Auf den Spuren der Seuche

Die Heimat der Beraij.
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Oríta
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Re: Auf den Spuren der Seuche

Beitrag von Oríta » Di, 24. Sep 2013 21:14

Oríta lächelte auf die vernommenen Worte Néals, das eine Ursache der Krankheit, eine Echse wohl gefunden sein. . „Ursache ist nicht gleich Heilung. Was kann man gegen diese Echsenplage tun. Und vor allem wird sie sich doch immer weiter ausbreiten, selbst wenn wir den Herd ausfindig gemacht haben, oder liege ich da falsch?“ Oríta griff zu seinem Tagebuch, fand darin aber keinen lose eingelegten unbeschriebenen Zettel mehr, klappte es also wieder zu und lies es unter seiner Kleidung verschwinden. Er sah sich nach einem anderen Schreibuntergrund um. Zuerst knurrten die beiden elfischen Wachhunde, als er sich bewegte, doch ein leises Raunen und eine mahnende Berührung des Alten ließ sie – zumindest vorerst doch – innehalten. Als Orítas Finger indes tastend über einige der offen herumliegenden Schriften fuhr, war es an dem Alten die Luft scharf einzuatmen, derweil die beiden Aufpasser, in dieser Aktion keine direkte Bedrohung sehend, dieses Mal gelassen eher blieben. Doch ehe der Buchhändler auffahren konnte hatten sich des Menais Finger bereits wieder von des alten Mannes kostbaren Besitz gelöst. Als Bote in bisweilen diplomatischem Auftrage, glaubte Oríta Teile der Büchersammlung als in vielen Fällen bergelfische Arbeit zu erkennen obgleich er jene Schriften nicht zu lesen vermochte. Leicht wandte er sich nochmals dem alten Mann zu, und deutete eine Verbeugung an, wie ein bergelfischer Gesandter am Hofe seines Herrn einige Wochen lang täglich zelebriert hatte und wie dieser legte er offenen Respekt in diese Geste, indes aber nicht den Hauch von Unterwerfung und eine gewisse Arroganz, die – positiv gedeutet – erkennen ließ, das man hier niemandem Unterlegenen etwa gegenüber stand. Indes das Lächeln dem Elfen gegenüber mahnend wie gleichermaßen ernst war. Das Er sich in just jenem Moment kurz sichernd an Néals Schulter festhielt, es mochte seiner Konstitution bloß geschuldet sein, doch dem weisen alten Mann mochte mit etwas Phantasie sicherlich eine andere Deutung dazu auch noch einfallen.

Derweil hatte Oríta indes einen leeren Fetzen Papier noch gefunden und schrieb darauf folgendes:
Als erstes lasst uns die Eidechse finden. Damit können die Ärzte sicher besser feststellen gegen ‘was’ wir hier eigentlich kämpfen. Und wenn wir wissen woher die Echse ursprünglich kam, dann finden wir vielleicht auch den Ort, an dem Heilung liegt, oder erfahren zumindest wen zu fragen lohnt und wen nicht. Außerdem haben wir ja noch das Gedicht. Irgendwas mit blauen Tropfen, Licht und Dunkelheit, nicht? Wir sitzen alle in einem – wenn ich das hier mitten in der Wüste sagen darf – in einem Boot, und wenn wir uns gegenseitig zerfleischen... wir sollten zusammenarbeiten und gemeinsam gegen die Krankheit angehen, und zwar jetzt auf der Stelle! Einverstanden?
Néal mochte ihm beim Schreiben wohl über die Schulter blicken. Alle Anderen, da ihm unbekannt, würde er daran zu hindern versuchen, mochte er doch niemanden Fremden in seinem ungeschützten Rücken wissen. Erst wenn er zu Ende geschrieben hätte, würde er sich wieder aktiver an dem Geschehen um ihn her beteiligen. Néal, sollte sie die Worte nicht schon beim Verfassen ihrer selbst gelesen haben, würde er den Zettel kurz hinhalten. Das Lächeln indes und die beruhigend über ihren linken Oberarm fahrende Rechte des Menai, mochten ihr vermitteln, das die in den Zeilen gelegene Anklage nicht an sie, oder zumindest doch nicht primär und in erster Linie gerichtet war. Dann zeigte er es noch dem Arzt und auch dem Wirt, wenn er wollte. Zuletzt erst und dieses mit ernstem wie mahnendem Blick, überreichte er den Zettel an einen der den alten Mann verdeckenden Aufpasser desselben, würdigte diesen dabei aber keines Blickes, sondern blickte einzig den Alten an, als wäre der Mann vor ihm nichts weiter, denn des Alten verlängerter Arm. Darauf schritt Oríta wieder zur Wand zurück, griff sich den Speer und ließ dessen Schaft, einem gesprochenen „Hopp-hopp!“ in der Intention nicht unähnlich auf den Boden hernieder fahren. Dies war keine Zeit der Worte, es war eine Zeit der Taten, und wenn der Grund der Krankheit gefunden war, so schien sein Gesichtsausdruck unwillig zu fragen, was standen sie alle hier dann bitte noch tatenlos weiter herum?
Einst betete ich zu den Göttern: »Gebt mir Stärke!«
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Re: Auf den Spuren der Seuche

Beitrag von Unvorhersehbares » Di, 20. Mai 2014 22:02

Da nun die Identität des Mannes - Órita geklärt war, ging doch alles ziemlich schnell. Néal fasste für den augenscheinlich stummen Menai die Sachlage kurz zusammen, ehe sie das Wort wieder an Hajim richtete.
Dieser nickte besonnen. Néal hatte wirklich viel dazu gelernt, sie war ein helles Köpfchen und dachte mit.
"Du magst Recht haben, die Ursache kann uns nicht die Heilung bringen und doch, die Ursache zu erkennen erlaubt es einem Arzt erst, die Heilung zu finden.
Nimm einmal einen Patienten, der immer zu am Husten ist - erst wenn du weißt, dass es die Bronchitis ist, kannst du Inhalationen und Bäder verordnen, um das Husten zu heilen.
So mag es sich auch mit einer Seuche verhalten. Zudem ist es unerlässlich, diese Eidechse zu finden und dafür zu sorgen, dass sie nicht noch mehr Menschen infiziert. Und vielleicht gelingt es uns sogar, aus ihrem Gift ein Heilmittel zu destillieren. "
, führte der Heiler sein Anliegen aus.
Während er sprach schrieb der stumme Menai etwas auf einen Papierfetzen schrieb und diesen Néal hinhielt.
Die Augen der Elfe wanderten über das geschriebene und sie nickte.
"Órita stimmt dir zu, Hajim. Wir sollten die Eidechse finden und uns dann den Teil des Gedichts vornehmen, den Albertus eben zitiert hat."
Wie zur Bekräftigung seiner vorgetragenen Worte klopfte der junge Mann zwei Mal mit seinem Stab auf die Erde.
Der Arzt nickte bedächtig.
"Recht hat er wohl. Nun, ich schlage vor, dass ich diesen jungen Mann begleite - Ihr, Herr Albertus, werdet mit Sicherheit in der Zwischenzeit in euren weisen Schriften nach weiteren Antworten suchen können. In jedem Fall rate ich davon ab, diesen halbwegs sicheren Ort hier zu verlassen. Nach wie vor gilt eine Ausgangssperre.", sprach er und trat dann einen Schritt auf Néal zu. Während er gesprochen hatte, hatte er schon den Protest in ihren Augen aufblitzen sehen.
"Néal, meine treue und kluge Schülerin - ich weiß, du würdest uns gerne begleiten. Doch ich möchte dich um einen Gefallen, einen sehr großen Gefallen bitten. Finde Tuan - und sorge für ihn während meiner Abwesenheit. Es steht nicht besorgniserregend schlecht um ihn, aber doch nicht gut genug, als dass ich ihn sich selbst überlassen könnte."
Er nahm die Hände der jungen Elfe und blickte sie flehentlich an - sie schlug die Augen nieder. Und nickte dann zaghaft.
Hajim seufzte hörbar und umarmte Néal kurz - flüchtig. Eine Geste, die niemand von dem sonst so distanzierten und professionellen Arzt kannte.
"Nun denn!", sagte er laut, streckte sich und trat an die Türe, "Auf ein baldiges Wiedersehen, meine Freunde. Wünschen wir einander Erfolg bei unseren Zielen."
Mit diesen Worten öffnete er die Tür und husche mit Òrita hinaus.


Sie schlichen durch die Gassen und kamen nur langsam voran. Immer wieder mussten sie stehenbleiben oder schnell die Richtung wechseln, um nicht einem der passierenden Stadtwächter in die Arme zu laufen. Die Sonne versank schon langsam hinter den Stadtmauern, als die ersten Häuser des Armenviertels in Sicht kamen.
Hier draußen wurden die Kontrollgänge weniger, niemand wollte sich länger als nötig in diesem Viertel aufhalten, denn hier gab es die meisten Kranken, hier war der Brandherd der Seuche, welche die ganze Stadt in ihren Klauen hielt.
"Wir sind fast da.", sagte Hajim und schaute zu Òrita.
"Was meint ihr - wollen wir es wagen, besagtes Geisterhaus im Dunkeln zu betreten. Ich weiß nicht, ob es bewohnt ist, geschweige denn, was uns dort erwarten könnte."

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Re: Auf den Spuren der Seuche

Beitrag von Oríta » Mi, 21. Mai 2014 16:13

Oríta folgte dem Arzt in die einsamen Straßenschluchten und musste dessen scharfen Augen mehr als einmal Respekt zollen, auch wenn es gelegentlich auch der Menai war, welcher den Anderen mahnend an der Schulter zurück zog. Aber vermutlich brauchte es auch eine gute Beobachtungsgabe um als Arzt die Leiden eines Kranken recht zu deuten. Schließlich aber kamen sie dem Ziel näher. "Wir sind fast da." Oríta nickte und wartete darauf, dass der Arzt weiter ging. Doch - "Was meint ihr - wollen wir es wagen, besagtes Geisterhaus im Dunkeln zu betreten. Ich weiß nicht, ob es bewohnt ist, geschweige denn, was uns dort erwarten könnte." Oríta sah einen Moment lang den Arzt sinnend an. Sah er Angst in dessen Augen? Nein, keine Angst, aber gesunde Achtsamkeit. Der Arzt erkannte vermutlich deutlicher denn irgendein Anderer die Gefahr, die vor ihnen lag und auch Oríta kamen nun Zweifel. Nein, nicht ob der Frage ob sie das Haus betreten sollten, denn vielmehr ob sie sich nicht besser darauf vorbereiten mochten und tatsächlich schüttelte der Menai daraufhin den Kopf und zog den Arzt an dessen Schulter in eine verlassene – wie es schien – gemeinschaftliche Backstube, in der die Armen, keinen eigenen Ofen besitzend, vor der Ausgangssperre täglich mit ihren vorbereiteten Teigen zusammenkamen, diese gemeinsam in einem großen Ofen zu backen.

