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Auf Abwegen

Die Hauptstadt des Reiches Mérindar. » Ortsbeschreibung
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Laurina
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Auf Abwegen

Beitrag von Laurina » Do, 22. Dez 2011 20:21

Die Tage waren alle gleich verlaufen. Sie wachte früh auf, müde und entkräftet vom Schlaf auf unebenem Untergrund. Dann irrte sie durch völlig fremde Lande, suchte nach etwas essbarem nur um Nachts wieder entkräftet zusammen zu brechen um da zu schlafen wo sie eben gerade war. Stand der Mond einmal hell am Himmel war wurde ihr der Schlaf gänzlich entsagt und sie kam am Morgen an Orten zu sich die ihr noch unbekannter waren als die vom Vortag. So auch vor drei Tagen.
Doch da war die Sache noch übler gewesen. Als sie die Augen öffnete fand sie sich auf einem Baum wieder, vielleicht zwei oder drei Manneslängen über dem Erdboden, doch was sie vom Boden trennte war keine einfache Entfernung sondern etwas Alptraumhaftes, etwas ungreifbares. Sie wusste nicht woher diese überproportionale Angst kam, die Angst vor Höhen, oder besser gesagt die Angst vorm Fallen. Einige mochten es vielleicht als erhebend empfinden die Bodenhaftung zu verlieren, so wie die Vögel frei zu schweben, doch sie war kein Vogel und sie wollte keiner sein. Und so klammerte sich an das einzige was in ihrer Reichweite lag, nämlich den Stamm des Baums. Doch das würde nicht genügen. Diesmal würde niemand kommen und sie retten. Tam war weg und selbst wenn er noch da gewesen wäre hätte er sie hier nicht gefunden. Niemand war mehr da, sie war allein. Als sie das letztendlich erkannte rannen ihr die ersten Tränen die Augenwinkel herab und schließlich verließen sie die Kräfte. Sie konnte sich nicht mehr halten, versuchte noch im Abrutschen nach dem Ast zu greifen, doch vergebens. Ihr Sturz war kurz und brutal. Der Aufprall auf dem Boden zerschmetterte sie nicht vollständig wie sie vielleicht erwartet hätte, tatsächlich trug sie nur eine Verletzung am linken Bein davon die es ihr allerdings trotzdem erlaubte aufzustehen. Doch sie wollte nicht aufstehen. Kraftlos, allein mit dem Schmerz lag sie am Boden, wollte die Berührung der Erde noch etwas länger auskosten ehe sie wieder aufstehen sollte. Doch sie konnte nicht einfach hier liegen bleiben und vergehen, noch immer war da dieser vermaledeite Überlebensinstinkt obwohl es doch nicht mehr viel gab was sich zu erhalten lohnte.

Nun das war vor drei Tagen gewesen. Die Wunde hatte sie für eine leichte gehalten, vielleicht eine weitere Narbe und ein Ärgernis auf dem weiteren Weg, doch sie würde schon von allein heilen. Allerdings hatte sie auf die schnelle keinen Wasserlauf gefunden um die Wunde aus zu waschen und als sie endlich an einem Bach angekommen war, war das kein wirklich klarer gewesen und ihr ganzes Bein war schon verklebt. Auch jetzt hatte der Schmerz noch nicht nachgelassen, ganz im Gegenteil, mit jedem Schritt schien er zu wachsen. Sie glaubte ihr ganzes Bein würde vor Hitze pulsieren, und gleichzeitig fror sie am ganzen Körper. Und das trotz des warmen Klimas dass es ihr überhaupt erlaubte unbeschadet im freien zu schlafen. Sie schien außerdem in den letzten zwei Tagen noch länger geschlafen zu haben, war gegen Mittag erst aufgewacht, wieder frierend, mit schmerzendem Kopf und noch immer müde. Doch sie schleppte sich voran, brauchte Nahrung und Wasser.
Irgendwann war sie raus aus dem Wald, sie verließ nicht gern den Schutz der Bäume doch dass alles zählte nun nicht mehr viel. Wie lange war das her gewesen? Ein paar Stunden? Es könnten auch Wochen sein, sie konnte es nicht mehr sagen. Sie wusste auch nicht wie viele Schritte sie seitdem zurückgelegt hatte. Vielleicht konnte sie sich noch immer nach hinten gegen einen der Bäume des Waldrandes fallen lassen, vielleicht konnte sie sich umdrehen und der Wald wäre völlig aus ihrer Sicht verschwunden. Doch auch das machte nicht mehr viel aus. Schweißtropfen liefen ihre Stirn hinab und das obwohl sie fror. Warum nur war es so verdammt kalt? Es war doch Sommer. Oder?
Sie lies sich auf einer Wiese fallen, nicht um zu schlafen, sie wollte sich nur eine Weile hinsetzen. Das Bein entlasten. Etwas ausruhen. Durchatmen.

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Cynárea Boragin
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Re: [zensiert]

Beitrag von Cynárea Boragin » Do, 29. Dez 2011 17:44

Ein Tag, fast wie jeder andere. Dachte sie.
Cynárea war in der Morgendämmerung aufgestanden. Die Nächte waren schon kühl, doch die Tage des Altweibersommers noch lang und warm. Wilde Früchte und Beeren waren es, auf die sie es in dieser Zeit abgesehen hatte: Vogelbeeren und Brombeeren waren am einfachsten zu finden, doch sie wusste auch wo Hagebutten und Holzäpfel zu finden waren. Leider war sie nicht die einzige mit diesem Wissen… und deshalb war sie eine der ersten gewesen, die nach dem Öffnen der Tore die Stadt verlassen hatte, den großen Korb über dem Arm und eine Stofftasche über der Schulter. Sie hatte sich selbst für ihren Einfall gratuliert, als sie nicht den gewohnten Weg zum Südtor gewählt hatte, sondern über den noch kaum belebten Bettelmarkt geschlendert war, den Kanal überquert hatte und der Hauptstraße gefolgt war, nur um sich kurz darauf nach rechts zum Mühlentor zu wenden. Am Zirkusplatz vorbei ging sie etwas langsamer, konnte den Blick nicht von den bunt bemalten Wagen und dem erst vor wenigen Tagen aufgebauten leuchtend gelben Zirkuszelt abwenden, doch schließlich setzte sie ihren Weg zielstrebig fort.
Vielleicht eine Viertelstunde ging sie zielstrebig voran, musste dann jedoch feststellen, dass die Fähre gerade das Ufer verlassen hatte. Etwas missmutig setzte sie sich auf einen der genau dafür vorgesehenen Feldsteine und wartete eine weitere Viertelstunde, bis die Fähre wieder das diesseitige Ufer erreicht hatte, ihre Ladung – ein paar Bauern mit Handkarren und Kiepen, die ihre Waren auf dem Markt verkaufen wollten, und ein seltsam aussehender Reisender mit ins Gesicht gezogener Kapuze – abgeladen wurde (oder allein von Bord ging, je nachdem), und zahlte dann die vier Jestu für die Überfahrt. Sie beobachtete verstohlen die beiden recht ansehnlichen Fährmänner, die das Gefährt (kaum mehr als ein großes Floß, doch schwer und träge) am über den Fluss gespannten armdicken Seil entlang voran brachten. Die Konstruktion des zweiten Abschnittes der Überfahrt nach der Mittelinsel war da schon von neuerer Machart: Hier gab es nur noch einen Mann, der Passagiere und Ladung beaufsichtigte, und das Floß wurde von Ochsen vorwärts bewegt, die am Ufer eingespannt waren, um eine Art Kurbel immer im Kreis zu bewegen.

Der Morgen war schon vorbei, als sie endlich das ihr bekannte Waldstück nördlich des Aras erreicht hatte. Die Vormittagssonne hatte den Tau von den Wiesen geleckt, so dass der Saum ihres Kleides trocken blieb, als sie sich am Waldrand entlang vorwärts arbeitete und die Brombeeren, die nun in Hülle und Fülle an den widerhakenbewehrten Ranken wuchsen, vorsichtig pflückte. Hin und wieder steckte sie eine in den Mund, und ihre Lippen waren bald leicht bläulich verfärbt vom lila Saft der Früchte. Umso näher sie der Küstensiedlung kam, die einige Kilometer nördlich des Flusses lag und deren Namen sie nicht kannte, desto öfter musste sie erkennen, dass schon vor einigen Tagen jemand das Brombeergesträuch abgeerntet hatte. Auch die Holzapfelbäume und Ebereschen in dieser Gegend trugen nur noch unreife Früchte, und so entschloss sie sich am Nachmittag, der großen Handelsstraße ein Stück ins Landesinnere zu folgen und dort ihr Glück zu versuchen. Und tatsächlich erspähte sie nach einer Weile einen (etwas verschwommenes) rotes Blitzen zwischen grünem Laub, das durchaus reife Vogelbeeren sein könnten. Den Blick fest auf diese verheißungsvolle Farbe gerichtet, um sie nicht zu verlieren, raffte sie ihre Röcke und schritt zielstrebig durch die vertrockneten, gelben Stängel des Glatthafers auf den vielleicht 400m entfernten Waldrand zu, wo die Ebereschen standen.

