Steppe

vergleichbar mit:
Zentralasien, Great Plains in Nordamerika

Temperaturen (Norden)
Sommer: 25°C (12 bis 38)
Winter: -10°C (-23 bis 3)

Temperaturen (Süden)
Sommer: 30°C (22 bis 38)
Winter: 5°C (-3 bis 13)

Diese hügelige, trockene Landschaft befindet sich im Zentrum Alvaranias. Sie wird von den Steppenreitern bewohnt, die fast ausschließlich nomadisch leben und je nach Jahreszeit ihren Wohnort wechseln. Im Süden der Steppe findet man daneben auch einige Clans der Kentauroi, die aber eher wenig Kontakt mit den Menschen haben.

Klima

Das Gebiet ist aufgrund der großen Entfernung zum Meer extremen jahreszeitlichen Wetterschwankungen ausgesetzt: im Sommer verdorrt das meiste pflanzliche Leben aufgrund der Hitze, im Winter bietet nur der manchmal meterhohe Schnee den Pflanzen Schutz vor der Kälte. Relativ trocken ist es das das ganze Jahr über. Im Spätsommer fegen starke Stürme über das ungeschützte Land. Nur im Frühjahr blüht das Leben für einige Zeit – dann führen auch die Flüsse mehr Wasser und überschwemmen die Graslandschaft mit (Schmelz-)Wassermassen aus dem Norden und Osten.

Am Nordrand der Steppe ist das Klima mit dem der Eiswüste zu vergleichen.

Richtung Süden wird das Klima wärmer, was aber auch extrem heiße Sommer mit großer Trockenheit bedeutet. Ungefähr auf der Höhe der Zhîraled-Seen beginnt langsam der Einfluss des Meeres spürbar zu werden, was mildere Temperaturen mit geringeren jahreszeitlichen Unterschieden und immer mehr Niederschlag bedeutet.

Vegetation

Die Steppe ist fast ausschließlich von verschiedenen Gräsern und dazwischen niedrigeren Kräutern bewachsen. Nur einzelne Bäume durchbrechen in geschützten, wasserreicheren Senken das Bild. Im Frühling blühen für kurze Zeit viele Pflanzen und machen die Steppe zu einem wogenden Blütenmeer, doch schon im Frühsommer beginnt das Gras langsam zu verdorren. Im Sommer gleicht die Steppe einem gelben, trockenen Meer unter erbarmungsloser Sonne, an einigen Stellen im Südwesten geht sie sogar in Halbwüste über.

Tierwelt

Trotz des rauen Klimas bietet die Steppe Lebensraum für viele Tierarten: Wölfe, Füchse und Kojoten machen Jagd auf Kleintiere wie Kaninchen, verschiedene Rattenarten, Schneehühner und Nagetiere. Größere Tiere wagen sie nur in der Zeit des größten Hungers anzugreifen bzw. ernähren sich lediglich von ihrem Aas: das Ukhaan, auch „gehörntes Karibu“ genannt, das ausschließlich in der Steppe zu finden ist und in dieser große jahreszeitliche Wanderungen unternimmt (im Sommer wandert es in den Norden und kehrt im Winter in den milderen Süden zurück), sowie verschiedenen Reharten. Außerdem gibt es Wildpferde, von denen die domestizierten Reittiere der Steppenbewohner abstammen. Hin und wieder werden noch immer Wildpferde gefangen und gezähmt.
Im östlichen Teil der Steppe findet man hin und wieder auch Bären, die vom Rand der Gebirge kommen.

Besiedelung

Die Steppe ist wenig besiedelt. Hier können aufgrund der widrigen klimatischen Bedingungen nur Nomaden überleben. Nur am Rand der Steppe und ganz vereinzelt entlang der Handelsrouten, die sie durchqueren, findet man kleine Dörfer. Diese gleichen allerdings meist mehr einer ungeordneten Ansammlung von Bretterbuden, Jurten und Zelten. Mehr als zwei oder drei Familien in ebenso vielen Gebäuden sind es meist nicht, die in einer dorfähnlichen Gemeinschaft das ganze Jahr an einem Ort bleiben. Tavernen, Badehäuser, Stadtwachen, Ärzte oder andere Annehmlichkeiten der Dörfer und Städte in den Nordreichen oder Kamîrush sucht man hier vergeblich – die Leute sind Selbstversorger und nicht auf regelmäßige Gäste eingestellt. Das ist auch der Grund dafür, dass in der Steppe fast ausschließlich Tauschhandel betrieben wird. Hin und wieder wechseln auch Münzen den Besitzer; hier ist es aber ausschließlich der Materialwert, der ausschlaggebend ist.

