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Haare, Mond und Blut

Die weiße Hauptstadt in der Eiswüste.
Catigern
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Haare, Mond und Blut

Beitrag von Catigern » Do, 02. Apr 2009 18:12

Blutbande

Auf Reravil Glínriths feingeschliffenem Gesicht weichten regelrecht die Züge auf, als der Artverwandte auf seine Anrede reagierte und sein Gebaren wie auch seine Stimmlage nicht die geringste Anschwellung von Feindseligkeit und Verbitterung offenbarte. Der Fremde schien tief in Gedanken versunken gewesen zu sein, davon hatten die dünnen Linien auf seiner Stirn gezeugt wie auch der nach innen gekehrte Blick, welchen er während der bisherigen Reise an den Tag gelegt hatte. Schwere Gedankengänge mussten ihm zu schaffen machen, denn nur selten hatte er aufgeschaut oder den Eindruck erweckt sein Umfeld aufrichtig wahrzunehmen. Umso mehr erfreute es das Wergeschöpf nun das er zu dem neuen Gefährten durchgedrungen war für den sicherlich vieles von dem was geschehen war undeutbar und schleierhaft wirkte. Die anfängliche Scheu überwand der mutierte Katzenelf schnell, jetzt nachdem Áluka Felanodir auf ihn aufmerksam geworden war und ihm den voran gegangenen Schlag und Bissabtausch nicht nachtrug.

Mit einer kuriosen Mischung aus Laufen, Hüpfen und Tänzeln traute er sich noch näher und gesellte sich schließlich zur Gänze an Álukas Flanke. Dabei gab er sich fast überschäumend, neugierig, nahezu kindisch. Auf den ersten Blick hätte man nie vermutet dass dies auffallend verspielte, grienende Wesen aus den Waldlanden auch nur einem Langlöffler oder einem summenden Insekt irgendetwas hätte antun können, doch hinter der Miene seiner leichtlebigen, trivialen Art lauerte eine blutrünstige, triebgesteuerte Bestie. Ein Kontrast, eine Gegensätzlichkeit wie sie kaum schrecklicher existieren konnte. Reine Unschuld als Deckmantel für ein fleischfressendes Ungetüm des Grauens… das doch nichts für sich und seine gefürchtete Gattung konnte. Aber jene entsetzliche Wahrheit war zumindest für den Augenblick vergessen, denn zwei dieser angsterregenden Unholde unterhielten sich wie es gewöhnliche Menschen taten, die sie tief im Inneren ihres Herzens auch waren.

„Du erfreust mich… ja, Reravil sehr froh das du ihm seinen… hm, Überfall verzeihst. Ich wollte dich nicht… nun, doch eigentlich schon… aber ich dachte du seist ein Feind, einer der sich gegen uns verschworen hat, einer den man fürchten müsste weil er uns jagt wie… nun ja, wie die anderen. Aber du warst es nicht… nein, nein, du warst es nicht!“ Er gluckste beschwingt und trippelte weiter grinsend nebenher. „Ich wusste gleich… nein, eigentlich wusste es der Meister, aber danach wusste ich es auch, das du nicht einer unser verabscheuungswürdigen, dummen Gegner bist. Er hat es sogleich gewusst, jaja, gleich das erste Mal mal als er dich sah! Ihm war klar dass du warst wie wir. Ein Freund bist.“

Überschwänglich nickte er hierbei, als sei er sich dieser Sache vollends sicher. „Du durcheinander? Das ist nicht arg, nicht von Dauer, geht vorüber… deine Sinne werden wieder zueinander finden, viel ist geschehen, viel muss vom Verstand gefasst und bewertet werden, aber bald lichten sich wieder die Wolken die sich um deinen Geist gelegt haben, ja, auch das ist von Bestimmtheit.“
Erneutes entschlossenes Nicken. „Wohin wir gehen? Nach Hause gehen wir, wir befinden uns auf der Heimkehr, dorthin wohin uns niemand nachfolgt, dorthin wo wir geborgen und beschützt sind. Daheim ist die Kälte unser Verbündeter, ebenso der feuchte Fels und das erstarrte Wasser… die Menschen der Küste, unsere Feinde aus Ländereien wo die Sonne regiert, meiden ihn, denn der Wind in diesen Kämmen beißt übler in ihr Fleisch als unsere Zähne es je könnten… ja, dort sind wir beschirmt, dort bedroht uns niemand… dort sind wir eine Sippe!“

