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Haare, Mond und Blut

Die weiße Hauptstadt in der Eiswüste.
Áluka
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Beitrag von Áluka » Sa, 23. Aug 2008 17:16

Der Sprint durch den Wald erfolgte neben der Seite des Schneeläufers, denn nun war der Werwolf ebenso angespannt wie neugierig, was sie erwartete. Der nächste Schrei, der zu ihnen hinüber wehte, entfachte die Entschlossenheit von Neuem, jetzt nicht langsamer zu werden. Schnell wurde Áluka unter dem dicken Mantel warm, denn sein Blut war in Wallung geraten und es bedurfte eigentlich keinen äußeren Schutzes mehr, um sich zu wärmen. Dennoch behielt er die Kleidung an, war es doch nun nebensächlich, sich über solcherlei Unwichtigkeiten Gedanken zu machen.
Die Idee, dass eine Frau sich nur erschrocken habe, war zunichte gemacht worden, als man das Entsetzen in der Stimme erkannte, dass vor allem männlichen Ursprungs war. Abgesehen davon, schien das Grauen Einzug zu halten, ansonsten hätte sich der Laut wohl nicht wiederholt.

Die schnaufenden Worte noch im Gehör, erkannte man alsbald eine kleine Hütte auf einer Lichtung, der man sich mit weniger Geschwindigkeit näherte. Am Rande dieser kamen beide zum Stehen und holten Luft, heißer Atem kondensierte in der klaren, kalten Luft. Sogleich konzentrierte sich Áluka auf die Gerüche, welche um sie herum festzustellen waren – zumindest er konnte sie wittern. Harziger Geruch von frisch geschlagenem Holz drang aus dem immerwährenden, dominierenden Geruch von Schnee hervor, aber auch etwas anderes war zu riechen. Mindestens ein Mensch befand sich in der Hütte, und er war nicht allein. Áluka kratzte sich am Hinterkopf und ließ langsam die inhalierte Luft aus den Lungen entfahren. Ein erneuter Schrei, der jäh seinen Abbruch fand und in einen ungeheuren Laut überging.
Triumph und Vorfreude meinte der Werwolf herauszuhören und aus eigener Erfahrung wusste er, was das hieß: Das Mahl war hergerichtet.
Angestrengt biss er die Zähne fest zusammen, dass man den Unterkiefer hervortreten sah und er warf seinem Reisebegleiter einen Blick zu, als wolle er ihn zumindest vorwarnen, was er zu erwarten hatte. Nein, abbringen sicherlich nicht, denn niemand würde sich diesem Hünen in den Weg stellen und nur mit Worten davon abbringen können, nicht nachzusehen, welch Unheil dort in der Hütte stattfand.
Da war sich Áluka ganz sicher.
Mit schnellen aber zugleich sicheren Bewegungen wurde der Bogen gespannt, während die Frage eröffnet wurde, ob sich Áluka seiner Haut wehren könne. Zugleich bekam er einen langen Dolch zugesteckt. Normalerweise hätte er nun andere Waffen zurate gezogen, aber im Augenblick nahm er die Klinge entgegen und nickte, schwieg aber ansonsten. Es war anzunehmen, dass seine Stimme leicht vibrierte, was man sicherlich der Anspannung, vielleicht auch Furcht zuschieben konnte, aber Áluka wusste es besser. Er hörte das Blut in seinen Ohren rauschen und ein heißes Prickeln unter seiner Haut spüren. Unkontrolliert verkrampften sich einige Muskeln und Sehnen wurden anscheinend wahllos gezerrt und wieder entspannt. Mit einem Schnauben wandte er sich ab und musste sich zur Ruhe rufen, der Zeitpunkt war äußerst ungünstig.
Oder eben gerade nicht, je nachdem was ihnen bevorstand.
Währenddessen war der Schneeläufer schon losgegangen und bedeutete ihm auf Abstand zu folgen. Wahrscheinlich dachte er, Áluka sei schwer von Begriff, woraufhin sich dieser mit einem Ruck vorwärts bewegte und die gleiche Strecke wie sein menschlicher Begleiter wählte, allerdings mit einigen Metern Abstand und der Hütte etwas weiter versetzt, dem Waldrand also etwas näher. Trotz der Entfernung waren diverse Laute zu vernehmen, unverkennbare Laute. Áluka lag eine Warnung auf der Zunge, irgendetwas was den Schneeläufer abhalten sollte sich der Tür zu nähern … aber es war zu spät.
Beide hatten sie das Haus umrundet und ein starker Geruch von Blut wehte aus der herausgerissenen Tür zu ihnen hinüber. Mit lautem Gebrüll schmiss sich die Bestie im Inneren des Werwolfes gegen die selbsterrichteten Stangen des Käfigs und forderte seine Freiheit, sodass der menschliche Körper ein Keuchen kaum verhindern konnte.
Beinahe zeitgleich entrann dem Schneeläufer ein erschrockener Laut, er stolperte zurück und aus dem Inneren der Hütte sprang eine Kreatur, wie er sie zuvor noch nie gesehen hatte. Sie glich mehr Mensch, denn einem Tier, ein Umstand, den der Werwolf mehr als verwirrend empfand. Das Fell war nicht auf dem ganzen Körper verteilt, sondern nur stellenweise und nicht besonders dicht, aber man erkannte deutlich eine grün-bläuliche Zeichnung auf der Haut oder dem Fell, je nachdem, welche Stellen man denn genauer besah.
Aber für eine genauere Betrachtung hatte der Werwolf keine Zeit, denn während sich dieses Wesen wütend den Pfeil aus der Hüfte zog, welcher der Schneeläufer noch schnell, aber ungezielt hatte abschießen können, zog sich Áluka zurück.
Dieser Rückzug wirkte natürlich für Außenstehende –vor allem für den Schneeläufer, der sich derzeit alleine mit dieser fabelhaften Kreatur herumschlagen musste- wie eine Flucht, wieso auch nicht?
Hinter dichtem Gestrüpp streifte sich der Werwolf sogleich Mantel und die anderen Kleidungsstücke vom Leib und gab es auf, die Bestie zurückzuhalten. Mit triumphierendem Heulen machte sie den letzten Widerstand nieder und drang nach außen.
Das Rückrat bog sich durch, Knochen brachen und verwuchsen sogleich wieder zusammen, Sehnen rissen und Muskeln schwollen an. Die Finger zogen sich krampfartig zusammen und wurden kürzer, aus den Fingernägeln wurden lange Krallen, aus dem länger werdenden Kiefer wuchsen Reißzähne. Alles in Allem ging die Verwandlung schnell vonstatten, aber der Schmerz war der Selbe wie immer. Bisher war es dem Werwolf vergönnt zu erlernen, wie er in die Gestalt eines Wolfes wechselte, der vielleicht bis auf die Größe seinen Verwandten den Graupelzen glich, aber im Moment hatte er auch nicht vor in solch eine Gestalt zu wechseln, denn die Wergestalt eignete sich deutlich besser um zu kämpfen.
Der mächtige Kopf schüttelte sich um den letzten pochenden Schmerz zu verdrängen, dann sahen jene gelben Augen auf, welche schon im menschlichen Antlitz zu erahnen gewesen waren, aber nicht so hell und leuchtend erschienen.
Die Bestie, die an Gefährlichkeit und Scheußlichkeit jener aus der Hütte nicht nachkam, machte einen gewaltigen Satz und durchbrach das Gebüsch mit einem wütenden Knurren. Die Beine waren nicht ganz gleich lang wie die Arme, dennoch tat es die ersten Schritte auf allen Vieren, um sich wenige Meter vor dem anderen gestreiften Wesen vollends auf die Beine aufzurichten. Es überragte jenes um ein gutes Stück, einen Menschen wohl noch mehr, wenn es denn vollkommen gerade stand. Die gerade nach oben zulaufenden, spitzen Ohren legten sich zurück, während sich das Fell, in eben jenen dunklen Tönen gehalten wie es die Haare auf Álukas Kopf gewesen waren, am Nacken sträubten. Denn im Gegensatz zu der eher weniger behaarten Kreatur, der vielleicht etwas Katzenartiges anhaftete, besaß der Werwolf einen dichten Pelz, der vielleicht am Bauch etwas an Dichte verlor, ansonsten am ganzen Körper regelmäßig auftrat.
Die kräftigen Muskeln spannten sich an, warteten doch noch einen Sprung ab, bis der Gegner reagierte.
Der Mensch war im Moment uninteressant, auch wenn sein Geruch um einiges verlockender war als jener dieses Mischlings, das ganz eindeutig keinem Werwolf oder Werkatze zuzuordnen war.
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Haare, Mond und Blut

Beitrag von Catigern » Do, 28. Aug 2008 21:24

Der Feind meines Feindes ist mein...

Der blanke mystizistische Schrecken kroch ihm durch die schlagartig erkalteten Blutbahnen. Der Strom sonst regen Lebenssaftes verrann zu einer trägen Brühe die sich nur noch zäh und schwammig durch seine Adern bewegte. Furcht knotete ihm die Eingeweide zu und ließ ihn nach Luft schnappen, wie ein Sterbender kurz vor dem Versagen seines körperlichen Kreislaufes. Die Augäpfel glotzten wie schimmernde blaue Murmeln aus seinem bleichen, abgespannten Gesicht das vom Angstschweiß mit einem wächsernen Film überzogen war unterdessen sich die Muskeln der Arme und Beine zu eisernen Seilen strafften, die sich unter der Haut abzeichneten, aber doch nicht fähig waren ohne Befehle des steuernden Hirns all die schlummernde Kraft sinnreich einzusetzen. Wie gebannt starrte der blonde Nordländer auf das Ungetüm das über ihm in den Himmel ragte, dass sie aufgescheucht und aus seiner Zuflucht getrieben hatten. Die zurückgezogenen Lefzen und das gefletschte Maul aus dem ihm eine Heerschar blitzender, spitzer Zähne erwartungsvoll entgegensah, weckten Gefühle des Widerstandes und der Wehr in seinem Innersten.

Er hatte solch einer Kreatur wie dieser zu seinem Lebzeiten noch nicht gegenübergestanden, der Geisterglaube projizierte ihn gar als Dämon aus einer sturmgepeitschten und von grimmen Wäldern toter, knorriger Bäume beherrschten Welt des Diesseits, aber ein kleiner unbeeinträchtigter Teil seines Verstandes, berief sich noch auf den uralten Instinkt des Überlebens und zapfte Quellen eines Mutes an, von dem er selbst nicht einmal gewusst hatte, das er über jene noch verfügte. Er wollte nicht sterben, nicht als Fraß für dieses Monstrum enden. Hatte nicht vor auch nur eine Gliedmaße an diese Abscheulichkeit der Hölle zu verlieren. Und so packte er den Strang der sich im bot, zog daran, kletterte ihm empor und erlangte den Schneid zum Widerstreit. Aber just im Augenblicke als ihm die verloren geglaubte Willensstärke in die Daumen und Zehe fuhr, er die Kontrolle über seinen Leib zurückgewann um sich aus dem tödlichen Wirkungsbereich der Krallen des Ungeheuers fortrollen wollte, geschah etwas das er sich in seinen kühnsten Träumen nicht hatte vorstellen können.