Sie hatte noch nicht die Hälfte des Weges hinter sich gebracht, als sie sich plötzlich im Gras liegend wieder fand.
Ein erschrockenes Krächzen entwich ihr, und sie versuchte sich so schnell wie möglich aufzurappeln und den Grund für ihr plötzliches Straucheln zu erkennen. Körbe, Taschen und Röcke sorgten dafür, dass sie recht lange dafür brauchte, und als sie endlich wieder stand und erkannte, über was (oder wen) sie da gestolpert war, hatte sie sich schon wieder so weit gefasst, um nicht noch weitere Laute der Überraschung von sich zu geben.

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Re: Auf Abwegen

Beitrag von Laurina » Fr, 30. Dez 2011 17:19

Nachdem sie eine Weile in Ruhe auf dem Boden gesessen hatte, schien sich der Schleier der ihre Sinne umhüllte ein wenig zu lichten. Nicht gänzlich, aber wenigstens ein bisschen. Sie ließ ihren Blick etwas umherschweifen um noch einmal die Situation zu… sondieren. Tatsächlich hatte sie es nicht weit aus dem Wald hinaus geschafft, die Bäume waren noch in ihrem Rücken. Was vor ihr lag konnte sie nicht so genau sagen, denn das Gras in dem sie saß war zu hoch um wirklich weit blicken zu können. Bäume waren da jedenfalls keine mehr. Wollte sie wirklich raus aus dem Wald? Naja jetzt war sie eben raus. Und sie hatte keine Lust umzukehren. Eigentlich hatte sie nicht einmal mehr Lust überhaupt wieder aufzustehen. Sie atmete schwer während ihre Hände langsam durch das Gras fuhren ohne etwas Bestimmtes zu suchen. Sie wollte einfach nur den Boden berühren.
Sie wäre fast sogar wieder eingeschlafen. Wäre da nicht plötzlich ein Fuß auf ihre Hand getreten. Doch ehe sie sich wirklich beschweren oder überhaupt aufschreien konnte, fiel jemand über sie und alles wurde mächtig verwirrend. Komisch, dass sich jemand genährt hatte, hatte sie gar nicht bemerkt. Offenbar war alles um sie herum doch noch ein wenig… trübe. Sonst hätte sie doch beim kleinsten rascheln im Gras hochgeschreckt. Nunn ja zum hochschrecken war es jetzt zu spät, außerdem war sie ja nicht mal dazu in der Lage. Schließlich lag noch jemand auf ihr. Oder sie lag auf jemandem, das Ganze war ein einziges Knäul. Sie wollte nach ihrem Dolch greifen, doch sie fand ihn nicht. Hatte sie den überhaupt noch? Oder hatte sie den auch verloren, wie den Bogen und den ganzen Rest an Besitztümern. Sie wusste es nichtmehr genau. Das einzige was sie zu Greifen bekam war fremde Kleidung und Haut, vielleicht ein Arm, oder eine Wade. Schwer zu sagen. Inzwischen brachte sie doch ein wenig Kraft zusammen um etwas gereizt zu reagieren. „Runter von mir!“ Doch das ganze klang schwächer als geplant. Irgendetwas presste ihr die Luft aus den Lungen, ein fremdes Körperteil das in ihre Rippen stach, und ihr entwich ein tiefes ächzen. Irgendwie gelang es ihr unter der anderen Person hervor zu rollen und sie blieb bäuchlings liegen um nach Luft zu ringen.
Ihr Blick glitt zur Seite um eine Frau zu erkennen, die nicht gerade sehr kriegerisch aussah. Gut für Laurina, denn sie war nicht gerade in der besten Ausgangsposition für einen Kampf. Wo war jetz eigentlich ihr Dolch? Sie murmelte einige Flüche auf elfisch während sie sich langsam versuchte aufzustehen um sich bedrohlich hin zu stellen, doch sie schaffte es kaum wieder in eine sitzende Position. Durch schwere Lider sah sie die Person noch einmal genauer an, soweit es ihr in ihrem Zustand zumindest möglich war. Eindeutig ein Mensch, nicht besonders Beeindruckend, aber trotzdem wohl ein wenig größer als Laurina selbst. Aber das war ja keine wirkliche Leistung. Waffen sah sie keine, und auch die Kleidung sah eher weniger nach einer Kriegerin aus. Laurina schätzte sie Situation jedenfalls als vorerst sicher ein. Sie wusste zwar nicht wirklich was hier vor sich ging, aber sie sah erst einmal keine Gefahr. Offenbar schien die Frau, oder das Mädchen, bei Menschen war sie sich da nicht so sicher, allein zu sein. Um Laurina herum verteilt lag eine Menge Kram, Korb, Tasche und ein paar lose Beeren und ähnliches. Sie bemerkte außerdem dass sie wohl vorhin über ein paar dieser Beeren gerollt war und überall roter Saft an ihrem Arm klebte. Fast wäre sie erschrocken aber so wirklich nach Blut sah das Ganze dann doch nicht aus. Sie sah wieder ins Gesicht der… Menschin. (Sie war sich nicht sicher ob dieses Wort existierte, empfand es aber als passend) Laurina wusste nicht so recht wie sie jetzt reagieren sollte, beleidigt oder wütend wahrscheinlich, aber ihr fehlte die Kraft für einen Angriff oder zum rumschreien und für einen Streit im Allgemeinen. Nach einem Moment in dem sie also garnichts sagte kam die erste Frage die ihre Lippen verließ also vielleicht recht überraschend. „Habt ihr vielleicht etwas zu essen? Oder Wasser?“ Denn ihr Hals fühlte sich wirklich recht trocken an.

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Re: Auf Abwegen

Beitrag von Cynárea Boragin » Sa, 07. Jan 2012 18:20

Als Cynárea sich endlich wieder aufgerappelt und gefasst hatte, als sie erkannte, worüber sie gestolpert war, hatte sie wütendes Geschimpfe oder gar einen Angriff erwartet, den Mund schon geöffnet, um sich zu entschuldigen, doch was nach einigen Momenten der Stille dann kam, hatte sie nicht erwartet.
Sie wischte sich die erdverschmierten Hände an der Schürze ab, bevor sie sich soweit gesammelt hatte, dass sie die Worte übersetzt hatte und eine sinnvolle Antwort über ihre Lippen kommen konnte. Die Zeit nutzte sie aber auch, um das Mädchen, das da vor ihr im Gras lag und scheinbar verstört zu ihr hinauf blickte, genauer in Augenschein zu nehmen.
Schwarze Haare (darunter spitze Ohren? Cynárea hätte darum gewettet), ein dreckiges Gesicht und zerlumpte Kleidung. Waffen sah sie erstmal keine, doch als sie dem suchenden Blick der Elfe folgte, sah sie ihn außerhalb ihrer Reichweite im Gras liegen. Wie sie sich wohl nur mit einem Dolch über Wasser gehalten hatte? Besonders gut schien es ihr nicht gelungen zu sein, dem eingefallenen Gesicht nach zu urteilen. Eben dort wieder angelangt, konnte sie auch den fiebrigen Glanz der Augen nicht mehr übersehen, die da vielleicht flehentlich, aber jedenfalls irgendwie leer, zu ihr hinauf blickten.
„Ähm… ja, ich hab was dabei.“
Cynárea sprach langsam und deutlich Coreonisch, denn die seltsame Sprachform, die die Elfe da gerade benutzt hatte, beherrschte sie nicht – glücklicherweise aber neben ihrer Muttersprache auch ein wenig Elfisch, so dass sie sie mit einiger Mühe verstehen konnte.
Sie kramte in der Stofftasche, die sich im Gegensatz zum Korb bei dem Sturz nicht verabschiedet hatte, und brachte eine kleine Tonflasche mit Wasser zum Vorschein, die allerdings leider in Anbetracht der eher späten Stunde schon fast leer war. Prüfend schüttelte sie sie, zuckte bedauernd mit den Schultern und hockte sich dann hin, um sie dem Mädchen zu reichen.
„Geht’s dir gut?“
Sie überlegte kurz, ihr, wie sie es gewohnt war, die Hand auf die Stirn zu legen, um zu fühlen, ob sie Fieber hatte, hatte den Arm schon gehoben – doch die Wildheit im Blick des Elfenmädchens ließ sie zurück zucken und sich abwenden, um die verstreuten Ergebnisse ihrer Arbeit wieder aufzusammeln. Ein guter Vorwand, um den beunruhigenden Blick nicht erwidern zu müssen.
„Ich hab auch noch was zu Essen mit, aber trink erstmal.“