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Beitrag von Áluka » Sa, 25. Apr 2009 21:59

Das Gebaren dieses Elfen war skurril und unheimlich zugleich. Áluka fragte sich woher dieser die Kraft nahm sich so akrobatisch zu bewegen, tänzelnd, hüpfend. Für den Werwolf war es schon schwer genug einen Fuß vor den Nächsten zu setzen, dabei hatten sie gegeneinander gefochten, sich gegenseitig gleich viel Kraft genommen und Wunden geschlagen.
Sein Näherkommen konnte Áluka nur mit zusammengebissenen Zähnen ertragen, ansonsten wäre er wohl einen Schritt zur Seite gegangen. Nicht, weil er diesen neuen Weggefährten fürchtete, nein, sondern eher weil sein plötzlich aufschäumendes Verhalten im Kontrast zu dem stand, was sich noch lebendig und blutig zugleich, in dem Kopf des Werwolfes abspielte.
Schnee, roter Schnee. Blitzende Klingen. Das Klappern von Hufen des nahenden Feinds…
Der Feind. Mal wieder war es der Mensch gewesen. Letztendlich. Seine Miene verfinsterte sich bei diesem Gedanken und er fragte sich, wieso er überhaupt für den Schneeläufer eingesprungen war. Viel zu viele komplizierte, oder einfach nur instinktive, Mechanismen hatten da auf ihn eingewirkt und sein Handeln nicht logisch gemacht, denn das war es ganz und gar nicht gewesen. Áluka wusste, hätte ihn sein jetziger Begleiter nicht den Garaus gemacht, der Mensch hätte es seiner statt getan, hinterrücks und blind.
Und diese Erkenntnis war noch viel schmerzender als es eine offene Wunde sein könnte.
„Ich habe den Menschen verteidigt“, sagte er langsam, als würde er zu sich selbst sprechen. Es war keine Anklage, die dahinter stand, vielmehr eine Verteidigung, ein schwacher Versuch sein Handeln zu rechtfertigen. Er warf dem Elfen mit der seltsamen Wortwahl und dem unvollständigen Satzbau einen Seitenblick zu, dann verfiel er wieder ins Grübeln. “ …eigentlich wusste es der Meister… Ihm war klar dass du warst wie wir. Ein Freund bist.“
Ein Freund? Er war noch nie jemandes Freund, der Schneeläufer hatte es doch gerade eben selbst bewiesen. Es war kein Trugbild gewesen, das er sein Schwert genommen und nur auf den richtigen Augenblick gewartet hatte, es dem Sieger in den Leib zu rammen. Unwillkürlich ballte er die kalten Hände zu Fäusten.

Die nächsten Worte holten ihn aus seinen finsteren Wegbereitern. Nach Hause? Wieder fiel sein Augenmerk auf das Gebirge vor ihnen, abweisend und drohend reckte es seine klaffenden Spitzen gen Himmel. Wie sollte man diese Eiswüste ein Zuhause nennen können? Bisher hatte er sie nur als Feind kennen gelernt, als gefährlicher Jäger, der die Beute hier karg gemacht hatte. Als kaltblütiger Mörder, der des Nachts kam und eiserne Finger nach dem Herzen ausstreckte um es erfrieren zu lassen. Nein, diese Gegend konnte man wahrlich nicht ‚Zuhause‘ nennen.
„Sippe? Wer sind ‚wir‘?“ Áluka reckte das Kinn nach vorne um damit auf ihren Wegweiser zu deuten. „Du, er und noch wer? Habt ihr dort eine… Gemeinschaft gegründet?“
Nun schwang in seiner Stimme doch etwas Abwertendes und Sarkastisches mit, er konnte es nicht ganz verdrängen. Was dieser Reravil sagte klang in seinen Ohren wie die Worte eines geistig Hinterbliebenen und Verblendeten. Und dem sollte er sein Leben anvertrauen?
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Haare, Mond und Blut

