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Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Die weiße Hauptstadt in der Eiswüste.
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Shiro d'Antelle
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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Shiro d'Antelle » Mi, 20. Nov 2013 23:17

Shiro straffte sich - es war ganz offensichtlich, dass Wittiko in der Gunst des Mädchens sehr weit oben stand und Shiro ahnte, dass es schwer werden würde, diesen Platz einzunehmen. Es war nicht so, als würde sie Wittiko als einen Konkurrenten um die Gunst ihrer Schwester ansehen - doch im Gegensatz zu Sunilda erinnerte Shiro sich an ihrer beider Kindheit und das Pflichtgefühl, dass sie der keinen Schwester gegenüber immer empfunden hatte, gefördert von ihrem Großvater, der seit dem Angriff von Rocco Prismario stets um das Leben seiner Enkelkinder gefürchtet und seine Tochter nicht mehr für fähig hielt, sie alleine zu schützen.
Sein Credo war stets "Gib acht auf die Kleinen" gewesen und Shiro in Fleisch und Blut übergegangen. Und auch nach all den Jahren, war dieses Credo noch da, war nie fort gewesen, denn schließlich hatte allein die Suche nach Sunilda Shiro noch die Kraft zum Weitermachen gegeben.
Irgendwie beruhigte es sie, dass Sunilda Jyvindars Lächeln erwiderte - es hatte etwas vertrautes, war der Magier schließlich die einzige Familie, die Shiro noch hatte. Doch spürte sie auch die Vorsicht des Mädchens, dass sich noch ein Stück näher an den Wildländer drückte. Die gleiche Vorsicht, die sie selbst erst viele, viele Jahre später mit einer harten Lektion entwickelte.
Im Gegensatz zu Sunilda erinnerte sie sich daran, wie die Kinder herumgetollt waren und Shiro mal Sunilda huckepack, mal Tyrón auf dem Arm herumgetragen hatte. Und im Gegenatz zu Sunilda, die in der Frage des Nordländers nur die Besorgnis und etwas Gewohntes sehen würde, sah Shiro diese Erinnerungen vor sich, auch, wenn sie wusste, dass sie heute körperlich nicht mehr in der Lage wäre, das Kind lange zu tragen.
Doch für den Moment schob sie diese Gedanken beiseite. Sie brauchten Zeit, Zeit miteinander, füreinander. Zeit, die sie haben würden - aber nicht jetzt.
Jetzt galt es, sich wieder voll auf die Wirklichkeit zu konzentrieren.
Shiro nickte Wittiko zu. Er war wohl der Experte im Spurenlesen in ihrer kleinen Gruppe.
Doch trotz aller Sachlichkeit schaffte Sunilda es erneut, Shiro zu überraschen, mit ihrer nüchternen Einschätzung der Lage.
"Vergiss nicht, der Schein trügt.", erinnerte sie sich selbst. Das Mädchen war nicht 12 - auch wenn sie so aussah, auch wenn sie noch so kindlich wirkte - sie hatte in ihrem Leben ohnehin Dinge gesehen, die kein Kind sehen sollte. War es da wirklich überraschend, dass sie das Töten als eine Option bereits wahrnahm.
Doch Shiro stimmte Wittiko zu.
"Im Schnee und hartgefrorener Erde würden wir uns bis zur Erschöpfung graben und hätten wohl doch keine Grube, die tief genug wäre - und außerdem keine Pfähle.", lehnte auch sie den Vorschlag ab. So wenig ihr das behagte - sdie mussten kämpfen.
"Es ist stark und es ist schnell - doch die Sonne wird bald aufgehen und bei Tageslicht haben wir bessere Chancen. Außerdem hat es Angst vor Feuer, dass wissen wir jetzt. Wir kennen unseren Gegner - seine Stärken und Schwächen. Das muss uns reichen.", sagte sie und nickte bekräftigend.

Noch während sie sprach, hatte Wittiko die Spur bereits aufgenommen und war losgelaufen. Shiro packte die Laufleine des verbliebenen Schlittens, auf dem noch einige Bündel Reisig sowie ein Körbchen mit Vorräten festgezurrt waren, und folgte dem Nordmann.

So kämpfte die kleine Gruppe sich erneut durch Eis und Schnee. Sie kamen nur langsam voran, doch immerhin - sie wussten ja, dass sie auf dem richtigen Weg waren, sie mussten das Monster nicht mehr suchen, sie mussten nur noch den Spuren folgen.
Langsam wich die Nacht der Dämmerung. Der tiefschwarze Himmel wurde zusehends heller, während Sterne und Mond langsam verblassten. Wenige Stunden noch, und die Sonne würde hell am Himmel strahlen und das Weiß der Eiswüste noch verstärken, dass es in den Augen schmerzen konnte, wenn man zu lange hinsah. Vor ihnen hob sich scharf die Mauer der Drachen ab. Shiro war schon vor einer Weile aufgefallen, dass sie direkt auf die Ausläufer der riesigen Gebirgskette zuliefen - war dort vielleicht eine Höhle, in der das Wesen hauste? Doch noch behielt sie diese Beobachtung für sich - ein anderer Gedanke flammte dafür auf.
"Jyvindar!", zischte sie, damit der Magier sie hörte, Sunilda aber ihr Gespräch nicht unbedingt mitbekam - das war nichts für Kinderohren.
"Wir gehen direkt auf die Mauer zu - möglicherweise lebt es in einer Höhle dort in der Nähe, wo das Gelände bergiger wird. Es war die ganze Nacht lang unterwegs - vielleicht können wir es im Schlaf überraschen. Vielleicht sogar ausräuchern?", teilte sie dem Freund ihre Idee mit.
"Wenn ihr Hunger habt - ein paar Dörrpflaumen und Trockenfleisch habe ich noch auf dem Schlitten!", rief sie dann lauter, damit auch der weiter vorn gehende Wittiko sie hören konnte und auf sie warten würde. Ihr Hauptaugenmerk lag natürlich auf Sunilda. Für Shiro war es vollkommen indiskutabel, dass Mädchen in diesen Kampf zu verwickeln. Doch sie hatte einen Bogen. Sie konnte schießen. Wenn auch lange nicht so treffsicher wie sie, so würde Sunilda ihren eil beitragen können - und trotzdem konnte Shiro sie im Auge behalten und beschützen. Falls nötig auch mit ihrem Leben.
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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Jyvindar » Fr, 29. Nov 2013 10:54

Jyvindar sah in die Runde und hörte sich an was die anderen zur Sachlage meinten. Shiro und Wittiko waren wohl beide um längen bessere Jäger als er. Vermutlich war sogar Snuilda besser im Jagen. Also hielt er sich aus der Diskusion heraus. Als Shiro über die stärken und schwächen des fremdartigen Wesens sprach sagte Jyvindar:" Gut das wir usn mit Feuer wohl besser auskennen als jeder andere." Er hatte einen aufmunternden ton angeschlagen. Der Nordmann hatte die Spur schnell gefunden und schritt voran. Shiro hatte sich schon den Schlitten gepackt, also sah sich der Elf nochmal um, ob sie etwas vergessen hatten. Nachdem er das verneinen konnte ging auch er los.

Während des Marsches sah der Magier ab und an in die Luft. Wie weit Nasan wohl schon gekommen war? Er war jetzt ein paar tage unterwegs und schneller als alle anderen Vögel. Ausserdem war er sehr ausdauernd, obwohl er ein Raubvogel war. Da riss ihn Shiro aus den Gedanken. " Stimmt. Die Idee wäre nicht schlecht. Doch wie erzeugen wir genug rauch? Ascheregen? Als alternative?" Der Meistermagier sah Shiro fragend an. Er wollte sich sicher sein. Im grunde war ein Asheregen wohl gut um stickige Luft zu erzeugen, doch er wollte Anyu wiederum auch nicht gefärden. Darum wollte er wissen was Shiro dazu dachte.
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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Sunilda » So, 01. Dez 2013 17:53

*Sie sah Wittiko und die anderen beiden Elfen kurz an. Das ihr Vorschlag abgelehnt wurde, hatte sie sich bereits gedacht und doch wurmte es sie. Sie nickte zögerlich und wusste, dass es wohl besser war die Entscheidungen den Erwachsenen zu überlassen. Und als Wittiko die Spur des Tieres auswertete, beobachtete sie ihn genau. Sie hatte sich irgendwann mal vorgenommen genauso gut Fährten und Spuren zu erkennen und verfolgen zu können wie ihr Nordmann. Sie sah in Wittiko mittlerweile mehr als nur einen Freund. Er war ihr Freund, Beschützer, Versorger und manchmal ertappte sie sich, wie sie ihn als Vater ansah. Doch darüber hatte sie noch nie mit ihm oder einer anderen Seele gesprochen. Sie schüttelte den Kopf * "Es geht schon" *sagte sie und wollte nicht unnötig ihn behindern.

