Falkentochter, Geistersohn...

Das trockene, baumlose Land westlich des Dûngar-Gebirges.
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Caiwen
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Falkentochter, Geistersohn...

Beitrag von Caiwen » So, 23. Mär 2014 14:22

Das Sirren an ihrem rechten Ohr machte sie wahnsinnig. Erschöpft hob sie ihren Arm und wedelte neben ihrem Kopf umher. Der nervige Laut verstummte kurz und gerade wollte sie sich wieder entspannen, als das Summen erneut einsetzte. „Das gibt es doch nicht“, schnaubte Caiwen und öffnete blinzelnd die Augen, geblendet von der plötzlichen Helligkeit. Sie ließ den Hals des Pferdes los, an den sie sich geklammert hatte und dabei wohl eingedöst war, und richtete sich auf. Der junge Hengst trottete langsam durchs hohe, trockene Gras, mit wohl in etwa der gleichen Motivation wie die junge Frau auf seinem Rücken. Sie waren an diesem Tag früh losgeritten, um die kühlen Morgenstunden zu nutzen. Inzwischen war es Mittag und so unerträglich heiß, als hätte man die Beiden über kochendes Wasser gehalten. Caiwen wischte mit ihrem Arm den Schweiß von der Stirn. Ihre Sachen klebten unangenehm an ihrem Körper und ihre Haare sahen aus wie nach einem Regenschauer. Arel – so hatte sie den Hengst getauft, weil sein graues Fell sie an ihren Freund erinnerte – erging es ähnlich. Sein Fell war durchnässt, und um seinen Kopf schwirrten unzählige Fliegen und Bremsen, die Caiwen wohl geweckt haben mussten. Sie streichelte den Kopf ihres Reittiers. „Tut mir Leid, mein Guter. Ich wäre jetzt auch lieber im kühlen Merridia.“ Noch vor gar nicht langer Zeit hätte sie jedem, der ihr gesagt hätte, sie würde in ein paar Wochen durch die Steppe reiten, den Vogel gezeigt. Und der Tag, dank dem sie nun hier war, begann eigentlich wie jeder andere auch.

„Gut geschlafen?“, hatte Caiwen ihren Lehrmeister Sáhel begrüßt, der wie jeden Morgen immer noch müde die Treppe hinunter geschlurft war. Er hatte sich auf die schmale Bank gesetzt und sich die Augen gerieben, während er ausgedehnt gähnte. So verschlafen wie er aussah, würde sie aufpassen müssen, dass ihr Lehrmeister nicht am Tisch einschlief. „Milch?“, hatte Caiwen deshalb gefragt und mit dem vollen Krug geschwenkt. Sie war heute extra früher aufgestanden als sonst, um etwas von der frischen Milch vom Markt zu holen. Die junge Frau hatte einen der Holzbecher aus dem Schrank genommen und Sáhel etwas eingegossen. Er hatte ihr ein dankendes Lächeln geschenkt und den Becher in einem Zug leer getrunken. „Ahh. Jetzt geht es mir schon besser. Vielen Dank, Caiwen.“, hatte er gesagt und sich den Rest der Milch von den Bartstoppeln gewischt. „Was hast…“, hatte Caiwen ein Gespräch beginnen wollen, war jedoch jäh von einem Klopfen unterbrochen worden. „Ich geh schon.“, hatte sie gemeint und ihren Lehrmeister, der aufgesprungen gewesen war, wieder auf die Bank gedrückt. Auf dem Weg zur Tür hatte sie ihr Kleid gerade und einige lose Haarsträhnen aus ihrem Gesicht gestrichen. Mit einem Lächeln auf den Lippen hatte sie die Tür geöffnet. „Guten Morgen. Wie kann ich ihnen helfen?“ „Post für den Dekarchen!“, war ihr eine tiefe Stimme entgegen geschallt. Ein Mann, nicht viel älter als sie selbst, hatte ihr einen Umschlag hingehalten. „Mit besten Grüßen der Legion.“, hatte er hinzugefügt. „Ich werde es ausrichten.“, hatte Caiwen geantwortet, den Boten angestrahlt und die Tür geschlossen.
„Wer war das?“, hatte Sáhel aus der Kirche gerufen. „Post von der Legion.“, hatte sie erklärt und den Brief vor ihren Lehrmeister auf den Tisch gelegt. „Ich soll Grüße ausrichten.“ Caiwen hatte den Brief nicht aus den Augen gelassen. Was wollte die Legion? War etwas passiert? Der ältere Mann schien sich Ähnliches gefragt zu haben - Stirnrunzelnd hatte er den Brief genommen und ihn geöffnet. Seine Augen waren über die Zeilen geflogen und dabei immer größer geworden, bis er schließlich die Hand sinken lassen hatte und sie, Caiwen, verwirrt anschaute. „Was ist los?“, hatte diese, ihrer Neugierde nicht Herr werdend, gefragt. Hätte sie es doch bloß gelassen.


Warte! Was war das da vorne? Ein dunkler Umriss zeichnete sich am Horizont ab, der größer war als die üblichen Gräser, die hier wuchsen. Doch nicht etwa…? Nein, das konnte nicht sein. Das war viel zu schön, um wahr zu sein. „Mein Junge“, sie tätschelte das verschwitzte Fell ihres Pferdes, „siehst du den Schatten am Horizont?“ Und als ob der Hengst sie hörte, hob er den Kopf und starrte mit seinen dunklen Augen in die Richtung, auf die Caiwen zeigte. Sofort kam Leben in das Tier, sein Schweif zuckte und er stellte die Ohren auf. Dann galoppierte er los, seine letzte Kraft zusammennehmend. Lachend krallte sich Caiwen in die Mähne des Pferdes und duckte sich, damit die beiden noch schneller wurden. Wenn sie sich nicht irrte – und Caiwen hoffte wirklich, dass das nicht der Fall war- dann stand dort, nur wenige Kilometer von ihnen entfernt, ein Baum. Und Bäume bedeuteten Wasser, das hatte sie hier gelernt. Endlich wieder genug zu trinken, und eine Abkühlung konnte ihnen auch nicht schaden. Arel wieherte zustimmend, als ob er ihren Gedanken erraten hätte. „Schneller, mein Junge!“, schrie die Frau gegen den Wind an, „Schneller!“

Es war ihr vorgekommen, als hätte Sáhel seine Stimme verloren. Ungläubig hatte er von Caiwen zu dem Brief, dann wieder zu Caiwen geschaut und dabei unaufhörlich den Kopf geschüttelt. Irgendwann, es hätten Stunden oder auch nur Sekunden gewesen sein können, hatte er ihr den Brief gegeben. „Es geht um dich. Lies.“, hatte er seine Schülerin aufgefordert. Jene hatte zitternd das raue Pergament in die Hände genommen und ihren Blick auf eine der Zeilen gerichtet:
… der erste offizielle Auftrag der jungen Söldnerin Caiwen. Hierbei handelt es sich um einen Botengang in die Wüstenstadt Ranurj…
…die beiliegenden Dokumente bei der Söldnerstelle abgeben…
…Hilfe im Kampf gegen den berüchtigten N´shaarn, der sich nach letzten Berichten südlich Ranurjs niedergelassen hat…
…wir bitten um sofortigen Aufbruch…in den Ställen wird ein Pferd zur Verfügung gestellt…Karte und Parole sowie weitere Informationen und liegen bei…
Die Gilde dankt ihnen.


Die geschwungenen Buchstaben waren vor Caiwens Augen zu einer einzigen Masse verschwommen. Sie hatte den Brief fallen gelassen und war in ihre Kammer unter dem Dach gestürzt, hatte sich auf das Bett gesetzt und den Kopf in die Hände gestützt. Eigentlich hätte sie sich doch freuen müssen. Ihr erster Auftrag im Namen Seberas. Aber die Wüste? Wenn sie sich richtig erinnerte, lag diese tausende von Kilometern von Merridia entfernt. Allein für die Hin- und Rückreise würde sie fast ein ganzes Jahr benötigen. Außerdem hatte sie sich gerade in Merridia eingelebt… Aber, Caiwen hatte die Schultern gestrafft, das ist meine Chance, der Gilde zu beweisen, dass sie richtig entschieden hatten, mich bei sich zu behalten. Sie hatte den alten Lederrucksack aus der Ecke, in dem ihr Hab und Gut verstaut war, genommen und ihre Kleidung daraus hervor geholt und die Leinenbluse und -hose angezogen. Ihr Kleid hatte sie im Rucksack verstaut. Mit diesem in den Händen war sie die Treppen herunter, an ihren immer noch am Tisch sitzenden Lehrer vorbei und in die Küche gelaufen, wo sie ihren Wasserschlauch aufgefüllt hatte. Dann hatte sie nach den Dokumenten, die die Gilde gesandt hatte, gegriffen und sie in den Rucksack gesteckt. Sie hatte seelenruhig die Schnalle geschlossen und danach Sáhel umarmt. „Ich werde gehen.“ Der Mann hatte Caiwen in seine muskulösen Arme geschlossen. „Leb wohl, Falkenjunges.“ Caiwen hatte sich eine Träne aus dem Augenwinkel gewischt – „Du weißt, dass ich nicht gut im Verabschieden bin.“ Sie hatte ihrem Lehrmeister zugelächelt, dann war sie auch schon zur Tür heraus gewesen. Danach war alles ganz schnell gegangen. Sie hatte den Ställen einen Besuch abgestattet, dort nach dem Vorzeigen des Gildenbriefes einen hellgrauen Hengst erhalten, war auf dem Markt Vorräte kaufen gegangen und einfach losgeritten.
Seit fast fünf Monaten war sie schon unterwegs und – falls sie sich nicht verirrt hatte – musste sie in wenigen Wochen in der Wüste sein. Diese zu durchqueren, würde der schwierigste Teil der Reise werden. Bis jetzt hatte ihrer Reise nichts im Weg gestanden. Mithilfe des Briefs konnte sie sich in Lagern der Gilde Vorräte beschaffen und sie war keinen Wegelagerern begegnet und nicht von wilden Tieren gefressen worden. In Caiwens Augen war das ein Erfolg.


Je näher sie dem dunklen Umriss kamen, desto deutlicher zeichnete er sich von der Umgebung ab. Inzwischen war Caiwen sich sicher, dass sie auf einen Baum zuritten. Mit jedem Schritt wurde er größer und größer, bis der graue Hengst schließlich genau davor stehen blieb. Caiwen schwang sich von seinem Rücken und lief auf das zu, was sie entdeckt hatte. Die Strahlen der Sonne ließen die einzelnen Wasserpfützen glitzern, die sich durch das Flussbett zogen. Der Fluss hatte sich in den Regenmonaten etwa eine Beinlänge tief in den Boden gegraben, die junge Frau sprang leichtfüßig in die Senke und ließ sich an einer der Pfützen nieder, die noch nicht Opfer der heißen Sonnenstrahlen geworden war. Sie war ungefähr so lang wie drei Pferde und so tief wie Caiwens Unterarm. Diese schöpfte etwas von dem Wasser und spritzte es sich ins Gesicht. Die kühlenden Tropfen verdampften fast sofort auf ihrer Haut. Caiwen schöpfte noch eine Hand voll Wasser und probierte vorsichtig. Ahh. Es war so erfrischend, wie die Rinnsale ihre trockene Kehle herunter liefen. Die junge Söldnerin befand das Wasser für trinkbar und trank sogleich noch vier weitere Hände voll der köstlichen Flüssigkeit. Dann hielt sie die Luft an und tauchte ihr Gesicht in die Pfütze, und wusch auch ihre Arme und den Hals. Neben sich sah sie Arel glücklich aus einer anderen Pfütze trinken.
Plötzlich richtete Caiwen sich auf und hielt nach allen Richtungen Ausschau, alle Muskeln angespannt. In der plötzlichen Euphorie hatte sie ganz vergessen, auf ihre Umgebung zu achten. Wasser zog auch andere Tiere an, die meisten ungefährlich, doch waren in den Steppen auch einige Raubtiere zuhause. Sie hatte schon Bekanntschaft mit ihnen gemacht, war jedes Mal aber noch knapp davon gekommen. Und tatsächlich. Ungefähr 50 Meter entfernt von ihnen saß einer dieser Steppenhunde (So hatte Caiwen sie genannt, weil sie sie irgendwie an die herrenlosen Hunde in den Straßen des Armenviertels erinnerten.) und starrte sie mit gebleckter Schnauze an. Er erhob sich und knurrte. Verdammt! Caiwen sah sich nach einer Möglichkeit um, diesem Vieh zu entkommen, aber an eine Flucht war nicht zu denken. Sie war viel zu langsam. Ihre Augen blieben am Baum hängen und bevor sie wusste, was sie machte, war die Frau schon los gelaufen. Genauso wie Arel, nur dass der in eine ganze andere Richtung verschwand. Warte!, wollte sie dem verängstigten Tier hinterher rufen, da war es auch schon verschwunden. Wie sollte sie ohne Pferd weiterkommen? Die ganze Reise zu Fuß bewältigen? Erst einmal egal, sie hatte jetzt wichtigeres zu tun – Weglaufen! Sie lieferte sich ein Wettrennen mit dem Hund, aber sie wagte es nicht, sich umzudrehen. Der Baum war nur noch zwanzig Schritte entfernt – zehn Schritte – dann fünf und schließlich stieß sie sich vom Boden ab und griff nach einem Ast über ihr, um sich daran hochzuziehen. Schnell kletterte sie noch etwas höher, bis sie glaubte außerhalb der Reichweite des Steppenhundes zu sein. Jener stand am Baumstamm und versuchte, wild knurrend und mit schäumendem Maul, sich an dem Holz hochzuziehen. Nach ein paar Sekunden jedoch fiel er immer wieder auf den Boden und auch seine Versuche, im Sprung einen von Caiwens Füßen zu fassen zu bekommen, scheiterten. Die Söldnerin atmete erleichtert auf. Sie versuchte, sich etwas bequemer hinzusetzen. Sie müsste nur eine Weile hier oben bleiben, irgendwann würde das Vieh schon die Lust an ihr verlieren. Sie wartete eine halbe Stunde, doch die einzige Veränderung an der Situation bestand darin, dass der Hund sich inzwischen eingerollt hatte und döste. Die Mittagssonne ließ den Boden flimmern und Caiwen war froh, dass die kleinen Blätter des Baumes wenigstens etwas Schatten spendeten. Sie lehnte sich gegen einen Ast und schloss die Augen. Eine kurze Pause schadet nicht. Und danach zerbreche ich mir den Kopf darüber, was ich jetzt machen soll.
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

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Re: Falkentochter, Geistersohn...

Beitrag von Nebelgeist » Sa, 29. Mär 2014 20:13

Sein Fell war staubbedeckt. Es schien als gäbe es nichts in diesem kargen Landstrich außer vertrockneten Gräsern. Dazu kam, dass er inzwischen jeglichen Orientierungssinn verloren hatte. Einzig sicher war er in der Frage in welche Richtung er sich bewegte. Seit Wochen wanderten er und Fiari, in der Hoffnung irgendwann auf die Ausläufer des wasserlosen Meeres zu stoßen, gen Norden. Sein Ziel war es jene alte Wüstenelfe aufzuspüren, die seiner Mutter einst eine treue Freundin gewesen war. Was er dabei jedoch vollkommen unterschätzt zu haben schien, war die Weite der Strecke von seiner Heimat bis an sein Ziel. Wie lange sie schon unterwegs waren konnte er nicht mit Sicherheit sagen, da sie nur rasteten wenn es notwendig war zu schlafen oder etwas zu essen. Dennoch war die Reise, von jenem Erlebnis gleich zu Beginn einmal abgesehen, recht ruhig verlaufen. Während er durch das flache Gras stapfte und nach seiner Gefährtin Ausschau hielt, fühlte er sich sofort daran erinnert.

