Willkommen in Drachenblut!

Wir freuen uns, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Nach einem Forum-Update ist

Gott würfelt nicht

Lebensfeindliches Land unter glühender Sonne am Tage und dem eisigen Mondlicht in der Nacht...
Hilal
verschollen
Beiträge: 24
Alter: 24
Rasse: Mensch, Nomade
Heimat: Cala an Darh
Waffen: 2 Säbel, 1 Dolch, Lasso
Inventar: Seil, Proviant, Wasserschlauch

Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Do, 14. Apr 2011 20:01

Gelangweilt lehnte Hilal an einem Stein, mitten im Sand, geschützt durch ein Windsegel. Vor drei Tagen waren sie angekommen und seit drei Tagen hockten sie draußen in der Wüste und wurden nicht in die Stadt gelassen, weil dort eine Seuche herrschte. Der junge Mann störte sich daran recht wenig, ihm genügte ab und zu ein Schluck Wein und er war zufrieden, aber seine drei Begleiter Faruk, Nazir und Dscherid nahmen das nicht annähernd so gelassen hin. Sie waren Kinder der Stadt und nicht der Wüste, so wie Hilal. Außerdem standen sie erst seit einigen Wochen im Dienst von Faramud. Deswegen hatte Hilal momentan auch das Sagen, immerhin diente er dem Philosophen schon fast ganze sechs Jahre und wusste, was er bevorzugte und suchte. Und in welchem Zustand die Sklaven zu sein hatten. Den dreien traute der junge Mann ohne größere Bedenken zu, potentielle Ware zu beschädigen, weil sie sich nicht im Griff hatten. Und deswegen war er der Anführer. Leise seufzend veränderte er seine Position und starrte dann wieder hinaus in die Wüste. So könnte er stundenlang sitzen, einfach das Verstreichen der Zeit genießen, zwischendurch einen Schluck Wein trinken und die Welt Welt sein lassen. Nur ging das nicht. Leider. Sie waren hier, um neue Sklaven für Faramud zu finden, da ihm die alten schon wieder langweilig geworden waren. Wie immer. Es war nervenaufreibend. Aber auch das, was ihm sein täglich Brot bescherte. Dass sie aber nicht in die Stadt kamen, machte das Ganze nicht gerade einfacher. So hatten sie keinen Zugriff auf den Sklavenmarkt oder konnten eine junge heimatlose Frau von den Straßen einfangen. Faramud hatte ihnen zwar kein Zeitlimit gesetzt, aber desto länger er warten musste, umso unleidlicher wurde er. Aus dem Augenwinkel beobachtete Hilal die drei anderen, wie sie, ebenfalls unter einem Windsegel, tranken und würfelten. "Bei dieser Hitze sollten sie sich an Wasser halten. Das würde ihnen besser bekommen. Naja, ein wenig kann ich sie schon verstehen, dieses untätige Herumsitzen zerrt schon an den Nerven, wenn man Faramud im Nacken hat. Bei den Karawanen ist leider nichts zu holen, entweder sind keine Frauen dabei oder sie werden zu gut bewacht. Ich muss mir bald etwas einfallen lassen, mit leeren Händen brauche ich nicht zurück zu kehren und einen Überfall mit drei Mann kann ich nicht wagen, das birgt ein zu hohes Risiko. Auch wenn sie das gewöhnt sein mögen." Hilal veränderte wieder seine Position, irgendwie hatte der Stein so viele Kanten, dass er immer eine erwischte, die ihn nach kurzer Zeit dazu zwang, sich anders hinzusetzen. Dann nahm er einen Schluck Wasser, für Wein war es schon zu warm. Die Arme auf seinen Oberschenkeln abgestützt ließ er seinen Blick schweifen, Sand, Dünen, die Stadtmauer, andere Karawanen und schließlich die Kamele der vier Sklavenjäger, auf die Hilal bestanden hatte. Für jeden ein Reittier und insgesamt zwei Packtiere. Die drei hatten zwar gemurrt, sie waren Pferde gewohnt, aber ein Ritt durch die Wüste brauchte etwas besseres, als diese unruhigen Tiere, die viel zu viel Wasser brauchten. Begeistert waren die Männer immer noch nicht von ihren Wüstenschiffen, aber ihr Murren war nach ein paar Tagen ziemlich abgeklungen. Sehr zu Hilals Freude, denn ihn hatte es am Ende unheimlich genervt. Ruhig lagen die Kamele da und betrachteten die Umgebung mit ihren dunklen Augen. Hilal gähnte und stand dann auf, um sich ein wenig die Beine zu vertreten. Ziellos wanderte er ein wenig herum, näherte sich einer der anderen Karawanen, die von einem Nomaden angeführt wurden und unterhielt sich ein wenig mit ihm. Er war schon einige Tage länger hier als die vier Sklavenjäger. Viel mehr, als das in der Stadt eine Seuche wütete, konnte er aber auch nicht sagen. So wandte sich das Gespräch bald der Kamelzucht zu und die beiden fingen an doch recht lebhaft über die nötigen Merkmale bei einem Jungtier zu diskutieren, während sie frisch aufgebrühten Tee tranken.

Benutzeravatar
Noro'elle
Reisender
Beiträge: 41
Avatar: Ashley-Q
Alter: 16
Rasse: Mensch/Beraij
Heimat: Avrabêth
Waffen: keine
Inventar: Ein Beutel voller Schmuck

Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Do, 14. Apr 2011 20:46


Auf dem Anwesen des Hak’iim el Darr’akur...

Die Sonne war schon vor Stunden aufgegangen und stand bereits hoch am Himmel, als Noro’elle, die immer noch müde war, ihre nussbraunen Augen aufschlug. Wie jeden Tag war das Erste was sie sah der in blauen Farben gehaltene Wandteppich, der ein Abbild des südlich gelegenen Meeres darstellte. Blau war schon immer ihre allerliebste Farbe gewesen und ihr sehnlichster Traum einmal den Ort zu sehen, an dem es so viel Wasser gab, dass selbst der Horizont darin zu ertrinken vermochte, war stets ihr sehnlichster Wunsch. Obwohl ihr Vater ihr sonst nichts abschlagen konnte, erlaubte er ihr doch kaum seinen Grund und Boden zu verlassen, geschweige denn durch die halbe Wüste zum Meer zu reisen. Also musste Noro sich mit Abbildungen und den Erzählungen der reisenden Händler zufrieden geben. Verhalten gähnte die junge Frau und rekelte ihren zierlichen Körper auf dem flachen Bett, über dem sich ein seidener, hellblauer Himmel erstreckte. Die Bettdecke hatte sie im Laufe des anbrechenden Tages von sich gestrampelt, denn so eisig kalt die Nächte in der Wüste auch waren, umso unerträglicher wurde die heiße, trockene Luft, wenn erst die Sonne aufgegangen war. Immerhin durfte sie auf Anordnung ihres Vaters das Gelände wegen der herrschenden Seuche nicht einmal mehr mit Begleitung verlassen, sodass sich das verwöhnte Kind nicht wie gewöhnlich zur städtischen Schule für die gehobene Gesellschaft schleppen musste. Genau genommen musste sie dies sowieso noch nie tun, denn in der Regel wurde sie mittels einer Kutsche oder gar einer Sänfte direkt dort abgeliefert. Doch heute konnte sie den Tag in vollen Zügen genießen und würde nur tun, wonach es ihr beliebte. Durch diese Erkenntnis neu zum Aufstehen motiviert, wurden rasch die schlanken Waden über die Bettkante geschoben und die zierlichen Füße in die Sandalen gesteckt. „Manula?“, hallte nun ihre liebliche Stimme durch den Raum. Sie hatte lange gebraucht ihren Vater zu überreden, dass ihre leibeigene Dienerin das Zimmer direkt neben ihrem Schlafgemach bekam. Doch nach endlosen Diskussionen und dem durchaus berechtigten Argument ihrerseits, dass Manula im Bedienstentenkomplex einer gewissen Gefahr ausgesetzt war, sich vielleicht doch irgendwo an der Sieche anzustecken, hatte ihr Vater endlich nachgegeben.

Es dauerte einige Augenblicke bis es zaghaft an der Tür klopfte und eine leise, verunsicherte Stimme erklang: „Ja, bitte Fräulein Noro? Kann ich eintreten?“ Ohne es wirklich richtig mitzubekommen, verdrehte Noro’elle entnervt die Augen. „Wie oft muss ich dir eigentlich noch sagen, dass du einfach reinkommen kannst, wenn ich dich gerufen habe? Schließlich habe ich doch extra nach dir verlangt.“, kam es tadelnd über die vollen Lippen. Nur ganz langsam wurde die Tür geöffnet und gab freie Sicht auf das hässlich entstellte Mädchen. Das lange, dunkle Haar hatte Manula zu einem lockeren Zopf gebunden, einige Strähnen jedoch hingen frei über ihr vernarbtes Gesicht. Ansonsten war ihre Statur schlank, beinahe schon zu knochig und zu mager für eine Frau. Ihre Gewänder waren, wie die aller Bediensteten, eher schlicht und in erdfarbenen Tönen gehalten. „Bitte verzeiht mir.“, kam die schüchternde Antwort, gefolgt auf eine knappe Verbeugung. „Was kann ich für Euch tun?“, fragte sie in gewisser Gewohnheit, weil Manula sich schon lange an die Verhaltensweisen ihrer Gebieterin gewöhnt hatte. „Bring mir eine Schale mit Wasser für meine morgendliche Wäsche und frische Kleider. Du weißt zu solchen Zeiten ist Reinlichkeit wirklich wichtig. Nachdem du mir beim Ankleiden geholfen hast, gedenke ich zu frühstücken.“, erklang es herrscherisch. Die junge Bedienstete nickte nur knapp, verbeugte sich leicht und eilte los, um die gewünschten Sachen zu erledigen. Als sie in der einen Hand mit der Wasserschale und in der anderen mit den Kleidungsstücken wiederkehrte, hatte Noro’elle sich kein Stück vom Fleck bewegt. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, wurden die Sachen sorgfältig auf das Bett gelegt, ehe Manula ein sauberes, weißes Tuch in das kühle Nass tauchte und damit der jungen Darr’akur beinahe schon liebevoll über Gesicht, Hals und Arme strich. Als sie damit fertig war, griff sie nach einer hellen Bluse, die sie Noro’elle vorsichtig über Kopf und die empor gestreckten Arme zog. Anschließend ging sie auf die Knie und schnürte gewissenhaft die Sandalen, während sich Noro ausnahmsweise selbst ihren liebsten, blauen Wickelrock um die Hüfte wickelte und fest zog.