Und so stampfte sie hinter den drei Erwachsenen her und versuchte einfach nur zu funktionieren. Diese Kälte und der permanente Hunger der an ihr nagte seid dem sie hier in diese eisige Landschaft geraten waren, zerrten an ihren Kräften. Als die Elfe Shiro etwas erzählte hörte sie anfangs nicht hin und verstand auch nicht was die Erwachsenen flüsterten. Aber als Shiro etwas von Essbarem sagte und Ihnen anbot nickte sie * "Ich hätte gerne etwas..Dörrfleisch" *bat sie und beeilte sich neben die Elfe zu gelangen. Sie sah Wittiko voraus laufen und bekam anschließend etwas zu Essen gereicht. Mit Dörrfleisch in der Hand ging sie weiter. Sie hoffte inständig das Monster wäre erfroren und sie würden nicht nochmal in einen Kampf verwickelt werden.*

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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Wittiko » Mi, 04. Dez 2013 8:32

Wittiko sah Sunilda kurz fragend an, doch zuckte dann mit den Schultern und lief los. Wenn sie nicht wollte, wollte sie nicht. Sie wusste ja das sie ihn immer fragen konnte.

Nach einer weile des marschierens hörte Wittiko, Shiros Stimme. " Nein geht schon." rief er zurück. Eigentlich hätte der Nordmann schon hunger, doch er wusste nicht weil viel noch an Vorräten da war, vorallem das Sunilda und er nicht eingeplant waren. Sunilda könnte noch mitessen, das Anyu ja fehlte, doch er? Er aß in der regel mehr als andere, also würde er die Vorräte schneller dezimieren. ihm war klar das er Nahrung brauchte um bei kräften zu bleiben, doch er war auch zäh genug um mal ohne Essen aus zu kommen. Wenn es zu dringend würde, könnte er ja immernoch etwas nehmen. So ging er weiter und sah sich die Spurren an. Im grunde war die Spur leicht zu verfolgen. Die Fußabdrücke waren noch relativ frisch, und so lange kein all zu großer Wind entstand würden sie auch erhalten bleiben. Da er sich im Moment nicht groß Konzentrieren musste, versuchte er ein Gespräch zu beginnen. Er ließ sich etwas zurück fallen um nicht so laut reden zu müssen. " Nun....Shiro. Wenn du die Schwester von Sunilda bist, sag woher kommt ihr? Und wie habt ihr beide euch getroffen?" beim letzten Satz wies der Hüne auf Jyvindar und Shiro. Wenn man sich Vertrauen sollte, war es wichtig, das man sich auch kannte, fand Wittiko. So würde er auch nochmals prüfen können ob die Beiden, eigentlich Fremden, etwas zu verbergen hatten.

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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Shiro d'Antelle » Do, 12. Dez 2013 22:05

Jyvindars Optimismus beruhigte Shiro. Vielleicht war die Lage ja gar nicht so ausichtslos wie gedacht? Natürlich war ihr Plan nicht perfekt, nicht mal ansatzweise - aber es war ein Plan.
"Wenn", gab sie zu bedenken, dass sie hier nur spekulierten, dass das Wesen in einer Höhle lebte, "es in einer Höhle lebt, wäre das denkbar. Ich glaube aber fast, dass ein Feuer mit den Ästen, die wir haben ausreichen sollte. Wenn wir Schnee hinzufügen, welcher ja zu Wasser wird, wird automatisch viel Rauch entstehen. Man müsste nur einen Weg finden, diesen Rauch in die Höhe zu leiten... aber das sollte machbar sein.", stimmte sie dem Vorschlag zu.

Sunilda hatte sie eingeholt und bat um etwas zu essen. Shiro kramte einige Streifen Dörrfleisch aus dem Korb und reichte sie dem Mädchen.
"Bring Wittiko auch etwas.", wies sie die Kleine an. Der Nordmann musste bei Kräften bleiben - sie waren nun alle aufeinander angewiesen und es war die falsche Zeit für etwaige Bedenken. Sie waren vom Schicksal zu Partnern gemacht worden, also nahm Shiro ihre Rolle an. Es machte keinen Sinn, die Distanz zu wahren, das machte alles nur noch schwieriger. Sie mussten zusammen arbeiten.

Tatsächlich wurde der Mensch bald langsamer, Shiro und Jyvindar hatten ihn bald eingeholt. Sie war überrascht, als er das Wort an sie richtete. Woher sie kamen? Wusste er es nicht? Shiros Blickfiel auf Sunilda - wusste sie es nicht mehr? Sie war noch so klein gewesen... vielleicht war es besser, dass sie sich nicht mehr daran erinnrte. Was geschehen war... was ihre Familie auseinander gerissen hatte... das war nichts, was Kinderaugen sehen sollten.
"Geboren sind wir in einem kleinen Dorf in Merindar, in Jiandor, um genau zu sein, in einem Wald, geschützt durch die Festungen Candobar und Kalourn, direkt an der Grenze zu Arcanis.", beschrieb sie die Lage ihrer Geburtstorts, von dem heute vermutlich nichts mehr übrig war. Über ein Jahrzehnt war vergangen, seit die Siedlung zerstört worden war, die Natur hatte sich sicher längst alles wieder zurückgeholt.
Da die Trennung der Geschwister und das Zusammentreffen von Shiro und Jyvindar unmittelbar miteinader verbunden waren, fuhr sie fort. Sie wollte eigentlich nicht darüber sprechen, erst recht wollte sie nicht, dass Sunilda etwas hörte - sich vielleicht doch erinnerte.
"Im ewigen Krieg zwischen Merindar und Acanis fiel eines Tages eine Söldnerhorde über das Dorf her. Sie zerstörten es. Sie zerstörten alles." Ein Kloß bildete sich in Shiros Kehle, machte das Schlucken schwer. Ihre Stimme zitterte leicht, als sie weitersprach.
"Meine Mutter und mein Großvater kamen ums Leben, als sie versuchten, unser Leben zu schützen. Wir waren noch sehr klein, Sunilda war gerade 4 und hatte gerade mit dem Laufen begonnen... unser Bruder...
Ihre Stimme brach erneut. Lange, lange hatte sie nicht mehr von Tyrón gesprochen. Während sie immer an ihre Schwester gedacht, ihren Tod nicht hatte akzeptieren wollen, wusste sie, dass Tyrón nicht mehr da war. Doch darüber zu sprechen, auch nach so vielen Jahren, ließen Bilder in ihr aufsteigen, die sie aus gutem Grund verdrängt hatte. Sie sah den Dolch ihres Großvaters fahl im letzten Licht des Tages aufblitzen. Sie hörte das erstickte Röcheln der kleinen Luge, die sich langsam mit Blut füllte.
Sie spürte die heißen Tränen, die ihr über die Wange liefen und eine feurige Spur hinterließen, als der eisige Nordwind über ihr Gesicht fuhr und sie zurück in die Wirklichkeit holte. Sie wischte sich über die Augen.
"Er starb. Er starb auf der Flucht, getroffen von einem Pfeil und rettete so mein Leben. Sunilda habe ich im Schlachtgewühl verloren."
Sie konnte es nicht. Tyrón war nicht nur von einem Pfeil getroffen worden. Nein,der Pfeil hatte ihn nicht getötet. Shiro wusste, was sie getan hatte, was das einzig richtige gewesen - und doch. Nicht der Pfeil hatte ihren Bruder getötet, sondern ein Dolch, ein Dolch in ihrer Hand.
"Jyvindar hat mich kurz darauf gefunden und aufgenommen.", beendete sie diesen unfreiwilligen Ausflug in ihre düstere Vergangenheit.
"Seither sind wir - meist gemeinsam - durch die Welt gereist."
"Und wie habt ihr euch gefunden? Und überhaupt - wieso seid ihr hier? Die Eiswüste ist kein besonders guter Ort für Elfenkinder.", stellte sie nun ihrerseits die Frage, die ihr schon lange unter den Nägeln brannte. Noch immer wusste sie nicht, was nach dem Überfall mit Sunilda geschehen war. Wo sie all die Jahre über gewesen war.
"Sag, Sunilda - wo warst du all die Jahre?", richtete sie das Wort dann doch an das Mädchen - schließlich war sie ja ganz real neben ihr und wusste wohl am Besten, was mit ihr geschehen war. Ob sie bei den wilden Menschen aufgewachsen war?
Doch ihre Kleider, ihr Bogen, ihre Aussprache - all das war offensichtlich elfischer Natur. Aber all die Jahre allein konnte sie nicht gewesen sein. Undenkbar... oder doch nicht?
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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Jyvindar » Mo, 13. Jan 2014 8:20

