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Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Die weiße Hauptstadt in der Eiswüste.
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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Sunilda » Sa, 08. Nov 2014 17:12

Dass sie im Kreis gelaufen war, war ihr Glück. Warum sie konkret im Kreis gelaufen war, konnte sie nicht mal genau benennen. Vermutlich wollte sie einfach nicht alleine in der Eiswüste sein und zu mal dort ein Monster lauerte. Und, weil sie ihre verschollene und totgeglaubte ältere Schwester wieder hatte. Sie hörte wie der männliche Elf und der Nordmann ihren Verfolger angriffen und auch das Surren der Pfeile von ihrer Schwester hörte sie. Doch je länger sie rannte, desto mehr übertönte ihr Herzschlag und ihr Keuchen die Geräusche. Der tiefe Schnee behinderte sie, zeitgleich verschaffte er ihr einen Vorteil.
Als der Verfolger allerdings anfing sich zu wehren, fluchte auch sie. Wie sehr wünschte sie sich eine Feuerkugel oder ein Pfeil würde den Mann stoppen, doch der Wunsch blieb erst mal unerhört. Die Wände die der Mann aus Eis produzierte waren stark genug um sämtliche Angriffe zu blocken. Wie macht der das im Rennen?? Sunilda schaffte gerade mal ihre wenige Magie im Stehen anzuwenden. Das Grollen in der Ferne, ließ ihre Angst aufs neue anschwellen. Innerlich begann sie zu beten, das sie durchhalten und gewinnen würden.
Während die Angriffe der drei Erwachsenen kontinuierlich fort gesetzt wurden, begannen die Angriffe den Eismagier zu schwächen. Zwar nicht schnell aber stetig wurde er schwächer. Die verschaffte ihr die nötige Zeit nochmal Kräfte zu mobilisieren und einen größeren Vorsprung zu bekommen. Da rief sie auch schon Shiro. Sie sah zu ihrer Schwester und lenkte ein. Irgendeinen Plan mussten sie ja haben, dachte sie und rannte auf ihre Schwester zu. Ihre Beine brannten mit jedem Schritt meh. Der Schnee war ihr Feind und vertrauter zugleich.
Als der Mann sich einfach hinkauerte, sah sie zurück zu ihm, kam ins stolpern, holperte Arme rudernd noch 2 Schritte nach vorne und ein Loch unterhalb des Schnees wurde ihr zum Verhängnis und sie fiel. Der Schnee fing die meiste Energie auf, doch ihr Magen protestierte mit Übelkeit auf den massiven Druck der entstand. Sunilda keuchte und versuchte sich zu befreien, es gelang ihr sogar von alleine. Sie krabbelte hastig von dem entstandenem Loch fort. Während sie sich aufrappelte begann sie wieder zu Rennen, in die Richtung ihrer Schwester. Sie hoffte dort endlich etwas Ruhe zu bekommen. Der Eismagier war aus ihrem Blickfeld gerückt da sie sich auf ihre Halbschwester konzentrierte.
Noch war sie nicht gänzlich bei ihrer Schwester, als sie das Murmeln des Raubvogelgesichtes leise hörte. Sie fragte sich was das solle, wollte er sie alle verzaubern? Wollte er einen Zauber auf sie alle wirken oder hatte er nur eine hinterhältige Idee, von der noch keiner was ahnte? Sie hörte wie Wittiko und Jvyindar miteinander sprachen und als der blonde Nordmann schluss endlich dem Eismagier einen dumpfen aber harten Schlag auf den Hinterkopf verpasste, hörte das Murmeln schlagartig auf und der Mann kippte bewusstlos in den Schnee. Sie wurde langsamer, während sie den Männern zu sah. Sie sah wie Wittiko den bewusstlosen einfach über die Schulter warf und mit diesem Paket zum Haus stiefelte.Unwillkürlich musste sie lachen. Es sah unwirklich und etwas krotesx aus. Doch sie wusste wie stark Wittiko war und der Eismagier war tatsächlich nur ein Fliegengewicht.
Erst nach Sekunden entschied sie ihr Augenmerk wieder auf ihre Schwester zu lenken und ignorierte den Knoten der sich, aufgrund des tiefen bedrohlichen Grollen in der Ferne, in ihrem Magen bildete. Endlich, war sie bei ihrer Schwester und sah Wittiko noch im Haus verschwinden* “Was habt ihr vor mit dem Mann?” fragte sie ” sollten wir nicht lieber verschwinden?? Das Monster ist doch so nahe!” sprach sie zu ihrer Schwester. Sie wirkte so gefasst. Sie schluckte und sah zum Haus* “Mir ist kalt!” murmelte sie und zog die Schultern hoch, als der Wind auffrischte und weitere Wolken vor sich hertrieb. Sunilda rieb sich die Hände aneinander und pustete hinein. Danach schob sie sich an ihrer Schwester vorbei und wollte gerade ins Haus, als das Monster laut auf grollte und sie heftig zusammen zuckte. Sundila sah zu ihrer Schwester und dann zum Haus, erhob aber nicht wieder ihre Stimme, sondern ging einfach hinter den Männern her ins Haus.