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Re: Auf Abwegen

Beitrag von Laurina » Mi, 11. Jan 2012 16:53

Sie spürte die Blicke auf sich, sagte aber nichts. Das Wasser nahm sie dankbar entgegen, ohne jedoch etwas zu sagen. Erst nachdem sie die letzten Tropfen in der ohnehin fast schon leeren Flasche getrunken hatte dachte sie darüber nach wie sie antworten sollte. Die Barriere hier war nicht nur die Sprache, auch Laurinas Kämpferstolz war noch nicht so ganz erloschen. Sie wollte sich nicht unbedingt von einer Fremden helfen lassen. Dazu noch von einem Menschen. Für das Wasser war sie sicher dankbar, und sie würde auch nicht weglaufen wenn tatsächlich noch die Chance bestand mal wieder etwas in den Magen zu bekommen, aber alles was darüber hinaus ging...
„Danke aber es geht mir gut.... ich muss... wo bin ich hier eigentlich?“ Sie war nicht völlig orientierungslos... also nicht orientierungsloser als die letzten Wochen, sie wollte ja wenigstens wissen in welche Himmelsrichtung sie die ganze Zeit gewandert war. Die Flasche reichte sie wieder dem Mädchen während sie langsam versuchte aufzustehen um nicht ein ganz so klägliches Bild abzugeben. Doch wirklich gut gelang ihr das nicht, ihr ganzer Körper schien zu zittern und sie biss die Zähne zusammen, wäre sie doch nur noch einen Moment sitzen geblieben. Als sie dann wieder ein wenig mehr Gewicht auf das linke Bein legte war es endgültig vorbei, ein Ziehen schien durch ihren ganzen Körper zu fahren und sie landete wieder auf dem Hintern. Als sie wieder durch atmen konnte wusste wandte ein leicht Scham-erfüllter Blick zu dem Mädchen. Sie wusste nicht ob sie rot wurde oder nicht, ihr war sowieso mal kalt und mal heiß, da war das schwer zu sagen. Jedenfalls war ihr die ganze Situation irgendwie peinlich. Und sie konnte nicht mal weglaufen oder wütend reagieren, weil sie ja selbst an allem Schuld war. „Wohl doch nicht so gut...“ Murmelte sie vor sich hin. Wirklich um Hilfe bitten wollte sie noch immer nicht, auch wenn die Erkenntnis das sie unbedingt welche brauchte sich immer mehr in ihren Hinterkopf bohrte. Ein langsamer und tiefer Seufzer entfuhr ihr, dann änderte ihre Sitzhaltung so dass das linke Bein gerade von ihrem Körper gestreckt war. Es half ja doch nichts. Langsam schob sie die Kleidung zurück um die Wunde zu enthüllen, nur um festzustellen dass das ganze noch schlimmer geworden war. Mit leicht geöffnetem Mund und hilfesuchendem Blick wandte sie sich dem Mädchen zu. Das war dann doch etwas mit dem sie unmöglich allein fertig werden würde.

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Re: Auf Abwegen

Beitrag von Cynárea Boragin » Sa, 14. Jan 2012 21:24

„Dort drüben, drei Meilen entfernt, ist Merridia.“ Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort. „Du bist wohl weit weg von zu Hause?“ Langsam begann die Neugier sich durchzusetzen. War das vielleicht eine echte Waldelfe?
Cynárea hatte die meisten der Beeren und Äpfel, die sie gesammelt hatte, wieder in den Korb verfrachtet und steckte ein Tuch darüber fest, damit ihr ein solches Missgeschick nicht noch einmal passieren würde. Sie hatte sich noch nicht wieder aus der Hocke erhoben, als das Mädchen sich plötzlich aufrichtete. Die Apothekerin befürchtete schon, sie würde davon laufen – doch schon einen kurzen Moment später zerstreute sich diese Befürchtung: Ganz offensichtlich war sie nicht dazu in der Lage. War es eben gerade noch Wildheit gewesen, die sie im Blick des Mädchens zu sehen glaubte, war es nun Resignation.
„Was ist denn mit dir los? Schon so lange nichts mehr gegessen?“ Cynárea fing schon an, hastig in ihrer Umhängetasche zu kramen, um das Brot, das sie eigentlich im Schatten des vor ihr liegenden Waldrandes hatte verzehren wollen, hervor zu kramen, als die Elfe damit begann, ihr Hosenbein hoch zu krempeln – und was da zum Vorschein kam, sorgte dafür, dass sich ihr Appetit in Nichts auflöste.
„Das sieht ja schlimm aus! Wie hast du das hinbekommen?“
Jede Zurückhaltung war vergessen, und sie beugte sich hinüber, um die eitrige Wunde zu untersuchen.
Wie schlimm die Wunde an sich war, war kaum noch zu beurteilen – Eiter, Dreck und Blut machten es fast unmöglich, etwas zu erkennen. Die feuerrote Haut rundherum war es jedoch ohnehin viel mehr, die ihr Sorgen bereitete.
Sie legte ihre Hand leicht auf das Schienbein der Elfe und fuhr fast zurück von der Hitze, die die Haut ausstrahlte – damit hatte sie nicht gerechnet. Die Entzündung, die das offensichtlich war, musste dem Mädchen große Schmerzen bereiten.
Jetzt erst hob sie den Blick wieder zu der Elfe. Sie hatte mir Ablehnung gerechnet, vielleicht mit Wut über das Unvermögen, sich zu wehren (der Dolch der nun hinter ihr lag und damit unerreichbar für das Mädchen war, kam ihr überdeutlich wieder in den Sinn) – doch das Flehen, das sie stattdessen dort sah, ließ die vage Idee, die sie eben noch im Hinterkopf gehabt hatte, zu einem festen Entschluss werden.
„Du kommst mit. Ich bring dich in die Apotheke und versorge dein Bein, sonst…“ Tja, was sonst? Das konnte sie nicht einschätzen. Sie beschloss, es mit einer indirekten Drohung zu versuchen.
„… sonst stirbst du in den nächsten paar Tagen.“
Nachdem das erstmal beschlossen war, hatte sie nicht mehr vor, noch Zeit zu verlieren. Tatsächlich war es nicht nur eine leere Drohung, die sie da eben ausgesprochen hatte – sie fürchtete tatsächlich ernsthaft um das Leben der Elfe… oder zumindest um ihr Bein. Und wenn sie ihr nicht half, wer dann?
Cynárea erhob sich und stellte den Korb mit den Früchten auf den Boden. Dann bückte sie sich und verstaute den Dolch der Elfe ebenfalls dort.
Sie überlegte kurz, dann ging sie um die Schwarzhaarige herum, bückte sich und fasste sie mit beiden Händen um den sehnigen, aber dünnen Oberarm, um ihr beim Aufstehen behilflich zu sein.
„So, und jetzt steh auf.“
Die Elfe war sicherlich ein wenig leichter als sie, ausgehungert wie sie war, aber viel konnte es nicht sein – sonderlich robust war Cynárea auch nicht. Sie konnte nur hoffen, dass die Elfe die fünf Meilen bis zur Apotheke irgendwie schaffen würde. Ein Katzensprung war das nicht – und tragen würde sie das Mädchen beim besten Willen nicht können.

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Re: Auf Abwegen

Beitrag von Laurina » Do, 19. Jan 2012 16:52

„Merridia...“ Wiederholte sie leise und schaute in die Richtung in die das Mädchen deutete. Das war nicht gut, so dicht an einer so großen Menschenstadt... Sie wusste nicht wie weit sie tatsächlich von zu Hause weg war... was die Sache noch schwerer machte war wohl der Fakt das sie keine Heimat mehr hatte.