Als sie nun fertig angekleidet war, schritt Noro wie eine Prinzessin zu ihrem Tisch, auf dem sich ihre vielen Schmuckkästchen drängten, weil sie einfach viel zu viel davon besaß. Ohne lange zu überlegen, griff sie nach einer goldfarbenen Haarspange und steckte sich das lange, leicht lockige Haar nach oben. Um das Gesamterscheinungsbild zu komplettieren wurde noch ein blaues Kopftuch als auch der dazupassende Schmuck angelegt. „So! Fertig!“, sagte sie triumphierend und betrachtete das Ergebnis in einem riesigen Spiegel. „Sehe ich nicht einfach wunderschön aus?“, fragte sie begeistert und drehte sich im Kreis. „Ja, das seht Ihr doch aber immer.“, erwiderte Manula und senkte betrübt den Blick. „Ich denke, dann bin ich nun bereit zu frühstücken. Bitte leiste mir Gesellschaft, ja? Alle anderen haben sicher bereits gegessen.“, kam es ohne weiter auf die Worte der Bediensteten einzugehen. Ein knappes Nicken folgte und beide Mädchen setzten sich in Bewegung. Der Weg führte sie aus dem Zimmer hinaus, den langen Hauptflur entlang, bis sie in etwa die Mitte des länglichen Gebäudes erreicht hatten. Dort befand sich der Speisesaal, in welchem bereits eine reich gedeckte Frühstückstafel hergerichtet worden war. Davon, dass in Avrabêth Nahrungsengpässe herrschen sollten, war hier noch nicht viel von zu sehen. „Das sieht ja alles köstlich aus!“, sprach Noro und ließ sich vom Küchenjungen den Stuhl zurechtrücken, ehe sie sich darauf niederließ und beherzt nach den ersten Köstlichkeiten griff. Manula ließ sich etwas abseits ebenso auf einem Stuhl nieder, wagte es aber nicht auch nur daran zu denken, sich an den teuren Speisen zu bedienen. „Sprich Manu, was steht heute alles an? Irgendetwas Besonderes?“, kam es laut schmatzend vom anderen Ende des Tisches. Ein leises Räuspern folgte, denn die so genannten Nachrichten, die das junge Mädchen nun zu übermitteln hatte, würden wahrscheinlich nicht sonderlich gut aufgenommen werden. Also machte sie sich schon mal darauf gefasst und begann nach kurzen Zögern zu sprechen: „Heute Nachmittag wird der ehrenwerte Sohn des Großhändlers Said ibn Kasheri eintreffen und hofft auf einen Abend in Eurer Gesellschaft. Euer Vater ist bereits unterwegs und wird alles in seiner Macht stehende tun, damit der Herr das Einreiseverbot umgehen kann.“ Ein helles Schellen ertönte, als Noro’elle ihre Gabel auf de Porzellan den Porzellanteller fallen ließ. „Ich glaube mir ist soeben der Appetit vergangen. Gebt den Rest den Hunden, die werden sich freuen.“, sagte sie tonlos und verließ ohne ein weiteres Wort der Erklärung den Speisesaal.
Zuletzt geändert von Noro'elle am Do, 14. Apr 2011 23:37, insgesamt 2-mal geändert.

Hilal
verschollen
Beiträge: 24
Alter: 24
Rasse: Mensch, Nomade
Heimat: Cala an Darh
Waffen: 2 Säbel, 1 Dolch, Lasso
Inventar: Seil, Proviant, Wasserschlauch

Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Do, 14. Apr 2011 22:13

Hilal genoss die Unterhaltung mit dem älteren Mann, namens Rezzan. Schon lange hatte er sich nicht mehr in aller Ausführlichkeit über ein solches Thema unterhalten können, besonders weil sie nach einiger Zeit darauf kamen, wie unnütz doch Pferde eigentlich waren, wenn man in der Wüste unterwegs war. Sie mochten schöne Geschöpfe, mit viel Feuer, Energie und Anmut sein, aber gegen ein Kamel verloren sie gnadenlos. Hier, in der Nähe einer Stadt oder in den fruchtbareren Gebieten mochte sich eine Zucht lohnen, aber nicht in der Wüste. Dort brauchte man ein junges und starkes Kamel, vielleicht ein wenig dickköpfig, aber ein größerer Garant aufs Überleben. Und angenehmer zu reiten. Dazu konnte Hilal kleine Anekdoten erzählen, da er ja schon einige Male auf einem Pferd geritten war, während seiner Arbeit für seinen Herrn Faramud. Schon früh hatten sich ihnen drei weitere Männer angeschlossen, die nun lachend und Tee trinkend Hilals Geschichte lauschten, wie er das erste Mal auf einem trabenden Pferd gesessen und sich beinahe übergeben hatte, weil er so durchgerüttelt worden war. In diese Heiterkeit hinein erzählten auch die anderen Männer Geschichten, was ihnen schon mit Pferden so alles passiert war. Das ging davon, dass ein uneinsichtiger Mann meilenweit durch den Sand geschleift worden war, bis hin zu einem Mann, der sein Pferd nicht anständig festgebunden hatte und danach einen sehr weiten Weg nach Hause hatte laufen dürfen. Über solche Geschichten und Unterhaltungen hin verging die Zeit und langsam wurde es Mittag. Und damit unerträglich heiß. Selbst für die Söhne der Wüste, die Nomaden, wurde es unangenehm und sie spannten gemeinsam ein Sonnensegel auf, um darunter Schutz zu suchen. Hilal warf währenddessen einen Blick auf ihren eigenen Lagerplatz, aber sogar von hier aus konnte er erkennen, dass die drei noch immer vor Ort waren, nur nicht mehr würfelten und stattdessen still im Schatten lagen. Die Hitze war ihnen wohl zu Kopf gestiegen, sie stammten aus der Küstenregion, waren ein kühleres Klima gewöhnt. Und dazu hatten sie schon manches an Wein getrunken, der ihnen nun gnadenlos zu Kopf stieg. Eine schlechte Kombination, aber Hilal hatte keine Lust, sie darauf hinzuweisen. Immerhin lagerten sie nicht erst seit heute hier. Nachdenklich legte er den Kopf in den Nacken und sah in den strahlendblauen Himmel. Keine Wolke in Sicht, wie fast immer. Die Hitze flirrte über den Sanddünen und ließ es dadurch wirken, als wenn sich dort Wasser befand. Aber jeder Mann und jede Frau, die in der Wüste lebten, wusste, dass dort nur der Tod lauerte. Eine Illusion, eine Fata Morgana. Mehr nicht. Hilal schloss sich wieder den vier anderen Männern an, die es sich im Schatten des Sonnensegels gemütlich machten. In dieser Tageszeit ruhte man, entspannte sich und wartete geduldig, dass die Hitze nachließ. Trotzdem konnte Hilal Gestalten sehen, die sich ihnen aus Richtung der Stadt näherten, besser gesagt der Karawane, die von Rezzan geführt wurde. Neugierig geworden blieb er im Schatten des Sonnensegels stehen und musterte die Ankömmlinge. Um diese Zeit etwas erledigen...entweder war es extrem wichtig oder diese Männer waren extrem dumm. Und dann ritten sie auch noch auf Pferden, die traurig die Ohren in der Hitze hängen ließen. Nur was konnten sie wollen? Die Stadt war doch abgeriegelt und wenn ihn nicht alles täuschte, kamen sie von dort. Beinahe ohne sein Zutun setzte er sich in Bewegung und näherte sich dem Punkt, an dem die Männer wohl ankommen würden. Vielleicht ergab sich eine Gelegenheit, wie er auch in die Stadt kam und sei es nur, um vielleicht etwas Proviant zu kaufen. Wenn dort wirklich eine Seuche wütete, sollte er sich nicht zu lange dort aufhalten. Ohne es zu bemerken schob er sein Mundtuch hoch, sodass es nun Mund und Nase verbarg, während er die Neuankömmlinge neugierig musterte.

Benutzeravatar
Noro'elle
Reisender
Beiträge: 41
Avatar: Ashley-Q
Alter: 16
Rasse: Mensch/Beraij
Heimat: Avrabêth
Waffen: keine
Inventar: Ein Beutel voller Schmuck

Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Do, 14. Apr 2011 23:28


Ohne den Blick noch einmal zurück zu wenden, ging die Schwarzhaarige eiligen Schrittes durch den großen, mittleren Torbogen hinaus in den mit Geschmack gestalteten Garten. Viele der seltenen Kakteenarten, die von ihrem Vater extra aus den verschiedensten und abgelegenen Regionen der Wüste angefordert wurden, standen in voller Blüte und erstrahlten in leuchtenden Farben. Erst jetzt drosselte sie langsam die Geschwindigkeit und blieb leise seufzend vor dem edlen Brunnen stehen. Ein Brunnen, welch eine Wasserverschwendung in einer Stadt, dessen Mauern sich mitten in der Wüste erhoben. Geschmeidig setzte sie sich auf den Rand des untersten Beckens und strich zart mit den Fingerkuppen über das in der Sonne munter glitzernde Nass. Ihre Gedanken drehten sich im Kreis. Bisher hatte sie es immer irgendwie geschafft die Männer, die ihr Vater ihr als Ehemann vorgeschlagen hatte, durch schlechtes Benehmen abzuschrecken oder gar den Herrn des Hauses durch klug geführte Argumentationen davon zu überzeugen, dass sie doch auf irgendeine Art und Weise nicht gut genug für seine Tochter waren. Wie lange könnte sie dieses Spiel wohl noch spielen? Würde ihr Vater ihr eines Tages überdrüssig werden, wenn sie erst eine gewisse Altersgrenze überschritten hatte? Das wollte Noro’elle eigentlich nicht bis aufs Letzte austesten, doch dieses Mal würde sie noch um keine Ausrede verlegen sein. „Fräulein Noro?“, riss sie die Stimme Manus aus den Gedanken. „Geht es Euch nicht gut? Ihr seht blass aus.“, fragte sie und schien sichtlich besorgt um das Wohl ihrer Herrin. „Nein… Mir geht es gut. Wieso sollte es mir auch nicht gut gehen an solch einem wunderschönen Tag.“, wurde es mit einem falsch wirkenden Lächeln erwidert. „Komm lass uns ein wenig zu den Ställen gehen. Ich möchte nachsehen, wie es Learâ heute geht.“ Manula nickte leicht und fügte vorsichtig hinzu: „Gewiss können wir dies tun, aber ich denke für einen Ausritt wird uns bis zum Eintreffen des Besuches keine Zeit bleiben.“ Ohne das junge Ding eines weiteren Blickes zu würdigen, setzte sich Noro’elle wieder in Bewegung. „Ach was! Wenn der Kerl mich wirklich kennen lernen will, dann wird er auch warten, bis ich von meinem Ausritt zurück komme. Also los!“