Wittiko hatte den bewusstlosen Mann bereits ins Haus verfrachtet und auf den Boden gelegt. Danach hatte er nach schnüren gesucht um den Mann zu knebeln und zu fesseln. So wollte er dem Mann unterbinden, seine Magie zu wirken, wenn sie in seiner Nähe waren. Das Elfenmädchen betrat just in dem Moment als Wittiko den Eismagier eingehender und intensiv betrachtete “Was hast du vor??” hörte sie ihn murmeln. Sie beantwortete die Frage nicht, da sie davon aus ging, dass sie nicht an sie gerichtet war. Sunilda entschied sich das Haus eingehender zu mustern. Auch das Stockwerk oben. Als sie die Treppe in Augenschein nahm, zögerte sie, sollte sie wirklich hinauf oder sollte sie besser bei den Erwachsenen bleiben? Sie entschied sich für die erste Möglichkeit. Sie wägte sich in Sicherheit in dem Haus. Sie dachte nicht daran, dass das Haus auch durch Häuer marschieren oder das Dach abdecken konnte. “ich sehe mich oben etwas um!” meinte sie laut und ging mit klopfenden Herzen, Stufe für Stufe, nach oben.

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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Shiro d'Antelle » Fr, 06. Mär 2015 22:49

Shiro war froh, ihre Schwester wieder in der Nähe und vor allem in Sicherheit zu wissen - zumindest vorerst.
"Ich weiß...", antwortete sie. Sie glaubte der Kleinen sofort, dass ihr kalt war - doch was tun? Eigentlich hätten sie alle eine Pause und Schlaf benötigt, ein warmes Feuer und etwas zu essen, doch es schien, als würde das Schicksal ihnen diese kleine Atempause nicht gönnen wollen. Erneut grollte das Monster... wie weit weg war es von ihnen? Kam es auf sie zu? Die Ungewissheit versetzte die Erwachsenen in ständige Alarmbereitschaft. Mit der schwer verwunderten Anju und dem kleinen Mädchen waren sie verletzlich, angreifbar.
Sunilda wollte das Haus erkunden und da Wittiko keine Einwände hatte, sagte auch Shiro nichts. Zumindest vorerst sollten sie hier auch sicher sein... was sollte schon passieren?
Die Halbelfe sah zuerst nach der verletzten Spurenjägerin. Sie war noch bei Bewusstsein, doch nahe am Rande der Ohnmacht.
Ihr Atem ging schwer und Shiro fragte sich, wie sich Anju in diesem Zustand überhaupt irgendwohin bringen sollten. Sie dachte kurz an den Schitten, doch das würde bedeuten, dass sie einen Teil ihrer Vorräte zurücklassen müssten und in Anbetracht der Tatsache, dass ihre Gruppe nicht kleiner, sondern größer geworden war, könnte das ebenfalls zu einem großen Problem werden.
Vorsichtig flößte sie der Spurenleserin einige Schlucke Wasser ein. Anju trank gierig, doch um zu verhindern, dass sie zu viel trank und sich erbrechen musste, dosierte Shiro das Wasser vorsichtig.
Sie hätte die junge Frau gerne gefragt, was passiert war, wie sie überhaupt in diese verfallene Hütte gelangt war, aber die Frau war erschöpft und dämmerte in einen Fieberschlaf. Shiro ließ sie schlafen. Wenn sie Glück hatten, würde Anju wieder zu Kräften kommen. Wenn nicht würde sie vielleicht einfach nicht mehr aufwachen. Mehr konnte sie im Moment nicht tun, als ging sie zu Wittiko und Jyvindar hinüber, die vor dem Magier standen und sich berieten.

Shiro trat neben den Nordmann und musterte den Magier.
"Was machen wir jetzt mit ihm?", fragte sie. Wittiko zuckte mit den Schultern, Jyvindar wiegte nachdenklich den Kopf.
"Am einfachsten wäre es natürlich, ihn zu fragen.", sagte er.
"Nun ich denke, wir können davon ausgehen, dass er lügen würde.", stellte Shiro fest.
"Und eben deshalb wissen wir ja nicht, was wir tun sollen."
Shiro seufzte.
"Naja, so oder so, irgendetwas müssen wir tun. Dieses Monster ist ganz in unserer Nähe, Anju geht es nicht besonders gut und auch das Kind sollte nicht zu lange der eisigen Kälte ausgesetzt sein.", sprach sie aus, was alle dachten. Betretenes Schweigen herrschte.