Dort in relativer Sicherheit vor etwaig die Straßen patrouillierenden Söldner- oder auch Plünderertrupps nahm der stumme Bote erneut das Blatt zur Hand, mit welchem er seine letzte Meinungsäußerung getätigt hatte und schrieb eng und hastig, aber doch auch akkurat mehrere Zeilen nieder, welche er darauf dem Arzt hinhielt.
Wir sollten uns schützen und wir brauchen auch Licht/Feuer. Ihr sagt es ist eine Echse, die die Krankheit überträgt? Habt Ihr eine Salbe oder ein Rauchkraut oder, was weiß ich nicht was, dass die Echsen davon abhält uns zu nah zu kommen, uns unappetitlich macht – Äh, wie groß wird die Echse eigentlich? – und dann müssen wir uns noch etwas überlegen, die Echse, besonders wenn wir sie lebend fangenwollen, zu transportieren.
Sich umsehend, erblickten Oritas Augen sogleich einen Reisigbesen, welcher, wie er pantomimisch zu erklären versuchte, sicherlich entzündet eine halbwegs passable Fackel darstellte und Hajim fand kurz darauf auch noch einen Leinenbeutel mit Kohlen. Den fast leeren Beutel ausschüttend, hatten sie daraufhin nun auch eine Transportmöglichkeit für die Echse, sollten sie diese denn finden.

Erst darauf nickte Oríta auffordernd, wie die Schärfe seiner Speerspitze unverhohlen prüfend. Nun stand dem abschließenden Gang nichts mehr im Wege. Einzig das sie ein paar Kohlen entzündeten und in einem vertrockneten wie im kalten Ofen scheinbar vergessenen Laib ungebackenen Brotes verwahrten. Daran sollte der Reisigbesen sicherlich später – im Totenhaus – leicht entzündet werden können, war es doch weder angeraten draußen mit einer blakenden Fackel durch die Straßen zu schleichen oder im dunklen Inneren des Hauses wiederum unnötig lange blind umherzutapsen, bis das Licht endlich entzündet oder sie vorab von einer Horde hungriger Echsen aberdutzendfach gebissen wären, unfähig sich im Dunklen jener Schar zu erwehren. Ein erster Blick auf die Straße zeigte die Luft war rein. Da Oríta den Speer ja doch trug und der Arzt den Besen zur Not auch als plumpen Prügel nutzen mochte, sollte unerwartet jemand oder etwas über sie herzufallen versuchen, hatte der Menai diesen kommentarlos an Hajim weitergereicht. Doch hätten sie vermutlich nicht nur die Fackeln entzünden, sondern gar mit lauten Fanfaren zum Geisterhaus zu tapsen.

Nicht nur, dass sie keine Menschenseele erblickten, der Gestank, der ihnen bereits vor dem Haus entgegenschlug hätte wohl jeden vernünftigen Menschen in die Flucht geschlagen und beinahe schon Dankbar ob des stinkend rauchenden Brotlaibes mit seinen darin verwahrten schwelenden Kohlenbrocken, band er sich ein Taschentuch vor Mund und Nase und beförderte zwei Handschuhe zutage. Ein Totenkopf prangte mit roter Farbe auf das Holz der Eingangstür gepinselt vor ihnen, doch eine Kette lag geborsten am Boden und einer der Türflügel hing nur mehr an einer verbogenen Türangel vor ihnen. Plünderer die hinein wollten oder zum Sterben eingesperrte Bewohner, die hinaus gewollt hatte? Oríta wusste es nicht! Doch das zählte auch nicht. Gemeinsam lauschten er und der Arzt auf mögliche verdächtige Geräusche, kamen nach einer Weile gemeinsam zu dem Schluss nichts verdächtiges zu hören und betraten darum das innere des Bauwerkes und erstaunt erkannte Oríta im fahlen Restlicht das durch das offene Tor noch einige Schritte in das ansonsten dunkle Innere des Gebäudes vordrang, den Grund des schier unerträglichen Gestankes.

Gut ein halbes Dutzend toter Katzen, Hunde und auch Hühner und unzählige tote Ratten und Mäuse lagen im Halbkreis vor der Tür oder hingen halb ausgeweidet vor den verschlossenen Fensterläden. Maden, Schaben, Ratten und ein – wie es schien –ganzes Ameisenvolk hatten es sich hier drinnen zwischen den Kadavern eigerichtet, taten sich an dem köstlichen Mahl gütlich. Keines der Tiere machte den Eindruck an einer Seuche alleine hier verendet zu sein. [18]Vielmehr waren einigen Tieren mit glatten Schnitten die Kehlen oder Leiber aufgeschnitten, anderen war offensichtlich der Schädel eingeschlagen worden[/18]. Irgendwer, oder –was, hatte hier regelrecht ein Stillleben des Todes arrangiert und das Bild einer großen geschuppten aus mordlüsternen intelligenten Augen aus dem Dunkel über ihnen herabblickenden wie geflügelten Drachenlaibes kam ihm mit einem Mal vor Augen.

„Bitte lass das kein Omen sein, bitte lass das kein Omen sein!“ stammelte Oríta in Gedanken vor sich hin, als er den Brotlaib mit den glühenden Kohlen dem Arzt auffordernd entgegen hielt, das der seine provisorische Fackel daran entfachen mochte. Merklich zitterte ihm dabei die die Kohlen haltende Hand. Ob nun ins unermessliche angewachsene Drachenechse oder doch „nur“ eine tödliche Krankheit: In beiden Fällen – und das wurde Oríta just in dem Moment erst wirklich klar – stellte er sich gerade einem Gegner, dem einem Speer nicht beizukommen und dem mit noch so großer Gewandtheit nicht auszuweichen war.
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Re: Auf den Spuren der Seuche

Beitrag von Unvorhersehbares » So, 26. Okt 2014 18:16

Hajim nickte dem Menai zu, und schob sich im Innenhof dann vor ihn, und ging ihm voraus. Langsam und bedächtig setzte er Schritt vor Schritt, in einer Hand fest die improvisierte Fackel haltend, mit der anderen scheuchte er lästige Schmeißfliegen von sich, deren Surren den ganzen Hof erfüllte, und zusammen mit der gespenstischen Stille die Nerven schier bis zum Zerreißen spannte. Immer noch mussten die beiden den stinkenden und halb verwesten, und teilweise schon skelettierten Tierkadavern ausweichen und schließlich gab der Arzt den Versuch, die Fliegen zu verscheuchen, auf, und presste die Hand vor Mund und Nase, um sich vor dem Übelkeit bringenden Gestank zu schützen.

Schließlich standen sie vor der Türe des Hauses, das im Volksmund auch Geisterhaus genannt wurde. Hajim hielt inne. Vielleicht zögerte er aus Angst, vielleicht hielt er inne, um zu seinen Göttern zu beten, aber vielleicht sammelte er auch nur seine körperlichen und mentalen Kräfte, um einem eventuellen Sturm, der so oft nach Ruhe aufkam, trotzen zu können. Er wandte den Kopf zurück, und warf Oríta einen vielsagenden Blick zu. Vielleicht auch eine stumme Frage. Ob er nun die Türe öffnen sollte. Er schien auf ein Zeichen des Menai zu warten, auf eine Bestätigung. Und schließlich gab der Arzt sich einen Ruck, legte die Hand auf die Tür, und drückte diese auf. Für einen kurzen Anflug war dieser überrascht, wie leicht sich die schwere Tür in den Angeln bewegte. Sie ächzte und knarrte für einen kurzen Moment, was den Arzt unweigerlich den Atem anhalten ließ. Er hielt einen Moment inne, doch als kein Geräusch zu vernehmen war, setzte er wieder einen Fuß vor den anderen. Der Raum war dunkel. An dessen Ende konnte man zarte Lichtstreifen sehen, die erkennen ließen, dass die Fenster mit Brettern verbarrikadiert waren, und durch dessen Ritzen die letzten rötlichen Sonnenstrahlen drangen. „Das Haut scheint verlassen zu sein“ wandte sich Hajim gedämpft an Oríta, und von dieser Erkenntnis ein wenig mutiger, begann er mit seiner Fackel den Raum auszuleuchten. In den Ecken hingen dicke Spinnwebenfetzen und verstaubte Spinnennetze, die Wände waren geschmückt mit kostbaren, dicken Webteppichen. Hajim leuchtete diese aus eher persönlichem Interesse an, und strich beinahe ruhevoll über das erlesene Webstück. Als er seine Hand wieder zurückzog, bemerkte er, dass an seiner Hand etwas haftete. Er beleuchtete seine Handfläche mit der Fackel, und sah mit angewidertem Blick die dicke, tote Motte, die an seiner Hand klebte. Bei eingehender Betrachtung stellte er fest, dass der einst so kostbare Teppich schon bedeutend bessere Tage gesehen hatte, und über und über mit Mottenfraß und leeren Puppen war, und rasch wandte er sich wieder ab, während er seine Hand an seiner Hose abwischte. Sein Blick fiel in die Mitte des Raumes.

