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Die Geschichte von Wind und Wasser

Die Heimat der Lyr.
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Die Geschichte von Wind und Wasser

Beitrag von Mheari » Mo, 11. Jun 2012 21:09

Es war ein lauer, warmer Frühlingstag. Die Sonne verbreitete ihr Licht über die Welt und ihre Strahlen wärmten die Wasseroberfläche. Valdysea war heute unruhig, das Meer schlug Wellen und obwohl die Sonne schien, sammelten sich in der Ferne dunklere Wolken. Unter der Wasseroberfläche bewegte sich schnell und fast ungesehen eine junge Lyr. Kam es ihr nur so vor oder waren heute selbst die Tiere des Ozeans nervös? Wie lange war sie nun schon unterwegs? Sie konnte es nicht sagen, denn jede Sekunde kam ihr quälend lang vor. Jede Minute verstrich nicht schnell genug und ließ ihr Herz nur klammer werden. Ihre Bewegungen waren energisch, dynamisch durchschnitt der schlanke Körper das Wasser mit jedem neuen Schlag der grazilen Beine, die aneinander gelegt waren und sich wie die Rückflosse eines Wals durch das Wasser schlugen. Ihre Arme legte sie eng an die Seiten ihres Körpers, während sie hektisch durch das Wasser schwamm und die Arme nur nutzte, um das Wasser vor sich zu spalten und neuen Schwung zu holen.

Schweren Herzens gönnte sie sich jedoch bald eine Pause. Sie tauchte an die Wasseroberfläche, um neuen Atem zu schöpfen. Obwohl ihre Lungen den Sauerstoff nicht benötigten, hatte sie das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Es kam ihr vor, als sei sie inzwischen schon sehr lange unterwegs und sie musste sich eingestehen, dass sie ihre Kräfte nicht klug eingeteilt hatte. Hals über Kopf hatte sie sich in die Wellen gestürzt, als sie von zu Hause aufgebrochen war. Nur selten hatte sie eine Pause gemacht, schon gar nicht eine von längeren Minuten wie jetzt. Sie blinzelte, da das reflektierende Sonnenlicht sie blendete und schirmte ihre Augen mit den schlanken Fingern ab. Ihr Kopf ruckte hin und her, während sie den Horizont nach dem großen Schiff absuchte, obwohl sie die Hoffnung im Inneren schon aufgegeben hatte, es so schnell wiederzusehen. Ihr wurde erschreckend bewusst, dass die Stimme ihrer Schwester, die zunehmend leiser geworden war, nun ganz verstummt war. Ein Zittern durchlief den Körper der Lyr und die Verzweiflung trieb ihr die Tränen in die Augen. Hätten ihre Eltern doch nur nicht so lange gezögert! Wenn sie dem Schiff sofort gefolgt wären, vielleicht wäre Sijhari nun wieder bei ihr. Wenn sie Sijhari nicht mehr hören konnte, dann waren sie schon viel zu weit weg. Oder sie schlief.. oder sie hatten ihr etwas Schreckliches angetan. Nein, das konnte nicht sein! Mheari versuchte ihren hämmernen Herzschlag zu beruhigen und tauchte in das tröstende Wasser hinab. Es war das Einzige, das ihr nun Halt geben konnte. Ihre Familie hatte sie in Stich gelassen und sie würde nicht ohne ihre Schwester zu ihr zurück kehren. Noch nie hatte sie sich so allein in dem unendlich scheinenden Ozean gefühlt wie heute.

Sie bereute es unendlich, dem Schiff nicht schon gestern Abend gefolgt zu sein. Sie hätte gar nicht erst ihre Eltern suchen sollen. Den Worten ihrer Schwester zum Trotz, hätte sie einfach bei ihr bleiben sollen, auch wenn sie wusste, dass sie dann sehr wahrscheinlich dasselbe Schicksal ereilt hätte. So jedoch waren viele, sinnlose Stunden verstrichen. Nichts war in der Zwischenzeit geschehen, das Sijhari oder ihr nun helfen konnte. Resigniert setzte die Lyr nach einer kurzen Pause ihren Weg durch das Meer fort. Da sie die Stimme ihrer Schwester nicht mehr vernahm, blieb ihr nichts anderes übrig, als auf gut Glück die selbe Richtung wie zuvor zu verfolgen und darauf zu hoffen, dass ein Wunder geschah.
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Re: Die Geschichte von Wind und Wasser

Beitrag von Nanami » Do, 05. Jul 2012 13:12

Eigentlich wäre der Tag perfekt gewesen – ein idealer Tag zum Abreisen, dem Beginn eines großen, aufregenden Abenteuers. Und doch saß Nanami immer noch in ihrer kleinen Höhle, die seit ihrer Geburt jeher ihr Zuhause gewesen war und sortierte ihr weniges Hab und Gut – mehr oder weniger minder wertvolle, schimmernde Muscheln und Steine. Es war mehr eine nervöse Ablenkung von der Tatsache, dass sie... Auf einmal wurde sie aus ihren Gedanken gerissen.
„Du bist ja immer noch hier! Wir haben uns doch schon vor einer Stunde verabschiedet!“, Nirja, eine ihrer älteren Schwestern, war am Rande der Höhle aufgetaucht und schien ihren Augen nicht trauen zu wollen. „Du wolltest doch schon gestern losgehen?“ Nanami druckste herum, sie wusste doch auch nicht wieso sie nicht einfach – nun, im Grunde genommen wusste sie es schon. Sie hatte einfach Angst vor dem Unbekannten, das sie erwartete. Sie war zwar auch unglaublich neugierig auf das, was da kommen mochte aber.. hierzubleiben war einfach so schön ungefährlich! Hatte sie sich zuviel vorgenommen?
„Nun ich.. warte noch auf jemanden!“, brachte sie schnell hervor und sprang auf. „Aber vielleicht warte ich hier auch umsonst, ich schwimm' lieber los und such' ihn.“, log sie und errötete dabei leicht. Sie mochte es nicht, Nirja solch dreiste Lüge aufzutischen, aber ihr die Wahrheit sagen, dass sie einfach jetzt schon Heimweh hatte.. Das ging auch nicht. Wie würde sich das denn anhören!
Mit einem eleganten Kopfsprung sprang sie ins Wasser und schwamm durch das Riff, in dem sie wohnte. Innerhalb weniger Minuten hatte sie die kleine Unterwassersiedlung ihrer Familie verlassen und steuerte weiter aufs Meer – ja, wieso eigentlich dahin? Nasmut, ihr Vater, hatte ihr zu verstehen gegeben das ihr Gepäck sowie ihr Proviant für die Reise, an einem sicheren Versteck an der Küste lag. Und um nicht ganz zu einem Lacher in ihrer Familie zu werden wäre es wohl auch besser für Nanami, allmählich aufzubrechen.. schließlich hatte sie schon vor drei Tagen verkündet, die Bucht zu verlassen!
Mit entschlossenen, kräftigen Schwimmzügen schwamm die junge Lyr weiter hinaus.
Es ist okey, wenn ich einen letzten Ausflug ins Meer mache. Schließlich werde ich es eine Weile nicht wiedersehen - sprach sie sich selber Mut zu und beruhigte gleichzeitig ihr schlechtes Gewissen.