"Ich schaue, ob man den Schlitten anders packen kann, ohne etwas zurückzulassen.", brummte Wittiko und unterbrach damit die ratlose Stille. Er war wirklich kein Mann der Worte, sondern der Taten, dachte Shiro, aber recht hatte er ja.
"Sunilda?", rief sie die Treppen hinauf, "Ist alles in Ordnung?"
Vielleicht hatte das Mädchen ja etwas gefunden.
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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Sunilda » Di, 21. Apr 2015 20:21

Sie fand nichts wirkliches oben in der Etage. Sie sah 2 weitere Zimmer die abzweigten und alles war eher Windschief und brüchig. Wie lange die Hütte wohl so hier stand? Das Mädchen besah sich den Boden, auch dieser sah ziemlich marode und nicht tritt sicher aus. Und doch trieb sie ihre Neugier weiter. Sie wollte wissen was in den Räumen war und so äugte sie anfangs von ihrer Position aus in die Räume hinein, vergeblich. Sie sah nichts, nichts außer die Wände und den Boden davor. Dann hob sie ihren Fuß an und setzte diesen einen Schritt vor, es knarzte bedenklich und sie bekam Schiss. Daher zog sie ihren Fuß wieder zurück. Ein Seufzer entwich ihr und sie zuckte zusammen als sie von unten den Ruf ihrer Schwester vernahm. "Ja, alles in Ordnung!" rief sie hinunter und kam mit schnellen Schritten wieder zurück in das Erdgeschoss. "Dort oben ist nichts!"erklärte sie allen, obwohl keiner danach gefragt hatte. "Was machen wir jetzt?" fragte sie neugierig und sah zu ihrer neu gefundenen Schwester "Können wir nicht bald in eine Gegend wo es wärmer ist??" fragte sie weiter und musterte die Kleidung der Elfe.

Diese sah deutlich wärmer aus als ihre. Sie trug zwar einen dicken Mantel, aber irgendwie fror sie sehr oft und wünschte sich einen Ort wo man diesen Mantel und diese wärmen hinderlichen Kleider ausziehen konnte. Nachdenklich kratzte sie sich an ihrem Kopf und trippelte mit einem Fuß. Die Situation war noch immer nicht geregelt. Der Mann hatte Sunilda mehr als erschreckt und sie fühlte sich hier mehr als Unwohl. Daher dauerte es auch nicht lange und das Elfenmädchen marschierte zu Shiro und nahm ihre Hand. "Ich will hier fort" sprach sie und drückte die Hand von Shiro.

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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Unvorhersehbares » Fr, 08. Mai 2015 9:58

Anyu lehnte immer noch an der hölzernen Wand in der Hütte, und schwebte im Fieberdelirium zwischen Traum und Wirklichkeit umher. Verstörende Fieberträume einer alles zerreißende und mordenden Bestie bescherten ihr Angst und Panik. Sie spürte, wie sich in ihrem Nacken und zwischen ihren Schulterblättern heiß-kalter Schweiß sammelte, und ihr ein unangenehmes Gefühl bescherte. Irgendetwas war passiert. Irgendetwas stimmte nicht, das ahnte Anyu. Doch sie vermochte nicht zu sagen, was. Die Wunde, die das Untier ihr beigebracht hatte, brannte, und schmerzte pochend. Der verrückte Alte hatte keine Mühen auf sich genommen, sich auch nur einen Dreck um das verletzte Mädchen zu scheren. Ihre Wunden hatte er nicht versorgt. Er hatte sie lediglich in ihr Haus genommen, und dann links liegen gelassen. Sie versuchte sich krampfhaft daran zu erinnern, was er alles gesagt hatte. Er hatte zu ihr gesprochen, aber meistens hatte er zu sich selbst gesprochen. Es war wichtig gewesen, doch sie konnte sich, so sehr sie sich auf anstrengte, nicht erinnern, und diese Gewissheit trieben sie zur Verzweiflung. Sie erinnerte sich nur daran, dass sie geschockt war über die Worte des Magiers. Dass es ihre Vermutung, dass er Dem Wahnsinn anheimgefallen war, nur bestätigte, und dass sie alle in großer Gefahr waren. Und nicht nur sie… Innerlich fürchtete sich Anyu vor dem, was noch folgen würde, auch, wenn sie nicht wusste, was das sein würde. Doch zumindest einen Hoffnungsschimmer gab es. Shiro, die Kleine, Jyvindar und Wittiko. Sie waren gekommen, und sie würden ihr helfen, daran hegte sie keinerlei Zweifel.

Anyu nahm am Geschehen in der Hütte nicht teil, auch, wenn ihr die eine oder andere Handlung, oder gesprochenes Wort nicht entging. Das kleine Mädchen war auf Erkundung gegangen, in der Hütte, und die Erwachsenen beratschlagten sich, was nun weiter zu tun war. Wo war der Magier? Von ihm gab es keine Spur. Hatten sie ihn unschädlich gemacht? Oder gar getötet? War er geflohen, zusammen mit seiner Bestie? Sie hatte keine Ahnung. Plötzlich erschien ein schemenhafter Umriss vor ihrem Gesicht. Eine große Gestalt hatte sich zu ihre heruntergebückt, und berührte sie am Arm. Anyu erschrak, aber als sich ihr Blick klärte, erkannte sie in der Gestalt den Wilden wieder. Er brummte leise Worte, und legte dann seine Hand auf ihren Rücken, die andere Hand schob er unter ihre Knie, und als wäre sie leicht wie eine Feder, hob er hoch. „Wohin bringst du mich?“ flüsterte Anyu matt. „Zum Schlitten. Ich habe umgepackt, ein wenig Feuerholz müssen wir zurücklassen, damit genug Platz für alle ist. Ich bringe dich schon mal nach Draußen, bis wir uns einig sind, wohin es uns nun verschlagen soll.“ Er stapfte mit der jungen Frau in seinen Armen durch den Schnee, als das Brüllen der Bestie wieder ertönte. Ein markerschütterndes Geheul, und es schien näher zu kommen. Wittiko ließ sich nichts anmerken, doch würde man in seiner Miene suchen, so würde man dort Besorgnis und eine aufkeimende Angst bemerken, die dem Hünen so gar nicht ähnlich sah.

