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Haare, Mond und Blut

Die weiße Hauptstadt in der Eiswüste.
Áluka
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Beitrag von Áluka » Di, 10. Jun 2008 11:57

Sollte Misstrauen etwas Greifbares sein, so wäre Áluka mit jenem sicherlich erschlagen worden. Die zusammengekniffenen Augen und die mahlenden Kiefer sprachen nicht gerade für große Freude seitens des Hausbesitzers. Aber wer war schon über einen Einbruch glücklich? Deutlich spürte Áluka den argwöhnischen Blick zuerst auf seinen Haaren, dann auf seinen Augen ruhen. Da war es wieder, das grausame Gefühl, der Schmerz, angesehen zu werden wie… eine Bestie. Wahrscheinlich hatten seine Augen wieder einen helleren Ton inne als üblich, was den Nordmann so irritierte. Der Werwolf konnte seine Reaktion nur allzu gut verstehen, aber dennoch mischte sich wieder die alte Schmach seiner Ausstoßung mitsamt der gestauten Wut auf alle Menschen, zu einem bitteren Klumpen, der seine Nahrung im Magen heftig in Wallung brachte.
Deutlich erkannte man die hervortretenden Kieferknochen des Werwolfs, die aufgrund der zusammengebissenen Zähne hervorragten. Zu seinem Glück blieb der blonde Mann recht gelassen, selbst wenn ein Grollen in seinen Worten mitschwang. Das beruhigte den Werwolf beinahe schon, denn es zeigte eine natürliche, menschliche Reaktion und damit Berechenbarkeit. Die nächsten Worte bestätigten seinen Verdacht nur – man hatte also nicht vor ihn niederzuschießen. Zumindest nicht wegen seines Diebstahls.
Langsam ließ er seine Arme wieder sinken, dabei straffte er etwas die Schultern und wirkte ein wenig mehr wie jemand, der nur darauf wartete sich irgendwo abzustützen um seinen Angreifer entgegen zu springen. „Ich wollte nicht, dass statt mir jemand anderes Hunger leiden muss.“ Er hob die Schultern etwas an, was deutlich machte, dass er sich aber auch keine Gedanken um die Folgen seines Vergehens gemacht hatte. Wer tat das schon mit einem Loch im Magen und schwindend geringen Kräften? In seiner vorherigen Lage wäre ihm wahrscheinlich noch nicht einmal eine Verwandlung geglückt, denn diese zerrte immerzu an seinen Reserven, von denen gar keine mehr vorhanden waren.
Mit jedem gesprochenen Wort klang die Stimme weniger brüchig und gewann ihre alte Tonlage wieder. Der Bogen wurde etwas gesenkt, würde aber trotzdem noch seine Brust durchbohren, sollten die Finger den Pfeil loslassen. Eine tödliche Verletzung? Solange es sein Herz nicht traf… der Gedanke, sich loszureißen und eine Wunde in Kauf zu nehmen, wurde schon in Erwägung gezogen, selbst wenn es eigentlich unsinnige Kraftverschwendung war und dazu die Gefahr mit sich brachte, in Raserei zu geraten. Andererseits trieb ihn sein mehr animalischer Fluchtinstinkt dazu, darüber nachzudenken.
Als es offen zu seinem Äußeren, besonders seinen Augen kam, wandte Áluka den Blick ab. Mit jemanden zu sprechen, der auch noch offen sein Misstrauen zugab, war für ihn besonders schwierig. Allein schon mit einen Menschen zu sprechen verlangte ihm einiges ab. Er ließ einige Augenblicke verstreichen, ehe er wieder aufsah. Waren die Augen ein wenig dunkler, brauner, geworden, oder bildete man es sich nur im geringen Licht ein?
„Mein Name ist Áluka, ich bin … ein Wanderer aus den Wilden Landen. Fragt mich bitte nicht, was mich so weit in den Norden getrieben hat, ich kann es Euch nicht beantworten. Ich glaube, es war der Größenwahnsinn… wahrscheinlich ist dies auch der Grund für das Funkeln in meinen Augen.“
Er setzte seinem letzten Satz die Andeutung eines schiefen Grinsens hinzu, was ihn schon wieder unglaubhaft machte. Aber mit der Wahrheit würde er nicht rausrücken, niemals! Lieber verwandelte er sich vor aller Augen in eine reißende Bestie um das mit Worten zu umschreiben, was er war. Zum einen ersparte er sich dann die ungläubigen Blicke, zum anderen besaß er nicht den nötigen Wortschatz um die Grässlichkeit seiner wahren Natur zu beschreiben.
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Catigern
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Haare, Mond und Blut

Beitrag von Catigern » Do, 12. Jun 2008 21:51

Auf Tuchfühlung

Nach seinem Gebaren zu urteilen stellte der Dieb anscheinend keine große Bedrohung dar. Sein zerlumptes Äußeres war seinem Charakter angemessen, Catigern mutmaßte das sein Gegenüber sich vorzugsweise nicht in der Nähe von Menschen aufhielt, das verrieten sowohl seine angestrengte Haltung als auch die spärlichen Auskünfte die über seine Lippen kamen. Er hatte kleine Langfinger unter den Kindern von Norr Bharrak erlebt die spitzfindiger in der Erdichtung von Ausreden gewesen waren, als dieser Knilch es hier gar nicht erst versuchte. Immerhin teilte er mit ihm die Abneigung sich wohl inmitten einer Meute von Lebewesen zu befinden oder gar das Herz einer Aufmerksamkeit zu werden. Trotz und alledem war er ihm unheimlich auf eine gewisse Art und Weise die er sich einfach nicht erklären konnte. Der braunhaarige Mann machte beinahe den Eindruck das er seine Zunge lediglich zum kauen, schlucken oder ertasten von Geschmäckern gebrauchte, jedoch weniger um damit eine Sprache zur Verständigung zu bilden. Er musste sich wirklich lange in der Fremde aufgehalten haben um seine Redegewandtheit derart einzubüßen. Aber das war nicht alles was dem wachsamen Schneeläufer auffiel, auch vermeinte er zu beobachten wie sich das Glühen in den Augen leicht abschwächte, sich hierfür aber die Proportionen im Gesicht des Eindringlings verschoben, wobei die Knochen der Kieferpartie weiter vorstachen… oder spielte der flackernde Kerzenschein ihm bloß einen Streich?

Es musste so sein, entschied er. Das klamme Gefühl blieb vorerst dennoch in seinem Magen.
„Áluka also, hm… ein Wanderer aus den wilden Landen. Die sind nicht gerade hinter der nächsten Böschung, hast ja einen ganz schönen Weg hinter dir was? Kein Wunder das du esslustig bist wie ein ausgehungerter Wolf. Anstandshalber hättest du warten und mich fragen können ob ich meine bescheidenen Vorräte mit dir teile, so… hast du dich selbst bedient und nur wenig übrig belassen. Sei’s drum, geschehen ist geschehen.“
Catigern brummte kurz etwas Unverständliches in seinen Bart, rang sich weitere Worte ab. „Kann verstehen dass du dich im Augenblick nicht sonderlich wohl in deiner Haut fühlst, aber du tätest gut daran mir doch ein wenig mehr über dich preiszugeben, schließlich muss ich erst noch einen Grund finden dich nicht als Gefahr für mich und die meinen anzusehen. Wir sind … friedliebende Menschen und können hier oben keine Störenfriede oder Unruhestifter gebrauchen. Zumindest nicht wenn sie nicht bereit sind mit dem Fortzufahren was sie bisher schändliches in ihrem Leben getrieben haben. Deine Aussage eröffnet mir nicht gerade das du nicht eben solche einer wärst… die wenigsten, eigentlich niemand, kommt aus freien Willen in den Norden wo es keine Wärme und Bequemlichkeit, sondern nur Kälte und Unzulänglichkeit gibt. Und Größenwahnsinn ist für mich nur eine Ausflucht, du erscheinst mir nicht irre, vielleicht nicht unerheblich weltfremd, aber du streunst ja gewiss schon so einige Monde Mutterseelen allein herum.“
Er legte eine bedächtige Pause ein, ließ seine kleine Ansprache wirken und atmete einmal tief ein und aus, ehe er es zum Abschluss brachte. „Also, bevor ich diesen Bogen senke wirst du mir ein paar Happen mehr hinwerfen müssen was dich betrifft, ansonsten sei gesagt ich kann diese gespannte Sehne nicht ewig zurückhalten.“


Knapp eine Meile südöstlich von Norr Bharrak

Die Nacht hatte ihre finsteren Schwingen ausgebreitet und hüllte das Land ein. Das bleiche Auge des Mondes schwebte halbgeöffnet am Sternegespickten Firmament und ließ die schneebedeckten Ebenen von Zeit zu Zeit hell aufleuchten und die Eisflächen glitzern, wenn es den die schwarzen Wolken erlaubten, die sich stetig vor ihn schoben. Die Täler des Nordens lagen schlafend da, still und vergessen in ihrer frostklirrenden Wiege. Allgegenwärtige Stummheit herrschte hier. Nur der Wind hatte die Macht von den eisigen Gipfeln zu heulen, sonst war da nichts, für gewöhnlich nicht ein Laut der dieses Bild störte. Aber diese Nacht war anders. In ihrer sonst so unbelebten Wüste tat sich etwas, bewegte sich etwas, nährte sich etwas…
Dunkle Flecken warmen Blutes ließen den Schnee an mehreren Stellen schmelzen. Herausgerissene dampfende Eingeweide hingen wie erschlaffte Würmer aus dem aufgeschlitzten Leib eines grausam erlegten Opfertiers. Gebrochene Äuglein spiegelten das Sternenlicht wider, den letzten Ausdruck des schrecklichen Überfalls verinnerlicht. Über dem bereits zur Hälfte ausgeweideten Tier hockte eine Kreatur. Ihr breites Maul war mit dolchartigen Reißzähnen angefüllt dass das Fleisch des erjagten Tieres genüsslich schmatzend verzehrte. Die Klauen in denen die Arme des fürchterlichen Wesens endeten, schälten das nahrhafte Bindegewebe von den Knochen und schaufelten es empor. Ein Schwanz mit sanftem Flaum strich hierbei erregt über den Boden.