Sein Blick war seinem Körper vorausgeeilt, hatte sich in die Richtung gewandt in die er sich hatte retten wollen und war an einem Geschöpf haften geblieben das dort nun hoch erhoben und mit vorgerecktem Schädel auf seinen Hinterläufen stand und die Szenerie aus bernsteinfarbenen geschlitzten Pupillen betrachtete. Dichter brauner Pelz sprieß aus seinem maskulinen Oberkörper, an den Beinen und gekrümmten Armen, die in offenbar messerscharfen Klauen mündeten. Silberne Sprenkel durchwirkten den haarigen Besatz und verliehen ihm eine besondere Note. Auch diese Bestie riss das Maul auf und bleckte die Reißzähne, zweifellos um der anderen Missgestalt, seine Ansprüche auf das menschliche Opfer streitig zu machen oder aber wegen etwas ganz anderem das gewöhnlich Sterblichen verborgen blieb.
Nicht mit geringem Entsetzen vermerkte Catigern dass das grölende Biest sich genau an jener Stelle befand an der er seinen Gefährten Áluka das letzte Mal erblickt hatte. Eine Verwünschung formte sich in seinem Geist, aber seine Lippen hielten es für überzählig in auszusprechen, so verfluchte er die grässlichen Scheusale nur im Stillen. Armer Fremder, sie waren mitten in eine Falle dieser Monstrositäten gelaufen, ohne jegliche Ahnung dessen was ihrer hier geharrt hatte. Weit schlimmer wog noch die Schuld dass er, ein kundiger Schneeläufer die Gefahr nicht erkannt hatte, sondern sie blindlings ins Verderben geführt hatte. Er war so sehr darauf bedacht gewesen das Rätsel um den Fey’larkin zu lösen, das er Vernunft und Umsicht als untergeordnet behandelt hatte. Es war ein tödliches Vergehen gewesen. Eines wofür sein mysteriöser Kumpan bereits mit dem Leben bezahlt hatte und er ihm nun nachfolgen würde, denn gegen zwei jener Grausamkeiten besaß er nicht den Hauch einer Erfolgsaussicht.

Aber ehe Catigern mit seinem Leben abzuschließen vermochte, ereignete sich etwas, das ihn erneut zutiefst aufwühlte, jedoch im zusagenden Maße. Etwas das im Hoffnung einflößte, so widersinnig dies auch anmutete, denn das silbern gemaserte Wesen zeigte offene Feindhaltung dem anderen Geschöpf gegenüber. Es knurrte ausgedehnt, schnitt mit seinen Fängen gehaltvoll durch die frostige Luft und ließ den gestreifte Unhold nicht einmal aus den gefährlich lauernden Sichtfeld. Und plötzlich war der Mensch, der am Boden kauerte bedeutungslos. Dies freute den Hünen und er schwang sich aus Reichweite der bedrohlichen Pranken, kullerte sich weg und kam in leidlich sicherem Abstand wieder empor, kniete sich in den Schnee und zog mit einem scharrenden Geräusch das Breitschwert aus der Seitenscheide. Was er als nächstes sah, war wie sich die Mischkreatur ebenfalls in Drohgebärden erging um den Rivalen in die Schranken zu weisen. Die Linien die über seinen teils flaumigen bis nackthäutigen Leib verliefen gewannen an Nachdruck und glommen auf in Azur und Smaragdtönen. Die tierähnliche Schnauze verzerrte sich zu einer Grimasse der Auflehnung und eine fauchende Absonderung zischelte über die Lichtung.

Als daraufhin nur ein höhnisches Geheul erwiderte wurde, war es um die Beherrschung der Bestie geschehen. Sie ließ sich geschwind auf alle Viere nieder, nahm Anlauf soviel sie konnte und sprang das gegnerische Untier an. Dieses hatte ähnliches im Sinn gehabt, war der raschen Eleganz des Werkatze jedoch unterlegen. Mit der Brisanz und Gefährlichkeit eines bewährten Jägers stürzte es sich auf die kräftige Gestalt des Widersachers, grub seine Krallen tief in das Fleisch seiner wuchtigen Brust und riss in auf die gefrorene Erde, dass der Schnee nur so hochwallte und herabgefallenes Geäst unter ihrer Last knackend zerbarsten.
Für Catigern wirkte es als rangen zwei Primate miteinander, Herrentiere, Kronen einer unnatürlichen Schöpfung, Fleischgewordene Fabelwesen aus schwärzesten Alpträumen geboren. Er hatte seine Feigheit überwunden, wollte die Monstren seinen Stahl schmecken lassen, aber sich nun in diesen barbarischen, tobenden Kampf der Giganten zu werfen wäre reiner Irrsinn gewesen. Darum entschied er abzuwarten und die Wesenheiten es sich untereinander austragen zu lassen. Wer immer siegen mochte, würde danach seine Klinge zu fressen bekommen.

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Beitrag von Áluka » Sa, 06. Sep 2008 13:43

So fremdartig und mystisch aussehende Kreatur doch war, sie ging auf die Bedrohung des Werwolfes ein. Ein Umstand, der von dem Wolf vorausgesehen war, denn es war eine Reaktion, wie sie tief im Instinkt verankert war und jedes andere Verhalten beinahe ausschloss.
Einem Rivalen musste die Beute streitig gemacht werden.
Sofort.
Sie ließ von dem Nordmann ab, der glücklicherweise geistesgegenwärtig genug war und auch sofort Abstand gewann. Das bekannte Geräusch schleifenden Metalls drang herüber und ließen die spitz zulaufenden Ohren zucken, aber der Kopf drehte sich nicht um, was sicherlich auch ein großer Fehler gewesen wäre, denn die farbenprächtige Kreatur machte nicht den Eindruck ungeschlagen von dannen zu ziehen. Sie scheute nicht den offenen Kampf und gab zischende Drohlaute von sich, dann sprang es mit einer ungeahnten Geschwindigkeit vor.
Der Werwolf senkte den Kopf leicht und verlor etwas an seiner Größe, indem er das Rückgrat wieder krümmte und somit nicht mehr aufrecht stand. Allerdings hatte er sich verschätzt, als er dem Sprung ausweichen und dem Angriff entgehen wollte, denn sein Gegner kalkulierte jene anfängliche Bewegung mit ein und sprang so, dass sie den Werwolf direkt mittig auf der Brust traf und von den krallenbewehrten Pfoten riss.
Rücklings fielen sie ins weiße Kalt, wodurch der Aufprall gedämpft wurde, aber dennoch wuchtig genug ausfiel um den Werwolf im ersten Moment die Luft aus den Lungen zu pressen. Der Schmerz in der Brust war nicht ausreichend genug um ihn zu paralysieren, eher um ihn genügend in Rage zu bringen. Schnell reagierte er aber und schnappte nach der Kehle seines Gegners, der ihm in der Länge seiner Schnauze und somit der Anzahl der Zähne unterlegen war. Während dieser die empfindliche Stelle der Kehle zu schützen versuchte indem er den Kopf zurückzog, verringerte sich das Gewicht auf der Brust und mit einer schwungvollen Drehung zur Seite warf der Werwolf den Anderen von sich.
Schnell kam der Werwolf wieder auf die Beine, blieb allerdings in geduckter Haltung und zögerte dieses Mal nicht als Erster den Gegenangriff auszuführen. Mit einem wütenden Knurren sprang er auf seinen Gegner und grub seine Krallen in dessen Rücken, während er zeitgleich in den Nacken biss. Zwar befanden sich nur wenig Fell und eine Menge Haut und Fleisch zwischen den Zähnen –keine Biss, der das gesamte Genick umfasst hatte und dieses vielleicht mit genügend Kraft hätte brechen können- dafür war der Biss fest und die Zähen gruben sich mühelos durch die Haut.
Warmes, befremdlich schmeckendes Blut verbreitete sich im Mund und tränkte den weißen Boden.
Mit aller Kraft versuchte der Werwolf also genügend Druck auf den Rücken der mystischen Kreatur ausüben um diese auf den Boden zu drücken. Soweit käme es ja noch; Es war schon erniedrigend genug gewesen bei seiner letzten Auseinandersetzung den Kürzeren gezogen zu haben, jetzt würde der Werwolf allerdings dieser krüppeligen Nachahmung eines Werwesens zeigen, wer das Recht besaß in den Wäldern sein Unwesen zu treiben, auch wenn dieses Gebiet sicherlich nicht zu den Jagdgründen eines Wolfes zählte.
Aber laut seiner Auffassung gehörte er in den Wäldern ganz oben auf die Nahrungskette, und diesen Platz würde ihm keiner streitig machen!
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Haare, Mond und Blut

Beitrag von Catigern » Do, 16. Okt 2008 21:27

Kein Abbruch der Gefahr

Eine Fontäne schwarzroten Blutes klatschte in die Blütenweiße des aufgewühlten Schnees ringsum, ein bejammernswertes Jaulen, eine Mischung aus peinvollem Schrei und verzweifelter Wut gellte über die Lichtung. Krallenbewehrte Pranken hieben weitschweifig und impulsiv durch die Luft, zerfetzten den Wind, rissen gefrorenen Erde auf oder schrappten über braunes Fell. Und doch zeichnete sich allmählich ein Sieger aus dem titanenhaften Zweikampf hervor. Mit seinem kräftigten Knochenbau und dem festen mutierten Fleisch und einhergehenden Muskeln errang das Silbergesprenkelte Biest die Oberhand, begegnete dem waghalsigen Angriff des Kontrahenten mit eisernen Willen, erduldete die beigebrachten Wunden und erwiderte die wuchtige Schläge. Blitzende Fänge brausten zischend vor dem stillen Hintergrund des Waldes hin und her, von denen die meisten fehl gingen, aber wenn sie einmal trafen blutige Schneisen und Furchen im Gewebe des Gegners hinterließen.

Das größere der beiden Ungetüme, jenes welches aus den Tiefen des Forstes herstammen musste und angelockt worden war, zwang das hitzige Geschöpf gestreifter Abart zurück indem es seinen Rumpf von sich warf, seine Klauen in dessen ungeschützten Rücken vertiefte als dieses ihm die Blöße zu solch einem Angriff bot und sich anschließend in seinem Nacken verbiss. Lefzen zogen sich über gefährlich scharfe, fingerlange Zahnreihen hinweg, die sich blutig durch Pelz, Fleisch und Knorpel geknackt hatten. Das bedrängte Wesen brach auf ein Knie zusammen, wenn man es so nennen wollte, und sein längliches Maul klagte und entstellte sich vor Schmerzen. Die spitz zulaufenden Tierohren zuckten unbeholfen und der glimmende Schweif peitschte wild über den Boden und versprühte Eismatsch und wirbelnde Flocken. Aber der hochgewachsene Jäger kannte keine Gnade, seine bernsteinfarbenen Augen funkelten unbarmherzig, seine Krallen fegten Abwehrversuche der leicht katzenhaften Kreatur beiseite und wetzten über deren schutzlosen Kämme, indessen sich die Reißzähne immer tiefer in den Nacken gruben, bis irgendwann der Widerstand der Wirbelsäule gebrochen sein würde.

Catigern, die Füße fest gegen das Erdreich gestemmt und das Breitschwert mit beiden Händen kraftvoll umschlossen haltend, beobachtete den Fortgang des Kampfes ganz genau. Eine der garstigen Unnatürlichkeiten unterlag, die andere schien bedeutend stärker oder einfach gewiefter zu sein, in der Weise wie sie ihrem heißblütigen und ungestümen Feind in die Schranken wies und ihr wohl bald den hässlichen Schädel vom Körper gelöst hatte. Rasch erwog der Schneeläufer seine Möglichkeiten, augenblicklich waren beide Untiere noch in ihrem Zwist vertieft, er konnte sich geschwind annähen und dem Braunen hinterrücks seinen Stahl in den Leib rammen und sich danach der schwer verwundeten Kreatur entledigen. Somit hätte er zwei Dämonen auf einen Streich zurück in ihre Höllen geschickt während sie sich noch in ihrem immer andauernden Hass auf alles und jeden gegenseitig zerfleischt hatten. Ein rühmliches Ende für diese Scheußlichkeiten und für ihn selbst barg es nur ein geringfügiges Wagnis. Er fasste diesen Entschluss.