Anyu lauschte angestrengt, und plötzlich riss sie angsterfüllt die Augen auf, während Wittiko ihre zierliche Gestalt auf den Schlitten legte, und die junge Frau in Decken hüllte. „Das Monster! Es kommt näher! Hörst du nicht? Es kommt, und es wird uns alle töten!“ Anyu begann, von unglaublicher Kraft beseelt, wild und wie wahnsinnig um sich zu schlagen und mit den Beinen zu strampeln. Zwar konnte sie gegen den Hünen nichts ausrichten, der ihr an Kraft und Stärke weit überlegen war, aber er begann bald zu schnaufen, und hatte sichtlich Mühe, die junge Frau zu bändigen. „Beruhig dich, Mädchen!“ brummte er. „Ich beschütze dich vor dem Monster.“ „Nein! Das kannst du nicht! Niemand kann das! Du hast es nicht gesehen! Es wird uns alle umbringen!“ schrie Anyu gellend, immer noch sich wild gebärdend, und der schiere Wahnsinn sprang flackernd aus ihren Augen. „Verdammt…“ brummte der Wilde, als er lauschte, und feststellte, dass das Monster wirklich immer näher zu kommen schien. „Shiro! Sunilda! Jyvindar!“ brüllte er. „Wir müssen sofort weg! Sofort!“ Seine Stimme drohte zu brechen, und die Tonlage verriet, dass er keinen Widerstand duldete und die Zeit drängte. Noch ehe der letzte auf den Schlitten gesprungen war, riss der Wilde an den Zügeln, und der Schlitten setzte sich in Bewegung. Anyu zog sich die Decke über den Kopf. Wenn das Monster ihnen auf den Fersen war, so war es leider nicht zu ändern. Aber dann wollte sie es nicht sehen. Der Schlitten stob durch den Schnee wie die wilde Jagd, und das Monster, welches sie durch ihre Flucht erst richtig auf sich aufmerksam gemacht hatte, trieb sie vor sich her. Immer heftiger trieb Wittiko die vorgespannten Schlittentiere an, ohne dabei wirklich eine Richtung vorzugeben. Er wusste nicht, wohin er den Schlitten lenken sollte, wo es sicher war, wo das Monster sie nicht erreichen konnte. Immer wieder warf er einen Blick zurück, und seine Augen weiteten sich, als er das Monster nun klar erkennen konnte, welches hinter ihnen herhetzte. Er riss seinen Kopf herum, und nun sah er, wohin die Flucht sie führte. Sie steuerten direkt auf die Mauern der Drachen zu…

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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Shiro d'Antelle » Di, 02. Jun 2015 20:12

Wittiko hatte es irgendwie geschafft, die Bündel auf dem Schlitten so zu positionieren, dass für sie alle genug Platz war.

Shiro wusste nicht recht, wie ihr geschah, als Anyu plötzlich wie wild um sich zu schlagen und zu schreien begann. In ihren Augen sah Shiro den Fiebertraum... doch die Angst darin war echt - und Anyu hatte nicht Angst vor Dämonen in ihren Träumen... ihre Angst war ganz real. Zu ihrem Glück reagierte Jyvindar schnell und machte die Verletzte mit einem Klammergriff bewegungsunfähig.
"Beruhige dich!", versuchte Shiro zu ihr durchzudringen, doch die junge Frau war in ihrer ganz eigenen Realität. Jede Minute in dieser Eishölle bedrohten ihr Leben mehr und mehr. Die Kälte, ihre Verletzungen, das Fieber und jetzt wurden sie alle auf einem Schlitten durchgeschüttelt. Shiro griff immer wieder nach der Hand ihrer kleinen Schwester, um sicherzustellen, dass sie noch da war.

Hinter sich hörte sie in der Ferne das Monster brüllen... und es kam näher. Shiro hatte ständig über die Schulter geschaut, doch jetzt wand sie den Blick nach vorn.