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Re: Die Geschichte von Wind und Wasser

Beitrag von Mheari » Do, 05. Jul 2012 15:10

Angst und Furcht waren ihr Antrieb genug, um das Wasser des Meeres zu durchschneiden. Und doch signalisierte ihr Körper ihr gegen ihren Willen immer mehr, dass sie sich überschätzt hatte. Doch sie wollte keine Pause machen, das hätte sie sich nicht verzeihen können. Unter dem Wasser öffneten und schlossen sich die Kiemen seitlich an ihrem Hals, nach Sauerstoff ringend, aber auch der konnte nichts an den beanspruchten und überanstrengten Muskeln der Lyr ändern, die sich bemerkbar machten. Und so schwamm sie bald viel langsamer, als ihr lieb war, weiter. Nur die Geschwindigkeit eines Hais hätte sie beruhigen können, doch das war und blieb unmöglich.

Da bemerkte sie ob ihres guten Gespürs, wie sich das Wasser hinter ihr in Bewegung setzte und Stöße unter Wasser, die nicht ihre eigenen waren, sacht gegen ihren Rücken stießen. Sie verlangsamte ihre Schwimmzüge und schaute nach hinten, doch dort war niemand zu sehen. Es musste noch ein paar Meter entfernt sein. War es vielleicht ein gefährliches Tier? Ihre Alarmglocken schrillten und sie hielt in der Bewegung inne, bis nur noch leichte Schläge mit Füßen und Händen dafür sorgten, dass sie an Ort und Stelle blieb, die Augen starr hinter sich gerichtet und die Nerven gespannt.
Langsam schälte sich aus der dunklen Meeresfarbe ein Schatten, der wuchs und schärfer wurde, bis Mheari zu ihrer Erleichterung die Gestalt einer Lyr erkannte. Einen Moment machte ihr Herz einen Hüpfer, doch schnell wurde sie enttäuscht. Es war weder ihre Mutter noch eine andere ihr bekannte Lyr. Ihre Familie war ihr nicht gefolgt.

Auch wenn sie es eilig hatte, wartete Mheari, bis die andere heran war. Es wäre unhöflich, sie einfach hier so stehen zu lassen; im Grunde war die junge Lyr froh um eine Pause, die sie sich nie aus freien Stücken erlaubt hätte. Und außerdem: Vielleicht wusste die andere etwas über das Schiff? Auch wenn sie es nicht glaubte, denn sie schien aus Richtung der Höhlen zu kommen, so glomm doch irgendwo die Hoffnung, dass ihr jemand helfen konnte. Ein leichtes Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als die Lyr heran war, das von gewollter Freundlichkeit sprach, die ihr aufgrund der Umstände nicht so leicht fiel. "Hallo", grüßte sie freundlich ihre Artverwandte, wartete dann aber ab. Sie wollte weder unhöflich noch aufdringlich wirken, vermutlich schwamm die jüngere Lyr nicht grundlos hier herum und sie wollte sie nicht von ihrem Ziel abhalten.
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Re: Die Geschichte von Wind und Wasser

Beitrag von Nanami » Do, 05. Jul 2012 16:17

Ziemlich in Gedanken versunken schwamm Nanami immer weiter raus und befand sich schon bald in Gewässern, die ihr weniger bekannt waren. Der Grund war hier schon lange nicht mehr von der Wasseroberfläche aus sichtbar und verlor sich in dunklen Tiefen. Ein kalter Schauer lief Nanami über den Rücken, auch wenn sie selber nicht genau sagen konnte was genau ihr komisch vorkam. Auf einmal sah sie die Gestalt einer fremden Person vor ihr im Wasser, die ihren Blick unverwandt auf Nanami gerichtet hatte.
Als sie näher schwamm kam ihr ein freundliches "Hallo" entgegen - Sofort kam Nanami der unsinnige Gedanke, dass ihr Vater jemanden beautragt hatte sie zu beobachten, um sie gegebenenfalls daran zu erinnern was sie sich vorgenommen hatte. Die Idee war jedoch zu skuril, als das sie von ihrem Vater hätte stammen können. "Hallo..auch.", erwiderte Nanami lächelnd und legte dann den Kopf schief, nahm sich erst einmal Zeit ihr Gegenüber näher zu betrachten. Die Lyr vor ihr im Wasser schien ungefähr in ihrem Alter zu sein - ansonsten konnte Nanami nichts feststellen, was ihr einen Hinweis darauf gegeben hätte, ob sie ihr schon einmal begegnet war. Eine leicht unangenehme Pause breitete sich zwischen den beiden Frauen aus. Bevor sie jedoch allzu unangenehm werden konnte, versuchte Nanami sie zu vertreiben: "Tut mir Leid - ich hoffe ich störe Dich nicht hier.. ich meine..", sie sah sich um. Nein, eigentlich war hier nichts, was sich lohnen würde, zu benennen. Sie befanden sich einfach an irgendeinem unbedeutenden Fleck im Meer. Das brachte sie zu der Frage, was machte ihr Gegenüber hier? Schwer zu glauben, dass sie auch einfach nur ihren Instinkten gefolgt und nachgedacht hatte.. Sie sah der Lyr gegenüber in die Augen. "Naja, tja. Hier - im Irgendwo." Sie lachte etwas unbeholfen auf.

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Re: Die Geschichte von Wind und Wasser

