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Als die Vergangenheit mich einholte...

Das trockene, baumlose Land westlich des Dûngar-Gebirges.
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Kaveh
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Als die Vergangenheit mich einholte...

Beitrag von Kaveh » So, 12. Dez 2010 22:51


Leise und stetig trommelten die Regentropfen gegen die rote Plane des kleinen Zirkuswagens, indem Kaveh während der Reise stets sein Quartier bezog. Gewiss sah Luxus anders aus, aber wenigstens war es dort trocken und verhältnismäßig warm. Lange hatte er sich gegen das Ziel der Reise gesträubt, weil er nicht verstehen wollte, was es ihm brachte nach Thamyr zurückzukehren. Doch Leon hatte eindringlich darauf bestanden. Die letzten Wochen hatten sie sich oft gestritten, Leon meinte Kaveh habe sich verändert und besann sich nicht mehr auf seine Wurzeln. Er sagte, es wäre höchste Zeit sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen. Unruhig drehte sich der junge Halbelf auf seine Liege hin und her. Als er noch Kind war, vermochte das sanfte hin und her Wiegen des Wagens ihn stets in den Schlaf zu schaukeln, doch je älter er wurde, umso lästiger wurde ihm dieses Gefühl. Er hatte ein flaues Gefühl im Magen, was ihn letztendlich auch dazu brachte die Beine über die Kante zu schwingen. Müde rekelte er sich und auf seiner nackten Brust bildete sich eine seichte Gänsehaut, als die Decke von seinem Leib rutschte. Ohne weitere Unschweife, griff er mit der Rechten nach seinem Hemd, dass er sich kurzer Hand über den Kopf zog, wie er es immer Tat, wenn er mal wieder zu faul war, die Knöpfe zu öffnen. Immer noch schlaftrunken fuhr er mit der Hand durchs Wirre blonde Haar. Anschließend erhob er sich. Leise und geschmeidig waren seine Schritte, da niemand merken sollte, dass er bereits wach war. Vorsichtig schlug der die Plane zurück und blickte hinaus in die Dunkelheit. Am Himmel waren weder Sterne noch Mond zu sehen, da diese wahrscheinlich von den dicken, schweren Regenwolken verdeckt waren. Eiskalte Wassertropfen benetzten seine blasse Haut, als er sich in den Regen hinaus stahl.

Mit einem schlechten Gewissen sah er dem kleinen Zirkustrupp hinterher und begann dann zügig in die andere Richtung zu laufen. Es war keine gute Idee gewesen zurückzukehren. Es war ein Fehler, ein sehr großer Fehler. Wie von selbst glitt seine linke Hand an das kleine Amulett, das an einem Lederband um seinen Hals hing. Bereits jetzt spürte er den Impuls sich in ein Tier verwandeln zu wollen, verspürte den Drang sich nur noch seinen Instinkten hinzugeben. Doch dann blieb Kaveh abrupt stehen und wandte sich wieder um. In der Ferne funkelten einige wenige Lichter am Horizont. Das musste bereits Thamyr sein, jener schicksalhafte Ort, in dem er seine Kindheit verbracht hatte. Diesmal würde er nicht feige fortlaufen, nein… Entschlossen bewegte er sich nun auf das kleine Dorf zu, die Wagen der Anderen, mussten ihr Ziel längst erreicht haben. Ein leises Seufzen kam über seine Lippen, der Regen hatte seine Kleider bereits völlig durchnässt. Ihm war es jedoch gleich. Sein Weg führte ihn in das Dorf, doch anders als jeder andere Reisende, bevorzugte er einen kleinen Weg, der seitlich in das Zentrum führte, anstatt der Hauptstraße zu folgen. Die Gassen Thamyrs waren um diese Tageszeit vollkommen leer, doch in einer der wenigen Tavernen brannte noch Licht. Ohne sich zu fragen warum, betrat er die kleine Schenke und sah sich um. Auch hier war es leer, bis auf den Wirt der leise fluchend in der Küche die Teller schrubbte. Kaveh räusperte sich leise und begann ruhig zu sprechen: „Verzeiht, bekomme ich hier noch einen Met?“ Der kleine, dickliche Wirt sah verärgert aus und stellte ihm leise grummelnd dennoch einen Becher mit Met auf den Tisch. „Kostet das Doppelte!“, knurrte er den Jungen an. Dieser nickte und führte den Becher an die Lippen. Der süße Geschmack legte sich auf seine Zunge und sorgte anschließend für ein wohliges, warmes Gefühl im Magen.

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Re: Als die Vergangenheit mich einholte...

Beitrag von Cyra Keezheekoni » Mo, 13. Dez 2010 13:25

Bis hierher war alles noch verhältnismäßig einfach gewesen. Von einer Anhöhe aus funkelten ihr die Lichter des Dorfes entgegen.
Cyra Keezheekoni wollte keinen Blick zurück werfen. Zurück in die Freiheit der Steppe. Zurück in das Leben, welches sie nun zurückließ um heraus zu finden, wer sie war und wo sie herkam.
Die ersten Herbststürme fegten über das weite Land der Steppe.
Der Abschied von den Ba'arin war ihr zum Teil schwer gefallen. Bei ihnen war sie aufgewachsen, sie waren ihr ständiger Halt. Ihre Ziehmutter Aponi ließ sich ihren Schmerz nicht anmerken, doch sie litt unter der Trennung, noch bevor sie vollzogen war. Aber sie war auch froh, mit jeder zurückgelegten Meile irgendwie ihrer Erinnerung entgegen zu reisen.
Schon seit einer langen Woche war Cyra nun unterwegs. Ihr warmer Kapuzenmantel schütze sie vor den kalten Winden, die schon jetzt vom nahenden Winter kündeten.
Vor einer Tagesreise hatte heftiger Regen eingesetzt. Während sie ihre Kapuze tiefer in ihr Gesicht zog, warf sie Thamyr einen aufmerksamen Blick zu. Hier musste ihre Reise beginnen. Der Dorfälteste wusste schon, von ihrer baldigen Ankunft. Der Waffenstillstand zwischen den beiden Stämmen hielt noch immer vor und man pflegte inzwischen eine Art Freundschaft. Hier war sie willkommen solange sie ihren weiteren Weg plante. Ihr suchender Blick glitt über die Dunkelheit um sich herum. Atham hatte sich vor einer Stunde von ihr getrennt, um jagen zu gehen. Glücklicherweise kannte man sie in Thamyr schon. Der Puma würde weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen, als beim ersten Mal und Cyra selbst waren auch die Bewohner nicht völlig fremd. Der Tag, an dem sie über ihren Schatten springen musste, um auf ihrem Weg weiter zu kommen lag also noch in der Zukunft.
Am Dorfrand stieg sie von ihrem Pferd ab. Hinter sich hörte sie ein leises Grollen. Noch bevor sie sich umdrehen konnte, stand Atham neben ihr, schaute zu ihr hoch und leckte sich unschuldig über die Schnauze. Liebevoll strich Cyra ihm durchs Nackenfell und atmete tief durch.