"Bei den Göttern, Wittiko, brems ab!", schrie sie erschrocken, als sie sah, wie das Massiv der Drachenmauer immer schneller auf sie zuraste.
"Wir müssen abdrehen, sonst zerschellen wir!", brüllte sie gegen den pfeifenden Wind und die markerschütternden Rufe des Monsters an. Der verbissene Blick des Nordmannes zeigte, dass er das auch ohne Shiros Hinweis erkannt hatte. Es schien, als hätte er die Kontrolle verloren.
Erneut griff Shiro nach Sunildas Hand. Dann schloss sie die Augen und zählte langsam in Gedanken von zehn herunter.
Sie schloss mit sich selbst eine Wette ab. Wenn sie bis Null kam und noch lebte, dann würden sie auch diesen Höllenritt überleben.
Wenn nicht... nun. Dann hatte sie mehr, als nur eine Wette gegen sich selbst verloren.
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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Sunilda » Fr, 05. Jun 2015 10:52

Viel Zeit zum nachdenken hatte sie nicht mehr. Denn der Ruf von Wittiko versetzte sich augenblicklich in einen Angst zustand und rannte hinter Shiro und den anderen zum Schlitten, als er auch schon ohne lange abzuwarten den Schlitten in Bewegung setzte und mit steigendem Tempo über die schneebedeckten Flächen glitt.

Das Elfenkind saß bei ihrer Schwester die sich größtenteils um die schwerverletzte Frau kümmerte, die plötzlich anfing wie von Sinnen zu schreien und sich zu Bewegen. Sunilda erschrak dabei und fragte sich ob diese Frau nicht auch eine Verletzung im Kopf hatte. Doch diesen Gedanken laut auszusprechen wagte sie nicht. Sie spürte den suchenden Griff ihrer Schwester und sie drückte ihre Hand in die ihrer Schwester. Es tat gut jemanden zu spüren, der sich um einen sorgte und der Griff half dem Elfenkind nicht von ihrer Angst gebeutelt zu werden. Es langte dass sie mit der Kälte und dem eisigen Wind sowie mit der Flucht vor diesem Monster, das in der Ferne brüllte zu tun hatten. Es trieb in ihrem Kinderkörper eine stetige Angst um, Angst vor diesem brüllenden Tier das sie noch nicht gesehen aber längst gehört hatte. Und dies langte aus um einen Knoten in der Magen gegend zu bekommen.

Die Landschaft die unter anderen Umständen ihre Interesse geweckt hätte, flog an Ihr vorbei und ihr Blick richtete sich auf den Nordmann, der emsig den Schlitten lenkte. Als schon der Schrei von ihrer Schwester sie zusammenzucken lies und wie gebannt auf die Wand starrte, die mit einer Schnelligkeit auf sie zu gerast kam, die sie anfangs gedacht hatte, das es zu langsam für das Monster sei. Ihre Augen weiteten sich, als der Schlitten nicht langsamer wurde und sie begann zu schreien. "WITTIKOOO!" brüllte sie gegen den Fahrtwind und quetschte die Hand von ihrer großen Schwester so massiv, um ihrer Angst herr zu werden. Sie rechnete fest damit dass der Schlitten ungebremst gegen diese Mauer raste und lehnte sich tiefer in den Schlitten, so kam sie ihrer Schwester ein gutes Stück näher und sie umgriff den Arm von Shiro und schloss die Augen, während ihr Mund sich nicht einmal geschlossen hatte um den Schrei abzudämpfen. Doch jetzt schloss sie ihn und wartete nur darauf das irgendeiner der Erwachsenen etwas tat, vor allem der Schlitten er sollte doch langsamer werden. Kurz öffneten sich ihre Augen nochmal und sie sah über den Schlittenrand hinweg, würde ein Sprung aus dem Wagen helfen? Doch sie entschied sich dagegen. Und damit richtete sich ihr Blick auf die Mauer und starrte weiterhin auf diese massive Steinkonstruktion.

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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Unvorhersehbares » Do, 13. Aug 2015 21:03

Wittiko, der Nordmann lenkte den Schlitten schon seit Stunden, unermüdlich zog der den Schlitten durch den kniehohen Schnee, um Abstand von dem Monster, von dem er annahm, dass es ihnen folgte, zu gewinnen. Und es schien, als wäre das Glück ihnen hold gewesen. Sie hatten die Mauern der Drachen erreicht, und ein verschneiter Weg führte weitläufig und spiralförmig immer weiter ins Gebirge, und nun hatten sie einen Gebirgspass erreicht. Erst jetzt gestattete er sich, obwohl er bereits am Ende seiner Kräfte war, gemächlich im Schritttempo dahin zu trotten. Immer wieder warf er prüfende Blicke nach hinten, und er beobachtete Shiro, ihre kleine Schwester und die verletzte Anyu, welche zu schlafen schien. Sie schienen sich nach dem ersten Schrecken wieder einigermaßen beruhigt zu haben. Jyvindar war zu vorne auf den Bock geklettert, und nach einer Weile händigte er seinem Begleiter die Zügel aus, und griff hinter sich, um sich einen kleinen Lederschlauch zu angeln, in welchem sich geschmolzener Schnee befand. Er sprach kaum ein Wort, aber mit seinen Augen suchte er ständig die Gegend ab, um eventuelle Gefahren zu entdecken, wie etwa ein Rudel ausgehungerter Wölfe, gar die Bestie, oder Wegelagerern, wobei er nicht annahm, dass letztere Ihnen tatsächlich in die Quere kommen würden. Noch wagte er es nicht, den Hunden ihre ersehnte Ruhepause zu gönnen, denn er steuerte den geschützten Wald am Hang weiter nördlich an, wo er gedachte, das Nachtlager aufzuschlagen. Hier am Pass, oder auch am Fuß irgendeines der Berge war es einfach zu gefährlich. Eine Lawine würde ihnen zum Verhängnis werden, und ihnen allen das Leben kosten.