Ein angestaubter Tisch stand da, auf welchem einige schwere Kerzenhalter standen, auf welchem die Kerzen beinahe gänzlich herunter gebrannt waren. Es war kein armes Haus. Die teuren Teppiche, die schweren, kunstvoll gearbeiteten Kerzenleuchter, und nicht zuletzt die Bienenwachskerzen bezeugten dies. Ein Teller stand am Tisch, auf welchem sich eingetrocknete Speisereste befanden. Hajim besah sich den Teller näher, hob ihn an, roch an den eingetrockneten Speisen, rümpfte die Nase und stellte den Messingteller wieder ab. Er schüttelte den Kopf und wandte sich an Oríta zu. Er räusperte sich, denn die Aufregung hatte seine Stimme ersterben lassen, noch bevor er sie hatte anheben können. Mit gedämpfter Stimme sprach er „Dieser Ort wirkt verlassen, mein Freund. Doch wir dürfen uns nicht täuschen lassen. Es war jemand hier, und dies vor nicht allzu langer Zeit. Die Speisen sind angetrocknet, jedoch weder verdorben noch verschimmelt...“ Er warf Oríta in dem schwachen Feuerschein einen mahnenden, wie auch argwöhnischen Blick zu. Erneut wandte er sich um und leuchtete den Raum aus, als ihm eine Türstock auffiel, der von Tüchern verhüllt war. Ein zweiter Raum befand sich hier. Der Arzt bedeutete Oríta mit einem Kopfnicken, ihm zu folgen, und langsam trat er zu dem Eingang. Tunlichst darauf bedacht, die Tücher nicht mit seiner Fackel zu berühren, und zu entzünden, was einen verheerenden Brand zur Folge haben könnte, schob er die seidenen Gewebe beiseite und schob sich mit seiner Fackel rasch durch den Türstock. Er hob die Fackel an, um auch diesen Raum auszuleuchten, und erstarrte, wobei er noch die Geistesgegenwart besaß, Orítas Hand mit der seinen zu berühren. In einer Erkerartigen Nische, am Ende des Raumes, saß an einem Tisch eine Gestalt. Der schwache Schein erreichte kaum den Tisch, doch aus der Dunkelheit leuchteten, beinahe Raubtierartig, geheimnisvolle Augen, gleich Katzengold, und bezeugten, dass die Gestalt die beiden Männer bemerkt hatte…

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Re: Auf den Spuren der Seuche

Beitrag von Oríta » Fr, 14. Nov 2014 21:13

Ein schweres und keuchendes Husten erklang aus dem Halbdunkel vor ihnen und strafte die unnatürlich klar im Schein der Fackeln schimmernden Augen Lügen. Denn wo aus den Augen eine beinahe schon erschreckende Wachheit ihnen entgegen strahlte, zeugte das abgehackte und keuchende Husten von Siechtum und Elend. „Ihr hättet nicht her kommen sollen! Haben denn nicht einmal meine ausgelegten tierischen Freunde ausgereicht, euche meine Warnung vor Augen zu führen?“ Und als Oríta ob jener Worte, die Speerspitze gen der vor ihm im Dunkel noch immer halb verborgene Gestalt richtete, klang ihm darob nur ein abgehacktes müdes Lachen entgegen. „Glaubst du wirklich mit der Waffe gegen den unsichtbaren Tod bestehen zu können, Mensch?“ Der Fremde drehte sich zum Tisch herum und erstmalig glaubte Oríta dabei ein Huschen zu erkennen, das nicht einfach nur von des Fremden Menschen Kleidern stammte. Vor Orítas geistiges Auge schoben sich wechselseitig Bilder von zwischen des Mannes Füßen kreuchenden Schaben, Ratten, ja Schlangen und anderen Echsen gar.

Doch blakte Hajims Fackel zu sehr und war der Mann noch zu weit fort, den Ursprung der huschenden Schatten wirklich ergründen zu können. Einzig zwei Dinge glaubte Oríta nach dem ersten Momentdes Schreckens nun sicher zu wissen. Erstens: Der Fremde war offensichtlich nicht bewaffnet, wobei dessen Worte schon wahr doch auch waren. Gegen den Tod, der schon seit geraumer Zeit durch die Straßen und Gassen dieser Stadt schlich, waren Waffen eh ohne jede Wirkung. Zweitens aber, und das erstaunte den Menai-Boten gar weit mehr, wehte ihm vom Fremden her ein erstaunlich klarer und frischer, um nicht zu sagen gar kühlender Lufthauch entgegen und erst, als Oríta – sich schützend zwischen den Arzt und den Fremden schiebend – einige Schritte dazu vor trat, erkannten seine Augen das schwarze Viereck vor dem am Tisch im Halbschatten sitzenden Fremden und vermeinte gar, wobei das auch nur eine dem Durst geschuldete Einbildung sein mochte, die Feuchtigkeit nahen Wassers zu verspüren. Gab es hier in der Stadt verborgene Kavernen, geheime Brunnen in den Häusern? Das zumindest könnte erklären, warum jemand das Innere dieses Haus so vehement vor allzu neugierigen Augen zu bewahren versucht haben mochte, warum trotz der Seuche hier überhaupt noch jemand ausharrte.

„Das ist weit genug!“ zischte es plötzlich von dem Fremden her und in diesen knappen Worten, war nicht der Hauch von Schwäche, Atemnot oder einem kaum zu unterdrückenden Husten mehr zu vernehmen. Kalt funkelten ihm und Hajim die Augen des Fremden entgegen und Oríta blieb stehen. Der Raum war sicher. Alle Ein- und Ausgänge, sprich die Türe hinter ihnen und die offene Falltüre voraus waren gesichert und boten zumindest für den Moment keine unliebsamen Überraschungen. Der Fremde, des Weiteren, war allein und noch immer offensichtlich waffenlos und andere Kreaturen, sah man von dem nach wie vor nicht näher erkennbarem Gewusel zu des Mannes Füßen einmal ab, außer Hajim und Oríta, fanden sich nicht im Raum. Da nun also keine direkte Gefahr zu drohen schien, zumindest keine vor der ein Speer und schnelle Reflexe zu schützen vermochten, entspannte sich Oríta und trat zur Seite, um das Reden jenen zu überlassen, die das besser vermochten denn er. Und als Oríta nun also beiseite trat, da es nicht länger vonnöten schien den Arzt mit seinen Körper abzuschirmen, fiel auch endlich das Licht der langsam niederbrennenden provisorischen Fackel Hajims direkt auf den Fremden, den Tisch vor und die offene Bodenluke neben ihm und auch auf das zu seinen Füßen nun klar erkenntlichen Gewusel. Scharf sog Oríta die Luft ein und trat rasch einen halben Schritt zurück, den Speer gen Boden gesenkt. Denn mit dem, was sich im Scheine der Fackel Hajims seinen Augen darbot, hatte er nun wirklich nicht im Mindesten gerechnet.
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Re: Auf den Spuren der Seuche

Beitrag von Unvorhersehbares » Do, 11. Dez 2014 9:10

Der Feuerschein offenbarte, was sich in diesem Haus wirklich abspielte. Eidechsen wuselten auf dem Boden umher,teilten sich den Platz mit Ratten. Es stank erbärmlich nach Kadavern, Exkrementen, und Schweiß. Als Hajim Gewißheit erlangte, was ihm derartigen Brechreiz verursachte, presste er sich entsetzt die Hand vor den Mund, und würgte, um seinen Mageninhalt, der ihm hochkroch, daran zu hindern sich seinen Weg nach außen zu bahnen. Stattdessen trat er einige wagemutige Schritte nach vorne, und tauchte den Mann, welcher gebeugt am Tisch saß, in einen sanfte Schein, so dass man ihn nun gut erkennen konnte. Die roten Haare hingen wirr ins Gesicht, seine Kleidung war fein, aber alles in allem wirkte er völlig verwahrlost, so dass man, zusammen mit dem Gestank, welcher nicht nur von den Kadavern, sondern auch von ihm auszugehen schien, annehmen konnte, dass er da schon viele Monde saß, und das Haus nicht mehr verlassen hatte. Er hob die Hand, und Hajim zuckte unweigerlich zusammen und hob seinen Speer an, doch der Angriff, welchen er erwartete, blieb aus. Stattdessen schirmte sich der Mann ab, und verbarg ein Gesicht hinter seinem Oberarm. Ich sagte, dass ist weit genug! Kommt keinen Schritt näher, sonst werdet ihr es bitter bereuen! Gegen diese Seuche gibt es keine Heilung! Hajim wandte sich zu Orita um, zuckte fragend mit den Schultern, und trat wieder zu seinem Begleiter zurück. Das ist schon bedeutend besser! erwiderte der Mann heiser, und wurde von einem plötzlichen Hustenreiz übermannt. Er hustete, keuchte und bellte, als wollte er sich die Lungen aus dem Leib husten, rang um Atem, keuchte rasselnd, hustete noch einige Male und schließlich konnte er seinen Hustenreiz bezwingen. Geräuschvoll zog er einen Schleimklumpen h0ch, und spuckte diesen ebenso geräuschvoll auf den Boden. Hajim wagte zwar nicht näher zu kommen, doch beherzt hob er wieder die Fackel an und konnte so das Gesicht des Fremden diesmal gut ausleuchten. Sehr blasse Gesichtshaut trug der Mann, was allerdings nicht nur an einem erbärmlichen Gesundheitszustand lag. Seltsame Male wanden sich über die eine Gesichtshälfte, und Hajim starrte den Mann an. "Was seid ihr?" fragte er ihn irritiert, und der Mann lachte heiser. Unseresgleichen ist sehr selten. Es mag niemanden verwundern, dass ihr noch nie einen wie mich zu Gesicht bekommen habt... Hajim, dessen berufung nun einmal Heiler war, fragte den Mann "Kann man euch helfen? Leidet ihr an der Krankheit? Es muss doch Heilung gegen diese Seuche geben. Was wisst ihr? Verratet es mir, und ich verspreche, auch euch zu heilen, wenn es in meiner Macht steht!" Der Mann begann zu lachen. Das ist ist nicht nötig! Die Krankheit hat mich nicht im festen Griff, sie kann mir nichts anhaben. Wenn dies so wäre, wäre ich schon seit vielen Monden tot...

Er ging nicht wirklich auf Hajims Worte ein sondern begann stattdessen zu singen. Eine unheimliche Melodie begleitete folgende Worte

Wo tödliche Vipern im Kampf sich umschlingen
Wo Hitze und Durst in die Knie dich zwingen
Such das Juwel so kalt und so blau
Wenn Licht siegt über das nächtliche Grau.
Nur dann, wenn die Sonne nicht hier und nicht fort,
Darfst du verweilen an jenem Ort...

Als Hajim ihn bestürzt ansah, lächelte der Mann wissend. Ihr kennt diese Zeilen nicht wahr? Ihr kennt diese Zeilen, wisst aber nichts mit ihnen anzufangen, hab ich Recht? Hajim musste nicken. Er fühlte sich so hilflos, und diese Hilflosigkeit, die ihn zu übermannen drohte, machte ihn dennoch rasend. Dann kennt ihr auch diese Zeilen? Der Mann sang weiter

Blutige Perlen auf grünem Grund
Doch sucht mich nur zu nächtlicher Stund'!
Denn Tod und Leben
kann beides ich geben
von kundiger Hand
gefunden in wüstem Land.