Maska wurde in einem Stall untergestellt. Cyra wusste, dass ihr Pferd gut versorgt wurde, denn, obwohl sie das Nomadenleben aufgegeben hatten, floss noch immer Steppenblut durch die Adern der Einheimischen. Leise schritt sie durch die Gassen. Sie würde in einer nahen Taverne die Nacht verbringen. Dort hatte sie bereits genächtigt, als sie vor zwei Jahren das erste Mal hier war. Der Wirt war ein seltsamer, ruppig wirkender Mann, der allerdings, trotz seiner groben Art ein weiches Herz hatte. So mochte er Atham ziemlich gerne und musste stets gebremst werden, wenn er ihn mal wieder mit einem leckeren Stück rohen Fleischs verwöhnen wollte.
Froh, endlich dem Regen zu entkommen, trat sie ein.
Der Wirt stand grummelnd hinter der Theke und warf ihr einen finsteren Blick zu. Erst, als er Atham hinter ihr entdeckte, hellte sich sein Gesicht kaum merklich auf. Fast zu wenig, um als Lächeln erkannt zu werden, zuckten seine Mundwinkel. “Guten Abend kleine Lady. Ich dachte schon, ihr lasst mich noch länger warten.”
So schnell, wie seine offene Miene gekommen war, so schnell verfinsterte sie sich auch wieder. Cyra folgte seinem Blick und entdeckte einen Fremden in der Ecke sitzen. Muffelnd verzog sich der Wirt in die Küche. Schulterzuckend schlug Cyra sie Kapuze zurück, zog den Mantel aus und setzte sich an die Theke. Die Satteltasche legte sie neben sich. Atham schlich hinter ihr her und würdigte den Fremden keines Blickes. Ein leises Grollen, tief aus der Kehle des Pumas war der einzige Hinweis darauf, dass er den Fremden registriert hatte. Zufrieden ließ er sich zu ihren Füßen nieder und regte sich erst wieder, als der Wirt ihm ein rohes Steak und Cyra einen großen Becher heißen Mets brachte.
»Lasset die Handlung zu den Worten, und die Worte zur Handlung passen, mit der einzigen Vorsicht, daß ihr nie über die Grenzen des Natürlichen hinausgeht.«

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Re: Als die Vergangenheit mich einholte...

Beitrag von Kaveh » Mo, 13. Dez 2010 22:39


Kaveh saß eine ganze Weile dort, der Met war schon längst geleert, doch der Wirt schien nicht einmal mehr im Traum daran zu denken, ihm einen neuen einzuschenken. Seis drum! Etwas in Gedanken versunken starrte er den Boden des Bechers an. Plötzlich öffnete sich die Tür und der junge Halbelf schien für Außenstehende keine Regung zu zeigen. Nur wer ganz genau hinzusehen vermochte, erkannte, dass seine Ohren sich leicht nach hinten richteten, um genau zu lauschen. Es waren geschmeidige Schritte, wahrscheinlich die einer jungen Frau. Die Tür fiel leise wieder ins Schloss. Doch da war noch etwas, etwas… Vertrautes. Unauffällig begann er zu wittern, so wie es normalerweise nur Tiere taten, doch ein Teil von ihm, war ja auch bereits zum Tier geworden. Er wurde aufmerksam und unterdrückte den inneren Drang sich sofort umzudrehen, als er den Geruch erkannte. War hier etwa ein Puma anwesend? Seine Gedanken brachen ab, als das Weib die Stimme erhob. Sie klang lieblich und formte Worte in einem wohlklingenden Dialekt. Der Wirt schenkte der Dame weit aus mehr Aufmerksamkeit, als er ihm zugestanden hatte, wahrscheinlich kannten die Zwei sich schon von früheren Tagen. Endlich traute Kaveh sich zu der Dame umzuwenden. Aus dem Augenwinkel erblickte er den Puma, der ihn mit einem unfreundlichen Knurren begrüßte, welches er seinerseits mit einem für einen Menschen kaum hörbaren Fauchen quittierte.

Dann endlich kam er dazu die reizende Frau zu mustern. Sie trug außergewöhnliche Male der Steppenreiter, und dennoch tat es ihrer Schönheit keinen Abbruch. Ihr Körper schien, soweit er zu sehen vermochte in einem tadellosen Zustand, ihr Haar war schön und seidig. Ihre Augen und ihre Lippen zogen seine Aufmerksamkeit einige Zeit länger auf sich und er musste sich grade dazu zwingen, den Blick wieder abzuwenden, ehe sie es noch bemerken würde. Er ließ noch ein paar Momente verstreichen und drehte den Becher unentschlossen in seinen Händen. Unter normalen Umständen würde er wohl keine Gelegenheit auslassen eine solche Schönheit anzusprechen, doch die Umstände waren alles andere als normal. Ein leises Seufzen kam über seine Lippen, gefolgt von ein paar rauen Worten: „Noch einen Met Wirt! Nein, besser gleich zwei! Und das Getränk der Dame geht ebenfalls auf meine Kosten!“ Er wartete einige Momente ab, doch nichts geschah. Dann wiederholte er dieselben Worte noch mal um einiges lauter. Diesmal schien der Wirt ihn gehört zu haben und kam seiner Bestellung sofort nach, um anschließend gierig die Hand auszustrecken. Der junge Halbelf griff in seine Tasche und legte ihm einige Münzen in die offene Handfläche. Der dickliche Mann musterte skeptisch seine Bezahlung und verschwand dann aus Kavehs Blickfeld. Ohne weitere Worte blickte er erneut rüber zur Dame und hob geschmeidig wie eine Katze seinen Becher, um ihr freundlich zuzuprosten. Kurz darauf lief das goldgelbe Gesöff seine Kehle hinunter.
Zuletzt geändert von Kaveh am Mi, 15. Dez 2010 18:49, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Als die Vergangenheit mich einholte...