Nach einer weiteren Stunde war er am Rande der Erschöpfung angelangt. Er ließ das Seil welches am Schlitten befestigt war, los und stapfte zu den Frauen und sein Blick fiel auf Anyu, die zwischenzeitlich wieder erwacht war. Prüfend blickte er sie an. Es schien ihr derzeit ein weig besser zu gehen. Er strich sich durch seinen dichten Bart und seufzte schwer. „Ich bin erledigt“ brummte er zu Shiro. „Ich muss jetzt was essen und wieder zu Kräften kommen.“ Er wandte seinen Kopf zu dem Waldhang. „Ich werde in den Wald gehen. Wenn die Götter uns gnädig sind, kann ich ein paar Schneehasen, oder ein Reh erlegen. Jyvindar soll mich begleiten“ entschied er. Der Elf nickte entschlossen und Wittiko wandte sich erneut an Shiro. „Ich vertraue auf deine Fähigkeiten. Beschütze deine Schwester und Anyu.“ Erneut wandte er den Kopf und blickte sich um „Aber ich denke nicht, dass euch hier Gefahr droht.“

Stunden waren vergangen, und die Dunkelheit brach bereits herein, bange Stunden, nach welchen die beiden Männer immer noch nicht zurückgekommen waren, und Anyu wurde allmählich nervös. „Wo bleiben sie nur?“ flüsterte sie mit dünner Stimme. „Sie müssten doch längst wieder hier sein, oder nicht?“ Sie hielt sich ihre Seite, und ihr Gesicht verzog sich schmerzerfüllt. Als sie die Jacke öffnete, und beiseite schob, offenbarte der notdürftige Verband frisches, dunkelrotes Blut an der Oberfläche, und Anyu stöhnte leise auf. Sie hoffte, dass weder Shiro noch die Kleine es gesehen hatten, und sie schob schnell die Jacke wieder darüber und zog diese enger um ihren Leib. Ein wenig ratlos schwiegen die drei Frauen, und es war Anyu, die nach einer Weile die Ohren spitzte. „Hört ihr das?“ flüsterte sie. „Es klingt, als ziehe ein Unwetter auf…“ murmelte sie leise. Und wirklich, ein sachtes Lüftchen zog auf, welcher sich rasch zu einem pfeifenden, und scharf schneidenden Wind entwickelte. Und nur wenige Minuten später nahm der Wind an Stärke zu und schnitt scharf in die Gesichter der Frauen. „Bei allen guten Göttern…“ klagte Anyu, welche das Wetter, welches in dieser Gegend vorherrschte, nur allzu gut kannte. „Holt die Wolldecken! Wir müssen uns darunter verbergen! Ein Sturm! Ein Schneesturm! Und Wittiko und Jyvindar sind noch da draußen! Was soll nur aus uns werden?“ Angst flackerte in ihren Augen auf, und als ob die beiden anderen zu langsam reagiert hätten, sprang die verletzte Frau auf, zerrte sich eine der gefalteten Decken heran, warf diese über sich. Der Sturm nahm immer mehr an Stärke zu, und bald konnte man das ängstliche Weinen und Wimmern Anyus durch das gespenstische und unheilvolle Heulen des Sturmes, der Schnee vor sich her peitschte, nicht mehr vernehmen…

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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Shiro d'Antelle » Do, 12. Nov 2015 21:22

Es wurde immer kälter. Der Sturm fegte über die Mächen hinweg, die sich eng zusammengedrängt hatten, um wenigstens ein bisschen Wärme zu bewahren, doch nach und nach wurden ihre Glieder kalt und taub. Der Schnee türmte sich immer höher und höher und bald waren die drei jungen Frauen unter ihrem Zelt aus Wolldecken und einer dicken Schneeschicht begraben. Es wurde stiller in ihrer kleinen Schneehöhle. Es war schwer zu sagen, ob der Sturm sich gelegt hatte - oder ob der Schnee bloß zu hoch lag und alle Geräusche von außen verschluckte. Anyu hatte irgendwann aufgehört zu weinen. Sie war komplett verstummt und hatte die Augen geschlossen. Sunilda hatte sich an Shiro gelehnt und war ebenfalls eingedöst. Und auch der Halbelfe fielen immer wieder die Augen zu. Nach dem Gewaltmarsch und den Kämpfen gegen das Monster und den Magier waren ihre Kräfte aufgezehrt. Außerdem machte sie sich Sorgen um Jyvindar und Wittiko, die noch dort draußen waren.... irgendwo in der verlassenen Eiswüste, über die gerade ein heftiger Schneesturm tobte, ein Schneemonster auf den Fersen, das nicht unbedingt in Kuschelstimmung war. Langsam sickerte es in Shiros Bewusstsein, dass ihre Überlebenschancen mit jeder Minute, die sie hier saßen und froren weiter sanken. UNd sie erinnerte sich daran, was man ihr bei ihrem ersten Besuch in der Eiswüste eingebläut hatte.
Wenn du dich in der Eiswüste verirrst, schlaf auf gar keinen Fall ein. Wenn du einschläfst, stirbst du.