Heißes Blut, von der Gefährlichkeit der Lage angestachelt und erhitzt wie Wasser das in einem Kessel über einem Feuer hing, huschte er mit Abstand behände um das tosende Ringen der Ungeheuer herum, bis er vor sich den stämmigen Rücken des Silbergesprenkelten erblickte. Zum wiederholten Male sah er das auf und ab seiner durchschlagenden Klauen, sah wie Fellbüschel, Hautfetzen und Fleischklumpen aus dem waidwunden, heulenden Geschöpf gerissen wurden, das dieser auf dem durchweichten Boden niederrang, immer noch in dessen Hals verbissen, und sich wie ein animalisches Idol über ihm erhob. Ausgeburt des Abgrunds und der Mächte des Wahnsinns, dies ist das Reich Rheluns, du und deinesgleichen sind hier nicht erwünscht, ich werde deiner bösartigen Existenz nun ein Ende bereiten und du wirst weder in die Hallen unseres Herren noch die irgendeines anderen ehrbaren Totengottes erblicken, nichts als die verzehrenden Feuer der Hölle warten auf dich und die deinen…Mögen die Ahnengeister mir beistehen!

Zwar fühlte er nicht wie sich daraufhin eine göttliche Einflussnahme in seinen Körper spülte, trotzdem ertüchtigte ihn diese Stoßgebet soweit, das er seinen Mut anwachsen spürte um den Bestien entgegen zuschreiten. Durch nichts wollte er sich von seiner Tat abhalten lassen, nichts sollte seine Aufmerksamkeit ablenken, seine starren Augen waren nur auf die Monstren gerichtet deren irdener Vollstrecker er zu sein gedachte. Kreatürliche Furcht plätscherte gegen sein Herz, aber er ließ sie nicht gewähren, zu entschlossen war seine Absicht. Das Heft seiner massigen Klinge gab ihm ein gutes Gefühl. Das Sonnenlicht gleißte bläulich silbern auf der Schneide, die sich dem tobenden Scheusalen unaufhaltsam näherte. Er war auf fünf Schritte heran, der schlammige Schnee, verfärbt mit dunkelroter Dämonenessenz flog ihm bereits entgegen, als der Wald plötzlich seine Ruhe und sein Schweigen brach und von hektischen Bewegungen, dem Schaben von Metall, das Knarren von Leder und dem Stöhnen vom belastendem Holz erfüllt wurde.

Verblüfft fuhr der blonde Schopf des Hünen umher, nun doch abgeschwenkt von seinem Vorhaben, und erspähte zwischen der finsteren Umzäunung des Fey’larkin mindestens ein halbes Dutzend Gestalten, die in dicke Felle gehüllt und mit stahlbeschlagene Lederrüstungen gewappnet waren. Kappen aus gutem Wildleder spannten sich um ihre Schädel, umbrämt mit Pelzbesatz, einige trugen auch trotz der Kälte Helme aus Eisen, die mit Stachelkronen versehen waren, das halbe Gesicht verdeckten und den Kriegern ein unmenschliches Aussehen verliehen. Sie alle saßen auf den vierbeinigen Missgestalten von Reittieren, die bei seinem Volk, dem Volk der Steppe, so hoch geachtet wurden und gemeinhin Pferde genannt wurden. Allerlei Waffengerät fand sich in ihren Fäusten; ein und zweiblättrige Äxte, Streitkolben wie Hammer, handelsübliche Langschwerter aus dem mittleren Landen, Wurfspieße, Armbrüste, Bögen und Wurfbeile. Catigern beschlich ein ungutes Gefühl, diese Neuankömmlinge, die wie rachsüchtige Geister aus den Nebeln des verfluchten Forstes aufgetaucht waren, gehörten keinesfalls einer bekannten Sippe der Nomadenvölker an oder gar der Menschen des Eises selbst.

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Beitrag von Catigern » Mi, 22. Okt 2008 14:57

(Fortsetzung)

Jene hier, ähnelten denen die in Norr Bharrak für Aufsehen gesorgt hatten. Einerseits mochte ihr Auftauchen ein segensreicher Schicksalswink sein, aber anderseits zweifelte er daran das von diesen Kriegern etwas Segensbringendes ausgehen mochte, dafür hatten sich ihre Kumpanen, wenn sie es denn waren, augenfällig zu ungezügelt gegeben. Ihm blieben nur einige flüchtige Lidschläge sich der neuen Lage zu vergegenwärtigen, denn im nächsten Moment flogen bereits zwei engmaschiges Netze, an dessen jeweils zehn überstehenden Enden bleierne Kugeln befestigt waren, aus dem Dunkel des Waldes über die Lichtung und landeten über den ineinander verkeilten Leibern der sich wie Tollwütige gebärenden Werbestien. Die Kugeln an den Strangenden der Verstrickungen maßen nicht größer als ein ausgereifter Apfel, aber lumineszierendes Licht erhellte ihr Innerstes für den Bruchteil eines Herzschlages, als die gefangenen Wesenheiten gegen das Fangnetz stießen und sich versuchten von seiner Last zu befreien.
Die Rundheiten „wuchsen“ leicht und offenbar nahm ihre Gewichtung zu, denn die Verworrenheit der sich beider überlappender Netze drückte die kräftigen Körper der Untiere zu Boden, bis sich die erhärten Schlingen wie ein dichtes Maschenwerk über ihnen strafte und den Gedanken des tödlichen Kampfes von zuvor und dessen Besieglung in weite Ferne und unmittelbare Vergessenheit rückte. Wehklagende Laute und zorniges Knurren drang aus dem Gewühl der niedergepressten Gliedmaßen.

Catigern empfand es als keinen sinnvollen Gedanken die Gelegenheit wahrzunehmen und die Wehrlosigkeit der Kreaturen auszunutzen indem er ihnen eilends die Häupter spaltete, gewiss würden auch die Fremden, welche sie immerhin gefangen setzten statt zu töten, etwas gegen dieses Vorgehen haben, drum hielt er sich zurück, dachte aber nicht daran das Schwert fortzustecken. Schließlich vermochte er noch nicht einzuschätzen ob ein vorheriges Übel nur gegen ein anderes ausgetauscht worden war. Einer der Reiter löste sich aus dem Zwielicht des Unterholzes und der Bäume, sein Pferd trabte auf das „Bündel“ zu und schnaufte dissige Dunstwölkchen, als widere ihn die pure Nähe zu den Alptraumhaften Geschöpfen an. Der Mann auf dessen Rücken hatte die stumpfe Unterseite des Stiels seiner Axt auf seinem gepanzerten Oberschenkel gebettet und blaue Augen musterten aus Schlitzen heraus für einen Moment die sich mühsam windende Beute. Ein fülliger schwarzer Bart, der mit grauen Strähnen durchwirkt war, bedeckte seine Wangen und das Kinn, der Rest wurde von einem Stahlhelm mit Nackenschutz der von einem rabenschwarzen Schweif verziert wurde verborgen. Für eine Weile kehrte wieder die Grabesstille ein, nur der Wind flüsterte sein Trauerlied und das Zürnen der gefangenen Wesenheiten mischte sich hinzu wie die grollende Untermalung einer Bedrohung.

Dann sprach der Rittmeister, der hoch erhoben und beinahe ehrfürchtig in seinem Sattel saß: „Reravil Glínrith, es ist lange her das wir einander das letzte Mal begegnet sind und Ihr seid eurer Heimat dieses Mal ferner denn je. Der Wahnsinn eures Meisters hat Euch bis an den Rand der Welt getrieben… wäre ich noch gläubig würde ich für eure Seele beten, doch ich sah was ihr angerichtet und seither habe ich keinen ruhigen Schlaf mehr. Alles Menschliche ist von Euch abgefallen wie die herbstlichen Blätter in den goldenen Wäldern Sieryans. Nur die grausame Bestie ist verblieben… und sie muss ausgemerzt werden. Wir werden Euch für eure Schandtaten richten. Und mit Euch jenen schrecklichen Auswurf der Abscheulichkeit zu eurer Seite, wer immer er auch sein mag. Dieses Land muss wahrlich vergiftet und verdorben sein, heimgesucht von der dunklen Seuche der Fäulnis und Wandlung.“ Träge glitt das azurblaue Pupillenpaar zu dem abwartenden blonden Schwertträger, der offenkundig an dem Streit der Werwesen beteiligt gewesen war. „Und wer seid Ihr? Irrsinniger oder Draufgänger, das Ihr euch in solch ein kühnes Verwerfnis traut?"

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Beitrag von Áluka » Mi, 12. Nov 2008 20:59

Der Werwolf spürte unter seinen breitflächigen Pranken, wie der Widerstand langsam schwächer, wie ein Stein in weiche Erde gedrückt wurde und begann zu versinken. Tief gruben sich die unnatürlich langen und zugleich scharfen Krallen durch das spärliche Fell in die sehnige Haut und hinterließen tiefe Spuren, ein markerschütterndes Heulen hallte wie die Ankündigung eines Unterganges durch den Wald, wurde hinfort getragen und durch keinerlei andere Geräusche im stillen Forst gestört.
Etwas bewegte sich am Rande seines Blickes, halb im Schatten seiner durch einen blutroten Schleier verhüllten Wahrnehmung realisierend. Der Schneeläufer wurde doch keine Dummheiten machen, oder?
Aber nein, nicht jetzt, der Widerstand war bald gebrochen, er spürte die einzelnen Wirbel knirschen und knacken, etwas mehr Kraftaufwand noch und der gestreifte Körper wurde unter ihm erschlafen und im roten Schnee gebettet allmählich verfaulen.
Etwas glänzte nur wenige Schritte von ihm entfernt, es lenkte ab. Trotz des manischen Blutrausches erinnerte es doch an das kalte Gefühl von Schmerzen, wie es den Leib durchstieß… Metall. Jetzt war er endgültig abgelenkt und seine eigenen, schmerzenden Kiefer ließen an Druck nach. Zeitgleich geschah aber noch etwas anderes, ein zweiter störender Faktor.
Geräusche.
Unnatürliche, von Menschen verursachte Geräusche, die sich nicht in das Bild des stummen Waldes fügen wollten.
Mit einem wütenden Knurrlaut ließ er von seinem unterlegenen Gegner ab und hob den Kopf. Durch den roten Schleier seines Blickes erkannte er nur vage Umrisse, aber genug, um sich der bloßen Anzahl neuer Gegner bewusst zu werden. Blut troff ihm von den Lefzen auf den Boden, während er die fremde Kreatur nun vollkommen missachtete und von ihr ließ. Dabei blieb er weiterhin in geduckter Haltung, beinahe auf allen Vieren, ein erregtes Zittern ging durch seinen muskulösen Leib und wurde von einem fortwährenden Grollen begleitet.