Als das Mädchen die Wunde untersucht wandte Laurina den Kopf ab. Das ganze war ihr schon wieder irgendwie peinlich, und gleichzeitig entsetzte sie der Anblick und der Gedanke daran dass das ja ihr Bein war auch in einem gewissen Maße. Auf die Frage wie sie das hin bekommen hatte wollte sie nicht antworten. Zumindest nicht mit 'ich bin von einem Baum gefallen' und eine passende Lüge fiel ihr grad nicht ein. Wie ein kleines Kind das etwas getan hatte das es nicht hätte tun sollen murmelte sie nur „gefallen...“ Aber wahrscheinlich war dass zur Zeit auch gar nicht das wichtigste.
Sie lauschte dem Urteil des Mädchen wobei sie nicht alle Worte verstand. Vor allem 'Apotheke' stammte nicht aus ihrem eigenen Sprachgebrauch, und selbst wenn sie die korrekte Übersetzung gehabt hätte wäre wohl eine Erklärung nötig gewesen um ihr zu vermitteln um was es sich dabei handelte. Jedenfalls sollte sie mitkommen um sich helfen zu lassen, so weit so gut, doch in ihr machte sich die Ahnung breit dafür würde es noch weiter in Richtung Stadt gehen. Über all dem Hing noch die Prophezeiung des eigenen Todes der nicht gerade half einfacher mit der Situation umzugehen. In ihr machte sich Panik breit, sie wollte nicht in die Stadt, in das Herz Menschlicher Zivilisation, hin zu allem was sie in den letzten Jahren zu hassen gelernt hatte. Außerdem waren da noch die Steckbriefe von ihr, sie wusste nicht wie ehrgeizig man denn nach ihr Suchte, aber sicher würde sie früher oder später jemand wiedererkennen wenn sie einfach so durch die Straßen der Stadt wanderte.
Doch dann hallten wieder die Worte des Mädchens in ihrem Kopf wieder 'sonst stirbst du' keine wirkliche Androhung von Gewalt, aber trotzdem war es mit einer gewissen Sicherheit ausgesprochen und Laurina glaubte nicht dass sie hier betrogen wurde. Hätte das Mädchen von all dem gewusst hätte Laurina sicher etwas bemerkt. Sie konnte und wollte nicht daran glauben dass sie das nur sagte um sie in die Stadt zu locken um sie sogleich der ersten Wache zu übergeben. Außerdem war sie verzweifelt und es gab keine andere Möglichkeit. Und wie es mit dem davonlaufen stand hatte sieja gerade schon gezeigt. Ohne zu verbergen dass ihr die Sache mit jeder Phaser ihres Körpers widerstrebte nickte sie schließlich langsam und fügte sich dem Griff des Mädchens der sie in eine Aufrechte Position brachte. Nocheinmal versuchte sie das verletzte Bein zu belasten, und sofort zog ein Schmerz durch ihren Körper und spiegelte sich auch in ihrem Gesichtsausdruck wieder. Erneut warf sie einen flehentlichen Blick zu dem Mädchen. Dass es physisch unmöglich war dass dieses Mädchen sie den ganzen Weg trug war ihr völlig klar, aber wenigstens eine Stütze würde sie wohl brauchen.

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Re: Auf Abwegen

Beitrag von Cynárea Boragin » Mi, 25. Jan 2012 20:27

Das Widerstreben, das das Mädchen zeigte, war nicht zu übersehen – doch Cynárea deutete es falsch, denn sie konnte sich als Stadtkind schlicht nicht vorstellen, dass man Merridia als so bedrohlich und hassenswert ansehen konnte. Für sie hatte die Stadt stets ein gewisses Maß an Schutz und Sicherheit bedeutet, auch wenn sie manchmal das dringende Bedürfnis hatte, ihr zu entkommen. So bezog sie das Zögern der Elfe auf sich selbst.
„Keine Angst, ich tu dir schon nichts.“
Ihre Worte schienen unerwartet schnellen Erfolg zu zeigen, denn die Schwarzhaarige ließ sich aufhelfen. Cynárea beugte sich noch einmal hinunter, hängte sich den Korb über den Arm und setzte ihn auf die Hüfte, vorsichtig, um nichts zu verlieren, dann legte sie der Elfe den Arm um die Schultern und setzte sich langsam in Bewegung zurück Richtung Straße. Noch im Gehen suchte sie nach einer Möglichkeit, ihre letzte Aussage zu unterstützen und vielleicht das Vertrauen der Elfe zu gewinnen. Sie beschloss, simpel zu beginnen. Vielleicht würde ein Gespräch sie auch von ihrem Bein ablenken, denn es schien wirklich höllisch zu schmerzen… jedenfalls stützte sich das Mädchen schwer auf sie und verzog mindestens bei jedem zweiten Schritt das Gesicht. Soweit das unter der Schicht aus Dreck zu erkennen war.
„Ich heiße Cynárea. Ich bin Apothekerin in der Stadt“, erklärte sie nicht ohne ein gewisses Maß an Stolz. Als keine nennenswerte Reaktion folgte, sprach sie einfach weiter.
„Ich kenn mich mit Kräutern aus. Solche Wunden…“ – sie erschauerte ein wenig, denn harmlos hatte das schon nicht mehr ausgesehen, und sie hoffte, dass sie nicht zu viel versprach – „… solche Wunden habe ich schon oft behandelt.“
Sie schwieg eine Weile, bis sie die Straße erreicht hatten, um ihre Aufmerksamkeit den nicht ganz einfachen Bodenverhältnissen zu widmen, die sie in Kombination mit der humpelnden Elfe und einem schweren Korb schnell außer Atem brachten. Endlich, endlich ging es eine kleine Böschung hinab zur Straße. Die zu meistern war nicht ganz einfach, doch auf dem einfachen, von vielen Wagenrädern abgewetzten Pflaster der Straße ließ es sich dann viel leichter laufen, so dass sie halbwegs schnell in Richtung Fähre voran kamen. Nun hatte Cynárea wieder Luft genug, um einen neuen Versuch zu starten, die Elfe mit belanglosem Gerede von ihren Schmerzen abzulenken.
„Wie heißt du eigentlich?“

Eine endlos scheinende Meile und mehr als zwanzig Minuten später kam endlich die Fähre in Sicht. Zumindest Cynárea war trotz mehrerer kurzer Pausen völlig erschöpft und war froh, die Stimmen der Männer, die die Ochsen antrieben, deren gelegentliches Brüllen und die allgemeine Geschäftigkeit zu sehen, die am Ufer herrschte. Noch lieber wäre es ihr gewesen, wenn auf der Straße ebensolche Geschäftigkeit geherrscht hätte – dann wäre vielleicht ein Fuhrwerk vorbei gekommen, dessen Fahrer dazu bereit gewesen wäre, die beiden erschöpften Gestalten mitzunehmen… doch der einzige Mann, der sie mit einem von Ochsen gezogenen Karren überholt hatte, hatte sie nur griesgrämig und ein wenig misstrauisch von der Seite betrachtet und war trotz Cynáreas Zuruf und dem kurzen, aber umso unflätigeren Geschimpfe, das sie ihm anschließend hinterher schickte, einfach weiter gefahren. Er war wahrscheinlich schon in der Stadt, dachte Cynárea sehnsüchtig, und setzte sich wieder in Bewegung, die nun langsam zum Fluss abfallende Straße hinab.

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Re: Auf Abwegen

Beitrag von Laurina » So, 29. Jan 2012 18:14

Als sie ihr Tempo gefunden hatten das beiden erlaubte aneinander gelehnt zu laufen ohne zu fallen begann das Mädchen wieder zu reden. Sie stellte sich vor und verwendete wieder das Wort das Laurina nicht kannte, schien sich dann aber eines besseren zu besinnen und lieferte eine genauere Erklärung von dem was sie so tat. Laurina nickte nur schwach und durch ihren Angeschlagenen Zustand brauchte sie wohl etwas länger ehe ihre Gedanken die Informationen verarbeitet hatten. Sie war sich inzwischen ziemlich sicher dass das Mädchen - Cynárea hieß sie? - nicht log und keine bösen Absichten verfolgte. Sie war sich auch sicher dass sie sich das nicht nur einredete weil sie ohnehin keine große Wahl hatte. Immerhin hatte das Mädchen doch diesen Korb mit den Beeren... das passte doch ganz gut ins Bild. Nach ein oder zwei Minuten des Schweigens antworte Laurina endlich. „Ich bin Lu... Laurina.“ Ihren dämlichen Spitznamen behielt sie diesmal für sich, sie hatte ohnehin gerade festgestellt dass sie Cynárea in einem gewissen Maß vertrauen konnte, und wenn sie am Ende doch Laurinas Steckbrief schonmal gesehen hatte würde der Name auch nichts ändern, schließlich war auch ihr Gesicht ganz gut auf den Flugblättern zu sehen. Eine Tätigkeitsbeschreibung wie Cynárea sie geliefert hatte lies sie auch unter den Tisch fallen. 'Ich lebe allein im Wald und bringe Freiberuflich Menschen um.' - war wohl nicht der beste Einstieg in ein Gespräch. Sie brachte jetzt sogar ein schwaches Lächeln auf einem Mundwinkel zustande das allerdings schnell wieder verschwand als sie erneut ihr krankes Bein belastete. Ob sie wohl je wieder normal Laufen können würde?