Genau wie jetzt war Fiari verschwunden gewesen. Er selbst: hungrig, müde und verstaubt, hatte nicht mehr den geringsten Elan besessen nach ihr zu suchen, es aber trotzdem getan, weil er sich um sie sorgte. Auf der Suche nach ihr hatte er sich einen halben Tag lang durch einen wahren Wald aus meterhohen Gräsern gekämpft. Danach hatte er das ganze Gebiet noch einmal überflogen nur um letztendlich müder als zuvor aufzugeben und sich stattdessen auf die Suche nach etwas essbarem zu begeben. Er folgte einer vielversprechenden Kaninchenspur an deren Ende er seine Freundin dann selig Schlafend in der Nähe eines leeren Kaninchenbaues vorfand. Ihr leicht gerundeter Bauch und der schwache Blutgeruch, der in der Luft lag und ihn unwillkürlich etwas Abstand nehmen ließ, hatten ihn darüber aufgeklärt auf wohin die Bewohner des Baues wohl verschwunden sein mussten. Das war so typisch für sie, einfach zu verschwinden während er sich Sorgen machte das etwas sie gefressen haben könnte und darum eine Ewigkeit damit verschwendete sie zu suchen.
Während er noch dagestanden und sich geärgert hatte, war sie aufgewacht und freudig um ihn herumgesprungen, beinahe als wolle sie sagen: „ Da bist du ja endlich, ich warte schon so lange auf dich. Können wir dann jetzt weiter?“ Sie wartete jedoch nicht auf seine Entscheidung sondern schoss flink davon, sodass ihm nichts anderes übrig blieb als ihr zu folgen und darauf zu hoffen sie nicht aus den Augen zu verlieren.

So oder so, er war nicht besonders erpicht darauf dieses Erlebnis zu wiederholen. Also senkte er seinen Blick, in der Hoffnung eine Fährte aufnehmen zu können, auf den Boden. Das erste was ihm ins Auge fiel war eine große Fläche aus niedergedrücktem Gras. Aufgrund der Form und Größe des Abdrucks vermutete Nebelgeist, dass sich hier ein mittelgroßes Tier niedergelegt haben musste. Der Abdruck war etwa halb so groß wie jener den er selbst hinterließ wenn er sich niederlegte. Das war ungewöhnlich, kannte er doch aus seiner Heimat kein Tier das diese Größe besaß, sie waren entweder größer oder um ein vielfaches kleiner. Neugierig geworden beugte er sich herab und fuhr mit den Fingerspitzen über den Boden. Schnell entdeckte er was er gesucht hatte, ein paar Haare die offenbar aus dem Fellkleid jenes Tieres stammen mussten das hier gerastet hatte. Sie waren dick und wiesen eine helle nahezu rötlich-braune Färbung auf. Nebelgeist sog ihren Geruch ein und ließ sie anschließend wieder zu Boden fallen. Er sah sich suchend um und entdeckte recht schnell eine Spur aus abgeknickten und niedergetrampelten Grashalmen die von seinem Standort wegführte. Bedächtig zog er seinen Bogen aus der zusammengerollten Decke auf seinem Rücken und hakte die Sehne ein bevor er sich an die Verfolgung der Spur machte. Während er ihr folgte hob er immer wieder kurz den Blick und überprüfte seine Umgebung, doch seine scharfen Augen vermochten nichts zu entdecken. Nach wenigen Minuten erblickte er dann etwas Interessantes. Vor ihm lag eine sandige Stelle, die nicht wie der Rest des Bodens von Gras bedeckt war. Im Sand befanden sich einige Hufabdrücke. Das Tier das er verfolgt hatte besaß kleine gespaltene Hufe. Der Spalt war schmal und die stark abgerundeten Spitzen im vorderen Bereich erinnerten ihn an die Antilopen seiner Heimat. Der einzige Unterschied fand sich auch jetzt wieder in der wesentlich geringeren Größe des Abdruckes. Das Tier schien es nicht besonders eilig gehabt zu haben denn die einzelnen Abdrücke waren regelmäßig verteilt und ihr Abstand zeigte ein langsames gleichmäßiges Gangmuster.

Ein Geräusch lenkte seine Aufmerksamkeit von der Spur ab. Etwas näherte sich ihm mit hoher Geschwindigkeit. Der Geruch kam ihm vertraut vor es war beinahe als… Ein grauer Schemen kam auf ihn zu galoppiert, zuerst dachte er es müsse ein Kentauer sein bis er erkannte das es sich um ein gewöhnliches Pferd handelte. Je näher es kam desto mehr Details erkannte er. Die Augen des Tieres rollten wild, seine Nüstern waren panisch gebläht und sein Fell schweißnass. Er konnte die Angst die von diesem Tier ausging beinah schon körperlich spüren. Ein weiteres Indiz für seine Panik war das es nicht langsamer wurde sondern stattdessen dicht an ihm vorbeischoss ohne auch nur zusammen zu zucken. Nebelgeist spannte alle Muskeln und sah sich suchend nach der Gefahrenquelle um, doch seine Augen konnten nichts entdecken. Auch seine Nase verriet ihm nicht wovor das Tier geflohen war. Der einzige schwache Raubtiergeruch den auffing kam von hinter ihm und es war einer den er sehr gut kannte. Schon spürte er weiches Fell an seinen Vorderbeinen entlang streichen und hörte, als er einen Blick nach unten warf, ein leises begrüßendes Bellen. Doch auch Fiari war angespannt ihm sogleich auffiel. Ihr Schwanz zuckte nervös wie bei einer Katze und sie schwenkte den Kopf hin und her als versuche sie eine schwache Geruchsspur aufzunehmen. Sie stellte das Pendeln ihres Kopfes ein und warf ihm einen fragenden Blick zu. Er nickte leicht und langsam setzen sie sich in Bewegung. Sie hielt die Nase dicht über dem Boden während er einen Pfeil aus dem Köcher zog und den Bogen locker in Bereitschaft hielt. Vergessen waren die Spur und sein Hunger, denn die Neugier hatte ihn gepackt.

Während die Sonne am Himmel immer höher stieg und ihre sengenden Strahlen sich durch sein Fell brannten folgt er der kleinen Füchsin unermüdlich in gemäßigtem Tempo. Es fiel ihm schwer sich im trockenen Gras leise fortzubewegen deshalb kamen sie nur sehr langsam voran, doch die Müdigkeit war verflogen. Wachsam schweifte sein Blick hin und her bis er schließlich am Horizont etwas erspähte. Eine dunkle Silhouette erhob sich aus dem Steppengras. Gleichzeitig roch er Wasser und verlangsamte seinen Schritt noch weiter. Fiari merkte es und passte sich seinem Tempo an. Dann blieb sie ruckartig stehen. Ihr Blick richtete sich zielsicher auf etwas kleines dunkles das um die größere Silhouette, die sich bei genauerem Hinsehen als Baum entpuppte, herumstrich. Jetzt roch Nebelgeist es auch, ein scharfer durchdringender Geruch nach Gefahr der sein Innerstes sofort in Alarmbereitschaft versetzte. Er konnte den Fluchtinstinkt eben noch unterdrücken. Er wusste das es nicht klug wäre sich diesem Wesen zu nähern aber sie mussten dorthin. Beide hatten seit über einem Tag nichts getrunken und dort vorne befand sich vielleicht die einzige Wasserquelle im Umkreis eines weiteren Tagesmarsches.
Werden das dort vorne das einzige Wesen ist werde ich mit Sicherheit mit ihm fertig… Aber was ist wenn sein Rudel nicht weit ist? Ich könnte sie nicht rechtzeitig kommen sehen und dann wären unsere Chancen an Wasser zu kommen zunichte, mehr noch wir könnten verletzt werden und womöglich nicht mal mehr fliehen können, dachte er und sog prüfen die Luft ein, doch er konnte nichts verdächtiges riechen, da der fremde Raubtiergestank alles andere überdeckte. Mit einem verärgerten Schnauben warf der junge Kentauer einen schnellen Seitenblick auf Fiari. Ihr ganzer Körper war angespannt und sie zitterte. Offensichtlich hatte auch sie so etwas noch nie gerochen und konnte es ebenfalls nicht einordnen. Ärgerlich kaute er auf seiner Unterlippe als ihm eine Idee kam: Vielleicht sollte ich aus der Luft überprüfen ob noch weitere Feinde in der Nähe sind… Dann wäre das Risiko um einiges geringer, sorgsam legte er den Bogen auf dem Boden neben Fiari ab und gab ihr ein Handzeichen. Es war eins der wenigen die sie beherrschte und bedeutete das sie sich nicht rühren sollte. Mit einem widerwilligen Blick in seine Richtung ließ sie sich neben dem Bogen ins trockene Gras sinken. Gleichzeitig schloss er kurz die Augen und suchte nach dem Gefühl der Freiheit in seinem Inneren. Als er es fand konzentrierte er sich darauf. Sofort setzte das wohl bekannte Zielen setzte ein, dem ein reißenden Schmerz folgte als sich sein ganzer Körper verformte. Sekunden später war es bereits vorbei. Wie immer folgte auf die Verwandlung kurz Orientierungslosigkeit, als er seine Augen öffnete und sich näher am Boden befand als zuvor. Er wackelte mit dem Kopf um seinen Gleichgewichtssinn wiederzufinden, warf dann noch einen kurzen Blick auf Fiari und öffnete seine weißen Schwingen. Er lief los, so schnell das auf seinen zwei Beinen eben ging, und schwang sich mit einigen hektischen Flügelschlägen in die Luft. Beinahe ansatzlos ging er in den Gleitflug über und steuerte sofort den Baum an. Während er darauf zuflog, war das Wesen gerade dabei sich niederzulegen, somit ging zumindest für den Moment keine direkte Gefahr von ihm aus und er konnte sich darauf konzentrieren die Umgebung nach weiteren Feinden abzusuchen. Ein solches Tier hatte er noch nie gesehen, konnte aber an seinem Körperbau ablesen das es sich um ein Raubtier handeln musste. Von diesem einmal abgesehen schien die Landschaft unter ihm friedlich zu sein. Er konnte außer dem Baum, der am Rande eines teilweise ausgetrockneten Flussbettes stand und jeder Menge Steppengras von einer Seite des Horizontes bis zur anderen, nichts Außergewöhnliches entdecken. So kehrte Nebelgeist beruhigt zu jener Stelle zurück wo Fiari wartete. Während er sich zurückverwandelte sann er darüber nach, dass der Fluss wohl zu einer anderen Jahreszeit viel Wasser führen musste, weil er ansonsten nicht in der Lage war sich das prächtige Blätterdach des Baumes, welches nicht einmal sein scharfer Vogelblick durchdringen konnte, zu erklären. Die Rückverwandlung war unangenehm, er konnte sich nie entscheiden ob es mehr weh tat wenn sich seine Knochen stauchten oder wenn sie sich auseinander zogen, fest stand nur das beides wehtat.
Kaum war sie abgeschlossen schüttelte er den Kopf um die restlichen Schmerzen zu verscheuchen. Er nahm Bogen und Pfeil wieder auf, legte den Pfeil auf die Sehne und schritt, bedächtig kein Geräusch zu verursachen welches den Räuber aufschrecken könnte, auf den Baum zu. Als sich das Tier in Schussweite befand blieb er stehen, spannte den Bogen und schoss. Unglücklicherweise fegte in ebenjenem Moment ein Windstoß über die Ebenen, der aus der völlig falschen Richtung kam und den Geruch des Kentauren zu dem liegenden Raubtier trug . Es sprang auf und so ging der Schuss daneben. Anstatt sich in den Nacken des Tieres zu bohren drang der Pfeil in eines seiner Vorderbeine ein und es jaulte auf. Nebelgeist fluchte als daraufhin zwei Dinge gleichzeitig geschahen: Fiari schoss blitzartig los und das große Raubtier kam zornig knurrend auf den Kentauren zu. Die kleine Füchsin war in Gefahrensituationen noch nie die Klügste gewesen und jetzt zeigte sich einmal mehr, weshalb ihr Freund sich ständig Sorgen und sie machte wenn sie alleine loszog. Kaum hatte sie das Tier erreicht sprang sie an ihm hoch und versuchte es zu beißen. Er schüttelte nur zornig den Kopf und fluchte vernehmlicher, denn Ganze ging so schnell das ihm keine Zeit blieb einen weiteren Pfeil abzuschießen oder anderweitig zu reagieren. Verdammt, was mache ich jetzt? Sie läuft genau in mein Schussfeld, ich kann nicht schließen ohne sie zu treffen… , also ließ er den Bogen fallen, riss seine Naginata aus ihren Halteschlaufen und galoppierte so schnell er konnte auf den ungleichen Kampf zu.
Zuletzt geändert von Nebelgeist am Mi, 04. Jun 2014 17:09, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Falkentochter, Geistersohn...

Beitrag von Caiwen » Mi, 09. Apr 2014 20:29

Caiwen legte ihren Kopf weit in den Nacken und ließ sich den letzten Tropfen Wasser auf der Zunge zergehen. Wieso hatte sie nicht zuerst ihren Wasserschlauch aufgefüllt, als sie auf den Flusslauf gestoßen waren? Dann würde sie hier oben wenigstens nicht verdursten. Die junge Frau rutschte auf dem Ast umher, sichtlich darum bemüht eine bequeme Sitzposition zu finden. Schließlich gab sie es auf und zog sich an einem Ast hoch. Sie konnte ihren Fuß quer auf das Holz stellen, ohne Gefahr zu laufen gleich abzurutschen.
An der Situation hatte sich nichts verändert – der Steppenhund lag immer noch seelenruhig wenige Meter unter ihr und wartete darauf, dass sie zu ihm kam. Doch da hatte er sich gewaltig geirrt. Wenn es sein musste, würde sie Tage lang warten. Aber dann konnte sie auch etwas Sinnvolleres machen als einfach nur herumzusitzen. Caiwen befestigte ihren Rucksack an einem Ast auf der Höhe ihrer Hüfte und zog dann ihr altes Notizbuch und ein Kohlestück daraus hervor. Sie schlug das alte Buch vorsichtig auf. Die Seiten waren vergilbt, teilweise geknickt und brüchig, sie hatte Angst, es würde unter ihren Fingern zu Staub zerfallen. Caiwen durchblätterte das Buch, überflog die Sätze, die mit ihrer eigenen kleinen und verschnörkelten Schrift geschrieben waren bis sie ihren letzten Eintrag fand. Die Söldnerin hatte begonnen, ihre Reise zu protokollieren. Sie schrieb gerne und konnte so für ein paar Momente der Einsamkeit hier draußen entfliehen. Zögernd setzte sie die Spitze des Kohlestücks auf das Papier:
An den Fremden.
Ich weiß nicht, ob das hier jemals jemand außer mir lesen wird, aber falls, dann sei dir sicher, dass du ein ganz besonderer Mensch sein musst. In den letzten Tagen ist nicht viel passiert, ich setzte meine Reise in Richtung Westen fort, wo ich das nächste Söldnerdorf vermute. Doch nach meinen Erlebnissen heute weiß ich nicht…
Ein Caiwen nur allzu bekanntes Geräusch ließ sie innehalten. Das Sirren eines Pfeils. Aber wie war das möglich? Wie groß war wohl die Möglichkeit, hier draußen zufällig jemanden zu treffen? Und dann auch noch genau im richtigen Moment – da hatten es die Götter, sollte es denn welche geben, es wohl gut mit ihr gemeint. Außer, es war gar kein Zufall und man hatte sie bis hierher verfolgt. Vielleicht hatte der Schuss ja sogar ihr gegolten. Doch just in dem Moment hörte Caiwen ein Heulen, welches ihre Befürchtungen widerlegten. Das Raubtier unter ihr setzte zum Sprung an und schoss mit beängstigender Geschwindigkeit nach vorne, in die Richtung, aus der der Pfeil gekommen war. Jetzt!, dachte die Frau, Jetzt ist der beste Zeitpunkt um zu verschwinden. Noch einmal wird sich nicht so eine günstige Gelegenheit ergeben. Geschwind packte Caiwen ihre Sachen zusammen, schnappte sich ihren Rucksack und sprang mit einem Satz von dem Baum. Sie landete auf den Füßen, ging in die Hocke und versuchte, durch das Steppengras hindurch etwas zu erkennen. Der Steppenhund war bestimmt zehn Pferdelängen von ihr entfernt, aber würde das reichen, um ihn abzuhängen? Egal, einen Versuch ist es allemal wert, sprach sie sich gut zu. Gerade als sie sich umdrehen wollte, erkannte sie den kleinen Schatten, der auf das Raubtier zukam. Beim genaueren Hinsehen entpuppte sich das Geschöpf als Fuchs, ein Tier, das Caiwen aus ihrer Heimat kannte. Mach schon, weg von ihr!, fuhr ihr Verstand sie an. Doch Caiwen konnte sich nicht dazu überreden, ihre Füße zu bewegen. Der Hund war verletzt, wenn sie sich geschickt anstellte, könnte sie ihn mit einigen Hieben erledigen. Bevor sie das Für und Wider abwägen konnte, hatte sie sich in Bewegung gesetzt und ihr Schwert hervorgezogen. Während Caiwen sich an die beiden Tiere, die ganz vertieft in ihren Kampf waren, heranpirschte, musste sie sich eingestehen, dass sie sich über sich selbst wunderte. Normalerweise hätte sie nie ein Tier ihrem eigenen Leben vorgezogen. Sie wäre auch nicht einfach so losgelaufen ohne vorher zu überlegen. Was war nur in sie gefahren? Egal – sie musste sich jetzt konzentrieren.
Aber als die junge Frau ihr Schwert hob, sah sie vor sich noch etwas anderes metallisches aufleuchten. Ihrem ersten Reflex folgend warf sich Caiwen auf den Boden, um der Klinge zu entkommen. War sie schnell genug gewesen? Hatte es sie getroffen? Im Moment spürte sie jedenfalls keinen Schmerz. Sie sah sich um und stellte fest, dass das Raubtier verschwunden war – jedenfalls aus ihrem Blickfeld. Stattdessen sah sie vier Hufe aus dem Steppengras herausragen. Ein Reiter – war das jetzt gut oder schlecht? Schnell rappelte die Söldnerin sich auf, hielt sich mit einer Hand den Oberarm, durch den ein plötzliches Brennen ging und hob mit der anderen ihr Schwert und stellte sich ihrem potentiellen Feind – das wollte sie zumindest.
Doch beim Anblick ihres Gegenübers ließ sie vor Schreck fast das Schwert fallen. Denn das, was sie vor sich sah war nicht, wie zuerst vermutet, ein Mensch auf einem Pferd. Vielmehr ein Mensch und ein Pferd!
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