Währenddessen am Rande der Stadt…

Wisst Ihr etwa nicht, wer ihr vor Euch steht? Dies ist Hak’iim el Darr’akur! Wagt es noch einmal ihm den Weg zu versperren und dann werde ich eigenhändig dafür Sorgen, dass ihr im tiefsten Loch der Stadt zusammen mit den Verseuchten verrottet!“, dröhnte die tiefe, raue Stimme des Hauptmannes der persönlichen Leibgarde des Großgrundbesitzers. Die zwei Stadtwachen, die soeben noch vollen Mutes und mit geschwollener Brust vor das geschlossene Stadttor getreten waren, tauschten nun ein paar verunsicherte Blicke und gaben letzten Endes doch den Weg frei, jedoch nur unter der Vorraussetzung, dass sie innerhalb von einer halben Stunde wieder zurückkehren würden. Mit quietschenden Scharnieren wurde eine der großen, stabilen Torflügel aufgezogen. Die Öffnung war gerade so breit, dass die sechs Reiter sie mit ihren Pferden nur nacheinander passieren konnten. Schweigend und dennoch mit edel hervor gestrecktem Kinn ritten die Männer die vor der Stadt liegenden Lagerplätze ab. Es schienen so unendlich viele Leute und die Zeit war denkbar knapp und so lehnte sich Noro’elles Vater, der nun neben dem Hauptmann ritt, zu jenem hinüber und bat ihn etwas auszurufen. Ohne große Umschweife herob der Hühne erneut die kräftige Stimme: „Hey alle mal her hören! Aufwachen ihr müden und faulen Hunde! Wir suchen den Sohn des Händlers Said ibn Kasheri. Er soll sich bitte umgehend zu erkennen geben und uns in die Stadt begleiten!“ Prüfend glitten die Blicke der Männer über die endlosen Karawanen, während die glühende Hitze ihnen die Schweißperlen auf die Stirn trieb und die Sonnenstrahlen sich auf den polierten Rüstungsplatten spiegelten. Sie ritten immer weiter und der Hauptmann wiederholte immer wieder seine Worte. Hak’iim blickte ratlos drein, schließlich wusste er weder wie der Sohn seines altbekannten Geschäftspartners aussah, noch hatte eine Ahnung in welcher Gesellschaft er angereist war. Es blieb nur zu hoffen, dass er ihrem Aufruf folgen würde, ehe sie wieder das Stadttor passieren mussten.

Hilal
verschollen
Beiträge: 24
Alter: 24
Rasse: Mensch, Nomade
Heimat: Cala an Darh
Waffen: 2 Säbel, 1 Dolch, Lasso
Inventar: Seil, Proviant, Wasserschlauch

Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Fr, 15. Apr 2011 15:30

Nicht nur auf Pferden, sondern auch noch in Rüstungen. Diese Männer mussten wahnsinnig sein, bei diesen Temperaturen in solch einer Montur herumzureiten. Rüstung...bei dieser Hitze. Hilal zog nur eine Augenbraue hoch. "Narren! Wenn ihr Glück habt, werdet ihr nicht an einem Hitzschlag sterben. Was soll so ein Unsinn? Die Hitze sammelt sich unter eurer Kleidung und der Wind kann sie nicht fortblasen. Sie quälen sich selber ohne jeden Grund." Leicht schüttelte der junge Mann, während er mit vor der Brust verschränkten Armen neben einem Kamel stehen blieb, den Kopf und beobachtete die Reiter aufs Genaueste. Das waren keine Stadtwachen oder so, es schienen eher private Wachen zu sein, die einen edel gekleideten Mann begleiteten. Der Einzige, der eine halbwegs geeignete Kleidung trug. Sie suchten jemanden, das fiel Hilal sofort auf. Wie ihre Blicke schweiften verriet sie. Hilal war auf ein scharfes Auge und einen schnellen Verstand angewiesen, um seiner Arbeit nachzugehen, daher fiel ihm auch die Qualität der Kleidung auf. Außerdem waren sie aus der Stadt gekommen, also von hohem gesellschaftlichen Ansehen, ansonsten hätten die Wachen sie nicht passieren lassen. Aber was auch immer sie suchten oder besser gesagt wen, sie schienen ihn nicht zu finden. Einer der Männer rief nach dem Sohn eines Händlers namens Said ibn Kasheri. Ihren Blicken nach zu urteilen kannten sie ihn nicht und bisher machte auch niemand Anstalten, sich zu melden. Hilals Lippen verzogen sich unter dem Mundtuch zu einem Lächeln. Es wäre absolut dreist und so verrückt, dass es einfach nur klappen konnte. Oder komplett schief gehen würde. Aber er würde jetzt diese Gelegenheit nutzen, um in die Stadt zu kommen. Mehr als eine Sklavin brauchten sie nicht, damit Faramud zufrieden war und zur Not würde er über diese Stadtmauer mit einer unter dem Arm klettern. Und hier bat sich eine einmalige Gelegenheit sogar legal in die Stadt hinein und vielleicht sogar wieder hinaus zu kommen. Denn das Verhalten der Männer deutete ganz klar auf eines hin, sie wussten weder wie der Gesuchte aussah, noch wo er sich aufhielt und in welcher Gesellschaft. Das war eigentlich fast zu einfach...Prüfend blickte er sich noch einmal um, ob auch wirklich niemand reagierte, aber mehr als neugierige Blicke zogen sie nicht auf sich und außer seinen eigenen Männern kannte niemand seinen vollen Namen, in der Wüste stellte man sich nur mit seinem Rufnamen vor. Also konnte auch Rezzan ihn nicht verraten, seine Männer würden es nicht tun und immer noch reagierte niemand auf die Rufe. Hilal konnte beobachten, wie die Männer unruhig wurden, vermutlich durften sie sich nicht lange hier aufhalten, wegen der Ausgangssperre. Einen letzten Blick warf Hilal noch in die Runde, dann wagte er es einfach. Mit entschlossenem Schritt ging er auf die Männer zu, den Kopf aufmerksam gehoben und sie ansehend. Er mochte mit seiner Bewaffnung und Kleidung zwar nicht wie ein Händlersohn aussehen, aber zur Not würde er sich eine Lüge einfallen lassen oder einfach behaupten, dass ihm das gefiel. Der die Worte ausgerufen hatte, zügelte sein Pferd und blickte ihn neugierig an. "Seit ihr der Sohn des Händlers Said ibn Kasheri?" Hilal nickte. "Ja, das bin ich. Mein Name ist Hilal."

Benutzeravatar
Noro'elle
Reisender
Beiträge: 41
Avatar: Ashley-Q
Alter: 16
Rasse: Mensch/Beraij
Heimat: Avrabêth
Waffen: keine
Inventar: Ein Beutel voller Schmuck

Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Fr, 15. Apr 2011 18:05


Sie hatten die Hoffnung schon beinahe aufgegeben, doch dann löste sich ein Schatten aus den Karawanen und hielt direkt auf sie zu. Die Berittenen zügelten ihre Pferde, nur der Hauptmann allein ließ seinen edlen Hengst noch ein paar Schritt machen. Den Blick gegen die Sonne gerichtet konnte man aus der Ferne nicht viel erkennen, doch als die Gestalt näher kam, hob Asif die Hand, um bei dem gleißenden Licht besser sehen zu können. Kritisch und mit einem angespannten Gesichtsausdruck musterte er den Fremden, der es gewagt hatte sich als den Gesuchten vorzustellen. „Seid gegrüßt!", sprach er donnernd und deutete ein leichtes Nicken an. „Soweit ich weiß, lautet der Name von Said ibn Kasheris Sohn Kamal. Wieso also stellt Ihr Euch mit falschem Namen vor?“, hackte er ohne große Umschweife nach, schließlich war nicht genügend Zeit für Höflichkeiten und außerdem unter dem Umstand der Seuche größte Vorsicht von Nöten. Während der Hüne auf eine Antwort des Mannes wartete, musterte ihn von Fuß bis Kopf. Seine Kleider, wenn man es denn so nennen konnte, sahen eher aus wie die Lumpen eines Straßenköters, als wie das Gewand eines gutbetuchten Händlersohnes. Als seine Aufmerksamkeit auf das Tuch fiel, welches das halbe Gesicht des Kerls bedeckte, verfinsterte sich der Blick des Hauptmannes. Hatte dieser Hilal, wie er sich nannte, etwas zu verbergen oder wieso war er nicht dazu bereit ihnen sein Gesicht zu zeigen? Irgendetwas war hier gewaltig faul und gewiss würde sich in den nächsten Momenten herausstellen, was es war. „Nun antwortet schon! Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit, um hier unnütz herum zu stehen!“, sagte er mit immer lauter werdender Stimme. Das Asif schlechte Laune hatte, war unüberhörbar. Die sengende Hitze, der elende Durst und dazu die Anspannung, die sich seit dem Ausbruch der Seuche stetig in ihm fest gesetzt hatte, waren die Gründe dafür. Er war für den Schutz der Familie Darr’akur zuständig und er durfte keine Fehler machen. Nein, er würde keinen Fehler machen und auf Nummer sicher gehen, doch erstmal wollte er hören, was der Kerl zu sagen hatte. Also starrte er ihm nun tief in die dunklen Augen, als könnte er so verhindern, dass er ihm ein Lügenmärchen auftischte.