Ihr Blick wurde schwächer und auch ihre Füße schienen mit jedem Schritt etwas länger über den Boden zu schleifen, als Cynárea anhielt. Laurina hob den Kopf der bis dahin mehr zur Straße und zu ihren Füßen gewandt gewesen war und öffnete die halb verschlossenen Lieder etwas weiter um zu begutachten wo sie denn nun angelangt waren. Auch hier brauchte sie wieder ein paar Augenblicke um zu realisieren was denn da vor ihr war, als die Erkenntnis dann endlich in ihrem Kopf ankam war sie alles andere als begeistert. Ein schwaches „Nein..“ entglitt ihren Lippen und sie machte plötzlich Anstalten wieder umzukehren. Das gelang ihr nicht wirklich zumal sie sich immernoch an Cynárea festhalten musste um nicht einfach um zufallen. Ihre letzte Fahrt auf einem Fluss war ihr in böser Erinnerung geblieben, damals war sie gefesselt gewesen und hätte so auf keinen Fall schwimmen können wenn sie ins Wasser gefallen wäre. Zumal sie sowieso nicht schwimmen konnte. Jetzt war sie einfach in einem Miserablen Zustand und würde wahrscheinlich auch wie ein Stein sinken wenn es darauf ankam. Außerdem schien das ganze irgendwie so endgültig... wenn sie auf dieses Floß stieg würde es definitiv mehr keine Möglichkeit geben umzukehren, dann war sie schon so gut wie in der Stadt. „Ich will nicht... hier draußen gibt’s doch viel mehr Kräuter... kannst du mich nicht hier behandeln?“ Sie wusste ja selbst dass das dämlich war aber musste sie wirklich in diese Stadt um zu überleben? „Oder du holst die Kräuter und ich warte hier.. ich setz mich einfach hier hin und warte..“ Auch wenn sie die Angst plötzlich etwas gesprächiger gemacht hatte war ihre Stimme immer noch schwach so wie alles andere an ihrem Körper, man konnte nicht leugnen wie es um sie bestellt war, sie selbst konnte das schon gar nicht.

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Re: Auf Abwegen

Beitrag von Cynárea Boragin » Mo, 06. Feb 2012 18:39

Laurina also. Cynárea hatte das vage Gefühl, den selben Namen vor einiger Zeit schon einmal gehört zu haben, doch da ihr nicht einfiel, wo das gewesen sein sollte, dachte sie schon kurz darauf nicht mehr daran. Schließlich war das auch kein besonders exotischer Name für eine Elfe.

Das schwache „Nein“ beachtete Cynárea gar nicht, da sie viel zu beschäftigt damit war, voran zu kommen, doch als das Mädchen – Laurina – versuchte umzukehren und zu diskutieren begann, blieb sie stehen. Die Apothekerin drehte den Kopf nach rechts, um Laurina ins Gesicht zu sehen, und runzelte die Stirn. Der mühsame Weg, den sie die letzten zwanzig Minuten zurück gelegt hatten, die reifen Vogelbeeren, die ihr entgangen waren und der Hunger, den sie langsam bekam, beschränkten ihre Geduld mittlerweile erheblich.
„Jetzt komm schon! Ich fahre bestimmt nicht ständig auf dem Fluss hin und her, um dein vermaledeites Bein zu verbinden. Das Floß ist sicher, ich fahre ständig damit“ , fügte sie hinzu, eher zufällig Laurinas unsicheren Blick Richtung Fluss richtig interpretierend. Das stimmte zwar nicht, aber das wusste die Elfe ja schließlich nicht.
Ihr Tonfall wurde noch ein wenig ärgerlicher, als ihr einfiel, dass man ja nicht kostenlos über den Fluss kam, und sie demzufolge für das Mädchen, das tatkräftig zu versuchen zu schien, sie mit ihrem Gewicht zu Boden zu ziehen, mit bezahlen musste. Sie hoffte inständig, genug Münzen dabei zu haben.
„Wenn du mir natürlich ein paar Goldmünzen in die Hand drückst, dann können wir umdrehen und da hinten über die Brücke gehn. Viel weniger wackelig, aber verf- äh, verflucht teuer. Also?“
Sie rechnete nicht wirklich damit, dass Laurina auch nur einen Jestu dabei hatte, und so gab sie ihr nur wenige Sekunden um zu reagieren, dann versuchte sie sie weiter Richtung Fähre zu bugsieren, von wo den beiden schon mehrere belustigte oder verwunderte Blicke zugeworfen wurden.
„Los, komm mit, die gucken schon.“, versuchte sie es noch einmal in etwas versöhnlicherem Tonfall.

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Re: Auf Abwegen

Beitrag von Laurina » So, 12. Feb 2012 15:07

Jetzt wurde das Mädchen zunehmend ungeduldiger und gereizt, Laurina sah ihr zwar nicht in die Augen konnte aber das böse Funkeln förmlich spüren das in ihren Augen stand während sie sprach. Natürlich hatte sie recht. Das Floß war wahrscheinlich schon unzählbare Male über den Fluss gefahren ohne zu kentern, und nach einem Sturm sah es im Moment ja nicht gerade aus, das Wasser war ruhig und der Himmel klar. Sie murmelte unverständliche Entschuldigungen vor sich hin während Cynárea noch weiter sprach.
Dann folgte sie dem Blick des Mädchens „Brücke?“ und sah zu dem Bauwerk das in einiger Ferne gut sichtbar über dem Fluss thronte. Ihre Augen weiteten sich vor Schrecken, denn das Ding war nicht nur verflucht teuer, sondern auch verflucht hoch! Schnell änderte Laurina ihre Meinung und drängte fast schon hin zum Floß „Das Floß, das Floß.. aber halt mich fest, ich kann nicht schwimmen.“ Sie zweifelte jedoch daran dass das Mädchen eine gute Schwimmerin war. Nicht so gut dass sie Laurina in voller Kleidung gegen die Strömung bringen konnte. Wahrscheinlich würden sie im Notfall einfach beide wie Steine sinken weil sich Laurina zu fest an das Mädchen klammerte. Schnell verbannte sie dieses Seznario aus ihrem Kopf und tat die ersten unsicheren Schritte auf das wacklige Floß, erst ein Fuß, dann der andere, während sie sich immer noch so an Canýarea festhielt dass es eigentlich nur noch gefährlicher wurde. Ein leichtes Zittern durchfuhr ihren Körper und sie konnte nicht sagen ob das jetzt das Fieber war oder die Unruhe die sich vom Wackeln des Floßes auf dem Wasser bis in ihren Kopf übertragen hatte.
Schnell ließ sie sich auf dem hölzernen Gefährt nieder sinken um möglichst viel von ihrem Körper in Kontakt mit etwas festem zu bringen. Dann schloss sie die Augen und hoffte aufs beste. Sobald sie jedoch so da saß und die Augen geschlossen hatte fiel ihr aber plötzlich wieder ein wie Müde sie eigentlich war. Das Schaukeln war plötzlich gar nicht mehr so schrecklich, eher beruhigend. So verbrachte sie die kurze Überfahrt nicht panisch zitternd, sondern leicht vor sich hin dösend an Cynárea gelehnt.