" Wenn wir mit hilfe des Eises dampf erschaffen wollen, müssen wir nur noch mehr darauf achten, das das Feuer nicht erlischt. " gab er zu bedenken. Doch prinzipiell fand er die Idee auch gut, vorallem da ihnen die Alternativen fehlten. " Ich hoffe das Vieh kann nicht zwischen Dampf und Rauch unterscheiden. Schließlich erstickt Rauch, was Dampf nicht tut. Wir müssen wohl hoffen das es überrascht ist." murmelte der Elf vor sich hin.

Jyvindar kaute auf einem Stück Dörrfleisch herum, als Shiro von ihrer Vergangenheit erzählte. Das hatte sie schon lange nicht mehr getan. Der Magier war sich bewusst, wie schmerzhaft die Erinnerung, immernoch, für Shiro war. Hätte sich der Nordmann das nicht denken können? Direkt war Jyvindar in seiner Beschützer Rolle gefangen. Er wusste wie schnell Shiro in Trauer geriet und umso wütender wurde er wenn jemand diese Trauer auch noch hervor rief. Doch er rief sich zur Vernunft. Der Nordmann hatte es bestimmt nicht böse gemeint, ausserdem hatter ja eigentlich auch nicht wirklich wissen könne was passiert war.
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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Sunilda » Mi, 15. Jan 2014 18:20

Sie lief während die Erwachsenen sich unterhielten, schweigend neben her. Sie hatte nicht wirklich hingehört, doch als Shiro anfing zu erzählen, horchte sie auf, kurze Bilder aus ihrer Kindheit stahlen sich in ihr Gedächtnis, verschwammen wieder nur um neue Bilder die Schemenhaft waren platz zu machen. Sie war gespannt mit einem Male angespannt und ihre Zähne begannen aufeinander zuknirschen. Während sie der Elfe lauschte, fragte sie sich was ihre große Schwester alles erlebt hatte. Als Shiro von ihrer Kindheit erzählte, dachte sie kurz daran was sie noch alles wusste und ob sie ihr noch mehr aus der Zeit erzählen konnte. Da sie sich an viele Dinge nicht mehr erinnern könnte. Sie ballte ihre Hände und lies ihre Fingernägel in ihre Handinnenfläche bohren. Und sah stur zu Boden. Sie konnte jetzt nicht zu den Erwachsenen sehen.

Da wandte sich Shiro auch schon an sie und fragte sie wo sie gewesen sei. Sie stockte und ihr wich die Farbe kurz aus dem Gesicht. Ihre Augen huschten zu Wittiko hinüber und blieb an seinem Gesicht hängen und versuchte seinen Blick zu erhaschen. In der Hoffnung dass dort irgendwas lag, was ihr weiterhalf und ihr einen Halt gab. Doch vorerst fand sie darin nichts außer eine Ermutigung. Deswegen sah man eine Veränderung in ihrer Körperhaltung vorgehen. Ihre dünnen Schultern wurden gestrafft und sie streckte sich insgesamt. Ihr Blick wanderte zu Shiro hoch und fanden ihren Blick "Ich wurde durch die vielen Reiter die zu Hause waren von dir getrennt. Ich sah dich einfach nicht mehr. Überall waren Pferde und, und ich wurde gepackt. Danach weis ich nur noch, dass ich lange geritten bin und dann war da ein Mann ein dicker Mann. Er hat mich gekauft. Da war dann noch ein Wagen in dem ich mit anderen mitgefahren bin. Ich hatte, keine Ahnung warum das passierte.!" das sie sich so gut daran erinnerte, verstand sie selbst nicht. Sie blinzelte etwas verwirrt und sah von Shiro fort. "Ich wurde dann auf einem Markt gebracht. Dort waren viele Leute und auch ein paar Elfen, wie wir. Ich dachte dort wäre Papa gewesen, doch dass war nicht Papa und der Mann nahm mich mit. Ich wurde adoptiert von dem Mann auf dem Markt und wuchs bei Ihnen auf bis ich entführt wurde. Ich floh eines Tages als sie nicht aufpassten und versteckte mich in einer Scheune und dort traf ich Wittiko '...' Er rettete mich vor den Männern. Und seid dem passt er auf mich auf! " Sie schluckte und merkte, wie ihr ein Kloß in ihren Rachen stahl und ihre Stimme so vernebelte und blockierte, das sie nichts mehr sagen konnte. Sie räusperte sich. Da rann ein Träne über ihre Wange, als die Erinnerung an ihre Eltern die sie immer gepflegt und beschützt hatten übermächtig wurden. " ich bin '...' ich sollte zu einer Tante um zu lernen. Doch ich bin dort nie angekommen…" sie sah zu Wittiko und in ihrem Blick lag eine tiefe Trauer. Dennoch sah man deutlich, dass sie diesen großen blonden Nordmann wirklich von ganzen Herzen mochte. Sie hatte schon so viel mit ihm erlebt, dass sie die Kindheit bei ihren Zieheltern begann zu vergessen. Sie lächelte kurz zu Wittiko und sah auf ihre Hände. "Das ist das was ich erlebt habe" Sie öffnete erneut den Mund, schloss diesen aber wieder und sah erneut zu dem Nordmann. In ihren Augen lag die Bitte zu helfen, da sie nicht wusste was sie noch erzählen sollte. Viele Dinge, die sie erlebt hatte konnte sie nicht erzählen. Da sie sich einfach nicht erinnern wollte, zu schrecklich waren diese Erlebnisse gewesen. Ihr Gedächtnis hatte ausgesiebt. Wer sie kannte musste ahnen, dass es ihr mehr als schwer fiel mehr zu sagen. Sie wischte sich das Gesicht trocken und sah auf ihre Füße und auf den Boden.
Zuletzt geändert von Sunilda am Fr, 25. Apr 2014 21:08, insgesamt 3-mal geändert.

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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Wittiko » Di, 21. Jan 2014 8:14

Interessiert hörte Wittiko der jungen Elfe zu. Es war keine Geschichte wie sie sein sollte. es waren nicht die Jahre der Freude, die er gehabt hatte. Doch trotzdem konnte er einiges nachvollziehen. Schließlich hatte auch er seine Familie verloren. Nur hatte er eine längere Kindheit gehabt.
Die Elfe sprach Sunilda direkt an und die kleinere der Beiden erzählte in kürze was sie erlebt hatte. Es schien ihr schwer zu fallen, war es ja auch noch nicht all zu lange her. Vielleicht ein Jahr, seit sie sich trafen? Wittiko wusste es nicht genau.
Da suchte Sunilda auch schon seinen Blick. Der Nordmann bemerkte das sie nicht weiter kam, so entschloss er sich dazu das Gespräch auf sich zu ziehen. " Ja das ist war. Mitlerweile reisen wir schon eine ganze Weile zu sammen. Am Anfang war noch Gadrac dabei, doch er wollte bei einem Halbelfen verweilen, bei dem wir ein paar Tage rasteten. und warum wir hier sind, kann ich nicht ganau sagen. Wir sind einfach unserer Nase gefolgt. Einfach die Bergkette entlang und irgendwann waren wir hier und ahben euch getroffen."
Der Wildländer kniete sich zu Sunilda und wichte ihr die einzelne Träne kurz weg die noch auf ihrer Wange hängen geblieben war. " Ist dir Kalt? sag wenn du mit unter den Mantel willst." meinte der Hüne wie selbstverständlich zu der kleinen Elfe. Dann richteten sich seine Worte wieder an Shiro: " Ich kann euer Leid nachfühlen. Auch ich habe meine Gesamte Familie verloren. Zwar nicht so früh, doch habe ich gar keine Hoffnung das noch jemand lebt. Ich habe sie alle dahin sterben sehen. Drum seid Froh das ihr euren Begleiter damals getroffen habt und dankt euren Göttern, das ihr eure Schwester wieder habt. Schon das ist ein besonderes Geschenk. Das solltet ihr nie vergessen." Ein Hauch von melancholie schwang in Wittikos Stimme mit. War es die Erinnerung an seine Familie, die ihn so stimmte? Er vermisste sie das war Wahr, doch war es wirklich das? Ihm war als würde ein einsiger hauch durch sein inneres Fegen. Er spürte das bald etwas geschehen würde, das alles Veränderte.

