Auf ein Wort

Eines der mächtigsten Reiche der Menschen im Norden. » Ortsbeschreibung
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Sqeulaiche Dubh
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Auf ein Wort

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » So, 26. Mai 2013 20:05

„Auf ein Wort, Skull!“ Der Raéyun verdrehte, hinter den dunklen Augengläsern glücklicherweise nicht erkennbar, die Augen, schob – rein sicherheitshalber – den Steg der Brille den Nasenrücken noch ein klein wenig weiter hinauf und seufzte schwer. „Nenn mich nicht so.“ Der mit einer Violine bewaffnete Elf lachte hell auf und fuhr indes ungerührt fort: „Also hör mal Skull, die Zofe der Freifrau Meriwen, hat mich für heute Abend zu einer privaten Unterweisung im ‘Violinen-Spiel ’ zu sich befohlen, wenn du verstehst was ich meine.“ Sqeulaiche bemühte sich um das ungezwungenste Lächeln zu dem er gerade fähig war und erwiderte nur „Also ich kann mich über ihre Spielkunst zumindest nicht beklagen.“ Oh wie bedauerte er es des Gegenübers Antlitz, insbesondere durch die Gläser nicht klar genug gerade erkennen zu können, aber alleine schon das kurze Schnappen nach Luft, der in der Bewegung verharrte Schritt und das zögerliche „Wie – jetzt… ?“ Illîanders, war diese Provokation schon wert gewesen. Leicht schüttelte Sqeulaiche Dubh den Kopf. „Wenn du aufhörst mich Skull zu rufen, höre ich auf dir etwas vorzulügen, hm?“ Der Elf verharrte kurz: „Nimm die Brille ab, Sku- … Sqeulaiche, das ich dir in die Augen sehen kann!“

Sqeulaiche schüttelte den Kopf. „Lass es gut sein, Illîander, und sag mir endlich wobei ich dir nun aushelfen soll.“ Der Andere setzte sich wieder in Bewegung und gemeinsam schritten die Beiden weiter durch den zum Festsaal der Burg Stromwall führenden Gang. „Und du hast wirklich nicht?“ Sqeulaiche Dubh ließ ein Schmunzeln auf seinen Zügen erscheinen. „Nein! Aber ich wäre auch wohl kaum der Erste, den Misha je zum Stelldichein in ihre Kammer wo gebeten hätte. Also was sorgst du dich? Pflücke den Tag und lass die Sorgen Sorgen sein, hm?“ Der Elf nickte, stockte dann aber und fragte zögerlich: „Und woher weißt du dann ihren Vornamen?“ Sqeulaiche schüttelte den Kopf ob des, nach menschlichen Maßstäben, gerade einmal wie ein Siebzehnjähriger ausschauenden Elfen, steckte sich den Spazierstock quer in den aus kräftig braunen Rindenfasern scheinbar geflochtenen Gürtel, griff sich seine kleinen Querflöte und begann eine vergnügliche Melodie darauf zu spielen, als ein beinahe wütendes Fauchen, von den Seiten der Violine in seinem Rücken ihn zum Innehalten veranlasste. Sqeulaiche, drehte sich ruhig zu dem Elfen um, der halb wütend, halb verletzt wirkend, die Hände um Violine und Bogen gekrallt, selbige trotzig in die Hüften gestemmt, ihm entgegen funkelte.

Sqeulaiche seufzte erneut. „Ich habe mich mit Freifrau Meriwen unterhalten, und nein – ich meine damit wirklich nur "unterhalten". Sie wusste etwas über ein mich interessierendes Thema zu berichten und die Zofe, Misha, hat uns halt den Tee kredenzt. Zufrieden?“ Der Elf schüttelte trotzig den Kopf. „Nimm die Brille und wiederh…“„Nein!“ Sqeulaiche war ruhig aber entschlossen dem Elfen ins Wort gefahren, und auch ohne die hinter der Brille hochgezogene Augenbraue, war das beinahe schon ungläubige Erstaunen ob des Elfen Eifersucht beinahe schon greifbar in Sqeulaiches kurzem Nein mitgeschwungen. War sein Gegenüber für pubertäre Eifersüchteleien nicht längst schon zu alt, selbst wenn die Elfen in derlei Belangen stets etwas… nun ja, langsamer waren, denn andere Völker? „Warum…“ Wieder schnitt Sqeulaiche dem Anderen das Wort ab. „Weil“, er steckte die Querflöte wieder fort. „dir“, er nahm den Stock wieder hervor, sich schwer darauf stützend. „nicht“, er seufzte, den Kopf wie erschöpft schüttelnd. „gefiele“, er wandte sich um. „was“, er schritt langsam weiter. „du“ er hörte leise Schritte hinter sich. „sähest!“ Er mochte nicht gut sehen, hier in diesem erleuchteten Korridor, doch hörte er wohl und zugegeben, sein junger Freund, war gerade mehr von seinen Hormonen wohl getrieben, denn von den Instinkten eines Kriegers. Mit einem Fauchen schnitt der Spazierstock durch die Luft. Hätte Sqeulaiche nicht den Spaziersock sehr eng an seinem Körper entlang emporfahren lassen…

„Genug!“, und nun klang ernstliche Verärgerung in Sqeulaiches Stimme wieder. Hart legte sich seine Rechte auf die Schulter des zusammengefahrenen jungen Elfen. „Erstens: Sprecht die Freifrau dezent und unverfänglich auf ihren gestrigen Abend an und sie wird bestätigen das wir lange und ausführlich, mit der Zofe als Anstandswauwau“, Bei den Silben „wauwau“ verzogen sich Sqeulaiches Lippen kurz wie angewidert. „…parlierten und die Zofe ihr anschließend dann noch ein Bad hat bereiten und ihr einen Weinbrand ans Bett hat bringen sollen. Ich hätte also gar keine Möglichkeit gehabt den gestern ja erst hier eingetroffenen Damen näher zu treten, als es mein Stand mir erlaubte.“ Sqeulaiche spürte des Anderen Muskulatur sich entspannen, blickte aber dennoch aufmerksam diesen weiter an. Sollte auch nur das leiseste Zucken ein beabsichtigtes Vorschnellen dessen Arme etwa andeuten, so wollte er diesen so gut es ging im Blick behalten wissen. Auch wenn er hier direkt an einem der Westfenster, dem tiefen einfallenden wie rotem Sonnenlicht nach zu urteilen, eine solche, immerhin erwartete Bewegung, wohl nur huschend und unscharf höchsten, aber nichtsdestotrotz immerhin noch erahnen halt mochte.

„Zweitens musst du lernen nicht immer nur an den Augen deines Gegenübers abzulesen, was diesen bewegt. Oder willst du, einen Gestalt in dunkler Gasse, die dein Geld oder alternativ dein Leben fordert etwa auch erst zu nächsten Laterne bitten, um dort dann zu entscheiden ob und wie du reagierst?“ „Ich…“ „Drittens:“ unterbrach Sqeulaiche den Elfen ein weiteres Mal, „musst du lernen deine Emotionen, deine Eifersucht zu zügeln, oder du wirst nicht sehr alt werden… mein Freund!“ Die letzten Worte klangen halb fragend. Der Elf nickte, schüttelte den Kopf, setzte zum Reden an, brach ab und fragte schließlich ein letztes Mal: „Da… war wirklich – nichts?“ Nur ein schweres Atmen entrang sich dieses mal des Raéyuns Lippen, ehe er antwortete. „Bei allem was mir heilig ist schwöre ich, dass da nichts war!“ „Bei den Sieben?“ „Bei den Sieben, wenn dir das was bedeutet.“ Schweigend schritten sie nebeneinander her. Vor der Tür zum Saale schließlich packte der Elf ihn beim Arme, ließ aber augenblicklich wieder los. „Seht Ihr,“ sprach Sqeulaiche bewusst förmlich. „Das mit der Menschenkenntnis klappt scheint‘s doch auch schon wunderbar ganz ohne jeglichen Augenkontakt.“ Doch auch er entspannte sich sehr schnell wieder, war die letzte Berührung doch augenscheinlich dazu gedacht gewesen ihn zum Stehen zu bringen und nicht etwa, wie er einen kurzen Moment befürchtet hatte, ihm etwa doch noch die Gläser von den Augen zu reißen.

„Auf ein Wort Sqeulaiche Dubh!“ Der Raéyun nickte dem nun nahe der verschlossenen Türe und fern der sonnenhellen Fenster besser erkennbaren Musikus zu. „Wegen der – Verabredung mit, mit… Misha?“ Sqeulaiche schwieg. „Ihr wisst vielleicht das ich zu der, der … Hochzeit in, also morgen in, in Fadrun aufspielen – aeh soll?“ Sqeulaiche lächelte traurig. „Und nun fragst du“, ob der nun wieder vertraulichen Anrede entspannte sich Illîander merklich. „ob ich nicht an deiner statt dorthin fahren und dir so auch gleich den Weg zu deiner Herzensdame unbestreitbar frei mache? Aber gerne doch.“ Dieses Mal ließ sich Sqeulaiche Dubh die ihm freundlich auf die Schulter fahrende Hand des Elfen gerne und gänzlich sorglos doch gefallen. Es folgten ausgelassene, wie für ihn indes arbeitsreiche Stunden und als Illîander mit einem nun wieder gleichermaßen entspannten wie anzüglichen Grinsen, kurz nach Misha das Gelage verließ, schenkte der Zofe Herrin, die Freifrau Meriwen, Sqeulaiche Dubh ein vielsagendes Augenrollen, welches dieser mit einem verstehenden Lachen quittierte. Eine Stunde und ein erfrischendes Bad später, die eben noch beim Feste getragenen wie inzwischen gewaschenen und trockengemangelten Kleider verstaut und die zweite Montur am Leibe tragend, bestieg Sqeulaiche Dubh den bereitstehenden Rappen.

„Mau?“ Lächelnd nahm er den Beutel, darin seine Laute steckte, vom Sattelholm und ließ diesen an dem Schulterriemen herab. Luzifer sprang, da der Beutel noch gut zwei Fuß über dem Boden hing, diesen als Zwischentritt nutzend, geschickt herauf. Das scharfe Einatmen Sqeulaiches ignorierend, als der die Krallen kurzzeitig durch den Stoff der Hose hindurch schmerzhaft spürte, machte es sich das kleine schlanke Tier unter der halb geöffneten Jacke Sqeulaiches gemütlich. Der alte Haus- und Hofbarde lachte ob des kurzen Schmerzlautes Sqeulaiche Dubhs nur und murmelte was davon das, wenn der Dunkle nicht ohne seine Geliebte an seiner Brust aufzubrechen wagte, sie doch genauso gut auch gleich den Jungspund samt dessen Zofe hätten einpacken können. Aber in des Alten Augen leuchtete ein verstehendes Funkeln. „Und nimm gefälligst die Brille ab, Raéyun – sobald wir durch das Tor sind, sonst brichst du dir glatt noch den Hals, ehe wir bei der Hochzeit morgen früh angelangt sind.“ Sqeulaiche sah sich nervös um, aber Brânnándôn hatte den Moment gut abgepasst, war doch gegenwärtig kein Zuhörer zugegen.

Gemeinsam ritten die beiden Gestalten den Viadukt entlang und durch die vier Toranlagen, ehe Sqeulaiche Dubh die Brille zumindest so weit den Nasenrücken hinab schob, das er entspannt über deren Rand in die Nacht zu blicken vermochte. Nervös blickte Brânnándôn zur Seite. Er hatte von jenem Barden in Schwarz gehört, kannte man sich doch schließlich untereinander – zumindest nach ein paar Jahren und hatte ein gutes Wort für Sqeulaiche Dubh eingelegt, als der – die letzten vier oder fünf Verfolger von seinem Malheur am Chabur direkt im Nacken, dort vorsprach. Der alte Barde wusste um des Raéyun musisches Talent und verschwieg drum kurzerhand dessen Abstammung. Aber so flapsig seine Aufforderung geklungen hatte, sich der Brille zu entledigen, ehe er sich unterwegs noch den Hals brach, so unsicher war nun sein Blick – ob der im Lichte seiner Laterne bernsteinern funkelnden Augen.