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Re: Auf Abwegen

Beitrag von Cynárea Boragin » Fr, 17. Feb 2012 18:45

Cynárea wurde von Laurinas plötzlichem Sinneswandel völlig überrascht und durch das Tempo, dass sie trotz ihrem Bein plötzlich in Richtung Fähre vorlegte, beinahe aus dem Gleichgewicht gebracht.
„Ist ja gut, wir gehen ja schon!“
Nur mit Mühe und Not konnte sie den Inhalt des Korbes davor bewahren, sich ein zweites Mal über den Boden zu verteilen. Ein Glück, denn die belustigten bis misstrauischen Blicke, die die gelangweilten Ochsentreiber ihnen zuwarfen, waren ihr wirklich unangenehm. Mit betont ausdrucksloser Mine eilte sie mit Laurina an ihnen vorbei. Während diese sich auf das Floß fallen ließ, hatte sich Cynárea zähneknirschend noch um das geschäftliche zu kümmern: Zuerst förderte sie aus ihrer Rocktasche vier Jestu zu Tage, dann fand sie nach einigem Kramen in der Tasche ihrer Schürze noch einen. Und Nummer sechs? Sie suchte in der zweiten Rocktasche, dann noch einmal in der ersten, schaute im Stoffbeutel nach, in dem sich ihr Mittagessen befunden hatte… nichts. Zunehmend nervöser werdend machte sie schon Anstalten, die Taschen noch einmal durchzugehen, da machte der Fährmann dem ein Ende.
„Mensch, Mädchen. Haste nu noch einen, oder nich?“ Stirnrunzelnd blickte er auf Laurina, dann Cynárea, und dann ihren Korb, und beugte sich zu ihr herunter.
„Zwei halbe Portionen fahren heute für nur fünf Jestu“, murmelte er. „Jetzt steig endlich auf, wir wollen los. Und… halt!“ Cynárea hatte schon ein „Danke“ gestammelt und sich halb umgedreht, da hielt der Fährmann sie am Arm fest, nahm sich mit der anderen Hand eine Handvoll Brombeeren aus dem Korb und zwinkerte ihr zu. „Passt so.“

Cynárea war froh, als sie das Ufer endlich hinter sich ließen. Laurina schien wirklich erschöpft zu sein, denn kaum hatte sie gesessen, war sie auch schon eingedöst. Mehrmals musste Cynárea sie davor bewahren, nach vorn zu kippen. Ohne eine Miene zu verziehen packte sie sie immer wieder an der Schulter und brachte sie in aufrechte Position. Da sie Laurina jedoch auch nicht wecken wollte (sie würde wohl noch all ihre Kraft brauchen, bis sie die Apotheke endlich erreicht haben würden), naschte sie alleine etwas von den Brombeeren… der bisherige Weg hatte auch an ihren Kräften gezehrt. Und sie würde in den nächsten Wochen ohnehin noch ein paar Mal losziehen müssen.

Fünfzehn oder zwanzig Minuten später konnten sie am Südufer von Bord gehen. Von dort aus wäre es an guten Tagen noch einmal so lange bis zum Mühlentor gewesen, doch heute war wohl weder für Cynárea noch für Laurina ein guter Tag. Müde schleppten sie sich die unebene, gepflasterte Straße entlang, durch das Dorf Kahnweil und an den fünf Mühlen entlang, denen das Tor, auf das sie zusteuerten, seinen Namen verdankte. Nicht einmal der Zirkusplatz interessierte Cynárea im Moment noch sonderlich. Waren es auf der Straße nördlich des Flusses noch zu wenig Passanten gewesen, so dass sie niemand mitgenommen hatte, wurden es hier mit jeder Viertelmeile, die sie der Stadtmauer näher kamen, mehr. Zu viele, als dass jemand sich noch um die zwei Mädchen gekümmert oder sie gar mitgenommen hätte.
Irgendwann dann – Cynárea hatte ihr Zeitgefühl für den Moment verloren – ragten dann endlich die Mauern Merridias vor ihnen auf. Das grünliche Dach der Kupferturms überragte noch die massiven Türme, die die Stadtmauer krönten, und auch Palast und Tempel auf den Hügeln Zendân und Athiribar waren zu sehen, während sich die Wohngebäude hinter die Wälle duckten wie Hunde in Angst vor der Knute. Vor dem Mühlentor stauten sich die Menschen, die es jetzt, einige Stunden vor der Abenddämmerung, noch passieren wollten, um letzte Besorgungen zu erledigen oder noch einige Meilen auf dem Weg zur nächsten Stadt hinter such zu bringen. Unauffällig, aber wachsam, wurde die Menge von mit Piken und Eisenharnisch ausgerüsteten Stadtwachen inspiziert, um verdächtige Gestalten auszusortieren…

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Re: Auf Abwegen

Beitrag von Laurina » Mo, 27. Feb 2012 18:43

Auch den weiteren Weg nahm das Elfenmädchen nur wage wahr. Nur sehr leidlich war sie am Ende bereit gewesen das Floß wieder zu verlassen, einerseits weil sie aus einem halbwegs sanften Schlummer gerissen wurde, andererseits weil sie wieder einen großen Schritt übers Wasser machen musste um ans Ufer zu gelangen. Und dann, ganz plötzlich war da diese Stadt. Oder besser gesagt die Mauern, von ihrer Position konnte sie kaum mehr erkennen als die Hohen Steingebilde und das Tor das sich ihnen näherte. Tatsächlich kam es Laurina in ihrer halben Trance so vor als würde dieses Tor sie zu sich ziehen, die Schritte die sie tat wurden von einer solchen Taubheit begleitet, dass sie überhaupt nur noch wenig wahrnahm. Doch jetzt wurde sie erneut ein wenig wacher, zumal einer ihrer selbst erklärten Alpträume direkt vor ihr auf-thronte, eine Stadt der Menschen. Welchem Wahnsinn war sie verfallen überhaupt bis hier hin zu kommen? Sie wollte anhalten, belastet das falsche Bein und erinnerte sich damit selbst an die Antwort. Sie hatte ohnehin keine Wahl, schließlich konnte sie schlecht durch den Fluss zurück schwimmen, und selbst wenn ihr das sehr zu bezweifelnde Wunder gelungen wäre das Mädchen zu überreden sie wieder zum Floß zu bringen, Laurina hatte kein Geld und nach der letzten Fahrt ging es Cynárea im Moment wohl ähnlich. Von weglaufen konnte ohnehin nicht die Rede sein. Sie brauchte ja selbst für diesen schlürfenden Gang die Stütze des Menschenmädchens.
Nun waren sie fast bei den Wachen und Laurina durchzog eine erneute Welle der Panik. Überprüften sie jeden Einreisenden? Was war mit dem Steckbrief? Hing er da irgendwo im Wachhaus? Sie wollte nicht an den Galgen... Einer der Wachmänner betrachtete sie misstrauisch und Laurina durchzog ein heftiges zucken. „Was stellt ihr denn da?“ Fragte der Wachmann mit der selben Sprachform die auch Cynárea gebrauchte, und so hatte Laurina die an den elfischen Tonfall gewöhnt war leichte Probleme zu verstehen. Wahrscheinlich wäre es um einiges Intelligenter gewesen das Mädchen reden zu lassen, doch Laurina entglitt in der Panik und Verwirrung ein unzusammenhängender Wortschwall der „Wald.. gefallen.. will nicht... Galgen...“ und andere Satzfetzen enthielt. Das ganze wäre selbst für jemandem der fließend elfisch und coreonisch sprach schwer zu entschlüsseln gewesen, für den Wachmann der nur merridisch Sprach hätte es alles bedeuten können. Er erhob hastig eine Hand und unterbrach die brabbelnde Elfe. „Woah, ruhig ruhig.“ Sein Blick glitt hastig von links nach rechts. Dann wandte er sich vor allem Cynárea zu „Meine Schicht ist so gut wie beendet und ich hab mich heut schon mit genug Verrückten für eine Woche rumgeschlagen, pass auf dass die da keinen Anfällt und ihr könnt rein.“ Hastig winkte er sie durch ehe einer seiner Kollegen etwas bemerken konnte und war sichtlich erleichtert als sie in der Menge untertauchten.