Aber die Fremden reagierten schneller, als der Werwolf in der Lage gewesen wäre, denn noch pochte die stumpfte Raserei in seinem Verstand und unterband jegliche Fähigkeit zusammenhängenden Denkens.
Plötzlich legte sich ein Netz über sein Blickfeld und es drückte ihn etwas zu Boden. Erst nur wie ein unerwarteter Stoß, dann wurde der Druck stärker und zwang ihn gänzlich in die Knie. Jetzt blindlings und unkontrolliert schnappte er nach dem merkwürdigen Netz, woraufhin ein merkwürdigen Licht ausging, was ihn zwang die Augen zu schließen. Dieses Material, was unglaublich schwer sein musste, dass es vermochte ihn so fest in den Schnee zu pressen, schnürte sich sogar gegen sein Fleisch, durch den dichten Pelz hindurch und zwang ihn immer kleiner zu werden. Die klagenden Laute seines Rivalen sperrte er aus seiner Wahrnehmung, selber knurrte er nur fortwährend und versuchte sich wie von Sinnen gegen dieses Geflecht zu wehren.
Der Geruch von Huftier und Mensch wurde von seiner feinen Nase aufgenommen, alles überlagert von dem alles umfassenden Gestank von Blut, was ihn anregte weiter gegen diesen ‚Käfig’ anzukämpfen – aber ohne Erfolg. Kurz konnte er beim Heben seines mächtigen Kopfes kalte blaue Augen aus einem Stahlhelm erkennen, dann widmete er sich wieder seinem Befreiungskampf und merkte dabei nicht, dass er seine Kraft verschwendete, viel zu schnell.
Wütend brüllte er noch mal auf, dieses Mal vermischt mit einem Keuchen, und versuchte nochmals mit den Krallen die Manschetten des Netzes durchzureißen. Wieder das Licht, wieder ein frustriertes Heulen.
Das Gesprochene drang verzerrt in seinen Verstand, und ergab keinen Sinn. Es ergab alles keinen Sinn. Er wollte rennen, sofort. Solange, bis er zitternd zusammenbrechen und sich im kalten Schnee abkühlen konnte. Seine Kämpfernatur war spärlich besäht, Fluchtinstinkte waren das, was ihn bisher am Leben gehalten hatte, trotz seiner augenscheinlichen Überlegenheit über alle anderen Kreaturen. Und jetzt drängte es ihn wieder in die Ferne, weg von der Gefahr.
Seine Wut ebbte ab und wandelte sich in aufflammende Panik, der Angst davor, von jenen besiegt zu werden, die er immer gemieden hatte.
Vielleicht war es sein Schicksal, von jenen erledigt zu werden, die von jeher mit ihren Schwertern und Pfeilen nach ihm gehackt und geschossen hatten. Ein erneuter Schauder glitt über seinen Körper, mitgeführt von einem klagenden Laut, den man fast schon als natürlich, wölfisch, ansehen konnte… fast.
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Haare, Mond und Blut

Beitrag von Catigern » Mi, 19. Nov 2008 23:31

Begegnungen

Nur ein einfacher Weidmann dem das Tagwerk einen üblen Streich gespielt hat.“ entrichtete der Schneeläufer dem hoch zu Ross sitzenden so ruhig und gefasst es seine noch vom Rausch des Kampfes zitternde Stimme erlaubte und beäugte den gepanzerten Fremdling dabei tunlichst ungetrübt, vermochte jedoch eine Spur des gesunden Argwohns und wacher Aufmerksamkeit nicht zu verbergen.

Das prächtige Tier des Truppführers wieherte leise und blies heiße Luft aus den Nüstern, als eine behandschuhte Faust stärker in die Trensenzäumung des Pferdes griff, woraufhin es leicht mit dem Hufen über den gefrorenen Erdboden zu scharren begann. Der dichte schwarze Bart teilte sich und entblößte ein Gebiss weißgelblicher Zähne. Ein tiefes, kehliges Lachen schallte für eine Kurzweil über die Lichtung, es wirkte der Lage unangemessen, schien aber von Herzen zu kommen. „Ein einfacher Weidmann also? Ihr beliebt zu scherzen und das im Angesichte eines solchen Unglücks das Euch offenbar widerfahren ist… das nenne ich Kühnheit. Entweder deucht mir ist es um Euren Geist nicht so rosig bestellt wie mir mein erster Eindruck von Euch vermittelte oder Ihr seid ein Possenreißer der sich selbst und die ernsten Umstände um ihn herum nicht für voll nimmt…“
So rasch wie das Lachen und die damit verbundene Heiterkeit aufgekommen war, so rasch entschwand es auch wieder und machte der vorherig angestimmten, grimmen Tonart wieder Platz. „Beiderlei Mutmaßungen werfen kein gutes Licht auf Euch, denn wenn Euer Verstand minderbemittelt sein sollte ist dies Bekenntnis das Ihr ein leicht zu beeinflussendes Wesen seid und somit möglichenfalls ein Werkzeug eben jener Kräfte die dies Blutbad hier anrichteten“ Der Blick der unerbittlichen Augen glitt hinüber zur Hütte, in der die gestreifte Bestie gewildert hatte. „oder ihr seid jemand der keinerlei Achtung vor dem Tod hat und seine derben Späße darüber treibt und damit die Ehre der Dahingeschiedenen befleckt was ein ebenso großer Frevel wäre der gesühnt werden müsse… daher frage ich Euch noch einmal und hoffe auf eine ergiebigere Antwort, wer seid Ihr?“

Der blonde Bewohner der Eiswüste mahlte flüchtig mit den Kiefermuskeln. Auch seine Gefälligkeit war ganz und gar auf die Reiterschar gewandt, die sich fast rings um ihn und das zuckende Bündel der Wergestalten herum positioniert hatte und einen undurchdringlichen Kordon bildete. In einigen Händen entdeckte er geladene Armbrüste, selten vorzufinden ob der Kälte und Unwirtlichkeit des Landes.
„Nun gut, man ruft mich Catigern, Jäger vom Stamme des Luchses. Dieser Halsreif um meinen Nacken bezeugt meine Worte und straft der Behauptung ich sei ein Narr und Prahlhans. Ich befand mich auf der Jagd um die meinen zu ernähren und geriert in das hier… für das ich selbst kaum Worte der Beschreibung finde. Der Ältestenrat eines nahen Dorfes als auch mein eigener Clan weiß um Verschwundene in den Tiefen jenes Forstes, den wir den Fey’larkin nennen, es heißt ein sogar ein grausamer Fluch gehe um, man hat uns Männer und Frauen der Pirsch dazu geraten umsichtig zu sein und die Wehrlosen zu beschützen, auftretender Gefahr die Stirn zu bieten wenn wir sie denn erblicken mögen, anscheinend war mir das Glück hold…oder auch nicht wie man es auch auslegen möchte, denn ich suchte nach Wild und fand ein Untier… oder ihrer gleich zwei. Ich war nicht allein, ich betrat mit einem Gefährten diesen Wald, doch er ist fort… ich vermute er ist geflohen im Anbetracht dieser Schrecknisse und ich kann es ihm nicht einmal übel nehmen, womöglich habt Ihr einen wie toll hetzenden Mann gesehen, ehe Euch die Geräusche des Kampfes anlockten?“

„Nichts dergleichen“ erwiderte der strotzend Gerüstete und musterte den Schneeläufer noch eine Weile lang gedankenvoll, als wäge er den Wahrheitsgehalt seiner Erzählung ab. „Mich würde es allerdings überraschen wenn es einem so in sich aufgelöster Geschöpf gelungen wäre unseren spähenden Augen und lauschenden Ohren zu entweichen ohne das wir seine Flucht bemerkt hätten. Mir liegt es fern vermessen klingen zu wollen, doch solch ein Unterfangen müsste von Götterhand bereitet werden, alles andere wäre zum Scheitern verurteilt gewesen. Meinen… Jägern ist jedenfalls noch kein Sterblicher entkommen, den sie nicht entschlüpfen zu lassen beabsichtigten.“

„Dann seid ihr geblendet vom eigenen Hochmut und Eure Fähigkeiten entsprechen nicht Eurer Großtuerei oder Merkwürdiges, Unbegreifliches geht hier vor.“ vergalt Catigern dem hochtrabenden, finsterbärtigen Anführer. Seine Finger griffen noch immer fest um das Heft seines Breitschwertes, jederzeit bereit einen schnellen Hieb gegen die Flanke des Pferdes zu führen, sollte sich die Geduld seines Gegenübers erschöpfen und er den Befehl geben, Störenfriede lieber zu beseitigen statt sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

„Du vergisst dich Tundraner!“ rief der Rittmeister erbost und sein Reittier tänzelte von neuem unter seinem kraftstrotzenden Zug. „So sicher wie du dein Wild erlegen magst, so bestimmt hetzen wir unsere Beute, doch gibt es einen mannigfaltigen Unterschied zwischen uns, du füllst die Bäuche derer die Bestien in Menschengestalt sind und sich zivilisiert schimpfen, ich und die die mir folgen, wir beruhigen unsere Gemüter damit Menschen in Bestiengestalt zu erschlagen und ihren Seelen den ewigen Frieden zu schenken, den niedere machtrunkene Kreaturen ihnen verwehrten indem sie sie verdorben! Jene Scheusale“ Ein mit stählernen Schienen versehener Arm streckte sich gen Netz worin das katzenartige und wolfsähnliche Wesen gefangen waren, welche sich jaulend und heulend gegen das Gewicht und die Belastbarkeit des Geflechts stemmten.
„sind behaftete mit dem Makel von dem ich sprach, sie sind das lebendige Zeugnis dessen, wozu kranke Verstände fähig sind, denn man kann nicht als gut bezeichnet werden und gleichsam solche blutrünstigen Monstren erschaffen! Widerwertigkeiten wie diese, haben eine Spur als Leid, Kummer und Tod durch die Nordreiche gezogen, an ihren Klauen klebt das Blut hunderter, ihr Geheul säte Angst und puren Wahnsinn unter der ländlichen Bevölkerung, ihre Zähne rissen das Fleisch von Mann, Frau und Kind, ihre Fänge knickten Knochen wie Gräten eines Fisches, in Vollmondnächten labten sie sich an den Leibern derer, die ihnen zu Opfer gefallen, sie sind eine wahre Geißel aller gerecht Lebenden, eine Bedrohung für Herd, Heim und Familie! Ich kann dir beteuern Nordmann, sie sind nicht nur „euer“ Fluch, sie sind unser aller Fluch und sie müssen ausgerottet werden! Wir sind weder selbstgefällig noch herablassend, wir wissen lediglich um unsere Talente und die haben uns nicht getrogen, denn wir sind hier und haben unseren Fang gemacht, einen Fang dem wir viele entbehrungsreiche Wochen entgegengefiebert haben, der uns von den milden Gefilden des großen Stroms aus bis hinauf in die Öde des Eises geführt hat! Ich werde mich von einem wie dir nicht kränken lassen, einem… der nichts an diese Bestien verloren hat und nur des Zufalls wegen an sie geraten ist.“

(wird fortgesetzt)

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Haare, Mond und Blut

Beitrag von Catigern » Di, 25. Nov 2008 17:01

Scharf und heiß wie glühendes Metall tönten die Worte des auswärtigen Hauptmanns über die Lichtung, verfingen sich in der umgebenden Wand aus Bäumen und ließen hallende Echos entstehen. Erzürnt blitzten die Pupillen in den Sichtschlitzen des Helms, auch wenn er verneinte nicht gekränkt worden zu sein, war er doch eindeutig beleidigt und aufgebracht. Aber er hielt an sich wie man es von einem vorbildlichen Befehlshaber erwartete. Catigern seinerseits neigte das Haupt um Verzeihung bittend. „Vergebt mir meine Anschuldigungen, sie waren überhastet gesagt und nicht wohlgemeint. Euer Zorn auf mich ist berechtigt, doch müsst Ihr auch Nachsicht auf meine gegenwärtige Lage nehmen, denn Ihr seid viele Bewaffnete und ich nur einer. Vermutlich sollte ich deshalb umso bedächtiger sein, aber mir sind die letzten Fremden die uns ihre Aufwartung machten nicht in unschuldiger Erinnerung verblieben und da ihr Äußeres den Vergleich mit dem Euren standhält hege ich den Verdacht dass jene Unruhestifter zu Eurer Schar gehören, was mich zu dem Schluss kommen lässt Euch nicht zu viel des Zutrauens zu spenden.“

Kaum waren ihm diese Neuigkeiten von den Lippen, trennte sich ein Reiter aus der losen Formation und trabte etwas zurückhaltend an die Seite des Rittmeisters. Sie tuschelten einen Augenblick lang, eine Frage wurde wohl gestellt, denn der Anführer nickte und überließ dem Vorgerittenen das Wort. Sein Haarschopf war von roter Farbe, der in der Witterung des Winters jedoch bleich und fahl wirkte. Seine Augen dagegen waren von einem intensiven opalen Blau. „Andere wie uns sagst du? Von wie vielen redest du genau?“