Sqeulaiche Dubh gab dem Rappen stumm die Fersen, das er fortan eine halbe Pferdelänge vor seinem Gefährten ritt, klaubte die kleine Querflöte hervor und spielte, im Duett mit des alten Mannes Bratsche, frohgemute Melodien in das Dunkel der Nacht hinaus. Sie brauchten sich schließlich nicht sonderlich zu beeilen, mussten sie doch zum Morgengrauen erst in Fadrun eintreffen, so sie das Aufspielen zur großen Hochzeit denn nicht verpassen wollten.
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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Mo, 03. Jun 2013 22:22

„Den machen wir alle. Na los, kommt schon.“ – „Sag mal, hörst du mir überhaupt zu Rorrjê? Der alte Sack neben dem Giftauge ist der Lieblingsbarde der Frau vom Herrn über Burg Stromwall! Wenn du der ihrer Nachtigall auch nur eine Feder rufst…“ – Und du Fanfharr hörst mir nicht zu! Wenn wir denen den toten Kopf mit seinen verfluchten Augen zeigen, dann werden die begreifen das er sie alle nur verzaubert hat und uns zum Dank dafür, vor dem gerettet worden zu sein, mit Gold nur so überhäufen! Ich sag euch…“ – „Das Gold wird flüssig sein und dir das Fleisch nur so von den Knochen brennen, wenn du dem alten Brânnándôn dabei auch nur eine Wimper zupfst, ich schwörs dir, ich…“ Der alte Pelzhändler Danaân ließ die beiden Jungen weiter tuschelnd, derweil er mit vor fanatischem Eifer schier brennendem Blick dem einsamen Licht die Straße hinab folgt. Je beschwingter die Melodien der beiden Barden und der Gesang des Alten Brânnándôn zu ihnen herüber scholl, desto finsterer wurde Danaâns Blick. Seine Frau war während seiner Reise in die Eiswüste und wieder zurück gestorben und er »wusste« wer daran die Schuld hatte, hatte ihr Fieber doch in genau der stürmischen Vollmondnacht eingesetzt, als er ob des nach einem langen Tagesritt beim Absteigen so grotesk gestürzten Kriegerbarden, so schallend losgelacht hatte. Es war wohl nicht ganz in Ordnung gewesen so über das Missgeschick eines sein lahmes Bein so dumm belastet habenden Krüppels zu lachen, zugegeben! Aber gab das dem Anderen das Recht an jenem Abend in die Wildnis rauszugehen und dieses, dieses… „Lied“ anzustimmen? Alle hatten sie beim Zuhören das Gefühl gehabt, zu Tränen gerührt, gleich losflennen zu müssen und manche hatten den Bastard sogar gebeten jene von den Göttern verdammte Euphonie des Grauens zu wiederholen. Aber der wusste damals wohl schon, warum er das nicht gemacht hat. Hat wohl böse Geister und Dämonen heraufbeschworen, seine – Danaâns Frau zu töten und wollte nicht das man die, bei einer Wiederholung jener Klänge sah und sein dreimal verfluchtes böses Wesen darob erkannte. Aber er, Danaân hatte den Teufel durchschaut und würde ihn – und sollte es das Letzte sein, das er in diesem Leben noch verbrach – zur Strecke bringen. Und mochten noch so viele Barden noch so vieler arsengepuderter Hofdamen dabei mit drauf gehen. Verdammt, das Schwein hatte seine Frau auf dem Gewissen, hat ihr die bösen Geister, hat ihr das Fieber geschickt und spielte nun, keine halbe Meile voraus ein Liedchen, als ob…

Danaân spie blutig roten Speichel aus und fluchte leise. Er hatte schon wieder, in dem Bemühen seinen lodernden Zorn zu zähmen, die Zunge sich zerbissen. Der alte Mann war ihm egal, aber er wollte den verdammten Bastard sterben „sehen“! Also hieß es: „Wir warten!“ Die beiden Jungen hatten längst erkannt das der alte gefährlich, das der irre war. Auch das war wohl des Kriegerbarden Schuld. Man hörte doch schließlich landauf landab das Kriegerbarden ganz normale Menschen mit nur einer angezupften Seite und einem Blick in alles nur Erdenkliche verwandeln konnten. Sei es ein so besessener Irrer, der einen von ihnen in den Rücken geschossen hatte, nur weil der gehen wollte, zu dessen schwangerer Frau zurück. In der Nacht darauf waren die meisten der Anderen klammheimlich abgehauen und auch die vier Zurückgeblieben wussten das sie sich nicht lange in der Nähe des besessenen Pelzhändlers aufhalten durften, wollten sie nicht den Soldaten des Fürsten erklären müssen, das „sie“ mit dem Mord des Alten nichts zu tun hatten. Andererseits waren die Vier recht schnell und selbstverständlich ohne des Alten Kenntnis darin übereingekommen, dass es hierzulande selbst für den Mord an einem offensichtlichen Raéyun einen „Sündenbock“ brauchte, das die Männer des Fürsten nicht näher nachforschten. Was gab es da Besseres ,als den Alten erst einmal bei Laune zu halten, denn das der Raéyun weg musste stand schließlich außer Frage. Na und so würd’s der Witwe des von dem Verrückten niedergestreckten werdenden Familienvater ja vielleicht leichter fallen, wenn sie denn nur wüsste das der Mörder ihres Mannes – wenn auch für einen anderen Mord – seine wohlverdiente Strafe denn erhalten hätte. So folgten die Beiden und der Alte halt weiter dem durch die Nacht tanzenden Licht gen Fadrun. Die anderen Beiden Mitverschwörer hatten südlich von Burg Stromwall Wache geschoben, falls der verdammte Bastard dorthin hätte fliehen wollen. Denn solange er auf der Burg weilte, offensichtlich dazu die Burgherren verzaubert habend, getrauten sich die übriggebliebenen Verfolger nicht an ihn heran. Hätte der Idiot nicht auf dem Weg plötzlich zu musizieren angefangen… Rorrjê rieb sich das schmerzhaft angeschwollene blaue Auge, das der Alte ihm verpasst hatte Rorrjê zugeben musste auf seiner Wache schlicht eingeschlafen zu sein. Wie gesagt: Ohne die Musik… Unbewusst wanderte Rorrjês Hand zum Dolch an seinem Gürtel, als er dem hasserfüllten Alten nicht minder herzlich in dessen Rücken starrte, derweil sie das hügelige Wegstück durch die Nacht gen Fadrun ritten, Das ferne Licht dabei mal tief unter sich in einer Senke sehend, mal weit oberhalb über eine Kuppe sich mit den Sternen des Firmaments vereinigend. Dann schließlich, zum Morgengrauen waren sie in Fadrun eingeritten. Der Kriegerbarde hatte dem Alten seinen ganzen Packen und das Pferd überlassen, zur Hochzeitsgesellschaft vorzureiten und war selbst zu einem nahen Schrein der Sieben gegangen, hatte ein Räucherstäbchen dort entzündet und war dann umgekehrt, auch die Hochzeit aufzusuchen.

Wäre die im letzten Moment ein warnendes Fauchen abgegeben habende schwarze Katze zu des Raéyunteufels Füßen nicht gewesen, der Bastard hätte die Klinge des alten Mannes vermutlich nicht einmal kommen sehen. Doch auch so stak das Messer des besessenen Alten tief in das Fleisch unter des Kriegerbarden rechter Schulter. Etwas höher wohl als das anvisierte Herz aber augenscheinlich nichtsdestotrotz tödlich, ging der Raéyun doch, wie vom Baum gefällt, zu Boden. Als die beiden den Alten aufforderten nachzusehen ob der Raéyun denn auch wirklich tot sei, und der sich vor Freude sabbernd niederkniete, da war die Sache schnell erledigt. Ein Stich mit dem Messer, dieses Mal durch Rorrjês Hand und der Alte lag neben dem Raéyun, mucksmäuschenstill und tot. Der Plan war gewesen dem Raéyun die zweite blutige Klinge in die Hand zu drücken. Als aber direkt über ihnen die Fensterläden aufgestoßen wurden, da packte die beiden verbliebenen Attentäter die Furcht und beide gaben Fersengeld, Rorrjê dabei sein Mordwerkzeug nach wie vor umklammernd. Aus dem Fenster über dem Kriegerbarden erscholl derweil das fröhliche Scherzen eines verliebt in den Tag startenden verheirateten Pärchens. Hinaus geschaut hatte indes niemand. Und leise brummend, hockte auf einer kaum merklich sich heben und senkenden Brust eine kleine und schwarze Katze und fuhr immer mal wieder plötzlich die Krallen aus, wenn ein Atemzug zu lange auf sich zu warten lassen schien, und immer wieder folgte darauf dann auch ein leises zischendes Einatmen, derweil der Stoff um die noch immer in der Schulter des Bewusstlosen steckenden Klinge langsam aber beständig wachsend einen feuchten Schimmer annahm. Immer wieder brummte und schnurrte das Tier auf seiner Brust, als wolle es dem Menschen den Atem rauben, und immer wieder folgte auf einen langen tiefen Atemstoß und eine erschreckend lange Pause, ein leises Fauchen des Tieres, ein Zusammenzucken des menschlichen Leibes und ein erneuter zischender Atemzug. Doch lange… würde es der Raéyun – auf mit Hilfe seines tierischen Weggefährten – wohl kaum noch machen, und der Tod, der den Alten Pelzhändler eben gerade schon in sein Reich geholt hatte, wie dessen Frau erst wenige Wochen zuvor, er wartete ruhig neben dem Sterbenden ab. Es hatte schließlich keine Eile, fanden schlussendlich doch ausnahmslos alle irgendwann den Weg in sein Reich. Wieder ein leises Fauchen, wieder ein leise zischender Atemzug, schwach… und ersterbend.
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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Eleah » Di, 11. Jun 2013 19:18

Fröhlich schlenderte Eleah Richtung Markt. Der Morgen war herrlich, die Sonne hinter einer leichten Wolkendecke verborgen und ein kühler Wind wehte durch die Straßen. Die letzte Nacht war nicht sehr lang gewesen, aber das störte die junge Taurrin nicht und konnte auch ihre gute Laune nicht mindern. Sie hatte ein paar unterhaltsame Stunden erlebt und dazu noch ein paar Münzen mehr als sonst verdient. Die Goldene Brücke war wieder gut besucht gewesen, die lauten Gespräche und schallenden Gelächter hatten nur allzu oft die dunklen Straßen gefüllt, wenn die Tür zum Schankraum aufgestoßen wurde und neue Gäste herein kamen oder einige von ihnen gingen und Platz im überfüllten Raum schufen. Auch wenn es anstrengend war, Eleah liebte die abendliche Stimmung und die Pausen in der kalten Nachtluft. Wenn die Mehrheit in Fadrun schlief und die Straßen und Häuser still und friedlich da lagen, ganz im Gegensatz zum hellen und lauten Gasthaus.

Ein Lächeln schlich sich auf ihre Lippen, den leeren Korb unter den Arm geklemmt. Sie musste heute einiges einkaufen und Eleah nutzte dafür lieber die frühen Morgenstunden als sich in der späteren Wärme unter die Menschenmenge zu mischen, durch die man sich nur drängeln musste und in der man kaum zum Atmen kam. So hatte sie die Straßen fast für sich alleine und es lag noch eine gewisse Ruhe über der Stadt, die die junge Frau mochte.
Alles, was sie kaufen musste, hatte sie im Kopf. Brot, Käse und Schinken, ein paar Äpfel und dann brauchten sie natürlich noch.. huch, was war das? Eleah wandte den Kopf nach rechts, wo sie eine Bewegung wahrgenommen hatte. Der kleine schwarze Fleck, den sie aus den Augenwinkel gesehen hatte, wuchs zu einer Katze heran, die nicht weit von ihr entfernt stand und sie anschaute. Eleahs Lächeln verwandelte sich in ein überraschtes Strahlen. "Wer bist du denn?" Sie kniete sich nieder, um die Katze zu sich zu locken und streckte eine Hand in ihre Richtung aus, damit sie ihren Geruch aufnehmen und sich langsam nähern konnte. Anders als viele andere Katzen, blieb diese jedoch in einigen Schritten Entfernung stehen und blickte von ihrer Hand zu ihr hinauf. "Du hast aber schöne Augen", fiel Eleah auf, als würde sie mit einem normalen Menschen reden, als sie die gelben Augen betrachtete, die sie intelligent anschauten. Sie schnalzte mit der Zunge, doch die Katze reagierte nicht darauf, sondern machte einen Schritt zurück, blickte sie an und drehte sich einmal im Kreis. Eleah jedoch erhob sich, schenkte ihr ein sanftes Lächeln und wandte sich ab. Sie dürfte nicht die Zeit aus den Augen verlieren.