Zur gleichen Zeit auf dem Anwesen des Hak’iim el Darr’akur…

Noro’elle und Manula hatten inzwischen die Stallungen erreicht, doch im Gegensatz zu vergangenen Zeiten, war keiner der Stallburschen anwesend. Bereits vor einigen Tagen hatte der Großgrundbesitzer jeglichen Bediensteten, bis auf dem Hauspersonal, die Nähe zu seiner Tochter verboten. Es galt auf alle Fälle sicher zu stellen, dass die junge Darr’akur sich auf keinen Fall mit der wetternden Seuche infizieren sollte. „Na toll! Und wer putzt und sattelt mir nun meine Stute?“ Ihre Stimme bebte vor Wut, während die Schwarzhaarige völlig genervt vor dem Stall auf und ab ging. „Ich werde dort auf gar keinen Fall rein gehen! Im Stall ist doch alles dreckig!“ Manula seufzte lautlos und zuckte vorsichtig mit den Schultern. „Vielleicht sollten wir einfach wieder umkehren. Euer Vater erwartet sicher schon Eure Anwesenheit.“ Noro schüttelte entschieden den Kopf. So weit würde es noch kommen. Wenn sie hier schon wie ein Vogel in einem goldenen Käfig gefangen gehalten wurde, so wollte sie wenigstens reiten gehen, wann sie wollte. Ruckartig blieb sie stehen und musterte Manu eingehend. „Du wirst das einfach machen. Genau! Du gehst rein und machst Learâ für einen Ausritt bereit. Ich warte so lange hier im Schatten.“, sprach sie in einem Ton, der keinerlei Widerrede zu dulden schien. Tatsächlich kam die Bedienstete ihrem Wunsch nach, denn wie könnte sie ihr auch widersprechen? Immerhin ging es ihr noch wesentlich besser als den meisten versklavten Mädchen in dieser Region. Sie hatte stets saubere Kleidung, bekam ausreichend Essen und sogar ab und an ein paar Taler. Hinzu kam dass sie, seit sie im Dienste der Familie stand, keinerlei körperliche Züchtigung mehr ertragen musste. Nein, sie hatte kein schlechtes Leben, nur weil seine launische Herrin hatte. Während sie noch ein wenig vor sich hin grübelte, ging sie in den Stall. Fröhlich wiehernd streckte Noro'elles kohlenschwarze Stute den Kopf über das Gatter und ließ sich sanft streicheln, ehe die aufgegeben Arbeiten erledigt wurden und das Tier nach etwa 20 Minuten in Freiheit geführt werden konnte, wo die Besitzerin schon ungeduldig darauf gewartet hatte. Mit den Worten: „Wieso hat das denn so lange gedauert?“, riss sie ihrer Dienerin die Zügel aus der Hand und saß elegant auf..
Zuletzt geändert von Noro'elle am So, 17. Apr 2011 20:11, insgesamt 1-mal geändert.

Hilal
verschollen
Beiträge: 24
Alter: 24
Rasse: Mensch, Nomade
Heimat: Cala an Darh
Waffen: 2 Säbel, 1 Dolch, Lasso
Inventar: Seil, Proviant, Wasserschlauch

Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Sa, 16. Apr 2011 22:08

Hilal spürte förmlich, wie die Situation kippte. Er hatte hoch gespielt und verloren. Ein schneller Rückzug war besser als ein Kampf. Daher zuckte er nur nichtssagend die Schultern und hob die Hände in einer gelangweilten Geste. "Ich muss mir so ein Verhalten nicht gefallen lassen, besonders nicht von dir. Wenn du schon so weise bist und es besser weißt als ich, dann such doch jemanden namens Kamal. Ich werde mich jedenfalls nicht weiter von dir beleidigen lassen. Gehab dich wohl, Narr." Das hatte er sich nicht verkneifen können. Mit diesen Worten drehte er sich allerdings auch um und ging. Seine Körpersprache verriet es nicht, aber er war angespannt, lauschte, ob sich in seinem Rücken noch etwas tat. Wache Reflexe waren alles was er hatte, um zu überleben. Aber das hieß auch sie zu benutzen. Er hatte mit keinem weiteren Wort angedeutet, der Sohn dieses Händlers zu sein, das wäre wohl zu riskant gewesen. "Nun gut, gespielt und verloren. Dieses Großmaul ist keine große Gefahr für mich, immerhin muss er noch das Pferd koordinieren und vor seinem Herrn muss ich keine Angst haben. Die Rüstung macht ihn langsam und müde. Nur sollte ich Acht geben, dass das jetzt nicht in irgendeiner Art auf mich zurückfällt. Hah, ich muss mich wohl damit abfinden, dass wir einen Stamm in der Nacht überfallen und eine Frau rauben müssen. Mit leeren Händen brauche ich gar nicht erst zurückzukehren." Wie beiläufig strich er mit dem Daumen über den Griff einer seiner Säbel. Immer noch achtete er sehr darauf, was hinter ihm vorging, während er langsam, beinahe gemütlich, an der Karawane entlang ging. Sollten sie doch denken, dass er zu diesen Leuten gehörte, desto weniger würden sie seine Spuren später zurück verfolgen können. Trotzdem erschien ihm das Problem mit dem Fangen einer neuen Sklavin wesentlich schwerwiegender. Faramud mochte ein Philosoph und Schöngeist sein, aber Versagen und Ungehorsam wurden bei ihm schwer bestraft. Und derjenige wurde entlassen und fand seinen Lebtag keine Anstellung mehr in der Hafenstadt. Hilal mochte seine Arbeit zwar nicht, aber sie ernährte ihn immerhin. Und wo sollte er sonst hin? Also würde er Faramud eine Sklavin mitbringen, eher würde er nicht zurück kehren.

Benutzeravatar
Noro'elle
Reisender
Beiträge: 41
Avatar: Ashley-Q
Alter: 16
Rasse: Mensch/Beraij
Heimat: Avrabêth
Waffen: keine
Inventar: Ein Beutel voller Schmuck

Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » So, 17. Apr 2011 20:47


Nach einem leisen Zungenschnalzen und sanften Druck mit den Unterschenkeln verfiel das edle Tier in einen seichten Trab. Während Noro sich immer weiter von den Stallungen entfernte, blieb die ahnungslose Manula davor stehen, bereit auf die Rückkehr ihrer Herrin zu warten, auch wenn Gott allein wusste, wie lange dies dauern würde. Der Weg der Reiterin führte sie zu den Dattelplantagen ihres Vaters, dort wo die Bäume die Wege in ein Spiel aus Licht und Schatten verwandelten. Hier war es ein klein wenig angenehmer, da die Sonnenstrahlen nicht so unnachgiebig auf sie herab schienen. „Ach Learâ…“, murmelte Noro’elle leise und tätschelte liebevoll den Hals der dunklen Stute. Sie wusste, dass das Tier sie verstand – auch ohne Worte. Es war ja nicht so, dass sie oft alleine war. Genau genommen, hatte sie sogar ständig Leute um sich herum. Doch tief im Inneren ihres Herzens fühlte sie sich einsam. Die junge Frau sehnte sich nach ehrlicher Zuneigung. Sicher ihr Vater liebte sie ohne Ende, doch war es nicht das, wonach sie sich verzerrte. Ein Mann, der sie wahrlich mochte und der nicht darüber sinnte, ob sie die Tochter eines wohlhabenden Mannes war oder ob ihr Leib dazu in der Lage war zahlreiche Söhne zu gebären. Eine einzelne, glitzernde Träne rann ihre zarte Haut hinunter und wurde am Kinn vom seichten Wind hinfort geweht. Heute würde ein neuer Bewerber kommen. Manchmal war es so, dass sie sich wie ein Stück Fleisch fühlte, dass von ihrem Vater, ja von ihrem eigen Fleisch und Blut, an den höchst bietenden verschachert würde. Ihre Hand ballte sich vor lauter Zorn zu einer Faust. Soweit würde sie es nicht kommen lassen! Nein! Nicht heute! Ihr würde etwas einfallen um den Kerl los zu werden. Am Ende des geschlungenen Weges zeichnete sich der hohe Zaun ab, der den Grundbesitz ihrer Familie kennzeichnete. Sie wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, doch nach einem Blick gen Himmel erkannte sie, dass die Sonne ihren Weg schon ein gutes Stück fortgesetzt hatte. „Komm, wir kehren um. Vater wird ohnehin schon wütend genug sein, wenn ich nicht rechtzeitig zurück bin. In letzter Zeit ist er sowieso sehr gereizt…“, flüsterte sie ihrem Pferd zu, dessen Ohren sich aufmerksam nach hinten gerichtet hatten. Dann wendete die Schwarzhaarige geschickt das Tier und machte sich auf den Rückweg.


Zurück am Rande der Stadt…

Wenn böse Blicke zu tödlichen Pfeilspitzen werden könnten, dann wäre der Kerl, der ihn eben noch hinters Licht führen wollte und ihm nun den Rücken zuwandte, ächzend zu Boden gegangen. Doch seine Blicke allein konnten niemanden umbringen. Bebend vor Wut legte Asif seine Rechte auf den Knauf seines mächtigen Schwertes und konnte den Drang es zu ziehen nur schwer widerstehen. „Geh nur du räudiger Straßenköter und wage es nicht noch ein Mal mir unter die Augen zu treten!“, rief er ihm aufgebracht hinterher. Dann wendete er sein Reittier und kehrte zu seinem Gebieter zurück, den er kurz über die Geschehnisse informierte. Dann erklang auch schon das Horn, das Zeichen, was die Torwachen ihnen geben würden, wenn sie zurück kehren sollten. Unerträglich langsam setzte sich die kleine Gruppe in Bewegung und so unendlich erschien der Weg in der glühenden Hitze der Mittagsstunde. Doch kurz bevor die das Tor erreichten, preschte ihnen ein weiterer Mann auf einem Kamel hinterher. Sichtlich irritiert hielt der Hauptmann abermals inne und musterte diesen Kerl, ebenso wie er es eben noch bei Hilal getan hatte. Dieser sah gepflegt aus, wenn auch etwas dicklich und unbeholfen. Seine Kleider schienen edel, er stellte sich mit dem richtigen Namen vor und präsentierte ein Schreiben seines Vaters. Asif hatte diesmal keine Zweifel, dass sie nun den richtigen Mann gefunden hatten. Nachdem die förmliche Begrüßung mit dem Hak’iim el Darr’akur beendet war, wurden weitere Kamele aus der Karawane geführt, die das Gepäck des Händlersohnes trugen. Seine Bediensteten jedoch mussten im Lager außerhalb der Stadt bleiben. „Macht Euch keine Sorgen, bei uns wird es Euch an nichts fehlen. Euch wird genug von unserem Personal zur Verfügung stehen. Aber nun lasst und schleunigst aufbrechen, die ehrenwerte Noro’elle wartet gewiss schon auf Eure Ankunft.“, tönte es nun übertrieben höflich aus dem Mund Asifs. Es fiel ihm zwar oft schwer seine rauen Sitten abzulegen, doch wenn es darauf ankam beherrschte er die nötigen Umgangsformen. Nachdem alle Reiter und die Lastenkamele das Stadttor passiert hatten, wurden die schweren Tore wieder geschlossen und die Wachen nahmen ihren gewohnten Platz ein. Hier würde niemand so einfach hinein oder hinaus kommen, jedenfalls nicht, wenn man nicht die entsprechende Machtposition hatte. Der Weg durch die Stadt verlief anschließend ohne größere Probleme, denn die Bewohner hielten respektvollen Abstand zu den bewaffneten Männern in Rüstung, sodass sie das Anwesen der Darr’akurs noch weit vor Sonnenuntergang erreichten.