Beitrag von Mheari » Fr, 06. Jul 2012 8:17

Sie erwiderte das Lächeln der scheinbar jüngeren Lyr und wartete weiterhin ab – ob sie hier verweilen würde, da sie nur zufällig hier war, oder ob sie Anstalten machte, an ihr vorbei zu schwimmen und ihre eigenen Wege zu gehen. Doch selbst dann würde Mheari sie aufhalten, ihr die Frage nach dem Schiff stellen, das in ihrem Herzen brannte. Neugierig nutzte sie die Zeit, in der auch die andere schwieg, um sie zu mustern. Ihre Augen verweilten ein Stück länger an den Armreifen und der goldfarbenen Spange in ihrem Haar, die sie besonders schön fand und die sie bestimmt entsprechend kommentiert hätte, wenn es nicht so viel wichtigeres gäbe. Auch jetzt von Nahem konnte sie nicht sagen, ob sie sich kannten. Sie hoffte nur, dass die andere sie nicht schon längst erkannt wurde, während Mheari selbst ahnungslos blieb.
Endlich durchschnitt die junge Lyr die Stille und zauberte ein kleines Schmunzeln auf ihre Lippen. Ja, sie musste ein wahrlich seltsames Bild abgeben. Ganz allein im Nirgendwo schwamm sie im Meer und fing Reisende ab. Unter anderen Umständen hätte sie sicherlich über ihre scherzhaften Worte mitgelacht. "Oh nein, du störst nicht." Sie strich sich die hellen Strähnen aus dem Gesicht und bedachte die andere mit freundlichem Blick. "Ich bin Mheari." Es war ihr anzusehen, das etwas an ihr nagte. Sie wirkte unruhig und sah sich hin und wieder in dem dunklen Blau um sie herum um. Die direkte Frage danach, was die jüngere Lyr hier tat, unterdrückte sie zunächst. Wenn sie etwas über ihre entführte Schwester in Erfahrung bringen wollte, dann brachte Schweigen oder Verheimlichen rein gar nichts. Deshalb holte sie noch einmal kurz Luft, ehe sie die andere fragte: "Gestern Abend ist meine Schwester Sijhari von einem großem Schiff gefangen und verschleppt worden. Ich suche sie, das Schiff.. hast du es gesehen?" Vielleicht kannte sie Sijhari ja sogar? Doch selbst wenn, Mheari rechnete mit keiner positiven Antwort auf ihre Frage. Das Schiff war schon lange fort, die Stimme ihrer Schwester verstummt. Sicherlich hatte sie weder die eine noch das andere gesehen.
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Re: Die Geschichte von Wind und Wasser

Beitrag von Nanami » Fr, 06. Jul 2012 12:57

Nanami schaute Mheari für einen Moment bestürzt an - sie konnte es einfach nicht fassen, dass sie gerade jemanden kennen gelernt hatte, der ein ähnliches Leid bzw. Schicksal teilte, wie sie. Dann jedoch fasste sie sich wieder und in ihren Augen spiegelte sich großes Mitleid, aber auch Anerkennung in dem, was Mheari für ihre Schwester gewillt war zu tun, mit. "Leider.. nein. Ich habe kein derartiges Schiff gesehen.", gab sie offen zu und hoffte, dass ihr Gegenüber nicht allzu enttäuscht sein würde. Oh was würde sie nur dafür tun ihr zu helfen! Schnell setzte sie hinterher: "Aber hast du es schon mal mit dem Rat von Nibýn versucht? Ich bin mir sicher, wenn du bei ihnen ein offenes Ohr findest, könnten sie gewillt sein dir bei der Suche nach Sijhari zu helfen! Und.. vielleicht haben sie auch Kenntniss über die hier eingetragenen Schiffsrouten.", hoffnungsvoll sah sie die Lyr gegenüber an. Nun - auf der anderen Seite war das Schiff das Mhearis Schwester entführt hatte, sicherlich kein offizielles Handelsschiff.. Aber einen Versuch könnte es natürlich wert sein.
Gleichzeitig überlegte sie, sich selbst bei der Suche als Hilfe anzubieten - andererseits würde sie dieses Unternehmen sicherlich weiter raus aufs Meer treiben, und ihr eigener Ansatzpunkt für die Suche ihrer eigenen Schwester war eher in Rômachar zu erwarten.. Daher zögerte sie noch, Mheari ihre Hilfe anzubieten. "Ach..ich - ich bin übringens Nanami!", schob sie etwas unsicher lächelnd hinterher, wie unhöflich von ihr, sich noch nicht vorgestellt zu haben.

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Re: Die Geschichte von Wind und Wasser

Beitrag von Mheari » Fr, 06. Jul 2012 14:33

Das Entsetzen über die Entführung ihrer Schwester, das sie gestern mit voller Wucht ergriffen hatte, war zwar immer noch da, aber inzwischen nur ein dumpfes Gefühl, das schon so lange anhielt, dass sie es gar nicht mehr als die eiserne Faust, die sich um ihr Herz schloss, wahrnahm. Nanamis Blick versetzte ihr für einen Moment einen Stich ins Herz, als sie die Erkenntnis erneut traf. Die Sorge um Sijhari, die vielen Vorstellungen, die in ihren Kopf spukten, was die Fremden mit ihr vorhatten und ihr antun würden! Sie war dankbar um das Mitgefühl der Lyr, auch wenn es ihr nicht weiter half. Wie sie schon gedacht hatte, hatte sie das Schiff nicht gesehen. Es überraschte Mheari nicht, sie hatte damit gerechnet, aber es war nichts Schönes, in diesem Fall Recht zu behalten. Mheari schlug einen Moment die Augen nieder, atmete tief ein und aus und verdrängte die Gefühle, die ihr das Denken schwer machten, wieder zurück, wo sie den Verstand, den sie brauchte, nicht stören konnten. "Das dachte ich mir", erwiderte sie endlich und blickte sie entschuldigend an. Sie wollte ihr kein schlechtes Gewissen machen.
Als Nanami auf den Rat zu sprechen kam, schnaufte Mheari kurz, als sie den Ärger spürte, der widerwillig ihre Kehle hinauf kroch. "Nouvo ist mein Großvater." Sicherlich kannte sie den Namen, denn er war einer der Ältesten im Rat. "Wir hätten gleich gestern Abend noch aufbrechen sollen, denn jetzt ist das Schiff über alle Wellen! Und mein Großvater, statt mir seine Hilfe und Unterstützung zuzusichern, redet jetzt wohl noch immer mit den anderen." Mheari machte ihrer Wut Luft, die sie schon den ganzen Morgen mit sich herum getragen hatte und die ihr vermutlich keinen unerheblichen Teil an Kraft und Durchhaltevermögen verliehen hatte. "Bis sie einen Entschluss gefasst haben, könnte meine Schwester hunderte Kilometer entfernt sein." Die Lyr ließ die Schultern hängen, nahm sich im nächsten Moment aber wieder zusammen. "Tut mir leid, Nanami. Eigentlich bin ich gar nicht so." Sie lächelte gequält und versuchte den Ärger nicht auf die freundliche Lyr zu projezieren.
Die anderen Lyr nach Schiffsrouten zu fragen war allerdings eine sehr gute Idee. Dass sie darauf nicht gekommen war! Doch nun war sie schon so weit weg von den Höhlen und ihr Stolz verbot es ihr, nach ihrem spontanen Aufbrauch, geschlagen und ohne ihre kleine Schwester wieder nach Hause zurück zu kehren. Vielleicht gab es noch eine Chance, vielleicht Fischer, die sich mit den Schiffen hier auskannten und ihr die Richtung weisen konnten.. "Es tut mir leid, ich will dich nicht belasten", entschuldigte sie sich erneut. "Sicherlich bist du nicht hier, um einer Fremden zuzuhören. Oder?" Das letzte Wort schob sie nach, ihrer Neugierde nachgebend. Die Lyr, die sie sonst immer vereinzelt traf, waren meist Jäger, Fischer oder wollten Rômachar besuchen. Ob auf Nanami wohl eines davon zutraf?
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Re: Die Geschichte von Wind und Wasser