Beitrag von Catigern » So, 03. Mai 2009 20:48

Was wir sind und was sein wird

Die verspielte Eigenart und Abnormität des vormaligen Katzenelfen ließ nicht zu das er die inneren Zwiste und Kontroversen welche im Geiste seines Begleiters miteinander rangen, die angebrachte Achtung schenkte oder sie gar bemerkte. Das zwiespältige Wesen war inzwischen zu sehr eingenommen von seiner unbeschwerten, leichtherzigen Art das er überdies alles um sich herum zu verdrängen und nicht recht wahrzunehmen schien. Unaufhörlich plapperte er, Worte ergossen sich aus seinem Mund wie Wasser aus einer Quelle sprudeln würde. Eine plötzliche Freude und Aufregung hatte von ihm Besitz ergriffen ohne das dazu wirklich Anlass gegeben hätte, aber die Aussicht das ihre „Sippe“ um ein Mitglied bereichert werden würde, schien ihm unermesslich frohgemut zu stimmen.
Womöglich lag die Ursache seines überschwänglichen Verhaltens darin begründet das sein Verstand durch die Wandlung gelitten hatte oder aber in der Zeit danach. Kein Lebewesen das durch Gewalteinwirkung in eine andere Schöpfung umgewandelt wurde konnte von sich behaupten das dieser Vorgang spurlos an ihm vorübergegangen war. Beeinträchtigungen oder Schädigungen an Leib und Hirn waren bei solcherlei Begebenheiten gefürchtet wie bekannt. Wie oft in der Geschichte Alvaranias war eine „transformierte“ – Magi der Akademien zur Schaffung und Bannung entarteter Wesenheiten gestalteten diesen fachlichen Begriff - Kreatur bereites dem Wahnsinn und der unkontrollierbaren Raserei anheim gefallen nachdem es aus seinen gewöhnlichen Leben gerissen und zu einem fleischzehrenden Ungeheuer geworden war? Sicherlich unzählige Male, ansonsten gäbe es keine kühnen Männer und Frauen, gehüllt in schweres Eisen und gewappnet in allerlei Kriegsgerät wie jene unter Eikals Befehl die abenteuerlich durch die Reiche zogen um eben jene Scheusale auszumerzen.

Sah man jedoch davon ab das Reravil Glínrith mutmaßlich verwirrt war und betrachtete es von der weniger trübseligen Seite, so gewahr man den Eindruck dass er wohl einfach nicht die Einsamkeit mochte und in seinem früheren Dasein wahrscheinlich ein geselliger Typus gewesen war und das etwas von dieser Geselligkeit in ihm überlebt zu haben schien. Doch wie schon erwähnt, die geballten Fäuste Álukas beachtete er nicht. Auf seine Fragen antwortete dagegen mit Wohlgefallen und großen, glänzenden Augen.
„Ja, eine Sippe… oder Familie, ein Rudel. Einer ist für den anderen da. Jeder hat seinen Platz und alle helfen einander die Tage zu überstehen die das Weltenrund und seine grausigen Bewohner uns bescheren. Gemeinschaft… auch ein schönes Wort. Weiß zu entzücken. Gemeinsam… wer wir sind? Nun, wir sind Aufgestoßene, Geächtete, Verfemte… und auch Monstren, Unmenschen, Bestien, Plage, Krankheit und Fluch, wir werden gehasst… und doch sind wir. Wir sind wir… schätze ich. Nicht erwünscht und doch sind wir. Wir sind Wesen der Nacht, mächtige Jäger, die mächtigsten in der Dunkelheit. Sie fürchten uns… fürchten auch dich, ja! Aber bei uns, in unserem Kreis, sich niemand vor dir zagt, nein, du Freund, du Bruder.“ Heftig und bestimmt nickte er mehrmals hintereinander mit dem Kopf und Ernsthaftigkeit legte sich über sein Gesicht.
„Wir haben keinen Namen, du könntest uns einen geben wenn du magst, aber bedeutsam ist nur das wir sind und das wir uns erhalten. Bedeutsam darum damit wir nicht sterben bevor uns Heilung widerfahren kann… wenn es dem Meister endlich gelingt.“ Kurz schaute Reravil versonnen drein, dann plauderte er ungetrübt weiter.

