Gemeinsam schritten sie durch den rechteckigen Festsaal, vorbei an den länglichen Tischen die rechter wie linkerhand platziert waren, geradewegs auf die Gruppierung zu. Die Absätze ihrer Stiefel knallten in der vorhaltenden Stille auf den Boden. Dann standen sie schließlich bei den anderen und der Schneeläufer erkannte unter den Anwesenden viele bekannte Gesichter. Er sah Vithar und Feldir, Jagdkumpanen wie er und Trygve, sowie zwei weitere Handvoll Krieger, die sich aufs pirschen und hetzen verstanden, und sie alle warteten mehr oder weniger gelassen vor dem ausladenden Tisch des Dorfrates.

Kaum hatten sie sich hinzugesellt, raschelte ein Gewand und einer der Räte erhob sich von seinem Stuhl mit dem erhaben geschnitzten Rückhalt. „Es wurde auch allmählich Zeit das ihr eintrefft, man schickte schon vor einer Stunde nach euch und erst jetzt kehrt Ihr ein… welch Verschwendung von Zeit und Geduld. Wir hätten dies hier bereits unlängst zum Abschluss bringen können.“ verlautbarte der Sprecher und machte keinen Hehl daraus seinen Ärger über den Aufschub zu verheimlichen. Catigern zuckte bloß mit den Achseln und erwiderte dann unwirsch: „Warum habt Ihr es dann nicht?“ Gerade von ihm, diesem Lurch, würde er sich gar nichts vorschreiben oder befehlen lassen.
Niord, derweil Angehöriger des Rates und beglaubigter Fürsprecher des Clans des Luchses, funkelte ihn aus seinen grünbraunen Augen giftig an. „Wie ich sehe hast du deine Manieren wider einmal in der Steppe gelassen, Catigern.“ Er schnaubte um nicht umfassender darauf einzugehen und wandte sich an den Mann zu seiner Seite. „Ehrenwerter Ethiam, möchtet Ihr die bedeutenden Worte des Anlasses verkünden, weshalb wir diese Kämpen hierher gerufen haben?“
Der ältere Ratsherr nickte zeremoniell und strich sich mit einer knöchrigen Hand über den weißgraumelierten Bart. Im Unterschied zu den Jüngeren des Gremiums genoss er das Vorrecht sitzen zu bleiben. Mit krächzender Stimme begann er seine Rede: „Habt Dank das ihr die dem Ruf des Rates gefolgt seid und euch alle hier eingefunden habt, denn der Anlass ist kein geringerer als der, das eure Dienste zwingend benötigt werden. So hört mich denn an, ich habe wichtige Kunde bekannt zu geben. Etwas Seltsames geschieht um Norr Bharrak. Etwas, das uns Sorge bereitet und gegen das wir eilends einschreiten müssen, ehe erste Gerüchte den Umlauf nehmen oder gar ein schreckliches Grausen unter den Menschen entsteht. Ehe dieser Umstand noch mehr… Opfer fordert.“

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Beitrag von Catigern » Fr, 18. Apr 2008 18:37

Was plagt Norr Bharrak?

Die letzten Worte hingen unheilschwanger in der Luft und einige der Jäger warfen sich argwöhnische Blicke zu, da sie anscheinend nicht wussten wovon hier geredet wurde, während andere weiterhin stumm lauschten. Catigern zeigte sich nach außen hin ungerührt, obgleich seine Neugierde erwacht war. Könnte all dies mit den Unstimmigkeiten des Waldes in Zusammenhang stehen?
„Opfer?“ fragte einer der Pirscher zweifelnd. „Mir ist nichts von irgendwelchen fragwürdigen Toden zu Ohren gekommen.“
Der Alte schaute bedächtig in die Runde. „Das mag zum Grund haben weil wir derlei Auskünfte bislang zurückgehalten haben. Wir sind nicht stolz darauf, jedoch dachten wir uns zunächst nichts Arges dabei. Land und Winter beanspruchen viele Leben. Aber dann häuften sich diejenigen welche auf Nimmerwiedersehen verschwanden. Nicht nur bei uns im Dorf, auch in den Jurten der Luchse blieben einige der Liegestätten leer. Inzwischen sind es genug das wir wohl von Verschollenen sprechen können…. daher ist es zwingend erforderlich herauszufinden wo diese armen Seelen verblieben sind oder was ihnen zugestoßen ist. Eben dies soll eure Aufgabe sein.“ schloss Ethiam schnarrend und lehnte sich leise ächzend in seinen Stuhl zurück.

Feldir trat von einem Fuß auf den anderen und erkundiget sich: „Wann fing das an? Wie lange weiß der Rat schon von jenem Unheil?“
Der Ratsherr holte einmal tief Luft und schien für einen Herzschlag in sich zu gehen und zu überlegen. „Wann genau dieses Unglück begann vermag ich dir nicht zu sagen, hier können wir nur vermuten. Als erstes war es Berish der hinauszog um eine der Vorratshütten mit frischem Proviant auszustatten, aber nie wieder heimkehrte. Man tat es zunächst damit ab, das er wohl einem Rudel hungriger Wölfe in die Fänge gelaufen war. Ein Abgängiger erregt noch keinen Verdacht, so etwas kommt vor. Aber dann verschwand die hübsche Merylyan weit draußen vor dem Dorf, es war weitgehend bekannt das sie gerne des Nachts unter dem Sternenmeer lustwandelt, auch wenn ihre Eltern es ihr stets versuchten auszutreiben.“
„Womöglich dasselbe Rudel mit immer noch knurrenden Mägen und reißerischen Schnauzen?“ warf ein Jäger ein, den Catigern nur vom sehen kannte.
Ethiam ließ die Unterbrechung gutmütig zu und schüttelte seicht das Haupt. „Möglich, doch nicht sehr wahrscheinlich in Hinblick darauf dass noch eine gute Handvoll weiterer Namen folgen und das in leidlich kurzen Abständen.“
Dies ließ Zwischenrufer die Lippen versiegeln und ein knappes Grunzen ausstoßen.

Zum Erstaunen von manch einem, ergriff Vithar das Wort: „Der geehrte Ethiam hat Recht, zu viele sind seither verloren gegangen und zwar völlig spurlos. Ich selbst habe mich auf die Suche nach Sohan, dem jüngsten Sprössling des Gerbers gemacht, der ebenfalls zu den Unauffindbaren zählt, doch mir ist weder gelungen ihn selbst noch den Ansatz dessen aufzuspüren was ihm widerfahren sein könnte. Es ist äußerst seltsam.“
„Also wusstest du davon?“ fragte ihn einer der anderen Späher vorwurfsvoll.
„Ja, Vithar und einige wenige andere wussten zwangsweise von den Vorfällen, ansonsten hätten wir nun nicht die Befürchtungen dass etwas Unerklärliches vor sich geht.“ verteidigte ihn der Ratsherr mit heiserer, aber dennoch autoritärer Stimme.
„Und was nun? Was wird von uns erwartet? Wie sollen wir handeln?“ horchte Trygve nach und schaute einem Ratsmitglied nach dem anderen in die Augen.
„Eine recht überflüssige Frage oder findest du nicht, Kundschafter?“ bemerkte Niord und trommelte einmal kurz mit den Fingern auf der Tischplatte, woraufhin ihm der Stammeskrieger einen düsteren Blick zuwarf.

Catigern war sich im Klaren darüber, das Niord sich nicht unablässig mit ihm in die Haare kriegen durfte, schließlich bekleidete er eine repräsentative Position, die ihm derartige Ausschreitungen nicht erlaubte, aber trotzdem hielt ihn das nicht davon ab seine Freunde zu sticheln wann immer ihm das in den Kram passte.
„So unnütz ist die Frage gar nicht“ befand Ethiam und schob die hageren Hände in die breiten Ärmel seines Wollwamses, der an den Säumen mit Silberfäden durchwirkt war. „Da wir nicht um die wahre Größe der Gefahr wissen, aber davon ausgehen können das sie greifbar ist und Leben bedroht, überträgt der Rat euch die Aufgabe die Männer, Frauen und Kinder, wenn erschwingbar auch die der Tiere, abseits Norr Bharraks zu schützen. Achtet auf die Holz- und Wurzelsammler, Fischer und Hirten. All jene die in diesen Tagen wohl unseren Beistands bedürfen und haltet vor allem die Augen offen nach allem was die Mysterien aufklären könnte. Wer immer es schafft, das Dunkel zu erhellen, dem soll es für das gesamte nächste Jahr an nichts fehlen und darf eine beachtliche Belohung in blinkender Münze sein Eigen nennen. Das ist der Beschluss des Rates!“ Wie zur endgültigen Bekräftigung seiner Rede, hallten die letzten Worte des Ratsherrn im Saal wider um sich den Anwesenden auch nachhaltig in das Gedächtnis einzuprägen.