Hajim versuchte, den Zorn der ihn trug, zu verbergen, aber gänzlich gelang es ihm nicht und so blaffte er "Ich kenne diese Verse! Aber ich kenne die Bedeutung nicht. Ihr müsst uns helfen! Helft uns diese Seuche zu besiegen! Wenn ihr wisst, worum es in diesem Lied geht, dann, bei den Göttern, flehe ich Euch an, uns die Lösung zu verraten!" Der Mann erhob sich von dem Tisch. "Ich kenne die Bedeutung in der Tat! Aber will ich sie euch verraten? Ich bin nicht sicher...." Ein irres Funkeln bemächtigte sich seiner goldenen Augen, und überheblich lächelte er. Er kostete seine Überlegenheit mehr als aus. Hajim resignierte. Ungeachtet der Tatsache, dass es hier vor Eidechsen und Ratten nur so wimmelte, ließ er sich auf die Knie fallen. "Ich beuge mich vor euch..." murmelte er. Da wandelte sich der Gesichtsausdruck des Mannes. Es schien, als könne er die Gefühle des Heilers erforschen zu können und die Überheblichkeit in seiner Stimme verschwand. Noch nie hat mir jemand Respekt gezollt. Ich wurde immer nur verjagt, und im besten Falle belächelt und verspottet. Als Missgeburt... Alles, was ich wollte, war einmal Ergebenheit zu erfahren, wie ihr es eben tatet. Ich... ich... ich werde euch die Lösung verraten..

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Re: Auf den Spuren der Seuche

Beitrag von Oríta » Do, 11. Dez 2014 14:56

‘Ein von den Göttern berührter!’ schoss es Oríta durch den Kopf, kaum dass das Licht der provisorischen Fackel den elenden Fremden aus der Dunkelheit riss. und – wie es ihm seine gute Erziehung gebot – vollführte er stumme Gesten der Ehrerbietung dem Anderen gegenüber, wie es ihm als Menai gelehrt wurde. ... „Unseresgleichen ist sehr selten. Es mag niemanden verwundern, dass ihr noch nie einen wie mich zu Gesicht bekommen habt. “ Diese Worte indes wurde von würgenden Geräuschen und einem hässlichen Platschen übertönt, mit welchem Oríta seinen Mageninhalt etwas abseits von sich gab. Er schien im Umgang mit derlei einfach weniger erprobt, oder sollte man sagen abgehärmt zu sein, denn der Arzt an seiner Seite und der Gestank hier drinnen war wirklich kaum erträglich. Hastig wich der Menai wieder gen des Einganges, als einige der um den Fremden herum wuselnden Ratten sich begierig einer neu für sie aufgetragenen Mahlzeit widmen wollend auf das jüngst Erbrochene zueilten und erfreulicherweise die beiden Menschen derweil – sollte man besser sagen: ‘noch’? – ignorierten. Sich den Mund mit einem Taschentuch abwischend, welches er nach kurzem Überlegen nicht wieder einsteckte, denn vielmehr in den nun zweiten Haufen wuselnder Ratten warf, wandte er sich wieder dem Fremden zu.

„Ihr kennt diese Zeilen nicht wahr? Ihr kennt diese Zeilen, wisst aber nichts mit ihnen anzufangen, hab ich Recht?“ Auch Oríta nickte betreten auf jene Worte und als der Fremde zu singen fort fuhr, da ergriff der Bote sein Tagebuch und verglich jene zweite Strophe mit den Versen, die auch ihm schon mitgeteilt worden waren. Oríta zögerte einen Moment, als er den Heiler sich niederknien sah. Sein Knie auch vor einem Bettler zu beugen, der etwas Edles denn getan hatte, war für Oríta eine Selbstverständlichkeit. Kriegsgeschädigte alte Männer, die bei der Verteidigung der Grenzen und aller innerhalb dieser Weilenden ihre Unversehrtheit eingebüßt hatten, hatten in seiner Heimat stets ein hohes Ansehen genossen und wurden, zumindest soweit es Orítas diesbezügliche Erfahrungen betraf, niemals abgewiesen, wenn sie denn einmal hungrig oder auch hilfsbedürftig vor einem Hause aufwarteten. Oríta hatte sein Knie bereits vor sehr heruntergekommenen Gestalten gebeugt. Doch hatte dieser seltsame Mann nicht eben bekundet eine Heilung möglicherweise zu kennen, aber diese bis heute für sich alleine behalten zu haben, derweil Aberdutzende, wenn nicht inzwischen gar Hunderte von Menschen einen schrecklichen Tod erlitten?

Sollte der Fremde auch in des hier und heute sein Knie nicht beugenden Menais Augen lesen wollen, er würde neben der großen generellen Achtung einem von den Göttern berührten gegenüber, auch Achtsamkeit, Unverständnis und - ja, auch Missfallen erblicken. Denn das jener Mann vielleicht helfen konnte und es aber nicht tat... Vielleicht waren dessen folgende Worte darum auch Oríta geschuldet, erklärten sie dessen bisheriges Schweigen doch zumindest auch ein Stück weit. „Noch nie hat mir jemand Respekt gezollt. Ich wurde immer nur verjagt, und im besten Falle belächelt und verspottet. Als Missgeburt... Alles, was ich wollte, war einmal Ergebenheit zu erfahren, wie ihr es eben tatet. Ich... ich... ich werde euch die Lösung verraten.“ Nun erst, also nach jenen Worten, beugte auch Oríta Haupt und Knie vor dem Anderen und riss – in Ermangelung eines noch unbeschriebenen Notizzettels – die letzte, noch unbeschriebenen, Seite seines Tagebuches heraus und schrieb hastig im Schein der Fackel Hajims einige Worte auf diesen Fetzen Papier, so das der Arzt ihm über die Schultern dabei schauen können, mitlesen mochte, was er dort genau denn verfasste.

Dann, den Fetzen Papier sorgsam auf der Spitze seines Speeres aufspießend, hielt er diesen über die zwischen ihm und dem Fremden wuselnden Ratten und Echsen hinweg, jenem entgegen. Sollte der das Papier entgegen nehmen, würde Oríta den Speer zurück ziehen, die Spitze der Waffe dabei kurz in das reinigende Feuer der Fackel Hajims dabei haltend.

In meiner Heimat Menainon, südlich von hier, wo alle Menschen eine Haut, so dunkel wie die Meine, voller Stolz tragen, werden alle paar Generationen Menschen mit einer Haut, so fahl wie die Eure und Augen in den Farben des Feuers, geboren. Wir alle ehren und achten diese Menschen. Viele dieser dienen uns gar als Mittler zu den Göttern, was ihren Stand unter uns gar noch mehr erhöht.

Ihr sagtet, das ihr einen Ort suchtet, an dem Euch Achtung statt Verachtung und Zuneigung statt Vertreibung zuteil wird? Aufgrund dessen Ihr ein von den Göttern Gezeichneter seid, oder zumindest mir doch gerade so erscheint, will ich Euch hier und jetzt sagen – ohne jegliche Gegenleistung zu erwarten oder einzufordern – das Ihr aufgrund dessen, als was Ihr geboren seid, im Lande Menainon hochwillkommen sein dürftet.

Aufgrund dessen was Ihr tut
– und ich sage Euch nur wie es ist und nicht etwa Euch damit zu erpressen, wird man Euch aber nicht minder messen. Denn wir sind ein zivilisiertes Volk, welches etwa Diebstahl, Heuchelei und Betrug als nieder verachtet – wird man Euch aber auch beurteilen. Euch wie auch alle Anderen, Menai und Femde. Darum bitte auch ich euch: Helft uns, wenn Ihr könnt, bitte! Tut es nicht um meinet willen, der ich ob dieser Seuche meine Ehre gefährdet sehe, tut es nicht ob Euretwillen und der Hoffnung ob einer solchen Tat unter den Menai euch euer Willkommen etwa erkaufen zu können. Tut es, ich bitte Euch inständig im Namen aller Leidenden, um der Sterbenden willen.

Rettet jene die qualvoll verenden, selbst wenn es eben die sind, die Euch voller Verachtung ins Gesichtgespien haben mögen. Rettet aber auch die Männer Frauen und Kinder deren einzige Schuld darin besteht, zu arm zu sein, den Tod zu fliehen. Rettet sie und damit euch selbst, denn Rache wird euch letztendlich nur aufzehren, Großmut Euch erhöhen. Ich bitte Euch aus tiefstem Herzen, tut, was richtig ist – bitte!
Sollte der Fremde nach dem Lesen aufblicken, so würde er nun auch Oríta ihm zu Füßen knien sehen und ... und sollte er wirklich die Gabe haben in den Augen Anderer lesen zu können, wie es Hajim gegenüber jüngst den Eindruck gemacht hatte, e würde erkennen, das die in dem Papier ausgesprochene Einladung aufrichtig und unabhängig davon wr, was er denn tatsächlich in diesem Falle denn tun konnte. Wenn es wirklich nur Achtung, Respekt und eine sichere Zuflucht war, die er sich erhoffte – und sein Charakter ansonsten redlich denn auch war – so würden ihn die Seinen, dessen war der Menai sich absolut sicher, mit offenen Armen aufnehmen und in ihren Reihen willkommen wohl heissen.
Einst betete ich zu den Göttern: »Gebt mir Stärke!«
Doch sie antworteten nur: »Gib Dir Mühe!«

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Re: Auf den Spuren der Seuche

Beitrag von Unvorhersehbares » Di, 23. Dez 2014 18:00

Der Fremde verharrte ruhig, doch vorsichtig hob er seine Hand und wischte sich mit der Handfläche den Schweiß von der Stirn, während der Menai Wörter auf ein Stück Papier kritzelte. Immer noch kniete der Arzt am Boden, und hatte sein Haupt gebeugt, und über all dieses schwieg der Drachenerbe, und starrte schweigend auf das Szenario, welches sich ihm bot. Hajim, von sichtlicher Neugierde gepackt, hob seinen Kopf, wandte ihn zu seinem treuen Begleiter, und warf einen Blick auf die Zeilen, die Oríta in sichtlicher Hast mit flinken Fingern auf das Stück Papier schrieb. Hajim blickte ihn vielsagend an, doch er erwiderte nichts. Als Oríta sein Tun beendet hatte, schob er das Stück Papier auf die Spitze seines Speers, und hielt diesen dem Drachenerben hin. Als er dies tat, zuckte der Drachenerbe unweigerlich zusammen, und wich, mit zusammengezogenen Brauen, misstrauisch und erschrocken einige Schritte zurück. So blieb er stehen, und schien einige Momente zu überlegen. Als er sich der Tatsache gewahr wurde, dass augenscheinlich weder Gefahr drohte, noch ein Angriff von Seiten des Menais erfolgte, trat er langsam Schritt für Schritt nach vorne, hob seine Hand, und nahm das beschriebene Papier von der Speerspitze, doch trat er wieder zurück. Als er sich in sicherer Entfernung wähnte, hob er das Schriftstück näher an sein Gesicht, und begann, zu lesen.