„Ja, er war es der uns… gegründet hat. Wobei gründen nicht hinreichend ist, etwas unstimmig… gezeugt ist wohl das rechtere Wort. Für uns, mich und Bridhel, der dritte in unsere Bunde, ist er wie ein Vater. Unsere Fäden sind stark untereinander verknüpft. Bridhel erwartet uns daheim, wo wir hingehen. Du wirst ihn mögen, er ist mehr wie du… kräftigere Glieder, festeres Haar, runde Ohren… doch am meisten ähnelst du unserem Meister und zwar in aller Beschaffenheit, deswegen rettete er dich! Ich denke er ist froh dich gefunden zu haben, lange schon ist er allein und einsam, hat nur uns… seine bescheidenen und unvollkommenen Diener, du bist anders, er wird sich dir noch zuwenden, da bin ich gewiss… aber vielleicht erst zuhause. Jahrzehnt um Jahrzehnt er schon allein, verlassen und für sich… geprüft durch Fehlschläge und Misserfolge, hoffentlich wird bald alles gut, vielleicht wird heute Nacht bereits alles gut…“

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Beitrag von Áluka » Sa, 09. Mai 2009 21:31

...Monstren, Unmenschen, Bestien, Plage, Krankheit und Fluch, wir werden gehasst... Die Worte kamen Reravil so leicht über die Lippen, als betreffe ihn das alles gar nicht. Áluka wusste um die Grausamkeit und Bitterkeit die hinter jeder einzelnene Silbe steckte, hatte sie doch alle kosten müssen. Und dennoch war gerade darin eine Wahrheit verborgen, wie sie nur ein Kind so schlichtweg sagen konnte; Unverblühmt und geradehinaus. Ein Kind – oder eben dieser Reravil. Wir sind... grübelnd legte Áluka erneut die Stirn in Falten und versuchte dieser ganzen Worte, die zum Teil verschiedene Erinnerungen in ihm wachriefen, Herr zu werden. Niemals zuvor hatt man ihm die Hand freundschaftlich dargeboten – niemals zugleich mit dem Wissen, was er war. Und hier wurde auf einmal von einer ganzen Sippe gesprochen!
Dann wurde er stutzig, als er die folgenden Worte hörte: ...bevor uns Heilung widerfahren kann… wenn es dem Meister endlich gelingt.”
“Heilung?”, fragte er geraderaus und hob fragend und zugleich kritisch eine Augenbraue. “Sind wir denn krank?” Kurz dachte er darüber nach und entsann sich daran, dass er damals wirklich an einer Krankheit glaubte. Immerhin wurde er ja auch einst angesteckt... er hatte auch mal ein normales Leben, aber daran erinnerte er sich kaum noch. Es waren keine schönen Erinnerungen, also hatte er sie einfach hinfort geschoben wie verschimmeltes Brot.
Neugierig lauschte er weiter und trug in Erfahrung, dass noch diese sogenannte ‘Sippe’ noch jemanden innehatte. Zwei Wesen –einen Verrückten und einen Unsichtbaren- konnte man auch schlecht Sippe nennen.
Sein Blick wanderte hinab zum klaren Schnee, den sie durchwateten und ihre Spuren darin hinterließen. Vielleicht, dachte Áluka, ist das alles wirklich nur ein Traum. Reravils Worte hatten zumindest den utopischen und leicht wahnsinnigen Charakter, den sonst nur Träume gemeinhin hatten.
Und daran änderten die folgenden Worte auch nichts. “Ich fürchte, ich kann dir nicht ganz folgen.” Verständnislos schüttelte er den Kopf und rieb die Hände aneinander. Er war zu müde für all diese neuen Informationen zu verarbeiten, die Hälfte von dem, was Reravil in seinem merkwürdigen Erzähltempo von sich gegeben hatte, hatte er sowieso schon wieder vergessen oder erst gar nicht wahrgenommen.
Er schnaubte und eine Dampfwolke stieg vor seinem Gesicht auf. Dann warf er einen Blick zurück auf den nun sehr weit entfernten Wald, wo er den Schneeläufer zurückgelassen hatte... oder andersrum.