Beitrag von Cyra Keezheekoni » Di, 14. Dez 2010 12:39

Überrascht drehte Cyra sich zu dem Fremden um, als sie seine Wort vernahm. Das übliche Misstrauen Fremden gegenüber breitete sich, wie heiße Flüssigkeit in ihrem Körper aus. Einen kurzen Augenblick lang, tobten zwei unterschiedliche Reaktionen in ihr. Auf der einen Seite stand das kalte Misstrauen zusammen mit der Abweisung. Von Fremden war nie etwas gutes zu erwarten.
Auf der anderen Seite stand der Zwang, über ihren Schatten springen zu müssen, gepaart mit dem Wissen, dass sie in Zukunft auf Fremde anders reagieren musste, als mit Argwohn und Abweisung. Einen Augenschlag später brachte sie ein feines, leichtes Lächeln zustande, hob eine Augenbraue an und nickte dem Fremden zum Dank zu.
Als der Wirt das nächste mal in ihr Blickfeld kam, seufzte sie leise und schenkte ihm einen sanften vorwurfsvollen Blick. “Würde es euch umbringen, einmal zu Lächeln? Eure mürrische Miene vertreibt ja die Gäste.”
“Lächeln hält mir die Raufbolde auch nicht ruhig und das Lumpengesindel vom Leib.”, muffelte der Wirt.
Cyra lachte leise. “Stimmt. Das vermag nur weiblicher Charme.”
Plötzlich passierten mehrere Dinge auf einmal.
Sie vernahm eine kleine Bewegung aus dem Augenwinkel, vermutlich hatte der Fremde seinen Becher auf dem Tisch abgestellt. Zeitgleich ruckte Atham´s Kopf von seinem Steak auf und er fauchte in Richtung des Mannes. Von dieser Reaktion alarmiert zuckte Cyras Hand an ihre Hüfte. Wie elektrisiert umschlossen ihre Finger den Griff ihres Dolchs und sie sah sie aufmerksam um. Erst, nachdem sie sich versichert hatte, dass keine Gefahr droht, fiel die Anspannung von ihr ab und sie sah fragend zu Atham. So reagierte er normalerweise nur, wenn Gefahrt im Verzug war. Die Raubkatze fixierte immer noch den Fremden. Ihr Blick huschte kurz zwischen den beiden hin und her.
“Was ist los, mein Freund?” Ihre Stimme war leise und samten, als sie die Raubkatze ansprach. Dieser wandte sich endlich ab und schaute ihr in die Augen. Langsam stiegt sie von ihrem Barhocker und kniete sich vor ihn. Einige Sekunden lang blickten sich Tier und Frau in die Augen. Dann strich Cyra ihm vorsichtig durch das weiche Fell an seinem Hals. Schließlich leckte sich Atham über die Schnauze, kniff die Augen kurz zusammen und widmete sich wieder seinem Steak.
Cyra stand wieder auf und setzte sich zurück an die Theke. Aus einer der Satteltaschen holte sie die Karte, die sie vom Dorfältesten bekommen hatte und studierte sie.
»Lasset die Handlung zu den Worten, und die Worte zur Handlung passen, mit der einzigen Vorsicht, daß ihr nie über die Grenzen des Natürlichen hinausgeht.«

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Re: Als die Vergangenheit mich einholte...

Beitrag von Kaveh » Mi, 15. Dez 2010 19:39


Der Met tat gut. Er benebelte schon bald seine Sinne und ließ den Kummer ein wenig in Vergessenheit geraten. Kaveh hasste es, wenn er nachdenklich war oder gar schlechte Laune hatte. Eigentlich hatte er ja gehofft, dass er diese Zeiten hinter sich gelassen hatte. Aus der Gewohnheit heraus leerte er den zweiten Becher in einem Zuge und ließ ihn etwas unsanft zurück auf die Theke schnellen. Unmanierlich, aber dennoch mit einer Eleganz, die man sonst nur Katzen zutraute, hob er den Arm und wischte sich mit dem Handrücken die klebrigen Reste des Gesöffs von den Lippen. Ein zufriedenes Lächeln bildete sich in seinem Antlitz, das rotgoldene Haar war mittlerweile wieder getrocknet und umspielte in gewohnter Form locker seine Ohren. Ein erneutes Fauchen des anderen Raubtieres erklang und ließ den jungen Halbelf aufmerksam werden. Er musterte das Tier und bleckte unbewusst seine spitzen Eckzähne. Dann fiel sein Blick auf den Knochen und sein Magen fing bitterlich an zu knurren. Er konnte sich nicht mehr erinnern, wann er das letzte Mal etwas Essbares zu sich genommen hatte. Etwas missmutig, dass er hier in der Taverne heute wohl nichts mehr zu Essen bekommen würde, suchte er eine Ablenkung. Seine grünen Augen fixierten nun wie ein Raubtier seine Beute den Leib des Weibes, das sich elegant vor dem Puma auf die Knie gelassen hatte. Kaveh musste sich eingestehen, dass sie mehr als nur begehrenswert war und plötzlich regte sich etwas tief in seinem Innern, dass diese Frau besitzen wollte. Ohne den Blick von ihr abzulassen, erhob er sich geschmeidig und bewegte sich langsam auf sie zu, während sie sich so etwas wie einer Karte zu widmen schien. In einiger Entfernung zu ihrem Platz blieb er stehen und strafte das liegende Raubtier mit einem warnenden Blick, worauf hin dieses sich von ihm abwandte und vollkommen ignorierte. Es war wohl auch besser so.

Kaveh hatte zu viele Erfahrungen mit Frauen, um all zu plump an sie heranzutreten. Stattdessen näherte er sich noch ein wenig, blieb aber in einem gewissen Abstand zu ihr stehen und blickte zaghaft über ihre wunderschöne Schulter. Seine feine Nase nahm bereits jetzt den lieblichen Geruch ihres dunklen Haares wahr und er schloss kurz die Augen, um diesen vollends auszukosten. Dann setzte sich ein schüchternes, aber ehrlich gemeintes Lächeln auf seine vollkommenen Lippen und er räusperte sich leise, ehe er mit tiefer, wohlklingender Stimme zu sprechen begann: „Verzeiht meine Neugier, unbekannte Schönheit der Steppe...“ Er ließ seine Worte einen Moment wirken und wartete nun auf eine Reaktion ihrerseits. Er konnte nicht vorher sagen, wie die Dame auf ihn reagieren würde, zu wenig Zeit hatte er damit verbracht, ihr Verhalten zu beobachten. In der Regel sprach er selten Frauen an, ohne sich vorher eine gewisse Zeit mit ihnen zu beschäftigen. Es waren oft die Kleinen Dinge im Leben, die einem halfen eine Frau für sich zu gewinnen. Schon oft wurde ihm die Vielweiberei vorgeworfen und für einen Außenstehenden war dies wohl nur all zu gut nachvollziehbar. Doch Kaveh liebte die Frauen und war keineswegs nur auf sein eigenes Wohl bedacht. Er mochte es, sie zum Lächeln zu bringen und ihnen die schönen Seiten des Lebens zu zeigen. Viel zu viele Frauen waren es gar nicht gewohnt, dass ein Mann zu diesen Zeiten auch liebevoll und einfühlsam sein konnte und genau dies machte es dem jungen Halbelf einfach von sich zu überzeugen. Doch seine Art zu leben, machte es beinahe unmöglich auch nur daran zu denken, länger an der Seite nur einer einzigen Frau zu weilen.

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Re: Als die Vergangenheit mich einholte...