Die Szenerie an sich war schon eine Perversion, ein Umstand der eigentlich nicht von der Natur gewollt oder je beabsichtigt gewesen war. Selbstredend war das Verhalten von Raubtier und Beute in den nördlichen Gefilden nicht von denen anderswo zu unterscheiden, denn überall gab es solche Konstellationen in der Tierwelt, doch allein die Tatsache das eines der beiden Wesen die sich dort befanden – oder befunden hatten – existierte, war schon ein Schandmal an der Schöpfung selbst, eines das nie von den Göttern vorgesehen gewesen war. Das besagte Wesen trug hieran nicht einmal die Schuld, es war einmal ein von eben von jenen Göttern geliebtes Geschöpf gewesen, wurde aber von einem niederträchtigeren zu dem gewandelt was es nun war. Eine rasende Bestie, des Nachts ohne Sinn und Verstand. Einzig nur wenn es ums Fressen ging oder… den Befehlen seines Meisters zu gehorchen, dann kehrte etwas wie Klarheit in seinen beharrten Schädel mit den spitzen Ohren, den buschigen Brauen und der witternden Nase ein. Und die Sinne dieser Kreatur, deren Leib groß und muskulös war, verfügte über außerordentliche Sinnesreize.
Derartig ausgeprägt das er ein Geruch wahrnahm, sogar über das blutige Festmahl hinweg, das ihn hochfahren und die Nase schnüffelnd in den Wind stecken ließ. Der Resonanz eines bekannten, fast vertrauten Geruches wehte ihm entgegen, ähnlich dem Nachhall eines Geräusches… und doch haftete jenem unsichtbaren Echo etwas anderes an, etwas Befremdliches… das mutierte Geschöpf bestimmte, so roch nicht der Meister, aber womöglich würde seine Entdeckung für ihn von Interesse sein...

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Beitrag von Áluka » Mo, 16. Jun 2008 23:44

Beinahe hätte Áluka entnervt aufgestöhnt, als dieser Hüne ernsthaft noch mehr Informationen verlangte. Bis auf eine kleine, entscheidende ‚Nebensächlichkeit’ gab es wirklich nichts weiter, was der Werwolf hätte über sich erzählen können, nichts wusste. Aber eines musste er dem Mann aus dem Norden schon lassen; Er hatte präzise erfasst, dass es sich bei Áluka um einen weltfremden Streuner handelte, der Menschen mied und wahrscheinlich nicht im herkömmlichen Sinne irre war. Aber was hieß schon Wahnsinn? Áluka empfand seine ganze Existenz als einen Wahn, niemals fand er Ruhe, konnte sich bequem zurücklehnen und die Beine baumeln lassen, wie man so schön sagte. Stattdessen trieb ihn die ständige Unruhe und Gier vorwärts, die niemals erlöschen werden würde. Daran zweifelte er jedenfalls nicht. Diese ganzen Gedanken stimmten ihn auf eine unbestimmte Art und Weise fast schon trüb, zumindest legte sich wieder dieser kalte Schleier auf den Ort, wo das Herz in regelmäßigen Rhythmus schlug. Dumm-dumm, dumm-dumm… zeitlos und stetig, mal beschleunigt von berauschenden Jagden, ansonsten doch sehr teilnehmungslos. Fast schon beneidenswert so ein Leben in einer Hütte, seinen festen Platz in einem Leben zu haben, an das man hing.
Wieder hob er etwas hilflos die Schultern. „Was soll ich sagen? Ich habe nicht vor Unruhe oder Schaden zu machen. Außerdem ist dies nicht das Ende meiner Reise… wenn Ihr mich gehen lassen würdet, sähet Ihr mich wahrscheinlich nie wieder.“
Er fixierte die Augen in den Seinen und kurz hob sich ein Mundwinkel, wobei dabei weniger der Eindruck eines Lächelns entstand, sondern eher des eines hämischen Grinsens, wonach man gut und gerne einen Angriff erwarten könnte.
Dieser blieb allerdings aus.
Das Grinsen war ebenso schnell wieder verschwunden und ein Schnaufen seinerseits war zu hören. „Aber Ihr habt Recht: Ich bin ein Landstreicher, der sich das holt, was er braucht. Tut mir Leid, dass gerade Eure Hütte in mein Jagdschema passte.“
Jagdschema, eines der verbotenen Worte, die ihn daran erinnerten, dass sich sein körperlicher Zustand um einiges verbessert hatte. Fehlte noch ein Tag voll Schlaf und er fände schnell wieder zu seinen ursprünglichen Kräften zurück. Und damit kam auch sein Selbstbewusstsein wieder. Beinahe schon herausfordernd sagte er in leichteren Ton, der fast vollkommen das nicht schön anzuhörende Kratzen mehr innehatte: „Friedliebend sagtet Ihr? Diese drei Krieger in voller Rüstung und mit stolzen Waffen heute Abend sagten mir aber etwas anderes. Und solltet Ihr sie ebenfalls nicht kennen –was ich fast schon glaube- dann fragt mich nicht, ob ich es tue. Ich habe sie noch nie zuvor gesehen, an deren Anblick hätte ich mich erinnert.“
Ihm dämmerte aber schon, dass diese drei Krieger nach etwas suchten, dass entweder direkt etwas mit dem streunenden Werwolf zu tun hatte oder aber nur indirekt. Vielleicht passte sein Äußeres auch einfach nur zu einer gesuchten Person? Beide Möglichkeiten führten dazu, dass es in diesem Ort bei längerem Aufenthalt noch unbequem werden würde, aber die Neugierde war da. Man wagte es also einen Jäger zu jagen? Wenn dem so war, was hatten sie denn so für Fallen in Petto? Alles in allem hatten sie nicht gerade wie Laien ausgesehen, da konnte man sogar etwas erwarten, was eine Herausforderung versprach.
Dieser Gedanke war durchaus aufregend.
Leise rollten sachte Wogen der Jagdlust über sein Gemüt und verscheuchten alle noch so trübsinnigen Gedanken, die sich vor kurzem noch angebahnt hatten, schlagartig. Vielleicht würde es in diesem Dörfchen doch noch spannend werden und mit einer neu angefressenen Fettschicht und einem dichten Pelz, konnte man sich durchaus Schnee und Waffen entgegenstellen.
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Haare, Mond und Blut

Beitrag von Catigern » Mi, 18. Jun 2008 19:27

Einigung?

Na bitte, er sprach, das war ja schon einmal etwas. Der erste Schritt auf dem oftmals steinigen Weg zur Kontaktaufnahme und einem gegenseitigen Verständnis, das sich häufig bei vielen Menschen schon zu Anfang missen ließ. Catigern lauschte den Erzählungen seines unvermuteten Gastes und sein noch immer vom Ale leicht benebelter Verstand, obgleich die Entdeckung des Einbruchs in geradezu schlagartig wieder hatte nüchtern werden lassen, bemühte sich redlich alles aufzufassen und zu verarbeiten was zu hören bekam. Keine besonders gewichtslose Aufgabe mitten in der Nacht nach einem ereignisreichen Tag wo er sich doch einfach nur noch auf seine Liegestatt gefreut hatte.
„Nichts da mein gelbäugiger Freund, ich lasse dich nicht so mir nichts dir nichts einfach so wieder durch eine meiner Türen herausspazieren ohne das du für das Rechenschaft abgelegt hast was du tatest. Mag sein das du keinen Schaden anrichten wolltest, aber die Tatsache das du dir widerrechtlich etwas angeeignet hast, etwas von Dingen die eindeutig nicht dir gehören, muss eine Bestrafung nach sich ziehen oder findest du nicht? Was würdest du an meiner statt tun? Dich einfach so gehen lassen nach dem was du verbrochen? Wohl kaum, niemand bei klaren Gedanken würde das. Darum verbiete ich dir den stillen und heimlichen Abgang.“ Festem und unnachgiebigem Tones hatte er dies von sich gegeben und bemerkte das beunruhigende Lächeln auf den Zügen seines Gegenübers. Der Kerl hatte buchstäblich etwas Drohendes an sich. Und auf seine Frage bezüglich seines unheimlichen Äußeren war er nicht einmal eingegangen, als sparte er dieses Thema absichtlich aus oder redete nicht gerne darüber.
Verständlich, wer erzählt einem anderen schon unaufgefordert das man anders ist, womöglich ein Dämon…

Der blonde Nordmann betrachtete Áluka aus blau funkelnden Augenschlitzen. Er wagte nicht den Bogen weiter zu senken, dafür war ihm der Fremde, dessen Name er nun zwar wusste, der jedoch keinen Deut mehr Vertraulichkeit geschaffen hatte, immer noch zu übelbeleumdet. Vor allem war bemerkenswert das er die drei Krieger erwähnte und mit sich in Verbindung brachte. Das ließ den Schneeläufer einige Verknüpfungen in seinem Kopf binden auf die er möglichenfalls erst sehr viel später oder nach einer vollen Nacht des Schlafes gekommen wäre. Der Gedanke dass dieser Vagabund etwas ausgefressen haben musste, festige sich immer stärker in Catigerns Verstand.
Behutsam nahm er den Faden auf: „Die Krieger die du sahst stammen nicht von hier. Nicht aus dem Norden. Nicht auf dem unvergänglichen Eis. Ebenso wenig wie du. Ihre Haut ist nicht so weiß wie die unsere und ihre Schöpfe nicht von der Farbe der wilden Menschen oder jenen die hier geboren sind. Auch der Grimm in ihren Augen kommt nicht aus diesen Landen, er wurde woanders geschürt und trieb sie wohl nur hierher…“
Sein Blick schien Áluka zu durchbohren. „aus welchem Grunde auch immer. Trotz deiner Ahnung kannst oder willst du es mir wohl nicht sagen. Nun, deine Sache. Falls es für dich von Belang ist kann ich dir aber berichten dass die drei Ausländer festgesetzt wurden und zumindest vorerst keinerlei Bedrohung mehr darstellen dürften.“
Nachdem er ihn eingehend gemustert hatte, lockerte Catigern jetzt Scharfblick wie Haltung um Bereitwilligkeit zu demonstrieren. „Und da du nun in meiner Schuld stehst, schlage ich vor du entspannst deine gestrafften Muskeln und ich gewähre dir Obdach für diese Nacht und für die nächstfolgenden, solange bis du bei mir das abgearbeitet hast was du angerichtet hast. Ehe meine Vorräte nicht wieder aufgefüllt sind verschwindest du mir nicht, andernfalls sehe ich mich gezwungen dich der Turmwacht zu melden. Eine Lösung die mir genauso wenig gefallen würde wie dir. Deine Antwort?"