Sie musste noch zu Maren, der Bäckerin und freute sich schon auf einen warmen Laib Brot. Sie brauchten noch Milch und ihre Mutter hatte sie noch darum gebeten, schon einmal die Stoffe von Amila abzuholen, die sie vor ein paar Tagen bei der Schneiderin bestellt hatte. Eleah sah hier und dort bekannte Gesichter, nickte grüßend und ging weiter ihrer Wege. Praktischerweise lag das Geschäft der Schneiderin direkt am Markt, wo sie alle Produkte einkaufen konnte. Sie wechselte nette Worte mit den Verkäufern, erkundigte sich nach dem Befinden und erzählte ihrerseits von ihren Eltern, nach denen oft gefragt wurde. Allen ging es gut, die Geschäfte liefen gut und sie hörte keine ernsthaften Beschwerden.
Bald schon war der Korb gut gefüllt, für ein paar Tage würde es reichen. Sie hatte leichte Schwierigkeiten damit, den Korb unter den einen und die zu einem Bündel gepackten Stoffe unter den anderen Arm geklemmt zu tragen. Glücklicherweise brauchte sie nicht mehr lange bis nach Hause. Dieses Mal sah sie die schwarze Katze schon von weitem, sie war noch immer an derselben Stelle und kam, bedächtig, aber zielsicher, auf sie zu. "Du hast wohl Hunger, mh?", mutmaße Eleah und beugte sich hinab. Bevor sie jedoch die Sachen abstellen und sich hinknien konnte, machte die Katze einen Satz und rannte davon. Eleah sah ihr hinter her, ein Schmunzeln auf den Lippen, das jedoch schon einen Moment später gefror.

Die Katze hatte sich an eine Häuserwand gesetzt, doch nicht das ließ Eleah erstarren, sondern war es das große, schwarze Bündel, auf dem die Katze saß. Eleah sog erschrocken die Luft ein. "Oh nein." Das Gewicht ihres Einkaufs war vergessen, als sie zu der reglos am Boden liegenden Gestalt hinüber rannte. Die Katze fauchte und sprang von dem Mann herunter, als Eleah unbeachtet dessen die Einkäufe abstellte, sich neben den Mann kniete und sich über den Bewusstlosen beugte. "Geht es Euch gut? Hört Ihr mich?" Die dunklen Gläser waren soweit verrutscht, dass sie die geschlossenen Augen erkennen konnte. Trotzdem hoffte sie, dass ihre Stimme zu dem Bewusstlosen durchdringen würde oder er vielleicht nur kurz weggedämmert war. Außerdem musste sie einfach etwas sagen, um einen klaren Gedanken zu fassen. Als er nicht reagierte, beugte sie sich ein Stück weiter vor und lauschte. Zuerst dachte sie, er wäre tot, aber dann spürte sie einen sanften Hauch an ihrem Ohr. Ein sehr schwacher Atem. Eleahs Herz pochte wild in der Brust. "Was soll ich nur tun?", flüsterte sie zu sich selbst und strich sich gedankenverloren die Haare aus dem Gesicht. Erst da bemerkte sie, dass sie sich mit ihrer linken Hand in einer nassen, dunklen Lache abstützte, was sie mit einem kurzen und angewiderten Zucken realisierte. "Wieso hat dich denn niemand bemerkt?", murmelte sie verständnislos. Augenscheinlich war er noch recht jung, da konnte er doch nicht einfach unbemerkt an einer Häuserwand verbluten. Sie sah sich um, doch da war niemand sonst. In einem letzten Versuch schlug sie ihm nicht zu leicht, aber auch nicht so, dass es schmerzen würde, mehrfach gegen die Wange und sprach ihn an, damit er irgendein Lebenszeichen zeigte oder vielleicht sogar wieder zu sich kam.

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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Di, 11. Jun 2013 21:49

„Ja Schwester!“ murmelten Sqeulaiche Dubhs Lippen, einen kleinen Blutstrom zusammen mit jenen leisen Worten entlassend. Seinen Augen blickten noch einen Augenblick matt und aber bernsteinfunkelnd Eleah entgegen, als der Raéyun auch schon wieder das Bewusstsein verlor.
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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Eleah » Do, 13. Jun 2013 22:35

Eleah atmete erleichtert aus. "Ein Glück", murmelte sie und ein Teil der plötzlichen Anspannung, wenn auch nur ein recht kleiner, fiel von ihr ab, als der Verletzte sich regte, sogar etwas sprach und die Augen öffnete. Bis ihr plötzlich zwei goldene Augen entgegen sahen, die sich in den eisblauen, vor Überraschung aufgerissenen Iriden der Katzenelfe spiegelten. "Ihr seid ein.." Raéyun! Unmöglich. Eleah hatte schon mehrere von ihnen getroffen und auch mit ein paar von ihnen geredet. Aber dass sie hier, auf offener Straße, auf einen von ihnen traf, damit hatte sie einfach nicht gerechnet. "Alles in Ordnung, Eleah. Bleib ruhig. Denk nach." Der Fremde war offensichtlich wieder bewusstlos geworden und der Gedanke seiner Herkunft spielte auch eigentlich keine große Rolle. Sie hätte niemanden blutend und bewusstlos hier liegen lassen können. Ihre eigene Stimme half ihr dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Was war hier nur passiert? Für den alten Mann, den sie nach dem Verletzten mit der Katze ebenfalls auf Lebenszeichen überprüft hatte, kam jede Hilfe zu spät. Etwas, worüber sie beschloss, jetzt nicht näher nachzudenken. Einer lag in einer Blutlache, der andere war schon tot. Eine feine Gänsehaut breitete sich auf der blassen Haut aus. Was verband die beiden miteinander? Ihr Blick schweifte von dem faltigen, erstarrten Gesicht zu dem jungen Raéyun zurück. Sie fragte sich, wo seine Schwester war. Lebten die beiden vielleicht hier in Fadrun, suchte sie ihn schon? Aber auch das war nicht wichtig. Wie er hier her kam und wohin er gehen wollte lag in der Zukunft, immerhin noch für ihn..

"Liegen lassen kann ich Euch hier schlecht", murmelte sie, als sie wieder neben dem Raéyun kniete. Sie betrachtete einen Moment sein blasses Gesicht mit den Zügen eines Adeligen - Um Himmels Willen, lass ihn so einer nicht sein. So oder so, eigentlich wäre es zu schade um ihn. Sie schüttelte den Kopf und ermahnte sich zu einer angemessenen Ernsthaftigkeit und Konzentration. Also gut. Sie sah sich verstohlen um, konnte aber nur zwei Personen ausmachen, die schon bald um die nächste Ecke bogen und damit nicht mehr in ihrem Blickfeld lagen. Sie atmete tief ein und aus, schüttelte ihre Hände, um sie zu entkrampfen und legte sie dann auf die ausfindig gemachte Wunde. Es sah so aus als ob ihm jemand ein Messer in die Seite gestoßen hätte. Diese Erkenntnis quittierte sie mit einem verständnislosen Kopfschütteln. Sie atmete noch einmal tief ein und aus, ehe sie die Augen schloss – einen Blick in seine Augen war nicht möglich und hätte sie vermutlich mehr verunsichert als alles andere. Sie versuchte sich auf die Magie zu konzentrieren, aber es gelang ihr nicht auf Anhieb. Das hier war einfach völlig anders als die harmlos Verletzten. Wenn sie nichts unternahm, würde er vermutlich sterben. Und sie wusste nicht einmal, ob man überhaupt einen Bewusstlosen beeinflussen konnte. Aber sie hoffte, dass sie ihm etwas von den Schmerzen würde nehmen können, sodass es ihm besser ging. Sie wollte, dass die Wunde heilte und er gesund und munter zu seiner Schwester nach Hause gehen konnte. Ohne es bewusst zu bemerken, überschritt Eleah eine unsichtbare Grenze. Was sie eben noch nicht gespürt hatte, weil sie sich zu sehr auf das Magiewirken an sich konzentrierte, war nun plötzlich da. Ihr Geist war plötzlich ganz klar. Da war nur dieser Strom, ein unbeschreibliches Gefühl, das sie kurz mit dem Mann verband, um ihm zu helfen. Feine Schweißperlen bildeten sich auf Eleahs Stirn, die nach ein paar Minuten erschöpft die Augen öffnete. War es kälter geworden? Ihr Kopf pochte dumpf gegen ihre Stirn, über die sie sich erschöpft mit dem Handrücken wischte. Sie hatte keinerlei Ahnung, ob ihre Magie gewirkt hatte. Sie konnte es nur hoffen.

Sie blickte für einen Moment in das markante Gesicht des Raéyuns, aber ihre Arbeit war noch nicht getan. Beherzt griff sie zu dem Paket, das sie eben erst gekauft und getragen hatte und riss es auf. Heraus holte sie ein langes, dunkles Stück Leinen, das sie zweimal längs in der Mitte faltete, bis es so breit wie ihre beiden Hände nebeneinander war. Es bereitete ihr einige Schwierigkeiten, den Bewusstlosen so zu drehen, dass sie den Stoff unter ihn hindurch ziehen und um seine Brust binden konnte. Sie konnte nur hoffen, dass sie ihm zuvor einige seiner Schmerzen hatte nehmen können, denn die Prozedur war nicht ganz einfach und für ihn sicherlich noch unangenehmer. Zwar war er kein muskulöser Berg im Ausmaße eines Bären, aber immer noch kräftiger als sie, um ihr das Verbinden zu erschweren. Zuerst drehte sie ihn auf die eine Seite, schlug den Leinenstoff, angefangen von seinem Rücken auf Höhe der Schulterblätter, über seinen Bauch. Danach drehte sie ihn über den Rücken zurück auf die andere Seite und zog dann den Stoff ungelenk unter seinem Rücken gänzlich hervor. Als der Verband erst endlich ein mal um seinen Körper herum lag, war Eleah außer Atem. Allein das Wirken der Magie hatte sie schneller erschöpft, als sie angenommen hatte. Zuletzt versuchte sie die Enden des Stoffes so fest wie möglich um seine Brust zu ziehen und, in Ermangelung eines Hilfsmittels, einen festen Knoten unter dem unverletzten Arm zu machen. Sie hoffte, dass die Kombination der Magie und dem behelfsmäßigen Verband zum Leben des Mannes beitragen würden.

"Hör zu", schnaufte sie nach einer gefühlten Ewigkeit und lächelte dann kurz über sich selbst, als würde ihr erst jetzt bewusst werden, dass sie sprach, obwohl ihr niemand – bis auf die Katze vielleicht – zuhörte. Als ihr diese wieder einfiel, die ihr Tun mit großen Augen beobachtet hatte, drehte sie sich zu ihr. "Ich bin gleich wieder da. Es kann etwas dauern, aber hier kann ich nicht mehr für ihn machen. Du passt auf ihn auf und ich hole Hilfe, in Ordnung?" Natürlich kam keine Reaktion der Katze, trotzdem war Eleah schon immer der Meinung gewesen, dass diese Tiere so viel mehr verstanden, als sie zeigten. "Ich bin bald wieder da." Damit hob sie ihren Korb mit blutverschmierten Händen auf, klemmte sich die restlichen Stoffbündel unter den Arm und lief so schnell es ihr so möglich war, um Hilfe zu holen.