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Re: Falkentochter, Geistersohn...

Beitrag von Nebelgeist » Fr, 18. Apr 2014 13:46

Als der junge Kentauer sah wie sich Fiaris Zähne in die Seite des Hundehalses bohrten und das Tier vor Schmerzen aufbrüllte sank sein Mut das Ganze unblutig beenden zu können. Das Raubtier war zornig und lechzte nach dem Blut der Füchsin. Diese wiederum schien den Ernst der Lage nicht zu bemerken, denn sie stürzte sich wieder und wieder auf das größere Tier das zunehmend in Raserei verfiel, weil es seine Gegnerin nicht erwischen konnte. Flink, wie es eben eine Eigenart der Füchse ist, sprang Fiari um ihren Feind herum und biss ihn. Mal erwischte sie die Hinterläufe, dann das Bauchfell, die Seite und zu guter Letzt den Schwanz.… Nebelgeist war beeindruckt von dem Mut seiner Freundin. Er fragte sich ob er an diesem doch recht fuchsuntypischen Verhalten, einen um so vieles größeren Gegner anzugreifen, obwohl keine unmittelbare Notwendigkeit dazu bestand, seine Schuld war. Aufgewachsen in einem Stamm von Jägern und Kriegern, die sich ohne zu zögern so ziemlich allem in den Weg stellten was ihnen vor den Bogen oder den Speer lief, hatte sie gelernt furchtlos zu sein. Es war dem Kentaur nie in den Sinn gekommen, dass die Furchtlosigkeit mit der sich die kleine Füchsen manches Mal auf eine Antilope gestürzt hatte um ihrem Freund die Jagd zu erleichtern und später ihre wohlverdienten Anteil von der Beute zu erhalten, sie einmal in Schwierigkeiten bringen könnte. Mit dem Resultat seiner Unüberlegtheit sah er sich nun konfrontiert und ein unbequemer Gedanke fand den Weg in sein Bewusstsein: wenn sie stirbt ist es meine Schuld, denn ich habe sie so erzogen.
Als sich die beiden Kämpfenden beinahe in Reichweite seiner Naginata befanden machte Fiari einen fatalen Fehler, als sie versuchte ihrem Gegner erneut an die Kehle zu springen. Denn das große Raubtier war nicht dumm. Es war ihm trotz seiner Wut irgendwie gelungen sich auf den kleineren Gegner einzustellen. Also riss es den Kopf zurück bevor ihre Zähne sich in seine Kehle graben konnten und erwischte die Füchsin mitten im Sprung. Seine Zähne gruben sich tief in ihre Seite und sie fiepte kläglich. Der Räuber schüttelte sie und ihre Versuche sich gegen ihn zu wehren wurden zunehmend schwächer, während ihre Augen vor Schmerz ganz glasig wurden. Nebelgeist wusste das ihm nicht viel Zeit blieb, da er diese Art des Schüttelns sehr gut von den Raubtieren seiner Heimat kannte. Wenn es so weiter machte, wäre die Chance das sie das überlebte nicht besonders groß. Da er die Klinge seiner Naginata nicht benutzen konnte ohne dabei Gefahr zu laufen auch Fiari zu verletzen, griff er auf eine etwas unkonventionellere Methode zurück. Er drehte die Waffe blitzschnell in seinen Händen und stieß das stumpfe Ende der Griffstange mit wohl dosierter Kraft gegen das unverletzte Vorderbein des Raubtieres. Das Tier hatte, um sein verletztes Bein zu schonen, sein ganzes Gewicht auf das andere Vorderbeinen verlagert, so war die Wirkung entsprechend durchschlagend. Mit einem ungesunden Knirschen, dem ein gespenstischer Schmerzensschrei folgte, brach es zusammen und ließ in einem Moment der Verwirrung sein Opfer fallen. Fiari fiel schlapp ins Gras und das einzige was anzeigte, dass sie noch lebte war ein schwaches Heben und Senken ihres Brustkorbes. Nebelgeist drehte indes die Waffe, ließ die schwarze Klinge mit eiskalter Präzision auf den Nacken des liegenden Tieres hinabfahren ohne auch nur einen Sekundenbruchteil zu zögern und trat dann angewidert einen Schritt zurück als sich das Blut des Räubers im Gras zu verteilen begann. Der scharfe Geruch brannte in seiner Nase und verursachte ihm Unbehagen.
Als er sich herumdrehte wurde ihm klar das er ein viel größeres Problem hatte, denn auch Fiari blutete aus zahlreichen Wunden. Zögernd machte einen Schritt auf sie zu und beugte sich über sie und das Ausmaß seines Problems erfassen zu können wobei er seine Naginata einen blitzenden Bogen beschreiben ließ und zumindest ein wenig Blut durch die wirbelnde Bewegung entfernen zu können. Mehr als ein kurzer Blick auf seine verletzte Freundin war ihm aber nicht vergönnt, denn hinter ihm erklang ein Geräusch. Was nun folgte war eher ein Urinstinkt als eine bewusste Handlung. Schon in ihrer frühsten Kindheit lernen Kentauren und andere Wesen, die mit ihnen zu tun haben, sich niemals von hinten an einen Kentauren heran zu schleichen und ihn zu erschrecken, weil sonst genau das Selbe passiert wie bei einem Pferd, dem man sich auf diese Art nähert: Der Verursacher erhält einen schmerzhaften Huftritt. Genau dasselbe geschah auch mit dem Wesen hinter Nebelgeist. Nach dem Auskeilen fuhr er herum um zu sehen was genau er da getreten hatte und hielt erstaunt inne.
Dort lag ein Wesen, das ihn sehr an seine Schwester Windspiel erinnerte. Er sah eine schlanke Gestalt mit zwei Beinen und einer Haarfarbe die er noch nie gesehen hatte. Ein glänzendes Gold, ähnlich der Farbe der Sonne, floss ihren Rücken hinab. Die in Leder gehüllt Gestalt erhob sich und riss ihn damit aus seiner versonnen Betrachtung, weil in ihrer Hand eine ihm wohl bekannte Waffe aufblitzte. Das Schwert glänzte gefährlich und veranlasste den jungen Kentauren dazu seine Naginata in Bereitschaft zu halten. Er sah wie sein Gegenüber die Augen hob und ihn direkt anblickte. Wie zwei Stücke des Himmels leuchteten sie aus einem jungen Gesicht hervor und nahmen ihn für einen Augenblick gefangen, ehe er sich wieder an das Schwert erinnerte. Er trat einen Schritt zurück um nicht mehr unmittelbar in dessen Reichweite zu sein und beschloss das stummes Anstarren ihn in dieser Situation nicht weiterbringen würde. Da sein Gegenüber trotz des Schwertes nicht wirklich feindselig wirkte, beschloss er das Reden eine mögliche Option blieb. Also begann er sein Gedächtnis kurz nach der richtigen Sprache zu durchforsten.

Bereits nach einem weiteren schnellen Blick auf das offenbar weibliche Wesen beschloss er das es sich bei ihm wohl kaum um eine Elfe handeln können, da es die charakteristischen spitzen Ohren, die man ihm als Erkennungszeichen dieser Rasse genannt hatte, nicht besaß. Also war sie vermutlich ein Mensch. Für einen Wüstenbewohner ist ihre Haut zu hell. Auch diejenigen, die in den tropischen Gebieten im Südwesten leben sollen laut meiner Großmutter dunkle Haut besitzen, damit scheiden schonmal sämtliche auf diese Gebiete begrenzten Sprachen aus. Vielleicht stammt sie aus dem Norden? Aber was sollte ein Nordmensch so weit im Süden wollen… Ich kann ihre Hautfarbe nicht so recht einschätzen, sie erinnert ein wenig an die in meinem Volk übliche, vielleicht sollte ich die einfach in meiner Muttersprache ansprechen. Ja, es ist gar nicht mal so unwahrscheinlich das es sich bei ihr um einen Steppenmenschen handelt. Ich kann aber auch nicht ausschließen das sie ein Nordmensch ist, vielleicht sollte ich es einfach in verschiedenen Menschensprachen versuchen, überlegte er. Ein wenig verunsichert fragte er sich was für eine Art Mensch sie wohl sei. Hätte er Glück dann wäre sie ein Mensch, der ihn so unvoreingenommen begegnete wie der Eismensch Norimar damals seiner Mutter. Aber sie könnte durchaus auch einer jener Menschen sein, vor denen ihn der halbe Clan gewarnt hatte. Er hatte wieder die Stimme seiner Großmutter im Ohr die ihn warnte: „Vertraue niemals einen Menschen. Die meisten von ihnen hassen uns, sie sind furchtsam vor dem was sie nicht verstehen und es ist in ihrer Welt nicht üblich so auszusehen wie wir. Solltest du also einmal einen Menschen treffen, halt dich bereit zu kämpfen und zu fliehen. Denn es könnte schneller notwendig werden als sie vorstellen kannst.“

Obwohl er wusste das es unklug und unvorsichtig war, hob er die Stimme und sprach die junge Frau in seiner Muttersprache an: „Hallo, seid ihr verletzt? Verzeiht, ich wollte euch nicht treten doch ihr habt mich erschreckt.“ Sein Gesicht spiegelte seine innere Unsicherheit nicht wieder. Er bedachte sie mit einem offenen Blick in dem Faszination lag. Dies würde also seine erste Begegnung mit einem Wesen werden, dass keine Chimaira und nicht seine Schwester war. Vor Aufregung vergaß er beinahe seinen Vorsatz sie auch noch in einigen anderen Sprachen anzusprechen. Für seinen nächsten Versuch wählte er jene Sprache, die ihm seine Mutter als Eismenschen-Sprache beigebracht hatte. Er wiederholte dieselben Worte wie zuvor und fügte noch an: „Ich weiß nicht woher ihr stammt, noch welche Sprache ihr sprecht, aber falls ihr mich verstehen könnt… Mein Name ist Nebelgeist.“ Seinen Namenszusatz ließ er absichtlich weg, da ihm in letzter Minute noch eingefallen war, dass sein Vater ihm erzählt hatte, man werde ihn außerhalb von Khirudan nicht verstehen. Das ganze wiederholte er noch einmal in jener Sprache, die sein Vater ihm beigebracht hatte und die von den Menschen der wilden Lande gesprochen wird. Damit war sein Kontingent an Menschensprachen in denen er sich einigermaßen verständigen konnte ausgeschöpft und Nebelgeist beschloss von dem Versuch abzusehen sich in einer der unzähligen Sprachen zu versuchen die er von seiner Großmutter erlernt hatte. In jeder dieser Sprachen beherrscht er nur wenige Worte und die Verständigung könnte sich als problematisch erweisen. Sollte die Menschenfrau, die ihm gegenüber im Gras stand und ihm inzwischen scheinbar aufmerksam lauschte, eine dieser Sprachen sprechen würde er das noch früh genug erfahren. Trotz allem hielt Nebelgeist seine Waffe noch immer in der Hand, bereiten sie jederzeit einzusetzen, sollte die Menschenin vor ihm beschließen lieber ihr Schwert als ihre Zunge sprechen zu lassen.

Unauffällig schob er sich, noch während er sprach, vor die im Gras liegende Fiari um sie notfalls verteidigen zu können. Wenngleich er noch keine Ahnung hatte wie er ihr später helfen sollte, war sie doch mit Blut bedeckt…
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Re: Falkentochter, Geistersohn...

Beitrag von Caiwen » Sa, 03. Mai 2014 15:30

Caiwen spürte die Blicke des Wesens auf ihrer Haut unangenehm prickeln. Sie versteifte sich und zog die Augenbrauen etwas verwirrt zusammen. Warum griff es nicht an? Oder tat etwas anderes – irgendetwas? Ihre Blicke trafen sich und es erschien Caiwen plötzlich, als wäre sie wieder in Nemáncan und läge im weichen Gras am See, den Blick zum nächtlichen Himmel erhoben. Ein silberner Ring und ein paar Sprenkel stachen aus dem Schwarz hervor. Um eines der Augen herum rankten sich dünne Narben. Sie zogen Caiwen sofort in ihren Bann. Woher kamen sie und was war passiert? Welche Waffen konnten so etwas zu Stande bringen? Die Söldnerin versuchte, sich den Blicken des anderen Wesens zu entziehen und fixierte stattdessen seinen Körper. Vom Gesicht bis zu der Hüfte schien es ein ganz normaler Junge zu sein, der vielleicht nur ein paar Winter weniger als sie gesehen hatte. Nur die schneeweißen Haare, die selbst zusammengebunden noch einiges länger als ihre waren, passten nicht in das Bild. Männer trugen ihre Haare doch kurz, das gehörte sich doch so, dachte Caiwen. Und das Wesen war eindeutig männlich, allein schon an seinem flachen Oberkörper und den markanten Gesichtszügen zu erkennen. Doch statt zwei Beinen schloss sich an seinen Oberkörper der Rumpf eines Pferdes. Sein Fell glänzte genau so hell wie seine Haare. Er hatte einen dünnen Körper, schon fast schmächtig, aber das musste nichts bedeuten. Caiwen selbst wurde auch oft wegen ihrer Statur unterschätzt. Auf seinem Rücken konnte sie einige graue Flecken erkennen, fast so wie die Sprenkel in seinen Augen. Für einen Moment fragte sich die junge Frau, ob das Fell sich auch so weich anfühlte, wenn man darüber strich, wie es aussah. Fast hätte sie die Hand ausgestreckt, besann sich aber auf den Ernst der Situation. Dann fiel ihr Blick auf die Waffe in seiner Hand. Ein langer Stab mit einer blutgetränkten Klinge an einer Spitze. Insgesamt war sie länger als Caiwen selbst. Sie verfolgte einen der rubinroten Tropfen, der an der scharfen Schneide entlanglief und schließlich auf den Boden tropfte mit den Augen. Wenn er sie damit getroffen hätte…sie wollte sich nicht vorstellen, was passiert wäre.