Beitrag von Cyra Keezheekoni » Mi, 15. Dez 2010 21:33

Es gab eine Menge Entscheidungen zu treffen. Vor Cyra lag eine Karte voller Möglichkeiten und sie musste nur zugreifen. Vielleicht sollte sie zunächst in den Gebieten östlich der Steppe suchen. Es war ziemlich wahrscheinlich, dass ihre Eltern oder wer immer sie auch in der Steppe zurück gelassen hatte, sich zumindest einige Zeit vorher irgendwo Nahe der Steppe augehalten hatte. In der Tierwelt ließen Muttertiere ihre Jungen nur in einer Umgebung zurück, die ihnen vertraut war. Allerdings kamen sie in der Regel stets zu ihnen zurück.
Nachdenklich fuhren ihre Finger über die feinen Linien der Karte. Ganz entfernt vernahm sie ein leises Knurren. Abwesend schaute sie zu Atham hinüber, der sich genüsslich Schnauze und Tatzen leckte. Desinteressiert versuchte sie weiter ihre Reiserouten zu planen.
Wieder vernahm sie die Stimme des Fremden, diesmal jedoch sehr viel näher, als zuvor. Langsam schob sich ihre linke Hand Richtung Dolch. Heiß prickelten die Anspannung und die Argwohn unter ihrer Haut. Tief durchatmend versuchte sie sich zu ermahnen, nicht zu überreagieren. Mit erzwungener Ruhe drehte sie sich auf ihrem Barhocker zu ihm um. Einen kurzen Moment nahm sie sich Zeit, den Fremden ihr gegenüber genauer zu betrachten. Auf den ersten Blick war er ihr als unscheinbares Etwas erschienen. Ihr flüchtiger Blick war selten genau, sondern eher dazu angetan, dass wesentlichste grob zu erfassen. Als sie ihn jetzt näher betrachtete, fielen ihr als erstes seine strahlenden grünen Augen auf. Eine solche Augenfarbe glaubte sie noch nie gesehen zu haben und doch kam sie ihr wage bekannt vor. Ihr nächster Blick fiel auf seine leicht spitzen Ohren, die Ansatzweise durch seine außergewöhnlich rotblonden Haare ragten. War er ein Elf? Hier in der Steppe? Sie war sich nicht sicher, denn sie war noch nie einem Elfen begegnet. Was sie von diesem Volk wusste, hatte ihr Cheveyokam erzählt. Auf seinen, für einen Mann ungewöhnlichen vollen und schön geschwungenen Lippen spielte ein leichtes Lächeln. Während sie noch darüber nachdachte, dass seine schlichte Kleidung sein markantes Gesicht nur noch unterstrich, sickerten seine Worte in ihren Verstand. Währenddessen waren nur Sekundenbruchteile vergangen.
Alles in ihr schrie nach Wachsamkeit. Ihre Augen spiegelten Vorsicht wieder.
Natürlich waren nicht alle Fremden von Grund auf schlecht oder anderen böse gesinnt. Doch, wenn man Cyras bisherige Erfahrungen mit ihnen bedachte, war ihre Reserviertheit nur allzu verständlich. Die meisten Unbekannten waren gekommen, um ihren Stamm zu überfallen. Gebietsstreitigkeiten, Nahrung, Wasser und wertvolle Tierbestände brachten einige Stämme von Steppenreitern dazu, auf Raubzüge zu gehen. Nur allzu selten kreuzten Händler den Weg der Ba’arin. Ansonsten wurde nur mit befreundeten Stämmen Handel betrieben.
Cyra brachte ein leichtes, aber vorsichtiges Lächeln zustande. “Neugier ist keine Schande. Im Gegenteil. Manche würden sie durchaus als Tugend bezeichnen.”, antwortete sie mit ruhiger und sanfter Stimme. “Wie kann ich euch helfen?” Innerlich streubte sich ihr ganzes Wesen gegen ihre Reaktion. Doch sie musste auch lernen, mit Fremden zu reden, wenn sie ihre Ziele erreichen wollte.
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Re: Als die Vergangenheit mich einholte...

Beitrag von Kaveh » Fr, 17. Dez 2010 0:38


Als sie sich die Unbekannte endlich regte und sich zu ihm umwandte, legten sich seine blattgrünen Augen in die ihren. Sie waren in ein warmes Nussbraun getaucht, welches im Licht der Kerzen zu leuchten schien. Einen kurzen Moment schien die Zeit still zu stehen und er las Misstrauen und Unsicherheit in ihrem Antlitz. Doch nach einer kurzen Zeit schien die Dame sich gefangen zu haben und brachte es sogar fertig, ihm einen Hauch von einem Lächeln zu schenken. Sein Herz machte unwillkürlich einen kleinen Sprung und begann wild gegen seine Brust zu schlagen. Dann ging alles ganz schnell und ihre Worte erklangen. Er wusste, dass er sie mit Schmeicheleien nur noch mehr verunsichern oder gar verschrecken würde, also musste ihm etwas Gescheiteres einfallen. Er musterte verhalten ihr Gesicht und betrachtete den ausgefallen Schmuck, den sie im Gesicht trug. Sein Lächeln wurde noch mal eine Spur lieblicher und er sprach: “Wenn ich ehrlich bin, erregte Euer Kopfschmuck meine Aufmerksamkeit und ich kam nicht ohnehin mich zu fragen, zu welchem der Stämme Ihr wohl gehören mögt, werte Dame.“ Langsam und sehr bedacht trat er noch einen weiteren Schritt auf sie zu. Sein Blick huschte wieder über ihr hübsches Gesicht und kam abermals in ihren Augen zum erliegen.

Einen kurzen Moment herrschte beinahe eine peinliche und bedrückende Stille zwischen den Beiden, die lediglich durch das leise Knistern des Feuers im Kamin unterbrochen wurde. Dann wurde der Ausdruck des Halbelfen plötzlich ein wenig verlegen und wären die Lichtverhältnisse in der Taverne besser gewesen, so hätte man vielleicht auch eine Spur einer Rötung auf seinen Wangen erkennen können. Er räusperte sich verlegen und ließ folgende Worte erklingen: “Aber wo sind nur meine Manieren…“ Eine tiefe und elegante Verbeugung folgte, ehe er sich vorstellte: “Mann nennt mich Kaveh, werte Dame.“ Verstohlen wurde der Blick wieder zu ihr nach oben gerichtet, während die gebeugte Körperhaltung beigehalten wurde. Langsam hob er die Hand und wartete darauf, dass sie die ihre für einen Handkuss in die seine legen würde. Er war gespannt, ob sie dieser Geste folgen würde, schließlich schien sie nicht sonderlich erfahren im Umgang mit Menschen, was für ihn jedoch nicht unbedingt ein Nachteil sein würde.

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Re: Als die Vergangenheit mich einholte...