Áluka
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Beitrag von Áluka » Fr, 18. Apr 2008 21:35

Komme von ->Die Nördliche Weite -> Die Steppe -> Missglückte Jagd

Áluka konnte nicht sagen, ob der Anblick der Türme, die sich in der augenscheinlich unendlichen Eiswüste gen Himmel emporragten, ihn beruhigen oder ängstigen sollte. Aber das Erste, was er empfand, war erst einmal Verblüffung. Er hätte nicht gedacht, dass sich so weit im Norden noch Menschen aufhielten. Das mussten wahrscheinlich ganz Hartgesottene sein, im täglichen Schnee und Eis zu leben, zu jagen, eine Gemeinschaft zu gründen. Denn bald schon erkannte er die Palisaden, dahinter die Dächer einiger Häuser. Selbst bei der hereinbrechenden Dunkelheit waren seine Augen doch gut genug um diese Gebäude zu identifizieren.
Seine Füße verweigerten ihm aber erst einmal ein Weitergehen, also blieb der Werwolf zuerst stehen und wog ab, wie gefährlich dieses kleine Dorf eigentlich war. Seine Kenntnisse über die Völker des Landes waren sehr bescheiden, er hatte zuvor auch niemals von Shiín gehört, bis er eine getroffen hatte. Und von Menschen, die so weit im Norden lebten, hatte er ebenfalls noch nie etwas gehört.
Aber das sollte nichts heißen.
Wenn sie kriegerisch sein sollten, würde Áluka sowieso nicht große Chancen haben irgendwie an Nahrung zu kommen. Außer er würde die Schatten, die heranziehende Dunkelheit nutzen. Und plötzlich erwachte der beinahe erloschene Jagdinstinkt wieder, auch wenn sich der Verstand im Klaren war, wie schwach der Körper eigentlich war. Aber gerade deswegen war es für ihn überlebenswichtig zu handeln.
Jetzt.
Er schwor sich diese Nacht noch irgendetwas Essbares ausfindig zu machen, und sei es auch ein Mensch, da kannte er keine Hemmungen mehr. Sein Hunger war einfach größer um da Unterschiede zwischen den Fleischsorten zu machen. Aber jetzt musste er erst einmal warten. Warten, bis es vollkommen dunkel sein würde. Und wie er wusste, stand hier die Sonne innerhalb kürzester Zeit am Himmel und verschwand genauso schnell auch wieder. Er suchte sich eine kleine Felsgruppe um von ungewollten Blicken geschützt zu sein, schob etwas Schnee beiseite und hockte sich hin. Der Gedanke, heute noch etwas zu Essen zu bekommen, beflügelte ihn geradezu. Der Wolf durfte wieder Wolf sein!
Jagen, zerreißen, Heulen.
Ja, er würde so laut Heulen, dass es selbst die Schneehasen in der Steppe hören würden. Ein sachtes Grinsen huschte über die schmalen Lippen, während das altbekannte Funkeln einer erloschen geglaubten Glut in den bernsteinfarbenen Augen wieder zum Leben erwachte.
[color=darkred]Lächeln ist die eleganteste Art einem Gegner die Zähne zu zeigen![/color]

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Beitrag von Catigern » Mi, 23. Apr 2008 22:35

Einen eisigen Hauch im Nacken

Heulend strich der Odem Rehluns über die riesige flache Ebene die sich unter ihnen ausbreitete. Das bleiche Rund der Sonne stand tief im Osten und sandte einen goldig schimmernden Schein über die mit Eis und Schnee überzogenen Felder des Nordens. Am strahlend blauen Firmament zeigte sich nicht eine Wolke und nur wenige Vögel mit zumeist weißem Gefieder zogen ihre Bahnen. Eine fremdartige Ruhe lag über jenem gewaltigen und lebensfeindlichen Land. Einem Land das sich nicht zähmen ließ, weder von dem Eroberungsdrang der Menschen noch vom natürlichen Vermehrungszwang der Tiere. Ersteren offenbarte das Land nur seine rauen Seiten, schroffe Gebirge, einfarbiges Flachland, dessen gefrorener Boden keinen Samen aufnahm und bitterkalte Tage auf denen noch bitterkältere Nächte folgten. Und das immerfort. Den zweiteren bot das Land ebenso wenig, karge Weiten soweit das Auge des Raubtiers zu blicken vermochte ohne jede Spur von schwacher, leicht zu erjagendem Beute. Fruchtbarkeit, die Vorraussetzung und Grundlage für mannigfaltiges Leben existiere hier nicht. Schien an diesem Ort der Welt, diesem Grat der Welt, fasst genauso fremd und irreal zu wirken, wie ein Spritzer wahrer grüner oder roter Farbe im allgegenwärtigen Weiß…

Atemwolken bildeten sich in der frostigen Luft als das Pferd leise wieherte und heiße Luft seine Nüstern und das Maul verließ. Der Sattel auf seinem braunen Rücken knarzte, als sich eine schwergewichtige Person von diesem stemmte und lautstark neben den Hufen auf die Füße kam. Festes Stiefelwerk ließ den Schnee knirschen und eine Hand schlug den wuchtigen Pelzmantel zurück, welcher dem Reiter während seiner Reise zunehmend mehr vor die Brust gerutscht war. Der Blick von ruhigen, gefassten grauen Augen schweifte über die Ebene als suche er sie nach etwas ab, einem Anzeichen oder Orientierungspunkt.
„Was für eine beklemmende Aussicht.“ sagte eine Stimme linkerhand von ihm und das Schmatzen des Schnees kündete einen seiner Begleiter an, welcher sich ihm zur Seite an den Hang der Anhöhe stellte. „Bist du dir sicher dass der verfluchte Hund es tatsächlich gewagt hat?“ Das Stielende einer schweren, doppelblättrigen Axt landete dumpf im weißlichen Niederschlag und auch das blaue Augenpaar seines Gefährten tastete den Horizont ab um alles Ersichtliche zu taxieren. „Ich meine, er ist vorsichtig und plant sorgfältig… immer darum bemüht uns mindestens einen Schritt voraus zu sein. Das ist sein Vorteil… zumindest ist er das gewesen… bisher. Aber sich ins ewige Eis zu begeben… das ist Wahnsinn. Solch einen Tollkühnheit erwarte ich nicht von einem wie ihn. Hier oben macht er sich seinen Vorteil zunichte. Hier sind alle Schritte ersichtlich, denn der Schnee vergisst nicht so leicht…“
„Zweifelst du etwa an mir?“ unterbrach ihn plötzlich die tiefe Stimme des anderen und hatte die Wirkung eines Peitschenschlags.

Unvermittelt verstummte der blauäugige Krieger, schaute betreten zu Boden und strich wie beiläufig über die scharfen Ränder seiner Axt. Nach einigen Augenblicken erklärte er dann: „Nein Eikal, nicht doch. Du bist der Meister der Jagd, du hast uns noch nie in die Irre geführt. Vergebe mir, ich sollte nicht zweifeln. Es ist nur so dass… er sich plötzlich so entgegen seines bisherigen Vorgehens verhält und… es ist Tage her, fast eine Woche seit wir das letzte Mal brauchbare Hinweise gefunden haben.“
Der Mann namens Eikal brummte etwas Unverständliches in seinen Bart und schwieg ebenfalles für die Dauer eines Herzschlags. Der Wind verfing sich in seiner grauschwarzen Mähne und dem gleichfarbigem Fellumhang. Schließlich teilten sich wieder seine Lippen: „Jetzt aufzugeben wäre ein Verhängnis. Wir haben ihn endlich da wo wir ihn haben wollen mein Getreuer Phathis. Er konnte nirgendwo anders mehr hin, als an den Rand der bekannten Welt zu fliehen. Mit seinem letzten Gemetzel hat er es übertrieben… er hat seinem Hunger zuviel Freiraum gelassen und seine eigene Achtsamkeit vernachlässigt. Deshalb kamen wir ihm auf die Schliche, deshalb hätten wir ihn und seine Missgebilde beinahe gestellt. Das Schicksal allein war es, das uns diesen Triumph an jenem Tag noch nicht zugestanden hat. Aber nun ist der Augenblick der Rache nicht mehr fern, das spüre ich… tief in meiner Brust. Er kann nicht mehr länger vor uns davonlaufen, seine blutige Reise endet hier… hier in der Unschuld des weißen Frostes.“ Der kräftige Hüne sprach die Worte mit unglaublicher Ruhe und einer inneren Überzeugung aus, das Phathis gar nicht anders konnte, als ihm erneut sein bedingungsloses Vertrauen zu schenken.

Zuversichtlich neigte er den Kopf. „Wir sind es den Opfern von Adanion, Isurlis, Kamontu, Thorontur und all den anderen Städten die unter seinen Launen litten schuldig. Er wird seiner rechtmäßigen Strafe nicht entkommen. Und wir werden es sein, die die Klinge der Gerechtigkeit schwingen.“
Eikal nickte. „Ja, das werden wir.“ flüsterte er bedächtig und sog noch einmal den Anblick der weitläufigen Steppen in sich auf. Dann wandte er sich wieder zu seinem Ross herum, schwang sich in seinen Sattel und rief seinem übrigen Gefolge, das hinter ihnen verweilt hatte, den Befehl zum Weiterritt zu.