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Beitrag von Áluka » Mo, 23. Jun 2008 18:57

An seiner statt? Wie bitte? Als wenn Áluka so etwas wie einen Sinn für Recht und Ordnung besäße. Er regelte solcherlei Angelegenheiten anders. Mit Zähnen und Klauen! Der Stärkere könne sich bereichern, der Verlierer von dannen ziehen, sofern er noch Beine besäße. Allein um der Situation noch mehr Würze zu geben, hätte Áluka am liebsten nun geknurrt und die Zähne gefletscht, aber er konnte sich gerade noch zusammen reißen. Er hatte so viele Verhaltensregeln abgelegt, die in der Gesellschaft getragen wurden, dass es ihm unglaublich schwer fiel sich als einer von ihnen auszugeben. Was interessierte er sich schon für Gerechtigkeit, Moral oder Ethik? In der Natur herrschten andere Gesetze und in manchen Wäldern nur seine. In Wäldern, die er zu seinem Revier auserkoren hat, schon lange aber nicht mehr besucht hatte.
Wurde Zeit, dass er dies mal wieder tat.
Der Nordmann wollte Áluka anscheinend die Wahrheiten aus den Augen lesen, aber der Werwolf blieb beharrlich und erwiderte den Blick ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken. Mit dem gleichen leichten Tonfall griff er die unausgesprochenen Anschuldigungen auf. „Ich mag vielleicht nicht immer ehrlich sein und eine ganze Liste von kleineren Sträflichkeiten an mir tragen, aber ausnahmsweise habe ich in dieser Gegend nichts weiter getan als vielleicht einen Hasen und ein Schneehuhn gejagt und sie mir als Abendbrot gegönnt. Ich glaube kaum, dass sich deswegen solche gerüsteten Krieger auf mich stürzen, oder?“
Er lehnte sich etwas zurück und spürte den Esstisch an seinem Hintern, wogegen er sich schließlich auch gänzlich lehnte. Diese Haltung ließ ihn zwar ein wenig abweisend, allerdings weniger bedrohlich wirken. „Ihr könnt mir also glauben, wenn ich beteuere, nichts getan zu haben, was irgendjemanden in diesem Land aus Eis und Schnee Schaden zugefügt hat.“

Auf einmal fiel auch etwas Anspannung von dem Nordmann ab und Áluka glaubte schon, er würde ihn endlich entlassen, da unterbreitete er ihm den Vorschlag –nein, er befahl ihm- seine Schuld abzuarbeiten. Die Miene entgleiste und sprach von Unglauben. Er ließ sich von niemanden vereinnahmen und versklaven. Das wäre ja gelacht! Einen Wolf an Ketten legen und ihn für sich arbeiten lassen.
Keine Kette würde ihn jemals halten können.
„Äh…“
Wenn Áluka jemals wirklich glaubwürdig und ehrlich ausgesehen hatte, dann in diesem Augenblick, wo er überlegte, was er tun sollte. Greif ihn an, reiß ihn nieder und verteile seine Einzelteile im gesamten Dorf, dass auch jeder sehen kann, was geschieht, wenn man ein Wildtier in Ketten legen will! Seine Kiefer malten aufeinander und er warf einen Blick auf die Speisekammer, dann auf eines der Sofas.
Sah bequem aus.
Und er dürfte hier sogar rechtens übernachten, hatte sozusagen den Segen des Hausherren. Müsste nicht bei jedem Laut aufschrecken und nach dem Rechten sehen. Eine Überlegung war es wert… und was am folgenden Tag geschehen würde, konnte ja noch beschlossen werden. Vielleicht war ihm morgen zum Frühstück der Sinn nach Frischfleisch. Ja, vielleicht.
„In Ordnung. Ich kann aber nicht kochen, solltet Ihr mir solcherlei Arbeit aufbürgen wollen.“ Langsam wanderte sein Blick wieder zum Nordmann. Es dürfte wohl reichlich verwunderlich sein, dass Áluka erst dann einschlug, als er seine Übernachtungsmöglichkeit ins Auge gefasst hatte.
Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich irgendwann vor Morgengrauen absetzen würde, war um einiges höher als die, dass er wirklich Arbeit verrichten würde.
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Beitrag von Catigern » Fr, 27. Jun 2008 18:40

Wehklagen in der Dunkelheit

Müßig noch weiter den bedrohlichen Eigentümer zu mimen und seine Muskeln für den gespannten Bogen zu überbeanspruchen nickte Catigern schließlich ob der Einwilligung des dunkelhaarigen Mannes und nahm die Spannung von der Waffe. Der Pfeil wanderte zurück in den Köcher, der Bogen aus Eschenholz lag wieder entkrampft in seiner rechten Hand. Aus noch leicht verengten Augen musterte er Áluka - irgendetwas im hinteren Teil seines Verstandes flüsterte ihm nach wie vor zu das es keine besonnene Idee sei diesem Kerl Unterschlupf zu gewähren wobei er nicht einmal wusste wer jener genau war – doch er schüttelte Gedanken wie prüfenden Blick ab und drehte sich um. Mit der oberen Spitze seines Bogens deutete er auf den Hauptraum und die mit Luchs und Karibufellen bezogene Holzbank die dort vor dem Kamin stand. „Gut, dann haben wir eine Übereinkunft Áluka der diesem Land aus Eis und Schnee und seinen Bewohnern keinen Schaden zufügen möchte, außer den das er ihnen das Pökelfleisch wegisst.“
Er sagte dies mit einem ironischen Unterton und hoffte sein „Besucher“ würde diesen kleinen Klaps nicht falsch verstehen. „Und nein bei Rhelun, nichts für ungut, aber einen wie dich lasse ich bestimmt nicht noch einmal in die Nähe meiner Vorräte somit bist du auch von der Aufgabe des Garens oder Köchelns befreit. Ach ja, wehe dir du hast Läuse oder andere unliebsame Kleinstgeschöpfe an dir haften, dann musst du mir die Felle bezahlen oder frische zum Augleich besorgen. Aber genug dem jetzt, ich bin hundemüde und will mich endlich aufs Ohr hauen…die Nacht war schon lang genug.“

Damit wandte er sich endgültig um und stampfte zu der Treppe hinüber. Seine Stiefel polterten auf den ersten hölzernen Stufen, dann hielt er im Schritt nochmals inne und rief hinunter: „Noch was, tu mir den Gefallen und komm gar nicht erst auf den niederen Gedanken über Nacht das Weite zu suchen oder mir im Schlafe die Kehle aufzuschlitzen, beides wird dir hier oben im Norden hundertfach vergolten werden, dessen sei dir gewiss. Ich weiß nicht ob es einen Begriff wie Ehrenschuld gibt von dort woher du stammst, aber hier bei uns wird er hoch gehandelt und geschätzt. Ich will nicht dein Feind sein… mache mich also nicht unnötigerweise dazu. Also, schlaf ruhig und achte nicht auf das Heulen des Windes und der Wölfe.“ Er hatte die Worte sorgsam gewählt um sicherzugehen das sie auch tief dringen würden. Für einen Augenblick war er sogar selbst der Meinung viel zu Mildtätig zu sein, seine Güte schrie ja beinahe zum Himmel. Wildfremde, die ihn zuvor beraubt hatten, einfach so eine Nacht in seinem Hause darzubieten. Wer vernünftigen Geistes tat so etwas?
Selbstredend ich, und darüber kann er redlich glücklich sein, ein anderer hätte ihn vielleicht schon niedergestochen oder über die Mauern der Drachen gejagt. Hoffentlich bereue ich das nicht und hoffentlich gibt es kein böses Erwachen…


Nahebei den Eisklippen, nordwestlich von Norr Bharrak

Die weitläufige Höhle glitzerte an Myriaden Ecken, Kanten, Zacken, Wölbungen und Flächen und spiegelte das orangene Licht von einigen Kerzen wider. Kerzen, die wie Fremdkörper inmitten dieses natürlichen Eispalastes wirkten und ihren warmen Schein mit dem vom Azur, Aquamarin und Saphirblau vermischte, welche die Grotte in ihr ursprüngliches Licht tauchte. Ein Federkiel kratzte über feste Unterlage. Ein Mann atmete stoßweise oder vergaß es hin und wieder gar, wenn er sich allzu sehr in seine Arbeit vertiefte. In ihr versank ohne noch etwas um sich herum wahrzunehmen. Das kritzelnde Geräusch wie auch sein abgehackt ausgestoßener Lebensodem, der sich in weißen Wölkchen vor seinen Mund kristallisierte, wurde leise von den gläsernen Wänden aufgesogen und als Echo wieder freigegeben, das es fast wie ein Seufzer klang.

„Moraniskraut… Distelwurz… Haudenstrauch… Güldenknolle… eine Silberträne… Säuglingsrippe… ich hatte doch alles beisammen… alles… woran ist es nur gescheitert…? Woran…?“ Eine dürre Hand schlug gegen eine Schläfe und Knöchel klopften wie wild dagegen. „Wieso weigert sich mein Intellekt das zu begreifen… warum? Weshalb verschließt sich mein Hirn vor dieser, alles auflösenden Erkenntnis? Warum werde ich weiter bestraft… immer weiter bestraft… irgendwann muss es doch vorbei sein… warum ich? Oh ihr verfluchten Götter, warum habt ihr mich verdammt? Für die Ewigkeit verdammt?“
Die immer lauter gewordene Stimme hallte von den reflektierenden eisigen Formationen wieder. Ungehört, wiederholten das gepeinigte Ausgesprochene um ein zusätzliches Mal, aber gaben keine Antwort.