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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Shiro d'Antelle » Mo, 28. Apr 2014 19:50

Es war schwierig, zu beschreiben, was in Shiro vorging. Eine Flut an Informationen und Sinneseindrücken prasselte auf sie ein, als Sunilda, erst stockend, dann aber mit immer fester werdender Stimme aus ihrem Leben erzählte, das so kurz und doch so voller schmerzhafter Erlebnisse war.
Sie versuchte, dem Redefluss zu folgen, der zeitweise doch recht wirr wurde.
Sie war also bei Elfen aufgewachsen und noch gar nicht lange mit dem Nordmann zusammen. Nach den schlechten Erfahrungen, die sie mit Männern gemacht hatte, fand Shiro es interessant, dass Sunilda Wittiko so sehr zu vertrauen schien.
Wo sie wohl aufgewachsen war? Ihrer Kleidung nach zu urteilen bei den Waldelfen. Shiro schloss kurz die Augen. Mehrmals war sie in den grünen Wäldern gewesen, hatte in verschiedenen Dörfern gerastet... warum hatte sie nie einen Hinweis erhalten? Hatte sie nicht intensive genug gesucht? Hätte sie dem Mädchen diese Odyssee ersparen können?
Doch die Wälder waren riesig, rief sie sich zur Ordnung - wenn Sunilda das Dorf ihrer Zieheltern nie verlassen hatte, waren die Chancen, dass eine von beiden von der Existenz der anderen erfahren hätte, äußerst gering. Und trotzdem nagte der Gedanke an ihr.

Sunilda brach ab, ihre Stimme versagte. Der Nordmann ergriff für sie das Wort, aber auch seine Worte ergaben nur ein wirres Bild.
Wer war Gadrac? Aber das schien gar nicht wichtig zu sein...
Götter? Shiro hatte keine Götter, an die sie glaubte, auch wenn sie mit dem Glauben der Sieben vertraut war. Zu viel hatte sie gesehen, um an die Existenz von unsichtbaren Mächten zu glauben, die ihre Hand schützend über die kleinen Erdenwesen zu halten.
Dennoch ließ sich nicht abstreiten, dass die Begegnung der beiden Schwestern nach so vielen Jahren schon nicht mehr als Zufall ausgelegt werden konnte.
Doch da eine bedrückte Stimmung sich über die Gruppe gelegt hatte, schwieg sie.

Gerade wollte sie fragen, was Sunilda bei ihrer Tante hätte lernen sollen, um das Gespräch in eine unverfänglichere Richtung zu leiten, da erschien ein provisorisch zusammengezimmertes Dach am Horizont. Shiro blieb stehen und kniff die Augen zusammen. Ein kleines, windschiefes Häuschen schälte sich langsam aus der ewig weißen Umgebung.
"Seht mal.", sagte sie, und deutete auf das seltsame Gebilde.
Wer darin wohnen mochte? Schneemonster pflegten doch wohl nicht in Hütten zu hausen - oder doch?
"Sehen wir uns das mal näher an.", schlug sie vor und stiefelte auch schon los.
Vielleicht verbarg sich ja irgendein Hinweis dort? Ob die Hütte überhaupt bewohnt war? War der bewohnen möglicherweise das erste Opfer des Eismonsters gewesen, oder schon vor langer Zeit, abgeschieden von der Welt, hier verstorben?
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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Shiro d'Antelle » Mo, 22. Sep 2014 23:24

Eine mysteriöse Hütte schälte sich langsam aus dem Eis hervor. Eine sonderbare Konstruktion aus einem breiten Hauptraum und einem schmalen, jedoch um einige Fuß höheren Nebenraum - eine Art Schuppen vielleicht, die wundersamerweise einen provisorisch zusammengezimmerten Turm zu halten vermochte, der windschief an dem Schuppen lehnte. Das Türmchen bestand nur aus 4 Balken, umregelmäßig zusammengezimmerte Streben boten wohl kaum einen Schutz gegen die beißende Kälte, und doch schien man diesen Turm vom Haupthaus aus erklimmen zu können.
Die Tür hing windschief in den Angeln - genauer an nur noch einer Angel.
Die kleine Gruppe war mucksmäuschenstill geworden. Sie tauschten Blicke aus. Sollten sie sich hineinwagen? Was mochten sie dort vorfinden?
Wer lebte hier, in der Einöde, wo es nicht außer Schnee und Eis gab? Lebte überhaupt noch jemand hier... oder war das Monster ihnen zuvorgekommen? Shiro fröstelte. Diese kleine Hütte wirkte so verlassen, als würde sie schon seit Jahren leerstehen. Gespenstisch.
Doch hatten sie eine Wahl?
Ganz langsam näherten sie sich dem Gebilde, immer gefasst auf einen plötzlichen Angriff. Die Halbelfe hatte einen Pfeil an die Sehne gelegt und hielt sie immer leicht gespannt, jederzeit bereit, einen Schuss abzugeben. Sie und die Männer ließen die Blicke ständig umherhuschen, das leise Knarzen des Schnees unter ihren Schuhen schien über die ganze Ebene zu hallen. Doch es tat sich nichts. Kein Brüllen, kein Angriff. Shiros Nerven waren zum Zerreißen gespannt, als sie direkt vor der Tür der Hütte standen. Sie merkte es nicht, doch sie zitterte am ganzen Leib. Das herz klopfte ihr bis zum Hals, als sie in das Dämmerlicht der Hütte trat.
Jyvindar folgte ihr auf dem Fuße und Sekunden später spürte sie auch die massige Statur des Nordmannes hinter sich.
Es dauerte ein wenig, bis sich ihre Augen an das schummrige Dämmerlicht gewöhnt hatten.
Wer oder was auch immer hier gelebt hatte - vermutlich war er schon lange fort. An der Wand lehnte ein Tisch, dem schon ein Bein fehlte, doch ansonsten gab es keinerlei Einrichtungsgegenstände. Shiro warf einen unsicheren Blick zu Jyvindar - was nun?
Doch der zuckte nur mit den Achseln und tat zwei weitere, vorsichtige Schritte in das Innere des Raumes hinein. Die Dielen knarrten unter seinen Schritten. Shiro zuckte erschrocken zusammen.
"Verdammt!", zischte sie leise, doch Jyvindar legte den Finger an die Lippen. Hatte er etwas gehört? Shiro hielt den Atem an. Wo war Sunilda? Instinktiv schob die Ältere sich vor das Mädchen. Und da hörte sie es auch.
Ein Husten, gefolgt vom Knarren des Holzes. Alle 4 folgten mit Ohren und Augen der Geräuschquelle. Eine kleine, unscheinbare Treppe, die ihnen vorher nicht aufgefallen war, führte zu einer Art Brüstung, deren Tür vermutlich zum Wachturm führte.

Und genau diese Tür öffnete sich gerade laut quietschend und knarrend. Shiro richtete den Pfeil auf die Tür, Jyvindar zog sein Schwert und ging in Kampfposition und Wittiko hatte den Zweihänder in Angriffshaltung gepackt.
"Wo habt ihr Taugenichtse gesteckt?", schnarrte eine hohe, durchdringende Stimme.
Hart wie Stahl und doch zerbrechlich wie dünnes Pergament gleichermaßen. Die Tür öffnete sich und eine hohe, hagere Gestalt trat hervor. Sie war in einen langen, braunen, aber fleckigen und löchrigen Umhang gehüllt, der von spinnenartigen Fingern zusammengehalten wurde.
Einen kleinen Moment lang schien die Welt stehen zu bleiben. Die 4 starrten den unwirklich wirkenden Mann an und er starrte zurück. Niemand sagte etwas, keiner wagte, sich zu bewegen - Shiro wagte es nicht einmal, zu atmen.
Die grauen, wachen Augen des Mannes wirkten eiskalt, als sie sich zu zornigen Schlitzen verengten.
Als hätte er keine Seele, dachte Shiro und schauderte.
"Wer wagt es, in mein Haus einzudringen?", knurrte der Mann und brach damit den Bann, der auf ihnen allen gelegen hatte. Seine Blicke schienen sie alle gleichzeitig zu durchbohren. Shiro schluckte schwer.