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Beitrag von Áluka » Di, 29. Apr 2008 22:19

Als der weiße Feuerball hinter dem Horizont allmählich verschwand und sich lange Schatten auf die schneebedeckte Landschaft legten, erwachte Áluka zum Leben, wie aus einem friedlichen Schlaf. In Wirklichkeit hatte er nur verharrt und seine Sinne liefen auf Hochtouren. Lautlos löste er sich schließlich von der Felsgruppe, hinter welcher er sich versteckt gehalten hatte, und näherte sich mit schnellen Schritten den Holzpalisaden. Er drückte seinen Körper gegen das Holz und lauschte angespannt, während sein Atem in der Kälte kondensierte und in kleinen Wölkchen aufstieg. Sicherlich hatte er nicht vor durch das Tor in die Stadt zu gelangen, man würde ihn sicherlich nicht einlassen, so wie er aussah. Das war jedenfalls seine Vermutung. Und was sollte ein einsamer, etwas ausgemergelter aussehender Reisender denn in dieser Stadt im Eis wollen? Lieber blieb er im Verborgenen, allerdings stellte sich ihm jetzt ein Hindernis in Form von dieser ‚Holzmauer’ in den Weg, aber über dieses Problem hatte er schon länger nachgedacht. Die Lösung war nicht besonders einfallsreich, aber es war die Einzige, die ihm einfiel und er unter diesen Umständen verwirklichen konnte. Ein langer Holzbalken, halb zugedeckt vom Schnee und wahrscheinlich bei irgendwelchen Ausbesserungsarbeiten hier vergessen, sollte seinen Plan verwirklichen. Es wurde gepackt und zu den Palisaden geschleift, unter einigen Kraftaufwand dagegen gestemmt und festgestellt, dass es sogar bis ganz nach oben zum Rand hinaufreichte. Er würde nur wenige Handgriffe brauchen, aber die mussten sitzen. Schnell wurde noch geprüft, ob der Balken auch nicht wegrutschte, dann stellte sich der Werwolf darunter und sprang hoch. Die Hände umfassten den Balken, während der Körper so in der Luft baumelte. Langsam griff er immer ein Stück zur Seite, immer weiter Richtung der hohen Palisaden, bis sie schließlich nur noch eine Armlänge von ihnen entfernt war. Mit ein wenig Schwung packte er den Rand der Palisaden, keine Sekunde zu früh, denn der Balken rutschte plötzlich zurück und fiel zu Boden. Der Aufprall wurde zum Glück im Gröbsten gedämpft. Jetzt brauchte Áluka nur noch einmal genug Kraft aufwenden um seinen Körper hochzuziehen, was er auch tat, unter unvermeidbaren Ächzen und Stöhnen. Jetzt konnte er deutlich spüren, wie schwach er eigentlich während der Reise geworden war. Auf der anderen Palisadenseite erkannte er Häuser, aber niemanden, der ihn hätte beobachten können. So schwang er sich rüber, fand allerdings nicht mehr die Kraft um sich geschickt so zu drehen und einigermaßen elegant die Meter runter springen zu können. Stattdessen fiel er einfach nur – Glücklicherweise lag der Schnee hoch genug um den Sturz abzufedern, dennoch brauchte er einige Augenblicke um sich wieder aufzurichten. Taumelnd strich er sich den Schnee vom Mantel und sah sich um.
Er hatte es geschafft!
Die letzte Tat eines Halbverhungernden, jetzt musste alles reibungslos verlaufen, denn eine weitere, körperlich anstrengende Herausforderung würde er nicht meistern können. Áluka blieb eine Weile lauschend an den Palisaden stehen, dann löste er sich aus dessen Schatten und huschte zwischen zwei Häusern. Menschen, ein Völkchen, welches er beinahe schon vergessen hatte während seiner langen, einsamen Wanderschaft. Es war unvorstellbar, dass sie sich hier oben ein Nest errichtet hatten. Was trieb sie nur so hoch in den Norden? Aber wer konnte schon sagen, wie lange sie hier eigentlich ansässig waren. Vielleicht mochten sie die Isolation auch, abgeschottet vom Rest der Welt. Áluka konnte das nur allzu gut verstehen.
Jetzt, wo er seinem Ziel –das Finden von Nahrung- so nahe gekommen war, trieb es ihn auch erbarmungslos an. Er bewegte sich so gut und lautlos wie es ihm möglich war zwischen den Häusern, stets ein offenes Ohr und ein wachsames Auge. Sollte man ihn entdecken, wäre es aus – da war er sich ziemlich sicher. Denn in jenem Moment hatten seine tierischen Instinkte Oberhand und die rieten ihm nur zur Flucht.
Flucht vor Menschen, jene er verachtete und sogleich fürchtete.
Langsam näherte er sich dem Stadtkern, irgendwo erklangen Stimmen.
Als er auf die ersten Menschen traf, schlug ihm das Herz bis zum Halse. Aber man ignorierte ihn. Erst als er das realisierte, versuchte er nicht mehr ganz so angespannt zu wirken, was seine Gefühle allerdings nicht veränderte. Noch immer lag da dieser gehetzte Ausdruck in den Augen, ein Funkeln, welches Furcht, Panik und Aggressivität gleichermaßen beinhaltete.
Er musste eine Entscheidung treffen.
Sofort.
Und wofür er sich unterschied, war überaus überraschend, selbst er verstand es nicht so richtig. Er steuerte direkt eine Taverne zu. Dort herrschte Leben, das wusste er.
Menschen, Lärm, intensive Gerüche.
Es lockte ihn und schreckte ihn gleichzeitig ab. Aber er hatte Hunger und noch eine Goldmünze in seiner Manteltasche. Es bot sich ihm keine andere Gelegenheit, wenn er sich nicht verwandeln und über die Menschen einfach herfallen wollte.
Obwohl dieser Gedanke durchaus reizend war.
Aber er würde diesen Wahnsinn nicht überlegen und hatte er sich nicht geschworen, nicht durch Menschenhand zu sterben? Es war einfach noch zu früh, die Sonnenstrahlen waren noch nicht gänzlich vom Dämmerlicht verschluckt worden, seine Zeit würde noch kommen.
Aber nicht jetzt.

Als er die Tavernentür aufstieß, waren seine Muskeln und Sinne zum Zerreißen gespannt. Hätte er ein langes Nackenfell, er hätte es nun gesträubt. Was er sah, beruhigte ihn allerdings ein wenig. Wenig Menschen, vielleicht ein halbes Dutzend? Oder weniger.
So genau wollte er nicht hinsehen.
Er wollte nicht, dass man ihm in die Augen sah, denn sie verrieten all das, was er versuchte äußerlich nicht kaschieren. Dennoch hob er den Kopf kurz hoch um seiner Nase freie Bahn und die Gerüche auf sich wirken zu lassen. Er steuerte sogleich einen Tisch an, möglichst in der dunkelsten Ecke, von wo aus man gut beobachten konnte, aber weniger erkannt wurde.
Und jetzt?
Was machte man so, wenn man saß?
Wann war er das letzte Mal in so einem Gasthaus? Vielleicht in seiner Jugend, die man alles andere als unbeschwert beschreiben konnte. Selbst in seinem Leben als Mensch hatte er kaum die Möglichkeit gehabt, sich unter das Volk zu mischen. Wie sollte es denn nun hier und jetzt vonstatten gehen?
Während er über das nachdachte, ein knurrendes Monstrum dabei im Bauch rebellierend, kamen ihm Zweifel auf. Er würde wieder gehen, egal was man sich denken würde. Das war ihm sowieso egal. Für ihn gab es gerade nur zwei Möglichkeiten; Flucht oder Angriff. Und da Letzteres zu riskant war, verlangte es ihn wieder in den eisigen Schnee zu treten, egal wie warm es hier auch sein mochte.
Es war ein Fehler gewesen hier her gekommen zu sein.
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Catigern
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Haare, Mond und Blut

Beitrag von Catigern » So, 04. Mai 2008 22:24

Besuch in der Schmiede

Dieser elende Auswurf einer räudigen Hündin! Ich hätte ihm an die Kehle fahren können.“ wetterte Trygve und stiefelte mit übellauniger Miene über den steinharten Erdboden der den Vorplatz des Palastes markierte.
„Er ist nun mal das was er ist. Tu nicht so als wärst du dir seiner Ausartungen nicht bewusst.“ gibbelte Catigern und schlug dem Jagdgenossen aufs linke Schulterblatt. „Über Nacht wird sich sein Gemüt wohl kaum gewandelt haben, er war und wird immerzu nach seinen schwächlichen Ahnherren kommen. Das liegt ihm im Blut.“
„Du klingst jetzt schon beinahe so als würdest du ihn und seine Untugenden in Schutz nehmen wollen? Muss ich mir plötzlich Sorgen machen, dass eure begründete Rivalität zur Neige und von einem zarten Band des Verständnisses abgelöst wird? erwiderte der Schwarzhaarige und maß seinen Freund mit einem abschätzenden Blick.
Das ließ den Schneeläufer erst recht lachen. „Du fürchtest auch wirklich die schreckhaftesten und unmöglichsten Dinge. Eher schmilzt das ewige Eis der Tundra als das ich und Nial uns einig werden könnten, dessen sei abermals versichert. Wenn ich könnte, würde ich ihn in die nächst beliebige Eisspalte werfen auf das er von der Unterwelt verschluckt würde und wir Lebenden vor seinem Atem gefeit wären.“
Die musternden Augen Trygves verengten sich für den Bruchteil eines Lidschlages ob dieser freimütigen und recht harten Worte, doch dann blitzte wieder Frohsinn in ihnen auf. „Das ist ein Wort! Du ließest mich schon stutzig werden, aber nun, da ich weiß das zwischen euch noch immer dasselbe Feuer herrscht wie stets, bin ich beruhigt. Nicht auszudenken was geschähe wenn die berühmtesten Streithähne des Dorfes einander plötzlich mögen könnten.“
„Wohl wahr! Das käme gar nicht in Frage. Es ist auch schon langweilig genug hier.“ grinste Catigern, wobei er sein Gesagtes nicht wahrhaftig ehrlich meinte. Die Ruhe und Behaglichkeit Norr Bharraks war ihm, wie auch allen anderen Ansässigen lieb und teuer.