Beitrag von Cyra Keezheekoni » Fr, 17. Dez 2010 13:04

Was will er? Was will er? Was will er? Mt jedem Schlag ihres Herzens hämmerten ihr diese Worte von innen gegen die Schläfen, nachdem sie das Wort an ihn gerichtet hatte. Während seine Blicke über ihr Tattoo und den Kopfschmuck wanderte, der bei jeder ihrer Bewegungen leise klirrte, wanderte ihre rechte Augenbraue nach oben. Irgendetwas in ihr stellte fest, dass er zwar auf den ersten Blick ein Elf war, aber doch irgendwas nicht passte. Cyra kam nur nicht darauf, was.
´Die Augen sind der Spiegel der Seele.´, hatte Aponi immer zu ihr gesagt. Unnahbar versuchte sie in den Augen des Fremden zu lesen, seine Seele zu ergründen, herauszufinden, ob er ihr gefährlich werden könnte. Als er schließlich nach ihrer Stammesherkunft fragte, wuchs ihre Argwohn an. Für einen kurzen Moment trat absolute Stille ein. Cyra schwankte kurz zwischen einer Antwort und Schweigen. Doch schließlich veränderte sich etwas in seinem Gesicht. Er stellte sich vor und tat etwas seltsames. Er verbeugte sich. Eine Geste, die Cyra befremdlich fand. In ihrem Stamm war eine Verbeugung nur Ranghöheren gegenüber üblich und da die meisten Stammesmitglieder ranggleich waren, konnte man diese Geste nur selten beobachten. Auch bei Zusammentreffen mit anderen Stämmen oder Händlern konnte man dieses Verhalten nur selten beobachten, da kein Steppenreiter jemals seinen ungeschützten Nacken und Hinterkopf einem Fremden darbieten würde. Trotz diverser Waffenstillständen und Friedensabkommen oder auch Freundschaften zwischen den Stämmen, war das Vertrauen dann doch niemals groß genug für eine solche Geste.
Doch der Fremde, oder Kaveh, wie er sich nannte, hatte sich ihr vorgestellt. Auch, wenn er ihre Bräuche wohl kaum kennen konnte, begrüßte sie ihn auf stammestypische Weise. Sie führte ihre linke Hand, mit der Handfläche nach innen zunächst an ihr Kinn, berührte es mit den Fingerspitzen, berührte in derselben Bewegung und auf dieselbe Weise ihre Stirn und führte schließlich ihre Hand ein einer Viertelkreisbewegung nach unten, so, dass ihre linke Hand mit der Innenfläche nach oben vor ihr in der Luft schwebte. Anschließend ergriff sie Kavehs Hand und schüttelte sie kurz, wie sie es nun mal gewohnt war. Der Händedruck dauerte nur kurz, so, wie es bei den Ba’arin als höflich galt.”Sehr erfreut, euch kennen zulernen. Man gab mir den Namen Cyra Keezheekoni.” Unter ihr bewegte sich Atham. Kurz schnellte ihr Blick zu ihm und beobachtete, wie er aufstand, zu Kamin hinüber schlich und sich dort in wärmender Umgebung niederließ.
Als sie Kaveh wieder ansah, hatte sie beschlossen, dass ihre Herkunft kaum zu verheimlichen war. Jeder, der sich ein wenig mit den verschiedenen Stämmen der nomadischen Steppenreiter auskannte, würde sie anhand des Tattoos und vor allem ihres Pferdes identifizieren können. “Dass ich ein Kind der Steppe bin, kann ich wohl kaum verbergen.”, sprach sie mit leiser Stimme. “Ich gehöre den Ba’arin an. Woher stammt ihr? So richtig scheint ihr nicht in die Welt der Steppe zu gehören.” Auf der anderen Seite schien er eben doch hierher zu gehören. Cyra war ehrlich verwirrt, ließ es sich jedoch nicht anmerken.
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Re: Als die Vergangenheit mich einholte...

Beitrag von Kaveh » Sa, 18. Dez 2010 18:20


Kaveh erwiderte ihren Blick und fragte sich, was ihr nun durch den hübschen Kopf ging. Wieder war eine Spur von Unsicherheit in ihrem Blick zu erkennen, eine Spur von Misstrauen. Er sah weiterhin zu ihr auf und seine Hand ruhte immer noch in derselben Position wie zuvor. Es schien, als wusste sie nicht recht, was sie tun sollte. Dann begann sie ihre wohl stammestypische Begrüßung, die Kaveh entfernt bekannt vorkam. Als Junge hatte er schließlich hier gelebt, er war auch ein Nachkomme der Steppenreiter. An all die Eigenarten konnte er sich jedoch nicht mehr entsinnen, schließlich war er lange Zeit weggewesen und lebte nun ein komplett anderes Leben. Dann plötzlich riss ihn ihre zarte Hand auf der Seinen aus den Gedanken und er stellte sich wieder gerade hin. Ein leichtes, amüsiertes Schmunzeln konnte er sich nicht verkneifen. Dann endlich begann sie erneut zu sprechen. Er ließ sie aussprechen und erwiderte dann freundlich: „Oh… ein wirklich schöner Name junge Dame.“ Dann schaute er nachdenklich und runzelte kurz die Stirn. „Die Ba’arin… Ja, ich glaube ich habe mal von ihnen gehört, scheint aber schon eine Ewigkeit her zu sein.“ Er lächelte kurz und überlegte sich die Antwort auf ihre Frage. Es war immer schwer, diese zu beantworten.


Auf der einen Seite, war seine Herkunft ihm peinlich, schließlich war er nur ein Bastard und seine Mutter hatte hier alles andere als einen guten Ruf. Anderseits, schien dies alles schon so lange her und er hatte sich auch äußerlich so sehr verändert, dass man ihm sowieso kaum glauben würde, dass er hier in eben diesem Dorf geboren wurde. Dadurch, dass sein Haar nicht mehr die tiefe schwarze Färbung aufwies und seine Augen nun in einem satten Grün, statt dem gewohnten Braun erstrahlten, schien er wohl tatsächlich nicht hier her zu passen. Er würde einfach sagen, was er immer sagte und begann zu sprechen: „Ich bin der Sohn eines einfachen Mannes. Mein Vater besitzt einen kleinen Wanderzirkus und wir reisen durch das Land. In jeder Stadt machen wir einige Aufführungen und ziehen dann weiter…“. Er lächelte leicht und wie zum Beweis seiner Fähigkeiten, griff er in seinen Ärmel. Er zog ein kleines, dreckiges, ehemals weißes Tuch hervor, wedelte damit herum. Dann plötzlich verwandelte sich das Tuch in eine wunderschöne rote Rose, die er der Dame auffordernd entgegen streckte. Er wusste, dass solch Blumen hier sehr, sehr selten waren. Er hoffte, sie würde sich freuen.

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Re: Als die Vergangenheit mich einholte...