Hilal
verschollen
Beiträge: 24
Alter: 24
Rasse: Mensch, Nomade
Heimat: Cala an Darh
Waffen: 2 Säbel, 1 Dolch, Lasso
Inventar: Seil, Proviant, Wasserschlauch

Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Mo, 18. Apr 2011 14:33

"Na, sonderlich einfallsreich ist der Bursche ja nicht. Aber ein großes Maul hat er. Die nächste Begegnung würde er vielleicht nicht ganz so unbeschadet überstehen." Von diesen Gedanken ließ sich Hilal aber nichts anmerken, mit stoischem Gesichtsausdruck, den Blick nach geradeaus, ging er weiter und wartete, dass sich die Geräusche in seinem Rücken entfernten. Was sie dann auch taten, da ein Horn erklang. "Sieh an, das Schoßhündchen wird zurückgepfiffen." Hilal blieb stehen und blickte über die Schulter, um zu sehen, was weiter passierte. Die Reiter kehrten zurück, trafen auf dem Weg aber auf andere, unter denen der Gesuchte zu sein schien. Als Hilal diesen erblickte, zog er spöttisch eine Augenbraue hoch. "Na, da wäre ich aber wohl die bessere Wahl gewesen." Im Endeffekt konnte er nichts weiter tun. Er hatte gespielt und verloren, so war nun einmal das Schicksal. Trotzdem stellte sich ihm nun ein für ihn viel wichtigeres Problem. Er hatte immer noch nichts vorzuweisen und spätestens in ein paar Tagen musste er zurück kehren, dann erwartete Faramud ihn. Bei seinem Lager angekommen wurde er von einem der Männer angesprochen, der die Szene wohl beobachtet hatte. "Was war denn da los?", fragte er neugierig. Hilal zuckte mit den Schultern. "Ich habe versucht in die Stadt zu kommen, hat nicht geklappt." Der Mann lachte. "Dann solltest du dich vielleicht intelligenter anstellen." Das Lachen verging ihm allerdings recht schnell wieder, als er Hilals kalten Blick spürte. Schnell wandte er sich wieder ab und kümmerte sich um seine Waffe, die er wohl gerade schärfte. Die beiden anderen schliefen, vermutlich betrunken. Frustriert ließ sich Hilal unter seinem Sonnensegel nieder und ließ den Blick wieder schweifen. Noch war es zu warm, um irgendetwas zu tun, aber nicht zu denken. "Verdammt, mir läuft die Zeit davon. Mit leeren Händen brauche ich gar nicht erst zurück zu kehren. Es würde doch eine verdammte Sklavin reichen, mehr bräuchte ich doch gar nicht. In der Stadt wäre das kein Problem, nur wie soll ich da reinkommen? Hmmm, da herrscht doch eine Ausgangssperre, das heißt, Waren sind knapp und der Schwarzhandel blüht. Vielleicht gibt es noch andere Wege, um in die Stadt zu gelangen, nur ich sehe sie nicht. Diese Schwarzhändler werden kaum die Tore passieren. Vielleicht finde ich eine Lösung oder sogar einen Weg, wenn ich einmal um die Stadt herumreite. Immerhin haben wir von Beginn an hier gelagert und uns den Rest gar nicht angesehen." Langsam wurde die Hitze erträglicher, die Mittagszeit war vorbei. Hilal sattelte sein Kamel und wandte sich dann an die drei Männer, von denen mittlerweile jedenfalls zwei wach waren. "Passt auf, ich werde mal um die Stadt herumreiten und sehen, ob es nicht einen anderen Weg hinein gibt oder ob sich eine andere Gelegenheit ergibt. Ihr bleibt hier und trinkt nichts mehr, verstanden?! Vielleicht habe ich Glück und wir müssen dann schnell weg oder sowas." Begeistert schienen die beiden nicht zu sein, aber das störte ihn nicht. Er saß auf seinem Kamel auf, ließ es aufstehen und wendete es dann zur Seite, um die Stadt einmal zu umrunden. Und selbst wenn er nichts fand, alleine den Wind und die Bewegung zu spüren, wären besser, als die ganze Zeit dort herumzusitzen und Däumchen zu drehen.

Benutzeravatar
Noro'elle
Reisender
Beiträge: 41
Avatar: Ashley-Q
Alter: 16
Rasse: Mensch/Beraij
Heimat: Avrabêth
Waffen: keine
Inventar: Ein Beutel voller Schmuck

Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Di, 19. Apr 2011 19:01


Ankunft in den Hallen der Familie Darr’akur…

Kamal ibn Kasheri kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Seitdem sie das prächtige Anwesen betreten hatten, passierte eigentlich alles wie von selbst. Ihr Weg hatte sie direkt zu der Stallerei geführt, wo seine Kamele und auch die Pferde seines Gastgebers von den Stallburschen in Empfang genommen wurden. Von dort wurde er von einigen Bediensteten in Richtung des pachtvollen Haupthauses begleitet. Noch im Vorbeigehen konnte er den wunderschönen Garten bestaunen, der, sollte man glauben, was man unter den Sklaven munkelte, nicht einmal Ansatzweise mit der Schönheit der Noro’elle mit halten konnte. Als er nun durch den gewaltigen Torbogen in das Innere trat, brauchte er einige Momente um sich an das halbdunkle Zwielicht zu gewöhnen. Geschmackvolle Mosaike aus verschieden farbigen Scherben verzierten den Boden und erzählten Sagen aus längst vergangenen Zeiten, die Wände waren mit teueren Wandteppichen behangen und die wenigen Möbel wirkten schlicht und edel zugleich. Die Worte des Besitzers unterbrachen den Gedankenzug des Händlersohnes und ließen ihn in die Realität zurück kehren. „Meine Tochter ist nicht da und wie immer kann mir niemand sagen, wann sie wieder eintreffen wird. Wahrscheinlich hat sie bei einem ihrer Ausritte einfach die Zeit vergessen.“, sagte er mit wohlklingender Stimme. „Ich werde Euch eine Dienerin zu teilen, die Euch so gleich in Eure Gastgemächer im Nordflügel führen wird. Dort könnt Ihr etwas entspannen und Euch frisch machen und wir sehen uns dann heute Abend zum gemeinsamen Abendessen.“ Ohne auf eine Antwort zu warten, wandte der groß gewachsene Mann sich von seinem Gast ab und verschwand selbst in Begleitung von zwei Dienstmädchen in den im Süden gelegenen Hausflügel. Kurze Zeit später kam auch schon eine weitere Frau in erdfarbenen Gewändern und führte Kamal in das Zimmer, indem er wohl die nächsten Tage nächtigen würde. Nach seinen ersten Eindrücken waren die Erwartungen recht hoch und natürlich wurden sie in keinster Weise enttäuscht.

Nachdem die Sonnenuhr den Verlauf einer weiteren Stunde angezeigt hatte, tauchte auch Noro’elle Seite an Seite mit Manula im Garten auf. Sie verhielten sich leise und hatten gehofft, dass Hak’iim ihre Ankunft nicht mitbekommen würde. Doch sie hatten sich getäuscht. „Noro’elle!“, hallte seine tiefe Stimme durch das Haus, sobald sie durch den Torboden ins Innere getreten waren. Manu blickte ihre Herrin mitfühlend an, denn sie wollte nun ganz gewiss nicht in ihrer noch so schönen Haut stecken. Früher kam es wirklich selten vor, dass der Herr des Hauses schlecht auf seine Tochter zu sprechen war, doch in letzter Zeit häuften sich die Fälle, in denen sie ellenlange Standpauken ertragen musste. Die junge Darr’akur verdrehte völlig genervt die Augen, fügte sich jedoch ihrem Schicksal und trat kurze Zeit später zu ihrem Vater. „Ja bitte, Vati? Was gibt es denn?“, fragte sie möglichst darum bemüht ruhig und unschuldig zu klingen. „Wieso warst du nicht da? Ich habe dir doch ausrichten lassen, dass wir Besuch erwarten!“, donnerte er ohne ein Wort der Begrüßung los. „Also mir hat niemand etwas gesagt.“, log die kleine Noro ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Natürlich wusste sie genau, dass Manula nun dafür jede Menge Ärger bekommen würde, doch sie war es immerhin gewohnt. „So so…“, brummte Hak’iim und beruhigte sich nur langsam wieder. „Zwei Tage kein Brot für die Sklavin meiner geliebten Tochter.“, wies er dann einen Boten an. „Irgendwann muss das Mädchen doch mal lernen, dass sie zu gehorchen hat.“ Der Bote, der die ganze Zeit an der Tür gestanden hatte, nickte und eilte davon. „Sei doch nicht so streng mit Ihr… Sie wird es sicher noch lernen.“, sprach Noro’elle um ihren Vater etwas zu besänftigen, schließlich war es ja eigentlich ihr Verschulden gewesen. „Meine Tochter, einfach zu gutmütig für diese Welt. Aber nun gehe rasch in deine Gemächer und wasch die den Staub von der Haut. Zieh die etwas Hübsches an, unser Besuch brennt förmlich darauf dich kennen zu lernen.“

D iesmal gehorchte die Schwarzhaarige dem Familienoberhaupt und ging tatsächlich in ihr Zimmer, um im daneben gelegenen Wachraum ein kühles Bad zu nehmen. Von Manula war weit und breit nichts zu sehen, stattdessen kümmerten sich zwei andere Mädchen um ihr Wohlbefinden. Ein klein wenig Sorge bereitete ihr das Wegbleiben ihrer einzigen Freundin schon. Hoffentlich hatte Vater hinter ihrem Rücken nicht eine noch viel härtere Strafe ausgesprochen, als dass sie zwei Tage nichts zu essen bekäme, was bei ihrer mageren Gestalt schon schlimm genug zu sein schien. Nachdem der jugendliche Körper wieder sauber war, wurden ihr neue Kleider angelegt, die sich jedoch eigentlich kaum von den vorhergehenden unterschieden. Blau war ihre Lieblingsfarbe und sie wollte einfach nichts anderes tragen, egal was die Bediensteten ihr auch vorschlugen oder brachten. Nachdem sie fertig angekleidet war, wurden ihr diesmal mit viel mehr Geschick die langen, dunklen Locken hochgesteckt, das Tragen eines Kopftuches wurde ihr mit den Worten
„Das gehört sich bei Tisch nicht!“ verboten. Als sie nun bereit war das Zimmer zu verlassen, klingelte auch schon in der Ferne die helle Glocke, die täglich das Beginnen des Abendmahls ankündigte. Noro’elle seufzte leise und blieb kurz an der Tür stehen, ehe eines der Mädchen kam und sie ungeduldig Richtig Speisesaal schob. „Ich kann das schon alleine!“, fauchte sie die Arme an und schubste sie unsanft ein Stück beiseite. Die Schritte die nun kamen, waren wesentlich langsamer, doch egal wie klein sie sie gestaltete, irgendwann erreichte sie doch ihr Ziel und blieb schweigend in der Tür stehen. Alle Anwesenden, darunter ihr Vater, zwei ihrer Brüder und natürlich Kamal, standen auf, um die Schönheit in Empfang zu nehmen. „Darf ich vorstellen: Das ist meine reizende Tochter. Noro’elle el Darr’akur“, sagte ihr Vater mit vor Stolz geschwollener Brust und führte die junge Frau zu ihrem persönlichen Gast, der es sich nicht nehmen ließ ihre zierliche Hand zu nehmen und einen kaum spürbaren Kuss darauf zu hinterlassen. Ohne ein Wort oder auch nur ein Lächeln, setzte sich die Schwarzhaarige an den Tisch und wartete auf das Auftragen der Speisen, weil sie tatsächlich einen Anflug von Hunger verspürte.
Zuletzt geändert von Noro'elle am Do, 21. Apr 2011 13:40, insgesamt 1-mal geändert.