Bald ertönte vor ihnen das taktmäßige Zusammenspiel von Hammer und Amboss und die frische Abendluft wurde bereichert von den aufwirbelnden Düften einer lohenden Esse. Schmutzig weißer Rauch schlängelte sich aus einem steinernen Kamin in den rötlichen Himmel und die Tür zur rechteckig und etwas gedrungen gebauten Schmiede stand weit offen. Vor dem Gebäude und der aufgesperrten Pforte arbeitete eine ebenso pyknische Gestalt unter einem schneebedeckten Vordach. Bei näherer Betrachtung erkannte man das es sich bei dem dort Schuftenden um einem Mann handelte, sein wuchtiger Körperbau ließ kaum einen anderen Schluss zu, ebenso wenig seine stolze Gesichtsbehaarung. Unter seinem vom Ruß und Verräucherung geschwärztem Wollwams bewegten sich kräftige Muskeln.
Trygve trat als erster unter den Vorstand und klopfte mit einer zur Hand geballten Faust gegen einen der Holzpfeiler die das Überdach trugen. „Wir stören den Meister nur ungern bei seinem Tagwerk, doch uns fehlt es uns an Ausrüstung und der dazugehörigen zwergischer Fachkenntnis.“
„Bah, wenn das nicht das unnütze Gebrabbel Trygves, des Magderlegers ist, will ich nicht Greifax Schmiedeeisen heißen. Bei Arycon und ich dachte schon der Tag würde gut enden.“ brummte der Kleinwüchsige und hämmerte nur umso verbissener auf das Eisenstück vor sich ein.
„Freund Greifax, wer wird den so unfreundlich zu angängiger Kundschaft sein? Ich muss doch sehr bitten…“ versuchte der Jägersmann sein Glück erneut und breitete unschuldig die Arme aus.
„Bitten? Was willst du erbitten? Einen Arschtritt aus meiner Schmiede? Den kannst du haben, ganz unverbindlich!“ schlug ihm der Zwerg die griesgrämige Antwort vor den Kopf.

„Ihr zwei habt euch wirklich gefunden wie mir scheint. Wahre Freunde!“ äußerte Catigern grinsend und betrat ebenfalls die Schmiede. Sein Blick forstete die Erzeugnisse des Handwerkers ab und blieb schließlich an einigen Köchern mitsamt Pfeilen hängen. Neugierig streckte er die Hand danach aus und zog einen der Pfeilschäfte heraus.
„Sei ja vorsichtig damit Jüngelchen, sonst gibt’s ein paar mit dem Hammer. Kaufst du sie kannst du damit anstellen was dir in den Sinn kommt, aber fürs anstarren bekomme ich kein saftiges Fleisch und kein Fässchen. Zudem… wer starrt schon echte Zwergenarbeit an? Glaubst du ich biete Ramsch feil?“ Die zuvörderst noch einigermaßen gefasste Stimme des Schmiedes hatte sich nun zu einer polternden Steinlawine entwickelt. Er hatte sich sogar umgewandt und schaute sie beide nun aus tief liegenden Äuglein an, die wie Kohlen loderten.
Catigern wurde ernst, musste aber auch ein Lachen unterdrücken. Wer Greifax kannte, wusste dass er diese Vorstellung jedes Mal darbot. Es war seine Art für die Güte seiner Waren zu trommeln, nach Zwergenart. Der blonde Schneeläufer betrachtete die mit Widerhaken versehene silberne Spitze des herausgezogenen Pfeils. Unversehens sagte er: „Davon nehme ich einen.“
Das dreckige Gesicht Greifax’ leuchtete auf. „Das wollt ich dir auch geraten haben Jüngelchen. Gute, wenn auch nicht die beste Wahl. Wird aber bestimmt die ein oder andere hässliche Wunde reißen…“

Áluka
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Beitrag von Áluka » Fr, 09. Mai 2008 21:08

[Sorry für die Kürze... aber ich weiß ja nicht, was du im Wirtshaus mit mir vorhast ^^""]

Und er zögerte.
Wieso, konnte er nicht sagen. Seine Situation war wohl mit einem Kaninchen zu vergleichen, welches wie hypnotisiert vor der Schlange saß und wusste, dass sein Tod kommen würde. Nur wartete Áluka nicht auf den Tod, sondern auf … irgendetwas.
Es geschah aber nichts.
Diese Tatsache war noch viel verwirrender als alles andere, was sich seine Phantasie so ausmalen konnte. Man warf ihm schräge Blicke zu, aber es sah nicht so aus, als ob man Áluka angreifen wolle. Dass er es hier mit einem recht friedfertigen Menschenvölkchen zu tun hatte, konnte er ja nicht ahnen. In seiner derzeitigen Lage würde er sogar ein Schaf als seinen Feind betrachten – wenn es nicht in seinem Magen gelandet wäre. Seine gereizte Stimmung war vielleicht auch für die anderen anwesenden Gäste spürbar, daher sagte man nichts.
Noch nicht.
Während seine Gedanken wie eine Heuschrecke hin und her hüpften, wärmte sich sein durchkühlter Körper soweit auf, dass die Finger und Zehen wieder spürbar wurden. Wenn er schon hier war, würde er auch solange hier sitzen bleiben, bis er sich genügend aufgewärmt hatte um sich auf Jagd zu begeben.
Und er würde im Dunkeln der Nacht schon irgendetwas finden und erlegen… irgendetwas.
Seine Hand griff in die Manteltasche und umfasste die letzte Goldmünze. Sollte er sie hier im Wirtshaus für Essen ausgeben, obwohl er wusste, dass er die Nacht schon etwas beschaffen würde? Andererseits musste er für die Kost hier im Haus sein Leben nicht riskieren. War ja auch etwas. Dann fragte er sich, ob hier überhaupt Speis angeboten wurde, er sah jedenfalls kein Schild, auf welchem man etwas dergleichen lesen könnte. Nachdenklich ließ er das Goldstück über seine Finger gleiten und versuchte den Wolf in ihm zu besänftigen. Denn dieser knurrte wütend über diese menschliche ‚Gefühlsduselei’ und begehrte gegen die zerbrechlichen Gitterstäbe der Willenskraft auf, um sich endlich zu befreien.
Er hatte Hunger. Er wollte Blut fließen sehen.
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Catigern
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Beitrag von Catigern » Fr, 09. Mai 2008 22:32

Andere Jäger

Hufgetrappel ließ den Zwergen plötzlich inne halten und zu einem der Tore blicken. Drei Reiter preschten mit wehenden Fellumhängen in das Dorf und rissen allerlei Aufmerksamkeit auf sich. Für die Einwohner Norr Bharraks war die Ankunft von Fremden nicht unbedingt alltägliches. Die Neuankömmlinge verlangsamten den Trapp ihrer Untersätze und wendeten sie einmal in der Mitte des Ortsplatzes. Knäufe von großen Klingen und gewaltigen Hiebwaffen ragten über ihre Schultern hinweg und ihre Häupter, eines langmähnig, eines kahl und das dritte von einer pelzgebrämten Lederkappe bedeckt, fuhren herum als hielten sie nach etwas Ausschau. Der Kahlköpfige deutete schließlich zu Soranders Gasthaus. Seine beiden Gefährten schienen mit seinem Fund zufrieden, sie ritten hinüber und zügelten ihre Pferde vor dem Gebäude. Ohne weiter auf ihren Auftritt oder das ihnen zugewendete Interesse der Bürger zu achten, stiegen sie aus ihren Sätteln und rückten sich ihre dicke Reisekleidung zurecht. Eisenverstärkte Rüstungen und vielerlei Waffengerät kamen unter den weiten Mänteln aus Bärenfell zum Vorschein. Nun vermochte man auch zu erkennen das es sich bei der Langmähnigen um eine Frau handelte. Ihr Leib wirkte nur auf den ersten Blick als kräftig und schwer, denn die mehrlagigen Schichten aus wärmender Gewandung erweckten diesen Eindruck. Tatsächlich aber, besaß sie eine schlanke Figur, was offenbar wurde nachdem sie die weite Umhüllung zurückschlug und sich an die Spitze ihrer Begleiter setzte um das Wirtshaus zu betreten.

„Was bei Osiks Bart hat das zu bedeuten? Wer sind denn die und für wen halten die sich? Einfach so hier rein zu jagen, nicht einmal einen feinen Tag an die hiesige Bevölkerung zu wünschen und sich in die Schenke verdrücken! Manieren sind das nicht.“ erzürnte sich Greifax Schmiedeeisen und schüttelte den Schädel ob solch unfreundlicher Gesellen und ihrer Gebärden.
Trygve pflichtete ihm herb nickend bei. „Allerdings. Doch was mir mehr Sorge bereitet ist ihre Bewaffnung. Rüstungen aus den Nordreichen, Schwerter, Äxte und Streitkolben für eine Schlacht… du führen doch gewiss nichts Gutes im Schilde.“
„Frage mich wie die an den Bewachungsposten vorbei gekommen sind.“ grübelte Catigern und ließ den Pfeil zurück in den Köcher gleiten, den er daraufhin von der Wandbefestigung nahm und dem Zwerg seine sechs letzten Silbermünzen als Bezahlung auf den Amboss legte.
„Wenn’s Briganten oder Deserteure sind, haben sie sie vielleicht erschlagen.“ spann der Kleinwüchsige den Faden weiter und würzte ihn um eine ungemütliche Note.
„Du bist ja ein noch größeres Schwarzseher als ich.“ feixte der Kundschafter vom Stamm des Luchses und gab dem Schmied einen Klapps auf dessen Rücken.
„Mach das nochmal und ich röste dich über meiner Feuerung.“ knurrte der Zwerg und drehte sich wieder seiner Arbeit zu. „Sollten die Halunken übles vorhaben, kriegen die’s mit mir zu tun! Echter Kupferblutclan!“