Die Stadt war einfach... widerlich. Das wenige was sie wahrnahm gefiel ihr jedenfalls ganz und gar nicht. Die Häuser standen so dicht das sie den Horizont nicht wahrnehmen konnte, es war laut und sie bekam noch weniger Luft als zuvor. Die Gerüche die sich überall verbreiteten waren ekelhaft, und das schlimmsten waren die Menschen. Sie waren einfach überall! So weit das Auge blicken konnte nur Menschen, sie drängelten und schoben, und traten ihr auf die nackten Füße. Alles war so schrecklich, sie glaubte fast sich selbst in dieser Masse verlieren zu können, geschweige denn Cynárea, und so klammerte sie sich um so fester an das Mädchen.
Die Straßen zogen sich endlos hin und alles sah so gleich aus das Laurina nicht hätte sagen können ob sie nicht vielleicht doch im Kreis liefen. Wie groß konnte diese verdammte Stadt denn sein? Irgendwann erreichten sie eine freie Stelle, und das Elfenmädchen realisierte dass der einzige Grund für das fehlen von Gebäuden der Fluss war der sich durch die Stadt zog. Sie steuerten eine Brücke an und Laurina zog es zum Rand der Brücke. Plötzlich war ihr das Wasser und die Höhe die sie von diesem trennte um vieles willkommener als die Menschenmassen die sich in der Mitte tummelten. Überhaupt war die Brücke verflucht breit und die Masse der Menschen schockierte Laurina schon wieder, wie konnte diese Brücke das ganze Gewicht den halten? Neuerliche Gerüche umnebelten sie, ob sie von dem Flusswasser stammten das verglichen mit den Wasserläufen draußen in den Wäldern alles andere als gesund wirkte, oder ob es an den Marktständen und ihren sonderbaren Waren lag die sich auf der breiten Brücke befanden konnte sie nicht sagen. Doch schließlich fühlte sie sich vollends überwältigt und ein heftiger Würgereiz griff nach ihrem Hals. Sie lehnte sich über das Geländer der Brücke zum Wasser hin, doch nach einigen Stößen klebte lediglich ein dünner Speichelfaden an ihrem Mundwinkel. Sie hatte schon so lange nichts mehr gegessen, und mit einem leeren Magen war ihr nur der trockene Brechreiz geblieben.
Irgendwann hatte sie sich wieder gefasst und sie legten das letzte Stück des Weges zurück. Sie hielten vor einer Tür über der ein Schild hing dessen Schrift Laurina nicht lesen konnte. Doch eines wurde ihr langsam bewusst: man hatte sie nicht bei der ersten Gelegenheit den Wachen übergeben. Das Mädchen war also die ganze Zeit ehrlich gewesen... irgendwie verspürte sie das dringende Bedürfnis sich zu bedanken, doch das hatte sicher noch Zeit. Jetzt wollte sie nur in den Schutz des Gebäudes und all das was diese Stadt so widerlich und furchterregend machte aussperren.

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Re: Auf Abwegen

Beitrag von Cynárea Boragin » Mo, 05. Mär 2012 19:52

Cynárea hatte gar nicht damit gerechnet, dass vielleicht ein Grund bestehen könnte, die Elfe nicht in die Stadt zu lassen – zu sehr war Laurina für sie Patientin, nicht eine möglicherweise gefährliche Fremde. Und schließlich stimmte das ja auch: Momentan bestand wohl wirklich keine Gefahr, dass sie „jemanden anfiel“… schon weil ihr Messer noch immer in Cynáreas Korb steckte.
Sie nickte also nur, etwas verwirrt, und schob sich dann mit dem Mädchen an ihrer Seite weiter durch die Menge. Auch nach dem Tor wurde es nicht wirklich weniger voll, so dass Cynárea ihre ganze Aufmerksamkeit aufwenden musste, um Laurina heil durch die Menge zu bekommen… sie konnte trotzdem nicht verhindern, dass mehr als einer der sich vorbei drängenden Passanten auf Laurinas Füße trat. Endlich sah sie vor sich, gleich hinter den Bettelmarkt, der zumindest ein klein wenig mehr Luft zum atmen versprach. Tatsächlich schafften sie es dann relativ schnell und fast ohne Zwischenfälle bis zur Apotheke, abgesehen von einem eher erfolglosen Versuch Laurinas, sich in den Aras-Kanal zu übergeben.

Eine Viertelstunde später, das warme Nachmittagslicht fiel durch das kleine Fenster im Flur des oberen Stockwerkes, lehnte Cynárea sich erschöpft an die Wand und atmete auf.
Es war noch einmal ein Kampf gewesen, die Elfe die Treppe hinauf, durch den Flur und in die Kammer zu befördern, in der bis vor wenigen Monaten ihr Bruder Nival geschlafen hatte. Sie hatte ein wenig um das niedrige, wackelige Bett gefürchtet, das lediglich mit einer Strohmatratze und einer Decke wohl keine allzu luxuriöse Schlafgelegenheit abgab, was die Elfe aber nicht weiter zu stören schien – sie war, kaum dass sie halb darauf lag, schon eingedöst und auch davon, dass Cynárea ihre Beine vorsichtig ins Bett hob, nicht mehr wach zu bekommen. Für die Apothekerin war das jedoch noch nicht das Ende der heutigen Arbeit gewesen. Behutsam hatte sie das eine Hosenbein bis zum Knie hochgeschoben und nun erst das ganze Ausmaß des Unglücks genauer betrachten können. Sie war froh, dass sie nun nicht mehr so tun musste, als wäre alles halb so schlimm… denn das war es nicht. Von der kleinen Schürfwunde am Schienbein ausgehend war der gesamte vordere Teil des Beines zwischen Knie und Knöchel leicht rosa bis flammendrot verfärbt, angeschwollen und heiß.

Immerhin wusste Cynárea ab da wieder, was zu tun war.
Sie gönnte sich nur eine kurze Verschnaufpause, ging dann hinunter in die Küche und bereitete alles für eine erste Versorgung der Wunde, Entzündung und nicht zuletzt der Elfe vor.
Es dauerte eine Weile, bis sie die Glut wieder entfacht hatte und Wasser in dem Eisenkessel zum kochen gebracht hatte; währenddessen wusch sie sich gründlich die Hände. Ein sauberer Lappen, ein Küchenbrett mit mehreren Tiegeln, Geschirr und Beutelchen darauf und eine Schüssel mit dem dampfenden, abgekochten Wasser – sie musste zweimal gehen, bis sie alles nach oben geschafft hatte. Dann endlich säuberte sie die Wunde von Erde und Eiter. Laurina wachte während dieser zweifellos schmerzhaften Prozedur mehrfach auf, hatte aber entweder nicht den Willen oder nicht die Kraft, sich ernsthaft zu wehren. Sie zuckte zwar und stammelte Unverständliches vor sich hin, blieb aber liegen und öffnete die Augen immer nur kurz.
Auf das gesamte Schienbein trug Cynárea Beinwell-Salbe auf und verband es dann lediglich mit einem dünnen Leinentuch, damit die Salbe möglichst dort blieb, wo sie hin gehörte.
Mit dem übrigen heißen Wasser hatte sie derweil einen bitteren Weidenrindentee aufgebrüht, schaffte es jedoch nicht, diesen der in einen fiebrigen Schlaf gesunkenen Elfe einzuflößen. Nach einer Weile gab sie auf und ließ die Tasse ein Stück weg vom Bett auf dem Boden stehen – sie würde schon irgendwann aufwachen, und Cynárea war sich sicher, dass sie dann Durst haben würde. Und nun konnte sie nichts weiter tun, als zu hoffen.

Der kurze verbleibende Rest des Tages verging schnell: Ein einziger Kunde kam vorbei und kaufte eine ungewöhnlich große Menge Herba Abrotani – Eberraute – und kaum war dieser fort, verschwand Cynárea wieder in der Küche. Bis zum Abend war sie damit beschäftigt, einen bis auf die Brombeeren vielleicht eher weniger schmackhaften, aber dafür umso nahrhafteren Getreidebrei zu kochen, immer wieder hoch zu gehen und das Bein der Elfe mit nassen Lappen zu kühlen und die Inhalte des Korbes für die Weiterverarbeitung vorzubereiten; Laurinas Messer legte sie in Ermangelung eines anderen Platzes einfach auf den Küchentisch. Die Holzäpfel schnitt sie klein und würde sie dann am nächsten morgen wie die Hagebutten auf den Dachboden bringen, um sie dort in flachen Schalen auszubreiten und zu trocknen – heute war es bereits zu dunkel dafür. So ging sie dann kurz nach Sonnenuntergang das letzte Mal mit einem Binsenlicht in die Kammer, wechselte noch einmal die kühlenden Tücher und konnte dabei leider noch keine Besserung feststellen, aber immerhin, dass die Elfe nun endlich vom Weidenrindentee getrunken hatte. Sie ließ ihr einen Krug mit Wasser da sowie eine kleine Schüssel mit Brei und fiel dann in ihrem eigenen Zimmer todmüde ins Bett.