Hilal
verschollen
Beiträge: 24
Alter: 24
Rasse: Mensch, Nomade
Heimat: Cala an Darh
Waffen: 2 Säbel, 1 Dolch, Lasso
Inventar: Seil, Proviant, Wasserschlauch

Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Mi, 20. Apr 2011 13:49

Langsam trottete das Kamel durch den Sand, schaukelte seinen Reiter hin und her. Dieser zupfte nur manchmal am Zügel, um die Richtung etwas zu ändern, aber er überließ es dem Tier, das Tempo zu bestimmen. Der Reiter hatte es nicht eilig. Was er wollte, konnte man nur in Ruhe herausfinden. Oder vielleicht auch gar nicht. Und Zeit hatte er eigentlich genug, sah man davon ab, dass ihm ein anspruchsvoller Herr im Nacken saß. Aufmerksam suchte Hilals Blick die Mauer nach Durchlässen oder etwas anderem auffälligen ab, aber bisher hatte er keinen Erfolg gehabt. Nun gut, er hatte die Stadt noch nicht einmal zur Hälfte umrundet, vielleicht fand er ja doch noch etwas. Oder traf jemanden, der ihm helfen konnte. Wenn er nur endlich eine gottverdammte Sklavin finden würde. Es war ihm mittlerweile sogar egal, von welcher Herkunft, hauptsache sie entsprach den Wünschen seines Hern. Immer noch das Tuch um Mund und Nase gebunden huschte der Blick seiner dunklen Augen von Punkt zu Punkt, ohne dass er den Kopf groß drehte. Hier, weitab der Tore, lagerte niemand mehr, entsprechend war er allein. Sein silberner Ohrring funkelte im Sonnenlicht und reflektierte es immer wieder. Eigentlich viel zu auffällig für die Wüste, aber er konnte sich trotzdem nicht von ihm trennen. Wie beiläufig strich er mit dem Finger über die Oberfläche und dachte zurück. Wäre er nicht verstoßen worden, wäre er jetzt bestimmt schon verheiratet, hätte sein eigenes Zelt, seine eigenen Tiere. Aber er war verstoßen worden und somit hatte er quasi nichts, nur das Kamel gehörte ihm, weil er es selbst gekauft hatte von seinem Lohn. Die Tiere, die Faramud zur Verfügung stellte, waren nicht seinen Ansprüchen gerecht geworden, aus dem einfachen Grund, dass der Philosoph keine Ahnung von Kamelen hatte und sich an Pferde hielt. Gemächlich trottete sein Reittier weiter, zwischendurch zupfte er wieder am Zügel, aber mehr Bewegung schien nicht in dem jungen Mann zu stecken. Die Sonne sank tiefer und tiefer und bald hatte er die Hälfte umrundet. Ohne einen Schritt weiter zu sein, ohne etwas gefunden zu haben und was viel schlimmer war, immer noch ohne Beute. Auf einer kleinen Düne zog er am Zügel und hielt das Kamel an, blickte von dort auf die Stadtmauer, die von den schwindenden Strahlen der Sonne angeleuchtet wurde. Ganz alleine auf weiter Flur. Alleine mit seinen Gedanken. "Zusammengepfercht auf engstem Raum, ohne den Wind der Wüste zu spüren oder ihre Hitze. Sie sind bequem und dekadent. Wissen nicht, was harte Arbeit ist, außer es sind Sklaven. Haben teils nicht mal Ahnung von Ehrgefühl oder Verpflichtung. Sie gehen einfach ihrem Tagwerk nach oder was sie dafür halten und das wars. Zusammenhalt nur in den Familien, das wars. Wie können sich Menschen nur freiwillig für immer an einen Ort binden? Nun gut, es gibt hier Wasser, niemand muss verdursten, aber dafür haben sie viel aufgegeben und meinen in ihrer Arroganz, dass sie das nicht getan haben. Dass sie alles hier gefunden haben. Wie kann man so leben? So bietet das Leben doch keine Herausforderung mehr, keinen Kampf. Aber auf die Nomaden sehen sie hinab. Nur weil diese die Herausforderung der Wüste angenommen haben und nicht so feige waren, sich zu verkriechen." Hilal atmete tief durch, schüttelte leicht den Kopf. "Aber bin ich besser? Ich verkrieche mich doch auch, seitdem mein Vater mich verstoßen hat. Ich bin ein Sklavenjäger, Abschaum. Und nur, weil ich das erste genommen habe, was ich kriegen konnte. Und jetzt habe ich mich so sehr daran gewöhnt, dass ich es beibehalte. Ausgestoßen, ohne Familie und ohne Zusammenhalt. Ich bin doch nichts besser als diese Menschen dort drüben. Ich bin den einfachsten Weg gegangen, ohne für einen anderen zu kämpfen. Aber was soll ich tun? Ich besitze wenig und ertränke meine Sorgen im Alkohol. Mehr als der Tod bleibt mir auch nicht..." Sein Blick ging zu Boden, das Herz war ihm schwer. Die Einsamkeit war sein größtes Problem. Er hatte keine Familie mehr und das schmerzte ihn. Er hatte nicht einmal jemanden, mit dem er reden konnte, ohne Scheu zu haben, zu viel zu sagen. Hilal atmete noch einmal tief durch, dann lenkte er sein Kamel von der kleinen Düne herunter und machte sich daran, auch den Rest der Stadt zu umrunden. Aber er hatte wenig Hoffnung, dort etwas zu finden.

Benutzeravatar
Noro'elle
Reisender
Beiträge: 41
Avatar: Ashley-Q
Alter: 16
Rasse: Mensch/Beraij
Heimat: Avrabêth
Waffen: keine
Inventar: Ein Beutel voller Schmuck

Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Do, 21. Apr 2011 14:16


Es waren ihre schlechten Tischmanieren, die Noro immer wieder böse Blicke von ihrem Vater ernten ließen. Sie aß mit den Fingern, schmatzte so laut, dass es kaum überhörbar war und trank ihren Wein wie eine Kuh. Ja, das Abschrecken von Bewerbern hatte sie beinahe zur Perfektion gebracht und sie glaubte fest daran, dass dieser Kamal nun sicher nicht mehr all zu gern in ihrer Anwesenheit speisen würde. Doch wenn es ihn störte, so ließ er sich auf jeden Fall nicht im Geringsten anmerken. Ab und an meine die Schwarzhaarige sogar ein kleines Lächeln in seinem runden Mondgesicht zu erspähen. Wenn sie nun schon mal dazu gezwungen war, mit ihm gemeinsam an einem Tisch zu sitzen, so konnte sie sich auch die Zeit nehmen ihn mal genauer zu betrachten. Er schien schon recht alt zu sein, vielleicht war er um die fünfzehn Jahre älter, als sie es selbst war. Hinzu kam noch, dass man trotz seines weit geschnittenen Gewandes seine wohlbeleibten Konturen klar erkennen konnte. Sein Gesicht war ebenfalls rund und wirkte unnatürlich blass. Wahrscheinlich war er selten außer Haus. Plötzlich wurde Noro’elle schlecht, als sie sich vorstellte solch einen Kerl zu ihrem Gemahl zu nehmen. Sie war noch recht jung und dennoch wusste sie um die Pflichten, die eine Frau im Schlafgemach zu erfüllen hatte. Nein! Niemals! Niemals würde sie sich von seinen dicken Fingern berühren lassen, niemals würde sein fetter Leib auf dem ihren zum Erliegen kommen. Nein! „Ich bin satt…“, unterbrach sie die allgemeinen Gespräch der Herren bei Tisch und blickte ihren Vater an. „Darf ich bitten mich zu entfernen Vater?“, fragte sie vorsichtig. „Natürlich darfst du das mein Kind. Aber warte bitte noch und nehme unseren Gast gleich mit. Ihr kamt ja beinahe gar nicht dazu euch kennen zu lernen.“ Wütende Blitze funkelten in ihren dunklen Iriden. Nachdem der dicke Händlersohn sich noch zwei gewaltige Portionen einverleibt hatte, wischte er sich mit einem Tuch den Mund ab und erhob sich. „Darf ich bitten junge Dame?“, fragte er und bot Noro seinen Arm an. Die blickte flehend zu ihrem Vater, doch in dessen strengen Blick war keine Zuflucht zu finden. Zögernd legte sie ihre zierliche Hand auf den Unterarm des fremden Mannes und ließ sich hinaus in den Garten begleiten.