[Mehr fällt mir leider nicht ein, sry :oops: ]
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Beitrag von Catigern » Mi, 20. Mai 2009 20:05

Das was war... und sein könnte

Eine kühle Brise wehte pfeifend über die kahle Ebene, trieb einen Wolke Schneeflocken und kalten Wind in ihre Richtung, welche beißend an ihre zerschlissenen Gewänder zerrte und in die bloße Gesichtshaut stach, gleich einem Schwarm winzigen Nadeln. Das Heulen und die Kraft der Sturmlüfte nahmen zu und schienen die bisherig segensreiche Witterung ablösen zu wollen. Einige bedrohliche Wolken hatten sich aus Richtung Osten über den Himmel geschoben und warfen ihre düsteren Schatten auf die Erde hernieder.
Reravil Glínrith schaute hinauf zum sich verdunkelnden Firmament und Beklommenheit kroch in seine Mimik. Er reckte seine Nase in die reißerisch gewordenen Winde und schnüffelte. Eine Gebärde die überaus befremdend anmutete bei den zierlichen Katzenelf, war dies doch eher eine Verrichtung die man einem Tier zuschreiben würde. Aber wer wusste schon wie sich die kurzlebigen Taurrin verhielten oder über was für Sinne sie verfügten wenn man ihre Art nicht genauer kannte. Dennoch musste Áluka kein Volkskundiger sein um erspüren zu können dass der Wetterumschwung dem redseligen Gefährten unweigerlich aufs Gemüt drückte. Aber noch bevor er fragende Blicke abzuschießen vermochte auf die sein merkwürdiger Begleiter möglicherweise hätte reagieren können, überraschte ihn dieser und kam ihm erneut zuvor.

„Ein Ungewitter zieht herauf… nicht gut. Mögen wir hoffen dass es zur späten Abendstunde wieder vorübergezogen ist. Dichtigkeiten, Wolken, Verhüllendes dient dem Meister nicht. Hoffen wir auf Kurzweil des Brausens, auf eine flüchtige Laune der Götter.“
Für einen Moment hing sein Augenpaar noch an den finsteren Bildungen und Kämmen der Wolken, die wie rauchiger Dunst über das Tal schlichen und der bleichen Sonne immer mehr ihres Lichtes raubten. Dann wanderte es zurück zu dem menschlichen Werwolf an seiner Seite.
„Du verstehst nicht? Das ist nicht schlimm… du kannst jetzt auch noch nicht alles verstehen. Das Begreifen ist, wie bereits erwähnt, ein langwieriges Verfahren. Ich vermag mich sehr gut in dich hineinzuversetzen, ja das vermag ich… einst war ich auch so… verwirrt. Das geht wie es kommt, sei diesbezüglich versichert. Und wirklich alles zu verstehen schafft ohnehin niemand.“
Nun leuchtete wieder muntere Erkenntnis in seinen Augen.
„Du fragst ob wir krank sind? Eine wuchtige Frage, nicht leicht zu beantworten… gewissermaßen sind wir es… tief in unserem Herzen wissen wir das wir es sind. Fühlst du das nicht auch? Das Echo dessen das du einmal… anders gewesen bist, das sich etwas unerlaubt in dein Wesen gedrängt hat und alles vorherige zerrissen oder begraben hat um für sich selbst Platz zu schaffen… ich fühle manchmal so, es schmerzt an das früher zu denken. Unser Meister sagt, er teile diesen Schmerz mit uns und er würde nicht eher ruhen bis er herausgefunden hätte wie er diese... Krankheit aus unseren Körpern verbannt hätte. Er forscht nach Erlösung… forscht das alte Leben in uns wieder zu erwecken, das Leben vor der…Bestie… sag selbst; wäre das nicht… wundervoll?“ Verträumt glasig blickte Reravil Áluka bei diesen Worten an und ein seufzender Laut fluppte über seine falben Lippen.
An der Spitze der kleinen Reisegruppe flackerte die goldene Aureole des Zauberschildes gleichmäßig auf als ungestüme Böen frostigen Lufthauches und Schneetreiben gegen die flirrende Unsichtbarkeit geschleudert wurden und zischend verdampften.