"Wir sind Reisende, auf der Suche nach unserer Gefährtin.", antwortete Jyvindar. Seine Stimme klang ruhig und distanziert, doch Shiro sah, wie gespannt ihr Lehrmeister dastand, das Schwert fest umklammert. An seinem Blick erkannte sie, dass er diesem Mann genau so wenig traute, wie sie. Diese Gestalt erinnerte sie an ein Raubtier, als er seinen Kopf ruckartig herumriss, um den Elf zu fixieren.
"Verschwindet!", rief er und fuchtelte wild mit den dünnen Armen umher.
"Raus, hier, raus!"
Shiro zuckte erschrocken zusammen, doch sie rührte sich nicht. Denn unter dem Mantel hatte sie etwas gesehen.
"Anyus Jacke.", war alles, was sie sagte. Der Mann erstarrte, das Gesicht zu einer wilden Fratze verzogen.

Dann, plötzlich sprang er von der Brüstung herunter und stürmte direkt auf Jyvindar zu, doch der war schneller und drehte sich in einer Pirouette um ihn herum.
"Ihr seid gekommen, um mein Werk zu vernichten! Doch ich werde euch vernichten!", krähte der Mann, während er herumwirbelte und nun direkt auf Shiro, Wittiko und Sunilda zuhielt. Bevor Shiro etwas tun konnte, trat der große Nordmann vor und wehrte den Angriff mit der Breitseite seiner Waffe ab. Noch hatte keiner von ihnen ernsthaft in Erwägung gezogen, den kalten Stahl gegen einen Unbewaffneten zu richten.
"Ich werde alle vernichten! Alle, die mein Werk verkannt haben! Meine Vision!", krakeelte der Mann weiter, doch Shiro war sich sicher, dass er nicht mehr zu ihnen sprach. Die Hände über dem Kopf zusammengefaltet tigerte er hin und her.
"Sie haben mich verkannt, mich und meine Erkenntnisse. Doch sie werden bezahlen, sie alle werden bezahlen! Es lebt!Und es ist mächtig, mächtiger als alles vor ihm!"
Ein wilder Ausdruck war in seine Augen getreten und ganz langsam dämmerte Shiro, dass er von dem Eismonster sprach.
Aber was sollte das bedeuten? Hatte er dieses Wesen.... erschaffen?
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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Sunilda » Sa, 27. Sep 2014 18:26

Die Worte von dem Nordmann, waren nur ein Teil von dem was sie gerne hätte los werden wollen. Doch es war ein kleiner Anfang von einem riesigen Ganzen. Ihr war klar, dass sie Zeit brauchte um mit ihrer Schwester noch vertrauter zu werden. Doch der Anfang war gemacht. Sie sah Wittiko an, als er sich um ihr Wohl erkundigte und ob er sie tragen solle. Sie schüttelte ihren Kopf. Noch konnte sie selbst laufen, ihre Kräfte waren noch nicht vollständig versiegt. Ihre Beine schmerzten zwar, doch es war auszuhalten. Und ein weiterer Grund war, warum sie verneinte, sie wollte nicht schwach da stehen. Vermutlich, dachte nur sie so. Und es stimmte einfach nicht.
Als ihre große Schwester auf eine Entdeckung hinwies, zogen sich ihre Augenbrauen kurz zusammen. Sie fragte sich warum sie ausgerechnet da hin gehen mussten. Das seltsame Haus, mit dem windschiefen Dach wirkte so verlassen in der eisigen Umgebung. Doch bevor sie ihre Stimme erheben konnte, waren die Erwachsenen schon losgelaufen. Und ihr blieb nichts anders übrig als mitzugehen. Dass sie irrational dachte und nicht so weitläufig wie die Erwachsenen, lag auf der Hand. Ihr kindlicher Geist konnte den Umfang der Gefahr in der sie noch immer waren nicht erfassen. Ebenso welche Gefahr von Eis und Schnee ausging. Es war an den Erwachsenen Entscheidungen zu treffen die für die Gruppe gut waren und nicht alle in den Tod schickten.

So stiefelte sie zwischen Shiro und Wittiko gen Haus und je näher sie dem Haus kamen, desto sicherer war sie, dass es dort wärmer sein würde als hier draußen. Sie fror und ihre Lippen bebten aufeinander. Ihre Kleidung war zwar besser an die Umgebung angepasst worden doch sie fror trotzdem. Ihre Hände zogen die Oberkleidung enger und sie hielt sich an dieser fest. Langsam hob sie ihren Blick, als das Haus direkt vor ihr war. Sie musterte es lange und eingehend. Das Dach und das Haus an sich wurde betrachtet. Ob hier jemand lebte? Fragte sie sich sofort und konnte durch die Balken und die Streben ins innere sehen, wenn sie sich anstrengte. Ihr Verstand sagte ihr jetzt schon, dass es dort nicht sonderlich warm sein würde. Entmutigt zog sie ihre Lippen zu einem Strich zusammen. Die schiefe Türe musterte sie ebenfalls und ging kleine Schritte auf das Haus zu, blieb stehen und sah zu den Erwachsenen hin. Auch diese betrachteten das Haus und die Umgebung, vermutlich noch kritischer als sie. Ihre Gedanken waren schon wieder weiter geglitten. Sie besah sich ihre Schwester, sie wirkte so gefestigt so selbstsicher. Ob sie jemals so auftreten konnte?

Als Shiro und die anderen zur Hütte vorgingen, war sie auf plötzlich aufgeregt. Ihr Herz pumpte schneller und lauter. Sie sah zu Shiro und beobachtete ihre Bewegung wie sie einen Pfeil auflegte, es war so elegant. Dagegen war sie plump wie ein Reh. Ihr Blick glitt zu den Männern, auch diese sahen sich weiterhin um. Und alleine diese Tatsache, das Shiro die Waffe gezogen und gespannt hielt, ließ sie aufgeregt zittern. Nicht vor Kälte. Ihr Körper, ihr Unterbewusstsein registrierte die Anspannung und transferierte diese auf sich selbst. Doch außer dem Knirschen des Schnees unter ihren Füßen passierte nichts. Sie ging hinter den 3 Erwachsenen weiter zur Hütte und blieb hinter den dreien als sich die Türe öffnete und einer nachdem anderen in die Hütte marschierte. Das dämmrige fahrige Licht in der Hütte ließ alles seltsam grau erscheinen. Und von innen wirkte die Hütte genauso verlassen wie von außen. Sie ging langsam weiter, besah sich die Wände, den Boden und sah zu Shiro und ihren elfischen Begleiter. Sie sah den Tisch der halbwegs sicher gegen die Wand gelehnt dastand. Ihre Hand glitt über den Tisch, er war eisig kalt. Sofort zog sie ihre Hand zurück und zuckte heftig zusammen, als die Diele knarrte und Shiro ein Fluch ausstieß. Sie starrte Jyvindar und Shiro überrascht an, traute sich aber nichts zu sagen. Die Anspannung die alle noch begleitete ließ sie schweigen. Als das Husten durch die Luft hallte, bekam sie Angst. Alles in ihr schrie förmlich davon zu laufen und sie ging hastig zu Wittiko und zu Shiro. Sie schluckte als ihr Rachen trocken wurde und folgte dem Blick von den anderen dreien zur Treppe. Und hinauf zu der Türe die zu diesem Turm führte.