Der nächste Tag stand leider noch immer im Zeichen des Fiebers. Cynárea sah frühmorgens nach der Elfe, traute sich nicht, weiter weg als bis in die Küche zu gehen und konnte doch nichts anderes tun, als immer weiter zu kühlen und auf die Kraft von Beinwell, Ringelblume, Hirtentäschel und Weidenrinde zu hoffen. Unruhig beschäftigte sie sich den ganzen Tag mit Kleinkram, ohne etwas zu Ende zu bringen. Gegen Abend hatte sie das Gefühl, das Fieber wäre gesunken, und Laurina hatte etwas vom Brei gegessen, doch das Bein war, soweit Cynárea das beurteilen konnte, noch immer unverändert rot und entzündet, auch wenn die Wunde immerhin nicht weiter geeitert hatte sondern langsam zu heilen schien. Das Fieber war jedoch noch immer da, und langsam wurde die Apothekerin unruhig. Gut, sie war keine Ärztin, aber sie befürchtete, dass so hohes Fieber über einen längeren Zeitraum gefährlich werden konnte. Allerdings kam ihr nicht in den Sinn, einen „richtigen“ Arzt zu holen, denn mit diesen hatte sie bisher keine allzu guten Erfahrungen gemacht. Wenn die Kräuter und der Wille der Elfe nichts ausrichten konnten, dann schon gar kein Arzt, das hatte ihr ihr Vater eingetrichtert. Einen Chirurgen würde sie erst holen, wenn das Bein abgenommen werden musste.

Dementsprechend besorgt war sie, als sie am folgenden Morgen mit den ersten Sonnenstrahlen aufstand und das Fieber zwar niedriger, aber noch immer da war. Sie hatte sich fest vorgenommen, alles zu tun, um die Elfe zu retten… dass sie ihr einfach so unter den Fingern weg starb, konnte sie nicht akzeptieren. Sie nahm sich nicht einmal die Zeit, genauer nach der Wunde zu sehen, sondern beeilte sich um aus dem Haus zu kommen. Nicht nur, dass sie ein Huhn für eine kräftigende Brühe besorgen wollte (ein Luxus, den sie sich sonst fast nie gönnte), es wurde langsam auch einfach unabdinglich, mal wieder auf den Markt zu gehen, um die Borde in der Küche wieder mit Lebensmitteln aufzufüllen. Leise schloss sie die Tür der Apotheke hinter sich, wie um ihre Patientin nicht aufzuwecken, überlegte kurz, ob sie die Tür abschließen sollte, brachte es dann aber nicht über sich, die Elfe einfach einzuschließen. Sie würde schon noch da sein, wenn sie wieder kam – wo sollte sie auch hin, und warum? Eilig machte sie sich auf den Weg zum Bettelmarkt.

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Re: Auf Abwegen

Beitrag von Elynia » Mo, 05. Mär 2012 21:04

Die Sonne stand hoch an diesem Tag und als Elynia inne hielt, gab sie ein leises Schnaufen von sich. Heiß, viel zu heiß war es heute für ihren Geschmack und sie lehnte den Handrücken kurz an die Stirn, das kühle Leder der Handschuhe schenkte gar ein beruhigendes Gefühl. Mit einem leisen aber dumpfen Laut rutsche die alte und schon oft geflickte Leinentasche von ihrer Schulter und landete auf dem trockenem Boden, wirbelte für einen Moment Staub auf. Eine der geschwungenen Brauen der Frau hoben sich während sie den Blick zu der Tasche senkte ehe sie fast liebevoll mit dem Stiefel dagegen trat und ihren Wasserschlauch von dem Gürtel löste. Während sie den Schlauch öffnete und schließlich daraus trank wendete sie den Blick, drehte dabei den Oberkörper- erst nach links, dann nach rechts. Wachsam schweifte der Blick über die Felder die sich zu ihren Seiten Kilometerweit erstreckten und ein Lächeln legte sich auf ihre Züge. „Zehn Jahre.. oder waren es zwölf?“, murmelte sie wie zu sich selbst ehe die Augen über die Mauern streiften die sich zwar vor ihr, aber in noch einiger Entfernung erhoben. Ja, wie lange war sie nun schon nicht mehr in Merridia gewesen? Auf jeden Fall war es schon eine ganze Weile her und fast hatte sie vergessen für wie Großartig sie die große Handels- und Hauptstadt empfunden hatte.

Bereits vor einigen Stunden hatte sie Alt-Kahnweil hinter sich gelassen und die Aussicht, dass es noch dauern würde bis sie sich im Schatten der Häuser nieder lassen können würde, strapazierte ihre Laune. Und das, obwohl sie das Laufen und Wandern so gewohnt war. „Pferde, wer brauch schon Pferde, wenn er Beine hat?“, fuhr sie ihr Murmeln fort, auch wenn ihre Gesichtszüge verrieten, dass sie sich über ein Reittier gefreut hätte. Sie wollte einfach endlich in der Stadt ankommen, von der sie sich so viel erhoffte. Mit einem erneuten Schnauben band sie den Wasserschlauch wieder fest und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare, die sie zu einem Zopf gebunden hatte aus dem sich unzählige Strähnen lösten. Würde sie jetzt jemand sehen, würde man sie wohl vor allem für eine Streunerin und sicherlich nicht für eine gelernte Schreiberin halten. So stand sie da. Vier Minuten, fünf.. vielleicht auch zehn Minuten und starrte einfach nur auf die vor ihr liegenden Stadtmauern ehe sie sich dazu durchrang wieder nach ihrer Tasche zu greifen und sie über ihre Schulter zu hängen. Schwer war sie, mit den wenigen Sachen die sie zum Leben brauchte, nicht, aber sie war erschöpft, müde und verschwitzt.. da schien jeder Gramm so viel wie ein Kilo zu wiegen. Ihre Gugel wurde bis zum Haaransatz nach vorn geschoben, dann machte sie sich wieder auf den Weg während jeder weiterer Schritt erneuten Staub aufwirbelte. „Ihr seid auch einmal dunkler gewesen..“, brummte sie ihren Stiefeln dabei entgegen.

Mit jedem Schritt und jeder Minute die verging kam die Elfe dem Mühlentor näher und auf die letzten Meter schien sie dann auch zu vergessen wie erschöpft sie war und wie schwer eigentlich die Tasche wog. Ein weiteres Stück wurde die Gugel herab gezogen und ihr Blick senkte sich etwas, als sie an dem ersten Wachturm vorbei kam- mit einem Neigen des Kopfes wurde dennoch der Soldat gegrüßt der sie wachsam und kritisch musterte. Nur noch ein paar Schritte.. nur noch an dem Zirkusplatz vorbei..
Als sich der erste Schatten der Mauern auf ihr Gesicht warf stöhnte sie erfreut leise auf. Das Tor hatte sie hinter sich gelassen und nun hob sich ihr Kopf wieder ein Stück weit um in die Stadt zu blicken, ein erneutes Lächeln auf ihren Lippen als sie stehen blieb während um sie herum Bewohner wie auch Handelsmänner der Stadt in eiligen Schritten vorbei liefen. Sie war angekommen. Endlich und eine Welle des Glücks überfiel sie, dass sie hätte aufschreien können. Aber Elynia war eben Elynia und so verhielt sie sich still, während sie die ersten Schritte durch die Stadt ging und sich dabei in den wohltuenden Schatten der Häuser aufhielt.

Gerade so tief, dass man im ersten Moment nicht ihre Augen sehen konnte, hatte die Frau ihre Gugel gezogen, während sie sich durch die belebten Gassen Merridias schleppte, das beflügelte Gefühl ob ihrer Ankunft hatte nachgelassen und unter ihrer Kleidung rann ihr der Schweiß über das Gesicht und mittlerweile auch den Rücken herab. Eigentlich war sie auf der Suche nach einem Gasthaus, ein Ort an dem sie ihre Füße endlich würde hochlegen können und sich zumindest waschen, aber die neuen Eindrücke hinderten sie daran. Als sie schließlich den Altmarkt erreichte, da hinderten sie vor allem die Zahlreichen Stände daran, überhaupt zielgerichtet weiter gehen zu können. Für einen Moment verharrte sie an einem Stand, an welchem es wunderbar nach frischem Brot roch und sie hielt den Blick gesenkt, während sie die Waren des Mannes musterte, den sie sich nicht einmal genauer ansah. "Das du bloß deine Finger von meinem Brot lässt, wenn du nur stehlen willst!", grollte ihr die Stimme des Händlers entgegen und sie spürte seinen stechenden Blick auf sich während sie den kleinen Beutel mit Silber aus ihrer Tasche fischte und sie warf ihm einfach trotzig zwei Silberstücke zu viel über die Anreiche des Standes ehe sie sich ein kleines Stück Brot schnappte. Es war nicht weniger Trotz, als sie schmatzend herein biss und sich wieder abkehrte. Grimmig, aber nicht unzufrieden packte der Händler die Münzen ein und sah der Frau kopfschüttelnd hinterher.
Langsam bahnte sich Elynia einen Weg zum Fluss, bis sie sich dort auf einer kleinen Grünfläche nieder ließ. Kauend und in Gedanken versunken beobachtete sie einzelne Handelsschiffe, die an ihr vorbei und in den Hafen einfuhren.

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