Die Ungewissheit brannte auf seiner akzentgeplagten Zunge. Der blonde Schneeläufer grinste ihn beinahe freundlich an, doch seine Haltung und sein Blick waren lauernd wie der eines Frostwolfes. „Drei. Ein Kahlkopf, einer mit Kappe und wuchtigem Streitkolben und ein langmähniges Weib. Sie ritten in das nahe gelegene Dorf, schienen nach etwas oder jemanden zu suchen, wenig später kam es zu einem Tumult in der dortigen Taverne bei dem der brave Wirt beinahe durch ihr Ungestüm getötet worden wäre, die Turmwacht beendete den Aufruhr und sperrte sie weg.“

Das Gehörte behagte dem untergebenen Krieger nicht, Muskeln zuckten unter seiner Gesichtshaut. Er schickte sich an über noch etwas Erkundigungen einzuholen, aber ehe er eine weitere Frage formulieren konnte, bedeute ihm sein Hauptmann sich wieder einzugliedern. Mürrisch folgte der Axtträger der Aufforderung.
„In der Tat, du hast nicht Unrecht mit deiner Annahme. Bei den dreien handelt es sich tatsächlich um meine Schergen. Ich schickte sie voraus, ihre Aufgabe war es die Küste auszukundschaften und menschliche Siedlungen ausfindig zu machen, in denen wir uns gegeben falls Vorräte beschaffen könnten. Wie es scheint haben sie zumindest einen Teil ihrer Pflicht mehr oder weniger erfolgreich erfüllt. Ich befehlige keine Horde von groben Mordbrennern, aber unsere Vorgehensweisen stoßen nicht immer auf Einvernehmen. Ich kann nur schätzen dass es einen gegenstandslosen Zwist gab, der einen unsinnigen Streit heraufbeschwor oder das meine Jäger etwas gefunden haben… und ihre Auslegungen misslich verstanden wurden was zu ihrer Ergreifung geführt hat. Was immer es war, ich werde für den entstandenen Schaden aufkommen und die anfallenden Münzen für ihre Auslösung bezahlen, dies kannst du jenem Ältestenrat ausrichten, ebenso wie Eikals aufrichtige Vergebung für das geschehene Unheil.“ erklärte der berittene Meister der Jagd bereitwillig und winkte dann mit einem Arm in Richtung seiner harrenden Männer.
Zwei sprangen daraufhin sogleich aus ihren Sätteln und stapften gewissenhaft und achtsam auf das massige gebundene Knäuel zu, dessen Stricke borstiges und struppiges Fell hinabdrückten und in dem immer mal wieder schnappende Reißzähne oder gefährlich gebogene Krallen zu sehen waren. Scheinbar gewollten die Fremdländer ihren „Fang“ für eine Reise zu verschnüren, wie immer sie das auch anzustellen gedachten. Allein schon die Beschaffenheit des Netzes erstaunte Catigern über alle Maße, die er sich allerdings nicht anmerken ließ, keine noch so dicke und engmaschige Verstrickung die er kannte vermochte seiner Meinung nach derartige Ungetüme zu binden und hemmen. Die Ausrüstung der Fremden war wahrlich beeindruckend. Ein Erweis dafür dass sie ihrem Handwerk schon lange nachgehen mussten und die Schilderungen des Anführers nicht hohle Geschichte war.

Die beiden Krieger, einer mit Langschwert, nietenbeschlagenen Lederpanzer und dicken Fellumhang, der andere mit Peitsche, Spieß, Kürass und Pelzmantel standen nahebei der gefangen gesetzten Ungeheuer, einer holte einen Tiegel aus einem Beutel an seinem Gürtel, öffnete ihn und hielt ihm seinen Kumpanen hin. Der entrollte seine Peitsche, Widerhaken funkelten an der Gertenschnur. Eingeübt und fast genüsslich bestrich der Bändiger sein Werkzeug mit einer Schmiere aus dem kleinen Gefäß. Als er fertig war, breitete sich ein hämisches Grinsen auf seinem ovalen Gesicht aus und er schlug in rascher Reihenfolge dreifach auf das Bündel hilfloser Werwesen ein, die unter den Hieben aufheulten und winselten, als das lähmende Gift beißend in ihr wundes Fleisch getrieben wurde. Catigern wandte seinen Kopf ab, das Wimmern und Greinen schmerzte sein Gehör. Die Mittelreicher wohnten dem grausigen Schauspiel bei als sei es ein anerkanntes Ritual, nicht einer starrte weg. Dann, vollends unerwartet, verstummten die knallenden Schläge der Peitsche. Der Krieger der sie geführt hatte, wankte plötzlich auf seltsamste Art und fiel den Bruchteil eines Augenblicks später rücklings zu Boden. Der Schaft eines Pfeils zitterte in seiner Stirn.

(wird immer noch fortgesetzt)

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Beitrag von Catigern » Mo, 01. Dez 2008 18:06

Für die Dauer eines Herzschlags schien der Fluss der Zeit stillzustehen, sieben fassungslose Augenpaare stierten von Pferderücken hinab zum reglosen niedergestürzten Körper, ein achtes starrte entsetzt neben sich, dorthin wo nun die Leiche des Peitschenschwingers lag und den weißen Schnee mit dem Rot seines Blutes färbte. Nicht einmal das vertraute Geräusch des Windes welcher zwischen den Stämmen und durch das Geäst der Bäume klagte schien den Moment atemloser Anspannung trüben zu wollen. Der Mann, dessen Kumpan soeben niedergestreckt worden war, war es hieraufhin der als erster die Spanne des gefrorenen Schicksals wieder zu beeinflussen mochte, denn sein Mund rief eine aufrüttelnde Mahnung das von einem metallen Schaben begleitet wurde als er geschwind sein Schwert aus der Scheide beförderte und sich dem Rand der Lichtung zuwandte. Die Wirklichkeit mutete an zu zersplittern wie ein böser Traum, wahrhaftig war das was folgte nicht von minder grässlicher Natur, denn das Chaos eines Kampfes um Leben und Tod begann so plötzlich wie unverhofft.

Aus dem schummrigen Dämmer des Waldes zischten jäh weitere Pfeile heran, bohrten sich in Erdreich, Ross und Mensch. Gepeinigtes Geschrei und keifende Kriegsgebrüll erhob sich und die Reiter spritzten auseinander wie eine aufgescheuchte Herde von Ukhaans. Die Hufe der lospreschenden Pferde wirbelten Matsch und Erdklumpen auf, Armbrüste zischten und erwiderten den Beschuss, den unsichtbare Angreifer aus dem Unterholz angebahnt hatten. Ein Berittener stürzte mit seinem Vierbeiner, dem Tier staken drei Geschosse im braunen Rumpf und es wieherte kläglich. Sein Besitzer rettete sich rechtzeitig um sich nicht unter der einbrechenden Last ein Bein zu zerquetschen. Einen wüsten Fluch ausspeiend und mit zorniger Miene zog er sich einen Anderthalbhänder vom Rücken und stürmte in den Wald, wehe dem der sich ihm in den Weg stellte. Catigern sah wie der bärtige Truppführer mit seinem Ross durch das raureifüberzogene Gestrüpp brach und dabei mit seiner Axt ausholte, offenbar hatte er einen der Hinterlistigen ausfindig gemacht und zahlte ihm nun den Verlust seines Mannes heim.

Sich der Gefahr bewusst als Zielscheibe zu gelten wenn er weiterhin wie versteinert auf der Rodung verbleiben würde, entschloss sich der Schneeläufer ebenfalls eilends dazu sich ein angemessene schutzbietendes Versteck zu suchen. Er schaute sich gehetzt um und sein Blick fiel zunächst auf die Vorratshütte, in welcher sich eines der Fellbiester an einem Wanderer oder anderem gütlich getan hatte, die Auslese war zwar nicht die heimeligste, würde aber vorübergehend seinen Zweck erfüllen. Er machte sich schon bereit in das Innere zu sprinten, denn mit der tobenden Fehde wollte er nichts zu tun haben, als er aus den Augenwinkeln plötzlich eine Bewegung im Dickicht gegenüber der Hütte bemerkte. Es musste im Forst von Widersachern die es auf die Fremden abgesehen hatten nur so wimmeln. Wusste Rhelun wen sie sich alles zum Feind gemacht hatten!

Er lief los, änderte jedoch auf halbem Wege Absicht wie Richtung und rannte so schnell wie in seine Füße trugen in das Gehölz. Er stieß einen wütenden Kampfruf aus um die schleichenden Gestalten zu überraschen und verwirren und erkannte Lidschlags darauf dass es ihrer, glücklicherweise, nur zwei waren. Dem einen rammte er noch im Ansturm unversehens seinen Schwertknauf gegen die Kiefer, Zähne knirschten und knackten und der Überrumpelte krachte besinnungslos zu Boden, ehe er wusste wie ihm geschah. Sein Begleiter war fideler und sprang prompt zurück. Haare von der Tönung frischer Rinde, wuselten um seinen Kopf, purzelten ungebändigt in sein junges Gesicht. Hände umklammerten panisch einen Bogen aus Eschenholz und versuchten nach einem Pfeil aus dem Rückenköcher zu greifen. Catigern hob seine Klinge schon zum wiederholten Angriff, als er blitzartig erkannte wer da vor ihm stand und wem er beinahe den Schädel gespalten hätte. Mühsam hielt er die Wucht des Schlages zurück und rief bestürzt: „Feldir? Bei den verblichenen Gebeinen unserer Ahnenväter, du?!“

(Eine letzte Fortsetzung gibt es noch *vertröst*)

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Beitrag von Catigern » Di, 09. Dez 2008 18:47

Die wiedergewonnene Freiheit und eines Zauberwebers Angebot

Abseits der wilden Ranküne, die sich in den Hain verschoben hatte, blieb die Lichtung beinahe vollends verweist von menschlichem Leben zurück. Sämtliches tragendes Getier und deren Halter waren lautstark trampelnd und waffenschwingend in die zwielichtige Unergründlichkeit des Fey’larkin geprescht um sich den verborgenen Gegnern zu stellen und sie aus ihren Verstecken zu treiben von denen aus sie zu Anfang seelenruhig ein Pfeil nach dem anderen auf sie abgegeben hatten. Das erste Blut war auf die arglistigen Übeltäter gegangen, was die Recken aus dem fernen Landen nicht auf sich sitzen lassen konnten, ihre Kehlen schrien nach Vergeltung und Sühne für den Gefallenen indessen sich ihre schweren Schlachtrösser unbarmherzig eine Schneise der Verwüstung durch das Unterholz des Waldes bahnten.
Bald erklangen die ersten furchtsamen und mahnenden Ausrufe, gefolgt von Lauten die in der Mitte abbrachen und zum unverständlichen Kauderwelsch wurden oder sich gar in unartikulierte Aufschreie wandelten. Anzeichen dafür dass die rasche Reaktion der Reiter auf den Hinterhalt ebenso anstellige Erfolge einstrich. Jedes johlende Gebrüll oder schmerzvolles Gekreische deutete einerseits auf einen Triumph, anderseits auf eine Niederlage hin. Sehnen schnappten in der Dämmerung zwischen den aufragenden Nadelbäumen, Sattelleder knarzte, Eisenrüstungen schepperten, Pferde protestierten schrill, steinschwere Keulen und geschliffene Axtblätter brummten und sangen in der Luft, Stiefel hasteten durch Gebüsch und hüpften über knotiges festes Wurzelwerk. Die Geräusche der Schlacht waren umfassend und alles durchdringend, banden den gesamten umliegenden Ort mit ein und erzeugten einen vielfältigen wie unberechenbaren Hintergrund.