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Beitrag von Catigern » Di, 14. Jul 2009 21:58

Niords Wahn

Im Forst des Fey'larkin

Ihr da, furchtlose Krieger des Herrn des Winters und des Gebieters über den Frost, eilt herbei! Steht eurem Kriegsmeister bei, er bedarf eurer starken Muskeln und eurer unerschrockenen Herzen an seiner Seite, kommt herbei! Stellen wir uns gemeinsam diesen fremden, eisernen Dämonen! Mit vereinter Kraft vermögen wir ihnen eine blutige Schellte zu erteilen die ihnen nicht mehr so leicht aus den wund geschlagenen Köpfen gehen wird, kommt herbei… ich rufe euch meine Krieger! Kämpft mit mir!“ schrie Niord in die Unergründlichkeiten des Fey’larkin Waldes in dem eine chaotische Schlacht tobte während er krachend durch das klamme Unterholz stolperte. Knackend brachen Zweige durch sein gedankenloses Voranstürmen und gefrorene Pflanzenbüschel wie kleine Schneefontänen spritzen vor seinen Stiefeln auf. Seine drei Begleiter die ihm dichtauf folgten blickten sich ebenso gehetzt um wie ihr Anführer, dessen lautem Gebrüll bisher keiner der versprengten Krieger vom Clan des Luchses Achtung gezollt hatte. Sie waren noch immer allein, noch immer auf sich gestellt, umgeben von einem verfluchten Forst, aus dem ihnen jederzeit das Verderben in Gestalt eines jener berittenen Bestienschlächter oder einem der höllengeborenen Monstren widerfahren konnte. Und ein jedes Mal wenn Niord seine Stimme anhob um gellend nach Beistand für ihre bündige Gegenwehr zu rufen wurde ihnen angst und bange, denn die Wahrscheinlichkeit das sein Geschrei den Feind anlockte war um einiges größer als die das sie baldig von einer Schar ihrer eigenen Verbündeten ausfindig gemacht wurden, welche sich ihnen anschloss um das Gefühl von angeblicher Obhut und Gesichertheit zu steigern.

„Kriegsmeister, wir sollten Ruhe halten… diese vermaledeiten Schatten zwischen den Bäumen, der dunstige Brodem der über dem Boden schwebt, die lästerlichen Schlachtrufe dieser verwerflichen Totschläger auf ihren donnernd wütenden Pferden, die Luft die von dem Wehklagen der Sterbenden durchdrungen ist… es ist ein grausiger Tag, weder der göttliche noch der Segen unserer Ahnen ist uns bestimmt… hier im dunklen, verwunschenen Hain sind wir fern des Lichts, fern der himmlischen Gnaden die wir bräuchten um uns dieser Teufelei zu erwehren… Kriegsmeister, wir können uns nicht entgegenstellen, wir müssen fliehen!“ widersprach ihm plötzlich einer seiner Anhänger, packte den jungen Befehlshaber bei seinem Schwertarm und hielt ihm vom nächst angesetzten Ausruf ab. Niord erstickten die heißen Worte in der Kehle, als der Einwand des Bogenschützen ihn in seinem Tun hinderte weiter seine Krieger um sich zu sammeln. Erzürnt riss er sich unverzüglich wieder frei von der Handgreiflichkeit und starrte den Abweichler streng und fest in die Augen.
„Fliehen? Bist du noch ganz bei Trost? Oder gar ein elender Wurm der sich bei der geringsten Androhung von Gefahr sogleich ins nächst gelegene Loch flüchtet? Wir weichen nicht zurück, wir kriechen nicht vor diesen Invasoren im Dreck und zurück in unsere Beschläge, nur um anschließend darauf zu warten das sie mit ihren Keulen und Beilen an unsere Pforte klopfen! Niemals! Wir bleiben und kämpfen! Unser Vorhaben war gut durchdacht, wir hatten sie in der Falle, geradewegs vor unseren Pfeilspitzen… noch immer frage ich mich woran unsere List gescheitert ist, was nicht bedacht wurde… oder ob es einfach nur auf scheffelweise Unzulänglichkeit und bloßer Aberglaube zurückzuführen ist das wir derart versagt haben! Die Hälfte von ihnen hätte beim ersten Streich fallen sollen. War der erste Pfeil zu rasch von der Sehne? Folgten die anderen zu schleppend hinterher? Fluchen und schimpfen könnte ich bis tief in die Nacht, wir hatten die vollendete Gelegenheit all die Bastarde mit einem Male zu töten und haben es gründlich verpfuscht… nun bezahlen wir für unser Zaudern und unsere Unfähigkeit einen Preis! Einen Preis des Blutes! Nein, niemand flieht!“ entgegnete ihm der Sohn des Stammeshäuptlings der Steppenmenschen aufgebracht und mit wild blitzenden braungrünen Augenlichtern, die keinen weiteren Widerspruch duldeten.