Thamyr

Das größte Dorf, das noch im Gebiet der Steppe liegt, ist Thamyr. Hier sind es nicht nur zwei oder drei, sondern ungefähr zwei Dutzend Familien, die sich das Tal am Rand der Zuhandal-Kette als ganzjährige Heimat gewählt haben. Sie leben in einfachen, einstöckigen Gebäuden aus Holz, zwischen denen viel Platz gelassen wurde – im Grunde ihres Herzens sind die Bewohner Thamyrs noch immer Steppenreiter, die die Freiheit der nördlichen Weite lieben und nicht eingeengt werden wollen. Zwischen den Häusen befinden sich einfache Gemüsegärten, Pferdekoppeln und Gehege für weitere Haustiere.
Neben den fest ansässigen Bewohnern Thamyrs wird das Bild von jenen vervollständigt, die auf der Durchreise sind oder nur einen Teil des Jahres hier verbringen, also keine festen Behausungen bewohnen. Zelte, provisorische Hütten und hin und wieder sogar von Pferden gezogene Wohnwagen sind um das Dorf herum verteilt.

Die Bewohner Thamyrs leben von der Pferdezucht, von der Verpflegung und Ausrüstung der Durchreisenden (trotz seiner abgelegenen Lage führt eine Variante der Handelsroute zwischen West- und Ost-Alvarania über Thamyr) und von der Selbstversorgung. Sie betreiben zwar keine Landwirtschaft in dem Sinne, ein wenig mehr als das Gemüse für den Eigengebrauch bauen aber alle an. Ansonsten ist es hauptsächlich die Viehzucht, die die nötige Nahrung liefert. Schafe werden nahe bei den Häusern gehalten, die Rinder und Pferde etwas entfernt. Sie werden stets von Trupps junger Männer bewacht. Zum Lebensunterhalt trägt außerdem die Jagd bei. Thamyr ist ein wichtiger Umschlagplatz für Leder, Felle und sonstige Waren der Steppenreiter – und im Gegenzug für Erzeugnisse aus Metall wie Pfeil- und Speerspitzen, Dolchklingen und ähnliches Werkzeug, das sehr begehrt bei den Steppenreitern ist. Die Bewohner Thamyrs betätigen sich als Zwischenhändler und machen damit reichlich Profit. Sie sind daher gleichermaßen beliebt wie verhasst bei den nomadischen Steppenreitern, die meist keinen direkten Kontakt zu den Händlern aus den Nordreichen oder den Bergen haben und so auf die Zwischenhändler angewiesen sind. Andererseits ist Thamyr ein beliebter Versammlungsort, da früher oder später jede Neuigkeit und jedes Gerücht hier landet.

Das "Versammlungshaus"

Besucher Thamyrs, die keine eigene Unterkunft mit sich führen, können entweder in einer der Hütten auf Gastfreundschaft hoffen, oder im sogenannten „Versammlungshaus“ Unterschlupf finden. Erstere Variante bedeutet meist, im Stall oder auf einer Küchenbank schlafen zu müssen, dafür aber ein schmackhaftes Abendessen und gastfreundliche Behandlung genießen zu können… eine Gegenleistung wird allerdings immer erwartet, und es werden selten völlig Fremde aufgenommen. Im Versammlungshaus (einem etwas größeren ebenerdigen und einstöckigen Holzgebäude), das so etwas wie Thamyrs Gasthaus darstellt, ist das Abendessen meist weitaus weniger schmackhaft und die Gesellschaft weniger angenehm – dafür kann hier jeder eine Schlafstatt bekommen, auch wenn er keine Bekannten in Thamyr hat. Hier werden meist Münzen für eine Übernachtung und Essen fällig, es werden aber auch Tauschwaren angenommen, wenn der Wirt sie gerade benötigt. Vom Eingang aus gelangt man in einen großen Raum, der mit Sitzgelegenheiten ausgestattet ist. In der Mitte brennt ständig ein Feuer, über dem ein Kessel mit einem mehr oder weniger schmackhaften Eintopf vor sich hin brodelt. Eine Frau oder der Betreiber des Wirtshauses selbst versorgen die Gäste mit Eintopf und verschiedenen Getränken (meist einfaches Wasser, aber auch das beliebte Bier und selten einmal Obstwein oder Spirituosen). Vom „Gastraum“ geht nach links ein ca. 4-5m breiter Flur ab, der in regelmäßigen Abständen von kleinen Feuern erhellt ist. Links und rechts davon befinden sich die „Zimmer“ - durch dünne Bretterwände abgeteilte Verschläge, in denen mit billigen Fellen ausgestattete Holzbänke als Schlafstatt dienen. Wirkliche Privatsphäre darf man hier nicht erwarten, ebenso wenig wie Komfort – aber immerhin sind die Ritzen des Gebäudes gut mit Moos abgedichtet, die Feuer spenden Wärme – und man ist hier auf jeden Fall sicherer aufgehoben als eingewickelt in seinen Umhang hinter einem der Gebäude.