„Meisterrrr?“

Der sitzende Körper zuckte zusammen. Die pochende Hand fiel auf den Tisch aus geformten Eis, der Stell und Ablagefläche für vielerlei absonderliche und kuriose Apparaturen war und auf dem der gequälte Mann seine Aufzeichnung verrichtete. Die Augen des Mannes, von einem blassen Blau, durchsetzt mit goldenen Sprenkeln, sahen herab auf den Handrücken und wandten dann das Angesicht ab. „Was ist Bridhel? Ich habe doch gesagt das ich nicht gestört werden will… was ist also derart von Wichtigkeit das du mich unbedingt aufsuchen musstest?“

Das Wesen neigte ehrfürchtig das Haupt zwischen die Schultern und zog die langen Krallenarme vor die beharrte Brust, sein Schweif hing schlaff herab, die spitzen Ohren zitterten. „Verrrrzeihtt, Meisterrr, aberrrr da isttt ettttwasss dassss ihrrrr wissssssen solltttetttt.“

„Ah ja?“ hakte der Gelehrte nach, dessen Haare die Farbe vom Gefieder des Raben aufwiesen und erhob sich von seinem Thron aus erstarrten Frost. Ging leichtfüßig zu seinem Untergebenen. Die Gewänder vom feinen Schnitt flossen an seinen schlanken Leib herab wie Wasser von einem Gefälle. „Dann zeige es mir.“ befahl er und legte seine Fingerspitzen an die Schläfen seines Untierhaften Gegenübers… und drang in seinen Geist ein, schmeckte das gerissene Fleisch, roch die Natur außerhalb der Höhle, rannte über Schneefelder, spähte von Anhöhen hinab ins Land, folgte der gewitterten vertrauten Spur… brach die Verbindung ab.
„Beachtenswert.“ war das einzigste was daraufhin seine dünnen Lippen verließ. Danach tätschelte er dem ihn überragenden Tigún einen muskulösen Oberarm. „Du hast die richtige Entscheidung getroffen rasch zu mir zu kommen Bridhel. Du bist ein guter und gescheiter Diener… aber lasse mich nun wieder allein. Ich muss über etwas, über vieles nachdenken…“ Mit einer Handbewegung entließ er die Bestie und kehrte zu seinen Gerätschaften zurück. „Vielleicht ist doch noch nicht alles verloren… und morgen Nacht erstrahlt die Silberkugel wieder im vollen Glanze, gestattet mir eine weitere Gelegenheit meiner Verdammnis zu entkommen…"

Áluka
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Beitrag von Áluka » Mo, 30. Jun 2008 18:09

Ein Grinsen huschte über Álukas Lippen, als der Nordmann meinte, er lasse ihn nicht mehr in die Nähe des Vorratsschrankes. Aber das musste er auch gar nicht, jetzt, wo er wieder genügend Kraft besaß selbst jagen zu gehen. Es fehlte noch ein erholsamer Schlaf und aus ihm würde der Jäger werden, der einst die Wälder in den Wilden Landen heimgesucht hatte. Die Sache mit den Läusen quittierte Áluka demonstrativ mit einem Kratzen am Hinterkopf, den schelmischen Ausdruck immer noch in der Miene. Sollte er einst Läuse gehabt haben; Sie waren sicherlich alle jämmerlich in der eisigen Kälte draußen erfroren. Und wenn nicht… na dann…
Dann wandte sich der Mann ab, dessen Namen Áluka noch nicht einmal kannte. Knarrende Laute gaben die Treppenstufen von sich, als dieser ins obere Stockwerk marschierte.
Einfach so.
Gut, eine Warnung wurde noch mitgeschickt, aber die interessierte den Werwolf weniger, jetzt, wo ihm die Schlafstätte einladend entgegen blickte. Schlaf… oh nein, heute Nacht würde er auf ein Blutvergießen verzichten, selbst wenn die Beute ein Schild halten würde auf dem stände: Friss mich. Jetzt wollte er nur noch eins; Schlafen. Mit diesen Gedanken reagierte er gar nicht mehr auf die ihm zugeworfenen Worte und strich sich den Mantel von den Schultern. Ihm kam der irrwitzige Gedanke, die Sache mit den Einbrüchen zu wiederholen, immerhin belohnte man ihn auch noch dafür. Ein voller Magen und ein warmer Schlafplatz waren weit mehr, als er erwartet hatte, als er die Tür aus den Angeln gerissen hatte.
Um einiges mehr.
Entweder war dieses nordische Volk extrem blöd oder einfach nur zu gutgläubig. Wie oft verirrte sich schon einmal ein Streuner, ein Landdieb, nach hier oben? Wahrscheinlich zu selten um sich daran zu erinnern, dass es auch noch Menschen gab, die anderes im Sinn hatten als Liebe zu machen und glücklich zu sein.
Achtlos ließ er seinen Lodenmantel auf den Boden fallen und griff nach einer Decke, die zusammengefaltet in einem Sessel lag. Sein Hemd zog er ebenfalls aus, froh einmal darauf verzichten zu können, wo er diese Kleidungsstücke doch ständig und dauerhaft getragen hatte… abgesehen von dem Pelz, der ihn vor den eisigen Nächten in der Eiswüste beschützt hatte. Ohne diesen wäre er jämmerlich erfroren. Die Stiefel wurden ins Nirgendwo katapultiert und der drahtige Leib huschte unter die Decke, legte sich auf die mit Fellen überzogene Bank und lauschte noch eine Weile in und um sich.
Ab und an streifte ihn ein kühler Luftzug aus der Spalte der beschädigten Tür, aber im Grunde war es ziemlich ruhig. Eine Stille, die er aus der Eiswüste her schon kannte. Einerseits empfand er sie als sehr angenehm, andererseits doch zu bedrohlich um sich sicher in den Schlaf wiegen zu können – abgesehen von dieser Nacht, die ihm soviel Erfreuliches gebracht hat, auf das er nicht verzichten wollte.
Und so sank er in den Schlaf, den sein Körper auch bitter nötig hatte.
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Beitrag von Catigern » Mo, 07. Jul 2008 22:58

Morgenstund

Als Stunden später der Morgen über die Nacht triumphierte und bleiche Sonnenstrahlen Catigern behutsam aus dem Schlaf in seiner Kammer weckten, wurde ihm zunächst ein Tatbestand bewusst der ihn erleichtert aufatmen ließ; er war noch am leben.
Schläfrigen Blickes schaute er zum hellen Viereck des Fensters seiner Kemenate und blinzelte mehrfach mit den Augen um die letzten Spuren der Müdigkeit aus ihnen zu treiben. Anschließend mühte er sich aus der Bettstatt, warf die schweren warm haltenden Wolldecken zurück und seine nackten Füße berührten die kalten Planken des Fußbodens. Lahm trottete er zu einer Tonschale, die auf einem Tisch neben dem Fenster stand und spritzte sich daraus eiskaltes Wasser ins Gesicht und auf den Oberkörper. Menschen, die nicht in den Gefilden des Ewigwährenden Eises geboren waren oder ohnehin wenig mit nie endenden Winter und ununterbrochener Frostigkeit zu tun hatten – oder einfach über ein schwaches Gemüt verfügten - ,wären bei der eisigen Reinigung vermutlich zusammengezuckt oder einem Herzstillstand erlegen, doch bei den abgehärteten Männern und Frauen des Nordens war diese Prozedur Gang und Gebe und diente lediglich der Auffrischung. Nur die Ahnung einer leichten Gänsehaut auf der muskulösen Brust des Schneeläufers war Zeugnis davon, dass das kühle Wasser auch ihn nicht vollends gleichmütig ließ.
Nachdem jene Erquickung ihm das Gefühl beschert das tausend kleinste Nadeln aus Eis sein Fleisch pikierten, stieg Catigern - endlich - aus der gefütterten Hose, die er gestern nicht mehr geschafft hatte auszuziehen bevor der Schlaf ihn übermannt hatte und kramte sich aus einem eigens geschnitzten Holzschrank, welchen er einst nach Vorbild der Städter angefertigt hatte, da sein Stamm keine derartigen Möbel kannte, ungetragene Tracht für den neuen Tag zusammen. Als dies erledigt und er fertig angekleidet war, schob er noch den Dolch in die Scheide seines rechten Stiefels und warf sich lässig den Waffengurt samt Breitschwert über die linke Schulter. Er brummelte genügsam und begab sich dann nach unten.

Innerlich musste sich Catigern eingestehen das er mehr als nur einen Hauch von Anspannung verspürte, als er die Stufen hinabschlurfte. Immer wieder drängten seine Gedanken in die Richtung dass es ein zu großes Wagnis gewesen war, den zweifelhaften Streuner aufgenommen zu haben und er nun das verstörende Ergebnis seiner Wohltätigkeit sehen würde. Ein Teil von ihm erwartete fast das der Kerl mit dem fremdländischen Namen Áluka über Nacht geflohen war und nebenbei noch allerlei Besitz eingesteckt hatte, das sich irgendwo noch zu klingender Münze machen ließe, aber wider erwarten und gebangt überraschte das Schicksal den skeptischen Hauseigentümer, nachdem er unten angelangt war und ließ die Spannung von ihm abfallen. Nein, sein neuer Mitbewohner war nicht dem Reiz erlegen einfach das Weite zu suchen. Artig lag er auf dem ihm zugewiesen Platz vor dem Kamin und schlief. Schlief wie beinahe ein Toter.
Catigern war nicht gerade leise gewesen, dennoch hatten seine lärmenden Schritte ihn nicht aus seinem Schlaf aufschrecken lassen. Von wo immer des geheimnisvolle Knilch herkam, was immer er angestellt haben mochte oder was immer in sonst an den Grat der Welt gescheucht hatte, er musste einen verdammt langen und Kräftezehrenden Weg hinter sich haben. Achselzuckend ließ er ihn weiter schlummern, legte Holzscheite in den Kaminschacht, entzündete diese und machte sich daran ein frühes Mahl herzurichten… aus dem was noch übrig war.

Diese Vorbereitungen nahmen weniger als eine halbe Stunde in Anspruch und sein Gast wandelte immer noch im Reich der Träume. Schon leicht verdrießt über den Tiefschlaf des anderen, ging der blonde Nordmann nach draußen und schnappte die erste frische Luft des Tages, nachdem das allmählich immer höher züngelnde Feuer im Kamin der Hütte inzwischen für heimeilige Wärme sorgte. In der Ferne entdeckte Catigern hierbei, einige schwarze Tüpfelchen die sich von der ansonsten weißen Fläche abzeichneten. Einen Augenblick lang wusste er damit nichts anzufangen, doch dann wie von selbst federte seine eine Hand empor und schlug ihn gegen die Stirn. Die Erkenntnis kam über ihn und rüttelte ihn nun gänzlich wach. Diesmal ohne jegliche Rücksichtnahme auf die Geruhsamkeit Álukas polterte er zurück ins Haus, riss dicke Fellmäntel von einigen Haken an der Wand neben der Tür und schleuderte sie unwirsch auf die Schlafstatt seines Kostgängers, unterdessen er selbst die Treppe hochstürmte um Pfeil und Bogen zu holen und dabei rief: „Auf Auf Bursche, wir gehen auf die Jagd!"

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Beitrag von Áluka » Mi, 09. Jul 2008 18:13

Es waren verwirrende Träume, die sich Áluka annahmen. Mehr Nebelfetzen gleich, streiften sie sein Unterbewusstsein und hinterließen einen metallischen Geschmack auf der Zunge. Er sah mächtige Pranken unter sich hinweg gleiten und tiefe Spuren im Schnee hinterlassend. Eiskalter Wind wehte ihm um die Nase und trug ihm immer wieder den Geruch seiner Verfolger mit; Menschen. Die Panik, die sein Herz erfasste, war kaum mit etwas Bekanntem vergleichbar und er wusste nur eins; Er musste schneller sein. Schneller als die Klirrenden Waffen hinter ihm, schneller als der lederne Geruch abgetragener Rüstung, schneller als ein Pfeil von einem Bogen abgeschossen. Niemals zuvor hatte er sich in der Gejagten-Position befunden und niemals zuvor hatte er so um sein Leben rennen müssen. Dann packte ihn ein brennender Schmerz und er wurde von den Pfoten gerissen. Sich überschlagend kam er nur langsam wieder auf die Beine, zögerte aber nicht sich sofort umzudrehen, um seinen Feinden ins Auge zu blicken. Dann – ein roter Strich zog an seinem inneren Auge vorbei und es war vorbei.