Als Irella Darran die Tür zur Abstiege aufstieß und den ersten Fuß ins schummrige Innere setzte, war es zunächst das Muffige und Verräucherte welches ihr in die Nase stieg und sie sogleich die frische Luft der Tundra missen ließ. Zwar mochte der Wind dort bitterkalt und Frostscherbengleich die Haut und Atemwege reizen, dennoch war ihr jenes Los deutlich lieber als der stickige Schankraum einer verwahrlosten Spelunke am Rande Alvaranias. Missmutig rümpfte sie die Nasenflügel, strich sich die Pelzlinge von den Händen und schritt, gefolgt von Kabvast und Stuceiel, quer durch die Räumlichkeit, vorüber an Tischen, Bänken und Stühlen bis an den Tresen. Dort stand ein Mann von vielleicht vierzig Wintern, dessen kräftige Unterarme und fleischigen Hände einen nassen Lappen wrangen. Seiner Mimik war deutlich zu entnehmen das er zwanghaft versuchte freundlich zu erscheinen, obgleich er sich wohl nicht wohl in seiner Haut fühlte. Diesen Umstand teilte er aber mit jedem seiner momentanen Gäste, die die Fremden alle verstohlenen beobachteten und ihren Bammel dadurch verrieten das der Gesprächspegel erheblich absank. „Wie… wie kann euch dienlich sein geschätzte Reisende? Ihr scheint einen langen, auszehrenden Ritt hinter euch zu haben?“ begrüßte Sorander die Fremdländischen so höflich und gleichmütig wie er es eben vermochte.
Irella schenkte ihm die Andeutung eines Lächelns. „Wirt, wir benötigen Verpflegung und Unterkunft für uns und unsere Pferde. Nur vom besten, an Entlohnung wird es dir nicht mangeln.“
„Sehr wohl, die Dame. Ich werde die geräumigsten Zimmer herrichten lassen und eines der besten Fässer anstechen. Und auch euren Pferden wird es an nichts fehlen.“ versprach Sorander tunlichst und pfiff nach seinem Sohn.
Stuceiel wurde auf einmal unruhig. Er wandte den haarlosen Kopf von einer Richtung zur anderen und an seinen Schläfen traten die Adern hervor. Irella bemerkte seine Anspannung und fasste ihm am Arm. „Was ist?“
Des Kriegers flackernder Blick suchte den düsteren Schankraum ab, der nur spärlich vom einfallenden Fensterlicht und einigen wenigen Kerzen erhellt wurde. „Es… es riecht hier nach ihnen.“ sagte er dann tonlos. Irella starrte ihn kurz an, fragte sich ob er schon Gespenster sah oder roch. Aber Stuceiels Instinkten hatten sie bisher immer vertrauen können. Sie legte eine Hand an den Schwertgriff und unterzog langsam einen Kostgänger nach dem anderem einem prüfenden Blick. Unaufhaltsam näherten sich ihren taxierenden Augen einer düsteren Ecke…

Áluka
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Beitrag von Áluka » Fr, 09. Mai 2008 23:25

Als die Schanktür aufging und weitere Gäste eintraten, schenkte Áluka ihnen zunächst keinen Blick, so wie er es eben auch mit den anderen Anwesenden handhabte. Nicht, weil es ihn nicht interessierte, sondern weil er fürchtete, sein Blick könne zu viel von seinen Gelüsten und der inneren Unruhe verraten.
Wie hypnotisiert starrte er auf das glänzende Stück Gold, welches zwischen den Fingern hin und her wanderte, dann vernahmen seine Ohren die Worte der neuen Gäste. Verpflegung, Unterkunft … an sich nichts Besonderes. Es waren Reisende, ansonsten würden sie ja kaum nach einer Bleibe anfragen. Als dies Áluka klar wurde, sah er schließlich doch auf und das goldene Glänzen des Geldes trieb sich immer noch in den bernsteinfarbenen Augen rum, so, als habe es sich dort eingenistet.
Eine kleine, unruhig umher tanzende Flamme.
Und was die Augen erkannten, gab ihm endlich einen triftigen Grund, unruhig zu werden. Die drei Gäste waren voll bewaffnet. Trotz der Kälte angepassten Kleidung erkannte man etliche Instrumente, die mehr einer Schlacht dienlich sein sollten, als einer gewöhnlichen Reise.
Die Frage nach einer Mahlzeit hatte sich sofort erledigt und der Beschluss, das Wirtshaus zu verlassen, alsbald gefasst.
Wenn es nicht schon zu spät dafür war.
Einer der beiden Männer sagte etwas zu der nicht minder bewaffneten Frau, die soeben nach den Zimmern verlangt hatte, und es brauchte keines feinen Gespürs um zu erahnen, dass Ärger in der Luft lag.
Gewaltiger Ärger.
Álukas Augen rissen sich von den Bewaffneten los und suchten einen Fluchtweg, der sich in Form einer Tür nicht weit von ihm abzeichnete. Wahrscheinlich ein Hinterausgang und somit die einzige Möglichkeit von der Angriffsfläche zu verschwinden.
Er haderte nicht mit sich.
Es war die Art von Schnelligkeit, die nur jemand innehaben konnte, der innerlich auf solch eine Situation gefasst war. Álukas Anspannung hatte während seines Harrens nicht nachgelassen und das sollte sich nun zeigen. Blitzschnell war er aufgestanden, verließ sein ‚Versteck’ in der düsteren Ecke des Schankraumes und huschte Richtung Hinterausgang. Er konnte nur hoffen, dass die Tür ins Freie enden würde, ansonsten… keine weiteren Gedanken mehr darüber! Er riss die Tür sogleich auf und konnte mit Freuden die Kälte auf seiner Haut spüren. Selten hatte er sich darüber so gefreut wie jetzt. Schnell schlug er die Tür hinter sich wieder zu und sah sich um.
Ein Hinterhof.
Ein kleiner Schuppen.
Ein schmaler Gang sonst wo hin.
Er entschied sich schnell, denn er vermutete, nur wenige Augenblicke Zeit zu haben: Mit wenigen Schritten umrundete er den Schuppen, der nur wenig höher als er selbst war und ein recht flaches Dach besaß. Zum zweiten Mal an diesem Tag sprang er im Stand hoch, und zog sich an dem recht instabil aussehendem Vordach hoch, welches über der Scheunentür auf der Rückseite errichtet worden war und legte sich flach auf den Bauch hin. Es war nicht das beste Versteck, aber im Moment das, welches vielleicht nicht erkannt werden würde. Wer konnte schon ahnen, dass ein vermeintlicher Mensch so schnell auf ein Vordach klettern würde? Wer würde sogleich den Blick nach oben richten anstatt in den Schuppen sehen, ob sich in der Dunkelheit nicht jemand versteckt hielt?
Áluka konnte nur hoffen – und warten.
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Beitrag von Catigern » So, 18. Mai 2008 18:26

Hatz in die Nacht

Dort“ röhrte Stuceiel energisch und deutete in den nordwestlichen Winkel des Schankraumes. Lidschlags darauf umschlangen seine Pranken den Knauf einer seiner Wurfbeile, welchen er geradewegs aus der lockeren, ledernen Verschlaufung seines Gürtels zog und zum Wurf bereit in der Hand behielt. Seine aufgerissenen Augen durchstachen die trübe Dunkelheit des unzureichend beleuchteten hinteren Abschnitts der Taverne und das breite Monstrum an Riechorgan in seinem Gesicht blähte die Flügel.
Kabvast ließ den schweren Streitkolben von seinem Rücken gleiten und umpackte diesen mit festem Griff. Auf das Wort seines Gefährten horchte er und ebenso wie Irella, Stuceiels Instinkte und Spürsinn war oftmals besser als die eines Bluthundes, wenn er etwas gerochen hatte, etwas das nach „Ihnen“ stank, dann glaubte er daran. Mit unheilvoll glitzerndem Blick trat er in die Mitte der Stube und schaute herausfordernd in jede der gegenwärtigen Mienen der Dorfbewohner. Er wollte einen Aufruf zum Protest sogleich im Keim ersticken, obwohl er nicht wirklich annahm dass sich ihnen irgendjemand in den Weg stellen würde. Es lebten nur friedliebende Menschen hier – so sagte man zumindest in den Weilern an den Grenzen der Nordreiche -, sie würden nicht wagen ihn anzugreifen. Egal ob es ihrer viele waren, sie waren nur nicht wehrhafter als Bauern und außerdem verfügten sie über keine nennenswerten Waffen. „Keiner rührt sich vom Fleck!“ grollte er mit tiefer, drohender Stimme und positionierte sich inmitten der Tische.
Singend verließ Irellas Schwert ihre Scheide, als im nächsten Augenblick ein Schemen aus der verdächtigen Ecke hervorhuschte und dann mit den Schatten, den die Aufbaute der Treppe, welche sich dort im hinteren Teil der Gasthauses erhob um das Zweitgeschoss mit dem erdigen zu verbinden, verschmolz. „Verdammt, du hattest Recht. Da hat es aber jemand eilig. Hinterher, schneidet ihm dem Weg ab!“ rief sie und rannte selbigst los.