Beitrag von Cyra Keezheekoni » Sa, 18. Dez 2010 20:19

Fasziniert beobachtete Cyra Kavehs handeln. Sie hatte bei den gelegentlichen Besuchen der Händler von Wanderzirkussen gehört. Cyra war schon immer neugierig gewesen und ergriff jede Chance Geschichten aus der Welt jenseits der Steppe zu hören. Nun stand hier jemand vor ihr, der schon weit rumgekommen war und wahrscheinlich eine ganze Menge zu erzählen wusste. Natürlich blieb die Tatsache, dass sie noch immer nicht einschätzen konnte, ob er gefährlich war.
Irgendwie schaffte er es, sein Tuch in eine Blume zu verwandeln, die er ihr auffordernd entgegen hielt. Langsam hob Cyra ihre Hand und griff nach der schönen roten Blume. Sanft fuhren ihre Fingerspitzen über die weichen Blütenblätter. Sanft lächelnd betrachtete sie die Blume von allen Seiten. “Dankeschön. Sie ist wunderschön, aber ich habe eine solche Blume hier noch nie gesehen...” Plötzlich zogen sich ihre Augenbrauen nachdenklich zusammen. “Aber... ich kenne sie. Man nennt sie...” Nachdenklich huschte ihr Blick durch den Raum. Irgendetwas in den tiefen ihrer Erinnerungen hatte sich geregt. Cyra war sich sicher, dass sie so eine Blume noch nie gesehen hatte und doch... irgendetwas kam ihr vage bekannt vor. Angestrengt versuchte sie sich zu erinnern. Ihr Atem kam unregelmäßig. Hinter ihr regte sich Atham, der zu ihr schlich und ihr Bein mit der Schnauze anstupste. Ihr Blick huschte hinunter zu ihm. Sein Anblick beruhigte sie und ihre Atmung wurde wieder ruhiger.
Nach einigen Sekunden Blickkontakt mit Atham schien sich ihre Erinnerung zu klären. “Rose! Es ist eine Rose, nicht wahr?” Erleichtert sah sie kurz wieder zu Kaveh und senkte dann ihren Blick wieder auf die Rose. Woher wusste sie das? Woher kam diese Erinnerung? Woher kannte sie diese Blume? In der Steppe wuchs sie schließlich nicht.
Heftig stechende Kopfschmerzen setzten ein. Nach einem kurzen Moment hatte sie sich wieder gefangen. Immerhin war sie nicht allein im Raum. Mit der Erinnerung konnte sie sich später beschäftigen, wenn sie allein war. Vorsichtig legte sie die Rose vor sich auf die Theke.
Als hätte sie ihn gerufen, kam der Wirt aus der Küche. Jetzt erinnerte sie sich auch an das Knurren, welches sie hinter sich gehört hatte und wusste auch wieder, an welches Geräusch sie das erinnert hatte. So konnte nur Hunger klingen. Mit einem freundlichen Lächeln bat sie den Wirt um zwei weitere Met und etwas Brot und Käse.
Ihr Lächeln wurde leichter, als sie sich wieder Kaveh zu wand. “Erklärt ihr mir, wie ihr das gemacht habt?”, fragte sie ihn neugierig. Die Kopfschmerzen pochten hinter ihren Schläfen und sie war froh, als der Wirt den Met brachte, doch sie hatte gelernt sich Schmerzen äußerlich nicht anmerken zu lassen.
»Lasset die Handlung zu den Worten, und die Worte zur Handlung passen, mit der einzigen Vorsicht, daß ihr nie über die Grenzen des Natürlichen hinausgeht.«

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Re: Als die Vergangenheit mich einholte...

Beitrag von Kaveh » Mo, 20. Dez 2010 0:30


Kaveh nickte leicht.
„Ja, man nennt sie Rose, da habt Ihr Recht.“
, sagte er dann ruhig und nahm ihr die Blume vorsichtig wieder ab. Etwas zurückhaltend und zögernd strich er ihr das dunkle Haar hinters Ohr, um danach sanft die Rose hinein zu stecken.„Das sieht wunderschön aus…“, murmelte er leise, während er Cyra betrachtete. Dann ging er langsam wieder einen Schritt zurück und schüttelte sanft den Kopf. „Ich kann Euch nicht verraten, wie ich dies gemacht habe, weil es dann jeglichen Zauber für Euch verlieren würde. Doch vielleicht bin ich nachher dazu auferlegt, noch ein paar Tricks zu zeigen." Er zwinkerte ihr aufmerksam zu und hielt dann nach dem Wirt Ausschau. „Doch nun, will ich erstmal was essen. Mein Magen knurrt schon ganz erbärmlich..“ Ein Grinsen huschte über seine Lippen, ehe er beim Wirt auch etwas zu Essen bestellte. Der dickliche Kerl murrte abermals, brachte dann aber nach einiger Zeit tatsächlich etwas Hühnerbrühe, ein wenig Brot, Käse und dazu für jeden noch einen Becher mit Met. Die grünen Augen des Halbelfen begannen zu funkeln, als er das doch reichliche Mahl entdeckte. „Ich darf doch?“, fragte er des Anstands halber, nahm dann aber ohne eine Antwort abzuwarten, rechts neben der Dame platz. „Lasst es Euch schmecken, ich lad Euch ein.“

Die Suppe war nicht besonders lecker, das Brot war etwas hart und der Käse nicht mehr all zu frisch. Doch dies schien dem jungen Mann nichts auszumachen. Er hatte solch einen Hunger und war in all den Jahren einfach auch schon schlechteres gewohnt, sodass er ohne zu zögern damit begann, das Essen in sich hinein zu schaufeln. Ab und an nahm er einen kräftigen Schluck Met und es schien, als würde er die Dame an seiner Seite gar nicht mehr beachten. Natürlich war dies ganz und gar nicht der Fall. Ganz im Gegenteil, denn seine Gedanken kreisten um diese zauberhafte Gestalt. Was sie wohl hier in Thamyr suchte? Schließlich stammte sie aus einem der „freien“ Stämme und eigentlich kamen diese nur hierher, um etwas Handel zu betreiben. Doch wie eine Händlerin sah sie bei Weitem nicht aus. Seine Schüssel leerte sich langsam, während er in Gedanken versunken immer und immer weiter aß. Nach einer Weile war er fertig. Er hatte alles restlos aufgegessen und schob Teller und Schüssel zufrieden von sich. Dann fiel sein Blick nochmals auf Cyra, die wohl noch nicht fertig zu sein schien. Wie von selbst glitt seine zierlich wirkende Hand auf den Tisch und begann leise mit den spitzen Fingernägeln eine leise Melodie zu trommeln.

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Re: Als die Vergangenheit mich einholte...