Ohne Vorwarnung machte ihr Gegenüber einen Schritt zurück. Caiwen griff, aus Angst vor einem Angriff, den Griff ihres Schwertes fester und hob es drohend einige Zentimeter an. Als sie sich versichert hatte, dass Feindseligkeit nicht die Ursache der Bewegung gewesen war, ließ sie es jedoch wieder sinken. Ihr war es nur recht, dass sich das ungewöhnliche Wesen etwas von ihr entfernte. Doch immer noch starrte es sie an und langsam wurde es Caiwen unangenehm. Aber was sollte sie tun? Sie wollte niemand Unschuldiges angreifen, aber auch nicht warten, bis sie von der fremdartigen Waffe durchbohrt wurde. Der Pferdejunge kam ihren Überlegungen zuvor und öffnete den Mund. Ein Schwall Worte ergoss sich daraus, von denen Caiwen aber kein einziges verstand. Die Sprachmelodie war sich exotisch und sehr melodisch. Es klang faszinierend. Wenn Caiwen den Jungen doch nur verstanden hätte! Er sah keineswegs feindlich gesinnt aus, sein Ausdruck spiegelte eher den ihren wider. Nur, dass in ihren Augen nun auch Verwirrung stand – wie sollte sie dem Wesen klar machen, dass sie nicht verstand? Und sie wollte unbedingt verstehen. – Reden, das war ihre Stärke, das war, was sie konnte, was sie so lange geübt hatte. Sie steckte ihre Waffe in das Halfter zurück, um ihre Aufgeschlossenheit zu demonstrieren, ließ ihre Hand aber in der Nähe des Dolchgriffes ruhen.
Anscheinend hatte der Junge ihre Verwirrung bemerkt, denn im nächsten Moment redete er wieder. Diesmal klangen die Worte rauer, aber immer noch unverständlich. Obwohl Caiwen glaubte, dass einige Worte ähnlich wie ihr bekannte klangen. Dann wiederholte er – jedenfalls glaubte Caiwen, dass er das Gleiche sagte wie vorher – das Ganze noch einmal und endlich konnte Caiwen es verstehen.
„Hallo, seid ihr verletzt? Verzeiht, ich wollte euch nicht treten doch ihr habt mich erschreckt. Ich weiß nicht woher ihr stammt, noch welche Sprache ihr sprecht, aber falls ihr mich verstehen könnt… Mein Name ist Nebelgeist. “

Der Junge – Nebelgeist, ein außergewöhnlich klingender Name, der sie vom Klang her an die ersten Worte des Wesens erinnerte – sprach mit einem schweren Akzent, was es schwieriger machte, ihm zuzuhören, doch die Söldnerin war erleichtert, sich mit ihm verständigen zu können. Vielleicht konnte er ihr sogar helfen!
„Mein Name ist Caiwen. Und mir geht es gut, keine Sorge.“ Wie auf ein Kommando begann ihr Oberarm wieder schmerzhaft zu pochen und ihre Worte Lüge zu strafen. Aber Caiwen ignorierte den Schmerz so gut es ging und ließ sich nichts anmerken. „Danke…für die Rettung“, sie nickte in Richtung des am Boden zusammengebrochenen Raubtiers, „Wenn du nicht gewesen wärst, wäre ich wohl auf dem Baum verhungert.“ Sie lächelte den Jungen schüchtern an, dann fiel ihr Blick wieder auf seinen Körper und das Lächeln verblasste leicht. „ Entschuldige meine Unhöflichkeit, aber was bist du?“ Sie ging einen Schritt auf Nebelgeist zu. „Wie…wie geht so etwas?“ Verwirrt sah sie von dem Gesicht des Jungen zu seinen hellen Hufen und in diesem Augenblick war es ihr egal, ob es unhöflich war, was sie tat. Sie hatte von solchen Wesen gehört, in den Geschichten, die man sich abends an Lagerfeuern erzählt hatte, aber sie hatte diesen nie große Beachtung geschenkt.
Ohne sich etwas anmerken zu lassen, hatte sie die Schritte Nebelgeists verfolgt, die einen Bogen beschrieben. Sie spähte hinter ihn und sah ein kleines Fellbündel inmitten all dem Gras. War das der Fuchs, den sie vorhin gesehen hatte? Der, der sich gegen den Steppenhund behaupten wollte? Dann sah sie all das rote Blut, das sein Fell verklebte und die schwachen Atemzüge. „Gehört er zu dir? Wir müssen ihm helfen!“ Gepackt von Mitgefühl zu dem armen Tier, versuchte sie, sich an dem Pferdejungen vorbeizuschieben. „Wenn du mich zu ihm lässt, kann ich die Blutungen vielleicht stoppen. Bitte.“ Sie sah ihr Gegenüber eindringlich an. Woher sie die Sympathie für den Fuchs nahm, wusste sie selbst nicht, aber schließlich hatte er ihr mit dem Raubtier geholfen und dafür verdiente er Respekt.
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

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Re: Falkentochter, Geistersohn...

Beitrag von Nebelgeist » Mi, 07. Mai 2014 12:23

Caiwen also… Ob das ein typischer Menschenname ist, fragte sich Nebelgeist. Er war so kurz, doch was hatte er erwartet. Er hätte sich eher darüber wundern sollen wenn sie einen Namen besäße, der ihr auch in seinem Clan keine seltsamen Blicke eingebracht hätte. Offensichtlich sprach sie eine ähnliche Sprache, wie die Menschen der wilden Lande. Das war ein Glück, denn diese Sprache beherrschte er einigermaßen sicher. Zumindest sicher genug um sich freiwillig darin zu unterhalten. Die Worte klangen zwar ein wenig anders, doch er bezweifelte das sich daraus ein Problem ergeben werde. Da das Mädchen keine Anstalten macht ihn anzugreifen, beschloss er seine feindselige Haltung aufzugeben. Langsam senkte er seine Waffe. Mit derselben Neugier wie zuvor musterte er sie ein weiteres Mal von Kopf bis Fuß. Sie schien keine Angst vor ihm zu haben und das wertete er erst einmal als gutes Zeichen.
Als sie sich für die Rettung bedankte und erzählte sie habe auf dem Baum gesessen, wunderte er sich. Er hatte doch das ganze Gebiet überflogen, weshalb war es ihm nicht gelungen sie zu entdecken? Ein schneller Blick zu dem Baum liefert ihm die Antwort. Das Astwerk des riesigen Gewächses war unter der dichten Blätterkrone kaum noch zu erkennen. Wenn sie darin gesessen hatte, versteckt unter all den Grün, war es ihm gar nicht möglich gewesen sie zu sehen. Er fragte sich auch ob ihr sagen sollte, dass es nicht sein Ziel gewesen war sie zu retten, sondern das er eigentlich nur durstig war und aus diesem Gefühl erst etwas persönliches geworden war als Fiari in Lebensgefahr schwebte. Doch er entschied sich dagegen, solange die Menschin nicht explizit fragte, würde er dieses kleine Geheimnis für sich behalten. Doch ihre nächste Frage verlangte sehr deutlich nach einer Antwort: „Wie… wie geht so etwas?“ doch bevor er sich zu einer Antwort entschließen konnte sprach sie schon weiter: „Was bist du?“ Er wollte gerade den Mund öffnen um ihr zu antworten als sie Fiari hinter ihm entdeckte. Er bemerkte wie sich etwas in ihren Blick veränderte. Dann machte sie ein paar Schritte auf ihn zu und versuchte an ihm vorbei zur verletzten Füchsin zu gelangen. Unwillkürlich versteifte er sich, bereit seine Freundin vor allem zu beschützen, doch ihre nächsten Worte verunsicherten ihn. Sie wollte Fiari helfen… Hier bot sich ihm die vielleicht einzige Chance seine Freundin zu retten.
Stimmt, was für eine Wahl habe ich eigentlich? Ich kann sie sowieso nicht anfassen, geschweige denn sie verbinden oder ihr sonst irgendwie helfen… Verdammt, Nebelgeist ärgerte sich so sehr über sich selbst, dass sein Schweif zu zucken begann. Seine Finger krallten sich fester um den Schaft seiner Naginata, aber er musste seine Entscheidung schnell treffen, denn ein Blick über seine Schulter bestätigte ihm, dass seine Freundin nicht mehr viel Zeit hatte. Die Blutung war zu stark, die Wunden zu tief und der kleine Körper regte sich kaum noch. Ihre kleine Brust hob und senkte sich im Takt der schwachen Atemzüge. „Nun gut, ich… bedanke mich dafür Caiwen. Wisse das es nicht in meiner Absicht liegt dich zu verletzen oder ähnliches, solltest du aber beschließen den Zustand einer Freundin zu verschlimmern, dann werde ich genau das tun. Doch vorerst habe ich beschlossen dir zu vertrauen. Ihr Name ist Fiari.“, damit trat er zur Seite und gab den Weg frei. Sein Blick fiel auf sie und ihm stockte der Atem. Der Geruch ihrer Verletzung traf ihn mit aller Macht, denn jetzt wo er sich nicht mehr auf eine unmittelbare Gefahr konzentrieren konnte, drang der Blutgeruch unverhüllt in seine empfindliche Nase. Obwohl er es eigentlich nicht wollte wich Nebelgeist zwei, nein eher drei Schritte zurück bevor er sich daran machte in seinem Beutel herum zu kramen ohne Caiwen dabei aus den Augen zu lassen. „Deine anderen Fragen werde ich sehr gerne beantworten, wenn du nur bitte zuerst ihre Wunde versorgen könntest.
Recht schnell fand er was er gesucht hatte und förderte seine Bogenhandschuhe zu Tage. Nur er streifte sie über und begann dann damit sorgfältig ein paar lange Halme des Steppengrases auszureißen. Er drehte die Waffe in seiner Hand und fing geschickt die herablaufenden Blutstropfen mit dem Gras auf, bevor sie seine Haut berühren konnten. Es ekelte ihn an, war aber notwendig. Sorgfältig begann er damit die Klinge zu reinigen. Wann immer das Gras nichts mehr von der klebrigen Flüssigkeit aufnehmen konnte ließ es zu Boden fallen und hob Neues auf. Das gewissenhafte Reinigen der Klinge nahm einiges an Zeit in Anspruch, schließlich war er fertig. Er schob die lange Waffe zurück in ihre Halteschlaufen und wischte die Handschuhe im Gras ab. Als auch sie sauber waren, verschränkte er die Arme vor der Brust und begann die Umgebung genauer in Augenschein zu nehmen. Hier war wirklich nichts, nichts außer einem Baum, einem Fluss und Gras so weit das Auge reichte. Der strahlend blaue Himmel war wolkenlos. Die Sonne brannte noch immer erbarmungslos herab und Nebelgeist helle Haut begann unangenehm zu brennen. Er musste aus der Sonne, sonst würde er sowohl einen Hitzeschlag als auch einen Sonnenbrand bekommen. Während sein Blick noch über die leere Ebene schweifte, blieb er immer mit einem Ohr bei der junge Menschin, die Fiari versorgt. Er leistete sich diese Entspannung nur, weil er gesehen hatte dass sie etwas von dem verstand was sie tat. Jetzt sah etwas seltsames am Horizont. Ein Flirren und der Himmel war dort dunkler als in der restlichen Steppe. Es war ein Streifen, der den Horizont aussehen ließ, als betrachte er ihn durch Wasser. Eine schemenhafte Erinnerung regte sich in seinem Geist und er versuchte sie zu fassen, was ihm aber nicht gelang. Er versuchte zu verstehen was er dort sah. Eine Wolke aus Sand oder Staub?
Vielleicht war das eine Herde von Huftieren. Aber nein, das müssten sehr viele sein und so viele hatte er noch nie gesehen. Also blieb ihm nur weiter nach der Erinnerung zu suchen, doch je mehr er das tat desto weiter schien diese zu verblassen. Ein hohes Fiepen unterbrach ihn in seinen Gedankengängen, sein Kopf ruckte herum und seine Augen bohrten sich zielsicher in Caiwens Hinterkopf. Fiari jammerte so gut wie nie.
Zuletzt geändert von Nebelgeist am Mi, 04. Jun 2014 17:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Falkentochter, Geistersohn...

Beitrag von Caiwen » Di, 03. Jun 2014 12:48

Die junge Söldnerin versteifte sich unwillkürlich unter den Blicken des Pferdejungen. Sie versuchte, sich ihr Unbehagen nicht anmerken zu lassen. Caiwen fürchtete sich nicht vor dem fremden Wesen, aber das hieß ja nicht, dass sie sich gleich wohlfühlen musste. Schließlich hatte es eine Waffe auf sie gerichtet, die länger als sie selbst war. Als ob Nebelgeist ihre Gedanken erraten hatte, ließ er sogleich seine erhobene Hand sinken. Erleichtert atmete Caiwen auf. Sie hatte die Hände in die Hüften gestemmt, einerseits wohl als Ausdruck einer unterbewussten Abwehr, andererseits weil ihr Dolch dort ruhte – sie war schließlich nicht so naiv sich gänzlich unbewaffnet zu zeigen.
Als sie sich bei dem Jungen bedankte, bemerkte sie einen Anflug von Verwunderung in seinen Zügen. Sie sah, wie seine Blicke zu dem Baum hinter ihnen schweiften. Hatte er sie etwa gar nicht gesehen? Gut, Caiwen musste zugeben, dass man sie von hier aus zwischen all dem Grün wohl nur sehr schwer auszumachen wäre. Aber was sein Anliegen im Kampf gegen das Raubtier gewesen war, brauchte sie ja nicht mehr zu interessieren. Die Hauptsache war, dass er ihr geholfen hatte, ob gewollt oder nicht.