Die Unruhe ob solch eines Vorfalls erfasste die Anwesenden völlig zwangsläufig und mehr als einem Gast rutschte das Herz in die Stiefel, als die drei Bewaffneten metallklirrend scheppernd durch den Raum wetzen und die Dielen des Bodens zum knarren brachten. Sorander, der Wirt allerdings war geistesgegenwärtig genug rasch die Beine in die Hand und Reißaus zu nehmen. Kabvast der sich ebenfalls der Verfolgung des Flüchtigen angeschlossen hatte, warf den Kopf herum und hob intuitiv seinen Wurfarm. Das eigentümliche, schwergewichtige surrende Geräusch eines wirbelnden Beils zerschnitt die stickige Luft des Schankraumes und krachte dann Holz splitternd in Bohlen der Tür, die nach draußen auf dem Dorfplatz führte. Aber zu spät. Der Mann war bereits hindurch und hätte er nur einen Moment gezögert, läge er nun mit zerschmettertem Rückgrat auf dem Boden seines Wirtshauses. Kabvast knurrte seinen Unmut heraus. Das hätte ersprießlicher laufen müssen. Nun, würden sie Probleme bekommen. Er schwenkte sein Haupt erneut herum und die Leute auf ihren Stühlen und Schemeln schienen vor ihm zurückzuweichen, nackte Furcht funkelte in ihrer aller Augen. Ihr Götter, zu was bin ich nur geworden? Sie sehen mich an als wäre ich das Scheusal! Dabei bin ich es doch der es jagt… diese Unwissenden…
„Bleibt ja alle wo ihr seid! Euch geschieht nichts, wenn ihr tut was wir sagen!“ brüllte er und schlenkerte bedrohlich mit seinem wuchtigen Streitkolben, den er wieder mit beiden Händen umfasst hatte. „Vertraut uns, ihr wisst nicht womit ich es hier zu tun habt! Aber wir schon!“ Aus den Augenwinkeln bemerkte er wie Stuceiels massige Gestalt durch einen weiteren Ausgang verschwand, eine Hintertür, die dem Schemen, „ihm“, die rasche Flucht ermöglicht hatte. Dieses Mal erwischen wir dich!

Irella stürmte hinter dem breiten kahlen Krieger in den Hinterhof. Kalter, frischer Wind hieß sie willkommen und blies ihr Strähnen ihres rabenschwarzen Haares ins Gesicht. Wie das geübte und aufeinander eingespielte Gespann das sie waren, verteilten sie sich prompt und drehten ihre Spährunden, ließen ihre scharfsinnigen Blicke über jedes Fass, jede Kiste und sonstwede Anhäufung von hin und wieder gebräuchlichen Gegenständen fahren, die hier gelagert wurden. Stuceiel ging stampfend weiter, riss die Tür zum nahe liegenden Schuppen auf und trat ein. Sie hingegen prüfte weiterhin den Hof, plinste das schmale Gässlein herab und schaute hinter etwaige Aufstapelungen um auszuschließen das sich die Bestie hinter ihnen versteckt hielt. Hierbei war es ihr stets als raubte die Anspannung ihren Atem, derart aufgeregt war sie. Ein Kampf; Mensch gegen Bestie war kein gebührliches Kräftemessen. Ihr war klar, dass sie in einer unmittelbaren Auseinandersetzung den Kürzeren ziehen würde. Deswegen zogen sie auch nie alleine los. Man durfte sie nicht unterschätzen.
„Hier drin ist nichts!“ vernahm sie plötzlich Stuceiel, der leicht enttäuscht wirkte. Witternd wie ein Wolf kam er aus dem Schuppen und richtete seine Nase in den frostigen Abendwind der einige Schneeflocken vor sich hertrieb. „In der Herberge vermochte ich ihn so gut zu riechen…“ Er vollendete den Satz nicht. In der freien Natur war seine Begabung bei all den Gerüchen kaum verwendbar.
Irella hatte noch nicht vor aufzugeben. „Noch sind wir nicht am Ende, wenn er nicht verblieben ist, dann ist er die Gasse runter. Komm, folgen wir ihr… vielleicht findest du seine Spur wieder.“ Mit blitzendem Stahl in ihren Fäusten hasteten sie die Gasse hinunter, die wie ein dünner, vom Schnee weiß getünchter, Pfad zwischen den umliegenden Häusern lag, sie ihres Ziels aber immer weiter entfernte.

Áluka
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Beitrag von Áluka » Di, 03. Jun 2008 13:37

Áluka, der versuchte so flach wie möglich auf dem Vordach aufzuliegen, hielt den Atem so lange an, wie er konnte. Erst als ihre Schritte sich entfernten, verräterisch laut dank des Knirschens des Schnees unter den Schuhsohlen, wagte er es erleichtert auszuatmen. Sein Denken war, wie in allen brenslichen Situationen, ausgeschaltet. Wer zu viel nachdachte würde auf kurz oder lang den kürzeren Ziehen, das stand außer Frage. Was brachte es einem sich vor Angst, geschürt durch die wildesten Fantasien, in die Hose zu machen, wenn es doch nur darum ging, Ruhe zu bewahren?
Man würde auch noch später Zeit haben sich Gedanken über den eigenen Tod zu machen, aber sicherlich nicht in Momenten, in denen das Leben eine Rolle spielte, nicht das Ableben. Seine steifen und angespannten Glieder gehorchten ihm erst auf den zweiten Abruf wieder. Dann richtete er sich auf, blieb aber in geduckter Haltung. Von dem kleinen Vordach aus konnte er mühelos auf einige andere Dächer klettern und somit sicher sein, dass ihn niemand überraschen würde.
Die Richtung, für die er sich entschied, lag auf der Hand; Entgegen derjenigen, die die Fremden eingeschlagen hatten. Wer sie waren und was sie wollten, blieb noch im Unklaren, aber wie gesagt – über so etwas zerbrach man sich nicht jetzt, sondern später den Kopf. Möglichst geräuschlos hangelte er sich auf das Dach eines nahe stehenden Hauses und musste höllisch aufpassen nicht auszurutschen. Sein Weg brachte ihn nicht allzu weit, denn irgendwann standen die Dächer zu weit auseinander und er musste den Weg auf den Boden weiter fortsetzen. Das Zentrum des Dorfes hatte er nun hinter sich gelassen und die Hütten verteilten ich immer spärlicher – Áluka war dies nur recht so, denn weniger Häuser bedeuteten weniger Augen. Außerdem standen hier und da wieder dichtere Tannen, hinter denen man sich bewegen konnte, die anbrechende Dunkelheit erleichterte dieses Unternehmen nur.
Bei dem längeren Marsch und den fortwährend angespannten Sinnen, war es nachzuvollziehen, dass ihn seine Kräfte allmählich im Stich ließen. Es war schon ein Wunder, dass er es überhaupt so weit geschafft hatte. Aber eine interessante Erfahrung, denn nun wusste er, was sein Körper alles für Belastungen aufnehmen konnte. Das seine Kräfte aber nicht unendlich groß sein würden, war spürbar.

Als er seinen Blick hob, fiel ihm eine Hütte ins Auge. Sie stand abgeschieden da und in dem Moment wusste der Hungernde, dass er es sich dort gemütlich machen würde. Er hatte lang genug gewartet, war schon nachsichtig genug gewesen – wenn er nicht bald zu kämpfen begann, würde er sterben. Er würde den Hausbesitzer schon irgendwie vertreiben und sich dann an den Vorräten zu schaffen machen.
Oder an den Hausbesitzer selbst.
Zuerst umrundete er das Anwesen, welches von einem kleinen Garten umgeben war und eine Abstellhütte oder dergleichen darauf stehen hatte. Seine Ohren und seine Nase verrieten ihm, dass anscheinend niemand zuhause war, aber der Besitzer konnte auch schlafen und Áluka hätte es nicht gemerkt. Trotzdem wählte er den Hintereingang zum Garten und drückte die Klinke runter.
Natürlich abgeschlossen.
Aber das würde den Werwolf nicht an ein Eindringen hindern. Er trat zwei Schritte zurück und warf sich dann mit aller Kraft mit den Schultern gegen das Holz. Splitternd riss der Rahmen dort auseinander, wo der Haken des Schlosses eingerastet war. Die noch recht warme Luft, die ihm entgegen schlug, wurde gierig eingesogen und aufgenommen, demzufolge schloss er die Tür auch hinter sich wieder, zumindest soweit, dass nicht allzu viel Kälte eindringen konnte.
Das Schloss war sowieso hinüber.
Auf leisen Sohlen sah sich Áluka um und ließ den Blick über die Einrichtung gleiten. Alles wirkte eher rustikal, aber dennoch gemütlich. Ein Kamin mit Sitzmöglichkeiten zu seiner Rechten, eine Herdstelle mit genügend Staufläche auf der anderen Seite. Von der eigentlichen Eingangstür aus ging eine Treppe in ein oberes Stockwerk. Da Áluka nun mal die Tür zum Garten beschädigt hatte, würde der Besitzer des Hauses seinen Einbruch erst dann bemerken, wenn er das Haus betrat.
Langsam ging der Werwolf die Treppen hinauf, fand dort aber auch nur zwei leere Zimmer vor. Zum zweiten Mal atmete er nun schon erleichtert aus, ging wieder runter und suchte den Vorratsraum. Diesen fand er auch schnell bei der Küche und begann sogleich ihn zu plündern. Das erste, was er fand, war Pökelfleisch. Von welchem Tier, war ihm herzlich egal, er schlang es gierig hinunter ohne viel zu kauen. Mit jedem Bissen breitete sich Wärme in seinem tot geglaubten Magen aus und die Produktion von Energie konnte beginnen.
Fortan war es ihm egal, was der Hausbesitzer tun würde, wenn er wieder käme.
Jetzt wurde gespeist.
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Catigern
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Beitrag von Catigern » Fr, 06. Jun 2008 18:21