Beitrag von Nanami » Sa, 07. Jul 2012 20:26

Nanami sah die Reaktion Mhearis auf ihre Erwähnung des Rats von Nibýn mit Erschrecken, sie hätte nicht gedacht dass - gerade bei einer Situation wie dieser - sich der Rat dermaßen viel Zeit lassen würde! Dies war ihr wirklich neu und hinterließ einen fahlen Nachgeschmack, wenn sie genauer darüber nachdachte. In ihrem bisherigen Leben hatte Nanami nicht viel mit dem Rat zu tun gehabt, doch irgendwie hatte sie den Ältesten immer vertraut, auf ihr Wissen und ihre Erfahrungen gebaut.. doch was nütze es, weise zu sein, wenn man nicht schnell reagieren konnte?
"Das tut mir Leid..", stammelte Nanami überrascht. Dann hob sie den Kopf und sah ihr Gegenüber mit einem Lächeln im Gesicht an. "Aber du hast doch sicher noch andere Familienmitglieder, die dir rasch helfen können zu suchen? Wenn ihr Euch ranhaltet und das Schiff in Turbulenten kommt, könntet ihr sie noch einholen..vielleicht..", ihre Stimme wurde zum Ende hin leiser, ganz so sicher wie sie tat, war sie dann doch nicht. Ihr Blick verlor sich irgendwo hinter Mheari. "Aber du nervst mich nicht, ganz sicher nicht!", versicherte sie ihr lächelnd. Ehrlich gesagt war sie sogar ganz froh, von ihren eigenen - im Gegensatz zu Mhearis Sorgen harmlosen - Problemen abgelenkt zu werden. "Wenn du möchtest, kann ich dir auch suchen helfen!" - Da war es raus. Ganz ohne nachzudenken hatte Nanami Mheari ihre Hilfe angeboten, zusehr fühlte sie mit der nur wenige Jahre ältenen Lyr mit. Sie wusste doch genau, wie es war, die Schwester zu verlieren! Vielleicht befand sich Kumiko, ihre eigene Schwester, auch in - nein, daran wollte sie gar nicht denken. Schnell vertrieb sie diese dunklen Sorgen wieder in ihren Hinterkopf. Nanami konnte Mheari einfach nicht hier vor ihr leiden sehen, zusehr riss sie das Mitgefühl, das sie in diesem Moment für die junge Lyr ergriff, mit, was man ihr auch sichtlich ansah. Schnell setzte sie noch hinterher: "Ich bin mir sicher, meine Schwestern könnten auch - ", doch dann stockte sie. Wer war sie eigentlich, über die Entscheidungen ihrer Familie zu sprechen? Vielleicht wollten ihre Schwestern mit der Sache gar nichts zu tun haben? Nanami wusste schon, was ihr Vater dazu sagen würde: 'Hätten wir einen Sohn...' - wie war sie sein Selbstmitleid Leid! "..naja.. ich weiß nicht - ich jedenfalls könnte dir suchen helfen?", hängte sie weniger selbstsicher, wenn auch sehr hilfbereit und hoffnungsvoll mit an.

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Re: Die Geschichte von Wind und Wasser

Beitrag von Mheari » Mi, 11. Jul 2012 22:54

Mheari lächelte gequält, auch wenn sie dankbar über Nanamis Anteilnahme war. Das Mitgefühl der anderen ließ ihr unwillig wärmer ums Herz werden, denn sie spürte es nur zu gut und zu stark. Sie selbst hätte doch nicht gedacht, dass der Rat nichts unternehmen würde. Hätte sie es vorher gewusst, sie hätte sich noch gestern Abend dem Griff ihres Vaters entrissen. Sie hätte einfach ihrem Instinkt trauen sollen, aber stattdessen war sie geflohen. Die Aussicht, jetzt zwar ebenfalls gefangen, aber immerhin bei Sijhari zu sein, war mit einem mal gar nicht mehr so beängstigend, wie dieses Gefühl in ihrem Inneren, das sich um ihre Schwester und um ihr Wohl sorgte.
Nanamis Worte machten ihr widerwillig Hoffnungen, die sie die ganze Zeit hatte bestätigt wissen wollen. Doch wieder musste sie den Kopf schütteln. "Leider nein. Am liebsten wäre ich dem Schiff gestern sofort gefolgt, doch meine Eltern hielten mich zurück. Und natürlich leisten sie dem Rat Folge, anstatt ihre Tochter suchen zu gehen." Mheari spürte erneut den Ärger in sich graben. Sie wusste, dass er nicht gerechtfertigt war und es sich nicht für eine Tochter geziemte, so über ihre Eltern zu reden oder zu sprechen. Aber sie verstand es einfach nicht.
Umso erstaunter war sie um die Hilfe, die Nanami ihr plötzlich anbot, dass ihre Schwester oder gar sie selbst ihr bei der Suche helfen konnten. Mheari war einen Moment tatsächlich versucht, ihrem Angebot nachzugeben. Doch wie auch ihrer Schwester gegenüber fühlte sie sich auch unweigerlich für die verantwortlich, die sie für diese Sache verpflichtete. "Das ist wirklich sehr lieb von dir, Nanami. Und ich danke dir dafür." Wäre sie an Land, ihr wäre wohl ein resignierter Seufzer entglitten. "Ich kann dich nicht in diese Gefahr bringen. Wenn dir etwas zustößt, weil du dich auf die vermutlich leichtsinnigen Plänen einer einzelnen Lyr einlässt", kurz lächelte sie schief, "dann könnte ich mir das nie verzeihen. Deine Schwestern und deine Eltern.. nein, das wäre nicht richtig." Sie schüttelte den Kopf, überwand jedoch den Abstand zwischen ihnen und drückte ehrlich dankbar ihre zarten Hände, ehe sie wieder einen angemessenen Abstand einnahm.
Ihr Blick schweifte kurz hin und her, doch das Meer schien weiterhin ruhig. Zu gerne hätte sie Nanamis Angebot angenommen. Umso mehr suchte sie nach einem Thema, zu dem sie wechseln konnten. "Deine Eltern.. vielleicht suchen sie dich ja schon jetzt? Sie sehen es doch bestimmt nicht gerne, wenn du alleine hier herum schwimmst?", erkundigte sie sich, gewohnt ein Auge auf ihre jüngere Schwester zu haben. Denn trotz der Sorge – und ob der Zeit, die sie sowieso nicht einfach so würde aufholen können -, war ihre Neugierde noch nicht verebbt, was die junge Lyr hier draußen und alleine im Meer suchte.
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Re: Die Geschichte von Wind und Wasser