Die Luft war während dessen angenehm kühl geworden, die Sonne war schon längst hinter dem Horizont verschwunden und schon bald würde die gewohnte eisige Kälte der Nacht einkehren. Noro’elle saß schweigend auf ihrem liebsten Platz am Brunnen und hatte abwehrend die Arme vor der Brust verschränkt. Kamal stand in einigem Abstand zu ihr und ließ seinen Blick über ihren jugendlichen Körper schweifen, seine Haltung offenbarte ihr, dass er wohl nicht ganz unerfahren mit Frauen war. Doch sicher hatte sich bisher keine einzige freiwillig in sein Bett gelegt. Dieser Gedanke zauberte ein amüsiertes Grinsen in das Gesicht des jungen Mädchens. „Euer Vater hat nicht übertrieben, als er mir von Eurer Schönheit berichtete...“, begann Kamal zu sprechen. „Es wäre mir eine große Ehre eine solch wunderschöne junge Dame an meiner Seite zu wissen.“ Seine Worte hinterließen einen unangenehmen Geschmack auf ihrer Zunge, der drohte in eine unnachgiebige Übelkeit überzugehen. „Nun, werter Kamal, leider verhält es sich so, dass ich mir einen besseren Mann vorstellen könnte. Ihr solltet morgen besser abreisen.“ Ihre Worte schienen ihn nicht zu überraschen und ein leises Lachen erklang aus seiner Kehle, ehe er mit rauer Stimme erwiderte: „Ihr seid wahrlich ein störrisches Kind. Ich habe schon längst um Eure Eskapaden gehört, doch dieses Mal werden Ihr Euch nicht so einfach vor einer Heirat drücken können. Euer Vater möchte, dass Ihr umgehend diese elende Stadt verlasst. Er macht sich Sorgen wegen der Seuche und was wäre wohl der schnellste Weg Euch in Sicherheit zu wissen?“ Mit einem gierigen Grinsen im Gesicht kam er näher, während Noro noch nach einer schnippischen Antwort suchte. War es wirklich wahr, was er dort sagte oder wollte er sie einfach nur einschüchtern? Als er nun seine Hand auf ihre Taille legte war sie wie zur Salzsäule erstarrt. Kamal beugte sich seicht zu ihr nach vorn und flüsterte: „Du wirst Mein sein… Wehr dich nicht dagegen, dann wird es dir gut ergehen.“

Seine Worte holten Noro wieder in die Realität zurück. Knallend traf ihre zarte Hand auf seine Wange und hinterließ dort einen rot schimmernden Abdruck. „Fasst mich noch ein Mal an und es wird Euch Leid tun.“, schrie sie beinahe schon hysterisch. Ihre Handfläche schmerzte bitterlich, als sie sich aus seinem Griff löste und leise schluchzend ins Haus lief. Hak’iim stand bereits im Flur, die Fäuste gebieterisch in die Seiten gestemmt. Er musste sie beobachtet haben. Eine einzelne Träne rann über die Wange seiner Tochter. „Vater! Bitte! Schick mich nicht mit ihm… Das kannst du mir nicht antun.“, winselte das junge Mädchen und blickte mit traurigen Augen zu ihm auf. Doch diesmal legte sich nicht wie sonst die gewohnte Wärme auf das Antlitz des Mannes, der ihr bisher keine Bitte abschlagen konnte. Stattdessen legte er seine kräftigen Hände auf ihre zierlichen Schultern und begann zu sprechen: „Mein Kind, du weißt es gibt nichts auf der Welt, was mir mehr bedeutet als du. Doch irgendwann musst auch du dieses Haus verlassen. Kamal ist ein reicher Mann, du wirst es sicher gut bei ihm haben.“ Gerade als sie ihre Einwände vorbringen wollte, schnitt er ihr mit einer barschen Geste das Wort ab. „Nein! Diesmal wirst du dich nicht herausreden können. Bald bist du zu alt um einen Mann zu finden und diese Schande werde ich nicht über mich ergehen lassen. Du wirst diesen Mann schon nächsten Monat heiraten!“ Dicke Tränen rannen über die zarte Haut des Mädchens. Wo war nur ihr liebender Vater geblieben? Was hatte ihn so verändert? Sie wollte diesen alten Lustmolch nicht zu ihrem Mann nehmen, doch was sollte sie tun? Lautlos weinend rannte sie in ihr Zimmer, die Türe wurde laut hinter sich zu geknallt. Das Gesicht fest in die Kissen gedrückt, haderte sie mit ihrem Schicksal. Das war sicher alles nur ein böser Traum, ein Alptraum. Ihr wirklicher Vater würde ihr niemals dergleichen an tun. Nein, das würde er nicht tun. Dann klopfte es zaghaft an der Tür. „Geht weg! Ich will niemanden sehen! Niemanden!“

Hilal
verschollen
Beiträge: 24
Alter: 24
Rasse: Mensch, Nomade
Heimat: Cala an Darh
Waffen: 2 Säbel, 1 Dolch, Lasso
Inventar: Seil, Proviant, Wasserschlauch

Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Fr, 22. Apr 2011 9:27

Langsam sank die Sonne hinab und Kühle spendende Dunkelheit nahm ihren Platz ein. Nur noch ein paar Stunden, bis diese zu undankbarer Kälte wurde. Hilal saß auf dem Rücken seines Kamels und beobachtete die Stadtmauer aufmerksam. Schien es ihm nur so oder waren hier weniger Wachen unterwegs? Oder lag es an der mittlerweile späten Stunde. Auf dieser Seite der Mauer schien auch generell nicht sehr viel los zu sein, auf der anderen war er noch zwischendurch ein paar Bauern oder anderen Reitern begegnet, hier war nichts. Er zügelte sein Kamel etwas, damit es in langsamen Schritten weiter ging. Und wirklich, je später es wurde, desto weniger Wachen schienen unterwegs zu sein. Oder sie zogen sich einfach nur zurück. An einer Stelle machte die Mauer einen Knick, dorthin lenkte Hilal sein Kamel und stoppte dann. Schwieg und lauschte. Nur selten näherten oder entfernten sich Schritte, noch seltener wurde gesprochen. Und das wurde immer seltener. Die Männer flohen vor der Kälte und waren vielleicht unterbesetzt, wegen dieser Seuche. Sollte ihm das Schicksal heute doch noch hold sein? Auf dieser Seite befand sich auch kein Tor oder dergleichen, ganz anders auf der anderen Seite. Dafür war es hier schwerer zugänglich. Eine ganze Weile blieb Hilal einfach ruhig dort mit seinem Kamel stehen, welches sich zwar hinlegen wollte, aber von Hilal auf den Beinen gehalten wurde. Die Schritte wurden seltener und sie hatten ein Muster. Als es schon recht spät war, wartete er noch einmal die Schritte ab und löste dann sein Lasso vom Sattel und nahm ein Seil aus den Satteltaschen. Nach zwei Anläufen hatte er eine der Zinnen so erwischt, dass das Seil fest hängen blieb und standhielt. Noch einmal lauschte er, Stille. Jetzt erlaubte er seinem Kamel sich hinzulegen, in dem Wissen, dass es dann hier bleiben würde. Geschickt und ohne große Mühen kletterte er die Mauer empor, sprang aber noch nicht sofort über die Brüstung, sondern hielt kurz inne und sah sich um. Nichts zu sehen, keine Wache oder dergleichen. Geschmeidig schwang er sich schließlich über die Brüstung, löste das Lasso wieder und steckte es ein, dann suchte er sich geduckt einen Weg von der Mauer. Einen gefährlichen Moment gab es allerdings noch, eine der Wachen lief auf dem anderen abgeknickten Stück der Mauer entlang. Hilal warf sich hin und machte sich so flach wie möglich, den Atem kontrolliert ruhig, aber sein Herz raste. Das hier war immens riskant und er durfte sich nicht erwischen lassen, sonst war er tot. Aber entweder war die Wache extrem nachlässig, gelangweilt oder konzentrierte sich einfach nicht genug. Hilal blieb unentdeckt und fand schließlich einen Weg hinunter in die Stadt, sich ständig umblickend und mit rasendem Herzen. Ein falscher Schritt, ein falscher Laut... Aber endlich, endlich, hatte er es geschafft und stand unterhalb der Mauer in einer Straße. Doch etwas außer Atem lehnte er sich an eine Hausmauer und atmete tief durch. Erleichterung durchströmte seine Adern. Der erste Teil war gut gegangen, wenn er sich nicht ganz dumm anstellte, würde auch der Rest zu schaffen sein. Problematisch war nur diese Ausgangssperre, von der er gehört hatte. Niemand war auf den Straßen unterwegs. Aber das musste ihn ja nicht aufhalten. Es gab immer jemanden, der unvorsichtig war oder Sonderprivilegien genoss. Und zur Not würde er eben die ganze Nacht durch diese Straßen streifen. Mit dem Schlafentzug kam er klar, das konnte er beim Reiten nachholen, wenn er Erfolg hatte. Wenn, dieses kleine Wort konnte er nicht leiden. Aber momentan hing so viel an diesem Wort, dass er es immer wieder benutzen musste. Leise stieß er sich von der Mauer ab und verschwand so gut es ging mit seiner Statur in den Schatten. Wanderte die Straße entlang und blickte sich dort erst einmal um. Merkte sich die Besonderheiten und drehte sich noch einmal um, damit er später auch den Weg zurück fand und nicht woanders über die Mauer kletterte. Heute noch große Strecken durch den Sand zu laufen hatte er keine Lust drauf. Und hier in der Stadt ging es noch, die wenigen patroullierenden Wachen würde er schon austricksen können, immerhin hatte er im Gegensatz zu ihnen gute Sinne und Reflexe. Aber erst einmal wandte er sich Richtung Zentrum, wo er sich etwas mehr Bewegung erhoffte. Die Stadt so still machte ihn doch etwas nervös.

Benutzeravatar
Noro'elle
Reisender
Beiträge: 41
Avatar: Ashley-Q
Alter: 16
Rasse: Mensch/Beraij
Heimat: Avrabêth
Waffen: keine
Inventar: Ein Beutel voller Schmuck

Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Noro'elle » Fr, 22. Apr 2011 17:43


Sie hatte geweint und hunderte kleine Tränen benetzten ihr Kissen, während ihre Stimme langsam versiegt war. Langsam kroch die eisige Kälte in ihr Zimmer und hinterließ eine prickelnde Spur der Gänsehaut auf ihrer sonst so ebenen Haut. Im Haus war Ruhe eingekehrt und auch draußen in der Dunkelheit war nichts zu hören. Dieses Leben war einfach so ungerecht! Doch was sollte sie tun? Sie konnte sich nicht gegen das Wort ihres Vaters stellen, nein, diesmal nicht. Sie hatte die Entschlossenheit in seinen Augen aufblitzen sehen. Es war aussichtslos. Abermals kam ein leises, verzweifeltes Seufzen über ihre vollen, sinnlichen Lippen. Wie in Trance setzte sich das junge Mädchen auf und legte ihre Arme wärmend um ihre Beine. Diese verdammte Kälte machte ihr jede Nacht zu schaffen. Die Wüste – Ein Ort der ewigen Gegensätze. Senkende Hitze und eisige Kälte. Gleißendes Licht und undurchdringbare Finsternis. Leben und Tod. Die Gedanken kreisten in ihrem Kopf und ließen sie schon bald in einen unruhigen Schlaf fallen, indem sie von finsteren Träumen verfolgt wurde. Selbst dort, an einem Ort an dem man keine Ängste kennen sollte, verfolgte sie das Antlitz von Kamal, sein dreckiges Lachen, seine gierigen Blicke auf ihrer unbefleckten Haut. „Nein!“, schrie sie plötzlich und schlug schwer atmend die Augen wieder auf. Es war nur ein Traum, redete sie sich beruhigend ein, während sie sich mit dem Handrücken kleine Schweißperlen von der Stirn wischte. Sie hatte Recht, noch war es nur ein Traum, doch bald würde es bittere Realität werden. In einem Monat, so hatte es ihr Vater prophezeit, dann würde sie Kamals Gemahlin werden. Plötzlich wurde ihr übel, als ihr bitterer Speichel von innen die Kehle hoch kam. Verzweifelte schluckte sie es hinunter und verzog angewidert das sonst so hübsche Gesicht. Dann kam die Erkenntnis. Sie musste hier weg! Nein, sie wollte gewiss nicht richtig weg laufen, denn was würde es ihr bringen? Ein Leben in Armut und auf der Flucht? Nein, sie müsste nur am nächsten Tage fort sein und wahrscheinlich wäre das ihrem Vater schon Lehre genug. Er würde sie dann nicht fort schicken. Er würde sie nicht zu etwas zwingen, was sie nicht wollte.