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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Sa, 15. Jun 2013 11:14

"Hör zu". Langsam mochte er ob der wiederholenden Belehrung seiner Schwester die Augen verdrehen. Doch dieses mal war es der Klang einer ihm noch fremden Stimme die da an seine Ohren drang und auch das Bild seiner ihn auf dem elterlichen Wagen beschulmeisternden älteren Schwester aus vergangenen Tagen, war deutlich blasser, denn jene vorherigen Ablenkungen und tauchte bald wieder im ihn umgebenden, allesdurchdringenden Nebel unter. Statt dessen wieder diese Stimme: "Ich bin gleich wieder da. Es kann etwas dauern, aber hier kann ich nicht mehr für ihn machen. Du passt auf ihn auf und ich hole Hilfe, in Ordnung?" „Schon in Ordnung, es wird alles gut, sagt zumindest mein Schwesterherz.“ wollte er die leicht angespannt klingende Stimme beruhigen, doch mit einem Mal kamen ihm selbst erhebliche Zweifel, brachte er doch keine einzige Silbe über die Lippen und vermochte auch sonst keinen Muskel zu regen – von seinem schwach aber rasend pochendem Herzen einmal abgesehen. Auch schien der Nebel sich in einen nasskalten Film verwandelt zu haben, der ihm wie klammer Schweiß auf der Haut zu kleben schien. Dazu kam noch ein pochender Schmerz in der Schulter und ein unerklärlich fester Druck um Schultern, Rücken und Bauch. „Hör zu, vielleicht fragst du doch besser wen Anderen, aufzupassen? Ich, ich glaube es geht mir selbst gerade nicht so gut.“ Wieder erklangen die Worte nur in seinem Geiste, derweil er langsam eines kalten harten Untergrunds in seinem Rücken gewahr wurde, und den schmerzenden Gliedern nach mochte er Stunden bereits so dagelegen haben. Doch die Stimme mochte ihn eh nicht mehr hören, den hastig davoneilenden Schritten nach zu urteilen.

Mühsam zwang der Kriegerbarde sich dazu die Augen zu öffnen. Die fremde Frau verließ sich darauf das er auf – ja auf wen eigentlich – aufpasste, bis sie wieder zurückgekehrt wäre. Freudig kam Luzifer an seine Seite und schnurrte behaglich, als Sqeulaiche Dubh matt eine Hand hob, dem Tier abwesend durchs Fell zu streichen. Tief ein und ausatmend schloss er kurz die Augen, ehe er sich langsam in eine sitzende Position erhob. Der Schmerz in seiner, wie er jetzt erkannte, bandagierten Schulter, war erträglich, indes der plötzliche Schwindel – ein Zeichen größeren Blutverlustes – ihn doch merklich mitnahm. Doch vermochte der Kriegerbarde die sitzende Position beizubehalten, bis der erste Schwindel schließlich verschwand. Erst jetzt des schmerzlich grellen Lichtes gewahr werdend, rückte er hastig die Augengläser wieder zurecht und versuchte sich zu orientieren. Da! Der längliche Schatten zu seiner Linken musste der fallengelassene Krückstock s- … Als er mit der Linken dorthin und ins Leere langte und der Schatten sich darauf auf seinem Handrücken abmalte. „Verdammte Schatten, aber wo…?“ Ein Maunzen Luzifers, ein paar Schritte entfernt am Grabenrand ließ ihn aufblickend. Mühsam zog er sich, aufgrund seines lädierten Knies unfähig auf allen Vieren zu riechen die Beine schlicht hinterherziehend, zu dem neuerlichen länglichen Schatten inmitten seines getrübten Gesichtsfeldes hin. „Danke Luzifer!“, sprach er, als seine Finger endlich den Spazierstock umklammerten. Mit dem als Krücke vermochte er nun endlich auch das linke Bein dabei entlastend, zu einer nahen Hauswand zu kriechen und an dieser dann sich emporzustemmen.

Es mochten Ewigkeiten vergangen sein, oder aber auch nur Augenblicke, bis der neuerliche Schwindel – und die blutverlustsbedingte Schwäche endlich etwas nachgelassen hatten. Soweit möglich, wischte er sich Dreck und Staub von der Kleidung und kämpfte leise gegen ein plötzliches, sengendes Durstgefühl an. Er konnte nicht viel sehen und wusste drum auch nicht auf wen aufzupassen jene Stimme ihm aufgetragen hatte. Aber zumindest hier, im Schatten des Hauses, ihre Rückkehr abzuwarten – wie ihm aufgetragen – sollte er sich doch bemühen. Den toten Mann, nur wenige Schritte entfernt, bei diesem grellen Licht nicht als solchen erkennend und den aufdringlichen Gestank nach geronnenem Blut seiner augenscheinlich eigenen Schulterwunde zusprechend, stand er darum noch immer so da, den Rücken gegen eine nahe Häuserwand gelehnt und krampfhaft sich am Spazierstock festhaltend, als hastende Schritte sich ihm eiligst nahten.
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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Eleah » So, 16. Jun 2013 18:55

"Vater! Vater?!" Die Tür fiel hinter ihr laut ins Schloss, während sie hastig und geistesabwesend die Besorgungen auf dem nächstbesten Tischchen abstellte. Eilig war sie nach Hause gelaufen und hatte das kleine Häuschen nicht schnell genug erreichen können. Das zweistöckige Haus war nicht groß, hätte aber durchaus auch einem weiteren Familienmitglied Platz geboten. Die Zimmer waren recht geräumig, die Möbel mit Geschmack ausgesucht und im besten Zustand. Das Haus der Familie hatte einen eigenen, vom Gasthaus unabhängigen Eingang. Allerdings war es durch eine Tür mit eben jenem verbunden, die vom Wohnzimmer in die Küche des Gasthauses führte, die wiederum gleichermaßen für das Geschäft und den Privatgebrauch genutzt wurde.
"Vater?!", rief sie abermals, konnte ihn hier unten nicht sehen und hastete deshalb zur kleinen Treppe, die in die obere Etage führte. "Ja?" Eleah war erleichtert, endlich eine Antwort zu bekommen. "Ich bin hier oben, was ist los?" Selten hatte Aravarn seine Ziehtochter so aufgeregt erlebt, wie ihre Stimme im selbst auf diese Entfernung verriet. Deshalb unterbrach er sogar seine Arbeit und kam die Treppe hinunter. Eleah schien völlig durcheinander zu sein, so wie sie mit großen Augen helfend zu ihm hinauf schaute. Als zweites fiel sein Blick auf die Blutspuren in ihrem Gesicht und an den Händen. "Bei den sieben Göttern! Was ist passiert, geht es dir gut?" Er eilte zu ihr hinab und griff nach ihren Händen, schob dann die Haare auf der Stirn zurück und war froh, keine Wunden zu finden.
"Ja", antworte Eleah und dann, "Nein." Nichts war in Ordnung! Sie musste sich beeilen, bevor der Mann auf der Straße starb.
Hastig erzählte sie ihm, was passiert war, wobei sich ihre Stimme mehrmals überschlug. Aravarn verstand nicht alles bis ins Detail, dafür erzählte Eleah viel zu schnell, aber er konnte sich das Ende vom Lied zusammen reimen. Schnell war ein Plan entwickelt, wie sie dem Mann helfen konnten - dass sie dies tun würden, stand für beide außer Frage, weshalb sie darüber auch erst gar kein Wort verloren. Bevor sie jedoch ins Freie traten, hielt Eleah noch einmal inne und schaute ihren Vater an. "Eines noch: Er hat goldene Augen." Sie wusste gar nicht mehr, ob sie sie wirklich gesehen hatte oder es nur eine Einbildung gewesen war und ihr Verstand ihr einen Streich gespielt hatte. Wenn das aber nicht der Fall war, war das ein brisantes Detail. Die Worte standen kurz zwischen ihnen, gelangten zu Aravarn und wirkten, ehe er nickte.

Eleah wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, aber es mochte maximal die Hälfte einer Stunde verstrichen sein, bis sie, die Straße hinunter eilend, zum Ort des Geschehens gelangten. Sie führte ihren Vater, der den Handkarren der Familie hinter sich herzog, zu dem Platz. Auf die Schnelle war ihnen nichts anderes eingefallen, um den bewusstlosen Raéyun einzusammeln und zurück zum Haus zu transportieren. Auf dem Karren würde er zwar nicht unbedingt bequem liegen, aber er war lang genug und an den Seiten strebten hölzerne Stäbe empor, sodass die üblichen Waren und Fässer - oder in diesem Fall ein Mensch - nicht hinaus fallen konnten.
"Hier ist es", verkündete Eleah atemlos. Auch Aravarn war das Rennen nicht gewöhnt und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Auch in der Goldenen Brücke war das Treiben schnell und hektisch. Aber das hier war bei Weitem etwas anderes.
"Jedenfalls war er hier", fügte die junge Taurrin hinzu und blickte verwirrt und ratlos zu dem alten Mann am Boden, der ihr zumindest versicherte, dass sie sich all das nicht eingebildet hatte.

Sie sah sich um und hegte schon die Befürchtung, dass der Raéyun weggebracht worden war. Doch dann sah sie ihn an der Seite an einer Häuserwand stehen. Er sah leichenblass aus, auch wenn das seinem Aussehen kaum schadete, und stütze sich erschöpft auf einen Stock. Seine Augen waren durch die dunklen Gläser verdeckt, was Eleah jedoch erleichtert zur Kenntnis nahm. So konnte sie sich immer noch einbilden, dass er gar keine goldenen Augen hatte oder die Gläser sie vor seinem Blick schützen würden. Auch die schwarze Katze war noch da und stand wie eine Wache neben ihm. "Da seid Ihr ja!", rief Eleah erleichtert und ohne falsche Zurückhaltung aus, als sie ihn dort stehen sah. Sie eilte zu ihm hinüber, während ihr Vater zwar in Hörweite trat, aber im Hintergrund blieb, von wo aus er die beiden genau beobachtete.
"Wie geht es Euch? Dass Ihr überhaupt laufen könnt." Sie war überrascht, aber auch sehr froh, dass er die Kraft gefunden hatte, aufzustehen. Auch wenn es ihr unmöglich erschien, dass er soweit von seinem Platz hier her hatte laufen können. Offenbar hatte sich die Anstrengung gelohnt, obwohl die Erschöpfung fürs Erste vergessen war und sie später Eleah wohl mit doppelter Intensität einholen würde.
Von so nahe wirkte seine dunkle Brille eher irritierend auf sie, aber während andere in ihrem Fall seinem Blick ausgewichen wären, siegte bei ihr die Neugierde und sie versuchte durch die Gläser hindurch eine Bestätigung für die goldenen Augen zu erkennen - schließlich hatte sie auch nichts zu verbergen oder zu verlieren. Doch seine Brille tat ihren Dienst wirklich gut. Was sie wiederum weiter rätseln ließ. Schließlich wandte sie doch kurz den Blick ab, als sie den Trinkschlauch vom Gürtel löste.
"Hier trinkt das!" Damit reichte sie ihm eben jenen, der mit starkem Alkohol gefüllt war. "Wir dachten, Ihr könntet die Wärme und Wirkung gut gebrauchen", erklärte sie fast entschuldigend. "Wie geht es Euch?", fragte sie erneut, dieses mal mit der Absicht, ihn auch antworten zu lassen und nicht einfach weiter zu erzählen. Dass er vielleicht gar nicht wusste, wer sie war, daran dachte sie in diesem Moment nicht. Sie ging davon aus, dass er es wusste, schließlich hatte er sie angesehen und sie mit ihm geredet.

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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » So, 16. Jun 2013 19:46

Fassungslos starrte er den unklaren Schemen vor sich an, erinnerte vage einen Traum und eine bekannte und doch fremde Stimme, die von Vertrauen sprach und … eben jene Stimme der Gestalt vor ihm! Wie es ihm ginge, und das er überhaupt laufen könne sprach sie. „Dafür das“, matt und kaum vernehmlich kamen ihm die ersten Worte nur über die Lippen. „Schlafes Bruder mich beinahe zum letzten Tanz mitgenommen hat,“ Schwankend lehnte er den Kopf, den er beim Sprechen dem Schemen vor sich zugewandt hatte, wieder an die kühle glatte Fassade in seinem Rücken und atmete zwei Mal tief ein und aus. Als der Schwindel, der sich auch an seinem verkrampfenden Griff um den Stock und einem leichten Schwanken äußerte, etwas abgeklungen war, beugte er sich wieder der Gestalt vor sich entgegen. „… gut vermute ich. Was ist passiert?“ Das er nicht gelaufen sondern wie ein verwundetes Tier zur nahen Mauer hin gekrochen war – nun, seine Eitelkeit schien nach wie vor prächtig und ausgeprägt, vermied er doch diesen der Stimme Fehleinschätzung angemessen zu korrigieren.