„Aber Herr, wenn wir bleiben ist uns der gärende Tod gewiss! Schaut euch um, wir sind zerstreut, völlig in Auflösung begriffen, wie soll uns der Sieg gelingen wenn wir dermaßen zerrüttet sind, unsere Gegner werden flüchtiges Spiel mit uns haben! Uns vom Rücken ihrer hohen Pferde einen nach den anderen erschlagen oder gar einfach niedertrampeln, wir sind ihnen unterlegen… nur in ordentlicher Zahl können wir ihnen die Stirne bieten, nicht aber so… und in unser Verfassung, die Furcht hockt tief in den Knochen, wir müssen hinaus… aus dem Fey’larkin… fort von dem Fluch und seinem Bann über uns… wieder Kräfte sam…“ Was immer der zweite Krieger im Bund noch weiter für Ausflüchte oder Begründungen einer vernunftgemäßen Flucht zu nennen beabsichtigte hatte, kam nicht mehr dazu. Das Wort wurde ihm abgeschnitten im gleichem Augenblick in dem Niord ihm seine Klinge in den Brustkorb rammte, so kräftig das sie ungehemmt durch den Lederwams drang, durch Fleisch und Knochen stieß um rötlich schimmernd am Rücken wieder herauszutreten. Er hatte den Stoß mit solch einer Schnelligkeit und Unverhofftheit geführt, das die übrigen Gefährten zunächst kaum erfassten was geschehen war. Dann aber, als dem Körper ihres Waffenbruders im nachfolgenden Herzschlag der letzte diesige Atemhauch entfleuchte und er daraufhin reglos auf ihres Anführers Schwert stak, da begriffen sie was sich geradezu unvorstellbares zugetragen hatte. Der Unglauben versteinerte ihre Gesichter und die Furchtsamkeit vor den feindlichen Reitern wandelte sich in Bestürzung und Grausen vor dem Wesen, welchem sie den Traditionen nach bedingungslosen Gehorsam schuldeten. Der Fey‘larkin erschaffte wahrlich Monster. Solche die aus dem Tierreich stammten und auch solche die da Mensch hießen. Er machte keinen Unterschied, sein gehässiges Gift wirkte auf alle.

„Was glotzt ihr so? Meine Verfügungen waren eindeutig und unmissverständlich! Ich sagte ich erdulde keine Aufgabe, ich sagte ich verabscheue Narretei und Unvermögen! Reichhaltig werden diese Untugenden über mein Haupt ausgeschüttet, aber ich harre aus, ich bestehe die Prüfung und werde nicht bibbernd und schlotternd davonrennen! Ihr weichherzigen Zärtlinge, ich befehle und ihr habt dem zu Folge zu leisten, ich bestimme wir kämpfen, also packt euren fliehenden Mut, erinnert euch eurer Kraft und dem Willen zu obsiegen und blutet für mich und die Ehre des Clans! Bei den heulenden Winden der Mauer der Drachen, wenn ihr nicht alle derartig gestandene Feiglinge wärt hätten wir schon längst den Triumph davongetragen!“ keifte Niord die beiden verbliebenden Gefolgsmänner an und scherte sich nicht um ihre entsetzten Blicke. Schließlich schien ihm das Gewicht auf der Schneide zu schwer und er ließ den Leichnam des Mannes zu Boden fallen, stemmte hierbei den Stiefel auf den zusammen sackenden Leib und befreite seine Waffe aus dem toten Gewebe. „Das ist die Strafe für Treubruch und Unfolgsam! Seht sie euch gut an und entscheidet!“ Seine Stimme war drohend und versprach rasche Urteile, so töricht sie in ihrer verfangenen Lage auch sein mochten.

(wird fortgesetzt)

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