Trotz dieser Träume, schlief Áluka fest. Fest genug um die Schritte um sich ignorieren zu können, tief im Unterbewusstsein wissend, dass keine Gefahr von ihnen ausging. Feuer knisterte im Hintergrund und entsandte ihm eine wohltuende Woge von Wärme. Irgendwo knallte eine Tür, dann landete etwas in seinem Gesicht und ließ ihn hochfahren. Erschrocken richtete er den Oberkörper auf und blinzelte verwirrt. Sein Herz hatte einen Sprung gemacht und flatterte noch in der Brust wie ein Küken bei seinen ersten Flugversuchen. Sogleich schrillten die Alarmglocken, dann vernahm er die Stimme des Nordmannes, während dieser gerade die Treppe hochpolterte. „…Jagd.“ Mehr hatte Áluka noch nicht aufgenommen, aber dieses Wort allein reichte schon um genügend Adrenalin in seinen Körper zu pumpen, dass von diesem die Müdigkeit abfiel. Er warf die Beine über die Bank, auf welcher er geschlafen hatte und stand schließlich gänzlich auf. Sollten seine kurzen Haare am Abend zuvor schon wirr ausgesehen haben, dann gab es nunmehr keine Himmelsrichtung, in welche sie nicht zeigten. Aber abgesehen von seinem Erscheinungsbild fühlte er sich so gut wie lange nicht mehr zuvor. Einigermaßen ausgeschlafen mit annehmbarer Körpertemperatur und ein Abendbrot zuvor war mehr, als er sich in den letzten Wochen wünschen konnte. Er griff nach seinem Hemd und besah sich das, womit man ihn beworfen hatte. Ein Fellmantel. Sicherlich war dieser wärmender als das alte abgewetzte Teil, was der Werwolf sonst immer bei sich getragen hatte und selbst das war gestohlen gewesen. Aber konnte man es noch Diebstahl nennen, wenn dessen Träger schon tot war?
Nun, auch egal.
Kurz schloss er die Augen und gewann noch einmal einen Einblick in die verwirrenden Traumfetzen, die ihn die Nacht über heimgesucht hatten. Sofort streifte ihn eine Woge der Panik, glättete sich aber nach kurzer Selbstdisziplin wieder. Es war ja nur ein Traum gewesen… Schnell streifte er sich den Mantel über und wartete ab, was sein Mildtäter mit ihm vorhatte. Für das erste, beschloss er, würde er den Luxus genießen und den Helfenden spielen, sollte er es denn können. Mit einem Bogen umzugehen war zum Beispiel etwas, was er nie gelernt hatte und auch nie lernen musste. Mit anderen Waffen sah es genauso aus. Auf diese Art und Weise würde er niemals etwas erlegen können.
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Beitrag von Catigern » So, 13. Jul 2008 23:00

Ein Mal der Furcht


Lager vom Stamme des Luchses

Die verwichene Nacht schien unter einem üblen Omen gestanden zu haben, denn es waren ihrer vieler die unruhig geschlafen oder von Alpträumen heimgesucht worden waren. Gleichgültig ob Mann oder Frau, Greis oder Kind, sie alle wurden von jenen seltsamen Phänomen der Rastlosigkeit betroffen, die ihnen den stillen, erholsamen Schlummer raubte und sie flatterig bis fieberhaft in ihren Lagerstätten zappeln ließ. Erst die hellgelbe fahle Färbung des Horizonts, welche den Morgen ankündigte verschaffte Abhilfe und besänftigte die aufgewühlten Gemüter nach und nach. Unter ihnen befand sich auch Maren, die siebzehn Winter zählende Tochter von Askil, dem Wundheiler des Stammes des Luchses.
Schweißgebadet war sie vor einer Stunde aus einem tiefen festen Schlaf gefahren, der sie unermüdlich festgehalten wie eine Gefangene, obwohl ihr Körper mit aller zur Verfügung stehender Macht versucht hatte seinen beeinflussenden Fängen zu entkommen. Sie musste wie wild den Kopf herumgeworfen haben, musste mit Armen und Beinen gerudert und getreten haben, musste mit den Fingern krampfhaft die Felle zerrauft haben, musste sich wie eine Tollwütige gegen die Sinnbilder und Laute gewehrt haben die ihren Geist in dieser Nacht befallen hatten und sie schreckliches und gar unbeschreibbares hatten sehen und hören lassen.

Wie froh und unendlich erleichtert war sie gewesen, als sie es endlich bewirkte jenen grausamen Zustand des Alpdrucks zu durchbrechen und in die Wirklichkeit zurückzukehren. All die Zerrbildnisse und Missklänge aus ihrem gemarterten Bewusstsein zu verstoßen, die dort widerwillig eingedrungen waren. Ihr Herz hätte ihr beinahe die Brust gesprengt, derart stürmisch hatte es geklopft und ihr Atem war mehr ein Schnappen nach Luft gewesen, denn ein gemäßigtes Aufnehmen und Aufgeben. Noch nie zuvor in ihrem Leben war ihr derartiges widerfahren, drum war sie nach ihrem Erwachen auch so benommen und geradezu bestürzt gewesen. Kaum fähig irgendetwas anderes zu tun, als ihre zerzauste Bettstatt zu richten und sich selbst. Während sie dies getan hatte, war der Schweiß an ihrem Leib getrocknet und sie hatte angefangen zu zittern, teils weil sie vergaß die Feuerstelle in der Mitte der Jurte zu entzünden, teils wegen den Nachwirkungen dieser fürchterlichen Nacht. Das Mädchen war zutiefst verwirrt, natürlich hatte es schon Angstträume gehabt, doch nie in dieser intensiven Art und Weise. Es bedauerte auch das ihr Vater diese Nacht nicht bei gewesen war, da er seinen Pflichten als Heilkünstler nachgekommen war und in einer anderen Behausung das Wohlergehen einer kranken Fischerin überwachte, statt jenes seiner Tochter.

Aber sie haderte ihm nicht, woher hätte er dies auch wissen sollen? Das Nachtmahre sein eigen Fleisch und Blut bedrängten. Nach Verstreichen der Stunde hatte sie Maren soweit gefasst das sie sich dazu imstande fühlte die Jurte zu verlassen. Sie zitterte nicht mehr allzu stark und mittlerweile vermochte sie ihrer Zunge auch wieder klare Worte zu entringen. Also kleidete sie sich in lederne Gamschen, wollene Beinkleider und Tunika und legte sich einen Umhang aus weißen Schneehasenpelzen um die schmalen Schultern. Das Messer für die alltäglichen Arbeiten befestigte sie an der Feldbinde die um ihre Taille verlief. Anschließend löste sie die Schlaufen die das schwere Filz vor dem Eingang der Hütte hielten und steckte den schwarzhaarigen Schopf kurz nach draußen, schnupperte die Kälte des Tages und stellte fest dass sie die letzten Reste der Abspannung fortjagten die noch ihren Knochen schlummerte. Sogleich trat sie hinaus in das gerade erwachende Lager des Clans und schlug den Weg zur Obdach des Schamanen ein.

Der Rauch von kürzlich entflammten Feuern stieg als weiße Säulen in die den Himmel oder wurde vom Wind in ausgedehnten Schwaden durch die Ansiedlung geweht, der rußige Geruch umschwirrte die Nase der Wanderin, doch sie machte sich nichts daraus, er waren die Gerüche des Lebens der Steppenreiter. Während sie einher trottete grüßten sie einige der Frühmunteren und sie winkte artig zurück. Vornehmlich die männlichen, denn Maren hatte sich noch keinen Mann erwählt und man nannte sie ziemlich hübsch und begehrenswert. Allerdings fiel ihr auf, dass sich nicht ein Jäger mehr im Lager aufhielt, sie mussten schon sehr früh aufgebrochen sein.
Dann hatte sie die Hütte des Schamanen erreicht. Es war ein großes Zelt, das größte nebst dem des Häuptlings. Prächtige Geweihe von Ukhaans schmückten den Eintritt und die Zeichen von Vater Himmel, Mutter Erde, Schwester Mond und Bruder Sonne hießen den Besucher Demut vor den Kräften der Natur zu haben. Maren neigte das Haupt, murmelte die Götterpreisungen und betrat schließlich das Innere.

Kathelkam, Sterndeuter und Sprachrohr des Göttlichen, saß mit überkreuzten Beinen vor dem Feuer das im Kern seines Daheims brannte – und das satter, greller und blendender als so manch anderes Feuer – nuschelte irgendwelche unverständlichen Worte und schaute im gleichen Augenblick auf als das Mädchen die Plane zurückschlug und sich zum ihm gesellte. Sein hageres Gesicht war hohlwangig und einhundert winzige Fältchen ließen sein Gesicht wie eine alternde Baumrinde erscheinen. Orangene Flammen flackerten in seinen dunklen Augen, als er das jüngere Geschöpf eindringlich ansah. „Tochter meines entlaufenden Lehrlings, du beehrst mich mit deinem Gastspiel, selbst die Ahnen frohlocken ob deiner Anwesenheit, kommst du doch sonst nur selten her… so sag schon was können wir für dich tun? Plagt dich eine Sorge? Suchst du den Rat der Stammväter und -frauen?“

Die sonore Altstimme war einladend und herzwärmend, wenngleich ein milder Spott in ihr mitschwang. Maren wusste selbst dass sie nicht häufig bei der Andacht der Götter zugegen war, sondern immer Entschuldigungen parat hatte anders tun zu müssen. Die Rüge des Schamanen war daher nur allzu verständlich. Abbittend lächelnd gab sie ihm zur Auskunft: „Wie immer weißt du schon bereits alles ehe es meinen Mund verlässt guter Kathelkam, ja, das gibt es in der Tat etwas das mich plagt und…sorgt. Ich bin ratlos was es sein könnte und dachte mir du oder die die Mächte der Gestirne und Gezeiten wüssten eine Antwort darauf.“
Der Geistseher brummte und krümmte zwei seiner dürren Finger um ihr zu bedeuten vor ihm in die Knie zu gehen. Maren kam dem sofort nach und ließ sich von dem Wahrsager eine graue, muffig riechende Paste auf Wangen und Stirn schmieren. Sie vermutete dass es sich hierbei um magische Zeichen handelte, die ihm helfen würden ihre Quälgeister zu bannen. „Dann wollen wir mal sehen welch böse Schemen dich peinigen…“ sagte er leise und stimmte einen monotonen Singsang an… der drei Wimpernschläge später abrupt abbrach und den alten Mann erschrocken aufstöhnen und die schlaffen Augenlieder aufreißen ließ. Nicht minder eingeschüchtert, gar beängstigt, starrte die Tochter des Wundheilers ihn an und streckte die Hände aus um ihm zu helfen. „Ehrenwerter Kethelkam, was ist mit dir? Oh, was habe ich getan?“ Der Schamane wies sie ab, stützte sich selbst. Seine geweiteten Augen fuhren zum züngelnden Feuer, der Anblick schien ihn zu beruhigen, dann kehrten sie zu ihr zurück. „Bei dem großen Hüter Abacham, hier ist Widernatürliches am Werk….finsteres… Mein Kind, du musst nun stark sein… aber ich fürchte… ich fürchte…du bist verflucht!"