Hajim beobachtete den Mann, während er die Zeilen las. Doch sagte er kein Wort, sondern bewahrte Stillschweigen. Nach einigen Augenblicken presste der Drachenerbe seine Lippen aufeinander, während seine Augen weiterhin unruhig über die Zeilen hin und her huschten. Schließlich hob er seine freie Hand an, ballte sie zur Faust, und presste diese an seine Lippen. Es schien beinahe, als zuckten seine Gesichtsmuskeln für einen Moment weinerlich, doch nach einigen Wimpernschlägen hatte er sich wieder gefangen. Er las weiter, dann zogen sich seine Augenbrauen zusammen, und er blickte beinahe forsch auf die Zeilen, als wollte er sie mit seinen goldenen Augen, die im Kerzenschein regelrecht zu brennen schienen, vernichten. Doch schließlich entspannten sich seine Gesichtszüge wieder, und er blickte auf. Seine Hand sank herab, und das Papier segelte zu Boden.

Hajim blickte auf und erhob sich wieder. Er war sich nicht sicher, doch glaubte er, ein Glitzern in den Augen des Drachenerben zu erkennen. Dieser wandte sich ab, und trat an den Tisch heran. So verharrte er, den Rücken ihnen zukehrend, einige Momente schweigend, und schließlich begann er zu sprechen, ohne sich wieder umzukehren. Ich schäme mich… flüsterte er. So lange schon bewahre ich das Wissen, diese Seuche zu beenden, für mich. Nur aus dem Grund, weil ich mich von der Welt zurückgestoßen gefühlt habe… Wie viele Unschuldige mussten ihr Leben lassen, nur weil ich nur an mich gedacht habe, und mich meinem Leid ergeben hatte? Ich gebe zu, die Macht über Leben und Tod in meiner Hand zu halten, gefiel mir. Doch ich habe einen falschen, und auch gefährlichen Weg beschritten… Er wandte sich schlagartig um, und suchte die Blicke von Hajim und Oríta.

Wo tödliche Vipern im Kampf sich umschlingen
Wo Hitze und Durst in die Knie dich zwingen
Such das Juwel so kalt und so blau
Wenn Licht siegt über das nächtliche Grau.
Nur dann, wenn die Sonne nicht hier und nicht fort,
Darfst du verweilen an jenem Ort...

Diese Zeilen beschreiben eine Oase, südlich außerhalb von Avrabêth. Inmitten der todbringenden Wüste befindet sich dieser paradiesische Flecken, ein Palmenhain, frisch und grün, und voller Pflanzen und Leben... Dort befindet sich ein Teich, welcher von einer unterirdischen Quelle gespeist wird. Doch Vorsicht ist geboten, dort, zwischen den Felsen, leben gefährliche, todbringende Riesenschlangen. Nur in der kurzen Übergangszeit zwischen Nacht und Morgendämmerung, wenn die nächtliche Wüstenkälte sie nahezu unbeweglich gemacht hat, kann man diese Oase ungefährdet aufsuchen. Blaues Juwel deshalb, weil das Wasser heilende Kräfte besitzt. Doch das Wasser alleine vermag es nicht, diese Seuche zu vertreiben…

Blutige Perlen auf grünem Grund
Doch sucht mich nur zu nächtlicher Stund'!
Denn Tod und Leben
kann beides ich geben
von kundiger Hand
gefunden in wüstem Land.

Die ‚blutigen Perlen‘ sind die roten Früchte einer nur dort vorkommenden, sehr seltenen Pflanze. Es wachsen nur sehr wenige dort. Die Früchte zu Brei gestoßen, vermengt mit dem Wasser der Oase, ergibt eine heilsame Arznei. Wenn man Glück hat, kann man fünfzig Menschenleben von der Seuche befreien. Wenn einige Kinder unter ihnen sind, die weniger von der Arznei benötigen, vielleicht einige mehr. Aber bestimmt nicht alle… Youssuf, der Wüstenführer kann euch zu der Oase führen. Ich möchte noch sagen, es tut mir leid, dass ich… ich…ich…

Er begann zu stottern und zu zittern, dann brach er unerwartet, und ohnmächtig zusammen. Ein Umstand, der im Fluch seines Drachenerbes zu suchen war, nicht in der Seuche…

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Re: Auf den Spuren der Seuche

Beitrag von Oríta » Mo, 05. Jan 2015 15:53

Wo tödliche Vipern im Kampf sich umschlingen,
Wo Hitze und Durst in die knie dich bringen,
Suche das Juwel, kalt und blau,
Sobald das Licht siegt über das dämmrige Grau.

Nur dann, wenn die Sonne nicht hier und nicht dort,
kannst du verweilen an jenem tödlichen Ort
Hastig flogen Orítas Finger über die letzte beschriebene Seite seines Tagebuches. Das Datum und alles Weitere mochte er später noch ergänzen, doch zuallererst galt es den gehörten Wortlaut unverfälscht festzuhalten, mochten die Götter alleine doch wissen, was ein Wortdreher oder ein falsch erinnerter Vers für weiteres Unglück über sie alle bringen mochte. Weiters schrieb er die Worte des Fremden auf. Diese, aber auch seine erläuternden Erklärungen dazu. Dann, als der Fremde schließlich in die Knie brach, brauchte es eines raschen und beherzten Griffs des Arztes an Orítas Seite, diesen festzuhalten, hatte der im ersten Moment doch reflexhaft auf den Kranken zustürzen und diesen festhalten, diesen auffangen wollen. Aber der Menai fing sich rasch, als der Arzt ihm erklärte, das der Fremde nur entkräftet, nicht aber tot oder auch nur im Sterben etwa sich befände. Der Arzt hatte vermutlich genügend Erfahrung diesbezüglich und da aber auch Oríta den sich nach wie vor hebenden und senkenden Brustkorb des Anderen gewahrte, nickte er schließlich und wandte sich von dem Bewusstlosen fort und zu einer der nahen Wände hin. Ein Stück Kohle aus einer seiner Taschen klaubend, begann Oríta daraufhin, in Ermangelung eines noch unbeschriebenen einzelnen Zettels, einige Worte an die weand zu schreiben. »Wir könnten die Information zu eurem Herrscher bringen. Das wäre die einfachste Lösung, würde aber nur den Reichen, nicht den Armen helfen - die der Hilfe aber am Dringendsten bedürfen. Der mich in die Stadt schleuste könnte mich auch wieder heraus bringen. Mit ihm und Y« – Oríta zögerte den Namen Youssufs nieder zu schreiben, befürchtete das Andere später dieses lesen und unschöne Konsequenzen daraus herleiten könnten. Auch war da, fiel ihm gerade ein, ja noch... Er eilte zu dem noch Bewusstlosen hin, ohne indes den Kreis der ihn noch immer umschwärmenden Tiere zu durchbrechen, fischte nach mehreren erfolglosen Versuchen den von dem Göttergesalbten fallengelassenen Zettel mit seinem Speer zu sich und hieß den Arzt an seiner Seite, das Dokument zu verbrennen. Keine Spuren hinterlassen, die sein unlauteres Eindringen in die Stadt dokumentierten. Den Speer dann erneut in die immer schwächer werdende Flamme der Fackel haltend, kehrte Oríta zur Wand zurück und schrieb weiter.

»Mit ihm und Y ... dem uns genannten Helfer beschaffen wir selbst das Heilmittel und bekämpfen die Krankheit dort wo sie wütet. Ein letztes Bisschen der Medizin, mit der Kunde wie und wo sie zu bereiten wie zu beschaffen ist, bringen wir dann vor euren Herrscher und allen ist geholfen. Ich bitte nur um eine Dosis, jenen einen Menschen zu heilen, dessen Wissen für mich von Bedeutung und dessen Überleben für meinen Auftrag zwingend notwendig ist, ehe Ihr die Medizin an den Herrscher dieser Stadt übergebt. Seid Ihr damit einverstanden diesen Mann und auch unseren Freund hier zu Heilen, auch wenn diese Beiden es vielleicht weniger zu verdienen scheinen, denn die vielen unschuldigen Kranken hier in der Stadt? Ich muss euch dies fragen, da unser Freund ja doch warnte, das die Medizin möglicherweise nicht für alle reichen wird und der Tod möglicherweise noch eine letzte Ernte einholen wird, ehe die Medizin von noch anderen Orten oder nachgewachsen seiend aus besagtem ersten Ort für die Letzten auch beschafft werden kann.«

Fragend schaute Oríta zu dem Arzt an seiner Seite und auch immer wieder zu dem Fremden, der aber noch immer ohne Bewusstsein schien. Für Oríta indes stand fest mit Youssuf, den er ja erfreulicherweise schon kennen gelernt hatte und den Anderen das Elend zu bekämpfen. Das schmerzliche Pochen in seiner Seite nahm er dabei als gutes Omen eher. Was weh tat war immerhin meist noch zu retten. Erst wenn es aufhörte weh zu tun, war es an der Zeit zu den Göttern zu beten. Seine rechte ob dieses Gedankens von seinem Herzen zu seinen Lippen und dann gen der Decke in einer komplexen Bewegung führend, bat er die Götter ihn, so dies ihrem Willen denn nicht zuwider liefe, doch möglichst noch nicht allzu bald zu sich zu rufen. Diese Geste, die jeder gläubige Menai verstehen würde, den Arzt indes irritieren mochte, unbewusst zelebrierend, wandte r sich schließlich diesem wieder voll zu und wartete auf dessen Entscheidung – oder auch das Erwachen des Fremden, was auch immer sich zuerst ereignen mochte. Wenn auch der Arzt für ein rasches Handeln sein sollte und der Fremde so rasch nicht erwachte, würde Oríta noch folgende Worte unter die Anderen an die Wand schreiben. »Wir kommen wieder – Freund! – und ツ habt Dank!«
Einst betete ich zu den Göttern: »Gebt mir Stärke!«
Doch sie antworteten nur: »Gib Dir Mühe!«

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Re: Auf den Spuren der Seuche