Beitrag von Nanami » Do, 12. Jul 2012 23:14

Nanami lächelt etwas schief, als Mheari ihre Hand drückt, freut sich aber sichtlich darüber, dass sie ihre Anteilnahme versteht. Dennoch bemerkt sie den Schmerz, der über das Gesicht der jungen Lyr huscht - innerlich seufzt Nanami laut auf. Sie versteht ihren Schmerz einfach nur zu gut! Auch wenn ihre Situation vielleicht eine etwas andere ist (nicht so dringend, irgendwie. Weniger dramatisch, wenn auch genauso deprimierend und schmerzend.) so weiß sie doch genau was Mheari durchmacht. Andererseits hat sie nicht die volle Unterstützung ihrer Familie, und der Rat ist immer noch am beraten...
Als die Sprache auf ihre Familie kommt schaut Nanami bedrückt drein. "Meine Eltern.. nein, ich glaube nicht das sie mich suchen. Also. Vielleicht doch - ", stotterte sie etwas unsicher und schaut ihr Gegenüber nur kurz in die Augen. "Das ganze ist etwas kompliziert..", sollte sie die Lyr wirklich damit belasten, dass auch ihre Schwester verschwunden (verschleppt?) worden war? Nicht, dass sie ihr damit ihre Hoffnung war, schließlich.. auf einmal kam ihr ein belastender Gedanke. Was, wenn..?!
Sie schlug die Hand auf den Mund und schaute Mheari entsetzt an. Was für ein makabrer Zufall des Schicksals, sie beide zusammenzuführen. Was, wenn Kumiko nun von denselben Leuten entführt worden war, wie Mhearis Schwester? Die war zwar auf hoher See verschwunden, aber das machte in Nanamis bestürzenden Gedanken kaum einen Unterschied- das nahm sie gar nicht mehr war. "Oh nein.. Mheari - ich. Ich." Sie schluckte. "Es ist schrecklich. Mir kam gerade die Vermutung.. oder die Befürchtung, dass.. Meine Schwester ist auch entführt worden. Vor ganz genau drei Jahren und 4 Monden, 5 Sonnenzyklen.", sie machte eine dramatische Pause. "Also, in Letzterem bin ich mir nicht ganz sicher - oder.. eigentlich weiß ich auch nicht genau ob es eine Entführung war, wie bei deiner Schwester..", nachdenklich kratzte sie sich an der Nase. "Aber alles deutet darauf hin. DA bin ich mir sicher." Alles? Wovon sprach sie eigentlich? Kaum das sie den Mund öffnete hatte sie das Gefühl nicht ganz die Wahrheit zu sagen.. ein Gefühl war noch lange kein Beweis. Schuldgefühle kamen unweigerlich in ihr auf. "Jedenfalls-", fing sie an und sah nun Mheari direkt in die Augen. "Was ich sagen will, was ist, wenn meine Schwester von denselben Leuten entführt wurde, die deine Schwester..?", sie ließ den Satz leicht unbeantwortet im Wasser hängen und sah ihr Gegenüber leicht ängstlich an.
Ihre Gedanken waren zwiespältig. Verrante sie sich da in einem Gedankengang, der unlogisch war? Aber ihr Gefühl.. sie hörte schon wieder wie ihr Vater seufzte und die Augen verdrehte, sie solle nicht so viel auf ihre Gefühle hören, sondern mehr ihren Verstand benutzen. Aber es war bestimmt kein Zufall, dass sie gerade Mheari HIER und jetzt traf!

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Re: Die Geschichte von Wind und Wasser

Beitrag von Mheari » Di, 17. Jul 2012 21:40

Zuerst befürchtete Mheari, in ein Fettnäpfchen getreten zu sein, als Nanami so begann, von ihren Eltern zu reden. Sie waren doch nicht etwa..? Die Lyr beschlich für einen Moment ein erschreckendes Gefühl und sie war schon dabei, die Frage schnell zurück zu nehmen, als Nanami glücklicherweise doch noch weiter sprach. Es gab sie also doch. Augenblicklich schämte sie sich für diesen, wenn auch kurzen, Gedanken. Wie hatte sie nur annehmen können, dass.. Wie dem auch sei, dem war nicht so und die Ohren der neugierigen Lyr spitzten sich, froh darüber, dass sie nichts falsches gesagt hatte.
Dann war es plötzlich Nanami, die so erschrocken schaute. "Was ist? Was hast du?" Mheari sah die Jüngere besorgt an. Mit jeder Sekunde, die verstrich und sie nicht mit der Sprache heraus rückte, beschleunigte sich ihr Herzschlag unwillkürlich. Sie ahnte nicht, was die andere bedrückte, welche Erkenntnis sie gerade getroffen hatte. War ihr vielleicht doch wieder etwas eingefallen, ein Hinweis auf Sijharis Verbleib? Mhearis Augen wurden größer und klebten förmlich an Nanamis Lippen, in der Furcht, ihr würde ein schrecklicher Hinweis einfallen, und gleichermaßen wieder hoffend, dass er ihr weiterhelfen würde.
"Meine Schwester ist auch entführt worden."
Mheari riss die Augen auf und hörte ihr stumm zu. Im nächsten Moment fühlte sie sich elend. Wie hatte sie Nanami mit ihren Gefühlen belasten können, wo sie doch in noch viel größerem Ungewissen all die verstrichenen Jahre verblieben war! "Das tut mir unendlich leid, Nanami. Das wusste ich nicht." Auch wenn es in ihren Augen noch lange nicht das Abladen ihrer Gefühle auf die Jüngere rechtfertigte, rutschten ihr die Worte einer Entschuldigung gleich hinaus. Und auch sie wollte es wissen: "Alles? Wie ist sie verschwunden? War es auch eines dieser großen Schiffe gewesen, die sie eingefangen haben?" Unweigerlich schwamm sie wieder näher zu Nanami heran. Sie wollte alles wissen. Vielleicht stimmte es, vielleicht waren es dieselben Leute, die nun auch Sijhari festhielten. "Hast du sie gesehen? Die Entführer? Irgendeinen Hinweis, der uns weiterhelfen könnte?" Unweigerlich steigerte sie sich in Nanamis Geschichte hinein, klammerte sich förmlich an die etwaigen Hinweise und Stricke, die die beiden entführten Schwestern miteinander verbinden könnten.
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Re: Die Geschichte von Wind und Wasser