Eine Kulisse wie geschaffen für seinen Auftritt. Einen Auftritt für niemandes Sinne bestimmt, außer für jene von denen er wollte dass sie ihn wahrnahmen und selbst diese Erwählten hätten im ersten Augenblicke noch beträchtliche Schwierigkeiten gehabt ihn zu erkennen, der da gemäßigten Schrittes auf sie zuhielt. So wie er gegenwärtig die südliche Baumgrenze verließ und die Lichtung betrat, mochte man allenfalls eine flirrende Verwerfung von zarten Lichtschimmern in der kühlen Luft und angedeuteten Schattenspiel auf dem Boden erahnen. Nichts wies auf eine feste Form, geschweige denn ein Wesen aus Fleisch und Blut hin das sich dort ungesehen in die Richtung des ausgedehnten Netzes begab, indem die bemitleidenswerten Geschöpfe einer missverstandenen Rasse schmachteten. Die ausgeprägten körperlichen Anlagen der gefangenen Verwandlungskünstler waren allerdings imstande das Knirschen des unter Gewichts nachgebenden Schnees zu erhorchen und ihre feinen Nasen sogen einen unverkennbaren Geruch der nach Muttererde, duftenden Blumen, frischem Wasser, saftigen Wiesen, animalischer Kraft und unergründlichem autoritären, unfühlbaren Herrschaftsanspruch auf, die eine sofortige innige Verbundenheit bewirkte. Nicht das man Stärke und Bande erschnüffeln konnte, aber Worte vermochten nicht zu beschreiben, was diese mächtigen freigesetzten Energien und Emotionen die dieses sich nähernde Wesen ausstrahlte, bei denen erweckte und einflößte die ähnlich in ihrer Art waren wie es selbst.

Keine Menschenseele entdeckte das sich bewegende leichte Flimmern und Flirren, niemand störte sich daran, denn nicht einer hatte genug Ruhe und Besonnenheit um der Kreaturen zu gedenken die verlassen und für die Dauer des Kampfes vergessen, eingefangen auf der Lichtung dalagen. Bedrohungen waren derweil ausreichend vorhanden, an eine weitere aus den Schatten verschwendete keiner der Streiter einen müßigen Gedanken. Die dezent glitzernde Aureole des aufrechten, länglichen Feldes das den unsichtbaren Besucher verhüllte blieb vor dem Wirrwarr aus übereinander laufenden Stricken, ineinander steckenden Knoten und darunter befindlichen beharrten Körpern stehen. In der ungefähren Höhe eines gewöhnlichen humanoiden Kopfes leuchteten plötzlich zwei goldene Augen auf, unheimlich anzuschauen für Unbeteiligte, Freude, Hoffnung und Glückseligkeit spendend für Artverwandte.

„Jál’ileci’nol’waôcha“ sprach eine sanfte Stimme in fast trällerndem Tone, ein funkelnder Schweif fuhr durch die Luft, dann entknoteten sich die Verstrickungen wie von Geisterhand, erschlafften in ihrer Zähigkeit und Hartnäckigkeit und rutschten wie glattes Seidengespinst auseinander und zu Boden. Die kugeligen bleiernen Erschwernisse ermatteten, schrumpften und schrumpelten.
„Ihr seid nun wieder frei und wenn ihr anstrebt Euer Leben fortzuführen, so will ich Euch raten mich zu begleiten, besonders dir möchte ich es dir anempfehlen.“ Die substanzlose melodische Stimme redete ausdrücklich zu Áluka Felanodir, wusste seinen vollständigen Namen, schien sein Innerstes zu kennen. Konnte den Menschen hinter der Bestie erfassen und begreifen.
„Ich kann dir die Zuflucht und das Heim bieten, das du von den Haderern jener kurzsichtigen Brut nie hättest gewährt bekommen, obwohl du es dir jeher so sehr erwünschtest, die in dir stets nur die Inkarnation des reinen Bösen gesehen haben das es ihren törichten Erachtens nach mit Feuer und Schwert auszutilgen galt und nach wie vor gilt. Nimm mein Angebot wahr und dein bisheriges Dasein als Geächteter und Gejagter endet mit dem heutigen Tag."

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Beitrag von Áluka » Mo, 22. Dez 2008 20:18

Muskeln zuckten, heißer Atem schlug gegen gefrorenen Boden und ließ das Eis zwischen den Erdklumpen schmelzen. Blut rauschte in den spitzen Ohren und ließ alle Hintergrundgeräusch verblassen. Stimmen, dieses elende Geschnatter! Grollend wollte die Bestie den Kopf schütteln, diese menschliche Stimmen verbannen, die ihn wie kleine Messerstiche in den Kopf drangen und dort in weichem Fleisch bohrten, aber seine Bemühungen wurden von dem vereitelt, was sich da schmerzhaft in sein Haut drückte, sie wund scheuerte und zudem brannte wie Feuer.
Die feurigen Augen ruhten auf den Stiefelspitzen und Hufen von Mensch und Tier, während Kiefer mahlten und sich wünschten das Fleisch der Anwesenden zwischen den Zähnen zu spüren. Die recht menschenähnliche Hand, welche zwar beharrt, größer und vor allem krallenbewehrt war, grub sich zornig in den Boden.
Noch nie, niemals hatte die Bestie solche Demütigung erleiden müssen!
Ihm wurde noch nicht einmal Beachtung geschenkt, ihm[/ihn], den Schrecken der Wälder, der Jäger der Nacht, Feind aller Träume. Die Umgebung verschwamm vor seinen Augen, Licht und Schatten wechselten sich ab in einem unheimlichen Tanz und ein Zittern rann über den mächtigen Körper. Muskeln spannten und Sehnen zogen, dehnten sich. Nein!, schrie der Rest des zurück gebildeten Verstandes und begehrte auf. Geschwächt, gepeinigt und mutlos machte der Körper Anstalten sich zurück zu verwandeln, aber das durfte auf keinen Fall geschehen. Nicht nur, dass sein menschlicher Körper neben der anderen Bestie nicht lange überleben würde (wer konnte schon mit Gewissheit sagen, wie einfältig das Tier war und selbst in der Stunde der Verlustes nicht doch daran dachte sich ein Mahl zu genehmigen), nein, dann wäre sein Geheimnis vor aller Augen preisgegeben.
Im Angesicht des Feindes der Blöße hingegeben, dieser Gedanke schmerzte.

Mit einem Fauchen wehrte sich die Bestie gegen den Drang der Rückverwandlung und sein Blick klärte sich. Bewegungen machte sie um sich aus. Etwas geschah. Zwei Männer holten Waffen hervor, keine glänzenden Metalle, sondern welche anderer, fremder, Art, die die Bestie nicht kannte –aber kurz darauf spürte. Es knallte laut, Wunden wurden geschlagen, fraßen sich hungrig in das Fleisch und hinterließen ein unnatürlich scharfes Brennen. Drei Mal insgesamt wurden die Schläge ausgeteilt, dann verstummten sie.
Stille, lauter als jeder Peitschenknall es sein konnte, legte sich auf den Schauplatz und ließ den Werwolf trotz seines Schmerzes den Blick umher wandern. Der Geruch von Blut stieg ihm in die Nase, sein Eigenes, das seines Mitgefangenen und Menschliches. Die Waffe lag im Schnee, sein Träger daneben. Dann brach der Sturm los; Pfeile flogen zischend durch die Luft, bohrten sich dumpf in Erde oder Körper, Eisen klirrte und scharrte, Pferde wieherten aufgeregt.
Und vermengt war dieses Orchester der Laute mit dem Geschrei der Sterbenden oder Wütenden, die dem Kampfeifer anheim gefallen waren und sich zu verteidigen versuchten. Es dauerte nicht allzu lange und der Mittelpunkt des Geschehens war nicht mehr die Lichtung, sondern das Gestrüpp darum, zwischen Dickicht und Unterholz. Keiner schien sich mehr um die gefangenen Kreaturen zu kümmern, die in dem fallenden Interesse eine Chance der Flucht rochen, aber nicht in der Lage waren die nahende Freiheit zu packen und an sich zu reißen, sich in sie zu stürzen.

Umso intensiver wurde das wahrgenommen, was da auf sie zukam.
Zuerst war es nur ein Gefühl, das Gefühl des Beobachtens, wie es einem anheim fiel, wenn man auf einmal nicht mehr am Rande, sondern im Zentrum des Geschehens war. Schnee knarrte, Schritte näherten sich. In dem eingeschränkten Blickfelds des Werwolfes wurde allerdings niemand wahrgenommen, der sich näherte. Die feine Nase stieß heiße Luft aus und nahm einen neuen, fremden Geruch war. Oder war es nur ein Gefühl, ausgelöst durch die Schmerzen, die auf der Haut brannten, verursacht durch jene peitschenden Schläge? Nein, etwas war da um sie herum, und wandte seine Aufmerksamkeit auf sie.
Instinktiv wusste der Wolf, dass es nicht die Art Aufmerksamkeit war, die mit Abneigung, Furcht und Hass vermengt war, wie er sie zuvor noch gespürt hatte. Jetzt war es etwas anderes… etwas, dass einen einlud und willkommen hieß.
Etwas flimmerte in der Luft, verschwamm etwas vor dem getrübten Blick des gepeinigten Jägers, aber es schienen Augen zu sein, die auf ihn herab sahen. Worte suchten sich ihren Weg durch die Luft, die Kampfeslärm, Blutgeruch und Verheißung in sich trug, und auf einmal lösten sich die schmerzhaften Fesseln um den Körper. Ein erleichtertes Schnauben war zu hören, als ein Kribbeln in den Gliedmaßen die Blutzirkulation wieder ankündigte, die zuvor doch arg eingeschränkte gewesen war. Endlich trugen die Bemühungen, Körper vom Erdboden zu heben, wieder Früchte des Erfolges und langsam und zitternd richtete sich der Werwolf auf. Die Arme noch stützend auf den Boden gestemmt, nahm er die lockenden Worte war, die von jener körperlosen Gestalt zu kommen schienen.
Sie drangen nicht so in seine Ohren, dass er Mühe hatte sie zu verstehen, wie es bei den Menschen der Fall gewesen war, nein, sie waren direkt an seinen Verstand gerichtet, welcher klug genug war sie zu verstehen. Sie sprachen von Zuflucht, Heimat. Von Sicherheit und Beendigung der Jagd, bei der er der Gejagte war. Das müde Herz begann kräftiger zu schlagen, voller Inbrunst und Überzeugung dessen, was es da hörte. Ruhe kehrte in das wilden Tosen und in die verwirrten Böen des Chaos‘ in Herz und Verstand ein und brachten es dazu den Kopf zu hebend, suchend nach der dargebotenen Hand, dem Pfad, der sich ihm eröffnet wurde.
Die Verzweiflung und Entmutigung schwand, längst vergessene Hoffnung und alte Stärke erwachte in dem geschundenen Körper und konnten nicht anders dem Ruf Folge zu leisten.
[color=darkred]Lächeln ist die eleganteste Art einem Gegner die Zähne zu zeigen![/color]

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Beitrag von Catigern » Do, 01. Jan 2009 19:17

Ein Bund im Nebel der Verworrenheiten

Die schiere Überraschung war dem überrumpelten Kundschafter für die nachfolgenden Lidschläge geradezu ins Gesicht gemeißelt, erst nach einem Moment der Atemlosigkeit gewannen seine Züge an Regung zurück und seine braunen Augen nahmen wahr, um wen es sich bei dem ungeahnter Angreifer aus dem Dickicht handelte. Seine Finger die sich krampfhaft darum bemüht hatten einen Pfeil hervorzufischen und auf die Sehne seines Bogens zu spannen, hielten in ihrem Tun inne unterdessen die aufwallenden freundschaftlichen Gefühle damit beschäftigt waren, jene der eingeprägten Feindschaft niederzuringen, denn der Jägersmann war davon ausgegangen als er ausgezogen ward, hier im Wald nur jene zu stellen, die seinem Stamme und der Siedlung der Eismenschen lediglich Übles wollten. Inmitten dieses Kampfes um Leben und Tod nun einen Gefährten anzutreffen, noch dazu einem der mit einem Schwert auf einen losging, war ein Umstand auf welches Feldir nicht vorbereitet gewesen war.
„Ca-Catigern!“ nannte er den zögernden Schwertschwinger beim Namen, den Schrecken noch immer nicht von der Zunge verwaist.
„Ja… ich bin es. Ich meine, wir sind es. Aber was machst du hier im verfluchten Hain? Noch dazu gänzlich allein… natürlich weiß ich das du dich deiner selbst bestens erwehren kannst, doch… doch was hast du zu suchen, hier in Gegenwart jener blutrünstigen Bestien?“ Aufrichtige Verwirrung lag in Feldirs Blick, als er den drohenden Krieger vor sich betrachtete und dabei versuchte sich einen Reim auf all die Geschehnisse zu bilden.