Ein Blick zum Fenster verriet ihr, dass es noch einige Zeit dauern würde, ehe die Sonne den Horizont in ein warmes Licht tauchen würde. Noch glitzerten hunderte kleine Sterne am Himmelszelt und der Mond forderte sie hell leuchtend auf ihren Plan in die Tat umzusetzen. So leise wie sie es vermochte, erhob sie sich aus ihrem Schlafgemach und schlüpfte in ihre Sandalen, die sie zum ersten Mal in ihrem Leben alleine schnüren musste. „Nicht schön, aber selten…“, murmelte sie leise vor sich hin und stand endgültig auf um aus ihrem Schrank einen alten, dunkelbraunen Kapuzenmantel hervor zu kramen. In diesem hässlichen Ding, würde sie draußen auf der Straße gewiss niemand erkennen. Immer noch fest entschlossen band sie die Schnüre am Hals fest zusammen und zog sich die Kapuze tief ins Gesicht. Ohne weiter darüber nachzudenken, dass sie vielleicht etwas mehr als nur einen Wasserschlauch, ein paar Taler und ihre Murmeln brauchen würde, nahm sie ihren Beutel so wie er war und band ihn sich um die zierliche Taille. „Ihr werdet alle schon noch sehen, was ihr davon habt.“, stotterte sie leise murrend vor sich hin und lauschte an der Tür. Stille. Leise quietschend öffnete sie die Tür und blickte die spärlich beleuchteten Gänge entlang. Es war mitten in der Nacht, was hatte sie erwartet? Irgendwann musste auch das Personal mal ein paar Stunden schlafen. Lautlos schlich sie also den Gang entlang, nachdem sie ihre Türe gewissenhaft wieder verschlossen hatte. Doch dann erblickten ihre dunklen Augen etwas, woran sie nicht gedacht hatte. Natürlich waren an allen Ausgängen Wachen postiert. „Verdammt noch mal!“, murmelte sie leise und hielt kurz inne. Sie brauchte einen besseren Plan! Doch dann kam der rettende Einfall, auch wenn sie sich nicht ganz sicher war, ob es funktionieren würde. Doch was hatte sie schon zu verlieren? Nichts. Sie hielt den Kopf tief gesenkt und den Umhang fest um ihre vornehme Kleidung verschlossen, als sie aus der Tür heraus trat. Die Wachen versperrten ihr grimmig drein schauend den Weg und ließen verlauten, dass sie Befehl hatten, niemanden hinaus zu lassen. Das Spiel konnte beginnen…

Ein leises Schluchzen von Noro’elle, ließ die Wachen verwirrte Blicke austauschen. „Es… es ist meine Mutter meine Herren… Bitte… Sie liegt im Sterben, ist an der Seuche erkrankt.“, erklang ihre weinerlich verstellte Stimme. „Sie wird sicher sterben und ich möchte mich doch nur verabschieden, ist das so schwer zu verstehen? Ich habe doch niemanden sonst… Bitte…“, jammerte sie weiter, während dicke Tränen auf den Boden tropften. Die Wachen schienen unentschlossen, waren aber tatsächlich so unfähig und nahmen Noro ihr kleines Schauspiel ab. Sie ließen sie tatsächlich passieren. „Danke, Ihr habt wahrlich ein gutes Herz… Möge Gott Euch schützen.“, murmelte sie leise ihren Dank und beeilte sich das Anwesen zu verlassen, ehe sie noch etwas bemerken würden. Sie rannte so schnell sie ihre Füße trugen und der kalte Wind zerrte unweigerlich an ihrem Umhang. Nachdem sie weit genug fort war, sodass sie nicht mehr im Blickfeld der Wachen war, blieb sie atemlos stehen und lehnte sich an eine Hausmauer. Das war ja einfacher als gedacht, doch wohin nun? Sie wusste, dass es gefährlich war allein durch die Straßen dieser Stadt zu ziehen. Wieder ein Blick zum Himmel und ein schmaler roter Streifen am Horizont verriet, dass bald der Tag hereinbrechen würde. Vielleicht sollte sie ihren kleinen Ausflug ja nutzen um endlich mal auf eigene Faust den Markt der Stadt zu erkunden. Gewiss würde er auch trotz der Seuche geöffnet haben, denn irgendwie mussten die ganzen Leute ja versorgt werden. Verwirrt blickte sie sich um. Welcher Weg wohl der richtige war? Die Straßen waren noch dunkel und leer, doch schon bald würden sie sich füllen und dann konnte sie in der Menge unter tauchen. Ein kurzes Gefühl der Angst durchzuckte sie und ließ sie einen Augenblick überlegen, ob sie nicht doch lieber umkehren sollte, doch der Trotz ihrem Vater eine Lektion zu erteilen siegte und so lief sie wieder los, weiter auf das Stadtzentrum zu.

Hilal
verschollen
Beiträge: 24
Alter: 24
Rasse: Mensch, Nomade
Heimat: Cala an Darh
Waffen: 2 Säbel, 1 Dolch, Lasso
Inventar: Seil, Proviant, Wasserschlauch

Re: Gott würfelt nicht

Beitrag von Hilal » Fr, 22. Apr 2011 19:55

Leise wanderte Hilal durch die Straßen, immer auf der Hut vor Wachen und auf der Suche nach Bewegung. Er fand sonst keine. Nur mal ein streunender Köter, mehr nicht. Geduckt huschte er durch stille Gassen und konnte sich den Weg schon lange nicht mehr merken. Er orientierte sich nur noch nach den Himmelsrichtungen, so querbeet war er schon gegangen. Und die Zeit zerrann ihm unter den Fingern. Mehr Zeit...nein, das hätte ihm auch nicht geholfen. Mehr Menschen brauchte er. Aber damit stieg wohl auch die Ansteckungsgefahr und vor allen Dingen wurde es schwer zu fliehen. "Schaitan, mir läuft die Zeit davon! Irgendwann fällt es auf, dass an der Mauer ein Kamel liegt, voll gesattelt, als wenn es nur auf einen Reiter wartet. Aber diese Stadt ist so tot und leer, als wenn die Seuche alle dahingerafft hätte. Verdammte Ausgangssperre! Nicht mal Huren kann ich finden, wobei die nicht einmal seinem Ideal entsprechen würden, hübsche Huren sind ja selten. Verdammt, eine Sklavin! Eine verdammte Sklavin! Mehr will ich doch gar nicht! Ist das denn zu viel verlangt?!" Hilal stand das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals und er wusste nicht, was er dagegen tun sollte. Bald würden die Menschen ihre Häuser wohl verlassen, aber das nützte ihm nichts, er musste die Stadt noch in der Dunkelheit verlassen. Alles andere war zu gefährlich. Und wenn er noch länger hier blieb, wurde es das sowieso. Hilals Schultern sanken etwas nach vorne. Er musste wohl damit leben, dass er heute versagt hatte. Vielleicht den Auftrag wirklich nicht ausführen konnte. Das würde ihm eine Menge Probleme beschaffen. Mit einer Hand strich er sich über die Stirn und schlich sich dann an einen der Brunnen, konnte sich aber gerade noch davon abhalten, daraus zu trinken. Das wäre wohl zu riskant gewesen, bei einer Seuche. Vielleicht war das Wasser schuld. Besser er trank erst, wenn er wieder auf seinem Kamel saß. Sinnend stand er vor dem Brunnen und starrte sein Spiegelbild an. Das Mundtuch lag um seinen Hals und der silberne Ohrring zeichnete sich gegen den dunklen Stoff gut ab. Auf seinen Wangen fanden sich schon etliche Bartstoppeln, wenn er noch länger mit dem rasieren wartete, hatte er bald einen Vollbart. Solche banalen Gedanken gingen ihm durch den Kopf, bevor er diesen schüttelte und zurück in die Schatten trat, sich an die Wand lehnte und über seine doch recht verzweifelte Lage nachdachte. So still wie er da stand, verschmolz er förmlich mit Schatten und Hauswand, trug er doch die passenden Farben. Nachdenklich starrte er die Straße hinunter, als wenn sich dort die Lösung all seiner Probleme befand, als er dort eine Gestalt sah. Hilal merkte auf und presste sich noch fester an die Häuserwand. Jemand zu dieser frühen Stunde? Entweder ein sehr wichtiger Botengang oder jemand, der zu seiner Arbeit aufbrach. Es wurde also allerhöchste Zeit zu verschwinden, ehe er entdeckt wurde. Aber erst wartete er den Weg der Gestalt ab. Sie schien...zu zögern, als sie eine Kreuzung erreichte. Und dieses Zögern war es, was Hilals Neugier weckte. Jemand aus dieser Stadt, um diese frühe Stunde und er zögerte auf seinem Weg? Oder war es gar eine sie? Die Gestalt war im Vergleich zu ihm recht klein, zierlich und schmal. Nun gut, das traf auf ziemlich viele zu, aber diese war es auch im Vergleich zu vielen. Wie ein Raubtier streckte Hilal den Kopf vor und beobachtete die kleine Person mit Adleraugen. Als wenn er Beute gewittert hatte. Eine kleine irrsinnige Hoffnung keimte in ihm auf. "Oh Gott, lass das bitte was passendes sein!" Er fing sogar schon an, von der Person als Gegenstand zu denken, so sehr hoffte er auf eine hübsche Frau.

Antworten