"Hier trinkt das!" Hastig hob er den Schlauch, der ihm in die Rechte Hand gedrückt worden war an die Lippen und tat einen ersten gierigen Schluck, den brennenden Durst zu stillen. Doch statt kühlendem Nass schien flüssiges Feuer vielmehr seine Kehle hinab zu rinnen. Keuchend ging er in die Knie und verdankte es nur seiner guten Schule, der Gestalt den noch im Mund befindlichen Restalkohol nicht schamlos entgegenzuspeien. Hustend, nachdem er sich zu einem mühsamen Herunterschlucken gezwungen hatte, kauerte er auf allen vieren am Boden und mochte, ob des neuerlichen Schwindels, nicht einmal diese Position beizubehalten. "Wir dachten, Ihr könntet die Wärme und Wirkung gut gebrauchen" kamen darauf die unschuldigen Worte der Frau, wie er jetzt erkannte, nach. Vertrauen soll ich ihr also, Schwester, ja? So plötzlich ihm der Gedanke kam, so sehr befremdete er ihn. Seine Schwester war schon lange tot, seit… er verfolgte den Gedanken nicht weiter, erkannte nur das er der Gestalt vor sich tatsächlich – ein Stück weit vertraute.

Aber wie das, hatte er doch noch nicht einmal einen Blick in ihre Seele doch erhaschen können und – war es nicht eine Katze gewesen, eine weiße Katze, der er trauen sollte? So sehr er auch versuchte jenen flüchtigen Traum festzuhalten, so sehr entglitt ihm dieser immer wieder und kehrte dann aber augenscheinlich mit kleinsten Fragmenten zu ihm zurück, mit Scherben von Scherben eines großen Ganzen, mit Scherben die für sich genommen unverständlich ihm doch blieben. Aber was sollte es? Es war schließlich nur ein Traum gewesen und anders als seine Schwester, damals, war es ihm nie möglich gewesen die Welt der Träume… aber er wollte nicht an seine Vergangenheit erinnert werden, wollte vielmehr vergessen. Mühsam stemmte er sich aus der liegenden wieder in eine sitzende Position. „ Könnt, könnt Ihr mich zu Brânnándôn dem Barden bringen, zum Gasthaus an der Brücke über den Aras? Ich, ich ... darf nicht zu spät kommen, kann die Hochzeit ohne mich doch kaum beginnen!“

Das sein Gegenüber mit diesen Worten und ohne weitere Erklärung nichts anfangen konnte, ahnte er in diesem Moment nicht, noch wie befremdlich es sein mochte eingedenk des nahen, wie von ihm aber immer noch nicht gewahrten Toten, von der Sorge einer wegen ihn möglicherweise sich verspätenden Hochzeit zu klagen. Mühsam und deutlich zitternd auf seine Gehilfe sich dabei aufstützend, versuchte der Raéyun – dieses Mal vergeblich – sich erneut aufzurichten, seine Worte der Dringlichkeit dadurch noch zu unterstreichen.
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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Eleah » So, 16. Jun 2013 20:50

Einen Moment lang fragte sie sich, ob sie vielleicht doch zu schnell geredet hatte, wie es ihr ihre Mutter immer so oft vorhielt. Aber vermutlich war der Mann noch zu benommen, um in derselben Schnelligkeit wie sie zu antworten und zu reagieren. Tatsächlich schien es ihm, obwohl er es bis hier her geschafft hatte, nicht sehr gut zu gehen. Er schloss immer wieder die Augen und schwankte recht stark, sodass sie mehrmals versucht war, ihn zu stützen, es dann aber doch ließ.
Die Idee mit dem Alkohol war wohl nicht die Beste, wie sich schnell herausstellte und Eleah erschreckend feststellte, als der Mann nun endgültig zusammen brach. Während Aravarn einige Schritte näher heran kam, kniete sich Eleah nun tatsächlich neben den fein gekleideten Mann, um ihm zu helfen, sich wieder aufzurichten. "Tut mir leid", murmelte sie, war der Alkohol doch dazu gedacht gewesen, die Lebensgeister eines Bewusstlosen zu erwecken. Seiner Reaktion nach hätte das starke Getränk dafür wohl auch gesorgt. "Kommt, ich helfe Euch."
Sie versuchte ihm eine gute Stütze zu sein, als er versuchte, sich hinzusetzen, während sie ihm seine Frage beantwortete: "Ich habe Euch heute in aller Frühe hier gefunden. Ihr habt bewusstlos und verletzt auf dem Boden gelegen, neben Eurem.. Freund", mutmaßte sie und schickte deshalb ein ehrliches: "Es tut mir leid" hinter her. "Ich habe versucht, wenigstens Euer Leben zu retten und habe Eure Wunde – ehrlich gesagt nicht sehr fachmännisch – verbunden und habe dann Hilfe geholt." Dass sie versucht hatte, seine Kräfte zu beeinflussen, beinhaltete die Aussage, dass sie versucht hatte, sein Leben zu retten. Während ihrer Schilderung der Geschehnisse hatte er es bereits geschafft, sich an die Häuserwand zu setzen.

Als er sie darum bat, ihn zu irgendeinem Barden zu bringen, damit er nicht zu spät zu einer Hochzeit kam, konnte Eleah nicht glauben, dass ihn im Moment nichts anderes als dieses beschäftigte. Außer.. "Ihr heiratet?", platzte es ungläubig aus ihr heraus. Die Fassungslosigkeit über die bedeutungsvollen Folgen des Angriffs täuschte glücklicherweise über die plötzliche Enttäuschung hinweg, die Eleah bei dieser Vermutung empfand und über die sie sich selbst einen Moment lang wunderte.
"Wartet!", wies sie ihn dann plötzlich zurecht als er Anstalten machte, sich zu erheben. Diese Strenge, die sich nur zeigte, wenn sie ernsthaft helfen wollte, hatte ihr unbewusst ihre Mutter gelehrt. Auch bei ihr verfehlte der Ton meistens nicht seine Absicht. "Die Goldene Brücke meint Ihr wohl. Dorthin wollten wir Euch sowieso bringen." Sie schmunzelte. "Wenn Ihr uns bitte begleiten würdet. Den Rest klären wir später." Wie auf ein geheimes Zeichen trat nun Aravarn neben sie und erklärte dem Verletzten, dass er sich auf den Karren setzen möge, wobei er ihm mit starken Armen helfen würde. "Wo finden wir Eure Versprochene? Dann können wir sie wenigstens informieren. So könnt Ihr ihr an diesem Tage kaum entgegen treten." Eleah hatte nichts von einer Hochzeit gehört, die in der Nähe der Brücke stattfinden sollte. Aber das musste auch nicht unbedingt etwas bedeuten und es spielte jetzt auch keine große Rolle. Wichtig war, dass seine baldige Frau nicht im Unwissenden wartete und mit dem Schlimmsten rechnen musste, weil er nicht auftauchte.

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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » So, 16. Jun 2013 21:54

„Freund?“ Er war alleine gewesen als… ja was eigentlich? Er hatte, des Nachts, wenige Schritte erst zurück gelegt, den Duft der Räucherstäbchen vom nahen Schrein beinahe noch in der Nase als… Oh ja, er erinnerte sich.„Luzifer!“ Behände sprang das kleine Tier ihm auf den ausgestreckten Arm, holte sich seine kleine, wohlverdiente Streicheleinheit ab und sprang darauf Eleah auf die Schulter, wo sie es sich, allem Anschein nach, schnurrend gemütlich zu machen beliebte. „Von welchem Freund sprecht ihr? Lasst ihn mich sehen, bitte!“ Die Entschuldigung Eleahs zuvor, hatte er schlicht mit einem leisen Lächeln quittierte. „ Ihr hättet mich nur warnen sollen.“ Nicht der Hauch eines Vorwurfes hatte in der sanften Stimme des Raéyun mitgeschwungen, als er sich erhob und wenig später dann von einem toten Freund erfuhr. Hatte Brânnándôn sein Ausbleiben dermaßen besorgt, das er aufgebrochen war ihn zu suchen – nur um dann aber in die gleiche Falle zu laufen, wie offensichtlich der Raéyun vor ihm? Die Unlogik eines Räubers der dann wohl mehrere Stunden neben dem Bewusstlosen ausgeharrt haben musste, entging Sqeulaiche in seinem gegenwärtigen Zustand und erst als er sich schließlich, mit der Hilfe seiner beiden freundlichen Begleiter, so nahe zu dem Toten herab beugte und zusätzlich gar noch die Augengläser dazu den Nasenrücken hinab schob, darüber hinweg blickend endlich des leblosen Mannes faltiges Gesicht sich aus dem grellen Umgebungslicht herausschälen zu sehen… „Danaân, Danaân – Du also! Sag, alter Weggefährte, war es das nun wert? Hättest Du mich nicht einfach ziehen lassen können?“ Die bedauernd gesprochenen Worte, sie mochten seine Helfer genauso befremden, wie die augenscheinliche Kurzsichtigkeit des sich dermaßen nahe zu dem Toten herab gebeugt und darob gar noch seine Augen gezeigt habenden Raéyun. Wortlos ließ er sich darauf zum Karren führen.

„ Ihr ‘habt’ mir das Leben gerettet, und dafür danke ich Euch – kleiner Geist!“, erwiderte der Barde unterwegs, plötzlich das Gesicht und die Augen der Katzenelfe aus dem verschleiert grellen Umgebungslicht sich herausschälend sehen. ‘Sie’ also war das Gesicht aus seinem Traum, die Stimme – die weiße Katze, respektive Taurin… wie er mit einem Mal erkannte. ‘Sie’ war der Geist aus seinem Traum! Und mit einem Mal fühlte er sich genötigt noch etwas Anderes rasch richtig zu stellen. „Nein, nicht meine Angetraute, nicht meine Hochzeit. Ich wurde nur gebeten mit Brânnándôn gemeinsam dort aufzuspielen und … da wir erst des Nachts von Stromwall her kommend hier eintrafen, ritt er schon einmal zum Gasthaus vor, derweil ich … ein Gebet für meine verstorbene Familie sprechen wollte.“ Nach diesen leisen Worten der Erklärung griff Sqeulaiche Dubh unter seine Kleidung, wo noch immer die kleine Querflöte in einer gepolsterten speziellen Innentasche stak und setzte mit einem hinter schwarzen Gläsern verborgenem trauernden Blick zu einem alten wie elfischen Totenlied an, welches die Barden von Elminaén ihn einst gelehrt hatten. Der letzten Melodie jenes Stückes schloss eine weitere Melodie an, welche den Geistern des Windes auftrug, seinen Dank ob des eigenen Überlebens gen der fernen Berge zu tragen. Verzaubernd, das links und rechts des Wagens Gespräche verstummten und erst lange nachdem der Wagen sie passiert hatte, die Zuhörer wieder ganz zu sich selbst fanden erklang die Melodie von seinem Instrument, ehe er es wortlos wieder einsteckte und erneut die Schwarze Katze auf seinem Schoß kraulte, welche mit einsetzten jener zweiten Melodie es sich dort gemütlich gemacht hatte.
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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Eleah » Sa, 22. Jun 2013 14:02

Seiner Nachfrage nach zu urteilen, war er wohl nicht mit einem Freund unterwegs gewesen. Umso besser, wäre doch der Verlust dessen mit Sicherheit sehr schwer für ihn gewesen. Aber wenn der Tote nicht sein Freund war, wer war er dann? Das Rätsel wollte sich einfach nicht auflösen. Die Katze, Luzifer, riss sie aus ihren Grübeleien. Was für ein interessanter Name, Eleah hatte noch nie einen vergleichbaren gehört, schon gar nicht für ein Tier. Sie kicherte fröhlich, als ihr die schwarze Katze auf die Schulter sprang und sich ihr Schnurren kurzzeitig verstärkte, als sie ihr über den Kopf strich. Sie mochte Katzen sehr, sie waren ihr lieber als Hunde, auch wenn sie nicht genau sagen konnte, wieso. Vielleicht weil sie so ein sanftes Wesen hatten, sich mit ihrem eigenen Kopf tagelang nicht blicken ließen und dann wiederkamen, um sich still neben einen zu legen.
Sie beobachtete gewissenhaft, wie sich der Verletzte erhob und half ihm zusammen mit Aravarn, ihn zu stützen und zu dem Toten zu geleiten. Sie hoffte, dass sich der Raéyun – wenn es kein Hirngespinst war – schnell wieder erholen würde. Und ob des Hirngespinstes, das sie nicht aus ihrem Kopf bekam, beugte sie sich mit dem Verletzten hinab und schaute unauffällig in Richtung seiner Augen, um sie zu sehen, falls sich eine Gelegenheit ergab. Tatsächlich rückte er die dunklen Gläser zurecht und Eleah erkannte das Funkeln sofort wieder. Ihr Vater und sie tauschten einen bedeutungsvollen Blick über den Raéyun hinweg. Ein paar Raéyun waren schon Gast in der Goldenen Brücke gewesen und Fangrul, zwar keiner dieses Volkes, aber ein Naturmagier, war ein enger Freund der Familie. Bei ihnen zu Hause war bisher jedoch noch keiner der Goldaugen gewesen. Auch wenn ihr Vater und entsprechend auch sie eine offene Weltanschauung besaßen, war es doch noch etwas anderes, einem Raéyun, über die es unzählige, geheimnisumwobene und teils gruselige Geschichten gab, die Tür zum privaten Haus zu öffnen.
Eleah wunderte sich darüber, wie er mit dem Toten sprach, deren Anblick die Katzenelfe zu meiden versuchte. Es war schmerzlich daran erinnert zu werden, nichts mehr für ihn tun zu können. Sein Name war also Danaân, ein alter Weggefährte, der ihm mittlerweile nicht mehr allzu gut gewogen zu sein schien. Trotz dieser neuen Informationen brach kein Licht in das Dunkel. Aber jetzt war auch nicht der richtige Augenblick, den verletzten Raéyun über all das auszufragen. Als Erstes brauchte er eine richtige Behandlung und dann viel Ruhe. Deshalb war sie froh, dass er sich bereitwillig auf den Karren niederließ, den Aravarn zurück zum Haus zog. Um den Toten würde er sich kümmern, wenn er selbst erst einmal untergebracht worden war, richtete er das Wort an den Überlebenden.