Shiro riss die Augen auf. Vorsichtig bewegte sie die bereits blau angelaufenen Finger. Sie stupste Sunilda an.
"Suni.", sagte sie leise, "wach auf." Das Mädchen bewegte sich murrend. Shiro stupste sie noch einmal an.
"Nicht einschlafen, Sunilda. Hörst du? Du darfst auf keinen Fall einschlafen."
Sunilda hatte sich ein wenig aufgerichtet und rieb sich gähnend die Augen. Shiro war zu Anyu hinübergerobbt und rüttelte sie behutsam an der Schulter.
"Heh, Anyu. Wach auf.", sagte sie dabei. Doch die junge Frau rührte sich nicht. Shiro lief ein kalter Schauer über den Rücken. Sie schüttelte die Spurenleserin heftiger, doch die regte sich nicht. Ihr Gesichtsausdruck blieb gleich, friedlich, gelassen. Shiro hielt eine zitternde Hand an den Mund der jungen Frau, doch sie ahnte bereits, das sie keinen warmen Lufthauch verspüren würde.
Anyu hatte ihre Augen zum letzten Mal geschlossen. Shiro ließ die Hand sinken. Eine ganze Weile lang saß sie einfach nur so da und betrachtete Anyu, die aussah, als würde sie bloß sehr tief schlafen. Ihre Lippen waren bereits blau angelaufen, doch das zarte Gesicht sah zumindest nicht so aus, als hätte sie Schmerzen gehabt. Sunilda schien noch nicht ganz begriffen zu haben, was passiert war. Shiro wusste nicht, was sie sagten sollte. Das Mädchen hatte Angst. Es würde sie nur nochmehr verschrecken, aber was sollte sie sonst tun? Sie konnten hier nicht bleiben. Sie mussten hier weg, sie mussten Wittiko und Jyvindar finden und sie mussten raus aus dieser Eiswüste.

Shiro rappelte sich hoch.
"Hey, Suni.", sagte sie und versuchte dabei, das Zittern in ihrer Stimme unter Kontrolle zu halten. Es gelang ihr nicht recht.
"Es wird Zeit, mal nachzuschauen, was dort oben vor sich geht. Wir müssen jetzt weitergehen."
Ihre kleine Schwester nickte nur zaghaft.
"Und Anyu müssen wir hier zurücklassen.", fuhr Shiro langsam fort. Sie stockte.
"Sie war sehr schwer verletzt und hat viel Blut verloren... aber davon spürt sie jetzt nicht mehr. Rhelun, der Gott der Toten, hat sie zu sich genommen."
Sunilda sagte gar nichts. Shiro seufzte leise. Was sollte sie auch sagen?

Sie begann, den Schnee zur Seite zu räumen. Wie feiner Sand rieselte es auf sie hinab als sie, mit einem Paar Fäustlinge angetan, begann, die Schneedecke über ihnen aufzustoßen. Als sich erst einmal ein Loch gebildet hatte, kam Shiro zügiger voran, sie arbeitete sich von der Mitte nach außen vor und bald konnte sie sich wieder vollständig aufrichten. Sie hatte keine Ahnung, wie spät es war. War es Tag oder Nacht? Wie lange hatten sie in diesem Loch verharrt? Immer schneller schaufelte Shiro den Schnee beiseite, bis sie endlich die Decke durchbrach und den Himmel erblickte. Sie atmete erleichtert aus.

Der Sturm hatte sich gelegt. Als Shiro und Sunilda aus dem Loch herauskletterten, lag die Eiswüste still und kalt da wie eh und je. Am strahlend blauen Himmel, an dem nicht ein einziges Wölkchen zu sehen war, stand groß und rund die Sonne und schien mit aller Macht auf sie herab. Sie ließ den Schnee glitzern und funkeln wie einen gigantischen Diamanten, auf dem die beiden Mädchen von aller Welt verlassen standen. Kein Lüftchen regte sich, nur ihr Atem bildete kleine Kondenswölkchen, die sofort wieder verschwanden. Fußspuren gab es keine um sie herum. Shiro drehte sich einmal um sich selbst und nahm ihre Umgebung in Augenschein. Hinter - oder vor ihnen erhob sich schroff und majestätisch die Mauer der Drachen. Sie war so ungastlich und unbezwingbar, das Shiro sich fragte, wie sie überhaupt jemals auf die Idee gekommen war, sie könnte sie bezwingen.
Als sie wieder mit dem Rücken zu dem Felsmassiv stand, breitet sich zu ihren Füßen nur die endlose, menschenleere Wüste aus.
Wo waren Jyvindar und Wittiko? Shiro konnte nur hoffen, dass die Männer ebenfalls irgendwo Schutz gefunden hatten und nun unter einer Schneeschicht harrten und bloß noch nicht wussten, das der Schneesturm vorüber gezogen war.
Sie griff nach Sunildas klammer Hand. "Na komm. Lass uns die anderen suchen gehen.", sagte sie aufmunternd und tat einen Schritt.