Während sich die Türe öffnete, biss sie sich auf die Lippe. Alle Erwachsenen zogen ihre Waffen und sie? Sie stand wie ein verlorenes Reh da zwischen. Ihre Waffe hatte sie schon lange nicht mehr bei sich. So blieb sie etwas unschlüssig stehen und starrte entgeistert hinauf. Die Stimme war hoch und wirkte so passend zu diesem Haus. Sie leckte sich über ihre aufgeplatzten Lippen. Doch das half nichts. Und so trat sie einen kleinen Schritt zurück. Langsam bemerkte sie erst, dass die Gestalt zu der diese Stimme gehörte schon längst auf der Treppe war. Ihr Blick haftete an dieser wie ein Käfer an einem Spinnennetz. Den Moment der sich in den Raum legte, als sich alle anstarrten, dauerte in ihren Augen eine Ewigkeit. Sie räusperte sich und verstummte als die wachen Augen des Mannes sie trafen. Er war so zornig und misstrauisch. Erneut ging sie einen Schritt zurück. Sie wollte nicht hier sein. Da antwortete Jyvindar auf die Frage des dürren Mannes. Das plötzliche fuchteln des Mannes erinnerte sie an ein Käfer der um sein Leben kämpfte. Nicht an einen Mann der sie gerade herauswerfen wollte. Und sie sah unsicher zu Shiro, Jyvindar und Wittiko. Was sollte sie nur tun? Alle drei standen steif da, nur sie scharrte mit ihrem Fuß.

Der Angriff, hatte sie aus der Bahn geworfen, alles passierte so schnell, dass sie es nicht verfolgen konnte. Ihre Ohren versuchten das Zuhören was gesprochen wurde und sie verstand es nicht wirklich. Warum schrie der Mann so? Warum glaubte er sie wären da um sein Werk zu verrichten? Sie erstarrte förmlich und ihr Herz klopfte als der Mann auf Shiro, Wittiko und sie zustürmte doch Wittiko parierte den Angriff. Sie blinzelte unsicher und kaute andauernd auf ihrer Unterlippe herum. Ihre Gefühlswelt war aus den Fugen. In ihrem tiefsten Inneren spürte sie es deutlich, Unbehagen machte sich immer mehr breit"ich will hier raus!" flüsterte sie zu Shiro. Ihre große Schwester stand ihr am nächsten. "Können wir nicht gehen? Der Mann ist mir unheimlich!" sprach sie leise zu Shiro. Ob sie tatsächlich gehen konnten oder ob sie den Mann noch weiter zuhören musste wusste sie nicht. Sie wollte nur fort und demonstrierte das in dem sie zur Türe sah und sachte an Shiros Arm zog "Er macht mir Angst!" fügte sie an und bat in Gedanken darum.

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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Unvorhersehbares » Mo, 06. Okt 2014 20:23

Eine gnädige Ohnmacht war über die Spurenleserin gekommen. Andernfalls hätten ihre Entsetzensschreie den langen Weg querfeldein durch die nächtliche Eis- und Schneelandschaft begleitet, den das Monster sie unbarmherzig durch den kniehohen Schnee zog. Ungerührt davon, dass der Schnee, wo ihm nur Platz gewährt wurde, zwischen die schützende Kleidung drang, durch die Körperwärme schmolz, und den zarten Körper der jungen Frau langsam, aber stetig durchnässte. Anyú, welche stets einen frechen Spruch auf den Lippen trug, hatte nie zerbrechlicher gewirkt, als in dem Augenblick, da die Bestie über sie hergefallen war. Stunden schienen vergangen zu sein, in welcher sie das Mädchen gnadenlos durch die Eiswüste schleifte. Das Monster witterte das Blut, welches aus den tiefen Kratzspuren seiner Klauen, die mühelos Felle und Stoff durchdrungen hatten, sickerte, die es ihr beigebracht hatte, als es sich auf Anyú gestürzt hatte, und dieser Geruch stachelte seine Instinkte ins schier Unermessliche an. Es wollte der jungen Frau [18]die Eingeweide herausreißen,[/18] und sich an ihr laben, doch es war nicht sein Wille, welcher es beherrschte, sondern andere Mächte schienen den Geist des Untiers zu fesseln. Anders als sein Instinkt, befahl diese Macht, das Mädchen nicht zu töten, und dieses Bewusstsein trieb die Bestie beinahe in den Wahnsinn. Der Mond stand am Himmel und tauchte die Schneelandschaft in weißes, kühles Licht, ließ die Eiskristalle von Eis und Schnee glitzern und in unzähligen Farben leuchten, wie winzige Diamanten, und wäre dieses Monstrum nicht, welches die Eiswüste unsicher machte, so wäre dies wohl eine ruhige und friedliche Nacht gewesen…

Und so stand der Magier vor Shiro, hinter der sich das kleine Mädchen Sunilda versteckte, weil es sich vor diesem unheimlichen Mann fürchtete, vor Jyvindar, und vor dem Hünen Wittiko, der ihn durch sein beherztes Eingreifen in seine Schranken verwiesen hatte. Er musterte die Truppe durch seine schmalen Augen, in welchen der Wahnsinn zu glitzern schien, als galt es, Insekten zertreten zu müssen. Shiro schien nach den letzten Worten des Magiers überrascht, denn seine Worte bezeugten, dass er mehr wusste, als es zunächst den Anschein hatte.

Plötzlich schob sich eine Hand durch den Türspalt, und klammerte sich am Türstock fest. Es dauerte eine Weile, bis die Gestalt, die zu der Hand gehörte, ebenso in der Tür erschien. Eine kleine, blasse Frau drängte sich schleppend aus dem Haus, und als sich ihre Blicke auf die Gruppe haftete, schien ein Hoffnungsschimmer in ihren Augen aufzuglimmen. Anyú. „Ihr seid es wirklich! Ich habe Eure Stimmen gehört, doch zuerst glaubte ich, zu phantasieren. Ihr seid meinetwegen gekommen..!“ presste sie mit schwacher Stimme hervor. Ihr Haar hing Anyú wirr ins Gesicht, doch konnte es die weder die geröteten Wangen verbergen, noch die fiebrig glänzenden Augen, in welchen all die Angst, der Schock und die Erlebnisse widergespiegelt wurden, und die dennoch nichts verrieten, was sich in der Nacht tatsächlich zugetragen hatte. Als der Magier ihre Stimme vernahm, wandte er sich um und machte eine scheuchende Handbewegung. „Was willst du hier? Verschwinde wieder ins Haus!“ blaffte er. Doch er wagte es nicht, seine Aufmerksamkeit zu lange auf die Spurenleserin zu haften, galt es doch, die unerwartet erschienene Gruppe in Schacht zu halten. Und so wandte er sich wieder der Truppe aus Elfen und einem Mann aus den wilden Landen zu, und nahm von der jungen Frau keine Notiz mehr. Diese Gelegenheit wollte Anyú nicht ungenutzt lassen und rief „Er ist völlig verrückt! Ich flehe Euch an, befreit mich aus seinen Fängen!“

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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Shiro d'Antelle » Di, 07. Okt 2014 22:37

Shiros Sinne waren geschärft. jede noch so keine Bewegung des hageren Mannes registrierte sie. Sunilda hatte Recht - er war unheimlich. Ihrer Forderung, zu gehen, verlieh das Mädchen Nachdruck, indem es an Shiros Arm zerrte. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Ein Teil von ihr wollte dem Drängen nachgeben, wollte Sunilda außer Gefahr bringen - ein anderer aber wusste, dass sie zur Stelle sein musste.
"Bring sie hier raus, wir schaukeln das Kind schon.", hörte Shiro den sonoren Bass des Nordmannes hinter sich. Ein letzter Blick zu Jyvindar und den Fremden, dann nickte sie. Ihr Freund und Lehrmeister schien zwar verunsichert, doch das dürre Männlein hätte es nicht mit ihm alleine, geschweige denn mit ihm und dem Nordmann aufnehmen können.
Wie ein Raubtier beäugte der Hagere Jyvindar, es hätte Shiro kaum gewundert, wenn er wie eine Schlage zu zischen begonnen hätte.
Sie nahm Sunilda an der Hand und sagte: ""Lass uns gehen."

Doch gerade, als sie mit dem Mädchen das Haus verlassen wollte, stolperte Anyu aus dem Anbau heraus. Sie war verwundet, blass und wankte mehr, als dass sie stand - aber sie lebte. Der Fremde indes schien der Spurenleserin keine große Bedeutung beizumessen - in seiner wirren Gedankenwelt war sie nur eine Randfigur, die nichts mit den Eindringlingen zu tun hatte. Und nun?
Sie sah die Überraschung und die Wut in Jyvindars Augen, als er die Spurenleserin bemerkte und sie hörte das wütende Knurren Wittikos hinter sich.
"Gib sie frei.", forderte der Elf kühl, doch der Fremde kicherte nur meckernd. Wittikos Hand schloss sich so fest um seinen Zweihänder, dass die Knöchel weiß hervortraten, doch noch hielt er sich zurück.