Sie spürte Nebelgeists innere Zerrissenheit. Natürlich konnte Caiwen ihn verstehen. Sie hätte auch ihre Schwierigkeiten gehabt, einer völlig fremden Person so eine große Verantwortung zu übertragen. Ihm schien viel an dem kleinen Tier zu liegen. Caiwen versuchte, dem Jungen über ihre Körpersprache mitzuteilen, dass sie wirklich nur gute Absichten hatte, einzig um die Gesundheit des Fuchses besorgt war. Entweder das, oder die Tatsache, dass außer ihr niemand anderes da war, der helfen konnte, veranlassten Nebelgeist zu seiner Entscheidung: „ Nun gut, ich… bedanke mich dafür Caiwen. Wisse das es nicht in meiner Absicht liegt dich zu verletzen oder ähnliches, solltest du aber beschließen den Zustand einer Freundin zu verschlimmern, dann werde ich genau das tun. Doch vorerst habe ich beschlossen dir zu vertrauen. Ihr Name ist Fiari. “
Sobald er zur Seite trat, stürmte Caiwen an ihm vorbei und ließ sich neben die Füchsin fallen. Die Kleine atmete schwer, doch immerhin hob und senkte ihr Brustkorb sich regelmäßig. Eine Bewegung in ihrem Augenwinkel ließ sie innehalten. Sie schaute über die Schulter und entdeckte, dass Nebelgeist ein paar Schritte von den beiden weggetreten war. Sein Gesichtsausdruck war schwer zu bestimmen, es sah aus wie eine Mischung aus Besorgnis und...Angst? Doch bevor Caiwen sich weiter darüber den Kopf zerbrechen konnte hatte er ihren Blick bemerkt. Schnell richtete sie ihren Blick wieder auf die Füchsin. Sie blutete aus mehreren Wunden, doch die größte und gefährlichste war die in ihrer Seite. Caiwen brauchte etwas, um die Blutung zu stillen, sonst würde Fiari nicht mehr viel Zeit bleiben. Verdammt! Sie zog ihren Rucksack vom Rücken und kramte darin umher. Sie musste doch irgendetwas dabei haben, was das ganze Blut aufnehmen konnte! Schließlich zog sie ihren Umhang hervor. Auf dem dunklen Stoff konnte man Flecken nicht so schnell erkennen, außerdem konnte Caiwen ihn ja waschen. Sie holte außerdem ihren Wasserschlauch hervor und tränkte den Umhang mit der inzwischen lauwarmen Flüssigkeit. Dann drückte sie den Stoff vorsichtig auf die Wunde und begann sie zu säubern. Als der Stoff Fiaris Haut berührte, jaulte die Füchsin klagend auf. „Tut mir leid.“, murmelte Caiwen entschuldigend. Sie strich mit der anderen Hand beruhigend über das Fell des Tiers. „Es ist gleich vorbei!“, ermutigte sie die Kleine, „Halt nur noch kurz durch.“
Als Caiwen den gröbsten Dreck von der Wunde entfernt hatte, kam sie zum schwierigeren Teil…wie sollte sie das Ganze verbinden? Der Umhang war viel zu groß – außer, sie faltete ihn. Sie legte den Stoff so oft zusammen, bis er um Fiaris zarten Körper passte, dann legte sie ihn vor sich auf den Boden. „Das könnte jetzt etwas wehtun…“, warnte sie die Füchsin. Dann ließ sie ihre Hände unter deren Körper gleiten und hob sie sanft an, um den Stoff unter ihr durchschieben zu können. Die qualvollen Laute, die das Tier von sich gab, taten Caiwen in der Seele weh, doch sie wusste, dass sie nichts anderes machen konnte. Schließlich bettete die Söldnerin Fiari auf dem weichen Stoff, schlang ihn um ihre Hüfte und verknotete es unterhalb der Wunde. Das Schlimmste war somit überstanden. Die anderen Verletzungen waren weitestgehend nur Kratzer, die Caiwen wie die erste mit Wasser reinigte, aber nicht zu verbinden brauchte. Die meisten hatten schon aufgehört zu bluten. Als letztes nahm sie ihren Wasserschlauch und half der erschöpften Füchsin trinken. Dann stand sie auf und wandte sich an Nebelgeist, der, wie sie erkannte, sie die ganze Zeit beobachtet haben musste. „Das war alles, was ich für sie tun konnte. Ich denke, die nächsten Tage kann sie noch nicht laufen, es wäre besser, wenn du sie trägst. Außerdem brauch sie etwas zu fressen, damit sie wieder zu Kräften kommt. Aber am wichtigsten ist jetzt erst einmal Ruhe. Am besten lässt du sie ein paar Stunden schlafen.“

„Das heißt jetzt aber auch, dass wir etwas Zeit haben, uns zu unterhalten.“ Sie lächelte den Jungen aufmunternd an. Caiwen wusste, dass sie einen Auftrag zu erfüllen hatte, aber schließlich war ihr Reisegefährte vor ein paar Stunden weggelaufen, was wohl hieß, dass sie ihren Weg zu Fuß fortsetzen durfte und da konnte eine Pause doch nicht schaden. „Was mich auf meine ursprüngliche Frage zurückbringt. Kannst du mir verraten, wer du bist und woher du kommst?“
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

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Re: Falkentochter, Geistersohn...

Beitrag von Nebelgeist » Mi, 04. Jun 2014 23:53

Als er sah was sie tat schlich sich Verblüffung in seinen Blick. Sie schien wirklich Ahnung von dem zu haben was sie tat. Fasziniert beobachtete er sie dabei wie sie die Wunde reinigte und verband. Trotzdem zuckte er bei jedem Schmerzenslaut Fiaris zusammen. Als es endlich vorbei war atmete Nebelgeist einmal tief durch und trat dann vorsichtig näher. Noch immer hing der stechende Geruch des Blutes in der Luft und verursachte ihm Unbehagen, als er dicht neben Caiwen und seiner kleinen Freundin stehen blieb. Aufmerksam lauschte er als erstere ihm erklärte das Fiari erst einmal Ruhe und anschließend Nahrung benötige bevor sie wieder reisefähig sei. Mit einem kritischen Blick musterte er den Umhang, den die junge Menschin um den Leib der Füchsin geschlungen hatte. Er bedeckte nicht nur die Wunden sondern auch einen Großteil ihres Fells, sodas es ihm nun möglich sein würde sie hoch zu heben ohne dabei mit ihrem Blut in Kontakt zu kommen. Noch immer hob und senkte sich die Brust der Füchsin schwach. Ihre Augenlieder öffneten sich flatternd als er seine Vorderbeine einknickte und sie sanft in die Arme nahm. Ein wenig schwankend richtete er sich wieder auf und wandte sich Caiwen zu. „Du hast meinen Dank Caiwen. Ich werde dir deine Frage gleich beantworten, doch sieh es mir bitte nach das ich jetzt aus dieser Sonne heraus muss. Wenn es dir nichts ausmacht mir zu folgen würde ich Fiari gerne im Schatten dieses Monstrums ablegen, er deutete mit dem Kopf auf den Baumriesen bevor er weitersprach: „dann können wir uns dort vielleicht ein wenig ausruhen. Was mich betrifft würde ich mich gerne noch etwas entstauben und etwas trinken, bevor ich dir erzähle wer und was ich eigentlich bin.“ Er bemerkte Caiwens aufmunterndes Lächeln und seine eigenen Mundwinkel zuckten ein wenig. Doch konnte er sich nicht dazu durchringen es zu erwidern. Der Schreck über Fiaris Verletzung saß ihm noch zu tief in den Knochen.

Der Baum aus dem die Menschin gesprungen war nur wenige Schritte von Nebelgeists Standpunkt entfernt, wie er nach einem suchenden Blick feststellte. Aus dem Augenwinkel sah er wie Caiwen nickte und hörte anschließend wie sie ihm zustimmte. Also setzt er sich in Bewegung und betrat den kühlenden Schatten. Vorsichtig legte er Fiari ins Gras an den Fuß des Baumes. Er strich ihr einmal sanft über den Kopf und sie schloss die Augen wieder, rollte sich eng zusammen und war bereits nach wenigen Herzschlägen eingeschlafen. Ihr Atem ging zwar noch immer ein wenig schwer, war aber nun regelmäßiger und ruhiger. Nach einem liebevollen Blick wandte er sich wieder an die Menschin. „Könntest du bitte kurz ein Auge auf sie haben? Ich bin gleich zurück“, sagte er. Ohne auf ihre Erwiderung zu warten verfiel er in einen langsamen Trab. Er lief zurück zu der Stelle wo er seinen Bogen zuvor hatte fallen lassen. Während er die Waffe aufnahm, kurz prüfte ob die Sehne Schaden genommen habe und sich anschließend auf den Rückweg begab, fragte er sich im Stillen: Wie viel sollte ich erzählen? Ich weiß im Grunde nichts über sie, außer dass sie mir dankbar zu sein scheint, weil ich diesen Hund tötete. Darüber hinaus hat sie Fiari definitiv das Leben gerettet. Denn ich wäre nicht fähig gewesen ihre Wunde zu verbinden oder sie auch nur anzufassen… Sie wäre mir vermutlich unter den Händen verblutet, also schulde ich ihr Dank. Vielleicht lässt sich auf einen gegenseitigen Informationsaustausch ein. Doch zunächst sollte ich ihr wohl ein wenig über die Geschichte meines Volkes erzählen, dabei handelt es sich schließlich nicht um ein Geheimnis, ohne dabei näher auf meinen Clan oder mich selbst einzugehen als unbedingt notwendig.

Nebelgeist lief zwar auf den Baum zu, verhielt dort aber nicht. Wie angekündigt wollte er sich zunächst im Fluss waschen, doch als er davor stand schaute er überrascht. Es hätte ihm eigentlich gleich auffallen müssen, dass das stetige Rauschen von fließendem Wasser in dieser Umgebung fehlte. Der Fluss war ausgetrocknet. Sein trockenes Bett war nur noch durchzogen von einigen mehr oder weniger großen Pfützen. Er steuerte eine der größeren an in der das Wasser etwa knietief war. An dieser Stelle stieg er in das Flussbett. Das Wasser war klar und lauwarm. Nachdem er sich durch einen schnellen Blick davon überzeugt hatte das sich Caiwen nicht zwischenzeitlich doch noch als Feind erwiesen hatte und Fiari unverändert sicher im Schatten des Baumes schlief, begann er sich seiner Ausrüstung und Kleidung zu entledigen. Er wusste selbst nicht was ihm die Gewissheit gab das ihn dieses fremde weibliche Wesen nicht angreifen würde wenn er sich jetzt entwaffnete, doch die Gewissheit war vorhanden und er zögerte nicht. Zuerst legte er seinen Zionbogen, den er noch immer in der Hand hielt, auf die Uferböschung. Dann löste er die Halteschlaufen seiner Naginata, zog sie hervor und legte sie dazu. Es folgten Köcher, Beutel und Handschuhe, die er in dem Beutel verstaute, bevor er die seitlichen Verschlüsse seines Überwurfes löste. Nach einem kritischen Blick auf das Kleidungsstück klopfte er es kurz ab und legte es zu seinen anderen Habseligkeiten. Zuletzt kämpfte er mit den Haltebändern der zusammengerollten Decke, bevor er endlich auch sie weglegen konnte.
Dergestalt von allen Lasten befreit, trank er zunächst einen Schluck des frischen Wassers bevor er sich ohne Hast in die Pfütze sinken ließ, die etwa doppelt so lang war die er. Routiniert begann er sich zuerst den menschlichen Oberkörper und anschließend den Staub aus dem Fell zu waschen, bevor er seinen Zopf löste und das lange Haar ausschüttelte. Seine Haarbänder wanderten ebenfalls in den Beutel. Erst nachdem er Haupthaar und Schweif gründlich ausgewaschen und mit seinem Hornkamm von Knoten befreit hatte, erhob er sich wieder. Da seine nasse Haut in der Hitze ohnehin in kürzester Zeit wieder trocknen sollte zog er seinen Überwurf wieder an und begann seine Habseligkeiten aufzusammeln. Dann kletterte er aus dem Flussbett und ging langsam zurück in den Schatten zu Caiwen und Fiari. Er legte Beutel, Köcher und Bogen neben der schlafenden Füchsin auf den Boden. Als er mit der Naginata in der Hand auf die Menschin zutrat hielt er deren Spitze gesenkt um zu zeigen das er nicht vorhatte sie zu verwenden.
Während er sich neben ihr niederließ und die Beine unter seinem Körper sortierte, legte er die lange Waffe neben sich auf den Boden und richtete seine dunklen Augen auf Caiwen. Er nahm einen tiefen Atemzug und begann: „Wie ich bereits sagte lautet mein Name Nebelgeist. Ich stamme aus einem Land weit im Süden. Es trägt den Namen Khirudan und ist die Heimat der Chimairen. Dieses Wort ist im Grunde ein Oberbegriff für verschiedene Rassen von Tiermenschen. Einer dieser Rassen, den Kentauren, gehöre ich an. Wir durchstreifen in kleinen oder größeren Gruppen, so genannten Clans, die weitläufigen von vielen Seen und Flüssen durchzogenen Grassteppen im Norden Khirudans. Soviel zu deiner Frage woher ich stamme.
Deine andere Frage: was ich eigentlich sei, ist für mich etwas schwerer zu beantworten. Ich kann mir denken das Wesen wie mich da wo du herkommst höchstens in Legenden oder auch gar nicht gibt, deshalb lass mich vorwegnehmen das ich so geboren wurde.
Vor sehr langer Zeit lebte ein Ork namens Amogdú. Dieser besaß ein starke magische Begabung, die er nutzen wollte um seinem Volk dem es damals, von Naturkatastrophen und Ähnlichem gebeutelt nicht gut ging, das Leben zu erleichtern. Er beriet sich mit den Anführern seines Volkes. Aus dieser Beratung ging hervor das den Tieren das Überleben in der Wildnis um einiges leichter falle als seinem Volk. Sie hatten bessere Sinne, waren schneller und stärker und besaßen natürliche Waffen, wenn auch nicht die Intelligenz der Orks. So was der Plan Amogdús ihnen die Möglichkeit zu geben die Begabungen spezieller Tiere zu nutzen. So schickte er die Anführer aus ihm die besten und stärksten Vertreter ihrer jeweils bevorzugten Tierart zu bringen. Ein jedes von ihnen wurde rituell geopfert und seine Seele in ein Amulett gebannt. Diese Amulette ermöglichten fortan Orks und, so weit ich weiß, auch vielen anderen Rassen die Gestalt des in ihnen gebannten Tieres anzunehmen. Doch hatten diese Amulette einen Nachteil. Jedes Mal wenn man sich mit seiner Hilfe in ein Tier verwandelte blieben Merkmale dieses Tieres zurück, zum Beispiel die spitzen Zähne einer Raubkatze, das Fell eines Pferdes
“, bei diesen Worten fuhr er sich unbewusst mit einer Hand über das Fell an seiner Flanke: „oder auch die Federn eines Vogels. Je häufiger das Amulett verwendet wird, desto mehr Merkmale des Tieres bleiben zurück und es kann zu großflächigen Angleichungen kommen. Mit der Zeit wechselten die Amulette immer wieder die Besitzer. Manche gingen verloren, andere wurden verschenkt und einige blieben bei den Orks. So verteilten sich diese kleinen machtvollen Gegenstände mit dem Fluss der Zeit langsam so weit über ganz Alvaria, das heute kaum noch jemand weiß wo sie zu finden sind. Sie gingen durch viele Hände und veränderten viele Wesen grundlegend. Diese Veränderungen sorgten dafür das man unter anderem auch meine Vorfahren die ersten Kentauroi aus ihren Heimatgegenden vertrieb. Sie mochten vom gleichen Blut sein wie alle anderen um sie herum, doch jene sahen in ihnen nur noch Monster, Halbwesen, die in ihren Augen, kaum mehr Wert waren als Tiere. So zogen sie sich in dünn besiedelte Gebiete zurück und landeten schließlich im heutigen Khirudan. Dort fanden sie zusammen nach und nach entstanden die heutigen Chimairen-Völker. Meine Vorfahren waren die ersten die dieses Land für sich wählten, doch ihnen folgten andere, so dass es heute verschiedene Chimairen-Völker gibt. Wichtig ist dabei jedoch zu beachten das ein jedes Mitglied eines dieser Völker, abgesehen von seinen tierischen Merkmalen, auch das Blut viele verschiedene Rassen in sich vereint, denn die Stammväter der einzelnen Völker stammten aus verschiedenen Winkeln Alvarias und gehörten verschiedenen Rassen an.
Nebelgeist machte eine kurze Pause und fuhr sich mit den Fingern durch das lange silberweiße Haar. Gedankenverloren musterte er Caiwen, wie sie ihm gegenüber saß und ihm scheinbar aufmerksam zuhörte. In kam ein Gedanke und so hob er erneut zu sprechen an: „Ich denke damit sollten deine Fragen beantwortet sein, erlaube mir nun selbst ein paar zu stellen. Wer bist du und woher stammst du? Ich gehe davon aus das du ein Mensch bist und von irgendwo aus dem Norden stammst. Deshalb würde mich interessieren was du hier tust und nicht zuletzt auch warum du mir gegenüber so unvoreingenommen bist.
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Re: Falkentochter, Geistersohn...