Es knackte unter ihren Füßen. Shiro hielt inne. Das war kein normales Knacken gewesen. Das Knirschen von Schnee unter den Schuhen klang anders. Dieses Knacken war lauter gewesen, bedrohlicher. Es klang wie eine gefrorene Pfütze, auf die man trat, wie sie es als Kind gerne getan hatte. Nur das dieses Knacken nicht verstummte. Es zog sich immer weiter, als würde unter ihnen der Boden weg brechen. Behutsam machte Shiro einen Schritt zurück und zog Sunilda dabei mit sich. Unendlich langsam wichen die Mädchen nach hinten aus, bis Shiro unter dem Schnee einen Widerstand spürte. Steiniger Untergrund. Ihr Herz pochte laut in ihrer Brust. Was bei allen Göttern ging in dieser Wüste aus Eis und Schnee nur vor sich?

Und dann geschah es. Ein mächtiges Getöse brach los und direkt vor den Schwestern öffnete sich ein gähnender Abgrund, der alles mit sich hinunterriss. Shiro stöhnte auf, als sie Anyus leblosen Körper in die Tiefe stürzen sah.
Sie hatten direkt auf einer breiten Gletscherspalte gerastet, die über die Jahre mit einer dünnen Eisschicht überzogen worden war. Jedes Mal, wenn Schnee gefallen war, war er auf dieser Schicht liegen geblieben, Jahre, vielleicht Jahrzehnte lang. Doch durch die Bewegung und das Gewicht der Wanderer war das Eis gebrochen. Shiro stöhnte erneut auf. Sie konnten nicht hinüber. Der Abgrund war viel zu breit.
Sie konnten nur noch an der Mauer entlang gehen... oder auf sie hinauf?
Per aspera ad aspera, und nichts ist jemals leicht.

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Unvorhersehbares
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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Unvorhersehbares » Mi, 18. Mai 2016 14:05

Der Schock saß der jungen Frau und dem Mächen tief in den Gliedern, die beide mitansehen mussten, wie Anyu, die junge Frau, die sie treu auf dieser Reise voller Gefahren und Abenteuer begleitet hatten, gestorben, und in den tiefen Abgrund gestürzt war. Der Schneesturm war vorbei, vielleicht hatte er ihre Spuren verwischt, und das Ungeheuer, welches ihnen immer wieder gefolgt war, von seiner Fährte abgebracht. Jedenfalls ließ die Tatsache, dass sie schon einige Zeit nichts mehr von ihm gehört hatten, Grund zu hoffen. Durch den Einsturz des Eismassivs war es unmöglich, auf die andere Seite des Gebirges zu kommen, und so liefen die beiden Elfen auf jener Seite, wo sich die gewaltigen Mauern der Drachen gen Himmel hoben, entlang, auf der Suche nach einem Weg, der Richtung Süden führte. Was Wittiko und Jyvidar betraf, hatten sie es aufgegeben, ziellos durch diese Schnee- und Eislandschaft zu irren, um die beiden Männer zu finden. Sowohl die Männer, als auch die beiden Frauen waren nun auf die Gnade der Götter angewiesen, und wenn diese ihnen wohlgesonnen waren, würden ihre Schicksale einander wieder kreuzen.

Es hatte schon nun Tagelang nicht mehr geschneit, und es war Sunilda, die eines Morgens eine merkwürdige Entdeckung machte. Im mehrere Tage alten Schnee fand sie Spuren. Seltsame Spuren. Bei genauer Betrachtung muteten diese an wie jene der kleinen Echsenspuren, die man in den Wäldern von Sieryan auf dem Waldboden entdecken konnte. Mit dem Unterschied, dass diese bedeutend größer waren. Etwa zwei Fuß Länge, und einen Fuß in der Breite waren diese Spuren. Es musste ein Tier gewesen sein, dass diese Fußspuren hinterlassen hatte, aber welches Ausmaß musste dieses Tier nur besitzen? Die beiden Elfen liefen weiter, und nach einer Weile fanden sie noch eine seltsame Begebenheit. Sunilda kniete sich in den Schnee, und zog ein etwa handgroßes Stück aus dem Schnee, welches wie eine unglaublich große Schuppe anmutete, wie man sie ebenso an Echsen beobachten konnte. Es war hart, ein wenig biegsam, dunkel, und schien Hand in Hand zu gehen mit den seltsamen Spuren. Sunilda steckte diesen Fund in ihre Tasche, vielleicht ergab sich später einmal ein Nutzen daraus, oder, wenn sie ihre Heimat wieder erreichten, konnte sie sie jemandem zeigen, der mehr Kenntnis von solchen Dingen besaß.

An einem milden Sommertag erreichten Shiro und Sunilda Fanya, das Dorf in den Wäldern von Sieryan, in dem Sunilda aufgewachsen war.

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