Shiro überschlug die Möglichkeiten, die sie hatte. Sie hätte das Kind aus dem Haus bringen und dann zurückgehen können, doch wenn Anyu hier war, konnte das Monster nicht weit sein - sie konnte Sunilda unmöglich außer Sichtweite lassen.
"Hör zu, Sunilda. Die Frau da vorn, dass ist die, die wir suchen. Sie ist verletzt und braucht schnell Hilfe., wandte sie sich ihrer Schwester zu.
"Ich hole sie jetzt und du wartest genau hier, an der Tür und hälst dich hinter Wittiko, ja? Und dann gehen wir zusammen hier raus." Eindringlich blickte sie dem Mädchen in die Augen.
"Du brauchst keine Angst zu haben, wir alle passen auf dich auf. Hab nur einen kleinen Moment Geduld.", beschwor sie Sunilda noch einmal, ehe sie sich nah an der Wand an dem Magier vorbeischlich. Der nahm von ihr überhaupt keine Notiz, sein Blick flirrte zwischen Jyvindar und Wittiko hin und her, unsicher, wer von beiden die größere Gefahr darstellte.
Dann aber entschied er sich, dass dem Magier die größere Verachtung galt, und mit ausgebreiteten Armen und einem wütenden Schrei stürmte er auf Jyvindar zu. Fast hatte er etwas von einem Adler, der sich auf seine Beute stürzt.
"Wer seid ihr? Was tut ihr hier draußen?", fragte Jyvindar, während er mühelos dem Heranstürmenden auswich und ihn mit einem gezielten Tritt zu Fall brachte.
Doch der Magier blieb ihm eine Antwort schuldig.
"Alle haben sie mich verlacht! Alle Gelehrten und Magier der Welt! Doch seht, was ich geschaffen habe!", krähte er, während er sich wieder aufrappelte. Eine Blickwechsel zwischen den beiden Männern sagte alles - dieser Kerl war verrückt. Doch was tun? Ihn angreifen, obwohl er doch offensichtlich vollkommen wehrlos war? Ihn unschädlich machen, in der Hoffnung, er würde reden?
Diesen Moment, in dem die Männer abgelenkt waren, nutzte der Mann.

Shiro hatte Anyu inzwischen fast erreicht. Immer wieder hatte sie Blickkontakt zu Sunilda gesucht, um ihr zu sinalisieren, dass alles in Ordnung war.
"Kannst du laufen? Ich stütze dich.", raunte sie der geschwächten Spurenleserin zu. Die zitterte zwar und konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, doch sie nickte zaghaft. Shiro überwand die letzten Meter und legte einen Arm um die Taille der Frau, die ihrerseits einen Arm und Shiros Hals legte. Unendlich langsam und vorsichtig näherten sie sich Meter für Meter der Tür, die ins Freie führte. Nur noch ein bisschen...

doch da - der Hagere, den Shiro schon immer Stillen 'Habicht' nannte, hatte sich wieder gefangen und stürmte nun auf Sunilda zu.
"Sunilda! Lauf!", schrie Shiro ihr zu.
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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Sunilda » Do, 09. Okt 2014 19:56

Es dauerte in ihren Augen viel zu lange, bis die Erwachsenen reagierten, bis Shiro auf ihre Forderung zu gehen einging. Die Situation im Raum war so angespannt, dass der Knoten der sich in ihrem Magen bildete größer und größer wurde. Da hörte sie auch schon die Stimme von Wittiko der mit seiner lässigen Art Shiro erklärte, dass Jvyindar und er das Ding schaukeln würden. Sie sah zu dem blonden Mann und wollte dass alle gehen, nicht das nur sie und Shiro. Sie kniff die Lippen zusammen. Das die Situation nicht sonderlich einfach zulösen war, wahr ihr klar. Auch, wenn sie nicht viel von Konfliktlösungen und Kämpfen verstand. Daher sah sie zu der dunkelhaarigen Elfe hinüber. Und spähte misstrauisch zu dem hageren Mann. Noch immer stand er wie auf der Jagd da. Als sich um ihre Hand die Finger von ihrer Schwester legten und sie die Wärme, die von ihr ausging, kam die Zuversicht zurück, dass alle hier gesund herauskommen würden. Sie umfasste die Hand ebenfalls mit ihren Fingern und nickte.
Doch weit kamen sie nicht, denn eine blasse, verdreckte und verletzte Frau mit wirr hängenden Haaren kam herein gestolpert. Sie starrte auf die Frau und sah auf das Gesicht, das vor Anstrengung gekennzeichnet war. Wo kam sie nur her? Fragte sie sich und sah zu Shiro, Wittiko und Jvyindar. Der letztere gab eine Forderung von sich, doch der Mann der sie anscheinend gefangen hielt, ignorierte die Forderung. Als er nur kicherte, gefror ihr für eine Sekunde alles im Gesicht ein. Sie spürte je länger sie hier drinnen verbrachte, desto mehr Widerwillen brachte sie dem Mann entgegen. Sie umfasste die Hand fester und umgriff mit ihrer anderen Hand den Arm von Shiro. Diese beugte sich leicht zu ihr und erklärte ihr die Sachlage, die verletzte Frau war die Frau die sie suchten und dass schnell versorgt werden müsse. Doch als der letzte Satz viel glaubte sie zu träumen, doch zu protestieren, nickte sie nur stumm. Es war wie ein Mechanismus der funktionierte und alle Gefühle ausschaltete. Und erwiderte mit unsicher wirkende Blick aber gefassten Gesichtsausdruck den Blick ihrer Schwester.
Zwar hörte sie noch den Satz, von wegen dass sie keine Angst haben bräuchte, doch brachte der aufkommende Tumult ihre Neugier wieder zum Vorschein und sie sah mit wachsender Faszination zu dem Elfenmann hinüber wie er mit einer Leichtigkeit dem Angriff auswich und den Mann mit einem Tritt zu Fall brachte. Es wirkte beinahe wie eine Choreographie. Sie war überrascht wie elegant es aussah. Der Mann moserte und schrie weiter herum, so das sie nur mehr Fragen in sich aufkommen spürte. Allerdings verwarf sie diese Fragen schnell wieder. Und atmete tief ein und aus und beobachtete die Elfe wie sie zu Anyu ging und sie besorgt betrachtete. Doch der Blick von der Elf ging immer wieder zu ihr hinüber um sich zu vergewissern, ob alles in Ordnung war. Sie selbst kaute nervös an ihrer Unterlippe herum, zupfte mit ihren Zähnen Hautfetzen von der Unterlippe, bis es brannte und nach Blut schmeckte. Sie sah zu den Frauen, wie die eine der anderen half und langsam zur Türe gingen.

Der plötzliche Schrei von Shiro, ließ sie abrupt herumfahren. Sie sah den Mann wie er in ihre Richtung rannte. Doch ihre Lähmung dauerte einen Tick zu lange, da war der Hagere schon da, packte ihren Arm und drückte hart zu. Doch das Mädchen gab sich nicht so schnell geschlagen. Sie trat den Mann mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte gegen das Schienbein und legte einen zweiten schnellen Tritt ans andere Bein. Der plötzliche Schmerz lockerte den Griff und sie entriss ihm ihren Arm. Damit wandte sie sich behände um und nahm ihre Beine in die Hand und zur Türe hinaus. Der dünne Mann stöhnte, fing sich aber und setzte ihr nach, stieß dabei mit Wucht gegen Shiro und Anyu und war ebenfalls aus der Türe "Sie gehört mir!" rief er laut und lachte irre. Das Mädchen rannte was ihre Beine hergaben.

Sie hörte noch wie Wittiko aufschrie und etwas von Stopp vernahm sie auch. Doch dann war zu weit vom Haus weg. Sie sah über ihre Schulter zurück und sah wie der dünne Mann gefolgt von Wittiko und Jvyindar aus dem Haus gerannt kam. "Lass das Mädchen in Ruhe! Sofort" rief Wittiko und Jvyindar sah zu Shiro. "Strecke ihn nieder!" erklärte er. Das Mädchen rannte durch den Schnee. Doch der Schnee war mühsam zu überwinden. Und bald brannte ihre Lunge und sie strauchelte, ruderte mit ihren Armen und fing sich wieder. "Bleib stehen Göre!" rief der hagere Mann laut und kicherte. Sunilda allerdings war im Kreis gerannt. Sie wollte nicht fort von den Erwachsenen doch der Mann trieb sie unaufhaltsam weiter fort. Er schien sie von den Erwachsenen trennen zu wollen und ignorierte die Rufe des Nordmannes. Je länger die Flucht dauerte, desto heftiger brannte ihre Kehle, die kalte Lunge trocknete die Schleimhäute aus und das Elfenmädchen sah sich gehetzt nach einer Klettermöglichkeit um. Wenn sie ungeschoren davon kommen sollte, mussten die Erwachsenen jetzt handeln. Und zwar sofort!