Beitrag von Unvorhersehbares » So, 08. Feb 2015 16:30

Hajim beobachtete Oríta, wie er eben mit einem Kohlestift einen ganzen Brief an die Wand schrieb. Er blickte sich prüfend um, und kniete schließlich bei dem ohnmächtigen Drachenerben nieder, um sich um diesen zu kümmern, zu prüfen, ob er sich nicht etwa am Kopf verletzt hatte, als er ohnmächtig zu Boden gefallen war. Augenscheinloch fehlte ihm nichts, und während Oríta die Wand beschrieb, schob Hajim dem Drachenerben ein kleines Kissen unter den Kopf. Er erhob sich. „Ich komme gleich wieder, Oríta…“ wandte er sich an den Menai, und verließ das Zimmer. Er ging nach draußen in den Hof, um dort Brunnenwasser zu schöpfen. Der Drachenerbe, der ganz offensichtlich an der Seuche erkrankt war, schwitzte stark, und so wollte er ihm Erleichterung verschaffen, indem er ihm Stirnkompressen mit kalten und erfrischenden Brunnenwasser auflegen wollte. Doch als er in den Brunnen blickte, um den Eimer hochzuziehen, da sah er auf der dunklen Wasseroberfläche einige Kadaver von toten Tieren, die da schwammen. Da nicht mehr erkennbar war, um welche Tiere es sich handelte, war Hajim sich nicht sicher, ob diese in den Brunnen gefallen waren, oder man sie jemand hineingeworfen hatte. So oder so, das Brunnenwasser war in jedem Fall giftig, wenn nicht gar ein Hexenkessel, denn jeder, der daraus trank, würde entweder sterben, oder sich mit der Seuche anstecken. Und so begann er, unermüdlich, Mauerreste, Steine, und einfach alles, was an Unrat herum lag, in den Brunnen zu werfen. Solange, bis die Wasseroberfläche bedeckt war, und man kein Wasser mehr aus diesem Brunnen schöpfen konnte. Der Arzt bedauerte diesen Umstand. War Wasser in der Wüste doch ein unheimlich kostbares Gut, das man nicht an jeder Ecke fand. Doch der Brunnen besaß keinen Nutzen mehr, und so war es besser so. Ein wenig verschwitzt und ermüdet, ging er wieder in das Haus. Erneut blickte er sich um, und las die Zeilen, die Oríta an die Wand gekritzelt hatte. Und schließlich sprach er zu Oríta die Gedanken aus, die ihn schon länger beschäftigten. „Mein Freund…“ begann er, und legte ihm die Hand auf die Schulter. „…ich denke, es ist das Beste, wenn wir das Haus niederbrennen. Ich weiß, es ist ein Wagnis, jedoch ist es ebenso riskant, das Haus in seinem jetzigen Zustand zu lassen. Die kranken Tiere hier würden die Seuche wieder verbreiten, und am Ende wird sie sich vielleicht noch weiter ausbreiten. Es tut mir leid, dass du umsonst auf die Wand geschrieben hast. Aber es ist besser so.“ Er deutete auf den Drachenerben. „Ihn nehmen wir natürlich mit. Aber die Tiere, und alles, was sich hier befindet, muss verbannt werden. Wir werden alle Fensterläden schließen, und beginnen, die Papiere, die Teppiche, die knochentrockenen Stühle und den Tisch entzünden. Danach lass uns rasch aufbrechen, und nach der Oase suchen. Das Unabdingbare ist jetzt, nach den Beeren zu suchen, um diese schreckliche Seuche endlich zu bekämpfen.“ Er nickte Oríta aufmunternd zu. „Ich werde ihn nach draußen, in Sicherheit bringen. Vielleicht können wir uns beim Tragen abwechseln. Ich schätze nicht, dass er besonders schwer ist, so zart und dünn, wie er ist…!“ Nach diesen Worten bückte er sich nach dem Mann, und hob ihn auf seine Arme. Und wirklich, er war nicht schwer, beinahe wie ein zehnjähriges Kind, sofern er sich daran erinnerte, wann er das letzte Mal ein Kind getragen hatte. Hajim brachte den Drachenerben hinaus aus dem Haus, fort vom Anwesen und legte ihn in sicherer Entfernung in ein schattiges Plätzchen. Dann kehrte er zurück zu Oríta. Hajim war mit seiner Zunderbüchse sehr geschickt, und so dauerte es nicht lange, bis die ausgelegten Zundernester zu brennen begannen. Hajim zog einige Papiere und auch Bücher in ein brennendes Zundernest, und als das Papier lichterloh brannte, nickte er zufrieden. „Schnell, raus, bevor die Tiere aus dem Haus laufen!“ Schnell und behände schlüpften sie durch die Türe, schlossen diese hinter sich und verbarrikadierten sie. Derzeit herrschte Windstille, sollten die Götter ihnen nicht ungnädig sein, so würde sich der Brand ganz sicherlich nicht ausbreiten. Er führte den Menai zu dem Platz, wo er den Drachenerben hingelegt hatte. „Und nun lass uns schnell zur Oase aufbrechen!“ meinte er zu Oríta.

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Re: Auf den Spuren der Seuche

Beitrag von Oríta » Di, 24. Feb 2015 20:05

Oríta zuckte regelrecht zusammen, als Hajim den Bewusstlosen anrührte und ihm anschließend gar noch ein Kissen unter den Nacken legte. Alles in ihm schrie danach, dem Heiler die Hand beiseite zu schlagen, eher der noch so freimütig den Tod umarmte. Doch der Andere war schließlich der Heiler und nicht etwa Oríta. Hastig schrieb Oríta weiter seine Worte an die Wand, als der Heiler mit einer Entschuldigung nach draußen verschwand. Gerade als er das angedeutete Lächeln und seinen Dank auf die Wand gebracht hatte, vernahm er indes ein gedämpftes Knirschen und bald darauf ein hallendes leises aber durchaus doch auch vernehmliches Platschen. Auf dem Weg nach draußen vernahm er weiters ein beständiges Rieseln, als wenn Sand- und Erdreich auf Wasser prallten. Draußen sah er Hajim dann beim Zuschütten des Brunnens. Ein rascher Blick in dessen Tiefen ließ Oríta den aufgedunsenen Leib irgend eines kaum mehr zu identifizierenden Tieres auf dessen Oberfläche treibend erblicken und der Menai verstand! Schweigend half Oríta dem Anderen bei dessen Arbeit. Doch immer wieder musste Oríta innehalten und betastete vorsichtig den Verband unter seiner Kleidung. Keine Nässe, also auch kein neues Blut. Dennoch schmerzte ihn jede unbedachte Bewegung und mehrfach sah Hajim den Menai zusammenzucken. Auch wurden seine Beiträge an Unrat, welchen er Hajim gleich in den Brunnen warf immer kleiner, bis er plötzlich mit einem zischenden Laut einige dürre Zweige fallen ließ und in die Knie ging. Nur einen Augenblick war ihm schwarz vor Augen geworden. Eine falsche Bewegungen, zu viel Anstrengung in dieser Tageshitze bei zugleich viel zu wenig Wasser, oder ... oder doch das Schlimmstmögliche, wie etwa innere Blutungen, die offenkundig durch ein Betasten des Verbandes alleine nicht erkennbar waren? Er wusste es nicht und sowenig es der anschließenden Ermahnung des Heilers bedurft hätte diesem die restliche Arbeit zu überlassen, so wenig gefiel dem Menai-Läufer die Rolle des passiv am Rande Abwartenden.

„Mein Freund … ich denke, es ist das Beste, wenn wir das Haus niederbrennen.“ Benommen schüttelte der Menai den Kopf und blickte auf den inzwischen aufgeschütteten Brunnen. Wie lange war er in Gedanken gewesen, das der Eben noch halbvolle Brunnen nun plötzlich bis über die Wasseroberfläche mit Unrat bedeckt war? Oríta nickte auf Hajims Wort. Niederbrenne, ja – natürlich! Doch als Hajim forderte auch den Drachenerben hinaus zu schaffen zuckte Oríta regelrecht zusammen. Verdammt, den hatte er ja ganz vergessen. Natürlich konnte man nicht das Haus über diesem anzünden, aber ihn anpacken, berühren? Hajim mochte auffallen, das Oríta ihm bei dieser Arbeit nicht im Mindesten half und anschließend auch einen merklich größeren Abstand denn zuvor zu dem Arzt beibehielt. Seuchen war mit Mut und einer scharfen Speerspitze alleine nicht zu begegnen, noch war diese mit Kraft und Entschlossenheit alleine niederzuringen. Ein unsichtbare und unbezwingbarer Gegner ... mehrfach sah Hajim den Menai stumm murmeln und so etwas wie komplizierte Schutzzeichen in die Luft vor sich malen und mehr als deutlich zeichnete sich Oítas Unbehagen nunmehr in seinen Zügen wieder. Hatte er bisher den Tod einfach nicht ernst genommen, einfach bis dato keinen direkten Kontakt mit Infizierten gehabt oder wuchs ihm einfach langsam aber sicher alles über den Kopf? Hajim wusste es nicht zu sagen, erblickte aber neben der merklichen Verzweiflung in des Menais Zügen auch erstmals einen verräterischen Schimmer, den dieser indes konsequent schweigend fort zu blinzeln versuchte. Doch schien es offensichtlich, das Oríta kurz vor einem Zusammenbruch stand und nur mehr die letzten Reserven einer ehernen Willenskraft diesen Moment des körperlichen oder auch mentalen Zusammenbruches einzig noch hinaus zögerte.