Beitrag von Cyra Keezheekoni » Mo, 20. Dez 2010 11:51

Cyra konnte sich nicht so recht auf den harten Kanten Brot und den Käse (dessen Qualität höher, als die von Kavehs Stück war) konzentrieren. Ihre Augen und ihr Verstand hafteten wieder an der Karte. Wo sollte sie nur anfangen? Irgendwas zog sie in die Nordreiche. Vielleicht sollte sie unter den dort lebenden Menschen mit ihrer Suche beginnen. Nach ein paar Bissen hörte sie auf zu essen. Cyra war noch nie eine große Esserin gewesen und ihre Gedanken waren sowieso wo anders. Wenn sie in die Nordreiche wollte, konnte sie sich für zwei verschiedene Routen entscheiden. Über die Berge oder drum herum. Auf der einen Seite war Maska keine Bergziege und sie wusste nicht, wie er sich auf dem ungängigen Gelände bewegen würde. Auf der anderen Seite würde sie auf dem anderen Weg recht nahe an das Gebiet der Orks kommen. Nach allem, was sie von ihnen gehört hatte, wollte sie ihnen nicht um jeden Preis begegnen.
Langsam zog sie sich die Rose aus dem Haar, betrachtete sie kurz und legte sie auf der Karte ab. Wenn sie diese Blume kannte, musste sie auf jeden Fall irgendwo suchen, wo es sie gab.
Dass Kaveh jede ihrer Bewegungen wahr nahm, wusste sie nur zu gut. Auch sein offensichtliches Interesse an ihr war ihr nur zu gut bewusst. Allerdings hatte sie sich bisher nie viel aus Männern und ihrer Werbung gemacht. Tatsächlich war es so, dass ein Mann sie nur durch jägerliches oder kriegerisches Können beeindrucken konnte. Aus Worten und Gesten machte sie sich nicht viel. Ein Mann musste sich auch wie ein Mann verhalten.
Eine Tatze auf ihrem Oberschenkel holte sie in die Realität zurück. Atham lehnte sich gegen sie und ihren Stuhl und fixierte erst sie, dann Kaveh, auf dem sein Blick ein wenig länger ruhte und dann den übrig gebliebenen Käse. Cyra lachte leise. “Ist das dein Ernst? Käse? Du hast noch nicht mal Käse gegessen, als wir nichts anderes hatten.” Atham blinzelte sie trotzdem so naiv an, dass sie nicht anders konnte. Sie schob ihm den Teller mit der, fast noch vollständigen, Restmahlzeit zu. “Dann tu, was du nicht lassen kannst.” Vorsichtig leckte der Puma über den Käse und musste niesen. Mehrmals leckte er sich über die Schnauze und sah sie anklagend an.
“Ich hab dich gewarnt.” Lachend strich sie ihm durch das Brustfell. “Und ich dachte, du seist inzwischen erwachsen geworden.”
Nun wurde sie sich auch wieder ihrer Umgebung bewusst. Hämmernd dröhnte das klopfende Stakkato Kavehs Finger auf dem Holz im Gleichtakt mit ihren Kopfschmerzen.
Schnell legte sie ihre Hand in einer unbewussten Bewegung kurz über seine, um seine Finger zur Ruhe zu bringen. “Bitte, könntet ihr damit aufhören? Dieses Geräusch ist doch arg nervtötend.”, bat sie ihn mit bittersüßem Lächeln. Schließlich ergriff sie wieder die Karte und zog sie vor sich. Mit der einen Hand kraulte sie abwesend Atham und mit den Fingern der anderen Hand malte sie unsichtbare Reiserouten auf die Karte.
Wieder erschien der Wirt und betrachtete missbilligend ihren Teller, kommentierte es jedoch nicht und räumte das Geschirr ab. Sein Blick fiel beim gehen auf Cyras Karte. “Am besten fangt ihr beim Anfang an.”, riet er ihr. Bitter lachte Cyra auf. “Es gibt keinen Anfang.” Ein leises Knurren Athams strafte ihre Worte lügen. Fragend sah sie die Raubkatze an. “Du bist der Anfang.”, murmelte sie nachdenklich. Pumas waren nicht nur in der Steppe gelegentlich anzutreffen, man fand sie auch in den Bergen. “Die Berge?” Nachdenklich blickte sie von Atham auf die Karte.
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Re: Als die Vergangenheit mich einholte...

Beitrag von Kaveh » Mo, 20. Dez 2010 17:00


Vollkommen weggetreten schaute Kaveh zum Fenster und beobachtete den Regen, der unnachgiebig an das Fenster trommelte. Ein leises Seufzen entrann seinen Lippen, die Stimme der Dame wurde erst gar nicht wahrgenommen. Es dauerte einige Momente bis er sich wieder entsann, nun auf seine Finger starrte und dann abrupt mit dem Trommeln innehielt. „Oh.. Oh verzeiht mir. Ich war wohl etwas in Gedanken.“, murmelte er leise und sah wieder zum Fenster. Ob die anderen ihn schon suchen würden? Es war sehr unwahrscheinlich, da er des Öfteren einfach so verschwand, manchmal sogar Tage lang. Dann wurde seine Aufmerksamkeit plötzlich wieder auf Cyra gelenkt, die mit ihrem Puma sprach. Wofür sie vielleicht jeder andere für verrückt erklären würde, war für den jungen Halbelf ganz normal. Er drehte den Kopf auf die Seite, als er das Wort Berge vernahm. Erst jetzt fiel ihm die Karte auf, ihr Finger ruhte auf dem Gebirge nahe der Stadt Thamyr. „Die Berge…“, murmelte er leise. Früher war er oft als Puma durch die Nadelwälder des Gebirges gestrichen und hatte dabei seinen Instinkten freien Lauf gelassen. Ein schelmisches Grinsen entstand in seinem Antlitz, als er an den alten Jäger dachte, den er oft zur Weißglut gebracht hatte. Er vermisste diese Zeit schmerzlich, vermisste die Wälder, die steilen Hänge und… die Freiheit. Niemand kannte sich in diesem Gebirge besser aus als er, Wanderer trauten sich nur selten diesen Weg einzuschlagen, da er ziemlich ungemütlich und auch gefährlich war. Sein Blick fiel wieder auf die junge Frau an seiner Seite. Sie sah so zierlich aus…

Er räusperte sich leise und begann abermals zu sprechen: „Die Berge, junge Dame, sind gefährlich. Die Wege sind steil, der Wind und die Kälte zerren an einem und an die wilden Tiere, dir dort leben könnten, gar nicht erst zu denken. Ihr solltet da keines Falls alleine reisen. Doch vielleicht findet ihr einen Söldner, der Euch begleiten würde…“ Er sah sie an und lächelte matt. Dann leerte er seinen letzten Becher Met und ließ ihn auf die Theke sausen. Aus der Tasche wurden eben noch ein paar Münzen gekramt, die dem Wirt halbherzig hingeworfen wurden. „Wenn Ihr wollt, das Gäste wiederkommen, solltet Ihr besseres Essen servieren!“, murrte er ihn an. Dann griff er nach seinem Mantel und warf ihn sich elegant um seine muskulösen Schultern. „Ich wünsche Euch noch eine wunderschöne und vor allem erholsame Nacht, junge Dame. Gebt auf Euch acht, es wäre wirklich schade, wenn einem solch hübschen Ding etwas zustoßen würde.“ Er zwinkerte Cyra nochmals kurz zu und erhob sich dann, um den Weg Richtung Ausgang einzuschlagen. Es war an der Zeit zu gehen. Gewiss würde er die Dame auch morgen wieder aufspüren können, sicher würde sie in dieser Taverne nächtigen. Dann öffnete er die Tür und hielt noch einen kleinen Moment inne, vielleicht hatte ja noch jemand etwas zu sagen. Die kleinen Regentropfen benetzten schon die Spitzen seiner Stiefel und er zog sich die Kapuze tief ins Gesicht.

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Re: Als die Vergangenheit mich einholte...