Beitrag von Caiwen » Mo, 04. Aug 2014 13:37

Fasziniert beobachtete Caiwen, wie der Junge die kleine Füchsin hoch nahm. Wie fließend die Bewegungen trotz seines Pferdekörpers wirkten, fast schon elegant. Wie kam er nur so gut mit vier Beinen klar?, fragte sich die junge Söldnerin. War es nicht anstrengend, vier Gliedmaßen bewegen zu müssen, um zu laufen? Andererseits, wenn Nebelgeist auch die Kraft und Schnelligkeit eines Pferdes hatte, brachte ihm das ganz schön große Vorteile ein. Doch trotzdem, Caiwen konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, ihren Unterleib gegen den eines Pferdes zu tauschen, egal wie aufregend das klingen mochte...
Bevor Nebelgeist bemerken konnte, dass die junge Frau seinen Körper anstarrte, ließ sie ihren Blick weiter schweifen und konzentrierte sich nun auf sein Gesicht. Seinen Dank wies sie mit einer Handbewegung ab. "Ich habe nur einem verwundeten Mitkämpfer geholfen. Das ist meine Pflicht.", erklärte sie mit einem Lächeln in der Stimme. Nebelgeists Vorschlag, sich im Schatten zu unterhalten, kam Caiwen ganz gelegen, deshalb nickte sie nur. "Ich gehe vor. Wer weiß, was für Tiere sich hier noch rum treiben, und mit der Kleinen auf dem Arm wirst du dich wohl kaum gut verteidigen können." Sie setzte sich in Bewegung und zog im gleichen Atemzug ihr Schwert. Als sie sich sicher war, dass keine gefährlichen Raubkatzen oder Ähnliches in der Nähe waren, ließ sie sich neben die Füchsin sinken und lehnte sich an den kühlen Baumstamm. "Natürlich passe ich auf sie auf..", wollte Caiwen sagen, doch der Junge war bereits so weit entfernt, dass er es mit Sicherheit nicht mehr gehört hätte.
Sie schaute zu, wie Nebelgeist erst seinen Bogen holte und prüfend spannte. Solch einen Bogen hatte sie noch nicht gesehen, und man hatte die Söldnerin mit vielen Waffen vertraut gemacht. Er war größer als sie selbst und die Sonnenstrahlen ließen ihn in einem dunklen Braun schimmern. Caiwen wäre es unmöglich gewesen, damit zu kämpfen oder auch nur die Sehne zu spannen. Aber bei Nebelgeist wirkte er, als würde er zu dem Pferdejungen dazu gehören. Dieser betrat in just diesem Augenblick das Flussbett. Als er den Kopf in ihre Richtung drehte schloss sie schnell die Augen und gab vor, im Schatten des Baumes zu dösen. Vorsichtig blinzelnd versicherte sie sich, dass Nebelgeist den Blick wieder abgewandt hatte und sich anderweitig beschäftigte, dann öffnete sie die Augen gänzlich. Nicht ganz ohne Scham beobachtete die junge Frau, wie der Junge seine Kleidung ablegte und erst jetzt wurde ihr bewusst, dass er ja praktisch halb nackt war. Ihre Wangen brannten unerklärlicherweise bei diesem Gedanken - er war doch ein halbes Pferd! Und seinem Pferd zog doch auch niemand eine Hose oder ein Kleid an. Trotzdem war es etwas anderes, wenn das Pferd bis zur Taille aussah wie ein Mensch, erinnerte sie ein Stimme in ihrem Kopf.
Um sich abzulenken, konzentrierte sich Caiwen auf ihre Umgebung. Obwohl es da nicht sonderlich viel zu sehen gab. Gras so weit das Auge reichte, mit diesem Baumriesen als einzige Unterbrechung. Und natürlich dem Flussbett... womit sie schon wieder bei Nebelgeist war. Bei den Göttern..
Jetzt wo sie genauer überlegte, hatte der Junge eine gewisse Ähnlichkeit mit Arel - sein Haar war zwar ein wenig heller und länger, aber sie hatten den gleichen dünnen, doch trotzdem muskulösen Körperbau. Während Caiwen in Gedanken bei Arel und ihren anderen Freunden war, hatte Nebelgeist seine Wäsche anscheinend beendet, denn plötzlich stand er neben ihr, ließ sein Gepäck neben die Füchsin fallen und gesellte sich zu der Söldnerin auf den Boden. Diese richtete sich auf und wartete darauf, dass der Junge anfing zu sprechen. Sie musste sich nicht lange gedulden.

Als Nebelgeist verstummte, schluckte die junge Frau. Sie hatte viel erwartet, aber ganz sicher nicht das. Natürlich kannte sie das Land Khirudan von Karten, aber sie hatte immer gedacht, dass es weitestgehend unbewohnt sein würde. Und wenn, dann nur von Menschen und nicht von halben Tieren. Und deren vermeintliche Entstehungsgeschichte war ja wohl einfach..unglaublich! Wenn sie Zeit hatte würde sie sich wohl den Kopf darüber zerbrechen,aber Nebelgeist hatte ihr in diesem Moment auch eine Frage gestellt und die musste sie wohl beantworten, jetzt wo sie bekommen hat, was sie wollte. "Meinen Namen weißt du ja schon. Und tatsächlich stamme ich aus dem Norden, aus einer Stadt namens Merridia. Ich weiß nicht ob du davon schon einmal gehört hast? Jedenfalls.."Sie hielt kurz inne. Sollte sie ihm von Seberas erzählen? Er sah nicht wie ein Feind aus...aber wer weiß? Sie entschied sich für eine vage Variante der Wahrheit. "...jedenfalls hat mein Auftraggeber mich zu einem Botengang los geschickt, der mich bis in die Wüste führt. Bis jetzt hat eigentlich alles ganz hervorragend geklappt, nur dieser dumme Wüstenhund musste mir ja einen Strich durch die Rechnung machen. Und jetzt ist mein Pferd weg und ich habe keine Ahnung wie ich es ohne bis zu meinem Ziel schaffen soll. Das bringt meinen ganzen Zeitplan durcheinander!
Tut mir leid, ich habe mich wohl etwas zu weit reingesteigert."
Sie lächelte Nebelgeist entschuldigend an und hoffte, er würde ihr ihren Ausbruch verzeihen.
"Inwiefern sollte ich dir gegenüber voreingenommen sein? Ich meine, du - und natürlich deine kleine Freundin hier - " Caiwen bedachte Fiari mit einem Seitenblick und strich ihr sanft über das rote Fell. " habt mir immerhin geholfen. Und bis jetzt hast du mich weder angegriffen, noch versucht mich zu bestehlen. Und ansonsten behandle ich dich wie jeden anderen Fremden auch - unvoreingenommen. Denn wer weiß, vielleicht bist du ja total nett und durch mein Vorurteil nehme ich mir selbst die Möglichkeit, das heraus zu finden.
Natürlich ist es etwas...neu für mich, jemanden wie dich - Entschuldige die Ausdrucksweise - zu sehen, aber das muss ja noch lange nichts heißen."
Sie lächelte erneut, schaute aber sofort wieder ernst.
"Aber was machst du eigentlich hier? Ich meine, so weit ich mich erinnern kann ist es in Khirudan gar nicht so schlimm..."
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

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Re: Falkentochter, Geistersohn...

Beitrag von Nebelgeist » Mo, 11. Aug 2014 10:20

Merridia?, tatsächlich kannte er diesen Namen, erinnerte sich nur leider nicht mehr daran wer ihm den mitgeteilt hatte. Das ärgerte ihn, also begann er sein Gedächtnis zu durchforschen und schließlich fiel es ihm wieder ein. Seine Großmutter hatte ihn gewarnt das dies eine der größten menschlichen Ansiedlungen wäre, von der sie Kenntnis besaß. Jedem Ziin wäre davon abzuraten sie zu betreten oder sich auch nur in Sichtweite zu begeben. Den Grund warum sie sich gerade von dieser Stadt fernhalten sollten nannte sie nie, stattdessen nahm sie es stets als Anlass um ihre aufmerksame Zuhörerschaft auf die Gefährlichkeit des Menschenvolkes hinzuweisen. Niemals solle man sich einen Menschen offenbaren ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass dieser höchstwahrscheinlich schreiend davonlaufen oder angreifen werde. Wenn sich Nebelgeist Caiwen nun ansah fand er diese Einschätzung nicht bestätigt. Sie mochte sich sichtlich erschrocken haben als er plötzlich vor ihr stand, doch war er sich nicht sicher ob sein Anblick dieser Reaktion ausgelöst hatte, oder viel eher seiner Naginata geschuldet war, welche sich direkt vor ihrer Nase befunden hatte. Vielleicht hat auch der Huftritt sein Übriges getan… Ob ich ihr sagen sollte das es klüger ist sich nicht hinterrücks an mich heran zu schleichen? Mal sehen, ich denke das wird sich ergeben. Vielleicht merkt sie es auch von allein und falls nicht kann ich es ihr immer noch später erzählen. Mit ihren nächsten Worten bestätigte sie seine Einschätzung das sie irgendwie anders sein musste als die Menschen von denen Whisperperwind gesprochen hatte: „Inwiefern sollte ich dir gegenüber voreingenommen sein? Ich meine, du - und natürlich deine kleine Freundin hier habt mir immerhin geholfen. Und bis jetzt hast du mich weder angegriffen, noch versucht mich zu bestehlen. Und ansonsten behandle ich dich wie jeden anderen Fremden auch - unvoreingenommen. Denn wer weiß, vielleicht bist du ja total nett und durch mein Vorurteil nehme ich mir selbst die Möglichkeit, das heraus zu finden. Natürlich ist es etwas...neu für mich, jemanden wie dich - Entschuldige die Ausdrucksweise - zu sehen, aber das muss ja noch lange nichts heißen.“ Das offene Lächeln, welches diesen Worten folgte, schien jeder Spur von Falschheit zu entbehren und wie so oft brachte es ihn aus dem Konzept. Trotzdem meldete sich eine leise Stimme in seinem Kopf und mahnte zur Vorsicht. Dies ist ein Mensch, schoss es ihm durch den Kopf: bleib wachsam. Mit einem leichten Kopfschütteln versuchte er den Gedanken zu verbannen, aber er hielt sich hartnäckig.

Wenn sie tatsächlich aus dieser Stadt kam, dann musste sie schon lange unterwegs sein und er verstand ihre Verärgerung nur zu gut, also überging er ihren Ausbruch der immerhin nicht ihm gegolten hatte. „Ja, tatsächlich habe ich diesen Namen schon mal gehört. Aber wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht ist das ziemlich weit von hier entfernt, oder? Das heißt du musst schon eine lange Zeit unterwegs sein… Dein Pferd, ein schlankes Graues das etwa in diese Richtung“, er deutete mit der Hand die Richtung an aus der er selbst gekommen war: „davongelaufen ist? Mir kam nämlich eins entgegen gerannt. Es war vor Panik blind für seine Umgebung und ich fürchte ich muss dir leider sagen, dass selbst ich Probleme haben könnte es einzuholen, geschweige denn einzufangen. Falls dir das hilft kann ich es gern versuchen, schließlich hast du meine Begleiterin versorgt, aber allzu großen Hoffnungen habe ich nicht. Wenn sich also nicht zufällig eine Ansiedlungen der Nähe befindet wo du dir ein neues zulegen kannst, wirst du wohl oder übel laufen müssen.
Er ließ seine Worte verklingen um ihr die Zeit zum Antworten zu geben, während er gedankenverloren nach seinen Habseligkeiten griff und erstaunt innehielt. Sein Blick glitt über den kleinen Haufen hinweg und er stöhnte innerlich. Ich wollte das verdammte Ding von Anfang an nicht mitnehmen. Bisher war es nur im Weg und jedes Mal wenn ich Rast mache lasse ich es irgendwo liegen, verflucht… , diesen wenig freundlichen Gedanken galten seiner Decke. Sie lag, wie er nach einem kurzen Blick über die Schulter feststellte, neben der Stelle an der er sich eben noch gewaschen hatte.

Ich bin auch auf einem Botengang in die Wüste. Ich soll dort einer alten Freundin der Familie etwas geben“, er hob die Schultern und ließ sie wieder fallen als er fortfuhr: „Allerdings frage ich mich wie ich weiterkommen soll wenn Fiari verletzt ist. Ich weiß nicht wie ich ihre Wunde versorgen soll oder was zu tun ist wenn es ihr schlechter gehen sollte. Du siehst: ich habe keine Idee wie mit einem Verletzten zu verfahren ist. Ich denke das wir beide noch etwas hierbeleiben könnten bis sie sich ein Wenig erholt hat. In der Nähe gibt es frische Tierspuren, also könnte ich für sie jagen und Wasser gibt es auch genug, wenn sich aber noch mehr von diesen Steppenhunden in der Nähe aufhalten wäre es besser weiter zu reisen und uns einen sichereren Ort zum Rasten zu suchen. Wann willst du weiterreisen?“ Er wollte weitersprechen, doch Fiari nutzte diesem Moment um zu erwachen. Verschlafen sah sich die kleine Füchsin um. Als ihre Augen den Freund fanden stieß sie ein leises Bellen aus und versuchte aufzustehen, was sie sofort bereute. Nebelgeist, von dem Geräusch aufmerksam geworden, sah zu seinem Entsetzen wie ihre Augen vor Schmerz wieder glasig wurden. Er erhob sich so schnell er konnte und stolperte auf sie zu. Durch die Bewegung war der Verband verrutscht und frischer Blutgeruch hing in der Luft. Der Kentauer blieb stehen als wäre er vor eine Wand gelaufen. Innerlich zitternd zwang er sich eine Hand nach Fiaris Nase auszustrecken und ihr leicht über den Nasenrücken zu streicheln. Beinahe augenblicklich beruhigte sich das Tier, stieß nur noch leise Wimmerlaute aus und sah mit großen Augen zu dem Freund auf. Mit einem unhörbaren Fluch ging Nebelgeist etwas auf Abstand, länger als ein paar Atemzüge hielt er es nicht in ihrer Nähe aus. Sein Blick fiel auf die Menschenfrau, die sich noch immer neben der Füchsin befand: „Situationen wie diese meine ich“, er rang die Hände in einer hilflosen Geste: „ Kannst du etwas für sie tun Caiwen? Ich… Ich hole ein bisschen Wasser, sie hat schon länger nichts mehr getrunken, vielleicht hilft es ihr etwas.“ Ohne ihre Antwort abzuwarten trabte er davon, fort von diesem grässlichen Geruch. An der Wasserstelle angekommen spritzte er sich zunächst Wasser ins Gesicht, die Berührung mit dem kühlen Nass half ihm sich etwas zu beruhigen. So konnte er mit den Händen etwas Wasser schöpfen und sich auf den Rückweg machen. Die Decke blieb ein weiteres Mal unbeachtete liegen.
Als er mit dem Wasser in der hohlen Hand zurückkehrte war das leise Wimmern verstummt und er warf Caiwen einen dankbaren Blick zu. Während er Fiari trinken ließ überlegte er wie er der Menschenfrau angemessen danken konnte, denn der kurze Zwischenfall zuvor bestätigte ihm wie hilflos er doch war. Wenn sie nicht gewesen wäre, hätte er nur tatenlos danebenstehen und Fiari verbluten lassen können.
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Re: Falkentochter, Geistersohn...

Beitrag von Caiwen » So, 17. Aug 2014 17:55

Caiwen registrierte das leichte Kopfschütteln Nebelgeists, als sie ihm die Motive ihrer Unvoreingenommenheit eröffnete. Glaubte ihr der Kentaur nicht? Oder hatte sie ihn mit der Formulierung verärgert? Unbewusst neigte sie den Kopf und musterte die Züge des Jungen, hoffte sie würden ihr etwas über seine Geste verraten, etwas, das ihr weiterhalf, ihn zu verstehen. Sie versuchte aber ihre Überlegungen vor ihm zu verbergen und tat so, als wäre nichts geschehen, während ihr Gehirn blitzschnell seine Reaktionen verarbeitete. Immerhin nahm er der Söldnerin ihren Ausbruch nicht übel. Und er kannte ihre Heimatstadt. Aber woher, das war Caiwen nun doch wieder ein Rätsel. "5 Monate.", Sie flüsterte beinahe, dann wiederholte sie, mit nun festerer Stimme: "5 Monate bin ich nun schon unterwegs. Und eigentlich hätte ich nur noch 3 weitere gebraucht, wenn alles gut gegangen wäre. Aber so...
Ja, der Graue war meiner. Aber ist schon gut. Mach dir die Mühe nicht, wenn es nachher doch umsonst ist. Ich werde schon irgendwie zurecht kommen."
Caiwens Worte mochten sich selbstsicher anhören, doch tief im ihren Herzen wusste sie, dass sie sich nur selbst Mut machen wollte. Alleine würde sie keine Chance haben, da war sie sich sicher. Sie würde wahrscheinlich ein weiteres halbes Jahr brauchen, um bis zu ihrem Zielort zu kommen, wenn sie sich unterwegs nicht verirrte oder in irgendwelche Schwierigkeiten geriet. Andererseits, wenn sie in Begleitung reiste...Nebelgeist sah wie jemand aus, der gut allein zurechtkam, also würde sie sich um ihn nicht zu kümmern brauchen. Eigentlich die perfekte Begleitung für eine Reise - groß, schnell und nicht vollkommen unbeholfen. Während sie das realisierte bemerkte sie eine gewisse Verärgerung in Nebelgeists Blick, die aber nicht der jungen Frau galt, wie sie feststellte. Sie folgte seinem Blick und sah weiter hinten am Flussbett eine große Felldecke liegen, die der Kentaur wohl dort vergessen hatte.