„Und nun lass uns schnell zur Oase aufbrechen!“ Oríta schüttelte seinen Kopf, die Benommenheit zumindest kurzzeitig zu vertreiben und hob 2 Finger hoch. Den Zeigefinger vor streckend deutete er auf seine Schläfe und versuchte ein hoch konzentriertes Gesicht zu zeigen. Dann deutete er nach einer kurzen Orientierung in eine Richtung, malt mit der Speerspitze etwas wie einen Turm oder auch den Querschnitt einer Mauerkrone auf den Boden und eine gewundene Linie, welche unter dem Bauwerk von einer auf die andere Seite führte. Erneut deutete er auf sich, auf seine Schläfe, zeigte eine unsichere Mine und ließ die offene Linke, die Handfläche dabei zu Boden weisen, eine schwanke Geste vager Unsicherheit vollführen. Dann hob er den zweiten Finger, die Handinnenfläche dabei gen des Arztes, so eine beleidigende Geste zu vermeiden, deutete erneut auf die hastige Strichzeichnung und schrieb dann mit dem Speer einen Namen in den Boden vor sich, lies diesen kurz wirken und wischte ihn dann mit dem Fuß wieder fort: C a s s i m ! Würde Hajim Oríta in diesem Zustand trauen den Weg in die Stadt hinein auch alleine wieder hinaus zu finden, oder würde er, vorausgesetzt er kannte den anderen Mann überhaupt, lieber erst diesen aufsuchen und so einen sicheren Weg durch den Sperrgürtel wählen. Oríta war es egal, wollte der doch nur noch eines: Ein weiches Bett, einen heißen Tee, vielleicht auch etwas Alkohol und eine nachsichtige Dienerin, die sich zu ihm legte, ihn zu wärmen – begann er doch mit einem Male erbärmlich zu frieren. Hoffentlich ist das nur die Erschöpfung dachte der Menai sich und schloss einen Moment lang die Augen, bemüht den Arzt nichts bemerken zu lassen.
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Re: Auf den Spuren der Seuche

Beitrag von Unvorhersehbares » Di, 17. Mär 2015 10:03

Hajim und Oríta hatten das verseuchte Haus des Drachenerben hinter sich gelassen, und hatten sich in den Schatten eines kleinen Palmenhains gerettet, der sich nur unweit vom Grenzstein des Städtchens befand. Besorgt prüfte der Arzt ihre Wasservorräte, die immer mehr schwanden. Die Idee, sich aus dem Brunnen zu bedienen, war zunichte gemacht worden, als er die unzähligen Tierkadaver in dem Brunnen entdeckt hatte, und er mithilfe des Menais den Brunnen mit Wackersteinen für immer verschlossen hatte. Oder zumindest vorläufig. Hier hätte nicht einmal abkochen des Wassers geholfen. Die Vorstellung, sebst abgekochtes Wasser zu trinken, in welchem Tierkadaver für sich hinverwesten, bereiteten dem Arzt mehr als nur Würgereiz und Unwohlsein. Erst, wenn sie wirklich keine Wasservorräte hatten, hätten sie ein ernstzunehmenes Problem, aber noch war es nicht so weit. Und wenn alles gut lief, wovon Hajim ausging, oder es zumindest hoffte, dann würden sie bald schon die Oase erreichen, wo klares, sauberes Trinkwasser in großen Mengen vorhanden sein würde.

Erschöpft, von diesem Unterfangen, und auch davon, den Drachenerben hierhergebracht zu haben, lehnte er sich an den Stamm einer Palme, was zwar ein wenig unbequem war, doch in diesem Moment war ihm alles Recht, solange er nicht in der schwelenden Nachmittagshitze sein Dasein fristen musste. Die Flammen hatten die hölzernen Fensterläden bereits gänzlich verschlungen, und aus den Fenstern des Steinhauses blakten und züngelten die Flammen ins Freie, und färbten die Steinfassade schwarz und rußig, und hatten bereits auch das Dachgebälk für sich vereinnahmt. Es war gut. Feuer war ein wahrhaft reinigendes Element. Hier war der Ursprung der Seuche gewesen, und durch das Feuer hatte dieser sein Ende gefunden. Nun galt es, die Oase zu finden, und das Heilmittel herzustellen. Was ihm allerdings Kopfzerbrechen bereitete, war die Frage, wer denn nun das große Glück besitzen würde, etwas von dieser stark begrenzten, heilsamen Medizin zu erhalten. Wer urteilte darüber, wer wichtig genug war, ein Heilmittel zu bekommen, und wer so gering war, dass er den Tod finden musste? Hajim seufzte, und wandte seinen Kopf zu seinem Begleiter, und den Drachenerben. Letzterer schien ziemlich erschöpft zu sein, da er immer noch schlief. Der Arzt runzelte die Augenbrauen. "Mein Freund", begann er an Oríta gerichtet. "Du siehst nicht gut aus. Fühlst du dich nicht wohl?" Innerlich fürchtete er, dass der Menai sich mit der Seuche angesteckt haben könnte. Es könnte doch möglich sein, oder nicht? Vielleicht schlummerte in ihm selbst ebenso bereits diese Todbringende Krankheit, und er wusste es nur noch nicht. "Mein lieber Gefährte, ruhe dich aus. Wenn die Sonne untergangen ist, werden wir unseren Weg fortsetzen, und die Oase suchen. Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Es tut unseren Körpern wesentlich besser, wenn wir nicht unter der heißen Sonne wandeln. Und wenn das Rätsel des Drachenerben stimmt, dann ist die Oase des Nachts ohnehin gefährlich, wegen den Riesenschlangen. Erst in den letzten Momenten, wenn die Sonne aufgeht, können wir es wagen, nach den Früchten zu suchen. Und dann müssen wir diese unverzüglich zu Tajeddigt, damit sie uns ein Heilmittel daraus bereitet. Du wirst sehen, alles wird sich in Wohlgefallen auflösen." Der Arzt versuchte ein vages Lächeln, doch es gelang ihm nicht. "Mein Freund, etwas bereitet mir Kopfzerbrechen. Wer verdient etwas von diesem Heilmittel, wo doch soviele Menschen erkrankt sind, und nur sowenige Heilung erfahren können? Wer ist würdig, etwas von der Medizin zu erhalten, wem dürfen wir dieses Göttergeschenk zuteil werden lassen, und wem nicht? Wer kann darüber urteilen?" Er stützte seinen Kopf in die Hände, und blickte den Menai mit einem verzagten, bitteren Lächeln, an.

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Re: Auf den Spuren der Seuche

Beitrag von Oríta » Mo, 23. Mär 2015 21:18

Oríta rührte den Kranken nicht an. Ab seiner großspurigen Worte, das man jene Gesegneten in seiner Heimat wohl willkommen hieße, bewog ihn eine beinahe schon übersteigerte Angst vor der Seuche den Infizierten direkt zu berühren. Wären sein Auftrag oder sein leben davon abgehangen, nun gut, »dann« hätte er sich möglicherweise überwunden, wie er ja auch wider besseren Wissens ich in die unter Quarantäne ja bereits gesetzte Stadt gestohlen hatte. So aber... Einer Seuche konnte man schließlich weder mit dem Speer, noch Wagemut begegnen und so mochte der Arzt bemerken, das der Menai fortan auch eine Berührung durch diesen zu vermeiden versuchen würde. Als der Arzt ihn, während einer kurzen Rast unter einer Palme fragte, wie es ihm den ginge, sähe er – Oríta doch alles andere denn gut aus, wiegelte der Menai beschwichtigen ab, lugte aber doch unter sein Hemd, wo Hajim einen festen Verband und den schwarzen Schimmer sowie Duft reinen Erdpechs gewahrte, welche offenbar eine doch noch recht frische Wunde abzudecken schien. Doch als der Arzt darauf, in einem Reflex möglicherweise nur, hilfsbereit zuwenden wollte, wich Oríta rasch und geschmeidig zurück, zu geschmeidig wohl, wie sein darob schmerzverzerrtes Gesicht bewies. Doch war dieser nichts im Vergleich zu dem kurzen aufflackern schierer Panik in Orítas Augen und der Blick von dem Arzt zu dessen Händen und dann weiter zu dem Infizierten, er machte deutlich, welche Überwindung es den Menai gekostet haben musste, freien Stückes in dies Hort von Tod und Verderben sich hineingewagt zu haben.

Als wäre nichts gewesen, das Gesicht wieder reglos und glatt, knöpfte Orita das Hemd wieder zu, griff sich seinen Speer und drängte stumm zum Aufbruch. Doch Hajim beharrte darauf, die Dunkelheit abzuwarten und da Oríta dessen Argumenten nichts entgegenzubringen wusste, ließ er sich schlussendlich wieder umständlich nieder, seine Verletzung nicht unnötig zu belasten und ... "Mein Freund, mein Freund! Etwas bereitet mir Kopfzerbrechen. Wer verdient etwas von diesem Heilmittel, wo doch soviele Menschen erkrankt sind, und nur sowenige Heilung erfahren können? Wer ist würdig, etwas von der Medizin zu erhalten, wem dürfen wir dieses Göttergeschenk zuteil werden lassen, und wem nicht? Wer kann darüber urteilen?" Die Dämmerung zog gerade über das Land und das Hajim beinahe genau dieselben Worte vor einigen Stunden bereits an ihn gerichtet hatte, ehe der Arzt bemerkte, das Oríta beinahe augenblicklich eingeschlafen zu sein schien, der Menai konnte es nicht wissen. Mühsam richtete er sich auf und schrieb mit dem mit einem herumliegenden Stein einige Worte in den Boden, ehe das letzte Licht des Tagesgestirns verschwand und man diese durm nicht mehr würde lesen können. »Wir sind keine Götter, keine Herren über leben und Tod. Helfen wir also jenen, die uns begegnen und die Hilfe brauchen zuerst, ab deren Standes.«

Orita wollte noch mehr schreiben, doch die Sonne war bereits verschwunden und schweisam funkelten die Sterne über ihnen am Himmel. Es wäre weise, den Heilern zuerst zu helfen, auf das sie gewappnet wären, den Anderen zu helfen. Es wäre für Orítas Auftrag unabwendbar jenen reichen Händler auch zu heilen, wegen dem er nur in die Stadt gekommen war. Es wäre weise, den Armen zu helfen, da diese sich nicht selbst zu helfen vermochten, derweil die Reichen Boten hatte, die sie ihrerseits nach neuem Heilmittel aussenden könnten. Es wäre menschlich den Seinen zu helfen und danach erst nach den Anderen zu schauen. Und es wäre lukrativ mit dem Heilmittel zum Palast des Herren dieser Stadt zu gehen und sich dieses mit den wertvollsten Geschmeiden aufwiegen zu lassen. Aber letztendlich hatte Orìta es wohl schon trefflich beschreiben. Sie waren keine Götter und für die Tode, welche sie nicht zu verhindern wussten darum nicht anklagbar. Doch all das blieb ungesagt, oder besser "ungeschrieben. Statt dessen fand Hajim eine verlassene Bleibe, wo der Kranke zumindest den nächsten Tag überdauern mochte und machte sich mit Orita auf, dessen Seite unangenehm schmerzte. Doch der Arzt, der dieses wohl bemerkte, beruhigte Oríta, das der sich eher sorgen müsse, wenn er dort nichts mehr spüre. Wie sie aus der Stadt gekommen waren wusste Oríta später nicht mehr zu sagen. Hatte er den Arzt auf dem Weg geführt, auf welchem er die Stadt einst auch betreten hatte, oder hatte der Arzt ihn geführt und wieso gab der ihm kein Wasser, obgleich ihm doch so sehr dürstete?