Beitrag von Cyra Keezheekoni » Mo, 20. Dez 2010 19:04

Die Worte des Fremden amüsierten sie ein wenig, denn er konnte ja nicht wissen, wer bzw. Was sie war. “Eure Sorge um mich schmeichelt mir, doch die Steppe ist auch nicht gerade für ihre Sicherheit bekannt. Ich bin den Umgang mit lebensfeindlichen Umgebungen gewohnt. Außerdem weiß ich mich durchaus zu verteidigen.” Dass sie Jägerin und Kriegerin war, ließ sie unerwähnt. Die Idee, den Weg nicht allein gehen zu müssen fand sie jedoch durchaus interessant. “Aber vielleicht suche ich mir doch eine Begleitung. Allein der Unterhaltung wegen. Vielen Dank für eure Gesellschaft an diesem verregnetem Abend.” Lächelnd nickte sie ihm zu und wandte sich wieder Atham zu, der leise grollend Kaveh fixierte. Es war keineswegs ein böser Laut, sondern eher etwas, dass an echte Kommunikation erinnerte.
Nachdem der Fremde gegangen war, ließ Cyra sich vom Wirt ihr Zimmer zeigen. Es war nichts besonderes, doch der Strohsack in der Ecke schien wenigstens nicht Verlaust zu sein und das Laken, sowie die Decke darauf wirkten sauber. Zumindest war es warm und trocken. Mehr konnte sie wohl nicht erwarten und eine Ahnung sagte ihr, dass dies wohl eine der besten Unterkünfte sein würde, die ihnen auf dem Weg begegnen würden. Es gab in dem kleinen Zimmer sogar einen Tisch und einen Stuhl, auf dem sie ihre Habseligkeiten ablegte. Leise bat sie Atham, im Zimmer zu bleiben und auf ihre Sachen aufzupassen. Schnurrend tat der Puma kund, dass er verstanden hatte und bleiben würde. Leise lächelnd kraule Cyra ihm ein letztes Mal hinter den Ohren, legte sich ihren dunkelbraunen Kapuzenumhang um die Schultern und ging wieder hinunter in den Schankraum, wo der Wirt gerade den Fußboden wischte und leise in sich hinein murrte. “Ich werde in einer Stunde zurück sein, keine Sorge.”, erklärte Cyra auf die Frage, wo sie jetzt noch hin wolle. Es war nur allzu deutlich, dass er selbst für sie nicht bereit war, lange zu warten, bis er zusperren konnte.
Bevor sie hinaus trat, schloss sie ihren Umhang und schlug die Kapuze über den Kopf.
Draußen regnete es noch immer in Strömen. Die Dunkelheit war fast schon drückend. Still lauschte Cyra in die Finsternis, aber außer das Prasseln des Regens war nichts zu hören. Schließlich setzte sie sich in Bewegung. Mit langen Schritten durchquerte sie das halbe Dorf, bis sie endlich bei den Ställen ankam. Während ihres Wegs wechselten ihre Gedanken in schwindelerregender Geschwindigkeit zwischen ihre bevorstehenden Reise und Kaveh hin und her. Der Fremde war tatsächlich ein guter Gesprächspartner gewesen, auch, wenn sie nicht viel miteinander geredet hatten und Cyra wahrscheinlich einiges abgeblockt hatte.
Bei den Ställen angekommen fluchte sie leise. Sie hätte daran denken können, ein Licht mitzunehmen. Jetzt war es für diese Idee zu spät. Langsam nahm sie ihre Kapuze ab und schüttelte ihr Haar aus. Die Finsternis erfüllte jeden Winkel der Ställe, doch sie wusste sich durchaus in der Dunkelheit zu bewegen. Nach ein paar Schritten auf dem schütteren Stroh stieß sie einen leisen Pfiff aus. Aus den Schatten vor ihr ertönte ein ebenso leises Wiehern.
Vorsichtig tastete sie sich durch den Stall, bis sie Maska erreicht hatte. Sanft strich sie über seine Blesse, die sich durch ihre weiße Farbe leicht aus dem Dunkeln abhob. Schließlich vergrub sie ihr Gesicht in der Mähne ihres Hengstes. “Wir werden einen weiten und gefährlichen Weg einschlagen müssen. Ich werde versuchen, dir nie zu viel zuzumuten. Ruh dich gut aus.” Cyra blieb noch eine Weile bei Maska. Es war seltsam, so weit weg von ihm zu sein und wenn es nur über Nacht war. Bei den Ba’arin war ihr Zelt immer in der Nähe der Pferde gewesen.
Auf dem Weg zurück zur Taverne zog sie sich die Kapuze tief ins Gesicht. Ein wenig spürte man die aufkommenden Herbststürme auch hier in den Gassen.
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Re: Als die Vergangenheit mich einholte...

Beitrag von Kaveh » Mo, 20. Dez 2010 20:16

Als nichts mehr aus dem Inneren der Taverne erklang, trat Kaveh hinaus in die Dunkelheit. Ein Blick nach oben, die Regentropfen benetzten sein Gesicht. Er holte tief Luft und füllte seine Lungen mit der kühlen, feuchten Herbstluft. Anschließend senkte er wieder das Haupt, zog den Umhang etwas enger um die Schultern und begann zu laufen. Wohin wusste er nicht so ganz genau, doch seine Füße gingen einen Weg, der ihm wohl vertraut war. Nach endlos erscheinenden Minuten stand er davor. „Dr. Beneracuis…“, murmelte er leise, als er das Schild am Eingang des kleinen Gartens las. Das Haus an sich, war kaum wieder zu erkennen. Es war neu gestrichen und auch im Garten wurde einiges gemacht. Eine einzelne Träne rann über die Wange des jungen Halbelfen, als er an seine Kindheit zurück dachte. Zu der einsamen Träne gesellten sich weitere, doch diese schienen in Regen und Dunkelheit unterzugehen. Im Fenster des Hauses ging plötzlich ein Licht auf, als jemand eine Kerze entzündete. Kaveh ging hinter einem mittlerweile gelb verfärbten Gebüsch in Deckung, das in dieser Gegend mehr als unpassend erschien. Die Stimmen aus dem Haus prellten nur gedämpft an sein Ohr, die Worte konnte er nicht verstehen. Vermutlich war es auch besser so. Er schluckte die Traurigkeit eilig runter und kroch dann langsam auf allen Vieren fort vom Haus. Nein… Leon musste Unrecht haben. Das alles konnte einfach nicht das Richtige sein, das spürte er jetzt noch mehr als zuvor.

Ein paar Meter entfernt, richtete sich Kaveh wieder zur vollen Größe auf und begann zu laufen. Auch nun, wusste er wieder nicht, wohin sein Weg ihn führen würde. Es war ihm auch egal. Er wollte einfach nur weg, fort von diesem grauenhaften Ort, an dem ihn die ganzen Erinnerungen an ein so längst vergessenes Leben plagten. Noch im Laufen hob er seine Rechte und wischte sich mit dem Handrücken die Tränen aus dem Gesicht. Irgendwann blieb er etwas außer Atem stehen, seine Brust hob und sank hektisch. Er blickte auf und versuchte die Orientierung zu gewinnen, versuchte zu erkennen, wo er eigentlich war. Der Regen ließ endlich ein wenig nach, doch die Pfütze in der er stand, durchweichte langsam seine Wildlederstiefel. Er starrte in die Dunkelheit einer kleinen Gasse, versuchte klar im Kopf zu werden, doch so ganz mochte es ihm einfach nicht gelingen. Es war einfach alles zu viel. Er wollte weg von hier, dass war ihm klar. Ihm war egal, was Leon sagen würde. Wenn sie nicht weiterziehen würden, so würde er morgen seine Sachen holen und sich allein auf den Weg machen. Natürlich würde er seinen Ziehvater schmerzlich vermissen, doch er konnte einfach nicht hier bleiben. Kaveh nickte entschlossen, so als müsste er seine eigenen Gedanken bestätigen. Dann drehte er sich mit einem Ruck um und rannte in eine zierliche Gestalt hinein. Er prellte ein wenig zurück und begann mit den Armen zu rundern, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. „Verzeihung...“, murmelte er leise und sah die Person an.

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