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Beitrag von Catigern » Do, 17. Jul 2008 18:56

Köhlerglaube

Was? Ist das dein ernst? Du hast nie erlernt mit einem läppischen Ding wie einem Bogen umzugehen?“ Catigern war aufrichtig verblüfft und schaute seinen Wegbegleiter von der Seite an während sie gemeinsam durch den jungen Schnee des Morgenrots schritten, dem Fey’larkin Wald entgegen. Er hatte dem Streuner nicht viel Zeit gelassen sich besinnlich aus dem Schlafe zu schälen, ebenso wenig hatte er ihn in den Genuss einer morgendlichen Stärkung gegönnt, aber dies machte ihm nichts aus. Bei all dem Fraß den Áluka am Vortag in sich hinuntergeschlungen hatte konnte er unmöglich schon wieder so etwas wie Hunger verspüren. Dennoch war er für den Fall das Jagd länger andauern würde als gedacht jedoch gewappnet und hatte ausreichend Pökelfleisch und Brot in den zwei Proviantbeuteln verstaut, die er und sein frischer Gehilfe auf den Rücken trugen, nebst zwei gut gefüllten Wasserschläuchen. Der neue Umhang wusste wohl ebenfalls zu gefallen – nicht das er eine Dankung dafür vernommen hatte, aber der verdienstliche Blick der ihn gestreift hatte war ihm Erklärung genug gewesen-, denn sein Gefährte hüllte sich fast vollständig in ihn, als hätte er sich schon über eine ziemlich ausgedehnte Zeitspanne hinweg nicht mehr an dem Gefühl eines weichen und zugleich wärmenden Kleidungsstückes erfreut.
Er war noch immer sehr schweigsam und seine Haltung und Gangart hatten manchmal etwas an sich das der Schneeläufer nicht näher zu deuteln wusste. Sein drahtiger Körper versprach durchaus eine schlummernde Kraft, die mit angeborener Gewandtheit gepaart zu sein schien. Zum wiederholten Male fragte sich Catigern was der Kerl wohl zuvor getrieben hatte? Vielleicht war er ein Dieb gewesen, ein Halunke der andere um ihr Eigentum brachte… diese Erklärung wirkte aber nur zum Teil angemessen. Die Tür seines Hauses war nicht gerade fachkundig aufgebrochen worden. Allerdings wer sagte das dies vonnöten war?

Er entschied sich den Gedanken in der Leere hängen zulassen und suchte vorliebiger die Kimmung ab. Das Firmament erstrahlte derweil im trüben Blau, nur einige wenige grauweiße Wolkenfetzen schlichen über ihren Köpfen dahin und der Wind, welcher oftmals durch die Ebene brauste war stark abgeflaut und zupfte nur hin und wieder an ihren Haaren und den Fellen. Weit in der Ferne erhob sich ein finsterer Wall. Eine Kontur schwarzer Silhouetten die den Fey’larkin markierten.
„Das dort hinten ist unser Ziel. Der mir angenehmste und soweit auch einzige Forst weit und breit. Quell saftiger Braten und einer Handvoll nutzbarer Kräuter. Einige der Wurzeln sind auch nicht übel… ich will hoffen das du, wenn du schon nichts von der Fertigkeit des Jagens verstehst, wenigstens zum Essbaren sammeln taugst. Irgendwie musst du in den letzten Monden deiner Flucht ja überlebt haben. Ich verweigere mir den Gedanken daran zu glauben das du alles gestohlen hast.“ Er grinste Áluka einmal schief, fast freundschaftlich, an und wuchtete ihm kumpanenhaft eine Hand gegen die Schulter. „Gehen wir.“

Beharrlich trat der blonde Nordmann aus und sein Begleiter mit den bernsteinfarbenen Iriden tat es ihm gleich. Rasch schrumpfte die Entfernung zum Walde dahin. Noch ein wenig später ragten bereits die ersten Nadelhölzer vor ihnen aus dem Boden.
Sie stapften in den Forst und nach zwanzig Herzschlägen blieb Catigern jählings stehen und bedeutete dies auch seinem Nachfolger. Die eisblauen Augen des Jägers erspähten die Umgebung, kundschafteten die Tiefe des Waldes aus. Der angestrengte Gesichtausdruck in dem sich keine Regung zeigte war ernst. Dann sagte er unvermittelt, die Tonlage seiner Stimme deutlich gesenkt: „Verdammt, dasselbe ungute Gefühl wie letztes Mal. Irgendetwas stimmt nicht. Ich wollte Gwedys im Tempel danach gefragt haben… hab’s vergessen.“
Nun versuchte er offenbar zu lauschen. Horchte nach etwas insonderheitem. „Es ist still, viel zu still.“ Endlich wandte er sich Áluka zu. „Hm, es kursiert derzeit eine recht wilde Geschichte. Eigentlich bin ich mir nicht sicher ob es klug wäre dir davon zu berichten, aber anderseits was macht es für einen Unterschied. Finde, du hast ein Recht es zu erfahren. Wenn was dran ist könnten wir sterben oder verwunschen werden.“ In letztgenanntem sprach ausdrücklich der Aberglaube des Nordlandvolkes mit. „Es heißt Menschen würden verschwinden. Draußen in den Ebenen und auch hier. Keiner weiß wohin oder warum es sich hierbei handelt, doch der Wald ist stumm… und wenn die Bäume schweigen und die Tiere mit ihnen und nicht mehr hervorkommen, dann steckt Boshaftes dahinter. Aber wir Männer aus den Frostöden sind keine Feiglinge, drum stellen wir uns der Gefahr und du mit uns.“ Die Entschlossenheit ließ keine Widerrede zu. „Komm, suchen wir uns Beute."

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Beitrag von Áluka » Di, 22. Jul 2008 20:08

Den Unglauben des Eismannes ließ Áluka offen im Raum stehen. Er sollte sich lieber nicht dazu äußern, geschweige denn verteidigen, ansonsten säße er sicherlich ganz schnell in der Sackgasse und müsse zeigen, dass er Kaninchen mit den bloßen Händen fangen könne. Nein, schnaubte er nur und lief weiter.
Dank des Mantels war ihm noch nicht einmal kalt. Und das hier draußen? Er hätte nicht gedacht, dass so etwas möglich wäre, aber irgendwie mussten die Menschen ja auch hier überleben, immerhin waren sie nicht mehr als das: Menschen, nur Menschen. Ein Frühstück gab es nicht und eigentlich konnte sich Áluka auch nicht beschweren, was aber nicht hieß, dass er nichts essen könnte. Das konnte er nämlich immer und die körperlichen Anstrengungen, die mit einer Verwandlung einher gingen, zerrten sowieso wieder von dem, was er sich angefuttert hatte. Demzufolge war es ihm gar nicht möglich auch nur irgendwo mehr Fett als nötig anzulegen, was für längere Reisen äußerst ungünstig war. Das hatte er in der Eiswüste erfahren müssen.
Bei den Worten des Nordmannes hob Áluka den Blick und studierte die Waldgrenze. Na, hätte er die auch entdeckt, hätte er sicherlich nicht so lange Hunger leiden müssen! Das Grün, was aufgrund der Ferne und des starken Kontrastes zum Schnee pechschwarz wirkte, erweckte doch gleich wieder das Gefühl von Heimat, wenn auch nicht sehr stark, aber eher als beim Anblick des fortwährendes Schnees. Und nicht nur das: Dichtes Laubwerk, Schattenspiele zwischen den Baumstämmen, Rascheln im Unterholz – Jagd. Ein Kribbeln ging durch seinen Körper und erweckte den Jagdtrieb vollends. Wie gerne wäre er jetzt über den Boden gewetzt und hätte sich dem Rausch der Geschwindigkeit und des Blutes ausgesetzt! Tief atmete er ein und ließ die Luft langsam wieder entweichen.
„Wie ich diesen Anblick vermisst habe!“
Erst dann kam er auf die Worte des Nordmannes zurück, der soeben die Befürchtungen anstellte, Áluka wüsste rein gar nichts über das Überleben in der Wildnis. Gut, in seiner jetzigen Gestalt war er stark eingeschränkt, aber das hieß nicht, dass er sich nicht bücken und ein paar Wurzeln, Knollen oder Kräuter sammeln könnte. Immerhin hatte er selbst auch oft genug darauf zurückkommen müssen, als es nichts in seiner Umgebung gab, was sich bewegen konnte. Die Hand auf seiner Schulter kam unerwartet und Áluka konnte ein leichtes Zusammenzucken nicht verhindern, auch wenn er schnell erkannte, dass kein Dolch durch sein Fleisch gefahren war. Verwirrt sah er auf und konnte sich ein ebenso schiefes Grinsen nicht verkneifen, was bei ihm allerdings etwas tückisch aussah denn ehrlich. „Wäre auch ziemlich schwer jemanden in diesem Ödland um seinen Proviant zu erleichtern. Hier gibt es ja kaum etwas oder jemanden.“