Beitrag von Nanami » Do, 19. Jul 2012 13:23

"Also.. also eigentlich.", stammelte Nanami etwas sehr verlegen, da ihr die große Aufmerksamkeit, die Mheari ihr nun schenkte, peinlich war. "Eigentlich weiß ich nicht so genau, wie und von wem meine Schwester entführt wurde..", sie sah ihr Gegenüber kurz in die Augen und sah dort genau das, was sie selbst auch befürchtete: Hoffnung, Angst, Anspannung und Aufregung über den Verlust und die eventuell wertvollen Hinweise - die Nanami ja irgendwie nicht hatte. Gefühle waren keine Hinweise, oder?
Sie sah über die Schulter Mhearis in die Ferne und versuchte sich zu erinnern.. Es war schon so lange her und es schmerzte sehr an die letzten Tage mit Kumiko zu denken. "Meine Schwester war viel an Land - ist am Strand spazieren gegangen. Einige Monate zuvor hatte sie dort Menschen kennengelernt.", erzählte Nanami traurig und mit verklärtem Blick. "Unter anderem auch ein Mann, der von ihr.. mehr oder weniger besessen erschien.", sie seufzte leise. "Und irgendwann - ist sie nicht wieder gekommen.. Mehr weiß ich eigentlich auch nicht.", sie konnte Mheari nicht in die Augen sehen. "Das ist alles schon Jahre her und alles, was ich habe.. aber es lässt mir keine Ruhe. Ich weiß, dass es dir bei deiner Suche bestimmt nicht weiterhilft - so sehr ähneln sich die Entführungen dann doch nicht... es war halt nur..", sie zuckte hilflos mit den Schultern. "Eine Vermutung. Deine Schwester hat ihre Entführer sicher nicht gekannt?", fragte sie leise und versuchsweise einfühlsam. Sie konnte sich denken, wie enttäuscht Mheari nun sein musste, was hatte sie sich auch gedacht, ihr Hoffnungen zu machen. Aber es tat gut sich jemand so fremdes und doch irgendwie verwandtes anzuvertrauen..
Auf einmal wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, eine altbekannte Stimme durchbrach die unangenehme Pause die sich zwischen den beiden jungen Lyr ausgebreitet hatte: "Nanami, was machst du denn hier!", rief Nirja irgendwie empört aus und schwamm den beiden entgegen. Sie musterte Mheari kurz, schenkte ihr jedoch keine weitere Beachtung. "Die andern warten schon auf dich am Strand, wir..", sie zögerte kurz, bevor sie antwortete.. Sie rang scheinbar mit sich ihr irgendetwas mitzuteilen. Nanami wollte gerade ärgerlich wiedersprechen, da fing sie Nirjas Blick auf indem versteckte Freude mitschwang. Freude? Wieso freute sich Nirja darauf, Nanami zu verabschieden? Ehe sie länger darüber nachdenken konnte, packte ihre Schwester sie schon am Arm und zog sie mit sich. Die junge Lyr schaffte es gerade rechtzeitig noch sich zu Mheari umzudrehen und ihr ein "Tut mir Leid..!", zurückzurufen, ehe sie von Nirja zügig und bestimmt in Richtung Strand getrieben wurde. "Komm einfach, Schwesterlein, lass dich überraschen.", ein kleines Lächeln umspielte die Mundwinkel ihrer älteren Schwester und Nanami konnte nicht anders, als ihrer Neugier nachzugeben. Seltsamerweise schwang auch ein kleines Stück Heimweh mit, dabei hatte sie sich ja noch gar nicht verabschieded. Noch konnte sie immer hierbleiben...

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Re: Die Geschichte von Wind und Wasser

Beitrag von Mheari » So, 12. Aug 2012 7:24

Mhearis so schnell wieder ausgelöste und an die Oberfläche steigende Hoffnung bekam augenblicklich einen stechenden Dämpfer als Nanami sich erklärte. Eigentlich wusste sie nicht, wer ihre Schwester entführt hatte. Das Wissen der anderen Lyr würde ihr nicht weiterhelfen können. Das war Mheari sofort klar und einen winzigen Moment schlug sie die Augen nieder. Als sie wieder aufsah, schwieg sie aus Respekt, als sie Nanamis Blick in die Ferne gleiten sah. Sie ahnte, dass es der selbe Blick war, mit dem auch sie bald an Sijhari denken würde.. befürchtete es wie sie sich vor nichts anderem fürchtete. Sie hatte Angst vor diesem Moment und biss sich auf die Unterlippe, damit der Schmerz ihr aus diesen finsteren Gedanken half.
Als Nanami geendet hatte, lächelte Mheari sie sanft und aufmunternd an. Sie wollte nicht, dass sie ein schlechtes Gewissen hatte. "Es tut mir wirklich leid", wiederholte sie ehrlich. Dass diese Hinweise im Grunde keine waren und ihr nicht weiter helfen konnten, verdrängt sie für den Moment. "Es muss schrecklich sein, wenn sie von einen auf den anderen Tag nicht mehr wiederkommt." Bei Sijhari hatte sie wenigstens die Gewissheit, dass sie entführt worden war, so schmerzhaft es auch war. Nanamis Schwester hingegen konnte so vieles zugestoßen sein, wenn sie sich nicht einmal verabschiedet hatte. "Ich hoffe, dass ihr nichts zugestoßen ist", äußerte sie ihre ehrliche Hoffnung. Dann schüttelte sie den Kopf: "Sijharis Entführer kennen wir nicht. Bestimmt sind es solche Menschen, vor denen uns alle warnen." Sie verzog kurz das Gesicht.
Dann wirbelte sie herum als sich plötzlich noch eine weitere Lyr näherte. Sie grüßte sie freundlich, auch wenn die andere etwas Wichtigeres im Sinn zu haben schien, als sich in diesem Moment mit ihr zu beschäftigen. Sie verfolgte schweigend das Gespräch der Schwestern oder Freundinnen. Mheari tippte auf ersteres, glichen sich die Züge der beiden Lyr doch sehr. Es schien etwas Wichtiges zu sein, zu dem Nanami gerufen würde. Wortlos verfolgte sie den Wortwechsel der beiden und ließ Nanami ohne Widerworte ziehen. "Viel Glück!", rief sie ihr hinter her und winkte kurz und lächelnd. Vermutlich war es besser so, wenn sie sich trennten. Wenn Nanami ihr Angebot wirklich wahr machen sollte und die Suche gemeinsam mit ihr aufnehmen würde, Mheari könnte die Verantwortung nur schwer auf sich nehmen. Wenn der Jüngeren etwas zustoßen würde, sie würde es nicht ertragen können. Sie hoffte sehr, dass auch Nanami ihre Schwester wiederfinden würde. So wie sie Sijhari. Hoffentlich, hallte es leise in ihrem Kopf, während sie sich abwandte und wieder eins mit dem Meer wurde, das sie aufnahm und auf den Wellen weiter in die Richtung trug, in der sie das Schiff der Entführer vermutete.
Wenn Nebel sich übers Wasser legt,
am nahen Ufer die Macht sich regt
in Form von lieblicher Frauengestalt
dich zu fangen,
dich zu bannen..

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Re: Die Geschichte von Wind und Wasser

Beitrag von Avian » Di, 28. Aug 2012 20:11

Mit sehnsüchtigem Blick stand Avian Dynth an der Reling und ließ sich den Wind durch sein langes Haar fahren, während er die Wolken beobachtete, die sich wild über den Himmel bewegten und die Wellen, die gegen den Bauch der ‚Windreiter‘ brachen. Die See. Sie übte schon seit jeher eine ganz besondere Wirkung auf den jungen Mann aus, weckte seine Sehnsucht, seine Leidenschaft, seine Lebensgeister. Der Grund, warum er auch nach so vielen Jahren noch immer mit größtem Vergnügen den wochenlangen Weg von Merridia ins weit entfernte Rômachar auf sich nahm und sich nicht nur mit den Tücken der blauen Untiefen, sondern auch mit so manch anderen Problemen herumschlagen musste.