Eleah lief neben dem Karren her, da sie mit ihrer wenigen Körperkraft wohl keine Hilfe für ihren Vater war und ihm sowieso nur im Weg sein würde.
"Ihr ‘habt’ mir das Leben gerettet, und dafür danke ich Euch – kleiner Geist!" Eleah sah auf und vergewisserte sich, dass die Worte seiner sanften Stimme erneut ihr galten. Geist? Dieser Name, den er ihr gab, irritierte sie zuerst. Welche Frau wurde schon gerne ein Geist genannt? Aber die Art, wie er sagte, ließ sie lächeln. "Ohne Eurer treuen Katze" – dass diese wie selbstverständlich mit auf den Wagen gesprungen war, hatte Eleahs vorherige Annahme über ihre Beziehung nur verstärkt - "hätte ich Euch vermutlich gar nicht bemerkt. Und dass ich Euch geholfen habe, stand außer Frage." Sie wollte ihm gerade sagen, dass er sie doch ruhig Eleah nennen konnte, als er plötzlich fortfuhr und die erwähnte Hochzeit und die Umstände seines Hierseins erklärte. Es war also nicht seine Hochzeit. "Oh gut!", kommentierte Eleah diese Tatsache und bemerkte erst danach die Euphorie, mit der sie es ausgesprochen hatte. "Ich meine.. ähm.. es wäre auch ein ziemliches Dilemma, wenn einem so etwas am Hochzeitstag passierte." Damit lächelte sie und wandte den Blick ab und ließ ihn weiter erzählen. Wieder sprach er von Brânnándôn, sie erinnerte sich, ein Barde. Vielleicht auch ein Raéyun? Sicher war er im Gasthaus neben der Goldenen Brücke untergekommen. Ihn zu finden, dürfte also kein größeres Problem darstellen, dachte sie voller Zuversicht. Als er dann aber über seine verstorbene Familie sprach, erlosch das letzte Lächeln auf ihren Lippen. Ob auch seine Schwester dazu gehörte und er sie im Fiebertraum gesehen hatte? Sie hoffte, dass wenigstens sie lebte und er damit noch ein Stück Familie auf der Welt besaß. Sie überlegte noch, was sie sagen sollte, als eine Melodie an ihr Ohr drang, die eine eigene Traurigkeit mit sich trug. Sie sah zu dem Raéyun, der das Lied angespielt hatte. Es erinnerte sie an die Wälder von Sieryan und an ihre Mutter und bei seinem Klang verspürte sie das unbekannte Gefühl von Heimweh, das sie traurig machte.


Als sie das nächste Mal blinzelte, war Aravarn stehen geblieben. Erst im nächsten Moment bemerkte Eleah, dass die Melodie verstummt war. Sie sah irritiert von ihrem Vater, fragend zu dem Raéyun, der seine Katze kraulte. "Wir sind da", bemerkte Aravarn trocken. Vermutlich, um den Verletzten darüber zu informieren, aber vielleicht auch, um sich selbst darüber bewusst zu werden. Eleah sah zu dem kleinen Haus neben ihnen. Der Rückweg war gar nicht so lang gewesen, wie der Weg zu dem Verwundeten. Eben noch waren sie doch noch an dem Platz des Uberfalls gewesen.. Als sie das kleine Haus in der Straße betrachtete, das fast ihr ganzes Leben lang ihr Zuhause gewesen war, wurde ihr plötzlich eines bewusst: Es war nicht Heimweh gewesen, das sie bei der Melodie verspürt hatte. Es war Fernweh gewesen.
Wenn sie versuchte, sich an die Melodie und ihren Klang zu erinnern und an die Bilder, die sie in ihr geweckt hatte, war da nur Dunkelheit und Unwissenheit. Was eben noch so klar vor ihrem inneren Auge zu sehen gewesen war, war nun nicht mehr da. "Kommt, wir gehen hinein." Sie musste sich von diesem befremdlichen Gefühl ablenken und half dem Raéyun sich zu erheben und ins Haus zu gehen, auch wenn er für all die vielen Fragen in ihrem Kopf verantwortlich war.

Der Duft von Holz und Kräutern hing in der Luft, als sie das Haus betraten. Es war schlicht eingerichtet, aber viele Möbel besaßen kleine Schnitzereien, die Aravarn vornahm, wenn er Zeit dazu hatte. In dem Raum befand sich ein kleiner Tisch, einige Stühle und Hocker sowie kleine Schränkchen, Regale und Truhen. Sie besaßen sogar einen Kamin, vor dem ein gepolsterter Sessel stand und einige Decken und Kissen lagen. Insgesamt war schon diesem Zimmer anzusehen, dass die Goldene Brücke ein gutes Geschäft war und ein gutes Leben ermöglichte. Neben der Tür, die mit der Küche des Gasthauses verbunden war, stand eine Bank und ein länglicher Tisch, wie sie auch zu Hauf im Gastraum zu finden waren. Daneben stand ein kleiner, robuster Schrank, auf dem wiederum allerlei Schüsseln, Schälchen, eine Karaffe aus Ton und kleine Beutelchen und handliche Schachteln lagen. Zu eben jener Ecke führte Aravarn den Verletzten, während Eleah vorauseilte und die Bank mit einer Decke und zwei Kissen versuchte, gemütlicher zu machen.
"Ihr könnt Euch erst einmal hier hin setzen. Eine Liege gibt es nur oben und Ihr solltet Euch zuerst schonen", erklärte sie und lächelte ihm zu. Als er saß, verschwand Aravarn über die Treppe in das zweite Geschoss des Hauses.
"Ich bin übrigens Eleah. Wie heißt ihr?" Sie sah über die kleine Tür des Schrankes, in dem sie eben wühlte, zu ihm hinüber. Dann beförderte sie weitere Dinge, wie frische Verbände und weitere Schalen und Beutelchen zu Tage, die sie auf den Schrank legte und die scheinbare Unordnung damit verstärkte. Als sie nichts weiter brauchte, richtete sie sich wieder auf und begann die Dinge, die sie brauchte, auf dem Tisch zu sortieren.

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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Sa, 22. Jun 2013 20:41

Ein angenehmer Duft nach Holz, Harz und Kräutern umschwebte den Raéyun, als er von seinen freundlichen beiden Helfern in das Innere des Hauses geleitet wurde. Er war um die Hilfe der Taurin dankbar, hatte doch unter dem Verband die Wunde scheinbar wieder zu nässen begonnen, stützte sich aber doch auch mutig und mit zusammengebissenen Zähnen auf den verzierten Spazierstock, sich nicht zu schwer an der doch recht fragil scheinende Helferin festhalten zu müssen. Luzifer hatte, unbemerkt von ihm, sich zum Stall eines nahen Gasthauses davongestohlen, wohl um sich den dort ansässigen Mäusefamilien vorzustellen und nach Möglichkeit auch gleich zum Essen dort einzuladen. Doch das, was er hier fand, war nicht was der Raéyun erwartet hatte. Meinte die Taurin nicht das sie zu einem Gasthaus wollten? Das hier aber sah nach einem sehr persönlichen, privaten und heimeligen Zuhause aus, nicht nach einer Lokalität für fremde Gäste. Das heißt… Nein, trotz der langen Bank und dem Tisch davor, zu welchen ihn die beiden Helfer führten und das schon eher nach dem geeigneten Mobiliar einer gutbesuchten Wirtsstube ausschaute… Keine Gäste, dafür aber – war das eben ein Klappern von Töpfen hinter jener schweren Tür gewesen? Ungläubig weiteten sich seine erkennenden Augen hinter den dunklen Gläsern. Als ein das Reisen gewohnte Raéyun wusste er um den Wert von Privatsphäre und auch um die Rigorosität mit der die meisten Gastleute ihr Privatleben vom Beruflichen doch trennten. Ja, machte er es nicht recht ähnlich, wenn er als Barde fröhlich aufspielte und dann aber seine Stunden in der Zurückgezogenheit sich nicht nehmen ließ.

Beinahe wollte er schon wieder von der mit Decken und Kissen gepolsterten Bank sich erheben und mit einem kurzen Dank empfehlen. Hier und jetzt diese Hilfe anzunehmen, bedeutete das nicht sich in deren Schuld zu begeben? Doch mit einem leise hissenden Atmen sank er wieder zurück. Die Verletzung verlangte dringend nach Ruhe und stand er nicht schon längst in der Taurin Schuld? Hatte sie ihm nicht schließlich zweifelsfrei das Leben gerettet? War er nicht schon mit einem Fuß auf jenem letzten Weg gewesen, als – „Vertrau ihr!“ Wie aus einem Traum, einem weit zurückliegenden an der Grenze zwischen Leben und Tod geträumten Traum erklang erneut die Stimme seiner älteren Schwester in seinem Geiste. Doch dieses Mal war es einzig seine Erinnerung an jenen Traum gewesen, der längst verblasst schien und nur in Fragmenten immer wieder hervor kam. Ein dunkle, eine raue und zugleich fremde wie vertraut klingende Stimme war es im Traum gewesen, die zu ihm gesprochen hatte. Eine Stimme, deren Klang ihm nun im Wachen längst wieder entglitten war und dem er darum in Ermangelung klarer Erinnerungen den Klang verliehen hatte, den seiner Schwester Stimme damals, in Kindheitstagen gehabt hatte. „Ich kann nicht, Schwester!“ antwortete er im Geiste und seufzte leise.