Alsbald tauchten sie in den ersten Waldabschnitt ein und was Áluka zuerst wahrnahm, war die Stille. Er konnte allerdings nicht sagen, ob es in den nördlichen Wäldern immer so war oder ob hier etwas nicht stimmte, aber als der Nordmann stehen blieb und anordnete, es ihm gleichzutun, tippte Áluka auf Letzteres. Er reckte den Kopf und nahm die Gerüche des Waldes auf. Vieles blieb unentdeckt, da der Schnee alles überlagerte und nur wenige Nuancen erahnen ließ. Aber der harzige Geruch der Nadelbäume war für ihn genauso leicht zu erschnuppern wie etwas, was er nicht so recht einzuordnen wusste.
Und gerade das war beunruhigend.
Schweigend hörte er dem Nordmann zu, dessen Namen er immer noch nicht kannte, und legte die Stirn in Falten. Es verschwanden Menschen? Die Tiere schwiegen? Na, wenn das nicht nach einem Jäger klang! Kurz kam ihm der irrwitzige Gedanke, dass sich hier vielleicht ein Artgenosse versteckt hielt, das verwarf er aber wieder. Wann hatte er schon einmal einen seiner Art getroffen? Ein oder zwei Mal? So selten, wie Werwölfe anzutreffen waren, war es doch sehr unwahrscheinlich, dass sich gerade einer hier oben im Norden niedergelassen hatte. Und was ist, wenn gerade hier? Werwölfe besaßen ein ausgesprochen ausgeprägtes Territorialverhalten, nahm man Álukas seltsames Streunerverhalten der letzten Umläufe mal nicht als Paradebeispiel, und es wäre annehmbar, dass gerade deswegen einer hier oben im Norden sein Revier aufgeschlagen hatte. Aber wären dann ähnliche Vorkommnisse mit verschwunden Menschen nicht häufiger der Fall?
Nachdenklich kratzte er sich am Kopf und hoffte, dass er mit all seinen Vermutungen falsch lag, denn eines wollte er noch weniger als in die Eiswüste zurück: Einen Artverwandten treffen. Es war schon schlimm genug gewesen, dass er ungewollt zu dem geworden war, was er heute war, da musste er nicht auch noch auf jemanden treffen, der wohlmöglich mit seiner Existenz weitaus weniger Probleme hatte als Áluka.
„Dann sollten wir hoffen, dass wir beide hier die einzigen Jäger sind, mh?“
Dem Aufruf folgte er mit einem wachsamen Auge auf die Umgebung und amüsierte sich ein wenig mit den Vermutungen der Menschen hier, die sicherlich nicht nur von seinem Begleiter her stammten. Verwunschungen!
„Sind die Verschwundenen denn gefunden worden? Von Toten kann man auch lesen… zum Beispiel, ob sie durch die Hände einer irren Hexe gestorben oder doch nur gestolpert und unglücklich gefallen sind?“ Na, wenn das mal nicht sarkastisch klang! Eigentlich wollte Áluka ganz sachlich bleiben und fragen, ob wilde Tiere nicht in Frage kämen, aber damit würde er vielleicht die Spuren zu sehr auf sich selbst lenken, wenn auch nicht auf den ersten Blick erkennbar. Er wusste nicht, inwiefern die Menschen hier oben den Geschichten über Werwesen Glauben schenkte und wollte auch gar nicht, dass man auch nur annähernd diese Richtung einschlug.
Damit hätte er sich wahrscheinlich seine Gastfreundschaft verspielt und dürfte seine Haut an den Stadttoren bewundern.
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Beitrag von Catigern » Do, 24. Jul 2008 22:51

Die Tiefen des Fey'larkin

Und so schlichen sie umsichtig durch die ersten Ausläufe des Forstes, vorbei an Erlen, Fichten und Tannen, verkrüppelten steinbraunen Wurzeln und ausgehungerten grauem Gesträuch. Der Schnee bildete immer wieder weiße Pfuhle inmitten des Waldvorkommens, überall dort wo die Kronen der Bäume nicht üppig genug wuchsen um die vom Firmament herabtänzelnde Flocken abzufangen, die sich gleich einem prächtigen Schwanenkleid über ihre dicken Äste und das welke Blattdach legten. Die zunächst rar gesäten Bäume am Rande wurden alsbald dichter, als drängten sie sich immer mehr zusammen und ihr Unterholz samt überhängendes Geäst vermischte sich zunehmendes, bis es ihrer Fülle sogar gelang das erwachende Tageslicht hinter ihren knorrigen Stümpfen und dem Dickicht ihrer blättrigen Köpfe auszusperren. Zwielicht setzte sein. Dämpfte den goldenen Morgenschein und tauchte alles in die fast farblose Färbung des Dämmers. Kein Windchen regte sich innerhalb des Fey’larkin, nicht ein Zweig knarrte, nirgends raschelten der Kälte widerstehendes Blattwerk. Kein Vogel trillerte, nicht ein Lebewesen gab ein Laut von sich. Nichts deutete auch nur in irgendeinerweise auf eine Bewegung hin.

Catigern missfiel dies alles sehr. Was im Grunde noch eine Untertreibung seiner momentanen Empfindungen war, ihm grauste es förmlich seine Schritte durch diese absonderliche Stille und diesen - seit taufrischesten - befremdlichen Hain zu lenken. Er war unzählige Male hier jagen gewesen, hatte hier mehr Wild erlegt als alle Finger und Zehen und Zähne die er hatte zusammen, und dennoch beschlich ihn jenes rätselhafte Gefühl das der Wald nicht mehr derselbe war wie der den er kannte. Ihm war als hätte eine unbegreifliche Macht Einfluss auf die Bäume gehabt und sie ihrem Geister beraubt, warum sonst sollten sie dergleichen schweigen? Aufgehört haben mit den Winden zu reden? Oder weshalb sonst hielten sich die Tiere fern?
Gute Göttin Ondara, Herrin, was quält deinen Wald? Woran liegt es das du deine Erde hier, Fleisch deines Leibes, derart schlimm belässt? Lastet tatsächlich ein widriger Fluch auf jenem Gehölz? Haben die Menschen dir zuwider gehandelt? Ist dies eine Strafe? Aber wenn ja, wofür?

Die Anspannung und die Zweifel mochten wohl das Innere des Schneeläufers plagen, doch nach Außen vermied er es gekonnt seinen Zwiespalt hinter einer stoischen Maske der Ausdruckslosigkeit und Bedachtsamkeit zu verbergen. Sie waren durchaus schon ein Weilchen gelaufen während Áluka ihm einige seiner Fragen beantwortet und zu anderem seine Bemerkungen gemacht hatte. Catigern hatte seinen Ausführungen zwar nur mit einem Ohr gelauscht – denn das andere horchte unentwegt in den Wald – aber diese geteilte Aufmerksamkeit hatte vollends ausgereicht. Er entgegnete dem in seiner Schuld Stehenden auch nicht ohne Umschweife etwas, sondern ließ ihn auf seine Gegenreden warten. Er wollte seinem Gefährten damit keinesfalls verärgern, nutzte diese Atempause jedoch dafür sich sein Gesagtes genaustens durch den Kopf gehen zu lassen. Der unnatürlich ruhige Fey’larkin war ihm ein wohltuender Anblick, also mutmaßte der blonde Nordländer das sein gegenwärtiger Kumpane aus einem Gefilde stammen musste indem es keinen Unzulänglichkeit an Nutzholz gab.

Wenn er aber aus einem baumreichen Lande kam, wieso vermochte er dann nicht mit einem Bogen umzugehen um sich selbst oder seine Familie, sofern er eine hatte, zu ernähren. Ebenso wie jedes Kind hier oben im ewigen Eis die Künste des Überlebens erlernte, hätte dies auch für den Burschen an seiner Seite gelten müssen. Und dann verließen seinen Mund auch noch schalkhafte Fadheiten. Manche davon solcherart das ein Mensch mit aufrichtigen Gerechtigkeitssinn ihn hierfür hätte zurecht stutzen können, nachdem was er ohnehin schon verbrochen hatte. Das Bildnis des Strolches kehrte wieder in Catigerns Gedächtnis zurück und überschnitt sich mit dem was der Schwarzhaarige ihm so offen und frei darbot… es passte ziemlich gut zu ihm. Und was machte man mit Flegeln wie diesen in Norr Bharrak? Man knüpfte sie auf. Allerdings nur wenn es dazu eine wirkliche Veranlassung gab und bisher hatte Áluka ihm die noch nicht gegeben. Für gestohlene – und schon verspeiste - Nahrung würde er niemanden einfach so an den Strick hängen.

„Nein, ich muss dich enttäuschen. Bedauerlicherweise sind wir wohl nicht die einzigen die auf Wild aus sind. Fast alle guten Jäger wurden dieser Tage ausgesandt um ein Aug auf das Umland zu werfen und die Menschen zu schützen, welche nach wie vor unerschrocken ihrer gewohnten Arbeit nachgehen.“ klärte er seinen Begleiter schließlich auf, nachdem gut und gerne zwanzig Herzschläge verklungen waren. Beinahe wäre ihm dabei die Zweideutigkeit hinter den Worten des Gelbäugigen entgangen, griff dann aber rasch den Faden auf.
„Oder beläuft sich deine Annahme darauf dass es her draußen einen mordlüsternen Pirscher geben mag, der Unbeholfenen und Ahnungslosen auflauert und sie ins Totenreich reißt? Möglicherweise eine blutgierige Bestie aus finstersten Alpträumen?“
Er kniff die eigenen Augen zu Schlitzen zusammen und die Saphirbläue seiner Pupillen musterten das schmale Gesicht Álukas von der Seite. Er hielt kurz inne und fügte dann düster hinzu.
„Es wurden keine Leichen gefunden, die irgendwelche Hinweise hätten geben können. Mit verschwunden meinte ich verschwunden.“ Der Spott in der Stimme des anderen behagte ihm überhaupt nicht. Man machte keine Ulke über die Dahingeschiedenen.
„Hüte deine Zunge Áluka Fremdling, die bist weit von zuhause entfernt und solltest darauf achten über wen du deinen Schabernack treibst. Die Lage ist ernst. Wir Nordblüter mühen uns auch mit gebrochenen Knochen zurück in unsere Heime, hier „stolpert“ niemand einfach so. Ich rede von Gefahr, echter unheilschwangerer Gefahr für Leib und Geist. Du tätest gut daran…“

Ein leiser, wenn auch vom kaum wahrnehmbaren Wind aufgenommener Schrei hallte plötzlich aus dem Herzen des Forstes zu ihnen herüber und bohrte sich wie der Stachel einer Eiswespe in ihre Ohren. Catigern verstummte abrupt inmitten seiner Zurechtweisung und riss seine verengten Augen auf. Sein Schädel flog herum, sodass ihm seine hellen Haare nur so um die Schläfen klatschten. „Bei den Zähnen der Drachenkämme, wenn man von Dämonen spricht! Eile dich und folge mir!“ Von einem Augenblick zum nächsten hastete er über gefrorene Erde, matschigen und knirschenden Schnee, dem allmählich ersterbenden Geschrei entgegen.