Besuch bei Mondenschein

Der purpurne Streifen am Horizont war zunächst dem Grau der Abenddämmerung gewichen und nun schließlich zum mitternächtliche Blau geworden das abertausenden von Sternenlichtern gestattete am Firmament zu erstrahlen. Catigern lud die frostige Luft in seine Lungen und genoss den scharfen Biss des Winters während er durch das östliche Tor der Dorfumzäunung Norr Bharraks schritt und den Tumult um die drei Neuankömmlinge hinter sich ließ. Er hatte genug gesehen. Er hatte genug gelacht. Und er hatte dabei genug vom würzigen Ale Greifax Schmiedeeisens getrunken. Allmählich war es an der Zeit dem Ganzen den Rücken zu kehren und sich in die Obhut der warmen Felle seiner Schlafstätte zu begeben. Unterdessen er immer noch vor sich her grinsend den Saumpfad entlang torkelte und die Geräusche des Dorfes zunehmend ruhiger wurden bis sie alsbald verstummten und von der Stille der Ebenen ausgewechselt wurden, dachte er erheitert an die Geschehnisse der letzten Stunden zurück. Es war ein Paradebeispiel für die Narretei des Rates gewesen und ihrem vergeblichen Bemühen so etwas wie eine beherzte Volksvertretung darzustellen. Wie so häufig waren sie gescheitert. Die Fremden hatten über sie gelacht wie Catigern es jetzt tat. Sorander, der Wirt war vollends aufgelöst in die Ratshalle gestürmt und hatte von den rücksichtslosen Eindringlingen erzählt und das erstbeste was der Rat beschloss war einen Abgesandten für Verhandlungen zu schicken. Man könnte sich vielleicht friedlich einigen bevor Blut flöße. Lächerlich. Jeder der schon einmal einen Kampf Mann gegen Mann ausgefochten hatte wusste das man von solchen furchtlosen Fremdlingen nichts anderes als die Sprache der Klingen zu erwarten hatte. Aber der Rat wollte es ja besser wissen. Er beharrte auf seiner Meinung. Also sandten sie einen Unterhändler. Keinen geringeren als Niord.

Erneut lachte der Schneeläufer in die Nacht hinaus in Gedanken daran wie der Jungspund in lederner Rüstung und umgegürteten Schwert seines Vaters auf die Taverne zutrat und die Banditen mit lauter Stimme um Einlass bat. „Bat“, solche Strolche bat man doch um nichts, man forderte. Bitten war schon ein erstes Zeichen der Schwäche. Trygve, Greifax und er sowie ausnahmslos jeder Bewohner Norr Bharraks welche oder welcher nicht gerade außerhalb des Dorfes seiner Arbeit nachging hatten dieses Schauspiel beobachtet. Es war Vithar zu verdanken gewesen, immerhin er dachte mit, das die übrigen Jäger die der Zusammenkunft im Palast beigewohnt hatten sich nicht zerstreuten, sondern auf sein Rufen hin sich wieder sammelten auf das zumindest einen kleine wehrfähige Gruppe bereitstand sollten die „Verhandlungen“ fürchterlich aus dem Ruder laufen. Mit Pfeilen an den Sehnen positionierten sie sich rund um das Gashaus und spähten mit Habichtaugen auf jedwede Auffälligkeit. Nach langem Bitten seitens Niords wurde ihm dann schließlich von einer kehligen Stimme der Eintritt gestattet. Catigern musste dem Häuptlingssohn nachträglich zu Ehre halten das er fast ohne zu zögern dem Geheiß nachkam, sein Vater Njalsson wäre an seiner statt gewisslich vor Angst im Boden versunken. Dennoch trug das nicht die Torheit des gesamten Unterfangens ab. Sich einfach so in die Höhle des Löwen zu begeben. Aber anscheinend hegte Niord die Absicht ein Held zu werden und das ließ ihn sogar über den eigenen Schatten springen.

Und während die Einigungsgespräche im Inneren der Herberge stattfanden, die sich zäh wie Sehnenfleisch zu entwickeln schienen, trafen auch die Männer von der Turmwacht ein und verstärkten den Ring der Aufseher rund um die Taverne mit Kettenpanzer, Schild und Speer. Völlig abgeschieden von den Begebnissen um die Befreiung der armen Unterpfänder im Gasthof entfaltete sich plötzlich ein zünftiges Scharmützel am Südtor. Zwei Gestalten versuchten mit blitzendem Stahl einen Durchbruch, wurden allerdings von einer Wachmannschaft der Turmwachen davon erfolgreich abgehalten und mit dem heranrücken von einem weiteren Dutzend Bewaffneter dingfest gemacht. Soweit so gut. Das war die Art wie man mit Vagabunden die sich nicht benahmen umsprang. Catigern und Trygve hätten beileibe gern mitgerungen, doch waren sie dort schon zu angetrunken um sich noch auf eine Streiterei einzulassen. Jedenfalls endet alles damit das der Kerl der die Taverne besetzt hielt, es konnte ja nur noch einer sein, drohte Niord zu töten, wenn seine Gefährten nicht unverzüglich freigelassen und ihnen allen ebenso freier Abzug gewährt werden würde. Dank dem Eingreifen des Hauptmanns der Wacht ließ man sich auf dieses Drohwort nicht ein, stattdessen forderte Quron den Besetzer auf sich selbst zu ergeben ansonsten würde es ihm schlecht ergehen. Als sich dann auch noch die Frau, die gefesselt und von zwei Gardisten flankiert wurde, ihrem Kumpanen zurief das der Widerstand zwecklos sei, kam er tatsächlich hervor und warf seine Waffen in den Schnee. Mit ihm fand auch ein kreidebleicher Niord und die erleichterten Tavernengäste die Tür nach draußen, ein Anblick den Catigern rückblickend wiederholt aufprusten ließ. Ja, das war genug für einen Tag gewesen, einen erfüllten Tag.

Der Pfad verlief nun weiter stracks nach Osten, sodass der blonde Schneeläufer von ihm abweichen musste um zu seiner Hütte zu gelangen, die er nahe am Dorfe errichtete hatte und sich dort zwischen einigen Nadelhölzern an einer Stelle beinahe an die Palisade schmiegte. Bevor er sie erreichte fasste er noch kurz den Entschluss dem Druck in seinen Lenden nachzugeben, den das genossene Ale verlangte nach Freifluss. Kaum war dies erledigt stampfte er weiter, zufrieden und hundemüde, die weiche Schlafstatt schon vor den Augen. Catigern schob das Törchen zum Garten seines Besitzes auf, der sich in einem bemitleidenswerten Zustand befand, wie er selbst trunken feststellte. Dem kargen Boden war einfach nichts abzugewinnen, egal wie sehr man sich anstrengte und bemühte, er verschloss sich davor auch nur irgendetwas anzunehmen, geschweige denn abzugeben. Kopfschüttelnd wandte er den Schädel von den wenigen gesprossenen Halmen die kümmerlich hie und da aus der festen Erde ragten, frimmelte den Schlüssel aus seinem Wollhemd (er trug ihn immer um den Hals damit er nicht abhanden kam), drehte ihm im Schloss (welches Greifax Schmiedeeisen höchstselbst eingebaut hatte), öffnete und betrat das Haus.

Mit vor Schläfrigkeit halb gesenkten Lidern und nichts Unheilvolles ahnend stiefelte Catigern einige Schritte in den Wohnraum hinein, schon kurz davor Bogen und Umhang abzulegen, doch dann erstarrten seine müden Bewegungen abrupt. Sein Blick erhaschte den schmalen Spalt der gegenüberliegenden Tür, deren Schloss offenbar gebrochen war. Daneben fielen ihm plötzlich die nassen Spuren auf den Dielenbrettern auf, herrührend von hereingetragenem geschmolzenem Schnee. Und zusätzlich fingen seine Ohren Geräusche rechterhand von ihm auf… sie drangen aus der Küche die von einer Trennwand vom Rest des Untergeschosses entzweit war. Alarmiert und blitzartig wieder klar bei Sinnen nahm der Hauseigner seinen Bogen in die Hände, spannte mit geübten Fingern rasch die Sehne auf und setzte einen der frisch erworbenen Pfeile daran. Einbrecher oder streunendes Pack zu dieser Stunde? Und das bei uns? Geschah ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr…sind denn plötzlich alle vom Irrsinn ergriffen worden?
Der nordische Hüne bereitete sich auf seinen Auftritt vor, er beabsichtigte den Eindringling überraschend zu stellen, aber allzu viel Zeit ließ er sich dabei nicht. Mit einem wütenden Schrei stürmte er in die Küche und zog die Sehne bis zu seiner Wange zurück um unweigerlich schussbereit zu sein. Laut und zornig rief er: „Was bei den vereisten Gehirnwindungen deines Verstandes trieb dich in dieses, meines Haus du elender Dieb! Erkläre dich oder ich schicke dich zu deinen Ahnen!"