„Ich bin übrigens Eleah. Wie heißt ihr?“ ‘Du schuldest es ihr, Bruder!’ Sqeulaiche unterdrückte den Impuls, die zu Fäusten geballten Hände gegen seine Schläfen zu pressen. Stimmen zu hören war kein gutes Zeichen – auch wenn er wohl erkannte das diese „Stimme“ wohl nur Ausdruck einer inneren Zwiesprache war. Sqeulaiche konnte es aber dann doch nicht verbergen einen Ausdruck der schmerzlichen Anspannung zu zeigen ehe er die Augen hinter den dunklen Gläsern erneut öffnete. Seine Schwes- nein, verdammt! Sein Einwand hatte nichtsdestotrotz etwas für sich. Er schuldete Ihr… sein Leben. Tief atmete Sqeulaiche Dubh ein und danach aus. Es war nur die Anspannung, die Verletzung. „Man nennt mich Sqeulaiche Dubh.“, erwiderte er ebenso förmlich wie die Taurin vor ihm. „ Aber“, langsam griff er zu seinen Augengläsern und schob diese dermaßen bedacht den Nasenrücken hinab, das die Taur-, das Eleah alle Zeit der Welt hätte den Blick abzuwenden, sollte sie das wünschen. Er aber brauchte diesen einen Blick, den sie ihm – so hoffte er inständig – nicht verwehrte, hier im endlich wieder etwas dämmrigeren Licht des Hausinneren. „Meine Freunde, und wer immer mir das Leben rettet muss damit rechnen zukünftig von mir als solcher bezeichnet zu werden“, um sie nicht über Gebühr zu beunruhigen schob er die Brille wieder vor seine Augen. „sie rufen mich Dubh.“ Sqeulaiche Dubh lehnte sich zurück die geschlossenen Augen gen der Decke gerichtet. „Sqeulaiche bedeutet Geschichtenerzähler und bezeichnet was ich tue. Dubh bedeutet schwarz und sagt etwas darüber aus… wer ich bin.“

Ein wenig von Eleahs Neugierde erahnend, aber auch weil er nicht wollte das der Tote ein weiteres namenloses Grab nur erhielt oder eventuell gar er, Sqeulaiche Dubh, als an dessen Tod schuldig erachtet würde, sprach er leise weiter, derweil Eleah Tiegel, Töpfe, Scheren und Verbandsmaterialien ordnete. Er berichtete von seiner Reise von Norr Barrack durch die Eiswüste und den vielen kleinen Unfällen die eine solche lange und gefährliche Reise unvermeidbar mit sich brachte. Er sprach davon wie er unerkannt unter den Pelzhändlern gelebt hatte und wie alle Vertrautheit von jenen abgefallen war, als er – Sqeulaiche Dubh bei der Überquerung des Chabur beinahe sein Leben, für einen fatalen Augenblick aber statt dessen seine, die Iriden verbergenden, Augengläser verloren hatte. „Wenige Tage zuvor hatte Danaân die wohl betrüblichste Nachricht aller an der Reise Beteiligten vernommen. Seine daheim gebliebene Frau Myriella war an einem heimtückischen Fieber verstorben, und… “ Sqeulaiches Hand krampfte sich einen Moment merklich um den schweren Stock an seiner Seite. „Und wo vor dem Chabur noch alle von einer bedauerlichen Tragödie gesprochen hatten, wollte nun jeder schon immer gewusst haben das nur finsterste Magie und mein Groll ob einer Lappalie diesen grausamen Tod heraufbeschwört haben mochte.“ Ein Hauch von Bitternis und Resignation schwang einen Augenblick in des Geschichtenerzählers Stimme, ehe er, nun beinahe schon wieder glaubwürdig unbeschwert scheinend, schmunzeld von seiner Flucht dank des grässlichen Dudelsackspieles berichtete und davon, wie er daraufhin auf Burg Stromwall Zuflucht gesucht hatte, „und jetzt eigentlich nur Brânnándôn zum Gefallen mit zu dieser Hochzeit aufgebrochen bin, statt weiter hinter den sicheren Festungsmauern auszuharren, bis meine Verfolger einen anderen Grund für sämtliche Schlechtigkeiten der Welt gefunden haben.“

Sich vorsichtig aufrichtend und sehend das Eleah mit ihren Vorbereitungen anscheinend fertig war, fügte er noch leise an. „Danaân hatte Familie: Geschwister, Kinder… Ich bitte euch ihnen Bescheid zu geben was geschah, sobald ich fort bin - auch wenn sie meinen Worten wohl kaum Glauben wohl schenken werden. Sie sollen wissen wo er ist und Abschied nehmen können. Und“, die folgenden Worte kosteten ihn merkliche Überwindung, aber es ging nicht anders. „Und ihr solltet die Stadtwachen oder –oberen informieren, das ich zumindest vor jenen Rede und Antwort stehen kann.“ ‘Ehe meine Flucht weitergeht!’ beendete er in Gedanken seinen letzten Satz. Ein schwermütiger Barde war wohl das letzte das seine Helfer hier brauchen konnten. Darum auch sprach er zuletzt so auffällig vom Gehen. Sie sollte sich dessen gewahr sein, das sie ihn jederzeit wieder vor die Tür setzen konnten, sie ihm gegenüber in keiner Pflicht standen, ja vielmehr schon weit mehr ihm geholfen hatte, denn er je hätte erhoffen können. Und doch, zwischen diesen so heimeligen und reichbeschnitzten Möbeln, so nahe des Kamins… aber nein, er war ein Raéyun, ein Kriegerbarde, eine von den Geistern der Berge zur Rastlosigkeit verdammte Seele und – vielleicht – war dieses sein Schicksal, welches er mit den Seinen so unfreiwillig teilte, ja so unverdient gar nicht, wie er bisher stets gedacht hatte? Nachdenklich schloss er die Augen und versuchte sich, vergeblich, in der Vergessen schenkende Dunkelheit hinter seinen Augenliedern zu verlieren.
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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Eleah » So, 23. Jun 2013 11:35

Der Blick über die Schranktür zeigte ihr, dass ihr Patient inzwischen noch angespannter und müder war. Sicherlich schmerzte die Wunde und das stundenlange Liegen auf dem Boden hatte sicherlich sein Übriges zur Erschöpfung beigetragen. Sie musste zugeben, dass sie sich ähnlich fühlte, wie er aussah. Die Kopfschmerzen waren noch immer da und der leichte Schmerz pochte unaufhörlich gegen ihre Stirn. Trotzdem lächelte sie ihn aufmunternd an, nichts von seinem inneren Zwiespalt ahnend. Das, was sie für ihn taten, war in ihren Augen selbstverständlich. Normalerweise behandelte sie die kleinen Wehwehchen im Gastraum und die leicht Verletzten kurierten ihren Schmerz bei einem Bier aus. Aber er war sehr viel schwerer verletzt.. und er war nun einmal ein Raéyun. Sie kannte keinen von ihnen mit einem festen Wohnsitz, schon gar nicht in Fadrun. Sie konnte ihn also nicht auf die Straße setzen. Außer seine Schwester lebte hier, bei der er vielleicht im Moment lebte.
Als er ihr seinen Namen nannte, blickte sie von ihrem Sortiment zur Wundbehandlung auf. "Sqeulaiche Dubh", ein seltsamer Name, wie sie fand. "Aber.." Natürlich entging Eleah nicht, wie er seine Brille plötzlich senkte. Wie auch, lenkte diese doch immer wieder den Blick eines Betrachters auf sich. Auch Eleah konnte sich ihrer Wirkung nicht entziehen, weniger noch den dahinter ruhenden Augen. Tief im Inneren mochte da auch eine gewisse Restangst ruhen, war von den Raéyun doch wirklich nur wenig bekannt, was nicht aus Gerüchten, Geschichten und Annahmen bestand. Aber mehr noch war da die Faszination in der jungen Taurrin für diese Augen, die golden glommen, während ihre Blicke sich trafen. Seine Augen funkelten wie reiner Bernstein, aber sie konnten nicht über die Wehmütigkeit in seinem Blick hinweg täuschen. Sie gaben seiner blassen Haut und dem markanten und edlen Gesichtszügen einen neuen Anblick, der sie einen Moment melancholisch stimmte.
Es war nur ein kurzer Augenblick, so schnell schob er die Gläser wieder vor die Augen. Aber er hatte mit einer Absicht so gehandelt. Was er wohl gesehen hatte? Sie selbst hatte diese Augen so sehr sehen wollen, dass sie sich über die Folgen des Blickes keine Gedanken gemacht hatte. Dass sein Name so etwas wie 'schwarzer Geschichtenerzähler' bedeutete, verunsicherte sie eigentlich nur noch mehr. Trotzdem stand sie einfach nur da und starrte ihn an, als er ihr, angefangen von der Bedeutung seines Namens, plötzlich so viel erzählte, dass sie erst nach ein paar Sätzen realisierte, dass er ihr einfach so einen Teil seiner Geschichte erzählte. Damit hatte sie nicht gerechnet. Bisher hatte er zwar freundlich, aber nicht sehr redselig auf sie gewirkt. Als ihr bewusst wurde, wie unhöflich sie einfach nur da stand und ihn ansah, wandte sie sich schnell wieder ihren Mittelchen zu und ordnete diese unnötigerweise noch einmal.

Er berichtete eben von der Überquerung des Chaburs, als sie ihre Sachen nahm und sorgsam auf den Tisch vor ihm ablegte. Dazu gehörten saubere Verbände, eine Schüssel mit einer nach Rosen riechenden klaren Flüssigkeit, ein Tiegelchen mit einer Paste mit undefinierter Farbe sowie einige Tupfer und eine grobe Schere. Er erzählte ihr von Danaân und dem Vorfall, der sie zu Kontrahenten gemacht hatte. Trotz seines Schmunzeln konnte sie sich nicht vorstellen, dass er diese Anschuldigung so unbeschwert hingenommen hatte. Trotzdem sah sie ihn mit einem leichten Lächeln an, vor ihr musste er sich schließlich nicht rechtfertigen. Er kam also von Burg Stromwall und seinen Erzählungen nach war er wohl doch kein Adeliger, wie sie zuerst befürchtet hatte, auch wenn er so edel gekleidet war.

Tatsächlich schien er davon auszugehen, schnell wieder weiter ziehen zu können – oder sollen. Eleah ging darauf nicht ein, auch wenn sie es vernahm. Es war keine Seltenheit, vor allem bei den Männern nicht, dass ihre Patienten ihr so wenig Arbeit wie möglich machen wollten und sich ungerne helfen ließen oder gar aufdrängen wollten. Etwas, dass ihr schon genug Dank war, aber etwas, worauf sie selten noch näher einging. Er würde erst einmal bleiben und sich ausruhen müssen. Auch Aravarn schien das so zu sehen, der vorher still am Absatz der Treppe gestanden und zugehört hatte und nun, sich wieder bemerkbar machend, die Treppe hinab kam. Er trug ein Bündel sauberer Kleidung auf dem Arm und legte sie ebenfalls auf den Tisch.
"Das ist sehr ehrbar von Euch." Er nickte Sqeulaiche zu. Es war ihm sichtlich sympathisch, dass sich der Raéyun nicht einfach davon stehlen und die Wachen über den Mord aufklären wollte. Insgesamt machte er einen recht anständigen Eindruck auf ihn. Andernfalls wäre er noch etwas geblieben und hätte den Fremden beobachtet. Er erschien ihm im Moment jedoch entweder freundlich oder hilflos genug, sodass Eleah seiner Meinung nach die Situation unter Kontrolle hatte. "Ich wollte sowieso eben gehen und die Wache über den Toten informieren. Ich werde ihnen von Danaân und seiner Familie berichten." Er sah von seiner Tochter wieder zu dem Gast seines Hauses. "Ihr könnt nachher meine Kleidung anziehen, dann kann meine Frau die Eure waschen."
"Wo ist sie überhaupt?", schaltete sich Eleah ein und erkundigte nach ihrer Mutter, bevor Dubh auf Aravarns Worte reagieren konnte.
"Sie wird wohl erst später kommen.. Ich werde jetzt losgehen, bevor sich eine panische Menge um Danaân versammelt und alle kopflos durch Fadrun rennen", verabschiedete er sich mit einem verschmitzten Grinsen und ging.
Eleah sah ihm kurz nach. Ihre Mutter war wohl wieder unterwegs, wie so oft. Dabei hätte sie ihre Hilfe gut brauchen können. Nun musste sie sich wohl ihre Lehre ins Gedächtnis rufen, um keinen Fehler zu machen. Sie drehte den Kopf wieder zu Dubh und sah ihn an. Einen Moment lang herrschte Stille zwischen ihnen und sie überlegte, wie sie es sagen sollte.. "Ich sollte mich jetzt lieber um Eure Wunde kümmern.. also.. wenn Ihr, nun ja.." Sie deutete etwas unbeholfen auf sein edles Obergewand.