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Re: Das Untier vor den Toren Norr Bharraks

Beitrag von Shiro d'Antelle » Di, 21. Okt 2014 20:10

Es dauerte einen Moment zu lange, bis Sunilda aus ihrer Starre erwachte und der Habicht packte sie am Handgelenk. Doch als der Schock verflogen war, reagierte das Mädchen erstaunlich geistesgegenwärtig und flink, trat dem Mann gegen die Schienbeine und wetzte davon - geradewegs in die Eiswüste hinaus, das Raubvogelgesicht dicht hinter sich.
Wittiko und Jyvindar stürmten ihm nach, Shiro sah noch einen Feuerball, den Jyvindar dem Flüchtenden hinterherschickte, aufleuchten, doch dann musste sie sich wieder um Anyu kümmern. Sei bugsierte die verletzte Spurenleserin an die Wand und ließ sie vorsichtig absinken. Die fiebrigen Augen der Frau flirrten kurz zu ihr hoch, Shiro war sich nicht sicher, ob und was Anyu von ihrer Umgebung noch mitbekam.
"Ich bin sofort zurück.", sagte sie noch, ehe auch sie aus der Hütte hetzte. Im Laufen griff sie nach ihrem Bogen, den sie neben ihrer Schwester zurückgelassen hatte und zog einen Pfeil aus dem Köcher.
Sie trat zu eilig aus der Türe, stolperte und wäre fast gestürzt, doch sie konnte sich wieder fangen. Mit einem Knie auf dem Boden schoss sie - doch in dieser wackeligen Haltung verfehlte sie natürlich ihr Ziel.

Der Pfeil zischte haarscharf am Kopf des Mannes vorbei und verletzte ihn nicht. Doch es reichte, um ihn irritiert anhalten zu lassen.
Shiro brauchte einen Moment, um sich einen Überblick zu schaffen. Sunilda hatte geistesgegenwärtig versucht, im Kreis zu laufen, um sowohl ihren Verfolger abzuschütteln, als auch zurück zu ihrer Gruppe laufen zu können. Wittiko hatte dieses Vorhaben erkannt und auch Jyvindar darauf aufmerksam gemacht, die beiden Männer hatten sich zwischen die beiden gedrängt. Noch immer war Sunilda zu weit entfernt, als dass man ihr unmittelbar hätte helfen können - doch sie waren jetzt näher an dem Magier dran und konnten ihm den Weg abschneiden.
Shiro schoss ein weiteres Mal - der Schnee, der Sunilda behinderte, gereichte ihr zum Vorteil, denn auch der Hagere konnte sich nicht so schnell fortbewegen, wie er wollte.
Dieses Mal würde sie treffen, das war ihr klar, sobald der Pfeil von der Sehne schnellte.
Doch sie hatte nicht damit gerechnet, dass der Mann vor ihr ein Eismagier war. Sie stöhnte, als sich eine Wand aus Schnee erhob und ihren Pfeil einfach abblockte. Irgendwo in der Ferne hörte sie ein Grollen - auch das noch.
"Das verdammte Monster ist noch in der Nähe.", rief sie Wittiko und Jyvindar zu, doch deren Blicke verrieten ihr, dass sie die Geräusche ebenfalls gehört hatten.
Sie mussten jetzt also schnell handeln. In welcher Beziehung der mann auch immer mit dem Monster stand - sie mussten die Verbindungen kappen.
Wittiko und Jyvindar hatten sich aufgeteilt, wie eine Schere näherten sie sich von verschiedenen Seiten an den Mann an. Immer wieder ließ Jyvindar Feuerbälle auf den Mann fliegen und auch wenn er sie mit seiner Eismagie abwehren konnte - das Wirken der Zaubersprüche erforderte Konzentration. Er wurde langsamer.
"Sunilda! Hierher!", rief Shiro, als ihr klar wurde, was die Männer vorhatten. Sie wollten dem Mädchen Zeit verschaffen - und dieser Plan schien aufzugehen.
Auch Shiro begann wieder, Pfeil um Pfeil auf ihren Gegner zu schießen und so nahmen sie ihn nun zu dritt in die Zange. Die Gesichtszüge des Mannes wechselten von Selbstsicherheit, zu Zorn, zu Überraschung, zurück zu Selbstsicherheit - und letztlich doch zu Angst. Immer mehr Geschosse flogen auf ihn zu und immer mühsamer wurde es, sie alle abzuwehren.
Zuletzt kauerte er sich einfach in den Schnee und tat gar nichts mehr.
Shiro tauschte Blicke mit ihren Kampfgefährten, doch die wirkten genau so überrascht. Wittiko, der am nächsten an ihrem Gegner dran war, näherte sich ihm vorsichtig. Der Gruppe war klar geworden, dass das Raubvogelgesicht bei weitem nicht o wehrlos war, wie sie anfangs geglaubt hatten. Shiro ließ den Blick nervös über die Ebene gleiten. Hoffte der Mann auf die Rettung durch seine Bestie? Gehorchte das Monster ihm? Musste er es rufen? Oder waren sie Partner? Hatten sie vielleicht gar nichts miteinander zu tun?

Wittiko hatte sich dem Hageren bis auf wenige Schritte genähert und hörte ihn leise brabbeln und kichern.
"Sie werden schon sehen, welche macht in uns steckt.", frohlockte er, ehe er die Augen schloss und zu einem merkwürdigem Singsang anhob. Wittiko waren die Worte fremd.
Dann sah er, wie der Fremde Symbole in den Schnee malte und da wurde ihm klar, was er da tat - er wirkte einen Zauberspruch und wie es schien würde dessen Wirkung größer sein.
"Hör sofort auf!", herrschte er den am Boden Kauernden an, doch der hörte ihn gar nicht.
Wittiko war nun ganz nah. In der Ferne sah er Sunilda, die bald in Shiros Reichweite war - er atmete erleichtert aus. Seine Schutzbefohlene war zwar noch nicht in Sicherheit, doch die Halbelfe würde sie mit ihrem Leben beschützen, da war der Nordmann sich ganz sicher.
Doch was sollte er nun mit dieser seltsamen Gestalt hier anfangen?
"Mach ihn unschädlich!", hörte er den Elf sagen und er wusste genau, dass dieser bewusst das Wort "unschädlich" gebraucht hatte. Eigentlich war er ja mit dem Magier einer Meinung - wo kein Blut vergossen werden musste, da sollte man eine friedliche Lösung suchen. Doch war dieser Mann hier nicht eine Gefahr für alle Bewohner der Eiswüste? Wittiko dachte an die schwerverletzte Frau in der Hütte - da sie dort gewesen sein musste, konnte man das wohl auch auf das Konto des Hageren rechnen.
Er musste etwas tun.
Der Mann wiegte sich noch immer vor uns zurück und rezitierte irgendeine Zauberformel. Etwas hilflos schaute Wittiko zu den beiden Elfen - und tat dann das einzige, was ihm einfiel.
Mit dem Griff seiner Waffe traf er kräftig den Hinterkopf des Hageren, der daraufhin in Ohnmacht fiel. Das war sicher nicht die eleganteste Lösung, doch die einzige, die Wittiko auf die Schnelle einfiel.
Wie einen Sack Mehl warf er sich den - erstaunlich leichten Mann - über die Schulter und trottete zurück zur Hütte.
Dabei fing er Shiros halb irritierten, halb belustigten Blick auf.

Als der Mann sich auf dem Boden zusammenkauerte, stellte Shiro das Schießen ein. Stattdessen hielt sie nach ihrer Schwester Ausschau, die sich ihr in der Entfernung langsam näherte.
Das Wittiko den Magier einfach ohnmächtig schlug, nun.... das hatte sie zwar nicht erwartet, doch in diesem Fall heiligte der Zweck wohl die Mittel.
Irgendwo in der Ferne hörte sie erneut ein Brüllen. Das Monster schien sich ihnen nicht zu nähern. Was hatte das alles nur zu bedeuten?
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