Der Schneeläufer, dessen gedankliche Unordnung ob der chaotischen Lage nicht minder beeinträchtigt war, beobachtete seinen dunkelhaarigen Freund aus verengten Sehschlitzen, seine mächtige Brust unter dem eisenbeschlagenen Leder hob und senkte sich wie die unruhige See. Noch mehr als sein eingeschüchterter Kumpan fragte sich Catigern was er von diesem Schlammassel halten sollte, ob dieses heillose Durcheinander dem bloßer Zufall zuzuschreiben war oder ob jemand bestimmtes sich dafür verantwortlich zeichnete. Hatten sich die Mahnungen des Ältesten Ethiam aus Norr Bharrak dermaßen in den Köpfen der Männer eingebrannt, das sie bereits einen Tag nach ihrer Verkündung alles in Bewegung setzten um der Ursache des Fluchs auf den Grund zu gehen? Höchst unwahrscheinlich, befand er, außerdem war es die Natur des Jägers sich alleine oder mit einem treuen Begleiter an seiner Seite auf die Pirsch zu begeben, aber dies hier, war eine einberufene Gruppe, kein loser Verbund. Irgendjemand musste zielstrebig die Jäger um sich versammelt haben und ihn den Fey‘larkin eingedrungen sein um einer größeren Bedrohung Herr zu werden. Anders vermochte er sich die gegebene Situation nicht zu erklären.

Zu Feldir gewandt sagte er dann aber nur: „Du fragst was ich hier treibe? Was denkst du wonach es aussieht? Ich gedachte friedlich meinem Tagwerk nachzugehen, aber dann vernahm ich angsterfüllte Schreie und der Mahnruf kam mir in den Sinn, also rannte ich los, hinein in diesen elenden, von den Göttern verlassenen Wald, spürte wie der eisige Hauch des Grabes mich umfing und die Beklemmung der mich umgebenen Schattengehölze mich befiel, aber dem allem zum Trotze, lief ich weiter und gelangte zu der Hütte dort drüben auf der Lichtung, aus der das Geschrei inzwischen verstummt war. Ich roch bestialischen Gestank ein und schmeckte den Tod auf meinen Lippen und nicht viel später erblickte ich ein Geschöpf widerlichster Abart! Zweifelsohne die Bestie, die all der Morde und Schandtaten der letzten Monde schuldig ist! Ich wollte sie zur Rechenschaft für ihre Verbrechen ziehen, aber der Mensch ist solch Monstren der alten Tage nicht gewachsen, fast wäre es mein Ende gewesen, aber dann geschah wundersames, denn ein zweites Fluchding tauchte aus den Tiefen des Forstes auf stürzte sich auf mein Verhängnis. Beide rangen miteinander, wissen die Geister warum, aber ehe eine Entscheidung fiel wer von ihnen nun den Sieg davontragen würde, ritten diese Fremdlinge in Stahl und Pelz heran und machten die rasenden Kreaturen zu ihren Gefangenen! Mögen meine Ahnen mir beistehen, ich weiß selbst wie sich das anhört, nichtsdestotrotz widerfuhr es mir so Feldir,“ er hatte sehr wohl den zweifelnden Blick seines Gefährten gesehen, der sich sogleich aber wieder zum Vertraulichen wandelte, als ihn der blonde Hüne zurechtwies, denn schließlich war er von Catigern keine Lügen gewohnt und wollte auch jetzt nicht damit anfangen zu glauben das er sich so seiner Haut errette. Also ließ er ihn weiter gewähren.
„Der Anführer der Fremdländer redete auf mich ein wie ich es nun bei dir tue, ich erkaufte mir mit meinen Worten sein Wohlwollen und fand heraus das er über jene gebietet die in Norr Bharrak Unruhe stifteten. Er scheint ein anständiger Mann zu sein, einer der sich zur Lebensaufgabe gemacht hat jene Scheusale, welche sie mit ihren Netzen fingen und die unserer Gemeinschaft Verluste beigebracht haben, aufzuspüren und zu erschlagen. Er erklärte sich sogar einverstanden für das Ungemach das seine Leute angerichtet, Wiedergutmachung zu leisten, soweit waren wir, aber dann… verflucht sei das Schicksal, flogen mit einem Male eure Pfeile aus dem Gebüsch und entfachten diese Fehde, wie sie unnötiger nicht sein könnte!“

Der Späher Feldir hatte den Schneeläufer noch nie zuvor derlei viel sprechen gehört, wahrhaftig hatte er nicht einmal vermutet das der sonst so wortkarge Catigern dazu fähig war solch eine lange Erzählung aufrecht zu halten und mit nachhaltigen Sinn zu versehen, aber zu seinem Erstaunen musste er sich eingestehen das er ihn diesbezüglich unterschätzt hatte. Sicherlich hatte es auch schon Abende gegeben an denen der Honigwein kräftig genossen worden war und wo selbst Brödler wie das stämmige Halbblut einiges lallend zu berichten gehabt hatten, aber die heurige Erfahrung war neu und so unglaubwürdig die Schilderung auch anmutete, hätte der Waidmann einen Dämon getan und seinen Freund einen Schwindler geschimpft. Seine Stimme war bar jeder Heuchelei gewesen während des Erzählens und seine Augen ohne Scheu. Noch fügte sich längst nicht alles einleuchtend beisammen, aber das musste warten.
„Entweder ist Rhelun mit dir oder gegen dich, aber wenn sich alles wirklich so zugetragen hat beneide ich dich nicht darum in dieses Wirrwarr hereingeschlittert zu sein! Deine Geschichte ist zu sagenhaft, als das man sie auf Anhieb glauben möchte, aber ich werde es tun bei meinen Blut! Wissen die höheren Mächte wie das alles hier enden soll, ich jedenfalls nicht. Würde es dir etwas ausmachen guter Freund…“ Vielsagenden Blickes streifte er die noch ziemlich nahe vor seinem Oberkörper schwebende Klinge Catigerns, sichtlich unwohl ihr so dicht bei zu sein.
„Oh, gewiss verzeih!“ gab jener knapp von sich und nahm die scharfe Schneide fort, sodass die Spitze zu Boden zeigte. Während ihres gesamten Gespräches war der Kampfeslärm um sie herum nicht abgeklungen, sondern pflanzte sich ringsum im schummrigen Halbdunkel zwischen den Bäumen fort. Des Schneeläufers Haupt flog herum, spähte in die Düsternis. „Wie beenden wir diesen Wahnsinn? Jeder weitere Augenblick der verstreicht fordert mehr Leben, Leben die einem sinnlosen Streit zu Opfer gefallen sind. Wir müssen umgehend etwas unternehmen, wer führt euch an?“

Feldir war an Catigern vorbeigetreten und hatte sich neben den auf dem Erdgrund liegenden Mann niedergekniet der von dem Ansturm des Breitschwertträgers überrascht und prompt zu Boden geschickt worden war, gerade hob er seine Hand von der Höhe des Mundes des Niedergehauenen empor, wohl erleichtert darüber das dieser den wuchtigen Hieb überlebt hatte. „Nach dem was du mir kundgetan hast, wäre eine Fortführung jener Auseinandersetzung bloße Verschwendung von Seelen. Vor allem da beide Seiten bezichtigten denselben Feind zu erlegen, sich stattdessen aber nun selbst bekriegen… welch Torheit, aber wie soll es uns gelingen in der Fieberglut der Schlacht ihr Gehör zu finden, das scheint aussichtslos. Hätten wir doch nur das Horn des Àsgautur aus dem Lied der Nurlafan…“
Grimmig ruckte Catigerns Kopf wieder zu dem sehnigen Gefährten herum. „Vergiss den lächerlichen Zaubertand irgendwelcher halbgarer Legenden und Lobgesänge, was wir hier brauchen ist Mut und Einfallsreichtum. Beantworte mir gefälligst meine Frage: wer führt euch an? Wer ist der Erzeuger jenes eilfertigen Urteils eine Schar um sich zu sammeln, in den verwunschenen Wald zu ziehen und einer Horde von Fremdlingen aufzulauern? Wer?“ Dem etwas jüngeren Jäger vom Clan des Luchses war es, als knisterten in des Anderen Augen ein frostiges Blitzgewitter, und weil er es nicht auf sich herab beschwören wollte, schluckte er und antwortete: „Niord, Njalssons Sohn."

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Beitrag von Catigern » Di, 17. Feb 2009 22:09

Der Pfad ins Ungewisse


Stunden später und knapp zwanzig Meilen entfernt...

Eisige Winde heulten über die Ebenen die sich nordöstlich des Fey’larkin erstreckten. So weit das menschliche wie kreatürliche Auge zu blicken vermochte existierte nur wenig Zerstreuung und Abwechslung außer einige aufgeworfene Schneedünen, zugefrorene blaugraue Tümpel oder kahle, schieferstichige Felsen die wie von Riesenhand geworfen willkürlich in der weitläufigen Gegend verteilt lagen und die einzig wahrhaftigen Merkmale jener unwirtlichen Landschaft darstellten. Inmitten dieser doch recht eintönig zu nennenden Kärgnis aus verschiedensten Tönen des Weiß, hoben sich neben den markanten dunkleren Felsbrocken und den hin und wieder ein herziehenden Herden der Ukhanherden oder abgesondert streuenden Raubtieren am heutigen Tage jedoch noch drei weitere Besonderheiten hervor, die Gestalten von drei Wanderern zeichneten sich inmitten der frostige Öde ab, beharrlich liefen hinein in die Eiswüste die sich vor ihnen, fast bis zum Horizont hin, ausbreitete, wie ein feines, unermesslich großes, Leinentuch das sich über die Erde selbst gelegt hatte und bis zum sichtbaren Rand der Welt reichte, dorthin wo sich die gewaltige nebelverhangenen Zähne der Eisklippen dem Zenit des Himmels entgegen reckten.