"Ich bin auch auf einem Botengang in die Wüste. Ich soll dort einer alten Freundin der Familie etwas geben.", beantwortete er Caiwens Frage. Diese konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Perfekt. Wenn sie es richtig anstellte, schaffte sie es bestimmt, den Jungen davon überzeugen, ihren Weg gemeinsam fortzusetzen. Dann könnte sie sich auch um Fiari kümmern, denn gerade erklärte Nebelgeist ihr, dass er keine Ahnung hatte, wie man mit Verletzungen umging. Gerade als die junge Frau auf die Frage des Kentaurs antworten wollte, wurde sie von einem leisen Bellen unterbrochen. Ihre Augen schweiften zu der kleinen Füchsin, die vor Schmerzen wimmerte. Vor ihr stand der Junge. Man sah ihm an, dass er mit der Situation völlig überfordert war. Es schien fast, als würde er sich vor dem kleinen Tier fürchten. Aber als er sich Caiwen zuwandte, konnte sie neben der Besorgnis um seine Begleiterin und purer Hilflosigkeit noch etwas anderes in seinen Augen sehen...Ekel? Er bat sie aufgelöst um Hilfe und trabte dann davon. Bevor sich die Söldnerin Gedanken über das komische Verhalten dieses Jungen Gedanken machen konnte, ließ sie sich neben der Füchsin sinken. Der Umhang, den sie als Ersatz für einen Verband genommen hatte, war von der Wunde gerutscht. Des Weiteren war der Stoff schon wieder fast trocken und kratzte mit Sicherheit unangenehm. Wenn se an einem Dorf vorbeikamen, musste Caiwen dringend Verbände kaufen. Sie zog den Wasserschlauch aus ihrem Rucksack und übergoss den Mantel damit. Bevor sie ihn wieder richtete und festzog, suchte sie noch ein Stück Rinde, dass sie mit ein paar Lagen Stoff als Schutz so über der Wunde platzieren und befestigen konnte, dass er hoffentlich die Blutung etwas eindämmen würde.
Als Nebelgeist mit Wasser in den Händen zu den Beiden zurückkehrte, hatte Fiari sich bereits wieder beruhigt. Gierig trank die Kleine, was Caiwen ein Anlass zur Freude war. Die Füchsin war zäher als sie gedacht hatte. Sie würde auf jeden Fall wieder ganz die Alte werden, da war sich die junge Frau sicher.

Als Fiari friedlich schlief, nahm Caiwen das Gespräch von vorhin wieder auf. "Meine Pläne wurden sowieso erst einmal durcheinander gebracht. Da stört es sicherlich keinen, wenn ich mir mal einen Tag Zeit nehme. Wenn du willst, kann ich heute mit euch hierbleiben und mich um die Füchsin kümmern? Ich würde ihr heute erst einmal Zeit zur Genesung geben. Sie ist sichtlich erschöpft von den ganzen Strapazen. Was meinst du? Wir verbringen die Nacht einfach hier und sehen morgen weiter, was wir machen? Könntest du uns dann vielleicht etwas zu Essen besorgen? Fiari wird sicherlich hungrig sein, wenn sie aufwacht und ich hätte auch nichts gegen eine ordentliche Mahlzeit einzuwenden." Ihr Magen, der in just diesem Moment knurrte, unterstrich ihre Worte. "Ich weiß gar nicht mehr, wie lange es her ist, seit ich was vernünftiges gegessen habe... Naja egal. Ich würde mich dann um ein Feuer kümmern, wenn es dir recht ist?" Und sofort machte sie sich an die Arbeit. Ein paar Schritte von dem Baumstamm entfernt, rahmte sie eine kreisrunde Stelle mit Steinen ein, die sie in der Nähe des Flussbetts fand. Dann entfernte sie das umstehende Gras, damit sie nicht noch einen Steppenbrand verantworten musste, falls der Wind ein trügerisches Spiel spielte. Als nächstes suchte Caiwen Äste, Rindenstücke und alles andere an Holz und brennbarem Material zusammen, was es in der Umgebung zu finden gab. Blieb nur noch die Frage, wie sie das ganze anzünden sollte. Feuersteine hatte sie nicht. Probeweise hob sie zwei Kiesel vom Boden auf und rieb sie gegeneinander. Keine Funken. Das wäre ja auch zu schön gewesen. Dann musste sie es eben auf die altmodische Art versuchen. Sie fixierte eines der Rindenstücke so, dass der Mittelteil etwas über dem Boden schwebte. Dann nahm sie einen Stock, setzte ihn in der Mitte der Rinde an und drehte in schnell zwischen ihren Händen. Nach einigen Minuten stieg endlich eine dünne Rauchsäule vom Holz auf. Sie drehte noch schneller, ohne auf ihre schmerzenden Muskeln oder die Schweißtropfen, die ihr Gesicht entlang liefen, zu achten. Schließlich sprangen ein paar Funken auf das trockene Gras, dass sie als Anzünder verwendete über und durch vorsichtiges Pusten setzte Caiwen das Feuer in Gange. Sie beschloss, Fiari etwas Gesellschaft zu leisten und setzte sich neben die Füchsin, der sie sanft über den Kopf strich. Während sie das Feuer und ihre Umgebung im Auge behielt und dabei unaufhörlich Fiari streichelte, wartete sie auf Nebelgeists Rückkehr.
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

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Re: Falkentochter, Geistersohn...

Beitrag von Nebelgeist » Do, 21. Aug 2014 17:38

Nebelgeist trottete langsam durch das vertrocknete Steppengras. Er befand sich seit nunmehr einer halben Stunde auf der Suche nach einem Anhaltspunkt für die Anwesenheit eines Tieres, doch bisher hatte das Land es vermocht zuverlässig jede Spur vor ihm zu verbergen. Seine Blicke schweifen suchend umher, doch es war letztendlich seine Nase die ihn auf die Spur brachte. Ein herber Geruch nach Wild lag mit einem Mal in der Luft. Überrascht blieb Nebelgeist stehen und versuchte herauszufinden aus welcher Richtung er kam. Jetzt, wo es nicht länger vom Geräusch seiner Hufschläge auf dem harten Erdboden und dem Rascheln des trockenen Grases, das er bei jedem Schritt verursacht hatte, übertönt wurde, drang das leise Plätschern von Wasser an sein Ohr. Er war noch zu weit entfernt um es riechen zu können, aber das Geräusch wies ihm den Weg.
Nachdem er eine kleine Hügelkuppe passiert hatte, sah er die Quelle des Geräusches. Ein schmaler Bach schlängelte sich durch das verdorrte Land und an seinen Ufern hatten sich einige Tiere zum Trinken versammelt. Mit dem Blick eines geübten Jägers wanderten Nebelgeist Augen über die kleine Versammlung und fanden was er gesucht hatte. Während er seinen Bogen vom Rücken nahm und einen Pfeil aus dem Köcher zog, ruhte sein Blick unverwandt auf seiner Beute. Das rotbraune Fell der Ricke war von Narben übersät. Sie war klein, nicht einmal halb so groß wie er. Der Grund warum er sie ausgesucht hatte, war recht offensichtlich. Sie versuchte ihr rechtes Hinterbein nicht zu belasten. Während er bedächtig die Sehne seines Bogens prüfte, begann das Tier sich langsam von der Wasserstelle zu entfernen. Es hinkte so stark, dass Nebelgeist sich fragte wie es bis jetzt am Leben geblieben war. Er legte einen Pfeil auf die Sehne. Der Wind kam aus der entgegengesetzten Richtung, sodass es eigentlich nicht möglich sein sollte es eines der Tiere am Fluss seine Witterung aufnahm, doch noch während er den Bogen spannte begann sich am Wasser etwas zu tun. Die Ohren seiner Beute drehten sich, der ganze Körper versteifte sich. Der junge Kentauer suchte mit den Augen die nähere Umgebung des Bachlaufes ab, konnte den Grund für die Wachsamkeit der Ricke jedoch nicht entdecken. Während er sich noch fragte was sie wohl wahrnahm das ihm entging, entspannte sie sich wieder und begann zu äsen. Unverzüglich legte Nebelgeist auf sie an und schoss. Der Pfeil bohrte sich tief in das linke Auge der Ricke und sie stieß ein gequältes Geräusch aus. Nebelgeist sah noch wie sie ein paar taumelnde Schritte tat, bevor sie umfiel. Den Bogen noch immer in der Hand trabte er dorthin wo sie gefallen war.

Mit einem humorlosen Lächeln blickt er auf sein Abendessen herab. Nein, verbesserte er sich in Gedanken: Nicht mein Abendessen, unser Abendessen. Nachdem die sonnenhaarige Menschin mit dem Namen Caiwen sich ein zweites Mal um Fiaris Verletzung gekümmert hatte, war er mehr als bereit gewesen ihrer Bitte etwas zu Essen zu besorgen nachzukommen. So hatte er ihrem Plan, den Rest des Tages im Schutze des Baumriesen zu verbringen und erst am folgenden Tag über eine mögliche Weiterreise nachzudenken, zugestimmt und war auf die Jagd gegangen. Obwohl sich noch immer jene leise warnende Stimme beharrlich in seinem Unterbewusstsein meldete, hatte er die Verletzte Gefährtin, sowie einen Teil seines Reisegepäcks bei Caiwen zurückgelassen. Dieses plötzliche Vertrauen verwirrte ihn. Auf dem Weg hierher hatte er sich ein gutes Dutzend Mal selbst dafür gescholten einer Fremden so weit zu vertrauen, dass er seine treue Freundin mit ihr alleine ließ, nur um sich im gleichen Atemzug daran zu erinnern das eben jene Freundin ohne die Hilfe dieser Fremden vermutlich in seinem Beisein ihr Leben ausgehaucht hätte.
Mit einem energischen Kopfschütteln zwang er seine Gedanken in die Gegenwart und zu seinem Opfer zurück. Er stieß das Tier vorsichtig mit einem Vorderhuf an und umfasste, als es sich nicht regte, mit der einen Hand den Kopf des Tieres und zog mit der anderen den Pfeile aus der Wunde. Nach einer kurzen Inspektion desselben stellte er zufrieden fest, dass er sich wieder verwenden lassen würde. Bevor er sich sein Bogen wieder über die Schulter hängte, wanderte der Pfeil zurück in den Köcher. Anschließend ließ er einen prüfenden Blick über das erlegte Tier schweifen. Die Wunde war klein, doch der penetrante Blutgeruch ließ ihn trotzdem schaudern, als er sich die Ricke über die Schultern warf. Dabei achtete er darauf nicht mit der Wunde in Berührung zu kommen, bevor der Rückweg antrat.

Er roch das Feuer lange bevor er den ausgetrockneten Flusslauf erreichte. Als er in den Schatten des Baumes trat sah er Caiwen dicht neben Fiari sitzen. Der wachsame Blick in ihren Augen, während ihre Hand durch das rotbraune Fell seiner Freundin fuhr, beruhigte ihn. Er vermittelte ihm das Gefühl eines zuverlässigen Wächters und ein leichtes Lächeln stahl sich sein Gesicht. „Ich hatte Glück“, sagte er, während er die Ricke von seinen Schultern gleiten ließ: „Ganz in der Nähe ist ein kleiner Bachlauf, der wohl vielen Steppenbewohnern als stetige Trinkwasserquelle dient. Könntest du das Kochen übernehmen? Ich glaube ich habe mir auf den Weg hierher etwas gezerrt.“ Mit einem entschuldigenden Blick trat der junge Kentauer einen Schritt zurück und fuhr sich mit der linken Hand über die schmerzende rechte Schulter. Ein erlegtes Tier von der Größe eines Rehs über eine größere Distanz zu tragen überstieg seine Kräfte, wie er sehr wohl wusste. Er hatte die Länge der Strecke zurück zu ihrem kleinen Lager unterschätzt und seine brennenden Schultern waren die Strafe dafür.
Zusätzlich fehlte ihm der Elan sich selbst so zu präparieren, dass er die Ricke gefahrlos ausnehmen und für das Abendessen zubereiten konnte. Auch verspürte er nicht wirklich den Wunsch Caiwen zu erklären, weshalb er so viel Aufhebens darum machte nicht mit dem Blut seiner Jagdbeute in Kontakt zu kommen.Er trat kurz an Fiari heran um ihr sanft mit den Fingern durch das Fell zu fahren, bevor er mit geübten Handgriffen die Sehne seines Bogens aushängte und überprüfte ob sie zur Wiederverwendung taugte. Anschließend nahm er den Köcher von seinem Rücken und legte ihn zusammen mit dem Bogen auf den Boden zu seinen restlichen Habseligkeiten. Da die Sehne seiner eingehenden Musterung standgehalten hatte, wanderte sie in seinem Reisebeutel. Erst danach wandte er sich wieder Caiwen zu.
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Re: Falkentochter, Geistersohn...

Beitrag von Caiwen » Mi, 03. Sep 2014 12:35

Caiwen hatte Nebelgeist schon aus der Ferne gesehen und nur so getan, als schenkte sie ihm wenig Beachtung. Trotzdem zuckte sie ein kleines Wenig zusammen, als er das rotbraune Bündel Fell, das er bis dahin über seiner Schulter getragen hatte, vor ihr fallen ließ. Sofort setzte die Söldnerin sich gerade auf und untersuchte die Beute des Jungen. "Natürlich. Ruh dich aus.", murmelte sie, während ihr Blick über das Tier glitt. Eine Ricke, ein besonders kleines Exemplar, aber genießbar, wenn man wusste, wie das Fleisch zubereitet wurde. Von ihrem linken Auge war nicht mehr viel übrig, aber es sah nicht nach einer Wunde aus, die aus einem Kampf hervorgetreten war...
Caiwen machte sich daran, das Essen vorzubereiten. Sie zog das Fell des Tieres ab und schnitt ihm mit dem Dolch den Bauch auf, um die Innereien herauszunehmen. Während sie arbeitete, wandte sie sich an Nebelgeist: "Wo hast du gelernt, so zu treffen?" Natürlich brachte man ihr während der Ausbildung auch den Umgang mit Pfeil und Bogen bei, aber dort hatte sich Caiwen mehr schlecht als recht angestellt. Sie stürzte sich lieber direkt ins Getümmel, als sich irgendwo zu verstecken und mit einem unhandlichen Bogen darauf zu warten, dass sich ein Gegner ins Schussfeld verirrte. Aber wahrscheinlich war sie nur der Meinung, weil sie einfach keine Ahnung hatte, wie man mit solch großen Waffen umging. Aber vielleicht konnte Nebelgeist ihr ja ein paar Tricks zeigen..? Sie würde ihn in passender Situation mal darauf ansprechen.
Inzwischen hatte sie das Fleisch soweit verarbeitet, dass es in kleinere Stücken geschnitten auf einen Ast, den sie vorher mit dem Dolch zurecht geschnitzt hatte, gesteckt werden konnte. Diesen legte sie in eine Vorrichtung am Feuer, die sie aus weiteren Ästen gebaut hatte, sodass sich das Fleisch direkt über dem Feuer befand und nach Belieben gedreht werden konnte. Nun war es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie endlich essen konnten.