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Heimat: Die Wilden Lande

Beitrag von Áluka » So, 03. Aug 2008 19:22

Lass dich jetzt nicht aus der Ruhe bringen!, mahnte sich Áluka, als der Schneeläufer seine Vermutungen anstellte, genauer gesagt, den Faden aufgriff, den Áluka ihm so schön präsentiert hatte. Er spürte den Blick, den man ihm von Seite zuwarf und sagte sich, dass man ihm gar nichts vorwerfen konnte. Beweise fehlten vollkommen, vor allem aber auch, weil Áluka nicht am den Verschwunden Schuld war. Er hatte rein gar nichts mit den Geschehnissen in und um dieser Stadt zu tun. Er wollte schon etwas erwidern, aber dann fuhr sein Begleiter weiter fort und meinte, dass er seine Worte meinte, wie er sie gesagt hatte.
Verschwunden war verschwunden.
„Es hätte ja sein können, dass…“ Er hob die Schultern hilflos hoch und ließ sie wieder sinken. „Verzeihung, ich kenne eure Bräuche und euren Glauben nicht. Ich glaube nicht an … magisches Wirken oder an verfluchte Orte. Es hat sicherlich alles eine ganz normale Erklärung.“
Er druckste herum und schluckte einen Kloß im Halse hinunter. Er hätte lieber den Mund halten sollen als so etwas zu sagen. Andererseits hielt er die –in seinen Augen Aberglauben- Vermutungen des Schneeläufern für unwahrscheinlich. Aber was hatte er gesagt? Sie waren verschwunden, ein Raubtier schleppte seine Beute doch nicht davon! Außer er legte sich einen Vorrat an in dieser bitterkalten Region, aber auch das zweifelte Áluka an. Kein Jagdschema eines Werwolfes, hier ging anderes vor.

Beschwichtigende Worte lagen ihm schon auf den Lippen, als Catigern ihn mahnte die Lage ernst zu nehmen. Aber dann wurde er jäh unterbrochen, als ein Schrei zu ihnen hinüber wehte. Áluka Nackenhaare sträubten sich, trüge er einen dichten Pelz, hätte man es ihm auch deutlich angesehen, so aber erkannte man nur seine plötzliche Regungslosigkeit und zugleich Anspannung. Er ortete die Quelle des Schreis, aber sein Begleiter war schon losgeeilt. Ohne zu zögern heftete sich der Werwolf an die Fersen des Mannes und folgte ihm. Gleichzeitig hoffte er nicht dem zu begegnen, wovor er schon die ganze Zeit bangte. Lass’ es bitte nur ein erschrockenes Weib sein, das den Schneehasen zu spät gesehen hat. Seine Sinne waren angespannt und sein Herzschlag war doppelt so schnell geworden. Neugierde und Bangen vermischte sich mit der Lust der Jagd, ein Prickeln wanderte über seinen Körper und kündigte von einer Vorfreude, wie sie nur jemand empfinden konnte, der es gewohnt war, der Herr des Waldes zu sein. Und da konnten die Bedenken um einen Rivalen auch nichts mehr ausrichten.
[color=darkred]Lächeln ist die eleganteste Art einem Gegner die Zähne zu zeigen![/color]

Catigern
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Haare, Mond und Blut

Beitrag von Catigern » Do, 21. Aug 2008 19:16

Das geflüsterte Grauen kehrt zutage

Gemeinsam wetzten sie über das steinharte eingegefrorene Erdreich, sprangen formgewandt über gestürzte Baumstämme hinweg oder flockten durch hüfthohes Gestrüpp. Frost und leichtes Geäst knarrte und knackte unter ihren Stiefeln, gesellte sich zu ihrem bald keuchenden Atem, die sie in weißen Dunstwölkchen zwischen ihren Mundrändern hervorpressten. Die graubraune Silhouette des Forstes rauschte linker wie rechterhand an ihnen vorbei, verschwamm beinahe derart hastig war ihre Hatz. Noch immer ließ sich kein weiteres Geräusch vernehmen, kein weiterer Laut. Bis auf ihre eigen verursachten und den Nachhall des klagevollen Schreies, der in ihren Ohren echote.
Catigern versuchte sich während des Laufes zu orientieren, stetig wieder wirbelte sein Kopf herum und spähte mit geschärften Augen mal in die westliche, dann mal in die nördliche Richtung. Half dies nicht, tastete sein Blick unablässig den Boden vor seinen Füßen ab, wohl in der Hoffnung Anzeichen einer Fährte zu finden. Mehr als einmal fluchte er hierbei. Dann gellte ein zweiter verzweifelter Ton des Leides durch die Stille und wies ihnen erneut einen Weg wo es abwesende Spuren nicht vermochten. Dieses Mal war der Schrei jedoch schon bedeutend näher gewesen. Wer immer dort wehklagte konnte nicht mehr weit sein. Auch war festzustellen dass es kein unbeholfenes Mädchen war, welches dort vor Entsetzen rief. Die Stimme war gröber, es waren keine weichen Schreie, sondern solche die tief aus der Kehle kamen und zweifellos männlichen Ursprungs.

„Wir können nicht mehr fern sein, halte dich bereit!“ schnaufte der blonde Hüne unterdessen sich seine Füße unentwegt gegen die zähe Erde stemmten und ihn weitertrugen. Und er sollte Recht behalten, denn nach zehn klopfenden Herzschlägen öffnete sich der dichtere Bewuchs des Fey’larkin und entließ sie auf eine Rodung, auf der sich eine solide, wenn auch niedrige Holzhütte mit flachen Dachstuhl befand. Umgehend drosselte der Mann nordischen Blutes seinen Spurt und kam schlitternd zum stehen. Sein Begleiter konnte sehen wie die eisblauen Pupillen des anderen die Lichtung absuchten währenddessen er seine Pelzlinge von den Fäusten zog und achtlos von sich warf um mit raschen Handbewegungen eine Sehne aus seinem Ausstattung zu fördern um seinen Bogen zu bespannen, den er bis eben in seiner rechten Pranke gehalten hatte. Áluka wusste diese knappe Zeitspanne gewisslich zu schätzen, gewährte sie ihm doch neuen Atem zu schöpfen und ebenfalls die Lage zu erkunden. Dann entwich der waidwunden Kehle wiederum ein erschütterter Klagelaut, der sich geradewegs in die Herzen und Hirne der beiden Jäger hämmerte, doch diesmal war er ganz nah und riss augenblicklich darauf ab, als sich ein entmenschtes Krakeelen darüber erhob, das warmes Blut zum erkalten bringen mochte. Selbst des Schneeläufers Augenpaar weitete sich vor Furcht und seine Hände stellten für einen Moment den Gehorsam ein die Bewaffnung fortzusetzen.

„Rhelun beschütze uns! Wenn das kein Fluch, keine Fleischwerdung eines Fluches ist, ein boshaftes Untier das nach Leben trachtet… dann weiß ich es nicht besser.“ Den Mund zu einem schmalen Strich zusammengepresst, die Stirn gefurcht wie ein Sorgenkamm und das Gesicht bleich wie Wachs, wandte er sich seinem Gefährten zu.
„Kannst du kämpfen? Vermagst du dich deiner Haut zu erwehren Áluka Fremdling? Denn mir scheint, dafür ist die Zeit nun gekommen.“ Nicht willens im Antlitz der Gefahr, auch wenn es mystische, absonderliche Gefährlichkeit war, aufzugeben oder einen Hilflosen im Stich zu lassen, obgleich dieser vermutlich schon des Todes war, befahl Catigern seinen Fingern die Arbeit fortzuführen und hatte seine Waffe schließlich bespannt. Wortlos beugte er seinen Oberkörper, zog einen unteramlangen Dolch aus seinem rechten Stiefelschaft und reichte die gut gepflegte Klinge dem Mann mit den schwarzen Schopf und den hohen Wangenknochen mit dem Heft voran. Einer Erklärung bedurfte diese Tat nicht. Anschließend nickte der Tundrabewohner im entschlossen zu und begann damit das Haus zu umrunden, ein Pfeil mit Silberspitze wanderte dabei fast wie von selbst an die Sehne seines Bogens. Als er bemerkte das für seinen Mitgänger doch nicht alles so klar war wie gedacht – er stand noch immer am Saum des Waldes – bedeutete er ihm mit wilden Kopfschwenken bei ihm zu bleiben, jedoch in einem gewissen Abstand. Wahrscheinlich sollte Áluka die Lichtung an ihrem Rande umrunden indessen sein hochgewachsener Gefährte sich der zweckmäßigen Behausung annährte. Griff das Untier, wenn es eines war, unversehens an, so konnte er rasch eingreifen… oder das Weite suchen, je nach seiner wahren Gesinnung.

So leise wie möglich und darauf bedacht nicht ein unnötiges Geräusch zu verschulden, schlichen sie sich auf die andere Seite der Hütte. Catigerns forschender Blick wanderte an den Balkenwänden herauf und herab und er spitzte seine Ohren. Die Schreie waren verstummt, statt ihrer drang nun etwas anderes an seine Siebensinne. Ein schmatzen und schlürfen. Das Reißen von Gewebe. Das Knacken von Knochen. Man konnte nicht behaupten das etwas wie Übelkeit in ihm aufstieg, dennoch fühlte er sich unbehaglich dieserlei Fresslaute zu vernehmen. Einmal schüttelte er sich und ging dann vollkommen gewappnet weiter, den Bogen gespannt und Schussbereit.
Die Tür der Hütte, die Unterkunft für Schneestürme oder Proviant bot, war halb aus den Angeln gerissen. Krallen hatten tiefe Gräben in das Holz geschlagen. Auf der Türschwelle und dahinter leuchteten rote Tupfer auf den Planken. Als Catigern sein Augenmerk hob, erstarrte er. Griftgrüne Schlitze funkelten ihm aus dem Inneren entgegen. Einen überraschten Ruf ausstoßend stolperte er von dem Eingang zurück und ließ den Pfeil von der Sehne schnellen, fast im selbigen Augenblick sprang eine kräftige Bestie durch eben diesen und riss die Tür nun vollends aus den Scharnieren und landete vor dem niedergehenden Schneeläufer auf den Klauenbewehrten… Händen. Ein schmerzhaftes Gebrüll entfloh dem fast menschlichen Schädel der Kreatur, auf deren Leib bläulich grüne Streifen schimmerten wie aufgemaltes Geflecht. Mit einem Ruck zerrte es sich blutspritzend das Geschoss aus der Hüfte, knurrte es böse an und schleuderte es fort. Dann verengten sich die Augen erneut und ein darbendes Blitzen leuchtete in ihnen auf als sie den zweien jungfräulichen Opfern gewahr wurde...

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