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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Mo, 24. Jun 2013 21:06

„Das ist sehr ehrbar von Euch.“ Einen Moment lang war Sqeulaiche Dubh, ob der Worte des Mannes, versucht gewesen nach ihm bisher entgangenen bergelfischen Merkmalen zu schauen, darob den zuerst jenem Manne unterstellten Falsch zu erklären. Doch spätestens als dieser daraufhin kund tat das Haus verlassen zu wollen – und also ihn, einen fremden Raéyun hier mehr oder minder alleine zurück zu lassen. Nun gut, in seinem Zustand war er keine allzu große Gefahr, aber alleine ob des Raéyuns auffälliger Augen mochte der Andere das schließlich nicht wissen. Dennoch ließ er ihn hier mit der Taurrin zurück? ‘Ich hoffe sehr das dies einer guten Menschenkenntnis entspricht.’ Doch Naivität mochte er einem Gastwirt, der hiesigen Einrichtung nach, gar einem nicht ganz unfähigem Solchen, dann auch wieder nicht zusprechen. Auf das Angebot des Gastwirts saubere Kleidung zu tragen, das seine jetzige gewaschen werden könne, wollte er gerade einwenden das Brânnándôn noch einen Satz Ersatzkleidung von ihm besäße und das man jene doch auch holen könne, als Eleah sich einmischte und nach des Gastwirtes Frau fragte. In der Antwort des Mannes und ihrer Reaktion darauf schwammen so viele unausgesprochene, wie ihm unverständliche, weitere Botschaften mit, das Sqeulaiche Dubh, den Mund schloss, stumm nickte und darüber nachzusinnen begann, welch seltsame Gemeinschaft ihn dort aufgenommen hatte. Naiv war die Taurrin vor ihm keineswegs, aber auch nicht durchtrieben oder voller Falsch. Mehr hatte ihm sein kurzer Blick seltsamerweise nicht verraten. Zu sehr lenkte ihn die schmerzende Schulter wohl noch ab. Dann war der Mann auch schon verschwunden. Die Leichtfertigkeit mit welcher er seinen Gang kommentierte wiederum, sie irritierte Sqeulaiche Dubh doch merklich, klang es doch ähnlich lapidar, als wenn er sich auf den Weg machte, einem Bekannten mitzuteilen das hier ein Brief für jenen abgegeben worden sei.

„Ich sollte mich jetzt lieber um Eure Wunde kümmern.. also.. wenn Ihr, nun ja..“ Einen Moment blickte Sqeulaiche Eleah entgegen, ehe er begriff. „Oh, ja!“ Und doch verharrte er einen weiteren Moment, ehe er – beinahe resignierend – nickte und nach der Schere auf dem Tisch vor sich griff, den Verband mit geübt scheinendem Schnitt zu zerteilen, Hemd und Jackett aufzuknöpfen und, die rechte Schulter dabei möglichst schonend, schließlich die Verwundung unterhalb der Selben bloßzulegen. Sich der abgelegten Oberbekleidung kurz zuwendend schaute er sich das dortige Malheur kurz an, derweil – ob der jüngsten Bewegungen – erneut ein dünner blutiger Rinnsal seiner Wunde entrann. „Falls das Blut herauswaschbar ist, kann man vielleicht noch etwas retten.“ Erst als er darauf an seiner Brust herab blickte und die Wunde – unterhalb der rechten Schulter – erblickte, an welcher die Klinge aus seinem Körper wieder herausgetreten sein musste, realisierte er wie knapp er dem Tod entronnen sein musste. Eigentlich hätte er, ob der Verletzung… nun, er hatte schon weit harmloser Verwundete den Tod finden sehen. Noch deutlicher legte sich die Blässe über seine Haut, ehe das Zittern kam. War es der Schock des Anblickes? Oder war eben das letzte bisschen geliehene Kraft von ihm gewichen? Zitternd und schwankend hielt er sich am, einen Moment zuvor noch in seinem Schoß geruht habenden Stock fest und verhinderte gerade noch vornüberzufallen. Angespannt drückte er sich zurück auf die Bank, ehe erneut die Dunkelheit gnädig über ihn niedersank. Blutverlust und Schock mochten ihm das Bewusstsein geraubt haben, doch mochte Eleah rasch erkennen, dass diese Ohnmacht keinerlei Bedrohung seines Lebens darstellte. Vielmehr schien es beinahe so, als wenn jene ihre Naturmagie ihm gerade soviel Kraft auch geliehen hatte bis hierher zu finden.

In eben jenem Moment, da der schwarze Spazierstock polternd zu Boden fiel, beendete Luzifer draußen im Stall das grausame Spiel mit einer bedauernswerten kleinen Maus. Ein Tatzenhieb beendete das eh schon längst verspielte Leben. Doch statt sich nun dem genüsslichen Mahl in aller Ruhe zu widmen, packte die Katze die Maus mit dem Maul und eilte auf flinken Füßen zu einer mit einem Rappen besetzen Box. Schnuppernd, die Maus weiterhin im Maul haltend, eilte sie ins nahe Gasthaus, eine Treppe hinauf und dann durch eine nur angelehnte Tür. „Ah Luzifer! Ich hoffe du hast Sqeulaiche mitgebracht? Wir haben nur noch zwei Stunden, ehe…“ Brânnándôn, schrie halb erschrocken, halb empört auf, als die Katze ohne die leiseste Vorwarnung ihre Krallen ihm in die Wade schlug. „Na warte, du…“ Wütend huschte der Barde der Katze hinterher, die Treppe hinab und bis zum kleinen Empfangstresen. Sein erster Blick galt der Katze, die auf dem Tresen hockend, genüsslich sich ihrem Mahl hingab. Gut, das weder Pförtner noch Gäste zugegen gerade waren. „Ksch!“ Mit einem Satz war die Katze, mitsamt ihrer Beute, verschwunden, derweil Brânnándôns ungläubiger Blick am hinter dem Tresen befindlichen Schlüsselbrett hing, an dem noch immer der für Sqeulaiche zurückgelegte Schlüssel hing. Fassungslos vom Schlüsselbrett zu der offenen Eingangstür blickend aus welcher die den jungen Kriegerbarden gestern Abend noch begleitet habende Katze, gerade erst entschwunden war, runzelte er die Stirn. Dann – „Warte!“ Rasch aus der Tür in den hellen Morgen hinaus tretend, sah er Luzifer gerade noch erhobenen Schwanzes ums Eck stolzieren. „Verdammt du Viech, nun warte doch!“ Es brauchte eine Weile und ein Stück Wegs, ehe er das Tier auf einer nahen Fensterbank, weiter genüsslich sich den letzten Resten der armen Maus widmend sah. Neugierig beugte sich Brânnándôn vor, durch das Fenster zu blicken, derweil die Katze, nun satt und zufrieden, zur Tür hinab sprang und Eleah den dunklen Schemen vor dem Fenster zur Straße erstmals bemerkte.
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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Eleah » So, 30. Jun 2013 10:52

Eleah hoffte, dass ihr Lächeln über ihre plötzliche Unsicherheit hinweg täuschte. Wie dumm, du hast das schon hunderte Male gemacht. Und doch war dieses eine hier so vollkommen anders. Lass dich nicht verrückt machen, nur weil er ein Raéyun ist. Während sie sich selbst Mut zusprach – dass er ein Raéyun war, hörte sich im Geiste so angenehm nach einer nebensächlichen Kleinigkeit an -, beobachtete sie Dubh dabei, wie er den behelfsmäßigen Verband löste und dann seinen Oberkörper entkleidete. Eleah entging seine schlanke, aber durch die vielen Reisen und erlebten Abenteuer gleichsam trainierte Statur nicht. Die Blässe in seinem Gesicht schien aber nicht allein durch die Verletzung zu kommen, erkannte sie, als sie sah, dass auch die restliche Haut ungewöhnlich blass war. Auch wenn dieser Eindruck durch den merklichen Kontrast zu seiner schwarzen Kleidung und den Haaren entstehen konnte.

Schon nach ein paar Sekunden lag der Fokus ihres Blickes aber auf der Wunde, weswegen er schließlich hier war. Während er noch über einen Rettungsversuch der Kleidung redete, starrte Eleah die Wunde an, die vorher unter den Stoffen verborgen gelegen hatte. Auch sie erkannte, dass der Stich nur knapp sein Herz verfehlt hatte. Er hatte maßloses Glück gehabt! "Ein Glück, dass ich Euch gefunden habe", entfuhr es ihr in Anbetracht der Schwere der Wunde. Vorher hatte sie nicht richtig sehen können, was genau es für eine Wunde war. Jetzt aber stand fest, dass er Bekannte hatte, die ihn töten wollten. Sicherlich hätte er auf der Straße liegend nicht mehr lange überlebt. Sie hoffte nur, dass sie ihm vor dem Schlimmsten bewahren konnte.
Als er drohte, nach vorne zu kippen, stütze sie ihn und half ihm, den zitternden Körper nach hinten zu lehnen. Dabei strömte ihr kurz ein angenehmer Duft in die Nase, der den Geruch nach Blut, Dreck und Schweiß übertünchte. Auch das irritierte sie, schien es doch ebenso wie seine edle Kleidung nicht ganz zu einem wandernden Raéyun zu passen.

"Ich beeile mich. Ihr braucht nur hier ruhig sitzen zu bleiben." Sie wusste nicht, ob er sie noch hörte oder gänzlich bewusstlos war. In jedem Fall wäre es besser, ihn schnellstmöglichst zu behandeln und seine Wunde zu versorgen, damit er sich schnell von den Strapazen erholen konnte. Sie tränkte einen Tupfer mit der klaren Flüssigkeit und begann dann, Squelaiches rechten Arm von der Wunde weghaltend, eben jene mit dem Rosenwasser zu reinigen. Dass dieses Vorgehen in der tiefen Wunde brannte, bemerkte er wohl glücklicherweise nicht mehr. Sie war auch froh darüber, dass er dann wenigstens auch nicht ihre, vor Aufregung kalten Hände spürte. Sie benötigte mehrere Tupfer, um die Wunde und die Haut darum zu säubern. Sie atmete erschöpft, während die weißen Strähnen, die ihr sonst wild ins Gesicht hingen, an der Stirn klebten. Die Wangen gerötet und der Blässe einen zarten Roséton verleihend, hörte sie jedoch nicht eher mit ihrer Arbeit auf, bis die Wunde so gut wie möglich versorgt war. Nach der Wundreinigung verteilte sie die Paste, die zur Blutstillung beitragen sollte, großzügig auf den langen Schnitt, ehe sie zu mehreren Stoffballen von der Größe ihrer Handfläche griff und sie auf die Wunde drückte, um neuen Blutverlust vorzubeugen. Ein Blick auf den Raéyun bestätigte ihr, dass er noch immer bewusstlos war. Sie hätte gerne mehr getan, und der Zeitpunkt wäre günstig, aber sie wusste nicht, ob sie ihre Magie noch einmal wirken würde können, ohne selbst danach Hilfe zu benötigen. Das würde zu viele Fragen und einigen Ärger mit ihren Vater nach sich ziehen, wenn er sie bewusstlos fand oder der Raéyun sie so erblickte.. also beließ sie es dabei, legte die Stoffballen auf die Wunde und griff zu dem sauberen Leinenstoff. Jetzt, da er saß, fiel es ihr leichter, die Wunde so fest zu verbinden, wie ihre Mutter es ihr beigebracht hatte. Als sie fertig war, führte der Stoff mehrmals auf Höhe der Einstichstelle um seinen Oberkörper und das rechte Schultergelenk, um den Verband zu fixieren, herum, sodass die Wunde fest verbunden war.

Als das getan war, gönnte sie sich eine kleine Pause und wusch sich die inzwischen warmen Hände und den Schmutz vom Gesicht. Sie drehte sich gerade um, um Dubh auf die Bank zu legen und anschließend in der Küche Wasser für einen Tee zu kochen, als ihr ein kleiner Schemen am Fenster auffiel, der im nächsten Moment verschwunden war. Sie hätte schwören können, dass dort eine Katze gesessen hatte. Vielleicht war Luzifer zurück? Sie konnte sich kaum vorstellen, dass die Katze hier her gefunden hatte und wusste, dass Squelaiche hier war. Aber Eleah musste trotzdem nachschauen und als sie die Tür öffnete - und man so, stand man in der richtigen Position, direkt auf den Bewusstlosen mit den dunklen Augengläsern sehen konnte - saß dort tatsächlich die schwarze Katze des Barden. Eleah konnte dies kaum glauben. "Luzifer!" Mit einer Mischung aus Überraschung und Freude nahm sie die Anwesenheit der Katze wahr und lächelte, als diese wie selbstverständlich an ihr vorbei ins Haus huschte. Sie grüßte noch den alten Mann, dessen Gesichtsausdruck, mit dem er sie ansah, sie nicht zu deuten vermochte und wollte dann schon wieder die Tür schließen.

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