Er seufzte, als er an die vergangene Woche denken musste, in der eine akute Grippewelle beinahe die ganze Besatzung mehrere Tage lahm gelegt hatte, den Göttern sei Dank hatte ihr Schiffsarzt, ein mittlerweile bereits etwas betagterer Seebär namens Creold, seines Zeichens anerkannter Medicus aus Merridia und bereits mit Avians Vater zur See gefahren, noch alle Sinne beisammen und konnte jedes einzelne Leben retten. Zwar waren sie noch immer nicht auf voller Mannstärke, doch hatte der Waffenhändler auch kein Problem damit, ein paar Arbeiten zu erledigen um seine treue Crew zu unterstützen. Nun, zumindest nicht mehr. Oft musste Avian selbst den Kopf schütteln, wenn er sich an seine Jugendjahre zurückerinnerte. Zwar waren die Erinnerungen an so manches schöne Mädchen von damals noch immer äußerst erquickend, doch hatte er auch Dinge getan, auf die er nicht stolz war, welche sich allerdings vor allem im Bezug auf den Handel einer 180-Grad-Wendung unterzogen hatten, denn der Erfolg, der sich mittlerweile eingestellt hatte, konnte sich sehen lassen. Während die Familie Dynth immer berühmter wurde und immer mehr und mehr Geld scheffelte, neigte sich die berufliche Karriere Carn Dynths wohl dem Ende zu und alles sah danach aus, als würde er seinem Sohn bald das gesamte Unternehmen überlassen und sich in den wohlverdienten Ruhestand zurückziehen. Ein wohliges Gefühl breitete sich in Avians Magengrube aus, als diese Gedanken sich ein weiteres Mal in sein Oberstübchen schlichen. Doch – das sah er inzwischen auch nicht anders als sein Vater – ohne Fleiß kein Preis. Und so befand sich der junge Nordmann nunmehr am Deck seines Schiffes, mit nichts anderem bekleidet als einem leichten Leinenhemd und einer lockeren Seemannshose, die vergangenen Tage war es zwar wunderschön, aber auch erdrückend schwül gewesen und außerdem wollte er seine feine Kleidung auch nicht beschmutzen, und gönnte sich eine Pause. Eine Flaute hatte sie gerade eben ein wenig zurückgeworfen, so musste die Besatzung kurz an die Riemen, doch mittlerweile war ein solider Wind aufgekommen und das große Segelschiff machte seinem Namen wieder volle Ehre.

Etwas beunruhigt begutachtete Avian die dunklen Wolken, die sich am Horizont auftürmten, zwar war ein Sturm durchaus absehbar gewesen und sie hatten bereits Vorkehrungen getroffen, immerhin war es nicht das erste Unwetter, durch das sie segelten, doch hoffte der junge Mann dennoch, Rômachar vor Ausbrechen des Gewitters erreicht zu haben und sicher im Wirtshaus zu sitzen, während der Himmel seine Schleusen öffnete. Doch diese Hoffnung war trügerisch.

Schneller als erwartet verdunkelte sich der Himmel und die ersten Donnerschläge waren zu hören, und es schien zumindest sicher, dass sie wohl oder übel durch das Unwetter segeln mussten, um den dahinterliegenden rettenden Hafen zu erreichen. Auch die Nacht war angebrochen und bald waren sie mittendrin in dem nunmehr unvermeidlichen Sturm. Mächtige Wellen peitschten gegen den Schiffsrumpf, wild riss der Wind an den Segeln und sämtliche Besatzung hatte alle Hände voll zu tun, um nicht davonzuschwimmen oder in die wilden Untiefen der See gerissen zu werden. Doch die dezimierte Mannstärke machte sich bemerkbar. Nach und nach füllte sich das Deck mit Meerwasser, der Horizont war mittlerweile nicht mehr zu erkennen, zu hohe Wellen umrundeten die „Windreiter“, zu rasant wurde sie durch das Meer gestoßen, als ob sie bloß ein Spielball der Mächte der Natur wäre.

Avian wusste schon nicht mehr, wo ihm der Kopf stand, als er, als ob die Götter selbst ihn treten würden, übers Deck rannte, hier ein Seil festzurrte, da eine Kiste schleppte oder mit großen Eimern versuchte, das Wasser, das sich auf Backbordseite staute, vom Schiff zu bekommen, während zur gleichen Zeit auf Steuerbord doppelt so viel wieder über die Reling schwappte. Er konnte sich nicht erinnern, in seiner Seefahrtskarriere je in solch einer Notlage gewesen zu sein, und dies wollte etwas heißen. Das Wort ‚Schiffbruch‘ war nun kein fernes Hirngespinst mehr, sondern kalte und harte Realität, wenn sich nicht schleunigst etwas an der Situation ändern würde. Als bald darauf schlussendlich auch noch der Ruf „Wir haben ein Leck!“ über das Schiff schallte, waren die Hoffnung und der Optimismus des jungen Mannes bereits sehr strapaziert.

Außer Atem und wie blind versuchte Avian noch, eilends zu der lecken Stelle des Bauches zu gelangen, doch vergebens, er bemerkte nur noch mit glasigem Blick, wie bereits einige Männer verloren in der schwarzen See treibten, viele verletzt, manche tot. Kurz huschte ihm das zornerfüllte Gesicht seines Vaters vor Augen, die ganzen wertvollen Waren, Schwerter, Degen, Belagerungswaffen, die sie verlieren würden, wenn er das Schiff aufgab, doch das schien für ihn selbst nur noch Nebensache. Mit seinem Leben bereits abgeschlossen, schickte er ein letztes Stoßgebet an die Götter, sie mögen Amalia beschützen und wenigstens ihr gesunde, glückliche Kinder schenken, bevor ihn eine umherwirbelnde Truhe am Kopf traf, er Blut und Meerwasser schmeckte und plötzlich alles um ihn herum schwarz wurde.
Wenn du dir eine Perle wünschest,
Such sie nicht in einer Wasserlache.
Denn wer Perlen finden will,
muss bis zum Grund des Meeres tauchen.