Würde man für eine kurze Weile in das irdischen Geschöpf eines Falken oder eines anderen Nordvogels schlüpfen können, der am hohen Firmament über eben jenem Gebiet seine Kreise zog so hätte man zweifellos festzustellen vermocht das die kleine Gruppe sich genau in die Richtung dieses majestätischen Gebirges bewegte. Dies Wesen, an welches die herrliche Gabe des Fliegens vergeben war, konnte natürlich nicht erahnen was die Wanderer durch diese Einöde trieb, auch machte es sich keine Gedanken darüber wer jene Tollkühnen waren die sich der Kälte der Ebene aussetzten und was sie bisher hier in diesen Gefilden getan hatten, nichts von alledem interessierte das geflügelte Tier, aber es verfügte über einen untrüglichen Instinkt wie es allen Lebewesen der Natur zuteile war. Und was es intuitiv verspürte war, das eine nicht geringe Gefahr von diesen einsamen Pilgern ausging, ihnen haftete der „Geruch“ der aufrecht schreitenden Zweibeiner an, aber ebenso verströmten sie die Ausdünstung einer vererbten animalischen Gefährdung. Ähnlich einer „unausgesprochenen“ Bedrohung.
Irgendetwas umgab diese aufrecht Gehenden das äußerst seltsam anmutete und nicht im Einklang mit der natürlichen Schöpfung war. Irgendetwas fühlte sich „falsch“ an. Und dieses Missverhältnis war es schließlich das die Herren der Lüfte abschwirren ließ, denn was immer dort unten ihnen durch die Eiswüste dem Massiv des Bergkamms näherrückte, bereitete ihnen Beklemmung und Furcht.

Wahrscheinlich hoch erhobenen Hauptes schritt der Geheimnisumwitterte Retter voran, wie ein geborener Anführer, an der Spitze seiner Untergebenen oder einem Hirten und Hüter dem seine menschlichen, oder in ihrem Falle, andersartigen, Schafe folgten. Seit ihrem Aufbruch aus den Tiefen des kampfumtosten Waldes hatte der selbstlose Befreier noch nicht wieder das Wort an seine beiden Gefolgsleute gerichtet. Eingehüllt in seinen magischen Umhang aus gebrochenen Licht, der zwar nicht mehr so nachhaltig wie zu Anbeginn seines Auftauchens seinen hoch gewachsene Körper verbarg und verzerrte, aber dennoch sein wahres Äußeres, insbesondere sein Gesicht, nur eher schemenhaft offenbarte, gab er ihnen die Pfad vor an dessen Ende er eine sichere Zuflucht versprochen hatte.
Im Wind treibende Schneeflocken knisterten auf als sie das arkane Geflecht streiften das den Zauberweber umhegte, golden glühte es an den Stellen auf wo die Kristalle auftrafen und zu nichts verpufften. Trotz das er einen vollends Fremden in sein Geleit aufgenommen hatte, wagte der Magier es ihm mir nichts dir nichts ihm den Rücken zuzukehren ohne zu wissen ob von dem neuen Gefährten nicht eine Gefahr für eigen Leib und Leben ausging oder man ihm Vertrauen konnte. Oder wusste er es doch? Es war an Áluka Felanodir dies herauszufinden.


(Noch nicht fertig, Fortsetzung folgt morgen/übermorgen)

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Haare, Mond und Blut

Beitrag von Catigern » Do, 19. Feb 2009 20:25

Seit über drei Stunden folgte er schon diesem rätselhaften Hexenmeister und seiner Kreatur, die er am Vormittag desselben Tages noch eifrig bekämpft hatte, da sie im Forst blutrünstig gewildert hatte. Nun, war das Bild ein gänzlich anderes, innerhalb des Verlaufes eines Tages hatte sich für ihn alles gewandelt, innerhalb jener knapp verstrichenen Zeitspanne waren Freunde zu Feinde und Feinde zu Freunden geworden. Zumindest mochte man dies beinahe so deuten. Wie der Mann mit den bernsteinfarbenen Augen es auch wendete, es hatte viele Überraschungen gegeben. Vermutlich zu viele. Und das verdrießliche an den meisten Überraschungen war gewesen das die Mehrheit auf sein Ableben hinaus zielte. Wieder einmal hatten die Menschen bewiesen dass für einen wie ihn kein Platz in der Gesellschaft war. Und dann war dieser Zauberer aufgetaucht.

Er hatte ihn nicht sogleich mit einer Waffe bedroht, ihn nicht verächtlich angesehen, nicht beschimpft oder bespuckt, war nicht an seinen Tod interessiert gewesen. Er bot ihm ein Heim an. Einfach so, ohne Vorbehalte, als erkenne er die Bestie ihn im an und beurteilte sie nicht als die Gefahr die sie war. Tatsächlich umwehte den Magier selbst eine Art von vertraulichem Schein, der kaum zuließ das Áluka ihm misstrauen konnte. Neben ihm lief das Wesen das der grausame Jäger aus dem Nordreich, Reravil Glínrith genannt hatte. Jenes mit dem er gerungen hatte um den Mord an einem Einsiedler und den Angriff auf den Schnelläufer Catigern zu vergelten. Da er sich jetzt zurückverwandelt hatte, nachdem sie die erste Stunde ihres Marsches noch in Biestgestalt überwunden hatten, war seine elfische Herkunft nun deutlich zu erkennen. Auch er hatte die bisherige Reise über geschwiegen, aber über die letzte Stunde hinweg schien er immer mehr Versuche zu unternehmen sich Áluka anzunähern, mutmaßlich um ein Gespräch zu wagen. Aber bislang obsiegte noch immer sein zögerliches Verhalten.

Sie legten eine weitere Meile in der jammernden frostklirrenden Öde zurück, ehe sich der frühere Katzenelf entschloss endlich die Stille zu brechen. Behutsam lenkte er seine Schritte näher an die des neuen Begleiters heran und warf ihm dann ein, zwei Mal scheue Blicke zu.
Schließlich öffnete sich sein Mund: „Du bist stark… deine Klauen haben bei mir tiefe Wunden hinterlassen… es wird Wochen dauern bis mein Fleisch geheilt ist… nein, verstehe mich nicht falsch, ich trage es dir nicht nach! Nein, nein! Alles was geschah, selbst erst wenn es heute früh geschah, ist vergessen… der Meister wird es so wollen und ich will dem Meister gefallen und gehorchen. Und wenn du klug bist wirst auch du ihm dein Gehör schenken und nach seinen Weisungen handeln, denn er weiß was das Beste für uns ist. Ja, das weiß er. Er versteht uns, er leitet uns, weiß um unsere… Bedürfnisse. Wir sind wie er, sagt er immer, keine Scheusale, nein! Die Welt hasst uns, deshalb dürfen wir einander nicht hassen… wir sind vom gleichen Blut. Es ist gut dass du zu uns gefunden hast, gut das der Meister zugegen war um ein grässliches Ende zu verhindern, nimm ihn als deinen neuen Herrn an rate ich dir, bei ihm, bei uns wirst du es schön haben, ja. Du bleibst frei, aber nicht so frei wie du es kennst, nicht so frei das du irgendwann nicht mehr weißt wohin, seine Stimme ist immer da… entscheide dich weise… du wärst uns willkommen… Bruder… gemeinsam jagen, gemeinsam dienen."

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Beitrag von Áluka » Do, 26. Mär 2009 10:21

Die Flucht aus dem Wald, die Verabschiedung von Lärm und noch immer schweren Geruch von Blut in der Luft, war wohltuend und reinigend. Er war aus der Gefangenheit befreit worden und hatte all die zurückgelassen, die diese verantwortet hatten.
Es war noch nie geschehen, in all seinen Jahren der rastlosen Wanderschaften, dass er gefangen genommen worden war als das, was in ihm lauerte und sich im Augenblick friedlich zurückgezogen hatte. Die Furcht war aus dem dichten Fell abgefallen und mit ihr die ganze monströse Gestalt, die die Menschen dazu veranlasst hatte ihn in Ketten zu legen und zu foltern. Jetzt war er nur noch der hagere Mann in den von dem Schneeläufer gespendeten und ungewohnt wärmenden Umhang gehüllt, die er zusammen mit Stiefeln und Hose noch hatte aus dem Gebüsch auflesen können, ehe er den Wald hinter sich gelassen hatte.
Seitdem war er nur gelaufen, fühlte sich inmitten des unendlichen Weißes mit seinen kaum wahrnehmbaren Farbabstufungen wie ein kleiner Fleck, der sich bewegen konnte so viel er mochte, sich aber dennoch nicht vorwärts bewegen würde. Aber eines war nicht bei ihm, und er vermisste es auch nicht: Das Gefühl der Einsamkeit und Ziellosigkeit.
Er hatte eine Führung, die ihn schweigsam, aber mit ungeheurer Anziehungskraft vorwärts trieb, und einen Begleiter, den es vor wenigen Augenblicken noch zu bekämpfen galt. Es verging einige Zeit, ehe Áluka sein Augenmerk zum ersten Mal auf jenen Begleiter richtete, der nun ebenfalls nicht mehr in seiner grotesken Gestalt neben ihm her lief. Es war ein Elf, zumindest auf dem ersten Blick, wie der weit herumgereiste Werwolf sagen konnte. Die Wut, die er zuvor noch auf dieses Wesen gehabt war, war verflogen, denn sie besaß keinerlei Nährboden mehr. Auch zuvor hatte sie nur damit begründet werden können, dass er trotz seines Nomadendaseins ein ausgesprochenes Revier- und Anspruchsverhalten innehatte, dass in seiner menschlichen Erscheinungsform so gut wie abgeklungen war.
Außerdem hatte der Fremde einen Fehler begangen: Er hatte seinen Begleiter, den Schneeläufer, angegriffen. Es war bloße Verteidigung gewesen, sicherlich kein Band der Zuneigung oder gar Freundschaft, die den Menschen sein Leben geschenkt hatte. Áluka war sich aber sicher: Wäre er derjenige gewesen, der zuerst die Hütte betreten hätte, so wäre es nun sein Körper, der zerschmettert auf dem Boden gelegen hatte.
Stattdessen lief der ‚Feind‘ nun neben ihm her, gesellig und offen, ihm immer wieder Seitenblicke zuwerfend, die von zurückgehaltenen Worten sprachen. Schließlich er sich vorsichtig und Áluka kam nicht umhin seine Muskeln anzuspannen, auch wenn sie bei der zusätzlichen Belastung sofort zu zittern begannen: Seine Kraft war noch lange nicht zurückgekehrt.
Der Elfenähnliche begann zu sprechen – und das nicht wenig. Trotz des heulenden Windes verstand der Werwolf jedes Wort und lauschte gespannt, denn es waren die ersten Worte überhaupt, die er von seinem Begleiter oder ihren Wegführer vernahm.
Der Werwolf wollte dem Sprechenden schon ins Wort fallen, ließ ihn aber aussprechen. Selten hatte er Worte von solcher… Hingabe und Überzeugung gehört. Er kam nicht umhin nach vorne zu sehen und die noch immer schemenhaft zu erkennende Gestalt zu mustern, während der Elf weitersprach.
Bei dem letzten Satz sah er wieder zur Seite, während das Wort ‚Bruder‘ noch in seinem Gehör nachklang. Dennoch war es viel, was gerade gesagt wurde, die Hälfte blieb unverstanden und wurde erst einmal zur Seite gedrängt, denn es kostete ihn starke Konzentration jetzt auf jedes Detail einzugehen.
Sein Verstand schien von der Kälte genauso getroffen zu sein, wie seine müden Glieder.
„Gut… das der Streit beendet ist“, sagte Áluka schleppend, zwang sich dann aber noch etwas hinzuzufügen, um nicht allzu plump zu wirken.
„Ich bin noch etwas… durcheinander. Wohin gehen wir?“
Dann sah er wieder geradeaus, an den Zauberer vorbei in Richtung der gewaltigen Berge, die das Land trennten, als ginge hinter ihnen die Welt zu Ende. Vielleicht war sie dahinter auch zu Ende, vielleicht würde sich dort seine letzte Prüfung entscheiden – sofern er denn schon tot war. Aber sein Körper verriet ihm etwas anderes, pochend und schmerzhaft verheilten die Wunden langsam und stockend, von der Kälte und der andauernden Anstrengung in der Regeneration gehemmt.
Nein, er war nicht tot.
Jedenfalls noch nicht.
[color=darkred]Lächeln ist die eleganteste Art einem Gegner die Zähne zu zeigen![/color]

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