Erschrocken wich der Menai vor Hajim zurück, als der ihn besorgt aus der Nähe betrachtet hatte. FIeber habe er wohl, aber es sehe nicht so aus, als hätte ihn die Seuche befallen. Vielleicht eine Reaktion auf seine Verletzung, mutmaßte der Arzt, doch Oríta glaubte ihm nicht, schleppte sich aber weiter hinter diesem her, war das die einzige Option. Immer wieder fragte Oríta nach Wasser, bis Hajim nur noch leierkastenhaft wiederholte kein Wasser zu haben, derweil in der Oase aber doch. Und dann begann Oríta Dinge zu sehen, oder besser gesagt ein Ding. Statt weiter hinter Hajim herzulaufen, lenkten ihne seine Schritte von beiden unbemerkt immer weiter nach links, eine kleine Sanddüne hinauf und oben angelangt sah er es. Hajim rief ihn herüber zu kommen, da dessen Weg der Richtige wäre, doch Oríta schüttelte nur den Kopf und taumelte auf den Hellen Punkt vor ihm zu. Bildete er sich das Fluchen des Arztes nur ein, als der den Menai jenseits der Düne verschwinden sah? Oríta wusste es nicht, noch gewahrte er den erstaunten ausruf, als Hajim seinerseits die Dünenspitze erklommen hatte.

"Nein, nicht zu viel auf einmal Oríta, das tut ir nicht gut, und du erbrichst es nur. Was für eine Verschwendung, oder nicht?" Flatternd öffneten sich Orítas Augen, fahrig griffen seine Hände nach dem nassen Schwamm, den - er kannte diesen Mann! War das nicht der alte Youssuf, der ihm den feuchten Schwamm immer wieder entzog? Er musste das Bewusstsein verloren haben. Youssuf und Hajim flüsterten derweil leise. Ob der Menai auch erkrankt wäre, hätte Youssuf doch bereits den Weg zu der in dem auch ihm vorgetragenen Worten beschriebenen Oase gefunden. "Ich habe alles hier, nur bin ich kein Arzt und weiß nicht wie..." Als Oríta wieder zu sich kam vernahm er ein leises Knirschen und der Boden glitt sanft unter ihm dahin. Schweres Atmen war zu hören, zogen ihn die Beiden Männer doch offensichtlich auf einem Stück Tuch durch den Sand hinter sich her, zurück zur Stadt. Oríta rollte sich seitlich in den Sand, erhob sich und schleppte sich fortan trotz der Warnung des Arztes alleine weiter. Sie hatten keine Zeit zu verlieren und wenn er sich zuviel zumutete und darob starb, so mochten die Götter es ihm dann wohl vergelten. Schweigend verwehrte er sich also jede weitere Hilfeleistung und trank indes nur gierig aus dem großen Wasserschlauch, den Youssuf imh nun endlich reichte. Das Wasser aus der Oase - Orita wusste nicht, das ihm jemals zuvor irgend etwas besser geschmeckt hätte als das gerade.

Auf dem Speer gestützt folgte er den beiden Anderen, kroch, wenn die Krochen, verharrte, wenn diese verharrten, ging wenn diese gingen. Irgendwann spürte er eine eisige Hand auf seiner Stirn und erschauerte, derweil der Arzt erschrocken einatmend etwas von einem Fieber murmelte, von Tajeddigt und von einem Heilmittel. Doch gingen die Worte in einem unverständlichen gebrabbel und Gemurmel unter und Oríta lief, wenn die Schatten vor ihm liefen, verharrte, wenn die undeutlichen Schemen vor ihm und kroch, wenn ein Druck, wie von einer beharrlich ihn niederzwingen wollenden Hand ihn zum kriechen denn veranlasste. Weiter kriechen, laufen, gehen, stehen, ducken, klettern, kriechen... "Er wird schon wieder ... nein, nur die Wunde. Das Heilmittel gegen die Seuche braucht er nicht ... schlafen ... schlafen ... schlafen! Das er es bis ins Tajeddigts Bleibe geschafft hatte und dort auf einem Lager lag, derweil die ein Heilmittel zu bereiten versuchte - Oríta gewahrte es nicht, gewahrte nichts, denn eine bleierne Müdigkeit, den ätzenden Geschmack bitterer Kräuter auf den Lippen - oder war es doch nur das Aroma frische Erbrochenen? Er wusste es nicht! - und ein dumpfes Pochen an der Seite, das der Verband zuletzt über seiner Verletzung gehaftet hatte.

Der Arzt wandte sich von dem Menai ab, mocht immer noch nicht glauben, das jener mit einer solchen Verletzung... und doch: ohne ihn, hätte Hajim den Alten Youssuf mit Sicherheit verpasst und unnütz Zeit auf der Suche nach einer bereits durch den alten Mann geplünderten Oase vergeudet, statt hier am Ort des Geschehens zu sein, wo es einen Arzt wie ihn am ehesten gebrauchen konnte. Oríta würde gesunden und drum wandte er sich erneut Tajeddigt zu, zu schauen, wie weit sie mit dem Heilmittel inzwischen gekommen sein mochte.
Einst betete ich zu den Göttern: »Gebt mir Stärke!«
Doch sie antworteten nur: »Gib Dir Mühe!«

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Re: Auf den Spuren der Seuche

Beitrag von Unvorhersehbares » Mi, 13. Mai 2015 22:04

Hajim saß auf einem Felsen, am Rande der Wüste, und blickte ihn den Sonnenuntergang. Die orange Sonne flimmerte am Horizont, und der Himmel darüber war in den wunderbarsten Farben, wie nur die Natur sie zu malen verstand, gefärbt. Er zog ein kleines Fläschchen von seinem Gürtel, in welchem sich süßer Dattellikör befand. Der Arzt zog den Stopfen aus der Flasche und genehmigte sich einen Schluck davon. Während er sich die Aromen auf der Zunge und am Gaumen zergehen ließ, dachte er über die Geschehnisse nach, die sich ereignet hatten.

Als Oríta und er, im mühseligen Schlepptau noch den Drachenerben, die Oase erreichten, es musste wohl in der letzten Stunde gewesen sein, trafen sie auf Yousuf. Der Beraji hatte sich wohl mit dem Rätsel beschäftigt, und es gelöst, und sich dazu noch aufgemacht, nach den ‚blutigen Perlen‘ zu suchen. Als sie die Oase erreichten, war der Löwenanteil getan, und Hajim war von Herzen froh darüber. Sich mit dem Transport des Drachenerbens zu belasten, war ihm zum Schluss schon eine enorme Bürde gewesen, und dass Yousuf sich um des Rätsels Lösung gekümmert hatte, was letztendlich das Finden der Medizin war, erleichterte den Arzt enorm. Sie verloren keine Zeit mehr und machten sich eiligst zu Tajeddigt auf, der Kräuterfrau, welche das Wissen und die Mittel besaß, die Medizin zu brauen, welche der todbringenden Seuche Einhalt gebieten würde. Ihren vorsichtig fragenden Blick, der nur bedeuten konnte, dass sie eine Dosis für sich selbst einbehalten wollte, quittierte er nur mit einem stummen, und ebenso dankbaren Nicken. Selbstverständlich erhielten auch er, Yousuf und Oríta eine Gabe der Medizin, es war das Mindeste an Dank für die Selbstlosigkeit, und ihren Mut, sich nicht abzuwenden, sondern zu helfen, die rätselhafte Seuche zu bekämpfen. Der Drachenerbe, hatte ebenso eine Dosis bekommen. Die Tragik an der Angelegenheit war, dass die Seuche dem Drachenerben nichts hatte anhaben können, doch die heilende Medizin, die ihm vorsorglich verabreicht worden war, um nicht Gefahr zu laufen, weiterhin als Überträger der todbringenden Krankheit zu fungieren, hatte ihm allen Anschein nach das Leben gekostet. Nur wenige Stunden nach Verabreichung der Dosis war er gestorben. Bitter für Hajim, der die Mühen auf sich genommen hatte, den Drachenerbn zu retten, und nicht zuletzt blieb der schale Beigeschmack, dass ein anderes Leben hätte gerettet werden können. Wenn Hajim gewusst hätte, dass die Medizin ihn ohnehin umgebracht hätte, vielleicht hätte er dann eine andere Möglichkeit in Betracht gezogen, den Drachenerben unschädlich zu machen. Doch solche Gedanken verdrängte der Arzt, der schließlich einen Eid geleistet hatte, Leben zu schützen und zu bewahren. Fünf Dosen der kostbaren Medizin schickte er mit einem Eilboten in den Palast des Sultans Ishkan ibn Harak ibn Rash ar' Yahal, für den Fall, dass einer der Familie des Sultans, oder ein wichtiger Berater an der Seuche erkranken würde.

Von Oríta, seinem treuen Freund, hatte er sich verabschiedet, als dieser ihm mitteilte, nach dieser Sache würde er seinen eigentlichen Auftrag wieder aufnehmen wollen. Der Menai war augenscheinlich tatsächlich nicht an der Seuche erkrankt, was Hajim beinahe ungläubig zur Kenntnis nahm, ihn aber durchaus froh stimmte. Wenigstens konnte der Menai seine aufgesparte Dosis an seinen erkrankten Kontaktmann überbringen, was wohl ein weiteres gerettetes Menschenleben bedeuten würde. Doch bevor Oríta und Hajim sich Lebewohl sagten, half ihm der Menai noch bei der schweren Aufgabe, die restliche Medizin sinnvoll zu verteilen. Es war eine harte Aufgabe, die Kranken aufzusuchen, diese zu untersuchen, und mit beinahe göttlicher Einschätzung zu entscheiden, ob die Medizin helfen würde, oder ob es ohnehin schon zu spät war. Als die Medizin aufgebracht war, hoffte er, der Sultan würde seinen Vorschlag aufnehmen, welcher der Bote, zusammen mit der Medizin überbracht hatte; Mutige Männer auszusenden, die in alle Teile er Wüste reiten sollten, in der Hoffnung, weitere der heilsamen Beeren, die die Grundpfeiler für die Medizin waren, zu finden, um weiteren erkrankten Menschen Hoffnung auf das Leben geben zu können.

Tuan, sein Sohn, war ebenfalls der Seuche erlegen. Er hatte, die Götter wussten dies, kein allzu gutes Verhältnis zu seinem Sohn gehabt, der sich trotz Widerwillen den Majida angeschlossen hatte. Doch als ihm die Nachricht vom Tod seines Sohnes erreichte, war der Arzt zu dieser Stunde ein gebrochener Mann gewesen. Kein Vater sollte seinen Sohn überleben. Doch das Wissen, dass er als Arzt weiterhin gebraucht wurde, und noch vielen Menschen würde helfen können, war ihm zumindest ein geringer Trost…

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