Áluka
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Beitrag von Áluka » Fr, 06. Jun 2008 23:43

Und wie es auch nur ein ausgehungerter Wolf schaffte, so schlang Áluka viel Essen in nur sehr kurzer Zeit in sich hinein ohne dabei das plumpe Gefühl von Übersättigung oder Übelkeit zu empfinden. Er war es gewohnt auf Vorrat zu essen, da er nie regelmäßig Nahrung zu sich nahm. Hier und da klaubt er sich weiter Fleisch, ein Stück Brot, wieder Fleisch … bis sich sein Magen alsbald wirklich quer stellte. Es würde eine Weile dauern, ehe er den nächsten Gang in sich schaufeln könne, also seufzte er nur glücklich und sah sich um. Den Inhalt der Speisekammer kannte er nun schon ganz gut, also schritt er zurück in die Küche und lauschte eine Weile in die Stille des Abends hinein, während sein Magen eifrig mit der großen Menge arbeitete und Wärme in allen Teilen des Körpers aussandte. Endlich, endlich, gab es wieder Hoffnung auf ein Weiterleben, woran Áluka in manchen Abschnitten seiner Reise gezweifelt hatte. Erst diese elendig lange Einöde, dann die Kälte… schließlich das Dorf, welches noch einmal an seinen Reserven gezerrt hatte, indem er versucht hatte ungesehen einzubrechen. Man hätte ihn auch nicht bemerkt, wären da nicht diese merkwürdigen Fremden im Wirtshaus aufgetaucht!
Jetzt war es Zeit sich über dieses Geschehen den Kopf zu zerbrechen. Es handelte sich bei den drei Fremden ganz eindeutig um Krieger und sie suchten etwas Bestimmtes, denn sie waren in diesem Dorf auch nicht beheimatet und hatten ebenfalls eine lange Reise hinter sich.
Jeder, der hier ankam, hatte wohl eine lange Reise hinter sich!
Nur, wonach hatten sie gesucht? Diese Blicke, die Blicke, wie sie nur Jäher trugen, wenn sie Beute sahen, gingen ihm nicht auf den Kopf. Sollte gar er die Beute sein? Aber was hatte er sich Zuschulden kommen lassen? Er hatte diese Krieger noch nie zuvor gesehen!
Weiterhin grübelnd schritt er nochmals in die Speisekammer, hob den Blick in die oberste Regalreihe, fand aber nichts Verlockendes. Stattdessen hörte er etwas, was ihn aufhorchen ließ. Die Haustür wurde geöffnet! Wie angewurzelt blieb Áluka stehen und taxierte aus den bernsteinfarbenen Augen seine Umgebung um eine Fluchtmöglichkeit zu erwägen.
Aber es sah schlecht aus.
Im ersten Moment glaubte er, der Hausbesitzer würde sein Eindringen nicht bemerkt haben, aber näher kommende Schritte verrieten ihm vom Gegenteil. Seine Gedanken rasten und wie bei jedem Tier, was sich in die Ecke gedrängt fühlte, stieg in ihm eine Unterart von Panik auf, was nur allzu leicht in einen Angriff umschlagen konnte. Er rief sich zur Ruhe und redete sich ein, in einem Kampf der Überlegende zu sein. Natürlich war er das – aber nur unter gegebenen Umständen. Und das hieß: Bei einer Verwandlung. Dazu fehlte ihm jetzt aber eindeutig die Zeit, also ging er in die Offensive und trat langsam aus der Speisekammer. Fast zeitgleich sprang ein großer Mann um die Ecke und zielte mit seinem Bogen auf Áluka, der sich weniger erschreckte, als es wohl jemand getan hätte, der so dermaßen überrumpelt wurde. Seine einzige Reaktion war ein Schritt nach hinten, wo schon alsbald eine Küchenanrichte stand. Seine Fluchtmöglichkeiten waren schwindend gering, aber das beunruhigte den Werwolf eher weniger. Er glaubte genug Kraft zu haben um diesen Mann, war er auch ein ganzes Stück größer und augenscheinlich breiter, zu überwältigen. Der Bogen war dennoch gespannt und könnte ihm wirklich gefährlich werden.
So bescheuert sich Áluka dabei auch vorkam, er tat das einzig Mögliche, um sich Zeit zu verschaffen.
Er hob die Arme um seine Waffenlosigkeit zu präsentieren.
„Hunger“, antwortete er mit krächzender Stimme wahrheitsgemäß. Das er lange nicht mehr gesprochen hatte war deutlich hörbar und er musste mehrere Male schlucken um seine Stimme nicht gänzlich zu verlieren. Allerdings sagte er auch nichts mehr, sondern sah den blondhaarigen Hünen nur stumm, dafür recht offen, entgegen. Es erschien Áluka nun am Klügsten einfach ruhig zu bleiben, denn nur allzu schnell konnte der Pfeil von der Sehne fliegen und verheerenden Schaden anrichten.
Und er war jetzt nicht so weit gekommen um sich von so einem dämlichen Menschen niederschießen zu lassen!
[color=darkred]Lächeln ist die eleganteste Art einem Gegner die Zähne zu zeigen![/color]

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Beitrag von Catigern » Mo, 09. Jun 2008 19:03

Von Angesicht zu Angesicht

Ein Wort schien dem Eindringling als Antwort auszureichen um seinen Einbruch zu erklären. Hunger. Drangsal und Bedürftigkeit nach Nahrung. Dies eminente Gefühl kannte jedes Lebewesen gleich welcher Intelligenz es auch gebar. Catigern zerkaute einen Fluch zwischen den Zähnen unterdessen er den Fremdling aus zusammen gekniffenen Augen musterte. Seiner äußeren Erscheinung nach musste es sich bei dem drahtigen Kerl um einen Wanderbettler oder irgendeine andere traurige Gestalt handeln, denn der Leib unter den zerrissenen und oftmals geflickten Kleidern war dünn obgleich der Schneeläufer nicht den Fehler eingehen wollte dies als Grund anzuführen es mit einem Wehrlosen zu tun zu haben. Eine seltsame, nicht zu bestimmende Aura des Ominösen umgab den Dieb mit den mysteriösen Farbschattierungen im Haar, die im Scheine der einzig brennenden Kerze – die er wohl zwischenzeitlich angesteckt haben mochte - in unterschiedlichen Brauntönen schimmerten. Aber sein Schopf war bei weitem nicht das was den Nordländer am meisten verwirrte, ja, sogar nahe an die Grenze zur Beunruhigung tangierte, in ersten Umriss waren es die Augen des Fremden die ihm das Unheil prophezeiten, das vermeintlich einen Weg in seine Hütte gefunden hatte, denn diese Iriden waren von bersteinfarbenem Glanz und funkelten ihn aus dem schlanken Gesicht heraus an.

Catigern lief ein eisiger Schauer über den Rücken, er hatte schon viel gesehen und schon viele Gefahren, gleichgültig ob der Launen der Natur oder denen der Raubtiere getrotzt, aber jener hier war etwas anderes. Er war sich bei diesem nicht sicher ob die Natur seine Existenz guthieß oder sie überhaupt… erlaubte. Vor ihm stand ein Wesen das auf den ersten Blick aussah wie ein Mensch aus Fleisch und Blut, doch auf den zweiten erkannte man Merkmale die nicht zur Schöpfung der Götter gehören mochten. Die Haare, Augen und die merkwürdig angespannte Körperhaltung, ähnlich die einem sprungbereiten Wolfes, kurz bevor er seine Hände zur Ergebenheit erhob, ließen Catigern äußerste Umsicht an den Tag legen.
Ohne die Aufmerksamkeit auf den rätselhaften Fremden schwinden zu lassen, ließ der Hausbesitzer seinen Blick flüchtig über die geplünderte Vorrätekammer und das zum Teil auf dem Boden verteilte Essensgut schweifen. Wer immer er war, er hatte sich ein ausgiebiges Mahl auf seine Kosten genehmigt…. Und war dabei nicht besonders wählerisch gewesen. Hunger war ein grausamer Dämon der an den Eingeweiden zerrte, der Kerl musste knapp vor dem Darben gestanden haben. Dem Krächzen seiner Stimme nach zu urteilen, hatte er auch schon ziemlich lange nicht mehr gesprochen. Die Fähigkeit zu sprechen schien bei ihm keinen bedeutenden Stellenwert einzunehmen.

„Hm, hast dir ja ganz schön den Wanst voll geschlagen… hoffe es hat gemundet. Das Fleisch war eigentlich für die raueren Zeiten eingelagert gewesen, unter anderem für meinen Wanst… doch nun, hinfällig… du hast alles hinuntergeschlungen. Beachtlich.“ kommentierte er und unternahm größte Anstrengungen ein zorniges Grollen aus seiner Stimme zu verbannen. „Was soll ich jetzt mit dir machen? Du bist in mein Heim eingedrungen, hast mir meine Vorräte weggefressen, denn gestohlen kann man es wohl kaum noch nennen, und ich habe dich rechtens ertappt. Deinetwegen muss ich die nächsten Monde wahrscheinlich Hunger leiden ebenso wie du noch vor wenigen Stunden… mit dem Unterschied das ich dir meine Knappheit nun vergelten könnte indem ich dir den befiederten Tod bringe.“ In die letzten Worte hatte sich dann doch die Bitterkeit geschlichen und die Lautstärke war unbewusst hochgeschnellt. Als Catigern das bemerkte, stöhnte er resigniert auf und senkte um einige Fingerbreit den Bogen. Die Pfeilsitze zeigte aber weiterhin auf die Brust des Einbrechers mit dem glimmenden Augen. „Sei froh, dass ich kein Mörder bin oder einer der Vergnügen am töten findet. Nachdem du nun eines meiner Schlösser zerbrochen, meine Hinterlegungen verzehrt und mir die Nacht mit deiner Anwesenheit versüßt hast, sag mir gefälligst wer du bist… so einen wie dich habe ich noch nie gesehen und weswegen hast du so seltsame Augen? Woher kommst du? Erschreckst du in deinem Heimatland damit die kleine Kinder?"

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