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Re: Die Geschichte von Wind und Wasser

Beitrag von Mheari » Di, 04. Sep 2012 12:28

Sie schwomm verbissen weiter, auch wenn sie eigentlich nicht wusste, wohin genau. Sie merkte, wie das Meer zunehmend unruhiger wurde. Die Ströme des Wassers wurden stärker, schon bald bäumten sich die Wellen über ihr auf. Valdysea schien erzürnt zu sein. Ob es wohl mit einer ihrer gefangenen Schützlinge zu tun hatte? Mheari fröstelte es bei dem Gedanken, dass ihre Göttin so wütend das Meer aufwühlte. Sie hoffte inständig, dass das Unwetter keine Auswirkungen auf ihre Reise haben würde. Angestachelt durch die Unruhe des Ozeans, die unweigerlich auf sie übersprang, schwamm sie stets weiter. Doch so recht beruhigen wollte sich ihre Heimat nicht. Sturmböen fegten über die Wasseroberfläche, Wind peitschte die Gischt der See auf und hüllte alles in ein verschwommenes dunkles Graublau.

Doch was sich über ihr abspielte, das Schiff in Seenot, bekam sie zunächst nicht mit. Sie hatte genug zu tun, gegen die Strömungen unter Wasser anzuschwimmen und auch hier unten verschwomm das eine mit dem anderen, sodass sie das große Schiffsbug in der Ferne überhaupt nicht erkennen konnte. Erst als sie aus den Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm, stoppte sie in den Schwimmbewegungen und führte nur noch solche aus, die sie an Ort und Stelle belassen würden. Was war das? Irgendetwas fiel dort neben ihr in der Tiefe. Mheari schwamm näher heran und als sie es erkannte, erschrak sie sich dermaßen, dass tatsächlich ein Schrei ihre Lippen verließ und sie sich an dem Meerwasser verschluckte. Es war ein Mann! Ein Toter! Mit weit aufgerissenen Augen starrte die junge Lyr den Seemann an. Sie wusste instinktiv, dass er nicht mehr lebte, keinerlei Gefühl ging von ihm aus. Er starrte leerlos in die Tiefe.
Das alles dauerte nur Sekunden, ehe Mheari endlich an der Wasseroberfläche angekommen war und ihrem Husten freien Lauf lassen konnte. Sie tat sich schwer damit, das Bild des Versinkenden auszublenden, der schon bald auf dem Meeresgrund liegen würde. Es dauerte weitere Sekunden, bis sich der Husten beruhigt hatte und sich ihr Blick klärte. Stürmische Wellen umgaben sie und nicht nur das. Überall schwammen seltsame Gegenstände herum. Vereinzelte Männer hielten sich an Fässern fest, andere lagen bewegungslos auf den Wogen. Was war hier nur los?

Ihr Blick fiel auf das große Schiff, auf dem sie verschiedene Schatten herum rennen sah. Sie hatte noch nicht viele Schiffe gesehen und bisher nur eines aus so geringer Entfernung. Ihr blieb der Mund offen stehen und sie konnte nicht anders als das riesige Schiff anzustarren. Die hellen Haare umringten ihren Kopf, während sie still beobachtete. Dass einer der über Bord gefallenen Seemänner sie sah, einen erstickten Schrei ausstieß und alles daran tat, weiter weg von ihr zu schwimmen, bekam sie nicht ganz mit. Sie war so fasziniert von den Seemännern des Schiffs, dass sie die Szenerie zunächst nur beobachtete. Bis sie sah, dass einer der Männer von etwas großem am Kopf getroffen wurde und ins Meer stürzte. So viel Leid, so viele Verletzte und Tote.

Sie hatte genug gesehen und konnte nicht mehr nur still verharren. Es waren Menschen, sie sahen genauso aus wie die Entführer ihrer Schwester. Doch sie wusste, dass es nicht die selben sein konnten. Ebenso wie nicht alle Menschen gleich waren. So viel Erfahrung hatte sie zumindest in Rômacher schon gesammelt. Und wie bei jedem anderen Lyr, der in Not war, konnte sie auch diesen Menschen nicht einfach ertrinken lassen, solange sie etwas dagegen tun konnte. Mheari tauchte erneut in das Meer ein, während sie zielstrebig auf die Stelle zuschwamm, an der der Mann ins Meer gefallen war. Sie zitterte erneut bei dem Gedanken an den Toten von eben. Sie hoffte, wenigstens einen von diesen Männern jenen ersparen zu können. Glücklicherweise hatte sie den Mann bei seinem Fall gesehen, so gestaltete sich die Suche nicht allzu schwer, auch wenn es schwierig war, die Strömungen der Wellen auszunutzen, um von ihnen nicht immer wieder in die andere Richtung gespült zu werden. Ihr Herz wummerte bis zum Hals, denn erst jetzt wurde sie sich wirklich bewusst, was sie gerade tat. Sie wollte tatsächlich einem Fremden das Leben retten. Schon bald erkannte sie schattige Umrisse schräg unter sich und setzte dem Mann nach. Sie hatte keine Zeit, auf Details zu achten, sondern schwamm ihm hinter her und griff selbstbewusst mit ihren Armen unter seinen hindurch, sodass sie ihn schließlich umarmend an die Oberfläche ziehen konnte. Glücklicherweise war im Wasser alles so viel leichter. An Land hätte sie den Mann kaum so beherzt packen und tragen oder ziehen können.

Es waren nur sehr wenige Minuten vergangen, bis sie mit dem Mann wieder auftauchte. Etwas unbeholfen, schließlich hatte sie so etwas noch nie getan, schwamm sie mit ihm zu einem Holzbrett, das im Meer trieb. Es konnte sich dabei gut um die Planke handeln. Sie achtete darauf, dass der Kopf des Mannes, dem die dunklen Haare im Gesicht klebten, über Wasser blieb, bis sie ihn schließlich soweit hatte, dass seine Arme auf dem Brett lagen und der Kopf dazwischen. Mhearis Brust hob und senkte sich stark und sie atmete schwer. Trotz allem hatte es sie viel Kraft gekostet, den Mann nach oben und hierauf zu befördern. Sie schwamm neben dem Brett, nur der Kopf lugte ihm gegenüber aus dem Wasser. "He." Ihre Stimme war leise und verunsichert. Mit dem Finger tippte sie gegen seinen Arm. So beherzt sie eben noch war, so unsicher fühlte sie sich jetzt, als der Mann die Augen nicht öffnete. Etwas fester rüttelte sie an seinem Arm. Er atmete jedenfalls noch, was ihr Hoffnung gab. "Wach auf. Du musst aufwachen", wiederholte sie immer wieder, nahm sogar sein Gesicht in ihre Hände, um ihn dazu zu bewegen, die Augen zu öffnen. Sie konnte ihn doch schlecht hier so liegen lassen und riskieren, dass er doch noch ins Meer zurück rutschte. Um sie herum beruhigte sich das Meer langsam und auch das Grollen schien sich immer weiter zu entfernen. Sie sah sich um, doch niemand schien sie und den Mann zu sehen oder zu beachten. Schließlich, als ihr nichts mehr einfiel, gab sie ihm eine leichte Ohrfeige, schreckte mit der Hand aber sofort zurück. Ein Lyr hatte das einmal bei einem Bewusstlosen getan und sie hoffte, dass es auch hier Wirkung zeigte.
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