Stöhnend erhob sich Caiwen vom harten Boden, auf dem sie eindeutig zu viel Zeit verbracht hatte, und streckte ihre Arme und Beine. "Könntest du kurz aufpassen, dass das Fleisch nicht anbrennt?", fragte sie Nebelgeist, "Ich bin gleich wieder da. Ich wasch das hier-", sie deutete auf ihre blutverschmierten Hände und Arme, "nur schnell ab." Mit diesen Worten drehte sie sich um und verschwand in Richtung Flussbett. Sobald sie aus dem Schatten des riesigen Baumes heraustrat, brach die Hitze wieder über sie herein. Sie beeilte sich, zu einer der Wasserpfützen zu kommen und tauchte ihre Arme in das lauwarme, aber dennoch abkühlende Wasser. Rote Wirbel mischten sich in das Braun und für einen Moment starrte die junge Frau fasziniert auf die Muster, die immer wieder verschwanden und sich an anderer Stelle neu bildeten, bevor sie das restliche Blut von ihren Armen wusch. Schließlich spritzte sie sich noch ein paar Tropfen ins Gesicht - aber aus einer anderen Pfütze natürlich. Als sich das Wasser wieder aufklarte, konnte sie nach langer Zeit mal wieder ihr Spiegelbild sehen. Ihre eisblauen Augen leuchteten sie aus der Pfütze heraus an. Die Sonne hatte ihre Haut gebräunt und ihr Haar heller werden lassen, sodass es eigentlich fast golden war. Im Moment jedoch hingen ihr die meisten Strähnen ins Gesicht oder klebten an ihrer Haut. Der goldene Glanz versteckte sich unter einer Schicht Schmutz. Mit einem kurzen Blick in Richtung Nebelgeist versicherte sie sich, dass alles in Ordnung war und sie sich noch etwas Zeit nehmen konnte. Sie löste das Lederband, welches eh nicht mehr wirklich gehalten hatte, aus ihren Haaren und ließ sie über die Schultern fallen. Danach löste sie ihre Lederrüstung, die erstens viel zu warm und zweitens außerhalb eines Kampfes auch ziemlich umständlich war und packte sie in ihren Rucksack. Nun trug sie nur nur noch die Leinenbluse und - hose und ihre Waffen und war damit zwar verletzbarer, aber sie glaubte nicht an einen weiteren Angriff, außerdem hatte sie ja noch Nebelgeist. Dann suchte sie sich eine halbwegs große und tiefe Pfütze und wusch nun auch ihre Haare. Bei dieser Hitze würden sie binnen Minuten trocknen. Nass lockten sie sich noch mehr als sonst und schnell band Caiwen sie wieder zu einem Zopf zusammen, bevor sie gar nicht mehr zu bändigen waren.

Wieder zurück an ihrem Lagerplatz sah Caiwen, die Nebelgeist ein entschuldigendes Lächeln zuwarf, dafür, dass sie solange gebraucht hatte, dass dieser seine Aufgabe ziemlich gut gemacht hatte. Das Fleisch war bereits saftig braun und schon fast fertig. Vielleicht noch ein paar Minuten... Genug Zeit um noch etwas zu reden. Caiwen erinnerte sich an Nebelgeists Worte von vorhin und hatte schon dort etwas fragen wollen, war wohl aber darüber hinweg gekommen. "Tut es immer noch weh? Soll ich mir deine Schulter vielleicht mal anschauen?"
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Re: Falkentochter, Geistersohn...

Beitrag von Nebelgeist » Di, 16. Sep 2014 11:46

Mit einem dankbaren Nicken ließ sich der junge Kentauer neben dem Feuer zu Boden sinken. Anfangs sah er noch zu wie Caiwen das Abendessen vorbereitete, doch ihre Bewegungen zeigten ihm, dass sie wusste was sie tat und so fand er sich in der behaglichen Situation wieder, einmal nichts tun zu müssen. Erst jetzt wurde ihm bewusst wie müde und zerschlagen er tatsächlich war. Er war stunden- wenn nicht gar tagelanges Umherziehen gewohnt, doch selbst die nomadische Lebensweise seines Volkes hatte ihn nicht auf das vorbereiten können was die Volljährigkeitsreise wirklich bedeutet. Wenn die erwachsenen Mitglieder der Ciel über ihre eigenen Reiseerfahrungen sprachen, sagten sie meist nur, dass das Reisen eine wertvolle Erfahrung sei, die sie nicht gerne wiederholen würden. Jeder einzelne müsse diese Erfahrung machen um zu verstehen was Entbehrung bedeute um verstehen zu können wie angenehm das Clanleben im Vergleich zu den Reisejahren wäre.
Es waren nichts als leere Worte, dachte Nebelgeist: Kaum mehr als ein Versuch die Ziins zu warnen ohne ihnen dabei allzu viel Angst vor dem unausweichlich Kommenden zu machen. Gerade versuchte er sich daran zu erinnern wann er das letzte Mal richtig geschlafen hatte, als Caiwen ihn ansprach: „Wo hast du gelernt, so zu treffen?
In meiner Heimat wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Kinder den Umgang mit dem Bogen schon sehr früh erlernen“, antwortete er mit einem Achselzucken: „Das Tier war verwundet und trank aus einem kleinen Bach, also was kurzzeitig abgelenkt. Da der Wind aus der entgegengesetzten Richtung kam, konnte ich mich ihm unbemerkt nähern bevor ich schoss. Die Distanz war nicht so groß… Es war wirklich nicht so schwer.

Als Caiwen begann das Fleisch zu braten, wurde der metallische Geruch des Blutes langsam überdeckt. Er beobachtete wie sie aufstand und gab mit einem Nicken sein Einverständnis, dass er nun auf das Abendessen aufpassen würde um ihr die Gelegenheit zu geben sich zu waschen. Schließlich war Letzteres nur in seinem Sinne, denn solange sie mit der roten Flüssigkeit bedeckt war und dieser Geruch an ihr haftete, verursachte ihre Gegenwart ihm Übelkeit und es kostete ihn einige Mühe das nicht zu zeigen. Während sie zum Wasser hinüberging, richtete Nebelgeist seinem Blick auf das Lagerfeuer. Die warme Luft im Schatten des Baumes, die tanzenden Flammen des Lagerfeuers und der sich ausbreitende Essensgeruch schufen eine behagliche Atmosphäre, die ihn schläfrig machte. Die einzelnen Flammen leuchteten in unterschiedlichen Schattierungen von Gelb, Orange und Rot. Der Anblick ihres Tanzes, wie sie sich umeinander herum wanden, an einer Stelle verschmolzen um sich an anderer Stelle zu teilen, während dadurch immer neue Muster entstanden, war hypnotisierend. Der Gedanke sich einfach zusammen zu rollen und den müden Gliedern mit etwas Schlaf Erholung zu gönnen war verlockend. Einzig der Gedanke an das Essen hielt ihn halbwegs wach. Immer wieder streckte er träge den Arm aus um den Holzspieß ein Stück zu drehen. Mit halb geschlossenen Augen betrachtete er seine Umgebung um sich zu vergewissern, dass keine Gefahr drohte, doch das Feuer auf der etwas hypnotisch an sich. Immer wieder zog es seine Blicke auf sich. Die Atmosphäre versetzte ihn kurzzeitig in seine Kindheit zurück. Wie er sich des abends immer an der Flanke seiner Mutter zusammengerollt hatte und dann mit dem Wissen einzuschlafen sie über ihn wachte. Die Erinnerung an die Wärme in ihren Augen vermochte ihm noch immer ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Das Geräusch von Caiwens Schritten holte ihn in die Wirklichkeit zurück. Erstaunt registrierte er, dass ihr Haar jetzt wo es sauber war, sogar noch heller schimmerte als zuvor. Ein Blick auf das Essen verriet ihm, dass in seinem Dämmerzustand wohl mehr Zeit vergangen sein musste, als ihm klar gewesen war. Also drehte er den Spieß und stellte erleichtert fest, dass das Fleisch nicht angebrannt war. Die Frage der Menschin tat er mit einem Lächeln und einem Kopfschütteln ab. Vorsichtig streckte er seinem Oberkörper und ließ die Schultern etwas vor und zurück kreisen. Als Folge davon begann seine rechte Schulter wieder zu brennen. Auch der Rest seines Körpers schmerzte als wäre er zu lange mit gespanntem Bogen galoppiert.
Ja, es scheint aber nicht so schlimm zu sein wie ich zuerst dachte. Vermutlich wird sich das morgen oder übermorgen von alleine geben, aber danke für das Angebot“, sagte er um nach kurzem Schweigen mit einem besorgten Blick auf Fiari, welche ein kleines Stück rechts von ihm friedlich schlief, hinzuzufügen: „Ich vermute nicht, dass sie in absehbarer Zeit wieder in der Lage sein wird allein zu laufen, deshalb werde ich sie wohl tragen müssen wenn ich meinen Weg fortsetzen will. Zu diesem Zweck muss ich sie auf meinem Rücken festzurren, wo sie schutzlos der Sonne ausgeliefert sein wird. Deshalb halte ich es für sinnvoll entweder Morgen in aller Frühe oder erst mit dem Einbruch der Dämmerung aufzubrechen. Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich mich daher gerne nach dem Essen recht schnell schlafen legen um morgen ausgeruht zu sein. Ich weiß nicht wie du dich beim schlafen bisher abgesichert hast, aber dann ist zumindest für diese Nacht zu zweit sind, könnten wir abwechselnd Wache halten.
Die Andeutung eines Lächelns huschte über seine Lippen fortfuhr: „Ich kann immer wesentlich ruhiger schlafen wenn ich weiß das jemand Wache hält. Normalerweise kann ich mich darauf verlassen das Fiari rechtzeitig wach wird, aber in ihrem momentanen Zustand wage ich das doch stark zu bezweifeln.
Während er ihrer Antwort lauschte nahm er den Stock vom Feuer. Er zog ein Stück Fleisch von ihm herunter und nahm zwei Pfeile aus seinem Köcher. Einen davon stach er in das Fleisch, die scharfe Spitze des andern benutzte er um es in zwei Hälften zu zerteilen. Erfreut stellte er fest, dass das Fleisch inzwischen gar war. Er teilte die übrigen Stücke zwischen sich und Caiwen auf. Er legte ein Stück für Fiari zur Seite bevor er zu essen begann.
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Re: Falkentochter, Geistersohn...

Beitrag von Caiwen » Mi, 15. Okt 2014 16:45

"Falsche Bescheidenheit", sagte Caiwen und musste grinsen. "Also wenn du mich mal mit einem Bogen sehen würdest...Ich glaube, du würdest entweder nur den Kopf schütteln oder vor Lachen nicht mehr stehen können." Gut, so schlecht war sie vielleicht dann doch nicht, aber in keinem Fall hätte sie es geschafft, genau ins Auge zu treffen. Für sie zählte nur, dass sie das Ziel insgesamt nicht verfehlte und ein Mensch - worauf sie ja gelernt hatte, zu zielen, war zum Glück etwas größer. Da brauchte sie sich also keine Sorgen zu machen. "Bei euch wird also allen Kindern das Kämpfen beigebracht?", fragte sie dann aus Neugierde. "Ist das nicht ein bisschen zu früh? Sollten Kinder nicht erst einmal, nun ja, Kinder sein dürfen, bevor sie sich mit so etwas wie dem Töten auseinandersetzen?" Caiwens eigene Kindheit war zwar auch nicht gerade fröhlich gewesen, jedenfalls nicht immer, aber sie wünschte sich wenigstens für andere, ein besseres Leben haben zu können.


Caiwen merkte, dass Nebelgeist sie erstaunt ansah, und fühlte, wie sie kaum merklich errötete. Nervös spielte sie mit einer Locke, während sie sich die Worte des Jungen anhörte. Die Idee, bei Anbruch der Nacht weiterzureisen, war ihr auch schon gekommen und aus irgendeinem Grund freute es sie, dass Nebelgeist das Gleiche gedacht hatte. "Gut, dann gehen wir aber am Besten noch heute Abend los. Ich bin jetzt, wo ich zu Fuß unterwegs bin, etwas in Eile, wie du vielleicht verstehst. Klar kann ich zuerst Wache halten, leg dich ruhig gleich hin." Dankend nahm sie die Fleischstücke entgegen, die Nebelgeist ihr anbot und biss sogleich in eines. Wie gut das schmeckte! Erst jetzt wurde ihr bewusst, wie lange sie schon kein Fleisch mehr gegessen hatte. Gierig schlang sie auch den Rest in sich hinein und wischte sich danach verstohlen über die Mundwinkel. Man hatte ihr Manieren beigebracht, aber die kamen ihr hier mitten im Nirgendwo unter einem Baum zusammen mit einem Pferdejungen recht unnütz vor.
Nachdem auch Nebelgeist gegessen hatte, rollte er sich zusammen und schien kurz darauf eingeschlafen zu sein. Caiwen legte ihr Schwert griffbereit neben sich auf den Boden und machte es sich dann in in der Nähe von Fiari bequem. Sie strich der Füchsin über das weiche Fell, dann holte sie ihren Wasserschlauch hervor und ließ das verschlafene Tier ein paar Schlucke aus ihrer Handfläche trinken. Bei dieser Hitze musste sie wirklich aufpassen, dass Fiari nicht dehydrierte. Zuletzt überprüfte sie noch den Verband, mit dem alles in Ordnung war. Damit konnte Caiwen sich entspannt zurücklehnen. Sie zog die inzwischen abgegriffene Karte aus ihrem Rucksack hervor und studierte sie wohl zum hundertsten Mal. In ein paar Tagen sollte sie die Wüste erreichen, dann musste sie einfach nur nach Westen gehen bis sie auf ein Dorf oder eine Stadt traf, in der sie jemanden nach dem Weg und nach einem neuen Pferd fragen konnte. Ihr Blick schwenkte zu Merridia und nicht zum ersten Mal bekam sie Heimweh. Nicht nur nach ihrer kleinen Wohnung, nein, auch nach ihrer Tante und ihrem alten Freund Linus. Mit einem Lächeln im Gesicht und Tränen in den Augen erinnerte sie sich an einen Tag, an dem Linus die Stadtwache abgelenkt hatte, indem er ihnen weinend erzählte, er könne seine kleine Schwester nicht wiederfinden. Währenddessen stibitzte die kleine Caiwen den Schlüsselbund aus der Tasche der Wache und rannte wie der geölte Blitz davon, Linus ihr dicht auf den Fersen. Denn der Wachmann hatte natürlich sofort bemerkt, dass etwas nicht stimmte und die blinkenden Schlüssel gesehen, bevor sie in Caiwens Ärmel verschwinden konnten. Aber man durfte sich nicht mit Kindern anlegen, die das Armenviertel wie ihre eigene Westentasche kennen. Sie wurden durch zahlreiche Gassen verfolgt, konnten aber nach einigen gewagten Abkürzungen durch zerfallene Häuser und niedrige Dächer schließlich den Wachmann abhängen. Was haben sie gelacht! Als Caiwen am Abend ihrer Tante ihren neu gewonnenen Schatz zeigte, war diese aber gar nicht erfreut und wies Caiwen an, die Schlüssel sofort am nächsten Tag zurückzubringen. Was diese niedergeschlagen und mit hängendem Kopf am nächsten Tag Linus beichten musste. Als die Wachen unterwegs waren, hingen sie die Schlüssel an die Tür und machten sich schnell aus dem Staub, um nicht doch noch erwischt zu werden.


Während die Söldnerin in Erinnerung schwelgte, musste sie kurz weggedämmert sein, denn plötzlich schreckte sie hoch, als sie ein Geräusch hörte. Mit der Hand am Schwertgriff blickte sie um sich, doch es war nur Nebelgeist gewesen, der sich im Schlaf bewegt hatte. Nun war Caiwen wieder hellwach. Inzwischen war es merklich kühler geworden und auch die Sonne stand schon viel tiefer. Sie würden bald losgehen können. Eine Weile schaute sie in die fast erloschene Glut, dann beschloss sie, dass es Zeit war, Nebel zu wecken.
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

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